Donnerstag, 5. September 2013

Vorm Ertrinken gerettet. Im eigenen Heim.

Als ich vorgestern gegen 21 Uhr müde und k.o. nach Hause kam, fielen mir im Briefkasten zwei kleine Flyer im lustigsten PolDeutsch entgegen.
Man suchte Schrott aller Art - klar, kann man Geld mit verdienen, wenn genug zusammen kommt. Nichtsdestotrotz jedoch konnte ich auf diese Art und Weise endlich loswerden, was bei der letzten Sperrmüllabholung erfolgreich ignoriert (und entsprechend murrend unsererseits wieder in den Keller getragen) wurde: ein Fahrrad, dessen Räder sich zu einer 16 verformt hatten; ein Geschirrspüler, der bereits vor 2 Jahren seinen Dienst erfolgreich versagte, ein alter Nähmaschinentisch (ohne Nähmaschine, hatte aber gut als Fernsehtisch fungiert), ein uralter Drucker... na ja und so Zeugs halt.
Meine Söhne waren ja nun nicht soooo begeistert, als ich gestern Abend gegen 19.30 Uhr heimkehrte und erklärte: "Ich bereite das Abendessen und ihr tragt das Zeug an die Straße."
Dazu muss man allerdings auch sagen: Der Geschirrspüler befand sich bis gestern in meiner Küche - auch wenn er, wie bereits gesagt, schon seit 2 Jahren keinen Dienst mehr verrichtete, dieses faule Elend. Aber so eine Lücke sieht ja auch irgendwie bescheiden aus, außerdem hatte ich lange auch keinen Plan, wie ich die Lücke hätte füllen mögen - und ich hatte keine Lust auf den umständlichen Sperrmüllweg.
Aber wenns ruft "kostenfreie Abholung", dann mobilisiert sich auch eine Helma Ziggenheimer.
Zu Beginn der gestrigen Aktion jedenfalls stoppten alle Bemühungen gleich wieder, als wir feststellen mussten: Der Geschirrspüler endet mit zwei Schläuchen - und die wiederum enden an meiner Küchenwand.
Eigentlich kein Thema.
Eigentlich...
Ich heiße ja schließlich nicht Hulk, sondern Helma, meine Kräfte sind entsprechend limitiert - und die Jugend noch.. äh.. ahnungslos im Umgang mit Schrauber und Zange. Zu ihrer Entschuldigung müsste ich aber sicherlich anfügen, dass sie solche Sachen bei mir bis dato auch nicht erledigen brauchten - und dass gewisse Schrauben und Muttern nicht nur schlecht "anzupacken" waren, sondern sich über die Jahre hinweg auch ordentlich "angemottet" hatten. Angesichts der Uhrzeit, meiner körperlichen und seelischen leicht instabilen Verfassung (und überhaupt habe ich keine Geduld für Dinge, die sich nicht eins-zwei-flott erledigen lassen) griff ich beherzt zur Geflügelschere: "Jungs, das ham' 'mer gleich."
"Ist das denn kein Druckschlauch?" wurde ich heute, als ich während der Mittagspause diese Anekdote zum Besten gab, vom Kollegen gefragt - und ich grinste vielsagend: "Der erste nicht!"
Den ersten Schlauch habe ich demzufolge erfolgreich abgesäbelt.
Beim zweiten...
"Mutti, du hast das Wasser nicht abgestellt!"
"Ja, das seh ich nun auch! Hol einen Eimer, aber flott!"
Sekunde. Minute. Und das Wasser spritzte. Und Helma duschte. Mitten unter der Küchenspüle.
"DEN EIMER, JUNGS!" brüllte ich verzweifelt.
"Ja doch, gleich, ich bin nur kurz auf dem Klo."
Alter Falter. Da fällt dir nix mehr ein. Nur Dilettanten im Hause Ziggenheimer, die Mutter eingeschlossen.
Jedenfalls kam das Jüngelchen dann mit Eimer und der andere schraubte endlich den Zulaufhahn zu.
Die Familie vor dem Ertrinken gerettet.
Jetzt hätte nur noch gefehlt, dass die Polen oder Russen oder Rumänen oder wer auch immer das Zeug gar nicht abgeholt hätten. In dem Falle wäre dann vermutlich bei mir ein Punkt erreicht, wo ich mich hingesetzt und einen Brief an Angie verfasst hätte mit dem Hinweis, doch bitte die Grenze nach Osten wieder zu schließen - es wäre eh kein Verlass auf die Brüder. Ich weiß, ist gemein und ungerecht. Ist aber gerade so mein ich-sitz-auf-meinem-Pulverfass-und-irgendwann-muss-sie-raus-die-ganze-Hühnerkacke-Gefühl.
Aber sie dürfen bleiben.
Heute Morgen gegen acht waren sie da und luden alles erfolgreich ein.
Na bitte. Manches geht eben doch.

Quelle Bild: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/13/Bundesarchiv_Bild_183-2004-0512-508,_Berlin,_Erfrischung_aus_dem_Wasserschlauch.jpg


Kommentare:

Gudrun hat gesagt…

Liebe Helma,
ist schon ärgerlich, so eine Dusche. Ich musste jetzt aber doch etwas grinsen, denn so ähnlich könnte das bei mir abgelaufen sein. Nur nicht mit einem Geschirrspüler. Der war der Gütertrennung zum Opfer gefallen.
Gruß von der Gudrun

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Na ja... Seien wir ehrlich: Ich fands auch ganz lustig, sonst hätt ichs nicht so geschrieben. Aber an dem Abend war ich müde und hungrig, ach und überhaupt :)
Gütertrennung gabs bei uns á la Ziggenheimer: Ich hab ihm alles überlassen, weil es auch so schon widerwärtig genug war.
Den ich da vorgestern erfolgreich vom Netz gesäbelt habe, war ein Geschenk meines Bruders vor nunmehr 10 Jahren. Da war der Spüler aber auch schon ein paar Jahre alt - durfte also getrost entsorgt werden.
Seitdem spült das Haus Ziggenheimer wieder wie früher zu Hause: mit der Hand - seeeehr zum Leidwesen meiner Söhne. Auf jedes Murren antworte ich stur: Kauft mir doch einen!
:)

Gudrun hat gesagt…

Oh, das mit dem Überlassen kenne ich auch. Und weißt du was? Es ging mir besser.