Donnerstag, 27. März 2014

Nachts sind alle Katzen grau

Nachts bin ich irgendwie am kreativsten. Nachts kann ich am besten denken, fühlen, schreiben. Nachts liege ich am liebsten in der Badewanne. Nachts höre ich am intensivsten die Musik. Nachts backe ich Kuchen oder bereite mir einen Kaffee in Friederikes blauem Pott. Der ist so groß, dass da locker zwei große Milchkaffee reinpassen - also genau mein Maß. Schlafen kann ich dann übrigens trotzdem ausgezeichnet.

Die Nacht also... Vielleicht hat es etwas damit zu tun, weil nachts der Tag zur Ruhe gekommen ist. Keine Ablenkung mehr durch Menschen, die sich in meinen Tag drängen, ungefragt, ungebeten; keine Ablenkung durch Dinge, die unbedingt jetzt und gleich erledigt werden müssen.

Nachts sind alle Katzen grau? Meine nicht. Meine ist weiß, gold, rot, orange - schillernde Farben meiner Phantasie; das ist sie immer, wenn man ihr den Raum lässt.
Vor einiger Zeit habe ich mal in alten Posts von mir gestöbert, die ersten aus 2008 oder auch 2009. Und irgendwie überkam mich das Gefühl, dass ich damals mit mehr... Herzblut? geschrieben habe. Mit mehr Ruhe in mir selbst. Während sich meine Posts der letzten Monate oder auch noch länger eher.. rastlos lesen. So ein Gefühl, wie wenn mir beim Schreiben die Zeit davongelaufen wäre. Und ehrlicherweise.. habe ich viele der letzten Posts auch genauso geschrieben. Da gab es immer Themen, die ich unbedingt loswerden wollte - doch entweder war ich zu müde, bevor ich überhaupt anfing, oder es gab noch tausend andere Dinge zu erledigen - oder aber ich hatte die Hälfte von dem vergessen, das ich eigentlich sagen wollte.
Wenn ich telefoniere, spüre ich förmlich, wie ich unruhig werde, weil ich oftmals denke: Ich würde aber gern noch dies oder das schreiben - malen - tun.
Wenn ich mich mit Freunden verabrede, möchte ich diejenige sein, die wohin geht. Weil ich Leute einladen, aber nicht ausladen bzw. hinauskomplimentieren, aber gehen kann, wenn ich selber genug habe.

Friederike hat mal zu mir gesagt, ihr genüge das Gefühl, dass ich da sei, aber sie müsse mich nicht ständig um sich haben und auch nicht ständig von mir hören oder lesen. Ich wusste so gut, was sie meinte.
Und doch fange ich etwas an zu vermissen, von dem ich mir nicht so sicher bin, was es ist. Ist es die Ruhe in mir, die mir fehlt? Mein Vermögen, mich auf mein Gegenüber einzulassen, so völlig?
Ich kann das, ich weiß es.
Denn als ich zum Beispiel Friederike zuletzt begegnete, war ich tausendprozentig bei ihr.
Wenn ich bei den gelben Seiten bin, bin ich tausendprozentig bei ihm.
Aber sonst?
Fühle ich mich rastloser, unruhiger denn je, fange ich vieles an, bringe es aber nicht oder nur halbherzig zuende.
Ob es daran liegt, dass ich mich gerade an einem Punkt befinde, wo ich weiß, in ein paar Monaten wird sich mein Leben ohnehin komplett ändern?
"Ich verstehe dich grad nicht", sagen die gelben Seiten in letzter Zeit öfter zu mir.
Damit ist er nicht allein: Ich versteh mich auch nicht immer.

Kommentare:

noemiebeidenzwergen hat gesagt…

Ja Helma, ich glaube; du scheinst voller Vorfreude auf das Neue zu sein. Du bist neugierig. Du hast keine Ahnung, was kommt, du weisst nicht, ob du dich dort heimisch fühlen wirst, du weisst nicht, ob du "ankommen" wirst.. wenn das mal kein Grund ist, rastlos und unruhig zu sein - na was dann?
P.S. Wieso hat dein Kommentarfunktion geändert? Ist besser, als vorher!

~ Clara Pippilotta ~ hat gesagt…

Liebe Helma,
wenn ich das lese: Denn als ich zum Beispiel Friederike zuletzt begegnete, war ich tausendprozentig bei ihr.
Wenn ich bei den gelben Seiten bin, bin ich tausendprozentig bei ihm.

dann frage ich mich automatisch: Bist Du denn auch tausendprozentig bei Dir?

Manchmal können wir uns besser auf den anderen als auf uns einlassen.

Wenn ich mich getrieben fühle, dann bin ich nicht nah genug an mir dran, dann verliere ich mich zu schnell im gefühlten Chaos.

Vielleicht nimmst Du mal den Fuss vom Gas (sinnbildlich) und hälst einen Moment inne und spürst mal in Dich rein - was brauchst Du? Was könnte Dich ruhiger machen?

Auch der Umzug geht noch vorbei und solche Zeiten nehmen einen ganz klar auch mit. Tu alles, was Dir gut tut und dann wirst Du Dich bald auch wieder selbst verstehen - und die gelben Seiten Dich auch :)

Lieben Gruss!

Marie hat gesagt…

Dir steht ein ziemlicher Umbruch ins Haus und du krempelst dein Leben völlig um. Natürlich aus einem schönen Grund. Aber es ist eben trotzdem ein Umbruch. Ich kann verstehen, dass du dich da nicht wie die Ruhe selbst fühlst. ;)

Unabhängig davon stelle ich an mir fest, dass ich Entgiftungstage brauche. Und unbedingt Zeit und Raum für mich. Bekomme ich das nicht, werde ich erst nervös und rastlos und dann giftig. Wie ein in die Ecke gedrängter Hund, der aus Notwehr beißt. ;)

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Liebe Noemi, ja, Vorfreude, aber auch Angst mischen sich und ich glaube, die Belastung ist am größten, solange es nicht vollständig erbracht ist. Also sprich: bis ich dann auch wirklich umgezogen bin. Die Kommentarfunktion habe ich nicht verändert - was ist denn jetzt anders??
Und an Dich & Marie: Ja, es kann gut sein, dass es der bevorstehende Umbruch ist, der mich so.. unrastig macht. Ist ja nicht so, dass das Thema neu wäre, und auch wenn vieles in der Schwebe hing und ungeklärt war, so war es doch immer im Hinterkopf präsent. Ja... Das klingt wirklich logisch...
Und ich glaube, diese "Entgiftungstage", die Du, Marie, beschreibst, ich glaub, dass es genau das ist, was mir aktuell fehlt. Die Zeit & der Raum nur für mich ganz allein. Ich vermisse das sehr. Und der in Notwehr beißende Hund... treffender hätte ich es nicht ausdrücken können - aber diese Metapher hat mir gerade auch echt geholfen, es mal bewusst und deutlich auszusprechen. Mir hilft sowas ;) Danke dafür.

Liebe Clara, momentan kann ich mich selber eher weniger spüren: Ich reagiere oftmals nur noch. Auf Einflüsse, Anforderungen von außen - oder auf Wünsche der Menschen, die mir wichtig sind. Und da gehts mir eben grad genau so wie Du es beschreibst: Ich fühl mich getrieben von Ansprüchen und Wünschen anderer und kann gerade überhaupt nicht mehr wahrnehmen, was ich selber eigentlich brauche..
Nein.. ganz so drastisch ist es vielleicht auch wieder nicht.. Denn halte ich inne, weiß ich, was ich brauche: Ruhe. Ich sehne mich unendlich nach Ruhe. Nach Sonne. Nach Wärme. Nach entspannten Wochenenden, an denen ich so überhaupt nicht gefordert werde. Kein "ich müsste dies" und "ich müsste das"... Ja, das brauchte ich.

Zwischenweltler hat gesagt…

Liebe Helma, in diesem Post finde ich mich an so vielen Stellen wieder.
Ich bin auch so ein Eulen-Wesen (das dennoch jede Menge Schlaf braucht); habe auch immer wieder das Gefühl, meine Freunde zu vermissen, obwohl sie doch da sind; ich bin auch voller "Unruhe", die mich daran hindert, völlig bei mir zu sein, die aber in Wirklichkeit keine innere Unruhe ist sondern vielmehr das Ergebnis äußerer Überreizung.
Ich könnte die Liste noch fortsetzen, was nicht bringen würde. Aber ich möchte Dir noch sagen, dass genau in dieser "Unruhe" der Grund liegt, weshalb ich ein bestimmtes Date noch immer vor mir her schiebe. ;-)
Sei ganz lieb gegrüßt! ((@))

allemeineleidenschaften hat gesagt…

ach mein Helmachen..... wie sehr ich dich verstehe.....