Sonntag, 15. September 2013

Das Wichtigste im Leben



"Das Wichtigste im Leben 
sind die Spuren, die wir hinterlassen,
wenn wir gehen."

Von wem nun genau dieses Zitat stammt, weiß ich nicht. Vielleicht habe ich manchmal auch zuviel Zeit und beschäftige mich mit Menschen, Dingen, Situationen, die lange, lange zurückliegen und dennoch... etwas in mir hinterlassen haben, von dem ich nicht loskomme. Ist das jetzt eigentlich ein prinzipielles Problem des Nichtloslassenkönnens? Und muss man zwingend von allem loslassen? Vermutlich nicht, oder? Vermutlich geht es nur um die Kunst, das Vergangene nicht wie klebrigen Sirup anhaften zu lassen, sondern weiterzumachen. Weiterzugehen. Weiterzuleben. Weiterzuträumen. Weiterzulachen...

Nicht erst seit den paar Tagen, die ich mit meiner Grippe ringe, habe ich meinen persönlichen Input heruntergefahren. Nein, das war schon einige Tage zuvor. Kein Fratzenbuch mehr. Telefon konsequent aus - außer dem einzigen, von dem auch nur die allerwichtigsten Menschen in meinem Leben die Rufnummer besitzen. Keine E-Mails mehr lesen, keine Werbung, keine Benachrichtigungen - und ich gebe zu, ich habe in letzter Zeit auch nicht sehr regelmäßig in meinen Lieblingsblogs gelesen und noch weniger als sonst kommentiert (nur dann und wann ;)). Obwohl ich normalerweise ehrlich immer sehr gern teilhabe an dem, das Ihr tut und beschreibt.
Doch diese letzten zwei, drei Wochen (oder vielleicht sind es noch mehr, ich weiß es gar nicht so genau) mich so derart herunterzufahren, mich mit mir selbst zu befassen und mit dem, das auch wirklich in mir vorgeht und nicht überschüttet wird durch Stressmomente in der Firma, Ablenkungen durch mehr oder weniger fremde Menschen, Einflüsse oder sowas, das empfinde ich doch immer wieder als eine der wertvollsten Augenblicke überhaupt...
Es gab oder gibt Situationen, vor denen ich weglaufen möchte, weil sie Schmerz verursachen oder wenigstens an Schmerz erinnern - den ich in meinem Leben nicht haben möchte. Wie sagte doch der Heilpraktiker letztens so schön: "Der Mensch ist nicht auf die Welt gekommen, um zu leiden."
Ich bestimmt nicht. Dazu liebe ich das Leben viel zu sehr. Und irgendwo las ich mal, dass jeder Mensch nur das "aufgebürdet" bekommt, das er auch tragen kann... Ob das wohl so stimmt? Du hast ja immer zwei Möglichkeiten: Entweder Du wächst daran - oder Du zerbrichst...
Es gab oder gibt Menschen, denen ich ausweiche, weil sie mir Schmerz verursachen oder wenigstens an Schmerz erinnern, den ich nicht wieder haben möchte. Und doch... Es gibt recht viele Menschen, die ich kenne, aber es gibt nur sehr wenige Menschen, die mein Innerstes unauslöschlich berührt haben. Sehr wenige Menschen, von denen ich nicht nicht einmal alle persönlich kenne. Ich weiß nicht so genau, ob jede Begegnung mir auch wirklich immer so gut getan hat und ob es nicht tatsächlich besser ist, wenn manche Wege sich nicht wieder kreuzen. Doch da ist immer wieder dieser Spiegel... Das Gesicht, in das ich schau und meine, in meinen Spiegel zu schauen, in meine Seele.
So ist es mir auch mit den gelben Seiten gegangen. Wir lieben uns seit zehn Jahren - aber wir haben uns nicht immer gut getan und Zeiten völlig ohne einander und mit anderen Menschen verbracht und glaubten, es sei schon alles richtig so. Nur um inzwischen weiterzuwachsen und den Weg zurückzufinden... Den Weg, von dem wir im Grunde von Anfang an wussten, dass es der einzig mögliche ist, jedenfalls für uns. 
So ist es mir mit Friederike gegangen. Ich kenne sie seit drei Jahren (glaube ich, vielleicht sind es auch vier), und dass die Freundschaft zu Beginn des Jahres zerbrach, kann ich inzwischen verstehen; so wie ich auch spürte, dass es dabei nicht um mich ging. Gleichwohl verstand ich nicht... das WIE. Und es ist das WIE, das mich bis heute zurückhält, ihre Nummer zu wählen und sie zu fragen: Wie geht es dir? Auch dann nicht, wenn kein Tag vergeht, an dem ich nicht an sie denke und mich frage, wie es ihr geht. 
So oft höre ich "Du musst lernen, dich zu schützen."
An meinem Schlüsselbund trage ich schon ein paar Jahre ein Schildchen spazieren "Erfahrungsresistent" - und vielleicht bin ich das auch. Weil ich mich immer wieder Menschen und Situationen stelle, von denen die anderen sagen: "Lass es doch, du weißt doch, das kann nicht gutgehen."
Nur... Ich kann nicht gegen mein eigenes Bauchgefühl handeln. Ich kann nicht mit Entscheidungen leben, die nicht meine eigenen sind und die man mir versuchte beizubringen. Ich kann mir keine Erkenntnisse verinnerlichen, auf die ich nicht selbst gekommen bin.
Aber ist das nicht vielleicht auch genau der Lernprozess im Leben, um den es geht? Der uns reifen und wachsen - oder auch zerbrechen lässt? Das Hinfallen, Aufstehen, Weitermachen, Zurücklaufen, Gucken, Erkennen, Weiterlaufen? Mich formt nicht, dass ich auf einem Gipfel steh. Mich formt der Weg aus dem Tal hinauf auf den Gipfel: Er zeigt mir, was mir in die Wiege gelegt wurde. Grenzerfahrungen auch mit mir selbst zeigen mir, wie ich wirklich fühle, denke, handle. Ohne Maske. Und auch wenn das weh tut, so ist mir das allemal lieber, als mein Leben lang nur an der Oberfläche zu dümpeln und nie wirklich in die Tiefe zu gehen und dort auch mal auf dem Zahnfleisch zu kriechen. 
Ich kann nicht alles. Ich weiß nicht alles. Die gelben Seiten sagten mal, sie hätten geglaubt, schon alles im Leben gesehen zu haben. An so einem Punkt war ich noch niemals in meinem Leben - und ich hoffe auch nicht, dass ich an diesen gelange. Es gibt immer noch Dinge, Menschen, Situationen, die mich überraschen, verwundern, belehren - oder erschrecken. Und dann möchte ich oftmals dem Impuls folgen und rennen. Rennen. Rennen. Ob davon oder darauf zu - ist hierbei zweitrangig...
Und so sitze ich hier, drehe das Glas Wein gedankenverloren in den Händen und frage mich, ob ich auf mein Bauchgefühl hören und Friederike anrufen soll. Bei den gelben Seiten habe ich mich das auch so oft gefragt, in diesen bewussten Zeiten & Jahren (und es gab nicht eine einzige Stimme, die mir da zugeredet hatte). Ich habe es ganz allein für mich entschieden, weil ich einfach wusste.... Weil ich ES einfach wusste.
Dazu brauche ich meine Auszeiten. Um allen Ballast abzuschütteln und meine wahren Gedanken und Gefühle hervorzubringen. Echte Sehnsüchte. Und wer das nicht respektieren kann oder will, der kann mich ganz getrost mal im Mondschein besuchen - denn da kann ich auch wirklich eine Tür schließen, die sich nicht mehr öffnet. 

"...and we run for our lives..."
We do it every day.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Rufe sie nicht an ,es ist besser so .

Aurélie hat gesagt…

Türen endgültig zuknallen... darin bin ich auch ganz groß. Aber schaffst du es, die so ausgesperrten Menschen aus deinen Gedanken zu streichen? Manchmal denke ich, dass es klüger gewesen wäre, die Tür erst dann endgültig zu schließen, wenn eine Sache richtig bereinigt oder beendet ist. *seufz* Aber dazu isses nun auch zu spät.

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Liebe aurelie, ich kann eine tür erst dann schließen, wenn ich selbst einen punkt erreicht habe, wo ich das auch wirklich will und muss. Impulsentscheidungen habe ich mit 20 getroffen, heute nicht mehr.
Die gelben seiten und ich sind eine typische on and off beziehung und zum vietten mal zusammen. Kein schwein tut sich das freiwillig an :) aber bei ihm wusste ich immer: das war es noch nicht... Auch wenn ich es ihm nicht immer leicht gemacht hatte, wir wollten diesen 4. versuch und wissen heute: es ist auch der letzte. Definitiv der letzte. Entweder es klappt jetzt oder man schließt die tür für immer.
Und so halte ich es auch mit anderen türen: ich lasse den entscheidungen ihre zeit zu reifen. Manche gehen schneller, andere dauern länger. Aber wenn die tür zu ist, ist sie zu. Ganz gleich, ob ich immer mal noch dran denke: ich bereue dann nichts.
Bitte entschuldige übrigens die kleinschreibung, ich tippel hier aufm handy ;)

Clara Himmelhoch hat gesagt…

Wie gut kann ich diesen Satz mit deiner Freundin verstehen: "Gleichwohl verstand ich nicht... das WIE. Und es ist das WIE, das mich bis heute zurückhält, ihre Nummer zu wählen und sie zu fragen: Wie geht es dir?"
Und dann noch das: "Nur... Ich kann nicht gegen mein eigenes Bauchgefühl handeln. Ich kann nicht mit Entscheidungen leben, die nicht meine eigenen sind und die man mir versuchte beizubringen." - Manchmal mache ich nur aus Vernunft etwas, was nicht auf meinem Mist gewachsen ist, weil ich weiß, ich will mit dem Kopf durch die Wand - und das klappt nicht immer.
Gehe deinen Weg - mit oder ohne Anruf, nur du kannst das entscheiden.

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Danke Clara.
Ja die Vernunft... Interessanterweise habe ich die besten Erfahrungen immer mit den Entscheidungen gemacht, die ich nach meinem Bauchgefühl und nicht nach dem Verstand traf.
Aber sie haben mich auch das meiste gekostet..