Dienstag, 25. Juli 2017

Lieblingsgeräusche

Gibt es sie, die totale Stille? Ich weiß es nicht, ich habs nicht ausprobiert, nicht danach gesucht. Mein ganzes Leben lang begleiten mich Geräusche, und manche davon liebe ich, weil sie mich wohlfühlen lassen mit dem, was ich gerade tue - oder weil sie mir Bilder in den Kopf zaubern, wo und wie ich gerade sein wollte...

Heute Morgen bekam ich in einer Nachricht "Lieblingsgeräusche" mitgeteilt, und ich habe mir spontan diejenigen ausgewählt, die wiederum zu denen zählen, die etwas in MIR auslösen:
  • das Knarren eines alten Parkettbodens
    (Es erinnert mich so sehr an den Dielenfußboden bei meiner Großmutter, bei der ich jedes Jahr im Sommer die Ferien verbrachte, ihre Bücher las, ihre Fotos betrachtete, ihre Perlenkette durch meine Finger gleiten ließ, Puppensachen nähen lernte und von der ich die Leidenschaft zum Malen erbte.)
  • das Auf- und Zuklappen von Buchdeckeln
    (Ich LIEBE Bücher, ihren Geruch, ihre Haptik, und darum lehne ich jede Form von digitalen Büchern rundweg ab.)
  • die sanfte Wärme in der Stimme einer geliebten Person
    (Was das Timbre in einem selbst auszulösen vermag, erlebte ich bislang bei nur einem einzigen Menschen.)
  • sommernächtliches Grillenzirpen
    (Weil es mich an die Nächte im Gras erinnert, in denen wir Wein tranken und über das Leben philosophierten, während sich über uns der klare Nachthimmel spannte und wir glaubten, die Sterne mit den Händen greifen zu können.)
  • das Knistern beim Abspielen einer alten Schallplatte
  • das Donnergrollen eines herannahenden Gewitters
    (Ich liebe Gewitter, wenn ich zu Hause bin, die nackten Beine ausstrecke, leise Musik durch das Zimmer perlt, ein Glas Tee in der Hand, während ich dem Grollen da draußen zuhören und zusehen kann.)
  • Schnee, der unter meinen Füßen knirscht
  • Herbstblätterrascheln
    (Da kann ich noch heute mit der Freude eines Kindes durchstieben.)
  • Regen, der ans Fenster prasselt
  • der fröhlich bunte Klangbrei in Straßencafés
    (Für mich zeugt das immer von pulsierendem Leben. Vermutlich liebe ich es deshalb, in der Stadt zu leben, mich untermischen zu können, wann immer mir danach ist - oder mich auch wieder zurückzuziehen, wenn ich genug davon habe.)
  • das Klicken von Schreibmaschinentasten
    (Gut, ich gebe zu, die Schreibmaschine, auf der ich einst noch lernte, ist inzwischen längst abgelöst. Längere Texte würde ich vermutlich so nicht mehr verfassen wollen. Aber ich liebe das Geräusch bis heute. Es hat so was... Kreatives irgendwie... Vielleicht, weil man tatsächlich schreiben kann, was immer man auch will. Die Technik von heute jedoch macht es möglich, dass ich mich jederzeit in eines dieser Straßencafés setzen und schreiben könnte, wann immer mir danach wäre. Und dieses Lebensgefühl mag ich... Mich an freien Tagen irgendwohin zu setzen, einen Kaffee oder einen Tee  zu trinken, etwas Süßes dazu zu essen und bei all dem am großen Fenster eines Cafés zu sitzen, zu schreiben, während der Blick sich ab und an vom Bildschirm erhebt und über die Menschen da draußen streicht.. Betrachten, beobachten, lächeln, weiterschreiben..)
  • das Prasseln eines Kaminfeuers
    (Ich erinnere mich an einen Abend auf jener Insel, nein, nicht der Heimatinsel, als wir den Kamin in diesem Häuschen entzündeten und dieser kleine Raum derart mit Hitze erfüllt wurde, dass wir selbst im Monat März für ein, zwei Stunden die Tür zum Garten öffneten und die Katze betrachteten, die sich auf der Türschwelle niederließ und so lange dort saß und die Wärme genoss, bis wir irgendwann die Tür wieder schlossen... Herrlich.)
  • das Plätschern eines Bergbaches
    (Für mich ist es eher das Raunen des Meeres, das Tosen der Wellen. Nirgendwo sonst fühle ich mich so unfassbar frei und gelöst wie am Ufer eines Meeres. Die Arme ausbreiten, die Augen schließen, der kurze Rock flattert im Wind und durch die Zehen drückt sich der feine Sand... Oh ja bitte, ich möchte eines Tages wieder dort leben, egal wo, bitte nur am Rand eines Meeres.)
  • Wind, der wispernd durch Baumkronen weht
    (Oh ja, ich liebe ihn, diesen streichelzarten Wind, der murmelnd durch die Wipfel zieht, der liebevoll durch die Haare wuselt und die nackte Haut streichelt...)
  • dein Lachen, wenn es in mein eigenes einstimmt
    (Miteinander Spaß haben, miteinander lachen, das verbindet so viel mehr. Solange es echt ist.)
Und ich las diese Punkte, ich dachte spontan an die Dinge, die mir dazu einfielen  - und in Gedanken fügte ich noch ein weiteres Geräusch hinzu:
  • das leise Grummeln der Waschmaschine
    (Ich mag dieses Geräusch wirklich sehr, weil es so nach Behaglichkeit atmet, nach dem Duft frischer, gestärkter Wäsche, nach dem Duft grüner Äpfel in Wäsche-Weidenkörben.
    Meine Großmutter spannte noch auf dem Hinterhof ihre Leinen, stützte diese mit gegabelten Holzstecken und anschließend legten wir gemeinsam die Wäsche zusammen. Bis heute liebe ich diesen Geruch aus frischer getrockneter Wäsche, zwischen die sie bisweilen ihre grünen Äpfel legte. Sie ist seit 28 Jahren tot - aber ich vermisse sie bis heute. 

Kommentare:

Luna hat gesagt…

Awesome! Viele dieser Geräusche liebe ich auch. Der Schauspieler Tom Hanks liebt Schreibmaschinen und deren Geräusch so sehr, dass er eine App rausgebracht hat, mit der man das IPad als Schreibmaschine nutzen kann. Cooles Teil!

Lg,
Luna

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Liebe Luna, ich habe Dich übrigens nicht vergessen, wenn Du weißt, was ich meine :) Mir blieb nur in den letzten Monaten einfach kein Raum für Eigenes, Privates. Aber es schaut ganz so aus, als würde das jetzt nun besser werden. Dazu melde ich mich dann noch mal über den anderen Weg ;)
Das mit der App wusste ich gar nicht, aber der Mann hasst es, wenn das iPhone beim Schreiben klackert und bat mich, jegliche Geräusche des Telefons abzustellen ;)
Für das iPad habe ich mir extra mal eine Tastatur gekauft, weil ich dachte, dann kann ich ja auch mal darüber bloggen, grad im Urlaub oder so, wenn man nicht den Laptop mit herumtragen will. Allerdings musste ich feststellen, dass mir dann immer entweder die Blogger-App oder eine E-Mail abstürzt, je schneller ich schrieb. Das hat mich irgendwann so genervt, dass ich die Tastatur irgendwann in die Ecke feuerte (na ja, bildlich gesprochen natürlich ;)), zum Bloggen nur noch den Laptop und das iPad fürs Lesen von Blogs oder fürs Herumsurfen nutze ;)

Unknown hat gesagt…

Liebe Helma,

kein Stress - unsere Zeit wird kommen ;) Freu mich!
Lg
Luna

Bohli hat gesagt…

Tolle Auswahl und toll ergänzt.....da wäre einiges dabei das ich ebenfalls favorisieren würde - allen voran das Lachen ;-)