Donnerstag, 15. Januar 2015

Mit freundlichen Grüßen - Ihre Packstation Ziggenheimer!

Gestern Abend hats gestürmt im Hause Ziggenheimer/Yellow Pages. Mächtig gewaltig, Egon, wie Kjelt immer zu sagen pflegte.
Die gelben Seiten sind ja im allgemeinen sehr friedlich, harmoniebedürftig und relativ ausgeglichen. Es sei denn, er gerät an einen Punkt, wo etwas ins Stocken gerät. Nicht so läuft wie er will. Und wo haben wir das zu gern? Genau, bei der Technik.
Hatte er doch für seinen Sohn ein Technik-Teil via Kleinanzeigen und so ergattert, mit U-Bahn schlecht zu erreichen und außerdem wollte, nein, musste man(n) vorher noch zur Post. Also schnell aus dem Schluffi-Modus gesprungen, kaum dass er heimkam, in den kleinen Weißen gesprungen und auf gings. Das mit der Post haben wir gerade noch so geschafft, bevor diese schloss.
Doch als es weiterging zu dem Nochbesitzer des Technikteils, da stellten die gelben Seiten fest: Scheiße - ich hab den Zettel mit den Kontaktdaten vergessen!
Zurück nach Hause im Feierabendverkehr von M, nur um besagten Zettel zu holen, das wäre - wie mein Vater immer zu sagen pflegt - mit dem Schinken nach der Jagdwurscht geschmissen.
Wir sind beide nicht sofort auf die Idee gekommen, dass er sich via Handy doch schnell ins Kleinanzeigen-Konto einloggen hätte können (ich wusste übrigens bis gestern Abend nicht, dass er überhaupt eins dort besitzt, sonst hätte ich ja in der Tat gleich sofort vorschlagen können und so, nicht wahr?) Also wurde versucht, sich über den Handy-Browser ins besagte Postfach zu loggen. Fehlanzeige. "Geht nicht", knurrte der Liebste, "Apple blockt das." Konnte ich mir zwar nicht vorstellen, aber ich sagte erst mal nix, probierte es heimlich und stur weiterhin auf meinem eigenen Handy.
Und da war in Nullkommanix der Punkt erreicht, wo er hoch oben auf Palme 380 saß. Was er auch probierte, nix ging (und ich vermute ja: Je hektischer und frustrierter du wirst, desto mehr lacht sich die Technik ins Fäustchen und summt sich eins.)
"Ich kann mich da nicht einloggen, so eine verdammte Scheiße! Ich mach das nie wieder, sowas!"
Dafür konnte ich mich einloggen und hielt ihm mein Handy hin: "Hier, tipp mal deine Daten ein."

Ja was soll ich sagen. An die Kontaktdaten ist er gekommen, das Teil hat er gekauft - aber der Abend war, gelinde gesagt, im Arsch. Und zwar nicht wegen dem Hin & Her des vergessenen Zettels - sondern weil ihn nervte, dass ich Sohnemann zugesagt hatte: "Ich helf dir heut bei deiner Aufgabe, aber wir teilen uns das." [Er bereitet sich intensivst auf seinen Test bei der Polizei am Freitag vor, inklusive Joggen, Bundeswehrliegestütze und Lerntests; er sagt, diese Aufgabe habe er von heut zu morgen aufbekommen, da er ja nun am Freitag zum Polizeitest und nicht in der Schule sei, und er sei so erledigt, dass ers nicht mehr schaffe. (Meine Mum, die mich gestern Abend just auch noch anrief, hat an dieser Stelle herzlich gelacht und gesagt: "Der faule Hund!")
Und Auslöser war ebenfalls, dass ich den Liebsten gefragt hatte: "Wenn du dich immer aufregst, dass ich alles für meine Söhne mache, warum organisierst du dann für deinen Sohn das Technikteil, obwohl er das auch selber kann? Mit 24?"
Nu ja. Wenn zwei das gleiche tun, ist es immer noch nicht dasselbe, habe ich schon in der Vergangenheit gelernt.
Und Juniors Aufgabe: Fach Gemeinschaftskunde, Thema "Muslime in Deutschland". Er fertigte ein Handout und einen Vortrag an, ich fasste dafür die zwei Seiten Bericht mit eigenen Worten zusammen (das war Aufgabe 2) und erstellte anschließend ein Konzept, wie sich seiner Meinung nach Deutschland mit dem Fundamentalismus auseinandersetzen solle (Aufgabe 3). Am liebsten hätte ich bei 3. ja hingeschrieben: "Na ganz klasse: Der Staat hat jahrelang seine Hausaufgaben nicht gemacht und jetzt soll ich denen ne Idee liefern, wie sies machen sollen?"
Ich habe keine dreiviertel Stunde für die Hausaufgabe gebraucht. Und die Musik, die ich dazu hörte (ich kann dann irgendwie besser denken und schreiben, ist Tatsache!) kam aus meinen Kopfhörern. Vermuteter Tinnitus und allgemeine Gereiztheit sind schon explosiv genug, da muss ich nicht noch Öl ins Feuer gießen (auch wenn mein Vater in dem Zusammenhang ja immer behauptet hat: "Helma ist wie ihre Oma: Wenn du mit ner offenen Wunde auf der Straße liegst, geht die noch hin und schmiert Dreck rein!") Pfff. Jedenfalls - die gelben Seiten verließen trotzdem demonstrativ das Zimmer. Ihn habe das Klackern der Tastatur gestört, erklärte er später. Noch mal Pfff. Also ehrlich mal. Warum sagte er nicht einfach, was ihn wirklich nervte?
Das kam dann auch noch, viel später, als man sich eigentlich zur Ruhe begeben wollte.
Dass ich immer für alle anderen da sei, so vieles für andere mache und damit weniger Zeit für uns bliebe. Da wurden meine Augen ziemlich groß und rund: "Hä? Also für deinen Jungen sind wir heute rund zwei Stunden unterwegs gewesen inklusive Stimmungsbruch, für meinen habe ich nicht mal eine Stunde gebraucht."
Das gab ein Hin und Her und heute Morgen stolperte er dann beinah noch über die restlichen zwei Pakete, die ich gestern für Nachbarn angenommen hatte. Ich meine, ich fühlte mich schon auch bisschen missbraucht, als der DHL-Fritze mich erwartungsvoll anschaute: "Ich hab ne Sendung für Sie! Würden Sie dann die anderen fünf auch noch mit annehmen?"
Äh... Ich kann ja immer so schlecht nein sagen, grad wenn ich selber ja auch was vom Kuchen abkriege. Und dass die Postboten nen undankbaren Job haben, weiß ja auch jeder.
"Gebense her."
Unser Flur ist nun zugegeben nicht der größte. Wenn dann da noch fremde Pakete stehen und auf Abholung warten (gerne auch mal paar Tage lang), dann kann ich den Unmut des Liebsten schon verstehen.
"Ich weiß, du meinst das immer nur gut, aber wir sind hier auch nicht die Packstation für das ganze Haus!"
Ich weiß auch, dass ich nicht zu gut bin für diese Welt, sondern blöd, ganz einfach nur blöd. Noch nicht eiserne Lady genug.
Daran musste ich heute Morgen denken, als es an der Tür klingelte. Ich meine, in dem Paket für mich von gestern war noch nicht alles drin, der Rest steht für heute als Nachlieferung drin...
"Ich hab ein Paket für D., der wohnt eine Etage über Ihnen, würden Sie mir das bitte abnehmen?"
Hach, der ist ja immer so freundlich, damit hat man mich ja meist ohnehin schon gewonnen. Aber... Moment mal... Wo bleibt eigentlich mein Paket?
"Tut mir leid, ich habe heute leider keine Post für Sie."
Äh...
WTF???
Für mich nicht, aber für den Dussel von über mir, der nicht mal auf den Trichter kommt, sich das eventuell an die Firma schicken zu lassen, da soll ich es annehmen?
Ich habs trotzdem angenommen, den Flur anschließend bisschen umgeräumt, damit der Liebste nicht doch noch drüber fliegt (und damit der nächste Krach ins Haus steht) - und in mich reingegrummelt.
Der Liebste hat schon recht: Ich sollte echt wirklich an mir arbeiten. Mistkackeverdammter.

Kommentare:

Diana Deutschbein hat gesagt…

also das mit den Paketen ist doch nicht wirklich ein Drama, liebe Helma :)
Deine Liebster kann doch auch seine Äuglein öffnen :)
Ich nehme auch die Pakete von meinen Nachbarn bei uns is das allerdings ganz Praktisch da ich unten wohne kommen die ja bei mir vorbei also dürfen sie es auch selbst hochwuchten. :) Was unter Umständen auch mal mächtig schwer werden kann, wenn 5 Riesenpackungen Hundetrockenfutter bestellt und dazu noch ganz oben wohnt. Aber so müssen wie wenigstens nicht noch mal extra zur Post :)

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Hey Diana, grundlegend sehe ich es genauso wie Du. Zumal ich ja auch immer froh war, wenn die Nachbarn mein Paket angenommen haben und ich abends nicht extra noch mal los musste (vor dem Umzug und vor dem Home Office).
Das mit den Paketen schieb ich mal auf den Frust von gestern Abend, aber bisschen komisch habe ich dann doch geguckt, als der mir heute ein Paket brachte nur für den Nachbarn und für mich gar nix dabei hatte. Da fühlte ich mich dann doch ein bisschen wie die Packstation vom Dienst ;)
Nein sagen werde ich an der Stelle aber vermutlich trotzdem auch in Zukunft nicht. Ich weiß ja im Grunde selber, wie das so ist und nicht jeder hat die Möglichkeit, sich das an den Arbeitsplatz schicken zu lassen.

Helga Nase hat gesagt…

Bei uns im Haus nehmen die Nachbarn auch immer die Pakete der anderen an, für mich ist das gelebte gute Nachbarschaft.
Und zu den unterschiedlichen Wertungen, wer wann wie lange was für jemanden macht: Das war wohl nur ein Vorwand um den Frust zu artikulieren ;)

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Genau - gelebte Nachbarschaft! Das muss ich mir merken, wenn er merkt, dass zu den gestrigen noch nicht abgeholten Paketen noch eins dazugekommen ist :)

Was die unterschiedlichen Wertungen betrifft, bin ich mir nicht ganz sicher, ob da möglicherweise auch eine (versteckte?) Eifersucht dahintersteckt. Er fragt mich soooo oft, warum ich dies und das und jenes für die Söhne tue, warum ich ihnen so vieles gebe und bezahle etc. - während er aber im Gegenzug auch nur nix anderes für seinen Sohn macht (was ja auch völlig in Ordnung ist!!) Irgendwann nur kam das dann doch mal bei mir an, dass er ständig Dinge hinterfragt, die ich tue, obwohl er sie ganz genauso macht. Und an diesem Punkt des "irgendwanns" war ich dann nicht mehr einverstanden damit und hole inzwischen öfter mal den Spiegel raus....

Bohli hat gesagt…

Nicht nervös machen lassen. Deine Ansichten sind doch alle stimmig. Wenn in das stört was du tust muss er sich zuerst an die eigene Nase fassen. Mal eine andere Frage: Ist er eventuell neidisch das du es einfach besser im Griff hast und dabei ruhig bleiben kannst ? Wäre aus meiner Sicht eine Option. Wir gestehen auch ja nicht immer gerne ein das ihr Damen besser seit ;-)

waage0310 hat gesagt…

Na, wenn Ihr sonst keine Probleme habt..gehts Euch doch bestens...lach

allemeineleidenschaften hat gesagt…

Nö. Helma, das brauchste nich.
Nich an dir arbeiten. Wieso denn? Zu gut oder zu doof für diese Welt macht Leute doch sooooo liebenswert, oder etwa nicht?
Warum nein sagen, wenn es doch irgendwie keine Umstände macht.
Kannste mit den Paketen im Flur nicht etwas sinnvolles machen?
Bischen dekorieren.
Bischen klettern üben.
Bischen Kerzen draufstellen.
Bischen aufmachen und gucken was drin ist ;)

Hijack hat gesagt…

Melde mich ebenfalls als Packstation vom Dienst. :) Das einzige, was ich dem ein oder anderen Boten hatte beibringen müssen, ist das Hinterlassen einer Benachrichtigungskarte im Briefkasten der betroffenen Nachbarn. Sonst kann man ewig auf die Abholung warten und hat mit Pech dann selbst das Gerenne und DA hab dann ICH keine Lust drauf. :)

Ansonsten liest sich das ja schwer nach höchst schlechten Vibrations. ...die hoffentlich in Bälde vergehen. :)

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Lieber Bohli, vielleicht ist es auch so eine Art Eifersucht, weil er weiß, wie sehr ich meine Söhne liebe und alles für sie tue (in seinen Augen zuviel)? Ich hab ihn das mal ganz direkt gefragt, schon vor einer ziemlich langen Zeit, er hats auch nicht wirklich ausgeschlossen, aber irgendwie... ist das Krachpunkt No. 1 in unserem Hause...

Ja Waage, grundsätzlich seh ich das genauso: Hat man Zeit für PillePalleKram, dann hat man nichts Wirkliches um die Ohren :) Ich bin ja sowieso immer der Ansicht, dass es uns wirklich gut geht - vielleicht zugut womöglich?

Kreisch!!!! Suse, DEN Kommentar habe ich ihm vorgelesen und mich köstlichst amüsiert dabei!!!!
Was soll ich sagen, aus 5 Pakten wurden dann 6, wobei das 6. schneller geholt wurde als der Liebste nach Hause kam (puuuhh, Gott sei Dank, denn das war schon ziemlich groß! Kletterübungen wären damit durchaus möglich gewesen :))

Hey Hijack - herzlich willkommen in der guten Stube, Käffchen? ;)
Ja, die letzte Woche war vermutlich nicht unsere beste, irgendwie haben die Synapsen ganz schön gekollert. Neue Woche, neues Glück! :)
Inzwischen stehen noch immer zwei Pakete vom letzten Mittwoch in unserem Flur, ich werde heute mal entsprechende Zettel in die Briefkästen verteilen und diese zwei Pakete ansonsten an die Post zurückgeben. DANN nehme ich aber für diese beiden nix mehr an (black list und so). Hab schon mit meinen eigenen Retouren genug Rennerei *lach*