Dienstag, 7. Januar 2014

Bitte gedulden Sie sich einen Moment, Ihre Familienkasse ist gleich für Sie da!

Pahahahahaaa!
Ich schrei mich weg!
Geduld ist etwas, über das ich nur selektiv verfüge - und wenns an mein Eingemachtes geht oder an meine Kinder oder an mich - oder aber an mein Geld, ja dann!
Als Junior im November 18 wurde, konnte er sein Glück kaum fassen, als ich ihm sagte: "Richte dir ein Konto ein und du bekommst dein Bafög und dein Kindergeld überwiesen."
Klar, das Konto kann man auch vor dem 18. einrichten, jedoch dann nur unter Mitwisserschaft BEIDER Eltern. Was an und für sich auch kein Thema ist. Aber als uns der nette junge Herr, geschniegelt, gestriegelt (ich möchte bitte niemals in einer Bank arbeiten!) und voller Wissen des Studiums erklärte, dass auch der Vater zur Unterschrift ANWESEND sein müsse, spätestens hier winkte Junior ab: "Wir lassen das. Ich komm noch mal wieder, wenn ich 18 bin."
Ja. Und nun hat er seit dem 18. sein Konto - und kein Geld. Na ja, fast keins.
Das Bafög kam nach einer satten Bearbeitungszeit von einem halben Jahr und auch nur, weil ich mit der Höflichkeit einer Messerklinge daran erinnerte. Den Bescheid dazu haben wir zwar bis heute noch nicht, aber wenigstens erst mal das Geld. Ich bevorzuge diese Reihenfolge, übrigens.
Ich muss vielleicht auch nicht zwingend erwähnen, dass das ausgezahlte Bafög derart gering ausfällt, dass er von diesem Geld weder Fahrtkosten noch Schulgeld begleichen könnte, nicht mal nur eins von beiden. Wer darf das also bezahlen? Nu klar. Wenigstens haben Kind und ich uns ohne Raufereien und ganz im Guten (ja, wir mögen uns auch jetzt noch nach den harten Verhandlungen des "Wer zahlt künftig was?") geeinigt, dass wir uns die Kosten für Schule und Abo-Fahrkarte teilen und den Rest mag er für seinen persönlichen.. äh.. Bedarf ausgeben. Allerdings wusste ich da noch nicht, dass es neben Klamotten und Waren des täglichen Parfümierungsbedarfs auch noch begehrt, zur Kosmetik zu gehen. Welche Idiotin ist eigentlich mal darauf gekommen, ihm so einen Gutschein zum Geburtstag zu schenken? Denn damit fing das ganze Elend an...
Nun feilschen wir immer noch, weil die Termine anstehen, aber das Geld nur zögerlich fließt.
Sprich: Kindergeld gibbet immer noch nich.
Zwar wurde mir noch vor Weihnachten süßsäuselnd am Telefon erklärt, alle Unterlagen lägen fristgerecht und vollständig vor, es gäbe keinerlei Beanstandungen (ja wenn ich überhaupt was kann, dann Behördenzeug :)) - aber s Geld gibbet eben nicht. "Es wird Ihnen ja alles nachgezahlt", beschönigte Miss Hindernis, woraufhin mir schon ne passende kräftige Antwort auf der Zunge lag. Andererseits wollte ich eben auch nicht den Eindruck erwecken, alles stehe und fiele mit diesem Kindergeld. Nö, da bin ich mir zu stolz.
Kind jedenfalls fragte beinah täglich: "Ist die Kohle endlich da?" und irgendwann ächzte ich: "Ich glaub, es wird einfacher, wenn ich dir sage, wenn es da ist." Mit anderen Worten: Du nervst! :)
Jedenfalls hieß es vor Weihnachten, man würde sich selbstverständlich beeilen (gabs sowas eigentlich schon mal? Bewegung im Amt? Außer der von einer Schlafseite zur anderen?) und bis zum 2. Januar sollte alles da sein. Wenn nicht, solle ich mich freilich melden, aber das würde ich sicher nicht mehr müssen.
Und für jeden, der im Amt sitzt: Wir schreiben heute den 7., ja, den Siebenten des Monats und wo bleibt das Geld? Also rief ich heute wieder an und eine gemächliche, vermutlich nicht mehr ganz junge, ebenso vermutlich frisch aus dem Urlaub zurückgekehrte entspannte, lässige Dame lächelte süffisant (ja, das habe ich ganz genau durchs Telefon gesehen!) und meinte herablassend: "Na wissen Sie, vor dem 15. passiert doch da nichts. Warten Sie bis zum 15. und erst, wenn es dann immer noch nicht da ist, können wir immer noch einen entsprechenden Mahnantrag stellen."
Ich weiß nicht, was mich hier am meisten reizte: Die Verzögerungstaktiken (aber wehe, die wollen Geld von mir!), das drängende Kind zu Hause oder diese Kackbratze am Telefon - doch leider, leider blieb alle Aggression schön unter meiner Schädeldecke, denn just in diesem Moment spazierte Chef ins Büro und ich konnte nur noch hinwerfen: "Vielen Dank für die Information, auf Wiederhören!" und flink auflegen.
Was Junior mit seinem heutigen Termin macht, weiß ich nicht. Ich sagte zu ihm: "Verschieb ihn doch", er sagte: "Orrr nö!" und ich zuckte die Schultern: "Ja dann such dir nen neuen Nebenjob, dann hast du wieder Geld."
Die Antwort blieb er mir schuldig, aber ich vermute, unter seiner Schädeldecke wird sich Ähnliches wie bei mir heute abgespielt haben :)

Kommentare:

Helga Nase hat gesagt…

Das kommt mir gerade sehr, sehr bekannt vor - ich lauf meiner (staatlichen) Krankenkasse wegen Geld von Oktober nach. Glücklicherweise trifft es mich persönlich nicht, aber auf die Antwort auf meine Frage "und was machen die, die auf das Geld angewiesen sind?" warte ich noch immer.

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Liebe Helga :)
Das "dem Geld hinterherrennen" bei Ämtern, egal ob Amt für Bafög, Amt für Rentensicherung etc. - es nervt mich wirklich, weil es überall dasselbe ist.
Die einzigen, die wirklich kulant sind und waren, sind die Leute von meiner Krankenkasse. Kann ich echt nicht anders sagen. Zumindest die Dame, die in meinem Wohnort gesessen hat, hat mich immer echt freundlich und zuvorkommend "bedient" und auch mal Gelder auszahlen lassen, obschon die Rentenkasse noch nix an Daten übermittelt hatte. Aber wenn man 2 Monate aufs Geld wartet und die in Berlin sich ausruhen auf "wir sind krank" oder "wir haben unsere Bearbeitungszeit", dann darf man schon mal gepflegt austicken - und da half mir dann die Krankenkasse.
Glücklicherweise sind diese Zeiten vorbei.
Aufs Kindergeld bin ich ja auch nicht angewiesen. Aber knapp 200 Euro mehr oder weniger merkt man eben doch, insbesondere der Junior - weil der es haben darf, aber nicht bekommt :)

Alles schon mal dagewesen hat gesagt…

Glücklicherweise bin ich mit solchen Sachen komplett durch und hatte seinerzeit nie Probleme. Nur der Erzeuger stellte sich hin und wieder quer und hat die nötigen Anträge nicht rechtzeitig ausgefüllt. Aber über diese Art von Mensch muss ich dir ja nichts erzählen.
LG Susann

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Liebe Susann, ja, das mit dem Verspätet- oder gar nicht ausfüllen kenn ich auch - und ohne böse sein zu wollen: Er kanns ohnehin nicht.
Die Anträge, die er ausfüllen muss, erstelle ich, und er unterschreibt dann immer nur. Wenigstens das klappt.
Und nee - über diese Art von Mensch müssen wir uns echt nicht unterhalten. Huch.. ham wer ja grad :)

Helga Nase hat gesagt…

Nach Herumtelefonieren meinerseits hat sich herausgestellt, dass bei mir doch der Arbeitgeber verantwortlich ist und nicht die Kasse.
Aber: Angenommen, der Junior würde das Geld dringend benötigen (also wirklich dringend ;)), was wäre dann? Zahlt das Amt die Überziehungskosten, Mahngebühren?
Kann man wegen der Ignoranz solcher Institutionen in den Schuldturm kommen? Können die einen ruinieren?
Helga, gerade sehr aufgeregt.

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Liebe Helga, nein, das Amt zahlt einem gar nix, und wenn Junior zehnmal drauf angewiesen wäre.
Ich wurde bis jetzt von wirklich jedem Amt - sobald es ums Geld geht, werden sie echt jedesmal regelrecht arrogant - hochnäsig auf die rechtlichen Bearbeitungsfristen hingewiesen.
Die sitzen in so sicheren Sesseln, dass man oft einfach nur noch schreien möchte.
Und ja, man kann in der Tat in den Schuldturm kommen. Mir selbst ist das - ich danke an dieser Stelle all meinen Göttern, Schutzengeln und auch realen Personen, die mich davor bewahrten - noch nicht passiert, aber es gibt so viele Fälle von Behördenwillkür und Verzögerungstaktiken, dass man manches Mal sogar fast geneigt ist zu verstehen, dass da Menschen durchdrehen :(

Das mit dem Arbeitgeberfehler war auch bei mir damals der Grund, dass es 2 Monate lang überhaupt kein Geld gab: Ich war 12 Monate krank geschrieben, den 12.-14. Monat in einer Reha und die wird ja von der Rentenversicherung bezahlt. Der Arbeitgeber hatte aber versehentlich angekreuzt "Es erfolgt Lohnfortzahlung", also zahlte die Versicherung freilich nicht. Du machst Dir echt keine Vorstellungen, dass die unglaubliche 8 Wochen gebraucht haben, um diesen Fehler, den der Chef 1 Tag später korrigierte, in ihrem Computer zu ändern, damit man mir das Übergangsgeld auszahlte. Nach 6 Wochen der Reha bekam ich eine völlig andere Erkrankung als die, wegen der ich in der Reha war, und musste ins Krankenhaus. Damit war die Reha abgebrochen und mir stand wieder Krankengeld zu. Und die Krankenkasse wollte ja auch zahlen, konnte aber nicht, weil die die Angaben von der Rentenkasse nicht bekam. Heißt, die wussten nicht, was sie berechnen sollten. Das ging zwei Wochen hin und her, ich dachte, ich muss schreien, toben, ausflippen - oder heulen. Kämpf dich mal durch so nen Scheiß, wenn du eigentlich ganz andere Sorgen hast.
Dann rief mich die nette Dame von der Krankenkasse an und sagte, sie habe jetzt genug von dem Drama, sie zahlen mir einfach Krankengeld auf der Basis dessen, was ich vor der Reha bekam - man müsse später eben ggf. verrechnen. Die hat mich dann echt gerettet.
Wie ich in der Zeit Fix- und Lebensunterhaltskosten bestritten habe, interessiert keinen. Du musst nur alles bezahlen, sonst gehts dir an den Kragen. Wie du das machst... deine Sache.
Ich hoffe, ich halte gesundheitlich durch, bis ich nicht mehr arbeiten brauch. Also entweder bis zur Rente - oder ich schaffs vorher mit einem Buch, das hoffentlich ganz viele Leute kaufen *lach*