Montag, 29. Februar 2016

Kotzkrämpfe

Seit ein paar Tagen gärt noch ein anderes Thema in mir, aber ich weiß nicht recht, wie ich es "anfassen" soll. Heute Morgen, bei einem Beitrag auf Phoenix, geriet ich ins Brodeln. Und nun, nach dem Lesen eines Posts bei Frau Haessy, da sprudeln Gedanken und Emotionen über - und ich muss aufpassen, was ich sage, wie ich was sage...

Vor ein paar Tagen fragte mich mein Kollege: "Hast du von dem Brand im Flüchtlingsheim in Bautzen gehört?" Nein, hatte ich nicht. Noch nicht. Weil ich eben seit einigen Monaten Medien meide bzw. genau selektiere, was ich lesen möchte und was nicht.
"Da sprachen die vom Mob in Bautzen, der das Flüchtlingsheim belagerte und dann johlend abfackelte."
Er beugte sich vor und sagte: "Soll ich dir mal sagen, was der Mob war? Drei Halbstarke, drei, die noch betrunken waren. Ob die das angezündet hatten, weiß man nicht mal. Die haben aber da gestanden und gejohlt. DREI! Und das ist jetzt der Mob von Bautzen?"
"Woher weißt du das?" fragte ich und er sagte: "Weil ich nur ein paar Meter weiter weg wohne!"
Und dann fügte er hinzu: "Es ist eine totale Sauerei, wenn sowas passiert! Aber weißt du, was mich am meisten ankotzt? Dass es sofort in den Medien hieß: Das war der Mob, alle Sachsen sind fremdenfeindlich, alle Sachsen sind braun!"
Ähnliches stieg mir heute Morgen auf, als ich eher zufällig bei Phoenix bzw. "Augstein & Blome" hängenblieb. Ein verbaler, inszenierter Schlagabtausch über aktuell politische Themen. Und wenn er auch ironisch gemeint, sich als Satire verstanden wissen will (erkenne ich Satire, wenn sie mir ins Gesicht springt?) - so bleiben doch Ansätze, Gedanken und allem voran Vorbehalte hängen: Vorbehalte gegen den Osten und zeitmomentan ganz konkret gegen Sachsen.


Ich habe länger darüber nachgedacht, ob ich dieses Video hier einfügen möchte oder nicht, ob ich die subtil oder direkt übermittelten Vorbehalte weiter verstreuen möchte. Ob ich eine subtile Wahlveranstaltung á la Linke vs. CDU oder wer auch immer gegen wen in meinem Blog zulassen möchte.
Ungeachtet dessen kommt mir das Mittagessen von vorgestern hoch, wenn ich diese Argumente höre. Als ob der Osten und hier speziell die Sachsen "hohl in der Birne" seien, die man ja mit und nach der Wende vernachlässigt habe, weil man sich einfach nicht interessierte. Dass man sich ja jetzt um sie kümmern müsse, weil man sie als ein Bundesland Deutschlands ja nicht einfach so rauskicken könne. Als ob das kackbraune Sachsen all das Geschehen damit rechtfertigen wolle, was mit und nach der Wende mit den Menschen und ihren Jobs passiert sei. Mit ihrer Kindheit.
Ist Sachsen tatsächlich hier das Thema?
Ist Sachsen hier tatsächlich das Problem?
Nein verdammt noch mal!
Dass die AfD mit all ihren Anhängern einen so unfassbaren Zulauf bekommen hat, einen solchen Auftrieb, das ist doch nicht mit den Menschen in Sachsen begründet! Es hat so unendlich viele Stimmen in GANZ Deutschland gegeben, die angesichts der Tausenden Flüchtlinge, die Woche für Woche kamen, sagten: "Mein Gott, helfen ja, aber ihr müsst doch einen Plan haben, wie!?" - und den gab es verdammt noch mal nicht! Den gibt es ja jetzt immer noch nicht - will man Angela Merkel in ihrem Gespräch mit Anne Will glauben. Verantwortung für Menschen auf der Flucht zu übernehmen heißt doch aber nicht, sie auf engsten Raum ohne Privat- und Intimsphäre  in Turnhallen oder Zeltstädte zu pferchen und sie dann monatelang sich selber zu überlassen? Sie tagelang anstehen lassen nach Kleidung, Nahrung und vor allem Dokumenten? Sie hierherkommen lassen und ganz überrascht tun, dass es ja doch so viele geworden sind? Sie erst mal alle "aufsammeln" und schauen, wohin die Reise gehen könnte? Und dann, ein paar Monate später überlegen, wie man einen Teil derer wieder los wird und die Neuen gar nicht erst ankommen lässt? Dass man überlegt, wie man jetzt Europas Grenzen "sichert"?
Für die "Neuen" habe ich dann also nicht die Verantwortung, sie vor Krieg und Elend zu bewahren? Die stecke ich dann weiter fleißig in irgendwelche Notlager in der Türkei oder in Griechenland, während ich mich weiterhin genauso fleißig bereichere, indem ich alles, was geht, an Kampfmitteln allein in den Nahen Osten und Nordafrika für rund 1,4 Milliarden Euro verkaufe?? Ich meine, es ist doch sehr schwer vorstellbar, dass Deutschland auf über 6 Milliarden Euro verzichten wird, die sie allein 2014 für diese Exporte nach ganz Europa bekamen?
Oder was konkret meint Miss Merkel, wenn sie erklärt, dass man die Fluchtursachen bekämpfen muss? Meint sie damit, gegen die Geschäfte der Schlepper vorzugehen? Meint sie damit, die Menschen aus dem Meer und aus den Schlauchbooten zu fischen und entweder nach Hause oder nach Italien oder Griechenland zu bringen?
Mich wundert indes gar nicht, dass die Länder östlich Deutschlands sich nicht an diesem heillosen Chaos und Durcheinander beteiligen wollen. Dass der slowakische Ministerpräsident sagt: "Deutschland verhält sich wie jemand, der sich alle möglichen Gäste eingeladen hat und dann überfordert zum Nachbarn geht, dort an der Tür klingelt und sagt: Kannste mir mal paar Gäste abnehmen, mir wirds zuviel?"
Und wir Deutschen? Wir stehen da und gucken zu. Fragen uns, was da mit all den Menschen passiert, die zu uns kommen und um die wir uns ja ach so dolle kümmern müssen. Einen Scheiß machen wir! Einen Scheiß! Für mich ist das ein Pseudo-Akt, für mich steht einfach nichts Ehrliches der Politik dahinter! Und ich kann mir gut vorstellen, dass nicht nur ich das so empfinde. Und dann wundern sich der feiste Gabriel & Co., dass die Leute sich bekloppt machen lassen? Ganz egal, ob sie aus NRW, Meck-Pomm oder Sachsen kommen? Dann faltet Gabriel seine Hände vor dem Bauch und findet, dass das alles ganz und gar unmenschlich sei und absolut nicht ginge, was da und dort in Sachsen passierte? Man müsse nun und man werde nun? Auf gegen den Kampf des Braunen in Sachsen!?
Mir kommts hoch, wirklich.
Wenn man nur wirklich mal an der faulen, stinkenden Wurzel anpacken würde, anstatt gleich ein ganzes Bundesland an den Medienpranger zu stellen. Dann hätte die AfD sich auch keine 9 bis 10 Prozent Anteil geholt und man müsste nicht fassungslos den Kopf schütteln über eine junge Frau, die sich allen Ernstes hinstellt und in den Raum stellte, ob man nicht notfalls auch mit Waffengewalt eine Grenze verteidigte. Wohlgemerkt eine Grenze, die ich ja erst für jedermann geöffnet habe, ohne auch nur wirklich im Ansatz kontrollieren zu können, wer da eigentlich alles mit ins Land strömt - neben den Flüchtlingen. Und das soll niemandem Bauchschmerzen machen? Niemandem außerhalb Sachsens?
Als ich vor über 25 Jahren nach Sachsen ging, da fand ich mich nicht mit allem zurecht, auch nicht mit gewissen Eigenschaften der Sachsen. Was natürlich nur meine ganz subjektive, nicht rechtskräftige Einschätzung war. Aber als eines habe ich sie immer empfunden: als eines der offensten, gastfreundlichsten Menschen, die ich kannte. Zur Wendezeit hat man immer von den Demos in Leipzig gesprochen - obwohl sie zeitgleich auch in Berlin und Rostock auf die Straßen gingen. Gesprochen und gezeigt wurde dennoch hauptsächlich Leipzig.
Jetzt, 25 Jahre später: wieder Sachsen, diesmal Großraum Dresden. Und überall - wenn ich wollte - lese ich: Was ist denn mit den Sachsen los?
Wenn ich bei Google "Brand Flüchtlingsheim" eingebe, dann erscheinen interessanterweise Hamburg, Berlin, Nördlingen, Calais. Liegt das alles auch in Sachsen? Wusste ich ja noch gar nicht - und dabei hatte ich in Geo doch ne Zwei? Aber huch, war ja noch ne Ost-Zwei, wer weiß, wer weiß.

Und nein: Ich will die Braunen in Sachsen gar nicht verniedlichen oder ihre Parolen kleinreden. Ich glaube dennoch, dass nicht die wirklich das Problem sind - sondern dass einfach nichts geschieht. Dass man monatelang weiter überlegt, wie man des Flüchtlingsstroms Herr wird, wie man das regelt und bezahlt, dass die Menschen es warm haben im Winter, zu essen haben, medizinisch versorgt sind - und vor allem eine Perspektive! Soviel Unsicherheit und offene Fragen - und genau damit immer wieder neues Futter für kackbraune Parolen liefert. Weil man stattdessen immer wieder zu lesen bekommt, wie viele Menschen ohne Papiere einreisen, unkontrolliert und ungesehen beinah. Wie viele Kinder gezielt "verschwinden", weil eine Familie nicht ausgewiesen werden darf, wenn ein Kind fehlt. Wie viele Menschen spurlos verschwinden und keiner weiß, wohin. Weil man stattdessen seit Wochen liest, wie sich Polen, Ungarn, Tschechien etc. dagegen wehren, es uns gleichzutun und ihre Zäune errichten.
Was mich unglaublich aufbringt, ist diese Pauschalierung: Alle Sachsen sind braun, alle Sachsen sind scheiße, alle Sachsen haben Angst um Job und Geld und dabei gehts denen doch am besten von allen 5 Bundesländern; alle Sachsen haben Angst vor Fremden, dabei haben die doch kaum Fremde. Und so weiter und so weiter.
Warum sich jetzt so auf die Sachsen eingeschossen wird, kann ich nur vermuten.
Und wie ich das finde, kann ich gar nicht ausdrücken.
Das ist eine Pauschalierung wie: "Alle Wessis sind arrogant und blöd" und "alle Ossis sind faul und geldgierig" - und ich dachte doch echt, dass wir das Pauschalieren endlich hinter uns hätten.
Mich bringt so unglaublich auf, wie durch die Medien ein Bild, eine Meinung auch dann erfolgreich transportiert wird, wenn man es ganz subtil angeht. Dass z. B. eben aus drei betrunkenen Halbstarken ein "sächsischer Mob" inszeniert wird, weil sich das spektakulärer liest - und weil sich gegen die Menschen dort besser wettern lässt. Lacht man doch eh schon über die Kahlköppe mit dem schrecklichsten Dialekt Deutschlands, ha ha.
Wer nun das Heim angezündet hat, weiß man immer noch nicht. Dafür hat man erst mal fleißig über braune Hintergründe in Sachsen spekuliert. Das ist es, was hängenbleibt. Die wahren Gründe erfährt man irgendwann - vielleicht - in einer Randnotiz. Oder auch gar nicht, was solls.
Ist das vergleichbar zum Beispiel mit Peter Lustig? Der jahrelang als "Kinderhasser" bekannt war, obwohl der doch Sendungen mit Kindern produzierte? Der Kinder "klebrig und störend" fand? Der aber erst posthum die verbale Entschädigung erfuhr - und warum verdammt erst jetzt? Warum nicht vorher? Weils dem Verursacher vorher gar nicht so bewusst war, was er da - wenn auch ungewollt - losgetreten hatte? Nein, das ist nicht vergleichbar - weil Kai Biermann nämlich den Lustig gar nicht an den Pranger stellen wollte. Er hatte... einfach nur mal was in den Raum gestellt und unkommentiert so stehen lassen. Und die Masse fasste auf - nur eben anders als beabsichtigt.
Wenn Biermann aber schon zu Lebzeiten den Lustig anrief und sich bei ihm entschuldigte und damit also zumindest ne Ahnung hatte von dem, was abgeht - wieso hat er diese Entschuldigung dann nicht genauso öffentlich gemacht? Wieso hat er nicht schon da etwas korrigiert, das er - eigenen Aussagen zufolge - gar nicht beabsichtigt hatte? Wieso hat er jahrelang das Bild vom "Kinderhasser" so stehen lassen?
Fragen über Fragen....
Wenn also diesen so unterschiedlichen Themen eins gemein ist, dann lediglich die Macht der Medien.
Es ist und bleibt zum Kotzen, wirklich, so einfach ist das. Leider.

Ja ich finde wirklich schlimm, dass man Unterkünfte anzündet, und wenn sie zehnmal leerstehen. Weil ich die Aussage dahinter schlimm finde.  Aber noch viel schlimmer finde ich das, was überhaupt erst dazu geführt hat. Bloß wird das nicht thematisiert. Natürlich nicht. Dann müsste man ja bei sich selber anfangen - und genau darin liegt ja das Problem der meisten Menschen. Und vor allem der Politik.
Mag schon sein, dass ich anschließend wieder einen oder mehr Leser weniger habe, so wie nach meinem vorletzten Post. Mag schon sein, dass ich in letzter Zeit mehr kopflastige Posts geschrieben habe als die kurzweiligen. Ganz ehrlich? Ich schreibe lieber die kurzweiligen. Weil ich mich nicht selber meiner Fröhlichkeit berauben will. Und die könnte ich ja auch schreiben und trotzdem eine politische Meinung haben, die ich hier ja nicht reinstellen MUSS. Das Ding ist nur... Ich will reden. Ich will was sagen. Mehr als ausschließlich nur zum Outfit des Tages oder ob der neue Nagellack der letzte Fliegenschiss war, weil er kurz nach dem Auftragen schon wieder abblättert.
So ein bisschen auf heile Welt machen, die in Wahrheit auch nur gelogen und zurechtgebogen ist.
Natürlich liest sich ein schwungvoller, mit liebevollen Details geschmückter Blog besser - ist doch egal, ob die Details wahr sind oder nicht, who cares - Hauptsache nett, Hauptsache ansprechend?

Ich führe keinen Politblog - und maße mir das auch gar nicht an. Das ist auch nicht das, was ich will. Auch möglich, dass ich mit vielem falsch liege und mit anderem nur dazwischen. Aber dann hat man ja wenigstens darüber gesprochen. Auch sowas, das fehlt. Reden und Zuhören. Kommunikation.
Jeder hat dazu seine Chance. Solange er sie nicht ganz vertut.
Kann auch sein, ich bin zu langweilig mit den oft wiederkehrenden Aussagen. Ich finde aber, dass manches... irgendwie nicht oft genug gesagt werden kann. Gerade jetzt.

Kommentare:

Luna hat gesagt…

Dem ist nichts hinzuzufuegen. Chapeau!

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Danke Luna. Mir gings nach dem "Luft machen" tatsächlich etwas besser. Und jetzt schau ich mal, was Du geschrieben hast, dazu kam ich gestern leider nicht mehr.

gretel hat gesagt…

Jeden Tag, wirklich jeden Tag denke ich darüber nach, ob ich was dazu schreiben soll oder nicht. Noch vor der Wende bin ich aus Dresden weg, habe 15 Jahre in Baden-Württemberg und 3 Jahre in Schleswig-Holstein gewohnt. Mein Verhältnis zu meiner Geburtsstadt Dresden ist durchaus gespalten. Ich sehe Gutes und Schlechtes - Heimat kann für mich überall sein.
Aber was sich da so medial gerade abspielt hat durchaus faschistoide Züge. Seltsamerweise kommt es gerade oft von denen, die doch eigentlich die Guten sein wollen...
Mein Ventil sind Menschen, mit denen ich nichtöffentlich kommuniziere und alle Gedanken rauslassen kann - schön heimlich. Offen sagt man ja schon kaum noch was zu diesem ganzen Thema. Innerlich fühle ich mich damit ein wenig wie in der DDR 2.0. Nur damals war ich jung und mutig und Konsequenzen waren mir völlig wurscht, weil ich darüber gar nicht nachgedacht habe. Heute will ich nur noch meine Ruhe. Gratulation zu deinem Text, natürlich treibst du mir damit wegen meines Schweigens eine leichte Schamesröte ins Gesicht, da muss ich jetzt aber durch.....
Lieben Gruß

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Liebe Luna, ich hab alles durchforstet, unbekannt-Ordner, Posteingang und Spam-Ordner - eine Nachricht von Dir habe ich nicht gefunden??

Luna hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Liebe Gretel, ich bin sehr dankbar für Deinen Kommentar! Frag mich mal, wie lange ich jedesmal darüber nachdenke, was ich wie schreibe, wenn ich solche Themen aufgreife.
Frag mich mal, wie ich um das Wort "Propaganda" herumgeschlichen bin und es dann doch nicht verwendet habe, weil ich mich selber davor erschrocken habe. Ich hab zum Post grad auch einen whatsapp Dialog mit einem Freund aus Sachsen. Der mich mahnt, dass Sachsen tatsächlich ein "braunes" Problem hat. Dass die Medien sicherlich gern überzeichnen - aber genau das empfinde ich anders: Ich sehe nicht, dass sie "gern überzeichnen", sondern dass sie ganz gezielt Meinungen und Gedanken streuen, von wem auch immer das gesteuert wird. Dass es hier einfach nur um Macht geht - und dass die Mittel dazu so erschreckend egal geworden sind. DAS ist es, was mich so verrückt macht.
Und wenn man das "braune Problem" in Sachsen angehen will, dann muss man das bundesweit angehen. Dann muss man grundsätzlich endlich was verändern - wenn man es denn wirklich wollte.
Der Freund meint, ich solle locker bleiben, immerhin rede man über Sachsen.
Soll ich das toll finden? Weil der Mensch immer nur unter Druck reagiert und jetzt bekommt Sachsen ja genug Druck? Ich meine, der Sachse wurde eh immer schon ausgelacht wegen seinem Dialekt. Selbst ich - die nicht in Sachsen geboren wurde und auch nichtdort aufgewachsen ist, selbst ich als Nordkind wünschte mir, dass man Sachsen mit weitaus Besserem in Verbindung bringt als eine gequirlte braune Kacke (sorry dafür, ich bin schon wieder zu emotional) mit einer "scheiß" Sprache. Weil ich es eben nicht für ein allein sächsisches Problem halte.

Clara Himmelhoch hat gesagt…

Hallo Helma, da ich einige Tage weg war, hat sich mein Feedreader mächtig gefüllt und ich habe keine Zeit, alles zu kommentieren. Aber das mit dem dicken Gabriel und seiner Verlautbarung, dass Deutschland Milliarden an Waffenexporten verdient hat, habe ich zufällig mitbekommen - und hätte auch am liebsten reihern wollen.
Die Politiker brauchen offenbar immer ein oder zwei schwarze Schafe, auf die sie ihr Versagen abwälzen können.- Sehr hoffnungsvoll bin ich nicht, was die Zukunft Deutschlands mit allen Problemen betrachte.
Einen lieben Gruß zu dir

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Liebe Clara, ja, entweder ihr Versagen abwälzen oder von ihrem Versagen ablenken, damit die Leute nicht komplett durchdrehen und zur nächsten Wahl das Kreuz an der falschen Stelle setzen..
Es ist momentan eher egal, wohin ich mich privat umhöre: Jeder erwartet für die Zukunft nichts Gutes :(

Anonym hat gesagt…

Danke für diesen Beitrag!!
Ablenkungsmanöver wohin man auch schaut. Vertuschung der eigenen Unzulänglichkeiten, Fehlentscheidungen. Schuld haben immer die anderen... Wen wundert da die "Politikverdrossenheit"?
rabenzahn

Flottelotta Blau hat gesagt…

Der Post spricht mir aus dem Herzen, danke! Die liebe Gretel hat mich hierher geführt. Ich hadere schon länger mit diesem Shitstorm gegen Sachsen...und habe ein paar Bemerkungen auch dazu auf meinem Blog gemacht. Man kommt oft nicht gegen die an...die sich moralisch geben...so aus sicherer Entfernung. Liebe Grüße, Lotta.

Goldi hat gesagt…

Ich hab es heute abend in einem anderen Zusammenhang schon geschrieben und ich denke es passt hier auch gut hin:

"von mir gibt es nie ein "die Sachsen" oder oder oder. Menschen die sich nicht benehmen können oder wollen, sind Menschen die sich nicht benehmen. Welche Herkunft, Glaubensrichtung, Aussehen oder gesellschaftlichen Stand jemand hat ist mir mehr als egal, (es sei denn er ist aus Düsseldorf-😈)wahrscheinlich stossen mir aus diesem Grund solche Verallgemeinerungen auch auf.

Ich kann mich über die Thematik auch absolut konstruktiv unterhalten, allerdings hört bei mir jedes Verständnis und jede Bereitwilligkeit für ein Gespräch auf, wenn ich Parolen höre die rassistisch und gewaltverherlichend in jedweder Form werden und da ist mir komplett egal aus welcher Richtung diese kommen.

Wenn die Menschen, die alle nichts gutes erwarten und nichts braunes wollen nur einmal wirklich ihren Hintern bewegen würden und aufstehen, zeigen und sagen was sie wollen, anstatt den Kopf in den Sand zu stecken und selbst in ihrem kleinsten Umfeld schweigen, ja dann erwarte ich auch nichts gutes, aber nach wie vor gebe ich die Hoffnung nicht auf, dass auch diese sich bewegen und auf konstruktive Art und Weise dafür sorgen, dass Rufe wie "Wir sind das Volk" wieder für das stehen wofür sie 89 standen, aber vielleicht bin ich einfach zu optimistisch und gehöre dann zu den ersten die abtransportiert werden.

Fastdäne hat gesagt…

Moin, moin aus dem nördlichsten Norden,

ich versuche mal zu differenzieren. Den Strom der Flüchtlinge hat nicht Frau Merkel ausgelöst. Es gibt eben Menschen, die hier auf der "goldenen" Seite geboren wurden und andere, die in Armut, Not und Bürgerkrieg geboren wurden. Dieser Teil der Welt, auf dessen Kosten wir alle unseren Wohlstand seit den Kolonialzeiten und auch noch nach 45 bis heute aufgebaut haben, diese Menschen haben sich jetzt aufgemacht zu den Honigtöpfen in Europa. Dabei meint für mich schon ohne Angst vor Gewalt, Bomben und Terror leben zu können einen unendlichen Luxus. Stets sauberes Trinkwasser zu haben ist da auch mit drin.
Diese Bewegungen entgegen des Wohlstandsgefälles hat es schon immer gegeben. Wie viele Polen sind damals in den Bergbau im Pott gezogen????
Wie viele Menschen zogen nach 90 in den Westen zu Arbeit und Brot, weil in den Landschaften des Ostens nur Unkraut blühte und keine blühenden Landschaften entstanden?

Hier hat die Menschheit eine Gesamtverantwortung. Weil irgendwelche Pappnasen in Europa sich weigern ihre Grenzen zu öffnen ist es nicht falsch, dass Frau Merkel einen anderen Weg beschreitet und sagt, dass wir uns den Aufgaben stellen müssen.
Ich bin davon überzeugt, dass sich all die Länder, die die aktuellen Entwicklung als Bedrohung definieren und nicht als riesige Chance, die werden sich in 10-20 Jahren verwundert die Augen reiben und ihre heutige Haltung bedauern!

Nun mal zu den Sachsen. Ich bin da nicht vor Ort. Ich bin auf TV und andere Medien angewiesen. Aber schon lange vor dem Thema Flüchtlinge gab es eben immer wieder in Sachsen heftige braune Ereignisse. Ich kenne viele Schulen in SL-Holst. die Klassenfahrten nach Sachsen generell gestrichen haben, weil es immer wieder Übergriffe auf Schüler mit Migrationshintergrund gab.

Deiner These, die AfD oder Pegida wären nicht so gewachsen, wenn die Politik rechtzeitig richtige Entscheidungen getroffen hätte mag ich nicht folgen. Es gibt für mich keine Rechtfertigung für die vielen Aussagen, die rechter nicht sein können. Ich frage mich immer wieder, wie man Kinder und Frauen so ekelhaft beschimpfen kann. Das unterscheidet sich nicht mehr von den Pogromen 1938!

Und noch so ein Ding: In Kiel jagen Afghanen junge deutsche Frauen so die Meldungen vor einigen Tagen. Großeinsatz, Verhaftungen und und und. Jetzt ergab die Auswertung von Videos, und den Handys der angeblichen Täter, mit denen Fotos ins Netzt hochgeladen sein sollten, dass da fast nix war und dass sich auch auf den Handys keine entsprechenden Daten zu finden waren. "Polizei rudert zurück" so dann eine lapidare Meldung zwei Tage später.

Sorry, so wird Stimmung gemacht, solche Dinge treiben immer Menschen in die Fänge von Pegida, oder nicht?
Warum ist es von Bedeutung, welche Nationalität hormonell oder besser Testosteron fehlgesteuerte Teenager haben? Ganz ehrlich, was geht denn auf guten deutschen Zeltfesten ab? POE heißt das hier! Da müsste man dann halbe Dorfjugenden einsperren!
Boah jetzt kam ich in Rage :-)
Wünsche weiter alles Gute und eine friedfertige Zukunft
Frank

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Lieber Frank - ganz vielen Dank für Deinen Kommentar!

Mal zum ersten: Ich gebe nicht der CDU und ihr voran Frau Merkel die "Schuld" am Flüchtlingsstrom. Das war nicht meine Aussage. Im Gegenteil: Gerade aufgrund der "Historie" muss doch erkennbar gewesen sein, dass die permanente Bereicherung auf Kosten anderer zum einen irgendwann mal den Widerstand, das Aufbegehren bewirken MUSSTE - und dass aber andererseits Menschen, die monate- und jahrelang in ärmsten Verhältnissen UND im Krieg, an dem WIR uns bereichert haben, den WIR zugelassen haben, eines Tages auch den Weg da raus suchen! Würden wir je so gelebt haben wollen - egal ob Afghane, Syrer, Tunesier, Mazedonier? Nein - würden wir nicht! Und ja - selbst die Ossis, wie ich auch einer bin - sind kurz vor und massiv nach der Wende in den "Westen" gegangen, weil sie sich mehr vom Leben erhofften. JA, die Ossis waren genau solche "Wirtschaftsflüchtlinge", auf die wir jetzt zeigen und sagen: "Wääh, die nehmen uns Jobs und Existenzen weg"!
Doch wenn ich das weiß und wenn ich sage: "Ich kümmere mich um die Menschen aus Kriegs- und anderen Gebieten", dann muss ich doch wenigstens einen Plan haben, WIE ich das alles machen will! Natürlich ist es nicht neu, dass Europa Menschen aus anderen Staaten aufnimmt. Oder Amerika. Und ich vertraue keiner Zahl mehr, wenn es heißt, wie viele Flüchtlinge pro Tag, pro Woche, pro irgendwas irgendwohin kommen.
In den Nachrichten werden junge Männer aus überall her vor die Kamera geführt, die sagen: "Ich bin schon so und so lange hier, ich warte auf Anerkennung des Asyls - aber das Nichtstun hier macht mich verrückt." In den Nachrichten werden Menschen gezeigt, die die Zäune stürmen wollen - und ich kann mich gar nicht fragen: Wie verzweifelt muss man sein?? In den Nachrichten wird von Randalen in Heimen berichtet; teils angeblich von Radikalen, teils angeblich von Flüchtlingen selbst angezündet - wem und was soll man da glauben?
Worin besteht der Weg?
Erst lade ich "alle Menschen" ein - und nur wenige Monate später überlege ich, wie ich sie am besten wieder loswerde? Deklariere ein Land nach dem anderen als sicher, vereinbare Abkommen mit z. B. der Türkei, dass die gegen entsprechende Zahlungen so und so viel Menschen zurücknehmen. Der Mensch als Ware... Das ist doch zum Kotzen!
Man hört jeden Tag etwas, von dem man nicht weiß, wie man das noch einordnen soll - und das verursacht Unsicherheit, bei wem auch immer. Vielleicht ist das bewusst so gewollt - ich kann es nur mutmaßen. Vielleicht steckt hinter allem eine Absicht - ich weiß das nicht, will aber eben auch nicht völlig bekloppt werden.

Helma Ziggenheimer hat gesagt…


Der Freund von mir, mit dem ich mich gestern via whatsapp darüber auseinandersetzte, meinte, wir brauchen mehr Menschlichkeit und mehr Gelassenheit. Dazu sage ich UNBEDINGT JA. Und ich will auch gar nicht abstreiten, dass in Sachsen die braune Kacke ein Problem ist. Aber das braune Problem besteht generell, eben nicht nur in Sachsen. Warum auch immer sich aktuell alles dort konzentriert. Oder tut es das in Wahrheit gar nicht, aber es wird nur selektiv "berichtet"?
Vor wenigen Jahren übrigens, da waren es übrigens nicht die Sachsen, sondern die Sachsen-Anhaltiner, auf die man zeigte, weil die Nazis ihren Nährboden auf der hohen Arbeitslosenquote fand und die Wählerstimmen für Braun entsprechend in die Höhe schossen. So wie aktuellen Umfragen der INSA zufolge auch 2016: Bei den Landtagswahlen hat die AfD mit 17 % (!!!) die meisten Stimmen in Sachsen-Anhalt, während alle anderen Parteien an Stimmen verloren. In Sachsen liegt die AfD bei ca. 9 %. Ja, der Trend ist bedenklich, wenn man besieht, wie viele und dass überhaupt Menschen dahinter stehen. Aber das ist es eben, was ich meine: Es ist nicht ein Problem der Sachsen, sondern ein bundesweites.

Na klar wird Stimmung gemacht - aber die Nazi-Parolen lassen sich eben umso besser "verkaufen", je chaotischer die Zustände sind. Und nein - für dieses Chaos mache ich Merkel nicht verantwortlich. Merkel allein entscheidet gar nichts. Da hängen sie alle mit drin, egal wie sich die Partei nennt.
Das sehe ich übrigens genauso wie Du: Es gibt KEINE EINZIGE Rechtfertigung für die Parolen von Pegida, AfD & Co. Es ist erschreckend genug, dass trotz des Hitler-Wahnsinns dieses Gedankengut bis heute aus den Köpfen nicht raus ist. Bislang bin ich dennoch der Meinung, dass man insbesondere durch das Chaos mit den Flüchtlingen diesen Leuten Öl in ihr Feuer gegossen hat - und dass die, basierend auf Ängsten und Unsicherheit von Menschen, erneuten Zulauf bekommen.
Und das wird auf allen anderen Rücken ausgetragen, nicht nur der Bevölkerung an sich, sondern auch denen der Flüchtlinge. Das kann es doch nicht sein??
Dass die anderen Ost-Staaten sich beteiligen sollen und müssen, sehe ich auch so, weil entweder ist man eine Gemeinschaft oder man ist keine. Und Gemeinschaft heißt ja nicht nur Geld nehmen für den eigenen Aufbau. Aber ganz ehrlich: Wenn ich als Außenstehender auf Deutschland blickte, würde ich vermutlich auch sagen: "Nee Leute, mit mir macht ihr das nicht. Kriegt erst mal ne klare Linie, was ihr eigentlich wollt bzw. wie ihr euch das eigentlich vorstellt." Da lediglich eine Quote in den Raum zu hängen, wer wie viele Menschen aufnehmen soll - ist das eine Lösung? Am Anfang waren z. B. die Grenzen Ungarns offen. Was da abging und ob Ungarn das nun nicht bewältigen konnte oder wollte, sei mal dahingestellt... Dasselbe passiert gerade in Griechenland: Dort kommen Flüchtlinge an, dort sollen sie bleiben - ginge es nach der EU. Aber keiner kümmert sich drum! Die Griechen sind genauso überfordert wie die Flüchtlinge hilflos sind. Wundert es einen, dass rund tausend Flüchtlinge die Grenze nach Mazedonien stürmen wollten?

Mir ist schon bewusst, dass man vom Sofa aus leicht reden kann. Und dass vermutlich niemand mit Merkel tauschen möchte. Gleichwohl verbleibt das Gefühl, dass es immer nur um (noch mehr) Macht geht. Das Schicksal von Menschen ist doch völlig zweitrangig geworden. Und um davon abzulenken, bedient man sich anderer, willkommener Ziele. DAS macht mich irre.

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

So Frank, jetzt musste ich meinen Kommentar stückeln, weil auch ich mich in Rage geredet hab :)
Ich trinke jetzt mal ein Beruhigungskäffchen.

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Ich muss mich revidieren: Wenn man Zahlen vergleichen will, dann aus denselben Jahren... Eine Umfrage für Sachsen 2016 habe ich auf die Schnelle nicht gefunden, die 9 % Werte kommen aus der letzten Landtagswahl 2014. Es wäre interessant zu sehen, wo sie heute in Sachsen liegen. Auch bei ca. 17 % wie in Sachsen-Anhalt? Vermutlich müsste man jetzt auch in die anderen Bundesländer schauen, wenn ich vom bundesweiten Problem spreche. Das mache ich auch noch. Aber dann wäre ja schon auch offensichtlich, woher Braun seinen Zulauf zieht, oder nicht?
Nicht aus der aktuellen Politik allein. Aber seit Jahren trägt jede große Partei alles mit, auch wenn sie sich offiziell gerne streiten und öffentlich beschimpfen.

~ Clara Pippilotta ~ hat gesagt…

Liebe Helma, aus guten Gründen schneide ich das Thema z.B. auf meinem Blog nicht an - ich habe die Kraft nicht für all diese Diskussionen. Inhaltlich finde ich mich jedoch vollkommen in dem Posting von Frank wieder - der das ganz toll formuliert hat. Ich bin es leid, dass die Schuld auf die Medien und die Politiker und auf die Flüchtlinge und dann eben auf die Sachsen geschoben wird - sind wir alle denn so dumm, dass wir uns keine eigene Meinung mehr bilden können und zwar eine mit Herz UND Verstand? Kann den keiner mehr selbst denken?

Als ich die Überschrift wegen Bautzen las, da war mir allein anhand der Formulierung gleich klar, dass noch gar niemand weiss, warum es dort brannte bzw. wie der Brand zustande kam geschweige denn, wer es verbrochen hat. Wer das gelesen hat und dann gleich auf "das waren die Nazis, weil es da ja soviele davon geben soll" macht - der hat doch den Knall nicht mehr gehört.

Nicht die Medien, nicht die Politik, nicht Frau Merkel ist schuld - sondern jeder Einzelne, der anstatt mit Herz und Verstand über die Sache nachzudenken, in blinder Wut und Hass und ohne die eigenen Ängste überhaupt zu hinterfragen, gleich den Braunen hinterher rennt. Niemand wird gezwungen sich diesen Leuten anzuschließen. Weder in Sachsen noch im Rest von Deutschland.

Ja, Politiker machen Politik und wer glaubt, dass es Merkel nur um die reine Nächstenliebe geht, der glaubt auch noch an den Weihnachtsmann. Aber mal ganz ehrlich? Ich bewundere die Frau gerade jetzt trotzdem, weil sie trotz aller Ränkespiele mehr Verantwortungsgefühl und auch mehr Menschlichkeit beweist, als der Rest der EU und auch viele der Menschen in meinem Umfeld, die ich so blöd daher reden höre.

Neulich sagte mir eine frühere Schulfreundin - selbst Mutter von zwei Kindern - wortwörtlich: "Ich würde Kind wie Kegel mitten im Kriegsgebiet absetzen und gut ist!" Als ich sie darauf hin wies, dass die Leute dort umgebracht werden und ob sie sogar Kinder sterben lassen würde, da hiess es lapidar "Ja". Ich könnte kotzen, wenn ich sowas von Menschen höre, die behaupten, gute Menschen zu sein. Und die dann AfD wählen gehen, weil sie nicht ein einziges mal darüber reflektieren, was in ihnen vor sich geht sondern munter nach aussen projizieren und damit allen anderen furchtbaren Schaden zufügen.

Nein Helma, es gibt nicht "die Sachsen" - es gibt aber auch nicht "die Opfer der Medien" sondern es gibt nur Menschen, die Fehlentscheidungen treffen, weil sie es sich schlichtweg zu einfach machen. Und davon gibt es aktuell leider zuviele in Deutschland.

Liebe Grüsse
Clara

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Liebe Clara, ja, da gebe ich Dir recht: Einen "Politpost" zu schreiben ist nicht ganz so einfach - auch der anschließenden Diskussion wegen nicht. Aber vor allem diese ist es, warum ich es letztlich dann doch tue. Manche Themen liegen mir so schwer im Magen, dass ich sie auf den Tisch legen und wissen möchte, wie andere das sehen. Ob ich selber meinen Blickwinkel verändern kann - und inwieweit das alles gut für mich als Einzelperson ist.
Und ja - auch da gebe ich Dir recht: Es ist niemand gezwungen, an Pegida & Co's Demos etc. teilzunehmen, erst recht dann nicht, wenn jeder einen klaren Menschenverstand besitzt.

Ich persönlich halte es für nicht sinnvoll, auf jemanden zu zeigen und zu sagen: "DU bist schuld!" Aber Clara, Menschen und Gemeinschaft, das sind wir alle - ausnahmslos, und dazu zähle ich auch die Medienwelt. Denn die ist nichts ohne Personen, ohne Menschen dahinter, die Informationen streuen, gezielt, gesteuert, gedankenlos oder wie auch immer.
Und wie oft habe ich bei mir erlebt und auch von anderen gehört, die sagen: "Man wird förmlich überflutet, die Angst wird gesät als Mittel zum Zweck; ich trau mich dies und das nicht mehr - nun haben sie ja erreicht, was sie wollten".
Ob Bautzen oder Hamburg oder Köln oder Bremen - bei so vielen Menschen bleibt die erste Schlagzeile hängen, das ist leider Gottes so! Und wenn ich gewisse Schlagzeilen dreimal am Tag oder 10mal in der Woche höre, was macht das dann mit mir?
Was macht das mit einem eher labilen Menschen?
Mit mir persönlich eben, dass ich mich konsequent Facebook und den Online-Nachrichten entzogen habe, dass ich TV-Nachrichten auch nur noch sehr selektiv schaue - damit ich nicht bekloppt werde. Aber ist DAS der richtige Weg?

Was ich sagen will: Wir alle tragen Verantwortung für uns selbst, aber wir tragen sie dann auch für andere, wenn wir uns öffentlich bewegen! Wenn wir Einfluss nehmen (wollen) auf andere Menschen! Dann habe ich verdammt noch mal Verantwortung! So wie wir sie vom Chirurgen erwarten, wenn der uns was raus- oder wegschneidet!
Es geht nicht um "Schuld" eines Einzelnen - aber um die Verantwortung! Die Verantwortung als Staat für die Menschen, die da sind und für die, die kommen wollen! Ich kann doch nicht erst Ja und dann Huch nee sagen und mir überlegen, wie ich einen Großteil derer wieder loswerde??? Und ein heilloses Chaos veranstalte, wo man nicht sehen kann, wohin das führen soll - aber sich zu fragen beginnt, worin das endet?
Und bediene mich dann eines Mediums, um von mir selber abzulenken??
Ich bestreite nicht, dass Politik ein scheiß Brot ist. Aber es ist auch ein ganz verdammt schmutziges.
Ja, Menschen treffen Fehlentscheidungen - das ist menschlich, weil wir keine mathematischen Maschinen sind. Nur stehen die wenigsten dazu. Und je "höher" Du kommst, desto schlimmer wirds.

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

P.S. Zu Deiner ehemaligen Schulfreundin fällt mir absolut nichts mehr ein, wirklich. Es will mir in meinen Kopf nicht rein, dass ein Mensch, der auch noch selber Familie hat, so über andere Menschen denken und dann noch reden kann. Wie man in Kauf nehmen kann, dass Menschen ermordet werden, im Meer ertrinken oder in Zelten vegetieren. Dass woanders Kinder und Menschen verhungern, verdursten und wir jetzt auch noch vorgeben, welches Maß eine Gurke haben darf, damit sie verkauft werden darf. Da frage ich mich wirklich, was für Leute weiter oben sitzen und ob denen irgendjemand ins Hirn - mit Verlaub - geschissen hat. Ich frage ich aber genauso, was wir als Einzelner dagegen tun können. Wirklich tun können.

Fastdäne hat gesagt…

Hallo,
schön dass wir offenbar auf sehr ähnlichen Wellen unterwegs sind. Ganz kurz nur ein Erlebnis frisch aus der Mittagspause: Sitze in einem chinesischen Schnellimbiss (sehr lecker da!). Am Tisch sitzt schon ein Seniorenpaar, ich durfte mich dazu setzen. Es entsteht ein sehr netter Dialog. Ich werde angesprochen, dass ich der erste sei, der nicht gleich das Smartphone raushole. Man spricht so über dies und das und dann kommt langsam die Haltung "früher war alles besser und alles sei schlimm". Beim Thema "Menschen sehen sich nicht mehr an" war ich noch dabei. Dann kamen wir zu den Flüchtlingen, weil ich das hiesige tolle Engagement von sehr vielen Menschen am Grenzbahnhof zu DK als positives Gegenbeispiel erwähnte.
Ja ja und wir müssen dann alles bezahlen, Unterkunft, Essen und noch Taschengeld war dann die Antwort. Der Hammer kam aber wenig später: mein Argument, es gäbe bei den Flüchtlingen auch Ärzte, Pfleger und andere gut ausgebildete Fachkräfte, die wir hier nach Deutschkursen gut gebrauchen könnten, sagte die Dame "von solchen Menschen würde sie sich nicht behandeln oder pflegen lassen!"
Da fehlten mir, ich betone mir jegliche Worte, noch angemessen zu reagieren. Nur der Respekt vor dem Alter hat verhindert, eine ebenso hässliche Antwort zu geben.

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Oha, die Wortlosigkeit kann ich verstehen! Bei meiner OP im Januar waren, soweit ich das noch mitbekommen habe, nur der Chirurg und die Assistentin deutsch. Na und?? Mir ist so scheißegal, wo jemand herkommt, solange er seine Arbeit gut macht! Aber das ist eben auch das Problem: Das Herkommen ist das eine, anerkannt zu werden, halbwegs Deutsch lernen zu können UND dann noch arbeiten gehen zu können - diese Steine werden doch durch uns in den Weg gelegt! Ja vielleicht wollen nicht alle von ihnen arbeiten, weil sie auch mit der Sozialunterstützung immer noch besser leben als zu Hause. Wer weiß das schon? Fakt ist aber, dass es genauso genug deutsche Sozialschmarotzer gibt, die jung & gesund sind und trotzdem nicht ans Arbeiten denken.
Aber mit Hässlichkeit kommt man nicht weit(er). Vermutlich auch nicht mit sachlichen Argumenten - aber irgendwo muss doch das Aufklären und Umdenken anfangen?
Andererseits muss man bedenken: Vorbehalte gibt es auf allen Seiten. Ich habe auch schon erlebt, dass ein Mann mir unbekannter Herkunft sich nicht von einer Ärztin behandeln lassen wollte, weil sie eben eine Frau war. Und dann war die auch noch jung!
Chinesisch? Liebe ich! Genauso wie Thailändisch und Afghanisch. Und das liebe ich ja eben an der Multikultur. Dass man so vieles Neues kennenlernt. Ohne dem säßen wir doch vermutlich immer noch bei Schnitzel mit Soße aus Mehlschwitze.

Fastdäne hat gesagt…

Hallo,
war lange nicht mehr hier. Nun aber nix gegen ein lecker Schnitzel (hier oben auch gerne paniert also Wiener Art, meine Frau findet meine sensationell!). Auch Mehlschwitze hat was als Soße für Blumenkohl, Schnippelbohnen oder Bechamel-
kartoffeln. :-)
Gruß Frank