Freitag, 23. August 2019

Nicht jeder Vogel kann auch fliegen

Anruf gestern beim Chef, während ich ihm gegenübersitze.
"Schicken Sie uns Ihr Konzept und die Zahlen bis Montag - und setzen Sie mal den Herrn Tauer in Kopie."
"Tauer hab ich noch gar nicht in meinen Kontakten. Wie schreibt man den? Mit Th?"
"Nein nein, ganz normal, wie den Turm!"
"Tower" kritzle ich also pflichtbewusst auf die Schreibtischunterlage.

***

Leute gibts, die greifen bei Missverständnissen zum Telefon und klären es auf kurzem Wege.
Gibt aber auch Leute, die schreiben eine E-Mail und nehmen Leute in den Verteiler auf, wo man sich am Ende fragt, ob er nicht noch gleich die Putzfrau mit reinnehmen hätte mögen.
Manchmal entwickelt sich sowas aber auch zum Eigentor.
"Vielen Dank für Ihre E-Mail und Ihre Einschätzung, ob das Projekt zeitkritisch ist oder nicht.
Ihre Argumentation kann ich so nicht nachvollziehen. [...] Der Zeitverlust beträgt 5 Monate. Das geht zu Ihren Lasten."
Wenn mir so ein süffisanter Ton entgegenschlägt und dann dies nicht nur mit Falschaussagen, sondern auch noch in besagtem Verteilerkreis, dann werde ich sehr, sehr genau. Um nicht zu sagen: pingelig. Scanne den Auszug der Aufgabenstellung, in der aktuelle Termine vom Absender (!) fixiert und von allen Verantwortlichen bestätigt wurden und schicke es ihm unter "Alle antworten" mit der Anmerkung "Ich möchte Sie höflich an die von Ihnen bestätigte Revision 01 und die darin enthaltenen Termine erinnern. Gerne überreiche ich Ihnen den Terminplan nochmals anbei."
Nach der haben wir nämlich noch drei und sechs Monate Zeit.
Süffisant? Kann ich auch. Direkt sein auch. Fick dich, Arschloch.

***

"E scheenes Auto haste", sagt der Chef gestern, als ich ihn in die Werkstatt fahre, damit er sein Fahrzeug wieder abholen kann.
"Ja", streichle ich leicht übers Armaturenbrett, "ich lieebe es! Und ich liebe es, dass mir jetzt sogar mancher Mercedes und BMW Platz machen, wenn ich angeflogen komme."
Außer heute der Scheißer in seiner Pupsfurzkarre kurz vor den Toren von M. Dreispurig. Begrenzt auf 120 kmh zwar, aber das bedeutet doch noch lange nicht, dass man 115 kmh fahren muss. Jedenfalls NICHT IN DER LINKEN SPUR, DU DREIMAL GELOCHTER AFFENARSCH! Zwar habe ich weder Lichthupe noch mich sonst irgendwie bemerkbar gemacht, aber irgendwie muss er trotzdem registriert haben, dass er mir auf den Sack geht. Und zwar mächtig.
Denn irgendwann fährt er in die Mitte und macht ein Handzeichen frei nach dem Motto "Wat willste denn, sind doch nur 120 kmh erlaubt?" Ich antworte mit bitterbösem Blick und behalte mein Antworthandzeichen sichtgeschützt. Ich kann jetzt keine Extra-Kosten gebrauchen. Sohn II war gestern in der Werkstatt, das war teuer genug. Ihr versteht.

Bildquelle: https://www.istdaslustig.de/spruch/14591


Und jetzt bin ich wieder in M, der Mann hat mir verständnisvoll soeben einen warmen Schokoladenpudding fürs Gemüt in die Hand gedrückt und nun wäre ich dann mal bereit fürs Wochenende.

Montag, 19. August 2019

Szenen einer Partnerschaft: das Trüffelschwein der Worte

Ich persönlich finde ja, dass man auch innerhalb einer Beziehung oder Ehe nicht alles gemeinsam machen muss und auch nicht sollte. Ich persönlich liebe und brauche Freiraum. Schwirre gerne aus, lerne gerne Land und Leute kennen und komm dann wieder nach Hause.
Als der Mann und ich uns vor Ewigkeiten kennenlernten, gehörte zum ersten Trennungsgrund auch seine Befürchtung, dass er innerhalb einer Beziehung seinen Freiraum verlieren würde.
Man kennt das ja: Mann und Frau lernen sich kennen, lassen anfangs alle und jeden (gerne auch ungefragt) an ihrem Liebesglück teilhaben, irgendwann gibts die zwei nur noch im Doppelpack und noch einen Tacken später beide farblich aufeinander abgestimmt und im worst case auch noch im selben Outfit. Bevorzugte Marke: Wolfskin.
Igitt.
Wir kannten uns damals auch gar nicht gut genug, um zu wissen, dass ich nicht nur Freiraum brauchte, sondern durchaus auch zugestehe.

Inzwischen, mit unserem vierten und ultimativ letzten Beziehungsversuch, weiß er es natürlich - und heute ist er derjenige, der vieles lieber mit mir als mit beispielsweise Rad- oder Wanderfreunden teilen möchte. Doch jede/r, der mich kennt, weiß, dass der Anblick hoher Berge in mir nichts anderes hervorruft als heimliches Augenrollen, gespickt von Kommentaren wie "Hm, ja, schön, ja, nett" - und den Gedanken an die körperlichen Qualen eines elendigen Aufstiegs. Treue Leser wissen, dass er mich schon zwei- oder dreimal ködern konnte mit "Du wirst es lieben, auf dem Gipfel zu stehen, nach all der Anstrengung - und dann dieser Blick ins Tal!"
Die Wahrheit war jedoch jedesmal, dass ich den letzten halben Berg auf dem Zahnfleisch da hochgekrochen bin, einen Puls von dreitausend hatte und obendrein das beklemmende Gefühl eines viel zu kleinen Atemweges. Ganz zu schweigen von den vielfältig ausgemalten Tötungsabsichten, für die mir zu äußern, geschweige denn auszuführen jedoch das letzte Quentchen Energie fehlte - bis auf die unter Aufbietung aller Kräfte durch die Zähne geknurrte Drohung: "Sprich! Mich! Nicht! An!"
Vom Dach der Welt die Aussicht zu genießen ist bei mir nicht! Ich liege da nur flach im Gras, Arme und Beine weit von mir gestreckt, und das einzige, was mich da überkommt, ist der pure Wille zu überleben!

Also nein. Wandern liegt mir nicht im Blut - und wird es in diesem Leben auch nicht. Berge mag ich am liebsten, wenn ich sie aus der Ferne betrachten darf, am liebsten in Gestalt von Fotos.
Du kannst mit mir stundenlang am Ufer eines Meeres entlanglaufen, kilometerlang, ich will auch unbedingt mal ins Watt und mir ein paar besondere Muscheln oder andere Meeresmitbringer suchen.
Aber Berge?

Insofern betrachtete ich die aktuellen Fotos des Mannes aus sicherer Entfernung vergnügt vom heimischen Sofa aus, während ich ein paar Bärchen-Pärchen genüßlich mit den Zähnen zerbiss und wehmütig feststellte, dass ich hiermit das letzte, in diesem Hause vorhandene Tütchen geöffnet hatte. (Ja ich weiß, letztens schrieb ich noch, ich würde keine Gummibärchen mehr essen nach dem Zahn-Desaster vor Jahren. Aber die hier lagen im diesjährigen Geburtstagspaket und.. was soll ich sagen.. diese köstliche Kombi aus süß und sauer.. ja mein Gott, mein Fleisch ist halt schwach.) Und schon wieder frage ich mich: Muss ich Euch jetzt eigentlich das Wörtchen WERBUNG vor die Augen knallen? Ich bin ja so unsicher manchmal.

Egal. Der Mann ist ja nun wieder da und mitgebracht aus den Bergen hatte er auch die Euphorie, mich doch auch mal zu jenem Ort in Ösi-Land zu geleiten, weil: "Ich finde das alles schön, aber noch schöner wäre es, wenn ich es mit dir genießen könnte!" Nett gesagt! Ein Mann weiß ja zumeist auch, welche Knöppe er bei (s)einer Frau drücken muss. Aber sobald neben der überzeugen wollenden Flut aus "Wellness! Schwimmen! Radfahren! Kaiserschmarrn! Topfenstrudel!" auch das Wörtchen "Spazieren" auftauchte, da wurde ich sofort misstrauisch. Da bin ich das Trüffelschwein der Worte! So wie heute in der ellenlangen, blumigen und lebens-überschwenglichen Nachricht einer Freundin mir nur ein Detail ins Auge fiel "Wie jetzt? Du kämpfst mit den Wechseljahren?"
Spazieren gehen klingt so harmlos! Aber doch nicht in einer Gegend, wo Dir frei nach Robinson Jr. nur eins widerfährt, sobald Du Deine Augen öffnest: "Was sehen wir heute? Die Berge! Ach.. Schon wieder die Berge."
Verdammte Axt, es ist KEIN Spaziergang, wenn ich ein paar Höhenmeter dazu überwinden muss. Das liegt mir nicht, weder im Blut noch in den Beinen. Und ich bin raus aus diesen Zeiten, wo ich murrig, aber trotzdem so ziemlich alles mitgemacht habe. Stellt Euch vor, ich bin erwachsen geworden. So ein bisschen jedenfalls. Und das bisschen reichte aus, um dem Mann das Versprechen aus der Tasche zu leiern: Spazieren meint tatsächlich spazieren. Und mit tatsächlich und erwachsen geworden bedeutet das bei mir: Ich bleibe stehen und kehre um, wenn ich merke, ich werde auf nen Berg gelockt. Da kenn ich nix. Da bin ich stur wie Maulesel. Eine Eigenschaft, die mir nicht erst das Alter antrainierte. Die wurde mir ob meines Geburtsorts schon direkt mit in die Wiege gelegt. Danke, Mama & Papa von der Küste. Sagte ich Euch schon, dass ich Euch liebe?

Das Wochenende jedenfalls ist gebucht - und ich werde berichten. Ob der Mann noch lebt, ob wilde Kämpfe ausgefochten wurden - oder alles Friede Freude Eierkuchen geblieben ist.

Sonntag, 18. August 2019

Was hat mich die letzten Tage...



...umgetrieben?
Der Gedanke an das Leben in L, die sich langsam abzeichnenden Veränderungen, die möglicherweise im kommenden Jahr zu erwartenden Veränderungen, die der eine (noch) mit gemischten Gefühlen betrachtet und an denen der andere auf seine eigene Weise recht schwer trägt. "Das Leben ist Veränderung", sage ich hin und wieder, aber mir ist auch bewusst, dass das nicht jedem leicht fällt. Was bleibt mir in dieser Situation? Zu vermitteln, auszugleichen, da zu sein, zuzuhören - und das Essen zuzubereiten. Denn wer jeden Tag mehr Energie verbraucht als er sich zuführt, der trägt umso schwerer. Heißt es nicht auch nicht umsonst, dass Essen & Trinken Leib und Seele zusammenhalten?
Bedrückend empfand ich von daher nur die Stimmung zwischen den beiden, denn nichts ist mir wichtiger als das Glück dieser beiden, an dem jeder auf seine eigene Weise, sein eigenes Tempo und sein eigenes Vermögen bastelt.
Und wenn der eine, von dem wir alle wissen, dass er am meisten von uns allen an dem anderen hängt, von "Hass auf den" spricht, dann.. zerreißt mich das. Dann will ich heilen, wieder zusammensetzen, wieder zusammenfügen - auch wenn mir bewusst ist, dass sie die Dinge allein regeln können. Mir ist jedoch auch bewusst, dass das, was derzeit geschieht, weit über die früheren Hahnenkämpfe hinausgeht. Und das tut weh. Denn dort, wo sie gerade sind, haben sie zuallererst.. nur sich.

...beschäftigt?
Menschliche Enttäuschungen - aus Ecken, an die ich im Traum nicht gedacht hätte. Sie wiegen nicht so schwer, als dass sie mich umgeworfen hätten, aber sie eröffneten mir einmal mehr, dass nicht jeder Mensch dein Freund ist, der es vorgibt zu sein. Ich muss nicht jemandes Erwartungen entsprechen - und das werde ich auch nicht. Ich selbst erhebe auch nur lediglich den Anspruch an einen anderen Menschen, dass er mich nicht wissentlich benutzt und verletzt, weder in Wort noch in Tat. Mit allem anderen kann ich, denk ich, umgehen und auch leben.
Ich selbst muss niemandem etwas beweisen, nicht als Mensch, nicht als Frau, nicht als Patient.
"Nimm mich wie ich bin" wird so oft und so gerne gesagt - aber im Umkehrschluss bei weitem selbst nicht gelebt. Das macht mich nachdenklich, manches Mal.

...angestrengt?
Die schlaflosen Nächte - weil der Mann in den Bergen wandern war. Ich weiß nicht, woran das liegt, aber die alleinigen Nächte hier in M ängstigen mich mehr als in L. In L fühlte ich mich wohler und sicherer, aber vielleicht bilde ich mir das auch nur ein. Vielleicht hab ich ja auch vergessen, wie das war.
Und so schlaf ich in den Nächten, in denen der Mann nicht da ist, auf dem Sofa, lass wie früher alle möglichen Sendungen über den TV flimmern - und nächtens spielt der Kopf seine völlig irre Musik, indem er alles durcheinanderwirft. Ich mich zum Beispiel in einem leeren Haus mit leeren Zimmern und dem Bruder des Mannes und seiner Familie wiederfinde, wo wir uns alle zu verstecken versuchen, weil ein Serienmörder sein Unwesen treibt. Irgendwie fliehe ich aus dem Haus, will jemanden anrufen, aber da ist der Mörder am anderen Ende. Und auf dem Weg in ein anderes Haus, das dem in L sehr, sehr ähnlich sieht, sagt er zu mir "Es ist egal, wohin du gehst. Ich finde dich."
Ich bekomm jetzt noch Schauer über den Rücken, wenn ich daran und an die Stimme denke.
"Du Krimi-Mimi", schimpft der Mann liebevoll, während ich mich verteidige "Ich habe nicht mal Krimis geguckt, sondern extra Bollywood."

Vier Tage lang lebte und arbeitete ich hier von früh bis spät allein, verließ das Haus nur, wenns wirklich nicht anders ging (aber nicht aus Angst, sondern rein aus Bequemlichkeit :)) - und erst am Tag seiner Rückkehr wurde ich auch inhäusig wieder aktiv: Wäsche waschen, bügeln, die Wohnung in Ordnung bringen, einkaufen, Abendessen zubereiten, Kerzen aufstellen, den Wein kaltstellen. Irgendwann musste ich über mich selber lachen: Da sage ich ja immer, dass ich auch sehr gut allein leben könnte (und ich weiß auch, dass ich es kann), aber da frage ich mich ja schon, wie die Realität aussähe ;)
Prokrastinieren jedenfalls kann ich ausgezeichnet. Hab ich einmal mehr gemerkt.

...gefreut?
Die Überraschung, die mir jetzt noch, über zwei Monate nach meinem Geburtstag, bereitet worden war. Eine echte Überraschung, weil von mir längst vergessen - von meinem Gegenüber aber nicht.
Liebe RRP, in die CD habe ich reingehört, die passt tatsächlich gut zu einem Sommerabend, wo man mit Freunden zusammensitzt und im Hintergrund leise lebensfrohe Musik läuft. Zumindest denke ich, dass sie lebensfroh ist, denn da gibts ja auch französische Passagen - und ich spreche kein Französisch ;)

Die Ankunft meines neuen Laptops. Ich bin schockverliebt. Er ist kleiner, handlicher, smarter als sein Vorgänger - und vor allem schneller. Und das Display ist so herrlich gestochen scharf, dass ich nicht mal mehr den großen Monitor bräuchte, um alles immer noch bequem lesen zu können.
Von der Akkuleistung habe ich mir zwar ein bisschen mehr versprochen - aber es wäre zumindest jetzt denkbar, die letzte Stunde eines Arbeitstages nicht mehr am Schreibtisch, sondern irgendwo im Cafe um die Ecke zu verbringen. Damit ein Feierabend auch wieder zu einem Feier-Abend werden kann ;)

...wütend gemacht?
Die Art und Weise, mit der manche Mütter erhöhte Unterhaltsansprüche für inzwischen erwachsene Kinder fordern (was sie rein rechtlich nicht dürfen). Und nicht nur unterschwellig, sondern ganz offen die Ansicht vertreten, dass der Vater am Kind wohl sparen wolle. Selbst aber nicht zur Unterhaltsverpflichtung herangezogen werden könne, weil "ha ha, ich verdiene zu wenig, ich muss nur fünf Euro". Echt, da kommt mir die Kotze.
Den eigenen Arsch nicht hochzukriegen, selbst nichts bewegen - aber sich jahrelang immer schön auf Kosten anderer auszuruhen. Vermutlich wird der Vater, der rund fünfzehn Jahre lang pünktlich zahlte und zum Kind eine gute Verbindung hat, um den neuen Betrag nicht drumherum kommen. Ich kann nur sagen "Halte durch", denn auch eine etwaige Studienzeit ist endlich. Er wird sich mit seinem Kind einigen können, denke ich. Jedenfalls hoffe und wünsche ich es dem Vater.
Es gibt solche Kackbratzen von Frauen, dass das selbst für mich als Frau, die ja auch Mama ist, unerträglich ist.

Kackbratzen die II.: Daran dachte ich übrigens in dieser Woche auch und wurde einmal mehr daran erinnert, warum ich öffentliche Toiletten meide, wann immer es mir auch nur irgendwie möglich ist. Dass wir alle mal müssen und auch Frauen nicht nur Rosenblütendüfte verabschieden - kein Ding.
Wenn man aber Toiletten betritt, in denen nicht nur alles mögliche rumliegt, sondern auch so ein derart durchdringender Gestank den kleinen Raum vernebelt, als habe jemand in den Papierkorb direkt neben dem WC geschissen (sorry, das muss jetzt so, denn es konnte offenkundig nur so), dann hörts echt auf. Wirklich, man konnte nicht atmen ohne Brechreiz - und stand zudem in einer Pfütze aus was auch immer.
Beinah fühlte ich mich erinnert an das WC vor einem Tempel in Indien - nur lag da tatsächlich schon an der Eingangstür alles voller Exkremente, so dass ich dem Mann sagte "Auch wenns mir oben wieder rauskommt - da kann ich nicht rein."
"Dafür ist die Benutzung kostenfrei", versuchte die begleitende RRP, angereist aus dem fernen Rheinland, zu Besuch bei der Familie und auf ein Date mit mir in der City, zu beschwichtigen - aber ganz ehrlich? Da zahl ich lieber Geld, habe dafür aber eine saubere Toilette.

Kackbratzen die III.: ..die vor einigen Tagen das Stadtamt in der Nähe von L mit Exkrementen und Farben und Aufschriften beschmutzt haben. Weil der Stadtsaal für eine Zusammenkunft der AfD vermietet worden war - und sich kurz zuvor der Kotz-Höcke angesagt hatte.
Man muss die Leute nicht gut finden, auch die Partei kann man (zu Recht) zum Kotzen finden - aber der Bürgermeister jener Stadt brachte es (in ähnlichen Worten) auf den Punkt: "Wir sind in einer Demokratie und solange diese Partei nicht verboten wurde, hat man ihr zuzuhören. Das ist ja das Schlimme an der heutigen Zeit: Dass niemand mehr jemandem zuhört. Es gibt keinen Dialog mehr. Man will den anderen von seiner eigenen Meinung überzeugen, am liebsten gleich mit Gewalt."
Und die kommt eben nicht nur von rechts, die kommt genauso auch von links - und mir persönlich macht beides Angst. Jegliche extremistische Formen machen mir Angst. Weil diese Gewalt, diese Gewaltbereitschaft mir Angst macht.
Ich meine, wer kommt auf die Idee, sich auf Häuserdächer zu stellen und Gehwegplatten von dort oben herunterzuwerfen wie während des G20-Gipfels in Hamburg??
Wie kommen linksgerichtete Musikgruppen auf die Idee, bei einem Demo-Konzert gegen (rechte) Gewalt sich in Chemnitz auf die Bühne zu stellen - und dort von Gewalt gegen Staat und Polizei zu singen?? Ist das jetzt besser?? Ist linke Gewalt legitimer als rechte?!
Gewalt ist nie niemals eine Lösung, darf es gar nicht sein, und so einige Bands sind seither aus meiner Musikdatenbank gestrichen.

***

Der Mann ist nun wieder zu Hause, die Nächte sind wieder erholsam ;) und auch der Sommer ist zurückgekehrt. Auch aus L klangen versöhnlichere Töne, so dass für mich momentan Grund genug herrscht, Musik in Ohr und Seele zu lassen, Leichtigkeit in Kopf und Seele zurückzulassen und einmal mehr dankbar zu sein für die Fähigkeit, mich selbst immer wieder ins Gleichgewicht zurückpendeln zu lassen. Dankbar zu sein für das Leben, das ich führen kann - mit den Menschen, die mich umgeben wollen. Dass ich das, was ich tue, mit Liebe tun kann. Mit Liebe und Herzblut.

Freitag, 9. August 2019

Herbst 2004



Herbst 2004.
Die auch nach dem ersten, dem zweiten und dem dritten Schock innerhalb von achtzehn Monaten immer noch beschissenste Zeit meines Lebens.
Und zugleich auch die Zeit, in der mir bewusst wurde, wie wunderbar das Leben immer noch ist.
Immer noch unvergessen jener Moment auf dem Marktplatz mitten in der Großstadt, ein so wunderbar sonniger Herbsttag - und dort stand ich, im Sommerkleid, die Jeansjacke weit offen, genau diese Musik in den Ohren und ich schloss die Augen und breitete die Arme aus und lächelte genauso breit. Einfach so. Nach innen und nach außen. Alles in mir war mit einem Mal herrlich sonnig. Und dann öffnete ich die Augen, lächelte immer noch und lief einfach weiter.
Immer noch unvergessen, dass ich seit jenem Augenblick viele, viele wundervolle Momente erleben konnte und durfte. Dass alles Stück für Stück immer leichter wurde, auch wenn mir damals noch nicht klar sein konnte, wie lange es am Ende immer noch Zeit brauchen würde zu heilen.

"Was vor uns liegt und was hinter uns liegt, ist nichts im Vergleich zu dem, was in uns liegt. Und wenn wir das, was in uns liegt, hinaus in die Welt tragen, dann geschehen Wunder."

Wo ich diese Zeilen las, habe ich vergessen.
Wer sie schrieb, habe ich auch vergessen.
Aber dass ich sie gelesen hatte, habe ich bis heute nicht vergessen.
Und verbinde sie noch immer mit genau jenem Herbstsonnentag auf dem Marktplatz in L - und der intensivsten Zeit meines Lebens. Insbesondere mit dem Wendepunkt seit jenem Tag.
Mir ist es wurscht, ob solche Weisheiten Kitsch sind. Ich liebe solche Worte, wenn ich herausgefunden habe, dass und wie sehr sie zu meinem eigenen Leben, zu meinen eigenen Erfahrungen passen.

Donnerstag, 8. August 2019

"Ich werde es bereuen"


...wusste ich schon letzte Nacht beziehungsweise heute Morgen gegen halb zwei, als ich kühn auf meine Pinnwand schrieb "Keiner mehr da? Ist doch erst 1:29 Uhr?"
Erstaunlicherweise war ich dennoch, obschon der Tag hier in L für gewöhnlich etwa zwei Stunden eher beginnt als im Home Office (nein, nicht nur der Restaurationsarbeiten wegen, ich habe auch Anfahrt!), ziemlich fit in Geist und Körper. Erst in der Nachmittagsglut spürte ich die ersten Anzeichen der Ermüdung und begehrte kaum etwas weniger als den Moment, endlich heimfahren und mich auf dem Sofa niederlegen zu können. Wenigstens für ein paar Minuten. Wohl wissend, dass genau DAS das Tödliche daran ist: Man steht anschließend vielleicht nochmal auf, aber das, was man eigentlich alles noch erledigen wollte, wird verschoben. Muss jetzt zum Beispiel die Steuererklärung wirklich WIRKLICH sein oder isses jetzt nicht auch egal, weil der Monat August eh schon begonnen hat, der Stichtag 31.07. damit so oder so überschritten - und im Monat August ja auch noch  mindestens 1 Besuch in L angesagt ist, an dem ich mich der Steuer von Junior I widmen kann?
Ich denk mal schon.
Wenn ich mir selber Ziele stecke, kann ich derart überzeugend prokrastinieren, dass ich mir selber hundertprozentig glaube und null Gewissensbisse verspüre.

"Kann ich euch noch was abnehmen?" fragte heute die latent gelangweilte dritte Kollegin und ich schlug spontan ein: "JA! Ein paar Kilos!"
Darauf hat sie sich natürlich nicht eingelassen. Schade eigentlich.
Wenigstens haben wir alle ein bisschen amüsiert herumgegackert und - mal abgesehen von der Lieblingsmucke - ein bisschen Schwung in das ob der Hitze träge Vorzimmer gebracht.
Davon blieb auch der Chef nicht verschont, der mit müde dicken Augen irgendwann am späten Vormittag das Büro betrat und bereits am frühen Nachmittag wieder verließ.
"Termine, Termine!"
Na Gott sei Dank! So lässt es sich wenigstens in Ruhe arbeiten und die wichtigsten Punkte von der to-do-Liste streichen.
So zum Beispiel eine seiner Wohnungen in L inserieren.
"Du Kapitalist!" habe ich an der einen und anderen Stelle entrüstet ausgerufen, wenn er zum Beispiel für einen Tiefgaragenplatz fünfzig Euro haben wollte. "Das sind ja Münchner Preise!" Oder für die Einbauküche fünfzig im Monat. "Überleg dir mal, was das im Jahr ist! Für diese kleine Küchenzeile! Also weißte!"
Der Mietpreis für die Wohnung selbst mag sicherlich der dortigen Gegend (eine der Nobelecken in L) entsprechen - aber wenn ich dran denke, dass ich das alleine löhnen müsste, lebte ich alleine...
"Ja gut, dann mach eben 25 Euro für die Küche. Und den Tiefgaragenplatz lassen wir für die große Wohnung, wir haben eh nur einen."
Schlecht verhandelt, hab ich gedacht, is ja schlimmer als auf nem Basar. Jetzt bekommt der potentielle Mieter zwar die Küche günstiger, hat aber keinen Stellplatz. Hm.
Ich musste dann auch ein bisschen lachen: Mit mir ist tatsächlich kein Pappenstiel zu gewinnen - ich verschenke mehr und denke offensichtlich einfach nicht unternehmerisch genug.
Und vielleicht gehe ich auch zu sehr von mir aus. Nur.. Ich verdiene für Ost-Verhältnisse wirklich gut, aber selbst mir würde diese Miete weh tun. Am Stadtrand von L, wo ich noch die Jungen-Wohnung habe, zahlen wir nicht ganz 150 Euro im Monat weniger - und das ist ne Menge Asche. Da könnt ich mich an Kaffee nicht nur besinnungslos trinken, sondern auch noch drin baden.
Und mit 44 m² finde ich die Wohnung jetzt auch nicht wirklich groß - bei zwei Zimmern. Die hat ja nicht mal ne Badewanne! So eine Wohnung taugt tatsächlich nur für eine Person - und die muss das auch erstmal zahlen können.
Ein bisschen ein schlechtes Gewissen habe ich aber dennoch, wenn ich grad selber lese, was ich hier so niederschreibe: Wenn Menschen bereit wären, auch seine Preise zu akzeptieren, hätte ich ihn dann nicht besser machen lassen sollen? Hm. Ich weiß es nicht, aber mir widerstreben knappe 600 Euro für zwei Zimmerchen OHNE BADEWANNE! Andererseits... Hier in M bekommt man dafür grad mal ein WG-Zimmerchen, das kleinste von allen und vermutlich ein Durchgangszimmer. Ist tatsächlich so bekloppt. So bekloppt wie Mietpreise von etwa zweitausend Euro mittlerweile für eine normale Wohnung mit drei Zimmern auf rund 65 Quadratmetern. Die haben nicht alle Latten am Zaun - schäume ich immer wieder, aber auch das hilft mir nicht. Wir leben immer noch in einer für uns viel zu kleinen Wohnung. Mir fehlt einfach ein bisschen Platz, ein bisschen Raum und Luft für ihn und mich.
"Du musst ja kein Home Office machen, du kannst ja auch hier im M arbeiten", grummelt der Mann hin und wieder - aber egal wie: Es wäre keine Lösung. Denn ob der Schreibtisch nun da ist oder nicht - die Wohnung bleibt zu klein. Man hat einfach keinen Rückzugsmoment. Und wenn man dann tatsächlich JEDEN Abend zu Hause ist, gar nicht mehr weg kann, mal die Jungs besuchen und nebenbei bisschen arbeiten und so, ich glaube, spätestens dann wird richtig eng im blauen Ziggenheim. Wenn ich eins so gar nicht mag, dann ist es dieses Aufeinanderhocken, jeden Tag, jeden Abend, egal, ob man Tischtennis draußen ums Eck spielt oder durch die Pampa joggt. Das tötet die Liebe und das Begehren. Jedenfalls für mich gilt das so. Und man kann ja auch nicht jeden Abend ausgehen. Ich muss mich auch daheim zurückziehen können, in die Welt des Malens, Schreibens, Musik hörens.
"Vor einem Jahr habe ich dir eine Staffelei geschenkt, bis heute hast du sie nicht benutzt", klagte der Mann letztens. Wie soll ich es ihm erklären, ohne undankbar zu erscheinen oder das Gefühl zu vermitteln, ich wollte zuviel? Ist es so vermessen zu sagen, dass ich noch wenigstens ein bisschen mehr kleinen Raum außer dem zum Wohnen und zum Schlafen brauche? Ist ja nicht so, dass nur ich diesen Wunsch hätte..
Wir hatten mal einen Traum vom Musik- und Mal-Zimmer.
Eins, wo Platz ist für all seine Vinyls und meine Staffelei und überhaupt das Malzeugs.
"Wir hatten viele Träume", resümiert der Mann dann nicht ohne Vorwurf.
Ich muss nicht alles immer sofort realisiert haben oder umsetzen. Es ist auch ein wunderbares Gefühl, auf etwas hinarbeiten zu müssen oder zu können. Es wäre nur schön, wenn.. da auch ein wenig Hoffnung bliebe. Aber die Hoffnung auf bezahlbaren Wohnraum in M habe ich mir längst aus dem Kopf geschlagen und von der Bucket List gestrichen. Stattdessen überlege ich derzeit alternative Wege.. Von denen der Mann jetzt aber auch nicht so angetan ist. Und vermutlich hat er auch Recht und es ist grad nicht der richtige Moment dafür.. Dann.. muss man warten können.

Grad frage ich mich, ob ich nicht doch zuviel will. Es gab mal Zeiten, da habe ich gedacht, gefühlt und gelebt: "Raum ist in der kleinsten Hütte, Hauptsache, man ist zusammen."

Und den heutigen Song, den habe ich gewählt, damit ich wieder hochkomme vom Sofa. S gibt noch einiges zu tun heute :)

Meine kleine Nachtmusik



Ich bin müde und ich sollte schlafen - morgen wird vermutlich wieder so ein anstrengender Tag wie heute.
Aber eigentlich bin ich auch wieder nicht müde - weil eingetaucht in die Musik.
Seit heute bin ich im Besitz des neuen Laptops, ein kleineres, handlicheres Modell - und was so läppische vier Jahre in der Elektronik ausmachen... ist schon irgendwie irre. Erschreckend fast :)
All die dienstlichen Programme und Apps wurden mir von der IT vom Laptop A wie Alt zu Laptop B wie Biegelnagelneu gespielt - das Private jedoch, was insbesondere die Musikdatenbank betrifft, war dann mein Part. Als ich mich am heutigen Abend dransetzte, ahnte ich unmittelbar danach: Das wird ne lange Nacht - oder ne kurze, je nachdem.
Wie ein Weltmeister habe ich kopiert, weil ich irgendwann auch feststellte: Huch, auf der externen Festplatte lungern ja auch noch ein paar Musikordner herum.
Überhaupt musste der Vorgänger komplett bereinigt werden, bevor ich ihn morgen abgebe.
Kurz vor 19 Uhr habe ich also mit Kopieren & Löschen begonnen, jetzt ham wers nach Eins, und wie gesagt: Ich sollte jetzt eigentlich ins Bett. Oder wenigstens wollte ich eigentlich längst meine Krimi-Serien geguckt haben.
Nu ja, man muss wohl Prioritäten setzen.
Dachte ich mir dann auch so, als ich iTunes startete und sämtliche kopierte Songs dort hinein aufnahm. Nebenbei ein bisschen bei youtube surfte, damits nicht gaaar so langweilig wird - und dann noch ein neues Album  entdeckte - "Dream Darling" von The Slow Show - sehr, sehr geil, trifft heute Nacht genau meinen Nerv - und ne, eigentlich nicht nur heute Nacht.
Man gönnt sich ja sonst nix!
Und wenn ich demnächst wieder von L zurück nach M brause, bin ich wieder allein in meinem kleinen Schwarzen, kann die Mucke aufdrehen, singen, schwelgen, mich treiben lassen hinein in ein wunderbar sonniges Wochenende. Zumindest hats der Wetterfrosch so versprochen.
Aber jetzt isses erst mal Mittwochnacht und ich hör noch ein bisschen mehr ins neue Album rein und dann.. vielleicht geh ich dann auch schlafen.

Freitag, 2. August 2019

Irgendjemand

...hat mir vor längerer Zeit mal gesagt, dass jemand allein daran, wie er auf Fragen reagiert bzw. diese beantwortet, unglaublich viel über sich preisgeben kann. Ist das tatsächlich so? Na dann nehme ich doch diesmal den Fragenkatalog (na gut, nicht alles) von Herrn Rain mit und fülle damit die letzte produktive Stunde des heutigen Tages :)

Was hörst Du gerade?
Tatsächlich auch nur den Lüfter meines PCs - aber das soll sich ja frühestens in einer oder spätestens in drei Wochen ändern - ich freu mich drauf! Und wehe, das funzt dann nicht.

Was ist das Letzte, das Du gegessen hast?
Ich gestehe - es war ein Schokocookie. Immerhin gabs bisher (aktuelle Ortszeit: 13:16 Uhr) nur ein schmales Frühstück und das bereits noch vor 8 Uhr. Woher sollte ich auch wissen, dass der Mann sich heute frei genommen hat? Manchmal reden wir augenscheinlich doch zu wenig miteinander ;) 

Wenn Du ein Buntstift wärst, welche Farbe?
Rot - ganz klar. Nicht so ein grelles, sondern ein wundervolles Tief-Rot. Hachz.

Wie ist das Wetter gerade?
Welches meint Ihr? Das da draußen oder das hier drinnen?
Draußen isses bedeckt, aber ziemlich warm. Hier drinnen isses bedeckt und eisig ;) 

Wer ist die letzte Person, mit der Du telefoniert hast?
Eine meiner Lieblingskolleginnen. Oder wars der Chef? Oder doch die andere Kollegin? Ach was weiß ich. So was merkt man sich doch nicht. 
Aaaah - Chef ruft grad an - also mit dem! Er wollte wissen, wieso ich eine Meldung an die Bundesbank einreichte mit ner Zahlung aus England. Wir ham doch gar keene Kunden in England?
Ne, haben wir nicht. Aber in der Schweiz. Mit ner deutschen Umsatzsteuer-ID und (vermutlich nicht nur) nem Konto in England :D 

Auf was schaust Du als erstes beim anderen Geschlecht?
Als allererstes nehme ich wahr, wie groß jemand ist. Ja, ich weiß, das ist oberflächlich. Aber nu ja, jeder hat ja so seins. Als nächstes auf Augen, Mund und Hände. Vermutlich auch in der Reihenfolge. Aber hey, das geht ja mitunter in Sekundenbruchteilen, woher soll ich das jetzt so genau wissen? 
Fakt aber ist: Jeder Mensch hat seine Aura. Da kannst Du aussehen wie Du willst - wenns nicht *kling* macht, hilfts dir alles nix. Umgekehrt hats schon *kling* gemacht bei Menschen, die eigentlich gar nicht in meine persönlichen Vorlieben fallen. 

Wie geht es Dir heute?
Gut! Ziemlich richtig gut sogar!

Was ist Dein Lieblingsgetränk?
Also wenn das immer noch keener weeß... 

Wie isst Du ein Hanuta?
Gar nicht. 

Welche CD hast Du Dir als letztes gekauft?
An dieser Frage merkt man, dass der Fragebogen tatsächlich schon mindestens zehn Jahre alt sein muss. CDs kaufe ich nicht mehr, seit es iTunes gibt. Weil es immer so ist, dass mir nie ein ganzes Album gefällt. Außer "Hands Open" von Snow Patrol und "Come Away With Me" von Norah Jones. Vor zwei Tagen hab ich übrigens grad wieder nen Song bei iTunes gekauft und prompt erschien in meinem Display "Von Ihrem Konto wurden gerade 8 Euro 13 abgebucht." Das fand ich seltsam, weil ich zuletzt zwei Tage zuvor einkaufen war - und bei Belastung der Karte sofort eine Nachricht erscheint. In den Apple-Einkäufen nachgeschaut, fand ich auch nix, das zum Betrag gepasst hätte. 
Also rief ich um exakt irgendwas nach zwanzig Uhr meine Bank an (ja, da kenn ich nix, und wer nen 24 Stunden Service anbietet, ist selber schuld) und die sehr nette Dame meinte "Das können Sie auch noch nicht auf dem Konto sehen, das ist erstmal nur wertgestellt. Von iTunes." 
Da warnse ja fix! Denn auch die Apple-Rechnung selbst kam erst einen Tag später. Holzauge, bleib wachsam!

Welche Augenfarbe hast Du?
Blau. Mal heller, mal dunkler, was mit Licht und Stimmung zu tun hat :) 

Trägst Du Kontaktlinsen?
Nein. Will ich auch nicht. Dieses Gemehre "rein in die Augen, raus aus den Augen" ist doch blöd. Ich brauch ja auch nur eine Brille zum Lesen - und da gibts doch inzwischen so richtig coole Gestelle. Also was solls. Brille, habe ich festgestellt, kann zuweilen sogar richtig sexy sein.

Geschwister?
Ja, zwei Brüder, einen großen, einen kleinen. Leider sehen wir uns alle viel zu wenig. Als Kinder haben wir drei uns oft geprügelt, ja, auch ich hab da mitgemischt. Aber heute, würde ich sagen, lieben wir uns tatsächlich. Vielleicht auch schon damals, und wir wussten das nur nicht :) 

Bist Du zu schüchtern, um jemanden zum Essen einzuladen?
Ich bin viel zu ängstlich, um überhaupt erstmal jemanden anzusprechen! Glaubt mir keiner, der mich kennt - aber erst muss ich sicher sein, dass ich keinen Korb kriege. Sonst gehe ich lieber alleine in ein schönes Lokal und schlage dort ein Buch auf oder betreibe Milieustudien ;) 

Magst Du lieber lustige oder gruselige Filme?
Weder noch. Ich mag Filme, die unter die Haut gehen. 

Sommer oder Winter?
Frühling und Herbst!!!!

Wie sieht Dein Mousepad aus?
Ich hab keins. Thats it. 

Lieblings-Fernsehprogramm?
ER, Greys, Medical Detectives, Autopsy, Criminal Intent. Nicht zu vergessen: Ich liebe Reportagen über Menschen. Menschen sind faszinierend und erschreckend zugleich.

Lieblingsspiel?
Hab ich so nicht wirklich. Ne Zeitlang war ich vernarrt in "PixWords". Aber da habe ich alle Level durchgespielt, mehr gibts leider aktuell nicht. Im Moment spiele ich deshalb gerne "Wissenstraining". Bin bei Lektion 318 und darf mich inzwischen als Koryphäe bezeichnen. Ich vermute aber, das hat lediglich damit zu tun, dass ich so lange durchgehalten habe. Denn viel weiß ich nicht wirklich, wenn ich so die Statistik sehe.
Was mich aber tatsächlich wundert: Meine Stärken liegen in Technik (Platz 1), Film (2) und Wissenschaft (3).
Musik kommt erst auf Platz 5, selbst die Politik kommt noch danach. Das wechselt zwar immer mal, aber was konsequent auf dem letzten Platz bleibt, ist Geschichte. Dabei hatte ich früher in der Schule in dem Fach immer ne Zwei. 

Lieblingsduft?
Habe ich auch nicht wirklich, ich wechsle gerne. An mir mag ich aber eher nur die süßen, unaufdringlichen Düfte. Blumig oder so - igitt, hau mir ab. 
Ich hab lange "Magnetism" von Escada geliebt, nehme ich auch heute noch ab und an. Wechselt mit "Girl of Now". Lustig fand ich: Als ich letztens in der Parfümerie stand und durchprobierte, zwischendrin auch immer wieder an den Kaffeebohnen schnupperte, da dufteten abschließend beide Arme nach gefühlt zwanzig verschiedenen Proben - und ich wusste nicht mehr, welches welches war. Also blieb ich beim Bisherigen. Jaaaa ich weiß, es liegen nicht umsonst Papierstreifen da. Nur auf der eigenen Haut riecht es tatsächlich immer noch mal anders. Und im Zweifel betupfe ich eben die eigene Haut. Auch zwanzig Mal die eigene Haut. Vermutlich muss ich mir das nächste Mal nur einen Stift mitnehmen und die Arme markieren. :)

Lieblingszeitung/Zeitschrift?
Ich lese nix davon. Nur Bücher oder im Internet.

Das schlechteste Gefühl?
Jemanden tief enttäuscht zu haben, der einen liebt. Das gibt mir selbst Wunden, die nie heilen. 

Das beste Gefühl?
Geliebt zu werden.

Dein erster Gedanke, wenn Du am Morgen erwachst? 
Örks, ich muss aufstehen, na ne, komm, noch n paar Minuten.

Würdest Du in den Big-Brother Container gehen?
Never ever. Ich interessiere mich für sowas nicht. Weils auch keine echten Milieu-/Charakterstudien wären. Letzte Woche unterhielten sich zwei Kolleginnen über das Sommerhaus der Stars. Da konntsch gar nicht mitreden, ich kannte es nicht. Ich hab dann diese Woche mal reingeschaltet und mich wirklich sofort gefragt, wer sowas guckt und was daran interessant sein soll. Wirklich, das geht nicht, Leute. 

Berg- und Talbahn: spaßig oder abscheulich?
Hmm, wohl eher: ziemlich herausfordernd. Eins hat mein Leben mich gelehrt: Wenn Du immer nur oben auf dem Gipfel eines Berges stehst, wirst Du um genau dieses Glücksgefühl eines Tages nicht mehr wissen, da oben zu stehen, die Augen zu schließen, die Arme auszubreiten und die Sonne zu fühlen. Immer unten im Tal bleiben zu müssen, wird Dir aber irgendwann die Lebensfreude nehmen. Von daher... hat wohl alles seine Berechtigung. 

Welches Buch hast Du zuletzt gelesen? 
Einen Thriller auf der Bahnfahrt nach Berlin, "Die Stimme der Toten". 
"Kauf dir doch ne Zeitschrift", hatte der Mann vorgeschlagen, aber ich fand, man muss sich schon selber treu bleiben. 

Gewitter oder Sturm: spannend oder schrecklich?
Spannend! Geil! Herrlich! Aufregend!! Solange ich zu Hause bin.

Dein erstes Auto?
Ein Trabant Kombi, eierschalenfarben. 1994. Hat leider nur etwa vier Wochen gehalten, dann zerschellte er durch meine Schuld in tausend Stücke. Auf einer Seite. Die andere Seite und ich selbst blieben unverletzt. Das andere Auto war auch Matsch, aber der Fahrer hat mich getröstet, und der Polizist mich auch. Getobt hat nur der heutige Ex-Mann. 
Kennt Ihr eigentlich den? "Wieviel Leute braucht man, um einen Trabi zu bauen? Zwei! Einer faltet, der andere klebt!" Ich fand den lustig :)

Wenn Du treffen könntest, wen Du wolltest, lebend oder tot?
Meine Großmutter. Ich würde ihr so gerne mein Leben zeigen, weil sie damals wohl die einzige war, die immer an mich geglaubt hat. Und die mich abgöttisch geliebt hat. Und wenn sie wieder gehen müsste (weil sie schon seit 30 Jahren tot ist), würde ich sie bitten, mir ihre blaue Strickjacke dazulassen. Die mit den braunen Holzknöpfen. Mich schmerzt bis heute, dass mir nichts von ihr geblieben ist außer wenigen Fotos. 

Lieblingsgedicht?
Eher ein Zitat: "Die Freiheit ist eine Treppe mit tausend Stufen, und kein Fahrstuhl."
Ich denke, dass kaum etwas mein Leben bis hierher besser beschreibt als dieses Zitat. Ich liebe es sehr.

Pepsi oder Coke?
Coke, eisgekühlt. Aber nur auf langen Autofahrten oder wenn der Blutdruck noch tiefer in den Keller rutscht als er so schon ist. 

Links- oder Rechtshänder? 
Rechts. Immer. Also was das Händische betrifft. 

Was hast Du unter Deinem Bett?
Als ich noch alleine wohnte, war da nix außer einem Karton, in dem ich meine Zeichenutensilien aufbewahrte. Ich bin da auch kein Freund von, unterm Bett alles vollzustellen. Alles muss seinen richtigen Platz bekommen.
Hier in der gemeinsamen Wohnung liegen dort vor allem die Weinvorräte des Mannes, mitgebracht aus der Toskana oder kistenweise beim Jaques abgestaubt. Die Wohnung ist auch dafür zu klein, ein Weinregal aufzubauen. 

Sternzeichen?
Zwillinge Aszendent Waage. Mond in den Fischen und da war noch irgendwas mit Stier in Häusern und so, aber das habe ich alles schon wieder vergessen. 

Dienstag, 30. Juli 2019

Where were my mind?



Dem Home Office wird ja zu gerne unterstellt, dass man hier alles mögliche ist - nur nicht produktiv. Wenn ich ehrlich sein soll, habe ich genauso gedacht. Und mir selber nie im Leben die Disziplin attestiert, von morgens bis abends durchweg arbeiten zu können, auch dann, wenn niemand hinschaut. Aber doch - ich kann!
Und wenn Ihr mich fragt.. Ich liebe ihn - diesen Wechsel aus Zuhause und Office. Teils kann ich völlig konzentriert und zugleich entspannt all meine to do's abarbeiten, teils kann ich mich unter die Kollegen mischen, meine Söhne versorgen - und froh sein, wenn ich wieder nach Hause fahre und meine Ruhe hab.

Diese Woche ist so eine Home Office-Woche, die es in sich hat. Sie begann bereits gestern mit einem Zehnstunden-Tag (Wo der Mann immer mit den Zähnen knirscht, weil ich ja eigentlich keinen Vollzeitvertrag habe. Tja. Er trägt wohl nicht umsonst dann und wann eine Beißschiene. "Küss mich, mein Plastezähnchen", hab ich letzte Nacht zu ihm gesagt. Fand er nicht witzig. Ich schon! :))
Der heutige Morgen begann nicht weniger arbeitsreich: Viele verschiedene Themen auf meinem Tisch - und am liebsten alle zeitgleich fertigstellen.
Vor ein paar Jahren, in meinem Singleleben, da verging kein Abend, an dem ich nicht zeitgleich surfte, mit mehreren Leuten zeitgleich chattete, Nachrichten las und nebenbei auch noch TV-Sendungen schaute. Virtuosität ist dem Zwillinge-Menschen ja auch naturgegeben ;)

Insofern.. hatte ich auch kein Problem damit, dass auf meinem Bildschirm heute Morgen verschiedene Fenster nebeneinanderlagen: Arbeitsvertrag, Arbeitszeugnis, Zahlenlisten für Vergleiche (ich lieebe Excel!), Buchhaltungsprogramm und das Protokoll einer letzten Besprechung.
Mittendrin Anrufe von Mitarbeitern und natürlich dem Chef.
Mein Diensthandy meldet mich offline übrigens, wenn ich ein Gespräch führe, so dass der Anrufer denkt: "Ey, die Olle hat wohl frei?" Ich habe vielleicht eine etwas stärkere Lesebrille als noch vor vier Jahren, aber ich hör schon immer noch, wenns anklopft. Und rufe dann auch brav jeden zurück - wenn ich Zeit und Muße habe.

"Du siehst wohl, wenn ich dich anrufe, auch wenn dein Handy dich offline meldet?" fragt heute die Kollegin.
"Ja", antworte ich nachdenklich, während ich konzentriert die verschiedenen Fenster mustere und die nächsten Schritte überlege, "ich seh das immer am Hosenschlitz."
Ich schwöre, ich hatte keine Ahnung, wo ich da grad mit meinen Gedanken war, ich hatte auch nichts Privates nebenbei gesagt, gedacht, getan, geschrieben.
Aber wir haben beide so herzhaft gelacht, bis uns die Tränen kamen :)

Mittwoch, 17. Juli 2019

Von Kopf bis Fuß

"Das würde ich nicht mitmachen, ich würde drauf bestehen, dass es dieselbe bleibt", hatte meine Freundin letztens angemerkt, als ich erwähnte, dass ich nach vier Physio-Behandlungen bereits die dritte Therapeutin präsentiert bekam.
Sicherlich ist es so: Je mehr Leute man fragt, desto mehr Antworten bekommt man - und dann ist man nicht selten weniger schlauer als zuvor, weil man nicht weiß, was man glauben soll. In meinem speziellen Fall weiß das ja aber eh niemand - und ich persönlich fand diesen häufigen Wechsel eher positiv: Ich erhielt mehr Denkanstöße. Eigentlich weniger für mich, mehr für die behandelnden Ärzte, aber letztlich bedeutet es auch für mich, dass ich aktiv etwas angehen kann.
Die erste sprach vom Entfernen meines zweiten Hirns (ich fürchte da eine Gehaltsreduzierung aufgrund nachlassender Hirnleistung ;)), die zweite hat mein Herz im Verdacht und die dritte stellte just mit der 5. Behandlung fest: "Ihre Füße finde ich wirklich äußerst spannend." Öhm....

Als sie mich begrüßte und nachfragte, wie ich mich fühle, erklärte ich matt: "Ich glaub, heut ist nicht so mein Tag." Woraufhin sie sich nicht, wie geplant, mit der Wirbelsäule, sondern den Fußsohlen und hier konkret mit den Reflexzonen befasste. Was soll ich sagen.. Ich lag da zwar komplett entspannt, aber nutzlos auf der Liege, jedoch die Watte in meinem Kopf verschwand fast schlagartig. Ein Effekt, den ich ja, wenn auch nicht gar so deutlich, mit den Spritzen in meinen Kopf empfunden hatte.
"Wie kann ich das am effektivsten zu Hause machen?" fragte ich.
"Mit einem kleinen Ball in Tischtennisballgröße. Er sollte glatt sein, ohne Noppen, aber hart."
Äh... Ja gut. Nach ein bisschen Gekicher und so hab ich dann meine Unterschrift geleistet, schritt schwungvoll zur U-Bahn und durchforstete daheim das Internet. Es ist gar nicht mal so leicht, einen medizinisch wertvollen Ball zu bekommen, der weniger als 6 Zentimeter misst.
"Dann nimm doch die mit 6 Zentimetern", sagte der Mann.
"Nää! Die sind zu groß für meine Füße. Ich muss damit richtig in die Tiefe können."
Grinsen.
"Sonst guck doch mal nach Flummis", empfahl der Mann, "hart sind die auch."
"Hm. Stimmt. Aber dann muss ich mindestens 20 Stück kaufen. In allen möglichen Farben. Sogar mit Gesicht. Aber was soll ich mit zwanzig Flummis?"
Er hat dann seinen Noppenball rausgekramt und probiert.
"Geht doch super!"
"Hallo? Meine Füße sind doch viel zarter als deine."
Er hat dann noch ein bisschen weiter herumgekramt und diesen schwarzen Ball gefunden.
"Nicht ganz so hart, aber effektiv."
Gekicher.
"Darfst halt nicht so doll drauftreten."

"Jeden Tag eine Minute je Fuß", hat die Therapeutin gesagt.
Natürlich habe ich es übertrieben und am ersten Tag gleich mal fünfzehn Minuten draus gemacht. Weils einfach so super ging. Die Quittung kam dann gleich am Tag drauf.
"Ist das normal, dass das so schmerzt, so dass ich am liebsten an die Decke springen wollte?" beklagte ich mich beim Mann, der sich nach Yoga und Joggen gerne und oft auf irgend so einer komischen Rolle wälzt.
"Na klar ist das normal", nickte er ungerührt. "Parole: Durchhalten!"
Gestern habe ich mich auf die eine Minute beschränkt, die mir wie eine Ewigkeit vorkam. Heute bin ich nur um den Ball rumgeschlichen, rangewagt habsch mich noch nicht. Ich muss aber und ich werde auch. Ich will ja weiterkommen. Und es wäre interessant zu entdecken, ob es damit besser wird und ich auf diese unseligen Spritzen verzichten kann, die inzwischen punktuell auf der Wirbelsäule aufgebracht werden. Ich habe mir dann auch im Internet so ne Übersicht zu den Fußreflexzonen rausgesucht und abgespeichert.
"Ball an Magen! Ball an Herz! Ball an Schilddrüse. Iiieeh, das knackt aber komisch! Ball an Dickdarm! Aua scheiße, das tut ja richtig weh!"
Diese ganze Aktion gestern und vorgestern war schmerzhaft, aber lustig.

"Alles hängt miteinander zusammen", hatte die Thera erklärt. "Der ganze Körper ist miteinander verbunden. Das wird nur gerne vergessen."

Dienstag, 16. Juli 2019

...und der Abend ist gekommen wie ein großes sanftes Tier



Der Mann sammelt Vinyls, schon seit er Kind war. Die Scheiben aus seiner Jugend hat er irgendwann als Twen verkauft, als er Geld fürs Moped brauchte. Das bedauert er heute noch. Und als ich mir vor einiger Zeit die Mühe machte, seinen Bestand durchzugucken, was er alles so hat (beziehungsweise nicht hat), stellte ich verwundert fest, dass er alles mögliche besitzt - aber keine Scheibe aus jener Zeit.
Das habe ich zum Anlass genommen, selbst in diese Welt einzutauchen und ihm eine Originalscheibe zum Geburtstag zu schenken.
"Was hast du denn dafür bezahlt?" hat er ganz verwundert heute Nacht, kurz nach Mitternacht gefragt und ich hab gegrinst: "Geld!"
"Oh Gott, du hast bestimmt zuviel bezahlt!"
"Leg sie doch mal auf."

Ich will diese Zeit damals gar nicht verklären. Ich kenne einige, die sich nicht gerne erinnern. Und die froh sind, dass es die DDR nicht mehr gibt. Nach allem, was ich irgendwann später las, sah und erfuhr, sehe ich es zumindest so, dass es gut ist, dass es diese Diktatur nicht mehr gibt.
Aber wir lagen bis heute morgen irgendwas nach zwei Uhr auf dem Sofa und tauchten beim immer und immer wieder hören dieser LP von Electra in Erinnerungen ein.
Meine frühen Erinnerungen an die Ferien bei der Oma auf dem Land. Wo ich Frösche fing und wieder freiließ. Wo ich in den Bäumen herumkletterte und Eierpflaumen pflückte. Wo ich Kartoffelkäfer in einen Blecheimer sammelte. Wo ich zwischen den Großeltern schlief, weil ich zu groß für das Gitterbett, aber noch zu klein (und zu ängstlich) für das Sofa im dunklen Wohnzimmer war. Wie meine Oma ihre Zinkwanne auf den Küchentisch stellte und mich hineinsetzte. Ich auf meine Beine sah und partout nicht auf das Wort "Härchen" kam und sagte: "Oma, jetzt werden meine Federn ganz nass!" Wie in jedem ihrer Pakete, die sie von Besuchen bei ihrer Schwester im Westen schickte, immer Kaugummis drin waren, die ich in die Hand nahm, die Straße vor unserem Haus hinunterlief, mich dort in den Sand setzte und einen nach dem anderen auswickelte, kaute, ausspuckte, sobald sich der Zuckergeschmack verlor, und die Bildchen sammelte. Diese Fix und Foxi-Tattoos so lange stolz auf dem Arm spazieren trug, bis der wirklich aller-allerletzte Rest beim Baden vom Arm gekratzt werden musste. Wie meine Mama am Küchentisch saß, den Kopf in die Hände gestützt, und der Papa kam von der Arbeit, sah sie da so sitzen und fragte nur noch: "Wer ist es diesmal?" Was völlig egal war, denn war einer krank geworden, wurden es unmittelbar danach die anderen beiden eh. Für meine Eltern hieß es damals nur: Noch weniger Geld, denn bezahlte Freistellung im Krankheitsfall kam erst, als sie es nicht mehr brauchten.
Wie die Mama mir und meinem jüngeren Bruder ein Zuckerei aufschlug, die Stühle auf den Küchentisch stapelte und uns hineinsetzte, während sie den Küchenboden wischte - und wir da oben längst wieder raus wollten, obwohl der Boden noch nicht wieder trocken war. Den Geruch nach Bohnerwachs habe ich bis heute in der Nase - und mag ihn immer noch nicht :)

"Wir sollten schlafen gehen", hat der Mann so gegen zwei Uhr gesagt - und eigentlich war ich so hellwach, dass ich noch viel länger hätte Erinnerungen auskramen oder mir seine anschauen wollen. Aber ich hatte erst am Montag die Nacht zum Tage gemacht und hatte erst irgendwas nach drei Uhr mit eiskalten Beinen ins Bettchen gefunden. Da siegte jetzt einfach die Vernunft.
Heute Morgen gegen 8 Uhr 30 weckte mich dann der Piepston der Kollegin, die mir schrieb, ich möge doch mal den Chef zurückrufen, der sei schon ganz wuschig.
Das ist das Schöne am Home Office: Du wirst wach, springst aus dem Bett und bist innerhalb von 3 Sekunden erstmal am Arbeitsplatz. WIE das aussieht, interessiert ja hier keinen :)

...



Alles Liebe zum Geburtstag..

Donnerstag, 11. Juli 2019

Kategorie Fundstücke: Der ultimative Liebestest

Bildquelle: https://www.facebook.com/IKEAdeutschland/photos/a.300863286695051/2006771409437555/?type=3&theater

[Ist das jetzt Werbung, die als solche gekennzeichnet werden muss? Wat weet ick denn!]

Muhaha!
Grad so hat er's noch in die Kategorie "Der Eine" geschafft. Nur über 2. und 4. müssten wir noch mal reden. Müssten. Denn eigentlich können wirs auch lassen - wieso immer reden? ;)
Auch als Frau rede ich nicht gerne viel und schon gar nicht ohne Punkt und Komma. Es sei denn, ich bin wild und aufgebracht, aber DAS ist eine Ausnahmeverfassung, die zählt nicht.
Nur das mit dem Ring vergesst mal. Ich hab ihm angeboten, sich Zahngold draus zu machen. Obwohl... Wär n bisschen viel Gold für so n Zahn. Nicht dass er dann so hier nach Hause kommt. Örks. Dann vielleicht doch lieber n paar neue Manschettenknöppe.

Hach ja. IKEA. Ich liebe Euch :)

P. S.: Habe ich jetzt eigentlich Werbung für die gemacht? Ne, oder? Ist gar nicht mehr so einfach in Zeiten wie diesen, frei von der Leber weg zu bloggen!

Dienstag, 9. Juli 2019

Der äußere Schein


Nachdem ich meine Freundin endlich überreden konnte, sich ins Bettchen zu legen (als junge Mama braucht man schließlich seinen Schlaf, kenn ich alles noch, hab nix aus dieser Zeit vergessen ;)), da beendete ich den Chat mit ihr, nur um gleichzeitig den Power-Knopf an meinem Laptop auf On zu drücken. Ich weiß, dass ich nicht schlafen kann, wenn ich jetzt die Gedanken nicht herauslasse. Wahrscheinlich wird sie das morgen lesen und sagen "Scheiße, das wolltsch vlei ma wirklich nich" - aber hey, is nich Deine Schuld. Doch mit dem heutigen Chat über das Verhalten von Kindern in Grundschulklassen, das aus meiner Sicht bereits an Mobbing grenzt, wenn es das nicht gar schon ist, wurden Erinnerungen in mir wachgerufen. (Außerdem will ich nachher noch Medical Detectives schauen und muss gucken, dass ich wach bleibe ;))

Meine Mama sagt heute manchmal, ich wäre als Kind absolut pflegeleicht gewesen, ich hätte ihnen nie Schwierigkeiten gemacht und ihnen nie Sorgen bereitet. Alles wäre immer glatt verlaufen. Sorgen bereitete ihnen dafür der Große und der Letzte, so mein Empfinden, war der Familienliebling. Der mit dem unschlagbaren Mutterwitz, über den wir heute noch herrlich lachen können.
Und ich? Ich war das Sandwichkind. Ich war.. eben da.
Meine Mama sagt dann heute manchmal, ich hätte als Kind viele Freundinnen gehabt.
Genau genommen stimmt das so rum nicht. Ich hatte keine Freundin, mit der man against all odds zusammen war. Ich war immer mal mit jemandem befreundet, aber ich war auch viel alleine. Klassenfahrten habe ich gehasst, weil mit diesen so offenkundig wurde, dass man eben mit niemandem wirklich verbunden war. Weil man nicht im geschützten Zuhause war - und allein war. Es gab auch Zeiten, da war ich mit, ich war dabei, geduldet, aber unbeachtet. Wie man sich eben oft auch als Sandwichkind fühlt.
"Oh je", schreibt meine Freundin, "hat Dich das geschädigt?"
Ich muss nicht wirklich darüber nachdenken.
"Ja das waren keine schönen Jahre. Ich bin bis heute unsicher mit mir selbst. Nicht mehr so schlimm wie früher, aber es ist auch heute immer noch einfach, mich zu verunsichern."
Ich weiß, dass man mir das nicht zwingend anmerkt. Grad wenn es um andere geht, kann ich mich unglaublich stark machen. Kann ich auch unglaublich stark sein.
Aber wenn es um mich geht?
Ich würde nie, nie im Leben auf die Idee kommen, von mir aus einen Schritt auf einen anderen Menschen zuzugehen, den ich nicht kenne. In der Vergangenheit wurde mir das schon öfter als Arroganz ausgelegt, dabei liegt diese Zurückhaltung lediglich in der Furcht vor Zurückweisung begründet. Im Gegensatz zu anderen möchte ich gar nicht im Mittelpunkt stehen, im Gegenteil. Ich bin eher die, die das Geschehen am Rand betrachtet, Menschen beobachtet und dabei mit einem Strohhalm genüßlich beispielsweise den Hugo aus dem Glas saugt. Aber ich möchte beachtet werden. Nicht nur mit sein.
Menschen interessieren mich, sie faszinieren mich, aber sie erschrecken mich oft auch.
Für mich teilen sie sich nicht in Feind oder Freund, für mich zählt nur, ob ich im anderen einen Gleichklang finde, der meinen ergänzt oder zu mir passt. Heute lege ich keinen Wert mehr darauf, viele Menschen zu kennen, heute lege ich Wert darauf, dass Menschen mit mir sind, die mich sehen. Denen ich nichts beweisen muss. Denen ich genüge mit dem, das mich ausmacht.
"Meine Physiotherapeutin würde dir gefallen", habe ich letztens dem erstaunten Mann erzählt.
"Wie kommst du denn darauf?" hat er gefragt.
"Na.. Die ist Ende zwanzig, glaub ich, sehr sportlich, hat lange braune Haare, große braune Augen und einen Herzmund."
Er hat sich mir entgegengebeugt.
"Willst du mich loswerden?"
"Äh.. Ne?"
"Aber es ist alles in Ordnung? Oder verschweigst du mir was?"
"Äh.. Ne? Es ist alles in Ordnung."
"Gut." Er hat sich beruhigt zurückgelehnt und den Kopf geschüttelt. "Manchmal bist du komisch."
Es liegt sicherlich auch in unserer gemeinsamen Historie begründet, dass ich uns nicht wirklich über den Weg traue. Aber es liegt auch in der nicht gemeinsamen Historie begründet, dass ich mir bis heute nicht zutraue, jemand zu sein, von dem man sagt "Du bist alles, was ich will."
"Du bist aber alles, was ich will", sagt der Mann dann.
Bist du dir da sicher? Auch wenn ich Wandern scheiße finde und Berge kein Herzklopfen in mir auslösen? Auch wenn ich mich jedes Jahr neu weigere, deinen Oldtimer zu fahren, auch wenn du sagst "Du musst es lernen! Wenn wir damit in Italien sind und mir was passiert, musst du es können." 
"Nö. Dann rufe ich jemanden an, der das kann."
Auch wenn bei uns du am Wochenende Frühstück machst, weil Ausschlafen bei mir nicht sieben Uhr fuffzehn bedeutet? Auch wenn du manchmal zweifelst, wer hier wen überlebt und du aber der erste sein willst, der geht, weil er es andersrum nicht ertragen könnte? Auch wenn ich oft unbekümmert Bauch-Entscheidungen treffe, die dich in den Wahnsinn treiben, weil du selbst alles ja ganz anders machen würdest? Auch wenn es dich grämt, dass ich nicht mit dir jogge, sondern mich lieber in der Badewanne aale? 
"Auch dann!"
Dann lächel ich.
Und für einen Moment lang glaube ich ihm.

Hab grad gesehen: Medical Detectives startet heut um 0:55. Ja ne. Das ist ja noch ne Stunde hin. N Käffchen könnt ich jetzt noch vertragen, aber noch ne Stunde warten.. Ich glaub nicht.

Montag, 8. Juli 2019

Sometime Around Midnight


Mir passiert das tatsächlich selten, aber auch bei mir gibt es Tage, wo ich gefühlt am Boden klebe, dem Gefühl unterliege, nicht recht vorwärtszukommen. Und es mir irgendwie die Stimmung "verklebt", ich nur äußerlich den Mund verziehe - und alle denken, ich lache.
Es ging mir nicht so gut in den letzten Tagen und anfangs konnte ich nicht mal wirklich begründen, was mir da auf der Seele lag. Mir war nicht ganz klar, warum ich dem Gefühl nach so am Boden herumkrebste. Woher dieses Gefühl kam, grad nicht in mir zu ruhen.

Und dann, im Dialog mit der einen und anderen Freundin, wurde es mir bewusst. In Vorbereitung auf einen morgigen Termin hatte ich Dokumente herauszusuchen. Befunde zu kopieren, MRT-Aufnahmen bereitzulegen. Und in all dem Blättern längst vergangener Termine, dem Nachlesen des Unwillens anderer, der Ungnädigkeit und Gleichgültigkeit anderer und dem eigenen Status Quo, nach dem es mir zwar deutlich besser geht, aber eben noch nicht alles wieder wie vormals ist, da übermannte es mich: Dieses Gefühl, dieser Unwillen, diese Ungnädigkeit und diese Gleichgültigkeit anderer wären vielleicht doch die richtige Antwort auf ein scheinbar aussichtsloses Ziel gewesen. Die Hoffnung, der Aufwand, die Kosten - umsonst. Oder doch nicht?

"Fazit: Weiterhin optimistisch bleiben, auch wenn's verdammt schwer fällt, und weiter kämpfen."

Diese heutigen Worte einer Kommentatorin kamen heute irgendwie im richtigen Moment. Sie fingen mich auf am Abend, sie begleiteten mich, während der Mann zum Yoga ging und ich mich in der Musik vergrub. Sie begleiteten mich, während ich einer Freundin antwortete, ihr wiederum Mut machte für ganz andere, weitaus elementarere Dinge. Und dann dachte ich: "Mensch, was willst du eigentlich, so schlecht geht es dir doch gar nicht, es wird doch. Und außerdem ist Sommer."
Ich habe mich gefragt, ob es in der Natur des Menschen liegt, dass er nicht mehr mit kleinen Schritten zufrieden sein kann - und ob er immer mehr haben muss? Ob ihm die gereichte Hand nicht mehr genügt und er deshalb gleich Besitz vom ganzen Menschen ergreifen möchte? Aber so bin ich doch gar nicht?
Und je später der Abend wurde, je mehr er sich der Mitternacht zuneigte, je kühler und klarer die Nacht wurde, desto klarer wurde mir, dass ich noch immer nicht immer zuviel möchte. Sondern dass mich im Blättern und Lesen die leise Furcht überkam, all die Unwilligen, die Ungnädigen und die Gleichgültigen könnten letztendlich Recht behalten - und mir würde es nie mehr wirklich gut gehen.

Wenn ich aber vierzehn Jahre lang nicht aufgegeben habe, dann wüsste ich auch nicht, warum ich es jetzt tun sollte.
Und jetzt, jetzt ist mein Stimmungsbarometer auch wieder oben. So war das schon immer bei mir, ein, zwei oder auch drei, maximal vier Tage Seelenpflege, dann habe ich mich selber angekotzt und mich wieder auf die Beine gestellt. So auch heute.
Mein Glas ist immer noch halbvoll, nicht halbleer. Merk dir das, mein Spatzenhirn ;)

Der Termin morgen, der muss übrigens ausfallen. Die ÖPNV streiken und meine Idee, mit dem Auto dort hinzugurken, verwarf der Mann, indem er zu bedenken gab: "Morgen ist die ganze Stadt mit dem Auto unterwegs. Glaub mal nicht, dass du einen Parkplatz bekommst." Recht hat er.

Donnerstag, 4. Juli 2019

Die 11 belanglosen Fragen des Doc S.

Als ich heut beim Doc S. über diese 11 Fragen las (die ich auch kommentierte, aber irgendwas stimmt heut mit Internet-Hasi nicht), schmunzelte ich, weil das 11 Fragen waren, über deren Antwort ich überhaupt nicht nachdenken musste. Deshalb dachte ich... Okay... Nehm ich mal mit ;)

01. Wovor hast Du Dich als Kind am meisten gefürchtet?
Vor der Dunkelheit! Nicht nur, weil ich schon immer eine überbordende Phantasie besaß, in der alles, wirklich alles möglich war. Die Monster unterm Bett - kennt je-der! Wahrscheinlich auch das Gehabe, den Lichtschalter auszuklicken und mit einem Satz von dort aus in sein Bett zu springen. Die Füße in das Ende der Bettdecke zu vergraben, damit jaaa kein Monster nach den nackten Beinen greifen konnte.
Aber.. Wenn man als Grundschüler morgens im Dunkeln auf dem Weg in die Schule einem Mann direkt in die Arme läuft, der mit heruntergelassener Hose an einen Baum gelehnt steht und Dich mitnehmen will, dann ist das etwas, das Dich für immer prägt. Mehr mag ich dazu nicht erzählen.
Der Mann und ich geraten heute manchmal in einen Disput, weil er gerade jetzt bei den angenehmen Nachttemperaturen sämtliche Fenster und Türen (ausgenommen die Wohnungstür) sperrangelweit geöffnet lassen will. Geöffnet ist ja ok - aber doch nicht sperrangelweit?
"Dritter Stock!" kopfschüttelt er. "Da passiert gar nichts!"
Nun jaaaa. Bei Medical Detectives habe ich was ganz anderes gesehen. Vor einigen Jahren in England, da sind etliche Vergewaltigungen und auch Morde von einem einzigen Serientäter begangen worden - und, soweit ich das in Erinnerung hab, lebte kaum ein Opfer im Erdgeschoss.

02. Und jetzt?
Jetzt immer noch am meisten vor der Dunkelheit.

03. Worüber hast Du das letzte Mal aus vollem Halse gelacht?
Erst gestern über meinen Chef, im Trialog mit der Einkäuferin unseres Kunden. Sie gab mir recht in einer Fachfrage und meinte "Siehst du, reicht, wenns die Chefin verstanden hat."
Für vieles gibts die Visa-Karte. Aber SEIN Gesichtsausdruck? Un-be-zahl-bar :)

04. Wenn Du den Rest Deines Lebens nur noch ein Gericht essen dürftest, was wäre das?
Mein spontanes Gefühl streitet grad zwischen Brot und Milchreis mit Apfelmus. Wahrscheinlich Brot. Das macht mehr satt. Zählt das eigentlich als Gericht? Ja, doch. Brotzeit gibts ja nicht umsonst in Bayern.

05. Wenn Du Dein früheres Ich besuchen könntest und ihm einen Rat geben, in welchem Lebensabschnitt würdest Du Dich besuchen und was würdest Du sagen?
Ich würde mich davon abhalten, zu dem Ex-Mann Ja zu sagen und den zum Vater meiner Kinder zu machen. Wir denken immer, unsere größte Verantwortung ist es, unseren Kindern was zu bieten. Und bei fast ausschließlich allen sind damit käufliche Dinge gemeint. Eine schöne Kindheit aber haben wir nicht mit materiellen Dingen und auch nicht damit, dass möglichst jeder Wunsch erfüllt werden muss. Ich meine.. Kindergeburtstage.. Schaut Euch heute mal Kindergeburtstage an. Alles muss immer noch doller, noch größer, noch imposanter werden.
Und wir? Wir haben Eierlaufen gemacht, Sackhüpfen, Detektive gespielt und uns über Preise wie Brausepulvertütchen oder Gummibärchen gefreut.
Ja ich weiß, Zeiten verändern sich und das sollen sie auch. Es muss und es darf nicht alles so bleiben wie es war. Aber die größte Verantwortung, die wir als Frau haben, ist, wen wir uns als Vater unserer Kinder aussuchen. Weil für ein Kind vor allem erst mal eins wichtig ist: bedingungslose Liebe. Das ist das wichtigste Rüstzeug, das wir für die Zukunft mitbekommen können.
Denn vor allem meinen Kindern hätte ich so unfassbar vieles damit erspart. Ja ich weiß - alter Hut, hatten wir schon tausendmal, Vergangenes ist nicht zu ändern und so weiter. Aber wenn Du Folgen und Auswirkungen bis heute, 16 Jahre nach dem Ende der Ehe spürst, dann.. kannst du gar nicht anders denken als du eben denkst. Auch wenn der Blick immer nach vorne geht.

06. Was meinst Du, würde Dein früheres Ich diesen Rat befolgen?
Nur wenn ich mich davon überzeugen kann, dass es das wahre Lieben wirklich gibt, sich das Warten lohnt und ich keine Angst haben muss, dass mich keiner will. Aber das.. wäre eine verdammt harte Nuss. Ich kenne mich. Ich glaube nichts, das ich nicht selber ausprobiert habe ;)

07. Gummibärchen oder Schokolade?
Schokolade, ganz klar. Seit mich so ein scheiß Drecks-Bär mal einen Zahn kostete, der einfach diagonal von der Krone bis zur Wurzel durchriss, gibt es keine Gummibären mehr. Der Rest will schließlich erhalten werden.

08. Baden oder Duschen?
Baden! Man ist gezwungen, sich Zeit zu nehmen - und meistens merkt man anschließend, dass es genau das Richtige gerade war. Allerdings.. verzichte ich derzeit freilich aufs Baden. Außer im See. Letzten Samstag. Das war geil :)

09. Chips oder Flips oder Nüsse?
Nüsse! Ungesalzen. Am liebsten Pistazien, Mandeln oder Walnüsse. Mjamm. Ich weiß übrigens, wo hier in dieser Jungenbude noch was davon rumliegt, hä hä.

10. Was war die bisher weitreichendste Entscheidung Deines Lebens?
Meine Scheidung. 9 Jahre darüber nachgedacht, abgewogen, zurückgezuckt, mir selber nicht getraut, neu nachgedacht und dann irgendwann durchgezogen. Und vom ersten Tag an gewusst: Es ist - trotz allem - scheiß schwer, einem Menschen zu sagen: "Ich liebe dich nicht mehr, ich will nicht mehr mit dir leben, es geht für mich nicht mehr", aber es war die beste Entscheidung meines Lebens. Die weitreichendste. Die, die alles verändert hat, für den Ex-Mann, für die Kinder und für mich. Einiges würde ich heute anders machen - aber die Entscheidung habe ich vom ersten Tag an keine Sekunde bereut. Mich nur oft gefragt, warum ich so lange gewartet habe.

11. Welche der letzten Fragen fandest Du am schwierigsten?
Keine. Mir fielen zu jeder spontan tausend Sachen ein. Ich hab aber nur ein bisschen aufgeschrieben. Soll ja kein Roman werden ;)

Mittwoch, 3. Juli 2019

Old ways wont open new doors



"Das hättest du alles viel billiger haben können", sagt der Mann öfter mal, wenn ich ihm von den Erfolgen oder der Stagnation aktueller Behandlungen erzähle. Meistens möchte ich gar nicht, dass er es kommentiert. Manchmal möchte ich, dass er sich einfach nur für mich freut. Wenn Laborwerte sich stabilisieren und vom dunkelroten zurück in den grünen Bereich fallen.
Dass auch die Infektionen mit Borrelien und Streptokokken ausgestanden sind - laut Labor. 
"Und nun?" fragt er dann. "Was ist mit Deinem Gang? Kennt ihr nun die Ursache?"
Nein. Kennen wir nicht. Immer noch nicht, weil trotz inzwischen negativer Laborwerte manches nicht wieder so geworden ist wie zuvor. Und weil mir in der Schulmedizin kaum jemand wirklich hilft (außer mein Hausarzt, der glaubt sogar wirklich an mich, aber der kann eben auch nicht alles), und ich alles, was ich aktuell veranstalte, selber zahlen muss. Und irgendwo.. Gibts eben monetäre Grenzen für mich ;)
"Ich denke ja immer noch, du hättest das alles viel billiger haben können. So viel Geld und dann nicht mal ne Ursache."
"Das kannst du mir doch nicht vorwerfen", verteidige ich mich flammend. "Ich will ja, dass sie suchen, aber die meisten winken nur ab. Und mir muss es deswegen doch nicht die ganze Zeit schlecht gehen. Deswegen kann man ja trotzdem Wege ausprobieren, die mir helfen." (Die Schulmedizin würde im Übrigen auch nix anderes machen: testen und ausprobieren. Haben sie selbst gesagt. Mehrfach.)
Manche Tests stehen auch noch aus - aber der Doc muss ja auch mal Urlaub machen. Und auf die paar Tage kommts jetzt auch nicht mehr an. Hauptsache, es passiert überhaupt etwas.
Ernst genommen zu werden, ist meiner Erfahrung nach wohl das Hauptproblem vieler Menschen.
Insofern stößt mir auch immer wieder sauer auf, dass die Heilpraktiker-Geschichten als "Placebo-Effekte" behandelt werden, für deren Leistungen bitte jeder selber zahlen möge, dies aber nicht als Kassenleistung und somit nicht zur Belastung für jeden Versicherten aufgenommen werden solle.
Wer noch nie in die Schublade "austherapiert" geschoben wurde und nach der Heilpraxis als letzten Strohhalm griff, der weiß auch nicht, dass Homöopathie eben sehr viel mehr kann und auch tut, als Zuckerkügelchen zu verteilen. Ja ich weiß, das Thema hatten wir schon. Bringt mich aber jedesmal wieder in Harnisch, wenn ich zu diesem Thema bornierte Meinungen lese. Meist von Menschen übrigens, die noch nie in die Verlegenheit kamen... ach egal.  Heilpraktiker erbringen im Übrigen auch Leistungen, die genauso gut von einem Schulmediziner übernommen werden könnten. Beispielsweise die Bluttherapie. Oder aktuell die Spritzen in meinen Kopf. Aber dazu müsste er mich erst mal ernst nehmen und auch wirklich was tun wollen.

"Irgendwas ist letztes Jahr bei Ihnen kaputtgegangen", meinte erst vor zwei Tagen die nette, bemühte Physiotherapeutin zu mir. "Aber was auch immer das war: Das Hirn ist ein Muskel, das kann man trainieren." Sie vermutet als Ursache mein Herz, ihre Kollegin vermutet, man müsse mir das zweite Hirn (wie ich es inzwischen scherzhaft bezeichne), das inzwischen ein paar Zentimeter misst und glücklicherweise kein Eigenleben entwickelt hat, aus dem Kopf schneiden. Also lerne ich, wieder stabil und vernünftig zu laufen und nicht so, als habe ich heimlich in meinem Schreibtisch eine Flasche Hochprozentiges versteckt und bediene mich pausenlos daran. Denn genauso fühle ich mich. Mal mehr, mal weniger. Wobei man mir das in diesem Jahr weitaus weniger ansieht als noch im letzten Jahr. Ich weiß gar nicht, ob das überhaupt noch jemand sehen würde, der davon nichts weiß.
Nebenbei haben wir die Bluttherapie beendet, weil keine weiteren Erfolge hinzugekommen und wohl auch nicht mehr zu erwarten sind. Stattdessen gibt es nun eben ein Medikament in den Kopf gespritzt, dahin, wo die Schädeldecke in den weichen Bereich der Halswirbelsäule übergeht.
"Ich krieg Gänsehaut", schüttelt sich die Mama am Telefon und ich lache. "Das klingt schlimmer als es ist." Und das sagt immerhin eine, die in ihrer Kindheit bei Impfungen ein Theater veranstaltet hat, als ginge es um ihr Leben.

Dass ich diesen Weg ausprobiere, will der Mann nicht. "Wenn ich mal nach Hause komme und finde dich hier auf dem Boden liegend, dann versohle ich dir extra noch den Hintern!" resigniert er schließlich an meiner Bollwand aus nordischer Sturheit. Ich verstehe seine Sorge, aber ich verstehe auch mich. Ich will weiterkommen, vorwärts kommen.
"Ich will, dass dieser Zustand aufhört und alles wieder so ist wie vorher", erkläre ich vor zwei Tagen auch meiner Physiotante und die nickt verstehend. Drückt ein paar Triggerpunkte in meinen Händen, so dass ich ein bisschen aufjaule.
"Aaaahhh", strahlt sie, "einen gefunden!"

Doch wie auch immer es jetzt weitergeht - im Moment geht es mir viel besser als noch im letzten Jahr. Was bedeutet, dass ich wieder durch die Wohnung tanze (ok, da und dort stoße ich schon mal... aaaaahhh! DAHER kommen die blauen Flecken! :)), dass ich wieder leidenschaftlich gern und vor allem problemlos mit dem Auto unterwegs bin, singe oder die Gedanken fröhlich treiben lasse, es mir körperlich insgesamt einfach wieder besser geht.
Habe ich daran geglaubt, als ich mich im letzten Jahr in die Hände der Heilpraktikerin begab?
Nein. Kein Stück. Im Gegenteil. Grad im Hinblick auf all die Erfahrungen der letzten 14 Jahre vermutete ich eher, es würde genauso hoffnungslos enden wie all die Jahre bei all den anderen Ärzten zuvor auch.
Und jetzt bin ich einfach nur froh, dass all die leisen Zweifel und Bedenken in meinen gewohnten, beinah unerschütterlichen Optimismus umgeschlagen sind ;)

Dienstag, 2. Juli 2019

"Wieso stolz? Davon hat man doch nichts!"



So (oder so ähnlich, man verzeihe mir, sollte mir der genaue Wortlaut wieder entfallen sein) antwortete die Mutter von Angela Merkel 2005 auf die Frage von Journalisten, ob sie denn nicht stolz auf ihre Tochter sei.
Und ich sehe in den Nachrichten eine Frau, die in der Öffentlichkeit das Zittern ihres Körpers wiederholt nicht unterdrücken kann und sich dennoch keinen Moment der Schwäche erlaubt. Indem sie den öffentlichen Termin bis zum bitteren Ende durchzieht und auch das angebotene Glas Wasser dankend ablehnt. Die den Mund zu einem Strich zusammenkneift, so dass man ihrem Gesicht förmlich die Worte "Mist, ach Mensch, wieso denn ausgerechnet jetzt? Doch nicht schon wieder!" irgendwie deutlich ablesen kann.
Natürlich fragte ich mich: "Wie stark ist sie wirklich und wie viel von dieser Stärke ist anerzogen? Ist das die Erziehung oder ist das Protokoll?"
Und anschließend fragte ich mich: "Ist es denn Schwäche, sich schwach zu zeigen? Zuzulassen, dass man Hilfe braucht?"

Aufgewachsen bin ich mit den Worten meines Vaters "Es wird nicht gejammert und es wird nicht gebettelt." Und manchmal, wenn ich unerfüllt für jemanden schwärmte, hat er die Augen verdreht und gefragt "Mensch Mädchen, hast du denn so überhaupt gar keinen Stolz?"
Ich hab das so nie gesehen. Ich dachte immer... Wenn ich mir etwas wünsche, muss ich alles dafür tun, um es zu bekommen. So kannte ich es. So und nicht anders. Und ich musste immer das Gefühl haben, wirklich alles gegeben zu haben. Und wenn der Erfolg dann trotzdem ausblieb, dann konnte wenigstens ich mir nicht vorwerfen, nicht alles gegeben zu haben.
Zu jener Zeit ahnte ich schon, dass nichts im Leben mehr schmerzen würde als eine verschenkte Möglichkeit.

Ich war gerade dreißig Jahre alt geworden, als mir zum ersten Mal etwas geschenkt wurde, um das ich weder gebeten noch dass ich je danach gefragt hätte. Und beschloss, die Tür zum bisherigen Leben zu schließen und eine neue zu öffnen.
Mein Vater verurteilte mich lange dafür, ohne es mir je so direkt zu sagen.
Meine Mama sprach das auch nie so direkt aus - aber zu jener Zeit begriff ich, dass ich nicht wirklich etwas falsch machen konnte: Sie würde mich immer lieben. Trotzdem lieben. Ich begriff das so spät, weil wir uns das nie so gesagt haben. Und auch nie wirklich gezeigt haben. Spät erst habe ich verstanden, dass Liebe nicht nur damit gezeigt wird, indem man es sagt oder aufschreibt. Oder man den anderen in den Arm nimmt. Damit wird sie nur verdeutlicht. Aber es prägt einen.
Ich habe mich durch mein Leben gekämpft. Bin gestürzt, wieder aufgestanden, gestürzt, wieder aufgestanden.. Ich war stark, ich war schwach, stark, schwach.. Nur um Hilfe habe ich lange, sehr lange nicht gebeten. So wurde ich nicht erzogen. Und niemand hat etwas zu verschenken. Jedenfalls nicht, ohne irgendeinen Zweck damit zu verfolgen. So hatte ich es auch nicht kennengelernt: dass jemand nur deshalb hilft, weil er es eben kann.

Inzwischen habe ich es anders erfahren, vor Jahren schon. Bis heute habe ich keinen Moment aus der Zeit vergessen, als es mir selber richtig mies ging. Bis heute mache ich genau das, was mir gezeigt wurde: Ich helfe einfach nur, weil ich es gerade kann. So gut ich es kann. Dafür will ich nichts. Ich will einfach nur dabei helfen, dass es jemandem wieder besser geht. Wenn es jemandem schlecht geht, möchte ich auch nur irgendetwas tun, das diesen Zustand in das Gegenteil verkehrt. Immer kann man das nicht, das weiß ich. Aber niemand kann immer alles allein schaffen - und man muss es auch nicht.

So handhabe ich das auch mit meinen Söhnen, bis heute. Ich sage ihnen, dass ich sie liebe. Ich umarme sie ganz sehr zur Begrüßung und zum Abschied. Ich frage sie immer mal wieder, ob sie zurechtkommen, und wie sie zurechtkommen. "Passt gut auf euch auf. Achtet gut auf euch", sage ich bei jedem Abschied, und meine es auch so.
Ob ich sie zu starken oder schwachen Persönlichkeiten erzogen habe, kann ich nicht beurteilen. Oder doch?
Telefoniere herum und erkundige mich nach rechtlichen Bedingungen. Unvermittelt und unerwartet bekomme ich schon unmittelbar nach dem Telefonat den Hinweis auf eine mögliche Tür, durch die jemand nur noch gehen muss. Wenn er darf.
Und das, genau das ist es, was ich am Leben so liebe: Es ist so voller Möglichkeiten.
Jeden einzelnen Tag haben wir die Möglichkeit auf eine neue Tür. Jeden neuen Tag haben wir eine neue Möglichkeit. In meiner Vorstellung sind die Türen holzfarben, warmes, helles Braun, bemalt mit vielen Blumen. Manchmal muss einfach nur mal miteinander sprechen..

Manchmal fragt man gar nicht nach einem Glas Wasser, manchmal bittet man darum - aber egal wie.. Man vergibt sich nichts, wenn man es einfach dankbar annimmt.

Sonntag, 23. Juni 2019

Par Procuration



"Ich liebe dich in jedem Fall - selbst wenn es kein Ich und keine Liebe und nicht einmal ein Leben geben sollte - ich liebe dich."
Zelda an F. Scott Fitzgerald, per Brief 


Der Tag heute versprach Regen, eine Menge Regen. Das bedeutete, mir nach dem genüßlichen Frühstück ein Kleid überzustreifen, eine Strickjacke darüberzuziehen und mir ein Buch auf die Beine zu legen. Was es mir bieten würde, war ich mir nicht so ganz sicher. Von den bisher drei Büchern, die ich von ihr besitze, gefallen mir zwei ganz sehr. Insofern blieb eine leise Skepsis, während ich begann zu lesen. Mit jeder Seite, die ich umwendete, verblasste die Skepsis und vertiefte sich die Anspannung in mir: Wie würde es enden?
Obgleich ich ahnte, wusste, wie es enden würde - denn eigentlich endet es doch immer auf dieselbe Art..

"Par Procuration", sagte sie gedankenverloren. "Sie werden mir erklären müssen, was das bedeutet, Anthony."
Die Art, wie sie seinen Namen aussprach, rief eine gewisse Vertrautheit hervor. Darin lag ein Versprechen, die Aussicht auf eine Wiederholung irgendwann in der Zukunft. 
"Es bedeutet..." Anthonys Mund war trocken geworden.
"Es bedeutet, sich am Glück von jemand anderem zu erfreuen."

[1960. Jennifer sollte glücklich sein. Ein sorgloses Leben mit ihrem wohlhabenden Mann. Nur dass sie eben erkennt, dass sie ihn nicht liebt. Und dann gibt es nur zwei Möglichkeiten.

2003. Der Journalistin Ellie fällt im Archiv ein 40 Jahre alter Brief in die Hände: Der unbekannte Verfasser bittet seine Geliebte, ihren Ehemann zu verlassen. Die Journalistin stellt daraufhin Nachforschungen an: Was ist aus den beiden und ihrer Liebe geworden? Mehr als nur eine Handvoll Worte?]


Es gibt nicht viele Bücher, die ich in die Hand nehme und so lange nicht wieder zur Seite lege, bis ich es zuende gelesen habe. "Eine Handvoll Worte" war heute so ein Buch. Vielleicht, weil es so unfassbar viele Erinnerungen erweckt, wieder hervorholt. Vielleicht, weil das Buch ob dieser Erinnerungen eine Intensität hervorruft, die es mir ermöglicht, all die Protagonisten, all die Ereignisse vor mir zu sehen. Mitzufühlen in all den Ereignissen. In den ersten Begegnungen. Nach der Begegnung. In all der Hoffnung und all dem Warten.. Und in der eigenen Erkenntnis, dass nichts umsonst geschieht. Und dass nichts jemals umsonst gewesen ist. Dass alles seinen richtigen Platz bekommt - solange man daran glaubt.

Als ich das Buch am Abend zur Seite legte, klopfte mir das Herz bis in den Hals hinauf.

"Ein Teil von ihm wusste schon in diesem Augenblick, dass sie sein Verderben sein würde. "Sag mir, dass ich aufhören soll", flüsterte er, eine Hand an ihrer Brust, schwer atmend. Es wäre die einzige Möglichkeit, das hier noch aufzuhalten, "Sag mir, dass ich aufhören soll." Sie schüttelte nur stumm den Kopf. "O Gott", murmelte er. Es gab kein Zurück mehr, ihr Atem kam stoßweise, sie schlang ein Bein um ihn. Er fuhr mit den Händen unter ihr Kleid, die Handflächen glitten über die Seide und die Spitze ihrer Unterwäsche. Er spürte ihre Finger in seinem Haar, eine Hand griff nach seiner Hose, und ein Teil von ihm war leicht schockiert, als habe er erwartet, dass ihr Gefühl für Anstand eine solche Gier ausschloss.
Die Zeit schien stehenzubleiben, sie bewegten sich wie in einem luftleeren Raum, ihr Atem vermischte sich. Stoffe wurden zur Seite geschoben. Beine wurden feucht, er hatte seine gespreizt, um ihr Gewicht zu tragen. Und dann - o Gott - war er in ihr, und einen Moment lang setzte alles aus: Jennifers Atem, ihre Bewegungen, sein Herz. Wahrscheinlich auch die Welt. Er spürte ihren offenen Mund auf seinem, hörte, wie sie einatmete. Und dann bewegten sie sich, und er war eins mit ihr, konnten nur noch sie fühlen, war taub gegenüber den klappernden Bügeln, der gedämpften Musik auf der anderen Seite der Wand, dem leisen Ausruf, als jemand im Flur einen Freund begrüßte. Nur er und Jennifer existierten, bewegten sich langsam, dann schneller, ihr Griff wurde fester, das Lachen war verstummt, seine Lippen auf ihrer Haut, ihr Atem an seinem Ohr. Er spürte die zunehmende Kraft ihrer Bewegungen, spürte, wie sie in einem fernen Teil ihrer selbst verschwand. Der letzte Rest seines Verstandes sagte ihm, dass sie keinen Laut von sich geben durfte. Und als er hörte, wie sich der Schrei in ihrer Kehle ankündigte, während sie den Kopf nach hinten bog, hielt er ihn mit seinem Mund auf, fing er den Laut ab, nahm ihre Lust in sich auf, so bestimmt, dass sie zu seiner eigenen wurde.
Par Procuration."

"Lieber J - ich weiß, ich war eine blöde Kuh, und es tut mir leid. Ich weiß, du kommst morgen nach Hause, aber ich werde nicht da sein, um dich zu sehen. David und ich heiraten in ***, und ich werde dich nicht mehr treffen. Im Grunde meines Herzens liebe ich dich, aber David liebe ich noch mehr. Machs gut."
Frau an Mann, per Brief 

Par Procuration...

Mittwoch, 12. Juni 2019

Szenen einer Partnerschaft: die Unterschiede zwischen Mann und Frau

In einigen Tagen gehts auf nach Berlin. Wir sind eingeladen zu einer Party anlässlich einer bereits im letzten Jahr stattgefundenen Hochzeit. 
Natürlich weiß der Mann seit Monaten, was er anzieht, während ich erst heute ein passendes Kleid erjagt habe. 
„Du hast doch schon so viele Kleider“, wird er sagen und ich werde antworten: „Ja aber keins von denen passt zum Anlass UND zu Gastgebern und Gästen.“
Außerdem beauftragte er mich, das nötige Verpackungsdingens (Geschenkfolie) und die Glückwunschkarte zu besorgen. Schließlich hab ich ja Urlaub und damit Zeit im Überfluss. (So die Denke eines Mannes! Als wüsste er nicht, dass ich die Zeit super vertrödeln kann auch ohne großartige Aktivitäten. Die neue Nachbarin findet das übrigens gut, denn ich traf sie beim Losgehenwollen. „Man muss sich regelmäßig Auszeiten schaffen“, versteht sie mich. Sie scheint sympathisch.)
Er hat ruft an, als ich mich bei einem Milchkaffee XL im Straßencafe vom Kaufrausch erhole. (5,50 €! So langsam kann ich gar nicht trinken, um auch jeden teuren Schluck einzeln zu würdigen. „Hast du denn nicht vorher gefragt?“ rügt der Mann. 
„Öhm. Ne.“ Genüßlichkeit kennt ja eigentlich keine Grenzen, finde ich so im Allgemeinen.“)
„Hast du das Verpackungsdingens erledigt?“
„Äh... Ich habe statt der Folie doch lieber eine Schachtel gekauft, cremefarben mit goldenen Herzen, passend dazu Schleifenband, creme und golden. Und eben die Scherenschnittkarte.“
„Ein einfaches Ja hätte auch gereicht!“

Dienstag, 11. Juni 2019

Der Junge muss an die frische Luft



Ich wollte das ja nie, doch wenn ich so weitermache, werde ich wohl eines Tages eine Empfehlungsfibel für Film & Buch ;) Dabei.. will ich einfach nur erzählen.
Vor einigen Tagen waren wir im Kino. Ich liebe Kino, weil ich die Atmosphäre liebe. Großer dunkler Saal, die Beine ausgestreckt, das Popcorn auf dem Schoß (ja, das ist ein Muss, sonst kann man auch daheim bleiben) und das Warten auf den Beginn nach all der Werbung.. Mit all den Menschen, die um einen herum auch Popcorn essen, erzählen, lachen und genauso warten wie wir.
Ich mag das sehr.



Diesen Film habe ich mir ausgesucht, weil es der einzige war, von dem ich mir versprach, dass er zu meinem Geburtstag passen und eine bestimmte Leichtigkeit mit sich bringen würde.
Vielleicht, weil dieser Film einen Ausschnitt über die Kindheit Hape Kerkelings sein würde.
Vielleicht, weil ich den Humor Hape Kerkelings sehr mag. So wunderbar feinsinnig und.. sehr gut beobachtet.

Irgendwann vergaß ich, dass ich Popcorn auf dem Schoß hatte. Ich vergaß, dass wir etwas zu trinken mitgebracht hatten. Ich saß einfach nur im Stuhl, die nackten Beine von mir gestreckt, als der Mann neben mir leise sagte: "Irgendwie weiß ich immer noch nicht so richtig, was der Film mir eigentlich sagen soll", und ich flüsterte: "Na.. Er erzählt uns einfach nur seine Geschichte."
Eine wundervoll berührende Geschichte, wundervoll berührend erzählt - und am allerschönsten fand ich die Schlussszene. Ein Film über die ersten Jahre Hape Kerkelings mit der Mama bei der Oma auf dem Land, die kommenden Jahre mit der Mama bei der Oma in der Stadt - und eines Tages mit der Oma vom Land in der Stadt..
Niemand kann den Schmerz ermessen, den ein Mensch fühlt, wenn es ihm nicht mehr gut geht - und wenn Dinge nicht mehr so sind wie sie einst waren. Was fehlt, begreift man ohnehin erst wirklich, wenn man es nicht mehr hat. Niemand darf darüber urteilen, wann einem die eigene Kraft ausgeht - und ob sie es darf. Umso mehr verneige ich mich heute vor dem Menschen Hape Kerkeling.

Als wir das Kino betraten, waren wir vollkommen allein in dem riesigen Saal. Viel mehr Menschen sind dann auch nicht hinzugekommen. Vielleicht noch drei oder vier oder fünf.

Dieser Film.. verdient volle Sitzreihen. Aber gut, er läuft ja schon seit nem halben Jahr. Ich selbst hab ihn erst in diesen Tagen entdeckt. Wie immer ein bisschen spät.

Freitag, 7. Juni 2019

33+



Heute ist der erste Tag einer Woche, die ich mir freigenommen habe. Vielleicht werde ich ganz viel von diesem und jenen machen, vielleicht werde ich aber am Ende doch nur einen ganzen Tag lang auf dem Holzfußboden liegen, die nackten Beine an die Wand gelehnt, ich werde an nichts und an so vieles denken... Vielleicht werde ich dann und wann dabei lächeln oder blicklos in die Weite schauen... und ganz nah bei mir selber sein.

Warum 33+?
Es ist keine dieser typischen Eitelkeiten, die ängstlich das eigentliche Alter hüten. Es ist... dass sich so vieles veränderte, als ich 33 geworden war. Die Jahre, die folgten, waren die schmerzhaftesten, glücklichsten, einsamsten, berührendsten, schwächsten und stärksten Jahre meines Lebens. Es sind die Jahre, die ich nicht missen möchte, auch wenn ich Dinge darin viel mehr zum Guten wenden wollte.
33 ist das Alter, mit dem mein Leben eigentlich erst wirklich begann. Ein Leben, das mir erlaubte, so zu sein wie ich eben bin; so zu genießen wie ich es eben liebe; so zu lieben wie es mich eben erfüllt. Jeder Mensch sollte genau so leben und lieben dürfen wie er es für sich selber braucht.
Die 33 ist unfassbar tief in mir verankert, im Kopf, in der Seele, ich fühle mich noch immer wie 33, ich bewege mich noch immer wie 33....



...und nur, wenn ich in den Spiegel schau, wunder ich mich: "Huch, was ist da über Nacht hinzugekommen?" :)
Vielleicht ziehen sich seither mehr feine Linien um die Augen, silberne Fäden durch das Haar und spätestens dann weiß ich, dass ich eben doch keine 33 mehr bin. Aber es fühlt sich bis heute so an.. Als sei ich, als sei meine Seele keinen einzigen Tag älter geworden seither.
Vielleicht will ich es ja gar nicht, vielleicht kann ich es aber auch gar nicht...

Heute und Hier.
Das größte Geschenk des Lebens an mich.

Happy Birthday to me.