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Dienstag, 13. April 2021

Still ruht der See

 


Als ich dieses Video zufällig bei FB fand, konnte ich einfach nicht aufhören zu lachen: Nicht nur, dass ich rein optisch vom Hals abwärts der linken Protagonistin sehr ähnlich bin, nein, auch die Mimik (köstlich!!!) und diese Erkenntnis: Einmal hingucken reicht, um zu verstehen, dass die eigene Grenze bereits vor dem allerersten Versuch erreicht war - und stattdessen dem Dolce Vita zu frönen... Herrlichst!!!

Der Mann hat zwar auch gelacht, noch mehr aber freilich die rechte Protagonistin bewundert - und natürlich durftsch mir gleich wieder n Vortrag anhören über Disziplin, Kontinuität und so weiter. Kenn ich alles, habe ich mindestens schon hundertfünfzig Mal gehört, so dass ich spätestens ab dem dritten Satz abschalte und intuitiv nur noch an den richtigen Stellen verstehend nicke, während ich gedanklich längst schon wieder sonstwohin abgeschweift bin. 

Nicht falsch verstehen: Natürlich steckt auch in meinem Fleisch ein Stachel Eitelkeit, aber gefallen will ich in allererster Linie vor allem mir selbst. Weder bin ich besessen von Idealen, die andere für sich selber stecken, noch bin ich erfüllt von einem falschen Ehrgeiz, der mich nur dann zufrieden sein lässt, wenn alles ganz nach Plan abgearbeitet ist und läuft. Ich bin einfach nicht dafür gemacht, unrealistischen Zielen nachzulaufen und mir selber das kleine bisschen Leben zu vermiesen.

Überhaupt auch frage ich mich manchmal, ob irgendwas mit mir nicht (mehr) stimmt. Ob ich irgendwo vielleicht doch ne Überproduktion von Serotonin oder Oxytocin oder was weiß ich hab? Vor gut zehn Jahren vermutete ja die Schmerzärztin schon mal sowas in der Art, allerdings im Hinblick einer negativen Auswirkung auf meinen Körper, und als ich fragte, ob man das denn nicht messen könne, antwortete sie spontan: "Ja, aber erst, wenn Sie tot sind." Nun ja. E bissl kontraproduktiv, wenn Ihr mich fragt. 
Aber.. Es ist ja nun nicht so, dass mich nichts mehr berührt oder Negatives mich nicht mehr tangiert oder nicht auch verrückt machen würde. Aber wie ich letztens schon erzählte, stelle ich doch immer öfter an mir fest, wie gelassen ich auf vieles reagiere. Ich erinnerte mich auch an eine Schmerztherapeutin, die mich fragte, wie ich Frust und Ärger rausließe. Und ich erklärte, dass ich immer Musik hören würde, wenn mir was zuviel würde. Und sie meinte, das sei ja gut und schön, aber ich müsse es doch auch mal rauslassen. Mach ich doch! Zwar singe ich nicht mit, wenn ich frustriert bin, und abtanzen tu ich dann auch nicht - aber wenn alle vier Wände erzittern ob der Klänge (okay, meist sind es nicht die vier Wände zu Hause, sondern eher der kleine Schwarze auf dem Highway), dann dauert es meist auch nicht lange, bis der Bass auch den allerletzten Funken Frust aus meinen Körper rausgedrumt hat. 

Oder funktioniert das mit der Malerei doch besser als ich dachte? Dass ich noch besser dabei abschalten und runterfahren kann, so dass es einiges mehr bräuchte, um mich aus dem Meer der Glückseligkeit wieder rauszuziehen? 

Wat weet ick. 

Vielleicht ist es ja auch die Gelassenheit des Alters, die mehr und mehr nach mir greift. Wobei.. Gelassenheit des Alters... Der Mann is ja noch n Stück älter als ich und von Gelassenheit kann man bei ihm eigentlich nicht sprechen. Ich meine, wir wissen beide, dass er.. nun sagen wir.. zum Beispiel kein einfacher Beifahrer ist. 
Warum fährst du immer so weit links?
Warum fährst du immer so weit rechts?
Fahr nicht so dicht auf!
Du hast aber schon gesehen, dass hier nur 120 sind?
Wieviel fahrn mer denn... aaaaaah ja....
Du kannst hier gleich links abbiegen.. Links! LINKS! (Mein Navi meinte ja geradeaus, aber was weiß die schon!)

Sein Lieblingsspruch ist dann oft: "Lass mich hier raus, da lauf ich lieber heim!"
Das hat er auch schon auf der Autobahn gebracht, wo ich dann abbremste und fragte: "Jetzt gleich? Hier?" und wir dann natürlich doch gemeinsam weiter nach Hause gefahren sind.
Außer letzten Freitag.
Da waren wir zwar nicht auf der Autobahn, aber mitten im besten Feierabendverkehr mitten in M.
Als sein Blut in Nullkommanix hochwallte und er begehrte, aussteigen zu wollen, hielt ich auch sofort an, er sprang raus, knallte die Tür zu und ich fuhr zackig weiter, ohne mich auch nur einmal umzudrehen, drehte dafür meine Musik auf Wohlfühllautstärke hoch und hangelte mich durch besagten Berufsverkehr nach Hause. Weder ließ ich mich von seiner Laune noch von seinem Spontanfrust runterziehen, ach iwo, die Sonne schien, die Mucke stimmte, ich sang vergnügt mit und war natürlich noch vor ihm daheim. Ob er tatsächlich heimlaufen musste, weil er eventuell die Bahncard nicht dabei hatte, das habe ich auch später nicht gefragt. Gut möglich, dass er laufen musste, denn als er daheim ankam, war seine explosive Stimmung wieder verraucht (Sport macht den Kopf frei, hab ich mir mal sagen lassen) und es konnte die allererste Bratwurst vom niegelnagelneuen Grill in beiderseitiger friedlicher Abend-Stimmung verspeist werden. 

Manchmal denke ich ja, dass wir uns beide sehr, sehr ähnlich sind und genau unsere Eigenheiten uns am anderen nerven. Aber worans auch immer liegen mag - an der nordischen Herkunft, an der Malerei, am Alter oder auch der Kombi aus allem... Ist es nicht doch irgendwie auch eigenartig, dass ich mich überhaupt frage, ob mit mir was nicht stimmt, nur weil ich genüßlich in meinem inneren stillen See ruhe? Denn genau genommen ist es doch eigentlich nix Negatives, wenn man weiß, wo die eigenen Grenzen liegen, man nicht von falschem Ehrgeiz zerfressen wird und auch nicht ständig danach strebt, irgendwas zu sein, das man gar nicht ist? Dass ich zwar meine Ziele habe, aber auch genießen kann, was ich schon erreicht hab, ohne mich ständig neu anzutreiben und nie wirklich zur Ruhe zu finden. Ich mach mir ja wirklich nicht viel aus Alkohol - aber lieber greife ich dann doch zum Weinchen als dass ich mich stressen ließe. 
Wie heißt es doch so schön? "Das Leben ist viel zu kurz für Knäckebrot." Eben! ;)

Donnerstag, 16. Juli 2020

Baby I Love You


Vielleicht ist der Text ja doch ein bisschen schnulzig, aber.. Wir lieben ja beide irgendwie die alten Dinge, deswegen lieben wir auch uns :D Aber ob nun schnulzig oder nicht.. Es wäre genau das, was ich Dir nachts flüsternd ins Ohr singen wollen würde. (Aber dazu muss ich vermutlich noch ein bisschen Text üben ;)
Es ist aber auch ein Song, von dem ich mir vorstelle, wir würden nicht wie an manchen Abenden auf der Sofalandschaft lümmeln, die Musik hören und uns gegenseitig ansingen, sondern wir sind gerade auf dem Weg ans Meer, lassen Beine und Seele baumeln und schreien vor Freude. 

Ich wünsche Dir von Herzen, dass Du das Leben führst, das Dich glücklich macht. Dass Du die Menschen darin hast, die Du auch bei Dir haben möchtest. Dass Du alles hast, um Dich "vollständig" zu fühlen. Dass Du Dir die Träume erfüllen kannst, die Du Dir am sehnlichsten wünscht. Dass Du nicht länger glaubst, schon alles gesehen und erlebt zu haben, sondern immer wieder Neues zu entdecken vermagst. 
Und ich wünsche mir, dass ich Dir dabei zusehen und Dich dabei begleiten darf. 
(Solange ich dafür nicht mit auf einen Berg steigen muss ;))

Alles Liebe zu Deinem Geburtstag.

Donnerstag, 9. April 2020

Und dann..



..war ich fertig mit Ordnung machen, der Mann war fertig mit Telefonieren - und dann habe ich ihn zum Tanzen aufgefordert. In unserer kleinen Hütte. Wie die Irren. Herrlich.

Samstag, 21. März 2020

Szenen einer Partnerschaft: Wasserblaue Augen und braunes Haar



Vermutlich angeregt durch die Vinyl-Challenge auf FB, bei der der Mann meine Chronik ja mitverfolgt, und meine sichere Erinnerung, dass er mir vor Jahren sehr wohl eine Vinyl geschenkt hatte ("Hab ich nicht!" "Doch, hast du wohl, ich bin mir sicher." "Die steht gar nicht in meiner Excel-Liste." Dafür schaute ich in seine Sammlung und fand sie gleich beim dritten Zugriff: "Tja!"), wurde ich heute Morgen vom Kaffeeduft geweckt, begleitet mit der aufgelegten LP.
"Der Kaffee ist fertig" hätte zwar besser gepasst, gibts aber auf dieser Scheibe nicht.
Trotzdem saß ich mit Herzchenaugen, noch ganz verwuschelt vom Schlaf und warm eingemummelt in meiner Strickjacke auf dem Sofa, die Kaffeetasse in beiden Händen, schaute hinaus auf die ersten zarten grünen Blätterknospen im Garten, auf die dicken Regenwolken - und fühlte mich so richtig wohl und entspannt. 

"Wenn du magst, konvertier ich dir deine Lieblingssongs in mp3. Such dir deine Titel aus."

Hängengeblieben bin ich dann an diesem hier. Fast vergessen über all die Jahre, bekam ich heute Morgen eine Wahnsinns-Gänsehaut, aber dann musste ich auch lächeln.
"Der Song passt ja auch auf uns", sagte ich.
"Wieso?"
"Na.. du hattest auch immer Angst um deine Freiheit und glaubtest, wenn du in einer Beziehung bist, würdest du deinen ganzen Freiraum verlieren. Und dann kam ich. Mit wasserblauen Augen und braunem Haar."
"Ja. Stimmt. Und vorbei war sie, die Freiheit."
Beinah hätte ich den gerade genommenen Schluck guten-Morgen-Kaffee vor Lachen zurück in die Tasse oder gleich ganz über den Tisch geprustet.
"Mein Lieber, du hast alle Freiheit der Welt."
Sein "Kummer" ist heute nämlich eher, dass er mich viel mehr dabei haben will als ich das wollte :)

Freitag, 14. Februar 2020

Nachgelegt: Die Antwort des Mannes



Wir sind uns jedes Jahr einig, dass wir keine großen oder kleinen Gefühlsbekundungen an "festgelegten" Tagen brauchen. Wenn sich der eine oder die andere trotzdem kleine, aber feine Aufmerksamkeiten ausdenkt (nein, nicht nur heute, aber eben.. auch mal heute ;)), dann genießen wir das trotzdem. Da kennen wir nix.
Mit der diesjährigen Reaktion des Mannes, nämlich indem er mir obiges Video schickte mit der Bemerkung, das sei er in zwanzig Jahren, lief ich Gefahr,  mich scheckig zu lachen, wirklich.
Sehr köstlich bis zu jenem Moment, als mir bewusst wurde, dass mich dieses Szenario tatsächlich in zwanzig Jahren erwarten wird - oder vielleicht doch schon eher? Ich hab dann trotzdem weitergelacht und mich herrlich amüsiert, weil man ganz vieles im Leben sowieso am besten mit Humor nehmen sollte. :)

"Ach der hat doch gar keene Lust! Wohin wollnse?"
Herrlich.

17

Eine dieser schier endlosen Bahnfahrten. Eine von diesen zahllosen Reisen, bei denen man aufeinander wartet, sich aufeinander freut, die letzten Stunden sich zu Ewigkeiten dehnen und die wenige Zeit zwischen Ankunft und wieder Abreise so schnell vorübergehen, gleich einem Flügelschlag.. Hier auf dem Bahnsteig sitzen und warten. Eine Stunde zu früh und die unsinnige, aber dennoch Hoffnung, der Zug käme vielleicht eher, vielleicht nur dieses eine Mal.. Über das Warten aufeinander könnten wir vermutlich ein Buch schreiben. Die Gedanken, die Empfindungen des anderen lesen, sehen.. Woran er wohl denkt, wenn er wartet? Ob er auch manchmal denkt "Was tun wir hier?"
Ich erinner mich an jene Nacht mit der einstündigen Verspätung der Bahn. Weil die sowieso nie niemals zu früh kommt.. Ich dachte nichts, ich fror. Und wie dankbar war ich über das Geldstück in der Manteltasche, das mir einen kleinen Kaffee am Automaten erlaubte..

*** 

Ausgelassen wie Kinder, die wir zuweilen sein können, bewarfen wir uns mit dem Meeresboden oder auch Seetang, sprangen ausgelassen im Wasser herum, umschlangen uns, nur um uns wieder voneinander zu lösen und in die Wellen zu werfen, zurück in das Meer, von dem ich manchmal vergesse, wie salzig es schmeckt und wie wundervoll es auf der Haut prickelt.. Wie herrlich die Schaumkronen die nackte Haut einfangen, umspielen und uns mit sich reißen...

***

Auf diesem Rad, einem Holländerrad, fuhr ich mit dem Stolz eines Mädchens wie aus einer anderen Zeit.. in einem hellen gestärkten Baumwollrock und einer geblümten Bluse, das Haar zu einem Knoten gewunden, aus dem sich vorwitzige Strähnen lösen, die ich lachend hinter das Ohr streiche, während ich das Rad mit einer Hand über den Deich schlenkere.. Den Blick zurückwerfe auf den Mann hinter mir, die Hosenträger über dem weißen Hemd, das lose über dem Bund flattert.. Und so radelten wir am Meer entlang, oben auf dem Deich, immer dem Leuchtturm entgegen, nur um dort abzusteigen und uns in den warmen Sand zu legen..
So lagen wir, ermattet, ermüdet, mit dem salzigen Geschmack des Meeres auf der Zunge, dem Sand in den Haaren unter dem rosafarbenen Tuch, die Gedanken trieben gemächlich dahin, ließen sich tragen vom auflandigen Wind, der das Murmeln der Wellen zu uns trug.. Der Tag trieb dahin.. auf wundervolle Weise angefüllt mit den Gedanken und Empfindungen, die uns überkamen beim Anblick, beim Entdecken dieses herrlichen Fleckens Erde, den Einheimischen mit ihrem breiten, ruhigen Dialekt und ihren kleinen Häuschen unter den reetgedeckten Dächern und ihren zuweilen wie verwunschen anmutenden Gärten voller wild wachsender Lupinen, dem Mohn und all den Beerensträuchern, deren Früchte bereits den vollmundigen Geschmack des Sommers entwickelt hatten..

***

Als wir durch die niedrige Tür des Hauses traten, da atmete ich den Geruch dieses alten Hauses, dieser unverwechselbare Geruch nach frischen Leinen, grünen Äpfeln und Holz. Die Tür zum Zimmer lehnte nur an und noch ehe die Sinne das Zimmer erfassen können, so atmete ich diesen Raum als einen Ort der Schöpfung.. Ein kleines Zimmer, viel Licht, viel Holz und diese Regalreihen voller Bücher und Schallplatten, die geleerte Weinkaraffe und die fast vollständig heruntergebrannten Kerzen.. Und da sah ich mich.. Ich sah mich dort beim Lesen, beim Schreiben, beim Malen, in der Hand zuweilen ein Glas Weißweinschorle, der Blick in den wundervollen Garten.. Und dann sah ich zu dem Mann an meiner Seite hinauf: Teile dieses Leben mit mir.. teile diesen Traum mit mir..
Und in den Augen des Mannes meinte ich einen Glanz zu sehen, der dem meiner eigenen Sehnsucht so ähnlich schien..

♥️

Donnerstag, 19. September 2019

Szenen einer Partnerschaft: Fuchs, du hast das Handy gestohlen!

Es war vor einigen Tagen, da haben wir uns zwar in der Nacht gemeinsam ins Bett gelegt, aber während der Mann tatsächlich totmüde war und zu schlafen begehrte, überlegte ich, mein neues Lieblingsspiel Knots zu spielen. Viele Lösungen gehen mir leicht von der Hand, zu leicht manchmal, aber manche verursachen mir manchmal auch ein Gehirnknäuel.
Und das reizt mich.
Der Mann gähnte mehrfach betont und herzhaft: "Lass uns endlich schlafen."
Ich knipste also das Licht aus, er umarmte mich betont innig - und während er mir den Rücken zudrehte, tastete ich auf dem Tischchen herum nach meinem Handy.
Nanu?
Hatte ich es nicht grad erst dort abgelegt?
Verflixt.
Wo war das Handy?
Als er zu kichern begann, warf ich mich auf ihn. "Du hast mir mein Handy gestohlen! Und ich dachte noch, orr, ist das süß, wie er mich umarmt! Dabei wollteste nur das Handy."
Wir balgten uns, ich kniete förmlich auf seiner Brust: "Gib! Das! Handy! Wieder! Her!"
"Kannst du mir nicht lieber was vorsingen, so zum Einschlafen?" fragte er.
Also legte ich mich neben ihn und sang leise und zärtlich in sein Ohr:
"Fuchs, du hast das Handy gestohlen, gib es wieeeeder her! Sonst muss ich den Papa holen mit dem Schießge-we-he-her!"
Natürlich hat er mich kichernd aus seinem Bett geworfen und natürlich hat er gesagt "Wenn du jetzt nicht gleich Ruhe gibst, steh ich auf und hol dir ein Glas Wein, dann schläfst du wenigstens endlich."
Tja nun.
Natürlich hat nicht er gewonnen :)

Montag, 19. August 2019

Szenen einer Partnerschaft: das Trüffelschwein der Worte

Ich persönlich finde ja, dass man auch innerhalb einer Beziehung oder Ehe nicht alles gemeinsam machen muss und auch nicht sollte. Ich persönlich liebe und brauche Freiraum. Schwirre gerne aus, lerne gerne Land und Leute kennen und komm dann wieder nach Hause.
Als der Mann und ich uns vor Ewigkeiten kennenlernten, gehörte zum ersten Trennungsgrund auch seine Befürchtung, dass er innerhalb einer Beziehung seinen Freiraum verlieren würde.
Man kennt das ja: Mann und Frau lernen sich kennen, lassen anfangs alle und jeden (gerne auch ungefragt) an ihrem Liebesglück teilhaben, irgendwann gibts die zwei nur noch im Doppelpack und noch einen Tacken später beide farblich aufeinander abgestimmt und im worst case auch noch im selben Outfit. Bevorzugte Marke: Wolfskin.
Igitt.
Wir kannten uns damals auch gar nicht gut genug, um zu wissen, dass ich nicht nur Freiraum brauchte, sondern durchaus auch zugestehe.

Inzwischen, mit unserem vierten und ultimativ letzten Beziehungsversuch, weiß er es natürlich - und heute ist er derjenige, der vieles lieber mit mir als mit beispielsweise Rad- oder Wanderfreunden teilen möchte. Doch jede/r, der mich kennt, weiß, dass der Anblick hoher Berge in mir nichts anderes hervorruft als heimliches Augenrollen, gespickt von Kommentaren wie "Hm, ja, schön, ja, nett" - und den Gedanken an die körperlichen Qualen eines elendigen Aufstiegs. Treue Leser wissen, dass er mich schon zwei- oder dreimal ködern konnte mit "Du wirst es lieben, auf dem Gipfel zu stehen, nach all der Anstrengung - und dann dieser Blick ins Tal!"
Die Wahrheit war jedoch jedesmal, dass ich den letzten halben Berg auf dem Zahnfleisch da hochgekrochen bin, einen Puls von dreitausend hatte und obendrein das beklemmende Gefühl eines viel zu kleinen Atemweges. Ganz zu schweigen von den vielfältig ausgemalten Tötungsabsichten, für die mir zu äußern, geschweige denn auszuführen jedoch das letzte Quentchen Energie fehlte - bis auf die unter Aufbietung aller Kräfte durch die Zähne geknurrte Drohung: "Sprich! Mich! Nicht! An!"
Vom Dach der Welt die Aussicht zu genießen ist bei mir nicht! Ich liege da nur flach im Gras, Arme und Beine weit von mir gestreckt, und das einzige, was mich da überkommt, ist der pure Wille zu überleben!

Also nein. Wandern liegt mir nicht im Blut - und wird es in diesem Leben auch nicht. Berge mag ich am liebsten, wenn ich sie aus der Ferne betrachten darf, am liebsten in Gestalt von Fotos.
Du kannst mit mir stundenlang am Ufer eines Meeres entlanglaufen, kilometerlang, ich will auch unbedingt mal ins Watt und mir ein paar besondere Muscheln oder andere Meeresmitbringer suchen.
Aber Berge?

Insofern betrachtete ich die aktuellen Fotos des Mannes aus sicherer Entfernung vergnügt vom heimischen Sofa aus, während ich ein paar Bärchen-Pärchen genüßlich mit den Zähnen zerbiss und wehmütig feststellte, dass ich hiermit das letzte, in diesem Hause vorhandene Tütchen geöffnet hatte. (Ja ich weiß, letztens schrieb ich noch, ich würde keine Gummibärchen mehr essen nach dem Zahn-Desaster vor Jahren. Aber die hier lagen im diesjährigen Geburtstagspaket und.. was soll ich sagen.. diese köstliche Kombi aus süß und sauer.. ja mein Gott, mein Fleisch ist halt schwach.) Und schon wieder frage ich mich: Muss ich Euch jetzt eigentlich das Wörtchen WERBUNG vor die Augen knallen? Ich bin ja so unsicher manchmal.

Egal. Der Mann ist ja nun wieder da und mitgebracht aus den Bergen hatte er auch die Euphorie, mich doch auch mal zu jenem Ort in Ösi-Land zu geleiten, weil: "Ich finde das alles schön, aber noch schöner wäre es, wenn ich es mit dir genießen könnte!" Nett gesagt! Ein Mann weiß ja zumeist auch, welche Knöppe er bei (s)einer Frau drücken muss. Aber sobald neben der überzeugen wollenden Flut aus "Wellness! Schwimmen! Radfahren! Kaiserschmarrn! Topfenstrudel!" auch das Wörtchen "Spazieren" auftauchte, da wurde ich sofort misstrauisch. Da bin ich das Trüffelschwein der Worte! So wie heute in der ellenlangen, blumigen und lebens-überschwenglichen Nachricht einer Freundin mir nur ein Detail ins Auge fiel "Wie jetzt? Du kämpfst mit den Wechseljahren?"
Spazieren gehen klingt so harmlos! Aber doch nicht in einer Gegend, wo Dir frei nach Robinson Jr. nur eins widerfährt, sobald Du Deine Augen öffnest: "Was sehen wir heute? Die Berge! Ach.. Schon wieder die Berge."
Verdammte Axt, es ist KEIN Spaziergang, wenn ich ein paar Höhenmeter dazu überwinden muss. Das liegt mir nicht, weder im Blut noch in den Beinen. Und ich bin raus aus diesen Zeiten, wo ich murrig, aber trotzdem so ziemlich alles mitgemacht habe. Stellt Euch vor, ich bin erwachsen geworden. So ein bisschen jedenfalls. Und das bisschen reichte aus, um dem Mann das Versprechen aus der Tasche zu leiern: Spazieren meint tatsächlich spazieren. Und mit tatsächlich und erwachsen geworden bedeutet das bei mir: Ich bleibe stehen und kehre um, wenn ich merke, ich werde auf nen Berg gelockt. Da kenn ich nix. Da bin ich stur wie Maulesel. Eine Eigenschaft, die mir nicht erst das Alter antrainierte. Die wurde mir ob meines Geburtsorts schon direkt mit in die Wiege gelegt. Danke, Mama & Papa von der Küste. Sagte ich Euch schon, dass ich Euch liebe?

Das Wochenende jedenfalls ist gebucht - und ich werde berichten. Ob der Mann noch lebt, ob wilde Kämpfe ausgefochten wurden - oder alles Friede Freude Eierkuchen geblieben ist.

Mittwoch, 12. Juni 2019

Szenen einer Partnerschaft: die Unterschiede zwischen Mann und Frau

In einigen Tagen gehts auf nach Berlin. Wir sind eingeladen zu einer Party anlässlich einer bereits im letzten Jahr stattgefundenen Hochzeit. 
Natürlich weiß der Mann seit Monaten, was er anzieht, während ich erst heute ein passendes Kleid erjagt habe. 
„Du hast doch schon so viele Kleider“, wird er sagen und ich werde antworten: „Ja aber keins von denen passt zum Anlass UND zu Gastgebern und Gästen.“
Außerdem beauftragte er mich, das nötige Verpackungsdingens (Geschenkfolie) und die Glückwunschkarte zu besorgen. Schließlich hab ich ja Urlaub und damit Zeit im Überfluss. (So die Denke eines Mannes! Als wüsste er nicht, dass ich die Zeit super vertrödeln kann auch ohne großartige Aktivitäten. Die neue Nachbarin findet das übrigens gut, denn ich traf sie beim Losgehenwollen. „Man muss sich regelmäßig Auszeiten schaffen“, versteht sie mich. Sie scheint sympathisch.)
Er hat ruft an, als ich mich bei einem Milchkaffee XL im Straßencafe vom Kaufrausch erhole. (5,50 €! So langsam kann ich gar nicht trinken, um auch jeden teuren Schluck einzeln zu würdigen. „Hast du denn nicht vorher gefragt?“ rügt der Mann. 
„Öhm. Ne.“ Genüßlichkeit kennt ja eigentlich keine Grenzen, finde ich so im Allgemeinen.“)
„Hast du das Verpackungsdingens erledigt?“
„Äh... Ich habe statt der Folie doch lieber eine Schachtel gekauft, cremefarben mit goldenen Herzen, passend dazu Schleifenband, creme und golden. Und eben die Scherenschnittkarte.“
„Ein einfaches Ja hätte auch gereicht!“

Mittwoch, 15. Mai 2019

Szenen einer Partnerschaft: Schönheit im Auge des Betrachters

"Meinst du, du wirst mich immer lieben?" frage ich, während ich kritisch in den Kalender schaue.
"Natürlich. Auch dann, wenn du hässlich bist und Warzen hast."
"Hässlich? Hast du jetzt gerade hässlich gesagt?"
"Na ja, du weißt doch, wie ich das meine."
"Ich dachte eigentlich, ich könnte nie hässlich für dich werden, egal, wie ich mal aussehe."
"Ich meinte auch nicht hässlich. Ich meinte, wenn du so Warzen im Alter kriegst oder so."
Ich muss wirklich lachen und winke ab: "Lass gut sein, Komplimente kannst du einfach nicht."
"Waaaaas? Kann ich nicht? Und was habe ich gestern zu dir in der Küche gesagt?"
"Das Brot ist alle!"

Sonntag, 12. Mai 2019

Szenen einer Partnerschaft: Ich wollt, ich wär ein Kranich

Wir lümmeln auf der Sofalandschaft, zappen durch die Programme, erfahren auf einem Zwischenstopp irgendeiner Doku, dass irgend so eine Kranichart mit irgendeiner Art Tanz um die Liebste buhlt. Und trotzdem der dann einmal geschlossene Bund bis zum Ende des Lebens reicht, wirbt der Kranichmann jedes Jahr erneut um seine Liebste.
Ich wende den Kopf zum Mann, die Augenbrauen bedeutsam erhoben, und grinse vielsagend.

Hups, der Mann hat Nachrichten geschrieben, gar nicht gesehen. Dann hat er angerufen - hups, gar nicht gehört.
Zurückgerufen - aber ich weiß schon beim Drücken auf "Anrufen", dass er nicht rangehen wird. Ist immer so. Der ruft an, Du rufst zwei Minuten später zurück - nix. Wahrscheinlich wurde er gerade beim Auflegen von Aliens entführt und zwei Stunden später zurückgebracht. (Kann mir auch durchaus vorstellen, wieso. Er war eins dieser Kinder, die alles zerlegten, was irgendwie nach Technik aussah. Er ist einer dieser Männer, die da nie erwachsen werden ;) "Nur so lernt man", verteidigt er das immer.)
"Ich hab grad was anderes gemacht und nicht gesehen, dass du zurückgerufen hast."
"Das habe ich gemerkt!"
"Bist du jetzt sauer? Ich ruf dich an, schreib dir Nachrichten und eeeewig kommt keine Antwort - und ich muss sofort reagieren, wenn du dich meldest?"
"Ja natürlich. So will es das Gesetz!" :)

Montag, 3. Dezember 2018

Trick 17

Noch als ich den letzten Post schrieb, meldete das System „keine WLAN-Verbindung“ und ich schaute verdutzt auf die Uhr „Huch, ist ja schon ein Uhr!“
Um eins gehen hier nämlich dank Zeitschaltung im Router alle Onlinelichter aus. Na gut - fast alle ;) Habe dann auf dem Handy zuende geschrieben! 
„Damit resette ich das System und Fehler werden rausgeworfen“, begründet der Mann, während ich nur lache. Er, die Lerche, will mich, die Eule, möglichst zeitig genug ins Bettchen zwingen, am liebsten gemeinsam mit ihm.

Aber sonntags gibt es nicht nur die Musikwelt, die mich aufhält. Sonntags nachts kommt auch die Sendung, an der ich weniger selten vorbeikomme. 
Dann flimmern nachts „Medical Detectives“ über den Bildschirm - mit oder ohne Router. 
Zufällig musste nun der Mann am Wochenende alle Fernsehsender neu einstellen. Über Suchlauf und mit Favoriten markieren und so. 
Was musste ich also kurz nach ein Uhr feststellen? Genau - da fehlt ein Sender. Ja - genau der :)
Gerät und Fernbedienung - ich gestehe, ich hab mich nie damit befasst, wieso sollte ich auch, brauchte ich ja nicht. Bis heute Nacht. 
Tja! Not macht erfinderisch. Bisschen rumprobiert, Lösung gefunden, Sender gefunden, als Favorit markiert und schon konnte mit ca. 5 min Verzögerung mein Nacht-Programm starten. Ha!

Als er nun um 2.30 Uhr das Bad aufsuchte, hat er mich entgegen sonstiger Gewohnheit keines Blickes gewürdigt. So entging ihm leider auch mein breites Grinsen :)

Samstag, 20. Oktober 2018

Wenn Du Angst hast, sing!



Es gibt so einige Songs, die mir vor allem deshalb gefallen, weil ich sie mit etwas Bestimmtem verbinde.
Diesen hier werde ich von nun an und für immer mit einem kuschligen Abend auf dem Sofa verbinden, der Mann und ich hören die Musikdatenbank rauf und runter und singen bei allen möglichen Songs mit. Freuen uns, wie textsicher wir zuweilen sind - und das bei Songs, die wir seit über dreißig Jahren kennen. Es ist herrlich! Es! Ist! Geil!
Selbst Uraltsongs aus der DDR kramen wir raus. Musik, die ich früher so gar nicht mochte, die ich - das hätte ich schwören können - niemals nicht gehört habe.
"Dafür kannst du aber noch erstaunlich viele Texte", amüsiert sich der Mann und ich versuche gar nicht erst, mich rauszureden, von wegen "ich musste doch", "meine Eltern, du weißt" und so.

Don't Answer Me habe ich schon immer geliebt - und wenn ich jetzt daran denke, wie wir gestern Abend auf unserer Sofalandschaft herumlümmelten, uns passagenweise ansangen, theatralisch die Augen verdrehten und ans Herz schlugen, uns kaputtlachten - dann liebe ich diesen Song jetzt umso mehr.

Letzte Nacht schlief ich übrigens wie ein Baby. Da war kein Alptraum. Da war nicht mal überhaupt ein Traum. Da war nix und das war mal richtig gut so. Und ich dachte an eine Zeile, die ich irgendwo vor Jahren mal gelesen habe "Wenn du Angst hast, sing!" - und ich dachte an mich, als ich noch Kind war. Wie oft ich Wege in der Dunkelheit zurücklegen musste. Dunkelheit kann ich nicht ertragen, die macht mir Angst. Es sei denn, ich bin zu Hause und ich bin nicht allein. Dann finde ich sie richtig schön.
Wie ich als Kind sang, wenn ich Angst in der Dunkelheit hatte. Alles mögliche, einfach irgendwas - vermutlich weil man dann nicht mehr auf alle möglichen Geräusche hört, die einem neben der Dunkelheit erst richtig Angst machen.

Letzte Nacht jedenfalls.. hat es wunderbar gewirkt :)
Und heute Abend hör ich diesen Song rauf und runter, kann kaum stillsitzen und möchte am liebsten durch jeden Raum tanzen.


Dienstag, 10. Juli 2018

Szenen einer Partnerschaft: Puls? Fünftausend!



Dem Mann zuliebe begleite ich ihn am Wochenende auf eine Party, verlasse diese aber eher als er. Eher meint: Ich gehe gegen Mitternacht ins Hotel und denke "Auch nicht schlecht, dass er noch bleibt, kann ich noch ein bisschen Krimi schauen."
Krimi meint um diese Uhrzeit "Ungeklärte Mordfälle" und so.
Schlafe irgendwann darüber ein und schrecke hoch, als sich jemand an der Eingangstür zu schaffen macht.
Herzrasen!
Puls irgendwo bei Fünftausend!
Zweimal rufe ich den Namen des Mannes.
Keine Antwort.
Natürlich nicht.
Ein Einbrecher wird sowieso nicht sagen "Ne sorry meine Liebe, ich bin der Heinz Gustav und hol mir jetzt dein Zahngold!" - "Ich habe doch gar kein Zahngold!" - "Na gut, dann gib mir dein Geld und dein Handy, und dann hol ich mir dein Leben!" - "Wir sind hier aber nicht bei Super Mario - ich hab doch nur das eine!"
Also war ich versucht, um Hilfe zu schreien - aber zugleich war mir auch klar: Da kommt nix aus der Kehle außer n klägliches Fiepen. Und das Rumoren am Türschloss bleibt hartnäckig.
Also ich raus aus dem Bett und rein ins Bad.
Schlechteste Idee ever - ich hab nämlich das Handy neben dem Bett liegenlassen. Da komm ich nie wieder lebend raus!
Und da öffnet sich auch schon die Eingangstür.
Und ne, das ist kein Alptraum.
Und ja, da steht der Mann, hält sich an der Tür fest, schaut mich selig an mit gefühlten fünf Promille und grinst entschuldigend:
"S war e bisssssl schwiersch mitm Schlosssss."
Eins ist jedenfalls klar: Es gibt nie wieder "Ungeklärte Mordfälle - Dem Täter auf der Spur" bis drei Uhr morgens, wenn ich allein zu Hause oder irgendwo im Hotel bin. Nie wieder!


Übrigens - ebenfalls am Wochenende angetan: das Konzert der Bananafishbones. Ich muss sagen - neben Snow Patrol das einzige Konzert, bei dems mir einfach nicht langweilig wurde und wo fast jeder Song meinen Nerv traf. Sehr, sehr geil - auch und grad beim Autofahren. Habe ich mich heut auf dem Weg nach L von überzeugt ;)
Das fetzt! Das geht ab! Krieg ich auch fast nen fünftausender Puls vom Rumspringen und so ;)


Sonntag, 4. März 2018

Szenen einer Partnerschaft oder: Fatimas Hand

"Ich versteh das nicht. Drei Titel hab ich geladen, zwei davon hab ich aufs iPhone geschoben bekommen - wieso klappt das mit dem dritten nicht?" frage ich den Mann, der gerade dabei ist, auf seinem Mac eine Windows-Oberfläche mit einzubasteln (alte Windows-Spiele ließen grüßen).
"Woher soll ich das wissen?"
"Na wer ist denn hier vom Fach?"
"Na hör mal, du haust mir hier was um die Ohren, ich weiß nicht mal, was du eigentlich von mir willst. Oder weißt du vielleicht, warum das Windows hier nicht geht?"
"Weils ein Mac ist!"
Ich bekomme nur einen bitterbösen Blick zur Antwort.
Auf einmal steht er neben mir: "Da ist er doch, in deinem iPhone Ordner."
"Ja aber ausgeblendet. Ich kann den weder starten noch sonstwas."
"Da läuft doch noch ne Uhr, der ist noch gar nicht fertig. Wahrscheinlich ist noch ein anderes Fenster offen, wo der dich was fragt?"
Ich schaue angestrengt zur Terrasse: "Äh nee, alle Fenster zu! Hättsch ooch gemerkt - bei DER Kälte draußen!"
"Du kannst mich mal!" sagt er mit diesem bitterbösen Blick. Überlege, mir doch vielleicht noch so eine Kette mit Fatimas Hand zu kaufen. Besser ist das vielleicht?

Heute gab es Indisch, zubereitet mit viel Liebe vom Mann.
"Oooarrr!" rufe ich beim Öffnen der Küchentür überrascht in den Rücken des Mannes ob der vielen Dämpfe und Gerüche in der kleinen Küche, während er mit einem Satz und Ausruf zur Seite springt.
"Mensch! Hör doch mal auf, mich so zu erschrecken!"
"Wieso erschrecken? Erschrecken tun sich nur Menschen, die was Heimliches machen. Chattest du vielleicht grad nebenbei? Mit der mit den Riesenbrüsten?"
Während ich mich amüsiere, überlege ich rasch, in welchen Einkaufswagen ich eigentlich vor Wochen Fatimas Kette gelegt hatte.

"Ist mit Kurkuma, musst du aufpassen, dass du nix verkleckerst."
"Äh.. Ist Kurkuma nicht das indische Würzmittel, das auch gut gegen Schmerzen ist?"
"Ja. Und das, was aus den Sachen nicht rausgeht."
"Aber... äh... war Kurkuma denn das Gelbe? War das nicht was anderes?"
Er antwortet nicht.
Ich höre nur ein tiefes Ein- und Ausatmen. Und ein zwischen den Zähnen herausgepresstes: "Iss einfach!".
Die Entscheidung zum Kauf der Kette ist gefallen.

Dienstag, 16. Januar 2018

Szenen einer Partnerschaft oder: Nächtliche Störungen und windige Tatsachen

Dem geneigten Leser ist bereits bekannt: So ein bisschen nen Hang zum Morbiden habe ich irgendwie schon. Warum mich bei meinem viele Jahre vorgenommenen und endlich auch realisierten Trip nach Wien vor wenigen Jahren Prater & Co. so gar nicht interessierten, dafür umso mehr der Narrenturm und der Zentralfriedhof. (Ich finde ja auch das jährliche Gothic-Treffen in L echt Wahnsinn, so kunstvoll verzierte Menschen sieht man sonst ja nur im Theater - auch wenn ich selber nie einer dieser Fledermäuse war. Warum eigentlich nicht?)
Jedenfalls ist der Mann immer ordentlich genervt, wenn entsprechende Sendungen auf irgendwelchen Privatsendern über den heimischen Bildschirm flimmern, und dann schimpft er öfter mal: "Ich kann da nicht schlafen, wenn ich sowas sehen muss! Und du wunder dich dann auch nicht, wenn du nicht schlafen kannst!"
Pfff. Wenn ich nicht schlafen kann, liegt das allermeistens an allen möglichen Sachen - aber nicht daran. Ich schwörs.

Gestern Abend jedenfalls lümmelten wir auf der Sofalandschaft, schauten irgendeine Doku auf einem öffentlich-rechtlichen Kanal und dieser schloss sich - ich konnts kaum glauben - eine für mich hochinteressante Doku über Rechtsmedizin an.
Ich musste ihn gar nicht erst anschauen, ich musste gleich lachen: "Ich kann nichts dafür, ich schwöre, ich habe extra DEN Sender genommen!"
"Ja ne, is klar."
"Ehrlich nicht! Diese Sendungen finden mich, nicht ich sie."
Ich muss sicherlich auch nicht erst erwähnen, dass es nicht all zu lange dauerte, bis er sich erhob: "Ich geh schon mal schlafen. Kommst du dann auch?"
"Äh.. Ja. Gleich!"
Gleich ist so herrlich dehnbar. Also eigentlich ja nicht - aber bei uns schon. Er weiß inzwischen, dass "gleich" durchaus zwei ganze Stunden oder auch die halbe Nacht andauern kann. (Vermutlich baue ich einfach darauf, dass er nach spätestens 30 Minuten schläft und eh nicht mehr mitbekommt, wann ich wirklich schlafen komme. Auch eingedenk der Tatsache, dass wenn er zu Bett geht, während ich noch auf dem Sofa lümmle, er unruhig schläft, mindestens zweimal wieder rauskommt, um zu gucken, ob ich nicht etwa vor der Flimmerkiste eingeschlafen bin, und dann den Kopf schüttelt, wenn ich ihm mit wachem Blick und verschmitztem Grinsen sage: "Ja ich komm doch gleich."
So auch gestern Abend, nur dass er mich fragte: "Sag mal, was machst du denn da auf dem Teppich?"
"Meine Übungen."
"Weißt du eigentlich, wie spät es ist?"
"Halb zwei!"
Heute Morgen, als wir einander in der Küche begegneten und während ich den guten-Morgen-Kaffee zubereitete, da sagte er: "Guten Morgen, du Nachtschwärmer."
"Guten Morgen, du Nestflüchter!"
"Was kann ich dafür? Erst kann ich nicht schlafen, weil du noch irgendwelchen Scheiß gucken musst. Dann werde ich wach, weil du ins Bett kommst. Dann werde ich wach, weil ich ins Bad muss. Und dann werde ich wach, weil du durch die Nase geschnieft hast. Da war die Nacht dann gelaufen!"
Ich habe ihn an mich gedrückt und geküsst und versprochen: "Heute Abend bleibe ich nicht so lange auf!"
Ich hoffe, ich kann mich dran halten, denn irgendwie... Mit den neuen täglichen Übungen, die mir zur Schmerzbekämpfung auferlegt wurden, kam irgendwie auch eine neue Energie zurück. Es kann nur daran liegen, denn sonst... hat sich ja eigentlich nix verändert. Der Schmerz ist auch immer noch da, aber ich fühle mich besser.

Vor zwanzig Minuten rief der Mann an. Ob ich nicht mal nach der Wäsche schauen könnte, es stürme doch so. "Hast du das etwa noch nicht gemerkt?" fragt er.
"Herzl, ich habe zu arbeiten, da gucke ich doch nicht nach draußen."
Öffnete aber brav nebenbei die Terrassentür und schrie ins Telefon: "Booarr ey, was für ein Stuuuurrrmmm!! Die Schafe haben ja gar keine Locken mehr! Aber hey, unsere Wäsche ist noch da!"
"Du bist echt doof!"
"Warte, ich kämpfe mich mal durch zur Wäsche, da liegt nämlich was aufm Boden! Bloß gut, dass es noch da ist!"
Er hat mir versprochen, dass es heute Abend dafür etwas auf den Allerwertesten gibt. Ich hoffe, er vergisst das nicht ;)

Donnerstag, 13. Juli 2017

Szenen einer Partnerschaft: Prioritäten!

"Warum legst du das Shirt jetzt auf mein Bett?"
"Ist doch dein Schlafshirt?"
"Das hatte ich vielleicht mal im Büro an? SO schaust du mich an, wenn ich aus dem Haus geh!"
Gähnend strecke ich mich und erkläre gemütlich: "Du hattest heute morgen ein blau-weiß gestreiftes Hemd, dunkle Jeans und braune Schuhe an."
"Hmpffff."
"Und was hatte ich heute morgen an?"
"Du hattest nichts drunter!" 
Besser lassen sich, glaube ich, die Unterschiede zwischen Mann & Frau nicht erklären ;)

Montag, 15. Mai 2017

Szenen einer Partnerschaft: "Das könntest du sein!"


Immer, wenn Herr Blau dieses oder ein ähnliches Bild irgendwo im Netz sieht, sagt er: "Das könntest du sein!" und "So warst du garantiert als Kind auch!"
Ja. War ich. Frech wie Oskar, bin jedem übern Mund gefahren (also nur denen, die ich gut kannte; Fremden erschien ich dagegen wie ein Heimchen, die in jedem Fall das Falsche von mir annahmen. Passiert mir auch heute noch, übrigens. So hin und wieder ;))
Grad wenn wir so diskutieren und ich drehe mich dann weg und will den Raum verlassen, dann ruft er mir nach: "Ich seh das, mein Frollein!"

Letztens die Heimreise von der Insel, erst fuhr er, dann ich. Er ist übrigens kein.. äh.. einfacher Beifahrer.
"Wieso fährst du so weit rechts?"
"Wieso fährst du so weit links?"
(Ich weiß nicht, was er immer hat, ich schwörs!)
"Da ist doch noch so viel Platz!"
"Fährst du eigentlich sonst auch immer so schnell?"
(Na aber man will ja irgendwann auch mal ankommen und nicht auf der Autobahn rumeiern.)
"Fahr doch nicht so dicht auf, Herrgott noch mal!"
(Fahr ich nicht, das kann ich beschwören! Aber die Beifahrerperspektive... ist keine einfache, wie es scheint.)
Wirklich, da kann auch frau Nerven lassen, ich sags Euch. Die Musik einfach richtig aufdrehen geht ja nicht, wegen seinem Tinnitus. Aber unlängst las ich, dass das Essen von Keksen übrigens neben dem sinnlichen Explodieren von Geschmacksknospen einen ähnlich entspannenden Effekt hätte: Man hört nicht mehr, was der andere sagt.
Sagen bzw. ihm Einhalt gebieten kannste aber auch nicht, weil das sofort in Streit ausarten würde. Bei irgendwas zwischen 180 und 200 kmh will ich keine Diskussionen führen, da will ich meine Ruhe haben und Musik hören, während er mit Angstgriff an der Tür klammert, um sein Leben fürchtet und mir also erzählen muss, wie ich besser fahren sollte, damit ER heil ankäme - oder aber ich solle ihn aussteigen lassen, und zwar jetzt hier und sofort!
Da bleibt einem ja faktisch nur ein bisschen Dampfausstoß aus der Nase, um wenigstens so ein bisschen den erzeugten Druck abzulassen.
Und... Bild siehe oben!

Vom letzten Einkauf habe ich mir ein paar Mini-Amerikaner mitgebracht. Die liebe ich seit meiner Kindheit. Und vor mir liegt schließlich eine Woche Home Office, die auch mit einigen Annehmlichkeiten gefüllt werden will.
"Boarrr", sagte der Mann gestern, "du hast einfach heimlich Amerikaner gegessen?? Ohne mich?!"
"Du hast doch geschlafen."
"Und da isst du heimlich und wartest nicht auf mich?"
"Woher soll ich wissen, wann du aufstehst?"
"Und da isst du einfach meine Amerikaner?"
"DEINE? Ich bin mir ziemlich sicher, dass ICH sie gekauft hab."
"Wollten wir nicht immer alles teilen, du Ego-Schnecke?"
"Sind doch noch ein paar da, was regst du dich auf?"
Zwei davon haben ihn übrigens letzte Nacht angefallen, meinte er heute Morgen. Heimtückisch hätten sie sich in der Küche aus dem Hinterhalt auf ihn gestürzt und seien direkt in seinen Mund gefallen..
Bild siehe oben!

Könnte ich endlos fortführen, diese Liste. Macht immer wieder Spaß!

Montag, 5. Dezember 2016

Szenen einer Partnerschaft: Reine Auslegungssache!

Ich gestehe: Unser Haus bleibt trotz aller Liebe zur Vorweihnachtszeit weitestgehend befreit von Klimbim und sonstigem Gedöns. Selbst mir als bezeichnende Liebhaberin des IKEA-Styles ist an dieser Stelle Weniger einfach Mehr - und Lichterketten zum Beispiel, die ein rastloses Hin und Her spielen, machen mich regelrecht aggressiv. 

Zu unserer Vorliebe gehört - wie kann es anders sein - ein gut gefüllter Adventskalender. Wir hatten sogar mal Marke Eigenbau, aber der hatte lediglich das 1. Jahr überstanden.. Im 2. Jahr hing er - zugegeben - eher nur noch als Deko an der Wand und ab dem 3. Jahr ward er nimmermehr gesehen.
Dafür schmückt in diesem Jahr der von Herrn Blau eigenhändig gekaufte, typisch bayrische Kalender, wo es leider keine Schokolade gibt, sondern Lose. 
"YEAAAAAHH!!" ging ich schreiend in Siegerpose, nachdem ich mit dem 4. Los satte zehn Euro Gewinn eingefahren hatte. "Das sind ja mindestens ZWEEIII Latte!"
Herr Blau hat leicht merkwürdig geschaut und dann gemeint: "Ne, ich würde eher sagen, das ist knapp die Hälfte des Kalenders wieder rein."
Ups. Okay. Na gut.