Montag, 12. Dezember 2016

Happyness Is A Piece Of Cake



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Ich bin ein Spätzünder, ich weiß.
Um Kritiken, irgendwelche Schreibereien kümmere ich mich nicht.
Ich will selber sehen, selber schmecken, tasten, ausprobieren.
Und dann sagen: Es war gut. Oder es war nicht gut. 
Ich kann nicht sagen, dass "Fifty Shades of Grey" DER Knaller war.
Ich kann nicht sagen, was Zuschauer sich erhofften zu sehen.
Ich kann auch nicht sagen, dass der Film nicht.. typische irreale Kitschromantik an sich gehabt hätte.

...aber ich mochte den Film. 
Mir haben die Bilder gefallen.
Mir hat die Verbindung zwischen Bild und Klang gefallen. 
In jeden einzelnen Moment habe ich mich mitnehmen lassen, die langen Strümpfe über die Knie gezogen und meine Arme um die Beine geschlungen. Und beinah regungslos geschaut, während in meinem Kopf tausend Bilder durcheinanderstürzten.



Bevor wir nach Indien flogen, fühlte ich mich aufgebracht, aufgewühlt - und wusste zugleich, dass es das alles.. nicht wert ist vielleicht. Dass es anders auch geht. Dass man nur den Mut aufbringen muss. Dass man nur den Mut vermitteln können muss - und da ist, wenn einer springt. 
Ich weiß nicht so genau, was in den Tagen passiert ist, in denen wir in Asien waren. Was genau in mir passiert ist. Ich glaube, ich möchte es mit einem Zitat von einer Frau ausdrücken, die ich sehr gern sehen mag - weil ich ihr jedes einzelne Wort, das sie sagt und das sie auch nicht sagt, glaube. 


“Ich habe keine Geduld mehr für bestimmte Dinge. 
Nicht weil ich arrogant geworden bin, sondern einfach nur, weil ich einen Punkt in meinem Leben erreicht habe, an dem ich keine Zeit mehr mit dem, was mir missfällt oder mir wehtut, verschwenden will.
Ich habe keine Geduld mehr für Zynismus, für übertriebene Kritik und Forderungen jeder Art.
Ich hab den Willen verloren, denen zu gefallen, die mich nicht mögen; die zu lieben, die mich nicht lieben; und die anzulächeln, die mich nicht anlachen wollen.
Ich verschwende keine einzige Minute mehr an die, die lügen und manipulieren. Ich habe mich entschlossen, nicht mehr mit Verstellung, Heuchelei, Unehrlichkeit und billigem Lob zu koexistieren.
Ich toleriere weder selektive Gelehrsamkeit noch akademische Arroganz. 
Ich werde mich auch nie an den so beliebten Klatsch gewöhnen.
Ich hasse Konflikte und Vergleiche.
Ich glaube an eine Welt der Gegensätze und darum vermeide ich Menschen mit starren und unflexiblen Persönlichkeiten. 
In Freundschaften mag ich Mangel an Loyalität und Verrat nicht. Ich komme nicht klar mit solchen, die keine Komplimente oder ein Wort der Ermutigung geben können.
Übertreibungen langweilen mich und ich habe Schwierigkeiten Menschen zu akzeptieren, die keine Tiere mögen. 
Und obendrein habe ich keine Geduld für alle, die meine Geduld nicht verdienen.“
Meryl Streep
(Urheber: José Micard Teixeira)


Mir wurde so oft gesagt "Lös dich von dem, das dir nicht gut tut" - und es ist ja nicht so, dass ich nicht weiß, was das ist. Es ist nur so, dass es oftmals an der Konsequenz mangelt, aus welchen Gründen auch immer. 
Es ist auch nicht so, dass nicht auch ich dann und wann versucht hätte, jemand anderes zu sein. Überhaupt anders zu sein. Um wahrgenommen zu werden. Um gesehen zu werden. 
Womöglich habe ich nicht über Dinge mitgelacht, die ich nicht lustig fand.
Ganz sicher habe ich nicht all das mitgemacht, das andere wollten.
Aber ich wollte womöglich.. zu vieles tun, um dazugehören.
Und am Ende, irgendwann mitten auf dem Weg, da bleibt man stehen und erkennt: Man ist immer der, der man war, und wenn man auch noch so sehr versucht, jemand anderes zu sein - das eigene Ich kommt wieder, wenn man es lässt. Oder man verbiegt sich so lange, bis man bricht. 
Also lasse ich los. Also habe ich losgelassen. Mich freigemacht von den Gedanken und Erwartungen anderer. Was man über mich redet, will ich gar nicht wissen, es interessiert mich nicht. Was man von mir denkt, will ich auch nicht mehr wissen - weil ich nicht will, dass es mich beeinflusst. Dass es mich behindert. Ich will ich sein. Und das genießen, was ich bin. Wer ich bin. 
In manchem zu schnell, in manchem zu langsam, manchmal zu früh, manchmal zu spät. 
Das ist egal. 
Solange ich mich selber dabei fühlen kann.

Tu Dir den Hass auf die anderen nicht an, kleine J. Du kannst sie nicht ändern und sollst das auch gar nicht. Aber sie sollen Dich auch nicht ändern. Mach das, was sie sagen, nicht zu Deinen Gedanken, und mach das, was ihr Problem ist, nicht zu Deinem. Wenn sich eine Tür nicht völlig schließen lässt, dann lass sie einen Spalt offen. Nur ein bisschen. Nicht zu weit, damit Du sie jederzeit für einen Moment wieder schließen kannst.
Für den Moment, in dem Du Luft holst. Atmest. DICH spürst. Egal ob Du gerade tanzen oder in den Boxsack schlagen willst. Tus doch einfach. 
Und dann besinne Dich ganz auf Dich. Mach was nur für Dich.
Hier in der Wohnung gibt es überall kleine Dinge, Fotos, irgendwas, das mich an meine Träume und Ziele erinnert. Ganz bewusst hängen oder stehen sie hier und da, wie zufällig hingeordnet oder zwischen den Büchern, aber ich kann sie jeden einzelnen Tag sehen. Und inzwischen.. muss ich nur noch die Augen schließen - und dann bin ich da, wo ich sein will. In Millisekunden habe ich mich aufgelöst und bin irgendwo.. Und wenn ich die Augen wieder öffne, singe ich in der Küche, während ich mir einen heißen Kaffee aufgieße und daran denke, wie gut es ist, dass ich genau hier so stehen und genau das tun kann. 
Dann rolle ich die langen Strümpfe wieder über die Knie, öffne das Hemd, stecke mir das Haar zusammen und fühle mich für einen Moment.. federleicht und wunderschön und.. ein bisschen shade of grey. 
Du weißt, dass die Realität eine andere ist - und ich weiß das auch. Na und? 
Jetzt und hier fühle ich mich so und ich fühle mich damit glücklich - und das wünsche ich mir für Dich auch.
Für mich ist es zu schade geworden um all die Zeit, die wir mit zu vielem anderen vergeuden.

Kommentare:

Anna hat gesagt…

Ein Herz für diesen Post. <3 Spricht mich sehr an. Und würde ich Meryl Streep nicht ohnehin schon bewundern, wäre das spätestens jetzt der Fall. ;)

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Danke Anna :)
Ich mag das "Schauspiel" von Meryl Streep, weil sie immer so klar und straight daherkommt, eine Frau mit einer Mischung aus Verletzlichkeit und Stärke. Schauspieler verkörpern Rollen, wissen wir ja alle, aber bei ihr denke ich oft, dass sie sich Rollen auswählt, die auch tatsächlich zu ihr passen. Die sie zeigen. In einer ihrer Facetten.

Anna hat gesagt…

@Meryl: Das denke ich auch oft. Was - oder wen - auch immer sie spielt: ich nehme es ihr ab. Und einer meiner liebsten Seelenfilme mit ihr ist "Wenn Liebe so einfach wäre". Ja, es ist nur ein Film, aber so lässig und entspannt möchte ich sein... ähm... werden. Und das Haus würde ich auch glatt nehmen (mit Garten!), obwohl ich eher nicht der Häusle-Typ bin und einen schwarzen Daumen habe. ;D

ganga hat gesagt…

Helma, ich war jetzt so motiviert von deinem post, dass ich doch glatt bei Amazon nach dem Film gesucht habe und er ist in meinem Prime enthalten und jetzt läuft er. Ich komme kaum dazu, den Kommentar zu schreiben, den der Film hat wirklich eine traumhafte Musik und die Bewegungen der Menschen und die Bilder sind schön. Den Inhalt lasse ich so sein wie er ist. Nein Stop, ich sehe gerade, wie dieser Christopher ihr die Jeans abstreift, so etwas erotisches habe ich schon länger nicht mehr gesehen, man sieht ihre Gänsehaut. Und die Musik jetzt dazu, sehr berührend.

Die Worte von Meryl Streep habe ich bisher noch nicht gekannt, jedenfalls sprechen sie mir aus der Seele, genau so wie deine Worte, darüber wie man selbst ist.

Liebe Grüße
Ganga

Anna hat gesagt…

Nur kurz zur allg. Erheiterung: Gangas Kommentar hat mich neugierig gemacht, also wollte ich mal schnell nach dem Film schauen. Und habe natürlich komplett verpeilt, von welchem Film du hier redest und stattdessen nach "Happiness is a piece of cake" gesucht. ;) [Wahrscheinlich auch, weil ich gestern "Birnenkuchen mit Lavendel in meine Watchlist gesetzt habe...;)]

Shades of Grey habe ich bisher weder gelesen noch gesehen, allerdings bin ich gerade auf eine 1*-Rezi von Cpt.Unsensibel74 gestoßen, bei der ich doch sehr lachen musste. Zitat u.a.: "Zum Abschluss vielleicht noch ein Tipp für die Jugendlichen unter uns: wenn eine Frau, die Ihr heiß findet, Euch gesteht, dass sie noch Jungfrau ist: nehmt sie bei den Händen, schaut ihr in die Augen und sprecht dann die magischen Worte "Dann bereinige ich jetzt diese Situation". Das wird ein Volltreffer- versprochen.Zumindest, wenn ihr sie vorher in Eurem eigenen Helikopter über die nächtliche Stadt geflogen habt." ;D Na mal schauen, ob es der Grey auf die Prime-Watchlist schafft... ;)

LG Anna

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Ja Ganga, genauso haben der Mann und ich das am Sonntag auch gemacht ;)

Ich habs ja geschrieben, Anna, der Film ist letztlich Kitsch, weil irreal. Würde so im Leben tatsächlich nie ablaufen. Grad auch diese ewige Story vom bad guy, der von der Jungfrau bekehrt und "gerettet" wird. Blödsinn. Aber: Darum gings für mich auch nicht, ich bin kein Kritiker und will demzufolge nicht alles "zerlegen" ;) Manchmal wirken einfach nur Bild und Klang - und ganz ehrlich: Es gibt weder all die Actionfilme in real - und solche Lovestories auch nicht. Aber man will ja auch nicht immer die Realität auf der Leinwand.
Mir hat der Film dennoch gefallen.