Mittwoch, 30. November 2016

Die Zigge, das Schaf?

Quelle:
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Es ist Mittwoch morgen und im Zimmer nebenan steht die Reisetasche, geöffnet, aber noch leer.
Wozu mir in den vergangenen Tagen die Muße und manchmal einfach auch die Zeit fehlte, das versuche ich jetzt in die verbleibenden zwei Stunden bis zur Abreise zu pressen.
Die Wäsche waschen.
Die Bügelwäsche sortieren.
Ein bisschen Ordnung hier und da.
Die Arbeitsunterlagen sortieren, damit ich nichts vergesse für die beiden Tage im Büro.
Und obschon ich eigentlich damit genug zu erledigen hätte, sitze ich hier und... außer dass die Waschmaschine grummelt, passiert hier in genau diesem Moment... nichts.

Manchmal ärgert man sich über so kleine Dinge. Winzigkeiten. Eigentlich nicht der Rede wert.

Über das Geburtstagspaket, das eine Woche unterwegs war - und zu spät kam.

Über eine Schneiderei, bei denen man im August einen Übergangsmantel bestellte, bezahlte - und dass nach über drei Monaten Wartezeit der Verkäufer die Kommunikation inzwischen vollständig einstellte - und seinen Shop leerräumte.

Man ärgert sich über unberechtigte Abbuchungen, unberechtigte Mahnungen, unberechtigtes Vogel-zeigen auf der Straße und und und.
Dann sitzt man daheim, vergrießgnaddelt, stumm wie ein Fisch und geht zeitig zu Bett, weil einen die ganze Welt anödet und sowieso und überhaupt irgendwie alles scheiße ist.

Aber... Ich weiß manchmal nicht so genau... Was bin ich eigentlich, wenn mich solche Sachen weder ärgern noch runterziehen? Wenn ich einfach nur gucke, dass ich den PipiFax hinter mir lassen kann? Dafür geduldig auch mal ein paar Tage warte? Dass ich in den meisten Fällen schon darauf vertraue, dass sich eine Lösung finden lässt? Und entsprechend gelassen bleibe?
Bin ich dann ein naives Schaf oder Dummchen oder was-weiß-ich?
Ich sag ja nicht, dass mir immer nur die Sonne aus dem Allerwertesten scheint, dass nicht auch ich mal genervt und gereizt wäre oder mich Dinge auf die Palme bringen, über die ich an anderen Tagen einfach nur lachen würde.
Doch oft, so im Alltag und im allgemeinen, frage ich mich schon immer wieder, worüber der Mensch sich alles so aufregen kann, wovon der Mensch alles so genervt sein kann - und frage mich, ob das manchmal nicht einfach.. unnötig war? Dass man sich selbst den Tag, den Abend oder auch zwei davon verdarb, obwohl man eigentlich was ganz anderes vorhatte?

Über das Geburtstagspaket hat der Papa sich richtig gefreut - und das ist doch dann die Hauptsache, oder?

Wenn der Verkäufer nicht mehr reagiert und auch den bestellten Mantel nicht schneidert und schickt, ja dann bedient man eben den Käuferschutz von paypal (nie wieder im Internet in Shops, die man nicht kennt, ohne paypal bezahlen - das war jetzt das zweite Mal - zu meinem Glück im "Unglück"). Da nimmt man auch eine weitere Frist von rund 14 Tagen in Kauf, in denen paypal mit dem Verkäufer nach einer Einigung sucht - und an dessen Ende letztlich das Geld erst mal zurückgebucht wurde.
Das ist doch dann auch die Hauptsache, oder? Dass man es überhaupt zurückbekommt... Ist ja auch nicht so, dass man keine Wäsche für den Übergang vom Herbst zum Winter hätte!
Fürs nächste Mal weiß mans besser - und dann gibt es ja auch immer noch die Möglichkeit des Bewertens. Die ich auch genutzt habe ;)

Unberechtigte Mahnungen kann man innerhalb von Minuten telefonisch klären - und als Entschädigung einen Gutschein entgegennehmen.
Unberechtigte Abbuchungen kann man auch telefonisch klären - aber das kommt ja tatsächlich seltener vor.
Unberechtigtes Vogel-zeigen - ach Gottchen, da lach ich doch drüber. Was kann ich dafür, dass andere die StVO nicht beherrschen und nicht wissen, dass man vor einem Spurwechsel erst mal blinkt UND schaut, ob da jemand neben mir ist?

Empfinde ich das nur so oder ist es tatsächlich unsere Gesellschaft, die immer anspruchsvoller wird, diese Ansprüche nicht erfüllt bekommt oder sieht - und an allem und jedem nur noch rumnörgelt und rummeckert? Dass wir nicht mehr allein zufrieden mit Erreichtem sind, dass gleich immer noch mehr sein muss - und das bitte nach unseren Vorstellungen und Werten?
Na klar gibt es Arschlochmenschen - hat es immer gegeben und wird es auch immer geben.
Aber ich muss mich ja nicht mit jedem davon befassen oder mich damit auseinandersetzen. Ich kann ja trotzdem freundlich lächeln und denken "Fick dich, Arschfotzenkopf!"
(Ja, ich habe das jetzt ganz bewusst ausformuliert und nicht in beep-Zeichen gesetzt.)
Ich muss ja auch nicht alles und jedes an mich heranlassen - und zu oft nimmt man doch persönlich, das gar nicht so gemeint war. (Ich gebe aber zu, dass dies eine Kunst ist, in der ich immer noch lernfähig bin ;))

Manchmal wünschte ich mir einfach ein bisschen mehr Gelassenheit.
Damit man nicht nachdenklich den Lippenstift in der Hand betrachtet und sich fragt, ob man jetzt noch eine Nachricht auf dem Spiegel hinterlassen möchte.


Kommentare:

amorsolalex hat gesagt…

Geht mir auch so, ich lass mir die Stimmung verderben von Kleinkram und von Idioten, die ganz sicher nicht verdient haben, DAS geschafft zu haben. Darum immer mal fragen, war es wirklich ein schlechter Tag, oder schlechte fünf Minuten, an die ich den ganzen Tag gedacht habe?

Anna hat gesagt…

Für die Gesellschaft kann ich nicht sprechen - allerdings empfinde ich es auch so, dass die Anspruchshaltung wächst und es der Smarthponegeneration immer schwerer fällt, einfach mal zu warten, wenn die Bedürfnisse nicht von jetzt auf gleich befriedigt werden. Per Knopfdruck, sozusagen.

Was die (latente) Unzufriedenheit angeht: Habe festgestellt, dass es eine Methode gibt, unerwünschte Gespräche in bestimmten Kreisen zuverlässig und sehr schnell zu beenden: einfach nicht in die Jammer-, Mecker- u. Nörgeleien über Gott, die Welt, das Wetter und "die da oben" einstimmen oder (noch schlimmer!) einfach darauf hinweisen, dass es uns persönlich doch relativ gut geht. Zack... biste als Gesprächspartner sofort disqualifiziert. Ich liebe diesen Effekt. *g*

Und ob ich mich von Kleinigkeiten ärgern lasse, hängt von meiner Grundstimmung ab. Es gibt Tage, an denen ich nicht mal die Nachrichten ertragen kann, da bekomme ich jedes Wort in den falschen Hals und möchte die olle Postschrapnelle, die mich immer darauf hinweist, dass Büchersendungen gefälligst mit diesen Klammern verschlossen werden müssen (ach ja?! Und warum bekomme ich dann tonnweise Büchersendungen, die nur zugeklebt sind?!) am liebsten... *zensiert* An anderen Tagen kann ich über das, was so ein Stimmungstöter ist, nur lachen und da braucht es wirklich schweres Geschütz, um mich richtig zu ärgern. ;)