Mittwoch, 20. Mai 2020

Wonnemonat Mai - hupps - vorbei!



Unlängst las ich bei der Brüllmaus, dass ihr Blog den 12. Geburtstag feiert. Das hat mich daran erinnert, dass meiner ja auch schon seit 12 Jahren besteht. Erst im Oktober, gut, aber immerhin. 12 Jahre... Mein erster Blog, mein Baby quasi, das jetzt in die Pubertät kommt ;)
Ich gestehe, manchmal blättere ich schon zwischen den Jahren und resümiere, was da so alles passiert ist. Wobei ich anfangs noch zögerlicher über Privates schrieb als ich es heute tue - und auch keine Fotos (so wie das hier, aber das ist auch schon ein paar Tage alt, die Haare sind ja längst nicht mehr so lang ;)) veröffentlichte. Der Mann meinte immer, ich würde mich angreifbar, verletzbar machen - und dass das Netz nichts vergisst. Damit hat er auch recht, nicht umsonst bloggen all jene anonym, je persönlicher es wird.
Ich für mich aber dachte immer... Wofür sollte ich mich schämen in diesem Blog? Es ist ein öffentlicher Blog, jeder kann ihn lesen und ich persönlich weiß gar nicht, wer hier alles liest. Genau genommen ist es mir aber auch dahingehend egal, als dass hier nichts drin steht, das ich nicht auch so freiweg erzählen würde. Alles andere bleibt tatsächlich privat oder wurde zum Teil in anderen Blogs verarbeitet. In denen ich eine Geschichte erzähle, von der nur ich weiß, was davon real und was fiktiv ist. Insofern kann es mir wurscht sein, ob meine Familie, mein Arbeitgeber oder ein potentieller neuer Arbeitgeber diesen Blog liest bzw. findet. 

Was ich aber irre finde: Als ich vorhin den Blog öffnete und sah, dass ich im Wonnemonat Mai gerade mal einen einzigen Post veröffentlicht hatte - und dass der Monat fast schon wieder rum ist. Ist das nicht Wahnsinn? War es nicht erst gestern, als der Chef - bekennender Flugschisser ever - mit seiner neuen Liebsten nach Weihnachten nach Asien flog und von dort aus anrief und begeistert ins Telefon schrie: "E Ossi in Thailand, kann sich das einer vorstellen?!?" Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, da folgte jedem seiner Kurzflüge eine Wagenladung Weinkisten in unser Büro - aufgeschwatzt auf jedem Flughafen, wo er sich jeweils Mut antrank, bevor er den Flieger betrat. 
Und jetzt ist das schon wieder fast ein halbes Jahr her. Fast Halbzeit des Jahres erreicht.
Woran liegt es, dass die Zeit so rasch verfliegt? Liegt es an unserem Alter, dass wir immer bewusster wahrnehmen und genießen? Oder liegt es an der allgemeinen Quarantäne, in der uns kaum etwas erlaubt war außer arbeiten (wer denn noch konnte oder durfte), essen und schlafen? Letztlich fühlen sich die vergangenen zwei Monate wie ein Wochenende an, an dem man nix, also wirklich nix außer essen, schlafen und vielleicht Serien gucken gemacht hat: Zack, ist die Zeit rum.

Wobei... Dass wir nichts getan hätten, stimmt so ja auch nicht. Wir haben unser blaues Ziggenheim renoviert, umgestaltet und bisschen was umgebaut. Nicht alles, wie ich es mir gewünscht hätte - aber ich bin ja kompromissfähig, wenn auch zähneknirschend. Der deutlichste Umbau hat im Schlafbereich stattgefunden, aber das ist ein privater Bereich, der nun wirklich nicht ins Netz gehört. Der Mann möchte auch sonst keine Fotos von unserem Zuhause im Netz finden - und auch ohne seine Paranoia kann ich diesen Wunsch nachvollziehen. 


Wenn man die ganze Wohnung renoviert, ist das ja auch wie einmal umziehen - grad wenn man auch innerhalb aller Schränke Ordnung macht und aussortiert. In der Küche hatte das zur Folge, dass wir Teig für Weihnachtsplätzchen fanden, grad noch fristgerecht vor Ablauf der Haltbarkeit. Nu ja, gabs halt zwischendurch e paar Kekse.

Wenigstens habe ich dabei auf so Förmchen wie Tannen, Nikolausstiefel etc. verzichtet.

Wobei.. warte mal.. Solche Förmchen habsch gar nicht, ich hab nur diese eine, aber die reicht im Grunde genommen auch ;) 


Worüber ich mich aber wirklich freue, ist, dass der Umbau im Schlafbereich und auch im Flur so gelungen ist wie ich mir das vorgestellt hatte. Endlich Ordnung und vor allem Licht.
Endlich sieht man auch auf einen Blick, was man alles so an Schuhen, Sandalen und Stiefeln so hat und kauft nix mehr, von dem man dann und wann feststellt: "Hups, sowas in der Art hatte ich eigentlich schon!"
Gewundert habe ich mich dennoch über den allgemeinen Tenor beim Versenden von Fotos auf privaten Kanälen: "Ihr habt aber viele Schuhe!" Öhm. Echt jetzt? Also ehrlich, ich hätte gedacht, ne echte Frau besitzt mehr Schuhe. Und man muss bedenken: Cirka 1,5 Regale gehören dem Mann. Das sind nicht alles meine Schuhe! Ich mogel davon mal ein Foto mit in den Blog, vielleicht merkt ers ja gar nicht ;) Endlich keine verschiedenen Schränke in diesem kleinen Raum mehr, die sowieso nicht reichten, und nicht noch gefühlt tausend Schuhe lose rumstehen. Nachdem der Mann auch meine Tafel wieder angebracht hatte, entschied ich mich zu einer kleinen Motivations-Karikatur für ihn. Immerhin hat er in diesen Tagen mehr geflucht als in all den sechs Jahren, die ich nun mit ihm zusammenlebe. Und da habe ich ja noch nicht mal ALLE meine Wünsche umsetzen dürfen ;)

Im Wohnbereich haben wir am längsten gebraucht - und da hat der Mann auch am meisten geflucht. 
"Alles nur wegen deinen Farben!" hat er sich nachdrücklich beschwert. Aber nu ja... Farben... Das ist so relativ. Wenn es nach MIR gegangen wäre, hätten wir hier andere Farben. Kein Rot wie ich es früher in L hatte. Aber immerhin.. Farben. 
Was hier stattdessen Einzug hielt (ich erinnere nochmal an meine Kompromissfähigkeit!), sind hellgrau und sandfarben. Die Sandfarbe extra so hell mischen lassen, dass man kaum den Unterschied zur weißen Farbe feststellt. 

Beim Räumen und Aussortieren und überhaupt Neusortieren habe ich unter anderem auch ein paar Postkarten von Sohn II wiedergefunden. Hach, watt süß! Der hat mal "Hallo Spatzi" und "Ich hab dich ganz doll lieb!" geschrieben. Hab ihm das geschickt, um ihn dran zu erinnern ;) Dass die Jugendbande aber sehnsüchtig auf mich wartet, denke ich mir auch ohne Worte oder Gesten. Immerhin war ich jetzt 3 Monate nicht in L. Wie die Behausung der beiden ausschaut, kann ich im Grunde nur erahnen. Auch wenn Sohn I letztens anrief "Hab mal mein Zimmer in Ordnung gebracht und irgendwie n Bußgeldbescheid gefunden."
Hm tja. Der Bescheid war bereits vier Wochen alt. 
Wie gesagt: Ich hab da nur so eine Ahnung!
Vielleicht sollte ich ja bei meinen Söhnen auch eine Tafel an die Wand bringen und ein paar passende Motivations-Karikaturen anbringen? Vermutlich aber könnte ich das Zimmer von Sohn I damit tapezieren, wäre dem dann immer noch wurscht. Der würde nur lachen, abwinken und sich - leider! - ne Fluppe anzünden. 

Dienstag, 5. Mai 2020

Schmetterling mit Betonfüßen

Natürlich lebe ich noch. Liege nicht verschüttet unterm Renovierungsdreck und bin auch sonst nicht verschollen, liebe Juna ;) Die Situation im blauen Ziggenheim hat sich wieder entspannt, wir haben unsere Wünsche & Vorstellungen einander angeglichen und können beide, glaube ich, ganz gut mit dem Bisherigen leben. Auch mit dem, das kommen soll.
Und während der Mann Mitte oder Ende des Monats wieder in die Firma gehen kann zum Arbeiten, habe ich gestern das Signal bekommen, dass ich noch im Mai wieder nach L fahren kann. Darauf freu ich mich wirklich - aber ich glaube, meine Söhne sich noch mehr ;)

Insgesamt... waren die letzten Tage nicht ganz einfach für mich. Es war so einiges, das mir um die Ohren geflogen ist, beruflich wie privat, und dass nach dem Absetzen des Cortisons vor rund zwei Monaten der Schmerzpegel mehr als enorm ist, macht das Ganze nicht besser. Ganz im Gegenteil. Vor allem die Finger schmerzen wahnsinnig. Selbst wenn wir einfach nur die Hände ineinander legen, der Mann und ich, und er einfach nur zufasst wie immer - dann könnte ich aufschreien.
Auch das Anheben der geliebten Kaffeetasse ist wieder zur Qual geworden.
Insofern haben wir das Umbauvorhaben unseres blauen Ziggenheims zu einem denkbar schlecht gewählten Zeitpunkt begonnen - aber irgendwann muss man ja aber auch mal anfangen. Schmerzfreie Phasen gibt es sowieso nicht, also worauf soll man denn dann warten? Man weiß nie, wann es erträglicher wird und wie lange eine solche Phase anhält.
Also klage ich nicht, ich jammere nicht und beteilige mich ganz normal am Renovierungsgeschehen. Aber letzte Woche, irgendwann in irgendeiner Nacht, da habe ich heimlich und leise geweint und mich zum ersten Mal ernsthaft gefragt, ob ich das noch lange aushalten kann - und ob ich das will.
Ich erinnerte mich wieder an eine Reportage vor Jahren, in der eine Tochter über ihre Mama sprach - mit Tränen in den Augen. Die Mama litt unter Dauerschmerzen wie ich und entschloss sich eines Tages, nachdem ihr niemand helfen konnte (oder wollte, das muss ich aus eigener Erfahrung inzwischen anfügen, weil es eine Tatsache ist), ihr Leben zu beenden.
Ich weiß noch, dass ich damals dachte "Orr ne, das passiert mir nicht, das Leben ist zu kostbar, wir haben nur dieses eine, es gibt kein zweites."
Inzwischen bin ich mir da nicht mehr so sicher - und angekommen an diesem Punkt der Gedanken war ich über mich selbst erschrocken. Gerade ich, die das Leben so sehr liebt. Gerade ich, die wirklich immer erstmal das Positive in allem sieht. Gerade ich denke an das Aufgeben?
Der Gedanke an meine Söhne, der Gedanke daran, sie säßen eines Tages so da wie jene Tochter und würden über mich sprechen, das würde mich zerreißen. Ihnen könnte ich das niemals antun.  Schon auch deshalb nicht, weil sie einfach niemanden in ihrer Nähe haben, der für sie da ist.
Ein Freund von mir fragte letztens, ob ich schon mal Akupunktur versucht hatte. Ja, auch das. Nach zwei verschiedenen Verfahren - beide haben nicht geholfen.
"Da hilft dann nur noch beten", meinte er und an dieser Stelle fiel es mir wieder ein. Dass ich mich selbst dazu schon hatte hinreißen lassen. Ich glaube an keinen Gott - aber ich glaube daran, dass es sehr viel mehr Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, die wir uns nicht logisch erklären können - und sie passieren trotzdem.
Mir fiel wieder ein, dass ich darum gebeten hatte, dass ich alles aushalten würde - wenn dafür meinen Kindern nichts passiert.
Und an diesem Punkt fühlte ich so etwas wie Erleichterung.
Wenn nur meinen Kindern nichts passiert. Das habe ich versprochen.

Und so stehe ich jeden Morgen auf, erhoffe mir keine Wunder, aber freue mich darüber, dass der Flur so geworden ist wie ich mir das vorgestellt habe (der letzte Schliff fehlt noch, liebe Juna, deswegen folgen Fotos irgendwann später :)), die Küche ist fertig (auch hier fehlt noch der letzte Schliff, aber das ist in beiden Räumen nur noch Pipifax) und für Schlaf- und Lebensraum haben wir nächste Woche Urlaub, da müssen wir alles schaffen. Es ist eigentlich der Urlaub, den wir an meinem geliebten Meer verbringen wollten - und es ist viel zu lange her, dass ich dort war.
Manchmal blättere ich in dem kleinen Buch der Herzensfreundin "Manchmal muss man einfach nur ans Meer fahren, um glücklich zu sein". Und dann fühle ich mein Herz klopfen vor Vorfreude.

Eines Tages wirds wieder werden.
Und dann streife ich mir den Beton von den Füßen und breite die bunten Flügel wieder aus.