Montag, 16. Dezember 2013

Fünfundsiebzig Tage und Nächte

...habe ich diesen irrsinnigen Schmerzschub ertragen. Einer, der normalerweise maximal vier Tage bleibt und dann wieder nachlässt, erträglicher wird. Doch dieses Mal... Fünfundsiebzig unglaublich lange Tage und Nächte kaum noch schlafen, immer weniger essen; fünfundsiebzig Tage lang nicht mehr wissen, wie liegen, wie stehen, wie sitzen, wie lachen - und wie lange schaffe ich es noch, aufrecht zu stehen, ohne dass jeder mir ansieht, wie ich mich fühle?
Seit gestern Morgen endlich lässt es wieder nach.
Gestern Morgen bin ich erwacht und spürte... nichts. Ich fühlte nichts.. Ich atmete langsam und sehr bewusst tief ein und schloss fast glückselig meine Augen, breitete in meinem Bett die Arme aus: JA!
So fühlt es sich an!
So leicht, so frei, kein Gewicht mehr, das an den Armen und Beinen hängt.
Den ganzen Tag hielt ich mich gestern in meinem Zuhause aus, lag ewig lang in der Badewanne, las, bereitete mir entweder Tee oder Kaffee, las in Büchern, in Blogs und tat... einfach nichts, außer es mir gut gehen zu lassen. Vor allem bin ich wieder in die Welt meiner Musik eingetaucht. In mich selbst eingetaucht. In meine Seele zurückgekehrt. Es ist schwer zu beschreiben...
Vielleicht hab ich ja einfach nur dem Frieden nicht getraut.

Man sagt, es ist die Ruhe in der Seele, die die Kraft dem Körper verleiht.
Irgendwie war es dieses Mal genau so: Mittendrin im schlimmsten Schub erfasste mich eine Gelassenheit, die mich auch von innen heraus lächeln ließ. Eine Gelassenheit, die sich zugleich auch irrsinnig kraftvoll anfühlte. Ich fühlte es nicht nur. Ich sah es auch auf jedem Foto in den letzten Tagen.
Und dann... ließ der Schmerz mit einem Mal wieder nach.
Immer noch schlafe ich kaum in jeder Nacht. Doch dieses Mal ist es, weil ich begierig von diesem Leben kosten will, diesen Momentaufnahmen, in denen mich der Schmerz nicht daran hindert, etwas zu tun, etwas zu geben - und auch etwas zu nehmen.

Bei Gott, ich liebe dieses Leben!

Kommentare:

NadineNicole hat gesagt…

Liebe Helma, geniesse einfach diese schmerzfreie Zeit. Ich weiss, man traut dem Frieden nicht. Man wartet... man hört in sich hinein...doch manchmal bleibt es einfach aus!

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Liebe Nadine, schmerzfrei bin ich seit 9 Jahren nicht. Aber der Schmerz ist zurückgekehrt auf ein Level, wo ich gut mit ihm umgehen kann. Wo ich sogar mit ihm leben kann. Wenn es nicht anders gehen kann, dann muss es eben so gehen.
Hauptsache, es dauert beim nächsten Mal nicht wieder 75 Tage...

Alles schon mal dagewesen hat gesagt…

Das ist ein nicht vorstellbarer Zeitraum. Dass du das durchgehalten hast ist beeindruckend. Meine Mama hat sein Jahrzehnten Kopfschmerzen. Das ist für mich absolut unvorstellbar, wie man das aushalten kann.
Ich drücke dir die Daumen, dass du gaanz laaange in dieser besseren Phase bleibst.
LG Susann

Zwischenweltler hat gesagt…

Du hast Dich nicht unterkriegen lassen, hast ihm nicht kleinbeigegeben... DAS macht ihn schwach, den Schmerz. Er wird Dich niemals regieren können, solange Du aus tiefstem Herzen behaupten kannst, dass Du Dein Leben liebst.

Ich freue mich sehr für Dich!
((@))

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Liebe Susann, das Gute an nicht so guten Dingen ist, dass man sie im Vorfeld nicht weiß. Dass man nicht weiß, wie lange und dass man jeden Tag die Hoffnung hat: Morgen ist alles gut.
Und wenn ich im Nachhinein zurückschau, dann nur, um zu sehen, dass ich doch nicht so schwach bin wie man das gerne von mir glaubt - mich eingeschlossen.
Und damit, lieber Zwischi, komm ich zu Deinen Worten :) JA - ich kann es aus allertiefstem Herzen sagen, behaupten, was immer Du willst :)
Und ich bin auch so so so froh, dass es endlich wieder Erleichterung gibt, ein Atmen können, ein wirkliches Genießen können. Jetzt könnte ich es sogar auf dem Weihnachtsmarkt aushalten ;)