Mittwoch, 9. Mai 2012

Wenn Frühling nach Leben schmeckt

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Gestern so kurz vor Feierabend war ich felsenfest davon überzeugt, dass ich möglicherweise ein, maximal aber zwei Telefonate noch zuließe, wenn ich nach Hause geflogen war, nur um zeit- und artgerecht das Abendessen zuzubereiten, nebenbei die Lieblingsklamotten meiner Söhne zu waschen, zu trocknen und zu bügeln, Ordnung in die Behausung zu bringen (auf deutsch gesagt: es uns gemütlich machen), mit Junior I. noch am Abschlussbericht des zweiten Studienganges (Leser unter Euch erinnern sich vielleicht: letztes Jahr war genau das ein privates Sturmtief im Hause Ziggenheimer, bei dem ich siebenköpfig und feuerspeiend an der Zimmerdecke kreiste) zu feilen (diesmal war Junior I. richtig gut vorbereitet und wir konnten sage und schreibe schon 23:55 Uhr enden und nicht erst wieder 4:45 Uhr wie anno 2011) und während Junior II. mir aus dem Nebenzimmer zurief: "Muuudddaaaaa, erinnerst du mich mal dran, wenn Muttertag ist?", überlegte ich nicht mehr, ob ich alsdann zu Bett ginge oder mir noch was Leckeres aus dem Kühlschrank genehmigen würde, sondern brachte unserem Bügeleisen das Fliegen bei :)
Jedenfalls war ich heute Morgen, sagen wir mal, leicht unausgeruht; irgendwie fehlte mir einfach ein Mützchen Schlaf und selbst wenn ich das auch weiß und ja im Grunde auch müde genug gewesen wäre, um etwas VOR zwölf Uhr zu schlafen - mir fehlt einfach die Zeit dazu, und zu war ich eben heute entsprechend... äh...  nun ja... unaufmerksam, neben der Spur oder wie auch immer man das bezeichnet. Konkret ausgesehen hatte das so, dass ich gleich zu Beginn des Tages und bei Verlassen meiner Wohnung über die Türschwelle stolperte und dabei den Holzmichel mit umriss, auf dessen Brust noch ein fröhliches "Merry Christmas!" prangt. Ach ja... Der stand ja auch noch da, hatte ich ganz vergessen, jeden Tag beim Heimkommen gesehen und trotzdem gar nicht wirklich bewusst wahrgenommen, geschweige denn weggeräumt. Na ja. Ist ja eh bald wieder soweit, kann er auch gleich da stehen bleiben ;)
Konkret ausgesehen hatte es weiterhin, als zwei Stunden später der Postmann an der Tür klingelte und der Kollege rief: "Helma, komm, datt is für dich!" und ich überrascht und verwundert die Frage stellte: "Wer hat denn hier was bestellt? Also ich wars nicht!" Nachdem mir die freundliche Christel von der Post jedoch das Tütchen in die Hand gedrückt, ich es ausreichend befühlt und vor allem den Absender gelesen hatte, rief ich ausgesprochen erfreut: "Ach ja! Das ist doch die Sporttasche, auf die ich schon gewartet hatte!" Mit einem Grinsen reichte mir Frau Postchristel ihren digitalen Quittungsblock und mit Schwung und Elan unterzeichnete ich mit... Sporttasche. Kein Witz.
Ich muss sicherlich nicht erwähnen, dass der Kollege kreischend davonsprang, während die Christel mit leichtem Augendrehen meine Eingabe löschte und ich erneut... nun ja.
Zumindest hatte ich hier die Erkenntnis erlangt: Helma, heute gehste mit den Hühnern zu Bett.
Na ja Vorsätze... Was sind schon Vorsätze... Für mich sind Vorsätze Dinge, die sich gut brechen lassen. Mehr wohl nicht. Konsequenz, das muss ich mir schon ankreiden, ist eine Eigenschaft, die mir nicht nur nicht in die Wiege gelegt wurde, sondern um die ich wohl auch heute noch einen extra großen Haken schlage. Was manchmal durchaus positiv sein kann. Meistens aber wohl eher nicht, ich sehs ein.
Jedenfalls... Den Fahrgemeinschaften sei Dank, ließ ich mich ungefähr am Ortseingang Ziggenheimer-Town absetzen, stöpselte mir den iPod in die Ohren und lief ich ein bisschen kreuz und quer und auf Umwegen nach Hause, einfach weil es so ein wunderbarer Abend war und ich diesen wonnigen Augenblick nicht an meinem Küchenfenster vorüberziehen lassen wollte. Nein. Ich musste ihn selbst erleben, live, wahrhaftig, pur, ich musste ihn schmecken, den mit Blütenduft und mild schmeckendem Wind durchtränkten Frühlingsabend, ich musste ihn spüren mit jedem Zentimeter meines Körpers, mit jedem meiner Sinne, ich musste ihn aufnehmen, ganz tief in mich rein, so dass ich mir beinah vorkam wie ein Lampion, der mitten in der Nacht zu vollem Licht erwacht. Es war dieses Gefühl, das mich trug, es war der Klang der Musik, der mich trug - und obschon an diesem heutigen Tag überhaupt nichts Nennenswertes geschehen ist, habe ich mich auf einmal so... glücklich gefühlt, so wunderbar federleicht, dass ich beinah versucht war, dem Knaben durch die Haare zu strubbeln, der mit seinem riesigen Schulranzen auf dem Rücken und der irren Sporttasche, die er fest an die Brust gedrückt hielt, vor mir lief, sich zu mir umwandte, schaute, wieder nach vorn schaute und wieder zurück zu mir, der mich anstarrte mit offenem Mund und dem dabei die Sporttasche auf die Straße fiel. Natürlich hab ich das nicht gemacht, jedenfalls nicht bei diesem fremden Jungen. Dafür bei meinem eigenen. Nach dem ersten Schock. Heute Nachmittag nämlich hatte Junior I. beschlossen, sein Zimmer zu entmüllen und in Ordnung zu bringen - und als ich seine Tür öffnete und eintrat, war ich einen Moment lang fest davon überzeugt, eine vollkommen fremde Wohnung betreten zu haben: Ich hatte einfach vergessen, wie dieses Zimmer im Ur-Zustand eigentlich ausgesehen hatte ;)
Was soll ich noch sagen... Wir hatten beide einen lustigen Abend, Junior und ich, wir haben schön zusammen gemahlzeitet, ein bisschen ferngesehen, dann dachte ich: ach blogg doch noch ein bisschen... und nun.. ist es gleich halb eins. Und ich bin immer noch nicht müde. Bis morgen früh. Vermutlich :)

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