Freitag, 28. Oktober 2016

Holladiarrhoe - Ich bin wieder da :)

Auf die Minute genau landete gestern morgen unser Flieger aus Neu Delhi in Home Town.
16 Tage Indien liegen hinter uns - 16 Tage voller Eindrücke, Erfahrungen und auch der einen oder anderen nicht neuen, aber immer wieder bewahrheiteten Erkenntnis, was ich in Summe alles irgendwie noch nicht erfassen, geschweige denn verarbeiten kann.

"Du in Indien??" wurde ich gestern (vermutlich fassungslos) gefragt - und ich kanns ja selber noch gar nicht richtig glauben. Immer noch nicht. Dachte ich vor dem Flug, dass vermutlich (hoffentlich) irgendein Missgeschick eintreten könnte (sollte), wodurch die Reise (also der stundenlange Flug) doch nicht möglich werden würde, so hoffte ich in der Nacht zu Donnerstag beim Warten auf den Rückflug, dass genau dieses Szenario bitte nie nicht HIER eintreten würde!
Vierzehn Tage lang haben wir auf einer Tour Rajasthan erkundet - Herr Blau zum dritten, ich zum ersten Mal. Vierzehn Tage lang haben zwar mit Bedacht, aber ausschließlich indische Küche genossen (doch, da gibt es durchaus Europäer oder Deutsche, die auf ihr gewohntes Frühstück bestehen, aber dazu später) - und nach 14 Tagen ging bei mir nichts mehr. Alles wollte auf allen möglichen Wegen aus meinem Körper wieder heraus - und hier war ein Punkt erreicht, wo ich es nicht mehr ertrug: die Hitze, den Schmutz - und diesen ewigen süßlichen Geruch nach Fäulnis, Kloake - und Gewürzen. Ein Geruch, der mir bereits mit dem ersten Betreten des indischen Landes aufgefallen war - und an den ich mich erst nach wenigen Tagen gewöhnte.

 Jetzt mit einem Abstand von gut 1,5 Tagen, die wir wieder hier zu Hause sind, beginne ich, all das Gesehene Revue passieren zu lassen. Denke an das kleine Tagebuch, in das ich jeden Abend hineinschrieb, denke an all die Fotos, die wir aufgenommen haben - und denke daran, wie wir Mittwoch Abend am Flughafen saßen, auf den Check-in warteten, weil es der Lufthansa-App in Indien nicht erlaubt ist, die Bordkarten auszustellen. Wie Herr Blau den ersten richtigen Kaffee brachte und ich ob der Becheraufschrift lachen musste "Das COSTA fast gar nix" und er grinste: "DAS kann man so nicht gerade sagen."
Ich hab den Kaffee getrunken, trotz aller Beschwerden. Kaffee geht immer. Ohne Kraftstoff schließlich kein Motorbetrieb, sage ich immer. Da war mir auch egal, wie oft ich die Toilette aufzusuchen hatte; ich hatte nur darauf zu achten, dass die Wege nicht all zu lang waren.
Für mein Empfinden bin ich ja der größte Flugschisser ever - insofern hatte ich mich schon vor dem Hinflug mit Medikamenten aus der Apotheke und etwas rein Pflanzlichem von einer Freundin (J., Du bist die Beste :)) versorgt. Hinzu war das auch irgendwie alles relaxt. Die Medis wirkten, ich habe mir drei Filme nacheinander angeschaut ("Ein ganzes halbes Jahr"!!! Endlich mal gesehen, wenns schon im Kino nicht klappte. Klar ist das schon alles irgendwie Kitsch. Aber grad wenn man das Buch dazu kennt... Und sich sooooo sehr mit der Hauptakteurin identifizieren kann.... Hachz!) und dann waren wir auch irgendwie schon in Delhi.
Nun auf dem Heimflug gestaltete sich das alles ein wenig... anstrengender. Gut möglich, dass dank des Brechdurchfalls auch die Medis nicht zogen. (Alkohol hat sich übrigens auch als kontraproduktiv erwiesen, wie sich später zeigte.) Das bedeutete: Diesmal, Frau Ziggenheimer, kommense da bitte gepflegt nüchtern und ungedopt durch den Flug. Na das konnte was werden!

Die Stewardess wollte mir Gutes tun, zumal ich auf angebotene Speisen (indische Küche, ich konnts nicht mehr sehen, geschweige denn riechen) dankbar verzichtete - und bot mir stattdessen Cola und Salzgebäck an. Dieses Ja war das zweite in meinem Leben, das ich echt bereute. Fragt mich nicht, wie oft ich einen Sprint zwischen Platz und Toilette hinzulegen hatte - und im Sprinten war ich doch immer eine Niete! Ich bin ja eher so der Dauerläufer. (Was jetzt im Endeffekt aber auch nicht so kontraproduktiv war.)
"Da... liegt was!" deutete ich auf einen Metalldeckel und zur Stewardess, mit der ich an der Tür beinah zusammengestoßen wär. Sie richtete ihre Taschenlampe darauf. "Hach... Na was ist denn das?" Sie hob es auf und klickte es neben die Badtür in die Wand. "War zumindest schon mal kein tragendes Teil."
A. Ha ha. Ja. Genau mein Humor. Steh ich total drauf - so als Worlds Greatest Flugschisser.

Ich kenn mich ja nun auch insgesamt mit der Materie nicht so aus. Zum Beispiel erschloss sich mir partout das Schild neben dem WC nicht "Bitte achten Sie darauf, dass Sie keine Papiertücher, Windeln etc. in die Toilette werfen." Windeln ist klar. Aber Papiertücher? Was meinen die? Es gibt nur Papier zum - na Ihr wisst schon! Und wieso hing dieses Schild nur auf dem einen, nicht aber auch auf dem anderen Klo? Wirklich Sorgen habe ich mir aber nicht gemacht, dass ich, die ja noch zu der Gattung Mensch zählt, die Ehrfurcht vor Weißkitteln, Grünuniformierten etc. entwickeln, mich nun an diese Order nicht hielt.
Sowas wie Sorgen machte ich mir erst, als ich auf der Toilette ordentlich durchgerüttelt wurde, während der Pilot vermeldete "Bitte setzen Sie sich und schnallen Sie sich an, wir haben unerwartete Turbulenzen."
Einen Gurt auf dem Klo. Ha ha. Ich schloss die Augen. Dies war der erste Moment für mein erstes Gebet: "Lieber Gott, wenn es Dich wirklich gibt, dann lass mich bitte NICHT HIER so würdelos ums Leben kommen. BITTE!"

Da ich heute hier blogge, ist klar: Ich wurde erhört. Ich hab es tatsächlich geschafft, zweimal rund acht Stunden um die halbe Welt zu fliegen, um mir eine Welt anzuschauen, die ich gegensätzlicher noch nicht erlebt habe (na gut, ich hab ja auch noch nix Großartiges gesehen). Eine Welt voll unfassbarer Armut und kleinen Kindern, die sich über einen Bonbon oder Apfel freuen, als hättest Du  Wunderbares vollbracht. Eine Welt voller Frauen, die - so arm sie auch sein mochten - alle in den buntesten Saris steckten, die man sich vorstellen kann. Eine Welt voller Städte mit zwei- und dreispurigen Straßen, auf denen sich bis zu 9 (!) Reihen Autos, TukTuks und vor allem Mopeds drängeln. Eine Welt voller Plastikmüll und Unrat, wie ich es in der Menge noch nie vorher sah. Eine Welt, in der es keine absolute Stille in den Städten gibt, die immer lebt und immer lärmt.

Ich habe dort Tagebuch geführt und Herr Blau hat unzählige Fotos aufgenommen. Auch um es selber so ein bisschen zu verarbeiten, werde ich in den nächsten Tagen mehr dazu schreiben und mehr davon erzählen. Bis Dienstag habe ich noch frei, dann geht es wieder nach L. Was ich bis dahin nicht schaffe, schreibe ich dann nach L. weiter :)


Kommentare:

JULiANE hat gesagt…

oh, endlich seid ihr wieder da!
Und ich bin sehr froh, dass der Allmächtige auch Notrufe von Bordtoiletten erhört :-)

Goldi hat gesagt…

Schön das Du wieder da bist :-*

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Ich auch, Juli, ich auch!! Ich werde ihn auch nie mehr für Belanglosigkeiten beanspruchen wollen, das schwör ich. Reicht ja auch, wenn er mir in den entscheidenden Momenten den.. äh.. Arsch rettet :)

Ich bin auch froh, Goldi :*

petra {limeslounge} hat gesagt…

Hi, welcome back! Und ich kann das so gut nachvollziehen, dass trotz toller und schöner Erlebnisse irgendwann der Punkt erreicht ist, an dem man nur noch nach Hause möchte. Gerade Lärm und Gerüche, puh :-) denen kann man ja auch nicht irgendwie ausweichen. Schön, dass Du wieder da bist, erhol Dich gut und bis bald!

Clara Himmelhoch hat gesagt…

Hallo Helma,
nichts kann ich besser nachvollziehen als das, was du hier schreibst. Deine Angst VOR der Reise, die Schwierigkeiten während des Fluges, die Gefühle und Gerüche in diesem Land - ich weiß schon, warum ich mich (nicht nur aus finanziellen Gründen) bisher immer vor solchen Reise gedrückt habe. Ich würde unter diesen Eindrücken auch wahnsinnig leiden und ein großer Teil der Reisefreude wäre dahin.
Ich bin gespannt, was du in den nächsten Tagen erzählen wirst.
Liebe Grüße von Clara

Bohli hat gesagt…

Schön das du wieder da bist. Bin gespannt auf die Geschichten......sehr gespannt.

Pünktchen hat gesagt…

Oh, ich bin voller Neugierde und kann es kaum erwarten, was du zu erzählen hast. Du auch... Flugangst?? Für mich der Horror schlechthin. Liebe Grüße.

Paulaline hat gesagt…

Oh da bin ich gespannt. :) Ich war schon zwei Mal in Indien und möchte gerrn wieder. Aber es ist tatsächlich eine andere Welt, in der ich mich auch manches Mal überwiden musste. Ich freue mich auf die Berichte und Fotos!