Freitag, 5. Februar 2016

Kinder


Sind so kleine Hände, winz'ge Finger dran.

Darf man nie drauf schlagen,
die zerbrechen dann.

Sind so kleine Füße
mit so kleinen Zeh'n.
Darf man nie drauf treten,
könn' sie sonst nicht gehn.

Sind so kleine Ohren
scharf, und ihr erlaubt.
Darf man nie zerbrüllen,
werden davon taub.

Sind so kleine Münder,
sprechen alles aus.
Darf man nie verbieten,
kommt sonst nichts mehr raus.


Sind so klare Augen,die noch alles sehn.

Darf man nie verbinden,

könn´ sie nichts mehr sehn.

Sind so kleine Seelen,
offen ganz und frei.
Darf man niemals quälen,
geh'n kaputt dabei.

Ist so'n kleines Rückgrat,
sieht man fast noch nicht.
Darf man niemals beugen,
weil es sonst zerbricht.

Grade, klare Menschen
wär'n ein schönes Ziel.
Leute ohne Rückgrat,
hab'n wir schon zuviel.


Quelle: http://www.deanita.de/kinder/kinder_gedicht02.htm
Song von Bettina Wegner
Danke, Nana, für das Entdecken!

Vor kurzem erst schrieb ich, dass ich noch vor einigen Jahren das Bitten und Annehmen von Hilfe für Schwäche hielt. Nicht bei anderen - nur bei mir selbst! Inzwischen habe ich gelernt, wie unsinnig diese Annahme war - aber ich versuche nach wie vor zu unterscheiden, ob Hilfe ernst gemeint ist oder ob ich davon ausgehen kann, dass es mir späterhin vorgehalten oder gar vorgerechnet wird: Dann will ich sie nicht.
Sohn hatte heute seinen ersten Sitzungstermin in der eigentlich 3. Therapie. Zur 1. wurde er mit 13 Jahren geschickt - vom Vater, jedoch nur unter dem Aspekt, dass es mir genügend Druck machte, um "nach Hause" zurückzukommen. Als die damalige Mentorin nach der 3. oder 4. Sitzung begann, ihn als Mensch und Vater zu hinterfragen, durfte der Junge ab sofort nicht mehr dorthin. Die zweite "Sitzung" hatte er mit 18 - auf "Drängen" von außen, aber er sah darin persönlich keinen Sinn, öffnete sich auch kein Stück und so war nach einem halben Jahr die "Therapie" ergebnislos zuende.
Nun die 3. Sitzung - zu der er gegangen ist, weil er zwar spürt, dass er was ändern muss, dass etwas richtig schiefläuft - aber im Grunde macht er es nur mir zuliebe. Mir war das von Anfang an bewusst - aber ich bestärkte ihn trotzdem immer wieder darin, bis er sich nun einen Termin holte.
Was mich sehr überraschte und umso mehr freute: Auch wenn er momentan wie früher keinen wirklichen Sinn darin sieht, eigene Gedanken mit einem Fremden zu teilen, so hat er heute diesen Termin wahrgenommen - und auf alles geantwortet, das er gefragt wurde. Und noch mehr erzählt. Noch viel mehr.
"Du musst mir nicht erzählen, was ihr besprochen habt", habe ich heute Abend zu ihm gesagt, "ich möchte nur wissen, ob es dir gut geht. Wie es dir geht."
"Mir gehts gut", antwortete er, "kannst mir glauben. Mir gehts wie immer. Ich versteh nur die Diagnose Depression nicht. Ich bin doch nicht traurig. Ich kann nur nicht schlafen und mich nicht richtig konzentrieren."
Mein Seelchen. Das trotz seines bevorstehenden 26. Geburtstages noch so wenig weiß.
Er wird weiter dorthin gehen, das steht für ihn fest. Und auch, wenn er nicht von dem überzeugt ist, was er da tut, bin ich sehr froh, dass er es tut.
Und mir tut es immer noch weh, wie zerstört man sein kann, obwohl man noch gar nicht wirklich angefangen hat zu leben. Das ist (m)eine Narbe, die nie verheilt.
"Ich habe ihr gesagt, dass man dir vorwirft, du würdest mich und uns vernachlässigen", sagte er, "aber ich finde das überhaupt nicht. Du tust so viel für mich und für [meinen Bruder], vielleicht sogar manchmal zuviel."
"Aber es geht doch gar nicht um mich, es geht doch um dich, Hase", habe ich geantwortet.
"Du redest wie die Therapeutin", konnte ich ihn förmlich durchs Telefon lächeln sehen. "Ich musste es ihr trotzdem sagen. Weils einfach ungerecht ist."
Und weil du dich damit quälst, dachte ich , weil du glaubst, du seist für alles verantwortlich. Was du einfach nicht bist.
So oft habe ich ihm das gesagt, aber er glaubt mir nicht. Er denkt, ich will ihn nur schützen.
Und ich hoffe und baue darauf, dass er jetzt einen wichtigen Schritt nach vorn kommt. Für sich ganz allein.

Kommentare:

Goldi hat gesagt…

Wie war das noch gleich mit Gefühl und Verstand gehen selten Hand in Hand?

Ich finde es schön für ihn, dass er den Weg jetzt geht und wünsche ihm, dass er schnell zu seinem "Hand in Hand" kommt, denn je länger man mit solchen Belastungen rumläuft umso schwerer wird es und um so länger dauert es diese wieder hinzubiegen.

"Und mir tut es immer noch weh, wie zerstört man sein kann, obwohl man noch gar nicht wirklich angefangen hat zu leben. Das ist (m)eine Narbe, die nie verheilt."

Doch Narben können heilen und auch so weit heilen, dass sie nicht mehr zu sehen oder zu fühlen sind. Es kann die Erinnerung in Gedanken an sie bleiben, aber selbst die verblasst und wird, wenn die Narbe richtig verheilt ist keine seelischen oder körperlichen Schmerzen erzeugen.

Auch Du kannst diese "Schuldnarbe" heilen lassen und noch wichtiger Du darfst sie heilen lassen, Du hast damals in der Situation das getan was richtig für Dich in diesem Moment war. Ein "hätte ich es doch anders..." oder ein "wäre..." sind Gedankengänge, die wir Menschen gerne spinnen, jedoch weiß eigentlich jeder, dass eine Wegänderung um an ein Ziel zu kommen noch lange nicht bedeutet, dass man unterwegs keinen Unfall, Stau oder Motorschaden hat.

Du hast keinem Deiner Söhne mit Absicht Schaden zugefügt. Du hast gehandelt als Du es konntest und genau aus dem Grund sei bitte nicht so hart und ungerecht zu Dir. Auch Du als Frau im roten Kleid und eine der weltbesten Mütter, bist nicht perfekt und kannst leider nicht die Welt retten, nicht die Deiner Kinder und auch nicht die anderer Menschen, die Dich gerne für irgendetwas verantwortlich machen möchten.

Fühl Dich gedrückt :-*

Lascincoies hat gesagt…

Wiedermal etwas spät, will meinen Senf aber trotzdem da lassen: das Wichtigste hat er getan. Ich weiss nicht, ob jetzt alles supi wird etc. Aber tätig zu werden hilft schon enorm. Er wird da rausfinden und daran wachsen, ihr beide :)