Donnerstag, 17. Juni 2021

you were good to me



Irgendwo hatte ich mal gelesen: "Musik heilt deine Wunden, und reißt sie alle wieder auf."
Aktuell ist es so, dass sie meine Seele heilt. Wenn es noch ein bisschen dauert, bis ich wieder am Ufer des Meeres stehen kann, die Augen schließe, den Kopf in den Nacken lege, die Arme ausbreite, um ganz tief einzuatmen - dann muss es jetzt für den Moment die Musik sein.. 

..ich freu mich so, so sehr auf das Meer, ich freu mich so, so sehr auf die Tage dort. Ich freu mich unfassbar sehr auf diese Auszeit, ich mag barfuß durch den Sand laufen, die Sandalen in den Händen schlenkern, mir den Wind in den Haaren wuseln lassen. Hier und da einen Crepe essen vielleicht, ein Käffchen trinken sowieso, ich mag liebgewordene Plätze besuchen und neue erkunden. 
Ich mag eintauchen in das Meer, die unendliche Weite erahnen, mit kraftvollen Bewegungen durch das Wasser gleiten, nichts tun müssen, aber wollen.. mich treiben lassen und mir abends den Sand aus den Haaren waschen.. Ich liebe den Geruch frischer Haut und frischer Wäsche.. Ich liebe es, beim Autofahren das Fenster herunterzulassen und den Wind durch die gespreizten Finger fegen zu lassen, die Musik aufzudrehen, mitzusingen.. Am liebsten sind mir die Momente, in denen wir beide mitsingen.. 

Gut eine Woche war ich jetzt hier in L, nachher werde ich in aller Ruhe meine Sachen zusammenpacken, noch einmal überall ein wenig Ordnung machen, bevor ich morgen früh das Haus verlasse. An der Situation der letzten Wochen hat sich nichts verändert, alles ist nach wie vor noch genauso belastend, anstrengend, bedrückend, doch meine Seele erholt sich grad wieder. So ist es irgendwie immer gewesen: Ich kann eine ganze Menge ab, bevor es mich dann doch in die Knie zwingt, - aber für gewöhnlich dauert es nicht wirklich lange, bis sich mein inneres Ich wieder ordnet und sortiert und mit neuer Kraft wieder aufsteht. Wenn ich wenigstens ein was in den letzten Jahren gelernt habe, dann, dass ich meine Grenzen respektiere. Dass ich mich mit mir selbst beschäftige, in mich hineinhöre im Sinne von "Was braucht es jetzt, um wieder aufzustehen?" und das dann aber auch so mache. 

Wenn ich morgen nach Hause komme, gehören der Rest des Tages, der Abend und die Nacht mir ganz allein - und darauf freu ich mich. Ich bin gerne mal allein. Für mich selbst. Nicht gefordert werden, nicht sprechen müssen, nichts tun müssen. Mich wie früher auf dem Holzfußboden ausstrecken, die Augen schließen und die Vibration jedes einzelnen Klanges aufnehmen. Spüren, wie die Klänge auf der Haut tanzen, die Härchen sich aufrichten. In solchen Momenten kann ich überall dort sein, wo ich gerade sein will. Ich kann mich überall hindenken, hinfühlen - und zurückkommen und noch immer ganz beseelt sein von den Bildern, die in meinem Kopf wohnen. Es sind diese Bilder, aus denen ich  meine Energie ziehen kann, die mich tragen, für heute, für morgen. Diese ganz privaten, persönlichen Rettungsinseln, für die ich nichts brauche.. außer Zeit mit mir selbst.. und Ruhe um mich herum.. 
Ich empfinde das als meinen ganz persönlichen Reichtum, der mir nicht genommen werden kann.

Donnerstag, 10. Juni 2021

Die Summe aller Dinge


Durch das Lesen verschiedener Postings hab ich auch immer wieder in meinen eigenen Blog geschaut und schon auch registriert, dass ich ein Weilchen nichts mehr geschrieben hab. Sicherlich gabs Momente, in denen ich dachte, ich müsste das jetzt mal aufschreiben - und am Ende eines Tages war ich dann doch irgendwie zu müde, innen wie außen.

Es war.. irgendwie zuviel.
Und es war zuletzt keine gute Zeit. 
Erst gestern Abend debattierte ich mit einer Freundin und merkte an, dass sie  - für mein Empfinden - irgendwie nur noch damit beschäftigt sei, zu allen möglichen Ärzten zu gehen. Hier ist was, dort ist was, im Blut eine Abweichung, dort ein Normwert latent überschritten. Manche Dinge sind vielleicht aber auch wie sie sind, ohne dass deshalb auch gleich irgendwelche Erkrankungen dahinterstecken müssen. So wie eben der eine große Ohren, der andere kleine Ohren hat. 
Sie meinte daraufhin, sich jahrelang nicht um sich gekümmert zu haben - aber eben jetzt.
Was mich zur spontanen Frage bewegte, ob das "sich um sich selbst zu kümmern" tatsächlich meint, permanent in sich selbst hineinzuhorchen und alles und jedes zu hinterfragen? 
"Wäre es nicht eher Zeit, loszulassen und sich mehr auf das Leben zu konzentrieren?" fragte ich sie - und ich fragte das auch mich. 

In den letzten Wochen hab ich eine ganze Menge einstecken müssen. Dass es dabei fast niemals um mich ging, hat mir vermutlich geholfen, das überhaupt so lange Zeit aufnehmen und irgendwie "wegstecken" zu können. Aber eines Tages war dann der Punkt erreicht, an dem ich eben nichts mehr aufnehmen konnte. Ein Zeitpunkt, an dem dann auch mir Fehler unterliefen. Keine gravierenden, keine, die Geld oder Ansehen oder überhaupt irgendetwas kosteten - aber Fehler, die an mir nagen, weil sie vermeidbar wären, würde mein Kopf sich nur ein bisschen freier fühlen. Und Fehler, die das Gegenüber vergessen lassen, was man an den anderen 362 Tagen leistet. Ganz gleich, ob es sich um dienstliche Belange oder mentalen Beistand handelt. 
Man ist einfach nichts mehr, wenn man nicht an 365 Tagen seine einhundert Prozent perfekt abliefert. 
Es ist nicht so, dass ich das nicht kenne - aber derzeit werden meine Grenzen wohl neu gesteckt. 
Das waren Tage, an denen ich noch vor sieben Uhr zu Bett ging, völlig hinüber und innen wie außen erschöpft, ich mich gar nicht so selten in den Schlaf weinte und mich dann ab etwa drei oder vier Uhr ruhelos hin und her wälzte. 
Ich konnte mich zu nichts mehr aufraffen, kein Buch lesen, kein Spiel zocken, keine Musik hören, keine neuen Steine bemalen - nichts. Nichts, das mir irgendwie inneren Frieden verschaffen konnte. Das Miteinander mit dem Mann - ein stilles Miteinander, in dem er respektierte, dass die Zeit grad keine gute Zeit war. Ein Miteinander, in dem er sich dann und wann sorgte und sich vermutlich fragte, wann ein Zuviel auch tatsächlich zuviel war. Ein Miteinander, in dem er sich durchaus zurücknehmen konnte, andererseits aber auch spüren wollte, dass ich ihn immer noch wahrnehme. Als Mensch, als Partner - und als Mann. 

Es waren Wochen, in denen ich spürte, wie dünnhäutig ich sein kann.
Auf die Nachricht, dass mein Kollege ganz überraschend in der Reha verstorben ist, reagierte ich, indem ich einen ganzen Tag lang weinte. Das Leben im Office geht weiter, als wär nix passiert, während ich ihn immer noch vor mir sehen kann, mit dem breiten Grinsen und seiner Zahnlücke. 
Ich spüre, was es mit mir macht, wenn über Mitmenschen gelästert wird, wenn regelrecht schlecht über Mitmenschen gesprochen wird - und ich ertrage es nicht mehr. Nicht die Art und Weise, nicht die Wortwahl. Es widert mich an.
Wenn man ein Problem mit jemandem hat, geht man hin und sagt ihm das - oder man lässt es und hält einfach sein Maul. 
Ich ertrage es nicht mehr, wenn Menschen, die alles haben, sich über andere erheben, die nicht soviel haben, oder sich einfach für einen anderen Weg entschieden hatten. Es muss nicht jeder alles können.
Ich ertrage es nicht mehr, wenn Menschen Verantwortung übernehmen - und sich genau darüber tagtäglich beklagen und auslassen. 
Kann man nicht einfach nur mal dankbar sein, verdammt?

"Wäre es nicht eher Zeit, loszulassen und sich mehr auf das Leben zu konzentrieren?" habe ich gestern Abend meine Freundin gefragt - und ich beziehe diese Frage auch auf mich, wenn auch aus anderen Gründen. Vielleicht gelingt mir nicht immer der Spagat zwischen Zuhören und Abgrenzen. Aber mein Akku ist leer, verdammt leer. Leergesaugt von Menschen, die das nicht achten, nicht zu schätzen wissen.

Am Samstag fährt der Mann für ein paar Tage weg und ich hab mich entschieden, nach L zu fahren. Ohne ihn fühl ich mich hier irgendwie.. verloren.. ängstlich beinah - ein komisches Gefühl. In meiner Wohnung in L geht mir das kurioserweise gar nicht so - hier schon. 
Und im Juli fahren wir ans Meer. Endlich, endlich wieder ans Meer. Wie sehr ich eine Auszeit brauche, spürte ich vor etwa zehn Tagen, als ich morgens erwachte und am ganzen Körper zitterte - und das auch den ganzen Tag lang so blieb.
"Ich möchte dann bitte auch wirklich Urlaub haben", sagte ich zur Kolleginfreundin. Was bedeutet: nur Anrufe, wenn sie wirklich unumgänglich sind. 

Vor wenigen Tagen hatte ich Geburtstag. Wieso ich das dachte, kann ich nicht mal beantworten, aber ich sagte mir: "Wenn es kein schöner Geburtstag werden sollte, dann werde ich mich einfach umschauen, ob ich irgendwo ein paar Tage ans Meer fahren kann - und dann mache ich das auch, ganz alleine." Auf der Rückbank in der Tasche nur ein paar Kleidchen, Sandalen, Bücher und meine Musik. Und dann hätte ich in diesen paar Tagen niemanden hören, niemanden sehen wollen, sondern einfach nur mal an mich gedacht - und es mir gut gehen lassen.
Während ich das hier grad so aufschreibe, überkommt mich grad so eine Ahnung, warum ich im Moment so denke und fühle: weil ich so müde bin. So unfassbar müde, dass ich mich kaum über etwas richtig freuen kann. Ich lächle, ich lache, ich umarme - aber in mir drin.. ist Müdigkeit. Und das muss ich ändern. Wenigstens kann ich jetzt schon wieder Musik ertragen. 

Freitag, 30. April 2021

Anekdötchen zum Freitag

Auf dem Geschäftskonto befindet sich eine Abbuchung der Pinkfarbenen, die niemand wirklich zuordnen kann, weil die Rechnung dazu fehlt. (Stimmen meinen ja, der Chef hat sie bloß verbummelt, weil er der einzige ist, der sich erinnern kann, sie mal gesehen zu haben. Aber gut.)

Also nehme ich mir den Kontoauszug, hänge mich in die Leitung und bin nach sage und schreibe zwei Minuten am Bearbeiter dran. Von wegen Früher war alles besser! :)
Er prüft, wundert sich, verspricht mir eine Umstellung von Papier- auf PDF-Versand (der treue Leser erinnert sich vielleicht, was das vor Jahren für eine scheiß Verrenkung war, weil sich das online partout nie einrichten lassen wollte) und die Nachsendung einer entsprechenden Kopie.

Er: "Haben Sie sonst noch irgendwelche Wünsche zu dieser Rufnummer?"

Ich: "Nein, vielen Dank, sonst passt alles."

Er: "Weil, ich kann ja mal gucken... Warten Sie mal... Ach Gott, bloß ne Sechstausender Leitung... Das kann man doch optimieren."

Ich: "Ne, kann man nicht, das geht dort in dem Ortsteil nicht, das wird erst noch ausgebaut, das Netz."

Er: "Na ja, aber ehrlich, sechstausend.. Normal geht unter Minimum Sechzehn nix mehr."

Ich: "Ja das stimmt, mit Sechs fange ich auch gar nicht erst an."

Stille.

Er räuspert sich, ich kriege einen roten Kopf. Wenigstens sieht er den nicht!

Freitag, 23. April 2021

Stand By Me


Wisst Ihr, was das Geilste am heutigen Freitag war? Nicht nur, dass Wochenende ist. Nicht nur, dass ich wieder zu Hause mit dem Liebsten bin. Nicht nur, dass es allen, die ich liebe, gut geht - einschließlich meiner Eltern, die erst am Montag geimpft worden waren und bis auf eine schmerzende Einstichstelle zunächst keine weiteren "Blessuren" davongetragen hatten. Auch nicht nur deshalb, weil mein Vater mir unbedingt von einer gestrigen Erkenntnis berichten wollte: "Wusstest du eigentlich, dass ihr Frauen auch eine Prostata habt? Die liegt über der.. über der.. wie heißt die noch mal.. Kliotiris?" 
Ich habe so herzhaft lachen müssen, dass der Mann wortlos die Terrasse verließ und sich in das Innere der Wohnung zurückbegab, um dort in Ruhe ungestört weiter surfen zu können. 
Und ich dachte, ich schreib das jetzt lieber gleich mal auf, bevor ich seine neueste Wortschöpfung wieder vergesse :)

Aber nein: Das Geilste am heutigen Freitag war, in den drei komma fünf Stunden der Heimfahrt zu sehen und zu genießen, wie rechts und links des Highways die Natur komplett aufbricht, alles neu erblüht - und alles wieder genau so herrlich farbenfroh wird wie ich genau das am Frühling so wahnsinnig liebe.
Ja und dann noch dazu so eine Mucke, die ich seit der Zeit, als ich begann, in Diskotheken zu gehen, einfach liebe, weil sie mir ein so unglaublich beschwingtes Lebensgefühl vermittelt. 

Eigentlich dürfte ich genau DAS jetzt nicht so aufschreiben, weil es dann maximal nur drei Tage dauert, bis sich dieses Lebensgefühl wieder in das Gegenteil verkehrt. Und bei diesem Gedanken muss ich gleich wieder an meinen Jungen denken, der sich für heute in die Nachtschicht in der Klinik eintragen ließ und morgen aber auch für die Frühschicht. Eine Frühschicht mit Krankenfahrdienst über Land. Ich weiß, dass er dem Wesen nach eine Eule ist (das hat er von seiner Mutter, ganz klar), aber wenn ihm Nachtschichten damit auch nicht so viel ausmachen wie vielleicht anderen, so braucht auch eine Eule ihre Ruhephasen (...) - und die hat er sich ja nun selber genommen. Das bedeutet, er wird rund 18 Stunden am Stück arbeiten. Ärzte, Pfleger werden drüber lachen, für die sind das kleine Fische, die kennen sowas zur Genüge. Und wäre er nur am Klinikstandort, würde ich das evtl. genau so sehen. Immerhin schlief sein Kollege letzte Nacht ja auch den Schlaf der Gerechten im Pausenraum, während der Junge einen Auftrag nach dem anderen abarbeitete, weil man eben besagten Kollegen nicht erreichen konnte. Und in der Nachtschicht sind sie halt auch nur zu zweit. Und dass so ein Power-Nap kleine Wunder bewirken kann, habe ich selbst schon mehrfach erfolgreich getestet.
Aber die Tagschicht bedeutet: ständig mit dem Krankenfahrzeug unterwegs, keine Pause; wenn er Pech hat, nicht mal zum Essen - und dann irgendwann noch ca. 45 Minuten lang nach Hause fahren. Da mache ich mir schon so meine Gedanken. Ob er dann noch aufmerksam genug ist, auf den Straßenverkehr zu achten. Ob ihm hoffentlich nichts passiert. Ob er hoffentlich niemandem anderen schadet. Heute Morgen hab ich nur zum Abschied gesagt: "Kannst du die Schicht denn nicht noch tauschen?" 
"Ne, will ich so kurzfristig nicht, war ja mein Versehen."
"Ok. Aber pass bitte gut auf dich auf."
Ist ja nicht so, dass ich ihm nicht zutraue, er könnts nicht schaffen. Es ist nur, dass ich mich bei sowas um ihn sorge, grad weil er ja auch so ein Mensch ist, die Gedanken hier, die Gedanken da, nicht immer da, wo sie grad sein sollten (wieso nur kommt mir das auch so bekannt vor? ;)), na ja und dann passiert eben schnell auch mal was. 
Aber okay, ich habs jetzt hier aufgeschrieben, damit bekomm ich es ein Stück weit aus meinem Kopf raus und morgen Abend werde ich ja sehen, ob und dass er hoffentlich in seinem Bett liegt und sich ausschläft. Kann er wenigstens nicht rauchen in der Zeit, hat also auch sein Gutes. 

Eigentlich dachte ich, ich würde mich heut Abend wieder hersetzen und Steine bemalen. Aber erstens guckte der Mann schon etwas konsterniert, weil ich mich an den Schreibtisch statt zu ihm setzte (aber hey, wenn ER am iPad rumgurkelt, dann kann ich ja auch bloggen, oder? :)) und zweitens hat er mir den letzten Rosé eingeschenkt, der noch im Kühlschrank stand. Und jetzt? Hab ich ein Gesicht, als hättsch zu lange in der Sonne gelegen; ich fühl mich außerdem, als sei ich auf Speed und eigentlich.. hab ich heut fürs Malen, glaub ich, keine innere Ruhe mehr. Morgen. Vielleicht. Oder Sonntag. Sonntag dürfte auch ein guter Tag zum Steinebemalen werden. Immerhin hat erst gestern eine Kollegin den einen bewundert, den ich schon eine ganze Weile mit mir herumtrage, weil ich es einfach nicht schaffe, ihn der herzliebsten Freundin zu schicken - und sie fragte mich dann im dritten Anlauf, ob sie sich auch einen aussuchen dürfte. Natürlich darf sie das! Mich freut das wirklich richtig sehr, dass die Steine gefallen und dass die auch sogar jemand haben möchte, so von sich aus. 

So und jetzt geh ich zu meinem Mann und schaue mal nach, wo wir.. ach nun ja.. ;)

Mittwoch, 21. April 2021

Das Netz in Pink

Ich habs grad mal gegoogelt: Onlinedating gibt es schon seit 1995. Mich selbst gab es dort erstmals im Frühjahr 2003. Und das auch nur, weil mir meine damalige Freundin immer wieder und sehr eindringlich dazu riet: Nach dem schwierigen Ehe-Aus und einer schmerzhaften Trennung meinte sie, es sei unbedingt gut für mich, etwas Ablenkung zu finden. Ganz egal, was dabei rauskommen würde - Hauptsache, ich käme mal auf andere Gedanken. 
Also habe ich das irgendwann einfach gemacht. Von nix ne Ahnung gehabt, einfach gestartet und auf mich wirken lassen. Und klar hatte ich Zweifel. Ich glaubte ernsthaft, alle Männer in dem von mir bevorzugten Alter *kreisch* seien sowieso alle (glücklich) vergeben, mir bliebe jetzt nur noch ein Jungbrunnen oder ein Opa. 

Worauf ich damals schon nicht eingestellt war (Stichwort: von nix ne Ahnung!), war die Tatsache, dass solche Art Plattformen eben auch ideale Plattformen waren und sind für all diese verkrachten Menschen: Männer geben sich als Frauen aus, Frauen sich als Männer, Ehepartner geben sich als Singles aus oder als getrennt (wovon die bessere Hälfte übrigens gar nix wusste) - kurz, man kann im Netz sein, wer man will, die Anonymität machts leicht. (Man kann das in der Realität natürlich genauso, also jedenfalls Single sein; der Rest würde freilich schwierig ;)) 

Was die Anonymität im Netz genauso einfach macht, erlebe ich seit 2008, seit ich zum Beispiel auch bei FB herumschwirre, immer wieder - und trotz allem Wissens erschüttert es mich auch immer wieder: Die Art und Weise, wie Menschen miteinander umgehen, und je anonymer Du Dich selbst dort hältst, desto rauher wird der Ton. Zumindest war es vor wenigen Jahren noch so. Zwischenzeitlich gehen die Leute "offen" auf andere los, beschimpfen, beschmutzen, was das Zeug hält - und man muss sich mittlerweile wirklich gut überlegen, ob man sich überhaupt noch an einer Diskussion beteiligt oder es besser lässt. So für den eigenen Seelenfrieden und die eigenen Nerven und so. 
Aber ist es nicht auch wirklich erschütternd, dass es kaum noch ein Thema gibt, bei dem es sowas wie eine Diskussionskultur gibt? Ich habs schon öfter gefragt, aber ich frage mich das in der Tat auch immer öfter selbst: Was ist nur mit uns Menschen los?

Selbiges dachte ich auch beim Thema der pinkfarbenen Handschuhe für die Entsorgung der monatlich benötigten Hygieneartikel der Frau. Wirklich rein zufällig haben der Mann und ich diesen Abschnitt der Sendung mit den Löwen gesehen. Ich weiß noch, dass der Mann zu mir meinte: "Na ja, aber da kannste auch deine kleinen Tütchen für nehmen, brauchste nicht extra nen Handschuh." Gemeinschaftlich befanden wir außerdem: Drei Euro für zehn Torpedos und zehn pinkfarbene Handschuhe zum Entsorgen sind zu teuer. Und überhaupt schon wieder Plastikmüll, ach na ja ne.
Und irgendwie war das Thema für uns dann auch erledigt.
Umso überraschter war ich, was im Anschluss an diese Sendung im Netz lostobte. 
Vor allem nach der Kritik der beiden Erfinderinnen der Periodenunterwäsche. Zwei Frauen, die vor zwei Jahren auch bei den Löwen waren - und ohne einen Deal wieder von dannen ziehen mussten. 
Und jetzt mokieren sie sich und empfinden es als einen Angriff auf die Frau, weil ein Mann etwas erfindet und dafür auch noch belohnt wird, während die Frau etwas für sich selbst erfindet und nix bekommt?
Ich sags mal so: Neu ist diese Erfindung des Handschuhs an sich sicherlich nicht - und ob der Handschuh nun pink sein musste oder nicht, ach Gottchen, na ja, also wisster. Mir persönlich isses scheißegal, ob nun blau oder grün oder pink oder schwarz. Und vielleicht ist das Ganze auch nach vier Jahren Nachdenkzeit noch nicht ausgereift gewesen, wenn zwar der Handschuh recyclingfähig ist, aber er ja zusammen mit einem Torpedo im Müll landet - und dann sieht die Recyclingfähigkeit schon wieder etwas diffiziler aus. 
Den Grundgedanken an sich aber fand ich persönlich jetzt trotzdem nicht so verkehrt: Je nach Intensität einer Erdbeerwoche kann ja auch das Entfernen in eine Sauerei ausarten. Wenn man dann das Ganze gleich noch in eine Hülle auffangen kann - wieso nicht? Und ich bin auch eine Frau, die sich für ihre Erdbeerwoche nicht schämt oder so n Scheiß, ich hab da auch keine Komplexe und der Mann auch kein Problem - aber ich hab es trotzdem gerne sauber und diskret und will obendrein auch nicht irgendwelche durchgesibschten Teile in meinem Müll wiedersehen, wann immer ich den Deckel öffne. An guten Tagen können da gerne auch mal zehn Stück zusammenkommen. Was ist mit Euch Frauen los, die der Meinung sind, sowas muss man nicht tabuisieren, das gehört nun mal zur Frau dazu und soll ruhig jeder sehen? Na klar gehört das dazu - aber deswegen ist das trotzdem immer noch nix Schönes, das ich mir immer wieder angucken muss?! Ihr kackt doch auch nicht anderen vor die Tür und hebt dann die Schultern "Ja sorry, konntsch nicht mehr halten, aber is ja auch was ganz Natürliches und mit der Zeit sogar biologisch abbaubar!"
Und ja, auch die Frauenartikel können riechen - und wenns um Gerüche geht, gleich welcher Art, da bin ich empfindlich. Ich muss das nicht haben und bin da für jede Idee, jede Lösung offen.
Und ich bin eine Frau, die im Gegenzug mit so nem Erdbeerschlüpper nix anfangen kann und auch nicht will. Mir persönlich ist das viel zu unhygienisch, ähnlich wie das Tragen von Binden - auch wenn die Schlüpper vermutlich das ökologisch Nachhaltigste sind. 
Ich mags trotzdem nicht haben. 
Meiner Meinung nach reguliert sowas einfach auch der Markt: Entweder wird ein Produkt angenommen - oder es wird nicht angenommen. Und mir persönlich ist das sowas von egal, ob da ein Mann für die Frau erfunden hat oder die Frau für die Frau. Das Produkt muss gut sein - der Rest ist doch wurscht!? Die Pille hat übrigens auch ein Mann erfunden - sollen die Frauen die jetzt auch nicht nehmen, bloß weil da ein Mann seine Griffel im Spiel hatte? Und die Pillen, wenn ich mich recht erinnere, waren früher auch pink bis  rosa. Hat auch bloß niemanden interessiert und das beste ist: An der Farbe is auch niemand kaputtgegangen, die hat doch tatsächlich niemandem geschadet.

Beim Anschauen des Kritikvideos der Schlüppershopgründerinnen auf Instagram jedoch überkam mich vor allem ein Gedanke: Ey, eure Kritik klingt vor allem nach Neid, nur weil die zwei Typen nen Deal bekommen haben und ihr nicht. Vielleicht war Euer Produkt aber auch einfach nicht so der Brüller?
Mit über 3 Millionen Klicks haben sie außerdem nebenbei gleich noch n bisschen Werbung für sich und ihr Produkt gemacht, kann ja auch nicht schaden, nicht wahr? Man macht ja genau genommen schon Werbung in der Löwen-Sendung, ganz egal, ob man mit nem Deal da rausspaziert oder nicht. Wenn was wirklich gut ist, setzt sichs auch anschließend durch. Ob die zwei Schnaken genau davor möglicherweise Angst hatten?

Wirklich erschüttert aber war ich dann heute Abend, als ich las, wie es den beiden Männern und ihrem Handschuh inzwischen ergangen ist: 

"Die Gründer schreiben in ihrem Statement auch über das Ausmaß der Kritik: 'Was uns nachhaltig sehr trifft, ist die Tatsache, dass wir einer heftigen Welle an Hass, Mobbing und Gewaltandrohungen bis hin zu Morddrohungen ausgesetzt sind. Wir werden auf offener Straße attackiert und beschimpft.'“ 

Echt jetzt? So weit ist das Ganze gegangen? Wegen nem Handschuh in Pink?? So sehr haben sich die Frauen im Netz gegenseitig selber hochgeschaukelt, teils anonym und dann ganz in echt auf offener Straße?? Seid Ihr noch zu retten?? Ob das auch so ausgeartet wäre, hätten da nicht zwei Männer, sondern zwei Frauen gestanden? Man darf es tatsächlich bezweifeln.
Da möchte man doch sagen: Schämt Euch, Ihr zwei Weiber von Instagram, für das, was Ihr da losgetreten habt und Euch vermutlich immer noch im Recht damit fühlt. Ob das dem Feminismus wirklich gutgetan hat oder Ihr beide genau den Grund dafür liefert, warum Feministinnen bis heute so belächelt und so wenig ernst genommen werden, da bin ich mir echt auch nicht mehr sicher. 
Und ich bin wirklich eine Frau, manche von Euch konnten sich davon auch schon live überzeugen.

Ich persönlich finde es jedenfalls einfach nur noch traurig, in welche Richtung sich unsere Gesellschaft mit jedem Jahr weiterentwickelt. 

Ich bin übrigens auch eine Frau mit mehr Freundinnen als Freunden - und als solche zeigte ich gestern bei FB dieses Foto mit der Frage, die ich dem Mann zuvor gestellt hatte: "Sach ma... schlägst du mich manchmal nachts heimlich?"
Denn dieser blaue Fleck war am Abend zuvor noch nicht da, gestoßen hatte ich mich auch nicht - aber nachdem ich mich morgens am Schreibtisch niedergelassen hatte, stellte ich eine leichte Verfärbung fest, die im Laufe des Tages immer deutlicher wurde. 
Was soll ich sagen... Kommentiert hatten nur Freundinnen - und alle waren für den Mann und alle gegen mich. Pffff. Sind wahrscheinlich alles keine Feministinnen ;) 

Dienstag, 13. April 2021

Still ruht der See

 


Als ich dieses Video zufällig bei FB fand, konnte ich einfach nicht aufhören zu lachen: Nicht nur, dass ich rein optisch vom Hals abwärts der linken Protagonistin sehr ähnlich bin, nein, auch die Mimik (köstlich!!!) und diese Erkenntnis: Einmal hingucken reicht, um zu verstehen, dass die eigene Grenze bereits vor dem allerersten Versuch erreicht war - und stattdessen dem Dolce Vita zu frönen... Herrlichst!!!

Der Mann hat zwar auch gelacht, noch mehr aber freilich die rechte Protagonistin bewundert - und natürlich durftsch mir gleich wieder n Vortrag anhören über Disziplin, Kontinuität und so weiter. Kenn ich alles, habe ich mindestens schon hundertfünfzig Mal gehört, so dass ich spätestens ab dem dritten Satz abschalte und intuitiv nur noch an den richtigen Stellen verstehend nicke, während ich gedanklich längst schon wieder sonstwohin abgeschweift bin. 

Nicht falsch verstehen: Natürlich steckt auch in meinem Fleisch ein Stachel Eitelkeit, aber gefallen will ich in allererster Linie vor allem mir selbst. Weder bin ich besessen von Idealen, die andere für sich selber stecken, noch bin ich erfüllt von einem falschen Ehrgeiz, der mich nur dann zufrieden sein lässt, wenn alles ganz nach Plan abgearbeitet ist und läuft. Ich bin einfach nicht dafür gemacht, unrealistischen Zielen nachzulaufen und mir selber das kleine bisschen Leben zu vermiesen.

Überhaupt auch frage ich mich manchmal, ob irgendwas mit mir nicht (mehr) stimmt. Ob ich irgendwo vielleicht doch ne Überproduktion von Serotonin oder Oxytocin oder was weiß ich hab? Vor gut zehn Jahren vermutete ja die Schmerzärztin schon mal sowas in der Art, allerdings im Hinblick einer negativen Auswirkung auf meinen Körper, und als ich fragte, ob man das denn nicht messen könne, antwortete sie spontan: "Ja, aber erst, wenn Sie tot sind." Nun ja. E bissl kontraproduktiv, wenn Ihr mich fragt. 
Aber.. Es ist ja nun nicht so, dass mich nichts mehr berührt oder Negatives mich nicht mehr tangiert oder nicht auch verrückt machen würde. Aber wie ich letztens schon erzählte, stelle ich doch immer öfter an mir fest, wie gelassen ich auf vieles reagiere. Ich erinnerte mich auch an eine Schmerztherapeutin, die mich fragte, wie ich Frust und Ärger rausließe. Und ich erklärte, dass ich immer Musik hören würde, wenn mir was zuviel würde. Und sie meinte, das sei ja gut und schön, aber ich müsse es doch auch mal rauslassen. Mach ich doch! Zwar singe ich nicht mit, wenn ich frustriert bin, und abtanzen tu ich dann auch nicht - aber wenn alle vier Wände erzittern ob der Klänge (okay, meist sind es nicht die vier Wände zu Hause, sondern eher der kleine Schwarze auf dem Highway), dann dauert es meist auch nicht lange, bis der Bass auch den allerletzten Funken Frust aus meinen Körper rausgedrumt hat. 

Oder funktioniert das mit der Malerei doch besser als ich dachte? Dass ich noch besser dabei abschalten und runterfahren kann, so dass es einiges mehr bräuchte, um mich aus dem Meer der Glückseligkeit wieder rauszuziehen? 

Wat weet ick. 

Vielleicht ist es ja auch die Gelassenheit des Alters, die mehr und mehr nach mir greift. Wobei.. Gelassenheit des Alters... Der Mann is ja noch n Stück älter als ich und von Gelassenheit kann man bei ihm eigentlich nicht sprechen. Ich meine, wir wissen beide, dass er.. nun sagen wir.. zum Beispiel kein einfacher Beifahrer ist. 
Warum fährst du immer so weit links?
Warum fährst du immer so weit rechts?
Fahr nicht so dicht auf!
Du hast aber schon gesehen, dass hier nur 120 sind?
Wieviel fahrn mer denn... aaaaaah ja....
Du kannst hier gleich links abbiegen.. Links! LINKS! (Mein Navi meinte ja geradeaus, aber was weiß die schon!)

Sein Lieblingsspruch ist dann oft: "Lass mich hier raus, da lauf ich lieber heim!"
Das hat er auch schon auf der Autobahn gebracht, wo ich dann abbremste und fragte: "Jetzt gleich? Hier?" und wir dann natürlich doch gemeinsam weiter nach Hause gefahren sind.
Außer letzten Freitag.
Da waren wir zwar nicht auf der Autobahn, aber mitten im besten Feierabendverkehr mitten in M.
Als sein Blut in Nullkommanix hochwallte und er begehrte, aussteigen zu wollen, hielt ich auch sofort an, er sprang raus, knallte die Tür zu und ich fuhr zackig weiter, ohne mich auch nur einmal umzudrehen, drehte dafür meine Musik auf Wohlfühllautstärke hoch und hangelte mich durch besagten Berufsverkehr nach Hause. Weder ließ ich mich von seiner Laune noch von seinem Spontanfrust runterziehen, ach iwo, die Sonne schien, die Mucke stimmte, ich sang vergnügt mit und war natürlich noch vor ihm daheim. Ob er tatsächlich heimlaufen musste, weil er eventuell die Bahncard nicht dabei hatte, das habe ich auch später nicht gefragt. Gut möglich, dass er laufen musste, denn als er daheim ankam, war seine explosive Stimmung wieder verraucht (Sport macht den Kopf frei, hab ich mir mal sagen lassen) und es konnte die allererste Bratwurst vom niegelnagelneuen Grill in beiderseitiger friedlicher Abend-Stimmung verspeist werden. 

Manchmal denke ich ja, dass wir uns beide sehr, sehr ähnlich sind und genau unsere Eigenheiten uns am anderen nerven. Aber worans auch immer liegen mag - an der nordischen Herkunft, an der Malerei, am Alter oder auch der Kombi aus allem... Ist es nicht doch irgendwie auch eigenartig, dass ich mich überhaupt frage, ob mit mir was nicht stimmt, nur weil ich genüßlich in meinem inneren stillen See ruhe? Denn genau genommen ist es doch eigentlich nix Negatives, wenn man weiß, wo die eigenen Grenzen liegen, man nicht von falschem Ehrgeiz zerfressen wird und auch nicht ständig danach strebt, irgendwas zu sein, das man gar nicht ist? Dass ich zwar meine Ziele habe, aber auch genießen kann, was ich schon erreicht hab, ohne mich ständig neu anzutreiben und nie wirklich zur Ruhe zu finden. Ich mach mir ja wirklich nicht viel aus Alkohol - aber lieber greife ich dann doch zum Weinchen als dass ich mich stressen ließe. 
Wie heißt es doch so schön? "Das Leben ist viel zu kurz für Knäckebrot." Eben! ;)

Freitag, 5. März 2021

Its always good to have a little Bauchspeck


Letztens rollten der Mann und ich das Thema "Zukunft" wieder auf - und die damit verknüpften Gedanken, Ideen, Pläne. Nach der anfänglichen Euphorie seinerseits hatte nun seine Phase des Hinterfragens, Zweifelns, Abwägens begonnen. Ich kenne das schon, ich hatte es erwartet und mich auch darauf vorbereitet: Ein Schritt vor, zwei zurück. Wir kamen auch nicht wirklich zu einem Ergebnis, auch wenn, wie ich finde, meine Argumente ziemlich gut waren und sind *kreisch*

Das einzige, woran ich ihn mit Nachdruck erinnerte: Für immer werde ich nicht in M bleiben; wenn es sein muss, gehe ich auch allein weg. Mir gefällt schon die Stadt inzwischen, mir gefällt auch die Nähe zum Fluss. Ihn reizt außerdem, dass er so fix in den Bergen ist zum Wandern. Aber das Meer.. Das Meer ist für mich entschieden zu weit weg - und außerdem, das hatten wir ja erst: die sagenhaften Mietpreise. 
Irgendwann, und das war eben immer klar, würde ich wieder am Meer wohnen wollen. 
Der Gedanke, wie es sich anfühlt, das Fenster weit zu öffnen, die frische salzige Luft zu atmen und zu schmecken, das Murmeln der Wellen, das Kreischen der Möwen. Endlose Spaziergänge am Ufer, Muscheln sammeln, Hühnergötter. Die endlose Freiheit fühlen bis in jeden Winkel meines Seins...
Ich hab in meinem Leben einige Träume begraben - diesen einen aber kann ich nicht hergeben. Das wäre, als wenn ich etwas von mir selbst abtrennen und aufgeben müsste..

Dass das jetzt noch nicht geht, hat seine Gründe - aber ich wäre auch mit einer Zwischenlösung in Mittelerde zufrieden. In der Nähe meiner Söhne, klar, und in der Nähe der Familie des Mannes - auch klar. Wir hätten beide in etwa denselben Weg, wann immer der eine in die Berge und die andere ans Meer wollte. Ich fände das ideal.

Gestern morgen, als ich mich in die U-Bahn schwang, meine Musik in den Ohren, zwar sehr deutlich schmerzgeplagt, aber zuversichtlich auf dem Weg zum Rheumadoc, und als er mich empfing mit den Worten: "Ich sehs Ihnen schon an, und ich sehs auch an Ihren Händen", die er auch gleich nahm und die Finger behutsam abtastete, da dachte ich... DAS aufzugeben, ist aber auch nicht wirklich leicht. 
Im zweiten Versuch habe ich hier einen schon sehr bemühten Hausarzt gefunden und im zweiten Anlauf auch einen Neurologen und Rheumatologen, die sich der Sache zumindest annehmen, ohne mich in auch nur irgendeine Schublade stecken zu wollen.
Ich meine, ich hab ja schon von Natur aus typische Klavierspielerhände: lang und schmal. Wenn die mal anschwellen, mag das für andere "Normalbreite" sein und weniger auffallen. Ich selbst spürs vor allem, wenn ich die Finger nicht mehr wirklich beugen kann und auch kein Ring mehr passt. 
Vermutlich fühlt er sich ein wenig überfragt, weil ich immer noch in kein Schema passe: Blutwerte, die nicht passen sollten, sind deutlich im grünen Bereich, und die, die passen sollten, bewegen sich nach oben in den bzw. im roten Bereich. Das Blut zeigt keinerlei Entzündungszeichen, aber im Ultraschall kann er diese ganz deutlich lokalisieren. So deutlich, dass er mir gleich noch in der Praxis eine Spritze gab. 
Das Cortison, seit 4 Wochen auf eine Langzeitdosis runterregerelt, tut da keinen Dienst, überall sind Entzündungen im Körper wieder aufgeflammt, warum auch immer. 
Das bedeutet, dass das Cortison erstmal wieder heraufgesetzt wird und ich mir zusätzlich nun jede Woche selber eine Spritze MTX setzen muss.
"Ich? Mir selber? Und Sie glauben, ich kann mir selber weh tun?"
Der Doc hat gelacht. Ich nicht!
Er versprach mir einen Pen, den man nur auf die Haut setzt, zweimal Klick und alles wär vergessen. 
Ha. Wärs mal nur so. Was ich in der Apotheke erhielt, waren ganz normale Fertigspritzen.
Ich sags Euch, das ist ne Überwindung. Mir haben gestern ordentlich die Hände gezittert. Klar hätte ich das auch den Mann machen lassen können, aber ja ne, besser nicht. Wenn bei diesem Akt alle unterschwelligen Frustrationen rauskommen, habe ich die Arschkarte und absolut nix zu lachen ;) 
Ob es egal ist, wohin man sich das Ding setzt, und ob ich dafür auch das bisschen Bauchspeck nutzen dürfte, hatte ich gefragt. Denn da tut es bekanntlich am wenigsten weh. 
Und gestern morgen war ich dann auch ganz erleichtert, dass ich da ja auch so bisschen Bauchspeck habe, das ich nutzen kann. Im dritten Überwindungsanlauf hab ich die Kanüle senkrecht aufgesetzt, die Augen zugekniffen und sicherheitshalber auch noch den Kopf weggedreht. Bis auf den Einstich in die oberste Hautschicht merkt man aber wirklich nix, auch nicht das Einspritzen des Serums. 
Gott, was war ICH erleichtert. 
Ein Junkie aber jedenfalls wird aus mir wohl nie.
Und das Thema "Tattoo ja nein vielleicht" im Nacken oder am Handgelenk innen hat sich damit dann auch erledigt :)

Gibt man eine gute Arztbetreuung wirklich auf? Wenn man ganz zufrieden ist damit, dass überhaupt etwas passiert und getan wird? Aber vielleicht muss ich wirklich nur abwarten, bis die endgültige Diagnose steht - und die kann ich ja dann auch überall mit hinnehmen, oder? 

Donnerstag, 18. Februar 2021

Stille Zeiten

 Ich habe den Mann letztens gefragt, ob er eigentlich seiner Mama den Tipp gab, mir zu meinem letzten Geburtstag Acrylstifte zum Bemalen von Steinen zu schenken. 
"Da antworte ich nicht drauf", schmunzelte er.
Eigentlich ist es ja auch egal, andererseits: Wenn er es war, hat er es vielleicht inzwischen auch schon wieder bereut. Denn diese Stifte waren der Grundstein. Ich habe sehr schnell festgestellt, dass es wesentlich mehr an Stiften bedarf. Nicht allein der Farbpalette wegen, sondern auch, um Konturen zeichnen zu können, Schattierungen bzw. den Rest des Steines auszumalen - und habe mir nach und nach entsprechende Utensilien nachgekauft. 
Ich hab dabei eine solche Leidenschaft entwickelt, dass ich nun beinah jeden Abend an meinem Schreibtisch sitze, manchmal mit Musik in den Ohren, in letzter Zeit immer öfter auch ohne (denn dann kann man sich ab und an immer noch unterhalten), weil der Mann nun beklagt: "Wir machen ja überhaupt nichts mehr! Entweder malst du oder spielst an deinem iPad Solitär! Und schlafen kommst du erst irgendwann morgens um zwei oder um drei! Das Zusammenleben stelle ich mir anders vor!"

Auf seine Worte habe ich erstmal nicht reagiert, aber natürlich beschäftigen sie mich. 
Er hat ja irgendwie auch recht. 
Das Zusammenleben beschränkt sich aktuell tatsächlich eher auf Essen, Schlafen, Arbeiten und hier und da einen Film gemeinsam schauen. Doch während er meist gegen 21 oder 22 Uhr schlafmüde wird, bin ich noch munter und würde mich nur ruhlos im Bett hin und her wälzen, ohne in den Schlaf zu finden. 
Also bleibe ich eben auf, male oder schaue die Sendungen, die ich in seinem Beisein halt nicht schauen "darf". Mit "Crime Storys" oder "Medical Detectives" beispielsweise kann und will er einfach nix anfangen. Das akzeptiere ich, aber mich interessiert es trotzdem. 
Ich musste aber dann doch ein bisschen in mich hineinlachen: Ich hab wohl wirklich ziemlich viel von meiner Mama. Die malt zwar nicht, "versumpft" aber genauso beinah jeden Abend, jede Nacht entweder vor dem iPad oder zappt sich durch die Krimiserien, während der Papa schon zeitig zu Bett geht. 

Um nach einem Tag im Home Office wenigstens ein bisschen "Auslauf" zu bekommen, aber auch, um ein paar Momente miteinander zu haben, sind wir dazu übergegangen, dass ich ihn nunmehr beinah täglich von irgendeiner U-Bahn-Station abhole und dann laufen wir gemeinsam Hand in Hand nach Hause. Meistens spricht er über die Arbeit oder ich erzähle von meiner oder wir reden von Dingen, die wir gehört, gelesen haben oder die uns aktuell beschäftigen. Ich finde das wirklich schön und genieße das sehr. Und als ich gestern Abend las, wie wundervoll mild es die kommenden Tage werden soll, da blitzten doch die Augen und lachte das Herz. 
Überhaupt freue ich mich sehr auf den Frühling! Wenn alle Farben wieder erwachen, wenn die Knospen sich ausstrecken und alles wieder bunt und vor allem sattgrün wird. Das liebe ich so sehr und gibt so unfassbar viel an gutem Lebensgefühl! Irgendwie erhoffe ich mir davon auch, dass die Beschwerlichkeit der letzten Wochen von uns allen abfällt. Dass die Gereiztheit der Menschen wieder nachlässt, auch wenn ich absolut nachvollziehen kann, woher sie kommt. Dass ich selber immer noch relativ entspannt bleibe, liegt sicherlich an meinem friedfertigen Gemüt *kreisch*, aber vermutlich vor allem daran, dass ich selber wirklich wenig "auszustehen" habe. Und meist kann ich Stimmungen anderer recht gut abfangen, aber immer und vor allem auf Dauer gelingt mir das auch nicht. Vor allem, wenn es dann von allen Seiten kommt, dienstlich wie privat. Das sind dann aber vor allem die Momente, in denen ich mich in mich selbst zurückziehe, die Kopfhörer aufsetze und in der Musik versinke und mich auf das Malen konzentriere. So kann ich immer noch am allerbesten abschalten und "runterfahren", während der Mann am liebsten jeden Tag 20 Kilometer laufen wollen würde. 

Ich bin jetzt auch wetterbedingt seit Mitte Januar nicht mehr in L gewesen.
"Man muss es ja nicht provozieren, dass dir was passiert", hat der Chef gesagt und ich hab das wirklich begrüßt. Und den Fotos und Videos der Jungen nach zu urteilen, ist dort eine Menge Schnee runtergekommen. Bis heute (!) ist der auf sämtlichen Nebenstraßen nicht mal wenigstens geschoben worden. Es ist das erste Mal, dass ich den Winterdienst so versagen sehen habe. Aus den Parklücken rein wie raus haben es die Jungen nur mit Hilfe anderer Leute geschafft. Ne, das muss ich auch nicht haben. 
Am Anfang hat es den Mann doch irgendwie gestört, auch er liebt die Ruhe eines Home Office und "würde auch gerne mal wieder". Ein ziemlich ungutes Gefühl, wenn du für dich selber feststellst, dass du - egal wo - irgendwie auf Dauer zuviel bist und du selbst kein Zuhause hast, wo du vor allem den Raum für dich hast, den du brauchst und wo niemand dir vermittelt: "Wär schon schön, wenn du mal nicht da wärst."
Dieses Gefühl beruhte sowohl auf einer Aussage in L als auch auf einer Auseinandersetzung hier in M und vielleicht wirklich auf einem Missverständnis - aber es hat an mir genagt in den letzten Wochen. 
"Ich kann doch nichts dafür, dass die Wohnung zu klein ist auf Dauer und nur ein Zimmer mehr gleich zweitausend Euro Miete bedeutet", hatte ich dem Mann geantwortet, während er das ewig "arbeitende" Thema wieder aufbrachte, dass ich ja auch einen Job in M annehmen könnte, dann könne man auch über eine andere Wohnung sprechen. Wenn man aber grundsätzlich nicht bereit ist, soviel Geld für eine Mietwohnung auszugeben (und darin sind wir uns beide einig), dann ist dies aber auch kein wirklich gutes Argument ;)
Insgesamt aber war er wieder da..  Der Gedanke, irgendwo in irgendeiner Stadt eine kleine Wohnung ganz für mich allein zu haben. Vielleicht nur ein Zimmer mit Küche und Badezimmer, aber.. klein und vor allem mein. Klein, aber wundervoll. Meine ganz persönliche Rückzugsinsel, mein ganz persönliches Paradies, aus dem mich niemand vertreiben könnte - und wo mir niemand das Gefühl vermittelte, zuviel zu sein. In Gedanken richtete ich mich ein, ich wusste genau, wie es aussehen würde und beinah schon war ich versucht, mich auch nach einem solchen Kleinod umzuschauen.
Zurück hielt mich letztlich die Tatsache, dass ein solches Unterfangen hier in M aussichtslos ist. Man bezahlt so viel, dass man dann wirklich auch eine Zweitausendeuromietwohnung nehmen könnte.
Und aus M wegzugehen.. wieder eine Fernbeziehung zu führen.. Das würde auf Dauer nicht mehr gut gehen, das ist mir bewusst. Vor sechs Jahren wusste ich: Einer muss jetzt zum anderen ziehen, egal, wer zu wem, denn nach sieben Jahren Pendeln war uns irgendwie die Puste ausgegangen. 

Möglicherweise summiert sich auch grad einiges und im Frühjahr, im Sommer wird es wieder entspannter, leichter.. So allgemein und auch überhaupt..

Freitag, 12. Februar 2021

Ihre Ausreise! ...ach ne... Ihre Haare!



Da habe ich mich doch gestern Abend schon recht amüsiert, als ich obiges Sprachmemo zugeschickt bekam. Über whatsapp leider, der Urheber ist mir - wie meist bei solchen Sachen - nicht bekannt. Es ist jedenfalls nicht auf meinem Mist gewachsen (schade eigentlich, aber so kreativ bin ich dann doch nicht.) Ist ja schon erstaunlich genug, wie schnell sich jemand so etwas einfallen lässt.
(Übrigens, wenn ich noch an die - für mich - legendäre Original-Balkonszene denke, dann bekomme ich wirklich, wirklich bis heute Gänsehaut bei dem Aufschrei der Menschen.)

Die ersten Kunden hatten sich auch schon Termine gesichert - wohl dem, der Funk- oder gar private Nummern vom Friesemeister seines Vertrauens besitzt. Ich selber weiß nicht mal, ob meine (angestellte) Friseuse überhaupt noch da ist, aber ich hoffe es sehr. 

Insgesamt, wenn man so die Meldungen in den verschiedenen Gazetten und Kanälen verfolgt, dann ist wohl eher Kritik als Erleichterung vorherrschend - und ich kann die Kritik verstehen. Irgendwie kann ich schon auch nachvollziehen, dass man bei den Mutationen, von denen man bisher zumindest annimmt, dass sie sich wesentlich schneller verbreiten würden, vorsichtig sein möchte mit Lockerungen. Ich verstehe aber, wenn die Menschen langsam, aber offenbar immer nachhaltiger frustriert und genervt sind. Ich persönlich habe auch keinen Bock mehr, wenngleich mein Atem entschieden länger ist als der bei Familien und Selbständigen. Ich weiß, dass ich zu den Privilegierten gehöre (darf man das eigentlich überhaupt sagen? Heutzutage muss man sich ja wirklich jedes Wort überlegen.), die vom Ausmaß der ganzen Beschränkungen weniger betroffen sind. Wenn ich nicht verreisen darf, dann ist es eben so. Wenn ich nicht ins Kino oder ins Lieblingslokal darf, ist es eben so. Da kann ich warten. 
Aber ich habe meinen Job, ich bekomme mein Gehalt und muss mich nicht fragen, wovon ich nicht erst morgen, sondern schon heute die Kosten bestreiten soll. Was das für ein Gefühl ist, kenne ich noch sehr, sehr gut aus früheren Jahren - und das ist etwas, das einen zerstören kann. 
Da kann man von Geduld und Verständnis reden wie man will - wenn man all die gut frisierten, entspannten Politiker in der gestrigen Bundestagsdebatte so sieht und hört (wie sie da gelangweilt auf ihren Smartphones rumwischen, während ein anderer spricht - oder auch gleich mal ganz einpennen), da fragt man sich schon, ob die eigentlich wirklich wissen, wovon sie da sprechen in ihren Elfenbeintürmen - und ob sie wirklich wissen, was es bedeutet, wenn den Menschen das Geld ausgeht, noch mehr Schulden aufgebaut werden müssen und zugesagte Novemberhilfen auch vier Monate später noch nicht zur Auszahlung gekommen sind. Ob sie wissen, wie es sich anfühlt, wenn sich nicht nur die Rechnungen stapeln, sondern auch Lebenswerke zerstört werden. Derzeit pendle ich nur - wenn überhaupt - zwischen M und L und arbeite in G, aber in allen drei Städten sehe ich Läden mit Schildern "Es tut uns leid, wir geben auf, vielen Dank unseren Kunden". 

Und ich sehe und höre, was in Familien abgeht, die ich kenne. Wo die Nerven mittlerweile tatsächlich blank liegen. Wo Grundschulkinder den Anschluss verlieren in Fächern, die eigentlich ihr Lieblingsfach waren. Was regelmäßig zu Ausbrüchen und Aggressionen führt. Und ich frage mich schon auch: Wenn die Grundlagen nicht richtig vermittelt werden - was wird das dann für die Zukunft? Vor allem für die Kinder?
Meine Cousine überlegt, ihre Tochter ein Jahr zurückzustellen, die Kleine das zweite Schuljahr wiederholen zu lassen. In der Hoffnung natürlich, dass sich die Gesamtsituation endlich beruhigt und wenigstens die Kinder vernünftig unterrichtet werden. Ich würde mir vermutlich dasselbe überlegen, wären meine Kinder heute in dem Alter. 
Oder dass ein achtjähriges Kind droht, abzuhauen - vorher aber noch dem Elternteil "die Fresse polieren will", und das nicht nur, weil es mit Home Schooling und Online-Unterricht überfordert ist. Von daher finde ich es wirklich gut, dass wenigstens die Grundschulen wieder geöffnet werden und auch künftige Schulabgänger wieder unterrichtet werden sollen. 

Solche Dinge haben für mich doch noch ein anderes Gewicht, als wenn man "davon nur" in den Nachrichten hört. Oder an einem goldenen Schreibtisch irgendwo etwas beschließt, das die Realität vieler Menschen nicht mal ansatzweise einfängt.

Der Mann hat übrigens gleich heute Morgen versucht, einen Friesemeistertermin zu ergattern. Wir sollen uns kommende Woche wieder melden, Terminvergabe erfolgt erst ab Montag. Einen Zopf kann er jedenfalls noch nicht flechten und meine Haare können ja wachsen wie se wolln. 
Über meinen Ältesten musste ich schon etwas erschrocken lachen, als ich im Videoanruf sah, wie er sich vor kurzem das Haar im Nullkommairgendwasbereich geschoren hatte. 
Es gibt schon einige Bereiche, wo man sich eine Zeitlang auch selber helfen kann. Mit Notlösungen und Provisorien leben kann. Aber das funktioniert eben nicht auf Dauer. 
Und wenn bisher immer die magische Grenze einer 50er Inzidenz gesetzt wurde und dies jetzt auf 35 runtergesetzt wurde, während dieser Möchtegernkanzler Söder schon beginnt, von einer 10er Inzidenz zu reden, dann frage ich mich aber wirklich einmal mehr, wo das Ganze noch hingeführt werden soll. Und was das dann mit den Menschen macht. Ich für mich denke, da gehts nicht nur um Perspektive für die Menschen, sondern vor allem um Verlässlichkeit... 

Montag, 8. Februar 2021

31

 


Ja Hase, in diesem Jahr habe ich irgendwie den Zeitpunkt verpasst, Dir rechtzeitig um 0 Uhr diesen Geburtstagsgruß zu schreiben. Da waren wir die letzten zwei Tage doch mehr auf die Wetterlage fokussiert und darauf, ob ich nun zu Euch kommen kann oder nicht - und nun sitze ich hier mit meiner ersten Tasse schönen heißen Kaffee (kennst mich ja :)) und schreibe Dir diesen Brief. Denn da sein kann ich in diesem Jahr nun nicht, aber glücklicherweise gibt es heutzutage viel mehr Möglichkeiten, den anderen zu erreichen. DICH zu erreichen.

Dieses Foto von Dir neben noch ein paar anderen fiel mir vor wenigen Wochen in die Hände. Wonach ich eigentlich gesucht hatte, weiß ich gar nicht mehr. Aber ich saß dann da auf dem Fußboden, schaute mir die Fotos durch und lächelte tatsächlich auch mit ein bisschen Wehmut. Wie klein und unbedarft Du da noch warst. So wissbegierig,so fröhlich. Ich weiß noch genau, wann und wo dieses Foto aufgenommen wurde. Bei Deinen Großeltern, die beide heute nicht mehr da sind, seit vielen Jahren schon nicht mehr. Die Brille, die Du da trägst, ist die Brille Deiner Großmutter. Und so klein Du damals auch warst, als sie starb - in Deiner Erinnerung ist sie nicht nur immer noch gegenwärtig, sondern Du kannst Dich auch an vieles noch erinnern. An viel mehr, als ich gedacht hätte. 

Ich schaue auf die Fotos von damals und schaue auf Dich heute. Wie groß Du geworden bist - und mit 1,95 m der größte von uns allen. Du schaust also auf uns alle hinunter - doch das aber nur körperlich. Denn in Deinem Wesen bist Du alles andere als herablassend. Im Gegenteil, Du bist zwar reserviert und zurückhaltend (geworden), aber Du bist wertschätzend (also zumindest mit Menschen ;)) und vor allem unfassbar sozial. 
Dir ist in Deinem Leben niemals etwas geschenkt worden, Du musstest Dir alles erkämpfen und für alles kämpfen. Wenn ich mir ein was im Leben wünschte, dann das, dass Du endlich ankommst, dass Du zur Ruhe kommst. 
Als Dein Bruder im letzten Jahr entschied, sein Zimmer umbauen zu müssen und dass die noch junge Wohnwand leider keinen Platz mehr finden würde und Du sagtest: "Na also DIE würdsch ooch nehmen", da war dies der Startschuss für Deinen Bruder und mich, Dir eine Grundlage zu schaffen. Wir waren uns einig: Was auch immer kommen kann und soll und wird, das fängt immer an einem grundlegenden Punkt an - und der, so meinten wir, beginnt in Deinem Zuhause. 
Dein bunt zusammengewürfeltes Zimmer aus Möbelstücken, die nicht nur alt, sondern auch abgewohnt und einfach nicht schön waren. Nichts, wo man sich wirklich gern jemanden einladen wollen würde.
Schau ich heute drauf, denke ich: JETZT kann er, wenn er es will. 
Sogar Dein Bruder sagt: "Es ist das erste Mal in den sechs Jahren, dass sein Zimmer schöner ist als meins."
Ungefähr zur selben Zeit hast Du Deinen neuen Job angetreten. Nicht, weil Dein alter Chef Dich nicht mehr wollte - ganz im Gegenteil. Zum ersten Mal in Deiner Laufbahn hast Du es erlebt, das jemand um Dich kämpfte, Dich einfach halten wollte. Er hatte Dir einiges versprochen, wenn Du dafür bleibst - und wenn Du mich fragst: Ich hatte das Gefühl, dass er es auch tatsächlich ernst meinte. 
Die Crux war eben nur: Man kann nie sagen, wie lange er sich an diese Zusagen gehalten hätte - und ob er Dir eines Tages nicht doch das eine oder andere wieder "weggenommen" hätte. Eine unkalkulierbare "Größe". Die, wo Du jetzt bist, birgt auch Unsicherheit - denn Du wirst zweimal für ein Jahr befristet. Ein normales Prozedere in Konzernen, habe ich von mehreren Seiten gehört. Es kommt also auf Dich an. Wie Du Dich machst, ob Du Dich engagierst und wie Du Dich einfügst.
Und auch hier muss ich sagen, hast Du mich ausgesprochen überrascht.
Eigentlich kenne ich Dich als einen Menschen, der seine Rituale pflegt und an seinen Gewohnheiten hängt. Veränderungen liegen Dir nicht.
Als Du zum Beispiel Dein "neues" Zimmer am Abend betratst, war das einzige, das Du sagtest: "Mutsch, du weißt doch, ich will mein Bett nicht ans Fenster!"
Und der zweite Satz war: "Wo ist meine Matratze?"
Damals musste ich wirklich lachen. Denn das alte schmale Bett war natürlich rausgeflogen und mit diesem auch die Matratze, die sich langsam, aber sicher durchlag.
"Mir egal", sagtest du, "ich hab mir meine Kuhle da reingesessen und die will ich zurück."
Natürlich gabs die nicht zurück und Du wusstest das auch. 
"Ein einfaches Danke würde mir auch reichen", habe ich gelacht und mir die schmerzenden Muskeln gerieben, während Dein Bruder nur mit den Augen rollte. 
Aber so bist Du inzwischen geworden: Harte Schale, weicher Kern. Du bist in Deinem Leben so oft verletzt worden, dass Du Dich heute schützt. Es ist gar nicht mal so schwer, durch Deine Schale zu dringen, aber manchmal denke ich, dass es Zeit wird, dass Du Dein Leben mit jemandem teilst. Nicht weil Du nicht allein sein kannst. Ganz im Gegenteil, das kannst Du sehr gut.
Aber eigentlich möchtest Du das gar nicht - auch wenn Du nicht daran glaubst, dass sich das je ändern würde. (Ich schon, wie Du weißt, und ich kann Dir wirklich ehrlich nicht sagen, woher ich dieses sichere Gefühl habe. Es ist auch keine Hoffnung, sondern tatsächlich.. ein sicheres Bauchgefühl.
Und doch stelle ich fest: Je länger Du allein lebst, desto mehr pflegst Du Deine Gewohnheiten, desto mehr kultivierst Du sie. Das bedeutet nicht, dass Du Dir damit Deinen Weg verbaust - aber Du bist ein Mensch,  den man entdecken muss, den man für sich entdecken muss. 
Wobei... Wenn ich das hier so schreibe und wenn ich darüber nachdenke... Da sind wir beide uns ja auch irgendwie ähnlich. Auch mir fiels nie wirklich schwer, Anschluss zu finden - aber ich war auch nie jemand, den man auf den ersten Blick unbedingt für sich gewinnen wollte. 
An der Stelle... denke ich dann doch wieder, dass es im Grunde egal ist, was Dein Umfeld denkt: Du machst Dein Ding. So war es immer schon. Wie oft hieß es "Das kann er nicht/ das schafft er nicht" - und Du hast allen das Gegenteil bewiesen. Ich liebe Deinen Kampfgeist, Deinen Ehrgeiz, Deine Loyalität, ich liebe vor allem Deine Persönlichkeit. Du bist unbedingt verlässlich. Gibst Du einmal Dein Wort, weichst Du davon auch nicht mehr ab. Du bist zutiefst aufrichtig. Zwar kennst Du Notlügen, aber Du magst sie nicht - und grundsätzlich Lügen lehnst Du ab. Das kommt für Dich nicht in Frage. Und ich liebe das wirklich an Dir. Weil es vor allem eins vermittelt: Auf Dich kann man bauen, auf Dich kann man sich verlassen. Du hast ein sehr starkes Wesen. Irgendwie musste ich mich bei Dir niemals sorgen, ob Du vom Weg abkommst, ob Du an falsche Freunde gerätst, ob Du Dir irgendwann mal was spritzen würdest oder gar kriminell werden könntest. Du bist einfach niemand, der alles dafür geben würde, irgendwo dazuzugehören. Du besitzt ein ausgesprochenes Gerechtigkeitsempfinden - und sobald Du spürst, dass da etwas in eine falsche Richtung geht, dann tust Du es nicht. Du würdest nie niemals jemandem schaden. 

Du glaubst nur nicht an Dich.
Dass Dein alter Chef Dich halten wollte, hieltst Du nicht für ein Kompliment an Dich, sondern sahst das ganz pragmatisch: "Ich bin ja auch der einzige, der sich jeden Dienst aufdrücken lässt."
Das sehe ich anders. Denn wenn man seinen Job nicht gut macht, dann spielt es keine Rolle, ob man in 6 Stunden oder in 10 Stunden "versagt". Und wenn man nicht gut in seinem Job ist, dann will man denjenigen auch keine 10 Stunden haben - dann ist man froh, wenn derjenige nach 6 Stunden heimgeht. Und sich über kurz oder lang was Neues sucht. 
Schon vor einem Jahr hatte Dein Chef Dich von sich aus angesprochen und Deine Entwicklung gelobt. Dass Du so weitermachen sollst und man dann über eine Gehaltserhöhung sprechen kann. 
Ob er zu dem Zeitpunkt schon wusste, dass Dir manche Kollegen das Leben richtig schwer machten? Dass sich ein Umgang eingeschlichen hatte, der sich zum Mobbing entwickelte?
Im letzten Sommer hat Dein Chef Dich darauf angesprochen und Ihr habt sehr lange miteinander gesprochen. Erst da hast Du nach und nach einiges erzählt oder bestätigt. Eigentlich musste er es Dir aus der Nase ziehen, denn Du bist ein Mensch, der die Dinge für sich selbst klären und regeln will - und nicht zum Vorgesetzten geht. So wie die eine Kollegin Dich anmaulte: "Dann geh doch zu M. und beschwer dich über mich." Und Du sagtest: "Wieso sollte ich das tun, ich will nur meine Ruhe und meine Arbeit machen. Ich will mit den Leuten auskommen."
Und das sehe ich genauso: Man muss nicht mit jedem befreundet sein. Aber wenn man schon einen ganzen Tag lang miteinander arbeitet, dann sollte man schauen, dass man miteinander auskommt. Sich Dinge sagen kann, die nicht gut laufen, aber auch nicht jeden Tag aufeinander einhacken oder sich unnötig das Leben schwer machen. 

Ich bin noch heute überrascht, wie problemlos der Wechsel für Dich im letzten Jahr war. Auf die Frage, wie es Dir im neuen Job gefällt und ob Du Dich wohlfühlst, rollst Du immer nur mit den Augen: "Wieso fragt mich das jeder?" Und ich sage dann: "Weil es uns wichtig ist zu wissen, ob es dir gut geht."
Und das ist ja auch nicht nur mir wichtig :)
Du erzählst fast nichts von Deiner neuen Arbeit. Aber eins ist mir aufgefallen: Du wirkst entspannter. Ausgeglichener. Natürlich gibt es Tage, wo Dir manches zuviel ist und Du einfach nur in Ruhe gelassen werden willst. Die haben wir alle. Aber die grundlegende Tendenz... Du fühlst Dich gut an. Und Du glaubst gar nicht, wie wahnsinnig mich das für Dich freut. 
Es gab Zeiten, da hast Du öfter mal angerufen, wenn irgendwas schiefging oder Du bei irgendwas Hilfe brauchtest. Inzwischen meldest Du Dich fast gar nicht mehr :)

Auf meinem Schreibtisch hier stehen zwei Fotos: Das da oben mit der Brille und das andere mit Deinem Bruder, das Ihr mir vor drei Jahren zu Weihnachten geschenkt habt. Dazwischen liegen rund 30 Jahre. Ich schau sie mir oft im Wechsel an und so oft denke ich: Ich wünschte mir die Zeit zurück, als Du noch so klein warst. Wie vieles würde ich heute anders machen. Die Zeit mit Dir und dann später mit Deinem Bruder würde ich heute so gern und viel mehr genießen. 
Mir tut es bis heute weh, dass ich Vergangenes nicht mehr ändern bzw. auch nicht zurückholen kann. Denn es zählt wirklich nur das Eine: dass es Dir und Deinem Bruder gut geht. Dass Ihr zufrieden seid. Dass Ihr Euch ein Leben aufbauen könnt, das Euch glücklich macht. 
Dass Du Furcht vor Enttäuschungen hast, weiß ich.
Aber vor allem weiß ich, dass Du das kannst - und dass Du in Deinem ganz eigenen Tempo gehst, auch wenn Du selbst manchmal denkst, das würde sowieso nie und überhaupt. Auch wenn Du selber manchmal ungeduldig bist.

Du hast schon früher oft gesagt: "Ist ja klar, dass du an mich glaubst, ich bin ja auch dein Kind."
Aber eins kannst Du mir glauben: Es liegt nicht daran, dass Du mein Kind bist, sondern es liegt daran, dass ich an Dich als Mensch glaube. Weil Du so bist wie Du bist. Weil Du eine Persönlichkeit hast. Und weil es viel mehr Menschen wie Dich geben sollte. Das meine ich wirklich ehrlich.
Ich weiß genau, wie Du jetzt guckst, wenn Du das liest. Augenbrauen hoch, Augen rollen, der Mund verzieht sich. Und wenn ich daran denke, schmunzle ich. 

Ich lieb Dich wirklich, mein Junge, und ich bin wahnsinnig stolz auf Dich. Für das, was Du bis hierher aus Dir gemacht hast - und für das, wie Du Dich bis heute entwickelt hast.
Und ich freu mich wirklich auf alles, was jetzt noch kommt und wie es für Dich weitergehen wird.
Und ich freu mich darauf, dabei sein zu können, selbst von hier aus. 

Alles Liebe zu Deinem Geburtstag, mein Hase.
Heute Abend werden wir dann mal videotelefonieren - denn wir hätten da noch eine Überraschung für Dich :*

Deine Mama

Donnerstag, 21. Januar 2021

Im Wandel der Zeit

 

Als die Jugend unlängst bei ihrem Vater weilte, schickte mir der Jüngere über whatsapp ein paar Fotos aus einem Album, das der Vater bis heute nicht hergeben will - obwohl viele Fotos daraus nicht mal etwas mit ihm zu tun haben, weil wir uns da schlicht noch gar nicht kannten.

Aber ich war glücklich damit, dass ich überhaupt ein paar "Zeitzeugen" aus den früheren bis frühen Jahren zurückbekommen konnte - und fands irgendwie auch total lustig. Da schaut man sich Bilder an und guckt drauf wie auf eine fremde Person.
Ich selbst finde ja schon witzig und auch erstaunlich, wie man sich so verändert mit den Jahren - und werde trotzdem selbst von denen wiedererkannt, die ich schätzungsweise dreißig Jahre nicht mehr gesehen hab. 


Auf dem ersten Foto muss ich 6 oder 7 Jahre alt gewesen sein, auf dem zweiten 15, auf dem dritten und vierten 17, auf dem fünften 20 und auf dem letzten mache ich der Angela Davis eindeutig Konkurrenz!
Heute käme ich nicht nochmal auf die Idee, mir das Haar blond färben zu wollen - aber ist schon lustig und irgendwie auch interessant, wie man sich so entwickelt..

Daran musste ich auch denken, als mich heute ein ganz lieber Freund, der gerade den wohl wichtigsten Kampf seines Lebens kämpft, fragte, wie es mir denn ginge, privat und beruflich.
Wohl auch, um ihn ein wenig abzulenken, antwortete ich etwas ausführlicher auf seine Fragen, auch hinsichtlich der dienstlichen Belange, hinsichtlich angekündigter beruflicher Perspektiven, und er antwortete mir: "Das klingt doch super, das Zeug dazu hast Du!"
Ich selbst finde ja irgendwie schon immer wieder interessant, dass mein Umfeld mir wesentlich mehr zutraut als ich mir selbst. Manchmal frage ich mich schon, was andere Menschen in mir sehen - und warum.
Doch wenn ich so darüber nachdenke, wann genau diese Entwicklung eigentlich wirklich begonnen hat, dann reicht die Erinnerung um viele Jahre zurück. An jenen Punkt, als meinem damaligen Vorgesetzten ein Vertrag angeboten wurde, jedoch nur unter der Bedingung, dass ich dann auch das Projektoffice leiten würde. Bis heute weiß ich nicht, wer das initiierte und warum, mir war ja nicht mal bewusst, dass überhaupt auch nur irgendjemand auf mich geschaut oder geachtet hätte. Also auf meine Arbeitsweise. Und natürlich hatte ich Angst davor. Ich ein Office leiten, von Null auf an und ganz allein?
Andererseits reizte mich die Vorstellung, etwas Neues auszuprobieren. Rauszukommen aus dem bisherigen Trott, dem bisherigen Alltag. Mich selber ausprobieren zu können. Aber würde ich das überhaupt schaffen können?
Mein damaliger Ehemann war strikt dagegen. Er rechnete mir vor, dass sich allein der Arbeitsweg mindestens verdreifachen würde.
"Macht doch nix", antwortete ich verträumt (wie fast immer), "dann lege ich mir eben  meine Musikkassetten ein." (Moment... Musikkassetten? Scheiße, wie alt bin ich eigentlich? Ich dachte, ich wär immer noch irgendwo zwischen 20 und 30 :))
Und dann habe ich jemanden gefragt, der mir zu jener Zeit unfassbar viel bedeutet hat. Und der sagte "Wenn du es selber möchtest, dann tu es. Du kannst das."
Dieser Mensch hat an mich geglaubt. Immer. Jeden Tag unserer gemeinsamen Zeit. Er hat nie gesagt "Das kannst du nicht."
Er hat immer nur gesagt: "Sag mir, was du tun möchtest. Und wenn es irgendetwas gibt, das ich dazu tun kann, dann sag es mir, dann mach ich es."
Es war die beste Entscheidung meines Lebens, zugesagt zu haben. Den Sprung gewagt zu haben, nach dem sich ein Sprung an den anderen anreihte.
Irgendwie fällt mir in diesem Zusammenhang ein Uraltzitat aus einem Buch wieder ein: "Bin aus den Morgensorgen gekrochen wie ein Vogel aus dem Ei. Hab die Schale durchbrochen und spaziere jetzt frei."

Rückblickend kann ich sagen.. Dass es genau dieses Gefühl ist, das wir Menschen brauchen. Dass es mindestens eine Person gibt, die bedingungslos an dich glaubt. Und rückblickend kann ich sagen, dass mit diesem Wissen und meiner damaligen Entscheidung, mich aus der damaligen Komfortzone herauszubewegen und neue Schritte zu wagen, auch der Anstoß überhaupt waren für meine Entwicklung bis heute und hierher. All die Summe der Erfahrungen, Erkenntnisse, all die durchweinten Nächte, die aufgeschrammten Knie und zwischendrin immer wieder neuen Glücksmomente - all die waren es wert, all die mussten genau so sein, um genau heute hier so stehen zu können wie ich eben stehen kann. 

Ich weiß, dass ich nicht jedem schmecke - aber das muss ich auch nicht und das war auch niemals mein Ziel. Ich kann auch nicht beantworten, ob jede persönliche Entwicklung gut oder auch negativ ist. Ich bin nicht nur ein guter Mensch, und ich weiß das. Genau wie die meisten anderen hab auch ich meine dunklen Seiten, meine Schwächen, meine Untiefen. Der Soulweepr schrieb zuletzt, er habe zu Beginn des Jahres seine Kontaktliste im Telefon aufgeräumt und sei minutenlang damit beschäftigt gewesen.
Ganz so lange wie er habe ich zwar nicht gebraucht, aber auch das ist relativ neu an mir: Mich zu lösen von Menschen und Dingen, die nicht (mehr) in mein Leben gehören. Die dort vielleicht nie hineingehört haben. Und es hat tatsächlich irgendwie etwas Befreiendes...
Im Gegensatz zu ihm habe ich diese Entscheidung nicht daran festgemacht, ob ich ein Jahr oder länger nichts vom anderen gehört hatte. Denn genau genommen.. ist es ja so: Der Weg zu mir ist genauso weit wie der Weg zum anderen. Heißt, wenn man mit jemandem in Kontakt bleiben möchte, dann kann man sich auch selbst bewegen, anstatt darüber zu hadern, dass es der andere nicht tut. Solange man das auch selbst möchte, natürlich.
Ich für mich entscheide nach dem Bauchgefühl: Gibt es eine Verbindung, egal wie lange man sich hörte oder auch nicht mehr hörte? Gibt es eine Verbindung von mir zu dem anderen Menschen? Möchte ich, dass er in meinem Leben bleibt? Es ist eine dieser Verbindungen, die man nicht erklären kann.. Die sind da, im Kopf und wo auch immer, ich kann sie fühlen, ganz gleich, wie nah oder fern jemand ist - und ob es ein halbes Leben dauert, bis man wieder voneinander hört und sieht.. Manche Verbindungen.. sollen einfach sein.. Manches bleibt für ein ganzes Leben, ganz gleich, ob der andere es mit dir teilt oder auch nicht.
Und manchmal hab ich so das Gefühl, dass diese Seite an mir die einzige ist, die sich in all den Jahren nicht verändert hat.
Ob das nun gut oder nicht gut ist, das sei dahingestellt.

Dienstag, 12. Januar 2021

Wahre Liebe unter Brüdern

 Woran ich merke, dass ich wieder zu Hause bei den Jungen bin? An Dialogen wie diesen:

Sohn I probiert die neue Winterjacke an, ist aber wie immer bei solchen Dingen nicht ganz bei der Sache.

Ich begutachte wohlwollend: "Da hatten die Rezensenten doch tatsächlich recht: Man muss die Jacke echt größer bestellen, in seinem Fall sinds glatt zwei Nummern größer."

"Kein Wunder bei der fetten Qualle", kommentiert Sohn II.

"Also bitte!" entrüste ich mich.

"Hä? Wer ist größer?" fragt Sohn I.

"Dein Pimmel jedenfalls nicht", antwortet Sohn II.

"Mein Pimmel ist immerhin größer als dein Hirn!" kontert der Große.

Wer hat diese Brut eigentlich erzogen? 

Donnerstag, 7. Januar 2021

Unverfälschte Bilanz 2020

Churchill hat ja mal gesagt: "Ich traue keiner Statistik, die ich nicht selber gefälscht habe" . Und als ich die Jahresbilanz beim Finchen las, dachte ich, dass ich das bestimmt recht interessiert in ein paar Jahren wieder lesen werde (soferns den Blog dann überhaupt noch gibt) und resümiere, ob "früher wirklich alles besser war" oder doch alles nur ne gestörte Wahrnehmung ;)

Zugenommen oder abgenommen?
Ehrlich gesagt, weiß ich das nicht sicher. Wirklich nicht. Die Waage sagt "Herzlich willkommen auf dem neuen Polsterlevel", die Gürtelschnalle wiederum sagte gestern "Weihnachten an den Keksen gespart, oder was?"
Als ich das erste Mal nach längerer Zeit nach Weihnachten (manchmal liebe ich es augenscheinlich doch ein wenig masochistisch) auf die Waage stieg, mochte ich die Zahl eher nicht glauben. Stieg runter und wieder drauf, da warens 1,5 kg mehr. Entmutigt stieg ich noch mal drauf, wars 1 kg weniger. 
Drecksteil.
Ich denke, ich verlasse mich weiterhin auf meine Klamotten. Solange die Nähte halten, dürfte alles im grünen Bereich sein. Letztlich ist für mich entscheidend, dass ich mir gefalle. 

Haare länger oder kürzer?
Nun, ich habe es tatsächlich geschafft, im Mai nach dem Ende des Lockdowns für die Friseure einen Termin zu erhaschen und da ging schon ein gutes Stück wieder ab. Also wenn ich so Fotos von Mai und aktuell vergleiche: Inzwischen ist das alles mehr als gut wieder nachgewachsen. Hätte ich mit allem so wenig Probleme wie mit dem Haarwuchs... 

Mehr ausgegeben oder weniger?
Mehr. Allein durch den Umbau bei uns hier in M, den Rest dann für den Umbau des "Jungenzimmers" in L. Das hat mir schon ewig an den Hacken geklebt, dass ich es immer schön für den Jungen haben wollte, aber auch respektierte, dass der sich von den (ollen) Möbeln seines Vaters nicht trennen mochte. Insofern bin ich dem Jüngsten immer noch dankbar, dass er seine erst vor drei Jahren gekaufte Wohnwand abgeben wollte und der Älteste sagte "Na also DIE würdsch nehmen." Das war dann mein Auftakt und die Arbeiten konnten schlussendlich im November umgesetzt werden. Dass haargenau zum selben Zeitpunkt die Waschmaschine ihren Geist aufgab, hättsch da nun nicht wirklich gebraucht, aber mich fragt ja keiner.

Die teuerste Anschaffung?
Ja, eben die Waschmaschine, wenn man "teuerste Anschaffung" auf ein Einzelteil bezieht. Alles andere hat sich aber auch gut summiert. 

Das leckerste Essen oder Getränk?
Ich denke jeden Morgen beim ersten Käffchen "Booaarr ist DER lecker!" Genießen kann ich ;)
Und sonst... Hab ich eher nicht so wirklich Essen oder Trinken, wo ich denke "Das war das beste Essen/ Getränk, das ich je hatte." Wenns schmeckt, dann schmeckts - und das tuts oft.

Der beste Film/ die beste Serie?
Ist bei mir ähnlich wie beim Essen und Trinken: Mir gefällt vieles, da brauchts für mich keine Superlative. 

Urlaub 2020?
Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Italien. Für die Italienfahrt war ich diesmal dran mit dem Fahren, also mit meinem kleinen Schwarzen. Habe mich erstmals auch in eine für mich bisher unbekannte italienische Stadt getraut. Fahrkilometer machen mir dabei nix aus, aber ich hab irre Respekt vor größeren Städten. Da habe ich genauso Angst wie aktuell, wenns ordentlich schneit (oder friert). Wann immer sich das umgehen lässt, umgehe ich es auch, aber manchmal muss ich eben dann durch. Das sorgt im blauen Ziggenheim auch immer für ordentlich Zündstoff zwischen dem Mann und mir, aber ich kann da schwer aus meiner Haut. Nach Rom rein oder nach Berlin rein oder Hamburg oder ins Ruhrgebiet - da führt bei mir kein Weg rein. 
Verlasse mich ansonsten auch aufs Navi, und auch das sorgt am Ende immer irgendwie für kleinere und größere Eskalationen. 
Wie zum Beispiel 2012 - wir auf ner Rundreise Gardasee - Toscana - Venedig. Damals mit so nem VW Bus, den nur der Mann fuhr, weil ich mir das nicht zutraue. Das hat ihn damals schon genervt, das sorgte für ordentlich Diskussionen - und genau da rein piepte gefühlt alle 400 Meter irgendsoein komisches Tom-Tom-Navi  "Achtung! Gefahrenquelle voraus!", bis dem Mann bei schätzungsweise 120 kmh endgültig der Faden riss , er das Tom-Tom aus der Halterung riss und es wutentbrannt in den Fond schmiss. In solchen Fällen hat es sich für mich bewährt, Ruhe zu bewahren, vielleicht einen Keks zu essen und aus dem Fenster zu gucken. Meistens dauert es eh nicht lange, bis er irgendwas fragt und dann kann ich ganz zuckersüß so tun, als hätte nicht gerade erst der Asphalt gebrannt. 

2020 zum ersten Mal getan?
Hm. Eigentlich wüsste ich jetzt nicht wirklich ne Antwort drauf. 
Ach doch, ja, dass ich in diesem Jahr erstmals begonnen habe, Steine zu bemalen. Anfangs als kleine Zugabe zu eigentlichen Geschenken, aber inzwischen hab ich ne kleine Schachtel voller Steine, die ich bemalen und dann da und dort an die Isar zurücklegen möchte. Wer einen findet, nimmt sich den mit (wenn er mag, ich denke da eher an Kinder, die sind noch begeisterungsfähig ;)) und freut sich. 
Dieses Gefühl mag ich: Was Schönes hinaus "in die Welt" tragen.
Irgendwie - finde ich - sollte es viel mehr Zeit und Raum für schöne Dinge geben als sich permanent immer nur auf das zu fokussieren, was man aktuell nicht darf. Ja, mich nervt da auch einiges, aber irgendwie habe ich auch wirklich die Hoffnung, dass es in diesem Jahr vor allem wieder Entspannungen für die Eltern und überhaupt die Berufstätigen gibt. Dass der Mittelstand diese ganze Scheiße übersteht und dass die Menschen aufhören, übereinander herzufallen, bloß weil einer anders denkt als der andere. Wenn, dann zuhören und argumentieren gefiele mir persönlich besser.

Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?
Auf die Corona-Hysterie. Ja, ich habe Respekt davor und kann aufgrund dessen vieles akzeptieren und mitmachen, aber Angst habe ich keine. Und ich finde gut, dass die Chinesen separate Statistiken führen: Eine erfasst die Zahl der tatsächlich Erkrankten (und Verstorbenen), die andere die Zahl der Symptomlosen (und die Zahl ist übrigens deutlich höher). Als ich darüber las, dachte ich schon auch, dass das hierzulande zu weitaus weniger Hysterie geführt hätte und vielleicht auch zu hier und da anderen Entscheidungen. 
Das war jetzt nur ein Ding.
Auf was hätte ich persönlich noch gut verzichten können? Hm. Mir fällt da nicht wirklich was dazu ein - also habe ich vermutlich wohl ein ganz gutes Jahr gehabt. 

Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
Hm tja, das müsst Ihr die Beschenkten fragen! Meine Kinder jedenfalls waren zu Weihnachten tatsächlich happy und der Mann war über das Geschenk an ihn sehr überrascht. 
Er hat auch noch nie im Vorfeld auch nur annähernd erraten können, was ich mir für ihn ausgedacht hatte.
"Weil du dir immer was dabei denkst", sagte er. "Weil du irgendwann im Laufe eines Jahres irgendwas hörst, was ich sage, oder siehst, was ich tue, und das hebst du dir dann auf."
Ist doch gut, wenn das klappt - aber ich gebe zu, manchmal ist es auch echt schwierig ;)
Und die eine oder andere Überraschung für andere ist mir offensichtlich auch geglückt, wenn ich an die Reaktionen denke. Allein das fühlt sich doch irgendwie gut an.

Beste Entscheidung?
Endlich unsere Wohnung hier in M umzubauen und dann im Herbst auch das Zimmer des Jungen. Er hat zwar nie so richtig Danke gesagt - aber an seinem ganzen Verhalten spüre ich doch, dass er sich wirklich wohlfühlt und sich freut, dass es jetzt so ist wie es ist. Und mir geht es gut, wenn es den Jungen gut geht. 

Schlechteste Entscheidung?
Hm, gibts da eine? Muss ich überlegen... Mir fällt da gerade nichts ein. Außer ein paar Fehlkäufe hier und da. Ich sag ja, 2020 scheint allgemein nicht das schlechteste Jahr für mich gewesen zu sein.

Angst 2020?
Angst... Ist es Angst? Irgendwie erfüllt es mich mit langsamer, aber stetig steigender Sorge, dass und wie es brodelt in der Welt. Gewaltbereitschaft macht mir Angst, nach wie vor und das wird sich im Jahr 2021 vermutlich nicht wirklich bessern. Auch nicht mit einem Biden in Amerika. Ich kann nicht mal sagen, woran genau ich das festmache, aber wann immer ich diesen Mann sehe, empfinde ich spontan Abwehr. Irgendwas an ihm stört mich ziemlich dolle. 

Seltsam 2020?
Dass mir nach 15 Jahren die Freundschaft gekündigt wurde, nur weil ich gegen die Corona-Impfung bin. Ja vermutlich haben der eine oder andere Kommentator recht, wenn sie sagen, dass ich den anderen mit meiner Auffassung dazu eher getriggert hatte, als dass es mit mir persönlich zu tun hatte.
Aber das Ergebnis ist dennoch dasselbe. 

Wutanfall 2020?
Na ja.. Wutanfall.. Wüsste ich jetzt direkt nicht. Aber dass die Gastronomie trotz aller (teuren) Hygienekonzepte schließen musste, versteh ich immer noch nicht. Dazu gabs - ich glaube, im Dezember - eine Bundespressekonferenz und ein Journalist fragte, warum man sich dazu entschlossen hatte. Erst wurde herumgeeiert und erst bei der dritten Nachfrage beantwortet, dass "man sich eben für ein was entscheiden musste, und die Wahl fiel dabei eben auf die Gastronomie." Hä was? Diese Art und Weise kann doch niemand nachvollziehen.
Unabhängig davon: Angela Merkel meinte auf der Pressekonferenz im Oktober, ein Lockdown sei unvermeidbar, weil aufgrund der steigenden Zahlen nicht mehr nachvollzogen werden könne, wo die Infizierungen eigentlich stattfänden, aber man vermute den privaten Bereich. Und das wäre für mich eher auch logisch - oder begegnet Ihr Euch privat unter Familienangehörigen und Freunden mit Maske? Irgendwann fällt halt der Lappen.
Wäre es dann nicht umso besser gewesen, den Menschen die Möglichkeit für Begegnungen zu lassen - aber in einem kontrollierbaren Bereich?? Da, wo es bewährte Konzepte gibt? Wo es Nachverfolgungsmöglichkeiten gibt? Wer die Möglichkeit hat, sich bis abends 20.30 Uhr in einem Lokal zu sehen, der brauchts nicht, sich dann auch noch privat (heimlich) zu treffen. 

Persönlicher Höhepunkt des Jahres 2020?
Dass der Ältere einen anderen Job gefunden hat, auf den er sich mindestens 5 mal in den vergangenen Jahren beworben hatte. Zwar wird er zweimal für ein Jahr befristet, und das birgt natürlich ein gewisses Risiko, wenn man bedenkt, dass er dafür einen festen Arbeitsvertrag aufgegeben hat. Aber am Ende muss man eben auch bedenken, was für einen Vertrag er aufgab. Drei Monate nach Arbeitbeginn verkürzt worden von ursprünglich 42 auf 36 Stunden und trotzdem Arbeiten von montags bis samstags mit durchschnittlich 9 - 10 Stunden bei Mindestlohn. Zweimal hat der Chef ihm angekündigt, ihm mehr Geld geben zu wollen, es aber nicht umgesetzt - und als ers tun wollte, hatte der Junge bereits die Zusage vom neuen Arbeitgeber.
Was mich aber wirklich am meisten von allem für meinen Jungen gefreut hat: dass der "alte" Arbeitgeber alles versucht hat, ihn zu halten. Und als er wusste, dass der Junge an der Entscheidung zu gehen festhält, ihm einräumte, jederzeit zurückkommen zu können, "wenn du merkst, dass das andere doch nichts für dich ist." Diese Chance bekommt er als einziger, für alle anderen galt bisher eins: "Ist man raus, bleibt man raus."
Ich denke, dass es insgesamt für seine persönliche Entwicklung wichtig war und ist, auch so etwas erfahren zu können. Wir haben auch ziemlich lange am Kündigungsschreiben gefeilt. Es sollte trotz allem wertschätzend sein - und offensichtlich wurde damit auch der richtige Nerv getroffen.

Persönlicher Tiefpunkt des Jahres 2020?
Das war einmal im Frühjahr, nachdem der Hausarzt meinen Fall übergeben hatte an das Zentrum für seltene Erkrankungen in L und deren lapidare Antwort dazu kam - und im Sommer nach dem zweiten Termin bei der Endokrinologin. Noch im ersten Termin hatte sie eine ganze Liste an möglichen Untersuchungen avisiert, nur um dann nach dem zweiten Termin alles, wirklich alles zu kippen. Warum, das weiß ich bis heute nicht. Meine Nieren arbeiten, wenn auch ziemlich verzögert, aber sie arbeiten. Was grundsätzlich erstmal wichtig ist. Die Nebennieren produzieren das körpereigene Cortison und damit brauche ich keine medikamentöse Unterstützung, jedenfalls theoretisch nicht. Praktisch ist es jedoch so, dass nur Cortison allein bisher geholfen hat. Leider in einer Dosis, die nicht auf Dauer angewendet werden kann - oder in schätzungsweise zehn Jahren sind meine Knochen hinüber. 

Ich hatte sie jedoch anfangs nicht so verstanden, als dass die Cortisongabe das einzige Mittel der Wahl bleiben sollte. Eigentlich hatte ich sie eher so verstanden, als dass verschiedene Dinge abgeklärt werden sollten - und damit geschaut würde, welcher Weg sich nun für mich eröffnen ließe. Nach dem zweiten Termin aber war mit einem Mal Schluss, das zuvor prophylaktisch ausgestellte Rezept entsorgte ich weisungsgemäß - und danach.. fiel ich ziemlich tief. Wenn auch nur für ein paar Tage, aber ich fiel. 

Der Hausarzt meinte noch im Februar, dass die sehr eindeutige Reaktion des Körpers auf das Cortison "richtungsweisend" sei, nur weiß er nicht, in welche Richtung. Infektion, Entzündung ja, aber wo? Im Kopf? Im Nervensystem? In den Sehnen? In der Muskulatur? Zumal die Problematik in all den Jahren zwar in beiden Fußsohlen und in beiden Händen, sonst aber ausschließlich auf die linke Körperhälfte beschränkt ist. 
Damit kann einfach niemand etwas anfangen, 2005 nicht, 2017 nicht und ab 2018 mit den seither deutlichen neurologischen Ausfällen auch nicht. 
Manchmal bin ich mental etwas gestrauchelt, 2020 gleich zweimal, aber.. The Show must go on, irgendwie. Und dann, in den allerschlimmsten Momenten, da habe ich immer noch meine Musik ♥️

2020 war mit einem Wort...?
2020 eben. 

Notizen 2019 bzw. Wunschzettel 2020/
Notizen 2020 bzw. Wunschzettel 2021:

Die Notizen könntsch mir vielleicht hier im Blog nachlesen, aber Wunschzettel hatte und habe ich keine. Ich plane nicht wirklich und nehme mir auch nichts vor: Wenn ich etwas ein ganzes Jahr lang nicht geschafft oder gemacht habe, dann war dazu entweder (noch) keine Möglichkeit oder es war nicht wichtig genug. 
Ich brauche keine Vorsätze, die ich sowieso nicht einhalte.
Letzlich bleibt mir immer nur ein einziger Wunsch: mich glücklich fühlen zu dürfen. Darauf baut am Ende ja doch alles irgendwie auf. 

Montag, 4. Januar 2021

JaSk!

 Als ich heute Vormittag mein erstes Geburtstagskind in diesem neuen Jahr anrief, um ihr zu gratulieren, da wünschte sie mir - weil wir seit Dezember nicht noch mal gesprochen oder geschrieben hatten, "Ein fröhliches JaSk"! 
"Hä was?"
"Ein fröhliches Jahr mit viel JA und viel Skol!"

Eigentlich wollte ich sie wirklich nur kurz (aber dafür eben persönlich) anrufen und gratulieren, um sie dann wieder zurückzuentlassen in die Familie und diese ganzen Feierlichkeiten. 
Aber natürlich artete das wieder aus und wir wurden nach zwei Stunden "zwangsunterbrochen".
Wir haben aber auch echt immer wieder so viele Themen, kommen vom hundertsten in tausendste - für mich tatsächlich eher untypisch. Es gibt nur sehr wenige Menschen, die mich "zum Reden" bringen. Und telefonieren an sich mag ich eh schon nicht. Ich fühl mich dann so... "gefesselt"... Kann maximal barfuß auf dem Holzfußboden hin und her laufen oder mich darauf legen, die Beine übereinander gelegt und an die Wand gelehnt oder mit dem Blick hinaus ins Grüne oder in den Sternenhimmel. Es passiert schon selten, dass ich viel erzähle und selbst wenn ich still bin und nur zuhöre, mache ich oft Sachen nebenbei. Vorzugsweise die, die der andere nicht hört oder mitkriegt (wie zum Beispiel den Spüler ausräumen - oder was dachtet Ihr?) Und das ist eben schwierig beim Telefonieren, denn da.. geht so gut wie nix nebenbei.

Sie erzählte mir, sie habe von ihrer Chefin ihr Horoskop geschickt bekommen - und selbst wenn sie nicht an sowas glaubt, fand sie es doch lustig und vor allem passend.
Justament bekam ich mein eigenes "serviert", zwar eher als Typbeschreibung und weniger als Vorhersage - aber amüsiert hat es mich dennoch! Die bereits erfolgte Übersetzung erschien mir an der einen oder anderen Stelle etwas holprig, aber da ich den originalen Wortlaut nicht bekam, nahm ich diesen :)

Das Hauptmerkmal des Zwillinge-Hahn-Zeichens ist eine veränderliche Laune. Es ist unmöglich, seine Handlungen vorauszusehen und die Motive von Handlungen zu verstehen.
Ha! Das hatte schon mein Ex immer gesagt "Ich denke immer, ich kenne dich, und dann machst du Dinge, von denen ich merke: Ich kenne dich überhaupt nicht." Und der aktuelle Mann empfindet es ähnlich ;)
Es gibt so viele Ideen in seinem Kopf, dass er keine Zeit hat, eine Verhaltensstrategie zu entwickeln. Das stimmt! In manchen Fällen: leider!! Hinzu kommt, abhängig von äußeren Umständen: Die Stimmung des Zwillinge-Hahns ändert sich blitzschnell. Er neigt nicht zur Introspektion, zählt nicht die weiteren Schritte, sondern folgt einfach seinen Gefühlen. Deshalb müssen Verwandte besonders sensibel und aufmerksam darauf sein. Ein nachlässig geworfenes Wort in seiner Ansprache – Hahn-Zwillinge ist tödlich beleidigt. Na ja... tödlich beleidigt würde ich persönlich jetzt nicht sagen - aber man kann mich mit nur einem (falschen) Wort treffen, das ist wohl wahr. Dann ziehe ich mich oftmals zurück, manchmal für einen Moment, manchmal für länger. Obwohl ziemlich schnell den Konflikt vergessen und verhält sich, als ob nichts passiert wäre. Bei den meisten Themen stimmt das. Aber gerade im Zwischenmenschlichen ist das nicht ganz so einfach. Zwar verhalte ich mich schnell so, als sei nichts passiert - aber es wirkt sehr lange in mir nach. Mitunter jahrelang - und dann weiß ich auf Tag und Minute noch genau, was wie passiert ist ;) Und an geeigneter Stelle grabe ich diese Keule auch wieder aus. Natürlich. Frauen machen sowas :)  Das ist die Natur des Zwillinge-Hahns: kindliche Spontaneität und Aufrichtigkeit.

Hartnäckige, emotionale Hahns-Zwillinge finden sich oft in peinlichen Situationen wieder. Öhm.... Oft nicht. Aber wenn, dann nachhaltig ;) Sie halten es nicht für notwendig, ihre Meinungen zu verbergen, sie sprechen immer direkt, was sie denken. Das stimmt definitiv nicht - nicht für mich. Für mich stimmt eher mein eigener Leitsatz "Ich sage nicht immer, was ich denke. Aber wenn ich was sage, dann meine ich es auch so." Sie sind aktiv und unermüdlich in ihrem Wunsch, ihre Richtigkeit zu beweisen. Zwillinge-Hahns sind bereit, endlos die Beziehung mit anderen zu erfahren. Und während des Streites vergessen sie die Gründe für ihre Unzufriedenheit. Das vergiss mal! Die ersten gehen zur Versöhnung und kaschieren keinen Groll: Der Skandal ist kein Grund, die Kommunikation zu stoppen. Zwillinge-Hahns sind bezaubernd und spontan, machen zumindest einen solchen Eindruck. Sie sind jedoch vernünftig, intelligent und glauben fest an ihren Erfolg. An welchen Erfolg?? Wenn ich an meinen Erfolg glauben würde, würde das ja bedeuten, dass ich einen Plan hätte. Ich habe aber keinen. Ein Ziel vielleicht. Aber wie ich da hinkomme, weiß ich im Vorfeld so gut wie nie. Das einzige, das ich anwende hier und da, is ne Strategie. Und dann guck ich, obs klappt oder ich doch nen anderen Weg nehmen sollte ;) Sie sind in der Lage, profitable Transaktionen abzuschließen, *Ihr seht mich grad vor Lachen auf dem Holzfußboden hin und her rollen!* sie streben danach, ihr Leben zu verbessern. Männer und Frauen dieser Kombination lieben Komfort und Luxus, Im ersten Moment dachte ich: "Watt?? Luxus?? Aber dann dachte ich: Man muss sich vielleicht auch fragen, ab wann etwas Luxus ist. Wenn man zum Beispiel jede Woche Badewasser einlässt oder sich für Fünf Euro Achtzig einen großen Milchkaffee in der Sonne bestellt (die Schweine; als ich sagte, ich hätte doch nur den Kaffee gehabt und ohne Kuchen, da lachten die bloß!), dann ist das tatsächlich auch Luxus. achten besonders auf ihre Garderobe. Ähm ja, das stimmt wohl. Wobei mir nicht die Marke wichtig ist, sondern mein eigenes Gefühl: Fühl ich mich wohl darin? Gefalle ich mir? 

Der Hahn-Zwillinge ist ein guter Redner: Er ist sehr überzeugend in seinen Reden. Na ja.... Ick weeß ja nich. Lass ihn nicht immer über seine Taten berichten, sondern glaube fest an eine gute Zukunft. Positiv, aktiv und freundlich zu anderen – führt leicht Menschen hinter sich. Sicher, er besteht nicht zu sehr auf der Rolle des Führers, er weiß, wie er die richtige Position einnehmen kann, abhängig von der Situation. Über ne Führungsrolle hab ich nie nachgedacht, echt nicht, ich schwörs, ich bin da eher reingeschubst worden. Mir gehts immer nur um eins: Fair muss es sein.  Er weiß, wann es möglich ist, sorglos und fröhlich zu sein, und wenn es notwendig ist, seine besten Qualitäten zu zeigen: Verantwortung, Verstand, Diskretion. Zwillinge-Hahn liebt es zu träumen, *jauchz!* er zeichnet sich durch eine reiche Fantasie und entwickelte Einbildungskraft aus. Bei Bedarf ändert sich leicht seine Sichtweise. Das stimmt zwar, ist aber nicht ganz so luftikus-artig, wie das klingt. Es ist eher abhängig von Argumenten. Wenn die mich überzeugen, dann weht das Mäntelchen halt in die andere Richtung. Er ist in der Lage, gewöhnliche Dinge zu tun und zu glauben, dass dies sein Traum ist. Passt sich leicht an neue Bedingungen an und wird niemals ohnmächtig. Hier hättsch gerne mal das Original gelesen. Ohnmächtig meinten die ganz sicher nicht - aber der Rest stimmt ;) 

Leicht entflammt Zwillinge-Hahns sind unbeständig in ihren Vorlieben. Heute, begeistert von einer Person und morgen – zu anderen. Na das stimmt jetzt nicht ganz so. Ich entgeistere mich eigentlich nur aufgrund des Verhaltens des anderen. Je mehr ich mich wiederfinde, desto anziehender wirkt jemand auf mich. Aber manches erschreckt mich eben auch und dann isser vorbei, der Zauber ;)  Und sie glauben aufrichtig an ihre Gefühle und planen eine Ehe. Windige, instabile Zwillingsschwänze *kreisch!!!!* erfüllen nicht nur ihre Verpflichtungen nicht, sondern verlangen sie auch nicht von anderen. Sie sind nicht eifersüchtig, sie sind keine Besitzer. Das stimmt, ich besitze nicht. Wenn ich das Gefühl habe, nicht wirklich gewollt zu sein, bin ich eher sofort weg. Sie begehen rücksichtslose Taten im Namen der Liebe, Das ist gemein, aber leider wahr. sie können auf sich aufmerksam machen. Mit dem Zwillinge-Hahn wird es nicht langweilig und schon eine kurze Romanze mit ihm wird die angenehmsten Eindrücke hinterlassen. Das kann ich doch nicht einschätzen, aber ich denke eher nicht. 

Das Liebeshoroskop zeigt das Hauptgeheimnis der Kompatibilität mit dieser aufbrausenden Person – keine Kritik. Trotz seines Stolzes und seiner Hartnäckigkeit ist der Zwillinge-Hahn sehr abhängig von den Meinungen von nahen Menschen. Aufbrausend bei Kritik eher nicht - aber es wirkt sehr lange in mir nach. Dann hinterfrage ich alles und jedes und zuallererst mich selbst. Aber ich ticke aus, wenn es ungerecht oder gar beleidigend wird.  In seinem Leben, vielen Schwierigkeiten und Problemen – dieser geborene Kämpfer ist immer auf der Hut vor Ordnung und Gerechtigkeit. Die Familie sollte sein Schutz und seine Unterstützung werden. Im Umgang mit geliebten Menschen ist er weich und geschmeidig und gibt ihnen leicht die Rolle des Anführers. Er duldet keine Bemerkungen und reagiert emotional auf die harmloseste Kritik: er verliert sofort die Beherrschung. Na ey, ich bin doch keene 12 mehr! E bissl was habsch schon gelernt inzwischen :)

Ein unternehmungslustiger, aktiver Hahn schafft es nicht immer mit unvorhersehbaren Zwillinge fertig zu werden. Es ist schwierig, die Handlungen dieser frivolen Vertreter des Luftschildes vorauszusehen. Das Ergebnis: Zwillinge-Hahn zeichnet sich nicht durch Verantwortung und Seriosität aus. Springbrunnen von Ideen, anfällig für überstürzte Aktionen und mutige Experimente. Der Zwillinge-Hahn ist schwer als idealer Angestellter zu bezeichnen – er ist durchaus in der Lage, das Team zu führen. Er streitet gern, erfüllt oft nicht die ihm übertragenen Aufgaben.
Also diesen Absatz kann ich irgendwie so nicht unterschreiben. Weil, wenn dem Ganzen so wäre, stünde ich vermutlich nicht in der Position, in der ich gerade bin - und in die ich noch kommen soll. Ich schiebe das jetzt mal auf ne hundsmiserable Übersetzung - wer war das?! :) 

Widerspenstig Zwillinge-Hahn ist am besten geeignet, um mit einem flexiblen Zeitplan zu arbeiten. Braucht Freiheit, erträgt keine strenge Kontrolle. Kann nur in einer Atmosphäre von Wohlwollen und vollem Vertrauen schaffen. Diese Person mit einer entwickelten Sprache und einer reichen Fantasie kann jeden mit seinen Ideen erfassen. Kann Schriftsteller, Künstler, Kunsthistoriker, Schauspieler oder erfolgreicher Geschäftsmann werden. Energisch, beweglich, der Kampfgeist ist stark in ihm, so wird er sich nicht irren, wenn er ernsthaft Sport treibt.
Dieser Absatz hier ist wohl der beste Beweis für ne schlechte Übersetzung - aber ich denke, die Kernaussage stimmt in jedem Fall ;) 

Zwillinge Frau, geboren im Jahr des Hahns, ist nicht allzu offen gegenüber anderen. Sie führen einen aktiven Lebensstil, sprechen mit großer Freude, behüten aber sorgfältig ihre Geheimnisse und Geheimnisse. Da ist was dran ;) Helle, unabhängige Frauen machen Zwillinge-Hahn den angenehmsten Eindruck, Männer verbringen gerne Zeit in ihrer Gesellschaft. Emotionaler, etwas unberechenbarer Mensch macht es nichts aus, verheiratet zu werden und einen zuverlässigen Verteidiger zu finden. Ich finde tatsächlich immer noch, dass die Ehe etwas ganz Wundervolles ist. Jedoch nur mit dem Richtigen. Es gibt zwar keine Garantie, dass sie zu vorbildlichen Hausfrauen werden. *schkönntmischbeömmeln* Ihr ganzes Leben lang suchen sie nach ihrer Berufung, sie werden in jedem Beruf stattfinden können, wenn sie auch etwas Beharrlichkeit zeigen. Ne! Definitiv nicht in jedem Beruf! Es ist leicht, sich davon zu befreien, ebenso schnell enttäuscht, aber verlieren Sie nicht die Anwesenheit des Geistes.
Mann o Mann.. Her mit dem Originaltext, bitte ;) 

Was soll ich sagen.. Ich habe in obigen Zitaten nicht wirklich Neues über mich herausgefunden - aber es hat mich einmal mehr köstlich amüsiert. Und jetzt habe ich mir den Mund trocken geredet, ich brauch jetzt ein Käffchen und muss mir noch das Haar fönen. Auf gehts :)