Montag, 31. Mai 2010

Wünsch Dir Was

Ich würde übertreiben, wenn ich sagte, ich wäre die stolzeste Mutter des Universums. Und es wär ebenso übertrieben, wenn ich sagte, ich wäre die stolzeste Mutter der Welt. Auch wenn ich mich grad so fühle :-) Dann bin ich eben... die stolzeste Mama des Augenblicks.

Vor genau 2,5 Stunden hat mein großes Kind mir mitgeteilt, dass es nunmehr zu uns Werktätigen gehört, dass er zwar unzufrieden mit sich selber ist, weil seine Leistung nicht so perfekt war wie er es selber gerne gehabt hätte - aber bestanden ist bestanden, und manche Dinge brauchen eben ihren zweiten Anlauf. Ich hab schon in meinem Kühlschrank gekramt und - yupp - ich hab die letzte Flasche Weißweinschorle geöffnet und auf meine Kinder, auf das Leben und überhaupt angestoßen.
In ein paar Tagen werde ich wieder ein Jahr älter und befragt, was ich mir denn wünsche, wurde mir ganz wehmütig zumute. Jetzt bin ich in ein Alter geraten, in dem man Frauen Töpfe und Pfannen schenkt und den Herren Krawatten oder Socken. Oder so. Wer aber sagt eigentlich, dass es immer Dinge sein müssen, die Geld kosten? Wer sagt, dass das, was wertvoll ist, immer mit Geld bezahlt sein muss?
Natürlich... Auch die Flasche Wein, die man mit an einen See nimmt, muss bezahlt werden. Auch die Decke, auf die man sich legt, ist mit Geld bezahlt worden.
Doch dieser Augenblick, wenn man einfach nur daliegt, den Himmel über sich, der Geruch von Gras, der Geschmack von Freiheit, das Gefühl des Losgelassenseins in diesem Augenblick, Raum und Zeit für Gedanken, Gefühle, Träume, Sehnsüchte... Das ist für mich mit keinem Geld der Welt zu bezahlen... Der selbstgebackene Kuchen in Form eines Herzens, eine Kerze in der Mitte, mich auspusten lassen und zu mir sagen: "Wünsch dir was"... - sagt das nicht mehr als alle Worte der Welt? Einfach das Gefühl haben: Da hat man sich Gedanken gemacht, da hat man den anderen gefühlt und gespürt...
Manchmal frage ich mich, warum es die kleinen Dinge im Leben sind, die im Grunde so einfach sind... und doch zu schwer scheinen...
Manchmal frage ich mich, warum man beispielsweise Abschlüsse und Siege braucht, nur um stolz sein zu dürfen. Wenn Ihr mich fragt: Auf meinen Großen bin ich stolz, weil er so ist wie er ist. Weil er immer spürt, wie es mir geht, ohne dass ich es ihm sage. Weil es ihm wichtig ist, dass es den Menschen, die er liebt, gut geht. Weil er den Menschen, die er liebt, auch zeigt, dass es so ist. Weil er seine Ausbildung von Anfang bis Ende durchgezogen hat, obwohl er immer wieder zu hören bekam, dass er sowieso ungeeignet dafür ist...
All das habe ich ihm heute Abend wieder gesagt. So wie ich meinen Liebsten immer sage und zeige, dass ich sie liebe, wie viel sie mir bedeuten. Sie genießen es, sie leben davon. Nur... Auch ich lebe davon... Da war es wieder, das bequeme-Sessel-Gefühl... Vielleicht sollte ich ja vom Sessel zum Wasserhahn mutieren. Wenn kein Wasser mehr fließt, merkt man das nachhaltiger als einen Sessel, den man ausrangiert, weil die Sitzfläche abgewetzt ist und ne Sprungfeder durchragt...
Doch heut Abend... gibt es keine traurigen Gedanken. Heut Abend genieße ich die Freude über meinen Jungen, die Freude über das Erreichte, die Freude über seine eigenen Glücksgefühle. Schritte, die sie in ihr eigenes Leben führen... ermöglichen auch mir Schritte in mein eigenes Leben... Und auch darüber freu ich mich... Ich bin ja nicht nur eine Mama. Ich bin vor allem ein Mensch aus Fleisch & Blut, der denkt und lebt und hofft und fühlt und träumt und sehnt... Eines Tages... bin ich dran.

Montag, 24. Mai 2010

Sex & The City

Ich liebe diese vertrödelten Nachmittage, die mir ganz allein gehören, in denen ich mich ungeschminkt und mit nachlässig zusammengebundenen Haaren, mit meinen Wohlfühlklamotten und barfuss in meiner liebevoll aufgeräumten Wohnung herumlaufe, meine Lieblingsdecke im Leopardenlook vor dem hereinbrechenden Gewitter aus dem Liegestuhl rette, zwischen meinen Kissen lümmel und romantische Filme konsumiere.
Gut, ich muss gestehen, fünf Filme hatte ich mir zum Supersondersparpreis bei Amazon gegönnt - zwei davon waren leider auch mit drei Euro zuviel Geld bezahlt (aber wozu gibts schließlich Secondhandshops ;-)) - und was gucke ich? "Sex & The City - Der Film" - in der, Moment, ich muss mal rechnen, vierten Wiederholung. Einmal im Kino, einmal mit Freunden, gestern im TV und heut Nachmittag wieder im TV geguckt - und dennoch... Gibt es trotz dessen, dass man manche Dialoge beinah auswendig mitsprechen kann, romantischere Momente als diese, wenn Du auf dem Sofa lümmelst, draußen bricht ein herrlich lautes Gewitter herein, in der Hand ein heißer Kakao - und Du schaust einen Film über das Suchen & Finden der großen Liebe?
Irgendwie identifiziert man sich ja immer mit dem, was man sieht - mehr oder weniger.
Also so konservativ wie die Charlotte bin ich nun bestimmt nicht :-)
So tough und konsequent wie die Miranda auch nicht.
Und so sexbesessen wie Samantha, die wahllos alle Buntstifte nutzt, solange sie nur groß genug sind - auch nicht!
Vielmehr fand ich mich in Carrie wieder: eine Kolumnistin mit Träumen und Sehnsüchten, immer auf der Suche nach der großen Liebe, obwohl ihr die längst schon begegnet war...
Meine treuen Leser wissen ja, dass ich nicht mehr die Allerjüngste bin und demzufolge schon wenigstens zweimal glaubte, die große Liebe gefunden zu haben. OK - der erste Fehlversuch sei dem zarten Alter geschuldet, der mich damals auf Äußerlichkeiten statt auf Umgangsweisen fliegen ließ. Und der zweite Fehlversuch... reden wir lieber nicht drüber. Bei manchen Dingen ist es einfach nur gut, dass sie vorbei sind - weil alles das, das nicht zum HappyEnd führt, manchmal nur eine lebenslange Lüge bleibt. Davon hab ich echt sowas von genug.
Aber wie war das noch mit Carrie? Die hat ja auch genug Frösche geküsst, bis sie ihre große Liebe geheiratet hat. Und heute Nacht träumte ich, dass mir jemand einen genau solchen Ring schenken wollte... Blöd nur, dass ich erwachte, bevor er zum Zuge kommen konnte. Na wenigstens hatte ich das Goldstück erspäht ;-)

Dienstag, 18. Mai 2010

Amazon, Ick Liebe Dir

Hatte ich nun all die freien Tage arbeitgeberfreundlich krank zu Bett verbracht und mich von QVC & Co. tunlichst ferngehalten, zu müde gewesen, ein Buch zu halten, geschweige denn zu lesen, so hatte ich zwar viel geschlafen und mich mühsam erholt, in den Pausen zwischendurch mit mir nicht wirklich viel anzufangen gewusst.
Der Mensch braucht Inspiration, hatte ich mir gesagt, im Internet ein bisschen herumgestöbert und mich doch nicht in der Lage gefühlt, auf ausgiebige E-Mails zu antworten, mich selbst so eine kleine Runde bedauert und in dem Gefühl von wegen "die ganze Welt ist scheiße" gesessen - bis mir der zündende Gedanke kam. Na klar! Was tun Frauen (und nicht nur die!), wenn sie Kummer oder Sorgen haben? Na klar. Entweder tüdeln die sich ordentlich einen über den Durst (fiel aus wegen der Medikamente), treffen sich mit Freundinnen (ging auch nicht, kriegte das Bein einfach nicht über die Bettkante) - oder shoppen. Und das - wie wir nun ausreichend geklärt haben - findet auch ganz zwanglos übers Internet statt.
Inspiriert durch einen wunderbaren geselligen DVD-Abend, sah ich mich bei amazon ein bisschen um - und was soll ich sagen - ich fand, wonach ich suchte.
"Reign over me" - vielleicht ist es typisch Hollywood, vielleicht aber ja auch gerade nicht.
Jedenfalls ist der Film mein Tipp für diesen Frühling - und Mädels, wenn Ihr grad kein Taschentuch dabeihabt - der Ärmel eines Freundes tuts auch!


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Das Tolle an Amazon ist: Gestern bestellt, OK, vorgestern, heute geliefert. Cool. Zum Supersondersparpreis und einen solchen herrlich entspannten DVD-Abend hätte ich mir auch am liebsten gleich heute gegönnt. Als ich heimkam vom Büro, müde, durchgefroren - irgendwie - und sowas von ruhebedürftig - aber ach... waren da die guten alten Behördengänge, der Wohnungsputz und zu guter Letzt die Hausaufgaben mit einem Kind, das ich zuweilen am liebsten an den Schultern schütteln wollen würde - anschließend brauchte ich kein heißes Bad mehr, mir war auch so heiß genug. Aber eingelassen ist eingelassen - also pfiff ich auf Film & Co., drehte die Mucke an und ließ mich ins heiße Wasser gleiten.
Jetzt bin ich so müde, dass ich keine einzige Filmminute mehr schaffte, ohne einzunicken, nicht mal Doc House könnte mich jetzt munter machen. Den guck ich nämlich auch ab und zu ganz gern. Aber nicht heute, Leute.
Heut präsentier ich Euch nur diesen Filmtipp.
Also dann - schlaft gut - ich empfehle mich ebenso.

Montag, 17. Mai 2010

Stimmen Aus Dem Jenseits?

Nein - bevor Ihr was Falsches denkt: Ich dreh nicht durch.
Und ich weiß zwar nicht, ob, aber wenn, dann wüsste ich, wer jetzt hier aufschreit.
Mindestens eine Schulfreundin - weil die eh schon der Meinung ist, ich falle mit der Tür ins Haus, anstatt, wie ich es eigentlich von mir selber kenne, mal ganz vorsichtig und diplomatisch nachzufragen.
Aber mal ehrlich: Wenn Ihr erfahrt, dass jemand, den Ihr gut kanntet, vor einigen Jahren beschlossen hat, nicht mehr leben zu wollen und genau dies auch umsetzt - dann finde ich das ganz schlimm und traurig und tragisch, insbesondere dann, wenn derjenige eine Familie gegründet hatte. Am schwierigsten ist es immer für die, die zurückbleiben. Das zeigt uns ja auch sonntäglich Kai die Pflaume, wenn von einem Menschen ein Elternteil stirbt und er sich auf die Suche nach dem anderen Elternteil begibt. Fragen, viel zuviele Fragen, die dann bleiben.
Ich kann das wirklich total verstehen.

Es ist schon schlimm zu hören: Der oder die aus unserer Klasse ist tot, wusstest du das schon? und ich frage mich ganz beklommen: Scheiße, sind wir schon in dem Alter?
Umso tiefer war der Schock, als vor einigen Tagen auf der Suche nach Schulfreunden ein Profil just jener Schulkameradin auftauchte, von der wir wussten: Sie hat sich gegen das Weltliche entschieden.
Natürlich entstehen sofort Verwirrung und vor allem der Wunsch: Möge doch alles ein riesengroßes Missverständnis gewesen sein, möge sie sich weiter bester Gesundheit erfreuen...
Bis zu dem Moment, wo Du hörst: "Sie kann es nicht sein, ich war bei der Beerdigung dabei."
Dann fragt man sich: "Mit wem schreibt man sich hier? Eine Runde Ghost - Nachricht von Sam - oder was?" Und ehrlich - die aberwitzigsten Gedanken stürzten durch meinen Kopf. Begleitet von Erinnerungen an Kindheit, Schule und überhaupt.
Doch bevor ich an irgendwelche Verschwörungstheorien auch nur glauben wollte, stoppte ich mich selbst. Dazu gab es dann doch eine Ungereimtheit in der Biografie, in Aussagen zuviel. Sicher mag der eine recht haben, wenn er sagte: "...ja was solls, sie war ja unsere Schulfreundin." Das stimmt zwar. Doch er/sie/es - mit wem auch immer ich mich die Tage geschrieben haben mochte - die Schulfreundin war es nicht und so strich ich nicht nur die Gedanken aus meinem Kopf, sondern auch jene Person aus meiner Kontaktliste. Das, was unsereiner in Erinnerungen trägt, behält er sein Leben lang - auch ohne fragwürdige E-Mails.

Donnerstag, 13. Mai 2010

Shoppingkanäle Oder: Die Diät Zum Anziehen

Heutzutage, das wissen wir alle, können wir alles mögliche aus dem Internet ordern. Was Spannendes, was zum Spielen und auch Schokolade ;-)
Was ich gut daran finde: Ich werde nicht blöd vollgequatscht von Verkäufern, die zu völlig überteuerten Preisen ihre Ware anpreisen wollen (oder müssen), nein, ich kann ganz in Ruhe schauen, wählen - oder mit einem Klick die ganze bunte Welt auch wieder verlassen.
Heute Morgen nun blickte ich nach satten zwölf Stunden Schlaf am Stück auf den Wecker, fühle mich inzwischen genauso krank wie beide Junioren Ziggenheimer, die rechts und links in ihrem Zimmer liegen und aus ihrem Krankenbett maximal den Weg zum Gameboy finden, aber nicht bis zur Zahnbürste vordringen können.
Kam also der Feiertag zur rechten Zeit - nix mit Feiertouren, Saufgelage oder einfach nur ner entspannten Tagesgestaltung - nein, Hospital Ziggenheimer hat wieder mal arbeitgeberfreundlich geöffnet.
Und so liege ich nun immer noch in meinem Bett, zappe mich durch die Programme und bleibe hängen an einem Shoppingkanal, den ich bis dato noch nie in meinem Leben gesehen, geschweige denn gehört habe. Jawohl - gehört. Die penetrante Anpreisungs-Kreisch-Stimme des Herrn, von dem ich nur weiß, dass er Walter heißt, bohrt sich in mein leicht entzündetes Ohr, bahnt sich den Weg direkt zu meinem Gaumenzipfel, doch da ich leider noch nichts gefrühstückt habe, wirds auch nichts mit dem Erbrechen.
Walter - ein Mann von Format: hoch wie breit. Preist in vollen Zügen ein Kleidungsutensil für die Frauen an, die noch nach dem "der Hunger ist gestillt" weitergegessen haben.
"Mädels, esst ruhig weiter, für alles das, was dann über den Hosenbund quillt, hilft euch dieser fünf-Zonen-Traumbody!"
Auf deutsch gesagt: Einfach anziehen - der Body quetscht alles weg, was wabbelt. Stellt sich mir nur die Frage... Wohin quetscht er? Ich meine, die Damen, die mir hier gezeigt werden, Ihr wisst schon "vorher-nachher-Effekt" - da frage ich mich eher besorgt: Kriegen die eigentlich auch noch Luft? Für schlappe fünfzig-Euro-fast-geschenkt-für-diesen-Zauberbody ne Gratis-Fahrt in die nächste Notaufnahme?
Und die zweite Frage, die ich mir stelle: Könnt Ihr Euch die Bestürzung der Männer vorstellen, wenn sich die Frauen entkleiden? Außen hui und innen pfui? Heißt: Tagsüber zeigen sie sich gern mit uns, die wir so einen Body nötig hätten, und abends wird das Licht gelöscht, bevor wir uns entkleiden dürfen?
Die angetrauten Männer nehmens vielleicht mit Humor - immerhin gabs ja mal Gründe, warum sie ihre Prinzessinnen zur Frau genommen haben. Und wie ist das mit all denen, die auf der Suche... ähm... noch beim Aufstöbern sind?
Und wieso erzählt man eigentlich immer nur uns Frauen, dass wir gut aussehen müssen und wie wir genau das hinkriegen? Also wenn Ihr mich fragt: Auch bei mir isst das Auge mit. Und da wir ja heutzutage etwaige Partner auch im Internet erwerben können, klicke ich bei der Brustbeutel-Shorts-und-weiße-Socken-Sandalen-Kombi-Fraktion genauso gnadenlos weiter wie vor zehn Minuten beim Shopping-Kanal :-)

Dienstag, 11. Mai 2010

Es Ist Mai, Die Temperaturen Steigen Nicht - Aber Die Stimmung

Vor kurzem träumte ich, es sei Mai (das ist es ja wirklich) und auf den Straßen läge Schnee (das ist glücklicherweise nicht so, jedenfalls nicht in Deutschland). Man sagt ja immer, man verarbeite im Traum das, was man tagsüber erlebe und was unter Umständen im Unterbewusstsein versinke.
Was also der Maischnee zu bedeuten hat, kann ich nur vermuten:

a) Ich fühl mich allein - und mir ist innerlich kalt.
b) Wir hatten heut nur 9 Grad - und mir ist äußerlich kalt.
c) Nein - Kokain wars nicht!
d) Ich hoffe, dass die anderen Dinge, die ich im selben Traum auch noch sah, nicht genauso unmöglich sind wie Schnee im Mai...

Jedenfalls - Wir haben den 11. Mai - und es ist einfach nur ein scheiß Wetter. Und das ist wirklich Frühling? Wenns dann noch den ganzen Tag regnet, dann hilft gegen Miesepeter nur noch eins: ein heißes Schaumbad, Mucke auf die Ohren und anschließend Mamas gestrickte Wollsocken vom letzten Weihnachten.
Und dann auf in die virtuelle Welt der Jäger, Sammler und Fischer.
Apropos FISCHer... Ich wunder mich ja schon seit Jahren über den einen oder anderen Fragebogen, oft amüsiere ich mich auch über die gekonnten Antworten - aber was ich heute las.. Auf die Frage, ab wann eine Frau für IHN gepflegt sei, wurde geantwortet:
"Wenns die Fischbude ist, die so stinkt."
Erst hab ich spontan laut lachen müssen, mich anschließend dennoch übergeben.
Meine Phantasie ist einfach zu lebhaft - schade nur um den schönen Kuchen ;-)
Oft wird man in den Fragenbögen auch ausgehorcht, wie man besser nicht angemailt werden wolle. Dass der eine oder andere angibt: "mit: hallo, wie gehts, was machst du grad?" kann ich durchaus nachvollziehen. Sehe ich echt genauso. Wie hirnlos auch. Was soll man schon grad tun, wenn man online ist??
Wobei - Virtuosin, die ich bin, hab ich auch festgestellt, dass ich mehreres zugleich kann: Abendessen zubereiten, mit der Mamutschka telefonieren, E-Mails verfassen, einen Krankenschein kopieren (nein, nicht meinen eigenen - mir gehts gut, danke der Nachfrage ;-))... Wobei... Ich frag mich grad... Ist das noch virtuos oder multitasking oder einfach nur... ein Hang zur Oberflächlichkeit? Vermutlich letzteres, weil zumindest in diesem Augenblick nichts davon zu 100 Prozent getan wird. Andererseits... Was solls... Es kann ja nicht immer nur in die Tiefe gehen - das ist mir auf Dauer zu anstrengend ;-)
Immerhin scheint diese Kombi aus Tiefgang & Oberfläche noch reizvoll genug zu sein, einen Abend mit mir verbringen zu wollen. Auch wenn zwischen den Wiedersehen geschätzte, gefühlte und reale zwanzig Jahre liegen. Und ER nicht 25, sondern um die 55 ist und auf meine missbilligende Frage: "Ich täte dich in diesem Leben schon mal wiedersehen wollen - also wann?" die prompte Antwort folgte: "Helma - das, was du vorhast, ist Mumienschändung!"
Aber nicht doch. Für fremdes Gedankengut bin ich nicht verantwortlich - ICH dachte lediglich an Kino :-)

Montag, 10. Mai 2010

Nackte Tatsachen

Vor einiger Zeit schon befand ich, ich müsse mich mal wieder verstärkt um mein Online-Dating kümmern. Ihr wisst schon - das Aufstöbern von Mr. Right.
Suchen klingt ja immer so irrsinnig verkrampft - und wer will schon so "rüberkommen"?
Auch mit 40 bin ich keine verzweifelte Hausfrau. No desperate housewife! :-)
Verzweifeln tu ich ebenso wenig daran, dass den Herrschaften zumeist nur ein (geschriebenes) Wort zu entlocken ist, wenn du wenigstens ein Foto vorzuweisen hast. Heutzutage - bei all dem Brauch & Missbrauch - weiß man ja eh nicht, wen man wirklich vor sich hat...


Vielleicht hatte ich dieses Cartoon ja schon mal "veröffentlicht", weiß gar nicht mehr, falls nicht - ich lache immer wieder darüber :-)
Und interessiere mich zuweilen für die Frage, wie oft genau das im realen Leben auch so zutrifft.
Jedenfalls - ich habe mich köstlich amüsiert: Solange kein Foto das Profil ziert, solange interessiert sich auch keine Sau für dich. Sobald jedoch eins veröffentlicht ist, kannst du dich überhaupt nicht mehr retten vor ein-, nein zweideutigen Angeboten. Während man(n) früher noch versuchte, selbige durch die Blume zu flöten, so trompeten sie heute drauflos, dass die Blütenblätter nur so stieben.
"Hast du eine Freundin, die mit dir über meinen viel zu kleinen Pimmel lachen mag?"
"Ich hab einen so geilen Schwanz, dass du bereuen würdest, nicht mit mir geschlafen zu haben."
"Kannst du mir nicht ein Aktfoto von dir schicken? Geht auch ohne Kopf!"
Vermutlich hätte ich mich bei der Wahl meines Profilbildes für ein Model aus dem Quellekatalog, Rubrik "Haushaltsgeräte" und nicht aus "3 Suisses - Süße französische Mode" entscheiden sollen. Selber schuld, nicht wahr? Vermutlich aber guckt Mann da eh nicht so genau hin, ein paar blonde Locken genügen in der Regel - und schon füllt sich so ein Postfach ganz von alleine.
Nur: Der Mann ab 40 interessiert sich nicht für die Frau um die 40. Nein, die Frau um die 40 ist eindeutig Objekt der Begierde der... 25jährigen!
"Ihr wisst, was ihr wollt und ihr habt keine Scheu, das zu zeigen. Und ihr liebt den Sex nicht nur im Dunkeln!"
Ob die das als Art Reifeprüfung sehen? Steckt in jedem von ihnen ein junger Dustin Hoffmann?
Eigentlich hätte ich ja auch die böse Vermutung, dass der Mann ab 40 sich an eine mehr oder weniger gleichaltrige Dame gar nicht herantraut, eben weil sie weiß, was sie will, sich nicht scheut, den Finger auch mal in die Wunde zu legen - und sich zumindest nicht so ohne weiteres die Butter vom Brot holen lässt, während die um Jahre jüngere Freundin hin und weg ist vom scheinbar weltoffenen Mann, der alles kann und alles weiß - oder zumindest glaubt, dass es so sei.
Doch am vergangenen Wochenende musste ich mich eines Besseren belehren lassen:
"Mit ner 40jährigen kann ich einfach nichts anfangen", redete sich ein Freund von mir um Kopf & Kragen. "Wieso nicht?" fragte ich. "Na guck dich doch mal um. Ner Frau ab 40 siehst du ihr Alter einfach an!" "Aber doch nicht jeder", versuchte ich einen zaghaften Einwand. Nein, einen hoffnungsvollen Einwand. "Doch - die Haut! Die Haut! Die verrät alles. ALLES!"
Ein "na danke" kriegte ich noch hervorgequetscht unter dem Widerstreit der Gefühle, entweder vor Lachen vom Korbsofa zu kippen oder tränenerstickt unter den Kaffeetisch zu rutschen.
Ach ja, die Männer... Und die suchen wir uns auch noch freiwillig aus?
Aber wie las ich es doch gerade die Tage:
"In jedem Mann steckt etwas Gutes - und sei es ein Küchenmesser von WMF." :-)

Sonntag, 9. Mai 2010

Der Tausendste Besuch

Wie ich soeben meiner Statistik entnehmen durfte, ist dieser Blog am heutigen Nachmittag zum tausendsten Male gelesen worden. Von wem, weiß ich nicht - ich seh ja nicht, wer hier alles liest - doch wer der Meinung ist, er habe die tausend vollendet, der bekommt von mir einen Sahnebonbon ;-)

Übrigens musste ich gestern Nachmittag echt lachen: Stand doch vor meiner Türe ein netter Bote vom Hermes Versand und seine Stimme erkannte ich sofort: "Sie warens doch, der mich vor zwei Tagen anrief, weil Sie das Paket zum dritten Mal nicht zustellen konnten, aber auch nicht wieder mitnehmen wollten und mir so ersparten, eine neue Bestellung aufzugeben!" Er strahlte übers ganze Gesicht: "Jawoll, ich war das. Ihre Nachbarn sind ja leider nicht so nett gewesen, das Paket anzunehmen." "Nun", winkte ich ab, "die Familie W. können Sie getrost aus der Frageliste streichen - die nehmen nix von Fremden und erst recht nichts für Fremde!" Wir grinsten beide, er schaute mir in die Augen und sprach: "Sie haben ja jetzt meine Handy-Nummer, wenn was ist, rufen Sie an!"
"Sorry", entgegnete ich, "den Zettel habe ich leider nicht mehr, wer weiß, wo der wieder liegt."
"Kein Problem, ich schmeiß Ihnen einen neuen Zettel in den Briefkasten."
Sprachs, zwinkerte und verschwand.
Gelacht habe ich dann, als ich zur Kaffeezeit das Haus verließ und den Briefkasten öffnete.
Der Zettel lag drinnen, wie versprochen, die Handy-Nummer auch - wie versprochen.
Diese hier war jedoch eindeutig eine ganz andere wie die vor zwei Tagen.
Die private, vermutete ich.
Wo die gelandet ist? Ihr vermutet richtig!
Aber ee scheeenes Gefühl wars trotzdem ;-)

Mutterglück - Muttertag - Und All Die Anderen Dinge

Noch vor einigen Tagen belehrte mich mein großes Kind, an welchem Datum genau der "Tag der Mutter" zu begehen sei. Ich meine, wir wissen ja alle eines: Gefördert werden solche "Feiertage" vor allem von der Industrie - und während ich mich vor zehn Jahren noch über ein selbstgemaltes Bild und vor fünf Jahren über eine Schachtel "Raffaelos" freute, so ist es mir heutzutage schon wichtiger, "übers Jahr" hin zu spüren, dass die Kinder mich lieben & wertschätzen.
Liebe & Wertschätzung ist für mich persönlich noch niemals am Geld messbar gewesen. Große bzw. großartige Geschenke erschrecken mich eher und vermitteln mir obendrein ein peinlich berührtes Gefühl. Klingt vielleicht komisch, ist aber so.
Heißt auf deutsch: Für mich muss man zumindest an solchen Tagen nicht die Wirtschaft ankurbeln, für mich machts auch ein liebevoll gedeckter Frühstückstisch.
Und wie sieht die Realität im Hause Ziggenheimer aus?
Während Mama Ziggenheimer sich mit knurrendem Magen gegen elf den ersten Kaffee zubereitet, liegen die Kids tatsächlich bis nach zwölf Uhr in ihren Federn - und während ich noch denke: Lass sie schlafen, wer weiß, wie lange sie die Nacht noch quatschten, so entpacken sie derweil die letzten Süßigkeiten, kauen genüßlich eine Zuckerstange nach der anderen und klimpern nebenbei auf Gameboy & Co. Verdeckt vor Mamas Augen, versteht sich.
Und noch bevor ich mahnend in der Tür stehen und fragen kann, wo denn mein "liebevoll gedeckter Frühstückstisch" bliebe, kommt mir der Große entgegengehumpelt: "Mutter, irgendwas stimmt mit meinem Fuß nicht, kannst du mal gucken?"
Als mich dann noch der Anruf einer Freundin erreicht, an deren Oktave ich sofort erkenne: "Hier stimmt was nicht!!" weiß ich: Der Muttertag ist gelaufen, und wenn mir heut jemand noch etwas Schönes gönnt - dann nur, wenn ich mir selbst etwas Schönes gönne.
Geduldig der Freundin zugehört, nebenbei das Kind verarztet und eine Chirurgen-Adresse aus dem Internet gefischt, dem anderen Kind in der Zweitafelprojektion von Prismen und Pyramiden hilfreich unter die Arme gegriffen (der Glaube versetzt schließlich Berge - und NOCH glaube ich daran, dass er diese Klasse erfolgreich abschließen kann; aber was ich wirklich immer echt cool finde: Mathematisches, bei dem ich früher selbst auf dünnem Brett bohrte, erschließt sich mir heute völlig logisch und selbstverständlich, so dass ich gar nicht verstehen kann, wieso ich das vor dreißig Jahren nicht schon kapierte ;-)) - aufs Frühstück verzichtet, stattdessen gleich die Brotzeit begonnen - so liege ich nun hier, der Tag dem Ende zugeneigt und nein: Keineswegs beklage ich diesen sang- und klanglos verstrichenen Tag. Wozu auch?
Der letzte schöne Valentinstag liegt etliche Jahre zurück, meine letzten Geburtstage würde ich auch am liebsten im Nirvana versenken und begriffen habe ich zunächst nur eins: Ändern kann nur ich selber was.
Und so liege ich noch immer hier, den Kopf voller Gedanken & Pläne in völliger Einigkeit mit meiner Freundin: Raus & weg von hier, am liebsten gemeinsam. Zunächst für ein paar Tage - und wenn es uns gefällt, dann vielleicht für länger. Oder immer?
In ein Leben, wo uns zwar zugestanden wird, dass auch wir Bedürfnisse haben, die wir gern erfüllt wünschten, wo wir uns aber nicht dafür entschuldigen müssen, dass wir genau diese Bedürfnisse auch in Erinnerung brachten.
Hab ich eigentlich noch nen Schluck von der Weinschorle übrig? Ich glaube ja!
Na dann Prösterken!

Samstag, 8. Mai 2010

...And Just Forget The World

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Chasing Cars ist einer der Songs, den ich vom ersten Moment an liebte, bis heute nicht "überhörte" und den ich auch mit besonderen Augenblicke verbinde, die immer in meinem Kopf bleiben werden, egal, wo ich schon morgen sein würde.
Chasing Cars ist einer der Songs, die ich gestern Abend hörte und darüber einschlief. Bei dem ich mit klopfendem Herzen und einem Kopf voller Erinnerungen und aber auch Sehnsüchte mitten in der Nacht erwachte.
Für mich ein wundervoller Song über die Liebe zueinander. Wie so einige Songs von Snow Patrol.
Immer wieder hält der Alltag Situationen bereit, in denen wir ein zärtliches und zugleich behutsames Miteinander wünschten, in denen wir es mehr brauchen als sonst an anderen Tagen. Und wenn mir auch bewusst ist, dass der Zauber des ersten Kennenlernens eines Tages im Alltag untergeht, so empfinde ich noch heute, mit beinah einundvierzig Jahren, nur ein Kopfschütteln für die Menschen, die allen Ernstes glauben, dass die Liebe, die zwei Menschen einst zusammenführte, auch in fünfzig Jahren noch ohne ihr Zutun und einfach so aus Selbstverständlichkeit bei ihnen bliebe.
Vor einigen Jahren las ich, dass eine zweite Lebensgemeinschaft oftmals erfüllter, beständiger und in gewisser Hinsicht auch glücklicher sei, weil man mit der ersten Lebensgemeinschaft vor allem ein Bewusstsein dafür entwickelt hätte, was einen wirklich glücklich machte.
Wir sind älter geworden, haben erfahren, erkannt und gelernt - wir wissen, was wir wollen. Und was wir vor allem aber auch nicht mehr wollen.
Ich habe ebenso gelesen, dass eine Partnerschaft heutzutage vor allem daran zerbricht, wenn der eine für den anderen zu einer Selbstverständlichkeit wird - gleich einem Möbelstück, das eben immer da ist.
Wenn Ihr mich fragt... Ich fände es bestürzend, wenn ein Partner mir nur deshalb Aufmerksamkeiten schenkte, weil er es für wichtig hielte. Mich macht es vielmehr glücklich, wenn ich Aufmerksamkeit geschenkt bekomme, die einem inneren Bedürfnis entspringt.
Nicht nach diesem Prinzip: Gibst du mir was, geb ich dir was.
Aber schon nach dem Prinzip des Gleichgewichtes vom Geben & Nehmen.
Schon in der Mathematik haben wir damals gelernt: Ein Perpeduum Mobile gibt es nicht. Oder wars in Physik? Egal.
Jedenfalls gibt es keins. Erst recht auch nicht im Zwischenmenschlichen.
Nichts kommt immer von allein und ohne Anschub.
Vor einigen Tagen schätzte mich jemand so ein, als dass ich ein Mensch sei, der gern im Mittelpunkt stünde.
Mich hat diese Einschätzung nicht verletzt - ich fand es eher hochinteressant - und es hat mich entsprechend beschäftigt.
Ist es wirklich das, was ich möchte? Was mir wichtig ist?
Ich glaube nicht. Doch was mir in der Tat wichtig ist: Ich möchte beachtet werden.
Und ich bin der Meinung, dass das - oberflächlich betrachtet - für ein und dasselbe gehalten werden könnte - dass sich jedoch diese beiden Dinge grundlegend unterscheiden.
Ich weiß nicht mehr, wie oft ich mich in meinem Leben wie ein bequemer Sessel fühlte, in den man sich lehnte, wann immer man Lust dazu hatte; wie wenig ich jedoch im Gegenzug das Gefühl genießen durfte, dass es auch nach Jahren einfach nur schön war, dass es mich gab.
Nach einer jahrelangen Beziehung hatte mir einst jemand gesagt, wie sehr er bis zum Ende der Beziehung genossen hatte zu spüren, dass ich ihn geliebt hatte. Warum sie trotzdem zerbrochen war?
Ganz einfach. Weil er eines Tages vergessen hatte, es mir zu zeigen.
Weil das Wissen um das Empfinden allein eben nicht genügt. Und weil sich das Gefühl wie "wie gern würde ich dich jetzt berühren" nicht mit einem neuen Toaster ersetzen lässt.
Ja - mir ist grad echt jämmerlich zumute.
Und nein - ich werde nicht heulen.
Ich mach mir jetzt ne Weinschorle auf und stoße auf das Leben an. Ich bin überzeugt davon, dass das Leben für jeden etwas Wunderbares bereithält, der daran glaubt. Und das tue ich. Heute mehr denn je.

Mittwoch, 5. Mai 2010

Berlin, Berlin - Wir Fahren Nach Berlin

Eine Postkarte mit genau dieser Aufschrift fand ich gestern beim... ähm... aufräumen ;-) und erinnerte mich spontan an den Absender und an die Erlebnisse an jenem Wochenende. Hach ja, ist das lange her.
Wenn ich ehrlich sein soll, hatte ich nie eine besondere Verbindung zu dieser Stadt.
Der eine empfindet die Stadt als mystisch, der andere als mistig.
Der eine empfindet die Stadt als aufregend, der andere als abtörnend.
Was ich selber damit verbinde?
Bislang eigentlich... nix. Bis auf die eine oder andere Erinnerung natürlich.
Anrufe mitten in der Nacht von einem Konzert. Natürlich ein irrsinniger Krach, man versteht kein Wort, aber auch das kann eines der innigsten Momente sein, die man erlebt. Weil ich das Gefühl genoss, dass in genau diesem Augenblick, der für einen anderen Menschen so besonders war, er genau diesen mit mir teilen wollte - und sei es übers Telefon. Für ein paar Minuten schafft das soviel Nähe, wie ich sie nicht einmal mit Menschen empfinde, mit denen ich einen ganzen Abend verbringe.
Menschen, die mich kennen, wissen ja, dass ich eines Tages unbedingt wieder am Meer leben möchte. So nah wie möglich, so intensiv wie möglich. Abends die Fenster öffnen können, die Wellen murmeln hören, das Salz schmecken, die Frische spüren.
Doch gibt es doch im Leben nicht nur Schwarz oder Weiß, nicht wahr? Nicht in jedem Fall immer nur ein Entweder - Oder.
Wenn ich eines Tages also wieder am Meer leben kann - warum bis dahin nicht auch einen Zwischenstopp einlegen? Eine Etappe für ein paar Jahre - und dann weiterziehen? Frei wie ein Vogel...
Wenn ich meine Augen schließe, sehe ich sie - die Bilder alter, beinah verblasster Träume.
Eine Altbauwohnung mit knarrenden, echten Dielen. Schmale hohe Fenster mit Fensterbrettern, auf denen man an Regentagen sitzen und Tee trinken kann, auf denen man an Sonnentagen ein Buch liest oder auch die Zeitung.
Eine alte Badewanne, die noch auf vier Füßen steht. Klar, total unpraktisch, weil das Wasser schnell kalt wird, aber... scheiß doch drauf. Genuss gibts auch, wenn der Moment nur ein kurzer ist.
Töpfe mit Kräutern an den Fenstern, handbeschriftet auf braunem Papier, die ich manchmal vergesse zu gießen.. Und wenn ich aus dem Fenster schaue, schaue ich auf die Stadt - und auf meinen geliebten Kastanienbaum. Ich bin der Meinung, dass es keinen schöneren Baum gibt als den Kastanienbaum mit seinen sattgrünen großen Blättern.
Irgendwie... sehe ich das alles vor mir, wenn ich gerade an Berlin denke. Warum das so ist, ich habe keine Ahnung. Vielleicht, weil meinem Sohn ein möglicher Schulwechsel bevorsteht? Vielleicht, weil ich schon länger etwas an meinem Leben ändern möchte?
Vielleicht sollte ich ja einfach mal ne Anzeige schalten?
"Hey, suche Altbauwohnung und die bitte nur mit echten Dielen.
Ach ja und zur Wohnung bitte unbedingt ne Dachterrasse
mit Blick auf City und Kastanienbäume.
Supermarkt und Kino in der Nähe und das alles bitte in ner beruhigten Nebenstraße.
Und bevor ichs vergess:
Ich bin neu in der City, ich hätte gerne noch Ihre Telefonnummer dazu,
Sie wissen schon, Leute kennen lernen zum quatschen."

Jetzt muss ich selber grad lachen. DIE Antworten auf so eine Anzeige kann ich mir gut vorstellen ;-) Ich hätte vermutlich anschließend alles - nur keine Wohnung ;-)

Samstag, 1. Mai 2010

Ach Großmutter


Heute haben wir den 1. Mai. Ich erinnere mich noch an Zeiten, in denen wir an den Tagen vor diesem 1. Mai Transparente bastelten und für ein gemütliches Frühstück kaum Zeit blieb: Der Blaskapelle, die durch die Straßen zog, musste sich angeschlossen werden und ein sich drücken kam nur selten in Frage.
Und heute? Heute freut sich das arbeitende Volk vor allem über den freien Tag, der ihm mit dem 1. Mai beschert wird und genießt ihn ganz individuell.
Wie das bei Ziggenheimers ausschaut? Ganz einfach: Junior I empfahl sich bereits am gestrigen Nachmittag, Junior II empfahl sich am heutigen Nachmittag, Mutter Ziggenheimer gönnte sich den längst fälligen Hausputz und begießt den erfolgreichen Akt mit einer Flasche Schöffenhofer Weizen.
Ich & Bier - das hatte die Welt auch noch nicht gesehen. Auf den Geschmack jedoch gekommen war ich vor einigen Tagen, als ich in der Sonne faulenzte und mir ein Schluck gut gekühltes Schöfferhofen mit Grapefruit Geschmack kredenzt wurde. Also DAS ist nun wirklich lecker, finde ich jedenfalls, auch wenn die echten Biertrinker vermutlich die Nase rümpfen werden: "Datt is doch keeen Bieääär!"
Mir schmeckts, mich erfrischts und nach einem Besuch bei Facebook, wo eine Freundin ihr wunderliches Verhalten vom Vorabend mit lecker Pilzen am Wegesrand begründete, sponn sich in meinem Kopf spontan ein Märchen anno 2010 zusammen, in dem Fräulein M. ihr rotes Mäntelchen umtat, den Korb ergriff, um die Großmutter zu besuchen, die zu ihr gesprochen hatte: "...kannst du mir nicht etwas bringen von die Bier, die so schön geprickelt hat in meinem Bauchnabel?" Der Wolf, bereits satt von sieben tapfren Schneiderlein, legte eine heiße Strip-Nummer mit der Großmutter hin, genoss allein das Schöfferhofer Weizen, den Applaus der sieben Geißlein und bemerkte doch den missmutigen Gesichtsausdruck von Fräulein M.: "Und du, meine bunte Kuh, was sagst du dazu?" Die wandte sich an den Jäger: "Na los, knall ihn endlich ab, dann hab ich wenigstens ein warmes Mäntelchen, wenn ich heut Abend noch zur Schneekönigin putzen gehen muss!" "Ich hab ne bessere Idee. Du küsst meinen Freund, den Frosch, dann wird er endlich erlöst und du wirst eine wunderschöne Prinzessin und musst nicht mehr schuften gehen."
Ja... Wer wünschte sich das nicht? Na dann träumt mal weiter :-)