Freitag, 29. November 2013

Kleine Träumerei...


Als ich heute Abend die Tür zum Büro hinter mir zuschloss und mich auf den Heimweg machte, da spielte im Radio dieser Song, während der Regen an die Scheiben klatschte und sich Wärme auch der Sitzheizung wegen in mir ausbreitete. 
Erinnerungen wurden wach. Erinnerungen an eine unbeschwerte Zeit in meinem Leben. Eine Zeit voller Gier und Sehnsucht nach dem Leben, ungestillt, unstillbar fast, und in mir so irrsinnig viele Empfindungen, die in mir lebten und nur darauf warteten, den Einen damit überschütten zu können...
Heute Abend, mitten im nasskalten November, in diesem Wagen und mit dieser Musik, da überkam sie mich einmal mehr, diese unstillbare, unbändige Sehnsucht nach dem Leben. Eine Sehnsucht, von der ich nicht sicher bin, ob sie je so gestillt werden kann. Mein Alltag birgt oft nicht genug Raum und Zeit für meine Tagträumereien, aber gerade die sind es, die meine Seele bunt und schön machen. Träumereien auch, von denen ich weiß, sie sind ja nicht unerfüllbar...

Quelle: http://www.hm.com/de/product/19170?article=19170-A
Heute Abend habe ich dieses bodenlange Satinkleid anprobiert. Ich sag Euch, in echt sieht es noch viel schöner aus (die Kordeln werde ich abtrennen und mir was anderes an diese Stelle machen) - und es fühlte sich so wunderbar weich, zart und zugleich edel auf der nackten Haut an....
Auf nackten Füßen, auf Zehenspitzen balancierte ich, drehte mich vor dem Spiegel hin und her, im Kopf immer noch diese Musik, und ich sah mich... Damals, ich war 4 oder 5 Jahre alt, ein Kindergartenkind, dessen sehnlichster Wunsch es war, einmal eine Prinzessin zu sein. So dass meine Mum ihr Brautkleid zerschnitt, nur damit sie mir diesen Wunsch erfüllen konnte.
Genauso drehte ich mich heute Abend vor dem Spiegel - und tausend Bilder entstanden beinah sofort in meinem Kopf. Bilder eines Sommers, den es noch nicht gibt. Ich stellte mir vor, wie ich abends ausgehen würde, wie ich zarte Sandaletten mit hohen Absätzen dazu tragen und mir das Haar zusammenstecken würde.

Erst einmal jedoch senkte ich die Füße wieder herab, rieb mir das schmerzende Knie und als ich mich auf den Hocker setzte, vergrub ich den schmerzenden Arm in der Beuge zwischen Bauch und Beinen...
Seit Wochen trage ich nur noch flache Schuhe, weil jeder Absatz den Schmerz nur noch verschlimmert. Manchmal laufe ich herum wie ein Hippie in Boots, gemusterten Legging und Lederjacke. Manchmal laufe ich herum wie ein Mädchen in Ballerinas und Jeans. Doch was ich vermisse, ist das Blumenmädchen in mir.. Dieses Blumenmädchen mit der unstillbaren Sehnsucht in den Augen und den langen bunten Kleidern...

Als ich das Kleid auszog, sah ich im Spiegel meine traurigen Augen.
Gekauft habe ich dieses Kleid dennoch.
Der Sommer wird kommen und ich werde ihn verdammt noch mal genießen. Im Sommer ist es immer besser. Im Sommer ist alles besser.

Mittwoch, 27. November 2013

Kleine Kinder, kleine Sorgen

Dass die Jugend nun komplett erwachsen ist, wissen meine Leser ja nun. Aber ob nun volljährig oder nicht - wenn ich abends heimkomm und niemand ist da, ich nicht weiß, wo sie sind, wann sie heimkommen und überhaupt - dann kann ich auch nicht in aller Seelenruhe in mein Bettchen gehen und schlafen.
Bin ich eine Glucke? Nee, oder? Ich will ja nur wissen, wat los is. Wenn sie sagen, sie schlafen die Nacht bei einem Kumpel oder von mir aus auch bei einem Mädchen (ach na eben... die überlagerten Kondome... ob Junior das originell oder peinlich findet, wenn der Nikolaus... Na ja, ich mein, sieht ja keiner außer unsereiner, oder? :)) - dann jedenfalls isses für mich in Ordnung.
Aber wenn ich weiß, sie sind in der City unterwegs... Man weiß doch nie! Und die Nachrichten sind immer irgendwie voll von Mitteilungen, die die Mamas und Papas unter uns nicht wirklich zur Ruhe kommen lassen.
Ich meine, ich war auch 18, als es hieß "Komm nicht zu spät nach Hause!" - "OK, und wann ist 'nicht zu spät'?" - "Na nicht länger als Mitternacht! Mitternacht bist du zu Hause!" - "Mitternacht?? Aber da geht die Party doch erst los?" Entsprechend war ich natürlich auch erst 1.30 Uhr zu Hause - und dachte noch "Puuuhh, hat keiner gemerkt, is allet dunkel" ja und dann saß - huch! - bei Kerzenschein die Frau Mama bei einer ich-weiß-nicht-die-wie vielte-Zigarette mit einem Gesicht wie "Na warte mein Frollein, ich geb dir jetzt mal die PARTY!"
Wobei - DAS kann ich! Wenn ich weiß, sie sind zur Disko, dann weiß ich auch: SO lange kann ich nicht aufbleiben, das schaff ich nich mehr. Junior I ist für gewöhnlich nie vor 6 Uhr morgens heimgekommen - und ich erinner mich immer wieder an Anekdoten wie den Morgen nach dem ersten Diskobesuch und einem kläglichen 1,94-Meter-Häufchen vor meiner Wohnungstür, flennend: "Ich hab meine Jacke verloren!" "Äh... Aber die hast du doch an?" Kurzer prüfender Blick aus glasigen Augen: "Ach so... Dann hab ich was anderes verloren!" Oder den Morgen, an dem er kläglich vor der Tür stand: "Es tut mir so leid, es tuuut mir sooo leeeiidd!" - "Na was denn? Willst du nicht erst mal reinkommen?" - "Ich wollte das nicht, ich wollte das wirklich nicht! Aber ich hab mir auf die Jacke gekotzt!" - "Oh... Na macht nix..." - "Ja und der Pullover hat auch was abgekriegt!" - "Oh..." - "Und ich glaube, die Jeans auch..." Da sagte ich dann nix mehr, öffnete nur weit die Wohnungstür und zeigte mit dem Daumen zur Badezimmertür: "Da is die Waschmaschine, mach alles da rein, ich stell sie gleich an."
Nur ein einziges Mal musste ich länger als bis 6 Uhr morgens auf Junior I ausharren: Da kam er erst gegen halb acht, weil er den Weg aus der Innenstadt bis raus in den Vorort zu uns laufen musste... Ohne Papiere, ohne Handy, ohne Portemonnaie. Sowas passiert, wenn man beim Warten auf die Straßenbahn auf der Bank einschläft...
Als ich unlängst noch zu Junior II meinte: "Irgendwie bin ich ganz froh, dass du die Disko noch nicht für dich entdeckt hast", und er schaute mich erstaunt von der Seite an: "Ich musste ja auch erst warten, bis ich 18 wurde!" "Ach und jetzt willst du wohl..." - "Na klar! Was dachtest du denn? So viel hübsche Mädels auf einmal seh ich sonst nie?!" Harte Zeiten kommen erneut auf mich zu, denke ich mir so.
Wobei Junior II aus anderem Holz geschnitzt ist als Junior I. Der Zweite wird sich nicht die Butter vom Brot nehmen lassen, da eher stürmt er unbeherrscht wie ein junger Stier drauflos - aber ob das immer so gut ist? Heutzutage weißt du nie, ob der andere nicht eins-zwo-fix ein Messer zückt. Und dann?

"Was machst du heut abend noch?" fragten die gelben Seiten vorhin am Telefon, als ich ungeniert in die Hörmuschel gähnte. "Nix mehr." - "Wenn du müde bist, geh doch schlafen." - "Nee... noch nich.. Junior is noch nicht da, ich warte noch auf ihn." - "Jetzt lass ihn doch, der ist achtzehn." - "Na und? Ich hab keine Ruhe irgendwie, wenn ich weiß, der stromert da noch draußen rum." - "Lerne endlich loszulassen!"
Ja doch. Tu ich ja. Also ich bemüh mich ja auch. Ernsthaft.
Dann kam der Bub und brachte Döner mit. Leicht zerzaust war er außerdem. Er und zerzaust. Durch den Wind nicht möglich - in Zeiten von Haargel plus Haarspray. "Sieht nach ner Mädelshand aus", kommentierte ich also und er grinste schelmisch. Allet klar.
Und während wir uns gemeinsam ans Essen machten, erzählte er mir, dass heute vor seiner Schule eine seiner Lehrerinnen von einem jungen Mann mit einem Messer angefallen und von dem verletzt worden war. Vor Schreck vergaß ich das Kauen. "Echt?" - "Ja, echt, hast du das noch nicht gehört?"
Nein. Weil ich nie Radio höre und mich irgendwie auch den Tageszeitungen verweigere. Macht einen irgendwie alles bekloppt, dachte ich immer.
"Und wusstest du, dass die Woche einem im Stadtteil W. ein Ohr abgeschnitten wurde? Von nem Typen, der sich mit ner Schweinsmaske verkleidet hatte?"
Das Essen in meinem Mund wurde kalt...
"Äh... nee, das wusste ich auch noch nicht."
"Hmm." Er aß weiter und dann sagte er: "Und Anfang der Woche ist eine Frau überfallen worden, vor ihrer Haustür. Der Typ wollte Geld und so, sie hat sich gewehrt und er hat ihr mit nem Messer mehrmals in den Arm gestochen. Überleg dir das mal. VOR IHRER HAUSTÜR!"
Da konnte ich dann wirklich nicht mehr weiteressen.
Vielleicht war das ja sein Trick - er hat meinen Döner mit sehr gutem Appetit mitgegessen.
Vielleicht wars aber auch kein Trick.
Ich denke, ich werde immer erst beruhigt sein, wenn die Jugend wieder wohlbehalten eingekehrt ist.
Jedenfalls so lange wie wir zusammen wohnen.
Und dabei dachte ich noch, ich könne mich sicher fühlen in unserer kleinen großen Stadt. Ach Mensch.

Ist Zeit wirklich Geld? Worauf Du Dich verlassen kannst!

Quelle Bild: http://www.clique-sued.de/wp-content/uploads/2011/12/CLIQUE-Ist-Zeit-wirklich-Geld-featured1.jpg
Ja Zeit IST Geld - nämlich mein Geld! Unter Umständen jedenfalls. Also wenn der Bescheid denn positiv ist (und anders als bei positiven Arztbriefen freu ich mich immer, wenn die Finanzbriefe positiv sind). Ja.. Wenn sie denn mal kämen!
Ich wurde ja immer mal gefragt, ob und wie viel Bafög Junior II denn nun für seine Berufsfachschulausbildung bekommt. Angesichts des Schulgeldes, das ich nun seit September zahlen darf, und auch der Jahreskarte bei den öffentlichen Transporteuren unseres Vertrauens und überhaupt der gestiegenen Bedürfnisse des jungen Herrn bekomm ich schon langsam Herzsausen, ob ich das alles dauerhaft finanzieren kann.
Und wenn jetzt einer sagt: "Der hat doch noch nen Vater!", dann kann ich nur müde lächeln. Unterhalt, Kostenteilung für Klassenfahrten etc. kannte mein Ex nur, wenn er der Meinung war, was von mir zu kriegen. Dass ich das immer so hingenommen habe, hat bis heute keiner verstanden. Aber was hat man schon davon, sich einerseits jahrelang um Geld herumzustreiten und zu prozessieren (Streit um Geld ist einer der widerwärtigsten, die ich kenne) und andererseits immer Angst haben zu müssen, abends im Dunkeln nach Hause zu kommen? Auf offizielle Verfügungen jedenfalls hat mein Ex immer gepfiffen und mir trotzdem aufgelauert, damals, zu Hause, im Hort und was weiß ich. "Das wagt der nicht und wenn, dann nehm ich mir den vor", hatten die gelben Seiten oft gesagt. Ja schön. Das nutzt mir dann aber auch nichts mehr, wenn... ach egal.
Fakt ist jedenfalls - und das habe ich der guten Dame vom Bafög-Amt heute in Erinnerung gerufen: Den Antrag haben wir am 27. Mai (!) gestellt, die erste Ergänzung bekamen sie am 27. Juli und die letzte, nämlich die Schulbescheinigung, dass der Knabe dort wirklich auch ausgebildet wird, am 1. Oktober. Ich finde, das ist immerhin Zeit genug, sich die Unterlagen angeschaut, geprüft und einen Bescheid vorbereitet zu haben. Maximal drei Monate dürfen sie sich wohl Zeit lassen und telefonisch sollst Du die Damen vom Grill auch nicht belästigen, denn das verlängert die Bearbeitungszeit - weil sie ja dauernd gestört werden. Dass ich mich nun nach einem halben Jahr doch veranlasst sah, mal höflich nachzufragen, spricht dafür, dass meine nordischen Wurzeln (Gelassenheit bis zur Kotzgrenze der anderen ;)) immer noch in mir leben.
Ja und was musste ich hören? Die Sachbearbeiterin ist krank. Aha. Von meiner Schulfreundin, die auch in einem solchen Amt sitzt (nur leider in einem anderen Bundesland), weiß ich: Bist du krank, bleibt deine Arbeit liegen, ein anderer macht die nicht, weil kein anderer dafür zuständig ist. Geht nämlich nach dem Alphabet und bei Z wie Ziggenheimer lande ich eben bei Dame X.
"Ich kann Ihnen aber sagen, dass Ihr Antrag bearbeitet wurde", meinte die Amtsmaus aus dem Nebenzimmer, "nämlich am 15.11.!" Ahaaa! Na immerhin! Es besteht Hoffnung: Da lebt noch was!
"Und das heißt jetzt für mich? Wann bekomm ich den Bescheid?"
"Frühestens Anfang Dezember", wurde ich freundlich informiert, "denn morgen kommen die Bescheide zu uns, wir müssen sie noch mal gegenprüfen und dann wird das Ihnen zugeschickt."
Klar. Und weil Frau L. eben krank ist, bleibt die Prüfung liegen, bis... Grad kommt mir eine Idee: Ich habe noch einen Nikolausstrumpf zu Hause, den werde ich der Frau L. schicken mit der Bitte, mir da einen ordentlichen Bescheid reinzutun und an mich zurückzusenden. Bitte noch in diesem Jahr.
Denn nicht umsonst heißt es doch: "Lache über die Dinge, dann hältst du sie besser aus." 

Ähnliches ist mir übrigens mit dem Handytarifler meines Vertrauens passiert. Anfang Oktober haben sie mir unberechtigterweise zwei Buchungsbeträge vom Konto gemopst, statt einem. Sowas passiert, wenn man mal in der Hotline anruft, weil man eine Frage zum Endgegner.. äh.. Endgerät hat und die Dame im Servicecenter glaubt, du wolltest jetzt gleich ein neues Handy, neue Konditionen, neuer Vertrag und was-weiß-ich. Dann nämlich buchen sie dir die Restfälligkeitssumme ab, du siehst das, rufst wieder an, korrigierst das und drei Tage später buchen sie den üblichen vereinbarten Flatratebetrag auch noch mit ab. Klasse, wa? Vor allem deshalb, weil du weißt: Der Handytarifler deines Grauens braucht immer ewig und drei Tage, ehe er überhaupt kapiert, was du von ihm wolltest - und dann noch mal so lange, um die Kohle wieder rauszurücken. Ich hätte ja schon lääääängst gewechselt, aber... na ja.
Immerhin bekam ich noch am selben Tag ein pdf-Dokument zugesandt, das ich ausfüllen und zurücksenden durfte, um mein Geld wiederzukriegen. Nach sage und schreibe drei Wochen bekam ich die Antwort, dass mein Antrag eingegangen sei und man alles veranlasse... Wahnsinn ey. Würden wir hier so arbeiten, dann... na gut, lassen wir das. Gelacht habe ich dann beim Kleingedruckten "Wir weisen Sie vorsorglich darauf hin, dass es mindestens 4 Wochen dauern kann, ehe die Erstattung Ihrem Konto gutgeschrieben werden kann."
Ja - is klar. Ich vermute, der Bearbeiter ist grad krank oder auf den Bahamas - mit meinem Geld! Das Schwein!

Aber wehe, die alle haben was von Dir zu kriegen.

Dienstag, 26. November 2013

Wissen ist Macht - Nichtwissen macht auch was

Ja ich weiß, der Spruch geht eigentlich anders. Kleine Ziggenheimersche Abwandlung, lasst mich doch mal :)
Vor kurzem wurde ich gefragt, warum für mich so wichtig sei, wie man die Erkrankung nennt, die in meinem Körper seit neun Jahren Schmerzen verursacht. Und ich antwortete ehrlichen Glaubens, dass ich mir schon auch davon verspreche, endlich zielgerichtet behandelt zu werden: Die Ursache angehen und - soweit möglich - dezimieren. Oder wenigstens umzingeln und eine Art Firewall um sie herumlegen, damit sie keinen Schaden mehr auslösen kann. Oder aber allerwenigstens die Auswirkungen mit den richtigen Lösungen bekämpfen, damit ich wieder mehr Lebensqualität zurückerhalte.
Wenn man nicht weiß, wer der "Gegner" denn ist, kann man eben leider auch viel falsch machen - und so wenig darf auch ich mir nicht wert sein, dass ich das alles so hinnehme.
Ich rede ja allgemein nicht so gerne über diese oder überhaupt über Krankheiten. Dass ich das in den letzten Wochen doch öfter tat, zeigt eigentlich nur, dass es mich innerlich grad fast kaputtmacht - während ich äußerlich immer noch versuche, aufrecht zu stehen und mir nicht viel anmerken zu lassen.

Seit heute wissen wir nun, woran meine Mum erkrankt ist. "Es ist - wie vermutet - eine Autoimmunerkrankung", hat ihr Rheumatologe gesagt, "und die nennt sich Still-Syndrom."
Ich hab mal bisschen nachgelesen, weil sie im Moment noch nicht recht was damit anfangen kann. Eine so seltene, aber wohl nicht ganz ungefährliche rheumatische Erkrankung (sofern sie nicht richtig behandelt wird), dass es wohl nicht übertrieben war, dass man von ihrem Rheumatologen sagt, er wäre der Beste in Norddeutschland weit und breit. Viel gefragt zur Erkrankung (Heilungschancen und so) hat sie ihn wohl nicht - typisch meine Mum. Bloß nicht den Leuten auf den Wecker gehen und/ oder deren kostbare Zeit stehlen. Wenigstens hat sie ihm, und darüber bin ich ja nun wirklich froh, ihren Oberschenkel gezeigt und gesagt: "Steigt die Venenentzündung jetzt weiter hoch und muss ich mir Sorgen machen?" Nein, muss sie nicht - das ist die gute Nachricht. Sie bekommt weiter Spritzen und derart viele, auch hochdosierte Medikamente, das sie vermutlich bald im Dunkeln leuchtet.

Als sie mir das heute Nachmittag erzählte, fiel mir wieder ein, dass ich noch immer keinen Wiedervorstellungstermin bei meinem Rheuma-Doc gemacht hatte. Und die Leute dort sind auch schon im vermutlich wohlverdienten Feierabend. Na gut. Probier ich es eben morgen Vormittag wieder.
Denn auch ich vergaß beim letzten Mal nach den Prognosen zu fragen - und wie es für mich weitergeht, wenn auch die aktuell verordneten Medikamente keine Linderung bringen. Das tun sie nämlich immer noch nicht, aber vielleicht bin ich ja auch zu ungeduldig. Wer 9 Jahre durchhalten konnte, wird ja nun nicht wegen zwei Wochen hier rumflennen. Eins hab ich inzwischen festgestellt: Ich reagier auf Schweinefleisch. Wenn ich das ess, wirds schlagartig schlimmer. Meinen Jungen wirds freuen: Laut seiner neuesten Fitness-Fibel soll er ohnehin möglichst nur Geflügel essen. "Aber da steht, Fisch geht auch", las ich über seine Schulter guckend vor. "Scheiße, du hasts gesehen", schlug er grummelnd die Fibel zu. Fisch isst er nämlich gar nicht gerne.
Als ich sein Zimmer verließ, ließ ich gleich heimlich die Tüte Pulverdingsbums oder was das da war mitgehen. So'n Scheiß kommt mir nicht ins Haus. Der soll sich gesund ernähren, der Löffel, und von mir aus Sport machen wie er lustig ist. Wir wissen nämlich heute noch nicht, was so'n Dreckspulver morgen in ihm bewirkt. Auf manche Erfahrungen im Leben kann man gut verzichten, finde ich.

Puppets are dancing - aber nicht in Endlosschleife

Wenn man Kind ist, begreift man recht schnell, welche "Knöpfe" man drücken muss oder könnte, wenn man etwas erreichen will.
Als ich anfing, mich für Menschen und menschliche Schicksale zu interessieren, fiel mir irgendwann auf, dass auch außerhalb der Kindheit alles irgendwie nach geheimnisvollen Mechanismen zu funktionieren schien.
So was wie "Wenn eine Frau weint, wird der Mann schwach." Oder "Wenn ein Mann sich unerreichbar macht, liegt ihm die Frau zu Füßen."
Nun. Am Anfang wollte ich nicht so und konnte ich auch nicht so. Ich war immer ich, pur, authentisch, in meinem Gesicht konnte man lesen wie in einem offenen Buch, Zuneigung, Abneigung - und wer das dann immer noch nicht verstand, dem sagte ich das auch direkt in das Gesicht. OK - auf zwei Schlenkerwegen von hinten durch die Brust ins Auge. Aber eben ehrlich gesagt. Zugegebenermaßen auch manchmal so diplomatisch formuliert, dass die eigentlich zu treffende Kernaussage "Du Affenarsch" in ein wohlklingendes "Du bist eigentlich ganz in Ordnung, wir müssen uns nur ehrlich die Meinung sagen können - ab und an" driftete. Ach überhaupt drifte ich grad wieder ab, denn eigentlich wollte ich doch in eine andere Richtung.

Wenn er das liest (und ich weiß, dass er liest, auch wenn er hier lange nicht mehr kommentierte, sondern mir Anmerkungen nur noch via sms übermittelt - hallo H**i aus C.! :)), dann weiß er, dass ich mir wieder einmal Auszüge seines Liebeslebens unter meine ganz persönliche psychologische Lupe lege, betrachte und so meine Gedanken auch aus anderen Liebesleben (auch einschließlich meines eigenen) heranziehe.
Jeder von uns, der schon mal in seinem Leben so richtig verliebt war bzw. auch geliebt hat, der kennt sie, diese kleinen Machtspielchen, von denen insbesondere die Frau ein ganz ausgefeiltes, gerne auch subtiles Repertoire beherrscht, während der Mann hingegen eigentlich ganz simpel gestrickt ist mit seinem Mantra: "Komm nackt, bring Essen mit." Wahlweise auch: "...kannst auch gerne Deine Freundin mitbringen oder im Fall von Kopfweh kann Deine Freundin auch ohne Dich vorbeikommen" oder sowas. Nein nein, ich will den Mann hier nicht auf ein Sexmonster reduzieren, der außer an Sex nur noch an Essen denken kann.
Nichtsdestotrotz... Je näher man sich kommt, je mehr man sich kennen lernt, desto mehr begreift man von den Knöpfen des anderen. Gekonnt wird im Bedarfsfall jede Schwäche ausgenutzt und als Werkzeug missbraucht. So auch in diesem Fall. Die junge, hübsche Dame vertraute angesichts der männlichen Unsicherheit, ob und ab wann man denn ein Paar sei und auch ein Mann habe schließlich Gefühle und das Bedürfnis zu wissen, zu wem er gehörte, auf ihre kleinen, gemeinen Machtspielchen. Je unabhängiger die Dame sich gab, desto unsicherer wurde der Herr und reagierte entsprechend verwirrt, geduckt, mitunter selbstzerfleischend. Dem scharfen Blick der Dame blieben jene Regungen nicht verborgen, natürlich nicht, mit sowas kennen wir uns aus, meistens, und was dann in den nächsten Wochen und Monaten folgte, hätte mich beinah veranlasst, wiederholt zu fragen: "Wieso tust du dir das an?" - doch ich unterließ dies, weil ich weiß, dass man nur so objektiv schauen kann, wenn man selbst nicht betroffen ist.
Jedoch kenne ich diese subtile Form der mentalen Erpressung, die gern in Streitsituationen angewandt wird: "...du sägst grad wieder an dem Stuhl, auf dem du sitzt." Diese durchaus ernst gemeinte Aussage mit der in jedem Streit wiederkehrenden Aussage "Ich glaube, wir passen einfach nicht zusammen" erschütterte selbst mich als Nichtbetroffene bis ins Mark, weil ich nicht glauben konnte und mochte, dass das ein Mensch zu einem anderen sagt, den er - eigentlich - liebt und dass jede noch so kleine Auseinandersetzung immer darin gipfelte, die Beziehung beenden zu wollen. Wobei ich irgendwann den Verdacht entwickelte, dass sie das gar nicht beabsichtigte, jedoch ein Machtgebaren an den Tag legte, durch das wir sie eines Tages auf den Beinamen "die Diva" tauften. Ein paar Monate lang haben sie diese Spielchen getrieben, sich gegenseitig gerauft, die Wunden geleckt und erst einen Neustart gewagt, wenn er lang genug darum gekämpft hatte. Nichtsdestotrotz ging ihm in all dieser Zeit die Kraft aus. Die Energie. Der Wille, auf eine Veränderung des Beziehungslebens zu warten und auch zu hoffen. Ich meine, was versprechen sich Menschen davon? Was gibt es ihnen, dem anderen stets und ständig zu demonstrieren, wer hier die Zügel in der Hand hielt und den anderen zu jonglieren wie eine Marionette? Nur vergessen diese Machtdemonstranten gern das Wichtige dabei: Auch Knöpfe nutzen sich ab. Das Spiel, das sie treiben, funktioniert nicht für die Ewigkeit! Was heute noch den gewünschten Effekt erzielte, kann morgen schon eine komplett andere Wirkung hervorrufen, wenn man sich der Knöpfe zu oft bedient hat. Man will dann nicht mehr. Man hat genug. Es reicht. Worte, Tränen, Verhaltensweisen erzielen nicht mehr dieselbe Wirkung wie vielleicht noch beim letzten Streit. Der Machthaber will nicht wahrhaben: Der Drops ist gelutscht, die Show ist vorbei. No more dancing puppet.
Ich musste dabei auch an meinen Ex-Mann denken. Fünfzehn Jahre lang hat er mir wortwörtlich beigebracht: "Du bist nichts, du kannst nichts, du Versager taugst auch nichts und außerdem siehst du scheiße aus. Wenn, dann wollen andere Männer bloß mit dir f**en, aber mit einer Frau wie dir kann man gar nicht leben. Außer ich." Ich erinnere mich, wie stark mein Drang, mein Bedürfnis in den ersten Jahren war, eines Tages doch noch seine Anerkennung zu bekommen. Für die Kinder, die ich erzog. Für den Haushalt, den ich führte. Und für den mehr als Fulltimejob mit dem damaligen mobbenden Chef. Er wusste genau, wie er mich "kriegen" und kleinhalten konnte, wie er mich wieder dahin zurück brachte, wohin er mich haben wollte. Bis ich irgendwann gleichgültig wurde.. Bis mir irgendwann wirklich egal wurde, ob er mich respektieren konnte oder nicht. Erst dann habe ich zugelassen, überhaupt einen anderen Mann anzuschauen - und dann bin ich gegangen. Verließ diesen Mann, der in jedem Streit mit Scheidung gedroht hatte, aber nie auf den Gedanken gekommen wäre, dass ich es sein könnte, die eines Tages gehen würde - und zwar unwiderruflich.
Bis zum heutigen Tag habe ich nur eins bereut: Dass ich so lange gewartet habe.
Und schau ich auf sein heutiges Leben, dann sehe ich: Er hat sich nicht einen einzigen Schritt weiterentwickelt. Aber das geht mich nichts mehr an und interessiert mich auch nicht mehr. Der Drops ist gelutscht, zerkaut und in die Kanalisation verabschiedet. Menschen können sich nicht ändern - aber sie können sich (weiter)entwickeln. Das wäre jedem zu wünschen, auch dann, wenn das "alte" Leben zerbrochen bleibt. Damals, als ich mich von meinem bisherigen Leben trennte und auszog, wusste ich "Einen Weg zurück gibt es niemals mehr - auch dann nicht, wenn der Mann der einzige Mann der Welt wäre."
Für Herrn H. aus C. scheint dieser Punkt noch nicht erreicht. Denn jetzt, wo er sich nicht mehr um die einst Angebetete bemühen mochte, wo er sich ablenkte, neu umschaute und auch.. äh.. "hängenblieb", JETZT wird die Diva wach. Weil er nicht mehr nach ihr fragt, weil er sich nicht mehr um sie bemüht und einfach akzeptierte, dass es eben miteinander nicht ging. Jetzt beginnt sie zu kämpfen. Etwas, das sie in dem ganzen Jahr der Beziehung nicht tat und wo sie glaubte, sie habe ihn sicher..
Er sei verwirrt, schrieb er mir heute Morgen und ich antwortete in der gewohnten Morgenhektik, pünktlich durch die Bürotür zu stürzen, damit man noch Kaffee bekäme, ohne erst neuen kochen zu müssen, "...ich verstehe deine Verwirrung, wünsche fröhliches Nüssekacken!"
Hupps. Kleiner Fauxpas. "Mach dir nix draus", witzelte eine Bekannte, "passt ja so oder so."

P.S. Was ich sehr lustig finde: Die automatische Rechtschreibprüfung schlägt mir soeben vor, aus "Morgenhektik" eine Morgenerektion und aus dem "Nüssekacken" ein Nackenkissen zu machen! Ich lass das jetzt mal so stehen und vertiefe mich wieder in meine Arbeit :)


Samstag, 23. November 2013

Hüte Dich vor Deinen Träumen...

...sie könnten eines Tages wahr werden.
Hatte ich irgendwo mal gelesen und beziehen vielleicht die meisten Menschen auf ihre Wunschträume. Heute Abend musste ich für mich zum ersten Mal erkennen, dass es vielleicht auch um die Nachtträume gehen kann?
Vor drei Nächten oder auch vier, da träumte ich einen seltsamen Traum. Ich war mit den gelben Seiten am Meer, wir fuhren in einem Bully, der keine Fenster hatte, und wir waren so nah am Meer, dass ich diese Nähe fast körperlich spüren konnte. Es erinnerte mich an unseren Urlaub letzten Sommer vor den Toren Venedigs, so wunderbar warmes Wasser, wunderschöne Muscheln und ein nicht enden wollender Strand... Im Traum nahm ich mein Handy und wollte unbedingt ein paar Motive festhalten, aber erst bekam ich die Handykamera nicht in Gang und anschließend war immer etwas im Weg... weiße Säulen von ruinösen Gebäuden... Buschwerk und schließlich war das Meer an uns vorbeigezogen, ohne dass ich ein Foto machen konnte... Und dann waren die gelben Seiten weg.. Dafür war ich in einem Haus mit meiner Mum, ein Haus, in dem sich ein Basar befand, in jedem Zimmer ein anderer Verkaufsstand und ich sagte noch zu ihr: "Das kenn ich, hier war ich mit den gelben Seiten." Ich verließ dieses Haus allein, ging über eine Wiese und als mir bewusst wurde, dass ich mein Handy wieder in der Hand hatte, dachte ich noch: "...tu es weg... steck es ein, nicht, dass dich noch jemand überfällt, weil er dein Handy will..." Und während ich das noch dachte, bemerkte ich einen jungen Mann neben mir, vielleicht 25 Jahre alt, dunkle Hautfarbe, helles Jeanshemd, dunkle Jeans. Ich wollte schneller gehen und konnte es nicht. In all meinen Träumen, in denen ich mich bedroht fühle, schaffe ich es einfach nicht zu fliehen, sind meine Füße schwer und schwerer bis zur Bewegungslosigkeit... Er packte mich und trotzdem ich um Hilfe schrie, half mir niemand, wurde ich nur angeglotzt - aber es half niemand. (Als ich wenig später erwachte, wurde mir schlagartig klar, dass ich zum allerersten Mal seit meinen Alpträumen überhaupt diesem Menschen zum ersten Mal richtig in das Gesicht gesehen habe, dass ich IHN gesehen habe. Das gab es noch nie zuvor, ich wusste immer nur, dass ein Mann mich angreift, aber ich habe noch nie das Gesicht oder den Menschen selbst gesehen. Und nein, ich kannte ihn nicht, aber das war zweitrangig. Ich habe ihn gesehen. Und ich glaube, dass das etwas bedeutet. So wie es auch etwas zu bedeuten haben muss, dass ich zum ersten Mal im Traum richtig um HILFE schreien konnte - auch wenn mir niemand half.)
Dieser Typ schleppte mich in dieses Haus zurück, in dem ich zuvor mit meiner Mum gewesen war. Sie war nicht mehr da, ich war ganz allein mit diesem Irren, der mir mit einem Messer drohte, wenn ich es wagte, dieses Haus zu verlassen und gar Hilfe holen würde. Er ging weiter in dieses Haus hinein, ließ mich unbeaufsichtigt zurück, während ich jede Tür öffnete, um einen Ausgang zu finden. Doch hinter keiner Tür war eine Treppe, die ich hinaufsteigen konnte - entweder war dahinter eine Wand oder aber eine Treppe, die keine wirkliche Treppe war, weil sie keine Stufen hatte und ich immer wieder hinunterrutschte... Und als der Typ zurückkam, voller Wut und mit dem Messer in der Hand - da erwachte ich...

Heute Abend - und das war kein Traum, sondern Realität - hatten die gelben Seiten seine Mum und mich zu einem Kaffee eingeladen. Es war schon gegen acht, als wir dieses gemütliche Stübchen verließen und während die gelben Seiten schon ums Eck verschwunden waren, blieb ich im Gespräch mit seiner Mum stehen, weil mir ein Buchtitel ins Auge fiel, der mich spontan faszinierte - auch weil ich finde, dass er stimmt.
Ich musste es einfach fotografieren - und zückte das Handy...
Stellte die Kamera ein, justierte, aber es wollte irgendwie nicht gelingen. Ich probierte neu, ging näher ran... und bemerkte nicht den jungen Schwarzen, der auf einmal neben uns beiden Frauen stand, eine Sporttasche über der Schulter, eine wollene Schirmmütze tief in die Augen gezogen - und auch sonst recht gut gekleidet. Er fragte mich, ob ich englisch sprechen, ob ich ihn verstehen würde und ich nickte und antwortete. Und während ich einerseits glaubte, es handele sich um einen der vielen Touristen, die nur wissen wollen, was in der City so los ist, wo man hingehen kann oder die einfach nach einer Straße, einer bestimmten Lokalität suchen, da begann er zu sprechen. Dass er Medizinstudent sei, aus Kapstadt käme und hier im Elisabeth-Krankenhaus ein Praktikum gemacht hätte. Dass dieses Praktikum nun beendet sei, er aber erst am Montag die Stadt verließe und ob ich ihn eventuell beherbergen könnte oder ihn wenigstens Geld geben könnte, damit er das Hostel bezahlen könne. Während er mich so eindringlich anschaute und sprach, erinnerte ich mich urplötzlich an eben diesen Traum - und fast augenblicklich überkam mich die Furcht. Verdammt, wo waren die gelben Seiten?! Wieso merkte er nicht, dass wir ihm nicht gefolgt waren, warum kam er nicht zurück? Was würde passieren, wenn ich jetzt sagte: "No, sorry" und gehen würde? Die Stadt war voller Menschen, diese Gasse hier nicht soooo stark besucht - aber im Traum waren auch Menschen unterwegs - und keiner hatte helfen wollen... Und da dachte ich es wieder "Warum hast du das Handy rausgeholt? Warum hast du das Handy nicht einfach in der Tasche gelassen?
Und dann kamen sie Gott sei Dank zurück, die gelben Seiten.
"Oh... is it your husband?" "YES!" Pure Erleichterung in mir, während die gelben Seiten entspannt und geduldig jede einzelne Aussage des Möchtegernstudenten hinterfragten, bis dieser die Geduld verlor und mit dem Ausruf "Aaahhh go away!" sich von uns abwandte und sich auf die Suche nach neuen "Opfern" begab..
"Und das alles nur, weil ich ein Foto machen wollte", sagte ich zur Mum der gelben Seiten.

Manchmal.. machen mir Träume Angst. Manchmal die Realität auch. Und manchmal auch das, wenn das, was ich träumte, irgendwie real wird. Es gibt Situationen, wo ich denke: "Verdammt... das habe ich doch alles schon mal so gehabt, so erlebt, so gesehen?" Und es gibt Situationen, von denen ich weiß: "Ein paar Tage zuvor habe ich schon gewusst, dass das genauso passieren wird."
Sind das jetzt Zufälle? Sind das sich selbst erfüllende Prophezeiungen? Ich glaube eigentlich nicht an Zufälle, sondern vielmehr daran, dass am Ende alles immer irgendwie seinen Sinn hat und macht. Ich glaube aber an die Kraft der Gedanken... Die Kraft der innersten, tiefsten Wünsche. Nur leider weiß ich nie nie nie, was meine Träume mir sagen wollen.

Dienstag, 19. November 2013

Wer schön sein will, solls zeigen?

Gestern Abend übrigens musste ich ja dann doch noch lachen. Junior hatte sich außer Haus komplimentiert mit den Worten "Ich bin vor elf wieder da, versprochen." Genau genommen... muss er das ja eigentlich nicht mehr sagen, immerhin ist er ja jetzt volljährig. Aber na ja, man kennt das ja: "Solange du die Füße unter meinen Tisch..." Baaah, was habe ich diesen Spruch gehasst in der Kindheit!
Jedenfalls war er dieses Mal sogar pünktlich und in seinen Augen lag ein verräterischer Glanz, dass ich beinah versucht war, die restlichen überlagerten Kondome in meiner Kommode nachzuzählen.
Doch was außer Sex weckt Begehrlichkeiten der jungen Männer?
Genau.
Geld.
Von Haus aus faul wie Strunz, hatte ich entsprechend erfolglos dem Jumgen in den Ohren gelegen, er möge sich doch bitte nunmehr, wo er nun volljährig sei und damit eigene vertragliche Verbindungen eingehen darf (außer ne Eheurkunde, die täte ich dann vorher doch mal gegenprüfen (lassen)), um einen Nebenjob bemühen, der ihn nicht hinter Gittern und mich nicht in Verlegenheit bringen würde, aber ausreichte, um diverse Kosten seiner Mode, Kosmetik und Lustreisen zu begleichen.
Und was erzählte er mir da? Jenes Mädel, das er gestern Abend noch heimsuchte, nein, ich meine doch, BEsuchte, modelt. Und nun fragte mich der Schlacks doch allen Ernstes, ob das nicht auch was für ihn sei? Leicht verdientes, gutes Geld, keine Sorgen mehr und allzeit den Sonnenschein auf dem Bauch?
So ähnlich scheint er sich das Ganze ja irgendwie vorzustellen.
Ich meine, Sonnenschein aufm Bauch hätte er auch im Sonnenstudio nebenan haben können, die suchen auch Aushilfskräfte und Junior war sofort Feuer und Flamme. Dieses Feuer erlosch aber auch sofort wie nach einem Regenguss, als er erfuhr, dass diese Aushilfskraft nur an Wochenenden arbeiten solle.
Ich fand, das seien ausbildungsfreudige Zeiten.
Er fand: "Mein Wochenende ist mir heilig!"

Ja... Ich fürchte nun... Er wird noch ein paar mal das Sportstudio aufsuchen, die Mecke nachjustieren lassen, sich ein neues Outfit zuzulegen (ich finde ja, er kanns ruhig weglassen, er trinkt kein Sixpack, er trägt es vor sich her - ja, ich bin vor Stolz geschwellt, auch wenn ich für mich persönlich Männer bevorzuge, die nicht so knochenhart sind. Ich brauch was mit bisschen was dran. So.) - und vielleicht kann ich ja schon im nächsten Jahr meinen Job an den Nagel hängen und mich mal von IHM versorgen lassen?
Ich finde diese Idee richtig gut - und darauf trink ich jetzt noch ein Käffchen. Prost!

Montag, 18. November 2013

Kleiner bloggerianischer Absacker




Mit diesem Song hab ich mich heute Abend wach und fit gehalten - und einmal mehr festgestellt, dass ich besser arbeiten kann, wenn ich nebenbei Musik höre. Die Jugend war ausgeflogen - alle beide, und zurück ließen sie mir den Abwasch (grummel), neue Schmutzwäsche, obwohl ich doch am Wochenende gewaschen und gebügelt habe, als gäbs kein Morgen mehr - und von den Blumentöpfen in ihrem Zimmer ist eine Pflanze nun rettungslos eingegangen (is ne Zwiebelpflanze, die kommt im Frühjahr wieder, also darf sie ausharren und nicht den Containertod sterben) und mein wunderbar gewachsener Avocadozögling lässt auch ganz traurig die Blätter hängen. Ja bloß alles kann ich auch nicht in mein Zimmer stellen, sonst könnte man noch glauben, man käme nicht zu Ziggenheimers, sondern in den botanischen Garten - und die Bewohnerin mimt die Echse vom Dienst (ausrollbare lange Zunge und so, klar, oder?)

Mein Wochenende... ja, das war bescheiden, muss ich jetzt nicht drüber reden, will ich auch nicht. Neue Woche, neues Glück - das denk ich ja sowieso von jedem neuen Tag. Wenn so'n Tag so richtig für die Mülltonne war, dann denk ich oft "Durchatmen und warten, dass ein neuer kommt". Bloß nicht bekloppt machen lassen. Aber na ja, is auch oft leichter gesagt als getan.
Wie auch immer - der Start in den Montag jedenfalls fing schon mal... wie gewohnt an! Dass Junior letzte Woche recht heftig erkrankt war ("Boah, mir gehts echt schlecht..." - "Aber wenn du brechen musst, dann bitte nicht in mein Bett", mahnte ich ängstlich, als er da so neben mir lag. Kaum hatte ich ausgeredet, sprang er auf und verschwand im Badezimmer, nur um nach einigen unmissverständlichen Geräuschen zu vernehmen: "Ich habs nich ganz geschafft!" "Oh... Sei mir nicht böse, Junge, aber das mach bitte schön selber sauber." Nach einer Weile ein Kichern: "Huch, an den Fliesen is ja auch noch was.. Und an der Waschmaschine auch.. Den Badteppich kann man waschen, oder?"), war ja nicht weiter tragisch - aber dass er heute Morgen seinen Krankenschein nicht fand, dann noch wegen der Sucherei die Bahn verpasste und ICH auch noch dran schuld war, na das gab dann schon ein mittelschweres Beben im Zentrum Ziggenheimer. 
Er hat dann ohne Schein eine Bahn später genommen (den Schein fand ich dann übrigens in einer seiner zahllosen "ich brauch unbedingt so eine"-Jacke), während ich mit zehn Minuten Verspätung in der Radiologie eintraf, um ein paar meiner Gelenke ausleuchten zu lassen. Was auch alles gar nicht so schlimm war, sieht man von der Geruchsvergewaltigung eines Paares ab, das leider noch eintraf, bevor ich wieder gehen durfte.
Also ich finde das ja schon krass, dass eine Raumdiagonale von mindestens ca. 8 m ausreicht, um von einer Ecke bis in die andere zu stinken. Nur noch weiter weg konnte ich nicht, da hätte ich dann draußen vor der Tür gestanden. Ich meine, ist den Leuten das nicht selber peinlich? Wie ist das möglich, dass man derart stinken kann, das müssen die doch einfach selber merken?? Die machten weder einen verwahrlosten noch verlotterten Eindruck, aber der Geruch... Leute... Ich war echt froh, dass ich jemand bin, der morgens so früh noch nix essen kann. S wär schade gewesen um das noch so kleine Frühstück. Wahnsinn ey...

Ja und der Job... Meine Fresse, da flogen heut auch mal die Fetzen! Tränen, Geschrei, Gewitzel - und mittendrin ich. Halb sieben endlich war ich dort raus, ja und dann kommste heim und denkst: "Bisschen was essen und dann den Rest abarbeiten - sichert immerhin den Feiertag am Mittwoch" - aber da haste mal wieder nich mit der Jugend gerechnet... Der eine hatte satte vier Bewerbungen geschrieben - und keine Ahnung, wie man auch ohne Scanner in pdf wandelt. Der andere war beim Sport und anschließend ein Date - und ich? Ich hatte die Arbeit.
Und nun ist es 23 Uhr, ich bin nun durch mit meinen heutigen To-do's und jetzt... könnte ich entweder zu besagtem Rhythmus tanzen oder mir wenigstens einen Kaffee zubereiten. Aber tanzen halte ich grad schmerztechnisch nicht aus - und Kaffee hält, glaub ich, mein Magen grad nicht aus. Schon blöd alles irgendwie. 
Andererseits... Morgen ist ja auch wieder ein neuer Tag mit neuen Möglischkeiten - und immerhin beginnt dieser schon in exakt 33 Minuten! Ob ich noch so lange aufbleib?

Freitag, 15. November 2013

Der Frosch auf der Herdplatte

Dieser Tage erinnerte ich mich wieder an diese Metapher. Gerät ein Frosch auf eine heiße Herdplatte, springt er erschrocken weg. Sitzt er aber auf der kalten Herdplatte und wird diese nur langsam immer wärmer, ist es fraglich, ob er noch rechtzeitig den Absprung von der Platte schafft - oder elendig darauf zugrunde geht...

Ich erinnerte mich daran, weil ich eigentlich immer klare Vorstellungen hatte, wann und wohin ich springen würde. Und ich bin mir nicht mehr sicher, ob die Richtung stimmt.

Mein ganzes Leben bestand aus dem Kampf um Liebe, Anerkennung und um Aufmerksamkeit, die aus ehrlichem Interesse entstand. Seit ich ein Kind war, erlebe ich diesen Kampf - und fast wäre ich versucht, Nonos Bild zu klauen und hier einzufügen - weil ich mich haargenauso fühle: Anlauf nehmen und gegen Mauern springen, immer und immer wieder.
Ich zähle gar nicht mehr die Wunden und Blessuren, die ich mir dabei geholt habe. Aber ich erkenne, dass es nicht am Anlauf liegt, sondern dass ich in die falsche Richtung springe. Dahin, wo die Mauer steht. Anstatt mich einfach rumzudrehen und einen anderen Weg zu wählen. In meinem Leben gibt es kein Netz mit doppeltem Boden, ich falle immer wieder auf denselben Arsch und immer da, wo ich mir wünschte, da wäre eins. Da wär ein Netz, das mich auffängt. Ein Mensch, der mich auffängt.

Ich stürze und steh auf, lauf weiter. Ich stürz wieder und steh wieder auf, lauf wieder weiter. Ist das der Sinn meines Lebens? Wenns mir gut ist, ist man da; wenns mir nicht gut geht, muss ich hinkommen oder aber bleiben, wo ich bin und mich selbst in die Arme nehmen? Und stattdessen immer und immer wieder gesagt bekommen, was ich alles hätte tun können und dürfen? Wo ich aufmerksam, rücksichtsvoll, da sein soll?
Das kann es nicht gewesen sein.
Ich weiß, dass es nicht immer nur um mich geht.
Aber ich weiß, dass ab und zu auch etwas für mich sein muss. Aus dem Gefühl heraus. Aus dem Bauch heraus. Ohne wenn und aber und hätte und wäre und würde.
Oder aber ich führe das falsche Leben in die falsche Richtung.


FreitagsGedanken

Wenn jeder an sich selbst denkt - ist doch auch an jeden gedacht worden, oder?

Ich frage mich gerade, warum es mich trotzdem traurig macht.

Ach ich sollte lieber arbeiten und nicht so viel nachdenken. Kommt nicht immer Gescheites bei raus.

FreitagsDialoge

Chef: "Mach mal die Musik leiser, hier ist doch keine Disko."
Ich: "Aber dann hör ich ja nix mehr bei eurem Geschrei."
Chef: "Bist du der Boss oder ich?"
Ich: "Du nicht."
Azubi lacht und ich stecke mir genüßlich einen Schokokeks in den Mund.
Chef: "Ich werde es bei der nächsten Gehaltszahlung zeigen, wer hier der Boss ist."
Ich: "Ach Chef. Die Gehälter überweise doch ich."
Er nimmt sich auch einen Keks und geht.
Na bitte. Geht doch.

Ominöse Verkupplungsaktionen

Der eine kriegt sie direkt und live per E-Mail serviert (ich bin auch schon in diesen fragwürdigen Genuss gekommen, nur leider, leider steh ich so gar nicht auf Frauen), die andere wird beim verantwortungsbewussten Umgang mit ihrer eigenen Sicherheitssoftware auf.. äh.. Abwege gebracht...



...blöd nur, dass entsprechende Kontaktdaten fehlen! Pahahahahaaa!

Donnerstag, 14. November 2013

Alles feiert, einsam wacht...

Als ich mich bereits im Wonnemonat Oktober nicht mehr zurückhalten konnte und die ersten Lebkuchen einkaufte (und nein, ich habe die nicht sanft in Papier geschlagen und im Schrank verstaut - ich habe sie bereits gegessen! Jawohl - und sie haben geschmeckt.), da war auch dank der vorweihnachtlich geschmückten Regalreihen eines wieder gegenwärtig: Der Gedanke an Weihnachten. Der Gedanke an süße Gerüche. Der Gedanke an süßen Tee, der in dieser Zeit einfach noch mal anders und viel intensiver riecht und schmeckt. Der Gedanke an Glockenspiele und nostalgische Spieluhren. Der Gedanke an Zimt und gebrannte Mandeln. An süße Heimlichkeiten und in Seidenpapier geschlagene Köstlichkeiten. An Schneeflocken, die auf der Zunge zergehen.
(Ich weiß, das klingt alles schön und romantisch, und das teuflische Stimmchen, das mir da entgegenwispert: "Schneeflocken auf der Zunge? Denk vor allem an die vollgeschneiten Parklücken, aus die du dein Auto morgens freischaufelst. Und vielleicht an den fiesen Regen, der auf festgefahrenen Schnee fällt." wird konsequent überhört. Oh ja, ich kann sowas. Auch im Alltag und so. Ich nenne das selektive Wahrnehmung. Ich höre nur, was ich hören will.)

Seit dem Weihnachtsmarkt vor zwei Jahren in Berlin jedoch denke ich beim Stichwort "Weihnachten" vor allem an eines: an gelbem Senf auf schwarzem Mantel. Mein Freund Guido würde ja sagen: "DAS nenne ich doch mal einen Look, die trägt ihren Mantel wie keine andere und die steht auch noch dazu. Gefällt mir, das Mädel!" Es war eben nur nicht mein Mantel. Es war Friederikes. Und Friederike behauptet jedesmal stur und frech, ICH sei daran schuld gewesen. ICH wäre es gewesen, die sich nach drei Bechern Glühwein *hicks* erst mal eine Grundlage mit ner Currywurst plus ner Extramischung Senf & Ketchup zu schaffen gedachte und dann begeistert gekreischt hätte: "Iiiiiiieeeehhh, wie siehst du denn aus?" Ich vermute  ja bis heute, dass das lediglich ihr schlapper Versuch war, noch ein paar Reinigungskosten im Gegenwert eines schmucken Perlenringes aus mir herauszupressen. Pahahahahaaa! Dass isch nisch kichere.
Und als wär das alles nicht genug, unterstellt sie mir ebenso, ICH hätte sie naggisch gemacht, bloß weil mir das Muster ihrer Bluse gefiel. Dass die Miss sich das Teil mitten in der Tiefgarage freiwillig vom Leibe riss, mir dieses quasi aufdrängelte - DAS verschweigt sie bis heute! Ich sag Euch, was der wahre Hintergrund war: Sie brauchte einen Grund, um noch mal im Shop unseres Lieblingslabels einzukaufen.
Wenn Ihr mich fragt - ich brauch ja da keinen Grund. Ich könnt immer! Äh... Shoppen.

Heute Abend jedenfalls bin ich aus dem Büro gekommen und gönnte mir erst mal ein schönes heißes Bad, Marke "Gelenke & Muskeln" - und das lindert in der Tat. In der Arbeit dachte ich noch, ich werde wahnsinnig, ich dreh durch vor Schmerz und war nah dran, auch die neuen Pillen entnervt und wutentbrannt in den Abfallcontainer zu entsorgen. Aber... Contenance, Baby.
Und nach dem Bad dachte ich mir, schummelst du dich am Türsteher "VPN client" vorbei und bringst dein Tagwerk zuende, um dein Wochenende zu retten, an dem ich zu vermutlich so einigem Lust hätte, aber nicht auf Arbeiten. Weihnachtsmarkt is ja leider noch nich, aber ich hab schon irgendwie Lust auf... irgendwas Schönes.
Als mich dann noch Friederike ansimste und mir in blumigen Farben beschrieb, dass sie völlig stocknüchtern und klar sei und man auch ohne Spaß Alkohol haben könne - da fragte ich mich schon.... Alles um mich herum feiert (Friederike!) oder übt sich in geselligem Beisammensein (die gelben Seiten, und die waren gestern übrigens auch feiern) - und wat is mit mir? Da überkam mich einmal mehr die Lust auf zurechtmachen, ausgehen, mich unters Volk mischen - wie lange hab ich DAS nicht mehr gemacht? Ich hab sooooo Lust, mal wieder auszuprobieren, wie Senf auf Mantel aussieht, ich hab soooo Lust, die Kirsche aus dem anderen Glühweinbecher zu mopsen, wenn sie grad nich hinguckt und ich hätte mal wieder Lust auf ne Freakshow in der Tiefgarage.
Ich weiß aber auch, dass ich wirklich froh bin, dieses Wochenende nirgendwohin verreisen zu müssen, dass ich meinen geschundenen und gequälten Körper stundenlang in duftiges Badewasser tunken kann, mich wellnessen kann vom Haar bis zum Zehennagel - und wenn mir nach Welt is, muss ich nur zehn Minuten fahren und bin dann in Homecity. Friederike muss manchmal nur ans Meer fahren, um glücklich zu sein. Ich muss manchmal nur zum nächsten guten Milchkaffee.

P.S. Dass Türsteher VPN client mich vor zwanzig Minuten vor die Tür setzte und seitdem schnarrt "Du kommst hier nicht mehr rein!", verstehe ich zwar nicht, finde ich... aktuell... irgendwie  aber auch gar nicht mehr so schlimm. Ich habe schließlich zu tagträumen. Vom Körper, der nicht mehr so irrsinnig schmerzt und mir mal bisschen Luft lässt - und vom Hauch der großen weiten Welt in den Farben senf und so.


Dienstag, 12. November 2013

Lösungen sind ja manchmal so einfach


...ach, schon zwanzig Uhr durch? Na gut. Online shoppen geht ja auch :)

Das Kind bekommt einen Namen

..und nennt sich rheumatoide Arthritis. Was genau das zunächst bedeutet, weiß ich noch nicht und ist mir grad auch ziemlich egal: Die Ärztin war wirklich sehr nett, hat sich viel Zeit genommen, mich lange untersucht und sich viermal, glaube ich, entschuldigt, weil ich anschließend vor Schmerz gekrümmt im Stuhl hing wie eine windschiefe Pappel und wirklich Mühe hatte, nicht loszuheulen.
Das Blut wird jetzt noch mal auf Borreliose getestet - aber daran glaube ich eher nicht. Zwar hing mir mal eine freche Zecke an der Hüfte, aber der Schmerz war schon vorher da.
Ausgeschlossen werden soll noch eine Autoimmunerkrankung, alle Ergebnisse gibt es in etwa drei Wochen. Bis dahin gibt es neue, andere Schmerztabletten.
Als ich das Ärztehaus verließ, musste ich mich wirklich zusammenreißen, um aufrecht zum Auto zurückzugehen. Und als der Chef anrief, um zu fragen, ob ich "durch" sei und noch mal ins Büro kommen könne, da klang mir meine eigene Stimme selber fremd, als ich sagte: "Ja na klar, dauert etwa eine halbe Stunde, dann bin ich da." Er fragte noch, wies war - und diese Anteilnahme glaube ich ihm sogar. In seiner eigenen Familie kennt er genug Leid mit dem herzkranken Sohnemann, der einen Hirntumor hat; eigenes Leid mit seinem Lymphom und was nicht noch alles. Dagegen sind meine Probleme wirklich winzig klein. Nur eben schmerzhaft... So schmerzhaft, dass ich mitten im klaren kühlen Satz die Fassung verlor und wie ein Kind zu weinen begann "Ich! halte! es! einfach! nicht! mehr! aus!" Er war ganz erschrocken - so wie ich, aber meine ganze schöne Fassade brach zusammen wie ein Kartenhaus und übrig blieb nur ein kläglicher heulender Rest. Wochenlang habe ich mich zusammengerissen und nur mir selber gezeigt, wie weh der aktuelle Schub mir tut.
"Fahr um Himmels willen nach Hause", sagte er, "das meine ich ernst. Wir können das alles auch morgen machen."
Ich habe mich für den Zusammenbruch entschuldigt, aber davon wollte er nichts wissen: "Na wenigstens lässt du mal alles raus. Kann ja auch nicht gesund sein, alles immer runterzuspielen."
Nun, das habe ich wohl von meiner Mum. Die erzählte ja am Wochenende auch wieder jedem, es ginge ihr echt besser - und jeder war erschrocken, wie schmal sie geworden ist und wie ausgezehrt sie aussieht. Und der Papa nahm mich zur Seite "Glaub ihr kein Wort!"
In seinen 70. Geburtstag haben wir trotzdem ordentlich reingefeiert - von Samstag zu Sonntag.

Brüder und Schwester unter sich :)

"Einen Toast bitte!" -  "Ist das nicht was zu essen?" - "Ach Helma..."

Am Ende aber... was hilft es dir auch, anderen Leuten zu sagen oder zu zeigen, wie schlecht es dir mitunter geht? Was soll es dir helfen, dir bringen außer mitleidige Blicke oder möglicherweise auch Rückzug der anderen, weil die sich unsicher im Umgang mit dir fühlen?
Und warum muss ich leidend und krank aussehen, nur weil ich mich so fühle? Seh ich überhaupt nicht ein. Das würde mich ja selber demotivieren. In einer Klinik hatte mich mal eine Patientin angemotzt mit den Worten: "Was willst du eigentlich hier, du bist doch gar nicht krank, so wie du aussiehst. Mach Platz für die, die es wirklich nötig haben."
Klar. Ich kann ja auch den ganzen Tag flennen und mich gehenlassen, mich nachlässig anziehen und mir das Haar nicht mehr kämmen. Und dann? Gehts den anderen dann besser? Ich denke nicht. Und mir hilft das auch nicht.
Wobei es Zeiten gab... Wenn ich heute so Fotos aus den letzten Jahren betrachte, sehe ich schon den Unterschied. Wie müde ich auf vielen Bildern aussehe. Vor allem in den letzten Jahren. Inzwischen wirds langsam wieder. Von einer Million Bilder bleiben inzwischen wenigstens zehn brauchbare über ;)

Heut Nachmittag bin ich dann nach Hause gefahren, habe die neue Schmerztablette probiert und mich ins Bett gelegt. Habe geschlafen wie tot. Jetzt bin ich wach und der Schmerz ist immer noch da. Aber ich kann wieder besser damit umgehen. Business as usual.

Montag, 11. November 2013

I'm in the corner watching you kiss her.....


...auf diesen Titel bin ich erst vor wenigen Tagen aufmerksam geworden (Danke noch mal, "Helga"), ich habe ihn mir sofort gekauft und hör ihn seither rauf und runter.
Jeder von uns hat im Leben schon diese Erfahrung machen müssen - unsichtbar zu sein für den anderen. Du bist da und bist irgendwie... doch nicht da. Du wirst einfach nicht gesehen, du wirst übersehen, weil der andere glaubt, etwas Besseres zu sehen. Und du bleibst in deiner Ecke verharren, du kommst nicht daraus hervor, weil du so viel besser dem anderen zusehen kannst, auch wenn es dich zerfleischt, weil du denkst "Kann sie dich wirklich je so lieben wie ich es tue?"...
Ja, auch ich kenne das nur allzu gut, und ich habe ihn glauben lassen, wir könnten "danach" sowas wie Freunde sein. Ich habe ihn sogar hereingebeten gehabt zu Tee und Keksen, damit er mir besser von der Neuen erzählen konnte. Während ich da saß und still zuhörte und ihn ansah und dachte: "Er sieht so entspannt aus, es geht ihm grad gut".... Den eigenen Schmerz habe ich nicht gezeigt, meine Augen hinter den langen Haaren verborgen, an den ungeweinten Tränen gewürgt. Dafür die Kekse und den schönen Tee erbrochen, nachdem er fort war.

Das Schöne, das Wunderbare am Leben ist, dass Du niemals vorher weißt, was das Leben für Dich bereithält, was es Dir schenkt - wenn Du offen dafür bist, und bereit, das Geschenk anzunehmen. Auch wenn es auf den ersten Blick anders scheinen mag, als Du eigentlich wolltest...

Als Junior mich vor einigen Wochen mit einem Mädchen bekanntmachte, das er selbst als "gute Freundin" bezeichnete, dachte ich auf den ersten Blick noch: "Huch, so jung und schon soviel Make up?" Auf mich wirkte sie unsagbar künstlich, unecht - und dabei müsste doch gerade ich wissen, dass sich hier oftmals ein Mensch verbirgt, der sich hinter etwas versteckt... Nicht weil ich es genauso tue. Aber eben... Ich hätte es wissen müssen.
Dann und wann erzählte er von ihr, Dinge, die einfach nicht stimmen konnten - die aber offensichtlich Mitleid erregen sollten. SEIN Mitleid. In der Hoffnung möglicherweise, wenn er ausreichend Mitleid mit ihr habe, würde er sich auch in sie verlieben.
"Bitte pass auf dich auf", habe ich ihm gesagt. Damals eben, vor jenen Wochen.

Vor kurzem war sie hier bei uns zu Hause, für einen Moment nur - und ich hätte sie fast nicht wiedererkannt. Zurückhaltend geschminkt, ein vorsichtiges zartes Stimmchen, das man bei einem so groß gewachsenen Mädel wohl nicht vermuten würde. Sie sah... so ganz anders aus. So... echt.
Da wusste ich schon, dass ihr Herz an meinem Sohn hing. Dass sie aber auch wusste, dass er sie nur als seine gute Freundin betrachtete.
Ich bin immer noch davon überzeugt, dass vieles von dem, das sie ihm erzählte, nicht stimmen kann. Als er mir am Samstag jedoch ein Foto zeigte, das sie kurz nach der OP am Herzen zeigte, vor einer Woche, da... ich weiß nicht, wie ich es beschreiben soll. Irgendwas krampfte sich in mir zusammen. Mitleid wäre das falsche Wort. Eher... ein irrsinniges (mütterliches) Mitgefühl (und ich finde, das ist durchaus etwas anderes.) Junior zeigte mir das Foto, wir schauten beide darauf, stumm, und irgendwann sagte er: "Also stimmt es ja doch. Zumindest das."
"Wenn wir wieder zu Hause sind, dann besuch sie im Krankenhaus", sagte ich.
Das muss er nicht - sie ist schon wieder zu Hause, und möchte ihn morgen hier besuchen.
"Meine Schwester ist in deiner Nähe und da könnte ich dich für eine halbe Stunde besuchen. Um dich nur einmal in die Arme nehmen zu können", schrieb sie ihm.
"Mein Gott, die Kleene, sie tut mir wirklich leid", sagte ich, "dafür, dass sie so an dir hängt und sie trotzdem immer nur zugucken muss, wenn du andere Mädchen kennen lernst."
"Mir auch", meinte Junior, "ich versteh mich ja selber nicht: Sie sieht top aus, hat einen tollen Charakter und überhaupt... Ich weiß auch nicht, was mit mir los ist."
"Los, verlieb dich jetzt!" schrieb ich ihm, als er sich dann auf den Weg ins Sportstudio gemacht hatte und er schrieb zurück "Süß :)".
Und jetzt lieg ich hier, hör wieder und wieder diesen Song und frage mich mal wieder, was es macht, dass wir uns in jemanden verlieben - oder auch nicht? Woran liegt es, und sind es tatsächlich nur rein biochemische Prozesse in unserem Kopf?
Man sagt, es seien die ersten vier Sekunden einer Begegnung, die darüber entscheiden.
Bei den gelben Seiten war es so. Als ich ihm zum ersten Mal gegenüberstand, war mir, als würde ich bei dem Blick in seine Augen in die Tiefe seiner Seele fallen - und als würde ich mich darin wiederfinden.
Ich habe es aber auch schon ganz anders erlebt. Dass es über ein Jahr gedauert hat.

Ach Junior... Ich kann so so gut verstehen, wie dein Mädchen sich jetzt fühlt. Auch ich habe schon in der Ecke gestanden und zugesehen. Und geglaubt, ich könnte nie nie wieder glücklich sein. Und ich könnte nie so sehr wieder einen Menschen lieben wie den einen.
Ich weiß auch, dass Mitleid so gar keine Basis für eine Beziehung ist.
Ich wünschte aber, Du würdest Deine Gefühle für sie entdecken. So wie das bei mir war: Er ist dann doch noch mal gekommen und hat mich aus meiner Ecke geholt. Gerade noch rechtzeitig - bevor es ein anderer tat.

Wahrscheinlich kling ich total bekloppt. Ich sollte die Musik ausmachen... Kann ich aber nicht.

Donnerstag, 7. November 2013

Schade, dass es nicht geklappt hat



...mit den Karten für das Konzert am 04.11. Ich hatte mir so gewünscht, mit den gelben Seiten nach Berlin zu fahren, mitzusingen oder einfach nur das Feuerzeug hochgereckt zu halten. Ich hab mir extra das Haar wieder wachsen und mir  Latex-Hosen ins Haus kommen lassen.
Regelrecht verloren hatte ich mich in Tagträumen und mir ausgemalt, wie das sein würde.
Na ja. Vielleicht behalt ich die trotzdem - The National werden ja nicht das letzte Konzert gegeben haben.
Und wer weiß schon, warums mit den Karten nicht geklappt hatte. Irgendeinen Grund wirds geben.

Aktuell jedenfalls liege ich brav auf meinem Bett, starre in die Nacht - und höre deren Musik...

Mittwoch, 6. November 2013

Endlich 18!

Lieber Sohn.
Heute vor genau 18 Jahren um genau 10.57 Uhr bist Du zur Welt gekommen. Zwar warst Du schneller als Dein großer Bruder, wenn man bedenkt, dass dieser sich nach 27 Stunden bequemte, endlich die Behausung zu verlassen, während ich Dich schon nach 6,5 Stunden in den Armen halten durfte - aber dafür hast Du es mir auch nicht leicht gemacht. So ein Wehentropf ist schon eine fiese Nummer, weil man dann keine Pause mehr zwischen den Wehen hat, und als man dann noch laut überlegte, wie man Dir Beine machen könnte - da wurde mir dann doch etwas anders.
Die Geburt Deines Bruders lief noch nach DDR-Schema: Kind da, Kind mitnehmen, wiegen, messen, baden, anziehen und erst dann, etwa eine Stunde später, lag er das erste Mal in meinem Arm. Dich aber hat man mir gleich auf den Bauch gelegt, kaum dass Du da warst. Das ist und bleibt ein unvergessliches Erlebnis. Ich wollte sogar den Nabelschnurrest aufheben und konservieren, weil das ja auch irgendwie Deins war, aber dann fand ich es doch ein wenig zu abgefahren.
Nie vergesse ich auch, wie gemütlich ich den Kreißsaal fand. Die 6 Jahre nach-der-Wende-Zeit haben doch echt was ausgemacht und als ich zur Hebamme sagte: "Am liebsten würde ich mein Kind gern in diesem Zimmer hier bekommen", schaute sie mich ganz entgeistert an und fragte: "Ja wo wollen Sie denn sonst hin?"
Es war auch Glück für Dich, dass wir diese Hebamme hatten, denn als man am (eigentlichen) Entlassungstag feststellte, dass Du ziemlich überhöhte Werte hattest und für geschlagene 2 Tage unter das Blaulicht musste, da heultest nicht nur Du, sondern auch ich. Die diensthabene ältere Schwester schnarrte mich an, dass das nun mal so sei und alles sei doch zu Deinem Wohle, aber die Hebamme kam mit Dir in das Zimmer und legte Dich in meinen Arm: "Ist doch klar, dass der Kleine die ganze Zeit weint, der hat keinen Durst, der will zu seiner Mama." Und auf meinem Bauch schliefst Du dann ganze vier Stunden, bis eben die Krähe von Dienstschwester kam und Dich mit den Worten "Na so geht das aber nicht!" wieder mitnahm.
Na ja. Haben wir auch überstanden, Du und ich.

Was haben wir seither nicht alles so erlebt. Nix anderes wie bei allen anderen auch und trotzdem: Auch mit Dir ist alles immer irgendwie ein Erlebnis. Zum Beispiel das Spazierengehen. Du warst immer sehr neugierig - und Du hattest ein Faible für schöne Steine, von klein auf an. Also liefst Du immer vorneweg, hast alles aufgesammelt und mir in die Hand gedrückt: "Das ist ein Glücksstein, den musst du behalten." Ich habe diese Steine übrigens immer noch, es sind die, über die Du Dich immer aufregst, was die im Badezimmer zu suchen hätten ;) Ja und beim Laufen und Sammeln ist es dann passiert: Ein Sturz, ein Schrei, und in der Platzwunde an der Stirn steckte noch das spitze Kieselsteinchen drin, das der Doktor Dir in der Notaufnahme behutsam entfernte und sich statt fürs Nähen für Klemmpflaster entschied. "Ist schonender für den Kleinen, mal sehen, obs hält", hatte er gesagt und ich habe Dir zum Trost einen Bonbon in die Hand geschmuggelt. Das Klemmpflaster hielt auch wie Hanne, und als Dein Kinderarzt es entfernte und wir am Nachmittag an derselben Stelle spazieren gingen... Ein Sturz... ein Schrei... Was soll ich sagen: derselbe Ort, dieselbe Stelle, dieselbe Platzwunde. Bis heute ziert ein winziges Narbensternchen Deine Stirn, der Rest hat sich verwachsen.
Oder als Du Deinem großen Bruder begeistert zuschautest, weil der auf seinem Bett hopste - und Du wolltest das auch machen. Bist auf die Kommode geklettert und in Dein Gitterbettchen gesprungen - das Ergebnis waren 4 Wochen Gips am rechten Arm.
Wie bockig Du warst, als Dein großer Bruder Jugendweihe feierte und viel Geld geschenkt bekam - und Du nicht. Wozu brauchtest Du überhaupt Geld? Du hattest doch mich :) Die Wünsche, die Ihr hattet, habe ich Euch erfüllt, und die, die nicht erfüllbar waren, habe ich Euch erklärt. Trotzdem sagst Du in letzter Zeit oft, dass Du eine schöne Kindheit bei mir hattest und dass Du froh bist, dass ich Deine Mama bin. Wie froh mich diese Worte immer wieder machen, werde ich Dir vielleicht nie so sagen können. Denn da war noch die sehr schwere Trennungszeit von Deinem Vater. Du warst damals 7 Jahre alt und wenn Du auch gespürt hast, was alles vorgefallen war, hast Du trotzdem sehr lange gefragt, ob wir nicht eines Tages wieder zurückgehen.
Du warst 9 Jahre alt, als Du mich das erste Mal fragtest, ob wir wiederkommen, wenn wir mal gestorben sind, und als was. Ich sagte, dass ich das nicht weiß, aber dass ich auch nicht glauben kann, dass alles vorbei ist nach dem Tod. Eine Weile warst Du still, weil Du überlegt hast, als was Du wiederkommen wollen würdest. Erst sollte es ein Hase sein: "Ach nee, lieber doch nicht, als Hase wird man totgeschossen vom Jäger", dann sollte es Dich als Blume geben: "Ach nee, das lieber auch nicht, da hab ich ja gar keine Augen und kann gar nichts sehen."
Mit 12 fandest Du Mädchen noch total doof und zickig, mit 13 warst Du das erste Mal richtig doll verliebt und mit 14 hattest Du die erste Freundin, mit 17 die erste.. äh.. richtige, wie ich nun seit ein paar Tagen weiß. ("Aha... Ich hoffe, ihr habt verhütet?" - "Ja, ich hab in deiner Kommode rumgekramt, da lagen noch paar Kondome." Nach dem ersten Schock darüber, dass diese Schachtel mindestens 5 Jahre alt sein muss, wenn nicht älter, und somit das etwaige Verfallsdatum mitnichten überschritten sein durfte, errechnete ich im Geiste schon den möglichen Geburtstermin: Hallo Oma!?? Dann kannst Du aber was erleben!)

Mit 15 fandest Du lange Haare cool, mit 16 fielen sie der Schere zum Opfer und heute ziert ein teilweise rasierter Haarschopf Deinen Kopf: Undercut nennt man das wohl. Du wünscht Dir ein Tattoo, nein, nicht eins, drei sollens mal werden. Ich finde, zu Dir passt das auch und auch hierin werde ich Dich unterstützen. Wenn Du Deine restlichen Haare grün färben willst - probiers. Die meisten Dinge erfährt man erst, wenn man sie probiert, auch wenn ich natürlich immer hoffe und wünsche, dass Du nicht ALLES probierst. So wie den "grünen Saft", den Dein Freund mit Dir teilte, als Du 14 warst und sich anschließend im Krankenhaus herausstellte, dass Du einen halben Liter Absinth getrunken hattest. Wenigstens hattet Ihr Euch für den Ort des Geschehens die Schule ausgesucht, denn wenn ich mir vorstelle, dass Du bewusstlos irgendwo liegst und Euch niemand helfen würde... Als ich Dich im Krankenhaus das erste Mal sah, hast Du angefangen zu weinen - und ich hab mitgeweint.
Als Du 15 warst, erreichte mich ein Anruf der Polizeidienststelle "Wir haben Ihren Sohn!" und später stellte sich heraus: Es ging um ein Videospiel, das Du erst ab 18 Jahren spielen darfst und - O-Ton Polizei "Er wäre niemandem aufgefallen, wenn er nicht ungefähr eine Stunde vor diesem Regal gestanden hätte." Du sagtest später, Du hättest so lange mit Dir gerungen, ob mitnehmen oder nicht. Na ja. Eine Stunde Bedenkzeit und Fracksausen. Immerhin scheinst Du noch sowas wie ein Gewissen zu haben und ich habe in meiner liberalen (nicht antiautoriären!) Erziehung nicht alles grundfalsch gemacht. Geklaut hast Du übrigens nie wieder - jedenfalls weiß ich nix davon.
Rauchen findest Du bis heute eklig (ich hoffe, das bleibt so?) und Deine einzige Droge heißt "Playstation".
Das "normale" Kind trägt 4 Jahre eine Zahnspange, bei Dir waren es 7 Jahre, bis der Kieferorthopäde Anfang September die Behandlung abbrach. Dass mir dadurch auch alle Zuzahlungen nicht zurückerstattet werden, hast Du zähneknirschend zur Kenntnis genommen und kleinlaut gefragt, ob Du nicht doch noch mal mit dem Arzt reden solltest. Worüber eigentlich? Dass Deine x-te Spange auch wieder zerbrochen war (ich vermute ja, Du bist mal draufgetreten - bei Deinem Chaoszimmer würde es mich jedenfalls nicht wundern) und dass Du sie nun aber wirklich immer tragen würdest? Hmm. Ich versicherte Dir, dass Du Dir diese Blamage dort getrost ersparen konntest - außerdem kam der Brief von der Krankenkasse, die wussten also eh schon bescheid.
Wenigstens gehst Du seit ein paar Monaten nebenbei arbeiten, um auch mir mal etwas zurückgeben zu können. Dass Du seit 3 Monaten nicht bezahlt wurdest, ist ja nicht Deine Schuld und ich habe gesagt: "Schluss, du gehst da nicht mehr hin, Nebenjobs gibts genug woanders."

Ja... Und nun bist Du 18... Ein junger, witziger Mann, der seine Familie über alles liebt und sogar ein Mädel in den Wind schießt, das Deine Familie unbekannterweise beleidigt. Damit muss ich sicherlich/ hoffentlich nicht befürchten, dass Du irgendwann mal ein Mädchen liebst, das Dich von Deiner Familie trennen will. Gibt ja so Schnepfen.
Wenn Du Sorgen oder Probleme hast, kommst Du zu mir, und seit Dein bester Freund zu Dir sagte: "Deine Mum ist echt cool", findest Du mich nicht mehr peinlich und darf ich auch dann die Tür aufmachen, wenn ein Mädel davorsteht ;)
Du bist selektiv vergesslich: Alles das, was Dich nicht interessiert, fällt bei Dir durch - aber keine Sorge: Das hast Du von mir. Von daher weiß ich auch, dass es mit dem Alter nicht besser wird ;)
Wahrscheinlich... könnte ich jetzt hier ein Buch über Dich vollschreiben - und eigentlich will ich Dir nur eins sagen: Ich liebe Dich (Euch beide) über alles, ich lasse Dich Deinen Weg gehen und Dich ausprobieren, ich bin so froh und dankbar, dass ich Dich (Euch beide) habe und die allergrößte Angst habe ich nur davor, dass Dir/ Euch etwas passiert. Bitte versprich mir, dass Du immer auf Dich achtgibst und auf Dich aufpasst. Insofern bin ich auch froh, dass Dir der Jahresvertrag im Fitnessstudio wichtiger war als der Führerschein.
Auch wenn ich weiß, dass der eines Tages auch noch kommen wird - aber bis dahin... gewöhne ich mich ganz sicher an den Gedanken, dass Du dann auch Auto fährst.
Ja dann... mein Junge... lass die Kuh mal fliegen! Aber bitte nicht am Wochenende, denn da wird Dein Opa 70 Jahre alt und auch Du bist eingeladen, auch wenn Du das vergessen hattest. Wedding Planner solltest Du also irgendwann mal besser nicht werden wollen ;)
Für heute habe ich erst mal die - getreu Deinem Namen - obligatorische Benjamin Blümchen Torte besorgt. Die ist zwar klein, aber da wir beide heut Nachmittag vermutlich allein sind, würde ich sagen: Die reicht :) Da ist sogar noch Platz für Deinen großen Bruder, der soeben vorbeigekommen ist, um auf Dich zu warten. Ich dachte ja immer, ich bin die geborene Prokrastinateuse - aber Dein Bruder kanns noch besser: Laut Kassenbon hat er um exakt 12.37 Uhr am heutigen Tage Dein Geschenk besorgt. Was seine Ausrede war? "Ich hatte ja gestern kein Auto!"
Ich würde sagen... Meine Gene halten sich hartnäckig ;)

Und was auch immer passiert:
Du bist und bleibst mein Sonnenschein, ich werde Dich immer lieben und immer für Dich (natürlich Euch) da sein.
Vergiss das bitte nie niemals.
Sicherheitshalber habe ich Dir das noch mal in die Geburtstagskarte geschrieben. Ich kenne Dich doch :)
Deine Mum.

Dienstag, 5. November 2013

Bevor du kamst, war ich nur einer dieser Steine Oder: Die Eule im Stachelkleid

Ich bin überhaupt kein Rapper-Fan.
Aber dieser Song hier, den hab ich heut Abend auf dem Heimweg zum ersten Mal gehört - und zu kaufen gibts den erst ab 29.11....


Da hab ich wirklich Gänsehaut. So arg, dass mir die Gänsehaut wie ein Igelkleid wächst. Ich - die Eule. Ne Eule im Stachelgefieder. Hat ja auch irgendwie was.
Ja und unter dem Einfluss dieses melancholischen Rap-Songs versuche ich jetzt mal, einen locker flockigen Post zu schreiben. Denn wenn ich heut nicht noch was Schönes seh oder tu, dann werde ich tatsächlich noch irre.
Der Dienstag ist der neue Montag - anstrengend, wenig zu lachen, viel zu tun und wie sagte Chef es heute so trefflich? "Dieses Jahr ist kein gutes Jahr. Es ist nur ein Kampf-Krampf."
Als ich um 18.45 Uhr das Büro verließ, wollte mich glatt der Mut verlassen und ich dachte schon: Nun bekommt das Kind morgen früh auf dem Gabentisch... nix! Weder Süßes noch Saures hatte ich besorgt, keine Geburtstagskerze, kein Konfetti und vor allem: immer noch kein Geschenk.
Jahaha, da stehste nun und  glaubst: Das kann doch jetzt nicht wirklich dein Ernst sein!?

Noch vor 15 - 20 Jahren hätte ich tatsächlich alt ausgesehen, aber inzwischen... bei gelockerten Öffnungszeiten... beim Angebot in Hülle und Fülle.... Um exakt 19.45 Uhr hatte ich alles Süße eingekauft, Konfetti besorgt, Geburtstagskerzen, ne fetzige Karte, um exakt 20.45 Uhr hatte ich einen Vertrag im Fitnessstudio abgeschlossen... Für mich? Ach was nee! Die Frau von heute trägt ihre weiblichen Rundungen stilvoll, mit Stolz und Würde und verschafft dagegen der Jugend einen 15monatigen Vertrag. 12 Monate gibts nämlich nicht und die Alternative wären 24 Monate für 3 Euro je Monat günstiger. Pah. Das hab sogar ich als mathematischer Sisyphus ganz schnell erkannt: 3 Euro günstiger je Monat macht bei 9 Monaten längerer Laufzeit eine Ersparnis von 27 Euro gegen knappe 170 Euro mehr, die ich zahlen täte. Auch wenn ich meine Kinder liebe - ich bin NICHT die Weihnachtsgans Auguste!
Als ich gegen 21 Uhr endlich heimkehrte, müde, völlig erschossen und mit zwei Einkaufstüten rechts und links, da dachte ich noch so bei mir: "Hoffentlich dankt er es mir ir-gend-wann! Und spült vielleicht sogar mal freiwillig das Geschirr, damit nicht ich um 21.05 Uhr..."
Nun ja. Ich nehme an, das wird frühestens passieren, wenn der Knabe seine eigene Familie gegründet hat und das Geschirrspülen ihn vor dem Wechseln vollgekackter Windeln rettet.
Aktuell jedoch blieb mir lediglich, die eine Tüte in meinem Schrank vor den neugierigen Blicken zu schützen und in meinem Schrank zu versenken, die andere Tüte auszupacken und alsdann das Geschirr selber zu spülen. Nebenher lief Badewasser ein. Ja was solls. Mir tut alles weh, ich hänge in den Seilen, außerdem frierts mich und wie singt der Sido doch? "Verwittert und vom Leben gezeichnet".. Hach ja, jetzt muss ich selber lachen. Überhaupt: Der beste Seelenschmeichler sind nun mal Musik und duftiges Badewasser....


Ach übrigens, mein heimischer Doc hat mich von den Antibiotika befreit: "Die sind für Ihren Magen gar nicht gut, die schädigen ihn noch mehr." Sach isch doch die janze Zeit! Dafür darf ich morgen und übermorgen zu Hause bleiben, um den Rest jetzt ohne dieses Anti-Zeugs zu bewältigen. Und dann ist ja auch fast schon wieder Wochenende. Joaarr, so kann mans aushalten. Irgendwie.

Resteklicken - Oder: Wie böse bin ich eigentlich?

Diesen "Facebook-Roman: Resteklicken" bekam ich vor gut eineinhalb Jahren von Friederike geschenkt. Die Story ist schnell erzählt: Junger Mann (Facebook-Anhänger) mit Freunden (alle Facebook-Anhänger) und aktueller Ex-Freundin (auch Facebook-Anhängerin) trauert seiner großen Liebe nach und versucht alles, sie wieder für sich zu gewinnen.
Ich will ja gar nicht spoilern für die, die das Buch nicht kennen, und ich gebe zu: Ab einem gewissen Punkt des Buches wirds dann auch langweilig. Zu bemüht, zu verkrampft und zu viele Wiederholungen.
Trotzdem hab ich das irgendwann mal als "Hörbuch" aufgenommen - und das hier war, wie man sicherlich hören kann, meine Lieblingsstelle :)


video


Klar habe ich mich anschließend auch gefragt, wie böse ich eigentlich bin, wenn ich so über das Liebesleid eines jungen Mannes so lachen kann - und vor allem so anhaltend? Hach ja. Wo wir Frauen doch mindestens genauso leiden (können) wie ein Hund und Vodoo-Puppen stricken frei nach dem Motto: "Wenn ich leide, solls dir auch nicht besser gehen."
Nun ja. OK. Nicht umsonst heißt es ja aber auch: "Lache über die Dinge, dann hältst Du sie besser aus."

Und weil ich von HTML Quark so überhaupt keinen Schimmer hab, weil ich zwar jetzt ne Dropbox hab, aber keine Ahnung, wie man die RICHTIG benutzt, hab ich es jetzt einfach als Filmchen gestrickt. Auch wenn man da nur hören und nichts weiter sehen kann :)


Montag, 4. November 2013

Die Shopping Queen von Ziggenheimer-Town

Hach ja. Als ich letztens so durch ein Einrichtungshaus flanierte, da wünschte ich, ich könnte auch mal bei Shopping Queen mitmischen - und dabei müsste es nicht mal um Klamotten gehen. Ich meine, wenn du Pech hast, kriegst du ein Thema an den Hals serviert, wo du locker deine 500 Euro loswerden kannst, anschließend aber das Erworbene auch weiterverschenken darfst.
Themen wie "Leoprint" oder "Grell in Neon" dürften mir nicht auf den Laib.. äh.. Leib geschneidert werden. In meinem zarten Alter habe ich schon so die eine oder andere Modeära miterleben dürfen - aber Leo oder Neon kam mir nicht auf die Haut. Passt nicht zu mir, steht mir überhaupt nicht, bin halt keine Plastikpuppe.
Außerdem ist mir schnurz, was gerade angesagt ist oder nicht: MIR muss es gefallen, basta.

Jedenfalls, ich flanierte so hin und flanierte so her und es gibt da so Labels, da KANN ich einfach nicht widerstehen. Das ist wie in einem der Super Mario Games: Bleibst du vor dem einen oder anderen Tor stehen, kommt die Zauberhand und zieht dich hinein.
Nach der Stunde zogs mich dann auch wieder raus - und das hier zum Beispiel habe ich mir mitgenommen:


Es geht um die Kerzenständer, übrigens :)
Beim Verlassen des Ladens und einer gut gefüllten Tüte beäugten die gelben Seiten erst mich argwöhnisch, dann die Tüte - und die Kerzenständer fielen bei ihm spontan durch: "Die kommen aber nicht mit, wenn wir zusammenziehen" und im Geiste sah ich mich schon abwägen "Kerzenständer oder Liebesnest, nun liebe Helma, welches soll nun dein Herzblatt sein?"
Ich muss ja sagen, ich bin echt so ein Deko-Trüffelschwein, ich grabe von Herzen gern nach kleinen, feinen Kostbarkeiten und bin irgendwie auch immer auf der Suche nach Inspirationen. In der Hinsicht finde ich ja die Macher des Impressionen-Katalogs richtig genial. Is viel überteuerter Schund dabei - aber was auch immer sie kombinieren, es trifft irgendwie immer meinen Nerv. Manches von denen lässt sich aber durchaus auch nachgestalten, und das ist auch einer der Gründe, warum ich diesen Katalog nicht abbestelle, obwohl ich nix von denen kaufe.

Als ich letzte Nacht nach Hause kehrte, hatte ich keine Muße mehr, die Dinge auszupacken und anzuordnen. Das Alter, Ihr wisst schon, auch eine non-Diva braucht ihren Schlaf. Heute Morgen hab ich mich echt auch aus den Kissen gequält und gedacht: "Immerhin gut, dass die Nacht vorbei ist" - mit ihrem scheißblöden Traum. Kennt Ihr das auch? "Was man die erste Nacht im eigenen Heim träumt, geht in Erfüllung." Na hoffentlich nicht! Als Kind hat das bei mir echt mal funktioniert, als ich nach zwei Wochen Ferienlager wieder nach Hause kam. Seitdem glaube ich dran, und keiner kann mir das ausreden.
Andererseits... Bei all dem Zeug, das ich aktuell einnehmen soll, wunderts mich irgendwie auch nicht, dass der Kopf bei Nacht völlig abdreht und verdreht. Ich weiß zwar nicht mehr, was ich geträumt hab, aber ich weiß noch, dass es gruselig war.
Na ja, und der Bürotag hat das Ganze nicht besser gemacht, Montag hin oder her. Ich bin kein Montags-Freak, ich bin der, der auch montags im Auto auf dem Weg zur Arbeit singt. OK, aktuell nun auch wieder nicht, auch wenn ich wieder sowas wie ein Stimmchen hab. Aber der Montag hat mich dann doch ziemlich viel Kraft gekostet und manchmal hing ich so durch, als würden meine Klamotten mich tragen und nicht umgekehrt. Nach Dienstschluss noch einkaufen zu gehen und Abendessen zubereiten, Wäsche waschen und den Seesack auspacken und DANN noch dekorieren - ich traute mir durchaus zu, dass ich bereits vor der ersten Abendaufgabe scheitern würde. Aber OK. Wie die Fotos zeigen - ich scheiterte nicht. Ich kaufte ein, ich bereitete das Abendessen, ich wusch Wäsche (na gut, ok, nicht ich, die Maschine natürlich, aber nun seien Sie doch nicht so pingelig, Herrgott!), ich räumte meinen Seesack aus und DANN dekorierte ich. Und freute mich. Hach ja. An so kleinen Dingen kann ich mich freuen wie ein Kind zu Weihnachten, und meine Augen leuchten dann bestimmt auch so. Jedenfalls, wenn ich nah genug rangeh an die Kerzen :)
Was kümmert es mich da, dass ich meinen Autoschlüssel nebst Briefkastenschlüssel verlegt hatte? Vermutlich lungerte schon seit Tagen die Nachricht im Kasten, dass ich Lottomillionärin geworden sei - und wenn ich den Schlüsselbund fände und den Kasten aufschloss, war vermutlich just einen Tag zuvor die bitte-melde-dich-wir-haben-deine-Millionen abgelaufen. Ja, so seis wohl - jedenfalls, solange es sich um MEIN Leben handelt.
Als Friederike dann vermeldete, sie habe auch einen bloody.. äh.. blöden Montag gehabt und lasse sich natürlisch niemals unterkriegen und ginge jetzt zu Bett, da sah ich kurz auf die Uhr und anschließend in mein TV-Programm: Jetzt schon schlafen? Vermutlich hat sie heimlich den Wein getrunken, den ich gerne gehabt hätte, von dem ich aber weiß, dass er sich mit Antibiotika  nicht verträgt. Leider. Wobei... Eigentlich isses auch schietegal, ich vertrage das Antidingsbums irgendwie sowieso nicht, und ob ich nun wegen Alkohol ins Bad muss oder wegen dem Antizeuchs...  Na is doch wahr!
Wahr ist allerdings auch, dass mein Jüngster übermorgen 18 Jahre alt wird und dass ich zwar tausend glücklich machende Ideen habe, aber noch nicht eine einzige davon umsetzte. Aber das wäre ja auch ganz gegen meine Natur... Rechtzeitig alles fertig haben. Pah. Dass ich nich kichere. Die Dinge so kurz vor zwölf zu erledigen, hat  irgendwie ja auch einen gewissen Kick.
Und deswegen habe ich mich dann auch ganz entspannt in die Badewanne gelegt und meine Erkältung oder was auch immer sich da aus dem Nichts angeschlichen hatte, zu dezimieren, auszuschwitzen, anstatt last minute Einkäufe online zu tätigen. Ich weiß ja, womit ich ihm eine Freude machen will. Tausendmal weiß ich das, immerhin.


Samstag, 2. November 2013

Und dabei dachte ich, Halloween wär vorbei

Mittwochabend schleppte ich mich zu den gelben Seiten. Eigentlich wäre mir ja viel lieber danach gewesen, mich vier Tage lang unter meine Bettdecke zu verkriechen und nur hervorzugucken, wenn ich mal ins Bad müsste oder was zu essen brauchte. Aber vier einsame Tage.... Wenn die Gesundheit Urlaub auf den Bahamas oder wo auch immer macht, dann will man irgendwie nicht unbedingt noch alleine sein. Da will man Seelenstreichler und Seelenschmeichler - funktioniert übrigens auch als Glas mit heißer Schokolade, die ans Bett gebracht wird. Gerne auch mit Sahnehäbuchen und Hauptsache, mit Liebe gemacht. Blöd irgendwie nur... wenn ich sowas bekommen möchte, muss ich immer erst dazu wohin fahren. Wenn ich krank bin, kommt keiner zu mir und fragt auch keiner groß nach mir - außer meine Mum. Die sich nun aktuell zwei Spritzen pro Tag in den Bauch stechen muss: Eine für ihre Autoimmunerkrankung, eine für die jüngst zutage getretene Venenentzündung.
Mann o Mann... Dieses Jahr hats echt in sich, ich sagte ja bereits, dass ich wahrhaftig drei Kreuze an die Tür male, wenn das Jahr rum ist.
Kaum war ich angereist, riefen die gelben Seiten ihren Hausarzt an und sicherten mir einen Termin: Kassenpatient (ach, ich will nicht schon wieder drauf rumreiten ;)) und quasi unbestellt "..da bringen's bitte a bissl Zeit mit, des Wartezimmer is voll." Nur vormittags? "Heut Nachmittag siehts bestimmt nicht anders aus." OK. Dann eben mit Wartezeiten. Ist für mich eh nix Neues. Und vermutlich bin ich eh immer noch schneller durch als die Anhänger des neuen iPad Air oder die Fans von Hollister, deren Shop seit Monaten (wenn das mal reicht) eine lange Schlange vor dem Tor vorzuzeigen hat. In den Hollister Shop würde ich übrigens schon aus Prinzip nicht gehen, weil ich A) nicht erst lange anstehen will, nur um ein Shirt zu kaufen und wo ich auch nicht finde, dass die jetzt echt so toller sind als von anderen Labels und B) Verkaufsprinzipien zum Kotzen finde, die da lauten: "Es werden jetzt nur noch die Größen S und M produziert und verkauft." Ich bin vielleicht keine dürre Bohnenstange mehr wie noch vor zehn Jahren, aber ich bin immer noch mindestens genauso groß wie damals und wenn ich nicht will, dass das Sommerkleid direkt unter der Arschbacke endet, dann sollte ich schon eher die Größe L wählen. So als.. äh.. Beispiel.
Mich interessiert auch nicht, dass der kleine Karl da der Ansicht ist, alles über S wäre undiszipliniert. Wegen solchen Vollhorsten schleichen schon Vierzehnjährige mit Infusionen über den Gang von Kliniken für psychosomatische Störungen und fühlen sich mit auf 1,70 m verteilten 50 kg unglaublich fett und unansehnlich.
Aber OK, ich schweife schon wieder ab; vermutlich liegt das an der Wortlosigkeit der letzten Tage und jetzt ist es wie beim Sommerschlussverkauf: ALLES MUSS RAUS!

Der Doc jedenfalls war sehr nett und als er begann, mir Rezepte auszustellen, dachte ich, der hört überhaupt nicht mehr auf zu schreiben und als er mir alles in die Hand drückte, äugte ich argwöhnisch drauf und fühlte mich veranlasst zu fragen: "Herr Doktor, leuchte ich dann auch im Dunkeln?"
Die gelben Seiten waren übrigens in der Zwischenzeit shoppen, und was er da mitbrachte - Scheiße ey, war DAS lecker! Ich bin ja nun so gar kein Honigfan, aber Akazienhonig mit ner echten Vanilleschote drin, boarrrr!!! Nicht unbedingt preiswert, aber sehr zu empfehlen. Auch dann, wenn man keine Halsentzündung hat. Mjamm.

Was gab es sonst noch in der City? Dass auch an Tag 2 nach Halloween immer noch genügend Frauen in der Stadt rumliefen, bei denen ich mir nicht ganz sicher war: Hatten sie vergessen, sich abzuschminken oder lief bei denen der Halloween-Streifen in Dauerrepeat? Was mir vor allem auffiel: Je oller, je doller! Während die jüngere Generation immer mehr zum Naturell-Schminken neigt, greifen die Alten derart in die Schminkkiste, als hätte man ihnen gedroht: "Ab morgen gibt es keinen Farbkasten mehr." Wooaaarrr - was für ein Grusel! Und ich frage mich ja immer: Sehen die das echt selber nicht? Haben die zu Hause keinen Spiegel und machen die das wie Bridget Jones im Halbdunkel auf dem Rücksitz ihrer Limousine? Überhaupt die Jones, oder na ja, huch... jetzt fällt mir nicht mal mehr der reale Name ein... muss ich doch tatsächlich googeln... ach ja, die Zellweger... Mit ihren weggeschnipselten Lidfalten sieht sie jetzt so normal aus wie jede andere auch, dass mir auch glatt der reale Name nicht mehr einfallen will. Schade, wirklich. Wo gerade noch Markenzeichen war, herrscht jetzt gähnend langweilige Perfektion.
Gibt ja so nen Song von der Vonda Shepard, der heißt "Don't walk away, Renée", aber von mir aus kann sie jetzt ruhig weitergehen. Und ob ich mir den dritten Teil reinzieh... Isch weeesss es noch nit. Die Zellweger aber - laut den Gazetten - auch noch nicht. Die versteht sich nämlich nicht so doll mit der Autorin, heißt es. Also nicht nur "Bridget Jones" mit der Zellweger ohne Lidfalten, sondern womöglich gleich ganz ohne Zellweger? Tja. Also das Buch umschreiben und nicht den Darcy, sondern die Jones sterben lassen? Ich hör schon den Aufschrei in den Kinosesseln und das Popcorn wild durch die Sitze kullern. Nichtsdestotrotz behalte ich Teil I und II in meiner äußerst übersichtlichen DVD-Sammlung: Sie war so herrlich unperfekt - aber dafür hatte sie wenigstens Persönlichkeit.