Mittwoch, 18. Mai 2016

Singledingeling

Gestern Abend lief da so ein Film im TV, über den ich eher zufällig beim Herumzappen fiel.
Vier Frauen in einer Großstadt, vier Frauen, vier Schicksale - alles aber deutlich angehaucht von der sommerlichen Leichtigkeit und einer entsprechenden Erzählweise. Ich blieb zwar hängen, aber...

Ich meine, wie realistisch ist das, dass eine alleinerziehende junge Frau ihren Job schmeißt, bloß weil ihr Chef ein Arsch ist? Hand aufs Herz: Wie oft haben wir alle doch schon mal heimlich davon geträumt, uns vor dem Chef aufzubauen, all den Frust und die Schmach der vergangenen Jahre ins Gesicht zu schleudern und einen Abgang hinzulegen, der wie geschaffen wäre für den nächsten Kinokracher? Und wie oft haben in der Realität unsere Backenzähne ihre Eckpfeiler verloren, weil wir so bemüht waren mit Aufeinanderbeißen, damit bloß kein falsches Wort über die Lippen rutscht? Weil eins mal Fakt ist: Der Job bzw. das Einkommen daraus sichert uns das Auskommen. Vor allem dann, wenn wir alleinerziehend sind und die Väter über leere Geldbörsen jammern, während sie sich das dritte neue Auto kaufen - oder gleich wiederholt und nachdrücklich die Drohung in den Raum werfen: "Kommst du mir mit Alimenten, hab ich nichts mehr zu verlieren. Aber dann überlebst du das nicht." (Eigenerfahrung) Da schmeißt man keinen Job hin ohne Alternative.
Es ist (leider!) auch unrealistisch, dass der ebenso junge wie smarte Nachbar vom Balkon nebenan Gefallen an eben dieser Alleinerziehenden findet. Heutzutage muss doch alles federleicht und rosarot bleiben, schon beim geringsten Hauch von Verbindlichkeit verfällt die Männlichkeit nur allzu gern in das große MiMiMi der ach so großen Beziehungsunfähigkeit. Eigener und auch bei anderen betrachteter Erfahrungswerte zufolge nach rund 8 Jahren Online-Single-Börsen. Und nein - aus mir ist keine Männerhasserin geworden - im Gegenteil, und außerdem lebe ich seit 1,5 Jahren mit einem solchen Exemplar zusammen - und das auch noch freiwillig.

Und wie realistisch ist es, dass eine Ehefrau und Mutter das gemeinsame Haus verkauft auf den bloßen Verdacht hin, dass der Mann fremdgeht? Bloß weil er keinen Bock auf Sex mehr hat, erst nach drei Tagen feststellt, dass sie beim Friesemeister war und anruft, dass es am Abend später würde (blöder Job, ja, nee, keine Mittagspause, bin gaar nicht rausgekommen - und dann sieht sie ihn mit einer Frau auf der Straße). Klar - da hätte auch ich den naheliegendsten Verdacht im Kopf - aber ich hätte doch nicht niemals im Stillen gehadert und heimlich den Verkauf des Hauses eingeleitet?
Ich meine, verkaufen kann man doch immer noch - erst mal aber hätte ich ganz gepflegt den Mann auseinandergenommen. Nudelholz ist ja heute sowas von out - aber sich selbst im stillen Kämmerlein zerfleischen? Näää! Das hier aufgezeigte allgemeine Problem, nämlich das der mangelnden Kommunikation, sollte hier wohl nur auf spielerische Weise erzählt werden - immerhin war ja Sommer in der Stadt und auch ganz offensichtlich, dass Mama & Papa sich immer noch lieben. Wenn das nämlich vorbei ist, dann hilft auch kein Reden mehr. Außer fürs Schlusswort.

Ein bisschen verschluckt habe ich mich, dass die dritte Frau - die einzige in diesem Film übrigens mit etwas mehr auf den Hüften - vor einem Lokal jemandem begegnet, auf den sie erst umsonst beim ersten Date wartet, der aber zur Entschuldigung am Tag darauf einen selbstgebackenen Kuchen mitbringt und ihr zu verstehen gibt, wie attraktiv und liebenswert er sie findet. Nähere Bekanntschaft sehr gern! Verschluckt habe ich mich deshalb, weil... Der Typ war blind! Was sollte mir diese Szenerie sagen? Dass nur ein Nichtsehender eine dicke Frau schön und begehrenswert finden kann? Weil er nämlich dann gar keine andere Wahl hat, als sich auf ihre inneren Werte zu konzentrieren? Oder soll es eher diesen Fingerzeig darstellen, dass wir uns eben zu oft von Äußerlichkeiten leiten lassen, anstatt uns Zeit für den Menschen dahinter zu nehmen? Zeit, ihn näher kennenzulernen? Zeit, ihn mit anderen Augen zu betrachten und uns damit Zeit für das Wesentliche zu nehmen? Hm. Kann auch sein, ich hab das an dieser Stelle mal wieder zu ernst genommen.
Insgesamt wars mir trotzdem bisschen zuviel Zuckerguss mit ner Prise Rizinus - so für meinen Geschmack. So im Nachhinein.

Am meisten ins Grübeln kam ich bei der vierten Protagonistin. Die mit ihrem kleinen Lädchen, vor dem eines Tages ein smarter Typ mit Gitarre sitzt - und den sie mal eben einfach so mit nach Hause nimmt, nur um ihn nach.. äh.. getaner Arbeit erst aus dem Bett und dann aus ihrem Leben zu schmeißen. Und der Typ gibt nicht auf! Der steht wieder vorm Laden - und will reden! REDEN! Hä? Seit wann will ein Mann, der uns nicht mal kennt (nein, eine Nacht rumvögeln zähle ich nicht zum Kennenlernen, immerhin wird da viel zu wenig von sich gezeigt, egal, wie nackt man ist), reden und auch noch verstehen??
Wooaarr!
Das ist mir in keiner Szenerie meines Single-Lebens passiert. Auch in keiner, die ich von anderen kenne.
Na ja gut fast. Da war mal einer, den kannte ich vierzehn Tage inklusive eines gemeinsamen Wochenendes. Danach war mir klar: Das ist leider kein Mann für mich. Interessant für mich war dabei, dass es hier tatsächlich nicht daran lag, dass er - Stichwort Äußerlichkeiten! - zum Beispiel schlappe 6 Zentimeter kleiner war als ich (ich dachte ja immer, dass ich genau damit nicht würde umgehen können) - sondern dies tatsächlich in seinem Wesen begründet lag. Verschiedene seiner Äußerungen, die ich irgendwie wiedererkannte. Von denen ich wusste: Das würde ein unterdrücktes Leben ohne Freiraum. Nee danke - da war ich ja gerade erst raus. Als ich dann noch bemerkte, wie er vor dem Spiegel stand und das Spiel seiner Oberarmmuskeln betrachtete, da war der Würfel endgültig gefallen. Sorry Jungs, aber das geht echt gar nicht. Dieser junge Mann aber hat damals wirklich gekämpft, das muss ich ihm lassen. Ähnlich dem Typen von gestern Abend aus dem Film. Der kannte mich kaum und kämpfte trotzdem. Aber ist das nun trotz allem Realität?
Ich bin schon lange aus den Singlebörsen raus - aber wenn ich an die hauptsächlichen Erfahrungen denke und an die, die Freundinnen oder Bekannte mit Männern machten, dann tue ich mich sehr schwer damit, dies Realität zu nennen. Dann ist so eine Filmsequenz doch eher Zuckerwattezuckergusswolke. Und ich finde das schade! Es gibt immer wieder Momente, in denen ich an mir oder anderen feststelle, wie kaputt wir Menschen sind, wie kaputt wir uns gemacht haben - und wie viel wir uns selber damit nehmen.

Insgesamt hat der Film aber gereicht, ihn mit ins Bett und in die Träume zu nehmen. Was DA abging, das finden Sie in keinem Traumdeutungsbuch! Brauchte ich aber auch nicht - war alles eindeutig genug :)
Interessanterweise befühlte Herr Blau heut morgen erst meine Arme, dann mein Gesicht und fragte, ob alles OK mit mir sei. Äh.. Ja? Wie es halt so okay ist, wenn man ausm Tiefschlaf gerissen wird und so fragte ich gähnend nach: "Wasn los?"
"Na nix, aber du lagst noch genauso da wie du dich gestern Abend hingelegt hast."
Hatte er geglaubt, ich hätte mich des Nächtens ins ewige Nirvana hinübergeschlafen?
Da konnte er ganz unbesorgt sein, ich war müde, aber lebendig :) Nur schade, dass die Träume aus waren!

Heute Mittag las ich übrigens, dass das gestern offenbar kein Film, sondern Teil einer Serie gewesen sein soll, nur mit teilweise anderen Darstellern. "Frauenherzen" - was überhaupt fürn Schwachsinnstitel. Aber wenn da noch mal was kommt, schaue ich weiter. Warum nicht doch ein bisschen zuckersüße Illusion im Alltag? So ab und zu? Das ist wie Kaffee ohne Zucker. Kann man so machen - muss man aber nicht. Immerhin trinke ich meinen Kaffee fast immer ohne Zucker, aber manchmal eben auch mit. Ist wohl so tagesformabhängig. Habe ja auch erst vor ner Weile gelesen, dass der Drang nach Süßem eigentlich nur die Sehnsucht nach Liebe widerspiegeln soll. Na dann!

Kommentare:

Anna hat gesagt…

Pfft. Und ich dachte immer, nur die Pilcher-Schmonzetten sind unrealistisch. *g* Bei mir flog neulich ein Buch an die Wand (ja wirklich, es war sauer und es hat mich echt genervt), das wieder nach dem üblichen Schema gestrickt war: Die "Heldin" ist soooo unglaublich süß, dabei aber auch unschuldig, rein und waaaahnsinnig attraktiv. Und der "Held" ein umwerfend attraktiver Macho, der alles erlegt, was nicht bei drei aufm Baum ist. Natürlich verfällt er der unschuldigen Schönheit und sie kann ihr Glück nicht fassen, weil sie doch so ein waaaahnsinnig scheues Mäuschen ist. Boah, ey. Wenn ich ein Buch schreiben wollen würde... nur dieses eine Buch... es müsste eine Verar***e auf diesen Schwachsinn sein. ;D

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

*kreisch!!* Auf DAS Buch bin ich gespannt!!! :D

Goldi hat gesagt…

War das der Film in dem sie gelangweilt unter ihm lag und er wie ein Affe geschrien hat, als er vermeintlich orgastisch war?

Das war dann nämlich genau der Moment als wir den Fernseher eingeschaltet haben

Herr Gold "Was ist das denn?"

"Ich glaube der hat gerade einen Orgasmus"

Herr Gold "Scheint für sie ja der Burner zu sein"

"Ich würde sofort im Zoo anrufen"

Herr Gold "Lass uns GOT schauen, sowas kann man sich ja nicht anschauen"

sprachs und schaltete auf das Videoportal :-D

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

"Kreisch!!! Hallo Sie, Ihr entlaufener Affe liegt auf meiner Frau!"
Weiß allerdings nicht, ob wir vom selben Film reden, habe ja erst hingezappt, als der schon ne Weile lief.
Also wir jedenfalls haben bis zum zuckersüßen, also unrealistischen Ende durchgehalten :)
Was ist GOT?

Goldi hat gesagt…

Game of Thrones - ich war skeptisch aber jetzt SUCHT

gretel hat gesagt…

Muss mich mal kurz in die Diskussion einschalten. Goldi meint "Vorstadtweiber" ARD. Die erste Staffel war sehr amüsant, jetzt ist es eher langweilig.
Den Film Frauenherzen hatte ich auch gesehen. Ist eine Antwort auf die Filme Männerherzen von 2009 und 2011. Und diese Filme waren tatsächlich ein Brüller, ich habe mich weggeschmissen vor lachen. Ja doch - ich guck auch ganz gerne mal in den Fernseher....
Und was die Männer betrifft. Ausnahmslos alle in meinem Vorleben haben sich total bemüht und gekämpft und waren verblüffend bemüht, um den perfekten Mann zu geben. Diese Phase dauerte allerdings immer nur so ca. 2 - 4 Monate. Dann hat man langsam mitbekommen, wen man eigentlich gerade an seiner Seite hat und konnte sich für oder wider entscheiden....
Lieben Gruß



Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Moin :)
Also Männerherzen habe ich auch gesehen - fand aber nur den 1. witzig. Ist ja eh immer schwierig, die Fortsetzungsfilme an den Erfolg vom ersten anzuhängen, meiner Meinung nach gelingt das nur selten.
Also in meinem Vorleben haben schon mehr Männer um mich gekämpft - wenn ich das so formulieren darf ;) Es ging mir hier aber darum, dass Männer um eine Frau kämpfen, die sie noch gar nicht kennen und mit der sie lediglich 1 x Sex hatten. Quasi ein One-Night-Stand (von dem er nur nicht wusste, dass es einer werden würde, er wollte ja mehr). Und dass ein Mann REDEN will - eben grad wenn er sie noch nicht kennt und es gleich zu Beginn schon "Beziehungsstatus: Es ist kompliziert" wird, hm, da bin ich wirklich sehr skeptisch. Oder ich kannte die falschen Männer :D
Dass ein Mann sich von der besten Seite gibt, habe ich so auch festgestellt - aber ich glaube, da nehmen sich Männer wie Frauen nix.

gretel hat gesagt…

Ich glaub schon, dass sich Frauen und Männer da unterschiedlich verhalten.
In der ersten Phase habe ich mich natürlich besonders um mich gekümmert, dass ich gut aussah und möglichst kluge Sätze von mir gab, aber das wars auch schon. So von wegen Pralinen und weiße Rosen und Türe aufhalten und säuseln und Komplimente bis zur Peinlichkeit- nee - das waren immer nur die Männer :-))