Montag, 17. Dezember 2018

Finally



Wer hier das vorherige Video sucht: Zu spät ;) 

Gefühlt sitze ich bereits auf gepackten Koffern, innerlich wie äußerlich. Das Jahr neigt sich dem Ende zu, manches gilt es noch von der Liste abzuhaken, anderes wiederum kann geruhsam mit in das neue Jahr genommen werden.

Was wünsche ich mir? Was wünsche ich Euch?
Mit den Jahren, so habe ich an mir selbst festgestellt, verändern sich die Wünsche.
Natürlich tun sie das.
Mit sieben Jahren wollte ich unbedingt einen Puppenwagen haben - und der Papa redete mir das zuvor aus, vermutlich, um späterhin Tränen zu vermeiden.
"Du bist doch schon viel zu groß dazu", sagte er zu mir - und vermutlich war ich das auch.

Auch in den Jahren danach hat es immer Wünsche gegeben, die mir von verschiedenen Menschen ausgeredet worden waren.
Zu groß, zu alt, zu teuer, zu nichtig.
Ich sag Euch was: Es gibt kein zu groß, zu alt, zu teuer, zu nichtig. Das, was man sich von Herzen wünscht, ist genau richtig. Mir ging es nie niemals um das Auffallen, um das Anderssein um jeden Preis. Ich bin gar nicht so anders wie andere. Ich lebe gar nicht unangepasst - ich lebe nicht mal unanständig. (Okay, ich gebe zu, inzwischen nicht mehr ;)) Und niemals habe ich mir Dinge gewünscht, die zu groß, zu teuer gewesen wären. Weil "teuer" mir gar nichts bedeutet. Teuer erschreckt mich eher. Das einzige, das mir etwas bedeutet, ist die Geste, die von Herzen kommt. Das Gefühl, dass der andere sich etwas dabei gedacht hat, als er sich für mich etwas überlegte oder durch Zufall darüber stolperte.
Aber ich lebe so wie es mich auch glücklich machen kann - auch wenn dieser Weg noch nicht zuende gegangen ist. Ich lebe nicht nach Wünschen, Vorstellungen und Vorgaben anderer - einzig und allein zählt der Mensch an meiner Seite und vor allem auch ich.

Mut.
Manchmal braucht es sehr, sehr viel Mut zu springen.
Manchmal fühlt sich das wirklich an wie ein Sprung vom zehn-Meter-Brett, zusammengekniffenen Augen, ein Rotieren von Hirn und Magen und dem Zittern "Oh Gott, das schaffe ich nicht... ach was Scheiß drauf, Augen zu, hör auf zu denken und spring!"
Vor vielen Jahren, in einer dieser endlosen, mitunter sehr persönlichen Stunde hat ein Arzt zu mir gesagt "Lös dich endlich. Sonst wird es dir nie besser gehen."
Er ist gestorben, irgendwann, und viel zu früh.
Ich lebe.
Und jedes Jahr am Ende des Jahres denke ich an Dinge, die waren. Ich denke an Dinge, die sind. Und dann klopft mir das Herz, wenn ich an Dinge denke, die ich mir wünsche. Jedes Jahr immer wieder aufs Neue. Wünsche. Keine Erwartungen.
Ich denke nicht, dass ich in diesem Jahr noch etwas schreiben werde. Oder sagen wir.. Ich glaube es eher nicht. Aber ich wünsche Euch von Herzen, dass Ihr es Euch schön machen könnt - wie auch immer es aussehen wird. Dass das alte Jahr ausklingt mit dem was war, wie es auch immer war - dass das zurückbleibt, was nicht so schön war.. Ich selbst habe irgendwann meinen eigenen Satz geprägt:

"Es gibt einen Anfang und es gibt ein Ende. Das gibt es immer. Wir wissen nicht, wie viel Zeit uns dazwischen bleibt. Wichtig ist nur, dass wir in dieser Zeit dazwischen glücklich sind."

Und das wünsche ich Euch. Das wünsche ich Euch ganz sehr - und verabschiede mich für vermutlich dieses Jahr mit einem herzlichen Gruß ;)

Montag, 10. Dezember 2018

...dann lernt man zu überleben




"So bleibt man am Leben.
Wenn es so weh tut, dass man keine Luft mehr bekommt, dann lernt man zu überleben."

Ich dachte an diese Worte, die ich erst vor kurzem in einem Film gehört hatte, die ich mir auf einem Stück Papier notierte, damit ich sie nicht wieder vergessen würde.
Ich dachte an diese Worte, als ich heute Vormittag völlig entspannt und mit lang ausgestreckten, übereinander geschlagenen Beinen in Rock & langen Stiefeln wie ein gestiefeltes Kätzchen vor dem Doktor saß, der sich durch die Haare fuhr und gestand: "Die wissen also auch nix. Genauso wie ich."
Mir persönlich sind Menschen immer dann umso mehr sympathisch, je... menschlicher sie sich zeigen. Dass sie nicht so tun, als wüssten sie alles, als könnten sie alles und jeder andere sei ein Depp. 
Auf Anraten meines Hausarztes, den ich inzwischen mehr und mehr schätze, breitete ich meine ganze Geschichte vor ihm aus. Die Geschichte der nicht behandelten Angina im Dezember 2004, die Gelenksentzündung im Februar 2005 und die seither andauernden Gelenksschmerzen, die sich durch keinerlei Mechanismen oder Medikamente beeinflussen lassen, die nur auf eines reagieren: auf Kälte. Je kälter, desto intensiver - wie aktuell. Ebenso breitete ich aus, was ich seither alles versucht habe - physisch und psychisch, dass meine Hausaufgaben in der Hinsicht längst erledigt hatte - und bis heute und hierher an einen Punkt gefunden hatte, an dem ich sagen kann: "Alles, was man mir in der Zeit sagen und beibringen wollte, habe ich in den Jahren umgesetzt, ob nun bewusst oder unbewusst. Und ich habe begriffen: Schmerztherapie ist nicht, von Schmerzen geheilt werden zu können. Schmerztherapie bedeutet genau genommen nichts anderes als damit leben zu lernen. Und das habe ich. Ich habe es in all den dreizehn Jahren irgendwann angenommen und akzeptiert, dass ich es weder beeinflussen noch verhindern kann. Es ist da und so ist es."
Es gibt letzten Endes nur zwei Möglichkeiten: Entweder du stehst auf und kämpfst für dich selbst - oder du lässt dich fallen und gibst auf. Also habe ich für mich selbst.. zu überleben gelernt.
Ob meine beiden "Stories" zusammengehören oder getrennt voneinander zu betrachten sind, das weiß niemand, das kann niemand sagen. Denn auch mit der letzten Diagnose ist nicht erklärt, warum es mir so geht wie es mir eben derzeit geht. 

Wenn ich außerdem etwas sehr, sehr schätze, dann ist es, wenn mir jemand zuhört. 
Ich weiß noch, dass ich an meinem allerersten Termin bei ihm diesen Eindruck nicht hatte. 
Inzwischen habe ich meine Meinung revidiert, schon beim letzten Termin Anfang Oktober. 
Er hört mir sehr wohl zu, er nimmt mich auch ernst und er sagt: "Die Psychosomatik ist immer dann ein Versuch, wenn man nicht mehr weiter weiß. Aber da, wo wir den Patienten hin haben wollen, da sind Sie schon längst. Es ist wirklich bewundernswert, wie Sie das machen. Ich kann nur sagen, machen Sie genau weiter so."
Ich lächelte, stand auf, reichte ihm die Hand und wir verabredeten ein Wiedersehen in einem halben Jahr - weil niemand in die Zukunft schauen kann und zu sagen vermag, wie ich mich in eben einem halben Jahr fühlen werde können.
"Wenn Sie es denn wollen, dann sehen wir uns wieder", setzte er hinzu.
"Ja, ich will das", antwortete ich. 
Dass er mir jetzt nicht weiterhelfen kann, heißt ja nicht, dass es in einem halben Jahr nicht vielleicht doch möglich wäre. Wenn es denn dann noch notwendig ist. 

In der Zwischenzeit startet mein Hausdoc einen medikamentösen Versuch. Die Erhöhung des künstlichen Hormons und noch ein Zusatzpräparat. Denn dass Hashimoto trotz der Hormonzugabe ordentlich aktiv ist, zeigten sowohl Laborwerte als auch der Ultraschall in der vergangenen Woche. Nur warum Hashi so aktiv ist, kann sich niemand erklären. Auch nicht, ob daher die neurologischen Auffälligkeiten kommen.
"Die Wirkung zeigt sich relativ rasch. Nach Weihnachten spätestens wissen Sie, ob es hilft oder nicht. Und wenn nicht, dann gibt es nur noch einen Weg: Dann schicke ich Sie in die Uniklinik."
"Ich bekomme mehr Medikamente", schrieb ich über whatsapp, "mir werden noch Eselsohren wachsen!"
"Machst du dann die Haare drüber oder trägst du dann ne Mütze?"
Beides ist möglich - würde ich ja sagen! :D


"Ich wünsche Ihnen wirklich, dass es endlich leichter für Sie wird", sagte der Hausdoc zum Abschied und ich lächelte und dachte.. Ich meine, ich frage mich ernsthaft: Ist es denn wirklich schwer für mich? 
Ich sehe Menschen zu, die sich mit Gehhilfen eine Treppe hinaufquälen. Ich sehe Menschen, die ihren Rücken nicht mehr gerade durchdrücken können. Ich lese von Menschen, die um ihr buchstäbliches (und nicht "nur" sprichwörtliches) Überleben kämpfen.
Und ich? 
Ich gehe immer noch aufrecht durch diese Welt. 
Ich kann immer noch den kleinen Schwarzen über die Autobahnen lenken.
Ich kann immer noch singen.
Ich kann immer noch schreiben.
Ich kann immer noch malen.
Ich kann immer noch mein Herzblut in die Arbeit stecken und meine Leidenschaft in Dinge, die mir etwas bedeuten. 
Ich denke nicht, dass ich es schwer habe. Ich habe immer noch Kopf und Hände und Beine, um mich in dieser Welt zu bewegen - auch wenn es wehtut. 
Ich denke nur, dass ich, wenn ich schon den Schmerz nicht mehr loswerde in diesem Leben, wenigstens das, was aktuell in meinem Körper geschieht, aufhalten oder bestenfalls niederkämpfen möchte. Nur weil man mir nicht alles sofort ansieht, bedeutet es ja nicht, dass es nicht da ist.
Und manchmal.. braucht so ein "Überlebens"-Kampf.. doch ziemlich Energie.

Ach Mensch Scheiße, jetzt steigen sie doch auf, die blöden Tränen. Das wollte ich gar nicht, ich dachte das nicht. 
"..I'll try,
but I'll never be free.."

Da wird man ja ab und zu doch ein bisschen heimlich heulen dürfen. 

Freitag, 7. Dezember 2018

Ein Topf voll Gold?

Am Dienstag sind wir nach L gefahren, dieses Mal gemeinsam - aus Gründen.
Mal regnete es, mal schien die Sonne - und irgendwann deutete ich auf den Horizont: "Schau mal, was für ein breiter herrlicher Regenbogen! So einen breiten hab ich ja noch nie gesehen!"
"Hmm", brummte der Mann.
Was ich wirklich noch niemals erlebt habe: Etliche Kilometer später war mit einem Mal ein Regenbogen mitten auf der Straße!! Direkt vor unseren Augen!
Ich glaube, mir stand vor Begeisterung so ziemlich alles zu Berge, und ich strahlte ganz euphorisch den Mann an: "Hast du das gerade gesehen?? Sind wir jetzt echt gerade durch einen Regenbogen hindurchgefahren??"
"Hmm", brummte der Mann.
Mehr sprach er nicht - aus Gründen.
"Das ist ja irre, das ist ja der Wahnsinn!!"
(Vielleicht hätten wir anhalten und nach dem verborgenen Schatz der Leprechauns graben sollen?
Aber möglicherweise gehts dabei gar nicht um den buchstäblichen Topf voll Gold? ;))
Sicher ist nur - wir sind an jenem Tag nicht nur einmal, sondern ganze zweimal durch einen Regenbogen hindurch gefahren. Leider war ich damit beschäftigt, den kleinen Schwarzen durch den Regen zu jonglieren; wenn ich gekonnt hätte, ich hätte es zu gerne fotografiert. Festgehalten. Die Erinnerung konserviert, sozusagen.
Irgendwann habe ich über sein Brummeln geschmunzelt, die Musik lauter gedreht und mitgesungen. Jeden einzelnen Song. Laut. Falsch. Von Herzen.

Donnerstag, 6. Dezember 2018

Hearts on Street



Den Übergang von der einen zur anderen Autobahn hat jemand mit großen weißen Herzen bemalt. Unabwaschbar.
Herrlich! Herrlich! Herrlich!
Auf dem Weg heute Morgen in das Büro bei wundervollen guten-Morgen-Sonnenstrahlen und herrlich milden sieben Grad diese Herzen entdeckt, dabei diesen Song gehört - und anschließend den ganzen Tag einmal mehr nicht aus dieser herrlichen Ruhe gebracht werden können, ganz gleich, welche Stimmung auch immer im Office herrschte. 
So ein Gefühl wie... den Tisch voller Arbeit haben und dennoch mit der Tasse Kaffee neben mir den Kopf in die Hand gestützt halten und verträumt aus dem Fenster schauen, während um dich herum alle übereinander herfallen und Kleinkriege vom Zaun gebrochen werden... 
"Wie geht es dir? In Schulnoten?"
"Seele 1,0, Körper 2,7." (Die 2,7 ist natürlich beschönigt - aber wie kann man denn eine 3,7 schreiben, wenn die Seele schwingt?)
"Seele 1,0 - wie kommt das?"
"Ich habe keine Ahnung. Aber so ist es und ich wünsche mir, dass die Seele im Gleichgewicht bleiben kann."
Genau genommen.. ist es ja mehr oder weniger im ganzen Jahr lang bei mir geblieben.. Tiefschläge, Rückschläge.. Eingesteckt und weitergemacht.. 

Und.. In Erinnerung an eine der intensivsten Zeit in meinem Leben wird dieser Song auf immer und immer in mir weiterleben.

Dienstag, 4. Dezember 2018

Ja, ich will!

Vor etwas über vier Wochen haben sie Ja zueinander gesagt - und ich hab mich ganz sehr für die beiden gefreut. Ach was gefreut - ich war ganz aus dem Häuschen! Ich mag das so sehr, wenn Menschen Ja zueinander sagen, weil sie das so fühlen, weil sie sich lieben und weil sie das so wollen.
Und nicht, weil der Einkommenssteuerrechner besagt, dass man das jetzt tun sollte - und sich vertraglich vorher dreimal abgesichert hat (auch wenn ich letzteres fast schon wieder nachvollziehen kann).

Ich war die erste von uns dreien, die geheiratet hatte - und nun bin ich die einzige von uns dreien, die unverheiratet mit jemandem zusammenlebt.
Für meinen Papa ist allerdings so ein bisschen seiner Welt zusammengebrochen. Seine Söhne haben erst mal nur Töchter mit auf diese Welt gebracht - und ich, die seinen Namen nicht fortführte, bekam die Jungen.
Erst in zweiter Ehe hat nun auch der Jüngste einen Sohn - und der Papa hat sich gefreut: "So wird mein Name doch noch weitergeführt!"

Vor gut vier Wochen ist dieser Traum nun zerplatzt. Denn auch die Frau ist die letzte ihrer Ahnen, die den Namen noch weitergeben konnte mit ihrem Jungen.
Immerhin willigte sie ein, künftig einen Doppelnamen zu tragen.
Jedoch die Rechtssprechung besagt: Der Mann kann nur seinen Namen tragen, nicht den Doppelnamen wie dann seine Frau. Und das Kind wiederum kann auch nur einen Namen tragen - also den Namen der Frau.
"Was ist das fürn Blödsinn", kopfschüttelte der Bruder, "dann sind wir zwar verheiratet, aber jeder von uns heißt anders."
Ich wusste das zwar - aber als er es heute nun auch auf FB öffentlich machte.. Es fühlt sich komisch an, dass der Bruder jetzt mit seinem Nachnamen anders heißt als ich ihn von Geburt an kenne.

Das sind sie nun, die neuen Zeiten, wo irgendwie alles möglich ist, dachte ich. Und dann war da noch Annikas Idee, die ich - ehrlich gesagt - immer noch richtig gut finde.
Ich meine, ich habe immer gesagt - und dazu stehe ich auch immer noch - dass ich nur aus Liebe Ja zueinander sagen möchte. Wenn schon die erste Ehe nicht aus echter Liebe heraus geschlossen wurde, dann - so war mein Traum, bevor ich ihn vor zwei (oder drei?) Jahren begrub und den Ring seither konsequent ablegte - wünschte ich mir ein Ja, das übersprudelt vor Glück, vor Herzklopfen, vor Funkelsternenaugen. Mich kümmert nicht dieses "Wieso müssen alle Frauen immer heiraten wollen?" und ob die Liebe einen Schein braucht oder nicht - mir ist das völlig wurscht. Ich will nicht machen, weil alle anderen das auch so machen. Ich wünsche mir nur, die Dinge tun zu können, die aus meinem Herzen, aus meinem Gefühl und dem des anderen, entspringen.
Ich weiß nicht mal mehr, wo der Ring heute liegt. Ich glaube, der Mann hat sie beide irgendwo verwahrt. Für was auch immer - Zahngold vielleicht irgendwann.
Und dann kam Annika mit ihrer Idee - und ich war wirklich ehrlich spontan und sofort eingenommen von dieser Idee. Warum - kann ich gar nicht sagen - aber ich hatte Herzklopfen und ich dachte da an wen.
"Du willst eine Frau heiraten?" fragte der Mann ungläubig. "Du lebst mit mir zusammen und willst eine Frau heiraten?"
"Ja! Ich finde diese Idee wirklich sehr gut."
"Aber... das geht doch nicht!"
"Wieso nicht? Natürlich geht das."
"Du hast dann aber auch die Verantwortung."
"Weiß ich."
"Wenn sie krank wird, musst du sie auch pflegen."
"Ich weiß das", beschenkte ich ihn mit einem offenherzigen Blick. "Und ich würde das dann auch machen."
Ich weiß nur nicht, ob ich ihren Namen wollte. (Und ob sie überhaupt mitmachen wollte - immerhin besteht die latente Wahrscheinlichkeit, dass nicht ich sie, sondern sie mich eines Tages pflegen oder gepflegt durch die Gegend chauffieren müsste ;))
Meinen angenommenen Namen tätsch hingegen sehr gerne eintauschen. Ich will nicht so heißen wie der Mann, den ich zutiefst verachte. Insofern dachte ich früher schon daran, meinen Mädchennamen wieder anzunehmen.
Ja und dann war da doch Annika mit ihrer Idee!
Und ich sagte mir: Wieso soviel Aufhebens machen, und dann sagst Du irgendwann doch noch Ja und alle bisherige Mühe war für die Katz :)

An all das dachte ich heute am frühen Abend, als ich das Posting meines Bruders las und dachte: Herrlich, dieses Leben, es ist so voller Möglichkeiten!

Montag, 3. Dezember 2018

Trick 17

Noch als ich den letzten Post schrieb, meldete das System „keine WLAN-Verbindung“ und ich schaute verdutzt auf die Uhr „Huch, ist ja schon ein Uhr!“
Um eins gehen hier nämlich dank Zeitschaltung im Router alle Onlinelichter aus. Na gut - fast alle ;) Habe dann auf dem Handy zuende geschrieben! 
„Damit resette ich das System und Fehler werden rausgeworfen“, begründet der Mann, während ich nur lache. Er, die Lerche, will mich, die Eule, möglichst zeitig genug ins Bettchen zwingen, am liebsten gemeinsam mit ihm.

Aber sonntags gibt es nicht nur die Musikwelt, die mich aufhält. Sonntags nachts kommt auch die Sendung, an der ich weniger selten vorbeikomme. 
Dann flimmern nachts „Medical Detectives“ über den Bildschirm - mit oder ohne Router. 
Zufällig musste nun der Mann am Wochenende alle Fernsehsender neu einstellen. Über Suchlauf und mit Favoriten markieren und so. 
Was musste ich also kurz nach ein Uhr feststellen? Genau - da fehlt ein Sender. Ja - genau der :)
Gerät und Fernbedienung - ich gestehe, ich hab mich nie damit befasst, wieso sollte ich auch, brauchte ich ja nicht. Bis heute Nacht. 
Tja! Not macht erfinderisch. Bisschen rumprobiert, Lösung gefunden, Sender gefunden, als Favorit markiert und schon konnte mit ca. 5 min Verzögerung mein Nacht-Programm starten. Ha!

Als er nun um 2.30 Uhr das Bad aufsuchte, hat er mich entgegen sonstiger Gewohnheit keines Blickes gewürdigt. So entging ihm leider auch mein breites Grinsen :)

Nachtflug



Man sagt, wer nachts nicht schlafen kann, wäre in den Träumen eines anderen wach.
Hm.
Ja. Oder hat schlichtweg nur gerade eine weitere Tasse Kaffee geleert und sich wieder einmal in den Weiten der Musik verloren ;)

Meine Gedanken jedenfalls spazieren in dieser Nacht umher, treiben hier und dort, verweilen und lösen sich wieder. Ich denke an Vergangenes, ich denke an Gegenwärtiges, ich denke an andere Menschen in aktuellen Situationen und ich denke an mich in eben solchen Situationen - nur bereits viele Jahre zuvor. Ich denke an tief verborgene Wünsche, Träume und eine fast verschüttet geglaubte Sehnsucht.
Ich denke an das Kopfschütteln, an das Unverständnis, an das Gerede über mich, als ich mich vor beinah sechzehn Jahren für einen neuen, anderen Weg entschied. Ich denke an all die Angst, die ich damals fühlte - und dass nur eine einzige Angst am stärksten war: die davor, wieder zurück zu müssen in das bisherige Leben.
Angst kann einen hindern, wenn sie sich bleiern an die Füße hängt.
Angst kann aber auch.. eine treibende Kraft sein. Die Kraft, sich frei zu machen und loszugehen.
Ich habe mich oft gefragt, was Menschen zueinander führt und was sie zusammenhält. Vor allem dann, wenn es alles mögliche sein muss - aber keine Liebe (mehr) ist.
Was hält uns dann?
Die Angst davor, wieder allein zu sein?
Die Angst davor, in finanzielle Notsituationen zu stürzen?
Die Angst davor, Kinder nicht mehr sehen zu dürfen, Angst vor dem emotionalen Unvermögen, ein über mitunter lange Jahre gewachsenes ganzes Konstrukt aus Familie und Freunden entflechten zu müssen und nicht zu wissen, was danach noch bleibt?
Die Angst vor den Tränen und dem Schmerz des anderen?
Die Angst vor einer ungewissen Zeit?
Zieht man es deshalb vor, in einer Beziehung zu bleiben, die uns nicht erfüllt, es vielleicht nie wirklich getan hat - oder darf ich mir diese Frage gar nicht stellen, darf ich sie mir gar nicht erlauben? Weil ich innerhalb einer Beziehung nicht mehr nur noch Verantwortung für mich habe, sondern auch für den Partner und auch die Kinder, so welche da sind?
Mittlerweile kenne ich so einige Beziehungen, die nur noch nach außen gehalten werden, in ihrem Inneren aber längst ein Nebenher geworden sind. Ich schaue darauf und erinnere mich an all die Nächte, in denen ich früher wach lag und mich ganz woanders hin wünschte. In denen ich nur diese Ahnung hatte, wie es sein könnte oder sein sollte - und wie ich mir immer wieder sagte "Das kannst du nicht bringen. Du hast doch Kinder. Und wer weiß, am Ende machst du dir wirklich nur was vor und dann hast du allen ganz umsonst weh getan."
Ich habe mir das so lange eingeredet, bis ich irgendwann erfuhr: Nein - du machst dir nichts vor, ganz im Gegenteil.
Und irgendwann danach bin ich gesprungen.
Ich habe es niemals auch nur eine einzige Sekunde bereut.
Ich habe immer nur gedacht: "Warum habe ich das nicht schon viel eher gemacht?"

Ich denke an die Menschen, die mir in den vergangenen sechzehn Jahren begegnet sind.
Virtuell und irgendwann auch real. Begegnungen, die oftmals schon mit dem geschriebenen Wort endeten. Oder nach einem gemeinsamen Kaffee. Manchmal nach einer gemeinsamen Nacht.
Weil ich irgendwie immer wieder neu auf der Suche war - mit dieser Idee in meinem Kopf, mit diesem Bild in meinem Kopf, wie es sich für mich anfühlen muss. Weil ich es jetzt wusste.
Keine Kompromisse mehr in den Herzdingen, die für mich wichtig sind. 
Warum eigentlich werden Menschen, denen die Herzdinge so wichtig sind, oftmals belächelt und für weltfremd gehalten, ganz im Gegensatz zu den Entscheidungen der Rationalen? Weil Herzdinge so wenig greifbar sind? Weil sie einer fixen Idee entspringen könnten, bar jeder Realität?
Und wenn nicht? Was, wenn nicht?

Nur.. Wieviel davon kann und darf man anderen Menschen mitgeben, auch wenn sie fragen? 
Wie oft darf man sie an ihren eigenen Traum vom Glück erinnern - und darf man das überhaupt? Beeinflusst man den anderen dann nicht doch zu sehr mit dem, was einen im Grunde selber treibt? 

„A friend is someone who knows the song in your heart and can sing it back to you, when you have forgotten the words.“

Ich mag diese Worte, die ich einst irgendwo las, so sehr. 
Und nun schaue ich hinaus in die Nacht und bin so froh, dass ich heute Nacht hier bin, hier zurückgelehnt liege, während die Welt um mich herum schon schläft. Ich bin so froh, nicht aufgegeben zu haben. Egal wie oft es mich zerrissen hat, der Zweifel, die Angst, die Unsicherheit. 
Es sind diese Jahre, die mich stärker werden ließen. Mit wenigen, aber sehr besonderen Menschen, die an mich glauben. 

Vergangene Woche habe ich meinen Sohn angeschaut, als er lächelte und sagte „Man kann es ja nur mit Humor nehmen, das Leben, sonst würde man ja verrückt werden. Und keine Hoffnung mehr haben.“
Mit einem Mal hatte ich dieses Gefühl, dass er gerade dabei ist, wieder zu seiner früheren inneren Stärke zurückzufinden. Auch wenn und trotzdem sein Weg sich gerade wieder ändert. Aber ich kann sie grad wieder fühlen, seine Zuversicht, seine Energie, die es ihm ermöglicht, immer wieder neu aufzustehen. 
Und so lächelte ich zurück: „Du bist wirklich mein Kind. Du kommst ganz nach mir. Und du kannst mir glauben, es lohnt sich, nicht aufzugeben.“