Montag, 7. Mai 2012

Kiss Me (Like You Wanna Be Loved)

Wenn ich auf die Uhr schau, schwant mir Böses. Vermutlich werde ich noch etwa zwei Stunden brauchen, um genau die Bettschwere zu finden, die es mir möglich macht, in tiefen, erholsamen Schlaf zu finden. Ich meine, ich könnte ja auch an den Kühlschrank schreiten und etwas leicht Hochprozentiges herausholen (wirklich nur ganz leicht ;)) - erfahrungsgemäß wird mir in null-komma-nix ganz federleicht zumute, nur um nach ein paar glückseligen grinsigen Minuten in den Dornröschenschlaf hinüberzuwandern.
Aber dann suchte ich mir aus meinem hochgeschätzten Musik-Fundus ein bisschen Beruhigendes an Musik heraus... und jetzt lass ich das Hochprozentige im Kühlschrank und schreibe stattdessen...


Ein so wunderschöner sanfter Song, den blogger via youtube leider nur als Live-Version findet (wo so einiges Melodisches irgendwie verlorengeht, aber wen es interessiert, hier gibts die "bessere" Version: http://www.youtube.com/watch?v=MXL8BEPl-Nw), und der heute Abend irgendwie... meine Seele streichelt.. meine Gedanken... meine Sehnsucht weckt. Ich wünschte, ich wäre nicht alleine hier, ich wünschte, das Leben, von dem ich noch immer träume, wäre nicht immer noch so ein großes Stück von mir entfernt und manche der Türen, die hinter mir ins Schloss fielen, möchte ich öffnen und nachschauen, ob noch immer ein Stuhl für mich frei ist. Nein, ich werde nicht sentimental heute Nacht, gleichwohl weckt diese Musik mit ihrem wunderschönen Text einmal mehr die Erkenntnis in mir, dass nicht jede Freundschaft, nicht jede Bindung ein Leben lang andauern muss, es aber wiederum Menschen gibt, deren Stuhl ich niemals wegstellen oder neu besetzen könnte.
Niemals.

Mein Azubi wird mich morgen früh höchstwahrscheinlich fragen: "Aber Großmutter, was hast du nur für entsetzlich müde Augen?"
Und eigentlich müsste ich ja todmüde sein. Immerhin hatte ich mir noch am Freitag ein paar Utensilien zusammengesucht und mir vorgenommen: Samstag, wenn die Hitze der Woche gewichen ist, beginnst du mit einem neuen Anstrich in deinem Zimmerchen. Aber irgendwie... Ich weiß auch nicht. Freitag war eh nicht so mein Tag, irgendwie war ich frustriert, enttäuscht, keine Ahnung, so eine kleine Palette der nicht gaaanz so positiven Gefühle, und wenn ich mich im Sport nicht abreagieren kann, dann eben an meinen Zimmerwänden. Außerdem, so fand ich schon länger, hatte mich das Rot der Wände echt angenervt. Und überhaupt - der letzte Anstrich ist gut ein Jahr her, viel zu lange also ;) Ich weiß, ich hab da so einen Tick, aber hey, wen kümmerts? Ist schließlich mein Reich. Und Junior II. quittierte meine Bemühungen mit der lakonischen Bemerkung: "Wenn du fertig bist, kannst du in meinem Zimmer weitermachen, ich hab auch Lust auf was Neues, und übrigens, ich bin dann mal mit Freunden unterwegs." Junior I. verabschiedete sich auf ähnliche Weise - nur gleich bis Samstag Mittag und während gescheite Leute Freitagabend ausgingen, stellte ich mich in mein Zimmerchen, drehte die Musik auf und spürte mit jedem Pinselstrich, wie es mir leichter im Bauch wurde, jegliche Frustration wich und ich irgendwann jeden einzelnen Titel mitsang, Farbkleckse im Haar, Farbkleckse auf der Haut - und irgendwie war ich mit einem Mal glücklich. Und befreit. Zugleich kam mir der Gedanke, dass ich wohl niemals aus dieser Wohnung ausziehen sollte. Ich meine, wo finde ich noch einmal solche Nachbarn, die sich weder an meinem Musikgeschmack noch an meinem zugegebenermaßen furchtbaren Gesang stören? Ich denke nirgends!
Samstag Morgen ein Uhr jedenfalls war ich fertig mit Streichen, die roten Wände in Sand und Macchiato übergestrichen und obschon ich mittlerweile hundemüde war, gab ich nicht eher Ruhe, bis alles wieder sauber und ordentlich war. Nur die Deko, die musste noch bis Samstag warten - und was soll ich sagen: Samstag Abend gegen Zwanzig Uhr endlich war ich rundherum fertig, so dass der Sonntag blieb für den versprochenen Krankenbesuch und für die Hausarbeit mit Junior I. über Stammzellen. Von dem ersten Wochenende seit längerem, das ich mal wieder für mich hatte, blieb mir ergo nur der Sonntagabend, der mir auch wirklich ganz allein gehörte. Aber sieht Genuss so aus, dass man daliegt wie ein Maikäfer... äh... Hühnchen auf dem Rücken und jede einzelne Gräte spürt?

http://img.fotocommunity.com/images/Stillleben/Figuren-und-Miniaturen/Ich-bin-total-erschoepft-a24424528.jpg

Vermutlich nicht, und ich sinniere gerade darüber, ob ich Chefchen nicht einfach um ein paar freie Tage anbetteln sollte. Denn da ist es wieder, das Fernweh... Die Sehnsucht nach dem Meer, tief und unverwechselbar... So gern möchte ich einfach meine Tasche nehmen, ein paar Kleider und Sandalen einpacken, ein paar Haarklemmen, ein Buch und etwas zu Schreiben - und dann möchte ich gern irgendwo abtauchen, wo mich niemand kennt, niemand etwas von mir weiß... Dort möchte ich am endlosen Strand spazieren gehen, Stockfisch essen, den die Fischer vom Meer brachten und gleich am Ufer brieten, die Sandalen an der Hand schlenkern, mich an den Frühsommerabenden, die noch immer nach der Wärme des Tages schmecken, in Straßencafes niederlassen, einen Weißwein trinken, in einem Buch lesen und... Briefe schreiben... An Menschen, die mir viel & alles bedeuten und denen ich das vermutlich zu wenig sage oder zeigte...

An solchen Tagen bin ich auch gern mal allein... Allein mit mir selbst, um den Alltag von mir abfallen lassen zu können.
Allein, um zu mir selbst zurückzufinden, zu dem, was ich denke und fühle, wenn ich nicht "von außen" bestimmt werde.
Unlängst las ich bei jemandem den Satz "Wer sich findet, darf sich behalten" und bin mir noch immer nicht ganz sicher, ob dies sinnig gemeint war oder doch eher einen kleinen Seitenhieb auf all die ich-muss-mal-eine-Reise-tun-um-mich-selbst-zu-finden-(Mode-)Wanderer bedeutete.
Wie auch immer sie es gemeint hatte - ich nahm diese Worte auf meine eigene Weise auf und dachte so bei mir: "Ich wünsche mir, mich behalten zu dürfen. Ich wünsche mir, erkennen zu können, was wirklich ich bin und mich frei machen zu können von dem Zwang, etwas sein und tun zu müssen, das mit mir doch nicht wirklich etwas zu tun hat"...
 Gemocht, gewollt, geliebt werden für das, was ich bin. Und nicht für die Erwartung, was ich in anderen Augen sein sollte.

 Jetzt muss ich doch ein bisschen lachen: Vermutlich war ich zu Beginn dieses Posts tatsächlich sentimental, jetzt werde ich gerade wohl ein wenig philosophisch  und was kommt als nächstes? Ich glaube, ich hör heute einfach auf zu schreiben und gönne mir stattdessen noch das gut Gekühlte - na Ihr wisst schon. Dann vergeht zwar nicht die Sehnsucht nach dem Leben und dem Lieben in mir - aber dann kann ich zumindest einschlafen.

Settle Down With Me
Cover Me Up
Cuddle Me In
Lie Down With Me
Hold Me In Your Arms...
...Kiss Me
Like You Wanna Be Loved
This Feels
Like I've Falling In Love...

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