Samstag, 12. Oktober 2019

16 ganze Jahre



Du bist ein Mensch, der immer daran denkt, aber es nur selten zeigt.
Du bist ein Mensch, der es immer fühlt, aber es nicht so oft zeigt.
Du bist ein Mensch, der sich gerne hinter sich selbst versteckt.
Du bist ein Mensch, der es immer noch schafft nach all den Jahren, mich zu überraschen - und mich jeden Tag neu daran zu erinnern, warum ich mich in Dich verliebt habe und nie wieder davon losgekommen bin, ganz gleich, wo wir waren und mit wem.
Manchmal laufen wir nebeneinander, die Finger ineinander verhakt, und dann schau ich Dich von der Seite an, sage nichts, denke nichts, fühle mich aber völlig überrollt von dem, was ich für Dich empfinde. Und dann denke ich doch: "Genau so sollte es sich immer anfühlen. Genau so hatten wir es uns gewünscht. Genau davor hatten wir immer Angst, dass wir es im Alltag verlieren. Dass wir uns im Alltag verlieren. Und wie glücklich bin ich, dass wir uns am Ende eben doch nicht verloren haben."

Wir haben beide viel falsch gemacht. Haben aufgegeben. Sind weggegangen und zurückgekommen.

Irgendwann, eines Tages sind wir dann geblieben.

Und es fühlt sich jeden einzelnen Tag immer noch wundervoll an. Na gut, fast jeden einzelnen Tag ;) Wenn wir uns nicht gerade gegenseitig wahnsinnig machen. Aber auch das gehört zu uns. Und auch dafür liebe ich Dich.

Donnerstag, 10. Oktober 2019

Einen Tag danach

Vor ein paar Monaten hatte der Mann mir aufgetragen, einen Einkaufszettel zu schreiben. Das ist bei uns für gewöhnlich nicht üblich. Also nahm ich einen kleinen gelben Zettel und malte ihm ein großes rotes Herz, das ich in unseren Einkaufskorb legte.
"Auch nett", sagte er, "aber was brauchen wir noch?"

Ja... Was brauchen wir? Was braucht die Welt?
Irrigerweise (ich weiß gar nicht wieso) erinnerte ich mich gestern Nachmittag an diesen Zettel, an die eigentliche Aussage dahinter, als Berichte über Schüsse in Halle durch die Medien kursierten und sich auch Meldungen häuften, dass einer oder mehrere Täter nach Leipzig flüchten würden. Dass dort teilweise Straßensperrungen errichtet worden waren.
Eine Unruhe überkam mich, solange ich im Office festhing.
Und ich erinnerte mich an die Schießerei damals in München im bzw. vor dem Einkaufszentrum. Da, wo der Mann oft auch zu Mittag essen geht. Ich erinnerte mich, dass ich Tage zuvor ein so dumpfes Gefühl im Körper hatte, so als ahnte ich, dass irgendetwas passieren würde. 

"Bist du gut nach Hause gekommen?" fragt mich abends ein Freund.
"Ja", antworte ich, "du auch?"
"Ja", schreibt er, "aber es war Chaos, es ging nichts mehr."

"Wir überlegen, trotzdem aufs Lichterfest zu gehen", schreibt Sohn II und ich bitte ihn, es nicht zu tun. Auch wenn irre Nachrichten das Netz dominierten, die sich größtenteils als Fake-News herausstellten.
Sie sind trotzdem gegangen und ich bat ihn, mir wenigstens zu schreiben, wenn er mit seiner Freundin wieder gut in ihrem Zuhause angekommen ist. Das tat er.
Während ich für Sohn I etwas zu Essen zubereitete, wir über alles Mögliche redeten und irgendwas im TV sahen, das nichts mehr mit dem Geschehen zu tun hatte.

Doch was den ganzen Abend über in meinem Kopf und in meinem Bauch blieb, war ein dumpfes, drückendes Gefühl. Es ging mir nicht gut, und zunächst vermochte ich gar nicht zu begreifen, was da in mir vorging.
"Du darfst das nicht so an dich heranlassen", schreibt mir der Mann.
Er hat recht, ich weiß.
Aber es bedrückt mich. Es belastet mich, wie ein Mann einer Frau einfach so in den Rücken schießen kann. Mehrmals. Selbst als sie auf dem Boden liegt. Wie ein Mann einen anderen erschießen kann, der um sein Leben fleht "Bitte nicht!"
Ich kann nicht loslassen von der Erschütterung, welche Grausamkeit, welchen Hass Menschen umtreibt, die sich entschuldigen dafür, dass sie versucht haben, andere zu töten, aber die Technik mehr versagte als alles andere. Natürlich weiß ich, dass Gewalt existiert. Aber dieses Wissen verhindert nicht, immer wieder neu erschüttert zu werden. Und will ich mich an solche Nachrichten gewöhnen? Will ich tolerieren, dass Menschen Menschen töten? Dass Menschen Menschen Gewalt antun?
Hat die Frau gestern noch dieselbe Musik gehört wie ich?
Sich gefreut, dass es so warm und sonnig war?
Hat der Mann gedacht, ich geh mal zum Dönermann, diesmal ess ich im Lokal, trink noch ne Cola?
Gleichwohl erschütterte mich aber auch, wie verschiedenste, insbesondere Fake-News, Videos etc. durch die digitale Decke gingen und den Menschen extra potenzierte Unsicherheit verursachten.

Je länger mich dieses dumpfe Gefühl bedrückte, desto mehr verstand ich, warum es mich gerade hier so belastet.
In München fühlte ich mich irgendwie nie sicher. Woher das Gefühl kommt, weiß ich nicht. Es war eben so. Wenn der Mann eine Woche lang irgendwohin fährt, fahr ich nach Leipzig. Oder sonstwohin. Aber Leipzig.. Hier fühlte ich mich immer wohl und vor allem sicher. Das ist keine Frage des Verstandes. Es ist lediglich eine Frage des Bauchgefühls. Ich war mir irgendwie immer sicher... Was auch passiert, hier nicht... Nicht in Leipzig. Nicht in unserem schönen Leipzig.
Und gestern Abend realisiere ich nach und nach die Scheinsicherheit, in der ich mich wiegte.
Wie dumm, wie naiv das Gefühl war.
Wie dumm, wie naiv ich war.
"Es geht mir grad nicht gut", flüsterte ich am Abend.
Der Alltag heute hilft mir. Die gewohnten Abläufe im Office helfen mir. Dennoch.

Es ist nicht nur "woanders". Es ist jeden Tag überall.

Auch weil es in der Welt viel zu wenig Liebe gibt und immer zu wenig gegeben hat.

Donnerstag, 3. Oktober 2019

Raus aus der Mitte und wieder dahin zurück



Gerade erst hatte ich noch davon geschrieben, dass wir Menschen wieder viel mehr genießen sollten - und kaum hatte ich meine Gedanken ausgesprochen, fühlte ich mich selbst aus meiner eigenen Mitte wieder herausgerissen.
Als wirklich bemerkenswert empfand ich, dass zwei Freunde von mir, die ein paar hundert Kilometer von mir entfernt wohnen, mich auf mein Befinden ansprachen: "Geht es dir wirklich gut? Irgendwie hab ich schon seit Tagen das Gefühl, dass es dir nicht so gut geht."
"Hab ich mich daneben benommen?" fragte ich erschrocken.
"Nein nein, gar nicht. Es ist nur.. einfach so ein Gefühl."
Und dieses Gefühl stimmte. Das hat mich am allermeisten berührt.

Es ist jetzt auch nicht so, dass es mir schlecht ginge, Gott bewahre. Aber ich spürte schon, dass ich innerlich völlig unfrei war, irgendwie angespannt, irgendwie festgefangen, und hatte dies zunächst auf den andauernden Stress im Job geschoben. Erst im Dialog mit der Freundin fiel mir auf, dass wesentlich Tiefergehendes dahintersteckt.

Noch bis zum heutigen Nachmittag überlegte ich: Wie finde ich da jetzt wieder raus?
Eigentlich weiß ich es doch. Eigentlich kenne ich doch meine Mechanismen.
Ich muss einfach nur die richtige Musik anstellen....
Jetzt fühle ich mich wieder viel, viel ausgeglichener, wohler, entspannter, sonniger.. Fühl mich wieder in Einklang mit mir und meiner Seele...
Es ist eine so, so, so wundervolle Musik - ich bin verliebt!!

Übrigens, mir ist schon vor Jahren aufgefallen, dass es an Tagen und Nächten, in denen ich mich nicht so gut fühle, vor allem traurige oder wenigstens nachdenkliche Musik ist, die mich wieder hochbringt. Ich konnte aber nie wirklich begründen, warum das so ist und warum ich so funktioniere. Bis ich heute Abend über einen Kommentar zu einem anderen Song stolperte.. den ich wunderbar berührend finde.. Und der genau beschreibt, was wohl in früheren Jahren in mir vorgegangen sein muss.

"One of my wonderful female friends asked me why I listen to a lot of sad songs. Sometimes, I don't even know they are, but she catches it. I tell her, it's because it makes me feel that I'm still human and it at least makes me feel something. Been single for a long time. Actually really my whole life. Had a few girls here and there but it never really worked out. I realize that although all these songs are great emotional songs, for me I feel like it has kept me stuck in a loop. Always feeling some type of way, whether it be gloomy, sad or reminiscing of past loves. Hell, sometimes I'd imagine how it would feel, to have the same feels a certain song displays for someone that's not even there, just to feel something. . I feel that I'm not giving myself permission to be happy and do what I want to do, when I'm here listening to these great emotional songs. I realize, it's time for me to step out of these genre and tunes for awhile. It's like a fight against myself, trying to discover my true potential and happiness. Just wanted to randomly vent, since it's such a great community here. Happy holidays y'all and 2017 will be a rocking new year!"
(Copyright: AWildBeowulfhttps://www.youtube.com/watch?v=3UdbsqCd6RU)

Mittwoch, 2. Oktober 2019

Oktobergedanken

Da ist er nun, der goldene Oktober. Vor dem Fenster färben sich die Blätter gelb und rot, wahlweise vor grauem (heute) oder strahlend blauem (gestern) Himmel. Vor einigen Jahren noch liebte ich vor allem den Frühling, inzwischen bin ich längst Herbst-Fan. Wenn alles noch da ist an Blättern, und sich aber schon alles in goldene Farben hüllt, Kastanien, Eicheln, Ahornblätter aufgelesen werden können. In Kombination mit Vanillekerzen himmlisch :)

Auf einmal ist er da, der Herbst. Ein bisschen schon herbeigesehnt nach der Hitze des Sommers und der ewigen Frage: Wenn nackt noch zu warm ist, was ziehe ich dann an?
Und dann so gefühlt urplötzlich gekommen - und nun frag ich mich: Was ist los mit uns Menschen?
Schon zu Beginn des neuen Jahres hatte ich das Gefühl: Hm, das ist irgendwie anders als vor einem Jahr... Egal, wohin ich schaute oder hörte, überall fehlte ein wenig Leichtigkeit oder wenigstens das Ansinnen, nicht alles so ernst zu nehmen, auch nicht sich selbst.
Wenn ich jetzt so auf das Jahr zurückschau, frage ich mich immer noch: Wann hat es begonnen, dass der Mensch begann, so unzufrieden zu werden? Dass er an allem und jedem herumnörgelt, dass unbestritten wichtige Themen so aufgebauscht werden, dass es einer Hysterie gleichkommt?
Was ist wann mit uns passiert?

Die Welt hat sich in zwei Lager geteilt: Die Befürworter und die Gegner - und die Themen sind so verschiedenfarbig wie das Laub vor meinem Fenster.
Klima und Umwelt - ein nach wie vor wichtiges Thema, doch immer öfter kann ich mir den Gedanken nicht verkneifen "Leute, bitte lasst die Kirche im Dorf!"
Du darfst nur dafür sein, dagegen sowieso nicht, aber Du darfst auch nicht kritisch oder wenigstens nachdenklich Debatten und Veranstaltungen verfolgen und Dir dann noch Deine eigene Meinung bilden. Weil Du ja sowieso falsch liegst und immer noch nicht begriffen hast, dass es Fünf nach Zwölf ist. Und Du vielleicht hoffentlich längst in der Gruft gammelst, während draußen die Apokalypse tobt - und Deine Kinder oder etwaigen Enkel das zu spüren bekommen.
Wie gesagt. Lasst bitte die Kirche im Dorf. Und hinterfragt die eine oder andere Aussage bitte oder recherchiert. In Zeiten des Internets gibt es ausreichend einfache Möglichkeiten.
Das habe ich auch gestern jemandem auf FB geschrieben, als eine Debatte losgetreten wurde ob der möglichen Erhöhung von Krankenkassenbeiträgen.
Es gab nur zwei Fronten: Die eine schimpfte auf all die Nichtstuer aus dem Ausland, die sich hier nen goldenen Lenz machen und unsere Sozialkassen plündern - die andere erinnerte an die Wasserköpfe der Versicherungen. Wie viele Krankenkassen es gibt, weiß ich selber derzeit nicht, bin auch zu müde zu googeln; es sind aber in jedem Fall zuviele. Meiner Meinung nach jedenfalls. Was brauchen wir zwischen 100 und 200 Versicherungen? Der Marktwirtschaft wegen? Wozu brauchen wir dann zig gesetzliche Kassen? Auch der Marktwirtschaft wegen?
Egal. Im Abschlussbericht für 2018 meiner eigenen Kasse jedenfalls stand, dass nach Abzug aller Aufwendungen, Rücklagen  und Kosten ein Überschuss von ca. 40 Millionen Euro erwirtschaftet worden war. Und die Kasse zum 4. Mal in Folge ein derart erfolgreiches Jahr bilanzieren durfte.
Das schrieb ich dem Flüchtlingsgegner-Mob und fügte hinzu "Lesen und Rechnen können Sie?"
Natürlich gabs darauf keine Antwort, und manchmal frage ich mich selbst, warum ich mir das immer wieder antu.
Aber ich frage mich dann auch: Wenn meine Kasse wie so viele andere auch so gute Ergebnisse einfahren, wieso muss der Steuerzahler dann darauf eingestellt werden, dass die Beiträge steigen könnten?

Ich frage mich so einige Sachen, auch im Hinblick zum Beispiel auf den sinnlosen Plastikmüll, in dem wir gefühlt ersticken. Nicht nur wir. Auch das Meer. Mein geliebtes Meer. Weil der Mensch das größte Sauschwein aller Zeiten ist und bleibt - und seinen Dreck überall entsorgt, aber viel zu oft nicht da, wo er es sollte. Oder im Hinblick auf die Dieselproblematik. Jetzt kommt die CO2-Steuer und die Kfz-Versicherungen sollen sich in etwa verdoppeln. Der Sprit soll teurer werden. Früher haben wir gelacht, wenn wir hörten, dass die Grünen am liebsten 5 Mark für den Liter Sprit verlangen wollten. Inzwischen lachen wir längst nicht mehr. Aber ist das alles so gerechtfertigt?
Denen, die bevorzugt das Rad nutzen können, ist das egal. Denen kanns auch egal sein.
Kann ich erhöhte Kosten für das Fliegen akzeptieren, weil ich sowieso meist Auto oder Bahn fahre?
Kann ich erhöhte Kosten für das Autofahren nicht akzeptieren, weil ich davon abhängig bin - und die Belastung eh schon hoch genug ist? Ich seh das beispielsweise an Sohn I: Seitdem er wieder ein eigenes Kfz hat, um zu allen möglichen und unmöglichen Zeiten den Dienst antreten zu können, ist sein finanzieller Spielraum auf genau genommen Null geschmolzen. Er hangelt sich von einem Monat zum anderen. Ich bewundere immer, wie er das schafft - aber es bleibt eine Belastung im Kopf: Was wird, wenn dies und jenes eintritt?
Klar, er hat mich - aber er will das gar nicht. Er will frei und unabhängig sein, von seinem Lohn seine eigenen Kosten tragen können - und trotzdem wenigstens ein bisschen Luft haben.
Ist das zuviel verlangt für einen Job von montags bis samstags und gerade mal eintausendeinhundert Krabben? Er ist sehr sparsam - aber oft auf Kosten seiner Gesundheit.
Wir sollten uns möglichst Bio ernähren, da kann er nur müde drüber lächeln. Man muss es auch bezahlen können. Egal, ob Bio nun wirklich auch immer Bio ist oder nicht.
In einer Stadt wie M halte ich das Autofahren für sinnlos. Die ÖPNV-Vernetzung ist so klasse ausgebaut - da braucht es kein Auto. Eigentlich. Aber würde ich das Autofahren hier in der Stadt verbieten wollen? Was ist mit denen, die nachts oder wenigstens spät zur Arbeit müssen oder von da kommen? Ich persönlich möchte nicht ein, zwei Stunden lang nachts irgendwo auf einen Bus oder eine Bahn warten müssen. Nicht nur, weil ich müde bin und nach Hause wollte. Vor allem auch, weil ich Angst hätte. Ich persönlich fahre auch nicht jeden Schritt mit dem Auto, weder hier in M noch in L. Tagsüber. Nachts, das gebe ich zu, wäre das was anderes, solange ich allein unterwegs wäre.
Kann ich also Menschen nur disziplinieren, indem ich ihnen immer mehr Geld abknöpfe?
Und jetzt noch CO2 besteuere, weil ich die Erzeugung und Abgabe begrenzen möchte?
Wie eigentlich? Indem ich Kreuzfahrtschiffe beispielsweise nicht verbiete, aber das Fahren so teuer mache, dass über kurz oder lang keiner mehr will? Oder nur noch die, denen die Preise sowieso egal waren?
Indem ich Dieselfahrzeuge verbiete und das E-Auto in den Fokus richte, obwohl die Herstellung und Entsorgung der Batterien immer noch genug Schadstoffe emittieren, es sei denn, ich fahr ein Kleinfahrzeug meinetwegen der Größe Twingo?
Indem ich das Fliegen teurer mache, damit Klein Erna aus Buxtehude nicht auch nach Mallorca fliegen kann, während die Bundesregierung bis zu 800 Leerflüge in einem Jahr (!) produziert? Obwohl sie das ganze Jahr drauf gespart hat und sich freut, doch mal was anderes sehen zu können als den alten kaputten Holzzaun vorm Fenster und den Nachbarn im Fenster gegenüber?
Ich persönlich denke ja: Wer glaubt, dass die CO2-Steuer für den Klimaschutz verwendet wird, der glaubt auch immer noch, dass die Rentenbeiträge für die Rente genutzt werden.

Und während ich meine täglichen Überstunden ins System eintrage, anschließend noch Abendessen zubereite und nicht lange danach todmüde ins Bett falle, bin ich trotzdem froh, dass es mir persönlich immer noch so viel besser geht als anderen. Dass ich in einem Land wie Deutschland geboren wurde - auch wenn jetzt gefühlt jeder Dritte darauf scheißt oder wenigstens meckert.
Ich weiß noch, wie ich mich fühlte, als wir im Oktober 2016 aus Indien zurückkehrten. Wie dankbar ich die eiskalte, klare Luft einatmete, wie sauber die Straßen waren, durch die wir an jenem Morgen fuhren, wie köstlich das frische Brot duftete, das die Freundin als Willkommensgruß gebacken hatte - und dass ich niemals mit meinen Kindern täglich in Staub und Dreck liegen musste in der Hoffnung, ein paar Cent oder Euro in die Hand gedrückt zu bekommen. Was Überlebenskampf bedeutet, weiß auch eine Greta Thunberg nicht - und insofern kann ich ihre Worte "Ihr habt mir meine Kindheit gestohlen" auch nicht (mehr) ernst nehmen. Ab irgendeinem Punkt dieses Kampfes ist es gekippt...

Ja, uns geht es verdammt gut - und dennoch frage ich mich momentan, woher sie kommt, diese stetig wachsende Unzufriedenheit der Menschen. Dass wir nicht zufrieden sein können mit dem, was wir haben. Dass wir so neiderfüllt, so hasserfüllt auf andere schauen, die etwas bekommen, für das sie nichts geleistet haben, während man hier immer mehr alte Menschen sieht, die in Abfallkübeln wühlen. Warum wir so ängstlich hüten wollen, was wir haben, um eines Tages nicht auch im Kübel suchen zu müssen? Warum wir Angst haben, es könnte morgen einen Klimaknall geben und wir alle werden zu Staub? Wo ist die Besonnenheit, die Sachlichkeit, eine gewisse Pragmatik geblieben, anstatt uns in Hysterie aufzulösen? Warum tun wir so, als hätten wir uns nie fürs Klima interessiert und nun sei unsere Zeit beinah abgelaufen? Stimmt das überhaupt, dass wir nie was getan haben? Ich denke doch mal nicht. Aber möglicherweise denke ich überhaupt momentan wieder etwas zuviel und möglicherweise auch nicht immer das Richtige.

Ich persönlich denke aber eben auch, dass der Mensch wieder lernen sollte, viel mehr zu genießen. Auch und vielleicht auch gerade dann, wenn es viel zu tun gibt.
Aktuell arbeite ich viel, sehr viel, zuviel (sagt der Mann). Und ich würde daran zerbrechen, vermutlich, würde ich mir nicht kleine Inseln schaffen. Inseln dahingehend, dass wir ausgehen, dass wir woanders hinfahren, dass wir Freunde, Familie besuchen, vom Alltag loslassen. Und seien es nur drei, vier Stunden eines Abends, an dem man noch nicht zu müde war.
Es ist Oktober. Es ist schon wieder Oktober. Grad war doch noch Mai. Oder Juni.
Alles vergeht so schnell. Ich will nicht nur existiert haben, ich möchte auch gelebt haben. Denn das ist es ja immer noch: lebenswert. Irgendwie hab ich nur das Gefühl, dass der Mensch diesen Aspekt ein bisschen aus dem Auge verloren hat.

Dienstag, 1. Oktober 2019

...und nun auf die Ohren bekommen

Im Moment bin ich müde, hundemüde. Erst dachte ich ja, das liegt an den seit August mehr oder weniger andauernden 9 - 10 Stunden-Arbeitstagen und der ständigen Fahrerei nach Nord & Süd. Ja, auch in den Urlaub fahren kann in Stress ausarten, wenn die Anfahrt wenige Stunden länger dauert als geplant, man an Grenzübergängen erwägt, lieber die Skier statt der Badesachen mitgenommen zu haben und es noch nicht ganz geschafft hat, auf Durchzug zu schalten, wenn die Begleitung an allem Möglichen herumbemängelt.

Aber dann wurde mir klar, dass es (gefühlt) schlagartig Herbst geworden war - und vermutlich vorzeitige Winterschlafbedürfnisse bei mir eingezogen sind :)

Das bedeutet, auch die nächtlichen Medical Detectives-Sessions sind erstmal vorüber. Das ist vielleicht auch ganz gut so. Ich kann mich ja nicht nur mit bösen Abgründen anderer befassen, es muss ja auch Raum und Zeit für Sonniges bleiben, und das gibts eben nicht nach Mitternacht.

Und so dachten wir, es wäre doch der perfekte Zeitpunkt, mal die Ohrenkerzen auszuprobieren. Ich hatte einiges darüber gelesen, fand das meiste davon interessant genug und hatte mich zunächst für die preiswerte Variante mit Minzeduft entschieden. Zum Testen gleich 20 Euro oder mehr auszugeben, fand ich persönlich jetzt nicht so angemessen, aber ich denke, ich werde diese Variante dann auch noch ausprobieren.

Der Mann weigerte sich auch nach dem Kauf der Kerzen standhaft: "Den Mist kannste alleine machen."
Also ließ ich mir irgendwann im September am späten Nachmittag eine Wohlfühl-Badewanne ein, legte mir einen Spiegel (muss ja gucken, ob die Brenngrenze erreicht ist) und die Kerzen zurecht und dachte: Hier kann ja nix passieren, falls doch irgendwo ein Funken fliegt. Ins Waschbecken ließ ich ein wenig kaltes Wasser ein, um da dann die heruntergebrannte Kerze löschen zu können.
Den Kopf legte ich auf dem Badewannenrand ab; ich meinte irgendwo gelesen zu haben, dass die Kerzen möglichst senkrecht stehen sollten. Die Brenndauer liegt irgendwo zwischen sieben und zehn Minuten, gefühlt geht es schneller. Ich hatte Respekt davor, das gebe ich zu. Der Mann hat auch mindestens dreimal zur Tür hereingeschaut, um zu gucken, ob ich evtl. schon angekokelt sei.

Danach wollte der Mann sich dann doch mal daran versuchen.
Ihm ist so ein glühendes kleines Fähnchen auf die Haut getaumelt, hm, das hatte ich mir so auch nicht vorgestellt. Beim zweiten Versuch hatte ich also auch bisschen Schiss davor, aber ich hatte auch diesmal Glück. Vielleicht muss man wirklich drauf achten, dass die Kerzen senkrecht stehen.

Aber sonst.. Sagten wir beide unabhängig voneinander, dass der Kopf sich "leichter" anfühlen würde, waren wir beide anschließend richtig richtig müde und schliefen wunderbar bis zum nächsten Morgen. Er meinte, er habe nach der Kerze bis zum nächsten Morgen auch keinen Tinnitus mehr gehabt. Dieser Wohlfühleffekt war deutlich, so dass wir zwei Wochen später das Ganze nochmal ausprobierten, aber ohne Badewanne, sondern auf dem Sofa. Dafür abends, um anschließend die Entspannung mit ins Bett nehmen zu können.
Und beide sagten wir unabhängig voneinander, dass jene Müdigkeit diesmal nicht eingetreten war. Dass ich irgendwie Ohrenschmerzen auf einer Seite hatte und auch sonst irgendwie vergeblich auf einen entspannten Wohlfühlmoment wartete. Wir legten uns schlafen wie immer, alles war wie vorher und ob der Tinnitus bei ihm auch diesmal "ausgeschaltet" war, habe ich vergessen zu fragen.
Die Ohrenschmerzen hielten sich so ein, zwei Tage.

Insgesamt denke ich: Entspannen kann man sicherlich auch auf vielfältigste andere Art und Weise. Dafür braucht es sicher keine Ohrenkerzen. Und vom Minzegeruch hab ich auch nix gemerkt.
Ich denke aber, dass das teils auch dem Umstand geschuldet ist, mich hier aus Vorsicht für die preiswerte Variante entschieden zu haben.  Die letzten zwei werden wir noch aufbrauchen und dann werde ich mich mal nach "richtigen" umsehen. Und auch drauf achten, was andere Käufer zu den Enden sagen, die man sich in die Ohren steckt. Unsere sind aus teils etwas scharfkantiger Plastik, das is natürlich e bissl unangenehm.
Die Kerzen sollen sich ansonsten insgesamt auch entspannend auf den Hals-Schulter-Bereich auswirken und für so nen Schreibtischtäter wie mich ist das vielleicht auch ne ganz gute Variante. 
Ich probier das einfach mal weiter aus.

Donnerstag, 19. September 2019

Szenen einer Partnerschaft: Fuchs, du hast das Handy gestohlen!

Es war vor einigen Tagen, da haben wir uns zwar in der Nacht gemeinsam ins Bett gelegt, aber während der Mann tatsächlich totmüde war und zu schlafen begehrte, überlegte ich, mein neues Lieblingsspiel Knots zu spielen. Viele Lösungen gehen mir leicht von der Hand, zu leicht manchmal, aber manche verursachen mir manchmal auch ein Gehirnknäuel.
Und das reizt mich.
Der Mann gähnte mehrfach betont und herzhaft: "Lass uns endlich schlafen."
Ich knipste also das Licht aus, er umarmte mich betont innig - und während er mir den Rücken zudrehte, tastete ich auf dem Tischchen herum nach meinem Handy.
Nanu?
Hatte ich es nicht grad erst dort abgelegt?
Verflixt.
Wo war das Handy?
Als er zu kichern begann, warf ich mich auf ihn. "Du hast mir mein Handy gestohlen! Und ich dachte noch, orr, ist das süß, wie er mich umarmt! Dabei wollteste nur das Handy."
Wir balgten uns, ich kniete förmlich auf seiner Brust: "Gib! Das! Handy! Wieder! Her!"
"Kannst du mir nicht lieber was vorsingen, so zum Einschlafen?" fragte er.
Also legte ich mich neben ihn und sang leise und zärtlich in sein Ohr:
"Fuchs, du hast das Handy gestohlen, gib es wieeeeder her! Sonst muss ich den Papa holen mit dem Schießge-we-he-her!"
Natürlich hat er mich kichernd aus seinem Bett geworfen und natürlich hat er gesagt "Wenn du jetzt nicht gleich Ruhe gibst, steh ich auf und hol dir ein Glas Wein, dann schläfst du wenigstens endlich."
Tja nun.
Natürlich hat nicht er gewonnen :)

Dienstag, 17. September 2019

"We Think Too Much And Feel To Little"



...und außerdem tanzen wir viel zu wenig...

Gestern Abend habe ich eine Reportage vom WDR gesehen. Eine Reportage über junge Eltern, die sterben müssen - und ihre (kleinen) Kinder zurücklassen müssen.
Was mir vor allem ganz sehr im Kopf geblieben ist, ist jene tapfere starke Mama, die ihren Mann bis zu seinem Ende begleitet hat - auf eine sehr liebevolle, zugewandte Art. Beide wussten wohl von Beginn der Krankheit an, dass er keine Chance auf Heilung hatte.
Zwei Monate nach seinem Tod hat sie in seiner Heimat Italien auf der Trauerfeier eine kleine Rede gehalten. Wie dankbar sie ihrem Mann ist für all die Dinge, die sie durch ihn gelernt hatte.
"Sagt Eurem Chef, Euren Kollegen, wie gern Ihr Euren Job macht und wie viel Spaß es Euch macht. Sagt Euren Liebsten, dass Ihr sie liebt. Genießt Euer Leben."
Ihre Worte, die Art, wie sie es vorbrachte, das ist mir unter die Haut gegangen.

Wir kommen aus dieser Welt ohnehin nicht lebend raus - und niemand weiß, wann die Zeit dafür kommt. Ich habe wohl auch darum keinen Plan für das kommende Jahr, ich habe auch keinen Plan für die nächsten zehn oder fünfzig Jahre.
Als ich mich vor 16 Jahren von meinem Ehemann trennte, da hatte ich vor allem Angst, dass ich es nicht alleine schaffen würde - und dass ich immer allein bleiben würde, weil alle in etwa meinem Alter vergeben wären. Trotzdem bin ich gegangen, weil das Bleiben keine Alternative war.
Man kann auch sterben, obschon man weiterlebt. Und das wollte ich nicht mehr.
Stattdessen ging ich mit nichts - und baute das neue Leben Stück für Stück auf. Ich habe nicht alles aus eigener Kraft geschafft, aber ich habe ganz viel allein geschafft, und diese Erfahrung nimmt mir niemand mehr.
Und die Liebe?
Ach, fragt bloß nicht.
Wenn ich daran denke, wie oft ich mich nachts zerfleischte, weil ich mich fragte, was ist falsch an mir? Man kann das Lieben auch in sich selbst nicht erzwingen, selbst wenn der andere noch so gut für einen wäre, selbst wenn man sich noch so sehr nach dem Lieben sehnt.
In Zeiten von Onlinedating und vorrangigem Mailaustausch habe ich mal eine ewig lange E-Mail an jemanden geschrieben, und der reagierte begeistert: "Ich hab mir das mal ausdrucken müssen. Zwölf Seiten! Soviel hat mir noch nie jemand geschrieben! Du bist der Hammer! :)"
Und er fügte hinzu: "So ehrlich, wie Du Dir die Liebe wünscht, wird sie Dir auch passieren."
An seine Worte habe ich oft gedacht - und irgendwann auch irgendwie eine Hoffnung entwickelt.
Eine Zuversicht.
Trotzdem hat es letztendlich dann immer noch zwölf Jahre gedauert, bis ich wirklich wusste "Das ist es jetzt und das  bleibt es. Vielleicht."

Und heute? Nochmal sieben Jahre weiter?
Heute genieße ich jeden einzelnen Tag. Ich stehe morgens auf und denke: "Na? Was gibts heute?"
Heute frage ich mich nicht mehr, ob wir morgen noch ein Paar sind und übermorgen noch immer zusammen leben. Ich frage mich nicht mehr, was ich tun würde, wenn. Ich weiß es.
Ich würde fortgehen von M und mir zunächst in der Nähe meiner Jungen ein neues Zuhause suchen. Die nächsten Jahre genießen und irgendwann an das Meer gehen. Irgendwohin ans Meer.
Malen. Schreiben. Lesen. In der Sonne liegen und die Sonnenbrille auf der Nase balancieren.
Mit einem anderen Mann zusammenziehen werde ich nicht mehr.
Irgendwann vor vielen Jahren hatte jemand zu mir gesagt: "Such dir einen Mann. Alles, was du brauchst, ist ein Mann."
Er hatte unrecht.
Ich habe gelernt, mir selber genug zu sein. Ich kann sehr gut mit mir allein sein.
Es wäre ein anderes Leben. Aber anders bedeutet nicht: ein schlechteres Leben. Es ist eine andere Art von Zufriedenheit und Glück.
Ich habe aber auch gelernt: Wenn ich glücklich sein will, muss ich selber aktiv werden. Und nicht darauf warten, dass es ein anderer für mich tut. Es hat auch mal jemand zu mir gesagt "Ich möchte derjenige sein, der dich glücklich macht." Heute weiß ich: Darum gehts gar nicht im Leben. Nicht ein anderer kann mich glücklich machen - sondern ich mich selbst, und dann kann ich dieses Glück in mir mit einem anderen teilen. Denn wenns ein anderer tut und ich verlass mich drauf und dann ist er nicht mehr da, was dann? Nein nein nein. So funktionierts nicht (mehr) für mich.

Schaue ich heute auf mein Leben, bin ich dankbar. Dankbar dafür, dass es so ist wie es ist.
Dankbar dafür, dass wir uns haben. Dass wir aneinander denken, nebeneinander liegen und auf den Herzschlag des anderen lauschen. Nachts beieinander liegen, meine Hand auf seinem Bauch oder in seiner Hand.

Ich bin aber auch dankbar für diesen Lernprozess, dass ohne ihn mein Leben zwar anders wäre - aber nicht zuende. Und ich immer in der Küche tanzen werde können, mit ihm und auch allein.
Weil ich es liebe, dieses Leben. Und schon seit ganz langer Zeit nicht mehr darüber nachdenke, was morgen sein könnte.

Sonntag, 15. September 2019

Eine Stimme von vielen

Hier bin ich in eigener Sache unterwegs.
Die, die mich kennen, und die, die mich vielleicht schon etwas länger lesen, wissen, dass ich seit mittlerweile fast fünfzehn Jahren Schmerzpatientin bin. (Darüber möcht ich eigentlich gar nicht nachdenken und erst recht nicht die Jahre zählen - nicht dass mich doch noch der Mut verlässt nach all den Jahren.) Und die, die mich kennen und lesen, wissen auch, dass ich seit April 2018 deutliche neurologische Veränderungen zeigte - von einem Moment auf den anderen.
Veränderungen, die die Schulmedizin nicht erklären konnte - oder wollte. Nie werde ich die Stimme des Oberarztes im Klinikum vergessen, wie er sagte: "Genetisch, ja, das könnte sein. Aber man muss ja nicht immer gleich mit dem Teuersten anfangen. Wir fangen mal mit dem einfachsten an. Hier ist die Adresse einer psychosomatischen Klinik." Vielleicht war das eine Adresse, die ich noch nicht kannte und die mich noch nicht kannten. Jedoch diese Station habe ich bereits durchlaufen - zweimal stationär, zweimal ambulant. Seitdem weiß ich, dass Schmerztherapie nicht bedeutet, die Schmerzbekämpfung aktiv anzugehen, sondern dass man einfach nur lernt, damit zu leben.
Und das habe ich. Ich hab es gelernt und verinnerlicht. Ich mache weiter wie vor dem Schmerz, auch wenn ich heute nicht mehr weiß, wie das ist: schmerzfrei leben. Ich kann lediglich erzählen, wie es ist, das Leben mit einem Schmerz in einer Körperhälfte, der sich anfühlt, als habe man auf einer Seite ständig Zahnweh. Mal mehr, mal weniger - aber immer.. Jeden Tag, jede Nacht, jeden einzelnen Moment. Eines Tages ist er gekommen und seither nicht mehr gegangen.
Ich habe mich daran gewöhnt, ich habe ihn akzeptiert und angenommen. Verändert hat sich damit gar nichts - aber es ist wie es ist.

Mit den neurologischen Ausfällen oder Auffälligkeiten jedoch... Mit denen konnte und wollte ich mich gar nicht anfreunden. Wenn wir lernen sollen, mit allem zu leben, das wir nicht erklären können - wozu brauchen wir dann Ärzte, die mehr können sollten als Husten & Schnupfen und einen Armbruch zu behandeln?

Die Idee eines Heilpraktikers war schon öfter an mich herangetragen worden, aber ich habe immer abgewunken, da bin ich ehrlich. Und ich bin auch ehrlich, dass ich mich nie wirklich damit befasst habe, was ein Heilpraktiker kann und darf. Möglicherweise dachte auch ich, dass man nichts anderes tut als mit einer Wünschelrute zu wedeln oder sie vielleicht auch über einem Feuerchen anzubrennen - und sich dazu ein paar Zuckerkügelchen einzuwerfen und im Kreis ums Feuer zu tanzen.
Na ja, sowas in der Art vielleicht.
Warum ich mich dann im letzten Jahr dazu bringen ließ, doch zu einem Heilpraktiker zu gehen, kann ich gar nicht wirklich beantworten. War es vielleicht mein letzter Versuch? War es vielleicht jene Form der Resignation, nach der man sagt "Was hast du schon noch zu verlieren?"

Für die erste Stunde der Beratung habe ich 25 Euro bezahlt. Einen Schulmediziner muss ich zwar nicht direkt vor Ort bezahlen, aber ich bin mir ganz sicher, dass auf seiner Rechnung an die Kasse für rund fünf Minuten, die man maximal im Sprechzimmer sitzt, weitaus mehr als 25 Euro stehen.
Hier saß ich tatsächlich eine ganze geschlagene Stunde, sie forderte mich auf, ganz von vorn zu beginnen, schrieb sich alle Eckpunkte auf, dann folgte eine körperliche Untersuchung und am Ende standen vier fragliche Diagnosen auf ihrem Zettel. Alle weiß ich nicht mehr, ich weiß nur noch, dass da was von Borreliose, Parkinson und Schlaganfall stand - und sie mir eine Laboruntersuchung empfahl. Mit Kosten zwischen 120 und 270 Euro. Die Blutuntersuchung für 120 Euro genügte: Nachweis einer Neuro-Borreliose, bei der die Schulmedizin sich weigerte, diese zu behandeln: "Neuro-Borreliose gibt es gar nicht. Das ist eine Erfindung für Patienten, damit sie eine Diagnose haben. So wie zum Beispiel Fibromyalgie." Oder: "Das mit der Borreliose können Sie jetzt eh vergessen, das bringt jetzt nichts mehr" - und mir wurden für 100 Euro Vitaminpillen verkauft und für 30 Euro ein Vitamin D-Spiegel gemessen. Auch beim Schulmediziner übrigens. Lächerlich.

Die Crux ist: Eine Borreliose, ob nun Neuro oder nicht, muss mit Antibiotika behandeln werden. Grad wenn der Stich schon länger her ist (wie bei mir), dann wird auch die Behandlung sehr langwierig - und teuer. Doch Antibiotika verschreiben, das ist etwas, das der Heilpraktiker nicht darf. Weil er schlichtweg die Arzt-Zulassung nicht hat. Er kann sagen, was ich brauche, aber ich muss jemanden finden, der es mir verordnet.
Wir haben aber niemanden gefunden. Es gab Abende im letzten Jahr, da habe ich vor Verzweiflung geweint und nicht gewusst, was ich tun soll. Ich konnte auch nicht nachvollziehen, was daran so schwierig sein sollte. Wäre es nicht tatsächlich einfacher gewesen, mir einfach diese scheiß Pillenkur zu verordnen, anstatt sinnlos teure Untersuchungen auf mich zu nehmen (verschiedene MRT, verschiedene neurologische Messungen an Blutgefäßen und Nervenbahnen) und erneut eine Ärzte-Odyssee durchmachen zu müssen? Mit einer Bandbreite an Aussagen von insgesamt vier Neurologen von "Sie können ja gar nichts mehr!" über "Nein, am Alter liegts nicht; ich kenne keine Frau in Ihrem Alter, die so läuft wie Sie" bis hin zu "Na das sieht doch ganz gut aus."

Ende des vergangenen Jahres bot mir die Heilpraktikerin schlussendlich die Eigenblutbehandlung an. "Als Infusion." Kosten: irgendwas zwischen 65 und 80 Euro je Infusion. Anfangs zwei pro Woche, dann nur noch einmal und nach rund 14 Behandlungstagen legten wir eine Pause ein.
Eine Pause bis heute.
Das Zittern der Hand und des Kopfes hat vollständig aufgehört, bereits nach der 3. Behandlung.
"Das bestätigt die Infektion im Nervensystem", hieß es von Seiten der beiden behandelnden Heilpraktiker in L und in M.
Mein Gang ist deutlich besser geworden, heute sieht mir keiner mehr etwas an, der mich nicht kennt.
Nach Ende der Blutbehandlung war meine körperliche Verfassung schwankend. Es gab wechselnde Phasen zwischen super und deutlichen Rückfällen. Mir ist bewusst, dass mein Körper noch immer ankämpft und mit mir kämpft. Oder ich mit ihm. Wir wollen wohl beide nicht aufgeben ;)
Jedoch die Phasen, in denen es mir besser geht, werden länger - und die anderen werden kürzer.
Seit dem Ende der Blutbehandlung nehme ich weiterhin zusätzlich Präparate, die den Heilungsprozess unterstützen, auch eine Neuraltherapie haben wir ausprobiert.

Mein neuer Hausarzt ist begeistert vom Ergebnis.
"Echt? Mit Eigenblutbehandlung habt ihrs geschafft? Also darauf wär ich echt nicht gekommen."

In der vergangenen Woche nun hörte ich, dass den Heilpraktikern die Anwendung der Eigenblutbehandlung verboten werden und nur noch den Schulmedizinern vorbehalten sein soll.
Ich persönlich bin sehr zurückhaltend, wenn ich zum Unterschreiben von irgendwelchen Petitionen aufgefordert werde. Auch der Mann sagt immer sofort: "Die wollen doch nur an deine Daten."
Hier jedoch habe ich überhaupt keinen Moment gezögert.
Diese Petition liegt mir persönlich grad aufgrund der persönlichen Erfahrungen sehr, sehr, sehr am Herzen. Und so betrachte ich mit wehmütigem Blick, dass die Zahl der Unterschriften nur sehr langsam, im Grunde zu langsam steigt. Auch wenn alle Petitionen geprüft werden, die keine 50.000 Unterschriften nachweisen können, so sinkt die Wahrscheinlichkeit einer Befürwortung, je weniger Stimmen für die Petition eintreten.

Wenige Wochen zuvor habe ich gegen Spahns Idee unterschrieben, dass Beatmungspatienten nicht mehr zu Hause bleiben dürfen, sondern in - ich formuliers mal so - Beatmungsheimen untergebracht werden sollen. Um irgendwelchem Missbrauch vorzubeugen. Ich lach mich tot. Als wüsste niemand, dass wir nicht jetzt schon an Personalmangel in Pflege und Versorgung kranken - und wie die Zustände in Pflegeheimen jetzt schon sind.
Der Zulauf zu dieser Petition war enorm. Ich bin nicht persönlich betroffen - aber ich hatte unterschrieben, weil ich die Thematik wichtig finde. Mir ist auch bewusst, dass man es nicht immer allen recht machen kann. Aber nur um (finanziellem) Missbrauch vorzubeugen... Einen größeren Schwachsinn habe ich selten gelesen.
Als ich vor, ich glaube, drei Jahren den Mann nachts in die Klinik brachte und wir nicht wussten, was ihn und uns erwarten würde, er aber später die Rechnung prüfte und der Kasse meldete "Diese ganzen Untersuchungen wurden dort aber gar nicht gemacht" und die Kasse antwortete "das ist uns egal, die Klinik hats so gemeldet, also bezahlen wir das so" - was ist das dann? Und will mir wirklich einer erzählen, dass es sich hier um Einzelfälle handelt?

Diese weitere neue Idee von Spahn, den Heilpraktikern die Eigenblutbehandlung wegzunehmen, kann ich absolut nicht nachvollziehen. Mir ist nicht ganz klar, was wirklich dahintersteckt. Natürlich gibt es immer ein gewisses Risiko. Wenn die Mischung nicht stimmt. Wenn das Blutverdünnungsmittel vergessen oder falsch dosiert wurde. Wenn dann das Blut klumpt und ich entweder gleich beim Rücktransfer des Blutes sterbe oder anschließend eine Embolie entwickle.
Wenn so etwas passiert, dann macht es keinen Unterschied, in wessen Praxis ich sitze - dann stehen die Sterne so oder so nicht gut für mich. In einer Praxis kann mir der Schulmediziner genauso wenig helfen wie der Heilpraktiker - aber beide wissen, was dann zu tun wäre.

Wer hat hier eigentlich Angst vor wem?
Wird der Heilpraktiker dem Schulmediziner zu stark, auch wenn die allgemeine Anerkennung für den Heilpraktiker immer noch einiges zu wünschen übrig lässt?
Bei meiner Heilpraktikerin bin ich immer ungefähr eine ganze Stunde lang - beim Hausarzt tatsächlich nie länger als fünf Minuten.
Sie probiert aus - der Hausarzt probiert auch nur aus.

Ich persönlich bin für eine Kombination aus beidem, denn beide können sich absolut ergänzen - mit ihrem Wissen und ihrem Können. Mein neuer Hausarzt ist da völlig offen. Aber er hätte mir nicht helfen können - sie hat mir geholfen. Wo wäre ich heute ohne die Heilpraktikerin?
Wäre ich inzwischen komplett arbeitsunfähig?
Wäre ich irgendwann komplett mittellos, weil ohne Job kein Einkommen und ohne Einkommen keine wirkliche Existenz?
Warum dem einen etwas wegnehmen, das er genauso gut kann wie der andere?

Wer bis hierher gelesen hat.. und wer vielleicht genauso denkt wie ich.. Dann bitte.. lasst Eure Stimme hier:
https://www.openpetition.de/petition/unterzeichner/kein-verbot-der-eigenblut-therapie-naturheilverfahren-erhalten?fbclid=IwAR05-4sdVoO3YSLONWRhiy9nsmm1ZuH67epcs2L0mcI9JHH7vNnkZSog9ow

Eine Stimme allein kann nicht immer viel bewirken. Aber viele Stimmen zusammen.. vielleicht doch. Ich würde mir das ganz sehr wünschen. Nicht nur für mich allein.

Samstag, 14. September 2019

Zuviel und zu wenig



Ich bin nicht nur gut im Prokrastinieren von Dingen, die mir nicht so liegen. Ich bin auch gut darin geworden, Dinge auszublenden, die mir nicht gut tun. Insofern hat es dann und wann Zeiten gegeben, in denen ich mich beispielsweise monatelang aus sozialen und sonstigen Netzwerken zurückzog, mich auf meine ganz persönliche Insel zurückzog, auf die ich nur ganz wenigen Menschen Zutritt gestattete. Phasenweise manchmal nur noch meinen Kindern - doch diese ganz "engen" Phasen währten glücklicherweise nie lange. Glücklicherweise deshalb, weil es eigentlich gar nicht meinem Wesen entspricht.
Denn eigentlich bin ich gerne gesellig, rede meist wenig, manchmal auch viel, höre meist zu, manchmal bin ich mit meinen Gedanken ganz woanders. Im Grunde muss man mir eigentlich nur meinen ganz eigenen Raum lassen. Das geht nicht auf Bestellung, das funktioniert nicht, wenn der Mann sagt: "In drei Tagen bin ich da und dort, dann hast du Zeit zum Malen, Schreiben, whatever."
Man kann sich nicht vornehmen, wann man malt oder schreibt. Oder besser: ICH kann es mir nicht vornehmen. Für mich muss es fließen. Vermutlich würde ich deshalb auch nie ein Buch schreiben können (wie eine Freundin mir öfter empfahl) und nicht mal Kolumnen für eine Tageszeitung (wie mir mal ein ehemaliger Vorgesetzter ans Herz legte). Ich könnte vermutlich nie eine Deadline einhalten, weil ich nie sicher sein könnte, dass es bis dahin fließt. Aus dem Kopf heraus über die Finger auf die Tastatur.
Ich brauche Dinge, die mich inspirieren, und ich brauche meinen eigenen Raum dazu. Diese ganz persönliche Insel in meinem Kopf.


Es ist der letzte Tag unseres Urlaubs, morgen früh geht es wieder nach Hause - auch wenn der Mann gerne erst am Abend fahren wollen würde. Er ist dafür, den Tag mit dem wundervollen Sommerwetter noch zu nutzen, während ich in meinem Kopf schon wieder all die Kleidchen in den Koffer lege, die Rückfahrt überwinde, daheim die Taschen auspacke, dem Murmeln der Waschmaschine zuhöre, während ich dabei bin, Abendessen zuzubereiten und der Mann die Kerzen entzündet, zu denen ich die Pinienzapfen legte - und wir den Abend entspannt ausklingen lassen. Denn da sind sie schon wieder, diese wundervollen Frühherbstabende, die ihre wunderbare melancholische und doch nicht schwermütige Stimmung mitbringen. Ich liebe diese Abende soooo sehr!!!
Und in diese Vorstellung hinein passt nicht, dass die Rückreise irgendwann in der Nacht endet, wo man weder Zeit noch Muße hat, Wäsche zu sortieren oder einen letzten freien Abend vor Arbeitsbeginn zu zelebrieren.
"Ihr werdet Euch schon einigen", schrieb mir heut jemand, und ich musste lächeln: "Bis jetzt ziehen meine Argumente noch." Und wenn die nicht mehr ziehen, zieh ich mich eben aus. Wenn das auch nicht mehr zieht, zieh ich eben aus. So wirds werden :)

Und während ich hier die vergangenen Tage resümiere, der Mann sein letztes Battle für heute Abend gegen den virtuellen Feind führt und ich außerdem in die Musik eintauche, über dieses Video stolper, da denke ich einmal mehr.. dass es in der Welt viel zu oft viel zu viel Raum für Negatives gibt - und all das Schöne, das Wunderbare, das Leichte viel zu kurz kommt, viel zu wenig Beachtung findet. Warum ist das eigentlich so? Dass das Negative im Kopf bleibt, man mitunter tagelang darüber spricht oder nachdenkt, während man Positives und Wunderbares hingegen zwar zur Kenntnis nimmt, aber im oft gleichen Moment auch wieder zu den gedanklichen Akten legt?
Wann ist das passiert, dass Meinungen und Argumente als Angriff und nicht mehr als das genommen werden, was es ist: eine Meinung und ein Argument?
Wie konnte das passieren, dass die Stimmung unter den Menschen so gekippt ist und Gruppierungen wie eine AfD so stark werden konnten?
Wie konnte es so weit kommen, dass man einander nicht mehr wirklich zuhört, stattdessen übereinander herfällt?
Heute, an unserem letzten Nachmittag am See, da haben wir einen kleinen Jungen gesehen, wie er am Ufer stand und gefühlt eine halbe Stunde lang immer nur rief "Hey!" Ohne wirklich irgendwo hinzusehen, ohne wirklich jemanden anzusehen - er stand einfach nur am Ufer.
"Ob das ein Junge mit Autismus ist?" fragt der Mann.
"Ich weiß nicht", antworte ich nachdenklich und füge nach einer Weile hinzu: "Ist es nicht irgendwie traurig, dass man immer sofort denkt, jemand habe irgendein Problem oder sei irgendwie krank, nur weil er... irgendwas macht, von dem wir nicht wissen, warum er das tut? Nur weil er irgendwas macht, das anders ist?"

Manchmal denke ich.. vielleicht bräuchten wir alle nur ein bisschen mehr.. Musik, Liebe, Lachen..
Von allem Guten ein bisschen mehr, und sei es ein bisschen mehr Aufmerksamkeit dafür - und vielleicht würde es ausreichen, um dem Negativen ein bisschen mehr Raum zu nehmen?
Sollten wir alle nicht viel mehr lieben, lachen, tanzen und singen? Das Negative bleibt uns sowieso - aber muss es denn mehr Raum bekommen als es sollte?

Gestern Abend sind der Mann und ich in den Nachbarort geradelt - und haben dort einen kleinen Shop entdeckt, der handgemachte Schuhe verkauft. Jedes Paar ein Unikat. Man kann es vorbestellen, aber man wird nie genau wissen, was man bekommt. Außer dass man die Farben selber zusammenstellen kann - von der Sohle über den Korpus bis hin zu den Schuhbändern.
Ich habe mich für ein Paar roter Schuhe entschieden - und sie gleich mitgenommen. Nicht meine Größe, und trotzdem passten sie wie angegossen. Glück gehabt! Mein allererstes Paar rote Schuhe - und ich bin schockverliebt. Und immer, immer muss ich an die Worte einer Freundin denken, die mir nach dem Kauf eines roten Kleides mal schrieb "Gute Wahl! Rot ist die Farbe der Energie."
Und immer, wirklich immer lächle ich beim Kauf eines roten Accessoires, denke an ihre Worte und denke vor allem an eines: wie sehr ich dieses tiefe, leuchtende Rot liebe und wie viel Lebensfreude es in mir erweckt. Ist ja nicht so, dass ich nicht wüsste, dass und wie sehr ich es liebe, dieses Leben.
Aber ich liebe auch genau die Auslöser-Momente, die sie hervorsprudeln lassen.
Sei es nun der Kauf eines Lieblings-Accessoires - oder der Anblick der selbst gesammelten Pinienzapfen morgen Abend neben unseren Kerzen, worauf ich mich schon jetzt wie irre freue. Dafür ziehe ich mich dann gerne aus ;) 

Donnerstag, 12. September 2019

Three Times



“They say, you die three times. Once, when you stop breathing. Once, when the last person to know you dies. And once, when what you created is forgotten.”


Fünf Tage außer Raum und Zeit.
Fünf Tage, die wir einander schenken, um allem den Rücken zuzuwenden, an die Hand zu nehmen, ins Wasser zu springen oder gemeinsam am Ufer sitzen, liegen, stehen. Und während er über den endlos scheinenden See schaut, die Hand schützend über die Augen gelegt, beuge ich mich hinab, um Pinienzapfen aufzulesen oder kleine runde Steinchen, glattgewaschen vom Wasser, kleine Handschmeichler für den Alltag, die Du immer in die Hand nehmen kannst, die Augen schließen und Dich von einem Moment zum anderen wieder völlig zurückfinden kannst in jene Tage, die so außer Raum und Zeit sein sollten... Herabgefallene Feigen und Oliven einsammel und der Mann fragt "Was willst du mit dem ganzen Zeug?" und ich strahle ihn an: "Trocknen, die Kerne einpflanzen und gucken, was rauskommt!" "Du weißt aber schon, dass wir eigentlich gar keinen Platz dafür haben?"
"Wir gucken einfach mal", schlinge ich meine Arme um seinen Hals.
Fünf Tage, in die ich nichts mitnehmen wollte an Sorgen, an Kummer.

Fünf Tage, in denen mir bewusst wird, dass das Leben sich immer weiter dreht, dass Du dem Lauf der Geschichten nicht entkommen kannst. Und Du all Deine Vorsätze über Bord wirfst, weil Du nicht nicht teilhaben kannst. Nicht an den Verletzungen, die der eine dem anderen zufügt, und die manchmal Spuren hinterlassen. Nicht am Tod eines Menschen, von dem Du erst jetzt erfährst. Jetzt, zwei Monate später.  Eine Nachricht, die Dich genauso betroffen macht wie die Information, dass ein Kollege sich verabschiedete. "Vermutlich für immer. Sie vermuten Speiseröhren- oder Lungenkrebs."
Auch nicht am Tod eines Menschen, von dem Du noch gar nicht wirklich weißt, wie Du diese ganze Geschichte einordnen sollst und ob sie in ihrer Gesamtheit überhaupt.. tatsächlich wahr ist. Dein Bauchgefühl regt sich schon länger, es wehrt sich schon seit Wochen, doch heute schweigst Du, als man Dir sagt, dass Deine Zweifel es nicht besser, eher schlimmer machen.
"Es reicht mir schon, dass ich hier um mich rum nur negative Gedanken höre."
"Das kann ich dir nachfühlen", versuche ich behutsam zu sein, "ich.. fühl mich nur nicht negativ.. Bin ich aber vielleicht objektiver, weil mit viel weniger Emotionen darauf schaue als du? Du bist es, um die ich mich sorge." Und: "Pass gut auf dich auf, bitte", füge ich hinzu.

"Wir könnten doch hier leben", bricht der Mann in meine Gedanken und in virtuelle Wortwechsel hinein. "Ich habe hier die Berge und du, du hast den See. Das ist doch fast dasselbe wie das Meer."
Ich schaue zu ihm auf, lege den Kopf schief, lächle ihn an.
Es ist auch nicht fast dasselbe, denke ich geduldig. Hier fühle ich nicht jene unendliche Tiefe und Weite, nicht jene Freiheit, frei wie ein Vogel über der Wasseroberfläche dahinzufliegen oder wie ein Fisch tief einzutauchen.. Hier fühle ich nicht den Wunsch, die Augen zu schließen, die Arme auszubreiten und frische Seeluft tief in mich einzuatmen.
Nein, das ist auch nicht fast dasselbe.
Aber ich fühle mich wohl. Hier und jetzt fühle ich mich wohl und geht es mir gut.
Ich trage dieses Kleidchen aus feinem weichen Stoff, das um die Beine flattert.
In meinem Kopf trage ich noch immer tausend Gedanken und noch mehr Ideen, was ich alles noch erschaffen möchte, was ich alles noch tun und geben möchte. Was ich insbesondere meinen Jungen immer noch mit auf ihren Weg geben und für sie tun möchte. Und in mir trage ich die beinah unerschütterliche Hoffnung, dass mir für all diese Dinge noch genügend.. Raum und Zeit bleiben.
An all dies dachte ich auch, als wir heute durch den Abend radelten, oben auf dem Deich, hindurch die Plantagen mit Kirschen, Kiwis, Wein, und da überkam es mich wieder.. Dieses wunderbare Gefühl des Lebens, des Seins, des sich Fallenlassens in nur diesen einen Moment, des wunderbaren Augenblicks und dieses Gefühl.. dass die Welt ja doch für einen einzigen Moment stehenbleiben, innehalten kann. Und Dich glauben lässt, für diesen einen einzigen Moment seist Du tatsächlich aus Raum und Zeit gefallen..


With shortness of breath, I’ll explain the infinite

How rare and beautiful it truly is that we exist.

Dienstag, 27. August 2019

Habt Ihr schon mal auf die Ohren bekommen?

In einem Telefonat mit meinem nordischen Lieblingskollegen fragte er mich zunächst, wie es mir denn ginge, und dann erzählte er von sich und seiner Frau und dass die beiden neuerdings Ohrenkerzen nutzen.
"Kennst du die?" fragte er mich und ich musste gestehen, noch nie davon gehört zu haben. Gibt sie ja in Europa auch erst seit ca. 20 Jahren - und ich war ja immer schon ein Spätzünder ;)
Aber in Zeiten des Internets ist es ja heutzutage so einfach, nicht nur was nachzulesen, sondern sich auch gleich was zu ordern. Schwierig ist eigentlich nur die enorme Auswahl.

Die Ohrenreinigung selbst ist dabei sekundär für mich, mir fiel beim Lesen aber vor allem ins Auge, dass es auch gut auf das Gleichgewicht wirkt und auch das Drehen im Kopf mindern kann. Sicherlich setzt das voraus, dass eine im Gleichgewichtsorgan angesiedelte Beeinträchtigung oder Schädigung vorliegt, die ich ja offenkundig nicht habe.
Aber warum nicht trotzdem mal ausprobieren? Eine Jahrhunderte alte Tradition nicht nur der Indianer, und wenn wir der chinesischen Medizin vertrauen, wieso dann nicht auch der der Naturvölker? Als ich las, dass die auch gut für Tinnitus-Patienten sind, weil sie den Druck im Kopf mindern, Stress reduzieren und sich auch insgesamt ausgleichend auswirken, da dachte ich, na hey, das ist doch nicht nur was für mich, sondern auch für den Mann :)

Ich ordere mir jetzt erstmal ein Probetütchen und dann kann ich ja später mal erzählen, ob und wie es funktionierte. Die Schulmedizin kann und will mir ja nicht helfen, also muss ich selber Wege finden. Und das Finden geht oftmals erstmal übers Probieren.
Der Kollege aus dem Norden jedenfalls ist sehr angetan.

Finde den Fehler



In der Nacht zum Montag träumte ich, ich sei mit einem silbernen Firmenwagen (den ich gar nicht habe, haha) auf einer dreispurigen Autobahn bei Regen unterwegs, zu schnell freilich, und würde einen ziemlich ordentlichen Unfall verursacht haben. Wie und warum ich mit einem Mal zu Hause war, blieb ungeklärt, aber ich bin dann mit meinem kleinen Schwarzen nochmal da hingefahren - und habe mir an selber Stelle nochmal Blessuren geholt. Wie und warum ich mit einem Mal wieder zu Hause war, weiß ich auch nicht - aber ich stand in einer Tiefgarage, zusammen mit dem Mann und einem Parkwächter, der das Auto aus einer Art Duplex hochfahren ließ. Mir die linke, deutlich ramponierte Seite des Wagens zeigte und der Mann sagte mit Tränen in den Augen zu mir "Warum hast du mir nichts davon gesagt?" Und ich antwortete: "Ich kann dir einfach nicht erklären, warum ich es dir nicht gebeichtet habe. Ich kann dir nicht erklären, wie ich nach Hause gekommen bin und wieso ich überhaupt einfach abgehauen bin."
Im Traum selbst versuchte ich mir immer wieder zu sagen: Hey, du träumst, wach auf, ist alles gut!
Im Traum bin ich erwacht und musste feststellen: Ich habe nicht geträumt, ich habe nicht nur großen Schaden angerichtet, sondern bin auch noch einfach abgehauen.

Einigermaßen verwirrt war ich entsprechend, als der Mann mich zum Abschied weckte. War ich nun eine gesuchte Flüchtige - oder war doch alles nur ein Traum?
Erleichtert schwang ich mich jedenfalls eine Stunde später auf meinen Bürostuhl und knipste den funkelniegelnagelneuen silbernen Laptop an. Der Bildschirm blieb duster. Nix passierte, außer dass der Powerknopf leuchtete. Alle möglichen Kabelagen kontrolliert - nix. Alles passte, nix ging. Das Bild ließ sich auch nicht auf den externen Monitor umleiten. "No Signal" beharrte der.
Also erstmal verschiedene Seiten im Netz gewählt, x Möglichkeiten ausprobiert. Nix passierte.
Anschließend ans Telefon gehangen und die IT in L befragt. Einen absolut versierten, aber sichtlich irritierten Nerd vorgefunden, der auf den in der Hauptplatine integrierten Grafikchip tippte.
"Ziehen Sie doch mal den Netzstecker und halten Sie die Powertaste mindestens 20 Sekunden gedrückt!"
Alles schon versucht - aber nu ja, dann eben nochmal. Nix.
"Das ist echt komisch", wunderte er sich - und er wunderte sich auch, dass ich keinen, auch keinen versteckten Reset-Knopf besaß.
Und nun, meine bunte Kuh, was sagst du dazu? Neugerät. Garantie.
Also den Herstellerservice bedient und irgendwo im tiefen Polen gelandet. Die wiederum hinterfragte gar nicht erst von wegen "Drück mal hier oder versuch mal das", die lösten gleich einen Suchbefehl Abholservice aus.
"Wie lange wird das dauern?"
"Ätwa einä Wochä. Mindästäns."
Hui! Sie haben soeben eine Woche Urlaub gewonnen! Blöd nur.. Die Gehaltszahlung steht diese Woche an - wie erledigen ohne PC? Für alles andere wäre ich ja entspannt genug, alles an die liebensgewürzigen Kolleginnen abzutreten (und die eine hatte gestern echt schlechte Laune deswegen und meinte auf mein Lachen "Ja ne, das finde ich jetzt nicht witzig." :D )
"Soll ich dir deinen Alten schicken?" bot die andere Kollegin an.
"Nutzt nix. Den habe ich letzte Woche plattgemacht. Da ist nix mehr drauf."
Mich so einfach zurückzulehnen, hat dann aber doch nicht so hingehauen. Den ganzen Tag hing ich am Telefon, entweder, um irgendwas zu koordinieren oder um Hilfestellung zu leisten - oder einfach nur Fragen zu beantworten.
Eine Garantieerweiterung angeleiert, nach der man auch einen vor-Ort-Service buchen kann. Geht schneller - und Zeit ist in diesem Falle tatsächlich bares Geld ;) Dafür die Abholung gleich wieder storniert.
"Wieso in unserem Zuhause?" klagte der Mann. "Geht das nicht woanders? Gibt es vielleicht ein Servicecenter in M, wo du es hinbringen kannst?"
Hab ich gefragt, gibt es nicht. Was denkt er denn auch überhaupt? Dass ich in Gefahr käme? Oder vielleicht gleich mit dem anderen mitgehen täte?
Jedenfalls... ist der Arsch kein Gänsehals... und irgendwann am Abend war dann der Akku (irgendwo im Korpus drin fest verbaut, übrigens) leer. Wie ich drauf gekommen bin, weiß ich nicht, aber ich hab den dann einfach wieder ans Stromnetz gehangen, den Powerknopf gedrückt - und siehe da. Alles ging wieder. Was mich übrigens seeehr erleichterte, denn erstmal habe ich ganz schnell die extra dafür erworbene externe Festplatte angeklemmt und sämtliche lokalen Daten und Programme gesichert. Was ich seit gut einer Woche hätte tun können und sollen. Man ist viel zu sorglos, manchmal. Aber man kommt ja auch nicht auf die Idee, dass schon nach 3 Wochen ein Gerät nicht mehr funktioniert? Vielleicht keins aus der HighEnd-Klasse, aber immerhin schon ein hochwertiges Teil.
"Ach", lachte der sehr nette Mann aus der nunmehr deutschen Premium-Service-Abteilung. "Das kann Ihnen schon nach drei Tagen passieren."
"Hm, das spräche dann aber nicht für Ihre Geräte. Bitte retten Sie uns, ich muss das Gehalt auszahlen können diese Woche. Wir sind alle bedürftig."
Wir haben uns beide amüsiert und nebenbei dafür gesorgt, dass mir schnellstmöglich wieder auf die digitalen Beine geholfen würde. Hachz! Ich liebe es, wenn Menschen so höflich, freundlich und so unterwegs sind. Deswegen war ich ja auch so gut drauf, ganz im Gegensatz zu meiner knurrigen Kollegin :)
Und ich schwöre, der Typ aus dem Frankfooorter Servicecenter, der klang echt wie der Beamtentyp aus dem Link da oben. Als ich was sagte von wegen "Machen Sie mal, ich trink derweil einen Schluck Kaffee", meinte er begeistert "Hey, das ist eine seeeeehr gute Idee!"
Hätte er jetzt noch BINGO gesagt, DAS wärs ja dann gewesen :)

Heute Morgen war FedEx übrigens da und wollte den Laptop abholen.
"Tut mir sehr leid, dass Sie umsonst gekommen sind, aber ich hab das gestern Vormittag schon wieder storniert gehabt."
Er hat gelacht und gemeint: "Sehen Sie, wir sind doch nicht die Schnellsten."

Und darauf jetzt noch ein Käffchen.

Freitag, 23. August 2019

Nicht jeder Vogel kann auch fliegen

Anruf gestern beim Chef, während ich ihm gegenübersitze.
"Schicken Sie uns Ihr Konzept und die Zahlen bis Montag - und setzen Sie mal den Herrn Tauer in Kopie."
"Tauer hab ich noch gar nicht in meinen Kontakten. Wie schreibt man den? Mit Th?"
"Nein nein, ganz normal, wie den Turm!"
"Tower" kritzle ich also pflichtbewusst auf die Schreibtischunterlage.

***

Leute gibts, die greifen bei Missverständnissen zum Telefon und klären es auf kurzem Wege.
Gibt aber auch Leute, die schreiben eine E-Mail und nehmen Leute in den Verteiler auf, wo man sich am Ende fragt, ob er nicht noch gleich die Putzfrau mit reinnehmen hätte mögen.
Manchmal entwickelt sich sowas aber auch zum Eigentor.
"Vielen Dank für Ihre E-Mail und Ihre Einschätzung, ob das Projekt zeitkritisch ist oder nicht.
Ihre Argumentation kann ich so nicht nachvollziehen. [...] Der Zeitverlust beträgt 5 Monate. Das geht zu Ihren Lasten."
Wenn mir so ein süffisanter Ton entgegenschlägt und dann dies nicht nur mit Falschaussagen, sondern auch noch in besagtem Verteilerkreis, dann werde ich sehr, sehr genau. Um nicht zu sagen: pingelig. Scanne den Auszug der Aufgabenstellung, in der aktuelle Termine vom Absender (!) fixiert und von allen Verantwortlichen bestätigt wurden und schicke es ihm unter "Alle antworten" mit der Anmerkung "Ich möchte Sie höflich an die von Ihnen bestätigte Revision 01 und die darin enthaltenen Termine erinnern. Gerne überreiche ich Ihnen den Terminplan nochmals anbei."
Nach der haben wir nämlich noch drei und sechs Monate Zeit.
Süffisant? Kann ich auch. Direkt sein auch. Fick dich, Arschloch.

***

"E scheenes Auto haste", sagt der Chef gestern, als ich ihn in die Werkstatt fahre, damit er sein Fahrzeug wieder abholen kann.
"Ja", streichle ich leicht übers Armaturenbrett, "ich lieebe es! Und ich liebe es, dass mir jetzt sogar mancher Mercedes und BMW Platz machen, wenn ich angeflogen komme."
Außer heute der Scheißer in seiner Pupsfurzkarre kurz vor den Toren von M. Dreispurig. Begrenzt auf 120 kmh zwar, aber das bedeutet doch noch lange nicht, dass man 115 kmh fahren muss. Jedenfalls NICHT IN DER LINKEN SPUR, DU DREIMAL GELOCHTER AFFENARSCH! Zwar habe ich weder Lichthupe noch mich sonst irgendwie bemerkbar gemacht, aber irgendwie muss er trotzdem registriert haben, dass er mir auf den Sack geht. Und zwar mächtig.
Denn irgendwann fährt er in die Mitte und macht ein Handzeichen frei nach dem Motto "Wat willste denn, sind doch nur 120 kmh erlaubt?" Ich antworte mit bitterbösem Blick und behalte mein Antworthandzeichen sichtgeschützt. Ich kann jetzt keine Extra-Kosten gebrauchen. Sohn II war gestern in der Werkstatt, das war teuer genug. Ihr versteht.

Bildquelle: https://www.istdaslustig.de/spruch/14591


Und jetzt bin ich wieder in M, der Mann hat mir verständnisvoll soeben einen warmen Schokoladenpudding fürs Gemüt in die Hand gedrückt und nun wäre ich dann mal bereit fürs Wochenende.

Montag, 19. August 2019

Szenen einer Partnerschaft: das Trüffelschwein der Worte

Ich persönlich finde ja, dass man auch innerhalb einer Beziehung oder Ehe nicht alles gemeinsam machen muss und auch nicht sollte. Ich persönlich liebe und brauche Freiraum. Schwirre gerne aus, lerne gerne Land und Leute kennen und komm dann wieder nach Hause.
Als der Mann und ich uns vor Ewigkeiten kennenlernten, gehörte zum ersten Trennungsgrund auch seine Befürchtung, dass er innerhalb einer Beziehung seinen Freiraum verlieren würde.
Man kennt das ja: Mann und Frau lernen sich kennen, lassen anfangs alle und jeden (gerne auch ungefragt) an ihrem Liebesglück teilhaben, irgendwann gibts die zwei nur noch im Doppelpack und noch einen Tacken später beide farblich aufeinander abgestimmt und im worst case auch noch im selben Outfit. Bevorzugte Marke: Wolfskin.
Igitt.
Wir kannten uns damals auch gar nicht gut genug, um zu wissen, dass ich nicht nur Freiraum brauchte, sondern durchaus auch zugestehe.

Inzwischen, mit unserem vierten und ultimativ letzten Beziehungsversuch, weiß er es natürlich - und heute ist er derjenige, der vieles lieber mit mir als mit beispielsweise Rad- oder Wanderfreunden teilen möchte. Doch jede/r, der mich kennt, weiß, dass der Anblick hoher Berge in mir nichts anderes hervorruft als heimliches Augenrollen, gespickt von Kommentaren wie "Hm, ja, schön, ja, nett" - und den Gedanken an die körperlichen Qualen eines elendigen Aufstiegs. Treue Leser wissen, dass er mich schon zwei- oder dreimal ködern konnte mit "Du wirst es lieben, auf dem Gipfel zu stehen, nach all der Anstrengung - und dann dieser Blick ins Tal!"
Die Wahrheit war jedoch jedesmal, dass ich den letzten halben Berg auf dem Zahnfleisch da hochgekrochen bin, einen Puls von dreitausend hatte und obendrein das beklemmende Gefühl eines viel zu kleinen Atemweges. Ganz zu schweigen von den vielfältig ausgemalten Tötungsabsichten, für die mir zu äußern, geschweige denn auszuführen jedoch das letzte Quentchen Energie fehlte - bis auf die unter Aufbietung aller Kräfte durch die Zähne geknurrte Drohung: "Sprich! Mich! Nicht! An!"
Vom Dach der Welt die Aussicht zu genießen ist bei mir nicht! Ich liege da nur flach im Gras, Arme und Beine weit von mir gestreckt, und das einzige, was mich da überkommt, ist der pure Wille zu überleben!

Also nein. Wandern liegt mir nicht im Blut - und wird es in diesem Leben auch nicht. Berge mag ich am liebsten, wenn ich sie aus der Ferne betrachten darf, am liebsten in Gestalt von Fotos.
Du kannst mit mir stundenlang am Ufer eines Meeres entlanglaufen, kilometerlang, ich will auch unbedingt mal ins Watt und mir ein paar besondere Muscheln oder andere Meeresmitbringer suchen.
Aber Berge?

Insofern betrachtete ich die aktuellen Fotos des Mannes aus sicherer Entfernung vergnügt vom heimischen Sofa aus, während ich ein paar Bärchen-Pärchen genüßlich mit den Zähnen zerbiss und wehmütig feststellte, dass ich hiermit das letzte, in diesem Hause vorhandene Tütchen geöffnet hatte. (Ja ich weiß, letztens schrieb ich noch, ich würde keine Gummibärchen mehr essen nach dem Zahn-Desaster vor Jahren. Aber die hier lagen im diesjährigen Geburtstagspaket und.. was soll ich sagen.. diese köstliche Kombi aus süß und sauer.. ja mein Gott, mein Fleisch ist halt schwach.) Und schon wieder frage ich mich: Muss ich Euch jetzt eigentlich das Wörtchen WERBUNG vor die Augen knallen? Ich bin ja so unsicher manchmal.

Egal. Der Mann ist ja nun wieder da und mitgebracht aus den Bergen hatte er auch die Euphorie, mich doch auch mal zu jenem Ort in Ösi-Land zu geleiten, weil: "Ich finde das alles schön, aber noch schöner wäre es, wenn ich es mit dir genießen könnte!" Nett gesagt! Ein Mann weiß ja zumeist auch, welche Knöppe er bei (s)einer Frau drücken muss. Aber sobald neben der überzeugen wollenden Flut aus "Wellness! Schwimmen! Radfahren! Kaiserschmarrn! Topfenstrudel!" auch das Wörtchen "Spazieren" auftauchte, da wurde ich sofort misstrauisch. Da bin ich das Trüffelschwein der Worte! So wie heute in der ellenlangen, blumigen und lebens-überschwenglichen Nachricht einer Freundin mir nur ein Detail ins Auge fiel "Wie jetzt? Du kämpfst mit den Wechseljahren?"
Spazieren gehen klingt so harmlos! Aber doch nicht in einer Gegend, wo Dir frei nach Robinson Jr. nur eins widerfährt, sobald Du Deine Augen öffnest: "Was sehen wir heute? Die Berge! Ach.. Schon wieder die Berge."
Verdammte Axt, es ist KEIN Spaziergang, wenn ich ein paar Höhenmeter dazu überwinden muss. Das liegt mir nicht, weder im Blut noch in den Beinen. Und ich bin raus aus diesen Zeiten, wo ich murrig, aber trotzdem so ziemlich alles mitgemacht habe. Stellt Euch vor, ich bin erwachsen geworden. So ein bisschen jedenfalls. Und das bisschen reichte aus, um dem Mann das Versprechen aus der Tasche zu leiern: Spazieren meint tatsächlich spazieren. Und mit tatsächlich und erwachsen geworden bedeutet das bei mir: Ich bleibe stehen und kehre um, wenn ich merke, ich werde auf nen Berg gelockt. Da kenn ich nix. Da bin ich stur wie Maulesel. Eine Eigenschaft, die mir nicht erst das Alter antrainierte. Die wurde mir ob meines Geburtsorts schon direkt mit in die Wiege gelegt. Danke, Mama & Papa von der Küste. Sagte ich Euch schon, dass ich Euch liebe?

Das Wochenende jedenfalls ist gebucht - und ich werde berichten. Ob der Mann noch lebt, ob wilde Kämpfe ausgefochten wurden - oder alles Friede Freude Eierkuchen geblieben ist.

Sonntag, 18. August 2019

Was hat mich die letzten Tage...



...umgetrieben?
Der Gedanke an das Leben in L, die sich langsam abzeichnenden Veränderungen, die möglicherweise im kommenden Jahr zu erwartenden Veränderungen, die der eine (noch) mit gemischten Gefühlen betrachtet und an denen der andere auf seine eigene Weise recht schwer trägt. "Das Leben ist Veränderung", sage ich hin und wieder, aber mir ist auch bewusst, dass das nicht jedem leicht fällt. Was bleibt mir in dieser Situation? Zu vermitteln, auszugleichen, da zu sein, zuzuhören - und das Essen zuzubereiten. Denn wer jeden Tag mehr Energie verbraucht als er sich zuführt, der trägt umso schwerer. Heißt es nicht auch nicht umsonst, dass Essen & Trinken Leib und Seele zusammenhalten?
Bedrückend empfand ich von daher nur die Stimmung zwischen den beiden, denn nichts ist mir wichtiger als das Glück dieser beiden, an dem jeder auf seine eigene Weise, sein eigenes Tempo und sein eigenes Vermögen bastelt.
Und wenn der eine, von dem wir alle wissen, dass er am meisten von uns allen an dem anderen hängt, von "Hass auf den" spricht, dann.. zerreißt mich das. Dann will ich heilen, wieder zusammensetzen, wieder zusammenfügen - auch wenn mir bewusst ist, dass sie die Dinge allein regeln können. Mir ist jedoch auch bewusst, dass das, was derzeit geschieht, weit über die früheren Hahnenkämpfe hinausgeht. Und das tut weh. Denn dort, wo sie gerade sind, haben sie zuallererst.. nur sich.

...beschäftigt?
Menschliche Enttäuschungen - aus Ecken, an die ich im Traum nicht gedacht hätte. Sie wiegen nicht so schwer, als dass sie mich umgeworfen hätten, aber sie eröffneten mir einmal mehr, dass nicht jeder Mensch dein Freund ist, der es vorgibt zu sein. Ich muss nicht jemandes Erwartungen entsprechen - und das werde ich auch nicht. Ich selbst erhebe auch nur lediglich den Anspruch an einen anderen Menschen, dass er mich nicht wissentlich benutzt und verletzt, weder in Wort noch in Tat. Mit allem anderen kann ich, denk ich, umgehen und auch leben.
Ich selbst muss niemandem etwas beweisen, nicht als Mensch, nicht als Frau, nicht als Patient.
"Nimm mich wie ich bin" wird so oft und so gerne gesagt - aber im Umkehrschluss bei weitem selbst nicht gelebt. Das macht mich nachdenklich, manches Mal.

...angestrengt?
Die schlaflosen Nächte - weil der Mann in den Bergen wandern war. Ich weiß nicht, woran das liegt, aber die alleinigen Nächte hier in M ängstigen mich mehr als in L. In L fühlte ich mich wohler und sicherer, aber vielleicht bilde ich mir das auch nur ein. Vielleicht hab ich ja auch vergessen, wie das war.
Und so schlaf ich in den Nächten, in denen der Mann nicht da ist, auf dem Sofa, lass wie früher alle möglichen Sendungen über den TV flimmern - und nächtens spielt der Kopf seine völlig irre Musik, indem er alles durcheinanderwirft. Ich mich zum Beispiel in einem leeren Haus mit leeren Zimmern und dem Bruder des Mannes und seiner Familie wiederfinde, wo wir uns alle zu verstecken versuchen, weil ein Serienmörder sein Unwesen treibt. Irgendwie fliehe ich aus dem Haus, will jemanden anrufen, aber da ist der Mörder am anderen Ende. Und auf dem Weg in ein anderes Haus, das dem in L sehr, sehr ähnlich sieht, sagt er zu mir "Es ist egal, wohin du gehst. Ich finde dich."
Ich bekomm jetzt noch Schauer über den Rücken, wenn ich daran und an die Stimme denke.
"Du Krimi-Mimi", schimpft der Mann liebevoll, während ich mich verteidige "Ich habe nicht mal Krimis geguckt, sondern extra Bollywood."

Vier Tage lang lebte und arbeitete ich hier von früh bis spät allein, verließ das Haus nur, wenns wirklich nicht anders ging (aber nicht aus Angst, sondern rein aus Bequemlichkeit :)) - und erst am Tag seiner Rückkehr wurde ich auch inhäusig wieder aktiv: Wäsche waschen, bügeln, die Wohnung in Ordnung bringen, einkaufen, Abendessen zubereiten, Kerzen aufstellen, den Wein kaltstellen. Irgendwann musste ich über mich selber lachen: Da sage ich ja immer, dass ich auch sehr gut allein leben könnte (und ich weiß auch, dass ich es kann), aber da frage ich mich ja schon, wie die Realität aussähe ;)
Prokrastinieren jedenfalls kann ich ausgezeichnet. Hab ich einmal mehr gemerkt.

...gefreut?
Die Überraschung, die mir jetzt noch, über zwei Monate nach meinem Geburtstag, bereitet worden war. Eine echte Überraschung, weil von mir längst vergessen - von meinem Gegenüber aber nicht.
Liebe RRP, in die CD habe ich reingehört, die passt tatsächlich gut zu einem Sommerabend, wo man mit Freunden zusammensitzt und im Hintergrund leise lebensfrohe Musik läuft. Zumindest denke ich, dass sie lebensfroh ist, denn da gibts ja auch französische Passagen - und ich spreche kein Französisch ;)

Die Ankunft meines neuen Laptops. Ich bin schockverliebt. Er ist kleiner, handlicher, smarter als sein Vorgänger - und vor allem schneller. Und das Display ist so herrlich gestochen scharf, dass ich nicht mal mehr den großen Monitor bräuchte, um alles immer noch bequem lesen zu können.
Von der Akkuleistung habe ich mir zwar ein bisschen mehr versprochen - aber es wäre zumindest jetzt denkbar, die letzte Stunde eines Arbeitstages nicht mehr am Schreibtisch, sondern irgendwo im Cafe um die Ecke zu verbringen. Damit ein Feierabend auch wieder zu einem Feier-Abend werden kann ;)

...wütend gemacht?
Die Art und Weise, mit der manche Mütter erhöhte Unterhaltsansprüche für inzwischen erwachsene Kinder fordern (was sie rein rechtlich nicht dürfen). Und nicht nur unterschwellig, sondern ganz offen die Ansicht vertreten, dass der Vater am Kind wohl sparen wolle. Selbst aber nicht zur Unterhaltsverpflichtung herangezogen werden könne, weil "ha ha, ich verdiene zu wenig, ich muss nur fünf Euro". Echt, da kommt mir die Kotze.
Den eigenen Arsch nicht hochzukriegen, selbst nichts bewegen - aber sich jahrelang immer schön auf Kosten anderer auszuruhen. Vermutlich wird der Vater, der rund fünfzehn Jahre lang pünktlich zahlte und zum Kind eine gute Verbindung hat, um den neuen Betrag nicht drumherum kommen. Ich kann nur sagen "Halte durch", denn auch eine etwaige Studienzeit ist endlich. Er wird sich mit seinem Kind einigen können, denke ich. Jedenfalls hoffe und wünsche ich es dem Vater.
Es gibt solche Kackbratzen von Frauen, dass das selbst für mich als Frau, die ja auch Mama ist, unerträglich ist.

Kackbratzen die II.: Daran dachte ich übrigens in dieser Woche auch und wurde einmal mehr daran erinnert, warum ich öffentliche Toiletten meide, wann immer es mir auch nur irgendwie möglich ist. Dass wir alle mal müssen und auch Frauen nicht nur Rosenblütendüfte verabschieden - kein Ding.
Wenn man aber Toiletten betritt, in denen nicht nur alles mögliche rumliegt, sondern auch so ein derart durchdringender Gestank den kleinen Raum vernebelt, als habe jemand in den Papierkorb direkt neben dem WC geschissen (sorry, das muss jetzt so, denn es konnte offenkundig nur so), dann hörts echt auf. Wirklich, man konnte nicht atmen ohne Brechreiz - und stand zudem in einer Pfütze aus was auch immer.
Beinah fühlte ich mich erinnert an das WC vor einem Tempel in Indien - nur lag da tatsächlich schon an der Eingangstür alles voller Exkremente, so dass ich dem Mann sagte "Auch wenns mir oben wieder rauskommt - da kann ich nicht rein."
"Dafür ist die Benutzung kostenfrei", versuchte die begleitende RRP, angereist aus dem fernen Rheinland, zu Besuch bei der Familie und auf ein Date mit mir in der City, zu beschwichtigen - aber ganz ehrlich? Da zahl ich lieber Geld, habe dafür aber eine saubere Toilette.

Kackbratzen die III.: ..die vor einigen Tagen das Stadtamt in der Nähe von L mit Exkrementen und Farben und Aufschriften beschmutzt haben. Weil der Stadtsaal für eine Zusammenkunft der AfD vermietet worden war - und sich kurz zuvor der Kotz-Höcke angesagt hatte.
Man muss die Leute nicht gut finden, auch die Partei kann man (zu Recht) zum Kotzen finden - aber der Bürgermeister jener Stadt brachte es (in ähnlichen Worten) auf den Punkt: "Wir sind in einer Demokratie und solange diese Partei nicht verboten wurde, hat man ihr zuzuhören. Das ist ja das Schlimme an der heutigen Zeit: Dass niemand mehr jemandem zuhört. Es gibt keinen Dialog mehr. Man will den anderen von seiner eigenen Meinung überzeugen, am liebsten gleich mit Gewalt."
Und die kommt eben nicht nur von rechts, die kommt genauso auch von links - und mir persönlich macht beides Angst. Jegliche extremistische Formen machen mir Angst. Weil diese Gewalt, diese Gewaltbereitschaft mir Angst macht.
Ich meine, wer kommt auf die Idee, sich auf Häuserdächer zu stellen und Gehwegplatten von dort oben herunterzuwerfen wie während des G20-Gipfels in Hamburg??
Wie kommen linksgerichtete Musikgruppen auf die Idee, bei einem Demo-Konzert gegen (rechte) Gewalt sich in Chemnitz auf die Bühne zu stellen - und dort von Gewalt gegen Staat und Polizei zu singen?? Ist das jetzt besser?? Ist linke Gewalt legitimer als rechte?!
Gewalt ist nie niemals eine Lösung, darf es gar nicht sein, und so einige Bands sind seither aus meiner Musikdatenbank gestrichen.

***

Der Mann ist nun wieder zu Hause, die Nächte sind wieder erholsam ;) und auch der Sommer ist zurückgekehrt. Auch aus L klangen versöhnlichere Töne, so dass für mich momentan Grund genug herrscht, Musik in Ohr und Seele zu lassen, Leichtigkeit in Kopf und Seele zurückzulassen und einmal mehr dankbar zu sein für die Fähigkeit, mich selbst immer wieder ins Gleichgewicht zurückpendeln zu lassen. Dankbar zu sein für das Leben, das ich führen kann - mit den Menschen, die mich umgeben wollen. Dass ich das, was ich tue, mit Liebe tun kann. Mit Liebe und Herzblut.

Freitag, 9. August 2019

Herbst 2004



Herbst 2004.
Die auch nach dem ersten, dem zweiten und dem dritten Schock innerhalb von achtzehn Monaten immer noch beschissenste Zeit meines Lebens.
Und zugleich auch die Zeit, in der mir bewusst wurde, wie wunderbar das Leben immer noch ist.
Immer noch unvergessen jener Moment auf dem Marktplatz mitten in der Großstadt, ein so wunderbar sonniger Herbsttag - und dort stand ich, im Sommerkleid, die Jeansjacke weit offen, genau diese Musik in den Ohren und ich schloss die Augen und breitete die Arme aus und lächelte genauso breit. Einfach so. Nach innen und nach außen. Alles in mir war mit einem Mal herrlich sonnig. Und dann öffnete ich die Augen, lächelte immer noch und lief einfach weiter.
Immer noch unvergessen, dass ich seit jenem Augenblick viele, viele wundervolle Momente erleben konnte und durfte. Dass alles Stück für Stück immer leichter wurde, auch wenn mir damals noch nicht klar sein konnte, wie lange es am Ende immer noch Zeit brauchen würde zu heilen.

"Was vor uns liegt und was hinter uns liegt, ist nichts im Vergleich zu dem, was in uns liegt. Und wenn wir das, was in uns liegt, hinaus in die Welt tragen, dann geschehen Wunder."

Wo ich diese Zeilen las, habe ich vergessen.
Wer sie schrieb, habe ich auch vergessen.
Aber dass ich sie gelesen hatte, habe ich bis heute nicht vergessen.
Und verbinde sie noch immer mit genau jenem Herbstsonnentag auf dem Marktplatz in L - und der intensivsten Zeit meines Lebens. Insbesondere mit dem Wendepunkt seit jenem Tag.
Mir ist es wurscht, ob solche Weisheiten Kitsch sind. Ich liebe solche Worte, wenn ich herausgefunden habe, dass und wie sehr sie zu meinem eigenen Leben, zu meinen eigenen Erfahrungen passen.

Donnerstag, 8. August 2019

"Ich werde es bereuen"


...wusste ich schon letzte Nacht beziehungsweise heute Morgen gegen halb zwei, als ich kühn auf meine Pinnwand schrieb "Keiner mehr da? Ist doch erst 1:29 Uhr?"
Erstaunlicherweise war ich dennoch, obschon der Tag hier in L für gewöhnlich etwa zwei Stunden eher beginnt als im Home Office (nein, nicht nur der Restaurationsarbeiten wegen, ich habe auch Anfahrt!), ziemlich fit in Geist und Körper. Erst in der Nachmittagsglut spürte ich die ersten Anzeichen der Ermüdung und begehrte kaum etwas weniger als den Moment, endlich heimfahren und mich auf dem Sofa niederlegen zu können. Wenigstens für ein paar Minuten. Wohl wissend, dass genau DAS das Tödliche daran ist: Man steht anschließend vielleicht nochmal auf, aber das, was man eigentlich alles noch erledigen wollte, wird verschoben. Muss jetzt zum Beispiel die Steuererklärung wirklich WIRKLICH sein oder isses jetzt nicht auch egal, weil der Monat August eh schon begonnen hat, der Stichtag 31.07. damit so oder so überschritten - und im Monat August ja auch noch  mindestens 1 Besuch in L angesagt ist, an dem ich mich der Steuer von Junior I widmen kann?
Ich denk mal schon.
Wenn ich mir selber Ziele stecke, kann ich derart überzeugend prokrastinieren, dass ich mir selber hundertprozentig glaube und null Gewissensbisse verspüre.

"Kann ich euch noch was abnehmen?" fragte heute die latent gelangweilte dritte Kollegin und ich schlug spontan ein: "JA! Ein paar Kilos!"
Darauf hat sie sich natürlich nicht eingelassen. Schade eigentlich.
Wenigstens haben wir alle ein bisschen amüsiert herumgegackert und - mal abgesehen von der Lieblingsmucke - ein bisschen Schwung in das ob der Hitze träge Vorzimmer gebracht.
Davon blieb auch der Chef nicht verschont, der mit müde dicken Augen irgendwann am späten Vormittag das Büro betrat und bereits am frühen Nachmittag wieder verließ.
"Termine, Termine!"
Na Gott sei Dank! So lässt es sich wenigstens in Ruhe arbeiten und die wichtigsten Punkte von der to-do-Liste streichen.
So zum Beispiel eine seiner Wohnungen in L inserieren.
"Du Kapitalist!" habe ich an der einen und anderen Stelle entrüstet ausgerufen, wenn er zum Beispiel für einen Tiefgaragenplatz fünfzig Euro haben wollte. "Das sind ja Münchner Preise!" Oder für die Einbauküche fünfzig im Monat. "Überleg dir mal, was das im Jahr ist! Für diese kleine Küchenzeile! Also weißte!"
Der Mietpreis für die Wohnung selbst mag sicherlich der dortigen Gegend (eine der Nobelecken in L) entsprechen - aber wenn ich dran denke, dass ich das alleine löhnen müsste, lebte ich alleine...
"Ja gut, dann mach eben 25 Euro für die Küche. Und den Tiefgaragenplatz lassen wir für die große Wohnung, wir haben eh nur einen."
Schlecht verhandelt, hab ich gedacht, is ja schlimmer als auf nem Basar. Jetzt bekommt der potentielle Mieter zwar die Küche günstiger, hat aber keinen Stellplatz. Hm.
Ich musste dann auch ein bisschen lachen: Mit mir ist tatsächlich kein Pappenstiel zu gewinnen - ich verschenke mehr und denke offensichtlich einfach nicht unternehmerisch genug.
Und vielleicht gehe ich auch zu sehr von mir aus. Nur.. Ich verdiene für Ost-Verhältnisse wirklich gut, aber selbst mir würde diese Miete weh tun. Am Stadtrand von L, wo ich noch die Jungen-Wohnung habe, zahlen wir nicht ganz 150 Euro im Monat weniger - und das ist ne Menge Asche. Da könnt ich mich an Kaffee nicht nur besinnungslos trinken, sondern auch noch drin baden.
Und mit 44 m² finde ich die Wohnung jetzt auch nicht wirklich groß - bei zwei Zimmern. Die hat ja nicht mal ne Badewanne! So eine Wohnung taugt tatsächlich nur für eine Person - und die muss das auch erstmal zahlen können.
Ein bisschen ein schlechtes Gewissen habe ich aber dennoch, wenn ich grad selber lese, was ich hier so niederschreibe: Wenn Menschen bereit wären, auch seine Preise zu akzeptieren, hätte ich ihn dann nicht besser machen lassen sollen? Hm. Ich weiß es nicht, aber mir widerstreben knappe 600 Euro für zwei Zimmerchen OHNE BADEWANNE! Andererseits... Hier in M bekommt man dafür grad mal ein WG-Zimmerchen, das kleinste von allen und vermutlich ein Durchgangszimmer. Ist tatsächlich so bekloppt. So bekloppt wie Mietpreise von etwa zweitausend Euro mittlerweile für eine normale Wohnung mit drei Zimmern auf rund 65 Quadratmetern. Die haben nicht alle Latten am Zaun - schäume ich immer wieder, aber auch das hilft mir nicht. Wir leben immer noch in einer für uns viel zu kleinen Wohnung. Mir fehlt einfach ein bisschen Platz, ein bisschen Raum und Luft für ihn und mich.
"Du musst ja kein Home Office machen, du kannst ja auch hier im M arbeiten", grummelt der Mann hin und wieder - aber egal wie: Es wäre keine Lösung. Denn ob der Schreibtisch nun da ist oder nicht - die Wohnung bleibt zu klein. Man hat einfach keinen Rückzugsmoment. Und wenn man dann tatsächlich JEDEN Abend zu Hause ist, gar nicht mehr weg kann, mal die Jungs besuchen und nebenbei bisschen arbeiten und so, ich glaube, spätestens dann wird richtig eng im blauen Ziggenheim. Wenn ich eins so gar nicht mag, dann ist es dieses Aufeinanderhocken, jeden Tag, jeden Abend, egal, ob man Tischtennis draußen ums Eck spielt oder durch die Pampa joggt. Das tötet die Liebe und das Begehren. Jedenfalls für mich gilt das so. Und man kann ja auch nicht jeden Abend ausgehen. Ich muss mich auch daheim zurückziehen können, in die Welt des Malens, Schreibens, Musik hörens.
"Vor einem Jahr habe ich dir eine Staffelei geschenkt, bis heute hast du sie nicht benutzt", klagte der Mann letztens. Wie soll ich es ihm erklären, ohne undankbar zu erscheinen oder das Gefühl zu vermitteln, ich wollte zuviel? Ist es so vermessen zu sagen, dass ich noch wenigstens ein bisschen mehr kleinen Raum außer dem zum Wohnen und zum Schlafen brauche? Ist ja nicht so, dass nur ich diesen Wunsch hätte..
Wir hatten mal einen Traum vom Musik- und Mal-Zimmer.
Eins, wo Platz ist für all seine Vinyls und meine Staffelei und überhaupt das Malzeugs.
"Wir hatten viele Träume", resümiert der Mann dann nicht ohne Vorwurf.
Ich muss nicht alles immer sofort realisiert haben oder umsetzen. Es ist auch ein wunderbares Gefühl, auf etwas hinarbeiten zu müssen oder zu können. Es wäre nur schön, wenn.. da auch ein wenig Hoffnung bliebe. Aber die Hoffnung auf bezahlbaren Wohnraum in M habe ich mir längst aus dem Kopf geschlagen und von der Bucket List gestrichen. Stattdessen überlege ich derzeit alternative Wege.. Von denen der Mann jetzt aber auch nicht so angetan ist. Und vermutlich hat er auch Recht und es ist grad nicht der richtige Moment dafür.. Dann.. muss man warten können.

Grad frage ich mich, ob ich nicht doch zuviel will. Es gab mal Zeiten, da habe ich gedacht, gefühlt und gelebt: "Raum ist in der kleinsten Hütte, Hauptsache, man ist zusammen."

Und den heutigen Song, den habe ich gewählt, damit ich wieder hochkomme vom Sofa. S gibt noch einiges zu tun heute :)

Meine kleine Nachtmusik



Ich bin müde und ich sollte schlafen - morgen wird vermutlich wieder so ein anstrengender Tag wie heute.
Aber eigentlich bin ich auch wieder nicht müde - weil eingetaucht in die Musik.
Seit heute bin ich im Besitz des neuen Laptops, ein kleineres, handlicheres Modell - und was so läppische vier Jahre in der Elektronik ausmachen... ist schon irgendwie irre. Erschreckend fast :)
All die dienstlichen Programme und Apps wurden mir von der IT vom Laptop A wie Alt zu Laptop B wie Biegelnagelneu gespielt - das Private jedoch, was insbesondere die Musikdatenbank betrifft, war dann mein Part. Als ich mich am heutigen Abend dransetzte, ahnte ich unmittelbar danach: Das wird ne lange Nacht - oder ne kurze, je nachdem.
Wie ein Weltmeister habe ich kopiert, weil ich irgendwann auch feststellte: Huch, auf der externen Festplatte lungern ja auch noch ein paar Musikordner herum.
Überhaupt musste der Vorgänger komplett bereinigt werden, bevor ich ihn morgen abgebe.
Kurz vor 19 Uhr habe ich also mit Kopieren & Löschen begonnen, jetzt ham wers nach Eins, und wie gesagt: Ich sollte jetzt eigentlich ins Bett. Oder wenigstens wollte ich eigentlich längst meine Krimi-Serien geguckt haben.
Nu ja, man muss wohl Prioritäten setzen.
Dachte ich mir dann auch so, als ich iTunes startete und sämtliche kopierte Songs dort hinein aufnahm. Nebenbei ein bisschen bei youtube surfte, damits nicht gaaar so langweilig wird - und dann noch ein neues Album  entdeckte - "Dream Darling" von The Slow Show - sehr, sehr geil, trifft heute Nacht genau meinen Nerv - und ne, eigentlich nicht nur heute Nacht.
Man gönnt sich ja sonst nix!
Und wenn ich demnächst wieder von L zurück nach M brause, bin ich wieder allein in meinem kleinen Schwarzen, kann die Mucke aufdrehen, singen, schwelgen, mich treiben lassen hinein in ein wunderbar sonniges Wochenende. Zumindest hats der Wetterfrosch so versprochen.
Aber jetzt isses erst mal Mittwochnacht und ich hör noch ein bisschen mehr ins neue Album rein und dann.. vielleicht geh ich dann auch schlafen.

Freitag, 2. August 2019

Irgendjemand

...hat mir vor längerer Zeit mal gesagt, dass jemand allein daran, wie er auf Fragen reagiert bzw. diese beantwortet, unglaublich viel über sich preisgeben kann. Ist das tatsächlich so? Na dann nehme ich doch diesmal den Fragenkatalog (na gut, nicht alles) von Herrn Rain mit und fülle damit die letzte produktive Stunde des heutigen Tages :)

Was hörst Du gerade?
Tatsächlich auch nur den Lüfter meines PCs - aber das soll sich ja frühestens in einer oder spätestens in drei Wochen ändern - ich freu mich drauf! Und wehe, das funzt dann nicht.

Was ist das Letzte, das Du gegessen hast?
Ich gestehe - es war ein Schokocookie. Immerhin gabs bisher (aktuelle Ortszeit: 13:16 Uhr) nur ein schmales Frühstück und das bereits noch vor 8 Uhr. Woher sollte ich auch wissen, dass der Mann sich heute frei genommen hat? Manchmal reden wir augenscheinlich doch zu wenig miteinander ;) 

Wenn Du ein Buntstift wärst, welche Farbe?
Rot - ganz klar. Nicht so ein grelles, sondern ein wundervolles Tief-Rot. Hachz.

Wie ist das Wetter gerade?
Welches meint Ihr? Das da draußen oder das hier drinnen?
Draußen isses bedeckt, aber ziemlich warm. Hier drinnen isses bedeckt und eisig ;) 

Wer ist die letzte Person, mit der Du telefoniert hast?
Eine meiner Lieblingskolleginnen. Oder wars der Chef? Oder doch die andere Kollegin? Ach was weiß ich. So was merkt man sich doch nicht. 
Aaaah - Chef ruft grad an - also mit dem! Er wollte wissen, wieso ich eine Meldung an die Bundesbank einreichte mit ner Zahlung aus England. Wir ham doch gar keene Kunden in England?
Ne, haben wir nicht. Aber in der Schweiz. Mit ner deutschen Umsatzsteuer-ID und (vermutlich nicht nur) nem Konto in England :D 

Auf was schaust Du als erstes beim anderen Geschlecht?
Als allererstes nehme ich wahr, wie groß jemand ist. Ja, ich weiß, das ist oberflächlich. Aber nu ja, jeder hat ja so seins. Als nächstes auf Augen, Mund und Hände. Vermutlich auch in der Reihenfolge. Aber hey, das geht ja mitunter in Sekundenbruchteilen, woher soll ich das jetzt so genau wissen? 
Fakt aber ist: Jeder Mensch hat seine Aura. Da kannst Du aussehen wie Du willst - wenns nicht *kling* macht, hilfts dir alles nix. Umgekehrt hats schon *kling* gemacht bei Menschen, die eigentlich gar nicht in meine persönlichen Vorlieben fallen. 

Wie geht es Dir heute?
Gut! Ziemlich richtig gut sogar!

Was ist Dein Lieblingsgetränk?
Also wenn das immer noch keener weeß... 

Wie isst Du ein Hanuta?
Gar nicht. 

Welche CD hast Du Dir als letztes gekauft?
An dieser Frage merkt man, dass der Fragebogen tatsächlich schon mindestens zehn Jahre alt sein muss. CDs kaufe ich nicht mehr, seit es iTunes gibt. Weil es immer so ist, dass mir nie ein ganzes Album gefällt. Außer "Hands Open" von Snow Patrol und "Come Away With Me" von Norah Jones. Vor zwei Tagen hab ich übrigens grad wieder nen Song bei iTunes gekauft und prompt erschien in meinem Display "Von Ihrem Konto wurden gerade 8 Euro 13 abgebucht." Das fand ich seltsam, weil ich zuletzt zwei Tage zuvor einkaufen war - und bei Belastung der Karte sofort eine Nachricht erscheint. In den Apple-Einkäufen nachgeschaut, fand ich auch nix, das zum Betrag gepasst hätte. 
Also rief ich um exakt irgendwas nach zwanzig Uhr meine Bank an (ja, da kenn ich nix, und wer nen 24 Stunden Service anbietet, ist selber schuld) und die sehr nette Dame meinte "Das können Sie auch noch nicht auf dem Konto sehen, das ist erstmal nur wertgestellt. Von iTunes." 
Da warnse ja fix! Denn auch die Apple-Rechnung selbst kam erst einen Tag später. Holzauge, bleib wachsam!

Welche Augenfarbe hast Du?
Blau. Mal heller, mal dunkler, was mit Licht und Stimmung zu tun hat :) 

Trägst Du Kontaktlinsen?
Nein. Will ich auch nicht. Dieses Gemehre "rein in die Augen, raus aus den Augen" ist doch blöd. Ich brauch ja auch nur eine Brille zum Lesen - und da gibts doch inzwischen so richtig coole Gestelle. Also was solls. Brille, habe ich festgestellt, kann zuweilen sogar richtig sexy sein.

Geschwister?
Ja, zwei Brüder, einen großen, einen kleinen. Leider sehen wir uns alle viel zu wenig. Als Kinder haben wir drei uns oft geprügelt, ja, auch ich hab da mitgemischt. Aber heute, würde ich sagen, lieben wir uns tatsächlich. Vielleicht auch schon damals, und wir wussten das nur nicht :) 

Bist Du zu schüchtern, um jemanden zum Essen einzuladen?
Ich bin viel zu ängstlich, um überhaupt erstmal jemanden anzusprechen! Glaubt mir keiner, der mich kennt - aber erst muss ich sicher sein, dass ich keinen Korb kriege. Sonst gehe ich lieber alleine in ein schönes Lokal und schlage dort ein Buch auf oder betreibe Milieustudien ;) 

Magst Du lieber lustige oder gruselige Filme?
Weder noch. Ich mag Filme, die unter die Haut gehen. 

Sommer oder Winter?
Frühling und Herbst!!!!

Wie sieht Dein Mousepad aus?
Ich hab keins. Thats it. 

Lieblings-Fernsehprogramm?
ER, Greys, Medical Detectives, Autopsy, Criminal Intent. Nicht zu vergessen: Ich liebe Reportagen über Menschen. Menschen sind faszinierend und erschreckend zugleich.

Lieblingsspiel?
Hab ich so nicht wirklich. Ne Zeitlang war ich vernarrt in "PixWords". Aber da habe ich alle Level durchgespielt, mehr gibts leider aktuell nicht. Im Moment spiele ich deshalb gerne "Wissenstraining". Bin bei Lektion 318 und darf mich inzwischen als Koryphäe bezeichnen. Ich vermute aber, das hat lediglich damit zu tun, dass ich so lange durchgehalten habe. Denn viel weiß ich nicht wirklich, wenn ich so die Statistik sehe.
Was mich aber tatsächlich wundert: Meine Stärken liegen in Technik (Platz 1), Film (2) und Wissenschaft (3).
Musik kommt erst auf Platz 5, selbst die Politik kommt noch danach. Das wechselt zwar immer mal, aber was konsequent auf dem letzten Platz bleibt, ist Geschichte. Dabei hatte ich früher in der Schule in dem Fach immer ne Zwei. 

Lieblingsduft?
Habe ich auch nicht wirklich, ich wechsle gerne. An mir mag ich aber eher nur die süßen, unaufdringlichen Düfte. Blumig oder so - igitt, hau mir ab. 
Ich hab lange "Magnetism" von Escada geliebt, nehme ich auch heute noch ab und an. Wechselt mit "Girl of Now". Lustig fand ich: Als ich letztens in der Parfümerie stand und durchprobierte, zwischendrin auch immer wieder an den Kaffeebohnen schnupperte, da dufteten abschließend beide Arme nach gefühlt zwanzig verschiedenen Proben - und ich wusste nicht mehr, welches welches war. Also blieb ich beim Bisherigen. Jaaaa ich weiß, es liegen nicht umsonst Papierstreifen da. Nur auf der eigenen Haut riecht es tatsächlich immer noch mal anders. Und im Zweifel betupfe ich eben die eigene Haut. Auch zwanzig Mal die eigene Haut. Vermutlich muss ich mir das nächste Mal nur einen Stift mitnehmen und die Arme markieren. :)

Lieblingszeitung/Zeitschrift?
Ich lese nix davon. Nur Bücher oder im Internet.

Das schlechteste Gefühl?
Jemanden tief enttäuscht zu haben, der einen liebt. Das gibt mir selbst Wunden, die nie heilen. 

Das beste Gefühl?
Geliebt zu werden.

Dein erster Gedanke, wenn Du am Morgen erwachst? 
Örks, ich muss aufstehen, na ne, komm, noch n paar Minuten.

Würdest Du in den Big-Brother Container gehen?
Never ever. Ich interessiere mich für sowas nicht. Weils auch keine echten Milieu-/Charakterstudien wären. Letzte Woche unterhielten sich zwei Kolleginnen über das Sommerhaus der Stars. Da konntsch gar nicht mitreden, ich kannte es nicht. Ich hab dann diese Woche mal reingeschaltet und mich wirklich sofort gefragt, wer sowas guckt und was daran interessant sein soll. Wirklich, das geht nicht, Leute. 

Berg- und Talbahn: spaßig oder abscheulich?
Hmm, wohl eher: ziemlich herausfordernd. Eins hat mein Leben mich gelehrt: Wenn Du immer nur oben auf dem Gipfel eines Berges stehst, wirst Du um genau dieses Glücksgefühl eines Tages nicht mehr wissen, da oben zu stehen, die Augen zu schließen, die Arme auszubreiten und die Sonne zu fühlen. Immer unten im Tal bleiben zu müssen, wird Dir aber irgendwann die Lebensfreude nehmen. Von daher... hat wohl alles seine Berechtigung. 

Welches Buch hast Du zuletzt gelesen? 
Einen Thriller auf der Bahnfahrt nach Berlin, "Die Stimme der Toten". 
"Kauf dir doch ne Zeitschrift", hatte der Mann vorgeschlagen, aber ich fand, man muss sich schon selber treu bleiben. 

Gewitter oder Sturm: spannend oder schrecklich?
Spannend! Geil! Herrlich! Aufregend!! Solange ich zu Hause bin.

Dein erstes Auto?
Ein Trabant Kombi, eierschalenfarben. 1994. Hat leider nur etwa vier Wochen gehalten, dann zerschellte er durch meine Schuld in tausend Stücke. Auf einer Seite. Die andere Seite und ich selbst blieben unverletzt. Das andere Auto war auch Matsch, aber der Fahrer hat mich getröstet, und der Polizist mich auch. Getobt hat nur der heutige Ex-Mann. 
Kennt Ihr eigentlich den? "Wieviel Leute braucht man, um einen Trabi zu bauen? Zwei! Einer faltet, der andere klebt!" Ich fand den lustig :)

Wenn Du treffen könntest, wen Du wolltest, lebend oder tot?
Meine Großmutter. Ich würde ihr so gerne mein Leben zeigen, weil sie damals wohl die einzige war, die immer an mich geglaubt hat. Und die mich abgöttisch geliebt hat. Und wenn sie wieder gehen müsste (weil sie schon seit 30 Jahren tot ist), würde ich sie bitten, mir ihre blaue Strickjacke dazulassen. Die mit den braunen Holzknöpfen. Mich schmerzt bis heute, dass mir nichts von ihr geblieben ist außer wenigen Fotos. 

Lieblingsgedicht?
Eher ein Zitat: "Die Freiheit ist eine Treppe mit tausend Stufen, und kein Fahrstuhl."
Ich denke, dass kaum etwas mein Leben bis hierher besser beschreibt als dieses Zitat. Ich liebe es sehr.

Pepsi oder Coke?
Coke, eisgekühlt. Aber nur auf langen Autofahrten oder wenn der Blutdruck noch tiefer in den Keller rutscht als er so schon ist. 

Links- oder Rechtshänder? 
Rechts. Immer. Also was das Händische betrifft. 

Was hast Du unter Deinem Bett?
Als ich noch alleine wohnte, war da nix außer einem Karton, in dem ich meine Zeichenutensilien aufbewahrte. Ich bin da auch kein Freund von, unterm Bett alles vollzustellen. Alles muss seinen richtigen Platz bekommen.
Hier in der gemeinsamen Wohnung liegen dort vor allem die Weinvorräte des Mannes, mitgebracht aus der Toskana oder kistenweise beim Jaques abgestaubt. Die Wohnung ist auch dafür zu klein, ein Weinregal aufzubauen. 

Sternzeichen?
Zwillinge Aszendent Waage. Mond in den Fischen und da war noch irgendwas mit Stier in Häusern und so, aber das habe ich alles schon wieder vergessen.