Donnerstag, 24. Januar 2013

Zwischen Himmel und Erde

Jeder Mensch hat etwas, woran er glaubt, wovon er überzeugt ist.
Bei mir persönlich hat es schon etwas länger gedauert, eh ich das von mir selber wusste. Ein Mitläufer war ich nie. Aber eben auch jemand, der nie so genau wusste, wohin er gehörte, was er wollte und wohin er wollte. Der versuchte, den Idealen zu entsprechen (ja okay, ich gebe zu, ein kläglicher Versuch womöglich).
Aber ich wollte nie jemand anderes sein als ich selber. Ich wollte niemals sein wie irgendwer anders. Ich wollte immer nur ich selber sein - und ICH wollte für MICH gewollt werden. Um MEINETWILLEN.

Als ich damals auszog, das Leben zu lernen (das Fürchten kannte ich damals nämlich schon), da ahnte ich noch nicht, dass damit mein privates größtes Abenteuer bevorstand. In Jules Verne's Roman reisen die Leute bis zum Mittelpunkt der Erde - mir genügt zunächst die Reise zu meinem eigenen Kern.

Manchmal habe ich mich gefragt: "Gibt es sowas wie Schicksal?"
Nee, da glaube ich immer noch nicht dran.
Dann fragte ich mich: "Gibt es sowas wie Vorsehung?"
Aber da glaube ich auch nicht dran.
Ich glaube auch nicht an Schutzengel, obschon ich, wenn ich so auf die letzten Jahre zurückschau, schon glauben könnte, dass es da irgendwas gibt, das die Hände schützend über mich hält (so wie ich über meine Söhne, zuweilen).
Die Wissenschaft zerlegt ja alles oft und gern in seine chemischen, biochemischen, physikalischen und sonstigen Bestandteile und bewertet nach logischen Aspekten.
Also wenn ich höre, wie die die Liebe erklären, dann möchte ich immer am liebsten sagen: "Man kann auch was kaputtquatschen, lebe sie doch einfach lieber."

Ich persönlich jedenfalls glaube, dass es weitaus mehr Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, die wir logisch nicht erklären können. Sie passieren - und niemand weiß warum. Und wenn ich jetzt noch mal auf mein Leben zurückschau, dann macht alles, das darin passiert ist, irgendwie seinen Sinn. Einfach... alles. Bis heute.

Ob wir wohl wirklich sowas wie eine Energie in uns tragen, die immer wieder ihresgleichen sucht?
Ich erinnere mich an eine alte, weise Dame, sie sprach kein Wort Deutsch, ich kein Wort Polnisch, und das, was sie sagte, wurde mir übersetzt.
Sie berührte mein Haar, mein Gesicht, meine Schultern, meine Füße - und sie betrachtete mich die ganze Zeit und zwischendurch schloss sie immer wieder die Augen.
Dann sagte sie zu mir: "Du bist ein Mensch, um den herum ganz viel Licht ist. Du bist ein Lichtmensch. Wende dich ab von Menschen, die einen Schatten um sich tragen. Du weißt, wer sie sind. Sie wollen dein Licht, deine Energie. Wende dich ab."
Das ist ungefähr fünf Jahre her.
Ich gebe zu, ich fand das damals ja schon ein bisschen abgespaced. Ich gebe aber auch zu, dass mich das irgendwie doch sehr berührt hatte, es mir nachhaltig im Gedächtnis geblieben ist.

Und ich habe mich abgewendet. Ich glaube, nicht mal wirklich bewusst. Eher Stück für Stück, immer ein bisschen mehr. Ich bin losgegangen und habe begonnen, an meine eigenen Ideen zu glauben und mir selber zu vertrauen. Ich wurde wieder neugieriger, wissbegieriger, interessierter, Stück für Stück, in meinem eigenen Tempo, und im letzten Jahr spürte ich zum ersten Mal seit langem wieder so etwas wie... Aufatmen.. Auftauchen an der Wasseroberfläche, Luft holen, mich ausstrecken im Wasser, mich fallenlassen, um mich tragen lassen zu können...
Ein schwer zu beschreibendes Gefühl.
Und wenn ich betrachte, welche Menschen in den letzten Jahren in mein Leben getreten sind...
Ob es so sein sollte?
Ob es so kommen sollte?
Ob man sich begegnen musste, ganz egal, wie die Umstände sind oder waren?

Heute Abend las ich in einem anderen Blog etwas, das mir vollkommen durch und durch ging, bis unter die Haarwurzeln, bis in mein innerstes Sein und Fühlen: "ER ist der erste Mann, der es all die Jahre geschafft hat auf meinem Grat zu wandern. ER himmelt mich an ohne sich dabei ganz selbst aufzugeben. DAS ist der Unterschied zu den bisherigen Männern in meinem Leben. Es waren gute Männer. Treu, gutherzig, ehrlich. Dennoch konnte ich nicht bei ihnen bleiben und habe jedesmal bittere Reue darüber empfunden, sie verlassen zu haben. Es gab nur Überlegenheit und Unterlegenheit. Nie war es ausgewogen. Denn ein Teil von mir war nie zu haben. Das machte sie zu Unterlegenen und mich zur Überlegenen. Ich habe das nie gewollt, aber es war so. Beides ist Mist. Ich habe es verflucht, weil ich zwar Geborgenheit bekam, mich aber um die Leidenschaft betrogen fühlte. Ein Muster sehr tiefen Ursprungs. 
[ER] ist ganz anders. Er spiegelt mich und lässt mich über meine eigenen Fallen stolpern..."
Ich möchte den Blog hier nicht verlinken, weil ich nicht sicher bin, ob ihr das recht wäre. 
Aber heute Abend begriff ich nach so vielen Jahren endlich: Ich habe bis heute, jetzt und hier alles richtig gemacht. Ich bin genau da, wo ich sein wollte. Ich muss nicht mehr ergründen, was, warum, wieso. 
Vielleicht stimmt es doch, dass wir Menschen gebündelte Energien sind, die ihresgleichen suchen.
Vielleicht stimmt ja doch Platons Lehre.
Vielleicht stimmt es ja, dass es Menschen gibt, die einander einfach begegnen müssen.
Egal, welche "Rolle" sie in unserem Leben "übernehmen": Am Ende macht alles immer wieder seinen Sinn.

Danke Anna. 
Ich bin unglaublich froh und dankbar für diese Erkenntnis - und diese Begegnung mit Dir.

Wahrscheinlich klinge ich heute Abend ein wenig konfus und unverständlich. Ich glaub, ich muss jetzt doch mal noch ein Weinchen aufmachen.
Gott, geht es mir gut.
Ich hab mich lange nicht so im Reinen, so in mir ruhend gefühlt wie heute Abend. 



Kommentare:

Rosa Rosarot hat gesagt…

Begründen kann ich es nicht - aber ich glaube dran, dass wir unserem Leben keinen Jota hinzufügen können, so gesund wir auch leben mögen. Ist es uns bestimmt, mit 53 zu sterben, dann wird irgendwas das schaffen. - Genau so, wie man manchmal durch eine alberne Kinderkrankheit umbuchen muss und nicht in dem Flugzeug sitzt, das abgestürzt ist. - Richtig begründen kann ich meine Auffassung nicht.

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Was ist ein Jota??
Irgendwie... lese ich Deinen Kommentar und denke spontan: Ja, das glaube ich auch.
Dann wieder denke ich: Dann wärs ja aber was Vorbestimmtes, sowas wie Schicksal - aber daran glaube ich ja irgendwie doch nicht..
Eher möchte ich daran glauben, dass es in unseren eigenen Händen liegt: Wir ergeben uns oder wir stehen auf und gehen los..
Ich bin grad durcheinander... Einerseits ist das eine faszinierende, beinah schon philosophische Thematik - und andererseits.. so unergründbar..
Ich trink noch den Wein aus und mach mir dann mal auf meinen Kissen noch so meine Gedanken.

Rosa Rosarot hat gesagt…

Ein Jota? Das kleinste Teilchen von irgendwas - nicht physikalisch wie ein Atom, eben ein "Jota"
Du hast vieles in deinem Leben nicht in deinen Händen - Zufall, Schicksal, Fügung - ich weiß es auch nicht so richtig.
Einen Suicid kannst du vom Zeitpunkt her selbst bestimmen, den normalen Tod nicht, noch weniger einen Unfalltod. Da hört die Selbstbestimmung schon auf - wie bei der Geburt, da mussten wir ja auch nicht zustimmen.

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Zum Unfall.... Meine Bilanz ist wohl nicht ganz unbeträchtlich, doch "nur" die letzten beiden haben mir körperlich und seelisch geschadet. Der letzte ziemlich nachhaltig.
Auf einer meiner endlosen Bahn-/ Autoreisen lernte ich mal eine Frau kennen, sehr esoterisch angehaucht, möglicherweise, und die sagte mir: Auch Unfälle passieren nicht einfach so, auch die würde man selber "steuern"... Ein ziemlich streitbares Thema, wie ich finde, aber doch auch hochspannend....

Rosa Rosarot hat gesagt…

Vielleicht hat sie nicht ganz unrecht, die Frau - obwohl ich gar nciht esotherisch angehaucht bin. - aber da ist der Blog zu schwerfällig zum diskutieren und zu schreibintensiv.