Montag, 31. März 2014

Ich wär für Montagsdemo's - wer noch?

Ich glaube, dass es verhältnismäßig noch nicht wirklich lange her ist, dass ich mal schrieb, ICH hätte keine Probleme mit Montagen. ICH wäre diejenige, die schon morgens auf dem Weg in die Arbeit singt und jubiliert und sich z. B. aktuell daran freut, dass der Frühling in diesem Jahr so zeitig begonnen hat, dass selbst meine geliebten Kastanienbäume bereits ihre grünen Fingerchen nach der Welt ausstrecken.
Mittlerweile aber bin ich mir in meiner gesamten Einstellung nicht mehr so sicher. Nein, ich fürchte mich nicht vor Montagen - aber so langsam bin ich geneigt, diese zu boykottieren und direkt vom Sonntag in den Dienstag zu starten.

Irgendwie wird es langsam zur Gewohnheit, dass die Wochenenden, die die Jugend - wenn denn überhaupt mal - beim Vater verbringt, zu regelrechten Kotztagen werden. Insbesondere für meinen Großen. Ich bin oft gefragt worden, warum der Junge mit seinen 24 Jahren noch immer beim Vater lebt, grad weil das dort so erniedrigend ist. Warum er trotz Bafög und zwei Minijobs nicht in der Lage sei, eigenen Wohnraum zu beziehen - und sei es in einer WG.
Dazu müsste man weiter ausholen. Dazu müsste man wissen, wie der Junge groß geworden ist, wie er als kleiner Junge schon wesentlich schneller dachte als er sprechen konnte, sich entsprechend oft verhaspelte und der Vater übernervös reagierte: "Ich hab keine Ahnung, was der von mir will, den versteht doch kein Mensch!" Dazu müsste man auch wissen, wie sehr der Junge von klein auf an mit der Familie verbunden ist, mit Herz und mit Seele, ein wahnsinnig sensibles Kind mit den feinsten Antennen, die ich bislang kennen gelernt habe - und ein ebenso liebebedürftiges Kind. Und so ist er bis heute. So wie er auch bis heute den Kampf um die Liebe des Vaters kämpft, um dessen Anerkennung und dessen Lob - das aber, wenn überhaupt, nur der Jüngere genießt. Der Jüngere, von dem er neuerdings wieder anfängt: "Wer weiß, ob das überhaupt meiner ist, deine Mutter ist doch eh nur ne Schlampe, die hat nur das F**en im Kopp."
Das ist mir nicht neu, ich hab das damals schon zu hören bekommen, als ich mich 2003 von diesem Menschen trennte. Junior II übrigens, der das bis gestern Abend noch nicht wusste, fragte mich dann, ob er seinen Vater darauf ansprechen dürfte. "Natürlich, warum nicht? Sag bitte nur, dass du und ich uns darüber unterhalten haben. Sag nicht, dass wir jetzt durch deinen Bruder darauf gekommen sind, sonst kriegt er nur wieder neuen Ärger."
Mein Großer... Ein groß gewachsener junger Mann, so liebebedürftig wie unsicher, aber dennoch inzwischen gefestigt genug, sich nicht mehr alles sagen zu lassen. Der jeden Tag duschen soll, bevor der Vater zu Bett geht, weil den das sonst stört. Der sein Brot nicht selber schmieren soll, weil den Vater stört, dass der Junge die Butter von mehren Seiten anschneidet. Der abends nicht zu seinen Freunden gehen darf, weil er morgens früh aufzustehen hat. Wohlgemerkt... Junior ist 24... Dem permanent vorgerechnet wurde, wie wenig er sich eigenen Wohnraum leisten könne und das einzig Machbare sei und bleibe, bis zum Ende der 2. Ausbildung zu Hause wohnen zu bleiben. (Mein Vater sagte dazu: "Passt mal auf, wenn der kein Anspruch mehr auf das Kindergeld hat, dann schmeißt er den Jungen raus." Denn das Kindergeld kassierte der Vater - bis zum Schluss. Vielleicht seh ich das falsch, jedoch ich bin der Meinung, dass ein volljähriges Kind mit Anspruch auf Kindergeld, das für seine Sachen selber aufkommt und ansonsten Kostgeld zahlt, auch sein eigenes Kindergeld beziehen darf. So handhabe ich das zumindest mit Junior II, seit er 18 geworden ist und seitdem über ein eigenes Konto, eine eigene Geldkarte verfügt und spätestens jetzt auch lernen soll, damit umzugehen.)
Täglich wird dem Jungen vom Vater und auch von dessen Freundin, die ich aufgrund ihres seit Jahren unmöglichen Benehmens ab sofort "den Terrier" nenne werde, vorgeworfen wird, wie unselbständig er ist. Dem jeden Tag, wirklich jeden Tag gesagt wird, dass er doch dankbar sein solle, dass er ein schönes Zuhause habe und jeden Tag gutes Essen vorgesetzt bekomme. Worauf Junior gestern der Hals platzte und er zum Vater sagte: "Ja dann hättest du besser mal ein Kondom genommen, wenn du ein Problem damit hast, dass du Kinder hast."
In jeder Auseinandersetzung wird dem Jungen vorgehalten, dass er es noch immer zu nix gebracht habe im Leben - scheiß auf den guten Schulabschluss (wo es doch in der 1. Klasse noch hieß, aufgrund der recht ausgeprägten Absencen solle man den Jungen unbedingt wieder ausschulen, man überfordere das Kind komplett), den beiden abgeschlossenen Ausbildungen, den Führerschein und wie gut er Auto fährt (jedenfalls, wenn er mit mir fährt, und abgefahrene Spiegel und so... na ja, da war er halt noch Fahranfänger) und so weiter und so weiter... Ich bin mir sicher, dass der Vater das sieht und weiß, aber so wie für dessen Vater ist auch für ihn nichts gut genug, gibt es kein gutes Haar an dem Jungen, weil er sich wohl selber so minderwertig fühlt (was nachvollziehbar ist bei der eigenen Kindheit), dass er immer jemanden braucht, den er in den Dreck treten kann, nur um sich selbst besser zu fühlen.
Bei seiner vorletzten Verbalentgleisung, als der Vater dem Jungen sagte, er tauge doch eh nix, genauso wenig wie seine letzte Ausbildung, das könne doch jeder Plebs, da antwortete Junior: "Und wer will mir das jetzt sagen? Ein kleiner pummliger Busfahrer?"
Mit seinen Antworten können Vater und der Terrier nicht umgehen, mit Kritik sowieso nicht, aber auch eben nicht mit Konter. Irgendwann, vor zwei Jahren oder so, beklagte sich der Vater bei mir (!), dass der Junge sich im Ton vergreife etc. Ich bügelte ihn ab: "Na endlich wehrt der Junge sich. So wie ihr seit Jahren mit ihm redet, brauchst du jetzt nicht rumzuheulen, ihr seid selber schuld."

Nach dem gestrigen Telefonat am Abend konnte ich in der Nacht lange nicht zur Ruhe finden. Wie mein Ex seit 11 Jahren über mich in Gegenwart Dritter spricht, kann ich nicht verhindern, es kümmert mich aber inzwischen auch nicht mehr. (Wenn damals, kurz nach der Trennung, in meinem ehemaligen Wohnort jemand nett und freundlich zu mir war, und seis die Verkäuferin im Supermarkt, dann war ich immer eher überrascht und dachte: "Na vielleicht hat er mit ihr ja noch nicht gesprochen." Man muss hinzufügen: Das, wo ich mal gewohnt habe, ist einfach nur ein Kuh-Kaff, jeder kennt jeden, und die Familie meines Ex-Mannes war dort sehr bekannt; der Vater wohl ziemlich beliebt und die Mutter - die war übrigens wirklich eine Seele von Mensch, nur leider viel zu früh gestorben - führte einen Laden für Kinderkonfektion, zu Ost-Zeiten war man ja froh über solche "Kontakte"). Womit ich aber bis heute ein Problem habe, ist, wenn seine Verbalattacken auf die Kinder einprügeln. Ich glaube mittlerweile, dass ich nicht alles weiß, aber zumindest hat mir Junior vor drei Jahren in einer seiner bisher schwierigsten Stunde gebeichtet, bis wohin es fast geführt hätte - und das zerreißt mich bis heute. Bis heute zerreißt mich, wieso ich den Jungen nicht besser geschützt habe, wieso ich mich nicht durchgesetzt habe, ihn mitzunehmen - und wenn mein Ex zehnmal schwor "Wenn du das versuchst, bring ich dich um, endlich!" So wie er mir auch immer versprach: "Eins solltest du wissen: Ich habe mir Geld gespart für jemanden, der die Drecksarbeit erledigt und dich entweder kaltmacht oder wenigstens dir so schadet, dass du keine Freude mehr am Leben hast" - und fast war ich damals versucht zu fragen, ob er da das Geld gespart hat, das ich jeden Monat als Unterhalt für den Jungen überwiesen und auch überlassen hatte. Aber ich war damals ganz schön alleine. Niemand war da, als er mir die Schulter unwiderruflich verletzte. Doch - stop, die Kinder waren da, die Kinder saßen daneben. Nicht mal davor hat der Typ Halt gemacht. Niemand war da, wenn der Typ vor meinem Auto stand und dagegentrat. Doch - stop, mein Kleiner, der neben mir im Kindersitz saß und heulte. Niemand war da, als er mitten im Kinderhort stand, mit dem Finger auf mich zeigte und schrie: "Von dir lass ich ein psychiatrisches Gutachten anfertigen, du  bist doch nicht zurechnungsfähig!" Doch - stop, da waren schätzungsweise dreißig Kinder und, ich glaube, drei Hortnerinnen.
Für mein Umfeld war sowieso ich an allem schuld.
Für meinen Vater war ich an allem schuld.
Was musste ich mich auch in einen verheirateten Mann verlieben und dann auch noch die Familie verlassen, obwohl doch der andere zu seiner Familie zurückgekehrt war. Ja, daran bin ich schuld und dazu habe ich auch immer gestanden. So wie ich auch immer sagte: "Niemand hat es im Grunde verdient, so verlassen zu werden. Man muss was Altes beenden, bevor man was Neues anfängt." Ja, klingt gut und richtig und klug und weise. So war ich aber nicht, nicht so gut und nicht so richtig, nicht so klug und nicht so weise - und auch nicht konsequent. Dann war mein Weg eben beschissen - aber ich bin heute trotz allem froh, dass ich ihn trotzdem gegangen bin. Ich denke, ich hätte sonst den Absprung nicht mehr geschafft.

Doch was ich mir nie niemals verzeihen werde: dass ich eingeknickt bin und den Großen nicht mitgenommen habe. Nicht nur der Morddrohungen wegen. Sondern auch, weil der Junge damals sagte: "Ich will beim Vater bleiben." Heute sagt er: "Wenn du zu mir gesagt hättest, komm mit mir mit, ich wäre auch mitgegangen."
Und DAS ist es, was ich mir einfach nicht verzeihen kann. Warum ich nachts oft nicht schlafen kann und mir auch jetzt hier beim Schreiben das Heulen ankommt. Meine Finger sind eiskalt, sie zittern und die Stunde Telefonat, in der ich schließlich zum Jungen sagte - wie so oft in den letzten drei Jahren: "Komm rüber zu uns!" kommt wieder hoch mit all dem Schlamm, Schmutz und Dreck.

Wie können solche Menschen nachts ruhig schlafen und auch noch glauben, sie hätten alles richtig im Leben gemacht? Dass alle anderen schuld sind, nur nicht sie? Dass sie ja sowieso immer nur das Beste wollten - und alle Nachbarn könnten das bestätigen?
Ich hatte dann letzte Nacht doch noch eine zündende Idee. Eine Übergangslösung, aber es wäre eine. Eine für die Jungs und mich. Sie gärt und reift noch in mir, ich muss das mal mit der Jugend besprechen - und mit den gelben Seiten.

Und dann entdeckte ich gestern Abend einen ziemlich großen Knoten an einer etwas.. ungewöhnlichen Stelle. Wenn man ihn richtig ertastet, dürfte er etwas größer als 1 cm sein. Er ist ziemlich hart und lässt sich auch nicht hin und her schieben. Ich weiß, dass das - so gesehen - nicht unbedingt ein gutes Zeichen ist. Aber ich hatte auch schon derart viele Zysten überall, dass ich mich gern schon wie ein innerer Streuselkuchen fühlte. Mittwoch um acht Uhr habe ich Termin.

Die Heizung ist übrigens auch ausgefallen, wir sitzen hier im Büro und frieren. Denn von den versprochenen 19 Grad fühlen wir hier nichts, gar nichts.

Sagte ich schon, dass ich den Montag boykottieren und gegen diesen demonstrieren möchte? Und wer macht mit?

Freitag, 28. März 2014

Sie sind wieder da

...die Alpträume. Normalerweise kommen sie regelmäßig aller halben Jahre, bleiben ein paar Nächte und verschwinden dann wieder.
Jetzt hatte ich zuletzt richtig lange Pause, ein Jahr oder eineinhalb bestimmt - bis auf den einen Traum mit dem Typen und dem Handy.
Und letzte Nacht überfiel es mich, und zwar richtig heftig. Seltsamerweise werde ich ja normalerweise immer von hinten angegriffen, ich seh kein Gesicht und so, weiß aber immer, dass es ein Mann ist.
Im Traum letzte Nacht war ich mit meinen Söhnen unterwegs, ich sah meine Eltern und noch irgendwen oder irgendwas, an das ich mich nicht mehr erinnere.
Aber ich weiß noch sehr genau, wie mich jemand packte, es fühlte sich an wie ein Eisenring um meine Taille, und man wollte mich zurückzerren. Mit grober Gewalt und ich wusste im Traum: "Jetzt passiert mir was richtig Schlimmes." Todesangst pur und ich begann zu schreien, wie ich in noch keinem Alptraum geschrien hab: wahnsinnig laut und halb wahnsinnig vor Angst. Und ich schrie den Namen meines Großen, wieder und wieder, und "Hilf mir!!" Während jemand immer noch roh an mir zerrte und mich zurückreißen wollte.
Ich wusste im Traum nicht und ich weiß auch jetzt nicht, wohin "zurück" bedeutete, aber ich wusste, das hier würde ich nicht überleben.
Seltsamerweise gelingt mir im Alptraum immer eins: Ich kann mich selbst ansprechen - als wäre mein Ich, mein Bewusstsein in einer anderen Ebene (und so ist es ja irgendwie auch, oder?) und dann kann ich mir selber sagen: "Wach auf, Helma, wach auf - es ist nur ein Traum, wenn du nur die augen aufmachst, ist alles gut.."

..und dann bin ich aufgewacht.

Donnerstag, 27. März 2014

Nachts sind alle Katzen grau

Nachts bin ich irgendwie am kreativsten. Nachts kann ich am besten denken, fühlen, schreiben. Nachts liege ich am liebsten in der Badewanne. Nachts höre ich am intensivsten die Musik. Nachts backe ich Kuchen oder bereite mir einen Kaffee in Friederikes blauem Pott. Der ist so groß, dass da locker zwei große Milchkaffee reinpassen - also genau mein Maß. Schlafen kann ich dann übrigens trotzdem ausgezeichnet.

Die Nacht also... Vielleicht hat es etwas damit zu tun, weil nachts der Tag zur Ruhe gekommen ist. Keine Ablenkung mehr durch Menschen, die sich in meinen Tag drängen, ungefragt, ungebeten; keine Ablenkung durch Dinge, die unbedingt jetzt und gleich erledigt werden müssen.

Nachts sind alle Katzen grau? Meine nicht. Meine ist weiß, gold, rot, orange - schillernde Farben meiner Phantasie; das ist sie immer, wenn man ihr den Raum lässt.
Vor einiger Zeit habe ich mal in alten Posts von mir gestöbert, die ersten aus 2008 oder auch 2009. Und irgendwie überkam mich das Gefühl, dass ich damals mit mehr... Herzblut? geschrieben habe. Mit mehr Ruhe in mir selbst. Während sich meine Posts der letzten Monate oder auch noch länger eher.. rastlos lesen. So ein Gefühl, wie wenn mir beim Schreiben die Zeit davongelaufen wäre. Und ehrlicherweise.. habe ich viele der letzten Posts auch genauso geschrieben. Da gab es immer Themen, die ich unbedingt loswerden wollte - doch entweder war ich zu müde, bevor ich überhaupt anfing, oder es gab noch tausend andere Dinge zu erledigen - oder aber ich hatte die Hälfte von dem vergessen, das ich eigentlich sagen wollte.
Wenn ich telefoniere, spüre ich förmlich, wie ich unruhig werde, weil ich oftmals denke: Ich würde aber gern noch dies oder das schreiben - malen - tun.
Wenn ich mich mit Freunden verabrede, möchte ich diejenige sein, die wohin geht. Weil ich Leute einladen, aber nicht ausladen bzw. hinauskomplimentieren, aber gehen kann, wenn ich selber genug habe.

Friederike hat mal zu mir gesagt, ihr genüge das Gefühl, dass ich da sei, aber sie müsse mich nicht ständig um sich haben und auch nicht ständig von mir hören oder lesen. Ich wusste so gut, was sie meinte.
Und doch fange ich etwas an zu vermissen, von dem ich mir nicht so sicher bin, was es ist. Ist es die Ruhe in mir, die mir fehlt? Mein Vermögen, mich auf mein Gegenüber einzulassen, so völlig?
Ich kann das, ich weiß es.
Denn als ich zum Beispiel Friederike zuletzt begegnete, war ich tausendprozentig bei ihr.
Wenn ich bei den gelben Seiten bin, bin ich tausendprozentig bei ihm.
Aber sonst?
Fühle ich mich rastloser, unruhiger denn je, fange ich vieles an, bringe es aber nicht oder nur halbherzig zuende.
Ob es daran liegt, dass ich mich gerade an einem Punkt befinde, wo ich weiß, in ein paar Monaten wird sich mein Leben ohnehin komplett ändern?
"Ich verstehe dich grad nicht", sagen die gelben Seiten in letzter Zeit öfter zu mir.
Damit ist er nicht allein: Ich versteh mich auch nicht immer.

Mittwoch, 26. März 2014

Hausverbot

...hat mir Sohnemann erteilt - rechtzeitig, bevor ich den heimischen Herd erreichte:

Im ersten Moment musste ich grinsen und sah mich nun peinlich  mit fliegenden Haaren ins Zimmer stürmen, den oberpeinlichen Begrüßungskuss aufdrücken und durch die Haare (größter Fehler ever) wuscheln und sagen: "Na ihr zwei, gehts euch gut?"
Das wäre ja mal was - ich vermute, er würde anschließend nie wieder ein Wort mit mir reden :) Ich habe ihn dann nur gefragt, ob ich zu Hause Kopfhörer aufsetzen soll und dass er bitte daran denken soll, die Wasserflaschen aus dem Auto zu holen. Keine Antwort. Entweder sture Ignoranz der Faulheit - oder man(n) war bereits beschäftigt.

Im zweiten Moment dachte ich aber, dass mir das irgendwie grad ganz recht so ist: Ich will nämlich zu Hause ankommen und auch mal nicht gestört werden.
Scheiß Tag.
Der Tisch voller Arbeit.
Ständig Leute im Zimmer, die irgendwas wollen, wo ich mich frage: "Hallo? Mal einen Moment selber nachgedacht?"
Permanent klingelt das Telefon.
Behörden. Eigentümer. Pächter. Du stellst zurück in ein Zimmer mit 3 Kollegen. Einer ist grad nicht am Platz, die anderen beiden gehen eben nicht ran - ist doch nicht ihr Apparat: Da kriege ich ein Magengeschwür extra!
10 Anrufe pro Stunde vom Chef. 8 davon sind unter "Spaß" verbuchbar - aber ich habe keinen Nerv dafür, wenn der Tisch voll Arbeit liegt und er morgen garantiert fragen würde: "Wieso ist dies und das noch nicht fertig?" Ich muss rechnen, vergleichen, aufpassen, dass mir kein Fehler unterläuft - und mache dann doch welche. Faselfehler. Pillepalle, nix Besonderes - aber mich nervt das!
Ich hoffe, die Angebote stimmen, ich hoffe, die Auswertung stimmt, ich hoffe auch, dass die Gehaltszahlungen stimmen. Ich habs alles doppelt gegengeprüft, aber man kennt das ja... Betriebsblindheit... Grad unter Druck und Stress.
Dafür kassiere ich dann noch einen gepflegten Anschiss vom Chef, weil ich mir für ihn - mit Verlaub - Zeit zu nehmen habe. "Ja, aber dann bitte für ernsthafte, dienstliche Dinge", liegt es mir auf der Zunge - aber das verkneife ich mir und entschuldige mich dafür, dass ich nicht wahrgenommen hatte, dass eben der 9. Anruf ein solcher ernstgemeinter, dienstlicher war.
Dann bin ich eben nicht mehr belastbar, scheiß doch der Hund drauf, mein Magen schmerzt schon seit Wochen wieder und mein Bauch sieht aus, als wäre ich im sechsten Monat schwanger. Das ist der Stress, ich weiß das, und ich weiß auch, dass der Grund nicht allein in der Arbeit liegt. Der tägliche Sport baut das nicht mehr ab, ich seh überhaupt auch nicht mal nen Erfolg auf der Waage oder wenigstens in der Konfektionsgröße. Mittags esse ich - wenn überhaupt - ein Menü in Rentnergröße und fühl mich trotzdem wie Kuno, der fliegende Elefant - nur dass ich eben nicht fliegen kann. Abends esse ich Obst oder Naturjoghurt oder beides zusammen, weil ich mehr nicht mehr runterkriege und trotz alledem bleibt die Waage stur an der Hasszahl stehen.
Ich sags ja: Scheißtag(e). Aber na ja, ab morgen soll ja wieder Frühling werden. Dann wird sowieso alles leichter.

Montag, 24. März 2014

Alles, was ich möchte

   

In mir ist alles grad ganz still und ruhig. Gleich einem See in der Nacht, klar und still, auf dem sich das Licht des Mondes spiegelt.

Mit dem Rücken lehnte ich an der Wand, hielt die Knie an den Körper gepresst und die Arme um die Knie geschlungen. In meinem Körper spürte ich das Vibrieren des Holzfußbodens, der den Takt der Musik aufgenommen hat.

Und ich fühle mich still und ganz ruhig.
Fühle das Puckern in meinem Knie und in der Hüfte, in meiner Schulter und in meinem Handgelenk.
Und fühl mich immer noch ganz still und ruhig.

Sohnemann hat sich schon ein wenig informiert. Es gibt nur die Marine, die Luftwaffe und das Heer. Marine gibt ihm nichts, Luftwaffe will er nicht - und dann lächelte er mich an und mir zog sich alles zusammen.

"Du kannst nächste Woche Montag zu mir ins Büro kommen", sagte ich dann ganz ruhig, "ich hab einen Kollegen, der ist letztes Jahr nach zwölf Jahren vom Bund gekommen. Ist vielleicht ganz gut, wenn du dich auch mit jemandem unterhältst, der selber dort war. Der das alles nicht nur von irgendwelchen Flyern oder vom Hörensagen kennt."

Er schlug ein in die angebotene Hand.

Ich weiß, ich kann und ich darf ihn nicht daran hindern, seinen eigenen Weg zu finden und zu gehen.
Er soll das tun, was ihn erfüllt, was er mag, was ihm gefällt.
Ich will ihn nur nicht verlieren. Keines meiner Kinder. Nicht in einem sinnlosen Krieg, den Menschen in ihrer Besessenheit nach Macht führen, in ihrer Gier, immer noch mehr zu wollen, auch das, was ihnen nicht gehört...
Vielleicht will er dann nach dem Gespräch immer noch dahin und vielleicht ist das auch okay so.
Er muss ja deshalb nicht in den Krieg ziehen. Es gibt noch viele andere Möglichkeiten, und vielleicht ist es ja am Ende eine von den anderen.

Das wünsche ich mir so sehr. Eigennutz? Ja dann ist es eben so.

Ihm ist egal, wo er stirbt

...aber MIR nicht!
Ich sags Euch, so ein Montagmorgen kann es echt in sich haben. Ich sage aber auch: Ich bin NICHT bereit für jeden Scheiß zum Montagmorgen!!!
Erst kam ich viel zu spät ins Büro: Wenn drei Erwachsene morgens zur etwa selben Zeit aus dem Haus müssen, wirds eng auf die paar Quadratmeterchen. Umso mehr dann, wenn man nicht wenigstens ein Gästeklo besitzt. Auf meinen Sport wollte ich aber auch nicht verzichten. Machst du mal einen Tag nix, kann ich förmlich zugucken, wie die Muskulatur wieder erschlafft.
Mag ich nicht! Will ich nicht!
Also rauf auf die Matte und los gehts. Vorher Frühstück zubereiten für die Jugend, anschließend, wenn sie endlich raus sind, mit letzter Kraft ins Bad kriechen und unter die Dusche hangeln. Wenigstens bin ich dann auch nicht mehr so müde, aber es war dann doch schon 7:41 Uhr, als ich die Dusche verließ. Mist Mist Mist. 7:30 Uhr muss ich spätestens ausm Haus und ich war nicht angezogen (kleinstes Übel), das Haar noch nicht gefönt (größeres Übel) und auch noch nicht zurechtgemacht (größtes Übel). Dauert ja alles - für sich genommen - nicht lange bei mir, aber in Summe... verließ ich um exakt 8:14 Uhr das Haus, verbrachte geschlagene 5 Minuten vor der geschlossenen Bahnschranke (Umkehr nicht möglich aus Platzmangel dank hinter mir wartender Straßenbahn) und stand innerlich kochend und fluchend an jeder blöden verf**ten Ampel. Manchmal geht einfach nichts voran.
Und dann kam ich ins Büro - wenigstens war heute Morgen der Kaffee nicht alle! Doch den hatte ich noch nicht mal wirklich genossen, da kam schon jene denkwürdige Nachricht von Junior II:  "Was hältst du davon, wenn ich zum Bund geh?"
Äh...
Noch schnell nen Schluck Kaffee, dann kam seine nächste Nachricht: "Ich würd den Sozialassistenten zuende machen und dann nächstes Jahr zum Bund gehen."
Nun.
Erzieher werden ja auch beim Bund ausgebildet, war meine erste Reaktion.
"Ich weiß nicht, ob ich das noch will", schreibt er und wiederholt damit Gedanken, die er in den letzten Wochen schon öfter ausgesprochen hat.
"Aber du gehst nicht als Soldat, oder?!" frage ich alarmiert.
"Doch, genau das hatte ich vor", ist seine Antwort und ich fühlte mich buchstäblich wie eine Sandfigur, die auf ihrem Stuhl immer weiter zerbröselte. Ich dachte an die Nachrichten aus dem Irak, aus Somalia, aus Afghanistan. Ich dachte an die Fotos von Soldaten, die nur noch in der Holzkiste nach Hause kamen.
Und mir fiel seine Handlinie wieder ein. Ja ich weiß, bekloppt, egal, ich dachte trotzdem dran.
"Und außerdem", schrieb er dann, "ist es doch egal, wo ich sterbe; ob tattrig im Altersheim oder ob ich woanders ins Gras beiße."
Da schwoll mir der Kamm!!!
"Bei dir piepts ja wohl", schrieb ich entsprechend mit Wut-Smileys zurück, "du hast gefälligst lange, lange nach mir zu gehen und vor allem nicht durch Gewalt!"
Er schickte mir eine Reihe roter Herzen. Toll. Hab ich auch nix von.
Ich will das nicht.
Verdammt, ich will das nicht!
Diese verdammten scheiß Kriege, überall krachts und schepperts, der Mensch wird einfach nicht klug - und dahinein soll mein Junge? Ich darf da einfach nicht dran denken!
Warum kann er nicht "normal" zum Bund gehen? Grundausbildung, ok, tut ihm vielleicht ganz gut, so bisschen Disziplin beibringen und so - ein Spaziergang wird das ganz sicher nicht, und das weiß er auch. Aber dann ne Zivilausbildung dranhängen? Warum geht das nicht? Weil er das nicht will... Keine Ahnung, wer ihm da was ins Ohr gesetzt hat. Ich fürchte, sein bester Freund. Der, der immer große Töne von ner Männer-WG und so schwang - und dann doch den Schwanz einkniff, als es ernst werden sollte. Am Ende zieht mein Sohn in den Krieg und der andere streichelt sich den Bauch im friedlichen Deutschland und verschickt Grüße über den Nachrichtendienst? Ja ich weiß, ich bin grad ungerecht. Aber ich hab Angst. Wirklich. Ich will nicht, dass mein Sohn Soldat wird. Verdammt, ich will so nen Scheiß nicht!
Wie hieß es noch zu unserer Schulzeit? "Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin!"
Genau!
Warum er? Warum ER? Warum überhaupt?
Irgendwann fange ich doch noch das Beten an - und bete darum, dass er sich gefälligst etwas anderes überlegt.

Sonntag, 23. März 2014

Nur mit Dir

    

Als ich vor wenigen Tagen mit dem Auto unterwegs war, hörte ich im Radio diesen Song. Er erinnerte mich sofort wieder an all die Tage und Nächte ohne Dich. 
An diese Tage und Nächte, in denen wir uns verloren hatten. 
Tage, an denen ich wie betäubt und mit einem irrsinnig großen Loch in der Brust durch die Straßen lief, scheinbar ziellos, scheinbar planlos, um am Ende eines solchen Tages wieder zurückzukehren nach Hause, mich auf dem Holzfußboden auszustrecken, die Musik aufzudrehen und mir die Sehnsucht nach Dir aus dem Leib zu weinen.
Nachts in die Kissen zu beißen, um nicht zu schreien aus der Wut auf Dich - oder zu schreien, um diesen Druck in mir loszuwerden, die die Sehnsucht nach Dir jeden Tag neu hinterließ.
Ich habe Dich verwünscht, ich habe Dich verflucht - und dennoch gab es irgendwie immer nur Dich. 

Wir haben es uns nie leicht gemacht.

Wir streiten und wir verfluchen uns. Wir vertrauen einander nicht mehr, noch nicht wieder, und unsere Vorstellungen sind nicht immer dieselben. Wir gehen verschiedene Wege und erkämpfen uns dies jeden Tag neu.
Und doch wollen wir beide an dasselbe Ziel. Wenn wir beieinander sind, rennt die Zeit, rinnt uns durch die Finger - und wir wollen immer noch mehr. Wenn wir nebeneinander liegen, finden wir beide zur Ruhe und schlafen sorglos miteinander ein. 
Wir lachen über dieselben Dinge und sind auf dieselbe Weise kindisch und albern.
Wir philosophieren die halbe Nacht, während ich mich an Dir nicht sattriechen und sattfühlen kann.
Wir lieben beide das Meer und wollen eines Tages wieder dort leben, wo auch immer das sein wird.
Mit Dir habe ich neu gelernt, was es bedeutet, im WIR zu leben.
Durch Dich habe ich meine Tiefen, aber auch meine Höhen neu kennen gelernt.
Wenn Du bei mir bist, fühle ich mich völlig erfüllt und brauche überhaupt nichts mehr.

Denn am Ende... geht alles nur mit Dir.

Wie sehr ich es vermisse....

Ich danke dem Erfinder von whatsapp. Ob nun jetzt auch in Zuckerbergs Hand oder nicht, mal gucken, was da so noch wird - aber ich danke dem Erfinder. Denn er ermöglichte es, dass mir Suse heute dieses wunderbare Foto schickte...

Als ich dieses Foto sah, musste ich fast heulen - so spontan und so heftig überkam mich das Vermissen, das Sehnen nach meinem geliebten Meer.
Die Sehnsucht danach, die nackten Füße im Sand zu vergraben (ja ich weiß, is noch zu kalt dafür, is doch grad so egal), die Arme auszubreiten, die Augen zu schließen...

Wie lange habe ich es nicht mehr geschmeckt - auf meiner Zunge?
Wie lange habe ich es nicht mehr gefühlt
- in meinem Haar?
Wie lange habe ich es nicht mehr gehört
- in meinen Ohren?
Früher hatte ich eine große Muschel in meinem Badezimmer, die hielt ich mir oft ans Ohr und schloss die Augen. Vielleicht wars ja das Rauschen des eigenen Blutes im Kopf - aber ich redete mir immer ein, ich würde es hören, das Raunen des Meeren, das Erzählen von Meerjungfrauen und dem König des Meeres, von Fischern, die mit ihren bescheidenen Holzbooten hinaus aufs Meer tuckerten, in ihren blauweiß gestreiften Hemden, der Latzhose, die ihre Schippermütz' in den Nacken schoben und ihr von Wind und Wetter gegerbtes Gesicht zeigten.. Im Mundwinkel der Pfriem und mit ihren groben rauhen Hände mit den gesplitterten Fingernägeln zogen sie das Netz wieder ein...

Ich muss es nachher mal suchen, das Buch, das meine Mama mir mitgegeben hatte, als ich von zu Hause wegging. Ein Buch über die Sagen der Insel, auf der ich lebte. Ich hatte mehrere davon, aber nur eins ist mir geblieben. Schon als Kind bin ich eingetaucht in die Welt der Hühnergötter und der verwunschenen Seen.
Die Welt meiner Phantasie war belebt von Farben, hell, bunt, fröhlich, von Helligkeit - und von Prinzen, deren Liebe zur Prinzessin über alles siegte....

Wann immer ich an mein geliebtes Meer zurückkehre, erinnere ich mich wieder daran, erinnere ich mich einmal mehr daran. Und ja, mag sein, dass es eine Flucht ist. Eine Flucht vor dem Alltag, der die Menschen bezwingt und ihnen die Kraft zum Träumen stiehlt.

Ich betrachte dieses Foto und mir fällt wieder ein, dass mein letztes Mal doch noch gar nicht so lange her ist... Weihnachten erst war ich dort... Waren wir dort. Eine gefühlte Ewigkeit. Und ich krame sie hervor, diese Fotos... Und ich weiß wieder:

In meiner Seele wohnt soviel mehr, als der Alltag je zerstören könnte. 


Song for Zula - Manchmal hilft das.

   


Nach den letzten wunderbar warmen oder wenigstens milden, sonnigen Früh-Frühlingstagen wollte ich mir gar nicht vorstellen, dass die Vorhersage stimmen und die Temperaturen und mehr als die Hälfte sinken könnten. 
Aber es ist so gekommen, auf den Tag genau, auf den Nachmittag genau, und obwohl es gestern regnete und wirklich kalt war, lief ich draußen herum, an unserem See, um mich anschließend bei einer Tasse Kaffee und - natürlich! - einem Stück leckeren Käsekuchen wieder aufzuwärmen. Ich hatte auch Glück: In dem absolut leckeren Kuchen waren lediglich zwei Rosinen, die ich sorgsam an den Tellerrand legte. Gebackene, gekochte Rosinen - damit kannste mich jagen. 

Jedenfalls, vor die zaghaften Sonnenstrahlen schoben sich wieder dicke Wolken - und blieben auch bis jetzt immer noch da. Mal regnets, mal regnets nicht, und das Thermometer kommt nicht über zehn Grad hinaus. Brrrr. Das ist kein Wetter für mich. Auch nicht für Freund Schmerz, der schon Freitagabend wieder anklopfte und gestern am späten Nachmittag ungefragt zu mir gelatscht kam. 
Zuerst legte ich mich flach auf den Boden, breitete die Arme aus, atmete tief und ruhig ein.
Manchmal hilft das.
Ein paar Dehnungsübungen, viel Wasser trinken.
Manchmal hilft das.
Anschließend legte ich mich in mein Bett und schlief auch relativ zeitig ein - eine sehr  gute Mütze voll Schlaf.
Manchmal hilft das.
Heute Morgen stellte ich fest: Er ist immer noch da, nicht mehr gar so akut wie gestern, aber er breitet sich aus. Also werde ich mir nachher ein heißes Entspannungsbad gönnen, noch ein paar Dehn- und Entspannungsübungen machen (ganz wunderbar mit Musik) und dann noch für 10 Minuten nach Mallorca fliegen.
Manchmal hilft das, um mich zu befreien.
Und wenn es dann trotzdem nicht besser wird, dann... muss ich da eben auch durch. Bis ich wieder rausfinde.

Samstag, 22. März 2014

Kein Fake! Nur manchmal... ein bisschen!

Ich habe so meinen eigenen Rhythmus. Ungefähr zwei, drei Jahre lang lasse ich mein Haar wachsen, dann ertrage ich den ewig gleichen Anblick  nicht mehr und eine Komplettveränderung muss her. Zuletzt ließ ich mich inspirieren von der Dame im roten Ringelshirt auf dieser Postkarte, die ich irgendwo eingekauft hatte:


Ich fand diese Friese fetzig und es war das größte Kontrastprogramm zu meiner bisherigen Frisur. Wenn Veränderung, dann auch so, dass sie deutlich sichtbar ist, das ist mein Credo.
Bis ich dann feststelle: Mit kurzem Haar sieht man auch immer irgendwie gleich aus, egal, ob man den Pony mal aus dem Gesicht nimmt und mit Spangen feststeckt, egal, ob man die Seiten hinter die Ohren klemmt oder sich ein Stummelschwänzchen an den Hinterkopf zurechtzimmert.

Nachdem das Haar also kurzgeraspelt wurde, darf es wieder wachsen. So war das bis jetzt immer, auch wenn ich die letzte Kurzhaarsaison länger durchhielt und entsprechend öfter nachschneiden ließ. Was allerdings zur Folge hat, dass mein Haar richtig dick wurde. Dass es im Grunde eigentlich recht dünn ist, fiel nie wirklich auf - weil ich einfach sehr viele Haare hab. Hatte ja auch schon die Friesemeisterin meines Vertrauens festgestellt: "Dünn, aber soooo viel!"
Nur... Kurzes, aber dickes Haar sieht irgendwie voll scheiße aus. Du stehst morgens auf, guckst in den Spiegel und denkst: "Huch, wie kommt der Wischmop auf meinen Kopf?"
Also bloß bitte wieder wachsen lassen.
Ganz schnell bitte!
Geht ja bei mir auch verhältnismäßig schnell und gut. Leider mir nicht schnell genug!
Ja und dann kam ich eines Tages in den Laden meines Lieblingslabels und ich, die Kunstnägel kacke und Kunstwimpern albern findet - die kauft sich einen Fakezopf!
Und wenn Ihr Euch mein Foto oben rechts anguckt: S fällt nicht wirklich auf, oder? Der Unterschied vom echten zum falschen Haar?
In der Firma trage ich diesen nicht, aber wenn ich so privat feiern geh oder so, dann schon. In mich reinlachen musste ich nur, weil mich die meisten mustern und sich offensichtlich fragen: "Irgendwas stimmt an ihr nicht... Was ist es nur..." Ha ha!

Mittwoch, 19. März 2014

wieder zu hause - home again -


    

Hach, war das ein entspannter Abend. Wer zeitig ins Büro kommt, kann auch zeitig gehen - jedenfalls, wenn der Chef nicht da ist. Und 16.30 Uhr Feierabend IST zeitig bei uns. 
Ich war 17.00 Uhr zu Hause, riss Türen und Fenster auf (Sonne gabs halt nicht, aber kalt wars ja auch nicht wirklich), stiebte mal komplett durch, bereitete Abendessen und als die Jugend heimkehrte, gabs ein entspanntes gemeinsames Essen, ein Telefonat und dann mein lange ersehntes heißes Bad - "Gelenke und Muskeln mit Wacholder" (übrigens wirklich ein Badezusatz, keine Anleitung zum Kochen!) Dann noch ein paar Dehnungsübungen, die es schon in sich haben, aber die auch fast sofort eine Entspannung bewirken.
Und jetzt? 
Liege ich hier mit meinen Kopfhörern und genieße diesen absoluten Wohlfühlsong, der mir erst gestern eher zufällig zu Ohren gekommen ist..
Und ich schließe meine Augen und seh uns tanzen... leicht... mein Kopf an Deiner Schulter... meine Arme um Dich geschlungen, Dein Kopf zu mir geneigt, Deine Umarmung trägt mich...

..rest your head upon my shoulder
I swear I will carry, carry you on...

Mir wär ja nach Musik

...doch blöderweise habe ich ausgerechnet heute mal wieder mein Handy vergessen. Nix mit stimmungsangepasster Playlist. Na gut. Dann eben ohne.
Heute ist Chef nicht im Haus, und obwohl die Mittagspause bereits angebrochen ist, sitze ich immer noch treu am Arbeitsplatz, anstatt mir den Bauch vollzuschlagen. Ist aber auch nur dem Umstand geschuldet, dass unser Student immer noch unterwegs ist, das Mittagessen für alle zu holen. Bis Mai geht dieser Spaß noch, ab dann müssen wir uns wieder selber kümmern. Ich mein, ich könnt ja auch die Azubine schicken, nur die... Ich glaube, es gab noch keine einzige Woche, in der sie mal nicht krank war. Mein anfängliches Verständnis, meine Güte und meine Nachsicht (hach ja, klingt gut, wa?) lassen mehr und mehr nach und ich frage mich, ob ich mich tatsächlich so sehr in jemandem täuschen konnte? Sie machte weiß Gott nicht den Eindruck, als sei sie arbeitsscheu oder sowas in der Art, aber nach bisherigen 8 Monaten und einem Krankenstand, den nicht mal ich mehr toppen kann, muss ich wohl doch mal in mich gehen - und dann mit dem Chef beraten, ob und was zu tun ist.

Meine Stimmungslage? Na ja, nach wie vor mittelprächtig. Irgendwas is halt immer, und als Chef gestern meinte: "Komm, wir essen mal einen Schmerzkeks", da rief meine zweite Büroassistentin spontan: "Aber bitte mit viel Schokolade, sonst hilfts nix!" Wat soll ich Euch sagen... Klar ist diese Keksschachtel gestern noch alle geworden. Hmpf. Hats der Stimmung geholfen? Nicht wirklich. Irgendwie ist mir derzeit abends so sehr nach dem Nachhausekommen, Schuhe abstreifen, Arbeit abstreifen, Badewasser einlassen - und schlafen gehen. Und irgendwie.. klappt das jeden Abend einfach nicht.
Woran lags gestern? Na klar: der Jugend. Nicht nur, dass sie sich meines Laptops bemächtigt hatte (waahh, ich hasse das! Andererseits musste ich zugestehen, dass der jugendeigene Laptop das Siegel "asbachuralt" trägt und es sage und schreibe 16 - ja sechzehn! - Minuten dauert, eh das Teil überhaupt hochfährt. Da konnteste bereinigen und dekomprimieren oder wie dat Zeugs heißt - man kriegt ja kaum mehr den Browser gestartet. Unser IT hat nur gelacht: "Hömma Helma, nen Achtzigjährigen machste nu ma nich mehr zum Sprinter!" Doppel-Hmmpff), nein, die Jugend wartete auch auf mit "Kannst du mir mal helfen? Weißt du, wie man Text auf eine Grafik bekommt? So, dass man keinen weißen Hintergrund hat?" Ja. Eigentlich weiß ich das. Warum das gestern Abend nicht funktionierte, weiß ich allerdings nicht. Man, hatte ich vielleicht ne Laune! Junior hielt sich geduckt und zurück, inzwischen weiß er, wie seine Mum tickt und wie er sie zu handhaben hat.
Als ich übrigens heute beim Mittagessen davon erzählte, fiel mir während des Redens ein, warum das gestern nicht ging. Textfeld einfügen, Text einfügen, Textfeld formatieren und auf "keine Füllung" stellen - das wusste ich ja alles und hatte trotzdem nicht funktioniert. Beim Erzählen aber fiels mir wie Schuppen vor die Augen: Na klar! Wenn Du einen Text ausm Internet kopierst, dann haste halt den Text mit Hintergrund, tjaha! Selber schreiben wäre also die Lösung gewesen. Oder in diesem Falle: abschreiben. Wenn Junior sich "Alle meine Entchen" ausgesucht hätte, hätten wir ja vielleicht drüber reden können. Aber bei so nem Text von "Besser, wenn Du gehst", wo jemand noch ganz, ganz viel der Verflossenen zu sagen hat, da... nee! Mit mir nich! Ich hatte Feierabend, verdammt, und außerdem hatte ich Canale grande tutto vollo!

Zum Bloggen hatte ich dann jedenfalls keine Lust mehr, ich war müde, ich war gereizt - und ich habe trotz immenser Müdigkeit nur schlecht bzw. unruhig geschlafen, mich ständig hin und her gewälzt und heute Morgen überlegt, ob ich die halbe Stunde Sport ausfallen lass und mir dafür ne halbe Stunde länger Schlaf gönne, aber dann... siegte der Ansporn in mir. Pah. Hier wird nicht geschwänzt. Auch dann nicht, wenn ich halb sechs statt halb sieben aufstehen musste, denn heute galt es, bereits 7.30 Uhr im Büro zu sein. Also 7 Uhr spätestens aus dem Haus gehen.
Ich hoffe, dass mir die Bikinifigur im Sommer all die Mühen danken wird.
Und wenn nicht, dann... dann... mache ich aus Frust alle Keksdosen, Gummibärenboxen & Co. nieder, die es hier gibt - und schmeiße die Sportmatte in den Müll. Basta.
Übrigens, Miss Leidenschaften, weil Du gefragt hattest: Kniebeugen mach ich immer noch, aber nicht mehr im Badezimmer. Is mir zu gefährlich. Weiß doch jeder, dass die meisten Unfälle zu Hause passieren, nich wahr? Back to the roots - zurück zur Yoga-Matte, hieß das in meinem Falle. Was immerhin den Vorteil hat, dass ich morgens in Ruhe Nachrichten dabei gucken kann, anstatt in mein gequältes Gesicht zu schauen, das regelmäßig vor dem Badezimmerspiegel auftaucht.
Und als ich heute Morgen bei den gelben Seiten beklagte, dass ich Schmerzen im Knie und im Rücken in Höhe der Brust hätte, meinte er salopp: "Jo, das kann schon sein. Am Anfang ist das so."
"Nein, der Schmerz im Knie war schon vorher da."
"Ach so. Na dann dehnst du nicht genug. Oder falsch."
Stimmt. Oder.. äh.. gar nicht. Sooo viel Zeit habe ich morgens schließlich auch wieder nicht.

Ja und nun? Gab es Pizza zum Mittag und es ist erst ein Uhr. Die Pause ist um. Und es sind immer noch vier Stunden Arbeit übrig. Blöd. Echt blöd.

Montag, 17. März 2014

Kategorie: Fundstücke - mal wieder

Ich habe heute keine Lust zu nichts. Doppelte Verneinung? Mir auch wurscht.
Das Wochenende war eigentlich schön - aber so schnell vorbei, dass ich glatt dachte: Die haben uns den Sonntag gestohlen!
Unglaublich, wie schnell so ein Wochenende verfliegt! Ich dachte ja immer, wenn man nix macht, einfach nur faul bleibt und sich die Sonne auf den Bauch scheinen lässt, dann fragt man sich hinterher, wo so die beiden Tage geblieben sind? Aber nee - dieses Wochenende war voller Erlebnisse, und die Zeit... ach wo ist sie nur geblieben...

Das dachte ich mir dann heute Morgen auch, als ich zwei Bilder aus einer Zeit präsentiert bekam, die jetzt fast genau elf Jahre her ist. Elf Jahre! Isch gäh am Stogg!


Ein kleiner, aber treuer Begleiter über mehrere Jahre. Das Auto! Nicht die Frau! Obwohl...  :) Wir schrieben hier den 6. Juni 2003, ich habe dieses Auto abgegeben und dieses hier dafür bekommen...


Ja, da glänzte er noch schön... Ein Jahr später glänzte er nicht mehr ganz so gut, denn da schlief ich am Steuer ein und erwachte an der Leitplanke. Schwein gehabt, trotz allem.
Weitere zwei Jahre später sahs ganz anders aus, da hatte ich leider nicht soviel Glück. Die Lenkung versagte ihren Dienst, ich reagierte nicht schockiert, aber überrascht und damit falsch - und schlug bei vollem Bewusstsein irgendwo auf. 
Ja Mensch... Das Kleid habe ich übrigens nicht mehr, die Schuhe auch nicht und die Haare sind heut auch anders. Und beide Autos sind.. äh.. Schrott. 
Dafür sind meine Brüste inzwischen größer, ha! Der Rest allerdings... äh... auch ein bisschen ;)



Freitag, 14. März 2014

Wieder besser

...geht es mir seit heute Morgen. Zwar fiepse und eiere ich nach 40 Kniebeugen (nein, ich hab sie nicht aufgegeben, pah, Suse, Dir zeig ichs ;)) immer noch wie ne Omma, der der Fahrstuhl ausfiel und die in den 3. Stock steigen musste, aber der Muskelkater insgesamt lässt nach (ist das eigentlich ein Zeichen, um das Pensum steigern zu müssen?) und auch meine Seele hat sich wieder eingependelt.
Einmal mehr jedoch habe ich in den letzten Tagen festgestellt, wie sehr mein eigener Seelenfrieden von den Menschen abhängt, die ich liebe. Ich stürze dann richtig schnell (mit) runter, fliege aber auch ebenso schnell wieder (mit) hoch. Was zwar nicht bedeutet, dass ich nicht stützen kann, wenn es jemandem schlecht geht, weil ich dann selber mit am Boden lieg. Was aber schon bedeutet, dass Stimmungen meiner Liebsten mich beeinflussen.
Meistens brauchts ja auch nicht viel, um wieder gerade zu stehen. Einen Rückzugsmoment für mich, Musik dazu - und ein Paar neue Schuhe. Yepp, so einfach geht das. Für den Sommer übrigens. In Kork und Strick, schön hoch, passend zum langen Sommerkleid. Zeig ich Euch später mal.

Heute aber ist wieder ein Sonnentag, ein ganz ausgesprochener und, glaubt man dem Wetterfrosch, der letzte für die nächsten Tage. Aber ich bin und bleibe da ganz optimistisch: Noch vor drei Tagen hieß es nämlich, es könne sogar Schnee bis ins Tiefland gelangen - und jetzt halten sich die Voraussagen bei etwa 9 Grad. Bei den letzten warmen Tagen glaube ich trotz des Temperatursturzes nicht an Schnee. Jedenfalls nicht hier bei uns. Und ich glaube, bei den Voraussagen geht noch was.

Und die Wohnungsbesichtigung gestern Abend: Die Dame der Hausverwaltung war sehr nett und die Wohnung schon ein Knaller. Schöner Altbau, Echtholzparkett, wunderbare Holztüren in weiß gestrichen, lichtdurchfluteter Raum mit Ausrichtung Nord. Was vielleicht gut ist, da an den Heizkörpern Verdunstungsröhrchen hängen? Zweiter Minuspunkt: Die Waschmaschine steht im Waschhaus, direkt neben den Kellern. Junior ist gesund und sportlich, dem dürfte das nix ausmachen, mal eben von ganz oben bis ganz nach unten zu steigen. So oft dürfte das bei nem Einpersonenhaushalt auch nicht passieren. Aber - und da zeige ich mich jetzt mal ganz misstrauisch: Kann man seine Waschmaschine gegen Fremdbenutzung schützen? Immerhin hängt an jeder n eigener Verbrauchszähler...
Und der größte Minuspunkt: Die Nebenkostenvorauszahlung. Mit 130 Ocken für schlappe 37 Quadratmeter und eben einer Person finde ich das irrwitzig. Wenn man bedenkt, dass wir zu 2 1/2 Personen auf 51 Quadratmeter 95 Euro im Monat vorauszahlen und die letzte Abrechnung eine Nachzahlung von ca. 200 Euro brachte, ich diese 200 Euro aufs Jahr umrechne, dann denke ich schon, dass es keine Milchmädchenrechnung ist, die Vorauszahlung auf wenigstens 90 Euro zu limitieren.
Die Dame hatte den Kopf gewiegt: "Ich glaube nicht, dass die Eigentümerin das mitmacht. Wissen Sie, letztes Jahr gab es Nachzahlungen von bis zu 1.000 Euro und die sind ewig dem Geld nachgerannt, weil die Mieter das nicht bezahlen wollten." "Ich verstehe. Aber das betrifft dann eher größere Wohnungen mit mehreren Personen." "Vierraumwohnungen", ächzte die Dame und ich lächelte: "Sehen Sie."
"Ich glaube trotzdem nicht, dass die Eigentümerin das mitmacht. Und ehrlich: Sie sollten schnell zuschlagen, die Wohnung ist sehr begehrt."
Da lächelte ich noch breiter: "Sprechen Sie mit der Eigentümerin und dann telefonieren wir."
Handeln ist nicht meine Stärke, ich kann sowas gar nicht. Bescheißen aber lass ich mich auch nicht - und wenn die ein Jahr lang mit meiner Vorauszahlung arbeiten, sind das immerhin knapp 500 Euro im Jahr mehr als notwendig. Klar, die Innenstadt hat nen anderen Versorger und andere Preise. Interessanterweise aber liegen die Nebenkosten aller anderen Angebote noch unter meinen vorgestellten 90 Euro - und im Bekanntenkreis zahlt die Tochter für ne Einraumwohnung im selben Versorgungsbereich 60 Euro Nebenkosten - und kommt super damit zurecht. Ja dann. Den Versuch ist es mir wert - und wenn die Eigentümerin nicht mitzieht, dann zieht Junior dort eben nicht ein. Punkt.

Mittwoch, 12. März 2014

River of Tears

  

...ich bin immer noch da.
...treibe knapp unter der Oberfläche und komm manchmal zum Lufttholen. So habe ich mich oft ins Meer fallen lassen, die Arme ausgebreitet, die Augen geöffnet und ich habe durch das Wasser hindurch in die Sonne geblickt. 
Diesen Song kenne ich seit Mai 2003 und er hat mich in der schlimmsten Zeit meines Lebens begleitet.
Damals hatte ich Angst davor, dass es keine bessere Zukunft für mich geben könnte, und ich hatte zu wenig Vertrauen in mich selbst und in die Kraft in mir.
Heute.. steh ich wieder an so einem Punkt, wo ich Angst bekomme vor der Zukunft. Nichts, einfach gar nichts bewegt sich in diesem ruhigen Fluss, nicht einmal für einen Moment lang. Irgendwas ist immer, sagen meine Kollegen über mich und zu mir. Zu Beginn des Jahres glaubte ich, dieses Jahr würde es irgenwie wieder leichter werden, sonniger, entspannter. Jetzt haben wir März und ich habe das Gefühl, ich laufe und stolper immer wieder über Steine, die mir in den Weg gelegt werden. Gefühlte Steine. Immer wenn ich denke, ich bin auf einem guten Weg und alles läuft.. zack.. kommt etwas, das mir das Gegenteil beweisen will.
Ich weiß, was ich tun will; ich weiß, wohin ich gehen will und irgendwas in mir ist sich sicher, dass ich auch dahin komm, wo ich hin möchte. Vielleicht ist das nicht morgen und auch nicht nächste Woche, und ich frage mich: Ist das entscheidend? Ich will meine Söhne nicht auf Teufel komm raus hier zurücklassen in dem Bestreben: Hauptsache, ich kann mir jetzt alle meine Träume erfüllen. Nein. Ich will gehen können mit dem Gefühl, dass ich meinen Söhnen ein stabiles Fundament hierlasse, dass sie eine gesunde schöne Basis haben, auf der sie sich ihr Leben aufbauen können. Sie sollen ja ihren eigenen Weg finden, doch was ich dazu tun kann, möchte ich auch tun. Ich möchte es tun dürfen. Und nicht darauf bedacht sein, ob ich hier oder da zehn Euro sparen kann, nur damit ich selber künftig zweimal im Jahr einen Urlaub bezahlen kann. Urlaub, den ich mit meinen Söhnen selbst nie machen konnte. 
Natürlich hab ich Wünsche, habe ich Träume und soll ich mein Leben lang darauf warten, dass sie sich erfüllen? Nein.. Natürlich nicht. 
Aber ich bin eben auch.. Mama. Mit Leib & Seele. Mit Herz & Verstand. 
Ich habe ein Urvertrauen, dass mein Großer seinen Weg findet und geht. Er wirkt zerbrechlich, aber ich glaube, er ist sehr stark. Er ist ultra sensibel - und sehr gefühlvoll. Und das zeigt er.
Und der Jüngere? Er wirkt sehr stark, aber ist er das auch wirklich? Er ist sehr gefühlvoll - aber er zeigt es nicht. In nur wenigen Momenten lässt er zu, dass ich einen Blick hinter den Vorhang werfen kann. Als Kind war er so... offen, so zutraulich, dann kam die Pubertät und alles hat sich verändert. Ich habe Angst um ihn, die ich nicht zeige und die ich aber selber nicht verstehe. Nicht verstehe, woher sie kommt. Abends ist er oft beim Sport - daran habe ich mich gewöhnt. Gestern Abend war er beim Arzt, er ging um 19.30 Uhr. Es wurde 20.30 Uhr, es wurde 21.30 Uhr, es wurde 22.00 Uhr - er kam nicht und telefonisch erreichte ich ihn nicht. Und ich sorgte mich. Dachte an den Überfall hier vor vierzehn Tagen, wo abends ein 30jähriger von 3 Typen zusammengeschlagen und beraubt wurde. Ich rief in der Praxis an und erfuhr erleichtert: "Ja, Ihr Sohn ist gerade bei der Ärztin. Wir haben Bereitschaft bis 23.00 Uhr, deshalb ist die Praxis noch geöffnet."
Als er mir seine Hände gezeigt hatte mit dem undefinierbaren Ausschlag auf beiden Handflächen, da sah ich auch.. eine recht kurze Lebenslinie. Ich sah sie zum ersten Mal. Kann man so etwas glauben? Ist es bekloppt, darauf etwas zu geben? Keine Ahnung, ich kenne mich auch nicht mit diesem Thema aus. Ich weiß nur, dass mir das Glück meiner Kinder über allem steht. 

Vielleicht schau ich in einem Jahr zurück und denke: Es hat viel Kraft gekostet, aber es hat sich alles gelohnt.
Vielleicht schau ich in fünf Jahren zurück und denke: Es konnte nur so und nicht anders gehen.
Vielleicht schau ich in zehn Jahren zurück und denke: Ich bin glücklich, dass alles so war und alles so ist.

Was morgen ist, weiß ich nicht. 
Was heute ist, möchte ich genießen - auch die kleinen Schritte.
Aber irgendwie hab ich das Gefühl, dass mir das nicht erlaubt ist. Vielleicht aus Angst, dass dann alles stagniert und nicht weitergeht. Aber ich kann nicht in den Schuhen eines anderen und auch nicht im Tempo eines anderen gehen. Ich kann auch nicht ständig diskutieren und mich nicht ständig erklären. Ich habe meine Grenzen erfahren und will nicht permanent daran gestoßen werden.
Seit ungefähr drei Wochen plage ich mich mit immer wieder aufkeimendem Infekt, Fieberschübe, Durchfall, Erbrechen - und ich bin mir fast sicher: Das ist reine Kopfsache. 
Zur Ruhe kommen dürfen - auch zwischendurch. Nicht nur erst dann, wenn alles hinter mir liegt. 
Ich bin ein Mensch, der während des Essens trinkt, weil er sonst dran erstickt - und nicht erst nach dem Essen trinkt. 
Ich muss anhalten dürfen, ohne dass man mir Stillstand vorwirft.
Ich will das Positive sehen dürfen, ohne dass man mir Tagträumerei vorwirft.

Der Opa ist 96 und seine Demenz mit einem Mal so rapide fortgeschritten, dass er seine Margarine in die Waschmaschine und die Schrauben in den Tiefkühler legt. 
"Der Arme", heißt es von der einen und der anderen Seite.
Weil er jetzt in ein Pflegeheim muss. Weil es anders nicht mehr geht und die Belastung für die, die ihn pflegte, zu groß wurde. Eine Belastung, vor der ich sehr hohen Respekt habe.
Ich sage aber: "Seid dankbar, dass er ein so schönes Leben hatte. Dass er mit 90 noch eine Freundin für den Lebensabend kennen lernte. Dass er mit ihr in die Oper ging und dass er letzte Woche einen Walzer tanzte, das ihn richtig glücklich machte. Was ist mit den älteren Herrschaften, die jahrelang an ein Pflegebett gekettet sind, tagein, tagaus von Fremden gewaschen, gefüttert werden ohne Zeit für ein liebes Wort? Was ist mit dem 11jährigen, für den ich mich heute beim Amtsgericht erkundigen musste, wie und wo genau man eine Fixierungsgenehmigung für dieses Kind erwirken darf - und was steht diesem Kind in seinem Leben noch bevor? Einem blinden Kind mit einem Hirntumor und mehrfachen Behinderungen. Seid dankbar, ihr Lieben... Seid einfach nur dankbar... und beklagt nicht den Umstand, dass der Opa jetzt noch mal umziehen muss.. Denn mehr ist es dem Grunde nach doch nicht.. Er gibt etwas ab, aber er bekommt auch etwas dafür.."

Das Positive sehen können, ohne ständig voranzutreiben... 
Vielleicht war ich gestern Abend ruhig, aber trotzdem nicht rundweg diplomatisch. Vielleicht war ich zu müde, meine Gesundheit nicht stabil genug, vielleicht war ich aber auch nur genervt von alldem. Als dann der andere einfach auflegte, entstand in meinem Kopf und in meinem Bauch irgendwie... was Luftleeres. Was Tonloses. Für einen Moment dachte und fühlte ich nichts mehr. Ein ganz blödes, dumpfes Gefühl. Wie wenn du vor die Tür gestellt wirst, die Tür fällt hinter dir zu und dann setzt der Regen ein.. Ja. Genauso habe ich mich gefühlt und ich empfand dieses Bedürfnis nach.. die Hände in den Schoß legen, mich zurücklehnen, die Augen schließen und überhaupt nichts mehr tun. Komme, was wolle.
"Vielleicht führt der Weg ja nicht immer geradeaus, vielleicht führt der Weg ja auch mal woanders lang und trotzdem zum Ziel", sagte heute die Protagonistin im Film "Keine Zeit für Träume" und ihr Mann sagte: "Ja das stimmt, aber ich weiß nicht mehr, ob wir dasselbe wollen."
Ich habe den Film nicht gesehen, nur diese unmittelbare Szene, dann schaltete ich weg. Dieses ewige Gezerre des sich erklären müssens, sich verteidigen müssens, sich rechtfertigen müssens - und des doch nicht verstanden werdens. 
Heute Abend wollte ich nur für mich sein. Mir einen Tee zubereiten, den Schal um den schmerzenden Hals wickeln und die schmerzenden Beine ausstrecken. Ich wollte Musik hören und mich entspannen. Mich runterfahren und diesen Ruhepol in mir finden. 
Aber irgendwie... möchte ich immer noch sieben Flüsse vollweinen und mich dann darin ertränken - oder doch weiterschwimmen.

Montag, 10. März 2014

In mir steckt ein wildes Tier! Weiß bloß keiner .

Hmpff. Blöder könnte so ein Montag auch nicht anfangen. Hatte ich mich doch am Wochenende von einer Bloggerin inspirieren lassen, das Tanzen beim Zähneputzen wegzulassen und es stattdessen mal mit Kniebeugen zu versuchen, fragte ich mich aber dann doch heute Morgen....
Ich meine, ich war recht wach und recht.. äh.. fit, und das trotz der ungnädigen 6 Uhr, die es aufzustehen galt, und als ich dann endlich auch mal in mein Badezimmer durfte, nachdem die Jugend es fast eine geschlagene Stunde bevölkert hatte, griff ich beherzt zur Zahnbürste und versuchte mich in Kniebeugen.
40 davon waren "vorgegeben".
Und Frauen sind multitasking, sagt man.
ICH sage: Zähne putzen und bisschen bei rumtanzen ist wesentlich einfacher, als sich auf Körperspannung, Zahnreinigungsbewegungen UND Atmung konzentrieren zu können!
ICH habs nicht hinbekommen, bei der 18. oder 19. Beugung kam ich nicht recht wieder hoch, im Knie verklemmte sich irgendwas und als ich dann noch aufpassen musste, dass mir nicht die Zahnpaste auf den Badezimmerteppich tropfte, da... fiel ich um. Wäre ich jetzt in einem dieser überdrehten, überspannten Filmchen aus Hollywood, hätte ich beim Versuch, mich am Waschbecken festzuhalten, eben dieses mit aus der Wand reißen müssen. Immerhin ist mir ein Parfümfläschen da hineingefallen - und wenn ich jetzt sage, ich hab nen ordentlichen Sprung in der Schüssel, dann verbitte ich mir an dieser Stelle ir-gend-welche fiesen Kommentare. Der Autor dankt.
Jedenfalls... Ich glaube, ich lass das wieder sein mit diesen dämlichen Kniebeugen. Die 40 Stück habe ich mit Ach und Krach geschafft und selbst nach der anschließenden Dusche und Restauration bis hin zum Verlassen der Wohnung hatte ich das Gefühl: Gleich stürze ich die Treppe hinab - so eierig waren meine Beine immer noch. Pffffff. Scheiß Sport ey. Hat Junior übrigens Samstagabend beim Kampf um die Sofadecke auch gesagt: "Hätte ich dir nur nie ne Hantel zusammengestellt", musste er sich von mir besiegen lassen. Ha!

Ja und dann kam ich ins Büro und stellte fest: Huch - Lesebrille kaputt, ein Glas weg, Rahmen gebrochen. Ich verschweige fairerweise nicht den Umstand, dass ich diese Brille immer lose in der Tasche trug und, nu ja, wenn da in dieser Tasche auch noch reichlich anderes Equipment rumkollert, dann... kann sowas schon mal passieren. Ich Teilnehmerin an der Wegwerfgesellschaft sollte jetzt vielleicht nicht entschuldigend sagen: "Na ja... fünf Euro von Tchibo und gehalten hat se zwei Jahre, also Geld locker abgetragen, falsche Farbe wars außerdem", aber huch, nu hab ichs doch gesagt und steh irgendwie auch dazu.

Ging dann, kaum dass es 9 Uhr geschlagen hatte, zu Apollo Optik und dachte, vielleicht reichen ja auch die Payback Punkte für wat Neues? Nää. Reichte nicht - hatte nur zwei fuffzig auf dieser Karte. So isses halt, wenn man die meisten Punkte mit dem Tanken reinholt und eben diese kaum noch erwirbt, wenn man kaum  noch selber fahren muss. Und die Brille meiner Wahl hatten sie auch nicht, jedenfalls keine Brille-to-go. Eine extra für mich angefertigte in rund zwei Wochen. "Das hilft mir leider nicht, ich kann zwar noch ohne lesen, aber bekomme auch sagenhafte Kopfschmerzen von", entschuldigte ich mich und griff zum Modell mit Leo-Print. Was ich persönlich ja überhaupt so gar nicht mag. Ich weiß auch so, dass in mir ein wildes Tier steckt, ich muss das nicht auch noch zeigen *ha ha*.
Aber diese Variante gefiel mir dann doch immer noch besser als Leo-Print in knallblau oder randlose Teile mit schmalen Gläsern. "Was will ich Riesenweib mit so ner kleinen Brille?" fragte ich die Azubine, die dann für mich extra noch mal im Lager nachschauen ging und schulterzuckend zurückkam: "Tut mir leid, was anderes ist nicht mehr da." Na gut. Dann eben diese. Auf dass der Blick wieder klar würde!

So. Und von der Handsalbe, die eine Kollegin mitbrachte, bekam ich schönen dunkelroten Ausschlag.
Was für'n scheiß Wochenbeginn... Jetzt wisst Ihr auch, wieso ich so bedröppelt gucke auf dem Foto.
Nu ja. Käffchen drauf und weiter gehts.

Sonntag, 9. März 2014

Wilde Geschichten

Manchmal, wenn Junior II mir so von den Mädels erzählt, die er so kennen lernt, dann frage ich mich schon, ob die Zeiten sich so geändert haben sollen oder ob da was dran ist, wie es die gelben Seiten mal formulierten: "Kennen wir doch alles, wir haben doch alle irgendwelche Geschichten erfunden, um Eindruck zu machen" - oder ob es keine.. äh.. normalen Mädchen mehr gibt?
Die eine war hochgradigst eifersüchtig. So arg, dass er selbst daran schuld war, dass in seiner Schulklasse so viele Mädchen sind. Nun ja. Sozialassistenz mit der Ausrichtung Erzieher oder ähnlich pädagogischer Ausrichtung schreit nicht wirklich förmlich nach ner Männerdomäne, oder?
Wenigstens lieferte ihm die Damalige auch die Begründung dafür: Lug und Betrug vom Feinsten. Ich meine, OK, das ist ja auch nichts Neues an sich - aber mit 16? Mit 16 hatte ich noch nicht mal ne Ahnung von den menschlichen Beziehungsabgründen. Da glaubte ich ja fast noch an den Prinzen auf dem weißen Pferd - bis ich begriff, dass es den nur zu Schokolade verarbeitet zwischen zwei Keksen gibt. Hmppf.
Die zweite dann wartete mit Stories auf, dass selbst die Gebrüder Grimm blass geworden wären dabei. Ein wirklich hübsches Mädel übrigens, groß und unglaublich dünn (aber die essen ja auch nix; die sagen immer: Deine Mum kocht aber lecker - aber die Teller sind fast unberührt), wenn sie abgeschminkt ist, sieht die übrigens so richtig klasse aus (wieso stehen die Mädels eigentlich auf so angemalte Augenbrauen, dass man glaubt, das sind die verrutschten Anonymisierbalken?) - das weiß ich übrigens, weil sie einmal hier übernachtet hatte. Laut ihren Worten ist sie adoptiert, kommt eigentlich von Spanien, ihre richtigen Eltern aber sind tot. Sie selbst ist todkrank, hat Tumore am Herzen, die nicht operabel sind und nur noch maximal ein Jahr zu leben. Bei solchen Informationen sackst du ja erst mal bisschen zusammen und empfindest vor allem nur eins: Mitgefühl. Bis dann so Aussagen kamen: "Meine Adoptiveltern wissen von nichts und dürfen das auch nicht erfahren." Wohlgemerkt: Auch dieses Mädel war zu diesem Zeitpunkt 16 oder 17 - und damit minderjährig. Ohne meine Einwilligung hätten sie meinem Jungen in der Kinderarztpraxis nicht mal Blut abgenommen - und da war er auch schon 16. Und dann liegt so ein Mädel im Krankenhaus und kriegt außerdem solche Diagnosen um die Ohren gehauen - ohne dem Beisein der Eltern? Nie und nimmer. Da wurde ich das erste Mal misstrauisch. Und Junior unsicher.
Bis er mir dann ein Foto zeigte, das sie ihm geschicht hatte: ihre halbverdeckte Brust mit einem Verband schräg darunter, durch den etwas Blut sickerte.
"Manche OPs am Herzen werden auch von der Seite durch die Rippe gemacht", sagte ich zu ihm und wir waren beide unsicher, ob sie nicht doch irgendwie die Wahrheit sagte? Bis sie dann die Erklärung dazu brachte: "Nein, das war keine OP, ich bin durch ein Fenster gefallen." Diese Story war so extrem ausgemalt und verblümt, dass Junior das Handy aufs Bett warf: "Ich glaub der kein einziges Wort mehr."
Vor wenigen Wochen dann zeigte er mir wieder ein Foto: Ein sehr hübsches, dunkelhaariges Mädchen mit rot bemalten Lippen, seinen Worten nach 17. Vollwaise mit einem erwachsenen Bruder. Lebt allein in einer Wohnung. Gibts sicherlich alles, aber irgendwie... ich weiß nicht....
Man schrieb sich hin und her und als es dann auf das erste Date hinauslief, schrieb sie, sie könne nicht, sie läge in der Uni-Klinik mit Lungenentzündung. "Besuch sie doch", sagte ich, und das tat er wirklich am nächsten Tag. Nur... dass es ein Mädel mit ihrem Namen in der Uni-Klinik gar nicht gab... Darauf angesprochen "Warum tust du sowas?" brach sie zunächst den Kontakt ab, nur um ein, zwei Tage später zu sagen, nein, schreiben, dass ihr alles furchtbar leid täte, sie habe das alles nur für ihre Freundin gemacht, weil er (Junior!) diese Freundin zutiefst verletzt hätte und man sich nur an ihm habe rächen wollen. Junior verstand überhaupt nichts mehr. Weder kannte er besagtes Mädel, noch wusste er, von welchem Mädel, welcher Verletzung und überhaupt man hier sprach: Er wusste überhaupt nicht, wo und wann er sich falsch verhalten haben sollte. Und die andere schrieb dann, sie habe gemerkt, dass sie doch Gefühle für ihn entwickelt habe, sie ihre Freundin aber schon seit 9 Jahren kenne und nicht verletzen wolle und ihr auch bewusst geworden sei, dass er gar nicht der Arschlochtyp sei, was ihr erzählt worden sei und so weiter und so fort.
Man strubbelte sich wieder zusammen - rein virtuell übrigens, und ich sagte zu meinem Sohn: "Bitte pass auf dich auf, versprich es mir. Am Ende ist es gar nicht das Mädel vom Foto." Er hielt dagegen, dass sie ihn von sich aus angerufen und man stundenlang telefoniert habe. "Na und? Das beweist doch noch gar nichts. Deswegen kanns trotzdem irgendein Mädchen sein, das die Fotos aus dem Netz geklaut hat."
"Sie hat mir aber als Beweis Nacktfotos von sich geschickt."
Herr im Himmel! Die Naivität der Jugend! Welches halbwegs vernünftige Mädel bitte schickt Nacktfotos an einen wildfremden Jungen, den sie noch nie gesehen hat??
Gestern Abend haben wir den Abend gemeinsam verbracht, ganz entspannt, nur wir zwei, und ich fragte, obs denn was Neues aus dem rote-Lippen-Orbit gäbe.
Sie könne sich nicht mit ihm treffen, denn ihr Ex drohe, ihr und ihrem Neuen etwas anzutun, wenn er dahinterkäme, dass sie und wen sie Neues hätte. Ein Türke, dem alles zuzutrauen sei, insbesondere dann, wenn er getrunken habe. Der sie in der Beziehung geschlagen hätte, bis sich ihr Bruder einmischte. So sehr, dass anschließend der Bruder mit gebrochener Nase und gebrochenen Rippen im Krankenhaus gelegen hätte. So sehr ein anderes Mal, dass der Bruder dafür und für andere Sachen in den Knast wandern musste.
An dieser Stelle hätte ich Junior fast an den Schultern gepackt und geschüttelt: "Kind! Wir sind hier nicht im Hartz IV-TV! Wach endlich auf! Bitte lass dich doch nicht so verarschen! Kannst du denn nicht einfach mal ein ganz stinknormales Mädchen kennen lernen? Eins aus Fleisch und Blut und mit Mama und Papa, von mir aus in Patchwork, dem Stricken über alles geht?"
Er hat gelacht, aber er wusste auch, was ich meinte.
Heute Nachmittag trifft er sich übrigens mit so einer. Man kennt sich bereits vom Sehen. Na immerhin. Ich bin ja schon fast geneigt zu sagen: "Mal schauen, was dieses Mal für Märchen aufgetischt werden."
Aber ich sage das jetzt nicht.
Ich gehe jetzt einfach raus in die Sonne und lasse die mir ins Gesicht scheinen.

Samstag, 8. März 2014

Blut geleckt

...hat der Bursche jetzt, glaube ich.
Die allererste Besichtigung verlief schon mal dahingehend erfolgreich, als dass der Junge meinte: "Ach guck mal, da hält doch die Vier, na dann bin ich ja auch in fünf Minuten im Zentrum!"
Puh Muddi, Schwein gehabt, denn auf diesen Umstand hatten wir bei der Auswahl dieser Wohnungsbesichtigung ausgerechnet nicht geachtet. Das Haus an sich ein Neubau inmitten alter, solider Altbauten (worauf ich ja nun wieder total abfahr, den Altbau, meine ich), im Erdgeschoss ne Drogerie (auch nicht schlecht bei DEM Konsum an Bedarfsartikeln, den der Junge so im allgemeinen an den Tag legt) und auch die Ergotherapie, ein trockener heller Keller (muss ich so betonen, weil der unserige komplett das Gegenteil ist dank altem Mauerwerk und höher stehendem Grundwasser - ööörkks), ein Aufzug und auch das Schuhregal im Hausflur erlaubt.
Mit von der Partie heute war auch ein junges Mädel mit ihrer Mama, die ganz geschäftig einen Hefter in der Hand hielt und auch immer schön geschäftig darin herumblätterte "Ich hätte da mal noch die Frage..."
Kann man mögen, muss man aber nicht.
Junior jedenfalls glaubt, wir wären besser "angekommen", und ich glaube eher nicht, dass es daran lag, dass der Vermieter und ich just an ein und demselben Tag Geburtstag haben. Wie sich halt so im Geplänkel herausstellte. (Vermieter: "Entschuldigen Sie die Verspätung, ich hab noch schnell was zum Frauentag gekauft!" Junior: "Ach... Heut ist Frauentag?" Ich - augenverdrehend: "Er kann sich nicht mal meinen Geburtstag merken." Junior - kurz nachdenkend: "Doch! Der 7. Juli!" Diese Antwort war kopfnussfähig. "OK, dann wars der 7. Juni. Das verwechsel ich einfach immer." Hmmpfff. Der Tipp meiner Schmerztherapeutin von vor vier Jahren hat also kläglich versagt: "Schenken Sie Ihrem Sohn ein Foto von sich und schreiben Sie Ihren Geburtstag hinten drauf. Und dann soll er Sie nie wieder danach fragen.")
Die Wohnung selbst... OK, sagen wir, sie zählt sicherlich nicht zu den TOP-Wohnungen, das Laminat nicht soooo ordentlich verlegt, die Küche nicht gemalert, dafür der kleine Korridor so eifrig gemalert, dass gleich die Wechselsprechanlage mit eingepinselt wurde. Dennoch: Die Aufteilung gefiel uns super, das Zimmer ausreichend groß, Küche und Bad zwar ohne Fenster, aber beide Räume so gelegen, dass, wenn die Türen offen sind, das Tageslicht der beiden großen Fenster aus dem Zimmer in Bad und Küche fallen. Die Fenster fast bodentief mit winzigen Heizkörpern drunter. Vor meinem inneren Auge entstanden sofort Ideen, wie man diese Wohnung richtig schnucklig machen könnte und auch Junior, der am Fenster stand und runterblickte "Cooler Ausblick, Mum", während sich mir der Magen umdrehte (erwähnte ich schon meine Höhenangst?), schien mehr als angetan von der möglichen ersten eigenen Wohnung.
Die Selbstauskunft wird darüber entscheiden, ob und wer diese Wohnung bekommt. Zu haben ist sie ab 1. Mai, aber da man das Wunschdatum selber eintragen kann, überlege ich aktuell, ob wir nicht doch besser den 1. Juli eintragen sollten. Wenns klappt - gut, wenns nicht klappt - auch gut. Der Markt ist riesig (hätte ich so irgendwie doch nicht erwartet) und ich denke mal.... Dat watt wat.

Schade nur, dass inzwischen die Sonne wieder weg ist. Ich hätte ja glatt auf den Frühjahrsputz gepfiffen und mich lieber ein bisschen am See oder wenigstens auf dem Balkon geräkelt. Aber ohne Sonne und mit nur elf Grad... hielte ich das nur in Skimontur und mit ner heißen Schokolade länger als zehn Minuten im Liegestuhl aus. Auch blöd.
Also doch Frühjahrsputz.
Dann bleibt uns wenigstens noch der Sonntag, arbeitsfrei in jeder Hinsicht - und der soll ja meteorologisch ein richtiger Knaller werden. Das erzählen sie uns zwar schon seit Dienstag (ich sag Euch, ich hab jämmerlich gefroren in meinem Kleidchen) - aber... Die Hoffnung stirbt ja bekanntermaßen zuletzt!

Freitag, 7. März 2014

Raum voller Klänge

Es ist Freitagabend, ich habe in der Badewanne gelegen und die Musik durch meine kleine Wohnung perlen lassen, dass der Holzfußboden leise vibrierte.



Ich mag das so sehr.
Ich mag das, den Kopf in den Nacken zu legen, die Arme auszubreiten und an nichts mehr denken zu müssen. An nichts Wichtiges, Drängendes.
Mich treiben lassen, irgendwohin, wo Sonne ist, wo Licht ist, wo Wärme ist, wo Musik ist...
Ich will keine negativen Schwingungen annehmen, ich will keinen Schatten annehmen und über das, was noch zu erledigen ist, will ich frühestens morgen wieder nachdenken müssen.

Heute.... will ich einfach nur den Raum.... den klangvollen Raum... den kraftvollen Raum...der mich nun unter Kopfhörern zum Schwingen bringt.


Sagte die Prokrastinikerin, die ihren Sohn auf die aller-allerletzte Minute zum Fernbus bringen konnte (Ihr erinnert Euch? Die Allianz-Arena ruft ;)). Während er redete wie ein Wasserfall über Gott und die Welt, um so die Nervosität zu bekämpfen, fluchte und schimpfte ich über Autofahreridioten, die sich mir einfach immer wieder in den Weg stellten und gemütlich dort verweilten. Waaaaahhhh!!!! Unter Zeitdruck bin ich wahrlich kein Genuss.
Doch nun.... über drei Stunden und eine Badewanne später bin ich unglaublich entspannt. Tiefenentspannt.
...ich sollte maximal überdenken, ob die Musik auch unter den Kopfhörern nicht zu laut ist? Shazam hat nämlich mitgetaggt, ich glaube tatsächlich, das sollte mir nun doch zu denken geben. Ja, das sollte es. Morgen.

Donnerstag, 6. März 2014

Aber jetzt mal ganz ehrlich

....will auch nur ir-gend-eine Frau, die wenigstens ein bisschen was auf sich hält, so (oder überhaupt) vor nem Typen stehen und ausgewählt werden wie... wie.... ach fuck, mir fällt da echt nix zu ein.
Ich finde nur, dass das Bild auf mich wirkt wie drei Hühner auf der Stange, die gleich gerupft werden.
Na ja... Zwei von denen wurdens ja vielleicht auch schon *thihihihihii*

Quelle: http://www.promiflash.de/bachelor-angelina-vergeben-ist-das-der-beweis-1403048.html?fotostrecke#pic=9
Ein bisschen lachen musste ich ja über die goldene Mitte von diesen drei Hühnern: Frollein-küss-mich-doch-nicht, munkelt man, ist rausgeflogen, eben weil sie sich nicht küssen lassen wollte. Die Frau Mama hats nämlich extra noch gesagt: "Denke an deinen guten Ruf!"
Insofern konnte ich mir am gestrigen Vergnügungsabend einfach das Lachen nicht verkneifen, als das werte Frollein mit genau diesem frustrierten Gesicht aus ihrer einsamen Kammer kam, sich zum Herrn an den Frühstückstisch setzte und ihn dann fragte, wieso man nicht die Nacht zusammen verbracht hat.
Aha.
Küssen geht ja nicht - wegen dem Ruf und so. Aber bisschen rumvögeln hätte man doch können, nicht wahr?
Nun ja. Die einen trennen Berufliches und Privates.
Die anderen trennen Sex und Küssen.
Auch ne Variante. Hätte das der Bachelor mal vorher gewusst, was?
Oder liege ich hier einem Irrtum auf und das Frollein-küss-mich-ja-nicht wollte nur Briefmarken angucken und über den Wüstensand auf den Zähnen reden?

Ach Mensch ey... Wo sind die Freundinnen, mit denen man so herrlich ablästern könnte vorm TV? Im Bademantel, Wollsocken an den Füßen und einen bunten Teller Obst - in Schokolade getunkt ;)

Die ersten Angebote...

...trudeln ein und die erste Wohnungsbesichtigung ist vereinbart. Ausgerechnet jetzt, nämlich heute Morgen irgendwas zwischen 6 und halb 7 steht Junior eingewickelt in die Decke neben mir, während ich Frühstück zu bereite, und ich ahne, was jetzt kommt... Er macht schlapp. Na toll.
"Ich kann nicht in die Schule, ich hab die halbe Nacht gekotzt und n Durchfall hab ich auch."
Na Mahlzeit denn man auch.
"Kann ich nicht zu Hause bleiben?"
Äh...
"Kind, du bist volljährig, erwachsen, was du jetzt tust oder nicht, entscheidest du."
Äh.. Ach jaaa!
Erleichtertes Kopfkratzen und dann sah ich schon, wie er sich anschickte, wieder ins Bett zurückzuschlurfen.
"Moooment", hielt ich ihn zurück, "das bedeutet: DU informierst deine Schule und DU erkundigst dich, ob und wann du heute zum Hausarzt kannst. Du brauchst nämlich einen Krankenschein, blau machen is vorbei."
Er schlurfte trotzdem zurück ins Bett, in meins übrigens (was ich ihm irgendwie nicht verdenken kann, in SEINS tät ich auch nicht wollen - so, wie das Zimmer aussieht! Ich rede da auch schon seit zwei Tagen, aber ja, watt soll ick sagen, die Böse bin ich), dort wurde dann mal eben über Handy alles eruiert, was Mann so brauchte und irgendwann gegen elf, als ich im Büro tief gebeugt über die Arbeit saß *hüstel*, kam die Meldung "Ich habe Magen-Darm, sagt sie". Na das hoffe ich doch mal schwer, dass er n Magen und n Darm hat, wär schlecht ohne. Aber OK. Ich erinnerte mich, dass es mich letzte Woche ähnlich auseinandergenommen hatte, so wie aktuell grad gefühlt jeden Zweiten hier im Bundesland oder vielleicht auch darüber hinaus.
"Dann erhol dich bis zum Samstag, da haben wir erste Termine zur Wohnungsbesichtigung."
Möglicher Einzugstermin immer noch 1. Mai. Jedoch nur, wenn er spätestens ab April arbeiten geht. Von irgendwas muss er nämlich dann auch leben, wenn ich ihm schon die Miete zahle. Ist ja auch ein schönes Druckmittelchen, fällt mir grad auf: Kein Job - keine Traumwohnung. Haha. Hach, ich kann ja so gemein denken ;)
So. Und nun noch eine halbe Stunde, dann ist der Arbeitstag endlich rum.
Ich habe nämlich keinen Magen-Darm-Infekt mehr. Aber ich habe Husten. Ich will in mein Bett. Ohne Kind und Kegel.

Mittwoch, 5. März 2014

Proof of Life

"Ich frage mich, warum mir diese Prüfung auferlegt wurde", hatte mir schon letztens meine Freundin gesagt. Die, deren Mann faul zu Hause rumlag (ach nee, faul war er ja nicht, er hat sich ja ums Essen gekümmert, hach ja), dafür ihr aber jeden Tag erzählte, was sie alles nicht kann und dass er immer bei ihr in der Nähe bleiben muss, weil sie ja auch mit dem Kind nicht alleine klarkommt.
Hach ja.
Wie gut ich DAS noch aus den Zeiten meiner Kack-Ehe kenne. Dieselbe Tonart. Wenigstens hat mein Ex mich nicht geschlagen - abgesehen von einer Ohrfeige und einer demolierten Schulter. Ersteres war ganz am Anfang, letzteres nach der Ehe. In den Jahren dazwischen hat er dafür Gegenstände demoliert oder Türen eingetreten - ich vermute, als Ersatz dafür, dass er mich nicht noch mal schlägt. Ich habe mich nie gefragt, womit ich das verdient habe, aber ich habe mich neun Jahre lang gefragt, wie ich diesen Menschen wieder loswerde. Bis es dann auf einmal ganz einfach war...
Und nun fragte mich das meine Freundin, für die es inzwischen leider Gottes Alltag geworden zu sein scheint, dass ihr Mann ihr gegenüber nicht nur verbal ausfällig, sondern auch handgreiflich ist.
In der Nacht, nachdem mir meine Freundin das erzählt hatte, schrieb ich ihr eine Nachricht, dass ich persönlich schon davon überzeugt bin, dass man vom Leben auch nur die Last aufgebürdet bekommt, die man auch tatsächlich tragen kann - aber dass SIE diejenige ist, die darüber entscheidet, ob sie sie auch wirklich tragen MUSS.

Und heute ist wieder so ein Tag, wo ich mich obendrein frage, wieso ich anderen Menschen oft etwas mit auf den Weg geben kann, das ich selber nicht... annehme. Nicht wirklich annehme. Ich meine, mein Geist weiß es, nur mit der Umsetzung haperts.
Denn wenn ich schon knietief in der verdammten Scheiße stecke, kann auch nur ich selber mich da wieder rausbringen.
Irgendwas ist einfach immer - und es will partout keine Ruhe einkehren.
Entweder ringe ich mit Freund Schmerz.
Oder ich ringe im Kampf mit meinen Söhnen.
Oder ich ringe im Kampf mit den gelben Seiten.
Oder ich bin einfach mal wieder krank.
Spiele den Mülleimer, Schiedsrichter, Mentor für Kollegen.
Und - nicht zu vergessen - den Punchingball für die Stimmungen meines Chefs.
Verdammte Axt.
Irgendwas in der Stellenbeschreibung der Wiege, in die man mich einst legte, muss ich überlesen haben. Ich vermute, es stand im Kleingedruckten.
Ja Helma, dann wate mal schön weiter. Nach Aussteigen (aus dem Sumpf) ist mir ja schon lange: Eine sonnige Südseeinsel könnte mir gefallen. Mit Hängematte, Sekt, meinem Laptop und Handy. Ich muss ja informiert bleiben, schließlich, nur in Ruhe lassen sollen sie mich alle.

P.S. Das Bild habe ich über whatsapp bekommen - die Original-Homepage sollte wohl diese hier sein?
http://bembers.de/
Dort gibts auch ne Vorstellung übrigens (bzw. gabs), die lautete "Voll in die Fresse". Passt auch irgendwie. Sollte ich mir vielleicht mal live antun?

Dienstag, 4. März 2014

Entscheidungen

Als ich heute Abend nach Hause kam und mein Auto vorm Haus stehen sah, tat mein Herz einen Hüpfer und im selben Moment fragte ich mich: "Hat er es nur bei mir abgestellt und ist mit dem Bus wieder zurückgefahren, schon wegen dem Zweitjob?" Das hätte nicht wirklich Sinn gemacht, er hätte zuviel Zeit verloren, aber dass er nicht arbeiten geht, kam irgendwie auch nicht in Frage: Entweder er sagt denen rechtzeitig ab - oder er geht. Einfach mal eben kurz vorher absagen macht er nicht, auf ihn ist Verlass.
Also stieg ich die Treppe hoch und als ich Juniors Schuhe vor meiner Tür sah, wurde mir leichter:
Er war gekommen.
"Aber nur wegen deiner sms", sagte er, "ich wäre sonst wirklich wieder gefahren."
"Musst du denn heute nicht arbeiten?"
"Nein. Sie haben gesagt, heut brauchen sie mich nicht."
Ja und dann haben wir geredet. Ziemlich lange und in Ruhe. Wir haben unser beider Standpunkt erklärt, er hat mir auch erzählt, was eigentlich Anlass der Aggressionen vom Vorabend war. Dass er seinen Bruder gefragt hatte: "Ey ich bin heut echt kaputt von der Arbeit, würdest du für mich mal die Wohnung durchsaugen, bevor die Mutter kommt?"
Dreimal hatte er fragen müssen - und erst dann eine genervte Antwort in ausgesprochen rüdem Ton erhalten: "Jetzt geh mir doch mal nicht auf n Sack!"
An dieser Stelle hätte ich fast laut gelacht und gesagt: "Jungs, DAS ist euer gewöhnlicher Umgangston, wenn ihr zockt. So redet ihr mit MIR jedesmal, wenn ihr an der Playstation hängt. Jetzt weißte also, wie sichs anfühlt."
Natürlich habe ich nicht laut gelacht, aber mir einen entsprechenden Hinweis trotzdem nicht verkneifen können.
Nichtsdestotrotz: Auch Junior I hatte so eine Antwort nicht verdient, auch nicht in diesem Ton. Für seinen kleinen Bruder tut er nämlich fast alles - und erntet fast ausschließlich solche Reaktionen, wenn er sich mal was von ihm wünscht.
Also haben wir zu dritt geredet, ausgewertet, den Streit beigelegt.
Ach Mensch, Ihr glaubt gar nicht, wie erleichtert ich mich fühl. Wie eine Feder. In echt.
Schon beim Partnerstreit kann ich leiden wie ein Hund - gehts aber um die Kinder, wirds noch mal einen Zacken schärfer. Ich kanns nicht haben, dass wir nicht miteinander reden, dass wir uns nur angiften oder aus dem Weg gehen. Da dreh ich am Sender. (Insofern werde ich auch nie verstehen, dass der Vater sich beinah täglich (!) mit seinem Sohn in die Haare kriegt - und anschließend auch nicht nachgibt. Aber egal. Nicht mein Thema.)
"Wenn du keinen Bock oder keine Zeit oder was auch immer hast, dann sags deinem Bruder auch genauso, und sags ihm genauso ordentlich wie er dich fragt. Du willst ja auch, dass man vernünftig mit dir redet", entschied ich. "Los, Hand drauf." Murren. "Hand! Drauf!" Doppel-Murren. Kopfnuss mütterlichseits. Kichern seinerseits. "Los, Knabe, Hand drauf." "Okay."
Und dann waren wir uns auch einig: Eine Brüder-WG wird es nicht geben. Vielleicht irgendwann mal, in fünfzig Jahren vielleicht - aber aktuell nicht. Wir stellten den Plan um und werden Junior II in einer Ein-Raum-Wohnung unterbringen. Zentrumsnah. Sein Wunsch übrigens. Den Immobilienticker habe ich umgestellt, erste Angebote flatterten rein. Morgen vereinbaren wir den ersten Besichtigungstermin, denn Einzugstermin könnte hier der 01.05. sein. Huch. Hat alles recht gemächlich vor sich her gedümpelt, kanns jetzt - zack zack - ganz schnell gehen. Ja, so sind die Ziggenheimers.
Und haben wir im März oder April einen unterschriebenen Mietvertrag, können wir auch einen entsprechenden Bafög-Antrag stellen. Sollte jetzt doch noch alles wie am Schnürchen funktionieren? Auch dann, wenns ein ganz anderer Weg wird als ursprünglich geplant? Ich sag ja. Und ich nenn das Flexibilität.
Vermutlich wird mich das Ganze 30 Euro mehr als geplant kosten - aber das ist für mich auch noch ok. Gibts halt keinen Milchkaffee mehr. Oder eben nur noch einen. Pro Tag *muhhahhahaa*
Junior I gefällt diese Regelung auch, dass er lieber sein eigenes Ding machen wird. Wann und wie, das bleibt seine Entscheidung. Ich glaube ja ohnehin daran, dass er seinen Weg geht - in seinem Tempo, das hab ich immer schon gesagt.
Heute Abend nun hab ich keinen Nerv mehr, aber spätestens bis zum Wochenende werden wir die Bewerbungsunterlagen von Junior II überarbeiten und seine Arbeitskraft auf dem Markt anbieten. Mal gucken, was bei rauskommt.
"Vielleicht gibt mir der Vater ja auch noch was dazu", meinte er.
"Versuchs", antwortete ich, "vielleicht klappts ja. Vor einem Nebenjob rettet es dich trotzdem nicht."
"Weiß ich."
"Vergiss es nicht."
"Nieeemals."
"Ich hab dich auch lieb."

Das Erschreckende sind die Kleinigkeiten im Leben

...wegen derer man sich derart in die Haare kriegt, dass man sich anschließend wochenlang nicht mehr sieht und hört. Was Junior und ich vor wenigen Jahren schon mal hatten, scheint wieder zu passieren - und ich verstehe immer noch nicht, wo mein Fehler liegt. 
Ich habe doch nur festgelegt, dass Junior I die Wohnung staubsaugt, wenn er von der Arbeit kommt. Mal abgesehen davon, dass dies eine Sache von maximal fünf Minuten ist (ja, unsere Wohnung ist so klein), war er ja auch der Verursacher gewisser.. äh.. Krümeligkeiten, die ich beseitigt wissen wollte. Oder erwartet man(n) ernsthaft von mir, dass ich, wenn ich um 23.20 Uhr nach Hause komme, noch das Gerät zücke und die "Arbeit" des Verursachers beseitige? Nicht wirklich. Junior kratzte sich noch am Kopf: "Echt? Hab ich das gemacht?" Und damit schiens für mich geklärt.
Bis ich gestern Abend nach Hause kam und feststellte: nix gemacht. Dafür lag Sohnemann vor laufendem PC und laufendem TV, weil die Lieblingssendung lief und man sich in den Werbepausen beim Kicker weiterzubilden hatte.
"Du Spatzl, wenn Werbepause ist, saugst du die Wohnung durch. Hatte ich dir heut morgen gesagt, hast du aber immer noch nicht erledigt."
Was dann folgte, lässt sich eigentlich... nur schwer wiedergeben: Erst glaubte ich, er springt mir ins Gesicht - weil er sich mit so einer heftigen Bewegung erhob. Dann entstand eine Diskussion über Für und Wider, über das, was Junior I alles tut und Junior II nicht, die faule Sau, der Kronprinz, dem alles bis sonstwohin geschoben wird.
Ich war richtig überrascht über das, was mir da entgegenwehte - aber es war kurz vor 19 Uhr, ich hatte einen langen Tag hinter mir, ich hatte inzwischen mit Junior II den Einkauf erledigt, das Abendessen wollte noch zubereitet werden - und all die tausend kleinen Dinge, die eben... zu tun sind, wenn man drei Tage nicht zu Hause ist, die Wohnung aber von der Jugend bevölkert wird. Die meisten von uns werden wissen, wovon ich rede. Jedenfalls war ICH gestern Abend weder willens noch mächtig, irgendwelche Diskussionen zu führen. Mir ist egal, wer WAS macht, für mich ist wichtig, DASS wir alle etwas tun und damit alle auch zum Familienleben beitragen. Und da will ich nicht darüber diskutieren, dass einer IMMER staubsaugt und der andere IMMER abwäscht, weil der eine das Staubsaugen hasst und der andere das Abwaschen. Ich habe auch nicht immer wieder Nerv und Kraft, über solche Banalitäten zu diskutieren - ich wills erledigt wissen und mich darauf verlassen können. Und nicht, dass die Jugend sich an die Gurgel geht, währenddessen sie einander alles vorrechnen und am Ende ICH alles mach, damits überhaupt jemand erledigt. 
Das Ende vom Lied war, dass ich nach einer dreiviertel Stunde, in der ich das Abendessen zubereitete, selber zum Staubsauger griff - und dafür aber Junior I das Auto strich: "Wenn ihr mich hängenlasst, dann darf ich das doch auch, oder nicht?" Was bedeutete: Wenn ihr mir Arbeit macht, mach ich euch auch welche - und Junior würde nicht bequem mit dem Auto zur Arbeit fahren, sondern bittschön den Bus nehmen.
Das wiederum löste etwas in ihm aus, von dem ich vermutete, dass
A) in diesem Hause schon länger etwas angestaut wurde, das sich jetzt Befreiung suchte und
B) es eigentlich nichts mit mir zu tun hatte - ich aber den Puffer bildete. 
"Ich habe das alles so satt, wisst ihr was, ich fahr morgen nach Hause und komme überhaupt nicht mehr her, mir reichts!"
Junior II hielt sich aus allem raus, schwieg zu allem und nur auf meine Frage, ob die Brüder sich möglicherweise gezofft hatten, bevor ich überhaupt nach Hause kam, sagte er: "Ja haben wir, aber ehrlich gesagt weiß ich nicht mehr, worums eigentlich ging."
Das glaube ich ihm sogar. Ich weiß nicht, in welcher Welt der Junge lebt, aber es ist irgendwo im Überirdischen. Wenn er was erzählen will, vergisst er oft mittendrin, was er eigentlich wollte. Wenn ich den Müllbeutel vor die Tür stelle in der Hoffnung, er nimmt ihn mit, wenn er geht (er geht als Erster von uns aus dem Haus), schiebt er ihn mit dem Fuß zur Seite - und meints nicht mal böse oder irgendwas: Er realisierts gar nicht. Und so weiter und so fort. (Mitgenommen hatte den Müllbeutel übrigens Junior I.) Wenn ich sage: "Bring die Post weg, die liegt im Korridor auf der Kommode", liegt die tags darauf in seinem Zimmer und er antwortet auf meine Nachfrage: "Ach jaaaaa, da war ja noch was".... Ohne Worte, der Bengel.
Klar mach ich ihm genauso Beine. Ehrlicherweise sage ich aber auch: Wenns um den Abwasch geht, mach ich den lieber selbst als mich mit Junior II anzulegen. Er hasst das so wie ich das als Kind gehasst hab. Nennt mich inkonsequent, aber ich streite mich nicht um solchen Pipifax: Ich trage ihm stattdessen andere Aufgaben auf, die mich auch entlasten. 
Ja... Und nun ist Junior I weg. Gefahren heute morgen mit meinem Auto, weil er kein Bargeld mehr in der Tasche hatte, das er am Wochenende für sich und den Bruder ausgab, weil der wiederum das Geld, das ich daließ, verlegt hatte... Es war bis heute Morgen verlegt - und das erfuhr ich.. heute Morgen.
Party goes on!
Junior II musste los zur Bahn, Junior I fuhr der Bus vor der Nase weg.
Ich gab ihm meine Schlüssel: "Spatzl, hier, nimm die Schlüssel."
Er zuckte vor mir weg: "Lass mich in Ruhe! Ich komm nicht mehr hierher!"
"Brauchst du ja nicht", antwortete ich, "aber nimm wenigstens den Autoschlüssel, damit du pünktlich in der Arbeit bist."
Das hat er wohl getan, denn als ich aus der Dusche kam, war mein Auto fort. Grußlos. 
Heute Vormittag schrieb ich ihm eine sms, dass ich es schade finde, dass wir uns wegen solcher Banalitäten so zerstreiten - und ob wir drei das nicht in Ruhe lösen könnten. Eine Antwort kam nicht - aber simsen tut er generell wenig bis gar nicht.
Ich werde also bis etwa 21 Uhr warten und dann wissen, ob er heimkommt oder nicht. Oder ob wir uns jetzt wieder wochenlang aus dem Weg gehen.

Ich werde mich weiterhin fragen, ob wir keine anderen, echten Sorgen oder Probleme haben. Und warum man sich das Leben so unnötig schwer macht.