Sonntag, 27. Dezember 2015

Aber-Glauben

Man sagt so vieles über Weihnachten.

Über Paare, die nirgends so oft streiten wie im Urlaub oder in den Weihnachtstagen, und die sich nicht selten anschließend trennen.
Nur über das Warum lassen sich die Gazetten eher weniger aus. Soll ich also annehmen, dass Menschen heutzutage kaum mehr in der Lage sind, es ein paar Tage lang miteinander auszuhalten, die nicht von Job oder Terminen durchbrochen werden? Also von Zeiten, die man nicht miteinander verbringen kann - oder muss?
Wenn das der Grund ist - warum ist das dann so?
Weil man sich mit den Jahren verändert?
Weil aus dem geliebten Mausezähnchen mit den Jahren eine "mürrische Alte" und aus dem James Dean-Verschnitt mit der zerdrückten Papierblume im Knopfloch von einst inzwischen ein "selbstgerechter, selbstgefälliger Arsch" geworden ist? Wahlweise mit Fönwelle und gefärbtem Haar oder mit Bierbauch und Platte, auf der sich die letzten Specklocken tummeln - und der sich trotzdem immer noch für unwiderstehlich hält?
Wird in den ununterbrochenen Tagen eines Urlaubs im Frühjahr, Sommer oder eben zu Weihnachten deutlich, dass man sich eigentlich gar nichts mehr zu sagen und vor allem auch nichts mehr zu geben hat? Dass Männer ihren Frauen ein Kochtopfset oder das Hightech-Bügeleisen kaufen, während sie ihm zum wiederholten Male eine Krawatte schenkt, obwohl er nie Krawatten trägt?


Über Kinder, die erst ungeduldig und quengelnd die Bescherung herbeisehnen und anschließend heulend das "falsche" Geschenk in die Ecke feuern.
Wie kommt es eigentlich, dass Kinder eine solche Erwartungshaltung an den Mann mit dem Rauschebart und dem roten Mantel haben?
Dass es vor allem darum geht, den Wunschzettel so gut als möglich "abgearbeitet" zu haben - bevor es Geschrei unter den grünen Zweigen gibt?
So wie Eltern das fünfte und sechste Smartphone in die Pfandleihe geben, nur damit sie die heißbegehrte Playstation 4 oder den dritten Fernseher kaufen können?
Natürlich habe auch ich immer versucht, meinen Kindern, als sie noch klein waren, ihre Wünsche zu erfüllen. Ohne mich dabei zu verschulden oder in einen Konsumrausch zu verfallen, der eine Übersättigung einfach nach sich ziehen muss? Weil ich ihnen eine Freude machen möchte mit dem, das ihnen am Herzen liegt. Und nicht mit etwas, von dem ich glaube, dass sie einen Nutzen daraus ziehen könnten.
Das, was ich mir ausdenke, kommt von Herzen. So handhabe ich es grundlegend. Aber... auch dann ist nicht sicher, dass man nach einem solchen Abend keine heimlichen Tränen ins Kissen weint. Die Mutter. Nicht die Kinder.

Vor vielen Jahren herrschte ebenso der Glaube vor, dass man sich nicht am Heiligen Abend streiten solle - man würde die Zwistigkeiten somit bis zum nächsten Heiligen Abend (er)tragen müssen. Dann ziehe ich gleich auf eine einsame Insel. Mit Laptop. Und Telefon. Kann man alles nach Belieben ausstellen. Ohne dass es weh tut.
So wie man an Heiligabend möglichst auch nicht erkrankt sein dürfe: Im folgenden Jahr sei man durchweg geplagt. Hallelujah! SO alt bin ich dann wiederum auch noch nicht!
So wie es heißt, dass all das, was man in den 12 Nächten, die dem heiligen Abend folgen, träumt, auch in Erfüllung gehen würde. Nun. Drei Nächte sind rum. Drei Nächte voller Verfolgungen, Morddrohungen, Bedrängnis. Nein, ich habe nicht ins Traumdeutungsbuch geschaut.
Ich wäre nunmehr nur geneigt, in ein paar Tagen gleich mit dem Jahr 2017 zu beginnen.

Glücklicherweise bin ich realistisch genug, dem Aberglauben nicht zu erliegen. Aber man wird sich ja noch so seine Gedanken machen dürfen.

Kommentare:

AnnJ hat gesagt…

Zudem soll man in der Zeit zwischen Heiligabend und Heilig 3 König auch keine Bettwäsche und keine Laken waschen - man würde Totenwäsche waschen, es würde also jemand sterben.
Und die Träume in den Rauhnächten zeigen die Zukunft, jede Nacht steht für einen Monat.

Öhm, ja - meine Mutter hielt sich immer SEHR strikt daran. Ich für meinen Teil glaube ja nicht, dass der Tod durch alle Häuser geht, um zu gucken, wer große Wäsche gemacht hat. Der kommt unterm Jahr auch einfach so vorbei, wenns sein muss, ob mit Wäsche oder ohne. Außerdem brauche ich die Bettwäsche wieder!

Kennt eigentlich außer mir noch jemand den Ausdruck "Kreuzweg-Horchen" an Silvester?

Sonja hat gesagt…

Ich gehöre dazu ... zu denen, die Bammel vor dieser Zeit haben. Wir haben hier einen, der IMMER stänkert ... egal, ob Weihnachten ist oder nicht. Zu viel gemeinsam ... ist nicht seins ... *seufz*
Mit den Träumen ... stimmt, da war was. Kann mich sogar noch an einen (den ersten) Traum erinnern. Habe eine Zusage für einen Job bekommen ... allerdings hatte ich mich für diesen gar nicht beworben ... total relaxt hab ich einfach mal nichts weiter dazu gesagt und mitgemacht ... (Keine Ahnung, wie es letztendlich ausgegangen ist (oder ausgehen wird?), aber irgendwie klang und klingt es spannend, finde ich.) ;0)

Wünsche Dir alles Liebe, einen guten Rutsch und ein wundervolles 2016!

LG, Sonja

~ Clara Pippilotta ~ hat gesagt…

Liebe Helma,

Du liest Dich irgendwie angesäuert, ich hoffe, falls es so ist, dass es wieder besser geht.

Erwartungshaltungen findet man überall - Menschen "züchten" sich ihre verwöhnten Kinder oft selbst heran, später kommen Freunde und sonstige Begleiter hinzu und erst Recht die Medien, die einem sagen, was man alles haben muss und gerade junge Menschen hinterfragen das oft auch nicht. Im Grunde ein Problem, das ich bei vielen Eltern auch beobachte - wobei die oft selbst schuld sind, weil die Kinder zu Weihnachten dermaßen überschüttet werden mit Geschenken, dass ich mir denke - kein Wunder, dass das Kind glaubt, es müsse so immer sein.

Was die gemeinsame Zeit bei Paaren anbelangt, so fiel mir in meiner eigenen Beziehung auch oft auf, dass wir uns manchmal regelrecht nicht mehr leiden konnten, wenn wir zulange zusammen waren. Es kam wohl zuviel emotionales hoch durch die ständige Nähe. Ich denke, das ist bei vielen Menschen auch normal, weil da immer irgendwas im Kessel brodelt. Wenn man sich ja trotzdem lieb hat und sich nicht die Augen auskratzt, ist es doch okay. Dann weiss man eben wieder, wo es noch hakt ;-)

Der Aberglauben ist nicht mein Ding, wobei ich die Rauhnächte nicht gänzlich mit dem Aberglauben vermischen würde. Da gibt es schon noch Unterschiede und die kann man oft auch erst erkennen, wenn man sich tiefer damit auseinandersetzt. Was man natürlich nicht muss, aber es ist eben auch nicht alles nur Aberglauben. Bei mir steht die Wäsche noch auf der Terrasse, tot ist noch keiner ;-) Also immer locker bleiben, alles ist bzw. wird gut :)

Liebe Grüsse
Clara

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Liebe AnnJ, genau, das mit den Bettlaken hatte ich vergessen! Ich kannte das aus Jugendzeiten noch nicht, meine einstigen Schwiegereltern haben das zum ersten Mal erzählt. Ob ich mich immer dran hielt, weiß ich nicht. Leben und Sterben passiert so oder so, war meine Erfahrung.
Eben - die Rauhnächte! Wenn das passiert, was ich die ersten drei Nächte träume, na dann gute Nacht Marie! Dann steht mir Mord und Totschlag bevor, im wahrsten Sinne des Wortes. Oder muss ich erst die Traumdeutung nachschlagen? ;)

Liebe Sonja, über einen Satz von Dir bin ich gestolpert.. "Zuviel gemeinsam ist nicht seins"... Hm! Dieser Satz hinterlässt Nachdenkliches bei mir. Momentan bin ich gerade an dem Gedankengang, ob mein Gefühl mich trügt, wenn es mir so vorkommt, als lebten die Menschen heutzutage wesentlich misanthropischer, autistischer und introvertierter mit sich und den anderen als das noch vor zwanzig Jahren so war. Oder dreißig.
Wenn wir uns dafür entscheiden, mit einem Menschen zusammen zu leben, entscheiden wir uns dann nicht auch bewusst für ein (nahes) Miteinander? Wie viel davon kann man aushalten?
Ich stelle fest, dass gewisse freiheitsliebende Tendenzen auch in der liebevollsten Beziehung vorherrschen - und ich finde das gut so! Dieses "sie machen alles und jedes zusammen, fehlte nur noch, sie gehen auch zusammen aufs Klo" würde mich komplett wahnsinnig machen. Interessant finde ich dennoch, dass viele Menschen nach einem Urlaub erst mal Urlaub voneinander gebrauchen könnten. Aber warum ist das so? Hat man sich tatsächlich so verändert?

Liebe Clara, nein, Dein Gefühl trügt Dich nicht. Auch wenn "angesäuert" es nicht wirklich trifft. Eher... "desillusioniert". Eher.. "ermüdet an der Realität".
Dieses "...da weiß man eben wieder, wo es noch hakt" kann auch ziemlich elementar sein - auch ohne Augen auskratzen.
Was noch mal die Rauhnächte betrifft: Aberglaube hin oder her - es gab mal ein Jahr (das war noch in den Neunzigern), da ereigneten sich in meinem Folgejahr tatsächlich Dinge, die ich in jenen Nächten geträumt hatte. So wie es ja auch heißt: "Wenn du von einer Reise nach Hause kehrst, erfüllt sich das, was du in der ersten Nacht im eigenen Bett träumst." Ich war 10 ungefähr, als ich aus einem Ferienlager kam und als mein Vater mich zu Bett brachte, erzählte er mir dies. Und fügte hinzu: "Aber erzähl es nicht, sonst erfüllt es sich nicht."
In jener Nacht, das weiß ich noch wie heute!, träumte ich, meine Oma wäre bei ihrer Schwester im damaligen "Westen" und hätte uns ein Paket geschickt (was real tatsächlich ab und an so war) - mit Schokolade, Kaffee, Kaugummis - und zwei Hosen für meinen Papa. Eine Jeanshose und eine helle Cordhose. Es vergingen gut drei, vier Wochen. Was soll ich sagen: Das Paket kam. Haargenauso. Vom Kaffee, den Kaugummis, der Schokolade bis hin zu den beiden Hosen: eine Jeanshose und eine hellbeige Cordhose.
DAS nenne ich dann schon verrückt ;)
Ist mir aber nie wieder so passiert, jedenfalls nicht bewusst. Oft vergesse ich auch, was ich träumte, sobald ich die Augen aufschlage. Ist vielleicht auch ganz gut so :)

Anonym hat gesagt…

Hi Helma,
...... Man sollte auch keine Wäsche waschen zwischen den Jahren, bzw keine Wäsche auf der Leine hängen haben, so ein Aberglaube. Warum? Weil dann jemand stirbt....
Mache ich allerdings seit Jahren, Wäschewaschen auch zwischen den Jahren. Ich hab nämlich keinen Trockner weißt du. Jaja, sowas gibt's auch noch, lach.
Deshalb gehe ich auch ganz stark davon aus, dass ich am Tod von Johannes Heesters Schuld bin! Ich hab gewaschen und er hat die Nacht nicht überlebt.... Aber sags keinen! Sonst hab ich seine Familie noch aufm Hals..... Der hätte vielleicht noch ein paar Jährchen durchgezogen, wenn ichs nich vermasselt hätte..... Also Pssst!!!

Schmunzelnde Grüße von den Leidenschaften :)

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

So meine Liebe. Da Du mich nicht darum batest, Deinen Kommentar nicht zu veröffentlichen, wissen es jetzt auch meine Leser! Ha! Wer weiß schon, wie viele Heester-Fans unter ihnen weilen? Jetzt weißt Du aber, dass Du nicht nur seine Familie aufm Hals hast! :D Aber keine Angst: Ich gebe keine Informationen über Dich preis, Name, Adresse und sowas ;) Manchmal kann auch ich schweigen wie ein Grab, Tatsache!
Huch... Was für ein Wortspiel - in DIESEM Zusammenhang!

Anonym hat gesagt…

Wie gut, dass ich hier anonym unterwegs bin, lol :)
Secret mission, sozusagen ;)