Montag, 27. Oktober 2014

Orrrr Mum!

Das ist so ein Standard-Ausruf, den ich in den beiden Tagen, die ich zurück in heimischen Gefilden bin, relativ oft höre.
So auch gestern, als ich pünktlich zur Kaffeezeit bei der Jugend ankam und danach lechzte, die bei meinem letzten Besuch kiloweise überlassenen italienischen Schokoladenkekse mit ihnen zu teilen und dabei entspannt die Beine hochzulegen.
Fail #1: Es waren keine Kekse mehr da - wie kann man auch glauben, dass nach 10 Tagen noch Kekse da seien?
Fail #2: Die Jugend war beschäftigt. Online beschäftigt. Onlinezocken beschäftigt.
Jeder lag in seinem Zimmer vor der Kiste und knechtete den Joystick derart, dass ich glaubte, mir flögen gleich ein paar Tasten um die Ohren: Kein Platz für Mum. Keine Zeit für Mum.
Na toll.
Aber ich bin ja jahrelang erprobt und weiß, wie ich mich auch allein beschäftigen kann: Küche aufräumen.
Was auch sonst.
Ich weiß zwar nicht, wieso ich kurz vor meinem Umzug noch einen Geschirrspüler kaufte - wenn sie ihn eh nicht benutzen.
Ich weiß auch nicht, wieso ich - auf Wunsch! - ein handgeschriebenes Rezeptbuch anlegte - wenn sie es eh nicht nutzen!
Ich frage mich immer so einiges, wenn ich mein einstiges Zuhause betrete.
Das frage ich übrigens nicht nur mich, sondern auch die Jugend. Mit stoischer Ruhe wiederhole ich an jedem Tag dieselben Fragen - in der Hoffnung, irgendwann möge es zwischen den Ohren hängenbleiben, bevors rechts rein und links wieder rauswandert. Anfangs erntete ich für meine Kommentare ein gleichmütiges Nicken "Hast ja recht". Dem Nicken folgte irgendwann ein "ich drehe meine Augen nach Norden".
Inzwischen ist es so, dass Junior I sich mit seinen ein Meter fünfundneunzig vor mir aufbaut, mich bedächtig mustert und spricht: "Mum, jedesmal, wenn du kommst, hast du eine andere Haarfarbe. Nur deine Sprüche, die sind immer gleich!"

P.S. Mein Haupthaar ist wieder dem - sehr nah an der Natur gegebenen - dunklen Farbton angepasst, weil ich feststellen musste, dass dieser hellere Ton zwar das Gesicht jünger.. äh.. freundlicher macht, aber nicht mehr zu den meisten meiner Klamotten passt. Ja, solche Sorgen kann Frau haben, wenn sie sonst nix zu tun hat. So wie putzen, Wäsche waschen oder das Bügelbrett reparieren!

Samstag, 25. Oktober 2014

Freitag, 24. Oktober 2014

Einfach so. Einfach so?

Könnte man sie doch nur konservieren... Diese Augenblicke... Nachmittage wie diese, in denen ich  es schon ahne, fühle, atme, schmecke... diese wunderbare Ruhe in mir... Es braucht so wenig, um sich wohlfühlen zu können. Ein warmes, duftiges Bad, ein schönes Kleid, lange Stiefel, Rouge auf den Wangen und natürlich die Musik... Meine kratzige Stimme aus Hessen meinte prompt "Ach, warste wieder autistisch unterwegs?" und ich musste lächeln, weil er im Grunde recht hat - und irgendwie auch wieder nicht. Als ich heut Abend aus dem Haus trat, umschmeichelte er mich bereits, der streichelzarte Herbstwind, trieb er spielerisch ein paar Blätter vor mir her, wuselte mir zärtlich durchs Haar. In der City kannst du es an jeder Ecke, in jeder Straße riechen und schmecken, den zarten Geruch nach Kaffee, den süßen Geruch nach Mandeln oder Kastanien aus dem Backofen, und auf der Zunge liegt der Geschmack von Zimt, in den Augen spiegelt sich das gedämpfte Licht der Laternen, aus den Läden, während sich über dir der samtige Abendhimmel spannt..
Ich bin langsam durch die Straßen gelaufen, die Hände locker in den Manteltaschen, die Beine fest auf der Erde, den Kopf leicht zurückgelegt, den Kopf in den Wolken...
Hier und da bin ich eingekehrt, und beinah jedes Gesicht, das mir begegnete, lächelte mich an.
Oh Gott, das war so wundervoll. 
Ich hörte nichts außer der Musik, aber ich sah soviel... Menschen, die miteinander redeten, lachten, sich an den Händen hielten. Kinder, die in ihren Wagen schliefen. Menschen, die aufeinander warteten. 
Ich lief durch die Straßen, scheinbar ziellos, scheinbar planlos, in der Hand einen Becher Kaffee, dessen Karamell meinen Sinnen schmeichelte. 
Und mit einem Mal erinnerte ich mich. Ich erinnerte mich an jenen Augenblick vor acht Jahren. Einige Wochen zuvor war ich mit meinem Auto schwer verunglückt, heilte der Körper schneller als die Seele. Doch mir war etwas geblieben, an das ich mich halten, an dem ich mich aufrichten konnte: die Musik. Es ist immer und immer wieder faszinierend für mich, wie unendlich viel Kraft ich daraus ziehen kann und dass es insbesondere die sanften, melancholischen Klänge sind, die es machen, dass ich immer und immer wieder aufsteh und weitergeh... Bis hinein in die Stadt, mitten auf den Marktplatz. Ein wunderschöner, sonniger Tag im September, meine Musik und ich, inmitten all der Menschen, und mit einem Mal breitete sich diese unendliche Ruhe in mir aus, diese Stille in mir, wie wenn du weißt, du bist angekommen, und ich schloss die Augen und breitete meine Arme aus, legte den Kopf zurück und fühlte die Wärme und das Licht der Sonne auf meinem Gesicht..
Ich weiß nicht wieso, ich weiß nicht woher - aber in diesem Moment wusste ich: "Das Leben ist wunderschön. Du fällst hin und du stehst wieder auf, jeden Morgen stehst du auf, schiebst den Vorhang zur Seite und begrüßt den Tag, weil du weißt: Egal welche, aber er bietet dir neue Möglichkeiten." Und in dieses so sichere Gefühl mischte sich die Stimme die Zuversicht, die mich umarmte, so wie die Sonne, und die mich fühlen ließ "Es wird etwas Wundervolles passieren. Nicht heute, nicht morgen, aber es wird etwas ganz Wunderbares passieren." Kaum je zuvor oder danach habe ich mich so stark, so unbezwingbar, so fest und sicher gefühlt.  Als ich am Abend zu Hause war, habe ich mich in meine Kissen zurückgezogen und ich hatte geweint... Die Trauer um das Vergangene, um das Erlebte, um den Verlust - und die Erleichterung ob der Zuversicht..

 

Heute Abend war es wieder da: dieses unbändige Gefühl von Sicherheit, von Zuversicht, von unfassbar tiefer Ruhe in mir, die nicht beschreiben kann, woher sie kommt - und doch ist es da, hakt sich bei mir unter und nimmt einen Schluck von meinem Kaffee....

Heute Abend, als ich aus der U-Bahn stieg, sah ich für einen Moment mein Spiegelbild - und ich sah, dass ich die ganze Zeit lächelte. Einfach so. Einfach so?


Donnerstag, 23. Oktober 2014

Szenen einer Partnerschaft

22.45 Uhr - Er: "Kommst du endlich ins Bett? Was machst du denn noch so lange?"
22.45 Uhr - Sie: "Na Zähne putzen!" (und zwei FB-Grüße versenden, E-Mail-Status checken, Blog-Status checken auf neue Posts meiner Lieblingsblogs, Frau von Welt kann doch schließlich nicht uninformiert zu Bett gehen, auch wenn das Beantworten einiger Mails bis morgen warten muss.)
23.05 Uhr - Er (seufzend löscht er das Licht): "In unserem Alter brauchen wir unseren Schlaf."
Sie - sagt gar nichts - sie lacht.
Er (pikiert): "Ich fühle mich nicht gut damit, dass du mich auslachst."
Sie (höchst amüsiert): "Ich lach dich doch nicht aus."
Er (immer noch pikiert): "Erzähl mir jetzt nicht, dass du mich anlachst."
Sie (lachend): "Liebster, wenn du schon nicht sehen kannst, dass ich dich anlache, dann musst du es doch wenigstens hören!"

Dienstag, 21. Oktober 2014

Auf die Frage, wie es mir denn hier geht

...antworte ich meist: "Gut! Wirklich gut! Besser als gedacht!" - und ich meine das auch so.
Wohl auch dem Umstand geschuldet, dass ich mich hier im Home Office in einer sicheren, bekannten Welt bewege, mich nicht von früh bis abends mit fremden anderen Menschen auseinandersetzen muss und abends müde & geschafft nach Hause krieche; dass mir hier genug Zeit für mich selbst bleibt und somit die Abende mit den gelben Seiten ausgiebig genießen kann.
Ich sage das also nicht nur so dahin, zumindest bei den meisten Fragern nicht, weil ich bei denen weiß, dass sie es ehrlich interessiert.
Auf die Frage, wie es mir denn mit der Jugend geht, versuche ich hingegen meist, auf die widrigen Umstände ihres neuen Lebens hinzuweisen: Weil es mich in die Lage bringt, Dinge aufs Korn zu nehmen, im Nachhinein sogar darüber zu lachen - und mich diese Art eines Galgenhumors davon ablenkt, dass mir die beiden... einfach wahnsinnig fehlen.

Natürlich fehlt mir nicht, dass ich jeden Abend Essen zubereitete und am Ende allein die Wäsche wusch, trocknete, bügelte, die Wohnung in Ordnung hielt und mich auch um den Papierkram kümmerte.
Mir fehlt nicht, dass ich jeden Abend die Jungs an die Wohnungstür zitierte, weil die Schuhe quer davorstanden, obwohl wir ein Schuhregal dastehen haben.
Mir fehlt nicht, dass die Handtücher nach Benutzung zusammengeknüllt auf dem Fußboden lagen.
Mir fehlt nicht, dass niemand den Müll wegbrachte, auch dann nicht, wenn ich ihn gekonnt so an die Wohnungstür stellte, dass sie erst umständlich drüber wegsteigen mussten, um aus dem Haus zu kommen (Sie haben ihn in der Regel mit dem Fuß zur Seite geschoben. Ganz emotionslos.)
Mir fehlt auch nicht, dass ich in Taschen oder unter den Betten Essensreste fand, denen inzwischen Arme & Beine gewachsen waren und damit nur noch darauf warteten, standesamtlich und damit namentlich als Zuwachs im Register der Stadt M. aufzutauchen.

Dennoch hat mein Lebensmodell nicht vorgesehen, die Jugend schon mit 18 Jahren zurückzulassen.
Wenn sie selber gingen, OK, ihre Entscheidung, damit könnte ich echt gut leben. Aber selber gehen? Das Kind zurücklassen, das trotz allem Testosterons noch nicht ganz nestflüggebereit ist?
Wäre ich nicht fortgegangen, hätte ich mir vermutlich über kurz oder lang eh eine eigene Wohnung genommen, vermutlich in der Innenstadt (war eh immer so bisschen mein geheimer Wunsch). Unterm Strich wäre das nämlich bezahlbarer gewesen, als für alle drei jeweils eine Wohnung zu finden.
Man könnte sich nach der Arbeit in der Stadt treffen, was essen gehen oder was trinken.
Sie könnten an Wochenenden auf einen Kaffee vorbeikommen (Eintritt nur ohne Wäschesack gestattet), man könnte zusammen ratschen oder auch  gemeinsam shoppen gehen.
Wir wären... zusammen - auch mit ein wenig Sicherheitsabstand zwischen uns.
Und das fehlt mir.
Sie fehlen mir.
Sie fehlen mir sehr.
Im heutigen kurzen Chat mit der kratzigen Stimme aus Hessen überfiel mich diese Sehnsucht so bewusst und so überraschend heftig, dass ich den Chat abbrechen und meine Arbeit unterbrechen musste.
Auch jetzt, wo ich hier schreibe, meine Emotionen herauslassen MUSS, habe ich mich noch nicht wieder ganz beruhigt, auch wenn ich mich schon mindestens zehnmal zur Ordnung gerufen habe.
"Ist doch normal, geht vielen Eltern so", schrieb Hessen.
Menno, das weiß ich. Mir aber grad egal, dass es vielen Eltern auch so geht.

Montag, 20. Oktober 2014

"Das Wichtigste im Leben sind die Spuren, die wir hinterlassen, wenn wir gehen."


Der alte Herr und seine Frauen

Als der Opa um seinen 90. Geburtstag herum seiner 4. Lebensgefährtin begegnete, da hab ich mich für ihn gefreut. Sie war etwa zehn Jahre jünger als er, noch völlig lebensfroh, sie ging wie der Opa begeistert in die Oper oder ging mit ihm auf Reisen.
Ich mochte es, diese beiden miteinander zu sehen, wie sie sich an den Händen hielten und vorsichtig über den Gehweg tippelten.
Mit den Jahren häuften sich die gelben Memos an seiner Schrankwand, in der Küche, im Badezimmer.
Zuletzt hing selbst ein Memo mit seinem Namen und seinen Geburtsdaten an der Schrankwand. Wie er sein Telefon bedienen sollte, vergaß er immer öfter, das kleine Notizbuch auf dem Tisch genügte irgendwann nicht mehr, um zu wissen, wie er dem Tag begegnen sollte und ob es da nicht noch etwas gäbe, das man von ihm erwartete, das er tun sollte - oder auch nicht.
Die Margarine fand man in der Waschmaschine, die Schrauben im Tiefkühler.
Der Familie sind diese Veränderungen eher aufgefallen als ihr.
Die Familie hat diese Veränderungen eher angenommen als sie.
Wenn sie da war, hing er an ihren Lippen, verließ er sich völlig auf sie.

Zwei seiner Frauen sind an Krebs gestorben, eine Frau verlor er durch die Alzheimer-Erkrankung.
Nun ist er mit seinen 97 Jahren in einem Alter, wo mir nicht ganz klar war, wie er es verkraften würde, auch die vierte Frau zu verlieren - und irgendwie ging ich auch davon aus, dass dies ihm erspart bleiben würde.
Sie wirkte so... kraftvoll. So jung irgendwie und überhaupt so lebensfroh.

Im September haben sie sich noch einmal gesehen.
"Sie haben sich gefreut wie kleine Kinder", hieß es, und es gibt zwei Fotos, die sie beide zeigen, wie sie glücklich in die Kamera lächeln.
Eine Woche später ist sie gestorben, Diagnose Lungenkrebs mit Metastasen im Hirn, während er schon nicht mehr wusste, dass er überhaupt bei ihr war.

Quelle Bild: http://www.abschied.org/images/Abschied-nehmen.jpg

Manchmal, so wie jetzt, lümmel ich auf dem Sofa, im Schneidersitz, den Laptop auf den Knien. Dann schau ich hinaus auf die Bäume vor dem Haus, von denen ein Blatt nach dem anderen von den Bäumen fällt, die der Wind vor sich hertreibt.
Dann möchte ich gar nichts sagen, denken, hören.
Dann möchte ich nur die Gedanken treiben lassen und tief in mich hineinfühlen.
Dann denke ich an den Opa, dass er vielleicht gerade wieder die Krähen auf dem Dach beobachtet, und dann frag ich mich, was das Leben noch alles so bereithält.  Und ob es nicht besser wäre, weniger zu denken und dafür mehr zu leben.

Freitag, 17. Oktober 2014

Starke Frauen! Oder... kräftige Frauen?

Memo an mich selbst:
Die Zeiten, in denen ich eine Coca-Cola-Flasche mit den Beinen zerdrücken konnte, sind vorbei.
Die Zeiten, in denen ich einen Kaffee-Becher mit den Beinen zerdrücken kann, NICHT!


Ich entschuldige mich übrigens für die beschissene Bildqualität, aber Autofahren, Musik hören, mitsingen, Kaffeetrinken, Kaffee halten UND dann auch noch fotografieren - das kann frau ja eigentlich nicht bringen, aber... Na ja, "eigentlich" gibts ja eh nicht *hä hä*

Dienstag, 14. Oktober 2014

Heimweh...


..und so lagen sie ermattet, ermüdet, mit dem salzigen Geschmack des Meeres auf der Zunge, dem Sand in den Haaren unter jenem rosafarbenen Tuch, die Gedanken trieben dahin, ließen sich tragen vom auflandigen Wind, der das Murmeln der Wellen zu ihnen trug...


Der Tag trieb dahin, gleichmütig und doch auf wundervolle Weise angefüllt mit den Gedanken und Empfindungen, die sie überkamen beim Entdecken dieses herrlichen Fleckens Erde, den Einheimischen mit ihrem breiten, ruhigen Dialekt, ihren kleinen Häuschen unter den reetgedeckten Dächern und den liebevoll gestalteten Gärten, oftmals wie verwunschen mit ihren wild wachsenden Lupinen, dem Mohn und all den Beerensträuchern, deren Früchte bereits den vollmundigen Geschmack entwickelt hatten...
(c) Helma Ziggenheimer

Montag, 13. Oktober 2014

Im Schmerz geboren

Glücklicherweise ist der Geschmack ja verschiedentlich. Schön finde ich ja, wenn dann für jeden Geschmack etwas dabei ist. Mehr oder weniger.
Wenn man sich jedoch das TV-Programm anschaut, möchte man immer mehr eigentlich nur weinen: Ich schau ja gerne so Dokus, Reportagen und so, vorzugsweise auf ZDFneo oder ARTE von mir aus oder auch den Dritten. Aber gerne nehme ich auch mal etwas oberflächlicher, denn immer nur intensiv und schöngeistig und so weiter wäre mir dann doch auf Dauer zu anstrengend. Man muss ja auch mal abschalten können! Im schlimmsten Fall den TV!
Gestern Abend konnten wir uns nicht recht entscheiden: Schauen wir "Der Beweis" (ein Film über einen kranken Mann, der ein paar Jahre mit seiner Tochter zusammen lebt und beide sind mathematisch hochbegabt) - oder den guten alten Tatort?
Wir begannen mit dem Beweis, und den so einigen schlechten Kritiken musste ich beipflichten: Der Funke sprang einfach nicht über, trotz eines klasse Anthony Hopkins, den ich sonst eigentlich sehr gern sehe. Aber es zündete irgendwie einfach nicht, quälte sich bereits in den ersten Minuten dahin, so dass wir schon in der ersten Werbepause mal zum Tatort zappten - und dann dort hängenblieben.
Erste Rezensionen gabs dann auch schon hier:
http://web.de/magazine/unterhaltung/tv-film/tatort/tatort-schmerz-geboren-krimi-stern-30128350
doch ich muss sagen, dieser Meinung kann ich mich so gar nicht anschließen und zum "besten Tatort des Jahres" würde ich den Film gleich gar nicht nominieren.
Mal abgesehen davon, dass dieser Film die reinste Blutdurst darstellte (was ich persönlich zutiefst ablehne), einer nach dem anderen das Zeitliche segnete, kaum dass er zwei Minuten über die Leinwand stolziert war, war der ganze Film in beinah jeder Szene so vorhersehbar - und vor allem albern. Wer den Tatort auch sah: Oder wie würdet Ihr die Szene beschreiben, in der Harloff sein rotes Lichtchen spielen lässt und Bosco staunend zusieht, obwohl jeder Mensch weiß, dass dieses Licht das Infrarot einer Waffe darstellt? Nö, Bosco bleibt stehen und staunt und wundert sich - und wartet wie ein ahnungsloses Lämmchen auf den Schuss direkt ins Herz.
Auch nicht aufgeklärt wurde meines Erachtens die Frage: Der Sohnemann sagte, er sei im Dezember 1989 geboren und der Murot meint: "Dann kann ich nicht dein Vater sein, eine zweijährige Schwangerschaft wäre dann doch ziemlich lang." Hat Harloff seinem Sohn also ein Jahr abgeschwindelt und war der nun in Wirklichkeit ein Jahr älter - oder wars einfach nur eine dramaturgische Schlappe? Könnte mich da mal jemand aufklären, bitte?
Was ich auch ausgesprochen sinnlos, unnötig und vollkommen unrealistisch fand, war das gegenseitige Abschießen vorm Casino. Es erinnerte mich eher an die Schlachten von anno dazumal, wo sie aufeinander losgingen: Wohl dem, der nicht in der vordersten Reihe steht und der übrigbleibt.
Bin ich Banause, dass sich mir absolut nicht erschließen will, was hieran Kunst gewesen sein soll?
Ich zitiere mal:
"Lebten die bisherigen Murot-Krimis von einer heiteren bis dunklen Absurdität, kann man diesen Kunstkrimi als überaus spannend bezeichnen. Mit 47 Leichen stellt er zudem einen neuen "Tatort"-Totenrekord auf." 
Wo war da Kunst, bitte schön? Mal abgesehen davon, dass in der Realität so ein sinnloses Geballer mitten in der Stadt niemals stattfinden würde: Worin sehen die Leute die Kunst, dass Menschen reihenweise ins Jenseits befördert werden?
Weil sich hier vielerlei anderer Filmsequenzen bedient und diese zu einem Ganzen zusammengefügt worden sein sollen?
Ich fand es einfach nur abscheulich, wirklich. Spannung entsteht für mich nicht dadurch, dass ich Leute reihenweise dezimiere. Gibts jetzt auch neue Wettbewerbe: Wer hat die meisten Toten?
Hat da jemand gekifft oder wurde er für eine positive Rezension ordentlich bezahlt? Oder waren wir womöglich doch in verschiedenen Filmen?
Ich weiß es nicht - ich weiß es nicht; die einen sagen so, die ander'n sagen so.

Sonntag, 12. Oktober 2014

Und dann...


 

...sitze ich hier am bodentiefen Fenster, die Arme um die Knie geschlungen und ich schaue hinaus... Erkenne wieder... Bin ganz still. Und in Gedanken ganz woanders.

Samstag, 11. Oktober 2014

Wieder hier - mit Gebrüll

Woohoouuu, das nenne ich doch mal einen Tag! Haben wir uns heute am frühen Morgen auf den Weg nach Hause gemacht und stelle ich fest, dass es  in Italien noch in Österreich (jedenfalls  auf unserer Einflugschneise) an WC-Häuschen mangelt und wir darum (und ich schwör, ich bin eigentlich ein Gegner dessen! Aber wenn irgendwann der Angstschweiß größer ist als das, was die Blase noch hergeben würde, wenn man ihren Drang zu lange missachtet hatte) ins Wäldchen abrückten, ich dann beim ersten Blick nach unten feststelle, dass ich soeben sorgsam auf eine blankgeleckte Wirbelsäule gepieselt habe, DANN spätestens begreife ich: Dies wird kein normaler Rückreisetag. Wieso auch. Normal ist eh selten bei mir. Oder anders gesagt: Irgendwas ist schließlich immer.
Jedenfalls habe ich beim Entdecken dieser sterblichen Überreste im Waldboden einen ordentlichen Satz gemacht und noch bevor ich mit angstgeweiteten Augen nach den gelben Seiten schreien, nein, fiepen konnte, entdeckte ich auch schon den blankgeleckten Schädel.
Ich meine, Waidmanns Horst wirds vermutlich sowieso schon allein an der brachliegenden Wirbelsäule und den daneben liegenden Knochen gesehen haben, dass es sich hier nicht um menschliche Überreste handelte, sondern eher um ein Reh - aber hey, ich als Stadtkind bin froh, dass ich weiß, dass das Ei aus der Henne kommt und nicht aus dem Zauberland oder wenigstens vom Osterhasen.
Die gelben Seiten haben ergo nur von der Entfernung geguckt und gewunken: "Ja is vermutlich nur ein Reh."
Pffff. Vermutlich. Was ist hier schon vermutlich! Ein bisschen mehr Anteilnahme hätte es für mein Empfinden schon geben dürfen. Immerhin pinkelt man auch nicht alle Tage auf ein fast vollständiges Skelett, auch wenn es halb verborgen unter Moos und so lag.
Ja und dann haben wir es ohne großes Aufheben glücklich bis nach Hause geschafft und so ein bisschen Kichern konnte ich mir dann doch nicht verkneifen angesichts der Taschen, Tüten und Körbe, die wir da aus Schneeflöckchen herauszauberten. Wir waren eine Woche weg. Eine magere Woche. Ich mag mir gar nicht ausmalen, was passiert, wenn wir mal auf Weltreise gehen. Vermutlich muss ich mir einen extra Groschen ansparen, der es mir ermöglicht, unsere Kleiderschränke, den Inhalt unseres Küchenschrankes und auch all dieses Equipment für Haut & Haar (nicht nur für mich, ich wills nur mal gesagt haben!) an den jeweiligen Zielort vorauszuschicken.
Ich war dann auch wirklich froh und glücklich und so, wieder daheim zu sein. Wer nicht nur weiß, was Reiseobstipation bedeutet, sondern dies auch selber kennt, der weiß, dass es nicht allein das Heimweh war, das mir da in der Tat echte Schmerzen bereitete. Getreu einem Hausmittelchen haben wir frische Pflaumen püriert und auch frischen Ingwer dazugetan (das heißt, die gelben Seiten habens püriert, ich habs dafür gegessen), aber Wirkung gezeigt hat es bis dato nicht. Auch der nachgesetzte frische Kaffee versagte seinen sonst IMMER erfolgreichen Dienst.
Zog ich also mit weißer Fahne ins Badezimmer ein, doch mit dem Entspannungsbad hatten wir uns das  irgendwie dann doch ein wenig anders vorgestellt: Aus dem Wadenbeißer aus dem Haus gegenüber sinds inzwischen drei geworden, drei unterschiedlicher Größe und Stimmlage, und diese drei kläfften sich seit Nachmittag die Kehle wund. So arg und so ununterbrochen, dass irgendwann sämtliche Nachbarn der Straße (inklusive uns) an Fenstern oder auf der Straße standen und einige von denen (inklusive uns) die Polizei riefen: "Guckense doch mal im Erdgeschoss Mitte, da steht die Balkontür sperrangelweit offen und die Hunde rennen hin und her und kläffen wie verrückt. Nicht dass da jemand liegt."
Nee. Gelegen hat da nichts, außer vermutlich ein bisschen Hundekacke.
Das Herrchen traf dann auch zeitgleich mit den blauen Freunden ein (grün sind se ja nich mehr), und nun is endlich wieder Stille im Viertel. Nun kann der Abend vielleicht doch noch entspannt werden.
Inzwischen habe ich sogar wieder Hunger. Auch wenn  das Hausmittelchen immer noch nicht gewirkt hat. Egal, tun wir einfach noch was obendrauf.

Dienstag, 7. Oktober 2014

Its a test

...und wenn das jetzt klappt, wonach es momentan schwer aussieht, dann geht mein herzlicher Dank an Bohli (das Verlinken via Handy krieg ich nun noch nicht gleich hin ;)) und der Klaps vor die eigene Stirn, dass ich nicht von allein drauf gekommen bin, vielleicht ja einfach nur mal die App zu aktualisieren... 





Montag, 6. Oktober 2014

Weiß jemand vielleicht...

...wie man via iphone ein bild in den post einfügt? Bei mir gehts einfach nicht, jedesmal hängt sich komplett alles auf und das liegt definitiv nicht am schwachen italienischen Netz. Daheim gehts nämlich auch nicht, aber ich weiß, dass manche übers iphone bloggen - mit Bild! Was haben die, das ich nicht hab?!??

Sonntag, 5. Oktober 2014

Und es gibt sie immer noch

...die Deutschen mit dem hohen Wiedererkennungswert: Sie ungeschminkt und blondgefärbter Dauerwelle, in Streifenshirt passend zum Partner und unpassend zur Figur, in bequemen Shorts - und dazu der Mann aus der Brustbeutelfraktion.
Ja ich weiß, lästern ist mies, aber das fiel mir heute beim Schlendern entlang des Gardasees förmlich auf. So wie die Tatsache, dass die italienischen Frauen genauso gefärbt, dauergewellt und gut genährt,    aber immer, einfach immer schick angezogen sind. Frei nach dem Motto: "Wenn ich mir schon auf dem Weg hoch zur Burg auf dem Kopfsteinpflaster in Stilettos den Hals breche, will ich wenigstens gut dabei aussehen!"
Also geriet ich kurz in Überlegungen, für den morgigen Ausflug es den Italienerinnen gleichzutun. Geht ja immerhin nicht auf eine Burg. Dennoch genügte der heutige Spaziergang in Ballerinas, einen solchen Schmerz im Zeh zu verursachen, dass ich selbst für die nur zwei Etagen zur heimischen Schlafstatt den Lift wählte. Verzweifelt zog ich derart am Zeh, dass es knackte - und siehe da: Der Schmerz war schlagartig weg. Na das nenne ich doch mal Ziggenheimersche Knochenbrecherkunst!
Schade nur, dass diese Künste bei den gelben  Seiten versagen: Den Abend verbring ich allein, weil er mit den Hühnern zu Bett geht. Nachts bin ich aber auch alleine, weil er jetzt abwechselnd schnarcht und schneuzt und mich nicht stören will.
Habe ich mir gestern also Schokolade gekauft.
"Aha?" sprach der Mann.
"Gier nach Süßem symbolisiert Gier nach Liebe", belehrte ich ihn mit Gelesenem und warf die Tüte in den Einkaufskorb mit den Worten: "Bei mir symbolisiert es Kummerspeck."

Samstag, 4. Oktober 2014

Auf und davon

...und dann sind wir heut einfach an den Gardasee gefahren. In das Land der wunderhübschen Zypressen und Olivenbäume. Es ist noch warm genug für dünne Kleidchen und nackte Beine, es ist wunderbar sonnig und ich bin müde nach der Fahrt - aber glücklich.
Eine Woche Seele baumeln lassen, leckeres Essen mit Fisch, Muscheln und Wein, sieben Tage voller Leichtigkeit. Und diesmal bin ich die ganze Strecke allein gefahren, die gelben Seiten haben die Landschaft bewundert, kurze Nickerchen gemacht oder das Taschentuch hervorgeholt: Ja, ihn hats erwischt. Ihn - den Sportler mit dem unbezwingbaren Immunsystem, ja ja.
Und ich bin auch ein bisschen stolz auf mich. In fremde Großstädte zu fahren ist fast ein no go für mich: Ich hab Schiss, sobald ich mehr als zwei Straßen und zwei Abfahrten vor mir seh. Mit Navi ok, solange sich die Straße nicht vierteilt und die Miss rechtzeitig sagt, wos langgeht. Tut sie aber nicht immer und dann werde ich nervös.
Jetzt bin ich durch Ösiland nach Italien gefahren - Premiere! Und es ging vor allem alles gut! Darauf gleich ein Vino, soeben fix noch eingekauft.
Was mir übrigens nicht in den Korb kam, waren Tagliatelle. Aus Gründen!
Ist übrigens mein allererster Post vom Handy aus. Grundgütiger, wie mühselig. Aber wat mutt... Dat mutt. Prost.

Freitag, 3. Oktober 2014

Nicht nur die Wahrheit liegt im Wein

Heute Abend lag vor allem eines in meinem Glas Weißwein: meine Rettung.
Heute Abend waren wir zu dritt in dieser Ausstellung der Körperwelten, und während die gelben Seiten draußen in der Sonne spazierten und sich in ein Café setzten, sahen wir uns alles aus der Nähe an.
Also eins muss ich wirklich sagen: Man vergisst völlig, dass es sich um echte Menschen handelt, dass man tatsächlich echte Menschen vor sich hat. Die mal gelebt, geliebt, gelacht haben. Sie sind derart konserviert und plastiniert, dass man tatsächlich glaubt, es seien Wachsfiguren.
Und die meisten sind auch hinter Glas gesteckt.
Es war nicht zu kalt, es war nicht zu warm, auch lagen keine besonderen oder merkwürdigen Gerüche in der Luft - aber irgendwie wars einfach zu voll. Inbesondere zu Beginn der Ausstellung, wo die Geschichte der Entstehung beginnt. Mit den Föten und Embryonen. Alles drängt sich um die kleinen Kästen, jeder will alles ganz genau sehen...
Und ich habe es gesehen. Ende 6., Anfang 7. Woche. Hier, unter Glas und unter dem zielgerichteten grellen Lichtstrahl konnte ich es sehen. Ein Winzling, kaum größer als fünf Millimeter, und dennoch ließen sich schon die Ansätze der Arme und Beine erkennen.
Es ist nicht das, was ich gesehen habe, damals, vor etlichen Jahren - doch damals war es auch keine Situation wie heute. Damals stand ich im Badezimmer, die Hände voller Blut, ich habe gezittert wie verrückt, aber geweint habe ich erst viel viel später. Ich glaube auch, dass der eigene Geist einen Selbstschutz aktivieren kann, der verhindert, dass man Dinge bewusst sieht und erfasst, die man nicht verarbeiten kann. Jedenfalls nicht sofort.
Es ist nicht "nur ein kleiner Zellhaufen", wie die Ärztin damals sagte, aber irgendwie.. habe ich dennoch heute.. Ich weiß auch nicht, vielleicht sowas wie meinen Frieden gefunden?
Ja und sonst... Mir ist aufgefallen, dass die meisten Exponate männlich waren. Und irgendwie... war es mir am Ende fast ein wenig zuviel. Ich meine, wenn man eine ganze Person so sieht, mit Skelett, Muskulatur und Nervenbahnen - dann genügt es auch, finde ich. Ich muss das nicht alles in verschiedenen Stellungen sehen: den Skispringer, drei Leute, die Skat spielen und von denen sich zwei unterm Tisch mit den Zehen die Karte zuspielen; dann die zwei, von denen der eine den anderen wiederbelebt - na ja und so weiter.
Da fand ich eher interessanter der Magen mit dem Geschwür (aha, so sah das also mal bei mir aus!), die Niere mit der Zyste, die Raucherlunge. Wenn man so etwas "live und in Farbe" sieht, bekommt es - glaube ich - doch ein ganz anderes Gewicht. Ob ich doch mal versuchen sollte, mit meinen Söhnen da noch mal reinzugehen? Ob Junior I dann diese scheiß Qualmerei lässt? Wer 20 Zigaretten am Tag raucht, trinkt pro Jahr eine Tasse Teer. Habe ich dort gelesen. Junior würde sagen: "Aber ich rauch ja gar keine 20 Zigaretten" und ich würde sagen: "Ob halb oder ganz voll, Teer ist Teer und so sieht deine Lunge jetzt aus." Doch, ich glaub, ich zeig ihm das mal. Die waren ja schon mal in unserer Stadt, die kommen bestimmt noch mal dahin. Oder wenigstens in die Nähe.
Also schlecht geworden oder so ist mir da drinnen gar nicht.
Das kam dann erst, als wir anschließend zum Italiener gingen. Hach, was freuten wir uns auf Pizza und Nudeln! Allerdings registrierte ich erst beim dritten Happen, dass die Wahl der Tagliatelle nicht die beste Wahl war, wo ich doch erst einige Minuten zuvor die Gedärme gesehen hatte, die ähnlich herunterhingen wie die Nudeln an meiner Gabel...
Ganz ehrlich? Ich habe gewürgt an den Nudeln. Versucht, meine Aufmerksamkeit woandershin zu richten. An was Schönes zu denken. An Mehl und Eier. An die Pizza der gelben Seiten. Dem Pizzabäcker beim Zubereiten zusehen. Die Pizza bedauern, die er in den Müll warf, weil er die falsche gebacken hatte. Sogar an den Sex mit den gelben Seiten wollte ich denken - aber es hat mir alles nicht geholfen.
Es war der Weißwein, der mir half, den Würgereiz im wahrsten Sinne des Wortes runterzuschlucken.
Mein Fazit: Die Ausstellung war wirklich interessant, für mich persönlich auch eine Hilfe - nur essen gehe ich danach nicht gleich noch mal. Ein Käffchen genügt. Oder vielleicht ein Crepe dazu. Mit weißer Sahne. Ja. Das geht.