Montag, 22. Juni 2015

Etwas ins Auge

Als ich heute Morgen erwachte, nach einem Wochenende, an dem ich lediglich aus Gründen der "Kopfgeschichte" nach Jahren doch wieder zu Schmerzmitteln griff, wohl wissend, dass ohnehin keine Wirkung eintreten würde, war mein linkes Auge geschwollen und schmerzte.
Der Schmerz im Körper selbst relativierte sich dann über den Tag - oder stimmt es, dass ein Gegenschmerz den primären zurücktreten lässt?
Ich muss zugeben: Heute Vormittag war ich alles andere als produktiv. Obwohl ich fast den gesamten Vormittag über Telefonate mit der Dienststelle führte. Das heißt, sie wurden mit mir geführt - denn eigentlich habe ich die ganze Zeit nur geweint.
Natürlich ist auch mir nicht verborgen geblieben, dass mein Junge mehr raucht als noch vor einem Jahr. Dass er in der Zeit des Callcenters unter immensem Druck stand: mehr, mehr, mehr, immer noch mehr. Dass er an sieben Wochentagen auch sieben Tage gearbeitet hat, weil die Ausgleichstage für Wochenendarbeiten fast ausschließlich auf die zwei Wochentage gelegt wurden, an denen er zu seinem Nebenjob musste.
Dass er schlecht schlief und ihm die Hände zitterten, so dachte ich, würde von all diesem herrühren. Und es hätte mich auch nicht gewundert. Mein Bitten, wenigstens das Rauchen aufzugeben, konnte oder wollte er auch nicht erfüllen: "Mutsch, ich steh grad so unter Druck, ich schaffe es nicht, jetzt das Rauchen aufzugeben." Ausreden hin oder her - ich habe nie geraucht, ich kanns nicht einschätzen, und höre ich den leidenschaftlichen Rauchern zu, ist es wohl auch nicht einfach. Selbst mein Vater, der zum Schluss zweieinhalb Schachteln am Tag (!!!) verrauchte, ließ es erst sein, nachdem er einen schweren Herzinfarkt erlitt und ihm ein fünffacher Bypass gesetzt wurde. Nachdem man ihm Arme und Beine aufgeschnitten hatte, weil sie fast vergeblich nach "brauchbaren" Blutgefäßen suchten.. Das war der Schock seines Raucherlebens, seither, und das ist jetzt immerhin acht Jahre her, hat er keine einzige Zigarette mehr angefasst.
Als ich vergangene Woche in L ankam, war ich schockiert, wie stark mein Junge inzwischen zittert. Als ich ihn umarmte, spürte ich, wie sein ganzer Körper bebte. Und als ich meine Hand auf seinen Brustkorb legte, war ich erschrocken, wie schnell sein Herz schlug. Sein Ruhepuls lag bei 97, der Arzt, zu dem ich ihn überreden konnte, bestätigte diesen. So wie auch eine ertastete Vergrößerung der Schilddrüse. Ins Labor soll er am 7. Juli kommen, "denn ab morgen haben wir leider schon Urlaub."
Dass er nachts nicht zur Ruhe findet, ist nach wie vor so. Er atmet im Schlaf zeitweise doppelt so schnell wie ich - oder der Atem stockt ganz. Am Freitagmorgen war er begreiflicherweise so müde, dass er sich nach dem Duschen und dem Frühstück, das ich ihm hingestellt hatte, noch mal hinlegte. Würde ich nicht gesagt haben "Junge, wir müssen ins Büro!", er hätte verschlafen.
Ein Szenario, das sich heute Morgen offenbar wiederholte.
"Er kann sich ja überhaupt nicht konzentrieren, er schläft mitten im Gespräch ein und mit diesem Zittern macht er mich ganz verrückt."
Ich wurde an meine Verantwortung erinnert. Meine Verantwortung als Mutter, so dass "du eben nicht Freitag nach der Arbeit nach M fahren kannst und den Jungen alleine lässt! Du musst was tun!"
Und was soll ich tun? Ich bin nicht sicher - und eine Antwort habe ich auch nicht wirklich bekommen.
Gestern Abend hatte ich mit meinem Sohn telefoniert. Er klang traurig, weil er irgendwie grad Stress mit Freunden hat, aber er klang ruhig - und aufnahmefähig. Es war ein gutes Telefonat, fand ich.
"Bitte denk dran, dass du dir morgen was zum Frühstücken mitnimmst", erinnerte ich ihn, so wie auch daran, dass man in unserer Firma durchaus die Möglichkeit hat, morgens etwas zu essen. Oder über den Tag hinweg. Natürlich hat er heute Morgen nicht mehr daran gedacht, und die Kollegin, die zu ihm sagte: "Wir sind alle Mütter, wir sehen sowas!" schickte ihn zum Supermarkt: "Jetzt reichts! Ab mit dir, hol dir was zu essen! Das geht so nicht, dass du erst zu spät kommst, dann noch eine rauchst und nichts isst!"
Natürlich bin ich schon froh, dass solche Aussagen auch "mal von anderen kommen". Alle Mamas oder Papas wissen, dass die eigenen Kinder ab einem gewissen Alter eher auf andere denn die eigenen Eltern hören. Es hat einfach ein anderes Gewicht. Aber ruhe ich mich damit darauf aus, dass andere Leute die Erziehung übernehmen, die ich in 25 Jahren verpasst habe? Gehe ich jetzt davon aus, dass andere Leute "hinbekommen", was ich selber so nicht erreicht habe? Bin ich nachlässig und verantwortungslos, weil ich nach 25 Jahren mit ihm entschieden hatte, meinen Lebensmittelpunkt woanders hinzuverlegen? Es quält mich so. Alte Wunden, alte Schuldgefühle, alles kommt wieder hoch und es zerfrisst mich. So wie die Sorge um ihn. Ich erkenne ihn nicht mehr wieder, weil er einfach nicht mehr er ist. Er, die treueste und loyalste Seele, die ich kenne, der seine Familie liebt wie kein anderer und der einzige, der immer an jeden Geburtstag denkt, hat meinen vergessen. Etwas, das ihm normal nie passiert.
Es ist so offensichtlich, dass etwas nicht stimmt.
"Warum geht er nicht zu einem anderen Arzt?" wurde ich heute gefragt - und diese Frage hatte mir auch am Wochenende der Liebste gestellt. Ich war verwundert darüber, denn aus eigener Erfahrung kenne ich: Ist der Hausarzt nur mal zwei Wochen im Urlaub, behandelt dich kein anderer, es sei denn, man hat Husten und Schnupfen. Hätte ich ihn trotzdem dazu bringen sollen, es woanders zu versuchen? Hätte ich nicht zurück nach M fahren sollen, um bei ihm zu bleiben und darauf zu achten, dass er auf sich achtet? Wenigstens so lange, bis seine Laborwerte medikamentös korrigiert werden? Und er vor allem wieder schlafen kann, zur Ruhe findet? Also mindestens die nächsten vier oder sechs Wochen? Und sich anschließend um die Seele kümmert, weil da noch viel mehr Narben und Wunden sein dürften als bei mir?
Ich frage mich... Wie machen das andere Eltern, deren Kinder nicht in der Nähe leben? Der Junge ist 25, auch wenn er dem Wesen nach noch nicht 25 ist. Wie viel ist zuviel und wie wenig ist zu wenig?
Mein Auge schmerzt noch immer, da bildet sich wohl das erste Korn meines Lebens.
Oder aber es erinnert mich, etwas im Auge zu behalten..

Kommentare:

~ Clara Pippilotta ~ hat gesagt…

Liebe Helma, zu einem anderen Arzt hätte ich ihn auch geschickt - es gibt Dinge, die sollte man nicht aufschieben. Eine vergrößerte Schilddrüse kann auch auf eine Überfunktion der Schilddrüse hinweisen - auf alle Fälle ist es behandlungsbedürftig. Erst recht, wenn es jemandem so geht, wie Deinem Sohn.

Ob Du was in der Erziehung falsch gemacht hast oder verpasst hast, kann ich Dir nicht sagen. Aber als Eltern gibt man immer die eigenen Überzeugungen und Verhaltensweisen an die Kinder weiter. Auch Du liest Dich manchmal wie jemand, die sich selbst gerne überfordert und übergeht - zuviel Pflichtgefühl vielleicht, zu wenig "locker lassen" (wie gesagt, mein Eindruck bei manchen Texten) und wenn das auf das eigene Kind abfärbt (wenn es denn so ist), dann sieht man da erst, wie schädlich es ist, wenn man immer alles richtig machen will und sich zu wenig Spielraum für Fehler oder schlichtweg Entspannung gönnt.

Wie es auch immer sein mag - ich finde trotzdem nicht, dass es falsch war, den Lebensmittelpunkt nun nach M. zu verlagern. Du hast auch ein Leben und die Söhne sind erwachsen - und jeder Mensch muss im Leben seinen Platz ganz alleine finden. Du kannst ihnen immer die Hand reichen, aber nur um zeitweise zu stützen, gehen müssen sie ganz alleine.

Ich wünsch Dir von Herzen gute Besserung und Deinem Sohn natürlich auch!

Liebe Grüsse
Clara

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Liebe Clara, das ist es ja eben, was ich denke: Die Hand reichen, aber ihn allein gehen lassen. Doch wenn ich das äußere, wird mir das prompt als Ausrede ausgelegt. Ist es wirklich eine? Mein Bauch sagt auch Nein..
Das mit dem Arzt ist übrigens wirklich so: War man innerhalb eines Quartals bereits beim Hausarzt, darf man laut Gesetzgeber keinen zweiten aufsuchen, sondern muss das Quartalsende abwarten. Bloß dann ist ja der eigentliche Hausarzt auch wieder da.
Und ja, ich glaube schon, dass Du recht hast: zuviel Pflichtgefühl, die eigene Grenze ignorieren, weitermachen, bis gar nichts mehr geht.. Und ja: Der Junge ist sehr ehrgeizig, alles, was er macht, will er so gut wie möglich machen. So war er immer. Nur in letzter Zeit verändert er sich mehr und mehr. Er weiß, was er tun muss und will es auch - aber er tut es nicht. Ich bin momentan auch nicht mehr sicher, ob hier nicht auch eine Depression mit einhergeht.
In der Schmerzklinik damals habe ich gelernt: eins nach dem anderen. Du kannst nicht alle Baustellen gleichzeitig angehen, wenn dir die Kraft dazu fehlt. Ich kenne das, wie es ist, wochen- und monatelang keinen Schlaf zu finden. Da habe ich begriffen, wie elementar Schlaf ist. Also wurde als erstes versucht, den Schlaf wiederherzustellen. Mit Amytriptilin - und bei mir hat das wirklich gut funktioniert. Der Schmerz blieb - aber ich konnte wieder ein- und vor allem durchschlafen.
Wenn bei ihm die Schilddrüse zu sehr funktioniert, dann muss man das erst regulieren. So würde er ruhiger, wieder mehr Schlaf bekommen - und kann dann die zweite große Baustelle angehen... Zumindest ist das der Plan.
Die Frage, ob und was ich falsch gemacht habe: Natürlich erwarte ich hier keine Antwort, die Frage ist eher an mich, wie ich sie mir seit Jahren stelle. Bis heute quält es mich, auch wenn ich weiß, dass ich die Vergangenheit nicht ändern kann, aber das Jetzt und Hier.

ganga hat gesagt…

Liebe Helma,
du bist doch immer für den Jungen da, wenn er dich braucht und sonst auch. Und auch wenn du bei ihm leben würdest, würde es nicht anders kommen. Dass dein Mutterherz weint, wenn du ihn in dem Zustand siehst, ist auch klar.
Das du nach M gezogen bist paßt sicher. Das kannst du nicht aufhalten oder regulieren, wenn er sich bis zur Erschöpfung verausgabt.

Das der Arzt so flappsig mit den Zuständen des Jungen umgeht ist schauderbar. Sag mal, hat der keine Vertretung , wo der junge Mann hingehen kann?
Ich denke mir auch, dass unbedingt das Körperliche abgeklärt gehört. Wer weiß was da bei ihm aus der Balance ist!!

Auch wenn es sich abgedroschen anhört
ich wünsche euch das Beste
ganga

Wirrkopf hat gesagt…

Kinder lernen auf die Schnauze zu fallen und dass das weh tun kann. Auch mit 25! Wenn du weiterhin so um ihn bemüht bist, wird seine Partnerin es sehr schwierig haben. Loslassen und Verantwortung für das eigene Handeln übernehmen ist da wohl der bessere Weg.
Sei ein Backup für ihn aber nicht mehr der Wegweiser!

Clara Himmelhoch hat gesagt…

Ach, liebe Helma, aus jeder Zeile spricht dein Schmerz als Mutter. Ich wäre auch sehr erschrocken, wenn ich ihn so erlebt hätte. Nicht, dass er irgendwann total mit einem burn out zusammenbricht.
Ich glaube wirklich, dass das heutige Leben anstrengender ist als das meiner Jugend. Zu damaligen Zeiten waren viele mit 25 schon Familienväter und hatten teilweise schon zwei Kinder - vielleicht ist das dann anders, wenn man zu zweit eine gemeinsame Aufgabe hat. Ich wünsche dir und ihm viel Kraft, da durch zu kommen.
Als ich 2004 mit dem Rauchen aufgehört habe, hat mir meine Ärztin abgeraten, da ich durch die Kündigung sehr unter psychischem Stress stand. Ich habe es dennoch gemacht und seitdem nicht einen Zug mehr genommen.

AnnJ hat gesagt…

Liebe Helma,
zunächst mal hoffe ich, dass es sich wirklich um die Schilddrüse handelt und damit um etwas, das man behandeln kann!
Dass die Kollegin Deinen Sohn zum Essen geschickt hat und er von dieser Seite eher darauf hört, hat aber meiner Meinung nach nichts mit Deiner Erziehung zu tun. Du schreibst, dass er eine treue, loyale und ehrgeizige Seele ist - DAS ist Deine Erziehung, Dein Vorbild. Ich halte das für sehr wertvolle Eigenschaften! Was er jetzt durchmacht, kannst Du aber wohl nicht mehr "erziehen", sondern das sind seine eigenen Grenzen, die er erstmal selbst erkennen muss. Das ist ein Lern- und Erfahrungsprozess über sich selbst, den man mit 25 auch noch nicht realisiert.
Von daher: Nein, bitte kein schlechtes Gewissen, von wegen, Du würdest die Erziehung "auslagern" und weil Du Dein Leben nach Deiner Vorstellung gestaltest. Du bist da, Du hörst ihm zu, Du signalisierst "ich kümmere mich um Dich und lass Dich nicht allein". DAS ist wichtig.
Was wäre die Alternative? Ihn nicht loslassen? Ihn bis zu welchem Alter umsorgen? (Wie ich selbst vor einigen Tagen schrob, erlebe ich in der Familie genau dieses Extrem. Und es macht mich wahnsinnig, denn es hat aus einem jungen Mann ein unsicheres, überfordertes, panisches Wesen ohne eigenen Stand gemacht.)
Ich drücke Euch beiden die Daumen, dass es bald wieder besser geht!
Lieben Gruß
AnnJ

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Liebe ganga, ich finde nicht, dass sich Dein Schlusssatz abgedroschen anhört. Hier muss man ja nicht kommentieren und wenn es doch jemand tut, dann weiß ich, dass das auch von Herzen kommt. Ich dank Dir dafür!
Zur Vertretung durfte er ihn wohl nicht schicken: Hatte gestern am späten Nachmittag mit einer Sprechstundenhilfe eines anderen Arztes telefoniert und die sagte, dass man innerhalb eines Quartals nicht zu zwei Hausärzten gehen darf. Bezahlt die Kasse nicht - dank Gesetzgebung.
Jetzt habe ich gestern Abend noch den Kontakt zu einem Facharzt bekommen, ein Endokrinologe. Meinem Sohn habe ich gestern Abend davon erzählt und schickte ihm den Kontakt per whatsapp. Er soll sich heute gleich um einen Termin dort kümmern. Ich sehe schon, dass er die typischen Stress-Symptome zeigt und weiß ja, woher das kommt. Andererseits zeigt er eben auch alle, wirklich alle Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion - und ich denke und hoffe, dass, wenn er erst mal wirklich gründlich von einem Facharzt durchgecheckt wird, es erst mal an dieser Stelle Hilfe gibt, um zunächst den Schlaf, damit die Konzentration und auch ein Stück weit die Ruhe wiederherzustellen.

Lieber Wirrkopf, momentan fühle ich mich völlig zerrissen: Einerseits werden mir Vorhaltungen gemacht, dass ich mich kümmern soll, dass ich für ihn da sein soll - und das könne ich eben nicht, wenn ich 400 km weit weg bin. Von anderen wiederum wird mir vorgehalten, dass ich nicht loslasse, dass ich zuviel beschütze, zuviel für ihn regle, mache, tu. Mir ist bewusst, dass Kollegen beginnen, hinter meinem und seinem Rücken zu reden, und das schmerzt mich doppelt.

Ja Clara, mir tuts einfach nur weh, doch um mich gehts ja nicht. Ich fühle mich nicht schuldig, dass ich nach M gezogen bin, und ich denke auch nicht, dass ich ihn deshalb bzw. damit vernachlässige. Ich bin doch trotzdem für ihn da?! Aber einerseits zerreißt es mich, ihn so zu sehen und mich zu fragen, wie lange das eigentlich schon so geht, bevor die Zeichen SO deutlich wurden; und andererseits belasten mich die immer wiederkehrenden Vorwürfe, dass ich mich zurücklehne, die Dinge nicht ernst genug nehme und mich zu sehr zurücklehne. Grundsätzlich denke ich nicht, dass diese Vorwürfe berechtigt sind, Fakt aber ist, dass der Junge momentan in einer so schlechten Verfassung ist, dass er in jeder anderen Firma keine Probezeit überstehen würde und auch menschlich völlig neben sich steht. Ich brachte ihn dazu, zum Arzt zu gehen, und bringe ihn momentan dazu, zum Facharzt zu gehen. Ihm den Weg zeigen, ihn aber auch selber gehen lassen, auch dann, wenn er dem Wesen nach vielleicht erst 16 ist. Dass mir dazu immer wieder gesagt wird, dass das zu wenig sei, ich den Ernst der Lage nicht erkenne und der Firma einen jungen Mann "hinterlasse", der völlig unselbständig sei, das.. muss ich auch erst mal verdauen.

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Liebe AnnJ, die Alternative soll so aussehen: Dass ich länger in L bleibe, ihn zu seinen Arztterminen begleite (auch, damit er sie nicht verschläft) und darauf achte, dass er frühstückt etc.
Wenn ich das höre und hier schreibe, hier also lese, was ich schreibe, dann frage ich mich: Selbst wenn der Junge dem Wesen nach nicht 25, sondern vielleicht 16 ist, helfe ich ihm dann, wenn ich ihn wie einen 16jährigen behandle?? Sicherlich habe ich ihn bis zum letzten Jahr, bis ich dann wegzog, nicht zu Ärzten etc. begleitet, aber zumindest für Frühstück, Mittagessen, Abendbrot gesorgt, für ein ordentliches Zuhause und dafür, dass er auf Dinge zu achten hatte, die ihm selber eher.. gleichgültig waren. Und ja: Ich war nicht nur seine Anlaufstelle, ich bin es immer noch, denn wenn er irgendwas hat, ruft er mich an. Das kann man jetzt auslegen als unselbständig, man kanns aber auch auslegen als "Ihr vertraue ich, mit ihr kann ich reden". Jeder interpretiert auf seine Weise und oft bekomme ich zu hören, ich würde mir alles schön reden.
Er ruft mich aber auch an, wenn irgendwas richtig super gelaufen ist, wenn er sich über irgendwas freut oder, so wie vor zwei Wochen: "Es ist nach 20 Uhr, ich habe zwei Jobs hinter mir und bin so voller Adrenalin, dass ich das Gefühl habe, es wäre erst morgens 8 Uhr und ich hätte noch gar nicht gearbeitet." Das war an einem Tag, wo er das Gefühl hatte, dass alles wie am Schnürchen lief, sowohl im ersten als auch im zweiten Job, wo es keine Hänger gab, keine Streitereien, keine Verspätungen dank Bus- und Bahnverzögerungen, nix - alles lief super und er war so happy, dass er mich abends anrufen musste, um sich mir mitzuteilen. Und da höre ich genauso zu und freue mich für ihn wie z. B. am Sonntagabend, als er doch recht traurig und etwas mitgenommen war, weil er das Gefühl hatte, von einem Freund ausgenutzt und verraten worden zu sein.
Mir ist zugleich aber auch bewusst, dass ich ihm sicherlich zuviel abgenommen habe. Ihn zu wenig forderte. Auch wenn ich mich dagegen verwahrte, mich so zu verhalten wie der Vater, der dem Jungen die Brote schmierte, "weil ihm nicht passte, wie ich die Butter abschnitt". Das hatte er mal erzählt, vor zwei Jahren, als wir am Wochenende beim Frühstück saßen und er mich grinsend ansah: "Na Mutsch, schmierst du mir die Brötchen?" und ich ihn anschaute und entgeistert fragte: "Wie bitte? Bei dir trommeln wohl die Locken?" Wir haben beide gelacht und dann hat er mir das erzählt. Natürlich habe ich nicht seine Brötchen geschmiert.
Dennoch glaube ich schon auch, dass ich ihm zuviel abnahm, ihm zu wenig Aufgaben übertrug, die ihn auf das Leben vorbereiten würden. Und insofern hielt ich es auch deshalb für gut, dass ich meinen Lebensmittelpunkt verlagert habe. Vielleicht wird er immer ein Chaot bleiben, der nie weiß, wo er was hingelegt hat, der Dinge verliert und auch keine Ordnung halten kann. Dafür kocht er inzwischen gern und sorgt für seinen jüngeren Bruder, sorgt dafür, dass der immer zu essen und zu trinken hat, geht selbst nachts zur Tanke, weil er eh nicht schlafen kann und nichts mehr zu trinken im Haus ist.

Lascincoies hat gesagt…

Es ist wie mit allem im Leben: alle haben (legitime) Meinungen, letztendlich entscheidet Dein Bauch, was richtig ist.

Für mich war die Zeit zwischen 25 und 30 eine der schwierigsten, weil man eben kein Teenie mehr ist, aber auch noch nicht erwachsen. Man muss verarbeiten was war (weil Ballast irgendwie immer hochkommt, bis man es nicht endgültig abwirft), man muss die Gleise legen für Morgen. Man verändert sich und weiss nicht, wie damit umzugehen.

Trau Deinen Instinkten! Wenn die sagen, Du sollst physisch wieder eine Weile beim ihm sein, dann tu das. Ich bin mir sicher, dass sich schon viele Symptome mit der richtigen Behandlung legen werden und dann wird es etwas einfacher.

Zu guter Letzt: Wir Kinder brauchen unsere Mama/Eltern immer. Egal wie cool und bockig wir tun. Darüberhinaus denke ich nicht, dass Unordentlichkeit oder Chaos Beweise einer "schlechten" Erziehung sind, sondern schlicht individuelle Eigenschaften, die jedem immanent sind.

Gute Besserung Deinem jungen und Drücker für Dich!

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Liebe Lascincoies, ich danke Dir für Deine Zeilen! Mein Bauch... Er streitet mit mir. Einerseits sagt er, es ist okay, dass ich nicht ständig bei ihm bin und darauf achte, dass er an alles denkt und macht. Ich will ihn nicht wie ein Kind behandeln, weil er keins mehr ist.
Andererseits würde ich mir auch nie verzeihen, wenn ihm etwas passiert, nur weil ich selber zu nachlässig war. Dann wieder sagt der Bauch: "Du bist nicht zu nachlässig."
Es erinnert mich alles auch ein wenig an die Zeit, als er in den Kindergarten kam. Kurz nach 6 Uhr morgens kamen wir dort an und um halb sieben begann in der Nachbarstadt der Dienst. Damals hatte ich einen Chef, der trotz Gleitzeit forderte, dass ich 6.30 Uhr da zu sein hatte und auch 5 min (!) Verspätung nicht toleriert wurden. Das war eine scheiß Zeit. 3.30 aufstehen und alles wuppen, damit man 6.30 Uhr in der Arbeit war. Was habe ich also gemacht? Das Kind in den Kindergarten bringen, ausziehen, umziehen, verabschieden.
"Das kann der T. aber alleine, der ist schon groß", sagte dann immer die Erzieherin. Woraufhin ich sagte: "Ja.. Ich weiß, dass er das alleine kann, aber ich habe nicht die Zeit zu warten, bis er fertig ist. Sonst bekomme ich Ärger in der Firma."
Ich konnte ihn aber auch nicht hinstellen und sagen: "Tschüss, ich muss los." Das ging deshalb nicht, weil er in Straßenschuhen die Spielräume nicht betreten durfte. Also er musste fertig umgezogen sein, bevor er zur Erzieherin durfte. Und diese Zeit hatte ich eben nicht.. Und so hat sich das über viele Jahre fortgesetzt. Wurde noch heftiger für mich, als der Zweite auf die Welt kam. Ich war zwar verheiratet, aber gekümmert habe ich mich allein um Kinder, Haushalt und eben den Vollzeitjob. Geholfen hat mir niemand. Meine Eltern 500 km weit weg, die Schwiegermutter starb, als er 4 war und der Schwiegervater hat nur das Kind seiner Tochter aus dem Kindergarten abgeholt: "Klar könnte ich T. und B. auch abholen, aber dann würde ich Helma ja einen Gefallen damit tun, und ich will ihr aber keinen Gefallen tun." Weil er der Meinung war, dass im Gegenzug ich noch zu wenig für den Schwiegervater tat. Was ne scheiß kack Zeit. Als der Große dann 13 war, trennten wir uns, da war der Schwiegervater 2 Monate tot. Und was dann alles kam, hätte ich mir nie nie im Leben zu träumen gewagt. Doch davon weiß niemand alles. Nur die Auswirkungen, die sind bis heute sichtbar und spürbar.
Und ich denke, diese körperliche Komponente, sprich: die Schilddrüsenüberfunktion, tut momentan ihr übriges beim Jungen. Und ich bin nicht sicher, seit wann - aber es würde so einiges erklären. Ich werde dranbleiben, dass mein Junge den Termin auch wirklich vereinbart und das nicht schleppen lässt. Denn auch die Situation in der Arbeit wird nicht besser so.

Anonym hat gesagt…

Meine Tochter ist auch in diesem Alter und als ehemalige Alleinerziehende sind mir alle diese Fragen vertraut. Auch die Zweifel, doch: wir müssen mal aufhören, uns schuldig zu fühlen, weil diese Gefühle auch unterschwellig negativ auf die Kinder und abfärben// Aufarbeitung wäre vielleicht hilfreicher, doch spätestens bei diesen Symptomen hätte ich ihn notfalls in die Notaufnahme oder zu einem anderen Arzt "geschubst", damit schnellstmöglich ein Blutbild (was auch andere Fragen abklärt) gemacht wird und er nicht so instabil bleibt. Wenn Dein Sohn wirklich etwas mit der Schilddrüse hat, dann gehört diese(s), stets zu Unrecht kaum beachtete Organ, zügig behandelt. Ich selbst habe jahrelang Symptome verdrängt und unter jahrelang-verdrängtem Stress gelitten, was inzwischen zu Organschäden führte (als Nichtraucherin). Besonders junge Männer reden NICHT über "Wehwehchen & Co", doch er braucht sicherlich nicht nur physische Hilfe und Deine Unterstützung.
Einfache Fragen/einfache Antworten: Will ER, dass es ihm besser geht?: Grundvoraussetzung: Essen + Trinken/ nimmt er evtl. Drogen ?(leider kein abwegige Frage!), dann braucht es Mut zur Selbst-Courage, damit er /ihr dafür eine Lösung findet-. Zweifel nicht an Dir, sondern zeige ihm, dass Du auf jeden Fall verständnisvoll an seiner Seite stehst, er aber Selbstverantwortung übernehmen muss/ und will. Zumal er doch endlich eine gute Job-Lösung gefunden hat...
Wir haben unsere Kinder, biografisch bedingt, bestimmt "übermuttert" und ich habe auch oft gedacht, dass es vielleicht ein bisschen zuviel des Guten von Deiner Seite ist, doch wer steht sonst für sie ein in einer tendenziellen Ausbeuter-Gesellschaft (und junge Erwachsene hinterfragen Arbeit noch zuwenig, sind noch zu schüchtern, muten sich zuviel zu und verbrennen ohne Freude und Wertschätzung an der Arbeit und vermeiden oft tiefenbewegende Themen), wenn nicht Du als Mutter... Und vielleicht mal bei Beratungsstellen in Leipzig anfragen (vorerst nur Du), ohne Deinem Sohn nun Panik zu vermitteln, damit er sich wieder wohl im und zum Leben fühlt und stabile Lebensqualität findet. Schritt für Schritt. Er ist noch so jung und es ist alles Gute möglich! Alsbaldige Besserung auch von mir für euch! und gräme und entkräfte Dich bitte nicht mit Selbst-Zweifeln...
Herzliche Grüße aus Dresden

Anonym hat gesagt…

Meine Tochter ist auch in diesem Alter und als ehemalige Alleinerziehende kenne alle diese Fragen und Selbst-Zweifel, doch: wir müssen mal aufhören, uns schuldig zu fühlen, weil diese Gefühle auch unterschwellig negativ auf die Kinder und abfärben (Aufarbeitung wäre vielleicht hilfreicher), doch spätestens bei diesen Symptomen hätte ich ihn notfalls in die Notaufnahme oder zu einem anderen Arzt "geschubst", damit schnellstmöglich ein Blutbild (was auch andere Fragen abklärt) gemacht wird und er nicht so instabil bleibt.
Wenn Dein Sohn wirklich etwas mit der Schilddrüse hat, dann gehört diese(s), stets zu Unrecht kaum beachtete Organ, zügig behandelt. Ich selbst habe jahrelang Symptome verdrängt und unter jahrelang-verdrängtem Stress gelitten, was inzwischen zu Organschäden führte (als Nichtraucherin). Besonders junge Männer reden NICHT über "Wehwehchen & Co", doch er braucht vielleicht nicht nur physische Hilfe und Deine Unterstützung.
Einfache Fragen/einfache Antworten: Will ER, dass es ihm besser geht?: Grundvoraussetzung: Essen + Trinken/nimmt er evtl. Drogen ?(leider kein abwegige Frage!), dann braucht es Mut zur Selbst-Courage, damit er /ihr dafür eine Lösung findet-.
Zweifel nicht an Dir, sondern zeige ihm, dass Du auf jeden Fall verständnisvoll an seiner Seite stehst, er aber Selbstverantwortung übernehmen muss/ und will. Zumal er doch endlich eine gute Job-Lösung gefunden hat.
Wir haben unsere Kinder bestimmt, biografisch bedingt, "übermuttert" und ich habe auch oft gedacht, dass es vielleicht manchmal ein bisschen zuviel des Guten von Deiner Seite war, doch wer steht sonst für sie ein in einer tendenziellen Ausbeuter-Gesellschaft (und junge Erwachsene sich oftmals zu wenig hinterfragend noch zu schüchtern zuviel zumuten und ohn Freude and der Arbeiz verbrennen), wenn nicht Du als Mutter...
Und vielleicht mal bei Beratungsstellen in Leipzig anfragen (vorerst nur Du und dieses geht ja auch von M. aus), ohne Deinem Sohn nun Panik zu vermitteln, damit er sich wieder wohl im und zum Leben fühlt und stabile Lebensqualität findet. Er ist noch so jung und es ist alles Gute möglich!
Alsbaldige Besserung auch von mir für euch! und gräme und entkräfte Dich bitte nicht mit Selbst-Zweifeln...
Und erstmal den medizinischen Check durchführen!
Herzliche Grüße aus Dresden.

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Liebe Anonym, ich bin sehr dankbar für jeden Blickwinkel, für jede Erfahrung, die mir durch andere mitgeteilt werden, auch weil es mir hilft, mich aus dieser schon irgendwie Verzweiflung zu reißen. Es ist zwar nicht so, dass ich diese meinen Jungs zeige. Es ist eher so, dass ich mich ihnen gegenüber eher stark zeige. Sicherlich auch mal ratlos, aber doch so, wie auch Clara mal schrieb "...zu wenig locker lassen."
Als ich gestern Abend die Kontaktdaten eines Endokrinologen bekam, habe ich gleich mit meinem Sohn telefoniert, ihm davon erzählt, ihm noch mal die Dringlichkeit klargemacht und ihm diese Daten weitergeleitet. Denn ja: Er will sich auf jeden Fall helfen lassen, er war ja dann auch letzte Woche gleich beim Hausarzt, nachdem ich mit der Hand fühlte, wie schnell sein Herz schlug, obwohl er ganz ruhig dasaß.
Die Drogenfrage hab ich mir, ganz ehrlich, auch schon gestellt gehabt: Er wirkte manchmal derart "überdreht", dass ich dachte "Hupppssss?", bis mir andererseits der Eindruck aufkam, dass dies wiederum ein Freiströmen an Endorphinen sein könnte, weil das ausschließlich an Tagen auftritt, die für ihn super und glatt laufen. Also wo er Erfolgserlebnisse sieht, spürt, fühlt - und diese mitteilen muss. Hinzu kommt auch: Er ist so unordentlich, dass ich immer dann, wenn ich in L bin, Ordnung schaffe, zumal ich ja auch dort übernachte und mich wohlfühlen will. Manchmal macht er mit, manchmal ist alles schon fertig, wenn er von der Arbeit heimkommt. Ich habe so oft Dinge gefunden, die nicht für meine Augen bestimmt waren; einfach weil er nicht mehr weiß, wann er was wohin gelegt hat bzw. weil er nicht mehr dran denkt, dass er überhaupt was weggelegt hat. Dabei handelte es sich meist um irgendwelche Quittungen für Zigaretten (ich weiß ja, dass er raucht, aber er will wohl nicht, dass ich sehe, wie viel er dafür ausgibt) oder für Spielezubehör (Guthabenkarten vor allem oder Spiele oder eben auch mal ne neue PS4 oder so..) Ich habe jedoch noch nie irgendwelche Pillen oder ähnliches gefunden. Ich wüsste auch gar nicht, ob er überhaupt "Bezugsquellen" hätte? Er kennt ja kaum jemanden, geht nur zum Einkaufen etc. aus dem Haus oder wenn er Wut hat, dass er dann um den naheliegenden See läuft.
Und ich sehe es schon auch so: Ich empfinde mich eigentlich eher als ein Anker für die beiden. Ich bin da, wenn sie mich brauchen. Ich schwebe aber auch nicht ständig über ihnen und frage sie, ob alles gut und erledigt ist. Zumindest wollte ich es immer so haben. Aber kann auch gut sein, dass ich zuviel getan habe. Früher aus Zeitnot, später aus Gewohnheit.

Anonym hat gesagt…
Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.
Anonym hat gesagt…

überarbeitete Version:
Ja, leider ist das Thema ist viel zu komplex, als das sich alle Gedanken in dieser Form niederschreiben ließen.
Deine Beschreibung sind klare Bilder: er nimmt sich etwas sehr zu Herzen...und dieses rast...
Du schreibst, dass er kaum rausgeht?.., sich zurückzieht? Ist diese Haltung dem inneren Durcheinander und äußeren "Chaos", einer Art Verunsicherung, geschuldet? Solch ein Zustand kostet ihn ja auch unglaublich viel Kraft. Kann er sich denn gut selbst akzeptieren?
Du wirst es beurteilen können, ob er ein sensibler und im Innersten vielleicht verunsicherter Mensch ist, da es ihn so euphoriert, wenn mal ein Tag problemlos verläuft. Vielleicht fühlt er sich deshalb er permanent im Stress/ der Befürchtung, weil er einerseits "funktionieren" will, ihn aber diese Last erdrückt und überfordert. Die Unordnung ist sicherlich noch normal in diesem "Halb-Mann-Alter", kann aber auch unbewusster Protest sein...
Leider erhalten viele junge Menschen nicht die nötige Wertschätzung von ihrer Umwelt, zu schnell sind "Meinungen" anderer Mitmenschen banal, unüberlegt, aber verletzend dahergeplappert und es gibt Anforderungen, anstatt selbst-vertrauen-förderliche Geduld durch "Vorbilder"/ Begleiter/ Mentoren, die wir Mütter auch nicht ersetzen konnten/ können..., sosehr uns auch das Herz/ oder "das wissende Auge" blutet...
Aber es lohnt sich immer, guten Mutes zu bleiben- ich erlebe es manchmal nach Jahren und auch im Bekanntenkreis..., dass sich bestimmte Knoten plötzlich leicht lösen, um die man vorher fast verzweifelt gerungen und gefürchtet hat.

Anonym hat gesagt…

Helma,
bitte die erste Version löschen.
Und natürlich "..., als dasS sich alle Gedanken..." korrigiert.

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Liebe Anonym, gestern Abend war ich nicht mehr in der Verfassung, auf Deine Zeilen zu antworten.
Zurückziehen ist vielleicht nicht der richtige Ausdruck. Eher ist es, dass ihm zuletzt einfach die Zeit für die Freunde fehlte. Wie ich schon mal schrieb, zur Zeit des Callcenters von August 2014 bis April 2015 war er fast täglich in der Arbeit, entweder im Callcenter oder im Nebenjob, wenn er doch mal einen Tag frei hatte, klebte er nur wie ein toter Frosch auf dem Bett, weil er so k.o. war. Seit 10 Tagen hat er nun wieder ein Auto und ist somit wieder mobiler, freier, flexibler, das wird also wieder werden.
Und dem Wesen nach: Er will sich immer und überall beweisen, aber er glaubt nicht an sich selbst. Die Gründe hierfür sind klar, möchte ich aber jetzt nicht weiter ausführen. Es ist sehr schwer, eigentlich unmöglich, ihn aufzubauen, wenn andere alles wieder einreißen. Ich Andere, die er auch liebt. Ich habe ihn hier im Blog hin und wieder als "feinsinnige, sehr sensible Seele" bezeichnet und so ist er auch. Er spürt immer, wenn es einem schlecht geht, an dem sein Herz hängt. Eine Freundin von mir ist gestern Abend bei den Jungs gewesen, auch um etwas für mich hinzubringen, das ich selbst noch nicht geschafft hatte, bei ihr abzuholen. Sie hat sich ein Weilchen mit ihm unterhalten. Und mir Sachen geschrieben, wo ich dachte: "Wieso sieht sie das, was ich aus sehe - und warum sieht das sonst keiner?"
Wie liebebedürftig er ist, wie er strahlt, wenn er gelobt wird und wie gut ihm Lob tut - nur dass er das viel zu selten bekommt. Insofern verstehe ich seine Euphorie, wenn er einen richtig guten Tag hatte. Umso mehr, weil ich in seinem Alter genauso war.
Heute bin ich... etwas kontrollierter ;)
Heute nach dem Besuch beim Endokrinologen fühle ich, wie der Druck aus meinem Bauch weicht: Es tut sich etwas. Er ist in guten Händen und es wird gut werden.