Dienstag, 19. Juni 2018

Kategorie Fundstücke: Das Wort des Tages



Was trinke ich erstmal darauf? Nu freilich - was sonst!


Montag, 18. Juni 2018

Wer bist du und was hast du?

"Es ist schwer, in einer Stadt wie M zu leben", hat vor Jahren mal jemand zu mir gesagt. "M verändert die Menschen. Es ist schwer, man selbst zu bleiben."
Damals lebte ich noch nicht hier, damals war maximal der Hauch eines Gedanken daran verschwendet, in einer Stadt wie M zu leben.

Vor vier Jahren zog ich hierher - und ich denke, es ist schon etwas dran an den einstigen Worten. Es ist nicht nur so, dass man gemustert wird, so diese typischen Blicke von oben nach unten; wie siehst du aus, was hast du an und vor allem: Wie teuer ist das, was du trägst?
Es ist eher, dass man gar nicht erst wirklich wahrgenommen wird. Außer von älteren Menschen. Die lächeln dich dankbar an, wenn du ihnen Platz machst, wenn du sie selber anlächelst, einfach so, wenn ihr Blick gerade deinen erhascht.
Die jüngeren jedoch, insbesondere die weiblichen, die nehmen dich nicht wahr. Die gehen zu zweit, zu dritt, zu viert nebeneinander, die Handtasche in dieser grässlichen Manier in der Armbeuge, der Blick irgendwo, meist zu sich selbst - und so gehen sie einfach davon aus, dass du ihnen aus dem Weg zu gehen hast - und nicht sie dir. Oder gar noch die Front auseinanderzerren, na wo kommen wir denn da hin?
"Ich habe es mir angewöhnt, inzwischen gehe ich drauf zu oder latsche ihnen auch mal in die Hacken", sagt unbekümmert der Mann. Meine Art ist das so nicht und ich will das auch gar nicht erst zu meiner Methodik machen. Aber es nervt mich - diese Arroganz, davon auszugehen, dass man jemandem Platz zu machen hat oder dergleichen.

So wie es mich schon ein Stück weit betroffen und auch nachdenklich macht, wenn Vorschulkinder keine Freunde mit nach Hause einladen möchten, weil ihrer Meinung nach die Wohnung nicht groß und nicht schön genug ist, während ihre Freunde mit deren Eltern in Häusern wohnen. Platz ohne Ende. Wenn Vorschulkinder meinen, sie hätten kein schönes Spielzeug, obschon sie alles bekommen haben, das sie sich selbst wünschten.
Ich denke darüber nach und frage mich, ob das nur hier in M so ist oder anderswo nicht auch? Wie war das in L? Wie war das, als meine Kinder noch kleiner waren? Ich konnte ihnen nicht immer alle Wünsche erfüllen (auch wenn mein Jüngster das vor einer Weile anders bezeichnete, und man kann wohl kaum ein größeres Kompliment bekommen, wenn ein Kind sagt, dass es eine schöne Kindheit hatte und alles hatte, was es brauchte, und alles bekam, was es wünschte) und ich habe ihnen auch keine Klamotten gekauft, die ein bestimmtes Label spazieren führten. Ich habs nicht gemacht, weil ich es finanziell nicht konnte - und weil aber auch kein Bedarf danach entstand. Nicht alles, was teuer ist, ist schön. Oder ist es wert, dass man 200 Euro dafür ausgibt. Vor allem dann nicht, wenn, wie man inzwischen weiß, die teuren Klamotten auch nur in Billiglohnländern produziert werden.
Wir haben uns jedenfalls angezogen, was uns gefiel, fertig. Und natürlich haben die Kinder gesehen, was andere Kinder haben. Und wenn es ihnen gefiel, dann wollten sie es auch. Meistens aber, so hab ichs in Erinnerung, haben sie sich von der Werbung inspirieren lassen.
Ob sie sich für ihr Zuhause schämten? Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht, weil sich diese Frage nie stellte. Weil ich persönlich der Auffassung war, dass Platz in der kleinsten Hütte ist, wenn es nur darauf ankommt, dass man sich mag und etwas zusammen machen möchte.
Ob sie sich für ihre Kleidung schämten? Ehrlich gesagt, weiß ich auch das nicht, weil auch hier sich diese Frage nie gestellt hatte. Aber klar ist es schon so, dass ich heute Fotos von früher betrachte und denke: "Hm. Das würde ich die Jungs so heute aber echt nie anziehen lassen!" Aber okay, das denkt man ja auch von sich selbst, wenn man ältere Fotos betrachtet ;)

Als ich vor Jahren in einer Zeit, in der ich noch nicht hier wohnte, meinen Sohn über das Wochenende mit nach M genommen hatte, da sagte er am Ende jener Tage zu mir: "Also die Mädels hier sehen schon richtig gut aus. Aber die gucken einen mit dem Arsch nicht an."
Damals war er 14 oder 15 und gerade erst in der Phase, seinen eigenen Stil zu finden, dies und jenes auszuprobieren.
Ich bin nicht sicher, ob es schwer geworden wäre für ihn, sich in diese Stadt einzuleben, wenn man hier nicht geboren wurde und auch die halbe Kindheit lang woanders groß geworden ist.
Ähnliches erzählt (erst heute) der Sohn des Mannes, der es in den Jahren der Schule nicht leicht hatte und späterhin vieles dann über die stattliche Größe von inzwischen rund zwei Metern richtete.
Ich glaube, dass der Mensch nicht nur hier in M, aber vor allem auch hier Statussymbole braucht - und ich frage mich: Wofür? Um etwas zu zeigen, das ich in Wahrheit gar nicht bin? Um zu zeigen, ich bin wer, ich hab was, ich bin toll? Es geht mir super, ich bin super glücklich trallala?

“Man will nicht nur glücklich sein, sondern glücklicher als die anderen. Und das ist deshalb so schwer, weil wir die anderen für glücklicher halten als sie sind.” Charles Louis de Montesquieu

An all das dachte ich, als ich letztens vom Neurologen kam und auf dem Weg zur U-Bahn dachte: "Ne, also einen Kaffee brauche ich jetzt erst mal, bevor ich in die Bahn steige." Zum Hinsetzen und Verweilen hatte ich leider keine Zeit, doch weil ich mich kenne und auf meine Gelüste meistens auch vorbereitet bin, trug ich einen jener Mehrwegbecher in meiner Tasche, die mein Ältester mir letztes Jahr zum Geburtstag schenkte.
Den reichte ich über den Tresen, als mich eine genervte Verkäuferin fragte: "Bitte?"
Ist Euch eigentlich schon mal aufgefallen, dass sich kaum noch jemand die Zeit nimmt, in vollständigen, ganzen Sätzen zu sprechen? Es ist nicht immer nur fehlendes Bitte oder Danke, es ist insbesondere auch die Art der Kommunikation. Alles muss schnell und zack-zack gehen (auch der Mann hat da so diesen Hang, aber dann werde ich nur noch entspannter: "Ich lasse mich nicht hetzen, auch nicht von dir, du Hektiker.")
Sie schaute pikiert auf meinen Becher, dann auf mich - da war er wieder, dieser taxierende Blick -  und ich begegnete ihrem Blick gerade und direkt. "Ich hätte gern einen großen Latte Macchiato, bitte" sagte ich und lächelte. Sie lächelte nicht zurück, füllte mir den Kaffeebecher ab und wechselte den 10-Euro-Schein in ein paar Münzen zurück, die sie mürrisch klirrend auf dem Teller ablegte.

Das ist nicht nur M und auch nicht jeder ist hier so. Aber es ist vor allem M.
Ich habe mich hier erstaunlicherweise besser und schneller eingelebt als damals in L. Mir ist es dort wesentlich schwerer gefallen und ich hatte deutlich länger gebraucht.
Aber ich weiß auch, dass ich hier nicht bleiben werde.
M ist einfach nicht meine Welt. Es hat ja sowieso auch kein Meer.


"Und du, meine bunte Kuh, was sagst du dazu?"

"Na? Was sagst du zu gestern?" ist das heutige allgemeine montagmorgendliche Begrüßungszeremonium.
Nun. Ich gestehe, ich bin kein Fußballkenner, auch wenn ich weiß, was Abseits ist. Neben meinem Sohn wird sogar mein eingefleischter Fan Papa blass, wenn der erst mal loslegt.
Und ich gestehe, ich bin die, die eher nur zu WM-Zeiten Fußball schaut, mitfiebert, mitbrüllt vor Begeisterung oder, wie gestern Abend, nur fassungslos den Kopf schüttelt.
Was da an.. kann man sagen: Häme? ausgegossen wurde gestern bei FB - okay, muss so sicherlich nicht sein.
Trotzdem steh ich dazu, wenn ich sage: Ey, sie werden dafür bezahlt, dass sie ihren Job machen, sie machen den lieben langen Tag, jahrein, jahraus nix anderes außer Fußballspielen, sich up-to-date das Haar schneiden und färben und nett in die Werbekamera lächeln oder schnüffeln (ich finde den aktuellen Werbespot der schnüffelnden Sportler nicht witzig, sondern ausgesprochen lächerlich).
Und ja, man kann auch mal einen schlechten Tag haben und man muss auch nicht immer der Erste sein.
Aber wenn sich ein Hummels vor die Kamera stellt (oder er gezogen wurde, weiß ich nicht, wie auch immer) und seinen Frust darüber ausdrückt, dass er "schon länger" kritisiert, dass wir bei aller Offensive die Defensive vergessen, wenn Kahn nachfragt, ob und warum es keine Absprache mehr unter den Spielern (während des Spiels) gibt ("Reden die überhaupt miteinander? Ich sehe gar nicht, dass die überhaupt mal miteinander reden."), dann war das nicht "einfach nur mal einen schlechten Tag haben" oder so n Quark, dann kann ich insbesondere angesichts der ersten Halbzeit immer noch nur sagen: "Ne Jungs, das war grottenschlecht."
Der Mann meinte noch: "Die [unsere] werden sich am Ende mit einem 1:0 retten."
"Ne, das glaube ich nicht. Ich glaube eher, dass es mit 1:0 für Mexico ausgehen wird, wenn das so weitergeht", antwortete ich.
Wie gesagt: Vom Sofa aus und dann auch noch als Laie ist das easy zu beurteilen und leicht zu reden. Aber auch wie gesagt: Ich werde nicht fürs Fußballspielen exorbitant(!) bezahlt. Aber vielleicht wäre ja genau das mal eine Maßnahme: leistungsbezogenes Salär. Mal sehen, wie es dann liefe.

"Hatten diese Sachen ganz klar angesprochen und kriegen es trotzdem nicht hin - das ist nicht unser Anspruch. Darüber müssen wir reden." (Boateng nach dem Spiel)

Ne Leute. Nicht reden. Machen. Wenn Ihr einen Ball bekommt und erst mal einen stummen Arbeitskreis bildet, was Ihr damit machen sollt und wer von Euch den jetzt annimmt, dann wird das nix mit der WM. Weil sich in der Zwischenzeit der kleine Mexikaner den Ball geholt hat - und irgendwann dann auch ins Tor traf. Für mich haben sie verdient gewonnen, die kleinen Grünen.

Samstag, 16. Juni 2018

Einhundertundsieben



G


Vor kurzem gab es eine Doku über eine Frau irgendwo in Deutschland, die bereits ihren einhundertundsiebten Geburtstag gefeiert hatte. Einhundertundsieben... Ein unfassbares Alter. Eine unfassbare Frau. Eine unfassbare Lebensgeschichte.
Ein Leben ohne Liebe als Kind.
Ein Leben mit Liebe nur von der Großmutter, für die sie mit sieben Jahren vier Kilometer Fußweg auf sich nahm, nur um ein einziges Mal in den Arm genommen zu werden.
Ein Leben mit einem Ehemann, der sie nicht liebte oder ihr dies zumindest nicht zu zeigen vermochte.
Ein Leben mit diesem Mann, das sie bis zu seinem Tod führt, ohne sich je zu beklagen oder gar von ihm fortzugehen.
"Natürlich habe ich ihm nicht den Tod gewünscht", höre ich sie immer noch sagen, während sie auf der Schaukel hin und her schwingt, "aber ich kann sagen, dass es danach so viel leichter wurde."
Ein Leben ohne Beschränkungen, ein Leben nur noch nach ihren Wünschen und mit dem, das sie sich immer vorgestellt hat. Irgendwo in den Siebzigern muss sie gewesen sein, als sie begann zu leben. Mit ihrer Tochter sich den Teil der Welt anzusehen, den sie sich immer schon hatte anschauen wollte.
Niemanden mehr fragen zu müssen, sich niemandem mehr unterordnen zu müssen.
Wenn diese Frau mit ihren einhundertundsieben Jahren wachen Blickes in die Kamera schaut, Fragen beantwortet oder einfach so aus ihrem Leben erzählt, dann lacht sie manchmal. Und irgendwie erkenne ich mich darin wieder: Sie lacht in jenen Momenten, in denen vermutlich die schmerzhaftesten Erinnerungen heraufgeholt werden. Ein leises Lachen, so als würde sie sagen: "Ja.. So war es eben.. und es hat weh getan." Sie lacht, damit sie nicht weint.

Diese Dokumentation nehme ich für mich mit, sie brennt sich mir ein - und ich frage mich: Muss man wirklich erst siebzig, achtzig oder gar einhundertsieben Jahre alt werden, um sein Leben so führen zu können wie man es sich immer vorgestellt hat? Was ist mit jenen, die eben keine einhundertsieben Jahre alt werden konnten? Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir überhaupt siebzig, achtzig Jahre alt werden - und wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir dann nicht einander in einem Pflegeheim sitzen und uns anstarren und uns fragen, wozu der Teller vor uns steht und was wir eigentlich damit anfangen sollen?

Ich habe nicht so ein Leben geführt wie diese alte Dame, nicht unter solchen Entbehrungen, nicht unter den Ängsten des Krieges und allem, das damit verbunden war.
Ich habe Zeit meines Lebens anders gelebt - und dennoch.. Aus Gründen habe ich heute Jahre alte Krankenberichte sortiert, darin gelesen wie in einer Dokumentation über die Jahre nach dem Ende meiner Ehe. Ich habe gelesen und mich wieder erinnert, wie sie gewesen sind. Die Jahre der Ehe, das Ende, die Jahre nach dem Ende der Ehe. Was hat das alles mit mir gemacht? Wie weit bin ich heute gekommen und wie sehr habe ich all das hinter mir lassen können? Wie sehr habe ich Menschen hinter mir gelassen, lassen müssen?
Heute habe ich einen Link zugeschickt bekommen "Wie entstehen Krankheiten? Was ist die Voraussetzung für Gesundheit und Wohlbefinden?" Den habe ich mir ziemlich genau angeschaut, zweimal, um genau zu sein, und ich habe mir weitere Videos bei youtube gesucht. Die Quintessenz allen Gelesenen: All der psychische Schmerz aus Erlebnissen und Erfahrungen sammelt sich in uns - und spiegelt uns in körperlich wahrgenommenen Schmerzen. Oder Schwindel. Oder allem sonst möglichen. Zumindest, wenn wir den erfahrenen Schmerz nicht erkennen, uns nicht mit ihm auseinandersetzen - und ihn nicht zulassen. Ihn nicht verarbeiten.
Ich habe gelesen, zugehört und alle unwillkürlich aufkommenden Gedanken zugelassen.
Und dann habe ich gelächelt. Irgendwie wehmütig, aber vor allem entspannt:
Der Kern meiner beiden früheren Therapien: Vergangenes aufarbeiten und sich "aussöhnen" mit dem, was war. Weil man es nicht mehr ändern, aber lernen kann, damit umzugehen und damit zu leben. Betrachte ich heute mein Leben... Dann denke ich schon, dass mir das auch gelungen ist. Das, was war, belastet mich heute nicht mehr. Weder die Zeit des Rosenkriegs noch die Zeit der Trennung von einem Menschen, der mir alles bedeutete noch die Umstände des Unfalls 2006. So viele Jahre habe ich mich damit auseinandergesetzt, mich selbst immer wieder reflektiert, versucht, mich selbst zu sehen, mich selbst zu verstehen. Natürlich denke ich auch heute hin und wieder daran - aber es belastet mich nicht mehr. Inzwischen kann ich Dinge wieder zurücklegen in diese imaginäre Kiste. Ich kann die Erlebnisse betrachten, wenn sie aufkommen, aber ich kann sie auch wieder zurücklegen. Ich habe gelernt, Nein zu sagen (na gut, das klappt noch nicht immer zuverlässig, aber ich bin dran), und ich habe gelernt, meine eigenen Wünsche nicht nur wahrzunehmen, sondern sie auch durchzusetzen. Auch dann, wenn es meinem Umfeld nicht immer gefällt.

2003 habe ich einen für mich sehr großen Sprung gewagt.
2014 habe ich diesem Sprung einen weiteren großen Schritt hinzugefügt.
2018 zu Beginn des Jahres habe ich verstanden, dass mein Weg noch nicht zuende ist. Und was soll ich sagen... Eine unfassbare Ruhe hat sich in mir ausgebreitet, mehr und mehr hat diese Besitz von mir ergriffen, sich in jeden Zentimeter von mir ausgestreckt und mir jenes Gefühl geschenkt, das dem sanften Wippen in einem Schaukelstuhl gleichkommt... Ich habe keine Angst vor Veränderung und ich habe zugleich auch keine Angst vor einem Stillstand. Denn als Stillstand empfinde ich nicht, warten zu können. Nicht auf einen Menschen, nicht auf den richtigen Moment - sondern einfach nur für die Gewissheit in mir: Jetzt.

2018 lebe ich ein so ganz anderes Leben als in den Jahren bis 2003. Es hat mich leichter werden lassen mit der Zeit. Es hat mich glücklicher werden lassen mit der Zeit. Es hat mir vor Augen geführt, wie viel Kraft wirklich in mir steckt - und dieses Wissen tut so unfassbar gut. Und es hat mich in meiner Zuversicht bestärkt: Ich muss nicht erst einhundertundsieben Jahre alt werden, um zu leben.

Die Psyche ist die Antwort auf so unendlich vieles. Aber nicht immer auf alles.


Sonntag, 10. Juni 2018

"Mein Herz in zwei Welten"

Als ich diesen Buchtitel las, ein weiteres Geschenk dieser Tage, da war ich zunächst überrascht, dass überhaupt ein dritter Teil zu dieser Geschichte herausgegeben worden war. Schon im ersten Teil - "Ein ganzes halbes Jahr" - dachte ich: Ich finde mich selbst in jeder Zeile wieder.
Der zweite Gedanke war, dass dieser Buchtitel irgendwie auch mich beschreibt... "Mein Herz in zwei Welten"... weil ich hier lebe, am Fuße des Berges, und nicht am Meer, für das mein Herz eigentlich schlägt..

Wieder zurück von Innsbruck, von wundervollen entspannten drei Tagen, die mich daran erinnerten, wie schön es ist, seinen Geburtstag irgendwo an einem Ort seiner Wahl, jedoch nicht daheim zu verbringen..

An denen ich es genossen habe, in Straßencafes leckere Sahne vom Kuchen des Mannes zu naschen ("Warte, ich koste mal, ob die noch gut ist... hmm... Moment, ich bin nicht sicher, lass mich noch mal" und er zunächst sein Stück Kuchen versteckte, bevor er versuchte, mit seiner Gabel mein Stück zu klauen - seht Euch nur den Kuchendeckel an, wie tapfer ich seine zahlreichen Diebstahlversuche abwehren konnte ;))..

Kein Stress mit Kochen, Backen für andere, sondern nur man selbst und das, worauf man selber Lust hat. Alles können, nichts müssen...




morgens nach dem Erwachen
aus dem Lesestuhl auf der Terrasse
           
..wo die Tage heiß und die Nächte lau waren, das Gewitter sich täglich über den Kämmen zusammenzuziehen versuchte und dann doch unverrichteter Dinge wieder abzog..
(Unser Zimmer war eines der wenigen, die eine kleine Terrasse besitzen - und ich muss sicherlich nicht extra hinzufügen, wie unendlich ich den Sektabend dort oben genoss, während etwa fünf, sechs Fenster weiter ein Mann sich am weit geöffneten Fenster eisern auf dem Laufband quälte. Ich habe für ihn ein Glas mitgetrunken!)


..wo der Milchkaffee herrlich lecker, aber auch ziemlich stark ist und von wirklich freundlichem, höflichem Personal angeboten und gereicht wird ("Wenn Sie auch etwas essen wollen, muss ich Sie darauf hinweisen, dass die Küche erst 18 Uhr öffnet. Der Koch ist aber meist eine Viertelstunde eher da, Sie sind dann gleich die ersten, die bedient werden." - und sie haben auch Wort gehalten ;))
Überhaupt war das Essen in Österreich wunderbar lecker. Ich bin ja eh nicht so ein Freak, der ins beste und nobelste oder angesagteste Lokal der Stadt muss - für mich machte es das Stück Rhabarberkuchen von einem Marktstand am Inn, lümmelnd im Liegestuhl, eine Tasse Kaffee dazu - und ich sag Euch, ich hab jeden einzelnen Bissen aber sowas von genossen!
"Der Kuchen ist von dem Bauernstand dort", zeigte der Mann, "die mit dem selbst gemachten Joghurt im Glas."
Darauf konnte ich gar nicht antworten, weil ich die Augen geschlossen hatte, um mir jedes einzelne Gabelstück buchstäblich auf der Zunge zergehen zu lassen.

Blick von unserer Hotelterrasse aus

Ich wurde gefragt, ob ich denn bei dem Anblick gar kein Herzklopfen bekäme oder
wenigstens die Lust, da raufzukraxeln.
Ich und kraxeln!
Pfff.
Krixeln, ja das kann ich. Deshalb ja auch die Staffelei :)

                       

Mein allererster Besuch in Innsbruck - aus Zeitgründen, da nur einmal die Woche donnerstags geöffnet - galt dem Anatomiemuseum. Der Mann kann diese meine Faszination so überhaupt nicht nachvollziehen, er wäre auch lieber gern draußen vor der Tür geblieben. Offenbar aber tat ich ihm dann doch leid, weil ich die einzige Besucherin war, ohne Führung, ganz allein zwischen toten Menschen und Teilen von ihnen.
"Ich werde Alpträume davon kriegen", seufzte er.
"Ich rechne es dir wahnsinnig hoch an, dass du mitkommst."
Die meisten Exponate, übrigens fast alles "einheimische" aus der anliegenden Universitätsklinik, waren beschriftet, manche auch nicht.
"Was soll das hier sein? Sieht aber komisch aus."
"Vielleicht die Stimmlippen?" überlegte ich. "Sehen die nicht auch so aus?"
Vier Gläschen weiter begriffen wir: Das waren Augenlider. Ober- und Unterlider, nur ohne die Linse. Die gabs extra.
Ja. Doch. Das war schon irgendwie.. gruselig.
Draußen vor der Türe:
"Hast du eigentlich die Penisse gesehen?"
"Ja na freilich! Riesen-Dinger! Der arme Kerl. Wobei - ne! Die arme Frau! Waren die jetzt eigentlich normal groß oder schon erigiert?"
"Jetzt enttäuscht du mich aber. Na klar waren die aufgepumpt!"
"Was man heutzutage nicht alles aufpumpen kann... Penisse.. Lippen.. Brüste.. Das reinste Gruselkabinett, egal, ob lebendig oder tot."
Wir kicherten, bis wir das nächste Lokal erreichten: Ich muss sicherlich nicht hinzufügen, dass ich für den Rest des Tages nur noch Obst und Milchkaffee zu mir nehmen konnte. Nichts, das auch nur im entferntesten an etwas aus diesem Museum erinnerte ;)

Nun sind wir aber wieder zurück, sind wir wieder daheim, und während der Mann sich ein wenig schlafen legt, schlage ich mein neues Buch auf, lese die ersten Seiten und bekomme bereits auf Seite 28 mein erstes Herzklopfen...

"...Ich saß am Fenster, schaute ungefähr eine halbe Stunde auf die morgendliche Straße Manhattans hinaus, im Mund abwechselnd Bissen von dem schweren, buttrigen Muffin oder Schlucke des sengend heißen, starken Kaffees, und ließ meinem kreisenden inneren Monolog freien Lauf (Ich trinke New Yorker Kaffee in einem New Yorker Café! Ich gehe eine Straße in New York entlang! Wie Meg Ryan! Oder Diane Keaton! Ich bin im ECHTEN New York!), und für einen Moment verstand ich ganz genau, was mir Will zwei Jahre zuvor hatte erklären wollen; diese paar Minuten, den Mund voll mit ungewohntem Essen, den Blick auf unbekannte Dinge gerichtet, existierte nur ich in diesem Moment. Ich war vollkommen da, meine Sinne wach, mein ganzes Ich bereit, die neuen Erfahrungen aufzunehmen. Ich war am einzig richtigen Ort auf der Welt..."

Nun. Amerika ist nicht das Ziel meiner Träume. Aber darum gehts ja auch nicht...

                 

Donnerstag, 7. Juni 2018

Mich überraschen?



...kann er immer noch. Nach all den Jahren ♥️
Und jetzt lümmeln wir auf der Terrasse irgendeines Hotels irgendwo in Österreich, und während wir mit einem Glas Sekt auf das Leben anstoßen, schaue ich entspannt auf den Typen ein paar Fenster weiter, wie der sich auf seinem Laufband quält.
Prost, Ihr Lieben.

Montag, 28. Mai 2018

Verlieben leicht gemacht, sagt Annika

...und zwar beschreibt sie das hier.
Natürlich hab ich erst mal geschmunzelt beim Lesen. Einen Hund kaufe ich mir jetzt trotzdem nicht (aber ich habe überlegt, wer das eventuell stattdessen tun könnte!) und ein Gegenüber habe ich dieser Tage auch nicht. Also werde ich die eine oder andere Frage unter den Tisch fallen lassen müssen (da, wo man sich jetzt im Dunkeln nicht mehr füßelt oder sowas in der Art, sondern wegen der DSGVO - ja, ich kanns auch langsam nicht mehr hören ;) - die Visitenkarten zusteckt *haha*, hab ich gestern bei FB gelernt und mich sehr amüsiert), denn insgesamt dachte ich... Also mir gingen da so spontan Antworten durch den Kopf und ich dachte: Warum das nicht einfach als "Blog-Stöckchen" verwenden und dann auch gleich aufschreiben?
Es sind zumindest alles Antworten, die ich mir weder überlegt noch zurechtgelegt habe.

1. Wenn du zwischen allen Menschen auf der Welt wählen könntest, wen würdest du gerne zum Essen einladen?
Ganz klar: P. (Kennt Ihr nicht, höchstens von früher aus dem einen oder anderen Kommentar und manchmal schrieb ich, dass ich sie sehr, sehr vermisse.) Ich weiß schon jetzt, es würde der lustigste, emotionalste Abend ever werden. Vier Jahre sind vier Jahre!

2. Wärst du gerne berühmt? In welchem Bereich?
Ich würde gerne was schreiben, das ganz viele andere Leute kaufen. Am liebsten anonym - weil ich nicht berühmt sein möchte, aber es mir dann erlauben könnte, nur noch zu schreiben. Denn das ist meine Leidenschaft, wars schon immer. Noch mehr als das Malen.
Übrigens, die Blogs, die ich sonst noch betreibe, zählen nicht dazu. Sie beinhalten sehr viel Auto-/ Biografisches und sind lediglich die Verarbeitung von etwas. Ein Mix aus Vergangenem und Fiktion, weil... na eben aus Gründen.

3. Legst du dir manchmal die Worte zurecht, bevor du jemanden anrufst? Warum?
Das kommt ganz aufs Thema an. Wenn mir etwas schwer im Magen liegt oder ich mich missverstanden oder unfair behandelt fühle, dann hadere ich mitunter tagelang mit mir. Früher nicht! Früher hats sofort gekracht bzw. bin ich auf den anderen zu und habe geredet, wie mir halt der Schnabel gewachsen ist. Ne - war. Heute überlege ich mehr, insbesondere dann, wenn mir etwas sehr wichtig ist und ich es gelöst wissen möchte - für beide Seiten. Weil ich niemanden verletzen möchte, aber auch um meinen eigenen Seelenfrieden bemüht bin.

4. Was macht für dich einen "perfekten" Tag aus?
Über sowas denk ich nicht nach. Ich persönlich halte Perfektionismus für todsterbenslangweilig. Danach strebe ich nicht.

5. Wann hast du zuletzt für dich selbst gesungen? Und wann für jemand anderen?
Vor zehn Tagen im Auto.
Weihnachten 2008. Auf dem bordeauxfarbenen Ledersofa. Unvergessen.

6. Wenn du 90 Jahre alt werden könntest, was würdest du während der letzten 60 Jahre lieber haben: den Körper oder den Geist eines 30jährigen?
Ey, das ist nicht wirklich leicht - auch wenn man spontan denkt: den Geist, den Geist! Weil ich am Körper "arbeiten" kann - wenn der Geist aber hinüber is, dann hilft dir auch kein knackiger Körper mehr!
Allerdings.. Betrachte ich mich aktuell.. Dann bin ich ja schon 90 und mein Geist ist immer noch Anfang 30. Ist jetzt auch nicht so das Gelbe vom Ei. Und komplett zu verfallen bei wachem Verstand... Annika, ich muss nachdenken! :)

7. Hast du eine Vermutung, wie du sterben wirst?
2002 habe ich gesagt: "Ich werde eines Tages auf der Straße im Auto sterben."
2006 hätte ich das fast geschafft, aber wirklich unwahrscheinlich viel Glück gehabt.
2018 denke ich, dass ich lieber lebe, als darüber nachzudenken, wann und wo und wie.
Das einzige, worüber ich nachdenke, ist, ob ich lieber verbrannt und anschließend überm Meer vertreut werden möchte. Dieser Gedanke gefällt mir tausendmal besser als die Tatsache, doch nicht tot gewesen zu sein und dann in der Gruft zu erwachen und nicht wieder rauszukommen. Pooarrhh!!!

8. Nenne drei Dinge, von denen du glaubst, dass sie dein Gegenüber und du gemeinsam haben.
Nun... Wir sind beide sehr empfindsam. Wir lieben beide das Leben und verstehen es, es zu genießen. Wir werden beide älter und trotzdem nicht erwachsen ;)

9. Wofür bist du in deinem Leben am meisten dankbar?
Für die Menschen darin, an denen Herz und Seele hängen.

10. Wenn du irgendetwas daran ändern könntest, wie du erzogen wurdest, was wäre das?
no comment

11. Erzähle deinem Gegenüber deine Lebensgeschichte in vier Minuten, aber mit möglichst vielen Details.
Äh.... Vier Minuten UND Details? Ernsthaft jetzt?

12. Wenn du morgen mit einer zusätzlichen Eigenschaft oder Fähigkeit aufwachen könntest, welche wäre das?
Nähen können. Doch - das würde ich echt gerne können wollen. Und wenn ich das nicht erst mühsam erlernen müsste... Wär cool!

13. Wenn dir eine Zauberkugel die Wahrheit über dich, dein Leben, die Zukunft oder irgendwas anderes offenbaren könnten, was würdest du wissen wollen?
Nichts. Was mich selbst betrifft, bin ich, denke ich, reflektiert genug, da brauch ich keine Zauberkugel. Und die Zukunft will ich nicht wissen. Kommt was Schönes, genieße ich die Zeit bis dahin nicht mehr, weil ichs nicht mehr erwarten könnte. Kommt was Schlechtes, genieße ich die Zeit auch nicht mehr, weil ich denken würde "Ist eh alles umsonst."
Ich halte es wie bisher: Nehmen wie es kommt und versuchen, das Beste aus allem zu machen.

14. Gibt es etwas, von dem du schon lange träumst, es zu tun? Warum hast du es noch nicht getan?
Ja, gibt es. Weil dazu zwei gehören.

15. Was war bisher der größte Erfolg in deinem Leben?
Keine Ahnung. Ich seh mein Leben nicht in Erfolgen. Eher in Etappenzielen.

16. Was ist dir bei einer Freundschaft am wichtigsten?
Dass sie mich nicht missbraucht.

17. Was ist deine liebste Erinnerung?
Die Momente, in denen ich erfuhr: Ich war allein, aber nicht einsam.

18. Was ist deine schrecklichste Erinnerung?
Der Rosenkrieg

19. Wenn du wüsstest, dass du in einem Jahr sterben wirst, würdest du irgendetwas an deinem jetzigen Leben ändern? Warum?
Ich würde endlich wirklich mal nur an mich denken - und mich mit den Menschen umgeben, die ich von Herzen liebe. Ich würde aufhören, mich aus Loyalität zu etwas verpflichtet zu fühlen, das ich nicht muss.

20. Was bedeutet Freundschaft für dich?
Unbedingtes Zueinanderstehen, egal um welche Uhrzeit.

21. Welche Rolle spielen Liebe und Zuneigung in deinem Leben?
Die größte.

22. Nennt abwechselnd eine positive Charaktereigenschaft, von der ihr glaubt, dass sie euer Gegenüber besitzt. Macht dies fünf Mal. 
Tja nun. Das machen wir mal unter uns.

23. Wie eng und herzlich sind die Beziehungen in deiner Familie? Denkst du, dass deine Kindheit glücklicher war als die anderer Menschen?
no comment

24. Wie beurteilst du die Beziehung zu deiner Mutter?
no comment

25. Denkt euch beide drei wahre "Wir"-Aussagen aus. Zum Beispiel: "Wir sind beide in diesem Raum und fühlen uns..."
Ich frag ihn mal, wenn er wiederkommt.

26. Beende diesen Satz: "Ich wünschte, ich hätte jemanden, dem ich erzählen könnte..."
Wisst Ihr, was geil ist? Ich HABE so jemanden!

27. Wenn du mit deinem Gegenüber eine enge Freundschaft schließen würdest, was müsste er oder sie dann unbedingt von dir wissen?
Noch vor zehn Jahren fand ich es cool, möglichst viele Menschen kennenzulernen. Bis ich begriff, dass man nicht mit jedem befreundet sein kann und es darauf auch nicht ankommt. Was mir wichtig ist, ist Authentizität und Verlässlichkeit. Auch wenn man mal monatelang nichts voneinander hört.

28. Sage deinem Gegenüber, was du an ihm oder ihr magst; sei dabei ehrlich und sage Dinge, die du normalerweise einer Person, die du gerade erst kennen gelernt hast, nicht sagen würdest. 
Wie gesagt - s is keiner da.

29. Teile mit einem Gegenüber einen peinlichen Moment in deinem Leben.
Hm. Wenn ich so drüber nachdenke... Ich kann mich an keinen erinnern. Ernsthaft. Vielleicht ist mir auch nichts peinlich, weil ich dazu stehe, wie ich bin. In guten wie in schlechten Zeiten ;)

30. Wann hast du zum letzten Mal in Gegenwart einer anderen Person geweint? Und wann für dich allein?
Letzte Woche - Dienstagabend.
Letzte Woche - Freitagabend.
Hat absolut nix mit der Gesundheit und den Arztbesuchen zu tun - ich schwör, das ist Zufall.

31. Nenne eine Sache, die du bereits jetzt an deinem Gegenüber magst. 
S is keiner da-ha!

32. Worüber macht man keine Witze, sofern es so etwas gibt? 
Womit die Würde eines Menschen verletzt wird.
Und wisst Ihr, was ich so gar nicht mehr vertrage? Es gibt keine Comedy-Show mehr, die nicht ohne eine nicht enden wollende Reihe von Fäkalausdrücke auskommt oder ohne dass auf Kosten anderer fragwürdige Kalauer gebracht werden. Ich vermisse Menschen mit Stil, Menschen wie Hape Kerkeling, die sich selbst aufs Korn nehmen. Ich habe ganz sicher keinen Stock im Allerwertesten - aber für mich hat der heutige Humor nicht viel mit Humor zu tun.
Wer lustig sein will, der ist nicht lustig.

33. Wenn du heute Abend sterben würdest, ohne die Möglichkeit, mit jemandem zu sprechen, was würdest du bereuen, jemandem nicht gesagt zu haben? Warum hast du es noch nicht gesagt?
Orrrrr!!!!
Mit Sterben habt Ihrs aber, Leute!
Wo bleibt das LEBEN?

34. Dein Haus mit all deinem Besitz fängt an zu brennen. Nachdem du deine Liebsten und deine Haustiere gerettet hast, kannst du ein letztes Mal ins Feuer laufen und einen Gegenstand retten. Welcher wäre das? Warum?
Isch 'abe ga kein Haustier!
Kann ich dafür mehrere Gegenstände mitnehmen? Ich besitze nämlich vier Gegenstände - Geschenke meiner Söhne. Von denen kann ich mich nicht trennen und sie zu verlieren, das würde mir richtig, richtig wehtun.

35. Der Tod welches Familienmitglieds würde dich am meisten mitnehmen? Warum?
mannomann....
Eins meiner Kinder. Das würde mich komplett zerbrechen.

36. Berichte von einem persönlichen Problem und frage dein Gegenüber nach Rat, wie er oder sie die Sache handhaben würde. Bitte dein Gegenüber außerdem zu beurteilen, wie du selbst vermutlich über das ausgewählte Problem denkst.
Hm, das finde ich schon irgendwie spannend. Aber wie gesagt - s is kana da!


Und weil keiner da ist, können wir uns jetzt auch keine vier Minuten lang in die Augen sehen und dann heiraten. C'est la vie.

Samstag, 26. Mai 2018

♥️



Everything is sudden
Everything is suddenly alive
All these situations
Panic into such sweet calm
I will turn the light on
I will turn the light on everywhere
And I watch you lift your head up
Higher than it was before

Nowhere don't know how it ends
For both of us
But why would you need to know the end, my dear?
So don't crash into everything
To make your point
Let's get, get out of the way of us

I woke the lion
You woke the tiger
Inside, inside
Don't want to be this far
Don't want to be so far from you

Now everything's forgiven
Everything's forgotten, just look at you
You're shining like a falling
Shining like a falling sword


Nowhere don't know how it ends
For both of us
But why would you need to know the end, my dear?
So don't crash into everything
To make your point
Let's get, get out of the way of us

I woke the lion
You woke the tiger
Inside, inside
Don't want to be this far
Don't want to be so far from you

Freitag, 25. Mai 2018

Irritationen

Interessiert bleiben, sich mit Themen beschäftigen - klar! Aber momentan frage ich mich grad... Wenn die Medien das Thema DSGVO nicht so hochhalten würden - ob dann überhaupt aktuell so viel Verunsicherung entstanden wäre? Ich meine, diese Verordnung gibts schon mindestens seit 2015, auch wennse da jetzt noch nachgebessert haben.
Und jetzt lieste an jeder Ecke was von Bußgeldern bis zu 20 Millionen Euro - Leute!
Medial gesehen ist das für mich Panikmache wie mit jedem aktuellen Thema. Haben wir eigentlich schon Sommerloch? Ham die nix anderes? Kriegt nicht ne C-Promi n Kind mit 58?
Aber hey, ich verkaufe Euch nix, schicke Euch keine Newsletter, will nix von Euch - ich erzähl Euch nur von mir, was ich Euch auch live und in Farbe bei jedem Käffchen erzählen würde.
Vielleicht.
Dem einen oder anderen ;)
Der Streitwert meines Blogs also? Null Euro!

Aber nicht nur die DSGVO sorgte für ein wenig Irritation im Hause Ziggenheimer.
Dienstag beim Hausarzt. Ich war müde. Ich war ehrlich müde. Schlafe immer noch sehr viel und sobald ich nur n bisschen was mache, brauch ich gleich wieder n Stündchen Schlaf. Schlafe im Auto (als Beifahrer!), auf der Bank im Wald nach nur 200 m, na ja und eben so halt.
Sagt der zu mir: "Also Ihre Stimmung wirkt ja schon recht gedrückt, vielleicht ist das ja das Problem." Zack - schreibt er das erste Rezept: pflanzliche Stimmungsaufheller.
WTF??
"Herr Doktor, ich bin doch nur MÜDE! Bloß MÜDE!"
Am liebsten hätte ich meine Worte begleitet mit ein bisschen Handauflegen um seinen Hals, so bisschen würgen mit Nachdruck - aber ich war ehrlich müde und entsprechend kraftlos hingen meine Arme runter. Hat er Glück gehabt, der Sack!
"Das ist nur gegen die Müdigkeit!"
Ja ne is klar. Lesen kann ich schon noch. Ich habs vielleicht im Kopp, aber nicht mit den Augen!
Ich bereue jetzt noch, dass ich für den Scheiß Geld gelassen habe. Will die wer haben? Packung unangebrochen. Versende kostenlos! Ach ne! Nicht melden! Bitte nicht melden!! Sonst hat mich die DSGVO am Arsch, weil ich Daten empfange!
EKG war übrigens in Ordnung (wunder mich ja immer, dass zehn Sekunden EKG so aussagekräftig sein sollen, aber ich sage nüscht, nachher heißt es noch, der Patient WILL unbedingt was haben. Alles schon mal bei anderen Patienten gehört. Pfff), Blutdruck wie immer, nur stehen und laufen war verdammt zittrig und leicht unkoordiniert. (Wenn ich mich arg konzentriere, isses nich ganz so deutlich. Manche draußen auf der Straße mustern mich so... so... wie: Ach Gott, tagsüber schon voll, ja klar, die muss es nötig haben.)
In meinen Ohren is auch nix, alles okay. (Konnte der Mann nicht verstehen. "Du hörst doch nie auf das, was ich dir sage.")
Die Praxis verließ ich dann mit ner Krankschreibung und dem Termin eine Etage höher: "Das ist ein eindeutig neurologisches Problem."
Gestern erstmal die Auswertung des Bluts: Eisenwert irgendwo im Keller, zwischen 10 und 12 seit mindestens einem Jahr (hat aber letztes Jahr auch keine Sau interessiert), soll wohl nicht unter 30 sinken und normal bei 70 liegen. Von wegen Stimmungsaufheller! Ich geb Euch gleich Eure Stimmungsaufheller! Habt Ihr nur Schwein, dass ich grad echt müde bin!
"Haben Sie sehr starke Menstruationsblutungen?"
"Ne, habe ich nicht. Und aktuell auch gar keine."
"Sind Sie Veganer?"
"Leider gar nicht."
"Dann müssen wir uns ernsthaft mit der Ursache befassen!"
Da hätte ich kichern mögen: Erst interessierts keinen, dann soll ich Stimmungsbooster nehmen - und jetzt werden se nervös wegen so bisschen Eisenmangel. Pfff. Und: Ich war zu müde zum Kichern, Tatsache. Fragte nur matt, obs nicht eher auch an der Schilddrüse liegen könnte. Habsch irgendwo mal gelesen.
"Nein, auf keinen Fall. Ihre ist gut eingestellt mit dem Medikament, dann liegt es daran nicht."

Der Neurologe heute war auch sichtlich irritiert über meine Verfassung. Zum Ausschluss einiger nicht so schöner Sachen gibt es nächste Woche das MRT und dann einen Tag Spezialklinik.
"So schlimm wirds bestimmt nicht werden", meinte er zum Abschied, "wenn Sie Ihr Gangbild auch nur ein bisschen beeinflussen können, kanns eigentlich nichts Schlimmes sein. Denn wärs so, könnten Sies nicht steuern."
Und darauf ein Milchkaffee!! "Klein oder groß?" "Groß natürlich!"
Auch versuchte ich den Mann anzurufen, der ging aber nicht ran. ("Rufst du mich bitte gleich an, wenn du raus bist? Damit ich bescheid weiß?" Tzzz. S is doch immer dasselbe.)
Dann schrieb ich meiner Freundin. Stehe mitten auf dem sonnenüberfluteten Platz, den Kaffeeduft des nächstgelegenen Bäckers schon in der Nase, ich schreibe langsam und konzentriert, da stellt sich ein junger Mann vor mich. Lächelt breit und freundlich.
Hübsche Zähne, denke ich spontan.
"Hey! Ich musste dich jetzt unbedingt ansprechen. Weil du mir sehr gefällst!"
Äh...
"Äh..."
Er streckt mir die Hand entgegen, lächelt immer noch breit."
"Guten Tag! Ich musste dich jetzt unbedingt ansprechen. Weil du mir wirklich sehr gefällst!"
Ich schaue auf seine Hand. Mich durchzucken Nachrichten (scheiß Medien!), wonach man ja nie einem Fremden die Hand geben soll, man könnte sie gleich darauf auf dem eigenen Rücken wiederfinden und zeitgleich der Tasche oder wahlweise mindestens des iPhones beraubt werden. Und das wär schlecht. Echt schlecht! Ich meine, jeder hat doch so.. so.. Fotos und so ;)
Ich nehme seine Hand also nicht, aber ich lächle freundlich.
"Äh... Danke schön. Aber ich habe schon einen Mann."
Zack - das Lächeln ist weg.
"Ach so. Tschüss."
Dreht sich rum und weg sind die hübschen Zähne.

Sachen gibts!
Kann man schon mal von irritiert sein.

Donnerstag, 17. Mai 2018

Am Ende

...bemisst Dich jeder lediglich an der Befriedigung der eigenen Erwartungen und Vorstellungen, nicht daran, was Du alles an Gutem hervorbringst.
Das ist so ermüdend.
Vor allem aber schmerzt es. Ganz sehr.

Donnerstag, 10. Mai 2018

Sound and Pulse and Volume



Am Anfang dachte ich, es läge am Wetterwechsel. Neunzehn Grad in M und tags drauf an der Küste Null Grad und Schneesturm - da muss man ja matschig im Kopf werden.
Wieder daheim dachte ich, es läge an den harten Betten dort. Dass ich nur verspannt sei.
Dann nahm ich so simple Dinge an wie: falsche eingestellte Brille. Eine Entzündung des Gehörgangs, von der ich nur noch nix gemerkt hatte. Bis hin zum Lagerschwindel. Oder dass ich mittlerweile in dem Alter angekommen bin, wo einem eben auch mal blümerant sein darf.
Ich witzelte darüber, ich scherzte darüber, doch je länger der Kreisel in meinem Kopf anhielt, desto ernsthafter wurden meine eigenen Gedanken. Mittlerweile fühlt sich mein ganzes Ich so an, als sei ich permanent extrem unterzuckert.
All die neurologischen Spielchen von früher - ich beherrsche keins mehr davon.
Kann nicht auf einer geraden Linie laufen - nicht mit offenen Augen, mit geschlossenen schaffe ich nicht mal einen einzigen Schritt, ohne aus dem Gleichgewicht zu kommen.
Mein Zeigefinger trifft meine Nasenspitze nicht mehr, sondern den Hals oder bestenfalls das Kinn.
Meine Zeigefinger treffen auch nicht mehr aufeinander, statt dessen umarme ich mich eher praktisch selbst.
Nicht gut, weiß ich.
Kramte Unterlagen hervor, um nachzusehen, wann der letzte Scan vom Kopf gemacht wurde.
Belas mich nächtelang über alle möglichen Dinge, obschon ich weiß, dass man das nicht soll.
Zugleich aber immer auch die Stimme von damals im Ohr: "Sie werden es merken, wenn Sprache und Motorik nicht mehr stimmen. Oder eins von beidem. Wenn sich das plötzlich verändert, melden Sie sich bitte umgehend."
Nun. Umgehend. Das ist ja so dehnbar, finde ich. Also in meiner Auslegung.
Der "Zustand" hat sich plötzlich verändert, okay, aber es gibt auch so viele andere Möglichkeiten. Harmlose Möglichkeiten.
"Und? Schon einen Termin geholt?" fragte der Mann ein paar Abende lang zur Begrüßung, wenn er heimkam.
Ihm entgeht nicht, dass ich immer unsicherer werde, im Gehen, im Schauen.
Ihm entgeht (natürlich) nicht, dass ich sehr viel mehr schlafe als noch vor wenigen Wochen und trotz zwölf Stunden Nachtschlaf (ja, den kann ich gut grad) von fünfzehn Minuten Fußweg so müde werde, dass ich anschließend mindestens ein, zwei Stunden schlafen könnte.
Noch bis vor kurzem konnte man mir Briefe, Protokolle oder sowas via Telefon diktieren - das Mitschreiben war kein Problem. Meine Fähigkeit, bis zu 600 Zeichen in der Minute zu tippen, dürfte sich deutlich reduziert haben - auch deshalb, weil ich mich ständig verschreibe und korrigieren muss. Auch jetzt grad, hier beim Blogpost. 'S nervt e bissl.
"Lass mich das besser stenografieren", bat ich den Chef - aber auch hier versage ich, weil ich oft zu lange überlegen muss, wie man was schreibt. Ist ja nicht so, dass es für jedes Wort ein Steno-Kürzel gibt. Man lernt ein Alphabet, man lernt viele Kürzel - aber viele Wörter muss man sich in dem Moment überlegen, wenn man sie diktiert bekommt und aufschreiben soll. Das ist normal und war bislang auch kein Problem. Bislang eben.
Was hingegen super funktioniert, ist mein Gedächtnis. Wo mir früher vieles entfiel, habe ich heute so ziemlich alles fehlerlos im Kopf. Bis auf die Preise der zuletzt gekauften Badezimmerartikel ;)

Inzwischen habe ich einen Termin beim Hausarzt, nachdem auch die früher betreuende Neurologie in L vermeldete "Tut mir leid, Termine erst im September."
Inzwischen nehme ich mich selber ernst, nehme jeden Abend diese Gedanken mit in mein Bett, während ich den Kopf auf das Kissen bette und in die Nacht starre, bis mir kurz darauf die Augen zufallen. Derzeit träume ich ziemlich wild, chaotisch - und beängstigend. Von Ziegen, denen im Akkord die Kehle durchgeschnitten wird, begleitet von einer komischen Melodie, in der sich das Geschrei der Ziegen verliert.. Von Menschen, die getötet werden. Von Begegnungen mit Menschen, die ich zwar aus meinem früheren Leben kenne, jedoch so niemals begegnet bin. Da gehts um Schuld, um Verzeihung, um das Aussprechen.
Ich schlafe derzeit jeden Abend allein ein und ich erwache allein jeden Morgen mit den Gedanken, von denen ich nicht einmal sagen würde, dass sie mich ängstigen. Aber sie hängen an mir, an meinen Armen, an meinen Beinen, sie beschweren mich und heute Morgen, als ich die Augen öffnete und das Zimmer sich etwas um mich drehte, da ertappte ich mich bei dem Gedanken, das Universum darum zu bitten: Was auch immer du dir jetzt wieder für mich ausgedacht hast - lass es wenigstens noch zwei Jahre gutgehen, bitte.
In zwei Jahren dürfte Sohn I sich im aktuellen Job bitte hoffentlich gefestigt haben.
In zwei Jahren dürfte Sohn II seine aktuelle Ausbildung bitte hoffentlich gut abgeschlossen haben.
Ich wünsch mir zwar natürlich auch für danach nix Schlechtes, nur dann.. braucht mich niemand mehr so wirklich, dann kann auch jeder ohne mich weitermachen. Sollte ich dann vielleicht irgendwo in einem fahrbaren Stuhl sitzen und das Zählen von Raben auf dem Dachfirst zur Tagesaufgabe haben.
Weiß man ja nicht.

Und natürlich begehrt der Optimist in mir gerade auf: "Würdste mal deine Ohren nicht immer so derbe mit Musik vollknallen, würds dir jetzt auch viel besser gehen. Bei DER Lautstärke tät mich jedenfalls nicht wundern, wenn sich da deine Sinneshärchen biegen!"

Wahrscheinlich wirds darauf hinauslaufen.

Donnerstag, 3. Mai 2018

One More Light: Für S.



Erst am vergangenen Freitag habe ich von Dir erzählt.
Davon, wie sehr Du das Leben liebst.
Davon, wie sehr Du um dieses Leben kämpfst.
Davon, wie sehr Du Dir Kinder gewünscht hast.
Davon, wie groß die Hoffnung auf die Alternativtherapie war, an der auch ich mich beteiligt hatte.
"Warum du?" hatte der Mann mich gefragt. "Du kennst sie doch gar nicht wirklich."
"Aber ich nehme ganz sehr Anteil an ihrem Leben", habe ich geantwortet, "und ich kann dir nicht sagen, warum. Aber ich tus."
Und ich habe Dir so sehr gewünscht, dass.. irgendwie.. wider besseren Wissens.. eine Hoffnung besteht.
Ich wusste nie wirklich, was ich Dir wünschen sollte.
Du wolltest so sehr leben und Dein Körper konnte es immer weniger.
Am vergangenen Freitag erzählte ich jemandem von Dir - und erfuhr einige Stunden später, dass Du an diesem Freitag frühmorgens eingeschlafen bist. Nun für immer.
In diesem Moment lebt keine Vernunft, lebt kein Verstand, lebt auch kein Wissen.
In diesem Moment knickt es mir einfach nur die Beine weg, füllen sich die Augen mit Tränen.
Ich will mich nicht fragen, ob es ein Danach gibt und wie das aussieht.
Ich will mich nicht mit emotionsloser Wissenschaft befassen, aber mich auch nicht in etwas verlieren.
Ich möchte nur weiterhin daran glauben, dass es sehr viel mehr Dinge zwischen Himmel & Erde gibt, die sich nicht logisch erklären lassen - und sie geschehen trotzdem.
Und ich möchte an die Worte des Inders glauben, der mich vor zwei Jahren so anlächelte und zu mir sagte: "Wir sind auch nicht weg. Wir bleiben da."

Ich glaube, was mich mit Dir so verbunden hat, war diese Liebe zum Leben.
Da sein. Glücklich sein. Und glücklich machen. So lange, wie man das kann.
Seit 9 Tagen hadere ich mit mir und meiner Entscheidung, eine Tür hinter mir verschlossen zu haben.
Seit 9 Tagen frage ich mich, ob all die gemachten Erfahrungen es wert sind, diese Tür verschlossen zu haben, wenn man den Schlüssel ja doch immer noch in der Hand hält.
Vor 9 Tagen lese ich die Anfrage in meinem Mailpostfach "..möchte mit Dir befreundet sein", die nur wenige Stunden später wieder zurückgezogen wurde - aber die Mail ist da. In meinem Postfach. So wie die Zeile "Ich vermisse dich auch". Halte ratlos die mir neu übermittelte Telefonnummer in den Händen. Sehe freigegebene Erinnerungsstücke in dem anderen Profil, die auch nur wenige Stunden danach wieder auf privat gesetzt werden. Ich lese in diesen Erinnerungsstücken, ich lache und ich lache unter Tränen. Gerade weil dieses Muster wieder durchzubrechen scheint: Kommen und gleich wieder gehen.
Das wollte ich doch alles so nicht mehr.
Und dann stirbst Du, S., und die Fragen in mir vertiefen sich.
Noch kann ich Türen wieder öffnen..

Warum ist es eigentlich immer der Tod eines anderen Menschen, der uns vor die Frage nach der Sinnhaftigkeit unserer Entscheidungen und Wege stellt?
Weil er der einzige ist, dessen "Entscheidung" niemals mehr umkehrbar ist?



Dienstag, 24. April 2018

...und wies aussieht, ist doch ganz egal!



Ich gebe zu - es ist vielleicht nicht die anspruchsvollste Musik, aber hey - sie transportiert ein sehr geiles Lebensgefühl, so dass es (neben zwei anderen Titeln) aktuell bei mir rauf und runter läuft und mich auch auf den Weg nach L begleiten wird.
"Wir tanzen wie beim ersten Mal, und wie's aussieht, ist doch ganz egal!"
Hachz!
Das erinnert mich die wilden Diskozeiten, in denen ich einfach über den vibrierenden Tanzboden stürmte. Traut mir kein Schwein zu, der mich kennt - ich kann mich mir so auch gar nicht mehr vorstellen ;) Aber gestern Abend, als der Mann einen aushäusigen Termin wahrnahm, zu dem ich keine Lust hatte, ihn zu begleiten (ich liebe es noch immer, auch mal allein und für mich zu sein), da drehte ich auf und tanzte einfach so wie früher, wild und ausgelassen.
Wenns im Kopf ohnehin seit Wochen tags und nachts dreht wie ein Karussell, dann kann man den Rest des Körpers doch auch mal ein bisschen mit dazu drehen.


"Frühstück!" schrieb ich heute Morgen vergnügt dem Mann und er sagte"Och ne, ich dachte, ich bin Deine erste Liebe!"
"Dazu kamst du zu spät", summte ich vor mich hin und antwortete "Aber dafür bist du meine größte." Anschließend drehte ich die Musik auf und stürzte mich in die Arbeit. So liebe ich das!


Montag, 23. April 2018

Die vierte Übung

Heut Abend bin ich über einen Post der Brüllmaus gestolpert und.. irgendwie hängengeblieben. Ich müsste vermutlich zu vieles nachlesen, um den Zusammenhang der "vierten Übung" zu erfassen, jedoch lehne ich hier in meinem Stuhl, dem halbdunklen Zimmer, schaue auf den Bildschirm, auf den Ohren meine geliebte Musik (man kann da so herrlich laut trotz der Abendstunden) und mit dem Lesen der ersten Zeilen des Posts formen sich vor meinen Augen erste Zeilen an Dich...


"...wann genau ich Dich kennen gelernt habe, weiß ich nicht mehr so genau. Es war nicht Deine Intention, es war auch nicht meine, und als ich dazu gebracht, ja beinah gedrängt wurde, Dich kennenzulernen, hatte ich bis zum allerletzten Moment darüber nachgedacht, wie ich mich dieser Begegnung wieder entziehen könnte.
Und dann sah ich Dich auf mich zukommen, kaum größer als ich, dunkle Haare wie ich, Deine kurz, meine lang, und ein Lächeln, das mich beinah sofort für Dich einnahm. Ich bin fasziniert von Gesichtern anderer Menschen, den Blick in ihre Augen, auf ihren Mund, den Blick auf ihr Lachen, auf den Klang ihrer Stimme - und nichts, wirklich nichts ist so ausdrucksvoll wie dies.
Von Dir war ich beinah sofort fasziniert und Du hast es mir so leicht gemacht, diesen Abend. Wie wir in diesem Lokal am See saßen und über Gott und die Welt redeten, als hätten wir uns einfach nur zu lange nicht gesehen. Wir redeten über so unfassbar vieles, nur nicht über das, was uns aufgetragen worden war. Vielleicht haben wir beide es bewusst oder unbewusst ausgespart, vielleicht wollten wir beide einfach nur einen entspannten, losgelösten Abend, sehen, wer die andere ist. Uns war völlig gleich, ob der Dritte enttäuscht, wütend, frustriert über den Verlauf des Abends war - es zählte hier einfach nicht.
Du bist heimgefahren, ich bin heimgefahren, völlig erfüllt von dieser Begegnung - zugleich bin ich aber auch nicht sicher, ob wir uns noch einmal wiedergesehen hätten, würde der Dritte uns beide nicht dazu gedrängt haben.

Mit den Jahren haben wir einander erkannt. Kaum jemand war mir so ähnlich wie Du, bis hin zu den eigenen Untiefen und auch Verrücktheiten. Kaum jemand hat mich so sehr gespiegelt wie Du, und kaum jemand hat zugleich die eigene Zerrissenheit so offenbart und Krallen in die Wunden des anderen geschlagen wie Du. Niemand hat mich je so wie Du dazu gebracht, ehrlich zu mir selbst zu sein. Nicht zu lachen, wenn ich lieber weinen wollte. Nicht zu schweigen, wenn ich lieber sprechen sollte. Nicht zu lieben, wenn es nicht das Richtige war. Nicht etwas nach außen zu zeigen, das man im Inneren nicht war. Und selber hast Du zugleich ein so zurechtgewebtes Leben geführt, bei dem man nicht so wirklich wusste, was davon echt war und was nicht.
Du bist gekommen und gegangen wie es sich für Dich richtig anfühlte und wie Du es für Dich gebraucht hast. Vollkommen abgetaucht in Deine ganz eigene Welt, unerreichbar für jeden von außen. Nur um irgendwann nach Wochen oder Monaten zurückzukehren. Ich weiß nicht, ob Du Dir je Gedanken darüber gemacht hast, wann immer ich es Dir auch sagte und Dich bat "Tu das nicht, bitte".

Mir war bewusst, wie sehr ich an Deinen Beinen hing, wann immer Du im Begriff warst zu gehen. Wie lange ich auf den Treppenstufen hockte, um auf Deine Rückkehr zu warten. Aber ich weiß heute nicht mehr, ob es Dir auch je bewusst war. Ich weiß nicht, ob Du mir je wirklich zugehört hattest, ob es Dich zurückgehalten hätte, ob es überhaupt richtig gewesen wäre, Dich zurückzuhalten. Zu oft empfand ich Dich als einen Vogel mit Bändern an den Beinen, der den Duft der Freiheit so liebte und doch selber nicht zu leben vermochte. Immer und immer wieder der Tanz auf dem schmalen Grat dessen, was möglich war und was nicht sein durfte, nie angekommen, immer rastlos, immer auf der Suche.. Ich wollte so sein wie Du, ich wollte das aus mir hervorbringen, das ich selber nie wagte zu sein - und dennoch bin.. Ich habe mich an Dir orientiert und zugleich Angst bekommen, dass es mich mit in die Tiefe reißen würde, wenn Du stürzt.
Du vertraust auf Deine Verhaltensmuster, auf Deine Taktiken, und verstehst nicht, dass diese sich mit der Zeit abnutzen. Dein Gegenüber irgendwann resigniert, aufgibt, weggeht, nicht mehr will, was Dich dann wiederum endlos fallen lässt..

"Sehen wir uns noch einmal?" fragte ich Dich, bevor ich die Stadt für immer verließ.
"Ich denke nicht. Es würde mir zu sehr weh tun", hast Du geantwortet. Das Schweigen der Tage und Wochen danach, das ich dieses letzte Mal auch nicht mehr zu brechen versuchte, nahm ich als Deinen wiederholten Versuch, Dich in Dir selbst zu vergraben, Dich selbst zu schützen..
..und in diesen Tagen, als ich all meine Habe in Kisten verpackte, begriff ich: Wenn man etwas nicht mehr erträgt, dann muss man sich davor schützen. Du hast das getan, ganz gleich, was es mit mir machte. Die Narben in mir sind nicht Deine Narben, die Schritte anderer, die bis heute schmerzen, waren nicht Deine Schritte, doch vieles von Dir hat genau das wieder geöffnet, wieder und wieder, und über diesen Umzugskisten schwor ich mir: "Ab jetzt passe auch ich besser auf mich auf. Ich habe es versprochen."

Ich habe Dir nie wieder geschrieben, Dich nie mehr angerufen und Dich auch nie wiedergesehen. Deine Versuche geblockt und zugleich jedes Mal den Verlust betrauert. Es hat so lange gedauert, bis es nicht mehr weh tat.
Ein einziges Mal habe ich vor langer Zeit nach Dir gefragt, gefragt, wie es Dir geht, und es hieß: "Ich denke, es geht ihr wirklich gut."
Ich hoffe und wünsche Dir von ganzem Herzen, dass das stimmt.
Bis heute vermisse ich Dich."


Ausblicke


Liebster, glaubst Du wirklich, dass man SO einen Arbeitsplatz, SO einen Anblick zum frühen Morgen tatsächlich aufgeben sollte?
Keiner mault mich an, keiner spricht mich an - und niemand zählt die Tassen Kaffee ;)
Hachz, ich liebe diese Zeit!!

Sonntag, 22. April 2018

"Von der Unbeirrbarkeit aller Optimisten"



Whoever said that love was sweet
(Drank a little too much whiskey, baby)
Whoever said that life was easy
(Never lived anywhere near me)
I wouldn't change a thing
'Cause you're the one I wanna sink with..


"Schau mal, die beiden", sagtest Du.
"Zukunftsmusik?" lächelte ich.


"Weißt du was, ich glaube fast,
es kann nur daran liegen, 
dass du mich verzaubert hast.
Ich kann auf einmal fliegen."
(Aus "Sag mir, wie lange wirst du mich lieben?")

Sicher ist nichts in unserem Leben, nicht in deinem, nicht in meinem.
Aber so, wie es gerade ist, darf es gerne bitte noch für einen Moment so bleiben.


Donnerstag, 19. April 2018

"Willst du immer weiter schweifen? Sieh, die Lösung liegt so nah!"

Quelle: https://www.jamiiforums.com/threads/msaada-unahitajika-hapa.147866/

Nicht selten denkt das Personal, dass dem Chef sämtliche Hinweise oder Aufforderungen seitens der IT in obiger Sprache vorkommen müssen. Er gibt auch unumwunden zu, dass er zwar ein umfangreiches Wissen besitzt, die Sparte "IT" für ihn jedoch auf immer und ewig ein unerschlossenes Gelände bleiben wird. Das ist im Grunde auch erst mal ok, wozu hat man schließlich seine Vasallen - und man kann ja auch nicht alles können und wissen.

Lustig wird es, wenn Du im Nebenzimmer sitzt, das unnachahmliche "Windows-Klonk" vernimmst und kurz darauf den Wut-Aufschrei: "Helma! Komm mal her! Wieso kann ich nicht drucken?" oder "Was will der hier von mir?", wahlweise begleitet auch von "Wo ist meine Datei geblieben?"
Spannend wird es, wenn Du zum Öffnen einer Datei im kB-Bereich gefühlte fünf Minuten brauchst, ergo in den Investitionsplan des laufenden Kalenderjahres neue Hardware einträgst und er sich bedeutungsvoll an die Stirn tippt: "Spinnt ihr? Ich habe euch erst vor fünf Jahren neue Technik gekauft! Die ist doch noch gut!"
Schwierig hingegen wird es, wenn - wie seit Montag - das Netzwerk lahmliegt, keiner so recht trotz intensiver Fehleranalysen weiß warum und täglich sowohl IT als auch Netzanbieter die Schultern heben "Wir nix verstehn." Das ist ein Satz, der Chef vermutlich energisches Fuß- und Kopfhautkribbeln verursacht und spätestens am dritten Tag verlor er die Nerven: "Ich rufe meinen Anwalt an! Ich kürze denen die Rechnung! Alles Betrüger!" Schwierig vor allem dann, wenn dies sowohl in Tonart als auch in Lautstärke gegenüber Anbieter und IT kommuniziert wird.
Hätten wir unsere IT nicht, wären wir tatsächlich 3 Tage arbeitsunfähig gewesen und das - das sehe selbst ich als Angestellte ein - geht nicht. Es war unsere externe IT, die etwas unkonventionell zwar, aber praktisch ein erfolgreiches Provisorium schuf "Für alle Mitarbeiter will ich das aber nicht machen müssen, da brauche ich drei Tage mindestens, die Rechnung dafür ginge ins Uferlose." Heute, am vierten Tag, sah das Personal den Dienstwagen des Kabelanbieters vorfahren und unmittelbar danach läutete es an der Bürotür.
Als unser Azubi mir am Telefon die Meldung über den nunmehr vorgefundenen Fehler erstattete, ließ ich mich kreischend vor Begeisterung auf meinen Stuhl fallen und rief begeistert: "Und vor zwei Tagen habe ich noch zum Chef gesagt: Am Ende liegt der Fehler bei uns im Keller!"

Frei kreiert nach Goethe ist es ja ganz oft der Fall: Je simpler die Lösung, desto weniger vermag man sie zu sehen :)


Übrigens: Wir hatten keinen Strom mehr im Keller. Da, wo die Box des Kabelanbieters hängt.
Nun ja. Es wäre halt zu naheliegend gedacht gewesen :)
Drei Tage war das Personal so krank - nun surft es wieder, Gott sei Dank!

Montag, 16. April 2018

Where Words fails


Momentan gehts mir wie einigen anderen Bloggern auch: Mehr und mehr versinke ich in Wortlosigkeit bzw. allgemeiner Unlust, Gedanken und Emotionen zu Papier zu bringen.
Wobei "momentan" es sicherlich auch nicht richtig beschreibt. Eigentlich geht es mir schon länger so, seit Monaten, um genau zu sein - und bisher dachte ich, das läge an meinem Umzug nach M vor gut vier Jahren (Ist es wirklich schon wieder so lange her? Erschreckend...), an dem Arbeiten überwiegend im Home Office, wo niemand wirklich mit Dir spricht, wo es überwiegend ruhig und still ist und Du allein bist mit Dir selbst - und damit einer mangelnden Inspiration.
Dann las ich bei Juliane den Post zu ihrem 8. - und fand mich in so einigem wieder.
Sicherlich sehe und höre ich immer noch, sicherlich mache ich mir auch immer noch so meine Gedanken darüber - aber oftmals inzwischen begleitet auch mit einem inneren Schulterzucken "So isses halt eben". Ist es jetzt wirklich genug, um einen witzigen, ironischen oder auch nachdenklichen Post darüber zu verfassen? Dabei stelle ich mir weniger die Frage, wer das liest und wen das denn überhaupt interessiert. Ich stelle mir eher die Frage: Will ICH sowas selber lesen?
Jeder Blogger stöbert doch dann und wann in seinen eigenen Posts, liest, erinnert sich wieder, schmunzelt oder trocknet die Träne im Knopfloch (und genau dieser Umstand hat mich bislang auch davon abgehalten, diesen Blog zu löschen und ins virtuelle Nirvana zu schicken) - aber will ich dies und jenes dann auch in 2 oder 5 Jahren noch mal lesen?

Für einige Menschen, die ich real kenne, habe ich diesen Blog auch geführt, um sie weiter an meinem Leben teilhaben lassen zu können, seitdem wir nur noch wenigen oder auch gar keinen Kontakt mehr haben (können). Auch hier stelle ich mir weniger die Frage, ob sie überhaupt noch lesen inzwischen und an mir noch teilhaben wollen; ich frage mich vielmehr, ob ICH sie teilhaben lassen wollte.

In meiner Timeline bei FB tauchen immer öfter Bilder auf, die mich zu Instagram einladen möchten, weil immer mehr meiner Kontakte sich dort eingefunden haben. Manchmal denke ich, dass diese Art des sich Mitteilens auch dazu führt, dass weniger gebloggt wird. Menschen sind immer öfter mit sich selbst beschäftigt und wollen dann, wenn sie mal Zeit haben, keine ellenlangen und/ oder gedankenschweren Posts lesen, sondern sich berieseln lassen. Ein Bild kann sehr viel aussagen - auch ohne Worte. Ein maximal zweizeiliges Statement ebenso. Damit ist dann alles gesagt, wozu also noch einen Post verfassen, der eindeutig mehr Zeit von Blogger und auch vom Leser abverlangt?

Und dann sitze ich hier, stöbere in den Fotos der vergangenen Tage, denke an den Spaziergang in der herrlich warmen Frühlingssonne und dem anschließenden Kaffee im Biergarten, ich denke an die Fahrt nach L letzte Woche und daran, wie sehr ich es immer wieder genieße, die Musik aufzudrehen und die Gedanken treiben zu lassen, zwanglos, gedankenlos irgendwie, mich zu erinnern oder auch Tagträumen nachzuhängen, der Besuch des Museums über drei Etagen, in dem ich am längsten vor der Skulptur des frisch verstorbenen Napoleons stehenblieb (irgendwie faszinieren mich vor allem Dinge, die echt sind; nachgebaute Skulpturen beispielsweise reizen mich wiederum gar nicht), während hingegen der Mann völlig fasziniert in der Klangwelt versank, alle möglichen Instrumente und Klänge aller möglichen Kulturen ausprobierte, während ich mich müde auf dem Hocker am Eingang niederließ und geduldig darauf wartete, dass er sich genügend die Seele aus dem Leib gefiedelt und geklimpert hatte. Der Besuch des Museums war meine Idee, er hingegen hätte viel lieber ein Bierkloster in der Nähe besucht. Kloster - Land - Abgeschiedenheit - das alles klang für mich nach genau der Ruhe, die ich im allgemeinen ohnehin beinah täglich genieße, zumindest, solange ich im Home Office sitze. Ich aber wollte raus. Ich wollte unter Menschen, ich wollte sie, diese tausend Stimmen, die Gerüche nach Kaffee und süßem Gebäck oder auch gebratener Wurst, ich wollte ihnen zusehen, diesen Menschen, ich wollte über den Markt schlendern, einen weiteren Lavendeltopf einkaufen, die Sonne genießen, das pulsierende Leben genießen und für einen Moment vergessen, was derzeit in den Nachrichten (und eben nicht nur dort) brennt. Ich wollte genießen, dass ich lebe, insbesondere auch nach Freitagnacht, in der ich mit ungefähr 200 Sachen auf der Autobahn entlangdüste und nach einer Linkskurve fast unmittelbar einen Feuerwehrzug vor mir zu stehen hatte, der mich zur Vollbremsung zwang und eigentlich auch zum Ausweichen auf die mittlere Spur - wäre dort nicht ein schwarzer Mini unterwegs gewesen - ohne Beleuchtung. Nachts. Schwarzer Mini. Ohne Licht. Das war knapp. Das war mehr als knapp, da hilft auch kein erschrocken wütendes Schreien "Mach dein Licht an, du deppertes Arschgesicht!" und ich erinnerte mich beschämt einmal mehr an mein Versprechen: "Ja, ich fahre vorsichtig. Ja, ich passe auf mich auf." Dann mach das auch - du dumme Nuss, sagte ich mir, nachdem ich mit zittrigen Beinen und Händen langsam weiterfuhr und irgendwann doch noch gesund und unbeschadet zu Hause ankam. Als ich die Taschen auspackte, das Auto verschloss und zum Lift trottete, ging mir einmal mehr durch den Sinn, wie oft wohl in nur einem einzigen Moment alles anders sein kann, das eigene und auch das andere Leben völlig verändert sein kann. Im Kleinen wie im Großen, im Privaten wie im Politischen und Gesellschaftlichen.

Where Words Fails Music Speaks, las ich einst.
Where Words Fails Pictures Speaks, dachte ich gestern beim Lesen von Julianes Posts.
Und im Moment denke ich... Das Bloggen selbst würde auch mir fehlen. Manchmal ist mit einem Song oder einem Bild doch nicht alles gesagt.

Dienstag, 10. April 2018

Zwischen Erinnerungen und Wunschwolkenbergen



Seit Wochen bin ich so müde, tags wie nachts - wenn ich wollte, könnte ich überall und jederzeit einschlafen. Doch lege ich mich nieder, schließe ich meine Augen, sind da sofort tausend Gedanken in meinem Kopf. Gedanken, die nicht zu greifen sind, Gedanken, die sich nicht erfassen lassen. Diffuse Empfindungen, die kaum unterscheiden können zwischen Erinnerung und Wunschwolkenbergen.
Menschen um mich herum streiten sich, trennen sich, lieben sich oder bekommen ein Kind. Um mich herum passiert das ganz normale Leben, und manchmal nehme ich dieses Leben auf, nehme es mit in meine Nachtgedanken, nehme es mit in den Schlaf, in meine zuweilen komischen Träume, in denen ich aus fahrenden Zügen springe, zögernd und mir selbst zuredend: "Spring JETZT, sonst ist es zu spät und dann schaffst du es nicht mehr."
Und ich erwache verwirrt und denke: Springe JETZT? Das hattest du doch schon mal, da war doch noch was.

Manchmal nachts lege ich mich näher zu Dir, suche Deine Hände, will meine Hand dahineinlegen, ganz nah bei Dir liegen und das Gefühl genießen, dass ich nur neben Dir so zur Ruhe finde.
Wie oft haben wir uns gesagt, geschrieben, dass es das jetzt war, dass wir uns nicht mehr lieben, und wie oft sind wir dann eigene Wege gegangen. Wie oft haben wir versucht, ein Leben ohne einander zu führen, die Tür anderen Menschen zu öffnen und gedacht, dass es miteinander einfach nicht geht - und das Vermissen zur Seite geschoben.
Manchmal fragst Du mich, warum ich überhaupt noch bei Dir bin, warum ich Dich überhaupt liebe.
Manchmal habe ich mich das auch gefragt.
"Hast du dich manchmal gefragt, ob du [den Mann] verlassen möchtest?" hat mich letzte Woche die Achtjährige gefragt und als ich nicht sofort zu antworten vermochte, hat der Mann mich angeschaut: "Die Pause war jetzt aber zu lang, Frollein."

Heute bist es Du, der neben mir liegt und schläft, der morgens still seinen Kaffee mit mir genießt, der mich mehr zum Lachen als zum Weinen und zugleich auch oft zum Nachdenken bringt. Der mit mir träumt und diese Träume auch umsetzen möchte. Der aufgegeben hat, alles an mir verstehen zu wollen, auch wenn er immer noch glaubt, mich in- und auswendig zu kennen. Der gerne etwas von meinem Wesen hätte, es aber auch gerne sehen würde, wäre ich in manchen Dingen mehr wie er. Von dem ich immer noch träume, wenn er nicht da ist, wenn er nicht bei mir ist. Auf den ich mich immer noch jeden einzelnen Tag freue, wenn ich ihm am Abend die Tür öffnen kann.
"Niemand freut sich so auf mich wie du", sagst Du manchmal.
Ich bin nicht bei Dir, weil ich es muss. Nicht aus finanziellen Gründen. Nicht aus familiären Gründen. Und Du bist es auch nicht. Wir sind immer noch frei. Und sind zusammen, hier und jetzt, weil wir uns jeden einzelnen Tag füreinander entscheiden. Ganz gleich, was hinter uns liegt. Weil wir uns verlassen, aber nicht aufgegeben haben. Für mich ist das Liebe. Ganz gleich, was wir früher gesagt haben.

Montag, 9. April 2018

Zuhause ist es am schönsten..


Ostersonntag bei der Mama und dem Papa
Angereist mit Mann und zwei Mädchen, 8 und 11 Jahre, was sich für mich - so sehr ich Kinder auch liebe - in dieser Woche als doch recht gewöhnungsbedürftig herausstellt. In jeder Minute des Tages gefordert zu sein, ist eben doch.. eine Herausforderung, die ich schon fast wieder vergessen hatte.
Angereist mit meinem kleinen Schwarzen (nein, nicht der auf dem Bild, der gehört mir nicht), wegen dem wir extra gebeten hatten: Bitte nur das Nötigste mitnehmen, wir haben diesmal nur das kleine Auto dabei, mussten wir feststellen: Die zwei Mädchen bringen mehr mit als wir beiden Erwachsenen. Von dem sie letztlich nicht mal ein Drittel benötigten. Netter Vorgeschmack für später, denke ich.
Die Mama stellt mir wortlos und mit verstehendem Blick das Käffchen hin, während der Mann draußen im Schnee Kind 1 und 2 bespaßt, die nach der stundenlangen Anfahrt erst mal Auslauf brauchen. Sie laden uns für Sonntag ein und ich nehme dankbar an. Eine Einladung bei der Mama bedeutet immer eins: Selbstgebackener Kuchen - Schlemmerpotential bis in die Ewigkeit. Ich werde nicht enttäuscht!
Und weil der Schneefall immer dichter wird, beschließen wir: Wir fahren nicht erst ins Feriendomizil und laden aus (von wegen Platz schaffen und so), sondern bewegen uns Richtung Seebad, kaufen dort was Essbares für die kommenden 2 Tage und bringen dann alles in einem Satz ins Domizil.
Nun ja. Ich sage nur... A 1. Zwei Erwachsene. Zwei Kinder. Sechs Reisetaschen (ja, ich dachte auch, ich krieg nen Föhn!), ein Fresskorb, zwei Rucksäcke voll mit Spielzeug (ich denke, ich war da mit meinen Jungs echt verwöhnt: Jeder sein Gameboy und sein mp3-Player - schon warnse glücklich) - und dann noch der Einkauf? Packmonster Mann beschaut die Lage und urteilt: "Wir schaffen das!"
Und verteilt Milchtüten, Ananas, Brot und was man eben so braucht an Kind 1 und 2: "Packt das bei euch irgendwo mit hin, wo noch Platz ist."
Angekommen in der Tiefgarage des Domizils argwöhnt Kind 1 beim aussteigenden Mann: "Mach jetzt bloß nicht den Sitz nach vorn!" Augenblicklich habe ich die Szene aus "Manta Manta" vor Augen, wo Klausi die Wagentür öffnet und mit ihm immer erstmal unzählige Bierdosen etc. mit aussteigen - und amüsiere mich köstlich.
Immerhin - wir sind gut angekommen und beschließen angesichts des nunmehr hereinbrechenden Schneesturms: "Wir gehen nicht mehr vors Haus, wir legen die Beine hoch und machen nix mehr. Nur noch was zu essen."

Ostermontag
Der Schneesturm hat sich gelegt, auf Eis & Schnee plätschert fröhlich der Aprilregen und ich fühle mich entsprechend müde und ein wenig durchgematscht. Dennoch nutzen wir die Gunst einer ruhigen Stunde und suchen zu viert das Ufer nach Hühnergöttern ab. Es ist arschkalt, irgendwas um drei Grad, und als mir die Freundin schreibt: "19 Grad Grüße aus M", da bin ich kurz vor dem Schnee-im-April-ist-sowas-von-Kacke-Koller und erwäge nur für den Bruchteil einer Sekunde, das Telefon im Meer zu versenken. Entsprechend missmutig motiviert finde ich natürlich auch keinen Hühnergott, dafür aber gleich drei Steine in Herzform.
"Willst du mir was damit sagen?" fragt der Mann.

Dienstag und Mittwoch
Diese Tage stehen nun ganz im Zeichen des Frühlings - Sonntag noch Schneesturm um den Nullpunkt, Mittwoch klettert das Thermometer bereits auf satte 17 Grad. Das bedeutet Strandwanderung, wo Kind 1 und 2 sich mit nackten Beinen in der Kneippkur üben, während ich entspannt im Sand liege und die Sonne genieße. Das bedeutet Kaffee & Kuchen im Straßencafe - und auch einen Besuch bei den Großeltern: Der Opa starb einst an meinem 7. Geburtstag, die Großmutter vor 13 Jahren nach einer missglückten Herz-OP.
"Was heißt missglückt?" fragt der Mann.
"Sie haben die Herzklappen falsch rum eingenäht. Als sie merkten, dass das Blut in die falsche Richtung pumpt, wars zu spät."
"Ernsthaft jetzt? Die muss man doch verklagen!"
"Das wollte meine Mama nicht. Das bringt mir meine Mama auch nicht zurück, hat sie damals gesagt."
Er schweigt und legt nach einer Weile den Arm um mich.
Der Besuch im Meeresmuseum begeistert nicht nur Kind 1 und 2. Es hat sich einiges verändert, seit ich Kind war - aber vieles ist auch geblieben. Ich erinnere mich, wie ich als Kind vor den Aquarien stand und die bunten Fische in ihrer Vielfalt fasziniert betrachtete. Heute stehe ich davor und denke: "Drei Haie in einem Becken, fünf Schildkröten in einem Becken - der Platz reicht doch nie."
Von der Skulptur des Schwarzen Anglerfischs bin ich hingegen begeistert. Ich dachte immer, den gibts nur im Film!
Hoffentlich gibt das keinen Alptraum, denke ich, als Kind 1 und Kind 2 diesen Fisch betrachten. Immerhin erzählt uns Kind 2 jeden Morgen am Frühstückstisch, dass sie einen Alptraum hatte.
Am beeindruckendsten für mich bleibt der überdimensionale Schaukasten mit dem am Meer gefundenen Unrat - und den beiden Möwen, die diesen fressen, weil sie glauben, dass das Nahrung sei - und die wahlweise daran ersticken oder verhungern, trotzdem ihr Magen prall gefüllt ist.
Ich habe ohnehin null Verständnis für Leute, die ihren Abfall gleich welcher Art auf Straßen und Wegen entsorgen - jedoch hier packt mich die echte Wut: Der Mensch ist und bleibt das größte Sauschwein von allen.

Donnerstag
Kind 2 hat Geburtstag - 8 Jahre - und draußen rauscht das Thermometer zurück auf 8 Grad.
"Du musst aber auch ein Kleid anziehen", verlangt es von mir, "den ganzen Tag lang! Heute ist nämlich mein Geburtstag, da darf ich bestimmen!" Und so springe ich aus der Jeans zurück in das einzige Kleid aus meiner Tasche.
"Hast du nur das Schwarze? Hast du kein helles Kleid?"
"Äh... Ne. Nicht hier im Urlaub. Aber guck mal, es hat doch immerhin weiße Streifen!"
Zwar friere mir damit draußen den Arsch ab - aber das Kind ist glücklich!
Und während die drei später stundenlang das Spaßbad unsicher machen, gehe ich ein wenig im Ort spazieren, alten Erinnerungen auf der Spur und immer dem zarten verlockenden Kaffeeduft nach.
"Die Helma kann nämlich nicht mit", ruft Kind 2 fröhlich in den Videochat mit ihrer Oma, "die hat nämlich ihre Tage!"
Stille am Tisch.



Freitag
Abreise. Endlich. Irgendwie bin ich froh, auch wenn wir insgesamt 11 Stunden brauchen, ehe ich meinen kleinen Schwarzen wieder zurück auf die heimische Parkebene stelle.
Zuhause ist es irgendwie doch am schönsten..

That is the "Oh..oh, I am in trouble" (the good kind) face . =)
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