Mittwoch, 26. März 2014

Hausverbot

...hat mir Sohnemann erteilt - rechtzeitig, bevor ich den heimischen Herd erreichte:

Im ersten Moment musste ich grinsen und sah mich nun peinlich  mit fliegenden Haaren ins Zimmer stürmen, den oberpeinlichen Begrüßungskuss aufdrücken und durch die Haare (größter Fehler ever) wuscheln und sagen: "Na ihr zwei, gehts euch gut?"
Das wäre ja mal was - ich vermute, er würde anschließend nie wieder ein Wort mit mir reden :) Ich habe ihn dann nur gefragt, ob ich zu Hause Kopfhörer aufsetzen soll und dass er bitte daran denken soll, die Wasserflaschen aus dem Auto zu holen. Keine Antwort. Entweder sture Ignoranz der Faulheit - oder man(n) war bereits beschäftigt.

Im zweiten Moment dachte ich aber, dass mir das irgendwie grad ganz recht so ist: Ich will nämlich zu Hause ankommen und auch mal nicht gestört werden.
Scheiß Tag.
Der Tisch voller Arbeit.
Ständig Leute im Zimmer, die irgendwas wollen, wo ich mich frage: "Hallo? Mal einen Moment selber nachgedacht?"
Permanent klingelt das Telefon.
Behörden. Eigentümer. Pächter. Du stellst zurück in ein Zimmer mit 3 Kollegen. Einer ist grad nicht am Platz, die anderen beiden gehen eben nicht ran - ist doch nicht ihr Apparat: Da kriege ich ein Magengeschwür extra!
10 Anrufe pro Stunde vom Chef. 8 davon sind unter "Spaß" verbuchbar - aber ich habe keinen Nerv dafür, wenn der Tisch voll Arbeit liegt und er morgen garantiert fragen würde: "Wieso ist dies und das noch nicht fertig?" Ich muss rechnen, vergleichen, aufpassen, dass mir kein Fehler unterläuft - und mache dann doch welche. Faselfehler. Pillepalle, nix Besonderes - aber mich nervt das!
Ich hoffe, die Angebote stimmen, ich hoffe, die Auswertung stimmt, ich hoffe auch, dass die Gehaltszahlungen stimmen. Ich habs alles doppelt gegengeprüft, aber man kennt das ja... Betriebsblindheit... Grad unter Druck und Stress.
Dafür kassiere ich dann noch einen gepflegten Anschiss vom Chef, weil ich mir für ihn - mit Verlaub - Zeit zu nehmen habe. "Ja, aber dann bitte für ernsthafte, dienstliche Dinge", liegt es mir auf der Zunge - aber das verkneife ich mir und entschuldige mich dafür, dass ich nicht wahrgenommen hatte, dass eben der 9. Anruf ein solcher ernstgemeinter, dienstlicher war.
Dann bin ich eben nicht mehr belastbar, scheiß doch der Hund drauf, mein Magen schmerzt schon seit Wochen wieder und mein Bauch sieht aus, als wäre ich im sechsten Monat schwanger. Das ist der Stress, ich weiß das, und ich weiß auch, dass der Grund nicht allein in der Arbeit liegt. Der tägliche Sport baut das nicht mehr ab, ich seh überhaupt auch nicht mal nen Erfolg auf der Waage oder wenigstens in der Konfektionsgröße. Mittags esse ich - wenn überhaupt - ein Menü in Rentnergröße und fühl mich trotzdem wie Kuno, der fliegende Elefant - nur dass ich eben nicht fliegen kann. Abends esse ich Obst oder Naturjoghurt oder beides zusammen, weil ich mehr nicht mehr runterkriege und trotz alledem bleibt die Waage stur an der Hasszahl stehen.
Ich sags ja: Scheißtag(e). Aber na ja, ab morgen soll ja wieder Frühling werden. Dann wird sowieso alles leichter.

Kommentare:

Abalone hat gesagt…

Heiliges Kanonenrohr, endlich mal jemand, dem es im Büro genau so geht, wie mir. Habe heute, obwohl ich in dem Raum fast erstickte, die Tür zu gemacht. Das hielt schon mal ein paar ab, reinzukommen. Dann habe ich mein Telefon zur Zentrale umgestellt und es danach auch noch leise gestellt ("Duhu, hier ist ein Vertreter dran, der muss Dich UNBEDINGT jetzt sprechen..."). Und alle anderen, die sich trotzdem zu mir rein gewagt haben, habe ich mit dem Abalone-Blick belegt. Ich habe heute richtig was geschafft (leider darf ich mir solche Aktionen nicht zu oft erlauben).

Magenschmerzen sind sch***, vor allem, wenn sie teilweise auch von der Arbeit kommen. Hast Du nicht wenigstens ein oder zwei brauchbare Kollegen?

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

hey... tür zumachen bringt bei uns leider nicht viel - und mittlerweile beansprucht das jede "abteilung" für sich. wir sind ja "nur" n mittelständiges büro.. zuviel leute auf zu wenig raum :( da ist man irgendwie alles, auch "zentrale" bzw. "zentrale anlaufstelle".
meistens kann ichs ab. momentan nicht.
und die einzige, die mir hilft, ist meine azubine, die erste, die ich selber ausgebildet hab ;) wenn ich die nicht hätte, hätte ich längst schon in den tisch gebissen.

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

p.s. ich meinte EX-azubine - seit letztem jahr juli gehört sie fest zu uns :)

Exhausted hat gesagt…

Stress bei der Arbeit ? Schön und gut, kann passieren :-) Ist ja Arbeit und kein Hobby....
Bauchschmerzen von dem Stress ? Das ist nun definitiv nicht gut und dann stimmt etwas gehörig nicht.

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Lieber Exhausted - der normale Stress, dagegen habe ich nichts. Ich hab gerne viel zu tun, ich mag es zu sehen, wie man Dinge bewegen kann.
Ich kann jedoch nicht alles wissen, können, bewältigen und auch nicht für alles verantwortlich sein oder gemacht werden. Ich kann auch nicht mehr jedem erwachsenen Kollegen sagen, wie er sich verhalten soll, wenn die Schule anruft und das erkrankte Kind geholt werden muss.
2007 ist einer meiner Arbeitskollegen tödlich verunglückt. Er hat diesen Stress auf der Autobahn kompensiert. Die letzten Wochen vor dem Unfall hat er oft Onlinepoker gespielt und ein Glas Nutella nach dem anderen löffelweise gegessen. Inzwischen versteh ich ihn und habe die Befürchtung, dass ich irgendwann auch da lande. Ich poker nicht. Aber ich lese zwischendrin Blogs, weil ich dann für einen Moment abschalten kann. Okay ist das nicht!
Aber ich brauche Gedanken- und Konzentrationspausen. Die Kollegen auch, die gehen jede Stunde eine Zigarette rauchen.
Mein Fazit? Ich weiß nicht, wo der Fehler liegt.