Donnerstag, 20. Februar 2014

...und dann war mir nach einer Zigarette rauchen

Gibt ja so ein "Sprichtwort", das besagt: "Guter Sex ist, wenn selbst die Nachbarn eine rauchen." 
Aber selbst mir als eingefleischtem Nichtraucher seit 44 Jahren, der trotz einer stets und ständig qualmenden Familie (Mutter, Vater, zwei Brüder, deren Frauen - selbst meine Oma kam bis kurz vor ihrem Tod immer bei Opa Ziggenheimer vorbei und fragte: "Eine Runde Rommé? Hast du für mich auch eine Zigarette?") und selbst mir ohne Sex war gestern Nachmittag nach so nem Glimmstengel.
Nachdem privat ein paar Feuer brannten und ich mir dann gestern in der Firma noch ein paar virtuelle Ohrfeigen vom Chef abholen durfte (Ohrfeigen sind Ohrfeigen, egal wie erteilt, die brennen immer), da war dann doch so ein Moment erreicht, wo ich sagte: "Ey... jetzt lasst mich einfach alle mal in Ruhe!" und dann stellte ich mich draußen auf unsere kleine Wiese und betrachtete diesen Strauch...

Keine Ahnung, was das für einer ist, ist mir auch völlig banane - aber schön sieht er aus, verspricht soviel Frühling trotz der Regentage und sowas streichelt insbesondere aktuell total meine Seele.
Einfach nur dastehen, die Augen schließen und mir vorstellen, wie das so ist mit uns - dem Frühling & mir.
Ich mein, klar, ich hätt mich auch sinnlos betrinken können, danach war mir schon auch.
Aber als ich dann ein paar Stunden später am Abend zu Hause war, da war mir nur noch nach Essen zubereiten, ein paar "Wie war dein Tag"-Infos abklopfen und dann zu Bett gehen, Musik an und Decke über den Kopf.
Nichts hören.
Nichts sehen.
Nichts sagen.
Zu mehr reichte die Energie einfach nicht mehr, selbst der Bachelor war mir gestern zu anstrengend. Der mit seinem ständigen Gelaber von wegen "Muss ich erst mal für mich verarbeiten" ging mir eindeutig und sowas von auf die Nerven, dass ich den gestern gar nicht erst einschaltete, sondern schon vorher ins Nirvana hinübergeträumt war.

Aber nee, ich werde auch jetzt nicht anfangen zu rauchen. Macht hässliche Zähne. Macht hässliche Haut. Ach und stinken tut man auch wie ein Wiedehopf. Erlebe ich hier täglich im Büro, wenn die Kollegen von der Terrasse reinkommen. Glücklicherweise ist im Haus ja Rauchverbot, schon vor der Gesetzesänderung.
Puh.

Als ich heute Morgen ein paar Besorgungen fürs Büro erledigte, entdeckte ich im Schaufenster eines kleinen Tante-Emma-Ladens etwas, das mich magisch hineinzog, aufschrauben ließ und als ich den Geruch tief einzog wie andere Leute weißes Pülverchen, da kehrte ich innerhalb von Sekundenbruchteilen in jene Zeit zurück, als meine Oma die Zinkwanne in ihrer Küche auf den Tisch stellte, Wasser einließ und mich da reinsetzte. Während ich ganz entgeistert auf meine Beinchen guckte, auf das Wort "Haare" nicht kam und sagte: "Aber Oma, jetzt werden doch meine Federn ganz nass!"

Ist schon irre, dass es Dinge gibt, die man heute noch weiß, egal wie klein/ jung man mal war und wie lange das auch her ist. Ich bin vor allem froh, dass nicht alle Erinnerungen rettungslos verschüttet sind.
Und dann kaufte ich mir dieses Stück meiner Kindheitserinnerung.

Kommentare:

Marie hat gesagt…

Nicht zu rauchen ist eine weise Entscheidung. Weil du dann nämlich das Geld, das andere in Antifaltencremes und Bleaching stecken müssen, in schöne Dinge investieren kannst. ;)

"Muss ich erstmal für mich verarbeiten?"*g* Und warum geht er dann ins Fernsehen? Dummdidum... ;D

Felina Felissilvestris hat gesagt…

Das sind irgendwie (manchmal winzig) kleine Inseln, wie ein blühender Strauch, obwohl fast noch Winter ist oder der Duft von Kindheitserinnerungen, liebe Helma. Solche Inseln brauchen wir ab und zu, um uns von der Fahrt durch diesen oft stürmischen Ozean des Lebens zu erholen und Kräfte zu sammeln.
Liebe Grüße von Felina, deren Schiff schon viele Klippen umschifft und viele kleine Inseln angelaufen hat.

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Liebe Marie, DAS weiß wohl nur der Bachelor selbst, aber vielleicht auch nicht mal der. Je mehr ich von dem sehe, desto hohler kommt der mir vor.

Liebe Felina, ja genau, sind die Inseln auch noch so klein - die Summe machts und ich brauch sie auch. Unbedingt sogar.
Mit Klippen kenn ich mich übrigens auch aus. Und war immer froh, wenn dann ne Insel in Sicht kam.

noemiebeidenzwergen hat gesagt…

Liebe Helma,
was war denn los, dass man dir den Tag so versaut hat?

DerSilberneLöffel hat gesagt…

Mir sind die Inseln am liebsten, auf denen nur ich stehen kann, weil die so klein sind. Da kann ich mich dann hinsetzen und die Strömung beobachten.

Der Bachelor.... Naja, wenn es ein ´gscheiter Mann wäre, dann könnte Mann vielleicht Neid aufziehen lassen. Aber wer will schon die Mädels, die sich wie Brot kurz vor de Schimmel anbieten? Ne, kann er haben und für sich verarbeiten.

Gruß, Holger

Marie hat gesagt…

Zitat: "Aber wer will schon die Mädels, die sich wie Brot kurz vor de Schimmel anbieten?"

*g* Die will man(n) schon. Aber möglicherweise möchte man(n) sie hinterher auch so schnell loswerden wie schimmeliges Brot. ;)

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Liebe Noemi, privat brannten die Feuer ziemlich lichterloh, siehe den Eintrag ein oder zwei Tage zuvor.
Da steht nicht alles drin, aber ein bisschen was.
Und dann bekam ich gestern noch die virtuellen Ohrfeigen vom Chef, weil ich vermutlich jetzt hier für alles verantwortlich bin. Augenscheinlich nennen sie mich nicht nur "Chefin", sondern ich bins wohl auch, und wenn dann was schiefgeht, weil Leute nicht miteinander kommunizieren können, ist halt wer dran? Genau.

Lieber Holger, jetzt musste ich doch lachen "wie Brot kurz vorm Schimmeln".... Das trifft es ja so herrlich. Wenn die Mädels alle blöd wie Brot wären, dann wärs ja auch noch zutreffender. Interessanterweise aber waren ja tatsächlich welche dabei, die echt Stil und was im Kopf hatten. Na jut, die ham sich ja auch selber wieder verabschiedet. Wenns heißt: "Et jeht ins Fernsähn", dann sind wohl die meisten erst mal mit dabei, auch die mit Herz und Verstand ;)

~ Clara Pippilotta ~ hat gesagt…

Es gibt Tage, die gehören noch vor ihrem Anbeginn verboten *seufz* Rauchen ist Mist, da wird man nur hässlich von und krank, also weise Entscheidung. Der Strauch - ja, das sind so Seelenstreichler im irren Alltag. Schön, wenn man das so wahrnehmen und für sich arbeiten lassen kann. Ein Stück Kindheit, wenn es schön war, kann Wunder wirken. Hoffe, Dir gehts heute besser und die Ohrfeigen schmerzen nimmer. Chefs sind doof. Selbst dann wenn sie Recht haben sollten ;-)

Der Bachelor - vielleicht muss der seine Antworten ja auch im Kreis tanzen können? *lach* Ach, ich kuck den gar nicht, ich find den sowas von unsympathisch.

Liebe Grüsse :)

Hans hat gesagt…

....und jetzt hab ich Fichtennadelduft in der Nase und der Holzbrenner unter dem Wasserkessel knistert und spuckt kochendheißes Wasser aus......

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Liebe Clara, nee, die Ohrfeigen tun nicht mehr weh. Letztlich waren die auch nur noch das Tüpfelchen auf dem i. Ich hab mir gestern Musik und eine Extra-Mütze Schlaf gegönnt, und heut scheint die Sonne. Lange liegengeblieben bin ich noch niemals, egal wie oft ich schon auf die Fresse gefallen bin. (Manchmal muss ich Dinge etwas drastischer ausdrücken, ich hoffe, man verzeiht mir das.)

Jo Hans, dann wärme Dich mal! :)

allemeineleidenschaften hat gesagt…

Ach Helma.... du hast mir gerade eine Erinnerung wieder ins Gedächtnis zurück gebracht.

Jetzt sitz ich hier und denke an meine Großeltern.
Habe wunderbare Erinnerungen an sie, ich werd sie mal aufschreiben.

Bei mir hieß es immer "ich krieg nen Elfmeter", wenn ich vom Chef einen rübergekriegt hab.
Das zieht einen schon ganz schön runter, ich kenne das nur zu gut.
Ich hatte mal einen Choleriker als Abteilungsleiter, wir saßen mit 7 Personen in einem Büro, davon 5 Frauen, und er keifte den ganzen Tag und gängelte uns alle rum.
Eine von uns ging immer heulend nach Hause am Ende des Tages.

Das war allerdings eine andere Zeit.... es waren die frühen 80er und jeder war froh, einen Job zu haben.
HEUTE würde das kein Chef mehr mit mir machen! Ich wog 49 Kilo bei 1,70 m und war am Rande der Verzweiflung. ICH - wo mich doch eigentlich jeder Susi Sunshine nennt.
Naja, ich hab dann letztendlich gekündigt.

Ich habe nie wieder so einen Typen kennen gelernt - der hätte aber auch was erleben können mit mir... oder von mir, lach :)

Kopf hoch Helma.

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Liebe Suse, ich hatte auch schon so einen cholerischen Chef und zur selben Zeit nen cholerischen Ehemann. Das war nicht die leichteste Zeit, und mit Größe/ Gewicht-Kombi kann ich da mithalten - ich hatte damals 53 kg auf 178 cm. Sieht nackig eklig aus, finde ich noch heute ;)
Ich war mir auch immer sicher, dass mir sowas nicht noch mal ins Haus kommt. Doch der jetzige Chef... Die ersten Jahre waren ähnlich und trotzdem war ich froh, den Job zu haben. Er sicherte immerhin das Überleben. Gedreht hat sich erst alles, hab ich glaub ich schon mal geschrieben, mit seiner Krebserkrankung und der Erfahrung, auf wen er sich in dieser Zeit auch wirklich stützen konnte.
Mir wurde der Orden "Sonne" auch schon vor vielen Jahren verliehen, und ich wusste manchmal nicht, ob das noch gelten darf ;) Nichtsdestotrotz, auch wenn es Regentage gibt (und auch geben muss): Lachen und Späßchen machen, so kennt man mich und das ist nicht immer nur Fassade ;)

allemeineleidenschaften hat gesagt…

Nicht IMMER nur Fassade??????

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

...das heißt, dass ich oft auch lache und Späßchen mache, obwohl es in mir drin ziemlich anders aussieht. Oft kann ich das überspielen, weils die Welt nix angeht. Also zumindest nicht die Arbeitswelt. Aber immer klappt das eben auch nicht. Dann werde ich nicht übellaunig - aber still.

Anonym hat gesagt…

wieder eine Gemeinsamkeit.

Danke, jetzt verstehe ich es, hab schon was anderes gedacht...

Mir merkt man es eigentlich auch nicht an, wenn ich was auf dem Herzen hab. Nur mein Mann, denn der sieht es sofort wenn ich verändert still bin.

Ich drück dich.
S.

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Ja - auch mein Mann ist fast der einzige, der (Ver)Änderungen an mir bemerkt. Und mein Großer. Der Jüngere... nur wenn er Lust hat ;)

allemeineleidenschaften hat gesagt…

:)