Dienstag, 31. März 2015

Strohhalme

Ich habe mir heute frei genommen. Na ja, nicht ganz: Ich habe mir heute frei genommen, wenn die Arbeit erledigt ist. Oder zumindest die wichtigste. Und ich glaub, das Wichtigste ist geschafft. Aus meiner Sicht jedenfalls.

Die Tage in L sind mir dieses Mal überraschend leicht gefallen, sie waren irgendwie nicht so ermüdend wie sonst, nicht so zehrend.
Wir haben eine Veranstaltung von Sascha Grammel besucht - und ich war überrascht, wie wunderbar pur und ungekünstelt dieser Comedian wirkte. Und wie berührend sein Plädoyer für die Liebe in das Publikum getragen wurde. Wie glaubhaft, wie echt. Doch, da hatte ich sehr Gänsehaut. Auch bei seinen Worten am Ende der Vorstellung:
"Jeden Tag passieren furchtbare Dinge in der Welt. Und natürlich haben mein Team und ich uns gefragt, ob man angesichts dessen, das gerade passiert ist, überhaupt ein Recht darauf hat, zu lachen und fröhlich zu sein. Wir haben uns dann trotzdem entschlossen, die Veranstaltung aufzuführen, weil wir der Meinung sind, dass jeder Mensch irgendwo eine Nische haben muss, in der er das Schlimme für einen Moment ausblenden kann."
So bzw. so ähnlich waren seine Worte, und jedes davon habe ich ihm geglaubt.

Schon seit Tagen quäle ich mich mit einem Schub, und die Veranstaltung beim Grammel hat das nicht gerade positiv beeinflusst: Stühle aus ungepolsterten Hartschalen, da hilft ab einem bestimmten Moment nur noch, auf der "gesunden" Seite zu sitzen, um nicht völlig meschugge zu werden.
Tagsüber bringe ich die Energie auf, zu lachen, fröhlich zu sein, so zu tun, als sei alles in Ordnung.
Hier, wieder allein im Home Office, muss ich das nicht, außer am Telefon.
Niemanden interessiert hier, wenn ich die schmerzenden Fingergelenke massiere, das Bein massiere, ein paar Dehnübungen hinlege oder auch ein bisschen vor mich hinfluche.
Ich möchte auch nicht darüber diskutieren, ob oder wie schlimm "das" ist, was ich da mit mir rumschleppe. Das Positive daran halte ich mir immer vor Augen: "Es hätte schlimmer kommen können - und ich weiß, ich kann nicht dran sterben." Aber jeden Tag von früh bis abends und nachts, sofern ich nicht schlaf, mit dem pochenden Schmerz im linken Körper zu leben, das ist bei allem Wohlwollen nicht immer so einfach. Einen gewissen Pegel halte ich mittlerweile gut aus, so gut, dass Fremde nicht denken, dass ich "irgendwas haben" könnte. Auch für mein direktes Umfeld finde ich das wichtig, weil ich einfach nicht so jemand bin und auch nicht so jemand sein möchte, der mit Leidensbittermiene durch die Welt zieht und ständig jedem erzählt, wie scheiße es grad ist.
Nur manchmal.. muss es dann raus.
So wie heut, als der Papa anrief und dann noch die Mama mit mir sprach.
Und irgendwann... "Bist du noch dran?" fragte sie, während ich mühsam an den Tränen rumbiss, die ich einfach nicht zeigen wollte. Na ja, diesmal nicht gelungen. Sie will jetzt ihren Rheumatologen ansprechen, der beste ihres Bundeslandes. Sagt man.
Was ich mir wünsche? Eine Nische. Eine Nische, in der ich mich ausruhen, mich erholen, etwas für mich tun kann. Eine Nische, in die ich mich zurückziehen kann und dann weiß, wie ich dem Ganzen begegnen kann.
Wenn man mir - so im spielerischen Gerangel - in den Arm beißt und ausgerechnet die "Bahn" trifft, die ohnehin grad besonders schmerzt, dann möge man mir bitte den Schreckreflex verzeihen, auf die Hand zu hauen, die mich festhält - auch wenn ich "danebentreff".
Wenn ich zwar die Idee auf den Tisch gelegt habe, auch einmal im Monat oder so ein Wochenende zu verreisen, Städtetouren (i looove it!!) machen - und dann trotzdem noch nichts herausgesucht und gebucht habe. Wenn er da schneller war als ich.
In den Akutphasen bin ich nicht wirklich ich selbst. Den Alltag bewältigen, Chef bei Laune halten, Personal verteidigen und das Leben mit dem Liebsten möglichst unbeeinträchtigt gestalten, das fordert mir dann mehr Energie ab als ich mitunter habe. Ob ich der Meinung bin, ich müsse das, bin ich irgendwann mal gefragt worden. Nein, müssen muss ich nichts, sicherlich. Andererseits: Wem hilft es, wenn ich mich gehenlasse? Mich hängenlasse?
Vielleicht würde der Liebste erst mich bedauern, dann würden sie ihn bedauern - SO eine Frau... Waaah nee, brauch ich nicht, beides nicht.
Heute ist dieser "Kraftknoten" geplatzt, seit dem Telefonat mit der Mama hören die Tränen nicht mehr auf zu rollen - und irgendwie tuts auch gut. Das ist wie Druck ablassen.
Das ist einer dieser Strohhalme. Heulen können. Weil keiner zugucken muss.
Und ich habe mir ab jetzt frei genommen, ein Bad eingelassen, Zusatz "Muskeln & Gelenke", hab ich schon mehrfach getestet, das tut wirklich gut.
Der dritte Strohhalm, die Dehnungsübung, ist vollbracht, auch wenns nix gebracht hat.
Der vierte Strohhalm, ein bisschen Schokolade für die Seele, ist leider aus. Vergessen beim letzten Einkauf - denn da war ich trotz Schmerz so fröhlich unterwegs, dass ich mir beinah selbst geglaubt hätte, heimlich nen Sekt getrunken zu haben.
Was ich mich überhaupt frage: Wieso kommt nach so Tagen, wo man wirklich richtig gut unterwegs ist, mit oder ohne Schmerzschub, immer gleich wieder eine Zeit, wo es einen fast auffrisst? Warum folgt dem "Hoch-Flug" immer gleich ein "Tief-Flug"?
"Bist du vielleicht auch wetterfühlig geworden?" hat meine Mum gefragt.
Denn draußen stürmt es so sehr, dass ich befürchte, die Tannen unmittelbar vorm Haus werdens vielleicht nicht mehr lange machen. Auf der Insel hats geschneit - auch in L heute Morgen. Hier noch nicht, ist aber vorhergesagt. Gruselig! Mein ganzer Schrank ist doch nur noch voller Frühlingsklamotten! Bunt und fröhlich und... zart! Nix mit Wolle oder Warmhaltendem.
Wetterfühligkeit... Keine Ahnung. Ich weiß nur, dass es besser wird, je wärmer es ist. Vielleicht ziehe ich eines Tages doch noch in den Süden. Noch tiefer als jetzt. Auf ne Insel. Dann brat ich mir jeden Tag den frisch gefangenen Fisch, lümmle in der Hängematte und schreibe Blog, Buch oder E-Mails.
Das wäre auch ein Strohhalm. Ein ziemlich fetter sogar.

Mittwoch, 25. März 2015

§ 1 Vorsicht und gegenseitige Rücksichtnahme

...so oder so ähnlich heißt es wohl in der StVO. Könnten wir in diesem Hause aber auch ruhig in Stein, sprich: an die Wand meißeln.
Der Liebste ist unter einem Sonnenzeichen zur Welt gekommen, dem man nachsagt, es wäre das sensibelste von allen. Eso-Astro-Kacke hin oder her - es gibt so Eigenschaften, die man tatsächlich nur bei gewissen Sternzeichen findet (Stier-Männer sind z. B. recht unterhaltsam - aber nach spätestens einer Stunde langweilen sie mich zu Tode).
An diese Eigenschaft "sensibel" habe ich dieser Tage öfter denken müssen.
Ich solle nicht so laut sprechen.
Ich solle nicht so laut lachen.
Ich solle um Himmels willen doch nicht soooo laut Musik hören! (Dabei habe ich mich im Badezimmer eingeschlossen gehabt, alle Türen vorsorglich verschlossen, um dann die Mucke aufzureißen und unter der Dusche wie auch beim Haare fönen laut - und falsch, freilich - mitzusingen. Nix also mit "stillem Örtchen" - aber wenn ich nicht mal mehr da mehr darf...)
Ich wisse doch, er habe so empfindliche Ohren, nämlich so empfindlich, dass er auch tagsüber ein Ohr verschließen muss, damit gewisse Rausch- und Pfeiforgien nicht wieder auftreten.
Steigt er aus dem Flieger, so wie letzte Woche, ist alles still im Ohr.
Hat er den Stöpsel im Ohr, ist auch nach einer Weile Ruhe darin.
Aber Mensch, ich KANN NICHT leise lachen! Wenn mich was begeistert, dann bin ich lebhaft, dann bin ich übermütig - und wie soll ich DA leise lachen??? Ohne dass mir vor Anstrengung ne wichtige Ader im Hirn platzt?
Halte mal nem Dampfkessel die Düse zu  - da weißte bescheid!
Und laut reden... Er ist übrigens der einzige, der das von mir sagt. Von allen anderen höre ich immer nur "weiche, sanfte Stimme". Und "ein ansteckendes Lachen".
Eine Zeitlang rief ich mich - angesichts des § 1 und so - zur Ordnung, zur Stille, zur Ruhe.
Irgendwann wurde es mir dann aber doch zu blöd: Ich LEBE noch, mir steckt auch kein Stock im Arsch und in den Keller zum Lachen will ich auch nicht gehen (ich habe da ja nicht mal Handy-Empfang!)
Begeistert gekreischt habe ich übrigens am Sonntag, als er sich eine App aufs iPad lud, die die Lautstärke in Dezibel misst - und was kam dabei heraus? ER ist lauter als ICH!!!! Klarer Fall von Eigentor - ich glaube, die App hat er wieder deinstalliert.

Und nun... wird die heutige Reise nach L ... ähm.. leicht anstrengend für mich: Da er mit mir reist, darf der Pegel der Musiklautstärke nicht zu hoch sein. Außerdem telefoniert er dann wieder mit Hinz und Kunz, damit überhaupt einer mit ihm spricht (ich habs ja damit nicht so, ich höre lieber Musik und singe oder lasse die Gedanken treiben) - und dann kann ich weder Musik hören noch singen.

Jedenfalls habe ich ihm dringend nahe gelegt, doch bitte endlich mal einen HNO aufzusuchen und sich des Problems mit dem Ohr anzunehmen. Immer nur klagen und nix tun geht schließlich auch nicht. Da gibts garantiert auch nen Paragrafen für!

Dienstag, 24. März 2015

Paul... Wer ist eigentlich Paul?

Dies hier MUSS ich jetzt niederschreiben - denn das fällt in die Kategorie "Dinge, die den Tag versüßen!"
Schreibt mir doch eine Kollegin ne lapidare Mail "Bitte mal ne Outlookeinladung versenden - Thema XYZ oder so ähnlich, Teilnehmer xxxx". Darunter ein Name, den ich nicht kenne, also kurzer Klick auf "Reply" und die Frage "Wer ist denn xxxx xxx? Bitte mal E-Mail dazuschreiben! :) "
Jetzt vermute ich ja, dass sie einfach nur in das cc Feld seine Adresse schrieb, um nicht groß nachgucken zu müssen, aber aus diesem Feld abschreiben zu können - schrieb mir seine E-Mail-Adresse und dazu "netter Kerl :)".... Sie vergaß nur, seine E-Mail aus dem cc-Feld wieder zu löschen.

Diesen Lapsus bemerkte ich selber erst, als sie unmittelbar darauf noch eine Mail schrieb "Huch, sorry". Nun hatte er unseren kompletten Mailverlauf, ihre Einschätzung zu seiner Person und eben meine Frage "Wer isn das überhaupt?"
"Ich lieg grad flach!!!!!!!!! :D :D :D" habe ich ihr geschrieben.
Und er scheint in der Tat nett zu sein, denn prompt traf seine E-Mail bei uns Mädels ein
"Ich stelle mich auch gern persönlich vor :)"

Blöderweise findet der Termin nicht nur nicht in unserem Office statt, ich gehöre außerdem nicht zum illustren Teilnehmerkreis. Schade schade! Aber lustig wars - so arbeitet man doch gern :)
Darauf noch ein Käffchen!

Darf man? Soll man? Muss man?

Zuerst mal möchte ich mich wirklich bedanken für die Kommentare zu meinem letzten Post. Eigentlich hatte ich schon eher gedacht, geglaubt, dass der Grundtenor der Kommentare lauten würde: "Ach Mensch, du hast wirklich zuviel Zeit, dass du dir das Leben noch mit so nem Quark vermiest."
Letztlich ist es ja auch so, nicht nur angesichts des Berichts zur Tafel, den ich kurz vor dem Schreiben meines Posts las, auch jetzt wieder wird mir das bewusst, wenn ich höre, dass es einen Absturz eines Flugzeugs der Gesellschaft German Wings gegeben hat. German Wings. Erst letzte Woche ist der Liebste mit dieser Fluggesellschaft unterwegs gewesen. Ich habe immer Angst, wenn er unterwegs ist, sei es mit Auto oder Flieger (ich hab selber sowieso Flugangst). Angst, die ich eigentlich nie nach außen zeige, die ich versuche, mit mir selbst abzumachen, um den anderen mit sowas nicht zu zermürben.
Es ist ja, wie ich schon gesagt hatte, auch nicht so, dass ich mich selber nicht zu beschäftigen wüsste. Es ist auch nicht so, dass ich selber nicht auch gerne mal allein bin, außerhalb der Dienstzeit, dass ich Zeit für Dinge habe, die MIR gefallen und an denen der Liebste ohnehin nur herumnörgeln würde.
Insofern hat mich - Ihr mögt es mir bitte verzeihen - der Kommentar von Goldi am meisten angesprochen: Es geht nicht um Kontrolle, es geht auch nicht darum, dem anderen nichts zu gönnen oder ihm nicht den Raum oder das Gefühl zu lassen, dass er frei darin ist, Unternehmungen für sich selbst zu bestimmen - auch wenn sich Zeitfenster verschieben. Doch auch ich empfinde es als ein Zeichen von einem gewissen Respekt, einer gewissen Wertschätzung mir gegenüber, wenn er mir gerade in Zeiten von Whatsapp & Co. zumindest ein Zeichen gibt "Wird länger heut". Dass man die Zeit aus den Augen verlieren kann, ist mir durchaus bewusst. Dass dies aber an jenem Abend nicht so war, konnte ich ihm gegenüber fundiert zurückweisen, woraufhin ihm nichts anderes einfiel als diese Reaktion: "Soll ich vielleicht wieder gehen?" Im Nachhinein muss ich selber darüber lachen, wenn ich jenen Abend und unser Verhalten reflektiere.
Es ist allerdings - und das muss ich zu seiner Ehre hinzufügen - auch so, dass ich an jenem Abend nicht nachtelefoniert oder über Whatsapp nachgefragt habe. Die Begründung dafür? Wir wissen ja alle, wie Männer am Stammtisch untereinander reden, tratschen (und das können sie mitunter echt noch besser als die Frauen selbst!) bzw. über Nicht- oder Nichtmehranwesende herziehen: "Haste gemerkt? Seine Marie hat geschrieben, da musste er schnell nach Hause. Ja ja, das Ehejoch..." Oder: "Der Olli kommt heut nicht, der darf heute nicht, hat seine Frau gesagt." Selbst vom Liebsten habe ich solche und ähnliche Äußerungen schon gehört, wenn auch über andere. Ich möchte gar nicht wissen, wie sonst noch geredet wird, wenn keine Frau dabei ist.
Das ist ja ähnlich wie die Männer in der Arbeit auftreten und über ihre Frauen lästern. Wo ich schon manches Mal anmerkte: "Wenn deine Frau wüsste, wie du hier redest! Zu Hause bist du vermutlich sooo klein mit Hut!" und der Raum zwischen Daumen und Zeigefinger misst keinen Zentimeter.
Ich will nicht so eine sein, die ihrem Partner etwas vorschreibt. Ich will nicht so eine sein, die um ihren Partner kreist und hysterisch alles mit Argusaugen überwacht - und ich will als solches auch nicht angesehen werden. Weil das nicht die Wahrheit ist.
Ich will aber auch nicht vors Loch geschoben werden, frei nach dem Motto: "Ich kann nicht wegen ihr."
Hat es so oder so ähnlich schon gegeben - und das brauche ich nicht.
Außerdem erwartet er im Gegenzug genauso, dass ich mich melde, dass ich Bescheid gebe, weil er sich ja nur Sorgen macht.
Übrigens, das Foto mit dem roten Kleid: Ich hatte es ja schon mal in diesem Blog, es ist vom letzten Sommer - und ja, die Kaffeetasse fehlt noch, aber ich hab irgendwie bis heute nicht die Zeit und Muße gefunden, ein entsprechendes neues aufzunehmen. Und die Fußstellung, die Miss Anonym (lieben Dank für Deinen Kommentar!!) anmerkte: Der Liebste wundert sich immer, dass ich, wenn ich Klamotten anprobiere, immer auf Zehenspitzen stehe, mich so drehe und wende ;) Es ist aber schon optisch wirklich ein Unterschied! Hat nix mit ner Fußkrankheit oder Fußverrenkung zu tun :D Ich weiß jedenfalls schon, warum ich kaum flache Schuhe besitze.

Aber gut: Wir haben das Thema inzwischen natürlich bereinigt.
Und was ich an ihm wirklich sehr liebe: Wir können uns zoffen, streiten, die Meinung sagen, auch mal etwas heftiger - aber wir vergessen uns dabei nicht. Kein Beschimpfen, kein Niedermachen - und vor allem keine körperlichen Übergriffe. Nichts von dem, das ich vor ihm erlebte. Nichts von dem, das meine Freundin seit wenigen Jahren durchlebt. Ich versuche immer, beide Seiten zu sehen, ich versuche immer, objektiv zu bleiben, doch wenn es darum geht, den anderen zu beschimpfen, ihn spürbar abzuwerten und ihn dann auch noch körperlich anzugreifen, dann brennen mir die Sicherungen durch. Und wenn ich dann höre "ein bisschen, nicht so derb", dann dreht sich mir der Magen um und ich weiß, dass sie beginnt, abzuschwächen.
Es ist und bleibt unentschuldbar, primitiv und abstoßend, wenn der Überlegenere den Schwächeren angreift (und ich formuliere das bewusst so, weil es auch genug Frauen gibt, die ihre Männer wie Dreck behandeln und auch schlagen). Ich glaube nicht daran, dass solche Menschen sich ändern können. Jedenfalls so lange nicht, wie sie auch nicht aktiv etwas tun, zum Beispiel ein Antiaggressionstraining absolvieren. Und eine Verhaltenstherapie.
Irgendwo habe ich mal gelesen: Ein guter Freund ist der, der dir nicht rät, was er an deiner Stelle tun würde, sondern das, was du an deiner Stelle tun kannst.
Doch an diesem Punkt fällt es mir unglaublich schwer, sachlich und objektiv zu bleiben. Eben auch aus eigener Erfahrung heraus. Wenn ich da in meine Vergangenheit zurückschaue, sehe ich, dass sich da absolut nichts geändert, gebessert hat - die "Stelle" wurde nur neu besetzt. Vielleicht ist er inzwischen auch... "ruhiger" geworden, aber will man auf sowas warten? Worauf wartet man?
Denke ich an mich, weiß ich, dass ich lange die Hoffnung hatte, es würde anders werden. Besser. Bis irgendwann die Resignation einsetzte, die Leere - und anschließend der Verlust jeglicher Empfindungen. Man sagt auch immer, wenn etwas vorbei ist, denkt man ab einem gewissen Zeitpunkt und mit einem gewissen Abstand vor allem nur noch an das Gute. Diese Partnerschaft ist die einzige, von der mir nur das Negative geblieben ist. Es gab ganz sicher auch gute Zeiten - aber ich weiß sie nicht mehr. Sie sind ausgeblendet, irgendwie. Und ich weiß noch heute, wie lange ich gebraucht hab, um in mir die Konsequenz zu finden: Egal, was danach kommt - jetzt gehe ich.
Wie soll ich jetzt und hier eine gute Freundin sein? Wie soll ich sachlich und objektiv raten? Wie helfen? Sie in ihrer Position fühlt sich hilflos - ich mich auch. Für mich ist die Lösung klar, aber ist es eine, die ich angehen würde oder ist es eine, die sie auch angehen kann?
Freundschaft bedeutet vor allem Begleiten, Zuhören - das habe ich inzwischen gelernt.
Und bis wohin ist das okay? Ab wann darf man etwas raten? Ab wann muss man eingreifen?

Samstag, 21. März 2015

Geerdet

In manchen Momenten merke ich schon noch, dass und wie fremd ich mich hier in der neuen Stadt fühle, und manchmal auch, wie allein.
Dass ich den ganzen Tag allein zu Hause bin, von hier aus arbeite und der Tag lediglich unterbrochen wird von diversen Anrufen des Chefs, Albernheiten am Telefon, wenn der Dienst erledigt ist, genieße ich. Ich genieße die Ruhe dazwischen, kein ständiges Kommen und Gehen im Raum, den sich drei Miezen teilen, keine ständigen Paralleltelefonate und Rufe wie "Komm mal mit her, schau dir das mal mit an" oder "Komm mal mit her, hör mal mit zu" oder "Komm mal mit zu mir, ich brauch mal eine objektive Meinung".
Aber... Ich bin allein. Am Tag - und wenn der Liebste nach der Arbeit zum Sport, zum Essen, zum Stammtisch geht, dann bin ich auch allein. Es macht mir insofern nichts aus, wenn ich die Rahmenbedingungen kenne. Wenn ich weiß, wann er heimkommt. So ungefähr wenigstens.
Und dann warte ich.
Es wird acht und in mir breitet sich süße Unruhe aus: Noch drei Minuten? Oder fünf? OK, vielleicht auch zehn?
Ab der fünfzehnten Minute mischt sich leiser Missmut in diese Unruhe und ich schaue immer öfter auf die Uhr, weil sich die Minuten anfühlen, als hätten sie dreihundertzwanzig Sekunden. Gefühlt.
Natürlich kann ich mich mit mir selbst beschäftigen, aber das ist es nicht: Es ist die Vorfreude auf den Mann, der Wunsch, die Erwartung, mit ihm zu sprechen, ihn zu berühren - oder einfach nur mit ihm herumzublödeln. Der Wunsch nach Leben, nach Gemeinsamem.
Ich kann das alles allein - wenn ich weiß, dass ich allein bin. Dann kann ich mich darauf einstellen und damit umgehen.
Ich will das alles aber nicht allein - wenn ich weiß, dass ich es eigentlich nicht müsste.
Diese hässlichen Abendstunden, in denen sich das Warten ausbreitet.
In solchen Momenten genügte mir sogar eine kleine Mitteilung: "Es wird heut bisschen später."
Dann weiß ich es, dann kann ich mich darauf einstellen.
Doch wenn die nicht kommt, wenn ich es nicht weiß, dann dehnen sich die Minuten endlos - und dann werde ich irgendwann so sauer, enttäuscht, dass ich bis in die Nacht rein Krimis schaue und irgendwann auf dem Sofa einschlafe, auch kein Verlangen danach empfinde, aufzustehen, hinüberzugehen und mich zu ihm zu legen.
"Es war doch nur eine Stunde länger", rechtfertigte er sich, "muss ich mich denn immer an- und abmelden?"
"Nein, natürlich nicht", habe ich geantwortet und dabei irgendwas gemacht, nur damit er meine Augen nicht sah. "Ich glaube schon, behaupten zu können, dass du nach wie vor alle deine Freiheiten hast und genießen kannst. Ich bin nicht so eine, die dich nur für sich haben will und dir keinen Freiraum lässt. Aber ich hasse es zu warten. Ich hasse diese Momente, in denen ich denke, dass du jeden Augenblick zur Tür reinkommst - und du kommst eben nicht. Was ich mir wünsche, ist dann lediglich ein Zeichen: Es wird heut bisschen später. Mehr will ich gar nicht."
Jetzt ist er grad unterwegs zu irgendwas - und es ist für mich auch total okay. Auch dann, wenn mir im Gegenzug meine Freundin abgesagt hat, weil sie erkrankt ist. Unerwartet frei gewordene Zeit für mich, von der er sagt: "Hätte ich das gewusst, hätte ich für heute nicht dem anderen zugesagt."
Doch das... ist gar nicht das, was ich will. Er soll die Zeit für sich haben, die er haben will. Solange das WIR nicht zu kurz dabei kommt. Und solange er dann wenigstens so weit an mich denkt, mir zu sagen, dass es eben später wird.
Er ist jetzt weg und ich bereite mir noch einen Kaffee und lese die neuen Blogposts, unter anderem den von der Brüllmaus.
Und frage mich, wie bekloppt ich eigentlich bin und ob mir nicht bewusst ist, wie gut ich es habe und wie gut es mir geht?
Eine Stunde zusätzliches Warten auf den Mann ist so gar nichts im Vergleich zu den Menschen, die eine Stunde warten, dass sie sich wie früher nach dem Krieg mit Essensmarken anstellen und darauf hoffen müssen, dass auch der Letzte von ihnen noch etwas Ordentliches zu essen zugeteilt bekommt. Von den Initiatoren der Tafel ist das gut gemeint, doch wenn ich mir das Prozedere anschaue... Dann zieht sich mir der Magen deutlich zusammen und dann hoffe ich, dass ich bitte, bitte niemals in so eine Situation kommen möge.
Ich bin geerdet, gerade.

Freitag, 20. März 2015

Manchmal gehen sie mir ja auch bisschen auf die Nerven

 ...zuweilen frage ich mich aber eben auch, ob ich in Funktion und Persönlichkeit vielleicht doch auch.. äh.. ein bisschen übersäuert, nein ich meine übersättigt bin? Von der Informationsflut und -wut vor allen Dingen. Was wird nicht alles heutzutage beschrieben, beschrien und was weiß ich noch alles. Da wird man doch auch mal ein bisschen dicht machen dürfen?
OK: Ne Sonnenfinsternis ist sicherlich schon mal ein Ereignis, für das man sich auch gerne mal auf den Marktplatz zum Gucken stellen kann - oder wenigstens auf die Terrasse. Ich habe weder das eine noch das andere gemacht, denn während Chef, auf dessen Rückruf ich zu warten hatte und mir in der Zwischenzeit nochmals die Zähne putzen, einen Kaffee zubereiten UND die letzten Bratklöpschen aus der Pfanne entwenden und genüßlich verspeisen konnte, vermeldete: "Hat mal bisschen länger gedauert, musste erst noch die Sonnenfinsternis bestaunen", da schwang ich kühne Reden von wegen: "Also ICH habe keine Zeit für solchen Kokolores, ich habe nämlich zu arbeiten!"
Prompt fiel ihm ein, dass wir noch ein Protokoll zu erstellen hätten - und ich kam die nächste Stunde nicht mehr vom Laptop weg bzw. nicht mal dazu, den frisch gebrühten Kaffee zu trinken, der dann anschließend leider kalt war. Wie so oft in letzter Zeit.
Als dann der Liebste noch im Familienchat stolz sein Foto vom heutigen Ereignis präsentierte, konnte ich nicht umhin, diese illustre Runde etwas.. nun sagen wir: aufzulockern. Fand bloß keiner lustig - außer mir! Nu ja. Hab ich eben hier alleine gelacht.
Passiert auch öfter in letzter Zeit, aber das ist übrigens der Nachteil eines Home Office. Man kann eben nicht alles haben.

Sonntag, 15. März 2015

"I have so much to do, that I'm going to bed."

Für die kommende Woche hat der Wetterbericht eine Vorhersage aus dem Nähkästchen hervorgezaubert, dass ich schon vor einigen Tagen begeistert alle Klamotten aus dem Schrank zerrte, die auch nur im entferntesten an Winter erinnerten.
Platz schaffen für die kleineren, zarteren Sachen - mit den deutlich fröhlicheren Farben.
Aber entweder kifft Petrus oder er ist schlichtweg weiblich und kann sich nicht entscheiden: Kommt nun der Frühling oder besser doch noch nicht?
Oder wie bitte soll ich mir Sonntag - Montag- Dienstag Schnee erklären?!
Aktuell bin ich so müde, dass ich mir vieles vornehme und maximal die Hälfte davon umsetze: Der Optimist in mir schrie mir förmlich ins Ohr, dass das bereits die Frühjahrsmüdigkeit sein müsse.
Der Realist in mir allerdings lächelte nur und winkte ab: Drei Tage Jugend und Office vor Ort können einen schon müde machen.
Als meine Freundin fragte, wann ich denn mal Zeit hätte, sie hätte da noch die rote Kaffeekanne stehen, die ich sie unlängst gebeten hatte, vor dem sicheren Tode zu retten, da musste ich zugeben, dass ich trotz Anreise am Mittwochnachmittag und Abreise am Samstagmittag einfach keine Zeit dazwischen fand. Aus schlechtem Gewissen heraus (und auch, um ihr zu verdeutlichen, dass da wirklich kein Quentchen Zeit überblieb, dass das keine Ausreden waren), zählte ich ihr die to dos der Tage auf - und bereits beim Schreiben überkam mich selbst eine derartige Müdigkeit, dass ich beinah gelacht hätte in Erinnerung eines Spruchs, den ich irgendwo mal gelesen hatte "I have so much to do, that Im going to bed."
Trotzdem fuhr ich am Samstag mit einem guten Gefühl nach Hause: Die Prüfungsarbeit für Junior war abgabebereit (übrigens Anna, ja, man muss die Einverständniserklärung der Klientin - so nennen sie die Herrschaften  - einholen, zumeist über deren Familie oder aber, wenn es diese nicht  mehr gibt, über den bestellten Vormund), die Wohnung glänzt wieder, der Kühlschrank ist wieder gut gefüllt und schnurrt, die Wäsche ist gewaschen und gebügelt, Juniors Zimmer ist umgeräumt, dekoriert - und auch im Office sind dieses Mal keine unerledigten Dinge in meiner Postmappe zurückgeblieben. Auch die Mama des Liebsten habe ich besucht, ihr sein Geschenk und meine Blumen überreicht, einen Kaffee mit ihr getrunken - dann gings heim. Ich muss gestehen, die Musik habe ich ziemlich laut machen und auch oft mitsingen müssen - ich war derart müde, dass ich genaugenommen an jedem Rastplatz hätte anhalten müssen.
Als ein Kollege mich fragte, ob ich nicht jede Woche ins Büro kommen könnte, riss ich die Hände hoch: "Um Gottes Willen!" Die Tage vor Ort erinnern mich an all die erschöpften Monate vor dem Umzug. Wo eigentlich nix mehr ging, nur noch das Nötigste. Wo ich selbst Menschen absagte, die mir sehr viel bedeuten. (Da begriff ich, es ist kurz vor zwölf - für mich!)
Wie wohltuend es hier im Home Office für mich ist, bekommt auch der Liebste zu spüren: "Früher konnte ich mich drauf verlassen, dass du spätestens um acht schläfst. Seit du hier wohnst, hab ich keine einzige Folge der Simpsons mehr gesehen."
"Dafür siehst du mich", habe ich ungerührt geantwortet, aber ich glaube, die Antwort hatte ihm nicht so behagt.
Nun denn. Genießen wir also unbedingt die kommende Woche mit den Temperaturen, die mir geradezu ein Schmachten entlocken könnten - wir wissen immerhin nicht, wie schnell die wiederkommen!

Dienstag, 10. März 2015

Huch?!

Vor einigen Tagen ist mir etwas "passiert", das ich bislang nur bei anderen gesehen oder gelesen habe: Ich wurde nominiert. Für einen besten Blog. Heureka - ICH! Ich? Wieso ich? Erst mal habe ich (natürlich) nachgeguckt, wer mich da nominiert. Ich muss gestehen: Deinen Blog, Sandra, kannte ich bislang noch nicht, aber ich mag die Idee Deines Blogs: Ohne besserwisserisch zu wirken, schaffst Du es, den Menschen dafür zu öffnen, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen, sich um sich selbst zu kümmern. Klingt so simpel, so verständlich, so logisch eigentlich, aber die Realität zeigt ja oft etwas anderes.

Offen gestanden, ich weiß nur nicht, wen ich jetzt hier nominieren soll? Ich lese alle meine favorisierten Blogs auch wirklich (ich glaub schon, dass das nicht bei jedem so ist, sondern es gerne auch "nur" ums gesehen und verteilt werden geht), und ich lese sie alle gleich gern, aber ich hab da so meine Bedenken, dass die Besitzer der Blogs überhaupt nominiert werden möchten? Vielleicht warte ich die Reaktionen auf den Post erst mal ab und würde dann eine Nominierung nachholen - ich hoffe, das ist erlaubt?

Zunächst möchte ich also erst mal Deine Fragen beantworten:

1. Wie erklärst Du Deiner Oma Deinen Blog?
Nun. Beide leben nicht mehr, aber ich könnte mir das so vorstellen: Die Oma väterlichseits wäre, glaube ich, offen dafür. Die würde sich das mit angucken, die würde sicherlich auch was lesen und dann würde sie beim Frisör erzählen: "Meine Enkelin schreibt im Internet! Fragen Sie mich jetzt nicht, was das ist, das Internet, aber sie kann das! Die war ja auch immer gut in der Schule!" :D (Den Frisörladen kenne ich übrigens. Ich war mal dort, als ich 16/ 17 war und während die Frisöse mein Haar bearbeitete, beäugte sie mich, bis sie mich irgendwann dann doch fragte: "Sagen Sie mal... Sie sind nicht von hier, oder?" Ich dachte ja, sie meinte den Wohnort meiner Oma und antworte mit der Inbrunst meines ehrlichen Herzens: "Nee!" Sie nickte wissend: "Das dachte ich mir schon. Sie sind so anders."
Äh... Hä?
Ähnliches sagte übrigens mal meine Freundin aus der Zeit unserer gemeinsamen Ausbildung zu mir: "Bist du sicher, dass du das Kind deiner Eltern bist? Du bist so anders als deine Familie."
Äh... Hä?
Die Oma mütterlichseits übrigens würde vermutlich ihre Zigarette anstecken, zu mir würde sie vermutlich sagen: "Aha. Was es nicht alles gibt heutzutage" und zu meinem Vater würde sie sagen: "Holst du die Rommé-Karten raus? Wollen wir mal ne Runde spielen?" Denkt nicht, sie würde mich ignoriert haben oder so, nein! Meine Oma väterlichseits war eine Frau mit dem Kopf in den Wolken, mit Träumen, fliegenden Fahnen und so, während meine Oma mütterlichseits eine Frau mit 7 Kindern war, der Mann zu früh gestorben, harte Jahre - da muss man das Leben anpacken, da bleibt (leider) nicht viel Zeit zum Träumen und Wünschen, denn davon bekommt man die Kinder nicht satt und nicht gut angezogen.
Heute denke ich ja... dass ich von beiden Seiten ordentlich was abbekommen habe, und darüber bin ich auch froh.

2. Auf welchen Gegenstand könntest Du in Deinem Leben nicht verzichten?
Also wenn ich hierauf spontan antworten würde, würde ich vermutlich sagen: Mein Handy. Nein, meinen Laptop. Nein warte, mein Auto! Wahrscheinlich fallen mir noch tausend Dinge ein und ganz wahrscheinlich wäre die Beantwortung viel simpler. Sowas wie: meine Zahnbürste!
Ganz ehrlich? Ich weiß es nicht. Ich bin froh über das, was ich habe, und hoffe, es kommt auch niemand und nimmt es mir weg. Letztlich.. gewöhnt man sich doch an die Dinge, die man hat, und man vermisst sie gerade dann, wenn sie nicht mehr da sind. Bei Sandra im Blog habe ich gelesen, dass sie und ihr Mann ab einem Punkt in ihrem Leben dieses minimalisiert haben - und sie erkannten, wie gut es sich damit lebt. Und ich glaube es ihr auch! Als ich vorhin zum Beispiel den Geschirrspüler ausräumte, musste ich murrend feststellen, dass der Mann schon wieder ein neues Küchengerät besitzt: eine elektrische Küchenreibe, zerlegbar in zwanzigtausend Teile. WTF????? Wir besitzen doch einen Stabmixer, der genau dasselbe kann?! Und einen elektrischen Häcksler, der das ergänzt? Manchmal werde ich echt nicht schlau aus dem Mann. Wir haben doch eh schon nicht viel Platz. Meine Malutensilien lasse ich verständnisvoll im Keller ausharren, während er hier den knapp verbliebenen Platz mit Küchengeräten füllt?! Da läuft doch echt was schief, ey.

3. Auf welche Leserfrage würdest Du nie antworten?
Das ist für mich einfach zu beantworten: Alle Fragen, die zu persönlich und zu intim werden, beantworte ich nicht. Ich glaube, ich bin schon ein ziemlich offener Mensch, wenn auch inzwischen mit immer mehr introvertierten Zügen. Das, was ich erzähle, muss reichen. Zumindest gilt das so lange, bis ich es mir anders überlegt habe.

4. Was war bisher die größte Panne auf Deinem Blog?
Na ja, ich weiß nicht, ob man es als "Panne" bezeichnen kann. Hier hat mal eine Zeitlang jemand kommentiert, der sich irgendwann als ein Ex-Freund von mir outete und sich mit diesem "Outing" auch von mir bzw. diesem Blog verabschiedete. Zu jener Zeit führte ich noch einen anderen Blog auf einer anderen Seite. Auch in diesem Blog begann er zu kommentieren, bis mich irgendwann eine andere Bloggerin privat anschrieb und ein paar Fragen stellten, die mir schon den Atem verschlugen. Nachdem ich einiges klarstellen musste, eröffnete er dort einen eigenen Blog, um mich in Frage zu stellen und anschließend seine eigenen geistigen Ergüsse niederzuschreiben. Jeder kann schreiben, was er möchte - doch wenn man etwas aufschreibt, von dem man darauf besteht, dass es die reine Wahrheit ist, dann sollte es doch auch die Wahrheit sein! Das war sie jedoch nicht, nicht mal im Ansatz, und als er sich selbst ein wenig zu sehr verstrickte, löschte er seinen Blog.
Ich habe alle seine Kommentare hier gelöscht und auch seither eine Kommentarmoderation.

5. Schreibst Du auf Vorrat oder immer zeitnah?
Ich komme nicht immer zum Schreiben, wann ich das möchte - aber wenn ich schreibe, dann veröffentliche ich es auch gleich. Es sei denn, ich finde ein Bild oder einen Spruch, den ich nicht vergessen möchte. Das kopiere ich dann dort rein und lege es in die Entwürfe, bis es mal passt. Das sind aktuell, glaube ich, zwei oder drei.

6. Welches Talent hättest Du gerne?
Ich würde gerne singen können. Tanzen kann man lernen, singen nicht.

7. Welchen Blog würdest Du auf eine einsame Insel mitnehmen?
Meinen eigenen: Damit ich jeden Tag was schreiben kann. Damit ich mich mitteilen kann. Immerhin bin ich eine Frau. Ich rede nicht so viel, aber ich schreibe viel. Glaube ich. Jedenfalls schreibe ich sehr, sehr gerne.

8. Welche Angewohnheit würdest Du am liebsten aufgeben?
Wenn ich nervös, unsicher oder aufgeregt bin, spiele ich ständig an den Fingernägeln oder kratze mich am Kopf. Nicht nur den Mann an meiner Seite macht das manchmal ganz verrückt.

9. Hat Dein Bloggen etwas mit Deinem (früheren) Beruf zu tun?
Ich bin ja Sternzeichen Zwillinge, Aszendent Waage: Der Zwilling schreibt unheimlich gerne, teilt sich wahnsinnig gerne mit und ist irgendwie immer auf der Jagd nach Inspiration und so, während die Waage in mir alles Schöne und Ästhetische und so liebt. Insofern hats mich schon als Kind neben dem Malen zum Schreiben, zum Mitteilen gezogen, habe ich mich auch von meiner Mum in die Berufswahl "Büromaus" bringen lassen (das war die einzig machbare Alternative zum Schriftsteller oder Journalisten, jedenfalls vor 30 Jahren ohne Abi). Insofern... Nein, das Bloggen hat mit meinem Beruf nichts zu tun, nur was mit einer meiner Neigungen.

10. Was ist für Dich Glück?
Diese Frage... kann ich nicht so ohne weiteres beantworten. Nicht weil ich es nicht wüsste.
Natürlich denke ich zuallererst hieran: dass ich zwei gesunde, erwachsene Kinder habe, die ihren Weg finden und gehen - und bei denen ich jeden Tage wünsche und "bete", dass sie gesund bleiben und glücklich werden.
Dass ich Menschen neben mir weiß, die mich lieben, die für mich da sind - auch wenn sie gerade nicht da sind.
Dass wir trotz allem ein behütetes, beschütztes Leben führen, mehr oder weniger.
Glück jedoch.. liegt nicht nur im Großen, nicht nur im Fassbaren. Glück... beginnt im ganz Kleinen. Ich wünsche mir sehr, nicht die Fähigkeit zu verlieren, dieses kleine Glück wahrnehmen zu können.
Heute Morgen, nach dem gestrigen irgendwie-stört-mich-alles-Tag des Mannes musste ich über eine Bemerkung von ihm lachen und er meinte gespielt entrüstet: "Lachst du mich etwa aus? Du nimmst mich überhaupt nicht ernst!" und ich musste noch breiter lachen und meinte: "Oh doch, natürlich nehme ich dich ernst! Ich wundere mich jedoch auch, über was du dich alles so aufregst."


Gemäß den Regeln muss ich jetzt neue elf Fragen aufstellen (wieso eigentlich elf?), von denen ich noch nicht weiß, WEN ich das fragen soll. Eigentlich jeden, der das hier liest, egal ob nun Blogger oder nicht. Ich finde es auch nicht wirklich einfach, denn ob Blog Award oder Stöckchen - irgendwie gabs schon viele Fragen, die auch schon vom einen oder anderen beantwortet wurden. Außerdem... Was kann man von Menschen wissen wollen, die man nicht (wirklich) kennt? Was kann man Menschen fragen, die man nicht (wirklich) kennt, das nicht zu persönlich wird, einen aber doch interessiert?
Wahrscheinlich denke ich gerade wieder etwas zu kompliziert; ich fange mal an, Fragen aufzustellen, die mich da und dort schon prinzipiell irgendwie beschäftigen; sollte ich nicht gleich elf Fragen "finden", würde ich die Liste nach und nach anpassen. Wenn das auch OK ist?

1. Wie gut kannst Du zulassen, dass ein Mensch anders denkt und handelt als Du?
2. Was glaubst Du, warum haben zumeist Koch- und Beauty-Blogs bis zu 3.000 Anhänger?
3. Wie viel Persönliches kann Deiner Meinung nach in einem Blog geschrieben werden?
4. Ab wann ist ein Blogger authentisch für Dich - und ist er das nicht (mehr), nur weil ein Foto von ihm (aus Eitelkeit oder zum Eigenschutz) bearbeitet bzw. verfremdet ist?
5. Bist Du ein Pilcher-, Dschungelcamp- oder GZSZ-Fan und traust Dich das nur nicht zuzugeben?
6. Redest Du wie Dir der Schnabel gewachsen ist und schreibst Du auch so - oder überlegst Du sehr genau, was Du wie schreibst?
7. Bist Du schnell zu begeistern?
8. Wie vergangen ist Vergangenes?
9. Philosophierst oder phantasierst Du gern - oder bist Du ausschließlich ein Mensch der Tat?
10. Dreimal denselben Fehler gemacht, dreimal auf den Arsch gefallen - scheinbar unbelehrbar: Wie viel muss eine Freundschaft Deiner Meinung nach aushalten?
11. Zweite oder dritte Chance: Sind on-and-off-Beziehungen wirklich aussichtslos?

Ui. Ging ja doch mit den elf Fragen. Nur weiß ich immer noch nicht, wen ich hier nominieren soll. Ich frage einfach in "meine" Runde....



Montag, 9. März 2015

Wir haben Schnupfen

Oder sollte es besser heißen: Wir sind verschnupft? Klingt wie dasselbe, ist es aber nicht.
Mal abgesehen davon: Ich finde es ja echt "gruselig", wenn ein Paar im Pärchenlook auftritt. Am besten noch in Wolfskinjacke - dann schrei ich aber!! Ich finde es genauso "gruselig", wenn es heißt: "Wir fanden den Urlaub super, weil wir unser Lieblingsessen hatten und wir fanden, dass die Bedienung echt nett war." Meist sinds ja die Frauen, die so reden und einfach voraussetzen, dass der Mann so denkt und fühlt sie wie, bloß weil er nix sagt. 
Na ja oder so ähnlich.
Ich zum Beispiel spreche recht oft in der Ich-Form, wenn mir etwas gefällt oder gefallen hat, ohne dass man mir deshalb ein jahrelang antrainiertes Single-oder-wenigstens-allein-sein-Syndrom anhängen sollte: Für gewöhnlich spreche ich für mich, weil ICH weiß, wie ICH etwas sehe, empfinde, mag oder nicht mag. Und weil ICH eine Meinung zu den Dingen habe.
Und ER und ICH leiden zumindest unter einem nicht: Kommunikationsmangel.
ICH zum Beispiel fand es nicht schlimm, dass der Mann gestern Abend einen Film schauen wollte, der wiederum mich nicht interessierte. Was habe ich also gemacht? Gebloggt, gelesen, mich ein wenig bei FB rumgetrieben - und das alles mit Musik über die Kopfhörer (klarer Fall also auch, warum ich mittlerweile leicht blind auf den Ohren geworden bin). Also wie gesagt, ICH fand das nicht schlimm, der Mann jedoch schlich noch vor Ende des Films zu Bett: "Der Film war scheiße und du warst auch nicht ansprechbar." Äh... Okay? Ich hielt ihm zugute, dass derzeit er sich mit dem rumschlägt, das mich vor rund zwei Wochen niederzwingen wollte. Da ist man vielleicht auch ein wenig ungnädig, jedenfalls ich kann das auch - und so verabschiedete ich ihn liebevoll und verständnisvoll - damit ICH dann bis in die Nacht rein meine Krimis gucken konnte.
Heute Morgen, nach einer offensichtlich fieberheißen Nacht, entschied ER: "Ich melde mich heut einen Tag krank." Das fand ICH cool, wir beide arbeiten von zu Hause aus, lümmeln in den Pausen auf dem Sofa herum und genießen die herrliche Sonne draußen. Nun, zumindest dachte ICH das heute Morgen noch. Aber irgendwie.... war der Tag so wie ich es vor kurzem irgendwo gelesen hatte: "Kannste so machen... Aber ist dann halt Scheiße."
Irgendwie missverstanden wir uns bei jedem zweiten Satz, missinterpretierten wir jeden zweiten Satz. Ich halte mich ja eigentlich schon für recht verträglich und entspannt (selbstverständlich vor allem dann, wenn alles glattläuft, mir nix in die Quere kommt und vor allem immer genügend Kaffee im Haus ist) und dass der Mann schnupfen- und erkältungsgeplagt lieber den Nachmittag im anderen Zimmer verbrachte, entlockte mir dann schon auch ein wenig Nachsicht und ein klein wenig Fürsorge, indem ich zur besten Kaffeezeit durch den Türspalt lugte: "Hui, du schläfst ja gar nicht? Magst du auch einen Kaffee haben?" Aber irgendwie... war auch das falsch. Alles war falsch.
Und irgendwann ist dann auch das dickste Sonnenscheinpolster aufgebraucht.
ER hat jetzt immer noch Schnupfen. Und ICH bin nun verschnupft.
Grad wird mir ein Teelöffel mit einer indischen Süßigkeit gereicht. OK. ICH bin jetzt nicht mehr verschnupft. So einfach bin ICH zu kriegen. Ha!

Sonntag, 8. März 2015

Try To Make A Move



  

Letztens meinte ein Freund von mir, er lese meinen Blog nur noch sehr unregelmäßig, weil er alles schon kenne: den Wind in den Haaren, die Sonne auf der Haut - und die Musik.
Ja vielleicht ist das so - vielleicht liest sich so ein Inhalt nicht so aufregend wie Stories über Liebe, Lust und Leidenschaft - oder Kosmetikartikel und Mode. 
Ich war schon immer jemand, der gern von sich abgegeben, der geteilt hat. Selbst als ich noch ein Kind war, das zweite von dreien, die Eltern weit weg von vermögend - und ich teilte die Schokolade und die Kaugummis, die kostbaren, die die Oma von ihrer Schwester "aus dem Westen" mitbrachte.
"Gib doch nicht immer alles ab", mahnte die Oma.
"Gib nicht soviel, du bekommst so wenig zurück", sagte meine Mum viele, viele Jahre später.
Vielleicht habe ich dazugelernt, vielleicht auch nicht.
Musik aber, die teile ich immer.. und immer wieder gerne. Ab und an, wenn ich im Büro in L bin und bestimmte Musik nicht dabei hab, dann "schlage ich den Blog auf" und höre sie mir hierüber an.

Ich mag Musik, die mich belebt, die mich erinnert, die mich emotional fordert, so oder so, die mich berührt und jene Saite in mir zum Klingen bringt, die meinen Tag, meinen Abend, meine Nacht wundervoll macht. Ich mag Musik, die Leben in mich bringt. Der Liebste lag heut Abend in der Badewanne, ich stand in der Küche, bereitete das Essen - und hörte dazu meine Musik. Barfuß, Oversize Pulli und Hot Pants, die Haare wild durcheinander gewuschelt - und ich habe beim Gemüse und Kartoffeln schneiden in der Küche getanzt, laut und falsch gesungen - und mich nicht mal dabei verletzt. Nicht in die Finger geschnitten, nicht mit dem Zeh an die Ecke gestoßen. Nichts.
Und lieber H., kann sein, Du kennst das alles noch von früher, kann sein, Du kennst das alles hundertmal aus meinem Blog - ich finde es trotzdem geil, und immer wieder geil, mich so fühlen zu können. Die Luftgitarre auszupacken, während ich die Kartoffelscheiben in der Pfanne wende und den Knoblauch mit gekonntem Schwung dazu mische (ok, etwa die Hälfte flog daneben, muss ich noch etwas am Schwung üben) - und dem Liebsten die Arme um den Hals zu schlingen und ihm die Frage "Barfuß? Willst du wieder krank werden?" vom Mund wegzuküssen und zu sagen: "Es ist doch Früüüüühling!!!!"
Letztens las ich im Blog einer Frau, die nach dem Bruch ihrer letzten Beziehung richtig ordentlich in ihrem Leben aufräumt. In jedem Post lese ich von ihrer Sehnsucht, ihren Ängsten, ihren Träumen, ihren Wünschen. Was ich so so sehr verstehen kann: das Suchen nach Antworten, nach Beantwortungen und die Angst davor, nicht mehr die Erfüllung zu finden, nach der man sich so sehnt. Das Verstehen wollen einer Situation, um sie akzeptieren zu können, um besser mit ihr umgehen zu können. Ich kann es nur allzu gut verstehen - denn ich war genauso und ich bin auch heute immer noch so. Verstehen MÜSSEN, um akzeptieren zu KÖNNEN. "Verständnis setzt Verstehen voraus", hatte mir mal jemand gesagt. Was ich mich nur immer wieder frage: Bedingt dieses Verständnis, dass ich mir selbst immer wieder die Flügel stutze?  Dass ich mir selbst die Beine verknote? Mich so alt fühle wie ich tatsächlich auch bin? An nichts mehr glaube, auch nicht an... Wunder? Diese kleinen Wunder mitten im Alltag? Die einem tatsächlich jeden Tag passieren können?
Ich war noch keine vierzig Jahre alt, da meinte ein Freund zu mir: "Du solltest dich langsam mal entscheiden, wen du willst, denn bald will dich keiner mehr." 
Diesen Satz, diesen Gedanken fand ich ziemlich furchtbar - auch wenn er noch so realistisch sein mochte. Diese Diskussion über die Frau ab vierzig haben wir ja erst geführt und die will ich jetzt auch gar nicht wieder aufwärmen. Na klar habe ich mich oft mit dem Gedanken gequält: "Warum hat die einen Mann und ich nicht?" Bis mir irgendwann aufging: Nicht jeder ist in seiner Beziehung auch wirklich glücklich. Nicht wirklich erfüllt. Sich nicht trennen aus Bequemlichkeit. Oder aus finanziellen Gründen. Oder aus beidem. Ich habe mich mehr als einmal gegen einen Mann entschieden, den mein Sohn gerne so beschreibt "ein Herz aus Gold". Eine wunderbare tiefe Freundschaft, vielleicht auch eine Art Verwandtschaft der Seele - das ist nicht immer das Band, aus dem die Liebe gestrickt wird. Liebe ist - für mich - auch Leidenschaft. Sich mit Leidenschaft lieben, sich ebenso streiten. Morgens erwachen und fühlen: Das ist genau das Gesicht, in das ich schauen möchte, wenn ich morgens erwache. Abends mit der Hand auf seinem Bauch einschlafen und fühlen: Hier bin ich zu Hause. Mein Gesicht an seinen Rücken kuscheln, während er schläft; seinen Herzschlag spüren und die Endlichkeit des Lebens begreifen - und die Unendlichkeit des Liebens. 
Geht weniger, wenn man einmal erfahren hat, wie es sich anfühlt, das Lieben? 
Nein.. Es geht nicht weniger. Ich kann nicht mehr.. "weniger".
Verlieren wir uns, egal auf welche Weise, dann - und das ist mir in den letzten Monaten bewusst geworden - werde ich mein Leben nicht mehr mit einem Mann teilen. Ich werde kein gemeinsames Zuhause mehr mit einem anderen Mann haben. Und das nicht aus Frust, aus Kummer. 
In meinem Leben habe ich trotz allem Erlebten irrsinnig viel Glück gehabt. Sehr viel Liebe erfahren, sehr viel Gutes trotz all dem für mich Schlimmen. Zweimal in meinem Leben habe ich sehr tief und innig geliebt. Erfüllt und unerfüllt. Das ist so viel mehr als man vielleicht vom Leben bekommen kann. Sich wünschen darf. Und ich habe es erlebt. Ich erlebe es. Ich lebe es. Heute, jetzt und hier. 
In meiner Seele bin ich so unendlich reich, dass ich weiß: Wenn etwas endet, ist es noch lange nicht das Ende. Nicht das Ende der Welt, nicht das Ende des Lebens. 
Eine Ahnung all dessen überkam mich im Herbst 2004 - bei diesem Titel hier, der mir in meiner Playlist heut Abend eher zufällig über die Ohren kam:




Ich wusste, alles wird gut werden - auch wenn das von da an immer noch ein paar Jahre gedauert hat. Irgendwann, irgendwo habe ich mal einen Satz gelesen (ich weiß nicht mehr wo), der seither die Fußzeile in jeder meiner privaten E-Mail ist "Egal wie dunkel der Raum auch ist: Liebe und Hoffnung sind immer möglich." Daran habe ich immer geglaubt. Und daran glaube ich immer noch. 

Mittwoch, 4. März 2015

Endspurt und Neustart

Juniors erste Prüfung steht bevor: die praktische Prüfung, von der er sich selbst aussuchen konnte, in welcher Kategorie er diese ablegen möchte. Betreuung = Kindergarten, Pflege = Pflegeheim.
Er entschied sich für Letzteres, auch wenn er mit Kindern deutlich besser "kann" und auch wenn es ihm dort mehr Spaß macht.
Und er entschied sich für genau das Pflegeheim, das ihm den Start in das Praktikum vor über einem Jahr recht schwer gemacht hatte.
Fast könnte man jetzt meinen, er stelle sich den Dämonen, aber seine Begründung war viel einfacher und tiefenpsychologisch flach wie ein Schneidebrett: "Die Prüftante für die Betreuung kannste voll vergessen, bei der hat sogar unser Streber ne Vier in der Hausarbeit bekommen. Was glaubste wohl, was ich dann kriegen würde?"
Ich bin ja schon heilfroh, dass er sein Ansinnen von Januar, die Ausbildung hinzuschmeißen: "Ich will doch eh kein Erzieher mehr werden, dann brauch ich mir den Stress jetzt auch nicht zu machen und geh lieber arbeiten" wieder verworfen hat.
Denn da habe ich mich - offen gestanden, ihn auch  - schon gefragt, auf welcher Wolke er eigentlich schwebt?
"Was meinst du wohl, wie sich eine abgebrochene Ausbildung in deinem Civil macht? Was meinst du denn, wer jemanden einstellen soll, der kaum praktische Erfahrungen vorweisen kann, egal auf welchem Gebiet, und der keinen Biss, kein Durchhaltevermögen zeigt? Der hinschmeißt, weil er keinen Bock mehr hat - so kurz vor dem Ziel? Das wäre echt das Dümmste, was du je machen kannst!"
Ich habe ihm erzählt von Bewerbungen, die bei uns immer wieder mal eingehen und die ich mir dann anschauen darf. Die ich bewerten darf - und auch vorentscheiden darf, wer in die engere Auswahl kommt und wer nicht: "Es gibt Leute, die haben ihre Ausbildung, die haben Weiterbildungen, die sind privat aktiv - bei denen stört mich nicht, wenn die Lücken in ihrem Lebenslauf haben. Woran ich mich störe, sind Leute, die nichts abgeschlossen haben, ständig Neues anfangen, in verschiedenen Jobs waren und nach nicht mal einem Jahr wieder raus sind. Ob freiwillig oder nicht, nach großem Engagement und Durchhaltevermögen klingt das für mich nicht."
Da gab es mal so einen jungen Mann, kaum über Zwanzig: drei begonnene Ausbildungen, jede davon nach nicht mal einem Jahr wieder abgebrochen. Was ich meinem Sohn nicht sagte: Diesen Bewerber hätte ich mir schon mal eingeladen zu einem persönlichen Gespräch. Um zu sehen, wer dieser Mensch ist, was ihn bewegte, was ihn antrieb - und ob ihn überhaupt irgendetwas antrieb oder er sich nur beworben hatte, um mit dem Nachweis dessen weiterhin vom Amt sein Geld zu bekommen.
Ich bin nicht sicher, ob wir ihm eine Chance gegeben hätten: Zuverlässigkeit ist das A und O.
Andererseits muss ich gestehen, habe ich eine Schwäche für Menschen, die auf den ersten Blick ziellos, planlos scheinen und die Wahrheit aber doch eine ganz andere sein kann. Dieser Blick hinter die Fassade, so gut das möglich ist in ein, zwei Stunden.
Wir haben ihn nicht eingeladen, weil uns zum damaligen Zeitpunkt die Zeit buchstäblich weglief - und weil ich dringend eine Assistenz brauchte, um all die ganze Arbeit überhaupt noch bewältigen zu können - und uns darum für jemanden entschieden, die bereits Anfang 20 war, schon eine sehr ähnliche Ausbildung abgeschlossen hatte und nun eine Ausbildung mit IHK-Zertifikat anhängen wollte. Aber ich frage mich noch heute gelegentlich, was aus diesem jungen Mann wohl geworden sein mochte - und ob ich ihm mit der ersten Einschätzung unrecht getan hatte? Vielleicht gibt es keine zweite Chance für einen ersten Eindruck - aber viel zu oft wird der erste Eindruck durch den zweiten revidiert, und zwar in positiver Hinsicht. Ein zweiter Blick lohnt immer, so sehe ich das. Genauso wie jeder eine zweite Chance verdient hat. OK, fast jeder.
Und Junior? Im Januar ist er durch die Polizeiprüfung gerauscht. Ausgerechnet in dem Teil, der ihm so liegt: dem Sportteil. Jede Prüfung für sich genommen - kein Problem für ihn. Was er jedoch gründlich unterschätzte: Es ist eine andere Belastung, wenn alle diese Crash-Tests an nur einem Tag stattfinden. Irgendwann ist die Puste raus, die Kondition weg - das wars. Knapp daneben ist auch vorbei; nun wiederholt er im Oktober und würde, wenn es klappt, im Herbst 2016 die Ausbildung beginnen.
Für ihn steht fest, dass nur das in Frage kommt und sonst nichts.
"Und wenn es doch nicht klappt? Wenn es an anderen Dingen scheitert? Denn die ärztliche Prüfung steht noch aus, und da sind sie streng."
"Dann geh ich zum Bund", meinte er und ich sehe dieses Thema inzwischen entspannt und relativ locker, denn wichtig war für mich an dieser Stelle, dass er nun doch die Ausbildung fortsetzt und sich wenigstens den Abschluss holen wird.

"Wie war denn heut dein erster Tag?" fragte ich ihn heut Abend und dann wollte ich noch wissen, ob er im selben Bereich eingesetzt wurde, wo er damals den zweiten Anlauf startete.
"Ja zum Glück", sagte er.
"Und wie lange geht das jetzt?"
"Bis zum 10. April, glaub ich. Und am 15. ist dann Prüfungshospitation."
"Ach das schaffst du schon, du weißt ja, was dich erwartet."
"Na ja nee, eigentlich nicht! Ich muss dann vor so ner Prüfungskommission jemanden waschen, anziehen, das ganze Programm halt. Das ist total blöd, vor fremden Leuten jemandem am Schniedel oder an der Pflaume rumzuspielen."
Er gackerte ein bisschen herum, ich fiel mit ein, doch gab ich einmal mehr zu bedenken: "Stell dir vor, du wärst dieser alte Mann, der vor anderen gewaschen wird, für den ist das echt blöd, nicht für dich. Irgendwie entwürdigend, finde ich, auch wenn man sicherlich gucken muss, ob du die Grundsätze der Pflege eines alten Menschen beherrscht. Trotzdem fände ich das auch nicht toll, wenn da paar Leute um mich rumstehen und alle mich nackt sehen."
"Du kommst eh nicht ins Heim, dafür sorge ich", versprach er erneut und ich musste kichern: "Hoffentlich weißt du das noch, wenns dann soweit ist."

Dienstag, 3. März 2015

Ein ganzes halbes Jahr

Gestern bin ich wieder mal gefragt worden, wie es mir denn hier in M ginge, ob ich mich schon eingelebt und "mit den Menschen angefreundet" hätte.
Offen gestanden, kann ich das auch heute, ein halbes Jahr nach dem Umzug, nur halbherzig beantworten. Zumindest erlebte ich nicht einen spürbaren menschlichen Wechsel, wie damals bei meinem Umzug von der Insel nach Mitteldeutschland. Das Eingewöhnen hier fällt mir irgendwie leichter als es mir damals mit dem Weggang von der Insel ging. Auch wenn mir hier besonders eins aufgefallen ist: Die jungen Mädchen mit ihrem Handtaschen-in-der-Armbeuge-Gehabe begegnen einem gerne im Dreier- oder auch Viererpack - und kommen sie Dir entgegen, ist es nicht so, dass sie einem Platz machen oder ihre Vierergemeinde auflösen, nein, die gucken nicht mal, die gehen einfach davon aus, dass Du selbst einen gehörigen Bogen schlägst, wenn Du nicht willst, dass man sich gegenseitig auf die Füße tritt. Der Liebste sagt ja immer: "Einfach draufzugehen, die weichen schon aus, wenn sie merken, dass du es nicht machst" - aber auf diese Art der Konfrontation habe ich dann irgendwie auch keine Lust. Warum einen schönen sonnigen Tag mit sowas vermiesen? Auch wenn mich diese Art der Ignoranz oder vielleicht Arroganz eher nervt.
Irgendwann hatte mir mal jemand gesagt, dass es schwierig sei, in M zu leben - rein menschlich gesehen. Das Streben nach mehr und nach oben, das Streben danach, einen gewissen Status zu erreichen, den man vorzeigen kann. Als mir heute ein Kollege schrieb, ich solle so bleiben wie ich bin und mich nicht verbiegen lassen, erinnerte ich mich an meine Gedanken vor dem Umzug: dass ich befürchtete, M würde mich verändern. Ich würde blind für die kleinen Dinge, sie wären mir nicht mehr gut genug und es sei zum Beispiel eine Schande, bei H&M und nicht bei Konen oder Scotch & Soda einzukaufen. OK, seit Weihnachten besitze ich ein iPad und seit Januar ein iPhone 6, das ich von Herzen liebe. Ersteres habe ich mir nicht mal im Traum gewünscht, das iPhone 6 schon - aber im Traum nicht gedacht, dass ich das auch bekommen kann. Zu H&M gehe ich trotzdem immer noch, ich kaufe oft beim preiswerten Discounter oder Schuhe bei Deichmann, auch wenn ich in den letzten 2 Wochen zwei ganz große Ausnahmen gemacht hab. Na ja nee - machen MUSSTE. Wie ewig lange habe ich nach gewissen zwei Paar Sommerschuhen gesucht und die nicht finden können - bis ich im Internet fündig wurde.
Dass man 79 Euro für Zehentrenner ausgibt, ist total bekloppt, und wenn man dann gleich nochmal 69 Euro ausgibt, frag ich mich schon, ob ich jetzt total überschnappe.

                      


Ich - deren Schuhregal durchaus übersichtlich (und günstig!) war, für die je eine Handtasche in schwarz und braun ausreicht und auch sonst wenig typische "Frauensachen" vorzuweisen hat, dreht jetzt hier ab? Nee! Das stimmt so nicht. Denn diese Schuhe hätte ich mir in jedem Fall gekauft, egal ob in M oder L, nämlich weil ich wirklich schon sehr SEHR lange danach suchte! Und die auf Bild 1 sehen nicht einfach nur genial aus am Fuß und zu Kleid oder Rock, sondern haben ein so angenehmes Fußbett, dass ich sie problemlos einen ganzen Tag tragen könnte. (Anders als die High Heels, die ich maximal vom Auto zum Lokal tragen kann oder im Büro oder so, nicht aber, wenn ich durch die City streife oder im Urlaub fremde Städte entdecke.)
Mal abgesehen davon: Natürlich ist mir klar: Das halbe Jahr hier kann mich noch gar nicht verändert haben. Ich bin keine 16, 17 mehr, mein Wesen ist gefestigt und mein Charakter... auch. Letztlich denke ich ja ohnehin, dass Geld und Wohlstand einen nicht verändern, sondern nur etwas hervorbringen, das sowieso als Wesenszug in einem schlummert.
Wir haben einen Wohnungsticker laufen. Ein Zimmer mehr wäre schon besser. Eins, in das nur Bücher, die Schallplatten, überhaupt die ganze Musikanlage, meine Zeichenutensilien und auch der schlicht schöne antike Schreibtisch von mir rein sollen. Und ein bequemes Sofa, das sich zum Gästebett umfunktionieren lässt. Viele Angebote sind uns seit Eröffnen dieses Tickers "ins Haus" geflattert, doch das, was uns beiden gefiel, war schlichtweg zu teuer.
Ich habe nicht vergessen, dass ich immer sagte, hier in diese Wohnung ziehe ich nicht mit ein, nicht so nah an dieser kack Nachbarin und außerdem - zwei Zimmer für uns beide, wo wir uns nicht mal aus dem Weg gehen können, nur aufeinander hocken und überhaupt. Dass ich mich inzwischen nun doch mit dieser Situation arrangiert habe, hat - wie ich finde - ganz nüchterne, plausible Gründe: Eine für uns passende Wohnung konnten wir in den Monaten zwischen der Entscheidung, hierher zu kommen und dem tatsächlichen Umzug nicht finden. Der Umzugstermin aber stand und ich wollte dann auch nicht mehr "zwischen Tür und Angel" bleiben, ich wollte einen festen Punkt für mich, meine Insel im Alltag und nicht dieses Halbgegarte. Und natürlich wollte ich auch einen Rückzugspunkt für meinen Großen. Dass der Junge endlich zur Ruhe finden würde, dort in der Wohnung, die er ja nun kannte, die ihm vertraut war und die er sich seither mit seinem Bruder teilt. Natürlich blutet mir das Herz, wenn ich sehe, was die Jungs manchmal draus machen (oder eben nicht machen), aber hauptsächlich bin ich doch froh und erleichtert, dass wir alle uns in unser neues Leben mehr oder weniger reingefunden haben, dass jeder sein Leben auch leben kann und wenn sie ihren Vater sehen wollen, können sie hinfahren - sie müssens aber nicht. Und wenn der meint, rumschreien zu müssen, dann haben sie etwas, wohin sie gehen und die Tür hinter sich und vor ihm schließen können, ohne dass diese aufgerissen oder aufgetreten wird.
Auch habe ich mich an diese neue Wohn-Ecke hier gewöhnt: Alles, was ich brauche, ist in begehbarer Entfernung. Ein Friesemeister (den ich aber noch nicht getestet habe), ein Supermarkt, eine Apotheke, ein Hermes- UND ein DHL-Shop (unbezahlbar, das in der Nähe zu wissen :)) und vor allem: die U-Bahn, mit der ich innerhalb von 10 min im Stadtzentrum bin. Herz, was will ich mehr? Aller 8 oder 10 Minuten fährt mich diese U-Bahn überallhin, zumindest stadtkernmäßig, während die S-Bahn nicht nur in größeren zeitlichen Abständen fährt, sondern gerne auch mal ein, zwei Runden lang ausfällt. Meine Freundin, die etwas außerhalb von M wohnt, aber in die Stadtmitte zum Arbeiten muss, kann da ein unrühmliches Lied von singen. OK, sie hat eine kleine Tochter, dass man da eher raus aufs Land will, kann ich nachvollziehen. Aber auf Kinder muss ich dahingehend eben keine Rücksicht mehr nehmen. Theoretisch kann ich wohnen, wo ich will - nur praktisch... hats eben noch nicht geklappt.
Ich wohne zwar nicht direkt im Stadtzentrum - aber wenigstens in dessen Nähe. Eigentlich... habe ich hier fast alles, was ich brauche. Bis eben auf dieses Mal-/ Schreib- und Musik-Zimmer, das wir uns beide wünschen. Und meine geliebten Kastanienbäume habe ich auch immerhin in der Nähe.
Ginge es nach dem Liebsten, würde der ja lieber noch etwas  weiter außerhalb wohnen. Die Wohnungen sind erschwinglicher, obwohl das hier alles immer noch viel zu teuer ist. Und sie sind vergleichsweise schöner - meistens jedenfalls. Die Angebote, die er mir da ab und an zeigt, sind sicherlich auch echt verlockend. Trotzdem bleibe ich standhaft und  lieber weiter in der kleineren Wohnung und dafür mit allen sonstigen Vorzügen (und der Hoffnung, dass die blöde Nachbarin doch bald auszieht, immerhin hat die auch nur so ne kleine Wohnung wie wir, aber seit gut einem Jahr ein Baby.) Uns drängt ja auch nix. Immerhin vertragen wir uns beide erstaunlich gut, wenn man bedenkt, dass wir beide Menschen sind, die ihren Freiraum brauchen und auch lieben. Und dann muss ich immer lachen, wenn mir bewusst wird, was für ein Gewohnheits- bzw. Bequemlichkeitstier der Mensch doch ist: Wieso soll ich raus aufs Land ziehen, wo ich auf unzuverlässige S-Bahnen oder sonst das Auto angewiesen bin, wenn ich doch hier im Grunde alle Annehmlichkeiten genießen kann, die einem das Stadtleben so bietet?

Mein Fazit also nach dem ersten halben Jahr des Zusammenlebens? Wir haben uns noch nicht über, wir haben auch noch nichts bereut oder uns verflucht - und ich hoffe, das bleibt auch so. Auch wenn wir derzeit oft getrennt voneinander zu Bett gehen: Meinen Hang zum Morbiden kann der Mann so gar nicht nachvollziehen und bei Sendungen wie Medical Detectives oder Anwälte der Toten oder so verlässt er freiwillig den Raum. Aber ich finde es echt faszinierend zu sehen, wie weit die heutige Forensik ist, Tätern auf die Spur zu kommen - und dass es kaum etwas gibt, wo man keinen genetischen Fingerabdruck hinterlässt.  Klar, ich könnte die Sendungen ja auch aufnehmen, aber... Dann häuft sich in so kurzer Zeit so viel an, dass ich dann zeitnah nicht mehr wüsste, wann ich das alles schauen soll? Wo ich doch abends/ nachts eh meist putzmunter bin....
Und eins wird jetzt, wo man sich jeden Tag sieht, auch ganz, ganz schwierig: die glaubhafte Aussage "Aber mein Herz, das habe ich doch schon sooooo lange, das Teil, wie genau schaust du mich eigentlich an?"

Sonntag, 1. März 2015

Und schlägt der Arsch auch Falten

...wir bleiben doch die Alten!
Vor einigen Tagen stellte ich fest, dass in unserem Haushalt die Eier ausgegangen waren. Nun hegte ich ja bis vor kurzem nicht nur schier unstillbare Gelüste nach Würstchen, ich hege ebensolche Gelüste auch nach Eiern, vorzugsweise als Rührei. Wahlweise mit Tomaten und Kräutern oder auch mit Pilzen oder am liebsten.. pur. Der Weg zum nächsten Supermarkt erschien mir irgendwie zu weit und so entschied ich mich für den komischen Laden an der nächsten Ecke, der mit irgendwas Gesundem und Vitalen wirbt und sich aber auch nicht in die Auslagen gucken lässt: Sämtliche Schaufenster sind mit Plakaten voller Obst und Gemüse zugeklebt und nunmehr siegte nicht die Neugier, sondern die Faulheit - und ich kehrte dort ein.
Was mir darin begegnete, erschien mir auf den ersten Blick wie eine goldige Fundgrube: Ich las von all diesen netten Sachen, die mir in jedem gelesenen Post über vegane Esskultur allenfalls theoretisch über den Weg gelaufen waren.
Mit großen, staunenden Augen, so als wäre ich zum ersten Mal in meinem Leben überhaupt in einem Supermarkt, durchstreifte ich die Reihen, las hier, las dort, nahm was aus dem Regal, schaute näher - und staunte. Ehrlich gesagt - auch über die Preise.
Soll sie nun gesund sein noch und nöcher - aber einen Liter Mandelmilch für vier Euro bzw. acht ganze Mark (ja-ha-ha, manchmal rechne ich immer noch um, da wird der Beschiss offensichtlicher) finde ich dann trotz aller Argumente zu teuer. Rosen werde ich damit trotzdem nicht pupsen, also was solls.
Und dann stand ich vor dem Kühlregal. Voll mit all den Dingen, die den Veganer glücklich machen (sollen). Ein paniertes Tofu-Schnitzel. Maultaschen ohne Ei und gefüllt mit Gemüse. Soja-Bohnen. Soja-dies, Tofu-das. Das meiste davon in durchsichtige Plastikfolie eingeschweißt. Viel durchgequirltes Gemüse, dessen Anblick mich eher an Moppelkotze denn an gesunde Mahlzeiten erinnerte. Und für sowas soll ich zuviel Geld ausgeben? Ääääh nee! Dann lieber Obst und Gemüse frisch kaufen und selber zerschnippeln, zerdrücken oder was auch immer. Das Auge isst immerhin mit!
Und womit habe ich diesen Laden dann verlassen? Mit einer 10er Packung Eier von freilaufenden Hühnern und drei sündhaft teuren Ampullen, die mir vor allem eins verhießen: Faltenfreiheit am nächsten Morgen. Bislang habe ich mich an solchen Produkten in angemessenem Sicherheitsabstand vorbeigewagt, aber ich dachte... also schaden könne es ja vielleicht nicht? Die Haut ab vierzig revitalisieren, also wiederbeleben und das alte Leder schmackhaft für den Herrn an Ihrer Seite zurückzubeleben?
Es kann natürlich gut möglich sein, dass das so nicht wirklich da stand, es kann sehr gut möglich sein, dass es so ähnlich da stand und meine Sinne etwas erfassten, was sie eben.. äh.. erfassen wollten. Da stand irgendwas von Hyaluronsäure und die, das weiß ja jede Frau, soll ja Faltenkiller No. 1 sein - wirksam mit der allerersten Anwendung. Also warum nicht mal probieren?
Ich hab sie jetzt ganze drei mal angewendet und was soll ich Euch sagen? Zum Wegschmeißen ist sie schlichtweg zu teuer, zum Verschenken taugt sie dank hysterisch aufgerissener Verpackung auch nicht mehr und wohin schmiert man sich nun das Zeug, das immerhin sehr angenehm duftet? Genau!
Da bekommt jedenfalls die Aussage: "Datt Zeuch is doch für'n Arsch!" ne ganz neue Bedeutung.