Mittwoch, 14. Dezember 2016

Only Love Can Hurt Like This



Gerade bist Du gegangen.
Alles hier atmet noch den Duft des Tees, den Du nicht mehr ausgetrunken hast.
Geblieben sind auch die Gedanken, die seit Deinem Besuch hier im Raum zurück blieben.

Wenn nur Liebe so sehr weh tun kann, impliziert es dann, dass wir nicht mehr lieben, wenn es nicht mehr schmerzt?
Ich bin mir der Antwort gar nicht mehr sicher.


Kommentare:

amorsolalex hat gesagt…

Nein, das ist ein falscher Rückschluss. Genau das hatte ich irgendwann verinnerlicht, nach K... Wenn es harmonisch war, sah ich Langeweile, wenn es eine ruhige Liebe war, fehlte mir die Leidenschaft. Ich sah und fühlte das Wesen der Liebe nicht mehr.
Das intensivste Fühlen ist doch immer der Schmerz, viel tiefer und aufwühlender als jedes positive Gefühl reicht, deshalb schlägt er auch so tiefe Wunden, die sich manchmal nie mehr schließen. Ich suchte irgendwann dieselbe Intensität, dieselbe Tiefe, wie ich sie in der Verbindung mit K. hatte, und fand sie doch niemals in der Liebe, sondern immer und immer wieder nur im Schmerz, genauso wie bei K... Liebe tut nicht weh, niemals, Menschen tun einander weh.

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Ich bin nicht sicher, ob wir dasselbe meinen. Ich bin mir auch nicht sicher, ob konkret dieser Punkt in der Beziehung zu K tatsächlich Liebe meinte oder doch eher etwas anderes, wesentlich.. Verhängnisvolleres? Etwas, das Du bereits mitgebracht hast, als Ihr Euch begegnet seid? Und das er irgendwann gegen Dich einzusetzen wusste..
Liebe ist mitunter so eng verknüpft mit Leidenschaft, Begehren, dass man glaubt zu lieben, es ist aber für mich nicht dasselbe..
Ja, Menschen tun einander weh, sehr weh mitunter - und die Frage, die hier aufkam.. Wenn das, was der andere tut, mich nicht mehr schmerzt, liebe ich dann nicht mehr oder bin ich "lediglich" abgestumpft? Bedeutet es in der Konsequenz dann dasselbe? Gibt es dann auch nur noch einen (Aus-) Weg?
Und im Gegenzug.. Kann ich auch akzeptieren, abschließen und dennoch immer noch Liebe empfinden? Auch in dem Bewusstsein, dass es miteinander nicht geht und nicht funktionieren wird? Und wenn ich das verinnerlicht habe - dass ich dann immer noch liebe, es mir aber nicht mehr wehtut, dass es eben nicht funktionierte? Oder habe ich eines Tages aufgehört zu lieben auf meinem eigenen Weg?
Ich schaue auf jenen Menschen vor mir und sehe exakt mich - vor 15 - 20 Jahren. Es ist, als liefe meine eigene Geschichte vor meinen Augen erneut ab. Damals war nicht ich es, die es erkannte, sondern mein Ex. "Wie kannst du sagen 'Okay, dann mach es' und ins Bett gehen, tatsächlich schlafen, wenn ich von Scheidung rede?"

amorsolalex hat gesagt…

K. war damals zur richtigen Zeit am richtigen Ort und er war, wenn auch nicht zur Gänze, der richtige Mensch um mich aufzurütteln. Dafür bin ich ihm, auch heute noch und auch nach allen Erfahrungen mit ihm, dankbar. Vieles hätte ich lieber nicht erfahren müssen, aber er hat mir den Weg gezeigt, den ich zu gehen habe.

Wenn der andere über einen längeren Zeitraum immer wieder bewusst verletzend agiert, dann verliert man irgendwann den Respekt und ich behaupte, dass damit auch die Liebe geht. Ich kann niemanden lieben, den ich verachte. Dass was ich dann trotzdem noch als Bindung, als "Liebe" empfinde, ist wohl auch ein Stück weit die eigene Angst vor den Konsequenzen dieser Verachtung. Und zu wenig Selbstliebe, derjenige hat es geschafft, dass man sich selbst vielleicht ebenfalls verachtet und ihm glaubt. Man klammert sich an die Liebe zu diesem Menschen, die längst tot ist, weil man sich selbst zu wenig wert ist. Das kann dann wirklich zu einem Abstumpfen führen, zu einem Resignieren und über sich ergehen lassen. Weil man glaubt, dass man nichts besseres verdient hat, weil man es täglich zu spüren bekommt.
Kaum jemand, der über längere Zeit dieser Situation ausgesetzt ist, kann so einfach sagen, Schluss! Das tust du mir nie wieder an!
Weil man irgendwann gemeinsam geliebt hat und alles schleichend so gekommen ist und man nicht loslassen will oder kann. Was hab ich K. verachtet damals, für die Dinge, die er absichtlich tat, ich kam trotzdem nicht los. Aber Liebe...ist das dann keine mehr.

Ich glaube nicht, dass beides geht, das Verhalten akzeptieren und weiter lieben - trotzdem lieben. Irgendwann, nach Jahren, in der Rückschau, dann kann man Verzeihen und sehen, dass es da irgendwann auch mal Liebe gab und vielleicht auch wieder liebevoll auf diesen Menschen blicken, aber nicht mittendrin.

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Ja, ich sehe all das genauso. Und Du hast es wirklich sehr gut in Worte fassen können. Ich persönlich denke, dass diese Erkenntnisse in einem selbst reifen müssen, so wie dann auch die jeweilige Entscheidung. Bis wohin kann man "miteinander arbeiten" und ab wann ist es tatsächlich untragbar und vorbei. Weil man zu keiner Entscheidung, die man aus eigenem Willen heraus getroffen hat, auf Dauer auch tragen kann.

Dieser Umkehrschluss.. ist für mich persönlich auf eine andere Situation gemünzt. Nicht auf die Beziehung zwischen zwei Menschen, die einander verletzen oder einer den anderen verletzt (verbal und körperlich).

Goldi hat gesagt…

Hmmm, ich hab den Text jetzt mehrmals gelesen und hänge immer noch bei der Frage, wer gegangen ist.

Zum Schmerz und der Liebe, nein ich glaube nicht, dass wir nicht mehr lieben, wenn es nicht mehr schmerzt. Es gibt die Liebe, die "einfach" da ist, die füllt, die fühlt, die sich anschmiegt und ergänzt, die aber auch "gehen" darf, sich loslöst und auch leere hinterlässt, aber dennoch nicht schmerzt, weil es "so wie es ist gut ist".

Das was schmerzt ist nicht die Liebe, das was schmerzt ist die Einsamkeit, der Verlust von Vertrauen und Geborgenheit und die fehlende Bestätigung des Gegenübers, die Liebe, die von mir ausgeht kann nicht schmerzen. (nur so Gedanken, die gerade aus den Fingern hüpfen)

Anonym hat gesagt…

"Wenn das, was der andere tut, mich nicht mehr schmerzt, liebe ich dann nicht mehr oder bin ich lediglich abgestumpft....."
Genau das zu unterscheiden, fällt manchmal sehr schwer. Ich glaube, das kann man nicht so einfach beantworten. Genau wie die Frage, ob man noch liebt oder ob es reine Gewohnheit ist. Das ist wohl von Paar zu Paar verschieden.
Aber jedes Paar sollte das von Zeit zu Zeit überlegen, wenn diese Frage überhaupt aufkeimt.
Jeder Mensch will glücklich sein und jeder Mensch hat ein Anrecht darauf.
Die Suse wars