Montag, 27. Oktober 2014

Orrrr Mum!

Das ist so ein Standard-Ausruf, den ich in den beiden Tagen, die ich zurück in heimischen Gefilden bin, relativ oft höre.
So auch gestern, als ich pünktlich zur Kaffeezeit bei der Jugend ankam und danach lechzte, die bei meinem letzten Besuch kiloweise überlassenen italienischen Schokoladenkekse mit ihnen zu teilen und dabei entspannt die Beine hochzulegen.
Fail #1: Es waren keine Kekse mehr da - wie kann man auch glauben, dass nach 10 Tagen noch Kekse da seien?
Fail #2: Die Jugend war beschäftigt. Online beschäftigt. Onlinezocken beschäftigt.
Jeder lag in seinem Zimmer vor der Kiste und knechtete den Joystick derart, dass ich glaubte, mir flögen gleich ein paar Tasten um die Ohren: Kein Platz für Mum. Keine Zeit für Mum.
Na toll.
Aber ich bin ja jahrelang erprobt und weiß, wie ich mich auch allein beschäftigen kann: Küche aufräumen.
Was auch sonst.
Ich weiß zwar nicht, wieso ich kurz vor meinem Umzug noch einen Geschirrspüler kaufte - wenn sie ihn eh nicht benutzen.
Ich weiß auch nicht, wieso ich - auf Wunsch! - ein handgeschriebenes Rezeptbuch anlegte - wenn sie es eh nicht nutzen!
Ich frage mich immer so einiges, wenn ich mein einstiges Zuhause betrete.
Das frage ich übrigens nicht nur mich, sondern auch die Jugend. Mit stoischer Ruhe wiederhole ich an jedem Tag dieselben Fragen - in der Hoffnung, irgendwann möge es zwischen den Ohren hängenbleiben, bevors rechts rein und links wieder rauswandert. Anfangs erntete ich für meine Kommentare ein gleichmütiges Nicken "Hast ja recht". Dem Nicken folgte irgendwann ein "ich drehe meine Augen nach Norden".
Inzwischen ist es so, dass Junior I sich mit seinen ein Meter fünfundneunzig vor mir aufbaut, mich bedächtig mustert und spricht: "Mum, jedesmal, wenn du kommst, hast du eine andere Haarfarbe. Nur deine Sprüche, die sind immer gleich!"

P.S. Mein Haupthaar ist wieder dem - sehr nah an der Natur gegebenen - dunklen Farbton angepasst, weil ich feststellen musste, dass dieser hellere Ton zwar das Gesicht jünger.. äh.. freundlicher macht, aber nicht mehr zu den meisten meiner Klamotten passt. Ja, solche Sorgen kann Frau haben, wenn sie sonst nix zu tun hat. So wie putzen, Wäsche waschen oder das Bügelbrett reparieren!

Kommentare:

Anna Aprilwetter hat gesagt…

Zitat: "Mum, jedesmal, wenn du kommst, hast du eine andere Haarfarbe. Nur deine Sprüche, die sind immer gleich!"


Auch eine (uncharmante) Art um dir zu sagen, dass du dir das Reden sparen kannst, weil er es zwar registriert, es ihm aber irgendwo vorbei... nun ja... rechts rein, links raus. ;)

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Och, man kanns auch positiv sehen: Ihm sind Veränderungen aufgefallen! Tuts immerhin nicht jedem *kreisch*

Anna Aprilwetter hat gesagt…

;D Ich leih dir meine Tasse, denn mit der Einstellung bist DU die Queen of fucking everything. ;D

Clara Himmelhoch hat gesagt…

Ich weiß echt nicht, ob ich dich bewundern oder bedauern soll. Mir würde zur Beschäftigung echt was anderes einfallen als Küche aufräumen.

Ernst hat gesagt…

ein schöner Text, gefällt mir. Tja, es kommt mir einiges so bekannt vor...

ganga hat gesagt…

In 10 Jahren, wenn sie dann mal eigene Familie haben dann werden sie es anders machen. Gaaaannz sicher. jedenfalls beobachte ich das so bei den anderen "Kindern". Wirst sehen, dein "ewiges Genöle" wird Früchte tragen.

Na ja und aufmerksam sind sie ja. Und vielleicht haben sie das nächste Mal einen Frühstückstisch für dich gedeckt.

Liebe Grüße
ganga