Mittwoch, 17. Juli 2019

Von Kopf bis Fuß

"Das würde ich nicht mitmachen, ich würde drauf bestehen, dass es dieselbe bleibt", hatte meine Freundin letztens angemerkt, als ich erwähnte, dass ich nach vier Physio-Behandlungen bereits die dritte Therapeutin präsentiert bekam.
Sicherlich ist es so: Je mehr Leute man fragt, desto mehr Antworten bekommt man - und dann ist man nicht selten weniger schlauer als zuvor, weil man nicht weiß, was man glauben soll. In meinem speziellen Fall weiß das ja aber eh niemand - und ich persönlich fand diesen häufigen Wechsel eher positiv: Ich erhielt mehr Denkanstöße. Eigentlich weniger für mich, mehr für die behandelnden Ärzte, aber letztlich bedeutet es auch für mich, dass ich aktiv etwas angehen kann.
Die erste sprach vom Entfernen meines zweiten Hirns (ich fürchte da eine Gehaltsreduzierung aufgrund nachlassender Hirnleistung ;)), die zweite hat mein Herz im Verdacht und die dritte stellte just mit der 5. Behandlung fest: "Ihre Füße finde ich wirklich äußerst spannend." Öhm....

Als sie mich begrüßte und nachfragte, wie ich mich fühle, erklärte ich matt: "Ich glaub, heut ist nicht so mein Tag." Woraufhin sie sich nicht, wie geplant, mit der Wirbelsäule, sondern den Fußsohlen und hier konkret mit den Reflexzonen befasste. Was soll ich sagen.. Ich lag da zwar komplett entspannt, aber nutzlos auf der Liege, jedoch die Watte in meinem Kopf verschwand fast schlagartig. Ein Effekt, den ich ja, wenn auch nicht gar so deutlich, mit den Spritzen in meinen Kopf empfunden hatte.
"Wie kann ich das am effektivsten zu Hause machen?" fragte ich.
"Mit einem kleinen Ball in Tischtennisballgröße. Er sollte glatt sein, ohne Noppen, aber hart."
Äh... Ja gut. Nach ein bisschen Gekicher und so hab ich dann meine Unterschrift geleistet, schritt schwungvoll zur U-Bahn und durchforstete daheim das Internet. Es ist gar nicht mal so leicht, einen medizinisch wertvollen Ball zu bekommen, der weniger als 6 Zentimeter misst.
"Dann nimm doch die mit 6 Zentimetern", sagte der Mann.
"Nää! Die sind zu groß für meine Füße. Ich muss damit richtig in die Tiefe können."
Grinsen.
"Sonst guck doch mal nach Flummis", empfahl der Mann, "hart sind die auch."
"Hm. Stimmt. Aber dann muss ich mindestens 20 Stück kaufen. In allen möglichen Farben. Sogar mit Gesicht. Aber was soll ich mit zwanzig Flummis?"
Er hat dann seinen Noppenball rausgekramt und probiert.
"Geht doch super!"
"Hallo? Meine Füße sind doch viel zarter als deine."
Er hat dann noch ein bisschen weiter herumgekramt und diesen schwarzen Ball gefunden.
"Nicht ganz so hart, aber effektiv."
Gekicher.
"Darfst halt nicht so doll drauftreten."

"Jeden Tag eine Minute je Fuß", hat die Therapeutin gesagt.
Natürlich habe ich es übertrieben und am ersten Tag gleich mal fünfzehn Minuten draus gemacht. Weils einfach so super ging. Die Quittung kam dann gleich am Tag drauf.
"Ist das normal, dass das so schmerzt, so dass ich am liebsten an die Decke springen wollte?" beklagte ich mich beim Mann, der sich nach Yoga und Joggen gerne und oft auf irgend so einer komischen Rolle wälzt.
"Na klar ist das normal", nickte er ungerührt. "Parole: Durchhalten!"
Gestern habe ich mich auf die eine Minute beschränkt, die mir wie eine Ewigkeit vorkam. Heute bin ich nur um den Ball rumgeschlichen, rangewagt habsch mich noch nicht. Ich muss aber und ich werde auch. Ich will ja weiterkommen. Und es wäre interessant zu entdecken, ob es damit besser wird und ich auf diese unseligen Spritzen verzichten kann, die inzwischen punktuell auf der Wirbelsäule aufgebracht werden. Ich habe mir dann auch im Internet so ne Übersicht zu den Fußreflexzonen rausgesucht und abgespeichert.
"Ball an Magen! Ball an Herz! Ball an Schilddrüse. Iiieeh, das knackt aber komisch! Ball an Dickdarm! Aua scheiße, das tut ja richtig weh!"
Diese ganze Aktion gestern und vorgestern war schmerzhaft, aber lustig.

"Alles hängt miteinander zusammen", hatte die Thera erklärt. "Der ganze Körper ist miteinander verbunden. Das wird nur gerne vergessen."

Dienstag, 16. Juli 2019

...und der Abend ist gekommen wie ein großes sanftes Tier



Der Mann sammelt Vinyls, schon seit er Kind war. Die Scheiben aus seiner Jugend hat er irgendwann als Twen verkauft, als er Geld fürs Moped brauchte. Das bedauert er heute noch. Und als ich mir vor einiger Zeit die Mühe machte, seinen Bestand durchzugucken, was er alles so hat (beziehungsweise nicht hat), stellte ich verwundert fest, dass er alles mögliche besitzt - aber keine Scheibe aus jener Zeit.
Das habe ich zum Anlass genommen, selbst in diese Welt einzutauchen und ihm eine Originalscheibe zum Geburtstag zu schenken.
"Was hast du denn dafür bezahlt?" hat er ganz verwundert heute Nacht, kurz nach Mitternacht gefragt und ich hab gegrinst: "Geld!"
"Oh Gott, du hast bestimmt zuviel bezahlt!"
"Leg sie doch mal auf."

Ich will diese Zeit damals gar nicht verklären. Ich kenne einige, die sich nicht gerne erinnern. Und die froh sind, dass es die DDR nicht mehr gibt. Nach allem, was ich irgendwann später las, sah und erfuhr, sehe ich es zumindest so, dass es gut ist, dass es diese Diktatur nicht mehr gibt.
Aber wir lagen bis heute morgen irgendwas nach zwei Uhr auf dem Sofa und tauchten beim immer und immer wieder hören dieser LP von Electra in Erinnerungen ein.
Meine frühen Erinnerungen an die Ferien bei der Oma auf dem Land. Wo ich Frösche fing und wieder freiließ. Wo ich in den Bäumen herumkletterte und Eierpflaumen pflückte. Wo ich Kartoffelkäfer in einen Blecheimer sammelte. Wo ich zwischen den Großeltern schlief, weil ich zu groß für das Gitterbett, aber noch zu klein (und zu ängstlich) für das Sofa im dunklen Wohnzimmer war. Wie meine Oma ihre Zinkwanne auf den Küchentisch stellte und mich hineinsetzte. Ich auf meine Beine sah und partout nicht auf das Wort "Härchen" kam und sagte: "Oma, jetzt werden meine Federn ganz nass!" Wie in jedem ihrer Pakete, die sie von Besuchen bei ihrer Schwester im Westen schickte, immer Kaugummis drin waren, die ich in die Hand nahm, die Straße vor unserem Haus hinunterlief, mich dort in den Sand setzte und einen nach dem anderen auswickelte, kaute, ausspuckte, sobald sich der Zuckergeschmack verlor, und die Bildchen sammelte. Diese Fix und Foxi-Tattoos so lange stolz auf dem Arm spazieren trug, bis der wirklich aller-allerletzte Rest beim Baden vom Arm gekratzt werden musste. Wie meine Mama am Küchentisch saß, den Kopf in die Hände gestützt, und der Papa kam von der Arbeit, sah sie da so sitzen und fragte nur noch: "Wer ist es diesmal?" Was völlig egal war, denn war einer krank geworden, wurden es unmittelbar danach die anderen beiden eh. Für meine Eltern hieß es damals nur: Noch weniger Geld, denn bezahlte Freistellung im Krankheitsfall kam erst, als sie es nicht mehr brauchten.
Wie die Mama mir und meinem jüngeren Bruder ein Zuckerei aufschlug, die Stühle auf den Küchentisch stapelte und uns hineinsetzte, während sie den Küchenboden wischte - und wir da oben längst wieder raus wollten, obwohl der Boden noch nicht wieder trocken war. Den Geruch nach Bohnerwachs habe ich bis heute in der Nase - und mag ihn immer noch nicht :)

"Wir sollten schlafen gehen", hat der Mann so gegen zwei Uhr gesagt - und eigentlich war ich so hellwach, dass ich noch viel länger hätte Erinnerungen auskramen oder mir seine anschauen wollen. Aber ich hatte erst am Montag die Nacht zum Tage gemacht und hatte erst irgendwas nach drei Uhr mit eiskalten Beinen ins Bettchen gefunden. Da siegte jetzt einfach die Vernunft.
Heute Morgen gegen 8 Uhr 30 weckte mich dann der Piepston der Kollegin, die mir schrieb, ich möge doch mal den Chef zurückrufen, der sei schon ganz wuschig.
Das ist das Schöne am Home Office: Du wirst wach, springst aus dem Bett und bist innerhalb von 3 Sekunden erstmal am Arbeitsplatz. WIE das aussieht, interessiert ja hier keinen :)

...



Alles Liebe zum Geburtstag..

Donnerstag, 11. Juli 2019

Kategorie Fundstücke: Der ultimative Liebestest

Bildquelle: https://www.facebook.com/IKEAdeutschland/photos/a.300863286695051/2006771409437555/?type=3&theater

[Ist das jetzt Werbung, die als solche gekennzeichnet werden muss? Wat weet ick denn!]

Muhaha!
Grad so hat er's noch in die Kategorie "Der Eine" geschafft. Nur über 2. und 4. müssten wir noch mal reden. Müssten. Denn eigentlich können wirs auch lassen - wieso immer reden? ;)
Auch als Frau rede ich nicht gerne viel und schon gar nicht ohne Punkt und Komma. Es sei denn, ich bin wild und aufgebracht, aber DAS ist eine Ausnahmeverfassung, die zählt nicht.
Nur das mit dem Ring vergesst mal. Ich hab ihm angeboten, sich Zahngold draus zu machen. Obwohl... Wär n bisschen viel Gold für so n Zahn. Nicht dass er dann so hier nach Hause kommt. Örks. Dann vielleicht doch lieber n paar neue Manschettenknöppe.

Hach ja. IKEA. Ich liebe Euch :)

P. S.: Habe ich jetzt eigentlich Werbung für die gemacht? Ne, oder? Ist gar nicht mehr so einfach in Zeiten wie diesen, frei von der Leber weg zu bloggen!

Dienstag, 9. Juli 2019

Der äußere Schein


Nachdem ich meine Freundin endlich überreden konnte, sich ins Bettchen zu legen (als junge Mama braucht man schließlich seinen Schlaf, kenn ich alles noch, hab nix aus dieser Zeit vergessen ;)), da beendete ich den Chat mit ihr, nur um gleichzeitig den Power-Knopf an meinem Laptop auf On zu drücken. Ich weiß, dass ich nicht schlafen kann, wenn ich jetzt die Gedanken nicht herauslasse. Wahrscheinlich wird sie das morgen lesen und sagen "Scheiße, das wolltsch vlei ma wirklich nich" - aber hey, is nich Deine Schuld. Doch mit dem heutigen Chat über das Verhalten von Kindern in Grundschulklassen, das aus meiner Sicht bereits an Mobbing grenzt, wenn es das nicht gar schon ist, wurden Erinnerungen in mir wachgerufen. (Außerdem will ich nachher noch Medical Detectives schauen und muss gucken, dass ich wach bleibe ;))

Meine Mama sagt heute manchmal, ich wäre als Kind absolut pflegeleicht gewesen, ich hätte ihnen nie Schwierigkeiten gemacht und ihnen nie Sorgen bereitet. Alles wäre immer glatt verlaufen. Sorgen bereitete ihnen dafür der Große und der Letzte, so mein Empfinden, war der Familienliebling. Der mit dem unschlagbaren Mutterwitz, über den wir heute noch herrlich lachen können.
Und ich? Ich war das Sandwichkind. Ich war.. eben da.
Meine Mama sagt dann heute manchmal, ich hätte als Kind viele Freundinnen gehabt.
Genau genommen stimmt das so rum nicht. Ich hatte keine Freundin, mit der man against all odds zusammen war. Ich war immer mal mit jemandem befreundet, aber ich war auch viel alleine. Klassenfahrten habe ich gehasst, weil mit diesen so offenkundig wurde, dass man eben mit niemandem wirklich verbunden war. Weil man nicht im geschützten Zuhause war - und allein war. Es gab auch Zeiten, da war ich mit, ich war dabei, geduldet, aber unbeachtet. Wie man sich eben oft auch als Sandwichkind fühlt.
"Oh je", schreibt meine Freundin, "hat Dich das geschädigt?"
Ich muss nicht wirklich darüber nachdenken.
"Ja das waren keine schönen Jahre. Ich bin bis heute unsicher mit mir selbst. Nicht mehr so schlimm wie früher, aber es ist auch heute immer noch einfach, mich zu verunsichern."
Ich weiß, dass man mir das nicht zwingend anmerkt. Grad wenn es um andere geht, kann ich mich unglaublich stark machen. Kann ich auch unglaublich stark sein.
Aber wenn es um mich geht?
Ich würde nie, nie im Leben auf die Idee kommen, von mir aus einen Schritt auf einen anderen Menschen zuzugehen, den ich nicht kenne. In der Vergangenheit wurde mir das schon öfter als Arroganz ausgelegt, dabei liegt diese Zurückhaltung lediglich in der Furcht vor Zurückweisung begründet. Im Gegensatz zu anderen möchte ich gar nicht im Mittelpunkt stehen, im Gegenteil. Ich bin eher die, die das Geschehen am Rand betrachtet, Menschen beobachtet und dabei mit einem Strohhalm genüßlich beispielsweise den Hugo aus dem Glas saugt. Aber ich möchte beachtet werden. Nicht nur mit sein.
Menschen interessieren mich, sie faszinieren mich, aber sie erschrecken mich oft auch.
Für mich teilen sie sich nicht in Feind oder Freund, für mich zählt nur, ob ich im anderen einen Gleichklang finde, der meinen ergänzt oder zu mir passt. Heute lege ich keinen Wert mehr darauf, viele Menschen zu kennen, heute lege ich Wert darauf, dass Menschen mit mir sind, die mich sehen. Denen ich nichts beweisen muss. Denen ich genüge mit dem, das mich ausmacht.
"Meine Physiotherapeutin würde dir gefallen", habe ich letztens dem erstaunten Mann erzählt.
"Wie kommst du denn darauf?" hat er gefragt.
"Na.. Die ist Ende zwanzig, glaub ich, sehr sportlich, hat lange braune Haare, große braune Augen und einen Herzmund."
Er hat sich mir entgegengebeugt.
"Willst du mich loswerden?"
"Äh.. Ne?"
"Aber es ist alles in Ordnung? Oder verschweigst du mir was?"
"Äh.. Ne? Es ist alles in Ordnung."
"Gut." Er hat sich beruhigt zurückgelehnt und den Kopf geschüttelt. "Manchmal bist du komisch."
Es liegt sicherlich auch in unserer gemeinsamen Historie begründet, dass ich uns nicht wirklich über den Weg traue. Aber es liegt auch in der nicht gemeinsamen Historie begründet, dass ich mir bis heute nicht zutraue, jemand zu sein, von dem man sagt "Du bist alles, was ich will."
"Du bist aber alles, was ich will", sagt der Mann dann.
Bist du dir da sicher? Auch wenn ich Wandern scheiße finde und Berge kein Herzklopfen in mir auslösen? Auch wenn ich mich jedes Jahr neu weigere, deinen Oldtimer zu fahren, auch wenn du sagst "Du musst es lernen! Wenn wir damit in Italien sind und mir was passiert, musst du es können." 
"Nö. Dann rufe ich jemanden an, der das kann."
Auch wenn bei uns du am Wochenende Frühstück machst, weil Ausschlafen bei mir nicht sieben Uhr fuffzehn bedeutet? Auch wenn du manchmal zweifelst, wer hier wen überlebt und du aber der erste sein willst, der geht, weil er es andersrum nicht ertragen könnte? Auch wenn ich oft unbekümmert Bauch-Entscheidungen treffe, die dich in den Wahnsinn treiben, weil du selbst alles ja ganz anders machen würdest? Auch wenn es dich grämt, dass ich nicht mit dir jogge, sondern mich lieber in der Badewanne aale? 
"Auch dann!"
Dann lächel ich.
Und für einen Moment lang glaube ich ihm.

Hab grad gesehen: Medical Detectives startet heut um 0:55. Ja ne. Das ist ja noch ne Stunde hin. N Käffchen könnt ich jetzt noch vertragen, aber noch ne Stunde warten.. Ich glaub nicht.

Montag, 8. Juli 2019

Sometime Around Midnight


Mir passiert das tatsächlich selten, aber auch bei mir gibt es Tage, wo ich gefühlt am Boden klebe, dem Gefühl unterliege, nicht recht vorwärtszukommen. Und es mir irgendwie die Stimmung "verklebt", ich nur äußerlich den Mund verziehe - und alle denken, ich lache.
Es ging mir nicht so gut in den letzten Tagen und anfangs konnte ich nicht mal wirklich begründen, was mir da auf der Seele lag. Mir war nicht ganz klar, warum ich dem Gefühl nach so am Boden herumkrebste. Woher dieses Gefühl kam, grad nicht in mir zu ruhen.

Und dann, im Dialog mit der einen und anderen Freundin, wurde es mir bewusst. In Vorbereitung auf einen morgigen Termin hatte ich Dokumente herauszusuchen. Befunde zu kopieren, MRT-Aufnahmen bereitzulegen. Und in all dem Blättern längst vergangener Termine, dem Nachlesen des Unwillens anderer, der Ungnädigkeit und Gleichgültigkeit anderer und dem eigenen Status Quo, nach dem es mir zwar deutlich besser geht, aber eben noch nicht alles wieder wie vormals ist, da übermannte es mich: Dieses Gefühl, dieser Unwillen, diese Ungnädigkeit und diese Gleichgültigkeit anderer wären vielleicht doch die richtige Antwort auf ein scheinbar aussichtsloses Ziel gewesen. Die Hoffnung, der Aufwand, die Kosten - umsonst. Oder doch nicht?

"Fazit: Weiterhin optimistisch bleiben, auch wenn's verdammt schwer fällt, und weiter kämpfen."

Diese heutigen Worte einer Kommentatorin kamen heute irgendwie im richtigen Moment. Sie fingen mich auf am Abend, sie begleiteten mich, während der Mann zum Yoga ging und ich mich in der Musik vergrub. Sie begleiteten mich, während ich einer Freundin antwortete, ihr wiederum Mut machte für ganz andere, weitaus elementarere Dinge. Und dann dachte ich: "Mensch, was willst du eigentlich, so schlecht geht es dir doch gar nicht, es wird doch. Und außerdem ist Sommer."
Ich habe mich gefragt, ob es in der Natur des Menschen liegt, dass er nicht mehr mit kleinen Schritten zufrieden sein kann - und ob er immer mehr haben muss? Ob ihm die gereichte Hand nicht mehr genügt und er deshalb gleich Besitz vom ganzen Menschen ergreifen möchte? Aber so bin ich doch gar nicht?
Und je später der Abend wurde, je mehr er sich der Mitternacht zuneigte, je kühler und klarer die Nacht wurde, desto klarer wurde mir, dass ich noch immer nicht immer zuviel möchte. Sondern dass mich im Blättern und Lesen die leise Furcht überkam, all die Unwilligen, die Ungnädigen und die Gleichgültigen könnten letztendlich Recht behalten - und mir würde es nie mehr wirklich gut gehen.

Wenn ich aber vierzehn Jahre lang nicht aufgegeben habe, dann wüsste ich auch nicht, warum ich es jetzt tun sollte.
Und jetzt, jetzt ist mein Stimmungsbarometer auch wieder oben. So war das schon immer bei mir, ein, zwei oder auch drei, maximal vier Tage Seelenpflege, dann habe ich mich selber angekotzt und mich wieder auf die Beine gestellt. So auch heute.
Mein Glas ist immer noch halbvoll, nicht halbleer. Merk dir das, mein Spatzenhirn ;)

Der Termin morgen, der muss übrigens ausfallen. Die ÖPNV streiken und meine Idee, mit dem Auto dort hinzugurken, verwarf der Mann, indem er zu bedenken gab: "Morgen ist die ganze Stadt mit dem Auto unterwegs. Glaub mal nicht, dass du einen Parkplatz bekommst." Recht hat er.

Donnerstag, 4. Juli 2019

Die 11 belanglosen Fragen des Doc S.

Als ich heut beim Doc S. über diese 11 Fragen las (die ich auch kommentierte, aber irgendwas stimmt heut mit Internet-Hasi nicht), schmunzelte ich, weil das 11 Fragen waren, über deren Antwort ich überhaupt nicht nachdenken musste. Deshalb dachte ich... Okay... Nehm ich mal mit ;)

01. Wovor hast Du Dich als Kind am meisten gefürchtet?
Vor der Dunkelheit! Nicht nur, weil ich schon immer eine überbordende Phantasie besaß, in der alles, wirklich alles möglich war. Die Monster unterm Bett - kennt je-der! Wahrscheinlich auch das Gehabe, den Lichtschalter auszuklicken und mit einem Satz von dort aus in sein Bett zu springen. Die Füße in das Ende der Bettdecke zu vergraben, damit jaaa kein Monster nach den nackten Beinen greifen konnte.
Aber.. Wenn man als Grundschüler morgens im Dunkeln auf dem Weg in die Schule einem Mann direkt in die Arme läuft, der mit heruntergelassener Hose an einen Baum gelehnt steht und Dich mitnehmen will, dann ist das etwas, das Dich für immer prägt. Mehr mag ich dazu nicht erzählen.
Der Mann und ich geraten heute manchmal in einen Disput, weil er gerade jetzt bei den angenehmen Nachttemperaturen sämtliche Fenster und Türen (ausgenommen die Wohnungstür) sperrangelweit geöffnet lassen will. Geöffnet ist ja ok - aber doch nicht sperrangelweit?
"Dritter Stock!" kopfschüttelt er. "Da passiert gar nichts!"
Nun jaaaa. Bei Medical Detectives habe ich was ganz anderes gesehen. Vor einigen Jahren in England, da sind etliche Vergewaltigungen und auch Morde von einem einzigen Serientäter begangen worden - und, soweit ich das in Erinnerung hab, lebte kaum ein Opfer im Erdgeschoss.

02. Und jetzt?
Jetzt immer noch am meisten vor der Dunkelheit.

03. Worüber hast Du das letzte Mal aus vollem Halse gelacht?
Erst gestern über meinen Chef, im Trialog mit der Einkäuferin unseres Kunden. Sie gab mir recht in einer Fachfrage und meinte "Siehst du, reicht, wenns die Chefin verstanden hat."
Für vieles gibts die Visa-Karte. Aber SEIN Gesichtsausdruck? Un-be-zahl-bar :)

04. Wenn Du den Rest Deines Lebens nur noch ein Gericht essen dürftest, was wäre das?
Mein spontanes Gefühl streitet grad zwischen Brot und Milchreis mit Apfelmus. Wahrscheinlich Brot. Das macht mehr satt. Zählt das eigentlich als Gericht? Ja, doch. Brotzeit gibts ja nicht umsonst in Bayern.

05. Wenn Du Dein früheres Ich besuchen könntest und ihm einen Rat geben, in welchem Lebensabschnitt würdest Du Dich besuchen und was würdest Du sagen?
Ich würde mich davon abhalten, zu dem Ex-Mann Ja zu sagen und den zum Vater meiner Kinder zu machen. Wir denken immer, unsere größte Verantwortung ist es, unseren Kindern was zu bieten. Und bei fast ausschließlich allen sind damit käufliche Dinge gemeint. Eine schöne Kindheit aber haben wir nicht mit materiellen Dingen und auch nicht damit, dass möglichst jeder Wunsch erfüllt werden muss. Ich meine.. Kindergeburtstage.. Schaut Euch heute mal Kindergeburtstage an. Alles muss immer noch doller, noch größer, noch imposanter werden.
Und wir? Wir haben Eierlaufen gemacht, Sackhüpfen, Detektive gespielt und uns über Preise wie Brausepulvertütchen oder Gummibärchen gefreut.
Ja ich weiß, Zeiten verändern sich und das sollen sie auch. Es muss und es darf nicht alles so bleiben wie es war. Aber die größte Verantwortung, die wir als Frau haben, ist, wen wir uns als Vater unserer Kinder aussuchen. Weil für ein Kind vor allem erst mal eins wichtig ist: bedingungslose Liebe. Das ist das wichtigste Rüstzeug, das wir für die Zukunft mitbekommen können.
Denn vor allem meinen Kindern hätte ich so unfassbar vieles damit erspart. Ja ich weiß - alter Hut, hatten wir schon tausendmal, Vergangenes ist nicht zu ändern und so weiter. Aber wenn Du Folgen und Auswirkungen bis heute, 16 Jahre nach dem Ende der Ehe spürst, dann.. kannst du gar nicht anders denken als du eben denkst. Auch wenn der Blick immer nach vorne geht.

06. Was meinst Du, würde Dein früheres Ich diesen Rat befolgen?
Nur wenn ich mich davon überzeugen kann, dass es das wahre Lieben wirklich gibt, sich das Warten lohnt und ich keine Angst haben muss, dass mich keiner will. Aber das.. wäre eine verdammt harte Nuss. Ich kenne mich. Ich glaube nichts, das ich nicht selber ausprobiert habe ;)

07. Gummibärchen oder Schokolade?
Schokolade, ganz klar. Seit mich so ein scheiß Drecks-Bär mal einen Zahn kostete, der einfach diagonal von der Krone bis zur Wurzel durchriss, gibt es keine Gummibären mehr. Der Rest will schließlich erhalten werden.

08. Baden oder Duschen?
Baden! Man ist gezwungen, sich Zeit zu nehmen - und meistens merkt man anschließend, dass es genau das Richtige gerade war. Allerdings.. verzichte ich derzeit freilich aufs Baden. Außer im See. Letzten Samstag. Das war geil :)

09. Chips oder Flips oder Nüsse?
Nüsse! Ungesalzen. Am liebsten Pistazien, Mandeln oder Walnüsse. Mjamm. Ich weiß übrigens, wo hier in dieser Jungenbude noch was davon rumliegt, hä hä.

10. Was war die bisher weitreichendste Entscheidung Deines Lebens?
Meine Scheidung. 9 Jahre darüber nachgedacht, abgewogen, zurückgezuckt, mir selber nicht getraut, neu nachgedacht und dann irgendwann durchgezogen. Und vom ersten Tag an gewusst: Es ist - trotz allem - scheiß schwer, einem Menschen zu sagen: "Ich liebe dich nicht mehr, ich will nicht mehr mit dir leben, es geht für mich nicht mehr", aber es war die beste Entscheidung meines Lebens. Die weitreichendste. Die, die alles verändert hat, für den Ex-Mann, für die Kinder und für mich. Einiges würde ich heute anders machen - aber die Entscheidung habe ich vom ersten Tag an keine Sekunde bereut. Mich nur oft gefragt, warum ich so lange gewartet habe.

11. Welche der letzten Fragen fandest Du am schwierigsten?
Keine. Mir fielen zu jeder spontan tausend Sachen ein. Ich hab aber nur ein bisschen aufgeschrieben. Soll ja kein Roman werden ;)

Mittwoch, 3. Juli 2019

Old ways wont open new doors



"Das hättest du alles viel billiger haben können", sagt der Mann öfter mal, wenn ich ihm von den Erfolgen oder der Stagnation aktueller Behandlungen erzähle. Meistens möchte ich gar nicht, dass er es kommentiert. Manchmal möchte ich, dass er sich einfach nur für mich freut. Wenn Laborwerte sich stabilisieren und vom dunkelroten zurück in den grünen Bereich fallen.
Dass auch die Infektionen mit Borrelien und Streptokokken ausgestanden sind - laut Labor. 
"Und nun?" fragt er dann. "Was ist mit Deinem Gang? Kennt ihr nun die Ursache?"
Nein. Kennen wir nicht. Immer noch nicht, weil trotz inzwischen negativer Laborwerte manches nicht wieder so geworden ist wie zuvor. Und weil mir in der Schulmedizin kaum jemand wirklich hilft (außer mein Hausarzt, der glaubt sogar wirklich an mich, aber der kann eben auch nicht alles), und ich alles, was ich aktuell veranstalte, selber zahlen muss. Und irgendwo.. Gibts eben monetäre Grenzen für mich ;)
"Ich denke ja immer noch, du hättest das alles viel billiger haben können. So viel Geld und dann nicht mal ne Ursache."
"Das kannst du mir doch nicht vorwerfen", verteidige ich mich flammend. "Ich will ja, dass sie suchen, aber die meisten winken nur ab. Und mir muss es deswegen doch nicht die ganze Zeit schlecht gehen. Deswegen kann man ja trotzdem Wege ausprobieren, die mir helfen." (Die Schulmedizin würde im Übrigen auch nix anderes machen: testen und ausprobieren. Haben sie selbst gesagt. Mehrfach.)
Manche Tests stehen auch noch aus - aber der Doc muss ja auch mal Urlaub machen. Und auf die paar Tage kommts jetzt auch nicht mehr an. Hauptsache, es passiert überhaupt etwas.
Ernst genommen zu werden, ist meiner Erfahrung nach wohl das Hauptproblem vieler Menschen.
Insofern stößt mir auch immer wieder sauer auf, dass die Heilpraktiker-Geschichten als "Placebo-Effekte" behandelt werden, für deren Leistungen bitte jeder selber zahlen möge, dies aber nicht als Kassenleistung und somit nicht zur Belastung für jeden Versicherten aufgenommen werden solle.
Wer noch nie in die Schublade "austherapiert" geschoben wurde und nach der Heilpraxis als letzten Strohhalm griff, der weiß auch nicht, dass Homöopathie eben sehr viel mehr kann und auch tut, als Zuckerkügelchen zu verteilen. Ja ich weiß, das Thema hatten wir schon. Bringt mich aber jedesmal wieder in Harnisch, wenn ich zu diesem Thema bornierte Meinungen lese. Meist von Menschen übrigens, die noch nie in die Verlegenheit kamen... ach egal.  Heilpraktiker erbringen im Übrigen auch Leistungen, die genauso gut von einem Schulmediziner übernommen werden könnten. Beispielsweise die Bluttherapie. Oder aktuell die Spritzen in meinen Kopf. Aber dazu müsste er mich erst mal ernst nehmen und auch wirklich was tun wollen.

"Irgendwas ist letztes Jahr bei Ihnen kaputtgegangen", meinte erst vor zwei Tagen die nette, bemühte Physiotherapeutin zu mir. "Aber was auch immer das war: Das Hirn ist ein Muskel, das kann man trainieren." Sie vermutet als Ursache mein Herz, ihre Kollegin vermutet, man müsse mir das zweite Hirn (wie ich es inzwischen scherzhaft bezeichne), das inzwischen ein paar Zentimeter misst und glücklicherweise kein Eigenleben entwickelt hat, aus dem Kopf schneiden. Also lerne ich, wieder stabil und vernünftig zu laufen und nicht so, als habe ich heimlich in meinem Schreibtisch eine Flasche Hochprozentiges versteckt und bediene mich pausenlos daran. Denn genauso fühle ich mich. Mal mehr, mal weniger. Wobei man mir das in diesem Jahr weitaus weniger ansieht als noch im letzten Jahr. Ich weiß gar nicht, ob das überhaupt noch jemand sehen würde, der davon nichts weiß.
Nebenbei haben wir die Bluttherapie beendet, weil keine weiteren Erfolge hinzugekommen und wohl auch nicht mehr zu erwarten sind. Stattdessen gibt es nun eben ein Medikament in den Kopf gespritzt, dahin, wo die Schädeldecke in den weichen Bereich der Halswirbelsäule übergeht.
"Ich krieg Gänsehaut", schüttelt sich die Mama am Telefon und ich lache. "Das klingt schlimmer als es ist." Und das sagt immerhin eine, die in ihrer Kindheit bei Impfungen ein Theater veranstaltet hat, als ginge es um ihr Leben.

Dass ich diesen Weg ausprobiere, will der Mann nicht. "Wenn ich mal nach Hause komme und finde dich hier auf dem Boden liegend, dann versohle ich dir extra noch den Hintern!" resigniert er schließlich an meiner Bollwand aus nordischer Sturheit. Ich verstehe seine Sorge, aber ich verstehe auch mich. Ich will weiterkommen, vorwärts kommen.
"Ich will, dass dieser Zustand aufhört und alles wieder so ist wie vorher", erkläre ich vor zwei Tagen auch meiner Physiotante und die nickt verstehend. Drückt ein paar Triggerpunkte in meinen Händen, so dass ich ein bisschen aufjaule.
"Aaaahhh", strahlt sie, "einen gefunden!"

Doch wie auch immer es jetzt weitergeht - im Moment geht es mir viel besser als noch im letzten Jahr. Was bedeutet, dass ich wieder durch die Wohnung tanze (ok, da und dort stoße ich schon mal... aaaaahhh! DAHER kommen die blauen Flecken! :)), dass ich wieder leidenschaftlich gern und vor allem problemlos mit dem Auto unterwegs bin, singe oder die Gedanken fröhlich treiben lasse, es mir körperlich insgesamt einfach wieder besser geht.
Habe ich daran geglaubt, als ich mich im letzten Jahr in die Hände der Heilpraktikerin begab?
Nein. Kein Stück. Im Gegenteil. Grad im Hinblick auf all die Erfahrungen der letzten 14 Jahre vermutete ich eher, es würde genauso hoffnungslos enden wie all die Jahre bei all den anderen Ärzten zuvor auch.
Und jetzt bin ich einfach nur froh, dass all die leisen Zweifel und Bedenken in meinen gewohnten, beinah unerschütterlichen Optimismus umgeschlagen sind ;)

Dienstag, 2. Juli 2019

"Wieso stolz? Davon hat man doch nichts!"



So (oder so ähnlich, man verzeihe mir, sollte mir der genaue Wortlaut wieder entfallen sein) antwortete die Mutter von Angela Merkel 2005 auf die Frage von Journalisten, ob sie denn nicht stolz auf ihre Tochter sei.
Und ich sehe in den Nachrichten eine Frau, die in der Öffentlichkeit das Zittern ihres Körpers wiederholt nicht unterdrücken kann und sich dennoch keinen Moment der Schwäche erlaubt. Indem sie den öffentlichen Termin bis zum bitteren Ende durchzieht und auch das angebotene Glas Wasser dankend ablehnt. Die den Mund zu einem Strich zusammenkneift, so dass man ihrem Gesicht förmlich die Worte "Mist, ach Mensch, wieso denn ausgerechnet jetzt? Doch nicht schon wieder!" irgendwie deutlich ablesen kann.
Natürlich fragte ich mich: "Wie stark ist sie wirklich und wie viel von dieser Stärke ist anerzogen? Ist das die Erziehung oder ist das Protokoll?"
Und anschließend fragte ich mich: "Ist es denn Schwäche, sich schwach zu zeigen? Zuzulassen, dass man Hilfe braucht?"

Aufgewachsen bin ich mit den Worten meines Vaters "Es wird nicht gejammert und es wird nicht gebettelt." Und manchmal, wenn ich unerfüllt für jemanden schwärmte, hat er die Augen verdreht und gefragt "Mensch Mädchen, hast du denn so überhaupt gar keinen Stolz?"
Ich hab das so nie gesehen. Ich dachte immer... Wenn ich mir etwas wünsche, muss ich alles dafür tun, um es zu bekommen. So kannte ich es. So und nicht anders. Und ich musste immer das Gefühl haben, wirklich alles gegeben zu haben. Und wenn der Erfolg dann trotzdem ausblieb, dann konnte wenigstens ich mir nicht vorwerfen, nicht alles gegeben zu haben.
Zu jener Zeit ahnte ich schon, dass nichts im Leben mehr schmerzen würde als eine verschenkte Möglichkeit.

Ich war gerade dreißig Jahre alt geworden, als mir zum ersten Mal etwas geschenkt wurde, um das ich weder gebeten noch dass ich je danach gefragt hätte. Und beschloss, die Tür zum bisherigen Leben zu schließen und eine neue zu öffnen.
Mein Vater verurteilte mich lange dafür, ohne es mir je so direkt zu sagen.
Meine Mama sprach das auch nie so direkt aus - aber zu jener Zeit begriff ich, dass ich nicht wirklich etwas falsch machen konnte: Sie würde mich immer lieben. Trotzdem lieben. Ich begriff das so spät, weil wir uns das nie so gesagt haben. Und auch nie wirklich gezeigt haben. Spät erst habe ich verstanden, dass Liebe nicht nur damit gezeigt wird, indem man es sagt oder aufschreibt. Oder man den anderen in den Arm nimmt. Damit wird sie nur verdeutlicht. Aber es prägt einen.
Ich habe mich durch mein Leben gekämpft. Bin gestürzt, wieder aufgestanden, gestürzt, wieder aufgestanden.. Ich war stark, ich war schwach, stark, schwach.. Nur um Hilfe habe ich lange, sehr lange nicht gebeten. So wurde ich nicht erzogen. Und niemand hat etwas zu verschenken. Jedenfalls nicht, ohne irgendeinen Zweck damit zu verfolgen. So hatte ich es auch nicht kennengelernt: dass jemand nur deshalb hilft, weil er es eben kann.

Inzwischen habe ich es anders erfahren, vor Jahren schon. Bis heute habe ich keinen Moment aus der Zeit vergessen, als es mir selber richtig mies ging. Bis heute mache ich genau das, was mir gezeigt wurde: Ich helfe einfach nur, weil ich es gerade kann. So gut ich es kann. Dafür will ich nichts. Ich will einfach nur dabei helfen, dass es jemandem wieder besser geht. Wenn es jemandem schlecht geht, möchte ich auch nur irgendetwas tun, das diesen Zustand in das Gegenteil verkehrt. Immer kann man das nicht, das weiß ich. Aber niemand kann immer alles allein schaffen - und man muss es auch nicht.

So handhabe ich das auch mit meinen Söhnen, bis heute. Ich sage ihnen, dass ich sie liebe. Ich umarme sie ganz sehr zur Begrüßung und zum Abschied. Ich frage sie immer mal wieder, ob sie zurechtkommen, und wie sie zurechtkommen. "Passt gut auf euch auf. Achtet gut auf euch", sage ich bei jedem Abschied, und meine es auch so.
Ob ich sie zu starken oder schwachen Persönlichkeiten erzogen habe, kann ich nicht beurteilen. Oder doch?
Telefoniere herum und erkundige mich nach rechtlichen Bedingungen. Unvermittelt und unerwartet bekomme ich schon unmittelbar nach dem Telefonat den Hinweis auf eine mögliche Tür, durch die jemand nur noch gehen muss. Wenn er darf.
Und das, genau das ist es, was ich am Leben so liebe: Es ist so voller Möglichkeiten.
Jeden einzelnen Tag haben wir die Möglichkeit auf eine neue Tür. Jeden neuen Tag haben wir eine neue Möglichkeit. In meiner Vorstellung sind die Türen holzfarben, warmes, helles Braun, bemalt mit vielen Blumen. Manchmal muss einfach nur mal miteinander sprechen..

Manchmal fragt man gar nicht nach einem Glas Wasser, manchmal bittet man darum - aber egal wie.. Man vergibt sich nichts, wenn man es einfach dankbar annimmt.

Sonntag, 23. Juni 2019

Par Procuration



"Ich liebe dich in jedem Fall - selbst wenn es kein Ich und keine Liebe und nicht einmal ein Leben geben sollte - ich liebe dich."
Zelda an F. Scott Fitzgerald, per Brief 


Der Tag heute versprach Regen, eine Menge Regen. Das bedeutete, mir nach dem genüßlichen Frühstück ein Kleid überzustreifen, eine Strickjacke darüberzuziehen und mir ein Buch auf die Beine zu legen. Was es mir bieten würde, war ich mir nicht so ganz sicher. Von den bisher drei Büchern, die ich von ihr besitze, gefallen mir zwei ganz sehr. Insofern blieb eine leise Skepsis, während ich begann zu lesen. Mit jeder Seite, die ich umwendete, verblasste die Skepsis und vertiefte sich die Anspannung in mir: Wie würde es enden?
Obgleich ich ahnte, wusste, wie es enden würde - denn eigentlich endet es doch immer auf dieselbe Art..

"Par Procuration", sagte sie gedankenverloren. "Sie werden mir erklären müssen, was das bedeutet, Anthony."
Die Art, wie sie seinen Namen aussprach, rief eine gewisse Vertrautheit hervor. Darin lag ein Versprechen, die Aussicht auf eine Wiederholung irgendwann in der Zukunft. 
"Es bedeutet..." Anthonys Mund war trocken geworden.
"Es bedeutet, sich am Glück von jemand anderem zu erfreuen."

[1960. Jennifer sollte glücklich sein. Ein sorgloses Leben mit ihrem wohlhabenden Mann. Nur dass sie eben erkennt, dass sie ihn nicht liebt. Und dann gibt es nur zwei Möglichkeiten.

2003. Der Journalistin Ellie fällt im Archiv ein 40 Jahre alter Brief in die Hände: Der unbekannte Verfasser bittet seine Geliebte, ihren Ehemann zu verlassen. Die Journalistin stellt daraufhin Nachforschungen an: Was ist aus den beiden und ihrer Liebe geworden? Mehr als nur eine Handvoll Worte?]


Es gibt nicht viele Bücher, die ich in die Hand nehme und so lange nicht wieder zur Seite lege, bis ich es zuende gelesen habe. "Eine Handvoll Worte" war heute so ein Buch. Vielleicht, weil es so unfassbar viele Erinnerungen erweckt, wieder hervorholt. Vielleicht, weil das Buch ob dieser Erinnerungen eine Intensität hervorruft, die es mir ermöglicht, all die Protagonisten, all die Ereignisse vor mir zu sehen. Mitzufühlen in all den Ereignissen. In den ersten Begegnungen. Nach der Begegnung. In all der Hoffnung und all dem Warten.. Und in der eigenen Erkenntnis, dass nichts umsonst geschieht. Und dass nichts jemals umsonst gewesen ist. Dass alles seinen richtigen Platz bekommt - solange man daran glaubt.

Als ich das Buch am Abend zur Seite legte, klopfte mir das Herz bis in den Hals hinauf.

"Ein Teil von ihm wusste schon in diesem Augenblick, dass sie sein Verderben sein würde. "Sag mir, dass ich aufhören soll", flüsterte er, eine Hand an ihrer Brust, schwer atmend. Es wäre die einzige Möglichkeit, das hier noch aufzuhalten, "Sag mir, dass ich aufhören soll." Sie schüttelte nur stumm den Kopf. "O Gott", murmelte er. Es gab kein Zurück mehr, ihr Atem kam stoßweise, sie schlang ein Bein um ihn. Er fuhr mit den Händen unter ihr Kleid, die Handflächen glitten über die Seide und die Spitze ihrer Unterwäsche. Er spürte ihre Finger in seinem Haar, eine Hand griff nach seiner Hose, und ein Teil von ihm war leicht schockiert, als habe er erwartet, dass ihr Gefühl für Anstand eine solche Gier ausschloss.
Die Zeit schien stehenzubleiben, sie bewegten sich wie in einem luftleeren Raum, ihr Atem vermischte sich. Stoffe wurden zur Seite geschoben. Beine wurden feucht, er hatte seine gespreizt, um ihr Gewicht zu tragen. Und dann - o Gott - war er in ihr, und einen Moment lang setzte alles aus: Jennifers Atem, ihre Bewegungen, sein Herz. Wahrscheinlich auch die Welt. Er spürte ihren offenen Mund auf seinem, hörte, wie sie einatmete. Und dann bewegten sie sich, und er war eins mit ihr, konnten nur noch sie fühlen, war taub gegenüber den klappernden Bügeln, der gedämpften Musik auf der anderen Seite der Wand, dem leisen Ausruf, als jemand im Flur einen Freund begrüßte. Nur er und Jennifer existierten, bewegten sich langsam, dann schneller, ihr Griff wurde fester, das Lachen war verstummt, seine Lippen auf ihrer Haut, ihr Atem an seinem Ohr. Er spürte die zunehmende Kraft ihrer Bewegungen, spürte, wie sie in einem fernen Teil ihrer selbst verschwand. Der letzte Rest seines Verstandes sagte ihm, dass sie keinen Laut von sich geben durfte. Und als er hörte, wie sich der Schrei in ihrer Kehle ankündigte, während sie den Kopf nach hinten bog, hielt er ihn mit seinem Mund auf, fing er den Laut ab, nahm ihre Lust in sich auf, so bestimmt, dass sie zu seiner eigenen wurde.
Par Procuration."

"Lieber J - ich weiß, ich war eine blöde Kuh, und es tut mir leid. Ich weiß, du kommst morgen nach Hause, aber ich werde nicht da sein, um dich zu sehen. David und ich heiraten in ***, und ich werde dich nicht mehr treffen. Im Grunde meines Herzens liebe ich dich, aber David liebe ich noch mehr. Machs gut."
Frau an Mann, per Brief 

Par Procuration...

Mittwoch, 12. Juni 2019

Szenen einer Partnerschaft: die Unterschiede zwischen Mann und Frau

In einigen Tagen gehts auf nach Berlin. Wir sind eingeladen zu einer Party anlässlich einer bereits im letzten Jahr stattgefundenen Hochzeit. 
Natürlich weiß der Mann seit Monaten, was er anzieht, während ich erst heute ein passendes Kleid erjagt habe. 
„Du hast doch schon so viele Kleider“, wird er sagen und ich werde antworten: „Ja aber keins von denen passt zum Anlass UND zu Gastgebern und Gästen.“
Außerdem beauftragte er mich, das nötige Verpackungsdingens (Geschenkfolie) und die Glückwunschkarte zu besorgen. Schließlich hab ich ja Urlaub und damit Zeit im Überfluss. (So die Denke eines Mannes! Als wüsste er nicht, dass ich die Zeit super vertrödeln kann auch ohne großartige Aktivitäten. Die neue Nachbarin findet das übrigens gut, denn ich traf sie beim Losgehenwollen. „Man muss sich regelmäßig Auszeiten schaffen“, versteht sie mich. Sie scheint sympathisch.)
Er hat ruft an, als ich mich bei einem Milchkaffee XL im Straßencafe vom Kaufrausch erhole. (5,50 €! So langsam kann ich gar nicht trinken, um auch jeden teuren Schluck einzeln zu würdigen. „Hast du denn nicht vorher gefragt?“ rügt der Mann. 
„Öhm. Ne.“ Genüßlichkeit kennt ja eigentlich keine Grenzen, finde ich so im Allgemeinen.“)
„Hast du das Verpackungsdingens erledigt?“
„Äh... Ich habe statt der Folie doch lieber eine Schachtel gekauft, cremefarben mit goldenen Herzen, passend dazu Schleifenband, creme und golden. Und eben die Scherenschnittkarte.“
„Ein einfaches Ja hätte auch gereicht!“

Dienstag, 11. Juni 2019

Der Junge muss an die frische Luft



Ich wollte das ja nie, doch wenn ich so weitermache, werde ich wohl eines Tages eine Empfehlungsfibel für Film & Buch ;) Dabei.. will ich einfach nur erzählen.
Vor einigen Tagen waren wir im Kino. Ich liebe Kino, weil ich die Atmosphäre liebe. Großer dunkler Saal, die Beine ausgestreckt, das Popcorn auf dem Schoß (ja, das ist ein Muss, sonst kann man auch daheim bleiben) und das Warten auf den Beginn nach all der Werbung.. Mit all den Menschen, die um einen herum auch Popcorn essen, erzählen, lachen und genauso warten wie wir.
Ich mag das sehr.



Diesen Film habe ich mir ausgesucht, weil es der einzige war, von dem ich mir versprach, dass er zu meinem Geburtstag passen und eine bestimmte Leichtigkeit mit sich bringen würde.
Vielleicht, weil dieser Film einen Ausschnitt über die Kindheit Hape Kerkelings sein würde.
Vielleicht, weil ich den Humor Hape Kerkelings sehr mag. So wunderbar feinsinnig und.. sehr gut beobachtet.

Irgendwann vergaß ich, dass ich Popcorn auf dem Schoß hatte. Ich vergaß, dass wir etwas zu trinken mitgebracht hatten. Ich saß einfach nur im Stuhl, die nackten Beine von mir gestreckt, als der Mann neben mir leise sagte: "Irgendwie weiß ich immer noch nicht so richtig, was der Film mir eigentlich sagen soll", und ich flüsterte: "Na.. Er erzählt uns einfach nur seine Geschichte."
Eine wundervoll berührende Geschichte, wundervoll berührend erzählt - und am allerschönsten fand ich die Schlussszene. Ein Film über die ersten Jahre Hape Kerkelings mit der Mama bei der Oma auf dem Land, die kommenden Jahre mit der Mama bei der Oma in der Stadt - und eines Tages mit der Oma vom Land in der Stadt..
Niemand kann den Schmerz ermessen, den ein Mensch fühlt, wenn es ihm nicht mehr gut geht - und wenn Dinge nicht mehr so sind wie sie einst waren. Was fehlt, begreift man ohnehin erst wirklich, wenn man es nicht mehr hat. Niemand darf darüber urteilen, wann einem die eigene Kraft ausgeht - und ob sie es darf. Umso mehr verneige ich mich heute vor dem Menschen Hape Kerkeling.

Als wir das Kino betraten, waren wir vollkommen allein in dem riesigen Saal. Viel mehr Menschen sind dann auch nicht hinzugekommen. Vielleicht noch drei oder vier oder fünf.

Dieser Film.. verdient volle Sitzreihen. Aber gut, er läuft ja schon seit nem halben Jahr. Ich selbst hab ihn erst in diesen Tagen entdeckt. Wie immer ein bisschen spät.

Freitag, 7. Juni 2019

33+



Heute ist der erste Tag einer Woche, die ich mir freigenommen habe. Vielleicht werde ich ganz viel von diesem und jenen machen, vielleicht werde ich aber am Ende doch nur einen ganzen Tag lang auf dem Holzfußboden liegen, die nackten Beine an die Wand gelehnt, ich werde an nichts und an so vieles denken... Vielleicht werde ich dann und wann dabei lächeln oder blicklos in die Weite schauen... und ganz nah bei mir selber sein.

Warum 33+?
Es ist keine dieser typischen Eitelkeiten, die ängstlich das eigentliche Alter hüten. Es ist... dass sich so vieles veränderte, als ich 33 geworden war. Die Jahre, die folgten, waren die schmerzhaftesten, glücklichsten, einsamsten, berührendsten, schwächsten und stärksten Jahre meines Lebens. Es sind die Jahre, die ich nicht missen möchte, auch wenn ich Dinge darin viel mehr zum Guten wenden wollte.
33 ist das Alter, mit dem mein Leben eigentlich erst wirklich begann. Ein Leben, das mir erlaubte, so zu sein wie ich eben bin; so zu genießen wie ich es eben liebe; so zu lieben wie es mich eben erfüllt. Jeder Mensch sollte genau so leben und lieben dürfen wie er es für sich selber braucht.
Die 33 ist unfassbar tief in mir verankert, im Kopf, in der Seele, ich fühle mich noch immer wie 33, ich bewege mich noch immer wie 33....



...und nur, wenn ich in den Spiegel schau, wunder ich mich: "Huch, was ist da über Nacht hinzugekommen?" :)
Vielleicht ziehen sich seither mehr feine Linien um die Augen, silberne Fäden durch das Haar und spätestens dann weiß ich, dass ich eben doch keine 33 mehr bin. Aber es fühlt sich bis heute so an.. Als sei ich, als sei meine Seele keinen einzigen Tag älter geworden seither.
Vielleicht will ich es ja gar nicht, vielleicht kann ich es aber auch gar nicht...

Heute und Hier.
Das größte Geschenk des Lebens an mich.

Happy Birthday to me.

Mittwoch, 5. Juni 2019

Nachts, wenn schon alles schläft..



Ich würd jetzt gern ein bisschen tanzen.
Nur.. hier schläft schon alles.
Ob es die beiden stört, wenn ich hier so bisschen.. herumspringe? Ich mach auch ganz leise. Und vorsichtig.

"I always seem to hesitate
too little always comes too late
there is a sound that resonates
a melody of love.

Do you have faith to feel in this world
cause it gets hard to see in this world.

All you need is here, its moving in the air.
All you need is here, beyond this blue despair."



Dienstag, 4. Juni 2019

Halt And Catch Fire



Durch das dann und wann nächtelange Stöbern bei youtube, immer auf der Suche nach irgendwelchen neuen alten Songs, die irgendetwas in mir auszulösen vermögen, entdeckte ich eines Tages diese Serie für mich.
Ich bin kein Computerfreak, ich kann auch nicht sagen, dass ich mich auf diesem Gebiet auskennen würde. Auch wenn ich zugebe, dass ich gern mehr wüsste, sehr viel mehr Ressourcen erfahren, herausfinden und nutzen könnte.
Dennoch hat mich diese Serie schon in der ersten Staffel für mich eingenommen - auch wenn sie (zugegeben) dann und wann etwas langatmig daherkommt.

Ich bin zwar kein Computerfreak, aber eine Frau mit Augen im Kopf - und ich gestehe: Für große Männer in Anzügen habe ich eine ziemlich große Schwäche ;)

Was mich jedoch viel mehr reizt an dieser Serie:
Du hast eine Idee, du hast eine Vision - und du verstehst es, Menschen an einen Tisch zu bringen, die das erschaffen, wozu dir selbst die Fähigkeiten fehlen. Es muss ja auch nicht jeder alles können - solange nur die Richtigen zueinander finden.
Und selbst wenn du auch selbst immer wieder über eigene Befindlichkeiten, eigene Eitelkeiten, den eigenen Egoismus - oder denen der anderen stolperst - du stehst wieder auf und gehst weiter. Hier lang oder dort lang, Umwege oder direkt darauf zu, es findet sich immer wieder eine neue Lösung, ein neuer Weg.
Eine Tatsache, die ich eben so sehr an diesem Leben liebe: Jeder einzelne neue Tag ist so voller Möglichkeiten. Alles ist möglich - oder auch nichts. Es hängt ganz allein an dir - ob du gehst oder stehst, ob du dich traust oder auch warten kannst... Es hängt ganz allein an dir, ob du etwas bewegen, verändern willst - oder lieber doch nicht.

Auch darum fasziniert mich diese Serie.

Ich habe nicht nur eine große Schwäche für große Männer in Anzügen - ich habe auch eine verdammt große Schwäche für die Liebe. Die, die dich unvermittelt lächeln lässt, während du gerade ganz was Belangloses machst. Die, mit der dir nichts mehr fehlt, solange sie bei dir zu Hause mitwohnt.
Diese Liebe gewinnt erst so ab Mitte der dritten Staffel ein wenig mehr Oberhand, nur um zu Beginn der vierten Staffel ein Level ganz nach meinem persönlichen Geschmack zu erreichen.
Denn seien wir doch ehrlich zu uns selbst: Du kannst scheiße erfolgreich sein - aber ohne wirkliches Lieben.. ist das alles.. am Ende nichts.

Ich bin gespannt, wie sie endet. Die letzten Folgen fehlen uns noch ;)

Montag, 3. Juni 2019

Was hat mich die letzten Tage...



...wieder zum Leben erweckt?
Die Mucke im Stil der 80er. Hach ja, waren das noch Zeiten. Nicht alle schön - aber im Vergleich zu heute einfach.. so herrlich unbeschwert.. Wenn ich Musik wie diese höre, sehe ich mich wieder mit 15, 16, wie ich vor dem Spiegel stand, den letzten Lidstrich zog, das Haar zurechtzupfte und natürlich nichts zu Abend gegessen hatte, damit der Bauch flach blieb ;) Und dass das im Großen & Ganzen zu der Zeit meine einzige "Sorge" war.
Ich hab soooooo Lust, das alles wieder viel öfter zu machen. So wie ich schon vergangenen Samstag einen ersten Vorgeschmack bekam - wenngleich ich mich für den Anlass selbst dann doch noch irgendwie zu jung fühlte ;) Ich meine.. Gala-Abend sagt ja auch alles, oder? Das klingt nicht nur nach 60+, das war es überwiegend auch - aber es war ein schöner Abend, und nur das zählt.
Ich hatte übrigens eine Weinschorle bestellt. Weil ich dachte: "Kannst jetzt hier nicht schon wieder mit Käffchen anfangen - das ist ein Ausgeh-Abend!"
Als das Glas kam, schaute ich dann aber doch etwas irritiert: "Ich hatte aber keine Holundersaftschorle bestellt, oder?"
"Nein. Eine Weinschorle. Das ist eine Weinschorle. Die gibt es so bei uns."



...gefreut und genervt?
Meine Familie wiederzusehen. Brüder, deren Familien, Eltern, meine Söhne... Dafür habe ich gerne eine rund eintausenddreihundert-Kilometer-Tour in Kauf genommen - auch wenn ich dank dessen einige Abende lang danach derart müde war, dass ich einschlief, kaum dass mein Kopf auf auch nur irgendeine Unterlage gebettet wurde.
Und irgendwie finde ich auch cool, dass ich mit meinem A1- Black Beauty - trotzdem er der kleinste seiner Klasse ist - auf dem Highway ganz anders respektiert werde als zuvor mit anderen Kleinwagen. Wenn sogar mal BMW oder Mercedes für mich Platz machen... Doch, cooles Gefühl ;)
Nach diesem Ritt jedenfalls saß ich zwei Tage später ziemlich ruhig bei einem Neurologen, der mir  schon am liebsten eine gewisse Antriebslosigkeit attestiert hätte.
Ich war einfach nur müde, du Hirni. Hättst mich ja mal fragen können, was ich so die letzten Tage gemacht hatte. Als ich beide Hände auf die  Beine schlug und sagte: "Okay, wissen Sie, ich wollte eigentlich gar nicht herkommen. Aber die Heilpraktikerin war so überzeugt von Ihnen und hat mir das mehrfach so ans Herz gelegt, unbedingt hierher zu kommen, dass ich mich überreden ließ."
Statt Psycho- hat er mir daraufhin eine Physiotherapie verschrieben und gesagt, dass wir uns gleich im Juli wiedersehen (nicht wie alle anderen erst im September).
Zwar wird Herr Blau wieder schimpfen und sagen "Ja ja, du weißt natürlich wieder alles" - aber ich sags Euch trotzdem: Ich weiß schon jetzt, dass es schade ist um Zeit und Aufwand.
Aber die Physio nehme ich trotzdem. Schaden kanns nicht, erste Termine sind bereits fest ausgemacht.

...erleichtert?
Dass die Blutwerte von Sohn I zwar in mancherlei Hinsicht alarmierend, aber insoweit erstmal nicht dramatisch, weil ursächlich behandelbar sind. Unverständlich bleibt dennoch nach wie vor für mich, dass der Hausarzt trotz deutlicher Anzeichen keine Veranlassung zu Aktionen sah, nicht mal zu einem Blutbild. Also habe ich den Jungen mit zu meiner HP "verschleppt"; zahlen wir die Labor- und Medikamentenkosten eben selbst. Hauptsache, es geht ihm besser und es geht voran.

...geärgert?
Als ich mir im Januar nach dem ungewollten Badewannentrip ein neues iPhone erwerben musste, wählte ich unwissenderweise eines aus, das über keinen AUX-Eingang mehr verfügt. Es gibt nur noch diesen einen Lightning-Anschluss, über den man nun alles erledigen muss: Musik hören und Laden. Musik hören allerdings mit nem Extra-Adapter (was diese Erfindung soll, erschließt sich mir echt nicht. Kabel sind Sollbruchstellen, das weiß ja nun auch jeder.). Blöd nur, wenn man hunderte Kilometer unterwegs sein will und dann beides braucht - Musik UND Laden. Der normale Extra-Adapter kostet irgendwas zwischen 10 und 12 Euro, wenns ein Original Bauteil sein soll. Und da ich mir natürlich dachte, dass es auch einen Kombi-Anschluss geben muss (auch wenn der Mann sagte "ne, gibts nicht" - doch, gibts), ergoogelte ich mir den, war aber auch nicht bereit, 45 bis 52 Euro dafür auszugeben. Für ein kleines Kabel?? Haben die noch alle Latten am Zaun?
Also erwarb ich mir ein no name nachgebautes Teil - für 12 Euro.
Was soll ich sagen... Wer billig kauft, kauft an dieser Stelle tatsächlich zweimal. Was für ein Schrott!
Wenn man innerhalb von 10 min viermal gemeldet bekommt, dass das "iPhone das Zubehör nicht erkennen kann" und deshalb die Musikwiedergabe unterbricht, dann... kann auch ich schon mal einem wütenden Schrei-Anfall unterliegen ;)

...erinnert?
Dieses Bild fand ich bei der Suche innerhalb meines Blogs wieder, aus einem Eintrag aus 2014. Und mir fiel wieder ein, was ich mir schon vor Jahren zurechtgelegt hatte..


GO WHERE THE LOVE IS!
Nichts anderes habe ich in den letzten Jahren gemacht, und ich kann nur sagen.. Es war die beste Reise meines Lebens. Die nachhaltigste. Und damit meine ich mal nicht nur die Liebe zu einem Mann.

...erstaunt?
Dass ich wieder auf Absatzschuhen laufen kann, die mit rund zehn Zentimetern für meine Verhältnisse auch wirklich ziemlich hoch sind, hat mich zwar auch erstaunt - mehr noch aber, wie schmal die ganze Silhouette dadurch wird. Für die, die das Kasper-Video, das Herr Blau am Gala-Abend noch vor Beginn der Veranstaltung von mir aufnahm, auf FB gesehen haben: Sooo zart bin ich in Wirklichkeit nicht, echt nicht. Aber: Ich sollte öfter hohe Schuhe tragen *harhar*

...gewundert?
Wie ich drauf gekommen bin, weiß ich gar nicht - aber als ich heute Nachmittag nach einer etwas nervigen Tour von M nach L kam und dort den Supermarkt um die Ecke besuchte, da habe ich mal mitgezählt: Fünfmal habe ich mit meinem Einkaufswagen Menschen Platz gemacht, sie in ihrer Hast an mir vorbeigehen lassen. Sie angelächelt und "Bitte schön" gesagt. Nicht ein einziger hat "Danke" gesagt. Dieses Völkchen hier genießt eigentlich nicht den Ruf, unhöflich, unfreundlich oder so zu sein, eher im Gegenteil. Vielleicht wars ihnen aber auch zu heiß? Immerhin zeigte die Uhr 35 Grad, da kann man auch schon mal maulfaul werden. Kennen wir im Norden ja auch, selbst im Winter ;)
Wirklich, wirklich gelacht habe ich aber, als am anderen Ende des menschenleeren Ganges eine Oma erschien, die sich zu Obst und Gemüse im Glas drehte und derart einen fahren ließ, dass ich erst glaubte, ihre Hose habe einen gewaltigen Riss bekommen. So schnell wie sie kam, huschte sie dann auch wieder weg zu ihrem Einkaufskorb, während ich am oberen Ende wartete ob der Ahnung, dass der Furz womöglich nicht so schnell wie sie ums Eck biegen würde.
Tja, ihr Gurken und Tomaten im Glas, schon mein Opa pflegte immer zu sagen: "Der Anschiss lauert überall!"

Montag, 20. Mai 2019

"Magst du auch so gerne Schokokekse wie ich?"

Bildquelle: https://www.thebestsocial.media/de/doch-schlauer-als-erwachsene-16-weise-momente-mit-kleinkindern/

Vergangenen Samstag besuchte ich eine Freundin, und als ich anschließend heimkehrte, hielt es mich nicht zu Hause. Ich musste noch mal raus, in die Sonne, unter Menschen, ich wollte Bewegung, Ablenkung und dafür ein bisschen weniger Karussell im Kopf. Weil sie so still war, so ruhig, so traurig, und sagte "Aua, das tut mir auch weh", als ich sie an mich drückte. Das wurde ich irgendwie nicht los. Ungefähr vier Stunden lief ich draußen herum, immer die Musik im Ohr, fremde Menschen, die einen anlächelten oder auch nicht. Ich dachte an die früheren Jahre, an die Jahre dazwischen und an das Jetzt.
Müde saß ich irgendwann auf einer Bank und wartete auf die U-Bahn. Neben mir ein älterer Herr, überaus akkurat geschnittenes Haar, glatt gebügeltes Oberhemd, sorgfältig gepflegt und - in Jogginghosen und Badelatschen. Ich fand das irgendwie cool.
Ich hatte die Kopfhörer abgenommen, schaute irgendetwas nach, da sprach er mich an. Eine sehr bedachte Ausdrucksweise, sehr ruhige Stimme, immer ein Lächeln um die Mundwinkel, und er wies auf die Menschen, die versuchten, unbedingt noch in die U-Bahn zu kommen.
"In zwei Minuten kommt doch schon die nächste U 6."
"Ja und in fünf Minuten noch eine U 6."
Er nahm die dritte U 6 und bis dahin amüsierten wir uns über die hektischen Menschen, philosophierten über Formel 1 und den Fußball, bis er sich verabschieden musste. Er nahm Platz in der Bahn, wir lächelten einander an, dann fuhr er heim zu seiner Frau.
Ich lehnte mich zurück, ich fühlte mich irgendwie besser und dachte.. "Du solltest öfter ohne Kopfhörer laufen."

In solchen Momenten denke ich, es kann alles so einfach sein, so entspannt. Ist es nicht scheißegal, woher jemand kommt und wohin er fährt? Wie belastbar wir sind oder auch nicht? Wieso hegen wir spontan Vorurteile, nur weil jemand anders aussieht, woanders herkommt? Wieso erniedrigen wir Menschen, anstatt ihnen zu helfen?

Aufmerksam geworden durch einen Kommentar meiner Nichte las ich einen Bericht der AfD, respektive des BR über ein Gewaltverbrechen im vergangenen Jahr in Bayern. Sie bedienten sich des Berichts, aber natürlich gaben sie ihn ganz anders wieder. Schon beim Lesen konnte ich mich des Gefühls eines Bildzeitungsniveaus nicht erwehren - und dann las ich auch noch vereinzelte Kommentare. Das hätte ich einfach bleiben lassen sollen. Es ist erschütternd, was dem Elfjährigen passiert ist - darüber nachdenken darf ich nicht. Ehrlich gesagt, erschütterte mich aber auch, dass die meisten (bekennenden) AfD-Wähler lediglich den Post der AfD lasen, ohne den verlinkten Beitrag des BR aufzurufen. Was aus meiner Sicht zwar nicht die Tat verändert oder beschönigt, aber die Polemik weglässt, mit der der Post durch die Blauen inszeniert worden ist, die einfach nur dazu dient, die Leute aufzubringen nach dem Motto "Seid Ihr blind und seht das nicht - mit uns wird alles anders." Anders kann ichs irgendwie gerade nicht beschreiben. Ich fragte mich, soll ich was dazu sagen, ja, nein, letztlich sind wir alle erwachsen, wir haben alle ein Recht auf unsere Meinung und alle die Freiheit, wählen zu dürfen, wen wir für richtig empfinden. Es wird sowieso kein überzeugter Blau-Anhänger seine Meinung ändern. Oder mehr nachdenken.
Aber es erschüttert mich, wenn jemand schreibt, dass die Leute mit den zwei Buchstaben wieder her sollten. Das kann niemand ernst meinen - aber ich fürchte, er tut es doch. Auch wenn ich weiß, Trolle im Netz gibt es genug.
Es erschreckt mich auch, wenn die Leute blind kommentieren "Die Eltern gehören bestraft, die holen sich die Gefahr ins Haus." Nur weil im Post von "bei sich aufgenommen und Integrationshelfer" geschrieben wird - was aber gar nicht der Wahrheit entspricht. Sie wohnten lediglich im selben Haus. Ins Kinderzimmer geschlichen hat er sich auch nicht - und ob er "Stirb Stirb Stirb" gerufen hat, bezweifel ich. Macht die Darstellung einen Unterschied? Ja - ganz offensichtlich, wenn man die inzwischen knapp zweitausend Kommentare und über sechstausend Likes betrachtet.
Jeder weiß auch, wie schwierig die deutsche Sprache ist. Sieht man ja auch bei den Rechtschreibkünsten der ach so supertollen Deutschen. Jeder weiß auch, wie umständlich die deutsche Bürokratie ist.
Ich erinner mich da noch an meinen 1. Antrag auf Elterngeld - ein ungefähr 10seitiges Pamphlet und die Dame vom Amt meinte damals "Geben Sies erstmal her, wir korrigieren eh immer noch was, aber dann haben wir es erstmal und fordern nach, was uns noch fehlt." Stolz wie Bolle war ich, dass bei mir nix nachgefordert oder nachgefragt werden musste. (Manchmal hat Genauigkeit ja doch was Gutes ;))
Und warum soll ich jemandem nicht helfen, der Probleme mit seinen Formularen hat? Wie soll ich ahnen können, dass derjenige eines Tages auf mein Kind losgeht? Ich erinner nur noch mal an 2013, als der Paketbote (ein deutscher Hühner-Landwirt, übrigens) viel zu aufdringlich wurde und dann noch mit Blick auf meinen Jüngsten meinte, dass Kinderarme bei Kannibalen übrigens eine Delikatesse seien. Und warum? Weil der mal dringend musste und fragte, ob er mein Badezimmer benutzen dürfe. Hätte ich Nein sagen müssen? Oder sagen müssen "Kack doch in den nächsten Busch?"
Warum soll ich immer erst mal von etwas Schlechtem ausgehen, wenn ich Pakete für Nachbarn annehme, egal welcher Herkunft? Der mit Migrationshintergrund übrigens, der hat sich ganz freundlich ganze dreimal bedankt für die Annahme eines Paketes, während hingegen der Deutsche auch nach drei Tagen noch nicht da war, um es abzuholen, sondern darauf wartete, dass man es ihm brachte. (Seitdem überlege ich mir, für wen ich was annehme.)
Jemandem beim Formular auszuhelfen - ist das nicht einfach auch Nachbarschaftshilfe? So wie man sich Mehl oder Eier borgt?
Ja, ich habe Angst im Dunkeln und ich habe auch Angst spätabends allein auf der Straße. Wenn ich kann, vermeide ich das. Woher das kommt, weiß ich - und es hat überhaupt gar nichts mit Menschen anderer Kulturen zu tun. Es hat etwas mit einem Mann zu tun, der übrigens deutsch war. Es schützt mich gar nicht, obs ein Deutscher ist oder nicht - das hatte es damals vor vielen Jahren ja auch nicht.
Beschönigen.. will ich gar nichts. Es gibt viele Probleme mit Integration, es gibt No Go-Areas in Großstädten und auch ich halte es noch heute immer noch für falsch, 2015 so vielen Menschen die Einwanderung erlaubt zu haben, ohne einen Plan zu haben, wie ich das Ganze umsetze und löse - für alle Beteiligten. Es soll aber bitte auch niemand so tun, als hätten wir keine deutschen Kriminellen und keine deutschen Arbeitsscheuen und Sozialschmarotzer, die lieber mit weniger Geld leben, aber dafür nicht einen Finger krumm tun.

Dreimal ist mir beim Lesen der Kommentare der Kragen geplatzt, dreimal hab ich etwas geschrieben. Und wie wirklich immer bei kontroversen Themen keine Antwort bekommen. Wie auch. Dann müssten die Leute ja nicht nur Text lesen, sondern auch antworten - und wer antworten will, muss (oder sollte zumindest) nachdenken. Aber das.. scheint viele auch zu überfordern.
Wenns den Kopf anstrengt, ist es schon zuviel (verlangt). Und solche Leute wählen eine Partei, die das Leben aller verändern kann. "Mir scheißegal, ich bin Protestwähler", höre ich öfter.
Ja dann wählt doch die Tierschutzpartei oder die Freien Wähler! Dann nehmt Ihr den Alteingesessenen auch die Stimme, aber Ihr gebt sie nicht den Falschen. Die sind Euch zu klein? Man hat doch bei der kackblauen Partei gesehen, wie schnell man stark wird. Dann geht das auch bei anderen.

Leider Gottes sind nicht alle Kinder so unbedarft wie der Junge im Twitter-Zitat. In dem Alter machts noch die Erziehung.

Mittwoch, 15. Mai 2019

Szenen einer Partnerschaft: Schönheit im Auge des Betrachters

"Meinst du, du wirst mich immer lieben?" frage ich, während ich kritisch in den Kalender schaue.
"Natürlich. Auch dann, wenn du hässlich bist und Warzen hast."
"Hässlich? Hast du jetzt gerade hässlich gesagt?"
"Na ja, du weißt doch, wie ich das meine."
"Ich dachte eigentlich, ich könnte nie hässlich für dich werden, egal, wie ich mal aussehe."
"Ich meinte auch nicht hässlich. Ich meinte, wenn du so Warzen im Alter kriegst oder so."
Ich muss wirklich lachen und winke ab: "Lass gut sein, Komplimente kannst du einfach nicht."
"Waaaaas? Kann ich nicht? Und was habe ich gestern zu dir in der Küche gesagt?"
"Das Brot ist alle!"

Dienstag, 14. Mai 2019

Oops I did it again



Im Januar war ich noch Bild 1 - das war der Ursprung, den ich so nicht mehr wollte. Im April war ich dann Bild 2 - einen Friseur hier in M ausprobiert, zum allerersten Mal und... äh.. nun ja. Technisch hat sies super gemacht, aber optisch wars irgendwie nicht das, was ich wollte.
Also versuchte ich mich letzte Woche bei meinem bisherigen Haus- und Hof-Friesemeister - und bin jetzt Bild 3. Etwas, das ich nun so gar nicht wollte. Ich werde wohl beim neuen Friesemeister bleiben..

Das Blöde ist, es dauert jetzt wieder rund 1 Jahr, bis ich da hinkomme, wo ich hinwollte.
Das Gute ist, es dauert nur rund 1 Jahr.

In der Firma wurde letzte Woche natürlich sofort gefrozzelt: "Du bist ganz schön oft alleine unterwegs im Moment, fährst hierhin, dahin... Und jetzt haste dir auch noch das Haar abschneiden lassen. Bei Frauen hat das ja einiges zu sagen."
Nö. Bei mir nicht. Bei mir heißt das lediglich, dass mir grad mal wieder nach Veränderung war. Wie immer aller zwei Jahre. (Alle anderen Veränderungen brauchen bei mir viel länger, das weiß man doch eigentlich, wenn man mich kennt ;)) 

Aussehen sollte das Ganze übrigens so:

Bildquelle: https://www.leithprimary.org/damen-frisuren-pagenschnitt/damen-frisuren-pagenschnitt-25-schon-frisuren-mittellang-frauen-bild/
Nun ja. Mit ein bisschen Geduld und Spucke komm ich da vielleicht sogar im Sommer schon hin. Und bis dahin... könntsch mir die Zeit mit ein bisschen Kaffee trinken und tanzen und so verbringen ;)

Montag, 13. Mai 2019

Die hohe Kunst des Pizzabodens aus Blumenkohl




Es gab Zeiten, da hatten wir nur Bücher und Zeitschriften zum Lesen und dachten im Traum nicht daran, dass es eines Tages so selbstverständlich sein würde, uns in einer virtuellen Welt so zu bewegen, als sei sie ein Zuhause.
Ich hab sie vom ersten Moment an geliebt, diese virtuelle Welt. Es ist genial, wie sich nunmehr Menschen kennenlernen können, die sonst einander vermutlich niemals begegnet wären.
Das denke ich über den Mann, der sich gerade nebenan die Zähne putzt.
Das dachte ich über mein Gegenüber vom vergangenen Samstag.
Das denke ich über all die Menschen, die ich über das Netz kennenlernte und denen ich irgendwann auch in der Realität begegnete.
Wilde Zeiten, mitunter, aber gute Zeiten. Viel Möglichkeit, über alles Mögliche zu reden, zu lachen, Spaß zu haben. Viel Möglichkeit für mich  zu lernen.

Ich will soviel wissen, aber nicht alles blind glauben. Wenn ich Dinge lese, die mir irgendwie nicht schlüssig erscheinen, hinterfrage ich sie. Nicht alles und jedes, aber... das eine oder andere eben.
Dabei will ich gar nicht streiten, sondern einfach nur.. lernen.
Und ich lerne. Zum Beispiel über Zusammenhänge von Klima, Landeis und Meereis ;) Ich erfahre aber auch, dass ich offenbar anstrengend sein kann - wenn ich Themen nachlese und dann kommentiere.
Worauf nicht jeder Lust hat.
"Ich will nicht diskutieren, ich will nur was teilen, aus reinen Info-Zwecken... damit alle Seiten zu Wort kommen."
Wenn aber Informationen weggelassen werden, die zum Thema, zur Meinungsbildung wichtig wären?
Bin ich dann zu genau? Wollte ich es zu genau wissen?

Mein AfD-Kollege schickt mir schon lange keine Videos oder Textausschnitte mehr, weil ich möglicherweise auch ihm zu anstrengend geworden bin. Ich hab mir die Videos und die Textausschnitte angeschaut, aber ich hab sie kommentiert. Oder argumentiert. Jetzt schreibt er nix mehr, wir grinsen uns nur noch an, wenn wir uns mal über den Weg laufen.

Hänge ich mich zu sehr rein? Verstehe ich es falsch, dass ein in die virtuelle Welt geschriebenes Wort nicht immer eines Kommentares bedarf? Wozu schreib ichs dann da rein? Könntsch doch auch zu Hause ganz analog in ein Tagebuch kritzeln? Ich sag ja nicht zu allem und jedem was - nur zu Themen, die mich interessieren. Oder um einer Person beizustehen, auf die sich grad drei, vier andere gestürzt haben. Ist es okay, eine Meinung zu haben, aber noch mehr okay, wenn jeder die für sich behält? Und wozu haben wir dann beispielsweise soziale Medien? Um uns virtuell zuzuwinken und lustige Bildchen auszutauschen? Stay connect - aber nicht zuviel?
Gestern sagte ich zu jemandem, dass ich dieses "neugierig, wach, intensiv" könnte - aber auch nicht jeden Tag. Weil das selbst mir zu anstrengend würde.
Wenn ich über Dinge nachdenke, die ich lese, kommentiere ich sie ganz oft mit einem Schmunzeln. Weil ich oftmals das Gefühl hab, ich sitz jetzt hier in einem Cafe bei einer Tasse Kaffee, und wir ratschen. Einfach so. Das ist das, was ich darin sehe - einen Austausch. Nicht mehr und nicht weniger.

Aber.. wer weiß. Vielleicht sollte ich einfach das tun, was ich am besten kann - und still sein :)


Sonntag, 12. Mai 2019

Szenen einer Partnerschaft: Ich wollt, ich wär ein Kranich

Wir lümmeln auf der Sofalandschaft, zappen durch die Programme, erfahren auf einem Zwischenstopp irgendeiner Doku, dass irgend so eine Kranichart mit irgendeiner Art Tanz um die Liebste buhlt. Und trotzdem der dann einmal geschlossene Bund bis zum Ende des Lebens reicht, wirbt der Kranichmann jedes Jahr erneut um seine Liebste.
Ich wende den Kopf zum Mann, die Augenbrauen bedeutsam erhoben, und grinse vielsagend.

Hups, der Mann hat Nachrichten geschrieben, gar nicht gesehen. Dann hat er angerufen - hups, gar nicht gehört.
Zurückgerufen - aber ich weiß schon beim Drücken auf "Anrufen", dass er nicht rangehen wird. Ist immer so. Der ruft an, Du rufst zwei Minuten später zurück - nix. Wahrscheinlich wurde er gerade beim Auflegen von Aliens entführt und zwei Stunden später zurückgebracht. (Kann mir auch durchaus vorstellen, wieso. Er war eins dieser Kinder, die alles zerlegten, was irgendwie nach Technik aussah. Er ist einer dieser Männer, die da nie erwachsen werden ;) "Nur so lernt man", verteidigt er das immer.)
"Ich hab grad was anderes gemacht und nicht gesehen, dass du zurückgerufen hast."
"Das habe ich gemerkt!"
"Bist du jetzt sauer? Ich ruf dich an, schreib dir Nachrichten und eeeewig kommt keine Antwort - und ich muss sofort reagieren, wenn du dich meldest?"
"Ja natürlich. So will es das Gesetz!" :)

Samstag, 11. Mai 2019

Oh wie schön ist Panama



Als ich 15, 16 Jahre alt war, im ersten Liebeskummer meines Lebens, da lief ich durch die Welt, sah die vielen Ehepaare und glaubte: Wenn ich selbst eines Tages verheiratet bin, dann hat das alles ein Ende, dieser Schmerz, diese Tränen, diese unerfüllte Sehnsucht. Für mich war die Ehe etwas, zu dem man Ja für den Rest des Lebens sagt.
Als ich 19 Jahre alt war, war ich verheiratet.
Als ich 32 Jahre alt war, hatte ich endlich verstanden, dass Schmerz, Tränen und unerfüllte Sehnsucht auch mit einer Ehe nicht enden - im Gegensatz zur Liebe.
Und ich wollte mehr. Oder nein, mehr wollte ich nicht. Ich wollte es anders - oder lieber allein leben.
Es ist jedoch sehr gut möglich, dass ich diese Erkenntnis eher fühlte als dachte - denn nachgedacht habe ich kaum, als ich die Augen schloss und sprang. Eine Entscheidung, gereift in neun langen Jahren.
Eine Entscheidung gleich einem gereiften Apfel, der eines Tages entweder am Baum vertrocknet oder von allein ins Gras plumpst - und nicht vorzeitig gepflückt wird.
Ich habe meine Entscheidung selbst in den dunkelsten Momenten nicht bereut, weil ich mir zumindest hierin immer sicher war: Sie war richtig. Eine Lehre, die ich mir bis heute mitgenommen habe. Tiefgreifende Entscheidungen, die mitunter alles verändern, werden nicht im Affekt getroffen. Sie werden auch nicht getroffen, weil andere Dir sagen, dass Du es tun solltest, weil es das richtige sei. Ich selbst musste erst an diesen Point of no return kommen, ich selbst musste es nicht nur wissen, sondern auch fühlen. Die Entscheidung musste nicht in meinem Kopf, sondern in meinem Bauch getroffen werden. Nur dann werde ich sie nicht bereuen.
Es gibt so einige Entscheidungen, die ich im Affekt traf - und die unwiederbringlich sind, die nicht umkehrbar sind.
Seitdem lasse ich mir Zeit.
Seitdem lasse ich den Menschen um mich herum ihre Zeit. Auch kleine Schritte sind Schritte.

Heut Nachmittag wurde mir ein Spiegel vorgehalten - und mir wurde klar: Mein Gegenüber hat recht. Auch nonverbal ist es möglich, Druck in einem anderen Menschen zu erzeugen. Auch nonverbal ist es möglich, in einem anderen Menschen das Gefühl zu erzeugen, versagt zu haben.
Dabei spielt gar keine Rolle, dass man selbst genau das gar nicht wollte.
Auch wenn ich immer sage "Lasst ihm die Zeit, die er braucht. Er macht sein Ding schon."
Ich sage das, ich denke das über meinen Sohn - aber es gibt auch Momente, in denen meine nonverbalen Reaktionen etwas anderes ausdrücken (können).
Und dass ich mich zuviel kümmere, zuviel abnehme, zuviel mitsteuere.
Dass er sich darauf ausruht, dass ich da bin. Dass ich tue. Diese Dinge höre ich nicht zum ersten Mal.
Der heutige Trialog jedoch.. brachte einen entscheidenden Gedanken hervor, den ich all die Jahre über mehr fühlte als dachte: Ich trage ihn nur auf diesem Stück seines Weges, auf dem ihm der Atem ausgegangen ist.
Oft betrachte ich ihn und denke, wie glücklich es mich macht, wenn er lächelt mit seinen wundervollen Grübchen, die ich so liebe. Und ich wünsche ihm ganz viel mehr Lächel-Momente. Dafür möchte ich alles geben. Nicht als Wiedergutmachung.. Ich war nicht bei ihm, als es ganz schlimm für ihn war. Als mir das klar wurde, schwor ich mir: Nie wieder.. das passiert mir nie nie wieder.. Ich war nicht bei ihm als er mich brauchte. Heute bin ich es. So lange, wie er es braucht.
Heute trage ich ihn, so lange, wie er es braucht.
Und ich weiß, dass er es kann. Dass er es wird. Wir alle wissen: Solange wir in einer schlimmen Phase stecken, regiert vor allem eins - unser Überlebenswille. Und nur weil die schlimme Phase endet, ist es anschließend nicht alles gut. Im Gegenteil: Erst dann spüren wir sie, diese überdimensionale Ermüdung. Wir machen nur noch das Aller-allernotwendigste. Weil wir nur noch das aller-allernotwendigste schaffen. Alles braucht seine Zeit.

"Du trägst ihn so wie früher den Jüngeren, und jetzt scheint es, als hole er sich diese Zeit zurück. Damals der Jüngere, heute ist er dran, der Ältere. Und du weißt, dass das nicht für immer ist. Bis er von alleine weitergeht."
"Ja", antwortete ich dankbar. "Ja genau."

Donnerstag, 9. Mai 2019

Schnelltest


Während ich - wie heute Nachmittag - seit über einem Jahr wiederholt höre, dass ich einfach nirgendwo reinpasse, dass nicht mal klassische Laborparameter zusammenpassen, fand ich diese Diagnose heute Abend ziemlich leicht:
Melone mit eindeutigem Vitamin D-Mangel!
Klarer Fall von zu wenig Sonne, Frollein!
Der Schnelltest hats gezeigt: Messer raus, zack, geteilt - alles klar.

Die hat übrigens auch so geschmeckt wie sie aussieht. Örks. Darf man sowas eigentlich reklamieren?

Montag, 6. Mai 2019

Das Löwenmädchen



Wir glauben immer, dass wir mit unseren Erfahrungen unsere Kinder schützen können vor all dem, das sie verletzen könnte. Wir glauben immer, dass wir mit unseren Erfahrungen das Richtige für unsere Kinder entscheiden.
Aber das Leben.. findet seinen Weg - und das muss es auch.

Ich gebe zu, streckenweise war der Film vielleicht ein wenig.. langatmig erzählt.. Aber es bleibt eine gelungene, eine besondere Geschichte über ein besonderes Mädchen, deren Mama bei der Geburt stirbt und deren Vater es zunächst nicht annehmen kann - bis er mit den Jahren mehr und mehr seine Hände schützend über der Tochter ausbreitet, so sehr, dass es ihr irgendwann zu eng wird darunter.. Sie sucht ihren eigenen Weg und sie geht ihren eigenen Weg, auch wenn das bedeutet, alles hinter sich zu lassen, ihr bisheriges Leben hinter sich zu lassen, und den Papa dazu..
Die am meisten berührendste Szene war für mich die Schlussszene.
"Er hat sie gemalt", flüsterte ich, noch bevor sie sein posthumes Geschenk an sie öffnete, und dann bekam ich eine wahnsinnige Gänsehaut.

Wie sehr wir jemanden lieben, können wir vielleicht nicht immer sagen, vielleicht nicht immer so zeigen - aber dass wir es tun, dass sollte der andere wissen.
"Das musst du doch fühlen, das musst du doch in meinen Augen sehen, wenn ich dich anschaue", ist nicht immer dasselbe.
Nicht immer..
Der andere sollte es immer wissen und fühlen, solange wir da sind. Wir verschenken soviel, wenn wir bis danach warten (müssen).

Sonntag, 5. Mai 2019

Kindeswohl



Es ist grad nicht meine allerbeste Zeit.
Vor einigen Tagen kam ein Blutbefund ins Haus. Drei fragliche Diagnosen, nachdem ich die erste ergoogelte und las, dass es nicht heilbar ist, schlug ich die Seiten wieder zu und beließ es auch dabei.
Aus verschiedenen Gründen haben wir die Bluttherapie nun auch unterbrochen, vor vierzehn Tagen schon - und ob direkt abgebrochen, kann ich noch nicht sagen. Mir ging es tatsächlich gut, wenn auch mit den üblichen Schwankungen. Und ich sagte mir "Komm, du kannst das, du musst das jetzt auch ohne Hilfe schaffen."
Nach und nach wird langsam wieder deutlicher, warum ich überhaupt damit begonnen habe.
Dass mich das alles sorgt, kann ich nicht sagen, tatsächlich nicht - aber es stimmt mich nachdenklich.
Was haben wir erreicht? Haben wir überhaupt etwas erreicht? Wie geht es weiter?
"Achthundert Euro für nichts", kopfschüttelt der Mann. So pessimistisch sehe ich das nicht.
Es ist ja nicht alles wie vorher. Und ich glaube noch immer, dass mein Körper es auch allein schaffen kann. Vielleicht ist er ja nur ein wenig.. irritiert, dass man ihm von jetzt auf gleich nicht mehr hilft? Da darf man schon ruhig ein wenig verschnupft reagieren, denke ich.
Und reagiere meinerseits darauf, indem ich alles noch ein wenig ruhiger angehe. Mir mal hier, mal dort einen Tag freinehme, mich in die Badewanne lege, gefühlte Ewigkeiten lang, wieder mehr lese und nach einer Inspiration für ein neues Bild suche.. Die Leinwand, das dicke Papier, die Staffelei, alles steht und liegt bereit, es wartet nur auf mich...


Die ersten Tage im Mai haben mit unerwarteter Kälte begonnen, grad heut schaute ich gedankenverloren auf das viele Grün vor dem Fenster - und auf den einsetzenden Schneeregen.
Schnee. Im Mai! Und wenn ich es auch noch so bedaure, die Kleidchen bleiben damit im Schrank, die Strickpullover oder auch die geliebten Strickjacken meine treuen Begleiter.
Abends werden wieder mehr Kerzen entzündet, streamen wir uns vermehrt durch die Mediatheken, und so entdeckte ich am gestrigen Abend, dass derzeit "Kindeswohl" kostenfrei angeboten wird.

Was soll ich sagen... Abgesehen davon, dass Emma Thompson eine meiner Lieblingsschauspielerinnen ist, empfand ich diesen Film als sehr berührend... Sie in der Rolle einer Familienrichterin, die bei Streitigkeiten mit Eltern und um Kinder immer für das Wohl eines Kindes zu entscheiden hat. Wie im Fall des noch minderjährigen 17jährigen Adam, der nur drei Monate vor seinem 18. Geburtstag an Leukämie erkrankt. Seine Eltern und er als Zeugen Jehovas lehnen zwar nicht die Behandlung selbst, jedoch eine dabei überlebenswichtige Bluttransfusion ab.
Die nach einem - wie ich finde - wunderbaren Plädoyer für das Leben gerichtlich angeordnet und durchgeführt wird.
Adam überlebt zunächst - und empfindet alles auf den Kopf gestellt, er hat so unfassbar viele, tiefgehende Fragen, auf die er keine Antwort bekam - und die er sich nun von Emma erhofft. Indem er wiederholt ihre Nähe sucht, Grenzen überschreitet - und sie ihn aus Gründen der Professionalität zurückweist..

Natürlich hat mich das vorhersehbare Ende sehr berührt, mich hat jedoch ebenso berührt.. wie wichtig es ist, einander zuzuhören. Miteinander zu sprechen. Über Dinge, die wir denken, über Dinge, die wir fühlen. Warum wir uns verhalten wie wir uns eben verhalten. Warum manchmal anderes wichtiger ist als das eigentlich Liebste im eigenen Leben..
"Ich kann ihren Mann verstehen", sagt der Mann neben mir.
"Hm", antworte ich nachdenklich, "irgendwie schon. Aber ich kann auch sie verstehen. So einen Job macht man nicht einfach so. Sollte man jedenfalls nicht. Sowas sollte man immer mit Herzblut machen. Mit Leidenschaft."
Wenn es um einen Menschen geht, sollte man niemals etwas einfach nur so machen.. Und wenn doch, dann mit den Konsequenzen leben. Wenn das nur nicht zuweilen so schwierig.. und so schmerzhaft wäre.

Freitag, 12. April 2019

Was hat mich die letzten Tage...



...amüsiert?
Die Erkenntnis, dass es mir erlaubt ist, zum Erhalt meiner Arbeitsfähigkeit mittags das Büro zu verlassen, mir etwas zu essen zu kaufen - wenn mir dabei etwas passieren sollte, ist das berufsgenossenschaftlich versichert. Das Essen selbst aber im Office ist nicht versichert. Wenn ich mir also beim Essen die Zunge abbeiße, habe ich eben Pech. Merke: Nur gucken, nicht anfassen :)

...Geld gekostet?
Der Trip nach Bonn letztlich weniger als geplant - aber in den letzten Tagen habe ich deutlich mehr Geld für Musik ausgegeben als für gewöhnlich. Habe mir zum Geburtstag von der Firma nun einen Musik-Gutschein gewünscht. Ist zwar noch bisschen Zeit bis dahin, aber.. kluge Frau baut vor ;) Und alles ist  besser als eine Flasche trockener Rotwein, den ich maximal als Gesichtswasser nutze, oder eine Orchidee, die es unter meiner Pflege noch nie länger als sechs, acht Wochen bei mir ausgehalten hat. Außerdem.. Orchideen sind eh nicht so mein Fall.

...nachdenklich gestimmt?
Die Aussage in einem Blogpost, dass jeder Steuerzahler aus Solidaritätsgründen in die Sozialkassen einzahlen soll - aber wer Homöopathieleistungen beanspruchen will, solle die bittschön selber zahlen und dieses Begehr nicht auf dem Rücken aller austragen.
Nun. Ich bin geneigt zu glauben, dass derjenige, der so denkt, entweder nicht weiß, dass Homöopathie weitaus mehr ist und kann als Globuli schlucken oder mit der Wünschelrute den Beelzebub auszutreiben - oder dass er schlichtweg einfach noch nicht selber betroffen ist. (Sei froh.)
Inzwischen sollte man vielleicht wissen, dass auch die Schulmedizin ihre Grenzen hat, nicht alles leisten kann - und dass die gesunde Kombination in eben einer Kombination aus beidem besteht, Schulmedizin und Naturheilkunde.
Ich meine, schaut mich an.. Schulmedizinisch gelte ich seit Jahren entweder als austherapiert oder als ein Mensch mit einem psychischen Problem. Wenn ich betrachte, wie halbherzig in den letzten zwei Jahren Untersuchungen stattgefunden haben - und vor allem: wie punktuell, ohne mich ganzheitlich zu betrachten, nur um mir dann zu sagen, ich habe lediglich ein psychisches Problem, dann weiß ich nicht recht, was ich dazu sagen soll. Und wenn dann auch auf meinen Einwand hin "Leute, die Psychosomatik habe ich schon durch - zweimal stationär, zweimal ambulant, in einem Zeitraum von insgesamt fünf oder sechs Jahren" mir geantwortet wird: "Gut, aber irgendwas muss da ja noch sein" - dann fällt mir nur noch eine einzige Antwort dazu ein: "Ich werde mich jetzt aber nicht dafür entschuldigen, dass ich Ihnen keine Lebensumstände präsentieren kann, die nicht längst schon bearbeitet worden sind. Meiner Seele geht es gut, nur meinem Körper nicht. Seit vierzehn Jahren nicht."
Es war bisher allein der Weg der Bluttherapie, die erste sichtbare Erfolge zeigt. Meine rechte Hand zittert nicht mehr, mein Gang ist deutlich sicherer geworden, ich ermüde auch nicht mehr, kaum dass ich auch nur irgendwas bewegt habe.
Aber es ist ein teures Pflaster, ein wirklich teures. Monatlich wendet man dafür Kosten zwischen 320 und 640 Euro auf, hinzu kommen Kosten für etwaige weitere Medikamente. Zum Beispiel Entzündungshemmer. Das muss man sich tatsächlich leisten können. Noch vor fünf Jahren für mich undenkbar.
Aber warum darf derjenige, der es finanziell nicht stemmen kann, keinen alternativen Heilungsweg versuchen?
Wie sagte der Neurologe letzten Herbst? "Wenn man sich Ihren Verlauf anschaut, kann man sagen, dass es langsam, aber stetig immer schlechter wird."
Das ist richtig. Nur helfen konnte er mir nicht. Weil ich ihm - vermutlich - zu teuer bin, um dem Ganzen auf den Grund zu kommen. Also überweist er mich in die Fachklinik. Die mir wortwörtlich ins Gesicht sagt: "Man muss ja nicht gleich mit dem Teuersten anfangen. Wir fangen erst mal beim Einfachsten an."
Und das ist für sie die Psychosomatik. Die Station, die ich längst mehrfach erfolgreich absolviert habe. Erfolgreich nur nicht dahingehend, was meinen Körper betrifft.
Wenn wir also den Solidargedanken haben - warum bleibt dieser dann beschränkt auf etwas, das längst schon nicht mehr die ganze Wahrheit ist?
Es hat mich übrigens überrascht, dass ich in sämtlichen Apotheken nie auf ein homöopathisches Präparat warten musste, seien es Schmerzmittel oder Entzündungshemmer gleich welcher Art und Dosierung. Alles war immer vorrätig, was man von schulmedizinisch verordneten Medikamenten weiß Gott nicht sagen kann.
Da sollte man vielleicht mal drüber nachdenken.

...beschäftigt?
Ein Familienmitglied. Seit ein paar Wochen vergeht kaum ein Tag, an dem wir nicht schreiben, hin und wieder auch telefonieren. Ich freu mich sehr, dass sie sich mir anvertraut mit Dingen, die sie zu Hause nicht sagen kann, weil sie sich dort nicht verstanden, stattdessen oftmals abgewertet fühlt.
Manchmal reden wir selbst über politische Dinge, und gestern schickte sie mir die Einladung zu einer Gruppe, die sich gegen die AfD positioniert. Ich hab mir das angeschaut, diese Gruppe ist öffentlich, aber später antwortete ich ihr, dass ich nicht beitreten möchte.
Ich glaube, das liegt hauptsächlich daran, weil ich nicht jeden Tag mit irgendeinem Statement gegen irgendeine bekloppte Aussage konfrontiert werden möchte. Ich möchte mich nicht jeden Tag mit der ganzen Scheiße befassen müssen, weil ich glaube, dass mich das irgendwie.. "vergiftet".
Insgesamt... Wenn ich von ihr höre oder lese, muss ich immer wieder daran denken, wie ich einst auf die Pinnwand schrieb "Jeder sollte jemanden haben, der bedingungslos an einen glaubt."
Aber manchmal genügt das, glaube ich, nicht. Manchmal muss man einfach auch ein paar Kilometer Distanz bekommen. Oder auch ein paar Kilometer mehr.
"Alles steht dir offen", sagte ich ihr vor wenigen Wochen. "Du kannst gehen, wohin du willst."

...erschüttert?
Vor zwei Tagen habe ich einen Post bei FB gelesen, in dem es darum ging, dass Mütter, die mit einem oder mehreren Kindern zu Hause sind, sich erschöpft fühlen, während ihr Umfeld fragt "Was hast du für ein Problem? Du bist doch nur zu Hause."
Was mich daran erschütterte, war die Tatsache, wie Frauen auf Frauen bzw. Mütter auf Mütter losgingen, einander demontierten, reduzierten, eine sich über die andere erhob, indem sie sich zu übertrumpfen versuchten darin, wer mehr Kinder, mehr Krankheiten, weniger Beistand etc. hatte und es trotzdem geschafft habe, ohne zu jammern.
Seit wann ist es Jammerei, wenn jemand sagt "Ich kann (gerade) nicht mehr"? Seit wann ist man ein Jammerlappen, wenn man signalisiert, dass man es allein nicht (mehr) schafft? Das finde ich nicht nur erschreckend, sondern vor allem höchst bedenklich.
Wenn sich niemand mehr einem anderen anvertrauen darf - oder einfach nur über seine eigenen Kotzgrenze sprechen darf - wohin soll das dann führen?
Müssten wir Frauen, wir Mütter nicht einander am ehesten verstehen? Müssten gerade wir nicht einander am ehesten wieder auf die Beine helfen, anstatt aufeinander loszugehen? Warum wird vergessen, dass jeder Mensch nicht das gleiche, sondern sein ganz individuelles Leistungsvermögen hat? Ist er deshalb schlechter als der andere?? Wohl kaum!
"Schämt Euch", schrieb ich darunter, "schämt Euch Ihr alle, die Ihr über Menschen urteilt, deren Persönlichkeit und Lebensumstände Ihr nicht kennt."

...gewundert?
Immer öfter lese ich in verschiedenen Blogs, dass man Blogs, die man einst abonnierte, nie oder nicht mehr liest. Ich schmunzle dann: Warum abonniert man sie dann? Um Leser zu akquirieren?
Seid Euch gewiss: All meine abonnierten Blogs lese ich auch tatsächlich - auch wenn ich nicht immer kommentiere ;) Bei manchen geht übrigens das Kommentieren auch nicht mehr. Entweder, weil sie die Kommentarfunktion abschalteten oder weil ihr Wordpress-Blog ein Wordpress-Konto verlangt, das ich nicht habe oder nicht angeben möchte. Oder ein FB-Konto, das ich erst recht nicht angeben möchte.
Es gibt so einige Blogs, die inzwischen leider still und verwaist sind - aber ich kann warten. Manchmal bin ich tatsächlich geduldig :)