Samstag, 18. Juli 2015

Plopp!

Im Moment fühle ich mich unglaublich müde. So wie eine jener Aufziehfiguren, deren Antriebsfeder erschlafft ist. Man dreht und dreht und dreht und trotzdem setze ich nur einen müden Sprung - plopp - und falle um, anstatt wie gewohnt wie ein Duracell-Häschen motiviert durch die Gegend zu springen.
Ich bin sicherlich reflektiert genug zu erkennen, woher das kommt, und ich beklage das auch nicht. Vielleicht will ichs ja einfach nur mal so gesagt haben.
Als ich am Montag nach L kam, erwartete mich ein Chaos wie länger schon nicht mehr.
Während dem einen zuviel ist, sich allein um alles kümmern zu müssen, ist der andere aktuell komplett überfordert. Wie sehr, das sah ich am Dienstag, als er minutenlang den Ausdruck einer E-Mail vor sich liegen hatte, darauf starrte - und trotzdem nicht agierte. Einfach nur da saß und auf die E-Mail starrte "...anbei übergeben wir Ihnen unser Angebot Nr. xyz", mehr stand da nicht, und er saß und saß, bis ich ihn fragte, ob alles okay sei oder ich ihm helfen könne.
Er schreckte auf, murmelte etwas und schrieb dann weiter.
Später kam er zu mir, grau-gelb im Gesicht, und sagte: "Mir gehts heute wirklich richtig schlecht, irgendwie... komm ich einfach nicht mehr weiter. Ich werde auch den Nebenjob kündigen, ich kann echt nicht mehr."
Als am Mittwoch die Situation - nun sagen wir - leicht eskalierte, entschieden wir: So geht es nicht weiter. Er geht zu seinem Hausarzt. Dort war er am Donnerstag Morgen. Die Diagnose einer massiven Schilddrüsenüberfunktion steht, er bekommt ja auch seit Anfang Juli sein Medikament. Die Dosierung wurde nun heraufgesetzt, so dass er früh und abends eine Tablette nehmen soll - und er wurde sofort krank geschrieben. Was ihn zusätzlich momentan fast zerstört, ist der Druck, den er sich selbst macht. Die Angst, im neuen Job nicht zu bestehen. Der Anspruch an sich selbst, hier in diesem Job, den er nicht gelernt hatte, doppelt soviel leisten zu müssen und zu wollen, um nicht zu versagen.
Die Angst, die lähmt.
Er will so sehr, dass er sich selbst blockiert und aktuell so überhaupt nichts mehr geht.
Er glaubt niemandem aus der Firma, wenn es, wie nach gut 4 Wochen bei uns, hieß: "Also mir ist er echt eine große Hilfe geworden." Warum er das nicht glauben kann, begründet er so: "Das war in den beiden vorherigen Jobs auch so, dass es immer hieß, mach dir nicht so einen Druck, das läuft doch alles - und dann kam völlig unerwartet von einem Tag auf den anderen die Kündigung. Ich hab einfach so panische Angst, dass mir das bei euch auch passiert. Weil ich weiß, was dann kommt. Dann kann ich wieder zu den ganzen Zeitarbeitsfirmen rennen, die mich am Ende auch nur wieder in irgend so ein Callcenter stecken. Wenn denn überhaupt."
Dass er ohnehin nicht vor Selbstbewusstsein sprüht und zuallererst an sich zweifelt, wissen wir und wir kennen auch die Ursachen.
Nach diesen vier Wochen trat dieser Knick ein, so dass man zusehen konnte, wie die Leistungskurve nach unten ging. Bis hin zu diesem "Er sitzt vor der E-Mail und schaut und schaut, er weiß, was er hier zu tun hat - und sitzt und schaut." Wenn ich ihn so sehe und betrachte... dann bin ich nicht sicher, ob der Junge inzwischen eine handfeste Depression entwickelt hat. Er will - und allein mit dem Willen ist er schon so überfordert, dass nichts wird. Er kämpft und gibt gleichzeitig auf. Schwer zu beschreiben.
Am Mittwochabend während der Heimreise und am Donnerstag, nach Sohnemanns Termin beim Hausarzt, habe ich sehr lange mit meinem Sohn gesprochen, auch andere Wege aufgezeigt, wieder gesund oder zumindest wieder "fit" zu werden. Daraufhin habe ich meine Schmerzärztin angerufen. Die, die mich vor einigen Jahren über 1,5 Jahre verhaltenstherapeutisch begleitet hatte. Die, durch die ich am meisten gelernt habe. Die einzige Therapeutin, der ich vertraue. Ich habe sie angerufen und gefragt, wann sie einen Termin für Sohnemann frei hat. Am 23.09. Okay, das ist noch etwas hin, aber deutlich schneller als befürchtet. Als Alternative bot sie einen Termin im Institut für psychologische Therapie bei einer ihr bekannten Ärztin an. Dort hat der Junge sich noch am selben Tag angemeldet und auf die Warteliste setzen lassen. Wartezeit: vier bis sechs Wochen. Wir lassen jetzt beide Termine laufen.
Seit er krank geschrieben ist, schläft er die meiste Zeit. Er klingt sehr ruhig am Telefon, müde. Gesprochenes erfasst er, speichert es aber nicht mehr, er hat das meiste vergessen, sobald man aus der Tür ist.
Sein Facharzt, der Endokrinologe, meinte am Montag, das entspräche dem Krankheitsbild, aber das Zittern seiner rechten Hand sei doch sichtbar besser geworden. Zu diesem Termin, der sogenannten großen Auswertung, hatte der Junge gebeten, dass einer von uns ihn begleitet. Entweder Vater oder Mutter. Ich nehme an, weil er selber spürt, dass er vieles nicht mehr speichern kann.
Der Vater hatte gesagt, er nähme sich den Tag frei und begleite ihn. Dass er freigenommen hat, hatte der Vater nach nur acht Tagen auch nicht vergessen, aber das Vorhaben, den Sohn zu begleiten.
"Ich hab nicht mehr dran gedacht. Aber eigentlich bist du ja auch selber schuld, du hättest dich ja am Wochenende noch mal melden und mich dran erinnern können."
Wie bitte? Was? Ich konnte das gar nicht fassen, nicht glauben. Ja vielleicht hätte ich es vorher wissen müssen, dass man sich auf diesen Vater nicht verlassen kann. Vielleicht hätte ich es vorher wissen müssen, dass man so einen Vogel nicht in die Pflicht nehmen kann, weil der sich seit 2003 jeglicher Pflicht entzogen hatte. Der sich die fünf Euro für das Rezepteinlösen vom Sohn zurückfordert, die er für ihn ausgelegt hatte. (Hier kam mir das Kotzen, sorry. Ein Typ, der den eigenen Sohn jahrelang finanziell ausgenommen hat, der sich einen scheiß um seine Söhne kümmert, der auch, seit ich fortgezogen bin, überhaupt nicht darum kümmert, ob und wie das läuft bei den beiden, ob sie vielleicht hier und da bisschen Unterstützung gebraucht hätten - und der sich, trotzdem er nur 10 km "daneben hockt" wesentlich weniger sehen lässt als ich, die 430 km weit weg wohnt - ja was wollte ich da schon erwarten?) Dass man mir das zum Vorwurf macht, bitte sehr, ich mache mir selbst diesen Vorwurf. So wie ich auch mir selbst den Vorwurf mache, dass meine Familie und auch ich selbst lange Zeit unterschätzten, wie schlecht es dem Jungen wirklich geht. Dass wir andere Ursachen vermuteten und glaubten, es würde ausreichen, an seine Vernunft zu appellieren und vielleicht die einen oder anderen Dinge mitzusteuern.
Nur einen Vorwurf nehme ich mir nicht an: dass ich alles zu leicht genommen und alles zu sehr schleifen lassen hätte. Seit 25 Jahren kämpfe ich mit und um den Jungen, vielleicht habe ich Dinge übersehen und unterschätzt - aber habe ich es mir deshalb zu leicht gemacht? Ich denke nicht. Nein, ich weiß, dass ich es mir niemals zu leicht gemacht habe.

Und jetzt? Ich bin so unglaublich müde, dass ich es kaum beschreiben kann. Hinzu kommt, dass im Ergebnis meines eigenen Bluttests vor zwölf Tagen die Werte noch schlechter geworden sind. Der Arzt will trotzdem keine Behandlung starten: "Alle anderen Ärzte würden Ihnen da längst Schilddrüsentabletten verschreiben. Ich selber bin aber kein Freund von dauerhafter Medikamenteneinnahme." Dass er damit seiner eigenen Aussage nach dem ersten Bluttest im Februar widerspricht, darauf sch** ich inzwischen. Ich bin selbst auch kein Freund von Medikamententherapien, das weiß, glaube ich, inzwischen jeder, der mich kennt. Aber nachdem ich mich selbst noch mal zu diesem Thema belesen habe, habe ich es satt, dass - was auch immer - auf meine Kosten ausgetragen wird. Vermutlich belaste ich als "Langzeitpatient" das Arztbudget, aber das ist mir jetzt echt wirklich scheißegal! Die Symptome der Unterfunktion habe ich seit Jahren, nicht erst seit dem Test im Februar. Entweder hat man all die Jahre zuvor was übersehen oder einfach nie danach gesucht. Was im Endeffekt jetzt auch wirklich Rille ist - weil das Ergebnis zählt. Und das Ergebnis sind drei Tests, die nacheinander immer wieder entgleiste T-Werte im Blut zeigen. Sie schwanken, aber sie schwanken immer nur im Bereich der Unterfunktion. Ich wüsste nicht, worauf ich noch warten soll. Wir können auch bis zum Sankt Nimmerleinstag testen, wenn wir das wollen. Will ich aber nicht mehr. Wie ich auch dieser Tage las: Bereits geringe Abweichungen von den Normwerten lösen die Symptome aus bzw. machen sich körperlich und auch mental bemerkbar.
Der Arzt mag Recht haben, wenn er sagt, dass man ja nicht alles auf die Schilddrüse schieben könne. Jedoch denke ich inzwischen, dass man auch nicht alles bagatellisieren darf, wenn denn schon Blutwerte selbst für sich sprechen. Und dass auch niemandem geholfen ist, wenn man einem Patienten jahrelang erzählt, er solle seinen Stress reduzieren, dann würde auch alles wieder gut.
Ich lebe seit einem Jahr in M, und die Entscheidung hierfür habe ich auch unter dem Aspekt getroffen, dass ich selber zur Ruhe finden wollte. Das habe ich auch - besser fühlte ich mich dennoch nicht. Ruhiger und entspannter, ja, körperlich jedoch nicht besser.
In der kommenden Woche lasse ich mir einen Termin geben und dann trete ich bei meinem Hausarzt erneut auf. Gerne schreibe ich ihm auf, was sich alles bei mir verändert hat (damit ich auch nix vergesse vor lauter Aufregung, man kennt das ja) und dann erwarte ich eine Behandlung. Vielleicht reguliert sich das über kurz oder lang auch von selbst oder mit Hilfe eines Medikaments. Es ist ja nicht gesagt, dass ich Tabletten dann für den Rest meines Lebens nehmen muss.
Aber ich sehe keinen Grund, warum man das nicht wenigstens versuchen sollte.
Und ich bin schon sehr zuversichtlich, dass aus dem Plopp dann auch wieder das Häschen wird, das munter durch die Welt hüpft. Damit ich auch morgen noch wieder kraftvoll zubeißen kann.

Kommentare:

Clara Himmelhoch hat gesagt…

Ach Helma, auf die große Entfernung zwischen M. und B. nehme ich dich jetzt trotzdem mal in die Arme. Dieses Belastungspensum, dem du ausgesetzt bist, würde ich keine 2 Wochen standhalten.
Der Vater deiner Söhne ist schon wirklich ein Typ, den man liebhaben muss *gggrrrummel*, bei dem hast du dich damals echt vergriffen.
Hoffentlich findet dein Sohn wieder zu sich zurück, ohne ganz zusammen zu klappen.
Ganz, ganz liebe Grüße zu dir!

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Liebe Clara, vermutlich würde ich bei (D)einer Umarmung meine Contenance verlieren und hemmungslos das Heulen anfangen. Was nicht zwingend negativ sein muss: Heulen ist ja auch eine Form des Druckablassens. In den letzten drei Tagen war ich so ermüdet, dass ich kaum zu Gefühlsregungen imstande war. Ich habe mich selbst wie unter einer Dunstglocke erlebt und ziehe mich gerade selber wieder auf die Beine.
Ich weiß zwar, dass Du es ironisch meintest, aber "liebhaben"... Ich empfinde inzwischen eine so abgrundtiefe Verachtung, dass ich dem Typen am liebsten meine ganze offene Meinung ins Gesicht schleudern würde. Mir ist völlig egal, dass er sich vor allen anderen als der Vater brüstet, der sich kümmert, während die Schlampenmutter nur an sich denkt - aber ich würde ihm endlich nach all den Jahren mal so richtig ordentlich die Meinung sagen - und ihn dann bitte niemals wiedersehen müssen. Es ist all die Jahre für mich auch ohne ihn gegangen, sowohl in als auch nach der Ehe. Und ja, da habe ich vor 28 Jahren ordentlich in die Scheiße gegriffen, kann man ruhig mal so deutlich sagen.
Im September sind wir in B - ich werde Dich dann vorher mal an"whatsappen", ob Du da gerade Zeit hast :)

Nicola Hinz hat gesagt…

Ich feuere dich an für den Arztbesuch. Wenn man in Krisen medikamentös einen gewissen Teil der Schwierigkeiten relativ einfach in den Griff kriegen kann, dann soll man das bitte auch machen. Zeit bekommt man nicht zurück, warum sollte man sich nicht ein wenig zusätzliche Hilfe beschaffen?
Liebe Grüße
Nicola

~ Clara Pippilotta ~ hat gesagt…

Liebe Helma, ich wünsche Dir und Deinem Sohn gute Besserung. Mit der Schilddrüse ist nicht zu scherzen, das weiss ich aus eigener Erfahrung. Die Idee mit dem Termin bei der Therapeutin finde ich gut, vielleicht ist das zusammen mit den hoffentlich bald wirkenden Medikamenten der richtige Weg, damit es Deinem Sohn bald wieder besser geht. Deinen Arzt hätte ich längst erschlagen, das kann kein guter Arzt sein, wenn er Dich so leiden lässt, aus reiner Sturheit. Zu dem Erzeuger Deiner Kinder kann man bald nix mehr anmerken - da wäre wohl da schlimmste Wort noch zu nett. Du musst echt stark sein, dass Du diesen Menschen noch nicht hast um die Ecke bringen lassen. Ich wäre in Versuchung ;-)

Liebe Grüsse
Clara

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Liebe Nicola, eben, genau an diesen Punkt bin ich jetzt gekommen: Ich quäl mich schon so lange mit diversen Symptomen und habe mich all die Jahre geweigert, mich mit Psychopharmaka vollstopfen zu lassen, weil mir immer das Gefühl der Notwendigkeit dafür fehlte. Weil mir immer irgendwie klar war: Das ist nicht alles (gewesen).
Ob nun damals schon oder erst seit 3 Jahren (seither sind die Symptome deutlicher) die Schilddrüse schuld war, ist müßig, klären zu wollen. Es ist auch nicht wichtig. Wichtig ist, JETZT was zu tun, wo die Blutwerte sagen: Da fehlt aber was! Und genau das werde ich ihm kommende Woche sagen und auch, dass ich zwar seine Entscheidung respektiere, jedoch anderer Meinung bin, weil ich mich auch lange genug damit gequält hab.
Ich werde hier erzählen, wie das für mich ausgegangen ist...

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Liebe Clara, er war es, der in Versuchung geriet, mir Ernsthaftes antun zu wollen. Wenn ich versuche, ihm den Jungen (den Großen) auch wegzunehmen und wenn ich versuche, Unterhalt für den Jüngeren bekommen zu wollen, dann wäre dies mein letzter Tag. Als er mir damals das wiederholt am Telefon "versprach", war jemand dabei, der das mithörte und der anschließend zu mir sagte: "Da läuft es einem richtig kalt den Rücken runter, wenn man da so zuhört."
Eine Freundin meinte später mal zu mir: "Ich kann dich gut verstehen, ich hätte auch Angst. Ihm traue ich das zu."
Als ich 2006 den schweren Verkehrsunfall hatte, wurde ich zwei Jahre später in einer Klinik gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, dass "da jemand was am Auto gemacht hat". Weil ja eine Lenkung nicht einfach so versagt. Diesen Gedanken habe ich immer ausgeblendet: Das Auto war längst verschrottet und wenn ich mir sagen müsste "Ja, da hat vielleicht wirklich jemand was gemacht", dann würde ich.. irgendwie nicht mehr froh. Glaube ich.
Insofern: Nein, in dieser Versuchung war ich nie niemals. Ich wünsche auch niemandem etwas Schlechtes, nicht einmal ihm. Aber ich wünsche ihm, dass er eines Tages wirklich die Quittung für das bekommt, was in all den Jahren vorgefallen ist.
Und zu dem Arzt: Ganz ehrlich, wenn der mich auflaufen lässt, weil er vielleicht Angst um sein Budget oder was auch immer hat - diese Stadt hier ist groß genug und demzufolge voller Ärzte. Dann such ich mir eben einen anderen Hausarzt.

Anonym hat gesagt…

Liebe Frau Ziggeneheimer,

bitte verzeihen Sie meinen anonymen Kommentar. Ich kenne Ihre Vorgeschichte nicht und ich kenne auch Ihre Werte nicht, aaaaber: eine Unterfunktion muss m. E. immer behandelt werden. Leider gibt es zu viele Hausärzte, die sich mit der Schilddrüse nicht auskennen bzw. das ganze zu leicht nehmen. Ich habe selbst eine Hashimoto-Thyreoiditis-Unterfunktion ohne Antikörper und habe die verschiedensten Artzmeinungen dazu gehört. U.a. 'Sie haben ja nur eine latente Unterfunktion, ihre Müdigkeit und ihr Gewicht können nichts damit zu tun haben'. Tja, und dann ist es aber seltsam, dass ich, seit ich jeden morgen mein Schilddrüdenhormon über eine kleine Tablette zuführe, auf einmal wieder mit ca. 8h Schlaf auskomme und mich nicht nach 14h! Schlaf immer noch wie vom Laster überrollt fühle. Ach ja und mein Gewicht stagniert seit der Medikation! Nach ca. 20 Jahren permanenter Gewichtszunahme! Vom Verschwinden der Depressionen und der Antriebslosigkeit ganz zu Schweigen. Also dran bleiben und Medikation einfordern! Und vor allem laangsam an die richtige Dosis herantasten.
Ich wünsche Ihnen und ihrem Sohn viel Kraft und gute kompetente Ärzte, die Ihnen beiden helfen dieses kleine, manchmal unterschätzte Organ zu unterstützen.
Herzliche Grüße und gute Besserung von einer stillen Leserin, die diesmal doch kommentieren musste.

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Liebe Anonym - ich danke sehr und von Herzen. Und ja, ich denke auch, dass - so klein wie dieses Organ auch ist - es viel zu oft unterschätzt wird, welche Auswirkungen deren Fehlfunktion haben kann.
Wie gesagt: Aus meiner Sicht spricht nichts dagegen, es nicht zumindest zu versuchen. Und dann kann man immer noch entscheiden, wie es weitergeht. Zu dieser Überzeugung bin ich nun endlich auch gekommen. Hat zwar dann doch ein paar Monate gedauert (seit ich von den Werten weiß, die eher zufällig beim erweiterten "normalen" Checkup zutage tragen), aber wenigstens bin ich endlich selber soweit. Ich muss wirklich lernen, mich selber ernst(er) zu nehmen, sonst kann ich auch nicht erwarten, dass es ein anderer tut.
Vielen lieben herzlichen Dank noch mal.

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

P.S. Meine genauen Werte kenne ich auch nicht. Ich höre immer nur: "weiter verschlechtert". Was auch immer das bedeutet. Ich werde es kommende Woche hinterfragen.

Anonym hat gesagt…

Liebe Frau Ziggenheimer,
hier noch mal Frau Anonym... ja, lassen Sie sich unbedingt Ihre Werte geben und machen Sie am besten auch einen Termin für sich bei einem Endokrinologen, damit dieser abklärt, um was für eine Unterfunktion es sich handelt. Manche Erkrankungen brauchen Jod, manche L-Tyroxin, manche beides usw... Bei Hashi-Unterfunktionen z.B. soll man kein Jod zusätzlich (auch nicht über Jodsalz) hinzuführen und der Wohlfühlbereich der meisten Erkrankten liegt bei einem TSH-Wert von ≤1. Also auch wenn der Wert noch <2 sein sollte (und damit eigentl. im Normalbereich), heisst das noch lange nicht, das man beschwerdefrei ist. Ein guter Arzt wird die Medikation nicht nur von den Blutwerten abhängig machen, sondern auch von Ihrem Wohlbefinden.
So nun halte ich die Finger aber wieder still ;-)

Noch mal alles Gute für Sie und den Sohnemann.

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Aha? Also wenn das DER Wert ist, dann beträgt der 3,7. Er sagte am Montag nur zu mir "Sie liegen jetzt bei 3,7", damit konnte ich nichts anfangen und da das Telefonat eh anstrengend war (unterwegs auf Autobahn, miese Verbindung), habe ich das gar nicht sooo registriert bzw nachgefragt.
Wirklich herzlichen Dank für die Informationen, das bestärkt mich für den Termin nächste Woche!

~ Clara Pippilotta ~ hat gesagt…

Liebe Helma, da fehlen mir die Worte. Sowas geht gar nicht. In solchen Fällen bleibt nur zu hoffen, dass man mit den Jahren immer weniger Berührungspunkte hat. Liebe Grüsse, Clara

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Liebe Clara, ich habe glücklicherweise auch so gut wie nichts mehr mit ihm zu tun. Aber der Große - und was der ab und an erzählt... Es bleibt für mich unbegreiflich, wie man so durchs Leben kommen kann und auch noch denkt, er habe alles richtig gemacht. Und dem Umfeld einredet, nur er kümmere sich. Was die anderen denken, ist mir echt egal. Ich sag mir immer, wer mich kennt, wird es besser wissen. Und wenn nicht, dann eben nicht. Ich muss niemandem etwas beweisen.

noemievier hat gesagt…

Liebe Helma,
Ich kann mir vorstellen, dass es für dich nicht einfach ist, wenn du siehst, wie dein Großer leidest, wie er krank ist... und du bist nicht so in seiner Nähe. Auch wenn sie groß sind, man möchte doch immer da sein. Für mich hat so etwas auch nicht mit übermuttern zu tun. Dieser Zustand ist natürlich auch für deine Gesundheit nicht gerade förderlich. Geh zu diesem Spezialisten, diesem Endokrinologen, nimm diese Medikation. Ich kann nur das Bsp. meiner Schwester erzählen, die hat auch eine Unterfunktion. Hat eine Sintigraphie gemacht, ihr hat man ein Stück der Schilddrüse weggenommen, sie muss jetzt L-Tyroxin einnehmen. Aber ein Fall ist nicht der andere.
Und was sagt deine Schmerzärztin dazu? Diejenige, zu der du deinen Sohn geschickt hast.

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Liebe Noemie, möglicherweise hab ich mich selber ein wenig vernachlässigt. Nicht meine Werte hinterfragt. Nicht eher auf einer Behandlung bestanden. Ich weiß im Grunde gar nichts, nur dass "die Werte entgleist sind". Mit der 3,7 konnte ich nichts anfangen - bis zum Kommentar von Anonym gestern. Ich wusste nicht, was ist der "Normwert", ich habs auch noch nicht hinterfragt. Ich weiß auch nicht, wofür dieser Wert überhaupt steht und im Internet rumkramen... Bringt mir nix, weil ich gar nicht weiß, wonach ich da suchen soll. Oder dass ich mir überhaupt mal die Werte geben lassen habe, obwohl ich ja doch schon so meine Zweifel am Hausarzt hatte. Ich bin so beschäftigt mit anderen Dingen und meinem Sohn, dass ich zwar registriere, wies mir selber geht, aber eben nicht wirklich drauf reagiere.
Das muss ich ändern. Das will ich ändern und deshalb rufe ich morgen in der Praxis an und lass mir einen Termin geben.
Und wie ich gestern schon schrieb: Wenn ich da nicht weiterkomme, dann werde ich eben zu einem anderen gehen. Endokrinologen gibt es hier auch genug.
Meine Schmerzärztin sagte nur, dass sie sich noch sehr gut an mich erinnern kann, obwohl das nun auch schon wieder ein paar Jahre her ist :) Und sie sagte, dass Sohnemann sich am 23.09. früh bei ihr melden soll, dann kann er zu ihr hinkommen.

Michaela (Alpenreport) hat gesagt…

Ich denke auch du solltest dir eine zweite Meinung und villeicht sogar eine dritte einholen...Mal nicht zum Hausarzt sondern zu einem Facharzt oder in eine spezielle Ambulanz.
Kopf hoch! Ich verstehe das sehr gut und kenne das aus eigener Erfahrung das man sich selber gar nicht so wahr nimmt weil man auf die Kinder und ihre Probleme fixiert ist. Lass denn Kopf nicht hängen und denk nur mal an dich und deine Gesundheit.
Ein ganz kleines bisschen Egoismus ist manchmal notwendig :)

rollringelpiez hat gesagt…

Ach Helma, ich komme gerade aus dem Wochenende und bin einfach nur sprachlos über deinen Ex. Dir und deinem Sohn wünsche ich schnelle Hilfe. Eine Frage: wenn du und er beide Probleme mit der Schilddrüse haben ... hat Junior 2 nix? Und: egal wie viel du jetzt für deinen Sohn tun willst ... es hilft ihm nicht, wenn du selbst dabei vor die Hunde gehst.
Umarmung aus der Ferne ...

Anonym hat gesagt…

Guten morgen Frau Ziggenheimer,

hier noch einmal Anonym, also wenn ihr Arzt mit 3,7 ihren sogenannten TSH meint, dann ist der vieeel zu hoch! Der aktuelle obere Grenzwert liegt nicht mehr wie früher bei 4,5 sondern nach neuesten Studien und Empfehlungen bei 2,5 (wird aber von Hausärzten gerne ignoriert meiner Erfahrung nach - sowohl eigene als auch die von anderen Schilddrüsenpatienten im Bekanntenkreis). Außerdem müssen die beiden Hormone FT3 und FT4 auch mit berücksichtigt werden.
Und am Wichtigsten finde ich hier sowieso immer wieder das Wohlbefinden des Patienten, so ein Laborwert ist nicht alles und der TSH-Grenzbereich ist weit - von 0,4 bis 2,5 - da fühlt sich nicht jeder bei 1,5 quietschfidel, jeder Mensch ist schließlich anders.
Ich drücke die Daumen zu Ihrem Arztbesuch.

Herziche Grüße
Frau Anonym ;-)

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Liebe Michaela, ich hab erst mal für morgen einen Termin bekommen und bereite mich seelisch und moralisch darauf vor. Der Mann an meiner Seite versteht immer gar nicht meine Befürchtung, für hysterisch oder übertrieben gehalten zu werden. Man erlebt in zehn Jahren Schmerzpatient so einiges, leider nicht viel Positives. Das prägt. Und hemmt alles andere mit.

Liebe Rolle, Junior 2 ist noch nicht auf die Schilddrüse getestet worden, er macht auch nicht den Eindruck, als leide er unter einer Über- oder Unterfunktion. Er leidet eher unter dem "Überfluss" an Mädchen ;) und wundert sich nunmehr, warum er sich nicht (mehr) richtig doll verlieben kann. "Lass dir doch mal Zeit und mach nicht gleich alles mit jeder", hab ich ihm gesagt, "ist doch so auch kein Wunder, dass es nichts Besonderes mehr ist, das eine oder andere mit einem Mädchen zu tun bzw. zu entdecken." Da hat er mir zwar recht gegeben, nur mit der Umsetzung haperts ;)

Liebe Anonym, ich kann leider nicht sagen, für was die 3,7 steht - ich hatte es nicht hinterfragt und momentan ärgere ich mich, dass ich so nachlässig mit mir selber bin.
Ich habe nun für morgen 11 Uhr den Termin - ich gebe zu, ich bin etwas nervös und unruhig bei dem Gedanken daran. Wohl auch deshalb, weil ich eben nicht für jemanden gehalten werden möchte, der beim geringsten Pieps behandelt werden will. Oder der Medikamente haben will dagegen, dass er zehn Kilo zugenommen hat, obwohl er immer weniger zu sich nehmen mag und für den Sport kein Fremdwort ist - und nur weil er glaubt, bequemerweise mit einer Pille wieder "runterzukommen". Nur wie schon gesagt: Quietschfidel fühle ich mich schon lange nicht mehr. Es mag sein, dass man nun nicht all das auf die SD schieben kann - aber jahrelang wurde alles (ergebnislos!) auf den Stress geschoben - und was immer ich gegen Stress unternommen habe (bis hin zum Umzug und dem Home Office) - es hat sich nichts verbessert. Ganz im Gegenteil.

Lascincoies hat gesagt…

Helma, geh hin und nimm die Tabletten. Hier geht es nicht um kosmetische Dinge, sondern um die Gesundheit. Der ganze Stoffwechsel liegt bei einer Unterfunktion lahm, da kannste auch komplett aufhören zu essen und nimmst nicht ab. Bei Hashi ist es sogar so, dass man die Tablettendosis sein Leben lang wird erhöhen müssen, weil die Schilddrüse immer weniger arbeitet. Die Bequemlichkeitsfrage stellt sich hier nicht!

Da Ihr beide Probleme mit der Schilddrüse habt, sollte sich der Grosse auch testen lassen. Wie gesagt, bei Unterfunktion Vorsicht mit Sojaprodukten und Selen hilft, den Entzündungsprozess zu verlangsamen. Gute Besserung Euch beiden!

Ach und noch was: Du hast mal geschrieben, dass der Jüngste Hashi hat, nun ist die Rede von Überfunktion...Hashi verursacht aber eine Unterfunktion...hast Du die Bezeichnungen durcheinander gebracht oder wird der Junge ev genau verkehrt behandelt?

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Liebe Lascincoies, mir geht es ja gar nicht um die Gewichtszunahme allein. Ich war vorher untergewichtig, von daher sind die 10 - 12 Kilo mehr vor allem für die Menschen sichtbar, die mich eben vorher kannten. Und für den Mann, weil die Brüste größer wurden ;) Mir war nur irgendwann aufgefallen, dass insbesondere auf Fotos mein Gesicht rund wie ein Mond aussieht (habe übrigens gelesen, dass auch das ein typisches Zeichen ist ;)) - und immer mehr müde. Und das ist es, was mich eigentlich bewegt, nicht länger mit der Therapie zu warten: diese ständige Müdigkeit, dieser immer mehr mangelnde Antrieb (Prokrastineuse war ich ja immer, zumindest bei Dingen, die mir nicht sooo wichtig sind ;)) bzw. dass ich immer schneller ermüde, erschlaffe, wenn ich überhaupt irgendwas mache, dass meine Haut immer trockener wird und juckt, dass ich überwiegend 10 Stunden nachts schlafe und trotzdem müde bin. Und wer weiß schon, ob der Schmerz in den Gelenken nicht auch durch die SD mit verursacht wird?
Das mit der Hashi geht übrigens auf meine Kappe. Nach Juniors erstem Besuch (der Große übrigens, der hat diese SD-Erkrankung) beim Endokrinologen fragte ich ihn, was er denn gesagt hatte, und der Junge sagte, dass er die SD-Erkrankung jetzt schon bestätigen kann (nach der allgemeinen Untersuchung, den äußerlich sichtbaren Symptomen - starkes Zittern der Hände und des Körpers insgesamt, der Beginn eines Kropfes und der hohe Ruhepuls) und auch nach dem Ultraschall, "...irgendeine Thyreo, ich weiß nicht mehr genau." Insofern folgerte ich, dass es Hashi ist. Inzwischen weiß ich, dass es nicht Hashi ist, sondern "Hyperthyreose". Die Unterfunktion ist das, was bei mir nachgewiesen wurde - einen Namen hatte die bislang nicht ;)
Und ja, wenn Sohn 1 und ich eine SD-Fehlfunktion haben, liegt nahe, dass auch Sohn 2 so etwas entwickeln könnte. Er zeigt jedoch weder Anzeichen für eine Über- noch eine Unterfunktion. Er ist jetzt in Ungarn im Urlaub und wenn er wieder da ist, bitte ich ihn, sich darauf testen zu lassen. Und das vor allem deshalb, weil er sich ja bei Polizei und parallel beim Zoll bewerben will. Einige Erkrankungen jedoch (u. a. Neurodermitis, was ich nicht wirklich nachvollziehen kann) stehen auf der black list. Das heißt, hat man die, wird man abgelehnt. Da dieser Aufnahmetest mit ärztlichem Check erst im Oktober ist, sollte er wissen, ob sowas bei ihm vorliegt, damit er sich zeitnah um eine Alternative bemühen kann. Denn Erzieher will der Bursche leider nicht mehr werden.

Anonym hat gesagt…

Liebe Helma, dein Sohn verhält sich so wie Bär damals. Dieses Starren, das nichts im Kopf behalten, viel schlafen, das Wollen und vor eigenen Druck nicht können, dieses sich Ueberfordertfuehlen. Ich verstehe dein Gefühl der Hilflosigkeit und Sorge so gut. Ich verstehe auch die evtl. damit verbundene Müdigkeit, Schlappheit und ich drücke dir die Daumen für den Arztbesuch! Es tut mir schrecklich leid, dass es deinem Sohn so geht. Ich habe es bei Bär erlebt und kann dir trotzdem keine hilfreichen Ideen liefern. Es schien aussichtslos. Ich drücke dich und wünsche dir viel Kraft!! Summer