Mittwoch, 4. Mai 2016

Die Gefühle der Moderne



Vor einigen Tagen hat sich eine weitere Bloggerin für immer verabschieden müssen. In Posts verschiedener Blogs wird - was mir auffällt - immer wieder betont, dass jene Bloggerin nichts von Gefühlsduseleien, nichts von Sentimentalitäten hielt. Ich konnte mich des Eindrucks nicht erwehren, dass der eine oder andere Nachruf sonst womöglich doch... gefühlsvoller ausgefallen wäre.

Ich lehne mich einmal mehr nach dem Lesen zurück, lege den Kopf nach hinten, fixiere irgendeinen Punkt an der Decke oder schließe für einen Moment die Augen.

Als ich noch ein Kind war, war ich vor allem eines: impulsiv und gefühlsbetont. Jede meiner Regungen waren überdeutlich ins Gesicht geschrieben, die positiven wie die negativen; in meinem Gesicht konnte man lesen wie in einem Buch, meine ganze Körpersprache war immer eine eindeutige, unmissverständliche. Das war auch dann noch so, als ich zur jungen Frau heranwuchs. Und ich war anhänglich. Keine Klette, aber anhänglich. Liebebedürftig.
Wann sich das verändert hat, weiß ich nicht sicher. Vielleicht in den Jahren, in denen ich allein mit meinen Söhnen lebte? Weil die Liebe zu den Kindern eine andere ist als die Liebe zu einem Mann? Und ich lernen musste, mit dem, das ich zu geben hatte, umzugehen und es bei mir zu behalten?
Und weil ich feststellen musste, dass es Menschen gibt, die mit einer gewissen Gefühlstiefe gar nicht umgehen können oder wollen? Weil ich feststellte, dass es besser war, das eine oder andere für mich zu behalten, weil es einfacher ist, mit einem Schmerz zu leben, wenn man sich vorher dafür nicht komplett entblößt hat?

Wenn ich so darüber nachdenke, dann bin ich heute in meinen Gefühlsbekundungen wesentlich reduzierter als noch vor Jahren. Wobei ich eher immer schon ein Mensch war, der schwer sagen kann: "Ich liebe dich" - aber der es liebt, das auszudrücken, in Gesten, in Umgangsweisen. So ein bisschen unterkühltes Nordkind steckt vielleicht auch immer noch in mir.
Inbesondere nach dem Lesen der letzten Nachrufe frage ich mich zugleich: Was ist eigentlich so falsch daran, Gefühl zu zeigen? Was ist so falsch daran, sein Gefühl, seine Liebe, seine Trauer auszuleben, auszudrücken? Warum müssen wir uns eigentlich ständig hinter einem Mantel aus Härte & Größe verstecken, anstatt uns genauso verletzlich zu zeigen wie wir sind? Warum können wir nicht offen zu uns selbst stehen und zu dem, das wir fühlen und empfinden?
Weil es uns verwundbar macht? Weil genug Arschlöcher kommen, die uns zerstören könnten? Weil es uns schwächt? Weil unsere Schwäche uns lähmt?

Sind die Menschen, die Gefühl, Liebe, Trauer zeigen, alle schwache Kreaturen - und nur die Harten, Unbezwingbaren die wahren Großen? Ich hoffe das nicht... Ich hoffe so sehr nicht, dass Gefühle "aus der Mode" gekommen sind.

Helen Nelson, eine Frau aus Conneticut, hat nach ihrem Nahtoderlebnis einen Satz ausgesprochen, der sich tief in mir eingeprägt hat:

"Die Liebe ist der innerste Kern unseres gesamten Seins, der Kern dessen, worum es im Leben wirklich geht."

Ich empfinde es völlig genauso. Sollten wir dann nicht aufhören, so zu tun, als hätten wir weniger oder auch gar kein Empfinden?

Kommentare:

Clara Himmelhoch hat gesagt…

Du hast vielleicht Recht, dass heutzutage weniger Gefühl gezeigt wird, u.a. deswegen, weil es verletzlich macht.
Doch für mich sind Bloggersdorf und echtes Leben eben doch ein Unterschied. Nur wenige kennen sich persönlich, kennen sich persönlich so gut, dass es zu wirklichen Gefühlen kommt.
Ich empfinde manchmal Kommentare, die ich da oder da lese, als aufgebauscht, als übertrieben bis hin zu unehrlich. Natürlich ist das nur in Situationen zu beurteilen, die man sehr gut kennt und wo man auch die schreibenden Leute kennt.
Ich wünsche ihr (der unbekannten Bloggerin), dass sie von Schmerzen erlöst ist.

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Liebe Clara, es war gar nicht so sehr auf die Bloggerin bzw. die anderen gemünzt - es ging mir eher grundlegend um diese Thematik. Anlass war eben, dass mir auffiel, dass jede sich zurücknahm mit den Worten "ich weiß, dass Du dies und das nicht mochtest".
Die, die etwas zu ihrem Tod schrieben, kannten sie übrigens persönlich.

Und ja, ich kann, glaube ich, schon sehr gut unterscheiden zwischen echter Gefühlstiefe und gefühlsduseligem Geschreibe. Mit letzterem kann ich auch nur schwer umgehen. Dann lieber gar nichts sagen.

Was Krebsschmerzen und elendiges Zugrundegehen bedeuten, habe ich bei meiner ersten Schwiegermutter miterleben müssen. Das war wirklich viehisch, das wünscht man ganz aufrichtig niemandem! Insofern habe ich ihren Tod tatsächlich als ihre "Erlösung" empfunden. Dass sie sich endlich einfach nicht mehr so quälen musste.

Goldi hat gesagt…

Ohja, die Gefühlswelt im Gesicht und in der Körperhaltung tragen, wie gut ich das kenne und ich kann es selbst heute noch nicht wirklich abschalten.

Manchmal gelingt es über einen gewissen Zeitraum und dann eben wieder nicht.

Zu Deiner Frage warum habe ich mir Deine Zeilen geklaut und angepasst:

Weil es verwundbar macht, weil genug Arschlöcher kommen und schon da waren, die eben genau dieses Gefühlsleben verletzten bzw. verletzen, weil es schwächt, weil Schwäche lähmt und weil der Mensch, der eigentlich vor einem Anderen steht so oft, viel zu oft, nicht zählt sondern nur dessen Leistung und Erscheinen.

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Liebe Goldi, abschalten kann ich es auch nicht - aber es kommt bei mir inzwischen tatsächlich immer öfter darauf an, um welche Gefühlsregungen es sich handelt.
Ich kann spontan Begeisterung zeigen und mich auch so geben, genauso Fröhlichkeit und Traurigkeit. Wenn mich aber jemand verletzt, egal ob mit Worten oder Taten, ziehe ich mich heute eher zurück, zunächst wortlos. Früher wäre ich eher drauflos gestürmt mit den Worten "Du Volltrottel, bei dir trommeln wohl die Locken?!" - na ja so ähnlich :)
Und während ich das hier schreibe, wird mir bewusst: Ich kann noch immer jede Gefühlspalette zeigen - aber sobald es in das Zwischenmenschliche geht, ist mein bisher offenes Buch eher... ein geschlossenes mit sieben Siegeln.. Was nicht heißt, dass ich gar nicht sagen oder zeigen kann, dass ich jemanden liebe. Diese Frage stellt sich vermutlich nicht. Aber der- bzw. diejenige wissen vermutlich nicht, wie SEHR ich sie liebe.
Und je mehr ich darüber sinniere, desto mehr denke ich, dass das mit tiefen Verletzungen von früher zu tun hat. Heute schütze ich mich eher, vielleicht auch manchmal zu sehr.

~ Clara Pippilotta ~ hat gesagt…

Liebe Helma, das ist ein Thema, das mich auch immer mal wieder umtreibt.

Mit Sicherheit zeigen die Menschen weniger Gefühl und das schlimme ist, dass viele auch keine tieferen Gefühle zulassen oder gar dulden. Schnell wird man als gefühlsdusselig oder zu weich oder zu sensibel abgetan.

Für mich war das ein harter Weg, auch wieder zu lernen, mich zu öffnen. Als ich noch dicht war, ging es mir unendlich schlecht, ich hab gelitten ohne Ende. Heute bin ich wieder offen und weich und verletzlich und ich mag mich genauso am liebsten. Grenzen setzen kann ich trotzdem und für mich einstehen genauso.

Natürlich war ich manchmal auch traurig, gerade wenn ich z.B. im Blog Texte mit ganzem Herzblut geschrieben habe und sich dann kaum einer drauf gemeldet hat aber ein dämlicher Text über die Frage, welche Frisur mir steht, die höchsten Zugriffszahlen hatte.

Andererseits habe ich gemerkt, dass sich auf die tiefen Texte hin und wieder jemand kurz meldet und dann auch echte Anerkennung zum Ausdruck bringt. Das macht es für mich viel wertvoller, wenn auch nur einer ab und an mal sich meldet, aber dafür echte Anerkennung übrig hat, als wenn es x Kommentatoren wären, die alle oberflächlich und überschwänglich Lobhudelei betreiben, aber beim ersten Herzenstext gleich aufhören zu followen (erst kürzlich erlebt).

Und so halte ich es auch im RealLife - weil mir immer bewusster wird, dass ich mich nicht mehr an denen messe, die mit meiner Tiefe nicht umgehen können oder wollen und auch nicht mehr gegen sie kämpfen muss, sondern es nur darum geht, dass ich zu mir stehe und mich mit Menschen abgebe, die das genauso tun. Wir können noch zu sehr mit dem Finger auf andere Menschen zeigen, weil die ja nicht können oder wollen - was zählt ist, dass wir können und wollen, der Rest ergibt sich von alleine.

Sei Du auch weiterhin so offen und emotional. Es macht Dich so lebendig, auch hier im Blog so greifbar, authentisch und nicht zuletzt auch bist Du eine der wenigen Bloggerinnen, die ich gerade wegen ihrer Gefühlstiefe und Ehrlichkeit schätze und gerne lese.

Liebe Grüsse
Clara

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Liebe Clara, ja, dieselbe Feststellung habe ich auch gemacht: Je tiefer man in sich geht und das Innerste nach außen trägt (je nachdem, wo und bei wem), desto weniger sind Menschen bereit, zuzuhören, da zu sein. Ob sie mit ihrem eigenen Leben beschäftigt genug sind und darum im Netz lieber Kurzweil suchen als die vielleicht selben Gedanken, die ja oft genug auch steinige Wege gehen?
Was das Kommentieren betrifft: Das sehe ich inzwischen differenzierter. Zwar dachte ich auch immer, hat keiner was dazu zu sagen, wenn man sich eben (doch ein Stück weit) öffnet? Und erst im Dezember stellte ich fest, dass ich gleich 6 Leser verlor, so viele wie zuvor noch nicht an einem Stück :) Natürlich hab ich mich in der ersten Regung gefragt: "Hab ich was Falsches gesagt? Was Langweiliges?" Aber dann - selbst wenn dem so war, also ich meine, selbst wenn das, was ich schrieb, für einen anderen langweilig war: Das ist das Leben. Nicht jeder mag einem ewig zusehen oder zuhören - ich nehme mich selbst da auch gar nicht aus!
Wenn ich aber eines nicht mache und auch nicht will: schreiben für andere, damit sie bleiben oder noch mehr dazukommen. Denn dann wäre ich wirklich nicht mehr ich. Wie das andere machen, weiß ich nicht, aber die Listen, in die ich mich eintrage, diese Blogs lese ich tatsächlich. Von A bis Z. Ich trage mich nirgendwo ein, nur um "mich bekanntzumachen".
Im Gegenzug habe ich manchmal festgestellt, dass ich Leser haben, die sich nicht eintragen, obwohl sie immer wiederkommen. Schämen die sich für mich? :)

Aber: Gerade bei Deinen Texten, die ja oft auch wirklich unter die Haut gehen - da kann auch ich nicht immer etwas dazu sagen. Nicht weil ich das nicht will oder mich nicht interessiert. Aber das sind Gedanken, Gefühle, die kann zumindest ich nicht immer spontan beantworten - aber sie beschäftigen mich. Ich nehme sie aus dem Blog mit hinein in meinen Alltag. Ein sehr guter Freund hat damals, als wir uns kennen lernten, mal zu mir gesagt: "Es ist echt schwer, sich mit dir zu unterhalten. Ich erzähle was und erwarte eine Reaktion. Und du sitzt da, guckst mich an, trinkst einen Schluck und erst dann reagierst du." Und ich antwortete: "Na was willst du für eine Antwort? Eine echte, die aus dem Bauch kommt, weil ich mir Gedanken über die Dinge mache - oder eine oberflächliche, die dafür sofort kommt?" :)
Das ist nicht immer so bei mir, inzwischen bin ich durchaus wieder viel spontaner (das war 2003, mein schwierigstes Jahr). Aber so geht es mit oft mit Blogposts, die etwas in mir auslösen, die etwas in mir anstoßen. Und dann passiert mir auch, dass die Tage bereits weitergezogen sind und das Gedachte unausgesprochen bleibt...

~ Clara Pippilotta ~ hat gesagt…

Liebe Helma, ob die sich für Dich bzw. Deinen Blog schämen, weiss ich nicht, aber was gäbe es da schon sich zu schämen für? Ich denke aber manchmal, dass es eben auch nur Menschen sind, die vielleicht glauben, dass in eine Blogroll nur kurzweiliges gehört oder nur das, was irgendwelchen Trends folgt oder schlichtweg es gar nicht böse meinen sondern einfach keine Lust hatten, ihre Blogroll zu ergänzen oder so. Wer weiss schon, was da in den Köpfen alles vor sich geht, aber dass Du Dir dann diese Frage stellst, kann ich auch verstehen.

Vornehmlich geht es mir auch nicht um den Blog, der ist sowieso im Endeffekt nur ein Synonym für vieles, was im Alltag vor sich geht. Mir ist heute auch inzwischen klar, dass das bei mir oft Texte sind, auf die man nicht immer was sagen kann oder will. Und das ist völlig in Ordnung so für mich. Was ich damit ausdrücken wollte war, dass ich erst lernen musste, dass ich so okay bin, völlig unabhängig von den Reaktionen anderer Menschen hierauf.

Kurzweiliges mag ich auch gerne und natürlich lese ich nicht auf ewig überall mit - das ist normal so und gehört zum Leben dazu. Man muss auch loslassen können :)

Es ging aber um Gefühlstiefe in Deinem Post und darum, wie die Umwelt damit umgeht und da kam mir der Vergleich mit dem Blog ganz gut, weil ich darüber so unendlich viel dazu lernen konnte :)

Hab einen schönen Tag und falls ihr morgen auch Feiertag habt, dann einen möglichst sonnigen und warmen Feiertag!

Liebe Grüsse
Clara

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Liebe Clara, da hatten wir beide wohl denselben Lerneffekt: dass es okay ist, wie man selber ist - auch wenn das anderen nicht passt oder gefällt.

Ja, den Feiertag haben wir auch - und der Brückentag ist bei uns inzwischen immer frei. Das heißt natürlich nur eins: Fauleeeeennnziiiiiaaaa :D
Genieße auch Du die herrliche Frühlingssonne!!! Endlich gehts so richtig los damit :)

Schneeweiß Nachtschwarz hat gesagt…

Liebe Helma, wieder wunderschön geschrieben. Ich denke es auch- immer öfter- gerade die Gefühle machen uns doch sehr aus, umso wertvoller, wenn sie gezeigt werden, und doch.. Fallen mir auf Anhieb einige Situationen ein, in denen ich wegen meiner Gefühle angegangen wurde. Schade. Aber ja, was bleibt, wenn wir gegangen sind? Möchte man sich zurück erinnern, dass man seine Gefühle eher versteckt hat, oder das man sie gezeigt, gelebt hat? Entscheiden würde ich mich für Letzteres, leben tu ich eher Ersteres. Wirklich schade.

Ricci hat gesagt…

Helga, ein sehr interessanter Gedankenansatz!
Ich fürchte auch, dass Gefühle viele Menschen überfordern.... Schade, finde ich.
Ich danke Dir für deinen immer inspirierenden Blog, den ich schon lange - aber bisher - unkommentiert lese.
Gruß aus Köln
Ricci

rollringelpiez hat gesagt…

Ich kannte die unbekannte Bloggerin nicht. Vielleicht war sie eine, die eher pragmatisch daherkam und über "Gefühlsduselei" nur lächelte. Doch eigentlich geht es ja um die Gefühle der anderen. Derer, die noch da sind. Vielleicht hat es den BloggerInnen, die zu ihrem Tod schrieben, ja geholfen, sich vorzustellen, wie sie Gefühlsüberschwang mit spöttischer Augenbraue kommentieren würde? So ging es mir mit Kollegin Heidi, auf deren Beerdigung ich fast einen Lachanfall erlitten hätte, weil ich mir vorstellte, wie dieses energische 1,55 m kleine Persönchen mal eben die Pannen ihrer eigenen Beisetzung wegorganisierte?
Denke ich aber mal weiter als bis zur Trauer, so sehe ich das Zeigen von echten und tiefen Gefühlen als Zeichen der Stärke. Oberflächlich mag es schwach scheinen, aber nur sehr starke Menschen sind fähig, sich offen und damit verwundbar zu machen, zu sich und ihren Gefühlen zu stehen. Dafür habe ich große Bewunderung. Und selbst schaffe ich es nicht immer.

Anonym hat gesagt…

Indem man in blogposts relativ nüchterne Nachrufe schreibt weil man der Verstorbenen und ihrer Wesensart gerecht werden möchte, sind die Gefühle ja nicht weg. Jeder einzelne nachrufende wird geweint haben und Trauer getragen, ganz ohne das im Blog zum Ausdruck gebracht zu haben. Weil Perdita das blöd gefunden hätte. Ich finde das respektvoll.

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Liebe Frau Nachtschwarz, ja, diese Balance versuche auch ich seit längerem: das ausleben, was man eigentlich wirklich ist. Aber auch mir fällt das manchmal schwerer als früher. Das war nicht immer gut so..

Liebe Ricci, ja, Gefühle überfordern - aber ich frag mich warum? Liegt es in unserer Mentalität? Oder verlernen wir - erst das Zeigen, dann das Gefühl? Wenn ja, warum? Ein Zeitalter, in dem Gefühle weniger zählen als Erfolg und Leistung zum Beispiel? Eine Frage, die mich tatsächlich interessiert. Und hey, es ist schön zu wissen, dass mein Schreiben Dich inspiriert :)

Liebe RRP, liebe/r Anonym, ich möchte -.wie schon in meiner Antwort an Clara noch mal ganz klar sagen: Mir ging es hier nicht um Perdita und ihr Wesen selbst, auch nicht um die Worte derer, die sie kannten. Für mich als Außenstehender wurde nur deutlich, dass man sich - eben aus Respekt - zurücknahm, dass Gefühle zurückgehalten wurden, die zweifellos da sind. Das wiederum spann für mich den Bogen zur eigentlichen Thematik, die ich bereits in meinen letzten beiden Posts zum Ausdruck bringen wollte. Dass ich, wenn ich Menschen und ihren Umgang betrachte, immer öfter Herzlichkeit vermisse, Liebe in jedweder Form, die von Erwachsenen zu Kindern, die von Mann zur Frau und umgekehrt, zu Freunden, Familie. Dieses Thema hat für mich mit Perdita gar nichts zu tun, aber die Gedanken wurden hieraus erneut angefacht.
Wie in Video 1 der Trilogie von Kalkbrenner: Florian hat soviel abzugeben - aber all die Menschen lassen ihn nicht, sie stoßen ihn weg, treten ihn, nehmen ihm seine Musik Weg, er ist ihnen nicht geheuer mit seiner unbedarften Art "What's wrong with you?"
Und nein, Gefühle zeigen halte auch ich nicht für Schwäche, RRP. Manchmal wird das missverstanden. Oft nicht erwidert. Viel zu oft aber gar nicht erst gesehen. Ich erlebe es jeden Tag, den ich vor die Tür gehe. Und dann und wann denke ich, dass manches soviel schöner und einfacher wäre, wenn.

Anonym hat gesagt…

Das kann man doch so nicht pauschalisieren, dass niemand mehr Gefühle zeigt. Das ist für mich eher deine sehr subjektive Wahrnehmung, weil die anderen nicht so reagieren, wie du es tust und schon empfindest du die Welt als gefühllos.

Und wenn du dich, Kommentatorin Clara tut es offenbar auch, fragst, warum niemand deine Herzenstexte liest; weil es DEINE sind. Nicht meine. Es ist eine Sache, das zu schreiben, was dich bewegt. Aber wenn das von den Lesern nicht honoriert wird, dann bewegt es SIE offenbar nicht. Schaust du einen Film, der dich nicht interessiert? Ich nicht.

Anonym hat gesagt…

Entschuldige. Klingt ein bisschen hart. Aber merkt ihr noch, was ihr da schreibt? Es ist in Ordnung und richtig, sich ins Zentrum seines Universums zu stellen. Oder wie ein Egohelikopter nur um sich zu kreisen. Aber sich dann darüber zu wundern, dass die Leser abspringen, das ist merkwürdig. Beschäftigt euch so lange mit euren Herzenstexten, wie es für euch richtig ist. Aber warum sollte das Außenstehende interessieren? Das nur mal so als Gedankenanregung.

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Liebe/r Anonym, zunächst möchte ich etwas anmerken: In Deinem ersten Kommentar hier schreibst Du von Respekt - meinst Du nicht auch, dass es zum Respekt mir gegenüber gehört, dass Du Dich in der fortführenden Kommunikation nicht hinter dem Deckmantel "Anonym" versteckst, sondern Dir und damit mir wenigstens einen Namen gibst? Sicherlich ist Helma Ziggenheimer auch nur ein Pseudonym, so wie Du mit "Adele" unterschreiben könntest und in Wahrheit Karl-Friedrich heißt. Für mich gehört es dennoch zu einem gewissen Respekt dazu.

Zum anderen muss ich etwas korrigieren: In meiner ersten Antwort an Dich bezog ich mich auf meinen Kommentar an Clara Himmelhoch, nicht an Clara Pippilotta.

Und ja natürlich: All das, was ich hier schreibe, ist meine eigene subjektive Wahrnehmung - wie sonst anders stellst Du es Dir denn vor? Dass ich im Namen anderer schreibe? Das wäre nicht nur völlig unmöglich, sondern auch eine Anmaßung, weil ich dann davon ausginge, dass ich recht hätte und jeder so denken würde oder sollte wie ich. Jedoch sage ich weder das eine noch das andere. Das einzige, was ich hier tue, ist, meine Gedanken- und ein Teil meiner Gefühlswelt wiederzugeben. Als ich 2008 begann zu bloggen, hatte ich weder konkrete Vorstellungen, geschweige denn Erwartungen an den virtuellen Auftritt, doch mit der Zeit und mit der wachsenden Leserzahl wurde mir eins bewusst: Auch wenn die meisten Menschen sich nie real begegnen (werden), so entsteht hier oder da im Kommentarbereich dennoch ein konstruktiver Austausch, der es mir erlaubt, dieselbe Sache aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten - und eventuell eine neue Position zu etwas einzunehmen. Oder auch nicht.

Und was mich in meinem Kommentar an Clara Pippilotta betrifft: Leser, die einem Blog folgen, interessieren sich für diesen. Zumindest handhabe ich persönlich es so. Oder trägst Du Dich in einen Blog ein, dessen Inhalt Dich nicht anspricht? Ich nicht!

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Letztlich erwarte ich auch keine Reaktion auf alles, was ich hier schreibe oder zeige. Es wird einem jedoch aber doch erlaubt sein dürfen, sich über die Jahre hin ab und an seine Gedanken zu dem einen oder anderen zu machen und diese Gedanken auch zu äußern. Weder ist das ein Vorwurf an andere noch eine Abwertung anderer. Es ist lediglich eine Feststellung, ein Gedanke.

Und ich möchte noch einmal verdeutlichen, worum es mir in den nunmehr letzten drei Posts und auch hier im Kommentarbereich ging: Ja, meine Wahrnehmung ist es, dass es immer weniger Liebe unter den Menschen gibt - oder sie zeigen es immer weniger. Wenn ich vor die Tür gehe, dann wünschte ich mir zunächst einmal Freundlichkeit, Höflichkeit. Dass man respektvoll zueinander ist. Einander die Tür aufhält. Einem alten Menschen oder einer Mutter mit Kinderwagen in den Bus hilft. Dass man "Guten Tag" und "Bitte" und "Danke" sagt. Dass man einer Bedienung in ihr Gesicht schaut, wenn man etwas bestellen möchte.
Ich fahre immer wieder zusammen, wenn Eltern ihre kleineren Kinder am Arm zerren - oder so wie gestern im Supermarkt quer durch den Raum anfahren, dass andere betreten zur Seite schauen oder neugierig schauen. Meine Kinder waren auch klein und nicht immer die pflegeleichtesten. Ich weiß also auch, wie das ist, diese Alltagsbelastung mit Job, Kind und Haushalt. Und auch ich kann von mir nicht behaupten, dass ich mich immer richtig verhalten hätte.
Hast Du eigentlich meinen Post richtig gelesen, bevor Du kommentiertest? Dann solltest Du auch gelesen haben, dass selbst ich heute emotional deutlich reduzierter auftrete als noch vor vielleicht 10 Jahren. Ich hinterfrage auch mich, was dazu geführt hat. Frage mich, ob es reicht, dass Menschen wissen, dass ich sie liebe, aber vermutlich nicht, wie sehr. Ich muss diese Gedanken nicht in den Blog stellen, ich kann es aber. Weil ich es so möchte, anstatt über das Wetter zu philosophieren.

Damit sage ich nicht, dass jeder Mensch die Welt durch meine Augen betrachten muss und so agieren soll wie ich. Es darf mir jedoch erlaubt sein zu sagen, dass es für mein Empfinden viel zu wenig Liebe, dafür aber mehr Lieblosigkeit gibt.

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Ach ja, ein Gedanke noch: Natürlich steht es jedem Menschen zu, seine Meinung zu etwas zu ändern; es gab auch für mich immer wieder Blogs, die ich eine Zeitlang verfolgte und irgendwann nicht mehr. Das ist auch völlig in Ordnung. Es sei mir doch aber bitte auch zugestanden, dass ich nicht nur registriere, innerhalb von drei, vier Tagen 6 Leser zu verlieren, sondern mir auch meine Gedanken dazu mache. Dass ich mich zunächst frage, ob ich was falsch gemacht, was Falsches gesagt hätte - oder die Leser einfach nur die Lust am Blog verloren. Für ersteres wüsste ich das gern - für letzteres ist es okay so.
Genauso wie es okay sein darf, dass Blogger sich darüber austauschen, wenn auf tiefergehende Posts gar keine oder kaum eine Reaktion erfolgt, dafür aber die neue Frisur eine Endlosdebatte nach sich zieht. Es ist ein Austausch, liebe/r Anonym. Nicht mehr, nicht weniger.

Anonym hat gesagt…

Als Leserin, die sich hier ausgetragen hat, bin ich da bei dir. Ich folge Blogs, die ich thematisch reizvoll finde. Folge ich dir aber in einer deiner leichten Phasen und kommen plötzlich nur noch Herzenstexte, dann entfolge ich. So einfach ist das. Aber es kommen sicher neue Leser, die auch deine Herzenstexte schätzen.

@Austausch: Und dem fügte ich lediglich einen weiteren Gedanken hinzu. Den Gedanken einer Leserin. Aber ich vergaß; ihr schreibt für euch. Dann sind entfolgende Leser doch egal. :)

Anna hat gesagt…

Dann klinke ich mich als Stammleserin mal in die "Herzens/Gefühlstext"-Diskussion ein, @Helma und Clara P. ;)

Ich lese eure "schwereren" Texte, aber ich kommentiere sie kaum. Manchmal, weil ich einfach nicht weiß, was ich dazu sagen soll. Oder weil ein kurzer Einzeiler mehr als unangemessen ist, mir für mehr aber Zeit und Muße fehlt. Manchmal möchte ich auch später noch was dazu sagen, aber das gerät dann in Vergessenheit, weil on- und offline viel zu tun ist. Und manchmal ist mir das Eis schlicht zu dünn, je emotionaler das Thema ist, desto schwerer wird es für mich, zumal ich mit einem Kommentar auch immer ein Stück von mir preisgebe...möchte ich auch nicht immer. Genau deshalb werden Frisurenposts etc. "besser gehen", weil dazu einfach jeder was sagen kann, ohnne groß an seinem Kommentar feilen zu müssen. Aber so geht es mir, was in anderen Köpfen vorgeht, weiß ich nicht.

Und nun traue ich mich auch kaum noch, eure leichten Texte zu kommentieren, weil so ein Verhalten dann wohl eine gewisse Oberflächlichkeit und wenig Tiefgang suggeriert. Blöd... Was nun?

Herzliche Grüße an euch!

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Liebe Anna, jetzt muss ich echt lachen: Wow nee - so sollte das bitte echt nicht rüberkommen! Noch mal: Niemand ist zu irgendwas gezwungen, ich werfe niemandem etwas vor, ich äußere doch nur Gedanken :)
Was Deine Zeilen zu den "schwereren Texten" betrifft: Ganz oft geht es mir genauso! Habe ich ja auch an Clara geschrieben. Dass ich die Texte mitnehme in den Alltag, weil mir beim Lesen zu oft Zeit und eben auch Muße fehlen, darauf einzugehen - obwohl man soviel im Kopf hat beim Lesen. Und dann wartet man irgendwie 1 oder 2 Tage zu lange und dann ist das schon wieder vorbei...
Vor kurzem habe ich aber auch einen Post gelesen, der mich - natürlich unbeabsichtigt - schwer getroffen hat. Dem Blog bin ich nicht entfolgt, weil ich diesen und auch die Bloggerin, die ich persönlich kenne, sehr mag - aber ich habe bestimmten Themen nicht lesen und erst recht nichts dazu sagen können - und sie hat dann diese Posts auch auf ganz privat gesetzt. Was sie nicht gemusst hätte, es ist ja ihr Blog, aber es gibt eben auch für mich Dinge, denen ich mich nicht stellen kann. Und auch nicht stellen will. Über die ich aber auch nicht sprechen kann und will. Habe ich nie und werde ich vermutlich auch nie niemals.

Auch bin ich Blogs entfolgt, mit deren Inhalt ich mich auf Dauer nicht identifizieren kann, worin ich nichts für mich wiederfinde oder die so kryptisch sind, dass es mich nicht "mitnimmt" - die Gründe sind ja vielfältig so wie unsere Interessen. Wenn das der Grund fürs Entfolgen ist oder aus den Gründen, wie Anonym es beschreibt, ist das für mich völlig in Ordnung. Wir sind alle freie Menschen.
So empfinde ich das auch mit dem Kommentieren: Wer etwas zu sagen hat, ist herzlich willkommen, solange man sich benimmt :) Ganz egal, zu welchem Post bzw. zu welchem Thema.

Anna hat gesagt…

Na das ist doch schön, dass ich dich zum Lachen bringen konnte. ;))

Dann freue ich mich, dass meine Kommentare auch zu den leichteren Themen willkommen sind und das von dir nicht so gewertet wird, dass ich mir hier (oder bei Clara) nur leichte Kost wünsche. ;)

Anna hat gesagt…

An dich hab ich eben gedacht, Fr. Ziggenheimer. Haben gerade während der Laufrunde eine alte Dame getroffen, die ihr Handy (iPhone, ausgerechnet) verloren hatte. Nun hat sie uns gefragt, ob wir das verlorene Ding mal anrufen könnten, damit man es aufgrund des Klingelns hätte orten können. War leider erfolglos. Auf dem Rückweg haben wir es nochmal versucht. Und was war? Sie ging selbst ran. Jemand hatte das Handy gefunden, die eingespeicherte Nummer von ihrem Sohn gewählt und nun hat sie es wieder. ;))

~ Clara Pippilotta ~ hat gesagt…

@Anonym: Ich diskutiere nicht mal ansatzweise mehr mit Menschen, die verbal so draufschlagen wie Du. Worte wie "Egohelikopter" sprechen für sich. Ende. Aus.

@Helma: Ich sah das hier erst jetzt, deshalb reagiere ich auch erst jetzt. Ich glaubte mich verständlich ausgedrückt zu haben. Jedenfalls ging es nie darum, dass andere blöde/böse sonstwas sind, wenn sie meine Texte nicht lesen und das habe ich auch nirgendwo geschrieben. Letztendlich ging es mir in erster Linie auch nicht um den Blog sondern um das Grundsätzliche, schade, wenn ich sehe, dass das wieder jemand nicht verstehen kann oder will. Einen Meinungsaustausch hat anonym hier allerdings nicht vorgenommen sondern unreflektiert verbal um sich getreten. Sorry, aber da bin ich raus.

Zum Tiefgang blogge ich vielleicht noch ein paar grundsätzliche Gedanken. Und sorry, ich meine nicht Dich mit meinem Wutausbruch hier, aber solche Leute wie anonym habe ich durchschaut und deshalb bin ich da inzwischen sehr unerbittlich geworden.

@Anna: Du bekommst Post :)