Montag, 11. November 2013

I'm in the corner watching you kiss her.....


...auf diesen Titel bin ich erst vor wenigen Tagen aufmerksam geworden (Danke noch mal, "Helga"), ich habe ihn mir sofort gekauft und hör ihn seither rauf und runter.
Jeder von uns hat im Leben schon diese Erfahrung machen müssen - unsichtbar zu sein für den anderen. Du bist da und bist irgendwie... doch nicht da. Du wirst einfach nicht gesehen, du wirst übersehen, weil der andere glaubt, etwas Besseres zu sehen. Und du bleibst in deiner Ecke verharren, du kommst nicht daraus hervor, weil du so viel besser dem anderen zusehen kannst, auch wenn es dich zerfleischt, weil du denkst "Kann sie dich wirklich je so lieben wie ich es tue?"...
Ja, auch ich kenne das nur allzu gut, und ich habe ihn glauben lassen, wir könnten "danach" sowas wie Freunde sein. Ich habe ihn sogar hereingebeten gehabt zu Tee und Keksen, damit er mir besser von der Neuen erzählen konnte. Während ich da saß und still zuhörte und ihn ansah und dachte: "Er sieht so entspannt aus, es geht ihm grad gut".... Den eigenen Schmerz habe ich nicht gezeigt, meine Augen hinter den langen Haaren verborgen, an den ungeweinten Tränen gewürgt. Dafür die Kekse und den schönen Tee erbrochen, nachdem er fort war.

Das Schöne, das Wunderbare am Leben ist, dass Du niemals vorher weißt, was das Leben für Dich bereithält, was es Dir schenkt - wenn Du offen dafür bist, und bereit, das Geschenk anzunehmen. Auch wenn es auf den ersten Blick anders scheinen mag, als Du eigentlich wolltest...

Als Junior mich vor einigen Wochen mit einem Mädchen bekanntmachte, das er selbst als "gute Freundin" bezeichnete, dachte ich auf den ersten Blick noch: "Huch, so jung und schon soviel Make up?" Auf mich wirkte sie unsagbar künstlich, unecht - und dabei müsste doch gerade ich wissen, dass sich hier oftmals ein Mensch verbirgt, der sich hinter etwas versteckt... Nicht weil ich es genauso tue. Aber eben... Ich hätte es wissen müssen.
Dann und wann erzählte er von ihr, Dinge, die einfach nicht stimmen konnten - die aber offensichtlich Mitleid erregen sollten. SEIN Mitleid. In der Hoffnung möglicherweise, wenn er ausreichend Mitleid mit ihr habe, würde er sich auch in sie verlieben.
"Bitte pass auf dich auf", habe ich ihm gesagt. Damals eben, vor jenen Wochen.

Vor kurzem war sie hier bei uns zu Hause, für einen Moment nur - und ich hätte sie fast nicht wiedererkannt. Zurückhaltend geschminkt, ein vorsichtiges zartes Stimmchen, das man bei einem so groß gewachsenen Mädel wohl nicht vermuten würde. Sie sah... so ganz anders aus. So... echt.
Da wusste ich schon, dass ihr Herz an meinem Sohn hing. Dass sie aber auch wusste, dass er sie nur als seine gute Freundin betrachtete.
Ich bin immer noch davon überzeugt, dass vieles von dem, das sie ihm erzählte, nicht stimmen kann. Als er mir am Samstag jedoch ein Foto zeigte, das sie kurz nach der OP am Herzen zeigte, vor einer Woche, da... ich weiß nicht, wie ich es beschreiben soll. Irgendwas krampfte sich in mir zusammen. Mitleid wäre das falsche Wort. Eher... ein irrsinniges (mütterliches) Mitgefühl (und ich finde, das ist durchaus etwas anderes.) Junior zeigte mir das Foto, wir schauten beide darauf, stumm, und irgendwann sagte er: "Also stimmt es ja doch. Zumindest das."
"Wenn wir wieder zu Hause sind, dann besuch sie im Krankenhaus", sagte ich.
Das muss er nicht - sie ist schon wieder zu Hause, und möchte ihn morgen hier besuchen.
"Meine Schwester ist in deiner Nähe und da könnte ich dich für eine halbe Stunde besuchen. Um dich nur einmal in die Arme nehmen zu können", schrieb sie ihm.
"Mein Gott, die Kleene, sie tut mir wirklich leid", sagte ich, "dafür, dass sie so an dir hängt und sie trotzdem immer nur zugucken muss, wenn du andere Mädchen kennen lernst."
"Mir auch", meinte Junior, "ich versteh mich ja selber nicht: Sie sieht top aus, hat einen tollen Charakter und überhaupt... Ich weiß auch nicht, was mit mir los ist."
"Los, verlieb dich jetzt!" schrieb ich ihm, als er sich dann auf den Weg ins Sportstudio gemacht hatte und er schrieb zurück "Süß :)".
Und jetzt lieg ich hier, hör wieder und wieder diesen Song und frage mich mal wieder, was es macht, dass wir uns in jemanden verlieben - oder auch nicht? Woran liegt es, und sind es tatsächlich nur rein biochemische Prozesse in unserem Kopf?
Man sagt, es seien die ersten vier Sekunden einer Begegnung, die darüber entscheiden.
Bei den gelben Seiten war es so. Als ich ihm zum ersten Mal gegenüberstand, war mir, als würde ich bei dem Blick in seine Augen in die Tiefe seiner Seele fallen - und als würde ich mich darin wiederfinden.
Ich habe es aber auch schon ganz anders erlebt. Dass es über ein Jahr gedauert hat.

Ach Junior... Ich kann so so gut verstehen, wie dein Mädchen sich jetzt fühlt. Auch ich habe schon in der Ecke gestanden und zugesehen. Und geglaubt, ich könnte nie nie wieder glücklich sein. Und ich könnte nie so sehr wieder einen Menschen lieben wie den einen.
Ich weiß auch, dass Mitleid so gar keine Basis für eine Beziehung ist.
Ich wünschte aber, Du würdest Deine Gefühle für sie entdecken. So wie das bei mir war: Er ist dann doch noch mal gekommen und hat mich aus meiner Ecke geholt. Gerade noch rechtzeitig - bevor es ein anderer tat.

Wahrscheinlich kling ich total bekloppt. Ich sollte die Musik ausmachen... Kann ich aber nicht.

Kommentare:

DerSilberneLöffel hat gesagt…

Menschen sind so.
Und auch die größte Liebe zu finden, das heißt noch lange nicht, dass diese auch erwidert wird. Woher ich das aktuell weiß? Weil ich weiß, dass es auch Liebeskummer gibt. Und das auch in einem Alter, in dem man aus sowas raus sein sollte. Biochemisch? Vielleicht. Tut aber trotzdem weh, der Mist.

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Lieber holger, liebeskummer hat mich mein halbes leben lang begleitet und es ist völlig egal, wie alt wir sind.
Die biochemie will ich nicht wahrhaben, weil es mir zu nüchtern klingt für sowas eigentlich großartiges.
Und doch fragte ich mich im leben so oft "wieso geht es einfach nicht, wenn doch alles passt?"
Glück ist so ein zerbrechliches ding.

Helga Nase hat gesagt…

hehe, gerne. es ist aber auch ein wahnsinns-lied.
i keep on dancing on my own.
Helga.