Donnerstag, 29. Dezember 2011

Übrigens

...für alle die, die es noch nicht bemerkt haben: Weihnachten ist vorbei.
Irgendwie ist das ja doch eine merkwürdige Zeit, finde ich. Abgesehen vom Valentinstag, wo uns die Wirtschaft regelmäßig daran erinnert, unsere(n) Liebste(n) wiederum zu erinnern, dass sie möglicherweise geliebt werden, wird spätestens mit Weihnachten die Zeit des Jahres eingeläutet, wo die Kleinen immerhin für ein paar Tage gebändigt oder auch überredet werden können, das Hassfutter Spinat zu essen, ohne es kunstvoll an die weißgetünchte Wand zu spucken, oder auch anstandslos zu Bett gebracht werden wollen ("wehe, wenn das der Weihnachtsmann sieht!"); wo vorübergehend aus der Pissnelke oder dem Arsch wieder "Mäuschen" oder "Schatz" werden, wo unter achselzuckendem "ach, jetzt ist doch Weihnachten, jetzt darf ich doch" das Hüftgold schwabbelnd wird und pünktlich zum bevorstehenden Jahreswechsel Vorsätze aufgestellt werden, die spätestens am dritten Januar mit Ausreden der dollsten Art entweder einen derartigen Schliff erfahren, dass sie sich selbst nicht mehr wiedererkennen - oder auch gleich ganz gebrochen werden.
Und pünktlich zum ersten Januar ist dieser ganze Zauber vorbei - und der Alltag hat uns wieder.
Wenn Ihr mich fragt: Ich halte nichts von guten Vorsätzen. Ich gebe zu, ich bin weder diszipliniert noch konsequent genug, diese auch einzuhalten. Weniger Kaffee. Mehr Sport. Weniger Schokoladenkekse. Mehr Reis und gedünstetes Gemüse. Weniger Überstunden. Mehr Zeit für Freunde. Alles gute Vorsätze. Alles aber auch gute Vorsätze, die ohne Disziplin und Durchhaltevermögen im Nirvana versinken.
Viel eindrucksvoller ist dagegen zum Beispiel die Waage von Oma Ziggenheimer. Während ich schockstarr in den Flur kippte, grinste Oma Ziggenheimer, die nach mir mutig draufstieg: "Aber die Waage stimmt! Und ich hab schon wieder abgenommen!"
Ich sage Euch: So ein Schock ist wesentlich nachhaltiger und effektiver als jeder Vorsatz, der kaum den Jahreswechsel überlebt.
Ich konnte es nicht glauben. Ich mochte es nicht glauben. Ließ prompt das Abendessen ausfallen und vergnügte mich lediglich mit einer halben Flasche Martini. Ich weiß - der hat auch Kalorien! Aber Abendessen UND Martini hat ja wohl eindeutig noch mehr Kalorien!
Versöhnt wurde ich allerdings heute Nachmittag mit der Waage in meinem Lieblingslokal dieser Insel: Ich hab ja schon so einige Pisstempel gesehen - aber noch keinen, der im Damenabteil sogar mit einer Designer-Digital-Waage ausgestattet ist. Mit der Frage, ob diese Ausstattung nicht eher kontraproduktiv für die Gastgeber sei, stieg ich dennoch mutig drauf (jetzt wollt ichs ganz genau wissen!) und diese Waage zeigte glatt und exakt acht Kilogramm weniger an - eine Zahl, der ich zwar auch nicht über den Weg traute, mich aber immerhin den süßen Sanddornsaft (ohne Extra-Zucker, sooo schnell war der Schock vom Vortag dann doch noch nicht überwunden) völlig genießen ließ.
Nun ja.
Wie auch immer.
Wie las mir doch Oma Ziggenheimer heute aus der Tageszeitung vor?
"Feiert das neue Jahr - denn Ihr habt das alte überlebt." Genau das wünsche ich Euch schon mal.
Und jetzt gibts Abendbrot!

Mängelexemplar

Diesen Roman von Sarah Kuttner habe ich vor einiger Zeit von einer Freundin in die Hand gedrückt bekommen. Wenn ich ehrlich sein soll, hatte ich bei dieser mir mehr oder weniger bekannten Viva-oder-so-Moderatorin zunächst den Buchtitel "Feuchtgebiete" im Sinne und obschon ich jenes Buch nicht kenne (abgesehen von einigen Leseproben unter http://www.brigitte.de/liebe/sex-flirten/feuchtgebiete-leseprobe-566936/), fühlte ich mich leicht zwiespältig mit "Mängelexemplar". Bis ich irgendwann doch einmal hineinblätterte und feststellte: Sarah Kuttner ist ja Sarah Kuttner und gar nicht Charlotte Roche. Ich meine, ich bin bestimmt nicht prüde oder irgendetwas in dieser Art, aber ich bin dennoch der Meinung, dass nicht ALLES haarklein und haargenau beschrieben werden muss. Ich finde einfach, es gibt Dinge, die sollten im Verborgenen bleiben. So wie man auch alleine auf die Toilette geht und der Partner dir nicht dabei zusieht, wie du gerade ins Becken pieselst oder einen Pickel auf Nase oder Stirn entfernst. Bei mir zum Beispiel wird auch in dreißig Jahren kein Wasserglas mit den Dritten auf dem Nachttisch stehen. Ich meine, wenn ich morgens erwache, will ich ja auch nicht auf falsche Zähne im trüben Wasser gucken und anschließend krampfhaft versuchen, mich zu erinnern, wie der Liebste vor dreißig Jahren aussah, nur damit überhaupt so etwas wie Sex zustande kommt.
Anyway.
Der Weihnachtsurlaub hatte begonnen und trotz der mir selber auferlegten Abstinenz von Internet, Handy & Co. hat es ein paar Tage gedauert, ehe ich auch wirklich in Kopf und Seele ein wenig zur Ruhe fand. Heimgekommen zu den Eltern, sind wir stattdessen kreuz und quer über die Insel gelaufen, an der Küste entlanggewandert, selbst im Regen, und endlich ist der Alltag von mir abgefallen, der Kummer, die Sorgen der letzten Wochen, die Anspannungen, die Anstrengungen - und habe ich endlich auch nicht nur die Zeit, sondern auch die Muße gefunden, dieses Buch von der Kuttner in die Hand zu nehmen und sogar auch zu lesen.
Was soll ich sagen... Anfangs glaubte ich ja noch, es handele sich um einen Roman der Sorte Kürthy, bei denen du vergnüglich Seite um Seite wendest und in der immer wieder gleichartig beschriebenenen Normalo-Frau mit wenig Busen und viel Arsch und wenig Glück in der Liebe (bis zum HappyEnd am Ende des Buches) auch immer wieder dich selbst erkennst.
"Mängelexemplar" jedoch... ist kein Buch des Vergnüglichen. Dem Einband zufolge wird hier "mit bodenloser Leichtigkeit, selbstironisch und überschwänglich von der Verlorenheit erzählt, die manches Leben heute aushalten muss". Irgendwie stimmt das, aber irgendwie stimmt dieses Buch auch nachdenklich und schubst kleine Kugeln in meinem Kopf an, die anfangen zu schwingen, zu berühren und dabei Klänge zu erzeugen, die abwechselnd Melancholie, Traurigkeit, aber zugleich auch Sehnsucht und Zuversicht in mir wecken. Ich habe dieses Buch mit einer gewissen Faszination gelesen, die es mir zuweilen kaum möglich machte, mich davon zu lösen, um zu essen, zu trinken oder an den Küstenrand zu steigen: Ich wollte einfach wissen, wie die Geschichte ausgeht; ich wollte einfach wissen, wie es der Protagonistin gelingt, aus ihrem Käfig aus Angstattacken und Depression heraus- und zurück ins Leben zu finden. Beim Lesen entwickelte ich auch ein wenig den Verdacht, ob die Kuttner hier nicht auch ein Stück weit von sich selber schrieb. Wie sonst kann man so gut beschreiben, was in einem Menschen vorgeht, der unter Panikattacken und Depressionen leidet, der nachts nicht schlafen und tagsüber nicht zur Ruhe finden kann und lieber in einer miesen Beziehung hängt als ganz allein zu sein?
Das Buch beschäftigte mich noch, als ich es längst ausgelesen und aus der Hand gelegt hatte. Ein wirklich sehr gutes Buch, fand ich.
"...Ich bin ein Hauptgewinn!"
"...Du bist kein Hauptgewinn. Du bist ein Mängelexemplar. Ein zauberhaftes und liebenswertes Mängelexemplar, und wenn da draußen jemand ist, der das sehen kann, dann ist er ein Hauptgewinn..."
Ich glaube, dass man dieses Buch nicht in jeder Phase seines Lebens lesen kann - oder muss. Ich glaube aber, dass man diesem Buch durchaus einen guten Platz in seinem Regal zuweisen kann.
Auch in diesem Buch wird die Frage gestellt, ob wir heut mehr unter Luxusproblemen denn wirklichen Problemen leiden und wir heutzutage zu wenig robust, zu wenig resilient geworden sind.
Die immer wiederkehrende Frage, ob und warum wir dazu neigen, zu wenig zu schätzen, was wir haben und wie gut es uns eigentlich geht.
Diese Frage kehrte auch dieser Tage wieder zurück, als durch Funk und Fernsehen bekannt wurde, dass am Kreidefelsen eine Mutter mit ihrer Tochter durch einen Felsrutsch verschüttet worden waren, die Mutter schwerverletzt geborgen wurde und dem Rettungsleiter die Stimme zitterte mit den Worten: "Es ist mit weiteren Felsabstürzen zu rechnen und wir haben uns aus Sicherheitsgründen entscheiden müssen, die Suche nach dem Kind abzubrechen, auch mit dem Wissen, dass man hier ein junges Leben aufgibt." Dreißig Menschen vom Rettungsdienst. Dreißig Leben gegen eines.
Wie erträgt man als Mutter oder Vater den Gedanken, dass das Kind noch irgendwo unter dem Schüttgut liegt, nicht gefunden, nicht geborgen werden kann - und der Rettungsdienst entscheiden muss: Wir können erst im Januar weitersuchen?
Ich würde wahnsinnig - das weiß ich, auch wenn ich ebenso weiß, dass das weder nutzt noch hilft. 
Einmal mehr wird mir bewusst, wie kostbar unser Leben ist, wie sehr wir uns genießen sollten - auch wenn es zuweilen noch so wehtut, dieses Leben, auch wenn es zuweilen noch so schwer ist, atmen zu können - aber genießen, was wir haben.
Ich weiß, ich wiederhole mich damit. Manchmal aber... kann man manches nicht oft genug sagen. Bis wir begreifen. Bevor alles vorbei ist.

Mittwoch, 21. Dezember 2011

Rückblicke

Vielleicht bin ich damit ja ein wenig zu früh, vielleicht auch wieder mal zu spät (manchmal brauche ich einfach ein akademisches Viertel ;)) - aber heute Abend, noch bevor ich mich in den letzten K(r)ampf aus "Hausfrau & Mutter", den reisenden Schmetterling, der noch seine Taschen packen muss (das Meer ruft!), die Blutende, die noch ein paar Rechnungen zur Zahlung anweisen muss und - last but not least - die Angestellte, die manchmal umsichtig in den Abendstunden noch in aller-allerletzter Minute dem Chef via Outlook ein paar Aufgaben kalendarisch zuteilt und auf diesem Weg auch gleich noch an ein paar Jubiläen zwischen den Feiertagen erinnert - davor noch finde ich noch immer ein wenig Zeit, einen Rückblick auf dieses Jahr zu werfen und mich zu fragen: Was hat es dir gebracht, das Jahr 2011, und war es das, was du dir gewünscht hast, und mit welchen Gefühlen gehst du jetzt ins neue Jahr?
Ehrlich gesagt, ich weiß noch nicht, wie ich mich fühlen soll.
Dieses Jahr hat viele Ups & Downs erlebt, nicht von allen war ich selbst betroffen, doch all diese habe ich mitgetragen - oder es wenigstens versucht.
Es hat Entscheidungen von mir gefordert, mit denen ich mich im allgemeinen ziemlich schwer trage. Ich meine, wenn es darum geht, ein Kleid, ein Paar Schuhe zu kaufen oder mich in einem Online-Partnersuchportal anzumelden - dann kann ich das ganz spontan von jetzt auf gleich entscheiden - und auch ausführen. Aber das Leben besteht aus mehr als shoppen oder flirten zu gehen. Und das ist wohl auch gut so.
Von manchen Menschen habe ich mich verabschiedet und aber neue, andere Menschen in meinem Leben begrüßt. Und ich bin so froh und so glücklich über all diese Menschen, die ich bei mir weiß. Als ich (wie immer etwas zu spät, aber na ja, meist gilt ohnehin: besser spät als nie!) heute die Weihnachtskarten einkaufte, habe vor mich hingelächelt, weil ich mehr Karten als in den Jahren zuvor in der Hand hielt und es mir wichtig ist, jede einzelne davon auch zu versenden. Ich finde solche handgeschriebenen Grüße einfach schön, persönlich & ansprechend (jedenfalls hoffe ich, dass die Empfänger sie auch ansprechend empfinden :)) und während ich zu Beginn des digitalen Zeitalters auch mitschwamm auf der "Grüße per sms"- oder "Ich sende dir eine E-Card"-Welle mitschwamm, so habe ich längst zurückgefunden zu Dingen, die alt geworden sein mögen, aber dennoch nicht an ihrer Zauberkraft verloren haben.
Mein Jüngster hat in diesem Jahr seinen ersten Personalausweis bekommen und obendrein heute beim Abendessen erklärt: "Mom, das schmeckt lecker, und weißt du, ich sollte auch endlich kochen lernen. Dass ich mich mal alleine versorgen kann und aber auch für meine Frau!" Ich habe ihn angeschaut und - natürlich - in diesem Vorhaben bestärkt, aber auch bei mir gedacht: "Nun ja... Nun wird er auch flügge..."
Mein Ältester hat mich besonders in diesem Jahr mit seiner Gedanken- und Gefühlswelt unglaublich berührt und überrascht, gerade er, der um Jahre Entwicklungsverzögerte, dem kaum jemand zutraut, dass er überhaupt nur in die Nähe eines nunmehr beinah Zweiundzwanzigjährigen rückt - und der in seiner Sensibilität, seinem unglaublichen Einfühlungsvermögen und auch in seinem (unausgesprochenen) Wissen so manchem Erwachsenen mit "ich weiß schon alles"-Manier etwas vormacht. Auch dafür liebe ich ihn sehr - und das sage ich ihm nicht nur an Weihnachten.
Mein Job hat mir in diesem Jahr wieder richtig Spaß gemacht, nicht zuletzt wegen Menschen, die heute zur allerletzten gemeinsamen Kaffee-und-Kuchen-Runde dieses Jahres trommelten und extra für mich, die noch nie Stollen essen mochte (ich hasse matschige Rosinen!) ein Stück Kuchen besorgten, der mir dann beim gemeinsamen Schmausen und so beinah wieder aus dem Gesicht fiel bei Aussagen wie: "Der schnarcht doch schon, wenn der noch steht!" und darauf prompt reagiert wird: "Also ich fände cool, wenn der überhaupt so lange stehen würde!" Ich würde sie vermissen, jeden einzelnen, wenn sie auf einmal nicht mehr da wären - aber mir ist auch bewusst, dass das Leben eben... ein ewiger Fluss ist, der auch fließen muss. Es ist gut, dass wir nicht wissen, wohin. Es muss spannend bleiben. Und wir müssen neugierig bleiben.
Meine Schmerzkrankheit... Ich glaube schon, dass ich sagen kann: Ich habe sie besiegt. Sie ist noch da, sie ist noch immer spürbar, und trotzdem ist es so, dass ich sie zuweilen gar nicht mehr wahrnehme, manchmal inzwischen tagelang nicht mehr - und seit ich endlich auf meine Mama hörte "Jetzt gönn doch endlich DIR mal etwas und denke nicht immer nur an alle anderen" und mir die über-überfällige neue Matratze kaufte, seither nicht nur schlafe wie ein Baby, sondern vor allem morgens ausgesprochen energiegeladen erwache - seitdem ist es noch einmal besser geworden! Ich gebe zu, es gibt Tage, da bleibe ich morgens lieber fünfzehn Minuten länger im Bett liegen, als auf den Stepper zu steigen; es gibt immer noch Tage, an denen ich zu wenig Tee oder Wasser und dafür zuviel Kaffee trinke und am Ende dieses Jahres bin ich noch immer ziemlich müde und erschöpft von der Summe all dessen, was dieses Jahr 2011 mit sich brachte - aber auch zuversichtlich genug, das neue Jahr mit leuchtenden Augen und einem Lächeln im Gesicht zu begrüßen, keine Erwartungen zu hegen, deren Nichterfüllung mich nur unnötig traurig machen würde, mich stattdessen einfach überraschen lassen möchte und (weiter)arbeiten will an einigen neuen alten Ideen, für deren Umsetzung mir nicht mehr die Energie fehlen wird.
Ich hoffe, wir sehen uns im Neuen Jahr - und sollte ich mich bis zu Beginn dessen nicht mehr melden können, dann wünsche ich Euch allen von Herzen, dass es Euch all das bringen möge, das Eure Augen strahlen und Eure Seele voller Glück erfüllen möge.
Und weil ich jetzt nicht sentimental oder gar wehleidig oder sonst irgendwas in dieser Art werden möchte und irgendwie ja auch gar keine Zeit dafür habe, werde ich jetzt die Musik aufdrehen, meine letzten Pflichten erfüllen und vermutlich irgendwann gegen elf Uhr todmüde in die Kissen sinken.
Salút. Doswidania. Adios. Ciao. Servus. Bye. ...Wir sehen uns!

Mittwoch, 14. Dezember 2011

Wie man sich bettet

Also wenn ich eins nicht leiden kann, dann das, dass - sobald ich einen Laden betrete - sofort belästigt werde: "Kann ich Ihnen helfen? Darf ich Ihnen einen Tipp geben?"
Nein darfst du nicht - würde ich nur zu gern und oft genug ungnädig antworten, aber ich bin ja gut erzogen und außerdem machen die ja auch nur ihren Job. Und überhaupt ist es bestimmt auch mordslangweilig, den ganzen Tag im Laden zu stehen, den Kaugummi von der rechten auf die linke Zahnleiste und wieder zurückzuschieben. Da freut man sich vermutlich am Ende wirklich über jede menschliche Seele, die den Laden betritt.
Trotzdem.
Bei allem Verständnis.
Wenn ich sage: "Danke, nein, ich komm zurecht", dann meine ich das auch haargenauso!
Heute Abend war ich wieder mal kurz davor, meine Geduld zu verlieren.
Ein Outlet-Store - nein, nicht für Schuhe, Taschen oder sonstiges Designer-Gedöns - sondern schlichtweg für Matratzen.
Wenn ich daran denke, dass ich früher einen Schlaf wie  ein Baby hatte... Es ging immer und überall, an den unmöglichsten Orten und den unbequemsten Situationen. Selbst auf nem Stuhl mitten im Meeting - fragt mal meinen Kollegen, der kann das heute auch noch ;) Doch inzwischen geht alles nicht mehr so einfach, inzwischen muss es wohl mindestens eine 7-Punkt-Kaltschaummatratze sein und der Verkäufertyp klebte derart an mir dran, dass ich schon versucht war zu sagen: "Tut mir leid, ich habe heute keine Bonbons in den Taschen!"
Was ich ja aber so gar nicht leiden kann, ist, wenn man mir mit unterschwelliger Penetranz einzureden versucht, ich müsse unbedingt JETZT kaufen, Sie wissen schon, Angebot ist nur noch 3 Tage gültig, aber so lange gibts die Matratze nicht mehr, die ist sehr begehrt, wirklich sehr begehrt und ich könnte ja wenigstens einen Teil anzahlen, dann hätte ich sie sicher - die allerletzte.
AAARRGGGHHH..
Als er dann noch sagte: "Wir können es ja auch so machen: Sie zahlen etwas an, wir schreiben einen Vertrag, und wenn Sie es sich doch anders überlegen, können wir auch alles wieder stornieren!" war damit der Punkt erreicht, wo ich nach meiner Jacke und nach meiner Tasche griff und sagte: "Ich schlaf noch mal auf meiner alten Matratze drüber" und er - eifrig sich die Hände reibend - meinte: "Junge Frau, das könnte dann aber zu spät sein, es ist wirklich das allerletzte Modell und Sie brauchen ja inzwischen schon auch was Ordentliches, nicht wahr!" Ob das jetzt als Frechheit zu werten war, habe ich besser nicht nachgefragt - aber entschieden: "OK, das Risiko geh ich ein!"
Vielleicht unnötig, aber ich erwähne es trotzdem: Ich bin eine geschlagene halbe Stunde lang verfolgt, belästigt, bedrängt worden von diesem Verkäufer, und es hat in all der Zeit nicht einen einzigen zweiten Kunden gegeben, der diesen verdammten Laden betreten und mich damit erlöst hätte. So dass ich vermute, dass die aller-allerletzte Matratze auch am Freitag oder am Samstag oder auch nächste Woche durchaus zu haben ist. Ehrlich, solche penetranten Verkäufer gehen mir auf den Sack, aber sowas von!
Zumindest wusste ich heut Abend wieder, warum ich das Onlineshoppen liebe!

Dienstag, 13. Dezember 2011

Selektive Wahrnehmungen die Zweite

Vor ein paar Tagen schrieb ich über die Wahrnehmungen von Frauen, über kleine Übersetzungsmaschinchen der Zukunft, die dem Manne nicht nur weismacht, dass eine Frau Ja meine, wenn sie Nein sagt, sondern bestenfalls das ganze Drumherumgesabbel gleich miterklärt. Nur um Streit im Hause vorzubeugen, klar.

Vor ebenfalls ein paar Tagen habe ich im world wide web einen Schatz ausgegraben, der unmissverständlich klar macht: Während die Männer noch immer Witze über Frauen-Übersetzer etc. reißen, haben die Frauen selbst ihre Arbeit längst getan - und den Geheimcode des Mannes enttarnt.

Wenn Ihr also auf der Suche nach Mr. Right seid, dann haben wir hier schon mal die Übersetzung parat für den Fall, dass er den Mund aufmacht:

"Ich bin zwar selbst voll der langweilige Heiner und hab schon vor Urzeiten den Bezug zur Realität verloren (würde ich mich sonst selbst als "athletisch" bezeichnen?), aber Ihr sollt toll sein!! Mega-Traummaße besitzen, modern, unabhängig (= gutes, eigenes Geld verdienen!!), intelligent und selbstbewusst sein, aber auch traditionelle und häusliche Werte schätzen und pflegen (= Weib, kochen, waschen, bügeln und putzen ist Deine Baustelle!!). Tiefgehende, philosophische Gespräche (= lausche meinen verspinnerten Monologen und bewundere mich dafür!) bei einem guten Glas Rotwein (=trinke nämlich gern zuviel) sollten Dir ebenso wichtig sein, wie das Eingehen auf meine körperlichen Bedürfnisse (= lechz! hechel! sabber!)..."

Ich konnte nicht anders - ich habe mich königlich amüsiert und alsdann die Urheberin dieser Zeilen um Abdruck in meinem Blog gebeten. Voilà! Und nun: Gutes Gelingen :)

Montag, 12. Dezember 2011

Wenn aus Sch** Gold wird

Die Sex & the City-Fans unter uns werden sich bestimmt an die Filmversion erinnern, in der Carry ihren Mr. Big zu heiraten gedachte, zunächst kläglich vor dem Traualtar scheiterte und glaubte, nie wieder lachen oder überhaupt irgendwie fröhlich sein zu können. Bis zu jenem Urlaubstag, an dem Charlotte verbotenes mexikanisches Wasser trank - und vor den Augen ihrer Freundinnen ihren Darminhalt in die Hosen entleerte. (Ich könnte ja einfach auch sagen: sich vor den Augen ihrer Freundinnen in die Hosen schiss - aber das wäre vielleicht ein bisschen viel Fäkalsprache zum Montagmorgen, oder?)
Jedenfalls - Carry hat gelacht, gelacht, gelacht und von da an ging alles aufwärts.

Heute Morgen ging mir das irgendwie... genauso.
Müde kam ich ins Büro geschlichen, obendrein die Müdigkeit der letzten Wochen noch in den Gliedern, und noch immer eine Angespanntheit in der Muskulatur, die die Schultern eher hoch- und den Kopf eher niederzog und statt Lachen maximal ein Grinsen zuließ. Ich fühlte mich auch nicht besser angesichts des vollgeladenen Schreibtisches, obschon ich gern viel zu tun hab. Denn dann geh ich abends mit dem guten Gefühl, etwas "bewegt" zu haben, nach Hause, mit dem Gefühl, eine Aufgabe gehabt zu haben.

In dem ganzen Wust aus Papier, Ordnern und Dokumenten einen Strafzettel fand ich einen Strafzettel vom heutigen Morgen: Falschparken für geschlagene fünf Minuten lang. Also hängte ich mich ans Telefon und befragte die Kollegen von der Baustelle: "Wer von euch war das?" und erhielt die Info: "So eine Scheiße! Ich musste so dringend auf die Toilette, das konnte nicht warten und ich dachte, ich komm nur mal schnell ins Büro!"
Ich habe mich bestimmt hundert Mal entschuldigt - aber ich konnte nicht anders, als in ein derart herzhaftes Lachen auszubrechen, dass mir der Bauch wehtat und die Tränen aus den Augenwinkeln sprangen.
"Sorry, aber das war dann wohl der teuerste Scheißhaufen der Woche", kreischte ich vor Begeisterung, während der andere knirschte: "Brauchst dich nicht zu entschuldigen, deine Kollegin hat genauso gelacht!"
Nun ja. Halteverbot ist eben Halteverbot.
Und meine Muskulatur ist wieder gelockert.
Mein Kopf wird wieder frei.
Mein Gang wird wieder aufrecht.
Manchmal macht Arbeit eben doch Spaß :)

Sonntag, 11. Dezember 2011

You're Not Alone

..."surely it's time to be with me... open your mind..."




great sound - i love this guitar-sound so much...

...and great lyrics too...



Quelle: http://www.youtube.com/watch?v=CHDuP303XyE&ob=av3e

Samstag, 10. Dezember 2011

Nobelpreis 2011

Seit rund hundert Jahren, glaub ich, gibts den Nobelpreis für Frieden, für Literatur, für die Medizin und noch irgendwas Wissenschaftliches. Noch länger als den gibts die Liebe - und ich glaub, dafür gibts noch keinen Nobelpreis, oder?
Alfred Nobel hieß der gute Mann, der einst verfügte, dass seinen Preis derjenige bekommen sollte, der im Lauf eines Jahres den größten Nutzen auf einem dieser Spezialgebiete erwiesen hätte.
Nun, das Jahr neigt sich dem Ende zu (Weihnachten beginn ich übrigens langsam zu hassen, was ich aber eigentlich schade finde) und ich frage mich, weil ich grad nicht mehr schlafen kann, wer denn in diesem Jahr einen Preis bekommt und obs den diesmal auch in der Kategorie Liebe gibt.
Ich meine, Menschen sind so: Wenn sie einen Ansporn haben, wenn sie einen Jagdtrieb entwickelt haben und wenn sie am Ende etwas in ihrer Hand halten, das sie reich & auch berühmt macht, ich glaub, dann können sie so richtig über sich hinauswachsen und Dinge zeigen oder geben, von denen sie wohl auch selber nicht annahmen, dass sie dazu überhaupt in der Lage waren oder wären. Wenn sie aber ihr Ziel erreichten, wird alles uninteressant, zur Seite gelegt oder in die Vitrine gestellt, wo es in Ruhe einstaubt.
So ist es mit Pokalen. Und so ist es zuweilen mit Menschen.
Ich finde das schade. Ich finde das traurig. Und klar sage ich: Man soll sich mit einem anderen Menschen wohl und geborgen fühlen und nicht ständig Angst haben müssen, dass man den Partner vielleicht doch verliert. Aber ich sage auch: Niemand soll zur Selbstverständlichkeit werden. Niemals soll selbstverständlich sein, dass der andere neben Dir sitzt oder liegt oder vor allem Dich liebt.
Vor ein paar Tagen traf ich auf dem Weihnachtsmarkt einen Freund und der erzählte mir, dass sich seine Liebste gerade von ihm getrennt hatte, weil er keine Möglichkeit sah, ihr das Leben weiter zu finanzieren, in dem sie sich entspannt zurücklehnen, sich um Haus & Familie kümmern und dreimal pro Woche ins Fitnessstudio gehen konnte. Ich meine, man hatte von Liebe gesprochen, nach einem gemeinsamen Heim geschaut - er war willens und in der Lage, alles zu geben, das er konnte, vielleicht sogar noch mehr, vielleicht auch zuviel- und aber auch sagen musste: "Alles allein kann ich nicht, hilf mir" - während sie ihr bequemes Leben nicht aufzugeben gedachte, sondern lieber die Beziehung beendete. Punkt und aus. So einfach war das.
Ich frage mich (schon wieder, glaube ich): Ab wann ist es wirklich Liebe?
Wenn sich die Menschen verändert haben, wenn sich die Gesellschaft verändert hat, verändert sich dann auch die Liebe und müssen wir anno 2011 die Definition tatsächlich abändern?
Wie kann ich sagen "Ich brauche dich und deine Seele zum Leben" und anschließend zwei Stunden lang ausschließlich über Geld debattieren? Sind wir nicht mehr in der Lage, uns auf das Wesentliche zu konzentrieren - auch wenn mir durchaus bewusst ist, dass niemand nur von Luft & Liebe leben kann? Geht es uns heute so gut, dass wir das Größte erreichen und aber an dem Unwesentlichen scheitern?
Geht es uns heute zu gut?
Wenn Ihr mich fragt - ich glaube ja. Den meisten Menschen geht es einfach zu gut, sie stehen zu oft auf dem Gipfel, als dass sie dieses Glücksgefühl noch zu schätzen wissen, oben angekommen zu sein, etwas erreicht zu haben.
Mich widert es an. Menschen widern mich an, die nur so lange das Leben mit einem Menschen teilen, solange die Kasse stimmt.
Gestern musste ich leider eine Verabredung auf dem Weihnachtsmarkt absagen - mir war buchstäblich alles auf den Magen geschlagen. Ich zähle vielleicht nicht zu Deutschlands Oberschicht, zumindest nicht dem Bankkonto nach, aber von dem, was ich habe, hätte ich gestern gern mal wieder etwas investiert in einen Glühwein und von mir aus noch einen Liebesapfel oder auch zwei (ich bin und bleibe ein Leckermäulchen :)) und nur für das Empfinden: Es geht mir gut und ich genieße den Augenblick - und teile dieses Empfinden mit Menschen, die das genauso sehen.
Glücklicherweise ist aufgeschoben nicht aufgehoben :)

Mittwoch, 7. Dezember 2011

Mission Impossible Oder: Schon mal Merry Christmas!


Also wer jetzt geglaubt hat, ich schreibe heute eine Filmkritik, der irrt. Den Cruise konnte ich eh noch nie leiden.
Einige von Euch wissen ja, dass ich als unverbesserliche Romantikerin immer glaubte, wenn man sich genug liebt, dann wird alles gut.
Na ja, ich will mal so sagen: Daran glaube ich immer noch. Auch jetzt noch.
Aber das kriegst Du eben auch nur hin, wenn Du dazu den richtigen Partner hast.
Und wenn ich heute im Büro den Kalenderriegel erst auf den 7. Dezember rückte, so muss ich sagen: Santa Claus was already here - und brachte mir (m)eine Bescherung. Na ja, ich will mal so sagen: Neu ist das ja nicht wirklich, nicht mal um die Weihnachtszeit (alle Jahre wi-hie-der!) - aber zumindest kann ich sagen: Mission 4 is failed , Mission 5 is definetly impossible - und ich schüttel mir gerade die letzten Scherben aus dem Pelz.
Jedenfalls - so kurz vor Heiligabend glaube ich zwar trotzdem nicht (mehr) an denWeihnachtsmann, aber nach vielem Hin & Her ist Frau Helma wieder frei, frei wie ein Schmetterling, der nun weiterfliegen wird, und wenn ich einen Wunsch frei haben darf, dann dürfte unter der Maske des Weihnachtsmannes ja mal ne echte Überraschung stecken.
Oder muss ich doch bis zum Frühjahr warten, am Teich Frösche sammeln und einen nach dem anderen an die Wand klatschen in der Hoffnung, dass mehr draus wird als ne Froschschenkelsuppe?
Wie ist das eigentlich, wenn eine Beziehung zuende ist - gibt es dann auch ein Trauerjahr oder kann ich schon jetzt meinem Glück auf die Sprünge helfen? Denn wie gesagt - neu ist das ja alles nicht und... überraschend kam es auch nicht. Und zum ersten Mal leider auch nicht.
Na jedenfalls dachte ich, ich melde mich doch wieder nach vielen Jahren mal im Internet an und gucke mal.
Und nein, liebe Leser, ich leide nicht unter Torschlusspanik und brauch weiß Gott nicht gleich einen neuen Mann. Aber Ihr müsst zugeben, ein bisschen gedankliche Abwechslung kann auch nicht schaden, oder? Kummerfalten machen schließlich hässlich!
Auf das Internet jedenfalls ist wirklich Verlass: Komiker ohne Ende! Die erste Nachricht, die ich bekam, war nämlich folgende - und bevor Ihr lest, möchte ich betonen: Ich habe ein ganz normales Foto gewählt, wirklich ein ganz normales!:

FRAGE Jürgen
Heute, 19:03 Uhr
Hey, du süsse Strapsmaus!
Ich kann dir ein großes Stück entgegenfahren.
Überlege es dir halt mal und lass uns einfach mal telefonieren und sehen was wird. Ich stehe nicht auf ONS sondern es sollte was für öfters sein!
Wie stehst du eigentlich zum Thema Strapse, schönen Spitzen Dessous und High Heels?
Ach ja, lass mich raten: 80B?
Kuss
Jürgen

ANTWORT Helma
Heute, 19:05Uhr
Du sag mal, darf ich Deinen Text in meinen Blog kopieren? Natürlich ohne Foto! Aber ich finde Deine Zeilen echt witzig, wirklich, und ich finde obendrein, dass meine treuen Leser auch ihren Spaß haben sollten :)   

Also ich fand mich originell, Jürgen mich allerdings nicht, der setzte mich gleich auf seine Sperrliste. Das empfinde ich jetzt spontan mal als Auszeichnung - mit Freak-Shows kenn ich mich nämlich aus. Und werde mal gucken, ob nach Mission Impossible vielleicht doch noch etwas anderes kommt. Sowas wie Sturm der Liebe oder so. Ich meine, ich hätt ja nüscht gegen ne Soap, das würde immerhin was Dauerhaftes mit viel Liebe bedeuten und außerdem haben diese Soaps immer ein Happy End. TUI - das hätte ich mir jetzt echt mal verdient! 

Montag, 5. Dezember 2011

Begegnungen

Irgendwie ist es verrückt: Entweder meldet sich gar keiner - oder gleich alle auf einmal. Ich glaube, dieses Phänomen kennen bestimmt viele von Euch. Man sagt ja auch, dass es vor allem an Deinen eigenen Signalen liegt, ob die Leute den Schritt auf Dich zukommen oder lieber einen großen Bogen um Dich machen.
Ich sage jetzt nicht, auf welche Seite davon ich mich derzeit zähle - aber ich wundere mich dennoch und bin zugleich positiv überrascht, wer derzeit alles so an der Tür klingelt.
Immerhin hat mir das in den letzten Tagen die Möglichkeit verschafft, so einige Weihnachtsmärkte und deren Kössszzscchhtlischkeiten kennen zu lernen - und dabei Spitzbube Kummer über den nächstbesten Zaun zu werfen.





Ich meine, ich persönlich habe Schiss vor jeder größeren Stadt, die ich nicht kenne. Auch mit Frau Navi an Bord. Also ich meine, ich habe Schiss, mich mit dem Auto ins Nirvana zu begeben, wo die Straßen mehr als eine Spur haben, die in dieselbe Richtung führt. Und meine Freundin? Die lenkte ihr Auto derart unbekümmert durch die Straßen von Berlin, dass ich mich heimlich am Türgriff festzuhalten und im Geiste das Ave Maria zu beten begann, als sie mir erklärte: "Hier war ich auch noch nie!"
Gepackt haben wirs aber unbeschadet, der Nachmittag war herrlich, sie hängte mir ein Lebkuchenherz um den Hals und drückte jedem von uns einen Liebesapfel "Auf dass bessere Zeiten kommen!" in die Hand und so liefen wir unbeschwert und fröhlich wie Kinder durch die Straßen, alberten und gackerten, tranken Weihnachtspunsch und (natürlich) Milchkaffee, schauten schönen Menschen hinterher oder ließen uns die Blicke folgen.
Mir wurde bewusst, wie wenig ich in den letzten Wochen gelacht hatte, ich meine, so richtig von Herzen. Mir wurde bewusst, dass ich begonnen hatte, mich selber zu vermissen. Mir wurde bewusst, dass ich dabei war zu vergessen, wer ich eigentlich bin und was ich gern habe, was ich gerne tu. Und wie sehr ich aber darum kämpfen oder verteidigen musste, wenn ich mir etwas wünschte. Dass das aufhörte, Spaß zu machen. Und nun saß ich hier mit einer jungen Frau, die gerade beginnt, ihr ganzes Leben komplett neu zu ordnen, zu strukturieren, ganz von vorn zu beginnen. Die sich mir entgegenbeugte und sagte: "Jetzt gönn dir auch endlich mal was, du arbeitest so hart dafür."
Also habe ich mir etwas gegönnt: Zwei Lebkuchenherzen für meine Söhne - morgen ist schließlich Nikolaus. Aber ich glaub, das hat meine Freundin nicht gemeint. Oder? Als sie mich vor der Haustür wieder absetzte, schaute ich ihr noch eine Weile nach und winkte. Ich sollte sie öfter treffen. Sie. Und das Leben. Und überhaupt.
Und morgen gehe ich wieder auf den Weihnachtsmarkt. Irgendwie ist doch auch das Leben wie ein Weihnachtsmarkt: bunt und süß und an jeder Ecke gibt es etwas zu sehen und zu entdecken. Eben.

Dienstag, 29. November 2011

Performance Dialogue

Was im Allgemeinen in Konzernen veranstaltet wird, nämlich ein Performance Dialogue, der dem Arbeitnehmer zeigen soll, wo (bestimmt) noch Leistungslücken aufgefüllt werden könnten und der dem Arbeitgeber zeigen soll, wo (mit Sicherheit) gehaltsmäßig noch zu füllende Lücken bestehen - das gibts auch im ganz normalen Leben. Zwischen Mann und Frau zum Beispiel.
Gerade eine belegte Bäckersemmel zum Mittagessen eingekauft, durfte ich einem solchen Dialog zwischen einem Pärchen lauschen, das soeben einen Laden für Küchengeräte etc. verlassen hatte.
Sie (in aufgebrachtem Angriffston): "Isch hädde das oaber gärne gegauft, das macht nämlisch vieles leischter!"
Er (in aufgebrachtem Verteidigungston): "Na isch weess doch goar nisch, ob man immer alles braucht und immer alles auch glei gooofen muss!"
Darauf Sie: "Na das is mir gloar, dass du das nisch weesst! Du gümmerst dich doch ooch um nischte! Nischt machste daheeme, immer muss ich alleene!"
Darauf Er: "Na gloar, du machst alles alleene, isch mach nischt, nu gloar, nu gloar!"
Darauf Sie: "Na saache doch ma, wo de was machst? Sache ma!? Mir fällt da nischt ein!"
Darauf Er:  "Na da häddeste das Teil ääben gegooft, isch hab doch goar nisch gesacht, dass de das nisch darfsd!"
Darauf Sie (der Ton wird keifend): "Und ob de das gesaacht hast! Isch bin doch nisch bleede!"
Ich bin nun wirklich ein Mensch, der fremde Dialoge nicht belauscht, möglicherweise zuweilen auch dem Umstand geschuldet, dass nach Jahren des iPod-Tragens leichte... ähm... Hörschwierigkeiten auftreten. Diesem Dialog heute aber konnte man sich beim besten Willen nicht entziehen und ich hatte eher Schwierigkeiten, schnell genug ein ernstes, unbeteiligtes Gesicht aufzusetzen, nachdem das Paar abrupt stehenblieb, mich durch die entstehende Lücke hindurchließ, während er sie am Arm packte: "Na da gäähn ma noch ma zurück und du goofst dir das Teil, dann habsch wänichstens meine Ruhe!"
Mahlzeit - kann ich da nur sagen :)

Montag, 28. November 2011

Heut Abend bin ich müde

...und werde - entgegen meinem eigentlichen Ansinnen - heut nix mehr erzählen können von der Premiere der Weihnachtsmärkte, die man in diesem Jahr da und dort getrost in T-Shirt (oder für ganz Mutige: im Bikini) besuchen konnte. Ich meine, wen es wie mich um die Mittagszeit auf den Weihnachtsmarkt trieb, der orderte sich lieber ne Eisschokolade statt nen Glühwein.
Es muss mindestens zehn Jahre her sein, wo es so etwas schon einmal gegeben hatte - kurzärmlig zu Heiligabend auf dem Weihnachtsmarkt. Jedenfalls ich hab am Sonntag gedacht: So muss sich das anfühlen, wenn du Weihnachten in der Karibik feierst und krampfhaft versuchst, ein wenig Weihnachtsstimmung aufkommen zu lassen.
Es gibt eben Dinge, die wirken des Nachts einfach wesentlich goldiger und überhaupt nicht grau.
Aber schön wars trotzdem, denn obwohl ich auf die Frage "Den Glühwein mit Schuss?" verneinte, stutzte ich beim ersten herzhaften Schluck dann doch "Habe ich jetzt eigentlich beim Nein-Sagen mit dem Kopf dazu geschüttelt oder habe ich eventuell dabei genickt?" und nach dem dritten Schluck hatte ich - Hand aufs Herz - bereits einen leichten Schuss in den Knien.
Aber wie gesagt... Zum Erzählen bin ich heut einfach zu müde, mir fallen fast im Stehen die Augen zu und mich ziehts derart zwischen meine Kissen, dass ich jetzt einfach nur noch den Laptop von den Knien schieben werde, mich zurücklehne und - vermutlich - mit offenen Mund vor mich hin schnarche.
Und wer weiß - vielleicht muss ich Euch ja auch gar nix davon erzählen, vielleicht habt Ihr ja genau das auch selber erlebt. Na dann gute Nacht :)

Freitag, 25. November 2011

Ich will ja nicht schon wieder damit anfangen...

...aber einen MUSS ich Euch heut noch zeigen... "Durch die Nacht" von - na klar - dem Poisel :)



...ich liebe diesen Sound, ich liebe diese Klampfe und diesen Rhythmus - und vor allem liebe ich, wie so ein Song, der im Grunde nur aus Akustik besteht, soviel in mir zu erwecken vermag. Kaum Text, aber ganz viel Klang, ganz viele Bilder, ganz viele Empfindungen...

Und ich muss jetzt los, hinaus in die Nacht - mir wachsen soeben Flügel und ich will ihn haben - den Wind in den Haaren, die Eiskristalle auf den Wimpern, die Röte auf den Wangen... und dann will ich ankommen und einen wunderbar heißen Tee trinken und mich erwärmen...

Heavy - Lauri Ylönen Oder: Liebe auf den zweiten Blick


Ich kenne diesen Song bereits einige Tage (aber es gibt ihn wohl schon seit gut einem Jahr), jedoch als ich ihn heute Morgen auf dem Weg ins Büro hörte, da bekam ich eine nicht mehr enden wollende Gänsehaut, tatsächlich eine von den Haarwurzeln bis zu den Zehenspitzen.
Allein des Textes wegen.
Im Grunde entscheide ich (unbewusst) nach dem melodischen Klang eines Songs: Wenn der mir ins Ohr und von da direkt in die Beine geht - dann mag ich ihn; und wenn er dann noch spontan Bilder, Träume, Hoffnungen vor das innere Auge zaubert - dann liebe ich ihn.
Mit Volksmusik oder Metal hab ich ergo gar nichts am Hut - da kann der Text sein wie er will.
Doch wenn die Melodie stimmt und dann noch so ein Text, der gerade derzeit kaum passender treffen könnte, dann... muss ich Euch das einfach mal vorstellen :)

Donnerstag, 24. November 2011

Geh ein Stück von mir weg

...damit du mich besser sehen kannst.
Diese Worte gingen mir heute Abend spontan durch den Kopf, als ich den Kommentar zu meinem letzten Blogeintrag las. Irgendwie... ist es doch auf eine bestimmte Weise faszinierend, dass ein Mensch, der mich gar nicht kennt und auch nicht bei mir um die Ecke wohnt, mit einem Satz auf den Punkt bringt, was mir seit Wochen oder gar Monaten durch den Kopf und durch den Bauch geht, ohne dass ich wirklich auch imstande war, bewusst erfassen zu können, was eigentlich mit mir los ist...
Und jetzt begreife ich es endlich.
Ich will Veränderung. Veränderung, die weitaus mehr ist als sich das Haar abzuschneiden oder ein neues Auto zu kaufen. Ich will Veränderung mit jedem Zentimeter meines Körpers - und dennoch fehlt mir die Kraft dazu. Und das macht mich so müde, das macht mich stellenweise aggressiv, es macht mich schlaflos, unruhig - aber zugleich auch lethargisch. Aber ich habe das alles nicht begriffen - bis heute Abend nicht - und meinem eigenen Ich irgendwie so hilflos gegenüber zu stehen, erweckt Zorn in mir, den ich in mir trage, jeden Tag. Und der sich entlädt zum Beispiel in so nichtigen Momenten, wenn es mich nach einem Bürokaffee verlangt und die Kanne aber schon wieder leer ist. Leer, obwohl ich selbst erst frischen Kaffee aufgesetzt hatte; leer, obschon ich nicht einen einzigen Schluck davon genommen hatte. Leer - und keiner sagt einen Ton.
"Das ist so scheiße unkollegial!" habe ich wütend gebrüllt und einen neuen verdammten Kaffeefilter aus dem Schrank gezerrt.
"Du machst dir grad Luft", hat ein Kollege geschmunzelt, "bloß an der falschen Stelle."
Und heute Abend lese ich diesen Kommentar und endlich klickt es in meinem Kopf. Endlich löst sich diese unangenehme, widerliche Starre in mir. Ich meine... Mir gehts ja nicht schlecht oder so. Nicht wirklich. Und zuweilen glaubte ich auch, ich hätte diese starre Phase wieder überwunden. Nur um trotzdem jeden Tag mit dem Bewusstsein weiterzumachen, dass ich eben nicht weitermachte. Was für ein zähes, widerliches Gefühl.
Irgendwie will ich gerade so viel - und nichts von alledem vermag ich aber zu bewältigen.
Im Büro warte ich auf die Tage, die meine Auszubildende da ist. Weil sie mir dankbar alles abnimmt, zu dem ich mich nicht aufraffen kann. Die mir ungefragt meinen Lieblings-Schokopudding kauft, auf den Tisch stellt und sagt: "Ich glaub, Ihnen gehts grad nicht so gut."
Zu Hause angekommen, erledige ich alles automatisch: Essen zubereiten, Wäsche bügeln, Ordnung in die vier Wände bringen - doch am liebsten möchte ich einfach nur da liegen und in den Nachthimmel starren.
Ich möchte anders leben.
Woanders leben.
Mich auch nicht immer um alles kümmern müssen, nicht immer für alles zur Stelle sein müssen. Nicht immer alles nur an mir hängen wissen müssen.
Jeden Tag schiebe ich Dinge vor mir her, die ich zu erledigen hätte - und verschiebe sie Tag um Tag.
Ich müsste E-Mails beantworten - und verschiebe es Tag um Tag.
Meine "ruf doch mal zurück"-Liste wird immer länger - und ich verschiebe es Tag um Tag.
Ich fühle mich ständig hin und her gerissen zwischen Pflicht und Bedürfnis. Und tue am Ende... gar nichts.
Und jetzt... jetzt spür ich, wie diese Starre von mir bröckelt, abzufallen beginnt. Nur weil ich endlich realisiere, was eigentlich mit mir los ist? Eigentlich ist doch nichts passiert und eigentlich ist doch jetzt auch gar nichts anders wie noch heute Nachmittag? Aber hab ich nicht auch schon immer gesagt: "Wenn ich etwas verstehen kann, dann kann ich auch loslassen"?
Nach meinem letzten Blogeintrag  habe ich schon mit mir gehadert: "Du schreibst hier über deine Problemchen mit Körpergewicht, Haare, Haut und woanders kämpfen Menschen mit Krankheiten, in Kriegen, mit dem Hunger, mit dem Durst - und solltest dich eher glücklich schätzen, dass es dir gut geht, du ein warmes Zimmer hast, für sauberes warmes Wasser musst du nur den Hahn aufdrehen und im Kühlschrank hast du etwas zu essen. Hör auf mit der Jammerei, du widerst mich an!"
Und heute Abend... kommt Veneficias daher und mir war, als würde sie mich wachrütteln: "Es geht gar nicht um den Spiegel, es geht um mehr!"
Danke, Veneficias. Du warst weit genug weg, um mir so nah kommen zu können.
Ich glaube, jetzt bin ich wieder da. Jetzt bin ich wieder ich. Auch ohne einen neuen Spiegel. Und gleich morgen früh beginne ich mit dem Abarbeiten meiner Listen.

Dienstag, 22. November 2011

Spieglein, Spieglein an der Wand

Ich glaub, ich hab grad eine dieser gefürchteten Stillstandsphasen erwischt: Es bewegt sich grad nix.
Schon aus Prinzip steige ich maximal einmal pro Monat nur auf die Waage, manchmal noch länger nicht. Also nicht aus Nachlässigkeit nicht, sondern weil ich mich einfach nicht diesem Druck aussetzen will: Die nächsten drei Tage gibt es nur Salat!
Ich meine, ich war immer schon ein Genussmensch, ich verachte Kalorienzählen und ich bin auch nicht von dieser ich-kann-alles-essen-was-ich-will-und-nehme-trotzdem-nicht-zu-(weil-ich-nämlich-anschließend-alles-auskotze-aber-sags-nicht-weiter)-Gruppe.
Aber auch in einem Genussmenschen wie mir steckt andererseits immer noch eine Frau, die eine bestimmte Kilomarke nicht überschreiten will und die sich, um auch gar nicht erst in die gefährliche Zone zu kommen, überreden lässt, mit auf die Berge zu steigen, die sich Sportgeräte schenken lässt oder - um auch Freund Schmerz nicht wieder in mein Bett kommen zu lassen - sich an ihr Pilatesprogramm erinnert.
Meine neue Kurzhaarfrisur ist mir auch schon wieder zu langweilig und für eine neue, andere habe ich mich noch nicht entschieden.
Außerdem ist November - und meine Haut inzwischen viel zu hell geworden. Finde jedenfalls ich.
Vorhin erst habe ich mich vor den Spiegel gestellt und mich betrachtet.
Ich will auch gar nicht jammern. Trotzdem.
Irgendwie fühlt es sich gerade so an, als könne ich tun, was ich will und es passiert trotzdem nicht das, was ich will. Die Waage zeigt seit Wochen haargenau ein und dieselbe Kilomarke - egal, wie ich es anstelle (wie in dieser Werbung: einbeinig, nackt und meine Armbanduhr habe ich schon vor Wochen abgelegt), und trotzdem passt mir wieder der BH, den ich vor ungefähr zehn Jahren erwarb. Bloß die Jeans von damals nicht, die nicht! Blöde Ungerechtigkeit. Die Haare wachsen auch zu langsam, die Muskeln stärken sich zu langsam und meine Augen sehen immer noch müde aus. Zu wenig Busen und zuviel Körper - auch beim  BMI von 23 - oder bin ich zu kleinlich?
Irgendwie bin ich gerade überhaupt nicht die, die ich eigentlich bin. Und die ich eigentlich sein möchte.
Scheiß Spiegel.
Wieso macht mich der Badezimmerspiegel eigentlich  immer so schön - und der in meinem Zimmer so... anders?
Ich denke... ich kauf mir morgen einen neuen Spiegel.

Selektive Wahrnehmungen

Männer sagen ihren Frauen gerne nach, dass diese unter selektiven Wahrnehmungen litten: "Sie hören nur das, was sie hören wollen - und das bekommst du dann auch noch vorgehalten. Wenn du Pech hast, mindestens zwölf Jahre lang, es sei denn, es kommt ihnen eine neue, wichtigere Wahrnehmung dazwischen. Und wenn du ganz großes Pech hast, vergessen sie nichts von alledem und du bekommst bei jeder Gelegenheit das ihnen Passende unter die Nase gerieben. Entkommen aussichtslos."
Nun ja. Vielleicht ist da ja etwas dran. Ich weiß es gar nicht so genau.

Es gibt da ja auch so ganz lustige kleine Übersetzungsmaschinen "Was eine Frau wirklich meint, wenn sie etwas sagt" - jedenfalls in den Wunschgedanken der Männer. Irgendein Programmiergenie muss zu diesem jetzt nur noch das Grundgerüst entwerfen und es dann bauen lassen. Ich denke, es handelt sich hier um eine ausgesprochene Marktlücke - Gewinne sind hiermit schon mal zugesichert.


Gleichwohl muss ich als Mitbewohnerin in einem Haushalt, zu dem auch zwei mehr oder minder erwachsene Männer gehören, anmerken, dass dieser selektiven Wahrnehmung genauso auch eben die Männerwelt unterliegt. Ich meine, es passiert nicht allzu selten, dass mich irgendwann ein Anruf erreicht: "Wieso rufst du eigentlich nicht zurück?" - "Hä? Zurück?" - "Na ich hab deinem Sohn aufgetragen, dass du mich mal zurückrufst, es war dringend." - "Oh..." Danach befragt, weiß der Sohn sich zumeist nicht einmal zu erinnern, dass er überhaupt telefoniert hätte in den vergangenen Tagen, ausgenommen selbstverständlich die Privat-Intim-Gespräche, die er von seinem eigenen Handy aus führt.
Oder mich erreicht beim Kinobesuch mit meiner Freundin eine sms: "Nun ja... Du bist also unterwegs... Keiner weiß wo... Keiner weiß, wann du wiederkommst..." Obwohl ich es meinen Söhnen mindestens dreimal, aber gefühlt mindestens zehnmal sagte: "Ich bin heut Abend mit Frau I. im Kino und gegen neun wieder daheim!" Und obwohl sie noch fragten, welchen Film wir uns denn ansähen, schworen sie hernach Stein & Bein, dass ich ihnen das hundertprozentig nicht gesagt hätte, schließlich wüssten sie alle beide von nichts und das sei ja doch merkwürdig, zwei Stimmen gegen eine - alles klar.

Wie oft schon hatte ich den Jungs einzubleuen versucht: "Wenn ein Anruf kommt, nehmt Zettel und Stift und schreibts auf, ihr vergesst es doch sonst sowieso!" Aber na ja... Da kannste auch das Fenster öffnen und hinaus in die Welt rufen, s bleibt so oder so ungehört.
Gestern Abend jedenfalls hielt ich mich - ich gebe es zu - ein wenig länger als gewöhnlich in meinem Badezimmer auf und hörte wie aus weiter Ferne das Telefon klingeln. Entspannte mich jedoch bei der Wahrnehmung, dass Junior II. ans Telefon schritt, ich hörte ihn ganz deutlich sagen "Meine Mutter ruft zurück!" - und fünf Minuten später befragt, vermochte er mir partout nicht zu sagen, wer der Anrufer denn gewesen sei. "Das hat er nicht gesagt. Der hat eigentlich überhaupt nix gesagt." - "Und woher weißt du dann, dass es ein Mann war?" - "Na ich hab doch seine Stimme gehört. Aber eigentlich nicht nur seine, da waren noch ein paar mehr Stimmen." Ich beäugte meinen Sohn misstrauisch, so recht trauen mochte ich ihm über diesen Weg nicht und ich stellte die allesentscheidende Frage: "Wenn der andere nix gesagt hat, woher weißt du dann, dass es überhaupt für mich war?" - "Äh..." - "OK, alles klar."
Wer etwas von mir will - der ruft wieder an, mit diesem Motto jedenfalls legte ich mich anschließend zu Bett in der Hoffnung, dass es nicht die Lottozentrale gewesen sein mochte, die mir die letztmalige Chance bot, meinen vergessenen Millionengewinn abzuholen.
Aber ach... ich spiel ja gar kein Lotto :)

Quelle Foto: www.postkartenparadies.de

Sonntag, 20. November 2011

this will not be a poisel fanpage

...but his songs are great...


...man kann sie nicht immer hören... aber immer wieder...
sicherheit, geborgenheit beginnt bei mir in dem moment, wo ich neben jemandem liegen kann, erfüllt vom glücksgefühl, erfüllt von dem gedanken, dass ich meine augen schließen kann und an nichts mehr denken muss. und vor allem... keine angst haben muss.
diesen song, so empfinde ich es, muss man auf sich wirken lassen... wenn man allein ist. wenn man ruhe hat. wenn man die musik aufdrehen kann. und wenn man zuhören kann...

Eiserner Steg

Letzte Nacht schlief ich tief und fest und ruhig - und träumte nach langer Zeit zum ersten Mal wieder in Farben und wunderbar eindringlichen Bildern und als ich am Morgen erwachte, war es derart kalt, dass ich meinte, die ersten Eisblumen an den Fenstern entdecken zu können, das Glas anhauchen zu müssen, um einen Blick hinaus in die Welt wagen zu können.

Und ich legte mich zurück in das Bett, eine Strickjacke über dem Shirt, einen Becher Kaffee in der Hand - von meinem Bett aus kann ich in den Himmel schauen - und das tat ich und in mir breitete sich ein stilles, ruhiges und dennoch vergnügliches Gefühl aus, so als müsse ich mit den Zehen wackeln und mit den Fingern ein imaginäres Klavier bedienen...







...Ich vermag mich nicht zu entscheiden, welches Musikstück mir hiervon besser gefällt, doch ich finde es faszinierend, wie viele verschiedenartige Empfindungen ein einziger Song in einem auszulösen vermag, wenn man ihn nur mit einer andersartigen Klangfarbe füllt... 

Manches Mal, wenn mein Sohn mir von einer neuen Verliebtheit erzählt, oder manchmal, wenn ich Jungen und Mädchen in etwa seinem Alter in der Stadt sehe, wie sie einander verliebt anschauen, aneinander kuscheln, dann überfliegt mich oftmals ein Lächeln, weil ich mich zurückerinnere, wie unschuldig und zugleich auch unwissend dieses Verliebtsein ist - und dennoch wunderschön.
Vor ein paar Jahren, als ich Poisels Musik für mich zum ersten Mal entdeckte, war ich überrascht, wie ein so junger Mensch so wunderbare Zeilen schreiben und mit so wunderbaren Klängen zum Leben erwecken konnte. Es ist wohl die Arroganz des Alters, in dem wir glauben, nur wir hätten die Wahrhaftigkeit des Seins und Fühlens entdeckt, mit den Jahren, mit den Erkenntnissen und den Menschen, denen wir auf unserer Reise begegnet sind. Und verkennen dabei völlig, wie innig und intensiv die Liebe ist, ganz gleich, ob wir zwanzig oder vierzig Jahre alt geworden sind. Liebe unterscheidet nicht, wie alt wir sind und wozu wir in der Lage wären. Inzwischen liebe ich Poisels Musik und fühle mich einmal mehr beschämt über die eigene Arroganz...

"...ich atme dich ein... und nie wieder aus..."
Man darf mir so ziemlich vieles wegnehmen, glaube ich. Doch nicht die Musik. Niemals.

Freitag, 18. November 2011

Der Bann ist gebrochen

Letzte Nacht ist irgendetwas Komisches passiert. Als ich am Abend heimkehrte, hatte ich mir fest vorgenommen, noch vor dem anstehenden Wochenende etwas Ordnung in meine Behausung zu bringen - und es zu nichts gebracht. Wirklich zu gar nichts. Alles fiel mir aus der Hand oder wollte gar nicht erst in die Hand genommen werden; mich hatte eine derartige Lustlosigkeit überkommen, wie ich sie eigentlich selten von mir kenne.
Das TV-Programm darf sich ja auch nicht mehr ungestraft "Programm" nennen - und ich frage mich wirklich, was eigentlich mit den ganzen schönen Gebühren passiert, die Millionen Bundesbürger zahlen dürfen, ohne gefragt zu werden, was sie denn wenigstens Schönes dafür sehen möchten. Lediglich eine Wahl habe ich - einschalten oder ausschalten, doch eine solche Handbewegung für nunmehr ca. 160 Euro im Jahr finde ich dann doch ziemlich überteuert.
Zum Lesen jedoch fehlte mir gleichwohl die Muße, auch ein neues Bild zu malen, dazu konnte ich mich immer noch nicht aufraffen. Wobei ich an dieser Stelle offenbaren muss, dass ich höchstwahrscheinlich, bevor ich ein solches neues Werk in Angriff nehme, erst einmal zum Optiker zu gehen habe. Irgendwie sehe ich bereits nach den ersten Pinselstrichen alles doppelt und während ich anfangs noch beschämt meinte, das läge an der Weinschorle, so musste ich irgendwann dann doch konstatieren: Nein, der Alkohol ist nicht an allem schuld, diesmal liegts am Alter!
Nun ja, bloß wenn schon nicht TV schauen, kein Bild malen und auch kein Wort schreiben und sich auch sonst zu absolut nichts aufraffen kann - was bleibt einem dann noch? Genau. Sich schlafen legen.
OK.
Da lag ich also nun, das Dunkel umfing mich, hüllte mich ein - und ich schloss die Augen. Nur um sie ein paar Sekunden später wieder zu öffnen und in den Nachthimmel vor meinem Fenster zu starren.
OK.
Augen wieder schließen. Und wieder öffnen.
Und dann sprang das Kopfkino an. Dieses Mal drehte es sich nicht um Menschen oder Tiere, Situationen oder Befindlichkeiten - dieses Mal sortierten sich scheinbar wild durcheinander gewürfelte Worte, Sätze, Bilder, die es so nie gegeben hatte, in meinem Kopf; sie entstanden quasi vor meinem inneren Auge - und ich sah sie so deutlich, als betrachtete ich Fotografien. Ich hörte die Worte so deutlich, als lese sie mir jemand vor.
Und mir begann das Herz zu klopfen, mir wurde ganz merkwürdig heiß zumute (und nein: ich habe keinerlei Medikamente oder sonstiges zu mir genommen - wenn man von einer schnöden Butterstulle am Abend absieht). Ich versuchte dennoch, diese Worte zu beruhigen, diese Bilder beiseite zu schieben. Fang morgen an, jetzt komm erst mal zur Ruhe, wollte ich mich zwingen. Bis mir der Magen zu schmerzen begann. Und da wusste ich: JETZT.

Also stand ich auf und holte ein Buch hervor, das ich vor über einem Jahr geschenkt bekommen hatte.
Ein Buch mit leeren Seiten, auf dessen Einband "Künstler Kladde" steht - und ich kramte dazu den Füllfederhalter aus der Kommode, knipste das kleine Licht auf dem Tischchen neben meinem Bett an - und begann zu schreiben.
Ich habe keine Ahnung, wie viel Uhr es war, als ich begann - und wie spät es war, als ich endete.
Als ich jedoch einschlief, hielt ich das Buch mit der linken Hand umklammert, und als ich heute Morgen erwachte, lag ich noch immer genau so da. Obschon ich für gewöhnlich nie so ruhig liege und schlafe...
Da musste ich lächeln und ich wusste: Jetzt wird es genau das, was ich immer schreiben wollte. Und ganz entgegen meiner sonstigen Gewohnheiten werde ich auch mit dem Füllfederhalter in diesem Buch weiterschreiben, so lange, bis ich zuende erzählt habe.
An dieser Stelle danke ich schon jetzt all denen, die immer an mich glaubten und mich bis heute darin bestärken, alles zu tun - jedoch niemals mit dem Schreiben aufzuhören.
Jeder Mensch hat seine Passion.
Es gibt Menschen, die singen Lieder.
Es gibt Menschen, die malen Bilder.
Es gibt Menschen, die nähen Kleider.
Es gibt Menschen, die tanzen.
Mit all dem, was sie können und tun, verleihen sie ihren Träumen, Hoffnungen und Empfindungen den Funken Ausdruck, der auf all jene überspringt, die haargenau dasselbe fühlen.
Hört nicht auf zu singen.
Hört nicht auf zu malen.
Hört nicht auf zu nähen.
Und hört nicht auf zu tanzen.
Niemand sollte mit dem aufhören, das er liebt. Niemand. Und wenn mal gar nichts geht... scheiß egal. Eines Tages geht es weiter.

Quelle Foto: http://us.123rf.com/400wm/400/400/mipan/mipan1009/mipan100900008/7788874-stacheldraht-f-llfederhalter.jpg

Donnerstag, 17. November 2011

Lilly Lebenslust schreibt:


"Sehr geehrte Frau Ziggenheimer,

da ist mir jetzt aber ein Stein vom Herzen gefallen, dass Sie den blog nicht gelöscht haben. Was sind denn das für Ideen? Ts, ts, ts. Davon wollen wir aber niemals wieder etwas hören! Was sollte ich denn dann machen, wenn mich hier z. B. mal wieder der Büro-Frust plagt und ich dringend eine erfrischende Abwechslung brauche? So eine Art virtuelles Käffchen? Also bitte, bitte dran bleiben liebe Frau Ziggenheimer, sonst - und damit darf ich wohl im Namen der gesamten geneigten Leserschaft sprechen, leidet eben diese demnächst an Entzugserscheinungen mit nicht absehbaren Folgen.

Bezüglich Ihrer Blockade, was das ernste Fach betrifft, sollten Sie sich keine Sorgen machen. Gut Ding will Weile haben und wenn der richtige Zeitpunkt gekommen ist, werden Sie gar nicht so schnell schreiben können, wie die Gedanken fließen. Obwohl, diesen Fall habe ich bei Ihnen eigentlich noch nie erlebt ;-) Mit anderen Worten: nur die Ruhe!

Ach und da las ich doch eben eine Geschichte ;-) ...

Ein Verbrecher soll gehängt werden, doch der König erfährt durch einen Boten in letzter Sekunde, dass der Todgeweihte unschuldig ist. Nun richtet er eine Nachricht an den Scharfrichter, die Nachricht heißt: Wartet nicht, hängen! Der Scharfrichter erhält die Nachricht und hängt den Unschuldigen zur Empörung des Königs. Dieser hatte einen Beistrichfehler gemacht, er wollte eigentlich schreiben: Wartet, nicht hängen!

Ich grüße Sie herzlich, meine liebe Frau Ziggenheimer,

(ich darf Sie doch so nennen, nicht wahr?)
Lilly Lebenslust

PS: Den Komma-Test hab ich noch nicht absolviert, die Blamage heb ich mir für morgen auf."


Diese Zeilen habe ich soeben druckfrisch ins Haus bekommen, sämtliche Urheberrechte galant beiseite geschoben und hiermit ein Statement veröffentlicht, das zwar noch immer vorhandene Blockaden nicht lösen kann, aber immerhin schon mal kräftige Risse ins Mauerwerk bringt :)

Liebe Frau Lebenslust, bestimmt haben Sie gehofft, ich würde hier Ihr P.S. weglassen und mich auf das Wesentliche konzentrieren. Nun... Wennschon, dennschon, sagte ich mir - und nun können Sie mich getrost verklagen oder doch lieber ein Käffchen mit mir trinken gehen :)

P.S.: Na eigentlich bedarfs ja keines P.S. - aber über diese Zeilen habe ich mich dennoch wirklich sehr gefreut!

Punkt und Komma

Ich weiß nicht, wie Euch das geht, aber ich achte bei Geschriebenem immer auf die Rechtschreibung. Sicherlich oftmals auch unbewusst - aber irgendwie springt mich das immer irgendwie an. Wobei sich echte Rechtschreibfehler von Tippfehlern durchaus unterscheiden lassen und oftmals auch sofort erkennbar sind. Kurioserweise habe ich mit Tippfehlern gar kein Problem, aber bei "echten" Rechtschreibfehlern sträubt sich mir irgendwie das Gefieder. Klingt komisch, ist aber so.
In der heutigen Bürodebatte über Punkt und Komma fiel mir auch wieder ein, was ich einst im Deutschunterricht lernte: Dass ein einziges Komma über Leben & Tod entscheiden kann - wenn es denn an die richtige Stelle gesetzt ist. Zwar bekomme ich diesen Beispielsatz nicht mehr zusammen, doch die Story als solches ist mir noch allgegenwärtig: Ein König sollte über Leben oder Tod eines Sünders entscheiden - und entschloss sich zur Begnadigung, was er dann auch schriftlich vermerken ließ. Leider Gottes wurde das Komma an die falsche Stelle gesetzt - und der arme Tölpel wurde gehenkt.

Nun hatte ich mich heute in einer kurzen Schaffenspause rangesetzt, um vielleicht im world wide web diesen Satz aufzugabeln. Gefunden habe ich ihn nicht; vielleicht aber war ich ja auch wieder mal nicht ausdauernd genug.
Gefunden habe ich dafür einen Test über die richtige Zeichensetzung und muss beschämt gestehen: Zwei Fehler haben sich dann doch auch bei mir eingeschlichen, leider nur 10 von 12 Punkten. Mir ist das an dieser Stelle zu wenig, das wäre als Schulnote nur ein Zweier gewesen. Da hätte es mir nicht genügt, ich gebe zu, hier bin ich vom Ehrgeiz zerfressen. 

Aber probierts selbst, wenn Ihr wollt:
http://www.focus.de/schule/lernen/lernatlas/quiz/deutsch/rechtschreibquiz-zeichensetzung-reine-schikane_aid_529672.html



Quelle Foto: siehe Link



Mittwoch, 16. November 2011

Blue Jeans oder: Pieselwetter hat auch was Gutes

Na klasse, das hat hier jemand ja wieder ganz toll hinbekommen: Da hat man mal einen einzigen Tag frei - und ich hab mir soooo viel vorgenommen und was passiert? Ich wache morgens auf und statt des gewohnten Sonnenscheins und strahlend blauen Himmels guckt mir ne fette Regenwolke durchs Fenster. Hab ich mich glatt erschrocken und gleich noch ein Stündchen  weitergeschlafen.
Andererseits... Den ganzen Tag verpennen ist auch Mist - da weiß ich genau, dass ich morgen früh ins Büro schleiche und mich frage: Wo ist eigentlich der freie Tag geblieben?
Also lümmelte ich heute Morgen im Wohlfühloutfit und dicken Socken an den Füßen, mit einem guten-Morgen-Käffchen in der Hand und dem Laptop auf den Knien und stöberte  im Kulturteil der Online-Gazetten - und fand immerhin schon mal meinen neuen Musiktipp...




Passt irgendwie zu genau so einem Tag wie heute.
Doch jetzt mach ich mich ernsthaft an den Kulturteil, bisschen was anderes sehen und hören möchte ich heute schon noch.

Dienstag, 15. November 2011

Unbezahlbar...

...sind Menschen, die an dich denken und dir einfach etwas Gutes tun... ...unbezahlbar das Gefühl, wenn du abends müde vom Tag nach Hause kehrst und nichtsahnend den Briefkasten öffnest...




Jetzt muss ich mich nur noch entscheiden, ob ich mal wieder nachtbade oder morgen früh in aller Ruhe damit den Tag beginne. Aber das ist doch zur Abwechslung mal eine Entscheidung ganz nach meinem Geschmack :)

"Ich hab da noch eine Kleinigkeit.."

"..ich hab was veröffentlicht."
Diese Worte spricht Sie zu Ihm - in dem Film "Zwei an einem Tag" - einem Film, von dem ich nicht über Gut oder Mies debattieren mag - der mir einfach gefallen hat, möglicherweise auch der einigen Parallelen zu meinem eigenen Leben wegen - und nicht zu vergessen natürlich diese Atmosphäre eines großen dunklen Kinosaales, der erfüllt ist vom süßen Popcorngeruch, von den riesengroßen Bildern und einer unbeschreiblichen Akustik jedes einzelnen Wortes und jedes Klanges...




In diesem Kinofilm war ich vor einigen Tagen mit meiner Freundin - und sie verabschiedete sich von mir mit eben diesen Worten und fügte hinzu: "Eines Tages möchte ich das auch von dir hören, vergiss das nicht."

Jeder, der schreibt, kennt diese Blockaden, die auch die Protagonistin in diesem Film durchlebt. Ich meine, in meinem Kopf ist eine Geschichte bereits vor einiger Zeit entstanden, inzwischen hat diese Idee sogar klare, feste Konturen angenommen; auch habe ich versucht, mit der Umsetzung zu beginnen... und liege doch jeden Abend auf meinem Bett, den Laptop auf den Knien - und ich sitze davor und vermag nichts aufzuschreiben. Nichts, das mir aus dem Kopf über die Finger auf die Tastatur gleitet.
Ich habe keine Ahnung, wann sich das löst.
Ich habe keine Ahnung, wann sich in mir alles wieder löst und ich mein Schutzschild stabilisiere, das mich robuster macht allen möglichen und umöglichen Schwingungen um mich herum.
"Du Seismograph", schrieb mir erst gestern Abend eine Bekannte. Hmm. Ein Seismograph, der gerade den kalt gewordenen Kaffee austrinkt und sich einmal mehr zerfleischt mit der Frage, wann das "ich muss jetzt erst mal auf mich selber schauen" gesund und ab wann es kalter Egoismus ist - und der sich fragt, warum er immer alles richtig machen muss, nur damit er nicht unbeachtet in die Ecke geschoben wird. Zuviele Schwingungen momentan, die ich irgendwie gar nicht alle verarbeiten kann - und es mir unmöglich machen, mehr als die Einträge hier in diesem Blog aufzuschreiben.

Nun... Viele Musiker, Maler, Schriftsteller erwecken in ihren tiefsten Krisen ihre wundervollsten Werke. Vielleicht.. gelingt das ja auch mir?

Montag, 14. November 2011

thanks to all visitors

...schade, dass der 11.11.2011 schon vorbei ist - wenn der auch noch heut gewesen wäre, hätte ich trotz Arbeitszeit jetzt ein Schnäpschen ausgepackt!

Sonntag, 13. November 2011

ich bin am leben

...könnte ich singen - nach dem (mehr oder weniger) gleichnamigen Song von Rosenstolz.
Wobei ich momentan eher einen anderen bevorzuge...


Vor einigen Tagen sah ich eine Reportage über Liebe, Freundschaften, Bekanntschaften. Und hörte darin zum ersten Mal das Wort "Entwicklungsabschnittsbegleiter". Na ja. Wenn Ihr mich fragt, empfinde ich es eher als ein Unwort des Jahres. Gleichwohl machte ich mir bis heute so meine Gedanken darüber.
Heute, als ich an diesem so wunderbar sonnigen Nachmittag so lange durch die Straßen lief, scheinbar ziellos, scheinbar planlos, in der Tasche den iPod, in den Ohren die Stöpsel, die Hände in den Manteltaschen, um die Knie flatterte das Kleid und mit den Stiefeln raschelte ich beinah mit der Hingabe eines Kindes durch das Laub,  während eine vielleicht Vierjährige mir begeistert dabei zusah, mich anstrahlte und gleichsam mit mir durch das Laub sprang, nur um anschließend zu Mama und Papa zurückzulaufen, sich noch einmal umzudrehen und mir nachzuwinken - da dachte ich einmal mehr an jene Sendung und dachte zugleich so für mich: "Vielleicht ist es so. Vielleicht müssen wir ja nur irgendwie akzeptieren, dass Menschen in dein Leben treten und dass sowohl sie dich begleiten als auch du sie nur für einen mehr oder minder wichtigen Abschnitt im Leben begleitest. Und dass jedoch trotz alledem nur die wenigsten Begegnungen dafür gemacht sind, für ein Leben lang ihren Platz in dir und bei dir zu haben. Die wenigsten - aber die wichtigsten."
Ich weiß nicht, ob dem wirklich so ist, ich habe darauf die Antwort noch nicht gefunden. In den vergangenen Tagen habe ich die Zeit gebraucht und mir diese Zeit genommen, um über so vieles nachzudenken. Und mich letztlich auch zu befreien. Sogar diesen Blog hier zu löschen, das hatte ich ernsthaft erwogen. Nun bin ich froh, dass ich es nicht getan habe. Ich hätte es bereut, sehr sogar.
Gleichzeitig jedoch empfinde ich einmal mehr eine unglaublich tiefe Dankbarkeit für die Menschen, die  sehen, hören, erkennen, ohne dass ich mich erklären muss - und die einfach nur da sind. Es ist nämlich gar nicht so leicht, mit bereits eingeknickten Beinen loszugehen und erst lange um Hilfe zu bitten. Dann - zumindest bin ich so ein Mensch - wünsch ich mir, dass mir der Arm unter die Schulter geschoben wird, nur um mir erst einmal wieder Halt zu geben.
Bevor ich heut Nachmittag das Haus verließ, hatte ich mir das nachwachsende Haar zusammengesteckt und den Mund blutrot bemalt und zum ersten Mal seit etlichen Tagen festgestellt, dass mir das wieder Freude zu bereiten begann. Und so lief ich so lange draußen herum, bis die Sonne unterging, es Abend wurde und das Lokal am Strand schloss, bevor ich mir noch eine heiße Schokolade erbitten konnte. Dafür jedoch entdeckte ich in meinem Spiegelbild die geröteten Wangen, die leuchtenden Augen und während ich mir nunmehr das Badewasser einlasse, empfinde ich mit völligem Bewusstsein dieses positive Gefühl, noch immer müde zu sein - und gleichwohl zu spüren: Es wird besser, mit jedem einzelnen Tag.

Freitag, 4. November 2011

Der Letzte löscht das Licht

Erst in meinem letzten Eintrag schrieb ich von den vielen Lichtern und Fenstern, die ich gern und zuweilen auch gern in Vielzahl öffnete. Jetzt muss ich sie löschen, diese Lichter, eines nach dem anderen.
Ich kann nicht mehr, ich will auch nicht mehr.
Ich will nichts mehr sagen, wenn man mir doch nicht zuhört.
Ich will mich nicht mehr zu jemandem stellen, wenn man mich doch nicht wahrnimmt.
Ich will nichts mehr schreiben, wenn ich doch keine Antwort bekomme.
Aber ich will auch nicht mehr jedem zuhören, auf jeden warten und für Gott und die Welt Verständnis aufbringen müssen. 
Ich habe mein Facebook-Konto deaktiviert.
Ich habe mein Handy deaktiviert.
Der eine wirds merken, der andere nicht: Jeder steht - so scheints mir - auf seinem eigenen Teller und schaut auch nur bis zu seinem eigenen Rand. Was nach diesem Rand zerbricht oder nicht, wird kaum registriert.
Vielleicht bin ich jetzt ungerecht, vielleicht bin ich jetzt unfair. Immerhin weiß ich, dass auch ich nicht immer einhundert Prozent zuverlässig bin, weil auch ich etwas vergesse oder übersehe oder einfach auch nicht immer erspüren kann - und wenigstens habe ich mich dafür aufrichtig entschuldigt und versucht, es wieder gutzumachen. Und daraus zu lernen.

Man sagt: "Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren."
Mit diesem Spruch begann ich 2003 meinen allerersten Internetauftritt - und er hat - für mich - bis heute nicht an seiner Bedeutung verloren. Erst vor kurzem sagte mir jemand: "Dir wird nie etwas in den Schoß fallen, du wirst immer um etwas kämpfen müssen."
Inzwischen jedoch bin ich des Kämpfens müde. So müde. Ich habe schon so oft, so sehr um etwas gekämpft. Menschen sind gekommen, ohne dass ich sie in mein Leben bat. Und sie sind gegangen, ohne Rücksicht darauf, wie ich mich dabei fühlte. Und wiedergekommen, wann sie es für richtig hielten. Oder auch nicht. Es gibt immer Menschen, die mich fragen, wie es mir geht. Es gibt jedoch kaum jemanden, den meine Antwort interessiert.

Ich bin müde geworden, für alles und jeden Verständnis aufzubringen und selber so wenig zu bekommen.
Ich bin müde geworden, mich zurechtweisen zu lassen, nur weil mein Energielevel derart niedrig geworden ist, dass sich damit auch meine Geduld erschöpft.
Ich bin müde geworden, um Anerkennung auch für mich zu bitten, so wie ich müde geworden bin, mich immer nur hinten anstellen zu dürfen, weil es immer Dinge gibt, die erst mal noch wichtiger sind oder weil Raum & Zeit für mich einfach fehlen. Oder weil ich es nicht wage, über das zu sprechen, was eben NICHT lustig ist: Zu viele Begegnungen in meinem Leben sind Schönwetterbegegnungen gewesen, bei schlechtem Wetter waren sie fort - und mittlerweile ist mir auch genau das jetzt egal. Ich habe keine Angst mehr vor dem Verlassen- oder Zurückgelassenwerden mehr. Heute nicht mehr.

Nein, ich habe keinen Burnout und ich habe auch keine Depression. Vorletzte Nacht bin ich aufgestanden, weil ich derart Schmerzen in meinem Bauch hatte, dass ich glaubte, ich würde innerlich verbrennen - und der Teststreifen zeigte mir die nunmehr dritte Nierenbeckenentzündung nacheinander in den dunkelsten Farben an, während meine Lunge auch nach fünf Monaten noch nicht wieder gesund ist.
Jetzt habe ich endlich begriffen, dass es Zeit ist, die Reißleine zu ziehen. Quasi eine Art Defragmentierung meines Systems vorzunehmen.
Und so saß ich meiner Ärztin gegenüber und sie hatte sich entspannt zurückgelehnt und mich lächelnd angeschaut. Und sie hat gesagt: "Na endlich gehen Sie los. Ich habe mich schon so lange gefragt, wie Sie das aushalten können und vor allem: wie lange! Glauben Sie mir, Sie sind nicht gescheitert. In Ihnen steckt viel mehr Kraft als Sie selber von sich annehmen. Und nun gehen Sie, damit Sie wiederkommen können. Ich bin schon jetzt gespannt, wohin Sie gehen und wohin Sie zurückkehren. Und wo Sie ankommen."
Ich erinnerte mich, dass ich genau diese Worte vor noch gar nicht allzu langer Zeit hier irgendwo niedergeschrieben hatte. Irgendwo zwischen den Zeilen. Und ich freue mich schon jetzt auf meinen Urlaub im kommenden Februar. Drei ganze Wochen sind mir heute vor genau dreißig Minuten genehmigt worden. Das ist momentan das einzige Ziel, auf das ich mich unsagbar freue.

Donnerstag, 3. November 2011

Ein Mensch mit zwei Gesichtern?

...Man sagt man ja dem Zwilling nach, der hätte diese Eigenschaft.
Ich jedoch kann nur sagen: "Nur zwei? Wie langweilig! Zehn - aber mindestens!"
Mal ehrlich: Es wäre doch langweilig, wenn nicht nur Du selbst, sondern auch Dein Partner alles von Dir weiß, oder? Wie mein Ex-Mann mal zu mir sagte: "Ich denke immer, ich kenne dich, aber dann kommt immer irgendwas, wo ich merke: Ich kenn dich eigentlich gar nicht." Also ich fand das super! Alles andere hätte selbst mich zu Tode gelangweilt und ich finde es ja wirklich ziemlich schlimm, wenn Du immer genau weißt, was Dein Partner sagen will, wenn er nur zum Sprechen ansetzt; wenn Du weißt, was er denkt, obwohl er grad gar nicht da ist; wenn Du weißt,was er Dir in zehn Jahren zum Geburtstag schenkt und wie Dein Leben mit ihm in fünf Jahren freitags siebzehn Uhr aussieht. Nennt das hier einer Seelenverwandtschaft? Also ich nenn das laaaaangweilig!
Überhaupt wird ja, so finde ich, heutzutage das Wort "Seelenverwandtschaft" schneller in den Mund genommen, als Du es aussprechen kannst und ich wette um mindestens eine Kiste Champagner, dass die Hälfte dieser armen Irren nicht einmal weiß, das genau das eigentlich bedeutet.
Ich meine, zu spüren, wie sich Dein Partner fühlt, auch wenn er gerade nicht bei Dir sein kann; zu wissen, was in ihm vorgeht, wenn Du ihm ins Gesicht schaust oder Du nur den Klang seiner Stimme hörst - dann ist das natürlich nicht langweilig - sondern schon etwas wunderbar Vertrautes und Inniges. Aber ich glaube, das hätte ich jetzt nicht extra anfügen müssen, das versteht sich ja von selbst, oder?
Und ich finde es wichtig, immer noch irgendwie spannend, aufregend und sich dennoch unendlich vertraut zu sein - auch nach zwanzig Jahren. Nicht zu wissen, ob Dir Deine Frau gerade das Bier bringt oder es doch lieber selber trinkt oder aber auch lieber tanzen geht, während Du gramgebeugt Dein Testament entwirfst, weil Du bei Wikipedia gelesen hast, dass Dein Halskatarrh auch ein bösartiger Kehlkopfkrebs sein könnte.
Es ist allerdings - und das muss ich zugeben - gar nicht so einfach, in einem einzigen Menschen all die schillernden Persönlichkeiten zu finden, die man so für alle Lagen des Lebens so braucht: eine Schulter zum Anlehnen, einen Körper zum Anschmiegen, eine Hand zum Anfassen, ein Ohr zum Zuhören und - last but not least: ein aufmerksames Auge für Deine Person und ein wachsames Auge, das all die Töpfe auf dem Herd sorgsam im Blick hat, weil Du gerade lieber Deine Gäste unterhältst. Und - liebe Männer - es ist jetzt kein Vorwurf, dass all dies und noch mehr kaum zu bewerkstelligen ist in ein und derselben Person - denn mit uns Frauen geht es Euch ja, so nehme ich mal an, nicht viel anders :)
Ergo kompensieren wir es, indem es nur einen gibt, den wir lieben, aber noch genügend andere Leute kennen, mit denen wir abends ausgehen, Prosecco auf der Terrasse trinken, shoppen gehen oder uns die Waschmaschine hochtragen oder ein neues Klosett anbauen lassen. Also zumindest geht mir das seit nunmehr neun Jahren so oder genauer gesagt: Seit dem Einzug in mein erstes eigenes Reich und den Beginn eines anderen Lebens. Damals kannte ich ja so gut wie niemanden und ließ mich schlussendlich zum ersten Internetauftritt überreden und kann heute nur sagen: Das war das Beste, das mir passieren konnte. Die meisten Menschen, die ich heute auch im Realen kenne, habe ich im Internet kennen gelernt und bin noch heute dankbar für jede einzelne Begegnung. Na ja fast jede :) Erstaunlicherweise lernt man ja vor allem auch Menschen kennen, mit denen Du quasi Tür an Tür wohnst und erst im world wide web feststellst, dass sie genauso einsam oder so sind wie Du.
Insofern halte ich noch heute den meisten Kontakt übers Internet und bin froh darüber, nicht dreißig Jahre eher auf die Welt gekommen zu sein, wo das Telefon noch eine heiß begehrte Rarität war (jedenfalls bei uns im Osten) und Brieffreundschaften das Tagesgeschäft belebten. Ich meine, so ein handgeschriebener Brief ist schon was richtig Schönes - aber für jeden... mache ich das heute nicht mehr ;)


Heute gibt es Facebook, Twitter & Co., gibt es web.de, gmx.de oder auch googlemail - wo man super chatten kann, und das, wenn man das Spiel beherrscht, auch gerne mal gleichzeitig. Also es gab Zeiten, da hatte ich schätzungsweise vier bis sechs Chat-Fensterchen gleichzeitig geöffnet, überall blinkte und leuchtete es, so dass ich mir selber oft vorkam wie eins dieser Ami-Häuschen zu Weihnachten, die dank ihrer Lichterketten an nur einem Abend die Kosten meines Jahresstromverbrauchs wieder einfuhren -  und ich konnte die Chatter "bedienen", ohne dass einer vom anderen etwas merkte. Jedenfalls nahm ich das an - bis vorgestern Abend, als man mir schrieb: "Wenn alle deine online-Fenster in ein Haus müssten...bräuchtest du ein Schloß...vom Sonnenkönig...um allen Leitern zum fensterln...einen Platz zu bieten!"
Nun ja... Früher war ich der Meinung, es ist doch schön, viele Leute zu kennen. Heute - im inzwischen leicht gereiften Alter - ist mir das zum einen viel zu anstrengend geworden und zum anderen habe ich am Weine der Erkenntnis genascht, dass weniger... in der Tat mehr ist!
Qualität statt Quantität!


Quelle Foto: http://wirtschaft.t-online.de/b/43/50/58/54/id_43505854/tid_da/mietrecht-mieter-duerfen-ihre-mietwohnung-mit-lichterkette-oder-weihnachtsmaennern-dekorieren-foto-dpa-.jpg

Dienstag, 1. November 2011

Und was ist deine Sucht?

Wikipedia sagt, dass die Menschen suchtgefährdeter sind, je labiler ihr Charakter ist. Und wenn wir von Sucht sprechen, denken wir doch spontan an Alkohol, an Drogen, an Kaufen oder auch an Sex.
Vermutlich denken wir seit ein paar Jahren auch an die Internetsucht - und wenn Ihr mich fragt, ich dürfte mich vermutlich auch schon langsam zur Internetsüchtigen zählen. Ich meine, irgendwie wirds einem ja heutzutage richtig schwer gemacht, ohne Internet auszukommen.
Wenn ich daran denke, wie oft Sohnemann und ich schon Hausaufgaben mit Hilfe von Wikipedia & Co. erledigt und dafür sogar noch gute Noten bekommen haben... Vor allem, wenn ich daran denke, wie viele schlechte Noten uns dafür erspart blieben! Und ja - ich rede hier ganz bewusst im Plural! :)
Aber gut.
Drogen hab ich nie welche genommen oder ausprobiert - ich rauche nicht einmal. Also wenn man mal davon absieht, dass mir zuweilen der Qualm buchstäblich aus den Ohren quillt, wenn ich so richtig rasend wütend bin.
Kaufsüchtig war ich bislang auch noch nicht - die Vernunft hat bis jetzt immer gesiegt.
Und Sex... Also von Migräne weiß ich nur, wie man sie schreibt. Aber ist das jetzt deswegen gleich ne Sucht?
Bleibt also noch der Alkohol. Nun ja. So ne richtige Partymaus war ich irgendwie ja doch nie. Und irgendwie auch ein Spätzünder. Eh ich erst mal richtig in die Gänge kam, war ich schon achtzehn Jahre und mit neunzehn Jahren Ehefrau. Ich meine, ich konnte ja nicht nur nicht wissen, was ich alles verpasste, ich konnte ebenso nicht wissen, was mich in den Folgejahren bis zur Scheidung erwartete. Eigentlich ist es ja so, dass die Prinzessin den Frosch küsst und erst dann ward er zum Prinzen. Eigentlich. Bei mir wars nur leider andersrum. Muss wohl nicht großartig hinzufügen, dass ich zur Hochzeit ganz brav am Weinglas nippte, zur Scheidung jedoch zum ersten Mal erfuhr, dass sich Zimmerdecken auch drehen können. Gleichwohl hatte ich nie das Bedürfnis, etwas auf Gedeih und Verderb nachzuholen. Ich wollte einfach nur genießen, was ich Leben nannte - auch wenn dazu gehörte, mich bei Parties für ein Stündchen in das Badezimmer zu verkriechen und ein Schläfchen auf dem Klosett zu halten, weil ich es ungesehen nicht ins Schlafzimmer schaffen konnte, aber es
1. unhöflich finde, Gäste hinauszuwerfen und es
2. ebenso unhöflich finde, mit einer 1 a-Sitzhaltung, aber bereits zugefallenen Augen diversen Gesprächen zu folgen.
Und während alle Welt der augenscheinlichen Modeerscheinung, dem staubtrockenen Rotwein (ich weiß nicht, aber mir ziehts da alles zusammen, A-L-L-E-S!), hinterherhechelte, fand ich heraus, dass mir am besten der Weißwein schmeckt. Leicht muss er sein. Und lieblich. Ergo trank ich die nächsten Jahre Weißweinschorle, aber mal Hand aufs Herz - soviel passt in keinen Körper, dass man davon auch nur ansatzweise einen Rausch erleben könnte.
Irgendwann jedenfalls probierte ich dann doch nen Rotwein. Und erfuhr, dass man auch mit nur zehn Euro in der Tasche bei nem Törn in der City sturzbetrunken werden kann. Jedenfalls ich. Ich kann Euch nicht erzählen, was ich an diesem Abend alles angestellt habe - aber meine treue Seele von einem Freund und ich lachen bis heute darüber, wenn wir uns gemeinschaftlich daran erinnern, wie er mich nach den Eskapaden schlussendlich nach Hause fuhr, mich vor der Haustür wachrüttelte und sprach: "So, wir sind da, kannst aussteigen" und ich nur leicht die Augen öffnete: "Ich wohn hier nich'." Er wiederholte: "Na doch, das ist doch deine Straße." Und - im Brustton der Überzeugung - wieder ich: "Nee, ich wohn hier nich, datt is nich mein Haus." Der arme Mann war ganz verzweifelt und haderte vermutlich schon mit seinem Schicksal, wie er das unfallfrei seiner Freundin erklären sollte, wenn er mich hier und jetzt nicht loswerden konnte. Natürlich konnte er das irgendwann und seine Freundin und er sind heute noch glücklich miteinander :) Rotwein habe ich erst zwei Jahre später wieder angefasst, in Gestalt einer Flasche Portwein, die Schatzi mitgebracht hatte. Tja. Was soll ich sagen. Portwein ist seither von meiner Liste gestrichen.

Ich meine, wenn Frauen rauchen, finde ich das ja komplett unerotisch. Was will man denn da auch lange drumrum reden: Sie stinkt. Fertig. Und wer findet stinken schon erotisch?
Wenn Frauen einen Schwipps haben, ist das ja bestimmt noch ganz niedlich. Was es aber bedeutet, wenn sie sturzbetrunken sind, las ich heute erst im world wide web und muss zugeben: So weit hergeholt ist das womöglich gar nicht :)

1. Wir haben absolut keinen Plan, wo unsere Tasche ist.

2. Wir glauben, wenn wir mit den Händen übern Kopf tanzen und dabei mit dem Arsch wackeln und dazu noch WOO-HOO schreien, wäre das der geilste Tanz aller Zeiten.

3. Wir drohen irgend jemandem, ihm eine reinzuhauen und glauben auch noch, wir wären stark genug.

4. Auf dem letzen Gang zur Toilette realisieren wir, dass wir nur wie ein Penner aussehen, anstatt wie der Augenschmaus von vor vier Stunden.

5. Wir fangen an zu heulen und erzählen jedem, wie lieb wir ihn haben.

6. Wir freuen uns bei jedem einzelnen Lied, das  gespielt wird, weil jedes davon unser Lieblingslied ist.

7. Wir finden plötzlich den Idioten neben uns interessant.

8. Wir streiten mit der Bedienung, weil angeblich kein Alkohol in unserem Drink ist!!!

Und dann denken wir: "Wie komm ich eigentlich heim? Ach egal, geiles Lied!"



Vielleicht sollte ich mich ja auf meine Sucht besinnen, die etwa zwanzig Jahre zurückliegt: Da führte mich kein Weg an Kokosflocken vorbei - und schokoliert mussten sie sein! Hach, waren DAS noch Zeiten, war DAS ein Genuss! Ich konnte davon essen, soviel ich wollte - ich wusste zwar nicht immer, wo ich gottverdammich schon wieder meine Tasche abgestellt hatte, aber ich fand wenigstens immer von allein wieder nach Hause. Aber na ja... So ganz uneigennützig wird mir Schatzi seinen Stepper auch nicht geschenkt haben. Er hatte behauptet, er würde ihn nicht mehr brauchen. Klar. Und ich bin die Kaiserin von China!

Sonntag, 30. Oktober 2011

Contagion

Was immer auch die Menschheit bewegt - meist ist es dann Hollywood, das den Nachrichtenmeldungen bewegte und vertonte Bilder verleiht, sprich: Es gibt einen neuen Blockbuster. Was kann es schon in Zeiten wie diesen ein dankbareres Thema geben, als Vogelgrippe, Schweinegrippe & Co.? Das Thema "Endzeit" oder "Klimawandel" oder ähnliche Schocker hat sich nämlich langsam ausgelutscht und der letzte Blockbuster über böse Viren ist lang genug her, um nun wieder genügend Geld in die Kinokassen fließen zu lassen. Wenn mans denn nur ordentlich anstellt.
Und immer ist es ja dann auch so, dass es am Ende immer nur einen Helden geben kann: Godfather Ami-Land. Bloß gut, nicht wahr?
Solcherart vorurteilsbelastet jedenfalls ließen wir uns auf den neuen Kinofilm ein - aus zweierlei Gründen:
1. Es kam nix Besseres und
2. wir hatten  einfach Lust auf Kino.
Wohlwollend beeinflusst wurden wir sicher auch angesichts der doch leicht hochkarätigen Filmbesetzung und so ließen wir uns nieder zwischen der unvermeidlich Popcorn kauenden und zwischen den Sitzen verteilenden sowie Coca Cola schlürfenden Jugend - und ließen die Story um ein böses, böses Virus auf uns zukommen...





Ums kurz zu machen: Auch dieser Film kommt nicht ohne die typischen Hollywood-Klischees aus. Auch in diesem Film gibt es am Ende - natürlich - nur den einen Sieger im Kampf gegen einen weltweit aktiven Virus - und ob die angedeutete Kritik gegenüber der Pharma-Mafia in Gestalt des Journalisten Jude Law tatsächlich ernst gemeint war oder nicht, bleibt auch am Ende des Films offen und hinterlässt im Betrachter das bereits bekannte, ungute Gefühl: Es geht immer nur ums Geld.
Leider.
Dennoch muss ich sagen: Ich verließ das Kino trotz alledem nachhaltig beeindruckt, doch was mich am meisten erschreckte, bewegte und bedrückte, waren nicht die Auswirkungen einer Erkrankung, von der man nie genau weiß, inwieweit sie tatsächlich auf natürlichem Weg entstanden ist - sondern das, was sie mit den Menschen macht, wenn diese in Panik versetzt werden. Wozu sie in der Lage sind, wenn ihnen suggeriert wird, die Welt ginge unter. Hysterie, die umschlägt in Raub, Mord, Plünderungen und dem finalen Gefühl: Wenn es darauf ankommt, ist sich jeder selbst der nächste, dann gibt es keine Freunde mehr - oder aber du hattest nie wirklich Freunde.
Oder doch?
Ist es an dieser Stelle doch kein typisches Hollywood-Klischee, wenn ein Wissenschaftler auf seine ihm zugedachte Polio-Impfung verzichtet und sie stattdessen dem Sohn eines Angestellten einflößt? Ist es wirklich so abwegig, wenn dieser Wissenschaftler seine Frau im Vertrauen bittet, die Stadt zu verlassen und mit niemandem zu sprechen und - trotzdem sie sich nicht daran halten kann, trotzdem sie ihn damit in große Schwierigkeiten bringt - er dennoch erkennt: "Ich habe es einem geliebten Menschen gesagt, der es wiederum einem geliebten Menschen sagte - und ich würde es immer wieder tun." Ist es dann Hollywood oder ist es einfach nur eine Menschlichkeit, von der man nicht nur spricht in guten Zeiten, sondern die man auch lebt in schlechten Zeiten?
Mein Fazit bleibt an dieser Stelle: Wer nicht gerade ein Heimkino besitzt und an einem Samstagabend nichts Besseres vorhat, der kann den Weg ins Kino wagen. Denn dieser Film lebt von seiner Akustik und von einigen Bildern, die im Fernseher normaler Breite und Höhe absolut untergehen dürften. Wenn er aber nicht geht, passiert auch nichts. Gar nichts.