Montag, 28. April 2014

Kleine Schatzkiste...

   

...ist mir fast schleierhaft, wie ein so junger Mensch so eine Wahnsinns-Stimme haben kann.
Vermute ungezogene Sachen - aber egal, ich liebe diese Musik.
Sehr sehr sehr.
...sind aber auch die beiden einzigen Titel seines neuen Albums, die den Weg in meine kleine musikalische Schatzkiste fanden.

..und nun hör ich noch ein klein wenig, und genieße, dass mir langsam die Augen zufallen..

Let Me Down Easy

   


Ich bin heut abend zu müde, um noch zu erzählen vom Tag, von Gedanken, Erfahrungen und von Empfindungen. In mir ist alles ziemlich ruhig und still, gleich einer unbewegten See, auf deren Oberfläche einige Kreise übers Wasser ziehen. 
Ich hab meine Beine entspannt von mir gestreckt, höre Musik und seh mich ein Kleid anziehen, in meine Pumps schlüpfen, ich seh mich bei einem Glas Wein sitzen, mich das Haar zurückstreichen und erzählen, lachen, mit rosa Wangen und glänzenden Augen. Mich im Takt der Musik wiegen... Zurück nach Hause laufen, mitten in der Nacht, die Schuhe baumeln an meinen Händen... Um nach Hause zu kommen, die Tür aufzuschließen, während ich leise ein Lied summe. Seh mich um Mitternacht noch ein Bad einlassen und Creme auf der Haut verteilen, eh ich unter meine Bettdecke schlüpfe, den Duft einatme und mich wohlig ausstrecke...

Für einen Moment ist der Druck aus meinem Kopf gewichen und hat anderen Dingen und Bildern Platz gemacht. Ich halte sie fest, ganz fest... bevor morgen um sechs Uhr der neue Alltag beginnt.

Und wenn ich mein Auto wiederbekommen kann, dann fahre ich ans Meer. Ich hab es mir versprochen.

Sonntag, 27. April 2014

Life in Motion

Zwei Stunden schlief ich in der Sonne.
Nix mit Lesen.
Außerdem hatte ich die Sonnenbrille vergessen - und die Wasserflasche auch.
Ich erwachte, weil ich glaubte, vom Regenguss erwischt worden zu sein - aber nein. Neben mir schüttelte ein Riesenmonster von Hund sein frisch seegebadetes Fell aus. Örks. Und die Hundemutter stand zehn Meter hinter mir und hielt sich erschrocken die Hand vor den Mund. Hättste ihn mal besser gerufen, den Fiffi.

Und dann stellte ich fest, dass mir der Rücken schmerzte: Zwei Stunden im Sand liegen is wohl nix mehr für mich.
Die ersten Mutigen waren auch baden - ich gehörte nicht dazu. Aber es war schön am See. Es war ruhig. Und es war friedlich. Nicht sooo viele Leute wie befürchtet.
Ich hatte meine Musik in den Ohren und hing meinen Gedanken nach. Sortierte, analysierte, verwarf, ordnete neu...
Und das Auto... Gestern mailte ich der Werkstatt meines Vertrauens die Fotos. Aber na ja - mit Handy aufgenommen vom geschockten Sohn und dann auch noch bei Nacht, da war mir selber klar: "Viel sieht man nicht." Also bleibt mir erst mal nur, morgen mit diesem Abschleppdienst zu klären, ob denen die Kostenübernahmeerklärung der Versicherung genügt oder ob sie erst das Geld haben bzw. überwiesen haben wollen, eh sie New Blue rausrücken - und dann wird es von unserer Firma abgeholt und in die Werkstatt im Nachbarort gebracht. "Ich nehm ihn mal hoch und gucks mir an", sagte er. "Die Karosserie ist kein Problem und dass der Gang nicht mehr rein geht, kann auch was Simples sein. Dass irgendwo was rausgesprungen ist durch den Aufprall. Wenn der andere ihn aber voll aufs Rad getroffen hat, dann sag ich Ihnen gleich, siehts schlecht aus." Diese Frage kann mir Junior nicht beantworten, es ging wohl zu schnell. Doch wenn ich mir die Fotos betrachte... Vielleicht haben wir Glück im Unglück und er hat ihn mehr auf der Scheinwerferecke getroffen, so wie es aussieht. Aber das... sieht man dann eben doch erst, wenn er oben auf der Bühne hängt.
"Gehts dir besser?" fragte mich heute meine Freundin.
Ich weiß das gar nicht so genau. Ja vermutlich schon.
Ich denke viel nach, vor allem auch über mich selbst. Über mich als Kind, über mich als junge Frau, über mich als Mutter - und nicht zuletzt über mich als Partnerin. Als Kind war ich extrem schüchtern und ängstlich, habe mir meine Phantasiewelt aufgebaut und teilweise darin gelebt.
Als junge Frau war ich immer noch sehr schüchtern und ängstlich, aber dann bekam ich meine Kinder - und an dieser Aufgabe wuchs ich.
"Deine Kinder haben dir echt gut getan in deiner Entwicklung", hat mir mal vor rund 15 Jahren einer gesagt. Was ich absolut nicht hatte, war ein Selbstbewusstsein oder ein Durchsetzungsvermögen und konsequent war ich auch nicht. Das lernte ich im Grunde erst, als Junior I in die Schule kam und wo es schon seit Jahren hieß, er habe schwere Absencen und auch eine Infektallergie. Mit ersterem sei er maximal hilfsschulfähig, mit letzterem bei jedem Infekt in Lebensgefahr.
Es hat sich beides nicht bestätigt - und in diesen Jahren habe ich auch sehr viel über mich gelernt und auch, mich durchzusetzen, mich zu behaupten, mir bewusst zu werden, dass auch mein Wort etwas galt.
Und nach der Ehe... Es war ein langer Weg für mich von damals bis hierher und ich weiß nicht, ob ich glücklich bin mit mir selbst. Ich zweifle an mir und hadere an mir, und die einzigen, die immer bedingungslos zu mir standen, waren eine Freundin von mir und meine Mum.
Es fällt mir sehr, sehr schwer, um Hilfe zu bitten. Meist versuche ich es immer erst im Alleingang, aus eigener Kraft. In der Ehe habe ich nie niemals Hilfe oder Unterstützung bekommen, es musste einfach immer aus eigener Kraft gehen und daran hatte ich mich irgendwie gewöhnt. Für das Ende dieser kack Ehe habe ich wahnsinnig viel (Lehr)-Geld bezahlt, und eigentlich werde ich erst jetzt mit dem Abbezahlen fertig. Mir ist das oft vorgehalten worden, von Freunden und Familie, und ich habe gearbeitet wie ein Pferd. Das hat mir dann irgendwann endlich auch Anerkennung im Job gebracht und viel mehr Verantwortung. Das ist eine Last mitunter, von der ich nicht weiß, ob ich sie auf Dauer tragen kann, und es ist eine Last, die mich beginnt zu verändern. Ich habe heute weniger Zeit für andere Menschen - und nehme sie mir auch nicht immer. Nur wenns brennt. Ich bin unduldsamer geworden und Schwächen lasse ich weniger durchgehen. Kritik äußere ich offener und direkter und nicht mehr so diplomatisch wie früher. Ich könnte mir gut vorstellen, dass die Kollegen inzwischen von mir sagen "arrogante Kuh" - und vielleicht haben sie auch recht damit. Auch wenn sie wissen, sie können immer zu mir kommen und ich regle die Dinge dann schon. Trotzdem...
Nein, ich bilde mir weiß Gott nicht ein, irgendwas Besseres zu sein oder zu können, echt nicht. Aber ich lasse mir auch nicht mehr alles sagen und behaupte meinen eigenen Kopf. Dann fahre ich anderen auch mal über den Mund.
Und so... Tief in mir drin vermisse ich etwas von mir. Etwas von früher, ich weiß nicht mal genau, was das ist. Früher war ich sanft und anschmiegsam - und heute? Ja, ich bin das irgendwie immer noch - aber ich hab andererseits auch.. eine harte Seite bekommen. Eine, die hart ist zu sich selbst und aber auch zu anderen - nur nicht zu den eigenen Kindern. Ich fühl mich wie ein Mutterschiff, das die beiden trägt, mehr als es wohl sein sollte. Objektiv sind Mütter vermutlich alle nicht - und ich auch nicht. (Wobei, meine eigene Mum kann mir durchaus schon auch klare Ansagen machen, und das ist ja auch gut so ;)) Es hat unerträglich viel Kummer im Leben der Jungs gegeben seit der Trennung, und wohl aus meinem (vielleicht falsch verstandenen) Schuldgefühl heraus trage ich wohl mehr als ich sollte? Oder bin ich prinzipiell eher immer der liberale Mensch gewesen, der eher Freundin denn Mama war? Ungerechtigkeiten zerfressen mich, und wenn Stärkere Schwächere bedrängen, sehe ich rot. Materielles bedeutet mir nichts, zumindest nicht soviel, dass es mein tägliches Denken und Handeln bestimmt. Was ich habe, teile ich immer und immer gern. Früher als Kind, wenn meine Oma vom Osten in den Westen zu ihrer Schwester fuhr und Pakete schickte, war immer viel für uns Kinder dabei: Kaugummis von Fix & Foxy (kennt die noch einer?), Schokolade und so, und dann sagte sie zu mir: "Das ist aber wirklich nur für dich, verschenk nicht immer alles." Ich habs trotzdem gemacht - weil meine Freundinnen sowas nicht hatten. Mir war egal, dass ich in den elf Jahren des Alleinlebens mit den Kindern nicht im Urlaub war - außer auf der Insel. Mir war wichtiger, dass wir für uns  ein gutes Leben hatten - und dass Junior II vor zwei, drei Jahren zu mir sagte: "Ich hatte eine richtig schöne Kindheit." Jetzt ist er 18, wird in diesem Jahr 19 und wird mit der ersten eigenen Wohnung auch in sein eigenes Leben starten.
Und ich sitze hier, grübele über mich und mein Leben nach, über mein Auftreten und meine Erziehung und frage mich, ob es vielleicht besser ist für sie, dass ich hier weggehe? Damit sie sehen und wissen, dass ich nichts mehr für sie lösen und regeln kann - und sie eben selber ran müssen? Etwas, das sie eigentlich längst hätten lernen sollen? Habe ich sie ausgebremst in ihrer Entwicklung? Ja, vermutlich habe ich das. Und es ist egal, ob ich es gut gemeint habe. Ich glaube, ihnen hat einfach der Vater gefehlt - oder eben eine Vaterfigur. Als Mama... neigt man wohl doch eher dazu, zu weich zu sein, zu liebevoll, zu nachsichtig. Keine Ahnung, irgendsowas.
Junior I habe ich gefragt, warum er sich so hängenlässt, seitdem er wieder ohne Arbeit ist. Er kann es mir nicht beantworten. Vielleicht weiß er es ja wirklich nicht und es läuft eher unbewusst bei ihm ab. Ich für mich habe jedenfalls beschlossen: Ich werde ihn nicht mehr jeden Tag nötigen und auffordern, ihn nicht mehr an seine Termine erinnern. Erinnert habe ich ihn lediglich daran, dass ich ab August nicht mehr hier bin - und sein Bruder in einer eigenen Wohnung. Er also keinen Rückzugspunkt mehr hat vom unerträglichen Zusammensein mit dem Vater. Es also ganz allein bei ihm liegt. Entweder er tut was und "bewegt" sich - oder er muss die Konsequenz tragen. Ich glaube schon, dass ich sehr deutlich war. Ob es etwas bringt... wird sich zeigen.
Und ich? Wie fühle ich mich denn jetzt nun? Besser als gestern? Ich habe immer noch keine Ahnung. Es arbeitet in mir.
Und dann muss ich morgen  vor allem auch meine Gynäkologin anrufen und fragen, ob der Befund da ist - und dann den Kontrolltermin für Mai ausmachen. Life goes on.

Der frühe Vogel

Seit Stunden bin ich wach, habe nur wenig geschlafen und mir noch vor dem Sonnenaufgang den ersten Kaffee gemacht. Habe auf meinem Bett gehockt, die Arme um die Knie geschlungen und auf den Morgen gewartet.

Nun ist  es zehn Uhr und das Thermometer zeigt schlappe zwanzig Grad.
Noch nix zu sehen vom angekündigten Regen.

Ich werde mir ein Buch einpacken, eine Decke, eine Sonnenbrille - und natürlich meine Musik. Muss nur warten, bis der Akku wieder voll ist. Wenn ich schon nicht ans Meer fahren kann, dann gehe ich eben hinunter zum See, lege mich dort in den Sand (der ist dem am Meer sehr, sehr ähnlich) - und vielleicht fühle ich mich dann auch besser? Wer jeden Tag im schattigen Büro hockt und abends kaum noch Zeit aufbringt, die Abendsonne für sich zu nutzen, gerät vielleicht auch je nach Anlass viel eher in emotionale Schieflage als es normalerweise der Fall wäre. Dem fehlt dann einfach was, das ist immerhin wissenschaftlich bewiesen.
Manchmal... wenn ich so andere Menschen höre oder lese, dann... frage ich mich schon, ob eine an den Tag gebrachte Fröhlichkeit nicht nur aufgesetzt ist, ein Schutzschild quasi, an dem der Alltag abzuprallen hat. Oder kann man wirklich jeden Tag bunte Seifenblasen in die Welt setzen? Ist das echt so? Oder liegen die jeden Tag in der Sonne?
Falls nicht, dann hätte ich vielleicht doch auch gerne was von diesen Pillen.
Oder doch besser ein Weißwein? Na ja, aber um diese Uhrzeit... Andererseits, wen interessiert schon, was andere denken.

Samstag, 26. April 2014

Noch immer wie betäubt


...gleite ich durch den Tag und ertappe mich ab und an bei dem Gedanken, dass vielleicht alles nur ein kack Traum war. Dann bereite ich mir einen Kaffee und schau nebenher auf die Straße hinunter, ob nicht doch der kleine Blaue... mit dem Aufkleber "I (Herz) M-V"... an der Straße...
Es ist nicht der Blechschaden als solches, der mich quält. Es ist der Schmerz drumrum, der mich quält.

Und dann liege ich hier, denke an den letzten Abend, an all die Leute, die ich zehn Jahre und länger nicht gesehen habe. Die meisten hätte ich wiedererkannt. Bei manchen musste ich zweimal hingucken. Nur zwei von ihnen, nein drei, haben sich äußerlich überhaupt nicht verändert. Sind kein Stück gealtert.
Ach das war irgendwie schon schön. Die Fotoalben, die herumgereicht wurden. Alles hatte irgendwann Ende der sechziger Jahre mit einer Hauptabteilung Forschung & Entwicklung begonnen, Ende der achtziger Jahre kam ich dann dazu. Blutjung, gerade zwanzig Jahre alt und mit blondem Haar. Das ich zehn Jahre später immer noch so trug...


...ok, die Bildqualität ist mies mieser am miesesten - ist halt nur der Farbausdruck gewesen, den ich abfotografierte. Das muss Ende der 90er gewesen sein, 98 oder 99, denke ich. Damals war ich an einem Punkt, wo ich dachte, das Leben wäre geregelt und zöge sich nun dahin... und dahin... und dahin... Damals hatte ich noch so gar keine Ahnung, dass sich nur wenige Jahre später alles grundlegend verändern würde und ich habs gestern auch zu einer meiner Ex-Kolleginnen gesagt: "Ich bereue nichts - und es geht mir wirklich gut heute."

Mein Ex-Chef, vorn im Bild, ist inzwischen einiges über 70 Jahre alt, sein ganzes Herzblut steckte in der Firma und ihm war letztlich auch zu verdanken, dass es 98/ 99 überhaupt mit dieser noch weiterging.
Und nun haben sie Insolvenz angemeldet und in etwa zwei Wochen sollen dort die Lichter ausgehen.
"Tut Ihnen das nicht weh?" fragte ich schockiert.
"Na klar tut das weh", lächelte er, "aber ich bin ja auch lange schon nicht mehr dabei, nicht mal mehr als Teilhaber. Ich hab eigentlich schon vorher damit abgeschlossen."

Er hat sich bedankt, dass so viele gekommen waren, auch wenn noch etliche der Kollegen fehlten. Urlaub, Desinteresse oder Krankheit - man steckt eben nicht drin.
In zwei oder drei Jahren wollen wir uns alle wiedertreffen und ich habe schon jetzt zugesagt. Ich werd dabei sein, egal, wohin es mich inzwischen verschlagen haben sollte.

Hätte Hätte Fahrradkette

Wäre ich doch nur nie zu dieser Party gegangen.
Hätte ich Junior I doch nur nie gesagt: "Fahr mal bitte noch zu XY und hol mich auf dem Rückweg ab."
Hätte ich doch alles selber - oder auch gar nicht gemacht.
Hätte Hätte Fahrradkette.
Bringt alles nichts.
Aber das Herz rutschte mir gestern Abend, als ich das zweite Glas Weißweinschorle erhoben hatte, in die Jeans, als der Anruf kam: "Da gab es einen Unfall."
Junior ist nichts passiert - das ist erst mal das Wichtigste.
Auch dem anderen Geschädigten ist nichts passiert, "nur" Blechschaden.
Und ich saß da in diesem Lokal, das sich nach und nach leerte und ich konnte nicht nach Hause, weil ich meinen Schlüssel Junior I gegeben hatte. Es gibt nur zwei Schlüssel zu dieser Wohnung - und Junior II weilte auswärts bei einem Mädchen. Weit auswärts.
Gegen 22 Uhr kam der Anruf, da war die Polizei wohl schon auf dem Weg zum Unfallort.
Zwei Stunden saß ich erst vor meiner Haustür auf dem Fahrradständer, pieselte vor Angst unbemerkt in die unbeleuchtete Ecke (Gott, wie asi) - und wartete auf Junior I.
Bis der dann endlich kam: Ein totenbleiches Gesicht, hohlwangig, der Rücken gebeugt. Er gab mir alle Zettel und Papiere, die er von der Polizei bekommen hatte und ich nahm ihn erst mal in die Arme.
Zu schnell gefahren, auf die Hauptstraße gerutscht, nicht mehr bremsen können und der andere fuhr ihm in die Seite. Als er mir die Fotos in seinem Handy zeigte, dachte ich: "Mensch... das kann man doch irgendwie hinkriegen?"
"Man kann keinen Gang mehr einlegen", sagte er leise, "und als sie ihn auf den Transporter schleppen wollten, haben dauernd die Räder blockiert."
Mein Herz rutschte tiefer. Getriebe? Lenkung? Oder doch "nur" ne Blockade? Selbstverschuldeter Unfall, da weiß man, wer die Kosten trägt - oder was sonst aus New Blue wird.
"Und der Abschleppdienst will zirka 500 Euro, vorher geben sie das Auto nicht raus."
Junior hatte weder Geld noch Geldkarte bei sich - nur gut. Sonst hätte er vermutlich erst mal die 500 Euro gelöhnt, aber ich bin mir noch nicht sicher, ob das auch wirklich DER Preis ist. Das wird sich zeigen, wenn die Rechnung an die Versicherung gehen soll.
Fakt ist: 150 km Abschleppen habe ich inklusive und der Versicherungsmensch meines Vertrauens sagte mir heute Morgen, er würde sich kümmern und mich heute Nachmittag informieren.
Von der Firma bekomm ich ab Montag einen Dienstwagen gestellt.
Vom ADAC bekomm ich als Basismitglied leider keine Hilfe auf Kulanzbasis: Sohnemann dürfte nicht älter als 23 Jahre und müsste polizeilich bei mir gemeldet sein. "Das wird so leider bisschen kostenintensiv", entschuldigte sich der gelbe Engel, aber die kann ja auch nix dafür.
Was ich wirklich schön fand: Jeder einzelne von denen, zu dem ich verbunden wurde, fragte als allererstes: "Ist Ihrem Sohn etwas passiert?"
In der Schrauberwerkstatt meines Vertrauens soll ich mich heut Nachmittag melden, ihm ggf. die Fotos schicken. "Wenn der es nicht kann, finden wir eine andere Lösung, auch finanziell", sicherte Chef mir zu.
Wie auch immer das dann aussehen wird - mir wurde trotzdem leichter, weil ich fühlte: Ich bin nicht alleine.

Ich bereue nicht, meinem Sohn mein Auto überlassen zu haben. Ich bereue nicht, ihm Dinge zuzutrauen, auch wenn ich weiß, dass immer etwas passieren kann - und er da nicht gerade ein Glücksvogel ist. Ich will nicht wie sein Vater sein, der ihn nichts tun lässt und ihm auch nichts überlässt, weil der auch bloß Angst hat, dass das Geld kosten könnte. Was auch immer jetzt kommt, Junior wird es (mit)tragen müssen.
Ich bereue nur, dass ich ihm gesagt hatte: "Fahr mal bitte noch da und da hin und dann hol mich ab."
Diese Erledigung war nicht überlebenswichtig und hätte vielleicht auch nicht sein müssen. Im Nachhinein ist man ja immer schlauer.
Es war meine Schuld. Und sein Vorfahrtsfehler.
Und nun müssen wir beide das Beste draus machen.

...ich hab noch die Stimme der Frau in den Ohren, die heute zu mir sagte: "Jetzt weinen Sie doch nicht so. Es ist nur Blech, vergessen Sie das nicht. Das Leben, die Gesundheit Ihres Sohnes ist doch das Entscheidende."
Sie hat ja so recht. Auch wenn ich ihr nicht sagen konnte, was mich eigentlich wirklich schmerzt.

Freitag, 25. April 2014

Und so ganz nebenbei...

...ist der Frühsommer dann auch bei uns angekommen. So dass ich heut schon barfuss in den Römerlatschen unterwegs bin...



...oder sollte ich sagen: Der Wahnsinn ist hier?

Fakt ist: Heut Abend ist große Wiedersehensparty angesehen - alle (ehemaligen) Kollegen von anno dunnemals der Firma, zu der ich bis vor 11 Jahren auch noch gehörte. Hach, wat freu ick mir. Und dann isses auch noch so, dass ich nicht mit dem Auto da hinfahren muss.
Prösterken!

Und natürlich habe ich - wie immer - nix anzuziehn. Na ja. Hab ja noch drei Stunden Zeit, mir was Gescheites zu überlegen. Ich weiß halt auch nicht... Geht man zu solchen Anlässen entspannt in Jeans oder besser im Kleid(chen)? Momentan tendier ich eher zu ersterem. Mal sehen, ob sich das noch ändert. Drei Stunden sind ne lange Zeit. Oder auch nicht. Hmpf.

Donnerstag, 24. April 2014

Pandoras Box


Du hast eine. Und du. Und du. Und ich auch. Meine ganz private, persönliche Box, in die ich alles hineinlege (oder es versuche), das mich irgendwann verletzt, zerrissen, zu Boden geworfen hat.
Man hat mir gesagt, wie man verarbeitet.
Man hat mir gesagt, wie es sich lebt mit dem Verarbeiteten.
Manchmal denk ich, ich habs begriffen. Und gelernt.
Und dann erschreckt es mich, wie weniger Worte es bedarf, um genau diese scheiß Box zu öffnen und Erlebnisse hochkommen zu lassen, die ich einfach nicht haben will, die ich nicht mehr fühlen, nicht mehr sehen will.
Es ist Nacht und ich starre hinaus in das Dunkel und ich fühle meinen eigenen Herzschlag bis kurz unter das Kinn. Ich schließe die Augen, ich öffne sie wieder und ich bemühe mich krampfhaft, alte Verletzungen wieder zurückzustopfen.
Ich will das nicht mehr.
Ich will das einfach nicht mehr haben, nicht mehr fühlen, nicht mehr erinnert werden.
Verdammte Scheiße, und ich weiß nicht mal, was mich grad mehr schmerzt: die Erinnerung daran oder aber die Reaktion des anderen, die man gleichsetzen könnte mit den Worten "ich weiß überhaupt nicht, was du schon wieder hast." Weil es Erinnerungen sind, die ich vor allem mit dieser Person verbinde, verbinden muss - und dann schmerzt es doppelt.

Und ich sitze immer noch hier, starre noch immer hinaus in das Dunkel und frage mich, wonach mir jetzt, genau jetzt gerade wäre?
Ich würde so gern meine Reisetasche hervorzerren, ein paar Kleider hineinwerfen, Schuhe, und im Kontrast dazu würde ich gern zu meinen Wohlfühlhosen noch die Jeansjacke überziehen, das Haar zu einem Knoten winden - und dann möchte ich ans Meer fahren. Ganz allein. Mit mir ganz allein - weil ich das manchmal so brauch und weil ich inzwischen auch sehr gut mit mir allein sein kann. Mit genau solcher Musik, weil sie es trotz allem vermag, mich frei fühlen zu lassen. Weil sie es vermag, mir eben diesen Geschmack von Freiheit, von unbändiger Freiheit und dem Drang, rauszuwollen, auf die Zunge zu legen.
Ich würde gern nachts irgendwo am Meer ankommen wollen, im Auto schlafen. Morgens Sonnen an die beschlagenen Scheiben malen. Mir einen Kaffee holen und zum Wasser hinunterlaufen.
Schöne Nachtträume. Ja. Dabei weiß ich, dass ich viel zu viel Angst hab. Scheiße. Scheiße. Scheiße.

Kleine Statistik zum Feierabend

Der Feierabend steht unmittelbar bevor (und angesichts des hiesigen Wetters bedaure ich einmal mehr, keinen Urlaub genommen zu haben. Wo doch der geplante Italientrip im Mai ausfällt. Aber wenn, mach ich Urlaub ohne die Jugend. Will mich ja erholen und nicht aufregen.)
Jedenfalls, ist bald Feierabend, der Kaffee nun auch ausgetrunken und irgendwie habe ich das letzte bisschen Motivation zum Arbeiten auch irgendwo ins Nirvana verabschiedet. Zu lesen gibts grad auch nix Neues, also schaute ich mal eben wieder in meine Statistik. Insbesondere die der Suchwörter:

chaos beseitigen
Ja. Damit findet man zweifellos meinen Blog.

lustige profilbilder whatsapp
Hatten mer schon, is n alter Hut. Kommt aber interessanterweise fast täglich in der Statistik vor. Genauso wie

profilbild für whatsapp
Meine Fresse, nehmt doch Euer eigenes. Wer Eure Nummer hat, kennt Euch doch sowieso schon.

gummibärchen liebe
Ich hoffe, das verwächst sich noch.

ich bin so müde
Ja, ich auch. Jeden Tag. Nur nachts bin ich *bämm* wach. Na ja meistens.

lesben
Hab ich kein Problem mit. Jeder wie er liebt. Und ich liebe ausschließlich Männer. War immer so, wird auch immer so sein. Aber ich wünsch mir immer noch echt sehr nen schwulen Freund. Sie sollen die besten Freundinnen sein - allerdings auch die anstrengendsten. Ich würd gern selber herausfinden, ob das stimmt.

liebesbriefe für ihn vorlagen
Ha. Ich weiß, welcher Post ihm/ ihr da erschien. Allerdings sind die schönsten immer noch die, die vom eigenen Herzen kommen.

monster des alltags schweinehund
Wenn Ihr ihn gefunden habt, hängt ihn auf.

Ja und das wars dann auch schon wieder. Nix Unspektakuläres mehr von wegen Sex mit alter Oma und Hängetitten und sowas. Ist mir eh immer schleierhaft gewesen, wie man damit auf meinen Blog kommen konnte.

..un nu lacht se auch wieder

...die Frau Ziggenheimer. Weil mir grad ein Anekdötchen von gestern Abend einfällt.
War ich doch da noch schnell im Supermarkt um die Ecke und dort lief mir ein Opa über den Weg, den ich schon öfter mal dort gesehen habe. Und - nix für ungut - ich mache in der Regel auch einen Bogen um ihn. Ist auch nicht böse gemeint, aber Menschen, die stinken und vor allem, wenn sie aus Unsauberkeit heraus stinken, dann MUSS ich entweder die Luft anhalten - oder eben nen Bogen machen.
Ich mein, mit alten Leuten hab ich eher Mitleid, weil ich immer denke: Vielleicht können sie auch nicht mehr so wie sie wollen oder sie riechens auch einfach nicht mehr, keine Ahnung. Wobei... der Opa der gelben Seiten ist auch 97 Jahre alt - und ich hab noch nie festgestellt, dass der stinkt. Ganz im Gegenteil. Auch wenn er zuletzt die Schrauben ins Gefrierfach und die Margarine in die Waschmaschine legte: Er ist immer adrett angezogen, gewaschen und gekämmt.
Na ja. Man weiß nicht, wie man selber unterwegs sein wird - in 50 Jahren.

Jedenfalls, dieser Opa von gestern nun. Wir standen beide am Kühlregal für Käse, Joghurt & Co. und dann erklang dieses unmissverständliche Pupsgeräusch. Laut! Mehrfach! Nicht wiederaufhörend!
In mich hineingekichert habe ich dann aber doch, als der Opa sich ungläubig drehte und wendete, die Pupsblubbergeräusche jeder Bewegung folgten und er mich ganz erschrocken ansah: "Wer war das?"


Und irgendwie bin ich dann doch geplatzt

...gestern Abend, als ich wieder nach Hause kam und irgendwie... nicht mal die Hälfte dessen erledigt war, die hätte erledigt sein sollen - und dabei gings hier nicht mal um ganz normale Beteiligungen am gemeinsamen Leben (Geschirr spülen, Müll wegbringen, Post wegbringen), sondern vor allem um das Thema "Bewerbungen schreiben" und "Praktikumsplatz sichern".
Junior II beginnt nun am Montag sein Praktikum in einer Wohnstätte für Menschen mit Behinderungen. Auch bei uns - mehr oder weniger - um die Ecke; es ist das Praktikum, um das er sich erst letzte Woche Donnerstag bemüht hatte und wo man ihm sagte: "Komm Mittwoch wieder, dann ist der Chef im Haus."
Ich hatte ihm noch gesagt: "Googel dir noch Alternativadressen nur für den Fall, dass...." Denn wenn auch nur eines der vorgeschriebenen Praktika fehlt, wird er nächstes Jahr nicht zur Prüfung zugelassen - und ich glaube ja nun nicht, dass es das ist, was er will.
Und?
Hat er gegoogelt?
Ach i wo. Wieso sollte er auch. Es wird schon klappen, hatte er gemeint, und auch hinzugefügt: "Ich geh gleich am Vormittag."
Nur mal spaßeshalber hatte ich gestern Mittag um exakt 12.10 Uhr zu Hause angerufen - und mich erwartete (klar) eine gähnende Stimme: "Du hast mich grad geweckt."
Da könnte ich ausflippen! Bin ich dann auch. Ein paar gepflegte Forderungen an den Kopf geknallt, und endlich setzte sich der Junge in Bewegung. Eine Stunde Styling, 20 min Fußweg, schätzungsweise 20 weitere Minuten Vorstellung - und dann schrieb er mir: "Got it!"
Ich gebe zu: Na klar war ich erleichtert und irgendwie auch froh - aber irgendwie hätte ich ihm auch einen Denkzettel gewünscht "Junge, du kommst ein bisschen zu spät, da waren andere schneller." Das habe ich Junior so ungefähr auch geantwortet und er reagierte prompt: "Du hast ja recht, stimmt schon."

Na ja. Haben wir das wenigstens geklärt.
Junior I dafür hat keine einzige Bewerbung geschrieben gestern, und von meiner Post auch nur die Hälfte abgegeben. "Und wieso das andere nicht?"
"Mutsch, da waren nicht genug Marken drauf."
"Na und warum hast du dann nicht welche nachgekauft? Du hättest das Geld doch wiederbekommen?"
"Ich hatte leider kein Geld dabei."
"Aber du hattest mein Auto. Wärst noch mal heimgefahren, Geld geholt, noch mal zur Post gefahren. Wo ist das Problem? Du weißt doch, dass es wichtige Post ist?"
Er rauchte schweigend und schaute betreten zu Boden.
Das ist es, was ich nicht vertrage: Wenn er gerne zockt und diese Woche auch irgend so ne Convention ist, zu der seine Gruppe ihn als Leader bestimmt hat - dann bitte sehr, soll er das machen, aber erst NACH den Pflichten, Herrgottverdammich! Er ist jetzt seit 2 oder 3 Wochen wieder ohne Arbeit und alles, an was er denkt, ist Zocken?! Es ist nicht nur, dass der Lebenslauf scheiße aussieht, wenn er so viele Lücken drin hat; es ist ja auch, dass im Juni das letzte Arbeitslosengeld kommt - und eigentlich wollte er doch endlich, endlich beim Vater ausziehen und seine Ruhe haben? Wie will er das bewerkstelligen ohne Einkommen?
Soll ich jetzt froh sein, dass ich im August wegziehe, weil er sich vermutlich erst dann bewegen wird, wenn er  dann erkennt, dass er jetzt keine Nothaltebucht vor dem Vater mehr hat? Und bis dahin wird fröhlich gezockt bis zum Umfallen?
"Nein, tu ich ja nicht", murmelte er und mir schwoll noch mehr der Kamm: "Du zeigst mir aber nichts anderes!"
Und dann betrat ich meine Küche. Die sah genauso aus wie am Abend zuvor. Nix gemacht. Gar nix.
"Der Bruder macht das heut Abend, wenn er wiederkommt, hat er gesagt", meinte Junior I schuldbewusst. Er kennt mich. Er weiß genau, dass ich solche Ausreden nicht nur hasse, sondern dass ich es mindestens genauso hasse, wenn den ganzen Tag lang nix passiert und dann abends gegen 20/ 21 Uhr die Jugend wach wird.
Und da bin ich Sturm gelaufen. Gegen Junior I und Junior II - da hätte mir auch kein Sack aus Schokolade geholfen, da musste einfach Tacheles geredet werden. Junior I entschuldigte sich bei mir, nachdem er mir aufgezählt hatte, was er alles an diesem Tag zu erledigen hatte und wie wenig Zeit ihm geblieben war.
"Spar dir diese Ausreden", habe ich gewütet, "was kann ich dafür, dass du erst um 12 aufstehst, wenn du genau weißt, dein Tagesplan ist voll? Der Abwasch hätte maximal 10 Minuten gedauert - und die zehn Minuten sollte ich dir und sollte dir auch unser Zuhause wert sein!"
Er hat sich dann noch mal entschuldigt, aber darum gings mir gar nicht. Mir gings darum, dass sie endlich begreifen, dass Beziehungen zueinander, auch in einer Familie, vom Gleichgewicht des Nehmens und Gebens leben - und dass ich das Gefühl habe, hier diejenige zu sein, die ständig gibt und tut und immer weniger zurückbekommt.

Ja, nun kann man sagen: "Hach ja, die unbeschwerte Jugend..." - aber Mensch, die wollen in ein paar Wochen allein leben und nen Haushalt führen! Ich denke jetzt lieber nicht darüber nach, wie das aussehen wird. Kann mir auch egal sein. Soll mir auch egal sein. Junior II ist dann fast 19, da muss ers auch alleine hinkriegen. Wird er sicherlich auch.

Trotzdem kotzt mich das alles maßlos an. Die letzten gemeinsamen Wochen hätte ich einfach gerne anders mit ihnen verbracht. Und so bin ich um Punkt 19.28 Uhr in mein Bett gekrochen, hab die Tür hinter mir zugeschlossen und war so todmüde, enttäuscht und auch traurig, dass ich wenigstens fast sofort eingeschlafen bin. Wer schläft, merkt nichts mehr.

Andererseits... habe ich heute Morgen beim Frühstück in meinen Lieblingsblogs und auch in Blogs in deren Favoriten rumgelesen. Von Müttern mit schwerstbehinderten Kindern. Von Frauen mit Krebs. Von Menschen, die sich von ihrem/ ihren Liebsten verabschieden müssen. Es gibt viel Kummer in der Welt. Es gibt aber immer noch auch viel Sonne in der Welt - und ich will einfach meinen Fokus mehr in der Sonne haben. Ich wills mir selbst nicht schwerer machen als es ist - aber ich will auch nicht nur wegschauen, ignorieren oder durchgehen lassen. Manchmal ist es irgendwie.. anstrengend, die richtige Balance zu finden.

Mittwoch, 23. April 2014

Eigentlich wollte ich ja....

Als ich gestern Abend nach Hause kam und feststellte, dass die Jugend maximal die Hälfte dessen abgearbeitet hatte, was auf deren to-do-Liste stand, da erwog ich zunächst, sie entweder

a) zu enterben
b) nicht mehr zu kochen
c) nicht mehr zu bügeln
d) kein Taschengeld mehr zu überweisen oder
e) das WLAN auszuschalten und meine Tür, hinter der sich alles verbirgt, sorgsam zu verschließen.

Oder am besten alles zusammen? Damit die Botschaft auch wirklich ankam? Ja, so gemein kann eine Mutter sein, wenn man nicht tut, wie von ihr befohlen.

Aber dann... legte ich mich raus auf die Terrasse in den Liegestuhl, streckte entspannt die Beine aus, trank irgendwann meinen ersten Feierabendkaffee und aß ein paar von den Schokoladeneiern aus Oma Ziggenheimers Osterpaket...

War da was?

So einfach kanns gehen. Man muss nur wollen!

Dienstag, 22. April 2014

Die Deppen der Nation

...sind wir hier, der kleine klägliche "Rest", der sich dazu bereit erklärt hatte, die Tage nach Ostern wieder frisch und froh im Büro anzutreten.
Na ja, frisch....
Na ja, froh....
Obwohl - eigentlich hat das auch sein Gutes, dass ich NICHT zu Hause bin. Denn da verweilt die Jugend und frönt der Ferien und der sonstigen, wenn auch ungewollten Freizeit und wie DAS aussieht... will ich gar nicht sehen. Du kriegst kaum einen ans Telefon und wenn dir ein solcher Glücksgriff dann doch tatsächlich gelingt, dann bekommst du auf die Frage "Habt ihr an die Brötchen gedacht, die ich euch mitgebracht hatte? Wär schade, wenn sie verderben" die Antwort: "Ja stimmt, ich sage dann dem Bruder noch bescheid wegen dem Praktikum."
Ich glaub, ich steh im Wald!
Herrschaftszeiten aber auch!
Können DIE froh sein, dass ich heut etwas müde in den Seilen hänge, nachdem ich die halbe Nacht Musik hörte, bis ich endlich einschlief - und heut morgen begreiflicherweise nicht in die Gänge kam. Eine Lerche jedenfalls wird aus mir nie. Nie! Insofern bleibt der Jugend das heutige Donnerwetter höchstwahrscheinlich erspart. Wobei denen das sowieso egal ist. Auch dass ich manchmal aus Frust und Gnatz die Küche kalt ließ, störte sie nicht. Aßen sie halt, was sonst so im Kühlschrank, in der Futterkammer oder der Obstschale lag. Eigentlich stört sie nur eins, nämlich das, wozu ich mich gestern Abend hingerissen fühlte: Den Stecker zum WLAN ziehen. Hach war dat ne Freude zu Hause! Wobei Junior II auch stören würde, wenn ich einfach das Waschen seiner Lieblingsshirts sein lasse. Au ja. Nette Idee! Das braucht er schneller wie ein warmes Essen. Hä hä.

Jedenfalls, als ich gestern Abend nun eben wieder zu Hause eingekehrt war, die Taschen entpackt hatte, ein bisschen Ordnung in die vier Wände (ausgenommen das Jugendzimmer, das geht mich nüscht mehr an!) brachte und meinen Glücksklee bestaunte: Ich mag vielleicht weniger Stengel haben als die gelben Seiten, aber dafür sind meine Blätter riiiesig und nich so kleene such-mich!-Blättchen wie beim Liebsten! Ja ha ha, solche Wettbewerbe genießen wir, wenn wir nix anderes zu tun haben. Ist ja auch nix Verwerfliches bei. Erinnert mich aber doch bisschen an ne Karikatur, die ich noch zu tiefsten DDR-Zeitungen mal in einer Jugendzeitschrift sah, in den Weiten des world wide web nicht wiederfinden konnte (da mir der Name des Zeichners völlig entfallen ist) und so habe ich mal eben fix und ganz spontan nachgezeichnet. Ist ja auch nicht so, als hätten wir hier im Büro nix zu tun bzw. nix zu arbeiten. Ne kleine schöpferische Pause jedoch sei mir gegönnt, anschließend fällt das Denken und Konzentrieren wieder vieeel leichter.

Ja und dann lag ich anschließend ausgebreitet auf meinem Sofa, vertiefte mich in die Weiten der Musik und ließ die Gedanken treiben und mich zur Ruhe finden. Lag da in meinem riesengroßen Strickpullover, den Laptop auf dem Schoß, die Kopfhörer auf den Ohren und dann dachte ich so bei mir... Ist irgendwie doch was Schönes, wieder zu Hause zu sein. Wo es nach meinem Zuhause atmet, in den Kissen, in den Ecken, neben mir ein Pott Kaffee und draußen breitete der Nachthimmel langsam sein Sternenzelt aus...
Ruhe. Gemütlichkeit. Entspannung.
Keiner, der mir mal eben über das Display wischt, während ich blogge, nur weil ihm einfällt, dass das auch mal wieder gesäubert werden müsste.
Keiner, der mich fragt, ob ich koche oder backe.
Keiner, der mich aus meiner Gemütlichkeit reißen und hinaus in die Natur jagen will.
Keiner, der mir ungefragt Ratschläge erteilt und auch noch glaubt, ich brauchte ihn, damit mir überhaupt jemand einen Spiegel vorhielte. Pffft.
Doch - allein sein hat wirklich was für sich. Ich habs entdeckt in den letzten zehn Jahren, umso mehr, seit die Jugend erwachsen geworden ist.
Andererseits ist mir durchaus bewusst, dass ich das vor allem so genieße, weil ich weiß, dass es da jemanden gibt, der sich in den wenigen Nächten an mich kuschelt. Der mir dann morgens liebevoll das Frühstück zubereitet. Der mir zärtlich seine Hand auf mein Knie legt, wenn wir irgendwo sitzen und einen Milchkaffee in der Sonne genießen. Der sich wunderbar freuen kann, wenn ich ihm eine CD mit meinen aktuellen Lieblingssongs schicke. Und überhaupt.

Ja, man ist wirklich ein Depp, wenn man verlernt, die kleinen Kostbarkeiten zu sehen und sich stattdessen über das aufregt, was man nicht oder nicht mehr hat.
Ich bin dankbar, wirklich, das bin ich. Jedenfalls in den Momenten, wo ich ihn nicht zum Teufel jagen könnte. Kritik muss auch erlaubt sein - mit allem Respekt.



Sonntag, 20. April 2014

Männergespräche

Wenn Männer sich über Autos und Technik unterhalten, langweilt sich die Frau. Und kommt in den meisten Fällen auf dumme Ideen. Oder auf leicht kreative - bzw. überfällige Ostergrüße an alle meine Leser :)


Kleinlichkeit ist keine Zier

...denn weiter kommt man ohne ihr. Hä hä.
Nun, es ist Ostern. Zwar kenne ich die biblischen Hintergründe nicht und - offen gestanden - mich kotzen diese ganzen entsprechenden Filme auch an. "Die Bibel" oder "Passion Christi" oder sowas. Ersteren habe ich nur der Werbung entnommen, letzteren tat ich mir vor wenigen Jahren mal an und schaltete irgendwann weg, weil sich mir nicht erschließen wollte, warum man Brutalität, ob nun fiktiv oder real, so gnadenlos nah aufzeigen muss. Dient es nun dem Abschrecken vor Gewalt oder wollte man nur mit gelockten Kinogängern die Produktionskosten wieder reinholen, aufbauend auf dem kleinen oder großen Voyeur in jedem von uns?
Aber ach, ich schweife schon wieder ab. Eigentlich wollte ich doch auf was ganz anderes hinaus. Mir als Pazifisten jedenfalls graut jede Art von Gewalt, jede. Es sei denn, es handele sich um das Schlagen von Teigmasse. Na ja, ist doch eben Ostern und da kann sogar ich mich noch mal oder wieder aufraffen, um etwas Neckisches in den Ofen zu schieben.
Was mich ja echt reizt, ist dieser Kuchen aus der Werbung, der so aussieht wie Spiegeleierkuchen. Gestern begaben die gelben Seiten und ich uns auf die Suche - angespitzt von mir und heimlich musste ich mir irgendwann dann doch eingestehen: Vermutlich gibt es diese Kuchenmischung gar nicht, ist halt nur ne Werbung für ne gewisse Margarine, und der Kuchen selbst nur ne Idee für Rührteig, Zuckerguss und ne Aprikosenhälfte obendrauf. Kreativität der Backstube.
Na gut.

Ich bin ja spontan. Und flexibel. Wenn ich will. Und ich wollte - weil ich mal wieder Appetit auf ein lecker frisch gebackenes Stück Kuchen hatte, für das ich nicht gleich wieder unverhältnismäßig viel Euros auf den Tisch legen musste. Also entschied ich mich für den Milka Schokokuchen und wählte damit mit 3,79 Euro die vermutlich teuerste Backmischung von allen. Der Blick der gelben Seiten war entsprechend und das "Phhhh" verdeutlichte seine Unlust, aber ich setzte mich durch.
Wenn man bedenkt, dass man heutzutage mindestens 3 Euro für ne gute Tasse Kaffee und noch mal zwei fuffzig (mini-Minimum) für nur EIN Stück Kuchen zahlt, dann ist man mit ner Backmischung für nicht ganz vier Euro doch ganz gut bedient, oder? Und fangt jetzt nur nicht mit Produktionskosten an! Kleinlichkeit an dieser Stelle finde ich äußerst unangebracht. Leben hat was mit Genuss zu tun, und da ist es mir - mit Verlaub - scheißegal, ob mich das fünf Kilowattstunden mehr oder weniger kostet. So.
Milka-Schokolade ist außerdem neben der guten alten Bambina die einzige, die ich mag, und wenn die jetzt auch noch einen auf Kuchen machen, dann probier ich das doch gern.
Na ja.
Hätte ich mal nur genauer gelesen. 18 Zentimeter Durchmesser. Ach du meine Güte. Das reicht ja gerade so für mich?! Für die gelben Seiten sicherlich auch noch, wenn sie ganz lieb "Bitte bitte liebe Königin" sagten *kreisch*. Das Problem ist nur... Wir sind heut Nachmittag zu viert - und mindestens einer davon ist ein genauso starker Kuchenesser wie ich.
Ach man, wie blöd.
Hätte ich doch nur Oma Ziggenheimers Oster-Päckchen mitgenommen. Dann hätte ich wenigstens noch was gehabt, um die letzten Level meiner Fröhlichkeitsskala hochpuschen zu können.
Das nächste Mal jedenfalls, das weiß ich genau, nehme ich wieder die Variante von Kathi oder Ruf. Halber Preis, aber doppelte Menge.
Wobei ich schon sagen muss: Der gerührte Teig schmeckt echt oberlecker *mjamm*. Wirklich wie echte Milka-Schokolade. Da musste ich echt an mich halten, nicht zuviel herauszuschlecken - sonst hätten sich die 18 cm auf maximal 9 oder so verringert. Hoffentlich schmeckt er jetzt in gebackenem Zustand auch so lecker, ich denk mal schon.
Und wer sich demnächst auch für dieses kleine Ding entscheiden will, der sei gewarnt: Auf der Schachtel steht, das Tütchen mit dem Guss sei nicht mikrowellengeeignet. Kein Problem - die gelben Seiten haben sowieso keine Mikrowelle. Also tat ich das Tütchen in ein Wasserbad. Ja nun... Das Tütchen ist auch nicht wasserbadgeeignet! Es platzt! Auch im heißen, NICHT kochenden Wasser!
Gießt man ergo die halbe Menge Wasserschokolade in den Ausguss und den Rest auf den Kuchen, muss man zusehen, dass man den verteilt. Aber echt! Der wird nämlich fest, in nullkommanix, und lässt sich dann auch nicht mehr erweichen. Auch nicht im warmen Backofen. Das wars dann.
So gibt es also heute Nachmittag 18 cm Kuchen, zur Hälfte mit Schokoladenguss, zur anderen Hälfte blank.
Für vier Personen.
Ich muss grad lachen.

Samstag, 19. April 2014

Teilzeit Zen-Master

Meine erste Auszubildende bezeichnete mich während und auch nach ihrer Ausbildung in unserem Büro als ihren Zen-Master. Was genau sie damit meint und was ein Zen-Master überhaupt bedeutet - ich habe so gar keine Ahnung und ich habe auch noch nicht danach gegoogelt.
Doch gestern oder vorgestern las ich irgendwo was mit "Zen-Master, weil er sich nicht aus der Ruhe bringen lässt".
Daran musste ich heute Morgen denken, als die gelben Seiten drängelten, doch endlich aufzustehen und zu frühstücken, damit man schnell noch einkaufen gehen könne, bevor es die halbe Stadt auch in die Supermärkte geschafft hatte.
Nun.
Was soll ich sagen.
Ommmmm.
So stressig der Alltag ist und ich oft weder zum Luftholen noch zum Durchatmen komme - sobald das Wochenende anbricht, lasse ich das alles von mir abfallen und dann kann mich die Welt mit ihrer Hektik mal kreuzweise. In echt. Ich kann das.
Ich lasse mich nicht jagen, nicht stressen und auch nicht davon beeindrucken, dass die gelben Seiten nervös durch die Wohnung rennen, mir in jedes Zimmer folgen, im Türrahmen stehenbleiben und mit den Fingern trommeln und fragen: "Bist du jetzt fertig?" So oft er das auch fragt, ich antworte stets mit gleichbleibender arschruhiger Gelassenheit: "Gleich."
Samstags und sonntags bringt mich einfach nichts aus der Ruhe, da verfalle ich schon aus Prinzip in einen Modus, den ich mir mitunter auch in der Woche wünschte.
Und so kommt es dann eben auch, dass wir samstags erst gegen elf Uhr in den Supermarkt kommen. Sehr zum Leidwesen der gelben Seiten. Nun muss man ja sagen - und das weiß auch jeder: Gibt es nur einen einzigen Feiertag vor oder nach einem Wochenende (und aktuell haben wir auch einen davor UND danach), dann drehen die Leute durch. Überströmen die Läden und kaufen, als gäbs kein Morgen mehr. Hallelujah. Insofern taten mir die gelben Seiten schon ein bisschen leid, dass er nun nur meinetwegen nicht wie gewohnt 8 Uhr vor der Einkaufstür stand, sondern eben erst 11 Uhr mit dem ganzen anderen Pulk. Holla die Waldfee - war DER genervt. Und die Leute sind ja auch nicht wirklich die Rücksichtsvollsten. Wagen stehen herum, andere werden gnadenlos drumrumgekarrt, gerne auch mal vor die Füße oder in die Hacken - jau, da kommt Freude auf. Ein solches Massaker blieb uns heute aber erspart, bis auf die Tatsache, dass der Laden echt voll war und man kaum irgendwo durch- oder vorbeikam.
Schon irre.
Bekloppt also, wer zu so einem Samstag shoppen geht. Nur - wann hätten wir das tun sollen? Arbeiten von frühs bis abends, Mittwoch waren wir dann ja noch im Kino, Donnerstag nach der Arbeit sind wir schon gefahren und gestern war ja schon ein Feiertag.
Trotzdem blieb ich ganz lässig in meinem Arschruhemodus, während den gelben Seiten der Hals immer stärker schwoll, die Antworten immer knapper und meine zarten Berührungsversuche von wegen die Hand berühren oder so immer vehementer ignoriert wurden. Dann weiß ich: Alarmstufe Rot, nix mehr sagen, nur noch gucken, nicht mehr anfassen - und einfach warten, bis der Anfall vorüber ist. Sprich: Bis man wieder zu Hause ist und die Taschen ausgepackt wurden.

Was mir den Tag an solchen Tagen noch heller und noch entspannter macht, ist, wenn Menschen auch im Chaos und Gewusel freundlich und höflich zueinander sind. Wie die Wartende an der Nebenkasse, die sich darüber amüsierte, dass es den gelben Seiten irgendwie alles zu langsam ging und er sich an eine andere Kasse als ich anstellte: "Mal sehen, wo es schneller geht, dann kommst du rüber."
Sie lächelte mich an: "Ja das kann man wohl nur noch so machen." Und dann fragte sie mich, ob ich ihren Korb weiterschieben würde, sie habe noch eine Kleinigkeit vergessen und würde sich nur ungern noch mal anstellen wollen. Na klar mach ich das - und sie bedankte sich mit einem fröhlichen Lachen und einem "Ich wünsch Ihnen frohe Ostern!" zum Abschied.
Hach ja, wat is dat schön.
Mit sowas kriegt man mich. Ganz schnell. Ganz einfach. Ommmmm.

Freitag, 18. April 2014

Broken - Chani Krich


  



...dieser Song ist wie... für mich gemacht... Er passt zu mir wie eine zweite Haut....

Das Ding mit der Haut



  

Vor längerer Zeit habe ich mal gelesen, dass viele Krankheiten oder.. äh.. Erscheinungen ihren Ursprung in der Seele haben. Dass es dem Menschen also viel besser gehen würde, kümmerte er sich mehr um seine Seele. So in etwa.
Daran denke ich aktuell öfter, wenn der Schmerz mich mehr plagt als sonst (ist stressabhängig, egal welcher, mental oder jobtechnisch) oder wenn meine Haut derart juckt, dass ich sie am liebsten gegen eine andere eintauschen würde.
Ich meine, ich kannte das alles nicht wirklich: Allergien. Kontaktallergien. Unverträglichkeiten. Na und so'n Schiet. Ich konnte alles essen, trinken, mir in die Haare oder auf die Haut schmieren - die hielt alles aus und machte alles mit. Wenns mal zu arg durcheinander gegessen war, dann rumpelte es lediglich einen Tag lang im Bauch und dann war alles wieder schön.
Und nun?
Liegt es nun also am fortschreitenden Alter und damit der Umstellung des Körpers, dass er mit diesen alltäglichen Dingen nicht mehr fertig wird? Ich meine, ich bin todsicher nicht so eine, die mit Sagrotan überall langwischt, bevor sie erst mal was anfasst oder wo grad jemand anderes was angefasst hat. 
Auch wenn meine kratzige Stimme aus Hessen immer unkt, ich solle vielleicht einfach mal eine rauchen zum Frühstück statt ein Müsli zu essen, dann ginge es mir besser.
Pfffff. Raucher haben schlechte Haut und schlechte Zähne, basta. 
Nur ich... Ich rauche nicht und hab irgendwie trotzdem Probleme mit der Haut. Äußerlich zwar nicht.
Aber ich vertrage immer weniger: Bei Cremes muss ich mittlerweile drauf achten, welche Bestandteile sie haben und ohne Werbung machen zu wollen: Die von Nivea geht immer noch am besten. Mit Nivea-Produkten allgemein komm ich am besten zurecht. 
Pappkartons kann ich nicht mehr unter den Arm klemmen, wenn ich kurzärmlig bin: Ich sehe in nullkommanix aus wie ein menschlicher Streuselkuchen.
Gestern Abend nach dem Ausladen des Autos gings mir so, nachdem ich einen Plastikbeutel getragen hatte. Die Finger wurden so dick, dass ich die beiden Ringe ablegen musste, die Finger kaum noch beugen konnte und die Hände waren heiß, rot und voller Quaddeln. 
Heute Morgen nun ist dieser Spuk fast vorbei, aber das Jucken der Hände ist auf den Körper übergegangen.
"Du machst mich ganz nervös", sagen die gelben Seiten.
Ist es also eher ein Zeichen der Nervosität, der Überarbeitung sicherlich auch, der momentanen gefühlten Überforderung und auch dem Gefühl, selber viel zu kurz zu kommen? Zu wenig Zeit für mich selbst zu haben und für die Dinge, die mir wichtig sind? Dass mir einiges auf der Seele und damit "unter der Haut" brennt, das ich nicht rauslasse?
Andererseits... Ich bin ja kein Einzelfall. Beliest man sich ein wenig, stellt man fest, dass Allergien & Co. immens zugenommen haben. Ich meine, früher als Kind - glaube ich den Eltern - habe ich in der Modder rumgematscht und auch den Inhalt meiner Windeln im wahrsten Sinne des Wortes eigenhändig zutage befördert, bestaunt und weitergereicht. Der Rotz wurde kräftig hochgezogen, statt wie heute sorgsam ins vermutlich chlorgebleichte Einwegtaschentuch zu schneuzen. 
Als Kind war ich immer kerngesund, jedenfalls ab dem Zeitpunkt, wo man mir die Gaumenmandeln abgeknipst hatte. 
Als Erwachsene plage ich mich mit mehr und mehr mit so Schietkram rum, statt sinnvolle Dinge zu tun.
Hmm.
Raucher werde ich in diesem Leben trotzdem nicht mehr.
Aber vielleicht gilts ja dennoch, mal paar Dinge zu überdenken. Zeit habe ich ja jetzt. Vier Tage. Immerhin. Bevor der Alltagswahnsinn wieder losgeht. Insofern.. freu ich mich irgendwie auch doch sehr auf den Umzug: Rein vom Bauchgefühl her glaube ich schon, dass mein Leben in gewisser Weise ruhiger wird. Jedenfalls hoffe ich das zum gegenwärtigen Zeitpunkt.

Sun is shining, weather is fine

...und die Kanne Kaffee ist auch schon wieder alle. Heute stört mich das gar nicht, denn heute haben wir dienstfrei. Vier Tage Faulenzia, Grundgütiger, das habe ich mir echt verdient. Die letzten Tage waren so angefüllt mit Terminen, Arbeit und all den Pflichten, die man auch außerhalb der Arbeitszeit noch zu erledigen hat, dass ich wirklich jeden Abend stehend k.o. war und unmittelbar nach dem Abendessen ins Nirvana hinüberschlief. Keine Zeit zum Lesen meiner Lieblingsblogs, geschweige denn zum selber schreiben.
Um nun auch den Urlaub der gelben Seiten, den dieser zuweilen auch mit mir verbringen wollte, nicht ganz zu verschlafen, orderte ich kurzerhand zwei Kinokarten. Irgendwas mit Super-Hypochonder oder so. Was ich leider überlesen hatte: Ein französischer Film. Hätte ich besser mal richtig gelesen.
Franzosen-Filme sind nicht wirklich meins. Die Filme sind irgendwie komisch: Die Handlung oft derart in die Länge gezogen, dass man sie durchaus mit einem drei-Tage-Kaugummi vergleichen könnte, die Personen selbst oder besser: ihre Dialoge und Gestikulationen zu hektisch für mich.
Der Film selbst... Nun ja. Kann man sehen, muss man aber nicht.
Was in unserem konkreten Falle zur Folge hatte, kaum dass wir wieder zu Hause waren: "Willst du auch ein Glas Wein?" Und als er dann damit kam, schlief ich bereits.
Gestern Abend nach der Arbeit dann ins Auto auf den Beifahrersitz legen und einschlafen, während die gelben Seiten gen Heimat lenkten.
Ein bisschen lachen musste ich ja noch über Junior II.
Am 25. beginnt sein zweites Praktikum, dieses Mal abzuleisten in einem Heim für Menschen mit körperlichen und/ oder geistigen Einschränkungen. (Irgendetwas in mir hofft, dass er bei diesem Praktikum wiedererkennt, wie wichtig und wertvoll es ist, dass es geschulte Betreuer oder Begleiter gibt, so dass er vielleicht doch bei seinem einstigen Berufswunsch Erzieher - oder hier eben dann Heilerziehungspfleger - bleibt. Na wir werden ja sehen.) Jedenfalls - er weiß seit ungezählten Wochen, dass und wann dieses Praktikum beginnt. Auf meine Ermahnungen, endlich mal den Allerwertesten hochzubekommen und sich um eine entsprechende Stelle zu bemühen, wurden wiederholt mit einem "Jaaaaaa doch!" in unangemessenem Ton beantwortet. Nächstes Jahr schon folgen die Abschlussprüfungen. (Huch, wie schnell die Zeit vergeht...) Wer bis dahin nicht bestimmte Praktika vorweisen kann, wird gar nicht erst zur Prüfung zugelassen - und die zwei Jahre bis dahin waren - man kanns ruhig so sagen - für den Arsch. Gestern (!) also setzte sich das Kind in Gang, nur um etwa eine halbe Stunde später anzurufen: "Ich soll am Mittwoch wiederkommen."
"Ja und? Du hast doch Ferien und Zeit, dann mach das doch."
"Na ist das nicht bisschen spät? Ich meine, das geht doch schon am 25. los!"
An dieser Stelle habe ich so schallend gelacht, dass das Kind sich den Hörer vermutlich eine Armlänge weit weg vom Ohr hielt.
"Und! Das! Aus! Deinem! Mund?!" jappste ich.
"Ja nu! Is halt so! Was mach ich denn jetzt?"
"Na das, was sie dir sagen. Fahr Mittwoch wieder hin und klär das, ob du dort dein Praktikum machen kannst."
"Und wenn sie mich nicht mehr brauchen?"
"Du hast doch jetzt vier Tage frei: Dann häng dich ans Internet, google dir alle möglichen Adressen raus und dann kümmer dich ab Dienstag. Wenn was anderes klappt, kannst du den Mittwoch-Termin immer noch absagen."
"Und wenn das auch nicht klappt?"
"Dann hast du ein bisschen wie Pech gehabt."
Hach ja. Sind sie nicht köstlich, die Kinder... Erst kommen sie ewig nicht in Gang und dann gehts ihnen nicht schnell genug. So kurz vor zwölf. Und ich frage jetzt NICHT, von wem sie das haben könnten ;)
Jedenfalls ICH liege hier entspannt auf dem Kanapee, ach was nein, MEGA entspannt, ich überlege, ob ich mir noch eine Kanne Kaffee zubereite, ich habe mich durch die letzten Tage meiner Lieblingsblogs gelesen, ein paar überfällige Telefonate geführt oder via whatsapp ein paar überfällige Grüße versendet; ich finde langsam wieder zur Ruhe und zu mir selbst zurück und befinde, dass die Außentemperaturen trotz halbverstecktem Sonnenschein zu niedrig sind, um mich hinaus begeben zu wollen. Ich finde aber, dass so ein entspannter Blick vom Sofa aus hinaus in die Welt, wo alles schon sattgrün und blühend ist, auch durchaus etwas für sich hat. Jedenfalls ich glaube nicht, dass ich mich heute hier noch irgendwie wegbewege. Morgen bestimmt. Vielleicht.

Sonntag, 13. April 2014

Wenn die Technik versagt

Manchmal erschrecke ich immer noch, wenn ich feststelle, wie abhängig sich der Mensch von der Technik gemacht hat - und was das für Auswirkungen hat, wenn diese versagt.
Schmerzlichst bewusst wurde mir dies im August 2006 - als die Technik meines Opel Corsas versagte und mich das mein Leben hätte kosten können, wäre ich nur ein wenige hundert Meter weiter gewesen. (Ich erschrecke mich übrigens immer noch ab und an, wenn ich feststelle, wie wenig ich das bis heute tatsächlich verarbeitet habe.)
Ich stelle dies aber auch im alltäglichen Leben fest, wenn nicht gleich das Leben, aber doch zumindest ein gewisses Wohlfühl-Gefühl dran hängt. Oder soll ich sagen: die Lebensqualität? Ich meine, so ein Prinzenkuss zum (morgendlichen) Erwachen ist schon nicht das Verkehrteste, also ich meine, ausschlagen würde ich den schon nicht. Aber zum RICHTIG wachwerden nützt der mir auch nix, da muss schon ein Kaffee her. Blöd, wenn Kaffeemaschine und/ oder Wasserkocher ihren Dienst quittieren und in Dauerstreik treten.
Aber das überlebt auch ein Kaffeejunkie wie ich: Möglichkeiten gibt es immer. Denn dieser worst case, dass nacheinander Kaffeemaschine, Wasserkocher, Mikrowelle UND E-Herd ihren Dienst quittieren - DAS wird allgemein nicht passieren. Es sei denn, der Strom fällt aus. Ja aber dann haste für gewöhnlich noch ganz andere Sorgen.

Wenn man, so wie ich, das lädierte Knie bandagieren und auch noch schonen soll, dann bedeutet das: YEAH - endlich Füße hoch - die Jugend schafft!!! Mach das aber mal den ganzen Tag, wenn Du keinen TV oder nicht mal mehr nen Laptop zur Verfügung hast (ja, ich weiß, so n Laptop besitzt für gewöhnlich auch einen Akku, aber... ach.. fragense besser nicht.) - ja dann... kiekste schon ziemlich dumm, nein, ich meinte gelangweilt aus der Wäsche.

Glücklicherweise blieb mir eine solche Pein bislang erspart.
Irgendwas aber geht in diesem Haushalt immer zu Bruch. IMMER!
Worans liegt, weiß ich auch nicht, aber vielleicht sollte ich mich ja nicht Helma Ziggenheimer nennen, sondern besser Helma Bruchheimer?

Wenn Dinge nicht funktionieren, jedenfalls, dann kann ich schon mal richtig frustriert, sauer und böse werden, und das geht schneller, als ich "Helma Bruchheimer" sagen kann.
So wie gestern Nachmittag. Mittags tingelten wir ein wenig durch die City. Ich wollte zwei Shirts umtauschen, die ich mir gekauft hatte, mir aber doch zu groß (jaaahaahaaaaa! zu GROSS! Sport works, hoffe ich :)) waren. Vermutlich wäre ich keine echte Frau, wenn....
"Wolltest du nicht nur was umtauschen?" fragten die gelben Seiten leicht gelangweilt draußen vor der Tür und ich plinkerte ihn stolz und fröhlich und übermütig an: "Jaaaa, hab ich auch, aber da waren noch zwei andere Shirts zum echten Supersparpreis!"
Zwei Stunden, eine Eistorte und einen Schwenk in die Herrenabteilung später: Die gelben Seiten und ich besuchten den Opa in seiner neuen Unterkunft, der Seniorenresidenz (ja klingt hochgestochen, ich finde aber, Altersheim klingt irgendwie... abwertend.) Seit vier Wochen ist er dort, und natürlich fällt ihm die Umstellung nicht so leicht. Dennoch gefiel er mir weitaus besser als bei unserem letzten Besuch. Er sprach sehr konzentriert, aber er sprach viele Sätze vollständig hintereinander weg, über das, was er dachte, was er fühlte, was ihn ängstigte. So habe ich ihn zuletzt nicht erlebt, als er noch zu Hause wohnte. Weil ihn dort immer quälte, dass er irgendetwas Wichtiges vergessen könnte oder habe und er nicht wusste, was er als nächstes tun müsste oder sollte. Diese Last, so schien es zumindest gestern, scheint ihm irgendwie genommen.
Und die Sonne war ja so herrlich gestern, also raus in die Stadt und in ein italienisches Lokal, hin zu Kaffee und Kuchen - und für das alles war mein lädiertes Knie nicht wirklich gemacht. Ich muss allerdings auch gestehen, dass zehn Zentimeter hohe Peeptoes dem Ganzen auch nicht gerade förderlich waren. Frauen sind ja so bekloppt.... Die müssen immer gut aussehen wollen, egal, wie weh das tut...
Ich wollte dann nur noch nach Hause, aufs Sofa, das schmerzende Bein ausstrecken - und nix mehr tun. Doch - ein was noch: die Waschmaschine füllen, die neuen Klamotten waschen.
Man, was hab ich mich anschließend geärgert: Ein Loch im neuen Shirt, diese typischen die-Waschmaschine-hats-kaputtgemacht-Löcher - und als wär das nicht schon genug Ärgernis, zeigte mir das blöde Teil auch noch "Fehler C 9" an. Also wieder das Teil halb auseinandernehmen, Restwasser ablaufen lassen (hab nicht ganz aufgepasst und gleich mein halbes Badezimmerchen geflutet - und wer saß mittendrin in der Jauche? Klar.), die nun nicht mehr geschleuderte Wäsche ausgewrungen und in den Trockner gesteckt. Die nächste Maschine mit Juniors Sportklamotten gefüllt (sowas kann echt nicht warten, wer jeden zweiten Tag vier Stunden zum Sport geht, bringt Gerüche mit, die locker gegen eine Kabine der Fußballmannschaft anstinken können.) und auf den Knopf gedrückt. "Fehler C 9". Super. Im Internet gegoogelt. Fehler C 9 bedeutet: Man hat ein Problem mit der Steuerung, genauer gesagt,  mit der Ermittlung der Umdrehungsgeschwindigkeit.
Junge Junge. Du sollst arbeiten, nicht denken. Wolltese aber nicht mehr. Auch ein sogenannter "Affengriff", mit dem man das System rebootet und alle Fehler auf Null setzt, half nix. Nach geschätzten 18 Jahren der Betriebsbereitschaft hatte das Teil wohl endgültig ausgedient.
"Bleib locker, du kannst die Waschmaschine von Opa bekommen, der braucht sie ja nun nicht mehr", vermeldeten die gelben Seiten, und nun muss Junior bis Montag auf seine frisch gewaschenen Sportklamotten warten. Und ich... Ich fühle mich irgendwie... irgendwie... nur so.. halb! Putzen und Ordnung machen kann ich nicht, weil ich das Knie mit oder ohne Bandage nicht schmerzfrei beugen kann. Wäsche waschen kann ich auch nicht, weil mich die Technik im Stich lässt. Was kann ich eigentlich überhaupt?!
OK. Bloggen.
Und Bügeln. Jedenfalls hoffe ich, dass mir da jetzt nicht auch noch wat schiefgeht.
Und falls doch, dann... dann.. fass ich heut besser nix mehr an.
P.S. Doch, ein was Wichtiges konnte ich heute hier auf meinem Kanapee dann doch noch erledigen: Alle meine Passwörter erneuern! Man hört ja doch immer wieder was Neues und ständig meine E-Mail-Adressen irgendwohin zum Prüfen schicken - davon halt ich auch nix (so kommt man ja auch irgendwie an sämtliche E-Mail-Adressen, wa?) - also hab ich erst mal alle geändert. Und zwar für jedes Konto ein anderes Passwort. Prompt wusste ich nicht mehr, welches ich wohin.... In den Blog kam ich erst mal schon, na das ist ja immerhin fast das Wichtigste ;)



Dienstag, 8. April 2014

Hätte ich keine Ohren, würde ich im Kreis lachen

Hi hi.
Ha ha.
Hu hu.
Na ja oder so ähnlich. Manche Dinge sind so bekloppt, dass man schon wieder darüber lachen könnte - würde man nicht eher weinen oder gar vor Wut in die Tischkante beißen wollen. (Letzteres jedoch scheitert immer wieder an meiner immer noch nicht vorhandenen Zahnzusatzversicherung. Und falls das hier jetzt der Versicherungsfuzzi meines Vertrauens liest: Später vielleicht, später..)
Ausgebissene Zähne vs. Zwölffaltigkeit aufgrund diverser Krokodilstränen - macht beides hässlich; ja na da ist doch logisch, dass ich mich ergo fürs Lachen, wenn auch mit Seitenstechen, entscheide.

Unsinnigkeit 1:
Ich betreibe ja nicht erst seit gestern meinen Schmerz-ich-mach-dir-Beine-du-Sau-Sport - aber seitdem ich mein Sportprogramm etwas umgestellt und angepasst habe gegen die ersten Erscheinungen der Gravitation (wollte erst schreiben "Gravidität", aber huch, dat is ja wat jaaanz anderes!) - seitdem hab ichs im Knie. Jawohl, im Knie. Anfangs dachte ich ja, das rührte her von den unseligen Kniebeugen - oder dem sogenannten Plie, wies Marie so schön formulierte (apropos Marie: Hat sie einer gesehen oder von ihr gehört? Ihr Blog ist nicht mehr da :( ) oder besser gesagt: dem etwas ungnädigen, nein seitlichen.. äh.. Ausfallschritt (gut formuliert fürs Hinfallen, was?) - aber sooooo dolle war der Sturz nun auch wieder nicht (das gäbe mein Badezimmerchen nun auch wieder nicht her), und im Knie wirds immer heftiger schmerzhaft.
Dehnungsübungen mach ich, abends lagere ich das Bein hoch (leider erst nach getaner Hausarbeit; die Jugend hat, glaub ich, nicht mal gemerkt, dass Mutti etwas.. äh.. unrund läuft), kühle und salbe und über Nacht beruhigt sichs - aber sobald der Tag beginnt... beginnt das Grauen erneut.
Also mal zum Hausarzt meines Vertrauens? Der ist ja auch noch Chiropraktiker, insofern wärs schon die richtige Adresse, oder? Er hat nur nen unguten fixen Hang zu Spritzen oder Ein- bzw. Ausrenken. Meine Wahl also zwischen Pest und Cholera: Spritzen hasse ich, seit ich Kind war - und mit ausgerissenem Bein läuft sichs auch nicht wirklich gut. Hmpf. Und wat nu?
Die gelben Seiten vermeldeten, sie brächten mir am Freitag erst mal eine Kniebandage mit. Bis dahin soll ich nicht mehr bis in die Nacht rein arbeiten ("deine Körperhaltung ist ein Graus!"), die Hausarbeit der Jugend übertragen (selten so gelacht) und auch noch das Handy ausschalten. Na. Da wirds aber öde im Stübchen Ziggenheimer!

Unsinnigkeit 2:
Junior I war heute Morgen zum Gespräch bei der Zeitarbeitsfirma. Wenigstens war mein Bauchgefühl richtig: Sie bestätigten, dass sie ihn sofort wieder anrufen bzw. einstellen, sobald sich ein neuer Job gefunden hat. Und ob er denn auch was anderes, Artfremdes machen würde.
Und damit sie ihn in der Zwischenzeit nicht bezahlen müssen,haben sie ihn erst mal rausgeworfen.
Sie haben ihm auch gesagt, dass es nicht an mangelnder Schnelligkeit lag. Sondern ausschließlich an seiner Unsicherheit am Telefon. Da könnt ich ja doppelt kichern. Berufsanfänger sag ich nur. Aber na ja, ich will ihn auch nicht über Gebühr in Schutz nehmen oder so.

Unsinnigkeit 3:
Seit geschlagenen 8 Wochen telefoniere ich mir mit der Hotline der Telekom die Ohren wund, habe Fusseln an der Gusche und meine Nerven liegen inzwischen blank. Auslöser: Nach SEPA-Umstellung war die Telekom nicht mehr in der Lage, unserer Firma die Rechnung per E-Mail zuzustellen. Wohlgemerkt: Wir haben 3 Adressen, also 3 Verträge. Bei zweien klappte alles reibungslos. Beim dritten nicht - aus mir bis heute nicht bekannten Gründen.
Dafür bekommen wir jeden Monat eine Mahnung - und eine Mahnung von Drittanbietern. Deren Gebühren sind saftig, sag ich Euch. Passen locker 3 Milchkaffee rein!
"Ist doch alles kein Problem", sagt mir immer wieder jemand von der Hotline, "wir ändern das in unserem System und schicken Ihnen die Rechnung an die Wunschadresse. Sie bekommen von uns einen Bestätigungslink und ab dann funktioniert alles."
Wie war das noch mal? Leben im Konjunktiv? Es würde, wäre....
Für einen solchen Link benötigt der geschätzte Kunde nämlich ein Kennwort - und über dieses verfügt unsere IT. Oder besser gesagt: Sollte unsere IT verfügen. Tut sie aber nicht. Warum? God only knows - aber vermutlich wär auch der mit seinem Latein am Ende. Neues Kennwort anfordern wäre easy, aber dann funktioniert auf Schlag der Internetzugang besagter Adresse nicht mehr - und das wäre in diesem Fall.. sagen wir.. geschäftsschädigend. Ernsthaft. Weil die IT schätzungsweise dreihundert Kilometer weit weg sitzt und nur herkommt, wenn Dringendes ansteht. Ist ja auch nicht billig, bloß wegen ner Routerumstellung dreihundert Kilometer zu fahren. Dauer des Verzuges: geschätzte 7 Tage. Ich wiederhole noch mal: Das wäre absolut geschäftsschädigend - zumindest im Falle der Adresse 3.
Aber gibt es denn für solche Eventualitäten nicht dennoch Tricks & Kniffe? Ich bin mir da sogar ziemlich sicher - und in jedem Telefonat mit der Telekom wurde mir auch immer wieder was Neues vorgeschlagen. Was soll ich sagen.. Neverending story - es wurde bis heute nix.
Gestern übergab ich völlig entnervt der IT den Vorgang und sagte "So und jetzt kümmer dich gefälligst, wenn du schon nicht mehr weißt, was du da eingegeben hast."
Zwei Minuten später die Antwortmail: "...alles erledigt, E- Mail Adresse eingerichtet, bekommst gleich einen Bestätigungslink"... Was ich in diesem Moment bekam, war kein Link, sondern ein mittelschweres Beben, ach was sag ich, ein Tornado fegte durch dieses Büro - ein Tornado im kurzen flammendroten Kleid (H&M!) und mit zu Berge stehenden Haaren.
Nachdem ich mich wieder etwas beruhigt hatte, schrieb ich ihm eine Mail "Wie schon seit Wochen immer und immer wieder wiederholt: Für diesen Link brauche ich das Kennwort UND ICH HABE LEIDER GAR KEIN KENNWORT!"
Das war vor fünf Stunden. Vielleicht verhandelt er ja jetzt immer noch mit Telekom. Würde ich die IT nicht besser kennen.

Du kannst hier nur noch auswandern. Echt. Sowohl als auch.

Sonntag, 6. April 2014

Lets go out today


Lets go out today... sagte ich mir heute am frühen Nachmittag, nachdem nach einem recht... müden, angestrengten Morgen und grauen Vormittag die ersten Sonnenstrahlen hervorlugten und die Temperatur nach oben kletterte. Immerbin bis 19 Grad. Dazu ein frischer hellblauer Pullover, meine Musik und raus... Hinaus in das Leben. Ich wollte nur zusehen, aus der Ferne daran teilhaben, ich wollte nichts reden, nichts sagen, nicht zuhören müssen. Nur für mich sein und durch die Welt spazieren.




Es ist immer noch so wundervoll warm draußen. Fast scheints, als würde die Natur sich fürs letzte Jahr entschuldigen, eine Wiedergutmachung anbieten wollen. Ein fast schneefreier Winter, ein herrlich zeitiger Frühling und streichelzarte milde Tage - hach ja, da kann einem schon das Herz aufgehen.. und alles rauslassen, was da grad drückt.


Schmunzeln musste ich über diesen Vierbeiner, der auf seinem tristen Hof auch ein wenig von der großen weiten Frühlingswelt schnuppern wollte. Ist schon ein echtes Hundeleben, auf vier mal vier Meter Beton hausen zu müssen ;)

Ja und dann kam ich heim, Junior hatte sich für morgen eine Checkliste aufgestellt, was er alles erledigen muss und will (OK, ich gebe zu, die Checkliste kam erst nach der dritten Aufforderung. "Was brauch ich ne Checkliste für die paar Sachen?" "Weil du sonst die Hälfte vergisst. Du wolltest an dir arbeiten, also fang auch damit an.") und der Druck in meinem Kopf lässt ein wenig nach. Junior II hat für kommenden Samstag eine Probearbeitsnacht vereinbart. Er wird jetzt Bedienung in einer Diskothek: Klar, das Nützliche muss mit dem Angenehmen verbunden werden, und vermutlich hofft er weniger auf Trinkgeld als eher auf paar Telefonnummern ;) Er hat sichs über ne Schulfreundin organisiert. Denn als am Freitag die Ablehnung für die unbedingt gewollte Wohnung kam "Es tut uns leid, aber die Einkommensverhältnisse Ihres Sohnes sind der Eigentümerin zu unsicher" (was ich völlig nachvollziehen kann, aber ich rede mir ja seit Wochen auch schon den Mund fusslig), da begriff er endlich: Nicht die Mutter, ER muss was tun und wenn nicht, gibts auch nix.
Nu bitte - geht doch, und jetzt bleibt abzuwarten, ob dann mit dem Vertrag die Wohnung noch zu haben ist oder es doch was anderes werden muss. "Im worst case ne WG mit deinem Bruder hier in unserer Wohnung", hatte ich gesagt, aber beide wollen da nicht wirklich ran. Andererseits: Das Leben ist kein Wunschkonzert, und nicht alles lässt sich immer so realisieren, wie man das gerne hätte. Insbesondere der Jüngere muss das noch begreifen.
Ich hatte ihn dann gefragt, ob wir ihm vielleicht ein schönes weißes Hemd kaufen sollten, schön tailliert geschnitten, dazu seine James Dean-Friese - da wäre dann bestimmt auch ein bisschen Trinkgeld drin ;) "Wir kriegen dort T-Shirts", meinte er, aber über so ein Hemd denkt er jetzt trotzdem nach. So für die Ausgehabende wie letzten Freitag, als er morgens gegen halb sieben nach Hause kam.
Waren das noch Zeiten, als Junior I vor paar Jahren damit anfing und regelmäßig um diese Zeit vor der Tür stand und immer, wirklich immer irgendwas vermisste: Mal das Portemonnaie, mal die EC-Karte, mal das Handy, mal die Jacke - und mal auch alles zusammen... 
Bleibt zu hoffen, dass mir solche Aufregungen bei Junior II erspart bleiben, aber er ist ja nicht zum ersten Mal aus gewesen und überhaupt sind die Brüder ziemlich.. unterschiedlich. Der Große ist mein Abbild, während der Jüngere dem Vater kaum in etwas nachsteht.
"Wenn du nächsten Samstag probearbeiten sollst, kannst du aber nicht zum Vaterwochenende?" fragte ich Junior heut beim Frühstück. Denn von hier zu Hause aus zur Disko wirds leicht auch mit Hilfe der Schulfreundin, die auch dort arbeitet. Vom Kuhkaff des Vaters aus aber wirds schwierig, insbesondere mit der Heimfahrt.
"Na und", meinte der Junge gelassen und legte sich eine Scheibe Schinken aufs Brötchen und biss herzhaft hinein, "er glaubt doch eh, dass ich nicht sein Sohn bin. Also?"
Also bleibt er am Wochenende bei mir und kümmert sich endlich um seinen Nebenjob. Na immerhin. Zeit wirds ja auch.

Samstag, 5. April 2014

Das Leben im Konjunktiv

  

Ich würde echt gern mal wieder was Lustiges posten, was Leichtes, was Sonniges.
Ich würde mich gern wieder entspannter und leichter fühlen.
Ich würde mich gern... ach scheiß drauf.

Letztlich will ich ja kein Leben im Konjunktiv - ich will ein echtes, reales mit seinen Höhen und Tiefen. Und genau das lebe ich ja auch - auch wenn ich wünschte, dass es zwischendrin auch mal ruhig etwas längere Pausen zum Luftholen gäbe. 
Zu Euren letzten Kommentaren wollte ich noch sagen: Ich danke Euch wirklich und bis gestern Nachmittag hat mir das auch auf die Beine geholfen. Bis dann die schriftliche Kündigung im Briefkasten lag. Die Kündigung der Zeitarbeitsfirma. Unser Haus-und-Hof-Anwalt hatte noch mit Blick auf den Vertrag gemeint: "Die lehnen sich an den Manteltarifvertrag der iGZ an und der besagt unter anderem, dass sie ihn auch dann weiterbezahlen müssen, wenn ein Einsatz beendet ist und bis ein neuer beginnt. Es ist das Risiko, das immer das Personaldienstleistungsunternehmen trägt."
Ja, so weit das eine. Das andere ist eben, dass im Vertrag eine sechsmonatige Probezeit fixiert ist und innerhalb derer, das weiß ja jeder, kann man jederzeit und ohne Angabe von Gründen kündigen. 
Sohnemann war gestern trotzdem noch mal arbeiten - für eine solche Einstellung zur Arbeit und zum Leben liebe ich ihn doppelt. Wenn man weiß, dass man draußen ist, gehen die wenigsten trotzdem wieder in die Arbeit. Jedenfalls von denen, die ich kenne, tat das keiner. Er schon. Und er hat noch mal mit ihnen geredet, der Teamleiterin und wohl noch anderen. Man bescheinigte ihm durchaus Fortschritte innerhalb der 6 Wochen, die er dort gearbeitet hat, man bescheinigte ihm ein absolut fehlerfreies Arbeiten und dass er menschlich sehr in das Team passe. Aber er sei am Telefon noch zu unsicher und in diesem Wechsel zwischen Datenbank - Dokumentation - Telefonat mit Patienten noch zu langsam. Man sähe absolut sein Potential und auch seine Entwicklung, aber aktuell reiche es eben nicht, es tue ihnen aber sehr leid.
Als er mich gestern Nachmittag anrief und fragte, ob er Montag mein Auto bekommen könne, er müsse Montag nun aufs Arbeitsamt, sagte er auch, dass er am Dienstag noch mal in die Zeitarbeitsfirma kommen solle. Warum, das wurde ihm nicht gesagt. Nur, dass er zu einem Gespräch kommen solle. Ob sie nun mit ihm lediglich auswerten oder einfach nur das Porto für die Rückgabe seiner Unterlagen sparen wollen - wir werdens wissen, am Dienstag Mittag. 
Ich sagte, ich sei schon auf dem Heimweg und in etwa 15 min da und er sagte: "Ich auch." Und da Junior II ausgeflattert war und ich noch einkaufen fahren wollte, wartete ich die paar Minuten vor dem Haus, bis er kam. Er wurde vom Vater gebracht und als ich das sah, spürte ich förmlich, wie sich mir die Nackenhaare aufstellten. Insbesondere als ich sah, dass Miss Piss auf dem Beifahrersitz hockte. Am liebsten hätte ich gleich die Beifahrertür aufgerissen und mir diese Dame vorgeknöpft, aber ich weiß mich ja zu beherrschen. 
Als Junior seine Tasche aus dem Kofferraum nahm und dem Vater fürs Bringen dankte, da sagte der: "Ja... Nun... Dann denk dran, was ich dir gesagt habe." Und zu mir gewandt sagte der Typ: "Tut mir einen Gefallen, keine Zeitarbeitsfirmen mehr. Das wird nichts. Die wollen Leute, die auf Zack sind, da wird er immer wieder rausfliegen. Du bist eben einfach viel zu langsam. Für sowas haben die keine Zeit, die wollen nur Geld verdienen. Und guck dir mal seine Botten an, er hat so schöne neue Schuhe und zieht die ausgelatschten Turnschuhe in der Firma an. So kann man eben keinen guten Eindruck machen. Und die Haare! Wie oft habe ich gesagt, geh zum Friseur und sogar dein Bruder hats dir schon gesagt, aber du willst ja immer nur dein Ding machen und nicht auf mich hören."
Mal nebenbei bemerkt: Die Turnschuhe waren sauber, ordentlich, ich konnte da zunächst nichts Anstößiges finden, aber ich musste mich dann doch sehr beherrschen, in völlig ruhigem gelassenen Ton zu sagen: "Weißt du, ich finde es sehr beschämend, wenn man auf jemanden, der eh schon am Boden liegt, immer noch einen draufhaut, sehr aufbauend, wirklich." Die engstehenden Augen des Vaters weiteten sich in Aggression, er trat einen Schritt zurück  und begab sich in diese Ich-greif-dich-an-und-zugleich-wehre-ich-dich-ab-Haltung: "Wieso draufhauen? Ich hau doch nicht drauf, ich sag doch nur die Wahrheit?"
(Habe ich irgendwie schon mal gehört, diese Worte.)
"Was denn für eine Wahrheit?" habe ich ihn gefragt, immer noch ganz ruhig und aber irgendwie doch mit einem Lächeln in den Mundwinkeln, weil ich, wenn ich ihn ansah, immer an die Worte von Junior denken musste: "...ein kleiner pummliger Busfahrer". Ich hatte ihn wohl gut ein Jahr nicht mehr gesehen, vielleicht auch länger nicht und gestern wurde mir auch wieder bewusst, wie gut ich daran tat, mich diesem Anblick und diesem "Dunstkreis der negativen Einstellung" konsequent zu entziehen. "Meinst du die Wahrheit, dass er überall rausfliegt, weil er aussieht wie ein Assi? Meinst du die?" 
"Das habe ich nie gesagt." 
"Vielleicht gestern nicht. Aber frag mal deine Miss Piss auf deinem Beifahrersitz!"
"Bitte streitet euch nicht", warf Junior ein - und er hatte recht. Was redete ich überhaupt mit einem Menschen, der jeglichen Anstand und Respekt anderen gegenüber vermissen ließ und dem noch nicht mal bewusst war, welchen Verbaldreck er stets von sich gab.
Also sagte ich nichts mehr und nahm dafür kopfschüttelnd zur Kenntnis, dass Junior sich doch mal bei BMW bewerben solle, so wie es ein Bekannter getan hätte, der dort völlig ungelernt angefangen habe und trotzdem richtig Geld verdienen würde.
"Und was soll er jetzt bei BMW?" fragte ich - und meinte diese Frage nicht mal ironisch.
"Das machen andere auch! Auch ungelernt!"
"Ich will von dir wissen, was er bei BMW machen soll, deiner Meinung nach?"
"Na... der andere is am Fließband und verdient aber rund 1.400 netto!"
Da konnte ich mir ein nun doch ironisches Lächeln nicht verkneifen: "Aha. Ihr sagt, er ist in allem zu langsam - und dann soll er allen Ernstes an ein Fließband? Hauptsache, erst mal wieder in Lohn und Brot? Für drei Wochen oder wie? Und das nur, weil du Angst hast, dass der Junge kein Geld verdient und du ihn versorgen musst?"
"ICH habe keine Angst", tat er entrüstet und da hätte ich ja gerne laut gelacht, mich dann aber entschieden, nur den Kopf zu schütteln, Junior meinen Wohnungsschlüssel in die Hand zu drücken: "Ich fahr erst mal was einkaufen, geh du erst mal hoch und entspann dich. Wir reden dann noch mal in Ruhe."

Ich bin nicht sicher, ob man von einem noch völlig unbeleckten Berufsanfänger erwarten kann, nach knapp 6 Wochen schon eine adäquate Schnelligkeit an den Tag zu legen. Schnelligkeit hat ja in gewissem Maße auch was mit Routine zu tun, und woher soll die schon kommen, wenn man ihm nicht die Möglichkeit dazu lässt? Er wurde bezahlt in einer Entgeltgruppe, die laut Tarifvertrag eine besondere Anlernzeit berücksichtigt. Ist die schon nach 6 Wochen aufgebraucht? Auf das Gespräch am Dienstag bin ich wirklich gespannt - und werde mit Junior das an diesem Wochenende mal üben. Ihn vorbereiten. (Danke da noch mal für Deine Tipps, Suse)
Chef hat gestern Juniors Unterlagen mitgenommen und will sie einem Klinikvorstand mitnehmen, weil die gerade neue Kliniken aufgekauft haben und sich so vielleicht neue Möglichkeiten eröffnen. Ein anderer Kollege will bei seiner Tochter nachfragen, die in einem medizinischen Zentrum hier in der Nähe arbeitet. 
All diese Dinge empfinde ich als Hilfe. Wenn aber jemand lediglich zu mir sagt, er habe es ja kommen sehen und man hätte nur auf ihn hören müssen und vielleicht sei Junior auch irgendwie selber schuld an dieser Situation, dann kann ich darin keine Hilfe, keinen Beistand sehen, so leid mir das auch tut. Weder mit noch ohne Brille.

Gestern fühlte ich mich den ganzen Tag wie betäubt, ich habe Fehler im Job gemacht oder besser gesagt: Ich habe manche Dinge gar nicht gemacht, sie schlichtweg versäumt. Ist nichts passiert dadurch, dennoch... 
Als am Abend meine Mum anrief und sich nach uns erkundigte, ich ihr von Mittwoch und von Junior erzählte, da sagte sie: "Ach Mensch, das tut mir wirklich leid für ihn. Aber er soll jetzt bloß nicht den Mut verlieren", da sagte ich nur "Ja" und hätte fast geweint und sie sagte: "Ist grad ganz schön viel, oder?" und ich sagte: "Ja, irgendwie schon" und ich hätte gerne auch gesagt, dass ich mich grad ziemlich alleine fühle. Dass die Menschen um mich herum immer sagen, sie seien nur ehrlich - und vertragen es dann nicht, wenn ich genauso ehrlich meine eigene Meinung dazu äußere. Dass von mir immer wieder erwartet wird, dass ich mich rege, dass ich tue, dass ich drauf zugehe. 

Ein Leben im Konjunktiv... Wenn ich könnte, dann würde ich.
Ein Leben im Präsens: Was ich kann, das tue ich genau jetzt. Ich werde erst mal Frühstück machen, bisschen Ordnung in die Bude bringen und dann die Bewerbungsfotos anfertigen lassen. Die letzten sind 7 Jahre alt. Will ja mit offenen Karten spielen :) Und dazu höre ich weiter die heute präsentierte Musik. 
Passt auch irgendwie - passagenweise "I ran... I ran so far away... I ran all night and day..."

Donnerstag, 3. April 2014

...und dann kackte mir der Vogel dreimal auf den Kopf

Hab ich mal in einem Buch gelesen. Sagte der Opa zum Enkel: "Und wenn du bis zum Hals in der Scheiße steckst, dann kommt noch ein Vogel und kackt dir auf den Kopf."
Es gibt Menschen, die entlieben sich, die trennen sich, weil ihr Leben zu ruhig, zu beschaulich, vielleicht auch zu langweilig geworden ist. In Zeiten wie diesen denke ich öfter daran und darüber nach und wünschte, mein Leben hätte trotzdem so ein bisschen was von diesem.. ja.. gleichmütigen Fluss, der einen dahinträgt, langsam, gemütlich... So ein bisschen "Un-"Aufregung würde mein Leben so langsam doch mal vertragen.
Als ich Sonntag den Knoten entdeckte, geriet ich schon irgendwie aus meinem Tritt, auch wenns ja nicht der erste war, den ich fand. Und ich ja wieder das Glück hatte, dass es nur ne Zyste ist. Bis eben die Bauchuntersuchung noch was anderes zeigte, von dem ich noch nix ahnte. Trotzdem fühlte ich mich nach dem Tag irgendwie... besser. Ich hatte den ersten Schritt hinter mir und was auch immer jetzt folgen wird, es wird schon alles gut werden. Mensch, das ist doch eigentlich immer noch mein Credo. Auch wenn mir mal kurzzeitig die Knie weich werden.

Dann erreichte mich gestern Abend ein Anruf von der Mutter des besten Freundes von Junior II. Ich verpasste den, rief später zurück, da ging sie nicht ran, also meldete ich mich heute noch mal: "Aaach, ist ja schön, dass du dich mal meldest." Pass auf, was du sagst, Frollein, und vor allem pass auf deinen Ton auf. Ich bin gerade nicht wirklich geduldig und lammfromm aufgelegt! Doch noch hielt ich mich zurück.
Sie erzählte was vom Geburtstagsgeschenk für ihren Sohn, der jetzt 18 wird, von der Reise, die die Jungen im Sommer machen wollen - nach Italien. *schluck* Kostenpunkt: irgendwas über 400 Euro. Aha.
Nachdem sie mit ihrem Erzählroman durch war und dem Hinweis "Italien wird zu teuer, aber Ungarn wäre toll, zehn Tage Jugendtouristik für nur 300 Euro, ich würde das dann jetzt buchen", da endlich war ich auch mal dran und fragte, wie sie sich das mit der Bezahlung vorgestellt hätten?
"Na dein Sohn muss seinen Anteil von 300 Euro schon selber tragen. Wenn ich jetzt buche, will ich die 300 Euro auch haben, vorschießen tu ich nichts."
Das ist mir auch klar.
Klar ist mir ebenso, dass mein eigener Sohn mit 18 volljährig und damit auch selber geschäftsfähig ist. Dass er mich prinzipiell nicht mehr fragen muss, ob und was er darf.
Klar ist mir nur nicht, woher er die 300 Euro nehmen will, wenn wir doch eigentlich gerade ganz andere Pläne haben. Ich sage nur: Wohnung. Die ja nun als Einraumwohnung gesucht wird, weil eben ihr werter Herr Sohn nicht weiß, was er will. Dieser Einwand wurde abgeschmettert: "Na hör mal, das ist schon sehr lange klar, dass E. nicht in eine WG zieht. Ihr wisst schon ewig, dass E. zum Bund will, da braucht er keine eigene Wohnung und ich war auch dagegen."
Ganz so wars nur eben nicht. Es ging ewig hin und her: Erst Ja, dann Nein, dann Vielleicht, dann wieder Ja, zuletzt vor 8 Wochen wieder Nein und da hatte es mir gereicht: "Ich will mich nicht auf Leute verlassen müssen, auf die ich mich nicht verlassen kann. Also entweder gründest du mit deinem Bruder eine WG, oder jeder von euch zieht in eine eigene Wohnung." Sie entschieden sich für letzteres, die Brüder, weil beide zusammen auf Dauer... eben doch nicht ein wirklich harmonisches Pärchen sind.
Dass damit jetzt aber auch Kosten verbunden sind, die zwar etwas geringer sind, aber dafür auch nicht mehr durch zwei geteilt werden - daran dachte das Götterkind eben auch nicht.
"Ja worüber redet ihr denn abends miteinander?" durfte ich mir die spitzfindige Frage gefallen lassen und da hätte ich dem Frollein am liebsten eine geklatscht. Mit so einer Tonart kommt sie ganz schlecht bei mir.
"Ich kläre das heute Abend mit meinem Sohn und dann melde ich mich bei dir", brach ich das ganze ab. Mit geschwollenem Hals und mächtig Kaffeedurst. Kaffee mit Schuss am liebsten.

Zweimal hatte in der Zeit ein Anruf von Junior I angeklopft und weil der mich nicht erreichte, schrieb er mir eine sms "Mein Leben ist echt die reinste Scheiße..."
Er ging nicht ans Telefon.
Ich rief so lange immer wieder an, bis er dranging.
"Sie haben mir heute gesagt, dass ich ab Montag nicht mehr ins Büro kommen brauch."
Ich brauchte eine Weile, um die Bedeutung zu erfassen.
"Wie jetzt?"
"Sie wollen mich nicht mehr. Wenn ich will, kann ich morgen noch mal kommen, aber ab Montag brauch ich dann nicht mehr hierher kommen."
Er war am Boden zerstört. Ich auch - aber das ließ ich mir erst mal nicht anmerken.
"Wieso denn das?"
"Ja... Weißt du, ich hab sie so oft gefragt, ob sie mit mir zufrieden sind, ob alles in Ordnung ist, ob ich und wo ich mich verbessern kann. Sie haben immer gesagt, nein, es wäre alles gut und sie fänden mich gut. Ich sei nur nicht so der Mensch zum Telefonieren, also steckten sie mich in die Dokumentation. Aber da war ich ihnen dann wohl doch nicht schnell genug. Jedenfalls haben sie das heute so gesagt."
Ja das war dann irgendwie doch ein Tritt in den Magen. Für ihn sowieso, aber auch für mich. Gerade er. Ausgerechnet er. Der so zerfressen ist von Selbstzweifeln und Unsicherheit und der trotzdem so hochmotiviert an alles herangeht und sein Bestes geben will... Der nach der Ausbildung den allerersten Job ergatterte und nun dabei war, erste Erfahrungen zu sammeln, erste Berufserfahrung... Schnelligkeit hat auch was mit Routine zu tun - doch woher soll die kommen??? Zwei Monate als völliger Berufsanfänger, man war ja soooo zufrieden mit ihm, und nun schickt man ihn von einem Tag auf den anderen nach Hause?
"Und dabei sollte ich nächste Woche anrufen, ob ich die Wohnung nehmen will", sagte er leise und er klang so zerschmettert, dass mir echt die Tränen hochstiegen. Aber heulen gilt nicht, schon gar nicht vor ihm. Rücken stärken ist meine Devise.
"Red doch noch mal mit ihnen", sagte ich.
"Ach wozu denn. Ändert eh nichts mehr."
"Das weißt du nicht, du hast es ja noch gar nicht versucht. Verlieren kannst du doch nichts mehr, aber vielleicht gewinnen."
"Ach Mutsch..."
"Sag ihnen noch mal, wie gern du bei ihnen bist, wie ehrgeizig du bist und wie sehr du an dir arbeiten willst. Und dass du morgen noch mal kommst, obwohl sie dir heute sagen, dass sie dich nicht mehr wollen, spricht ja auch nur für dich."
"Ja trotzdem..."
"Nicht trotzdem. Versuch es einfach."
"Weißt du, am meisten kotzt mich an, dass der Vater sich jetzt wieder bestärkt fühlen wird darin, dass er mir das eh immer schon gesagt hat, dass ich nichts kann und aus mir nichts wird und dass ich abends viel zu lange wegbleibe, anstatt früh schlafen zu gehen und fit zu sein für die Arbeit. Dabei hat das alles gar nichts damit zu tun."
"Das weiß ich und eins ist klar: Wenn das wirklich so losgeht wieder, kommst du rüber."
"Ach das bringt mir auch nichts..."
"Doch. Weil du dir dann nicht sowas nachsagen lassen musst. Dann hörst du es nicht."
Nach dem Telefonat hab ich echt geweint. Ach Mensch. Er tut mir wirklich leid. Doch dann dachte ich an seinen Vertrag. Den hat er ja mit der Zeitarbeitsfirma, nicht mit der, wohin er entliehen wurde. Und dieser Vertrag geht bis 15.12.2014. Eigentlich müsste der ja jetzt trotzdem fortgeführt werden? Und wenn ja, zu welchen Bedingungen? Vermutlich erfährt er das morgen im Gespräch mit dieser Zeitarbeitsfirma (denn sein Arbeitsvertrag gibt zu solchen Fällen leider gar keine Auskunft).
Er ging dann zu seinem Minijob und anschließend nach Hause. Vorhin schrieb er mir eine sms. Er hatte es seinem Vater gesagt und der seiner Freundin. Und die hat gesagt: "Na bestimmt weil der aussieht wie ein Assi." Und dass ihn auch auf dem Bau keiner haben wollen würde. Junior schrieb, er habe sowas von genug und ginge erst mal zu seinem Kumpel.

Ich hasse und verabscheue Gewalt zutiefst. Aber dieses Pärchen entlockt mir etwas, von dem ich nicht sicher bin, ob mir das gefällt. Schade um die Energie, ich weiß. Die muss jetzt Junior zufließen, nicht diesem abgefuckten Paar, das so frustriert und genervt ist vom eigenen Leben, dass sie ständig anderes niedermetzeln müssen.
OK.
Kanalisiere ich eben meine Wut auf diese Leute. Und gehe jetzt das Fleisch in der Küche zerhacken.

Mittwoch, 2. April 2014

Das böse W-Wort

Heute Morgen war der Untersuchungstermin.
Die Ärztin kenne ich seit 2007 und ich mochte sie von Anfang an. Eigentlich. Eine patente, sehr gründliche Ärztin, fand ich immer. Eigentlich denke ich das ja immer noch.
"Da ist bisschen was schiefgelaufen", sagte sie, nachdem sie mir die Hand zum Gruß gereicht hatte.
"Wieso?"
"Man hat Sie für heute in den Kalender eingetragen, aber als unbestellte Patientin."
"Ach, ist doch nicht schlimm, ich hab heut nicht mal so lange gewartet wie sonst."
"Hmm, das mag sein, aber für gründliche Untersuchungen wie in Ihrem Fall habe ich mittwochs eigentlich keine Zeit. Solche Untersuchungen sind mittwochs prinzipiell nicht vorgesehen. Man hätte Ihnen einen regulären Termin geben müssen, auch wenn das in der Regel eine Wartezeit von mindestens 4 Wochen bedeutet."
Äh...
War das jetzt die Aufforderung, wieder zu gehen, oder war das ein Hinweis á la "Ich kann dich untersuchen, aber zack zack und wenn ich was übersehe, dann war das halt Pech"?
Da wird man dann schon ein wenig nervös und fragt sich, ob man hysterisch überreagiert nach dem Feststellen von Knoten und den Ärzten ruhig Zeit lassen sollte, sich auf den Patienten einzustellen.
"Ich hatte versucht, Ihre Telefonnummer übers Internet rauszubekommen, damit man Sie noch anruft und den Termin verschiebt. Aber über Sie findet man ja so gar nichts."
Die gelben Seiten würde diese Aussage aber verdammt freuen, dachte ich so bei mir.
Aber sie hat sich dann doch Zeit für mich genommen, die Anamnese aufgefrischt und sich ganz entspannt mit mir unterhalten. Über Knoten, Hormonschwankungen und dann sagte sie doch glatt dieses böse W-Wort. W wie Wechseljahre. Waaahhh! ICH? Jetzt schon?
Sie erzählte mir was von abnehmender Knochendichte, von Hitzewallungen und eben auch hormonell bedingten Zysten und sonstigen Gebilden im Körper einer Frau. Von Mammografien und sonstigen Foltermethoden.
Na toll.
"Nehmen Sie das W- Wort zurück - sofort!" hätte ich ja am liebsten verlangt, aber so gelassen ich denn auch heute Morgen war, so... gedankenleer war ich auch. Ich hab einfach nur zugehört und die Bilder auf der Riesenleinwand verfolgt, die sie mittels Ultraschall projizierte.
"Ach, da ist ja schon der Knoten." Sie beugte sich vor, kniff die Augen zusammen, vergrößerte, dass ich schon glaubte, ich habe gar keine weibliche Brust, sondern meine Körbchengröße werde allein nur aus diesem Knoten ausgefüllt.
"Das ist ne Zyste. Klar gefüllt."
Kurze Pause.
"Da ist noch eine. Auch klar gefüllt. Alles harmlos."
Puh....
Rechte Seite: "Da ist noch eine. Aber alles gut. Nix weiter Schlimmes."
Ein bisschen ächzte ich ja schon unter dem Druck so eines Ultraschallkopfs. "Ist unangenehm, oder?" fragte sie und ich grinste: "Irgendwie schon." Sie wies kurz auf die Brust: "Ja na ja, klar, da ist ja auch nix... da drückt das schon."
"Ich bin ein gutes B-Körbchen, ein seeehrr gutes, bestimmt sogar fast C!" wollte ich entrüstet aufschreien, aber na ja... Da war sie schon beim Schwenk in die Leistengegend. "Das ist nur ne Drüse. Kann passieren, ist auch nicht weiter schlimm. Muss man nur beobachten. Nur wenn sie größer wird, muss man sie schneiden."
Also auch hier Schwein gehabt.
Erleichterung, bis sie während der weitergehenden Untersuchung meinte: "Hier ist aber noch eine Veränderung. Ich schneid da mal bisschen was weg und schick das ein. Ergebnis in frühstens 14 Tagen, also nach Ostern."
Ein bisschen verwirrt, lädiert und angeschlagen verließ ich irgendwann den Kotz-Brech-Hass-Stuhl.
"Rezept gibts vorn, Termin im Mai und den Ultraschall müssen Sie selbst zahlen."
Äh...
"Brust 60 Euro, Bauch 35 Euro."
Typisch Frau, die ich bin, zückte ich am Tresen meine Geldkarte und von all dem, was gerade hinter mir lag, hallte immer noch das böse W-Wort in meinem Kopf.
Pfffft.
"Mammografie gibts ab 50, aber bis dahin haben Sie ja noch vieeel Zeit", gab sie mir zum Abschied mit auf den Weg. Sollte wohl ein Friedensangebot sein, nehme ich an.