Montag, 25. März 2013

Na was hättense denn gern?

wurde ich heute allen Ernstes und direkt auf nüchternen Magen gefragt.
Bloß stand ich hier nicht in der Bäckerei meines Vertrauens, sondern vor dem Tresen der Gastroenterologie (doch, datt Wort hab ich auch ohne Gockl hingekriegt ;)) - und dahinter saß ein weichlicher Blondschopf, eindeutig schwul, und der war sowas von zuckersüß, dass ich mich wieder daran erinnerte, dass ich (und das meine ich wirklich ernst) doch so gerne noch einen Freund hätte, der eben schwul ist.
Jedenfalls legte ich begeistert meine Hände auf den Tresen und war versucht zu sagen: "Ich hätte gerne eine Magenspiegelung, aber nicht die aus den unteren Reihen, kann ruhige die etwas Kostspieligere sein, Hauptsache, Sie kommen mir nicht noch mit irgendwelchen anderen Sonderangeboten!"
Na ja, ich war versucht, mich so auszudrücken. In Wirklichkeit habe ich natürlich lediglich breit gegrinst und gesagt: "Ich hätte dann gerne mal eine Magenspiegelung" und der nette Jüngling drückte mir ein Stück Papier in die Hand: "Mein Computer sagt, ich muss Ihnen nix weiter erklären, Sie kennen sich aus!"
Wir grinsten beide.
Das war nett. Doch wirklich, das hat fast Spaß gemacht. So wie die Krankenschwester, die mich schließlich aufrief und wiederum als Mutter zweier Söhne entpuppte, die mit Junior II auf derselben Schulbank hocken: "Na Frau Ziggenheimer, Sie haben aber Sehnsucht nach uns, wa? Schon s dritte Mal hier?" Und ich grinste abermals: "Keine Ahnung, ich komm einfach nicht los von dieser Abteilung."
Meine doch recht akute Erkältung spielte ich gekonnt hinweg (Wenn irgendwer mal "Germanys next Top-Actor" erfindet, bin ich dabei!), denn das Jüngelchen hatte mich gewarnt: "Oh, da kann es Ihnen echt passieren, dass der Doktor die Untersuchung verschiebt, Komplikationen mit der Narkose und so!"
Mal ehrlich: An Tagen wie diesen biste seelisch und moralisch auf alle möglichen Eventualitäten eingestellt - aber nicht auf diese! Ich wollte das unbedingt hinter mich bringen und wissen, was da in meinen Gedärms los ist!
Gehustet habe ich ergo nur ganz leise in meinen riesengroßen Schal hinein und den Kopf in meine Hände gebettet, wenn keiner hinsah.
Die gute Nachricht ist: Das Geschwür ist weg. (Und warum schmerzt mir der Magen immer noch?)
Die vermutlich standardisierte Nachricht ist: Zwei Proben wurden entnommen "Da war was, was wir nicht genau zuordnen konnten, in zehn Tagen kriegen Sie bescheid."
Die schlechte Nachricht ist: Kaffee vertrage ich irgendwie immer noch nicht.
Dabei könnte ich doch? Dabei dürfte ich auch? Na ja. Watt nich geht, geht halt nich. Gibt Schlimmeres. Und fürs Office morgen habe ich mir erst mal einen Sack "Entkoffeiniert" besorgt. Dann bin ich wenigstens nur noch für meinen eigenen Kaffee verantwortlich und muss mich nicht mehr darüber ärgern, wenn andere sich immer nur bedienen, bis nix mehr da ist - und dann klammheimlich abhauen. Kollegenschweine!
Ja. Und nun lieg ich hier auf meinem Kanapee, eigentlich war ich bis vorhin müde und kämpfte noch mit den Nachwehen dieses Narkotikums, aus dem ich heut irgendwie nicht so recht raus wollte... Überhaupt, da fällt mir ein: Jede/r Alleinerziehende, der nicht Mami & Papi & Freundeskreis ums Eckchen hat, wenns mal klemmt, der sollte echt einen Verdienstorden bekommen. Oder wenigstens eine Tapferkeitsmedaille?
Ich meine, nach so einer Narkose darfste 24 Stunden nicht Auto fahren, nicht mal allein Bahn fahren. Ja nur wie kommste dann nach Hause? Wer erledigt den nötigen Einkauf? Wer bringt dich zurück zum Hausarzt, der dich am Morgen noch aufforderte: "Und nach der Untersuchung kommen Sie wieder her!"?
Nach der Untersuchung versprach ich jedenfalls: "Ich geh nur mal zum Telefonieren raus, ich komm dann wieder" - und kreuzte heimlich die Finger im Rücken. Eine Notlüge, ich schwörs! Die sind doch erlaubt, oder?
In der hauseigenen Cafeteria goss ich mir erst mal ordentlich Käffchen hinter, dann konnte ich auch wieder geradeaus gucken und sogar laufen, dann ging ich testweise ein paar Schritte an der wunderschönen, aber klirrendscheißkalten Sonne spazieren - und dann fuhr ich einkaufen, zum Hausarzt, zur Post - und nach Hause. Wäsche waschen (fiebriges Kind schwitzt immer noch mehr als ich an einem Tag waschen kann), Wäsche trocknen, zum Bügeln bin ich noch nicht entnarkotisiert genug - ich könnt mich ja am Bügeleisen verbrennen - *gnihihihihiiii*, Abendessen kochen, Staub saugen, Blumen gießen.... dann schlief ich zwei gepflegte Stündchen.
Also ich finde schon, all jene Alleinerziehende ohne stützendes Beiwerk haben sich ihren Orden verdient. Morgen denke ich mir einen aus. Übermorgen male ich mir einen und hefte mir diesen an den Badspiegel. Vor dem steh ich immerhin jeden Tag und frage: "Spieglein, Spieglein an der Wand... ach komm vergiss es!"

Kommentare:

Clara Himmelhoch hat gesagt…

Wohnten iwr in einer Stadt, könnten wir uns gegenseitig helfen.
Ich habe dieses Dormikum bei einer Augen-OP und bei der Darmspiegelung bekommen - es ist ein echtes Teufelszeug. - Ich kam von der Augen-OP die Treppe runter, holte in der Apotheke Medikamente und ließ mich von einer Freundin in meinem Auto zurückfahren - und konnte mich an NICHTS erinnern. In der Garage fragte ich dümmlich: "Warum fährst denn du, hinzu kann ich doch noch fahren." Die dachte wohl, ich habe den Verstand verloren. Ein Griff zum Auge zeigte mir, dass es schon DANACH war.
Halt dich tapfer!

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Liebe Clara, jetzt musst ich doch ein bisschen lachen.. Deine Geschichte erinnert mich an meinen ähnlich narkotischen Zustand, nur dass ich eben... äh... alkoholisiert statt narkotisiert war (aber der Effekt ist doch irgendwie ähnlich, oder?) und von einem Freund nach Hause chauffiert wurde. Klar war ich auf dem Sitz eingeschlafen und er rüttelte mich wach: "Los, raus mit dir, wir sind da!" und ich öffnete brav die Augen, erkannte nix und schloss die Augen selig grinsend wieder "Ich wohn hier nicht."
Wir lachen heute noch darüber! :)

Claudine Lejeune hat gesagt…

Moi hatte auch schon die ein oder andere Magenspiegelung samt Narkose (VERSUCH), denn irgendwie hat der Dok die Vene nicht immer getroffen und da gute Zeugs (ich hätte sowas gerne auch mal für andere Tage die echt für'n AR*** sind) floß daneben. So das ich das Prozedere so ertragen musste *würg*, in der Tat.
Seufz ... mein Magen tut auch immer noch weh, ich nehme mehr oder weniger regelmäßig Omeprazol ...
LG und von mir hättest du die ARBEITER Medalle in GOLD am Bande bekommen hihi

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Liebe Claudine, also ohne rettende Narkose hätte ich die nicht an mich herangelassen. No way. Ich mag nicht mal dran denken, in was für ein Gezeter und Massaker das ausgeartet wäre ;)
Mir hatte der Doc Pantoprazol verordnet, aber das hilft wie bei meiner Freundin: leider gar nicht.
Ich sollte es eher wirklich mal mit Entspannungstechniken probieren. Wenn ich denn mal Zeit dazu finden könnte ;)
Arbeitermedaille in Gold am Band... Da musste ich doch echt lachen :)