Pahahahahaaa!
Ich schrei mich weg!
Geduld ist etwas, über das ich nur selektiv verfüge - und wenns an mein Eingemachtes geht oder an meine Kinder oder an mich - oder aber an mein Geld, ja dann!
Als Junior im November 18 wurde, konnte er sein Glück kaum fassen, als ich ihm sagte: "Richte dir ein Konto ein und du bekommst dein Bafög und dein Kindergeld überwiesen."
Klar, das Konto kann man auch vor dem 18. einrichten, jedoch dann nur unter Mitwisserschaft BEIDER Eltern. Was an und für sich auch kein Thema ist. Aber als uns der nette junge Herr, geschniegelt, gestriegelt (ich möchte bitte niemals in einer Bank arbeiten!) und voller Wissen des Studiums erklärte, dass auch der Vater zur Unterschrift ANWESEND sein müsse, spätestens hier winkte Junior ab: "Wir lassen das. Ich komm noch mal wieder, wenn ich 18 bin."
Ja. Und nun hat er seit dem 18. sein Konto - und kein Geld. Na ja, fast keins.
Das Bafög kam nach einer satten Bearbeitungszeit von einem halben Jahr und auch nur, weil ich mit der Höflichkeit einer Messerklinge daran erinnerte. Den Bescheid dazu haben wir zwar bis heute noch nicht, aber wenigstens erst mal das Geld. Ich bevorzuge diese Reihenfolge, übrigens.
Ich muss vielleicht auch nicht zwingend erwähnen, dass das ausgezahlte Bafög derart gering ausfällt, dass er von diesem Geld weder Fahrtkosten noch Schulgeld begleichen könnte, nicht mal nur eins von beiden. Wer darf das also bezahlen? Nu klar. Wenigstens haben Kind und ich uns ohne Raufereien und ganz im Guten (ja, wir mögen uns auch jetzt noch nach den harten Verhandlungen des "Wer zahlt künftig was?") geeinigt, dass wir uns die Kosten für Schule und Abo-Fahrkarte teilen und den Rest mag er für seinen persönlichen.. äh.. Bedarf ausgeben. Allerdings wusste ich da noch nicht, dass es neben Klamotten und Waren des täglichen Parfümierungsbedarfs auch noch begehrt, zur Kosmetik zu gehen. Welche Idiotin ist eigentlich mal darauf gekommen, ihm so einen Gutschein zum Geburtstag zu schenken? Denn damit fing das ganze Elend an...
Nun feilschen wir immer noch, weil die Termine anstehen, aber das Geld nur zögerlich fließt.
Sprich: Kindergeld gibbet immer noch nich.
Zwar wurde mir noch vor Weihnachten süßsäuselnd am Telefon erklärt, alle Unterlagen lägen fristgerecht und vollständig vor, es gäbe keinerlei Beanstandungen (ja wenn ich überhaupt was kann, dann Behördenzeug :)) - aber s Geld gibbet eben nicht. "Es wird Ihnen ja alles nachgezahlt", beschönigte Miss Hindernis, woraufhin mir schon ne passende kräftige Antwort auf der Zunge lag. Andererseits wollte ich eben auch nicht den Eindruck erwecken, alles stehe und fiele mit diesem Kindergeld. Nö, da bin ich mir zu stolz.
Kind jedenfalls fragte beinah täglich: "Ist die Kohle endlich da?" und irgendwann ächzte ich: "Ich glaub, es wird einfacher, wenn ich dir sage, wenn es da ist." Mit anderen Worten: Du nervst! :)
Jedenfalls hieß es vor Weihnachten, man würde sich selbstverständlich beeilen (gabs sowas eigentlich schon mal? Bewegung im Amt? Außer der von einer Schlafseite zur anderen?) und bis zum 2. Januar sollte alles da sein. Wenn nicht, solle ich mich freilich melden, aber das würde ich sicher nicht mehr müssen.
Und für jeden, der im Amt sitzt: Wir schreiben heute den 7., ja, den Siebenten des Monats und wo bleibt das Geld? Also rief ich heute wieder an und eine gemächliche, vermutlich nicht mehr ganz junge, ebenso vermutlich frisch aus dem Urlaub zurückgekehrte entspannte, lässige Dame lächelte süffisant (ja, das habe ich ganz genau durchs Telefon gesehen!) und meinte herablassend: "Na wissen Sie, vor dem 15. passiert doch da nichts. Warten Sie bis zum 15. und erst, wenn es dann immer noch nicht da ist, können wir immer noch einen entsprechenden Mahnantrag stellen."
Ich weiß nicht, was mich hier am meisten reizte: Die Verzögerungstaktiken (aber wehe, die wollen Geld von mir!), das drängende Kind zu Hause oder diese Kackbratze am Telefon - doch leider, leider blieb alle Aggression schön unter meiner Schädeldecke, denn just in diesem Moment spazierte Chef ins Büro und ich konnte nur noch hinwerfen: "Vielen Dank für die Information, auf Wiederhören!" und flink auflegen.
Was Junior mit seinem heutigen Termin macht, weiß ich nicht. Ich sagte zu ihm: "Verschieb ihn doch", er sagte: "Orrr nö!" und ich zuckte die Schultern: "Ja dann such dir nen neuen Nebenjob, dann hast du wieder Geld."
Die Antwort blieb er mir schuldig, aber ich vermute, unter seiner Schädeldecke wird sich Ähnliches wie bei mir heute abgespielt haben :)
Dienstag, 7. Januar 2014
Sonntag, 5. Januar 2014
Jede Frau sollte was Altes haben
Zwischen den Welten und nah des Alltags
Heute bin ich wieder nach Hause gekommen, gut zwei Wochen, nachdem ich es verlassen habe. Die Jugend hat mich nicht enttäuscht: Küche und Bad und Wäschekorb sahen aus wie unter aller Sau - DAS nenne ich doch mal Verlässlichkeit. Wenigstens hatten sie Wort gehalten: Ihr eigenes Zimmer strahlte aufgeräumte Behaglichkeit aus und die Heizungswärme nahm mir fast den Atem. Dafür war mein eigenes Zimmer eiskalt. Klar. Aber immerhin ein sicheres Indiz dafür, das man meinen Raum während meiner Abwesenheit auch nicht bevölkert hatte.
Junior I hatte auch guten Willen bewiesen, immerhin hatte man schon das Wasser in das Abwaschbecken gelassen und den ersten Teller gereinigt. Wohlgemerkt: den ersten Teller nach zehn Tagen!
Den leicht explodierten Mülleimer stellte ich Junior II vor die Fernsehlinse und machte nur eine einzige, aber unmissverständliche Bewegung mit dem Daumen "Raus!" Hat er sogar gemacht und auch sogar sofort. War das echt mein "ich bin noch im Chillmodus"-Sohn oder hatte man mir den inzwischen umgetauscht?
Wie die letzten zehn Tage bei der Jugend abgelaufen waren, erfuhr ich dann auch noch: Nachdem die von mir herangeschafften Vorräte geleert waren und auch das Kostgeld aufgebraucht war, brachte man sich beim Vater unter. Junior I sonstige Ablenkung von der Playstation beschränkte sich auf Besuche bei Freunden, Junior II ging aus, verprasste alles Geld & Gut, ja und mit der neuen Freundin ist es auch schon wieder vorbei. Hujuijui, der Bursche legt ein Tempo vor. Er ist ja 18 und darf sich ausprobieren, aber so ein wenig frage ich mich doch, ob der Junge nicht latent bindungsgeschädigt ist nach dem Scheidungskrieg, den er einst miterleben musste? Echte Gefühle werden zugelassen, nur wirklich tief gehen dürfen sie nicht und bevor das passiert, verabschiedet er sich. Und falls einer schreit: "Der is ja wie du!" - nee, der Junge is Skorpion, nich Schmetterling wie seine Mutter. Außerdem hatte ich niemals Angst vor Gefühlen, ich hatte nur Angst vor Enttäuschungen. Ja, so kann man das nämlich auch sagen.
Jedenfalls... In den letzten beiden Wochen bin ich einmal kreuz und quer gereist: Von der wunderschönen Küste in die tiefste Bergwelt. Und wenn Ihr mich fragt: "Jupp, das Meer ist und bleibt meine größte Leidenschaft." Die gelben Seiten habens redlich versucht, mir schmackhaft zu machen: neue federleichte Schneeschuhe und es läuft sich sooooo super! Nun, es braucht dafür nur ne klitzekleine Kleinigkeit: Schnee!
Man, wat war ICK froh, dass Petrus uns allet möschlische vom Himmel schickte, aber keeenen Schnee!
Aber mal im Ernst: Am Fuße eines Berges steh ich immer ziemlich ratlos da, weil ich einfach nichts in mir spür, wenn ich vor mir so'n Ungetüm aus Sand und Fels seh. Und wenn ich oben steh, gehts mir immer noch so - nur dass ich dann jedesmal glaube zu sterben. So ohne Atem und so, siehts halt schlecht aus.
Da is auch nix mit Kraft auftanken, denn alle Energie, die ich da noch hab, brauch ich, um in meine Lungen wieder etwas Sauerstoff zu füllen. Und am Ende des Tages - wat haste von dem Ganzen? Genau! Mörder-Muskelkater und Stelzbeine! Sonst nix.
Ich bin also weiterhin durchaus dafür, dass die gelben Seiten den Sport & auf den Berg klettern gern in Gemeinschaftsarbeit mit Freunden ausleben dürfen, während ich ihn dann zu Hause erwarte mit heißem Tee und einer liebevoll vorbereiteten Badewanne, während ich einen neuen Cartoon gemalt oder ein paar weitere Seiten an meinem Buch geschrieben habe. Denn insbesondere das ist mir in den letzten Tagen bewusst geworden: Ich habe wieder Elan. Und ich habe vor allem wieder Ideen!
Erst vor vier Tagen stand ich morgens im Badezimmer und während des Zähneputzens kamen mir gleich vier Ideen für jeweils einen Cartoon, so dass wir uns in der Stadt Skizzenbuch und Stifte besorgten und ich mich auf dem Papier austobte. Blöd nur die Idee, das Skizzenbuch bei den gelben Seiten liegenzulassen, jetzt kann ich Euch nicht zeigen, was mir da so durchs Hirn wabert beim soliden Akt des Zähne säuberns.
Nu ja, aber auch hier zu Hause besitze ich Skizzenbuch und Stifte und wer weiß, vielleicht gelingt es mir ja tatsächlich, mir mehr Ruhe und (weitere) Gelassenheit zu bewahren und so auch die ureigenste Kreativität wieder quellen zu lassen.
Ja und sonst? Silvester haben wir es wahr gemacht und wieder eine Glücksrakete gen Himmel geschickt. Es gibt ja Leute, für die ist Silvester auch nur ein Datum, aber für mich... steht es immer noch für was Neues, Frisches, für einen Anfang von was auch immer...
Aber das war ja mörderschweinekalt auf der Theresienwiese!
Ich habe mir im wahrsten Sinne des Wortes den - mit Verlaub - Arsch abgefroren und daran änderten auch zwei Decken, ein Schaffell und zwei Hosen später nix: Während die Monroe nur mit Chanel No. 5 zu Bett ging, entschied ich mich in der jungen Nacht fürs intensive Kuscheln mit der Wärmflasche, in Flanellwäsche und mit Socken. Ja ich weiß, total sexy! Immerhin habe ich überlebt - und die Prognosen für 2014 besagen: Für den Zwilling sieht das alles richtig gut aus, ab August. Aha. Na immerhin!
Ich sollte nun zu Bett gehen. Morgen erwartet mich das Büro. Ich vermute scheiß kalt und mit abgestürztem Server. Da sollte ich wenigstens ausgeschlafen sein. Sowohl als auch. he he.
Dienstag, 31. Dezember 2013
Der Kitzel nach mehr
Noch keiner meiner Lieblingsblogs hat dieses Thema aufgegriffen, aber ich denke, wir alle haben inzwischen vom Skiunfall Michael Schumachers gehört oder gelesen. Man kommt ja irgendwie auch nicht dran vorbei, selbst wenn man wollte: Die TV- und Online-Nachrichten überschlagen sich und selbst in Märchen- oder Kinofilmen läuft neuerdings ein Schumacher-Ticker.
Ganz offen gesagt: Mit jeder neuen Meldung zieht sich meine Augenbraue ein Stück höher und zeige ich mich nachhaltig verwundert über den neuerlichen Hype, der da angerollt ist und über die Zuschauer und Zuhörer hinwegwalzt. Ein persönliches, schweres Schicksal ist immer etwas, das mich berührt - auch in diesem Fall und auch dann, wenn man bei allem Respekt eines nicht vergessen darf: Schumacher ist abseits der erlaubten Piste gefahren, er, der jahrelang Risiko auf dem Asphalt kalkuliert hat, wird gewusst haben, worauf er sich einließ. Warum er es dennoch riskierte, bleibt seine ureigenste Sache und hinterlässt bei aller Tragik einen schalen Beigeschmack: Er hätte es allen ersparen können, sich selbst, seinem Umfeld - und vor allem seiner Familie. Ich will echt nicht klugscheißern, aber was mich an solchen Geschichten immer am meisten betroffen macht, ist vor allem die Situation, in der sich insbesondere seine Familie jetzt befindet. Das Bangen, das Hoffen, der Kummer.
Die gelben Seiten meinten trocken: "Seine Frau sollte ihm nachträglich noch eine runterhauen dafür" und ich sagte: "Sie wird einfach nur froh sein, wenn er wieder da ist und gesund wird."
War es nun Dummheit?
War es nun der Kick, der Kitzel, dieser unaufhaltsame Drang nach eben diesem?
So wie er auch die Rennfahrerei an den Nagel hing und dann doch wiederkehrte, weil es ohne eben nicht ging? Ein Mensch im Geschwindigkeitsrausch, weil das Leben danach als zu langsam erscheint?
Bis wohin ist es Sportsgeist und ab wann beginnt der.. äh.. Größenwahn? Oder als was auch immer man das bezeichnen wollte?
Wenn ich ehrlich sein soll: Es gibt Sportarten, denen kann ich einfach nix abgewinnen. Ich meine, was ist sportlich daran, dass zwei Leute sich - mit Verlaub - die Fresse einschlagen, während das Publikum johlt und pfeift, je doller, desto besser? Egal, ob Boxen, Wrestling oder was weiß ich - ich kann damit nix anfangen - und daran hat auch "Rocky" mit der versuchten Romantik nix geändert.
Vielleicht hats ja auch was mit meiner persönlichen grundlegenden Einstellung zur Gewalt zu tun: Ich lehne sie ab.
Und ich habe Angst vor Geschwindigkeiten. Seit ich in einem Auto saß, dessen Lenkung versagte und mich irgendwo aufklatschen ließ, habe ich jegliches Vertrauen in die Technik verloren. Die Angst fährt nicht mehr bewusst mit, aber sie erwacht in jedem Moment neu, in dem es mir zu schnell wird zum Beispiel. Ich habe Angst vor Höhe, seitdem ich als Kind kopfüber vom Doppelstockbett fiel oder vom Baum stürzte, weil ich, als ich endlich oben saß, nicht mehr wusste, wie ich runterkommen sollte.
Junior I habe ich erst vor zwei Monaten die Ohren gehörig langgezogen, als er des Nachts an mir vorbeigeknattert ist - in meinem Wagen und mit seinem Tempo, das mir den Mund trocken werden ließ. Nur weil er sich zu spät von Freundin Playstation lösen konnte und nun befürchtete, zu spät zum Treffpunkt zu kommen, um seine Mama nicht in der Dunkelheit allein stehen, frieren und warten zu lassen. Es ist nicht nur die Angst, die man um das eigene Kind hegt. Es ist auch die Angst, dass er anderen, völlig Unschuldigen schadet - und was das dann für alle Beteiligten bedeuten würde.
Von Junior II muss ich Derartiges vermutlich nicht befürchten, der kommt ganz nach mir: Legst du den gechillt in eine Ecke mit Kissen und Süßem, steht der für den Rest des Tages nicht mehr auf.
Von wem ich wiederum diese Eigenschaft habe, davon konnten sich die gelben Seiten zu Weihnachten selbst ein Bild machen. Nu ja. Ich war wohl immer schon ein Papa-Kind ;) Auch wenn ich sagen muss, dass ich in den letzten Jahren deutlich mehr Eigenschaften meiner Mama übernommen habe.
Vor einer Woche war ich mit Junior II in der Stadt unterwegs, letzte Besorgungen machen und so. Dort ist uns so ein uraltes Ömchen begegnet, ein krumm gebeugter Rücken, eine zarte schmale Gestalt, das Gesicht zerknittert und verwittert und ihre Kleidung verwahrlost. Sie lief, eine Blechbüchse in den krummen Fingern, am Stock hin und her, völlig unaufdringlich, aber unübersehbar. Als ich ihr Geld in die Dose legte, schaute Junior mich an: "Du weißt aber schon, dass das oft nur Leute sind, die vorgeschickt werden?" Und ich schaute ihn an und sagte: "Ja ich weiß das. Ich weiß aber auch, dass es mindestens genauso viele Menschen gibt, die einfach nichts mehr haben im Leben." Vielleicht denke ich zu pauschal und vielleicht zu klischeebeladen, aber jungen Menschen, die auf der Straße hocken, denen gebe ich kein Geld. Sie sind jung, sie sind gesund, vielleicht sind sie nicht einfach nur faul - aber worin auch immer die Gründe liegen: Sie haben immer noch die besten Chancen, etwas aus ihrem Leben zu machen. Viel mehr als so ein uralter Mann oder eine uralte Frau.
In Junior II mochte das etwas bewegt haben. Er, der an Bettlern immer vorüberging, schaute sie sich genauer an - und da, wo er auf sein Bauchgefühl vertraute, legte er Geld in die Hand. Nicht viel, aber es war die Geste, die für mich zählte.
Na ja, nun bin ich vom Thema abgekommen. Oder doch nicht?
Ich vermisse oft, dass die kleinen Dinge im Leben nicht mehr geschätzt werden - oder zu wenig gewürdigt. Dass es immer noch besser, schneller, weiter, höher gehen muss und viele Menschen mit dem, was sie erreicht haben, immer noch nicht zufrieden sind. Gut, mir ist bewusst: Zufriedenheit an sich kann auch hinderlich sein. Zufriedenheit fördert möglicherweise Stillstand. Weil man den Status beibehalten, nichts mehr ändern möchte und glaubt, alles müsse nun so bleiben wie es ist.
Ich glaube, dass es ganz gut ist, sich immer wieder mal zu hinterfragen, die eigene Persönlichkeit, eigene Ziele, Träume, Wertvorstellungen und dass auch nix Falsches dran ist, immer mal die Richtung zu ändern. Solange man sich selbst treu bleiben kann.
Ich weiß immer noch nicht, was den Menschen Schumacher dazu veranlasste, außerhalb der erlaubten Pisten den Berg hinabzurasen und ich würde ihm nie niemals absprechen wollen, dass er diese Kleinigkeiten im Leben nicht schätzt - ich kenn ihn ja gar nicht. Irgendwas wirds gewesen sein - aber vielleicht ist es ja auch nicht das Verkehrteste, auch mal darüber nachzudenken, was das eigene Verhalten für die Menschen bedeutet, die einen lieben.
Und nun sage ich an dieser Stelle meinen Lesern das, was ich vorhin auch meinen Söhnen am Telefon sagte: Kommt gut in das neue Jahr, ich hoffe und wünsche Euch alles Liebe für 2014 und dass es Euch das bringen möge, wonach Ihr Euch am meisten sehnt. Passt gut auf Euch auf, so und auch so. Schätzt, was Ihr habt. Liebt, was Ihr habt. Denn manchmal will man vielleicht zuviel - und verliert dabei alles...
Ganz offen gesagt: Mit jeder neuen Meldung zieht sich meine Augenbraue ein Stück höher und zeige ich mich nachhaltig verwundert über den neuerlichen Hype, der da angerollt ist und über die Zuschauer und Zuhörer hinwegwalzt. Ein persönliches, schweres Schicksal ist immer etwas, das mich berührt - auch in diesem Fall und auch dann, wenn man bei allem Respekt eines nicht vergessen darf: Schumacher ist abseits der erlaubten Piste gefahren, er, der jahrelang Risiko auf dem Asphalt kalkuliert hat, wird gewusst haben, worauf er sich einließ. Warum er es dennoch riskierte, bleibt seine ureigenste Sache und hinterlässt bei aller Tragik einen schalen Beigeschmack: Er hätte es allen ersparen können, sich selbst, seinem Umfeld - und vor allem seiner Familie. Ich will echt nicht klugscheißern, aber was mich an solchen Geschichten immer am meisten betroffen macht, ist vor allem die Situation, in der sich insbesondere seine Familie jetzt befindet. Das Bangen, das Hoffen, der Kummer.
Die gelben Seiten meinten trocken: "Seine Frau sollte ihm nachträglich noch eine runterhauen dafür" und ich sagte: "Sie wird einfach nur froh sein, wenn er wieder da ist und gesund wird."
War es nun Dummheit?
War es nun der Kick, der Kitzel, dieser unaufhaltsame Drang nach eben diesem?
So wie er auch die Rennfahrerei an den Nagel hing und dann doch wiederkehrte, weil es ohne eben nicht ging? Ein Mensch im Geschwindigkeitsrausch, weil das Leben danach als zu langsam erscheint?
Bis wohin ist es Sportsgeist und ab wann beginnt der.. äh.. Größenwahn? Oder als was auch immer man das bezeichnen wollte?
Wenn ich ehrlich sein soll: Es gibt Sportarten, denen kann ich einfach nix abgewinnen. Ich meine, was ist sportlich daran, dass zwei Leute sich - mit Verlaub - die Fresse einschlagen, während das Publikum johlt und pfeift, je doller, desto besser? Egal, ob Boxen, Wrestling oder was weiß ich - ich kann damit nix anfangen - und daran hat auch "Rocky" mit der versuchten Romantik nix geändert.
Vielleicht hats ja auch was mit meiner persönlichen grundlegenden Einstellung zur Gewalt zu tun: Ich lehne sie ab.
Und ich habe Angst vor Geschwindigkeiten. Seit ich in einem Auto saß, dessen Lenkung versagte und mich irgendwo aufklatschen ließ, habe ich jegliches Vertrauen in die Technik verloren. Die Angst fährt nicht mehr bewusst mit, aber sie erwacht in jedem Moment neu, in dem es mir zu schnell wird zum Beispiel. Ich habe Angst vor Höhe, seitdem ich als Kind kopfüber vom Doppelstockbett fiel oder vom Baum stürzte, weil ich, als ich endlich oben saß, nicht mehr wusste, wie ich runterkommen sollte.
Junior I habe ich erst vor zwei Monaten die Ohren gehörig langgezogen, als er des Nachts an mir vorbeigeknattert ist - in meinem Wagen und mit seinem Tempo, das mir den Mund trocken werden ließ. Nur weil er sich zu spät von Freundin Playstation lösen konnte und nun befürchtete, zu spät zum Treffpunkt zu kommen, um seine Mama nicht in der Dunkelheit allein stehen, frieren und warten zu lassen. Es ist nicht nur die Angst, die man um das eigene Kind hegt. Es ist auch die Angst, dass er anderen, völlig Unschuldigen schadet - und was das dann für alle Beteiligten bedeuten würde.
Von Junior II muss ich Derartiges vermutlich nicht befürchten, der kommt ganz nach mir: Legst du den gechillt in eine Ecke mit Kissen und Süßem, steht der für den Rest des Tages nicht mehr auf.
Von wem ich wiederum diese Eigenschaft habe, davon konnten sich die gelben Seiten zu Weihnachten selbst ein Bild machen. Nu ja. Ich war wohl immer schon ein Papa-Kind ;) Auch wenn ich sagen muss, dass ich in den letzten Jahren deutlich mehr Eigenschaften meiner Mama übernommen habe.
Vor einer Woche war ich mit Junior II in der Stadt unterwegs, letzte Besorgungen machen und so. Dort ist uns so ein uraltes Ömchen begegnet, ein krumm gebeugter Rücken, eine zarte schmale Gestalt, das Gesicht zerknittert und verwittert und ihre Kleidung verwahrlost. Sie lief, eine Blechbüchse in den krummen Fingern, am Stock hin und her, völlig unaufdringlich, aber unübersehbar. Als ich ihr Geld in die Dose legte, schaute Junior mich an: "Du weißt aber schon, dass das oft nur Leute sind, die vorgeschickt werden?" Und ich schaute ihn an und sagte: "Ja ich weiß das. Ich weiß aber auch, dass es mindestens genauso viele Menschen gibt, die einfach nichts mehr haben im Leben." Vielleicht denke ich zu pauschal und vielleicht zu klischeebeladen, aber jungen Menschen, die auf der Straße hocken, denen gebe ich kein Geld. Sie sind jung, sie sind gesund, vielleicht sind sie nicht einfach nur faul - aber worin auch immer die Gründe liegen: Sie haben immer noch die besten Chancen, etwas aus ihrem Leben zu machen. Viel mehr als so ein uralter Mann oder eine uralte Frau.
In Junior II mochte das etwas bewegt haben. Er, der an Bettlern immer vorüberging, schaute sie sich genauer an - und da, wo er auf sein Bauchgefühl vertraute, legte er Geld in die Hand. Nicht viel, aber es war die Geste, die für mich zählte.
Na ja, nun bin ich vom Thema abgekommen. Oder doch nicht?
Ich vermisse oft, dass die kleinen Dinge im Leben nicht mehr geschätzt werden - oder zu wenig gewürdigt. Dass es immer noch besser, schneller, weiter, höher gehen muss und viele Menschen mit dem, was sie erreicht haben, immer noch nicht zufrieden sind. Gut, mir ist bewusst: Zufriedenheit an sich kann auch hinderlich sein. Zufriedenheit fördert möglicherweise Stillstand. Weil man den Status beibehalten, nichts mehr ändern möchte und glaubt, alles müsse nun so bleiben wie es ist.
Ich glaube, dass es ganz gut ist, sich immer wieder mal zu hinterfragen, die eigene Persönlichkeit, eigene Ziele, Träume, Wertvorstellungen und dass auch nix Falsches dran ist, immer mal die Richtung zu ändern. Solange man sich selbst treu bleiben kann.
Ich weiß immer noch nicht, was den Menschen Schumacher dazu veranlasste, außerhalb der erlaubten Pisten den Berg hinabzurasen und ich würde ihm nie niemals absprechen wollen, dass er diese Kleinigkeiten im Leben nicht schätzt - ich kenn ihn ja gar nicht. Irgendwas wirds gewesen sein - aber vielleicht ist es ja auch nicht das Verkehrteste, auch mal darüber nachzudenken, was das eigene Verhalten für die Menschen bedeutet, die einen lieben.
Und nun sage ich an dieser Stelle meinen Lesern das, was ich vorhin auch meinen Söhnen am Telefon sagte: Kommt gut in das neue Jahr, ich hoffe und wünsche Euch alles Liebe für 2014 und dass es Euch das bringen möge, wonach Ihr Euch am meisten sehnt. Passt gut auf Euch auf, so und auch so. Schätzt, was Ihr habt. Liebt, was Ihr habt. Denn manchmal will man vielleicht zuviel - und verliert dabei alles...
Samstag, 28. Dezember 2013
Ich schaue zurück und auch nach vorn
Dieses Jahr hat nur noch wenige Tage, dann beginnt ein neues. An meinen Schultern, an meinem ganzen Ich fühle ich die Last dieses Jahres an mir hängen, wohl nicht zuletzt auch aufgrund des letzten, unerwartet und ungewohnt langen Schmerzschubes, den ich momentan richtig gut beherrschen kann.
Was ich aus diesem Jahr mitnehme, ist ein Jahr voller Anstrengungen, Belastungen - aber auch von sonnigen Momenten, von denen ich mir im kommenden Jahr etwas mehr wünsche. Etwas mehr Leichtigkeit wieder. Auch wenn mir bewusst ist, dass diese vor allem im Kopf beginnt - im eigenen.
Da, wo auch die meisten Probleme entstehen.
In diesem Jahr habe ich manches verloren und manches wiedergewonnen. Nicht nur Friederike. Auch eine andere Freundin, die ich hier Brummkreisel nennen möchte. Vielleicht erinnert sie sich, woher diese Bezeichnung stammt ;) Ich wusste nicht, dass sie diesen Blog noch liest, ich wusste nicht einmal, ob sie überhaupt noch an mich dachte. So wie ich an sie, spätestens dann, wann immer ich mich auf längere Autoreisen begab. Immer dachte ich dann an unsere allererste gemeinsame Fahrt. Bis dahin kannten wir uns nicht, hatten wir uns nie zuvor gesehen - aber sie bot eine Mitfahrgelegenheit, und nur mich hatte sie mitgenommen. Als wir begannen zu erzählen, dachte ich manchmal: "Wir reden über Sachen, als würden wir uns schon ewig kennen." Und als sie dann ihre Stullen aus einer Brotdose auspackte, konnte ich mir ein Grinsen nicht verkneifen, streckte aber wohlig die Beine aus und legte mich entspannt und bequem im Sitz zurück: Typisch Ossi-Kind - so wie ich.
Zwei Jahre haben wir uns nicht gesehen, nicht gehört, nicht gelesen - und vielleicht wissen wir beide nicht so genau, warum genau das passiert ist. So wie ich auch nicht weiß, warum ich in diesen zwei Jahren nie den Schritt auf sie zugemacht hatte.
Irgendwann vor wenigen Wochen, als ich nach langer Zeit wieder mein Postfach betrat, fand ich inmitten einer unzähligen Werbeflut ihre E-Mail. Sie hatte in meinem Blog gelesen, und sie hatte von Friederike gelesen. Von dem, was ich mir dachte, was ich empfand. Und wenn sie auch wusste, dass nicht sie gemeint war, so hatte sie sich hingesetzt und eben diese E-Mail an mich geschrieben.
Ich war unglaublich berührt. Beschämt. Und sehr überrascht. Ich glaubte, dass sie mich längst vergessen hatte.
Ich glaube das immer, dass man mich vergessen hat.
Ich glaube immer, dass ich anderen nichts Wirkliches geben kann und ich nicht so ein Mensch bin, den man nicht vergessen kann.
Ich glaube immer, dass man mich nur dann liebenswert empfinden kann, wenn ich den Erwartungen gerecht werde. Ob in Freundschaft oder in Liebe. Noch vor wenigen Jahren war mein hauptsächlichstes Bestreben, diese auch unausgesprochenen Erwartungen zu erfüllen, damit mir Freundschaft und Liebe sicher wären. Ich bildete mir ein, wenn ich dies und jenes tu und sage und gebe, dann bin ich die Freundschaft wert. Und die Liebe.
Heute lebe ich nicht mehr nach diesem Prinzip. Ich grenze mich ab. Ich sage Nein. Und ich sage Stopp. Manchmal ziehe ich mich monatelang vor manchen Menschen zurück, einfach nur, um mich selbst zu schützen. Ich gebe, was ich geben kann - oder ich lasse es und gerate in Vergessenheit. Dann sei es so.
Oder eben auch nicht. Friederike hat mich nicht vergessen. Mein Brummkreisel mich auch nicht. Und auch die gelben Seiten nicht, zu denen ich vor langer Zeit öfter und einmal auch über ein Jahr lang keine Verbindung hatte. Auch von ihm glaubte ich, er habe mich längst vergessen und ein neues Leben begonnen. Ich wusste nicht, dass ich für ihn immer noch die einzige Frau war, während hingegen ich tatsächlich ein neues Leben begonnen und auch einem anderen Mann Raum darin gegeben hatte.
Und heute... planen wir ein Leben, zu dem Entscheidungen gehören. Dass das eines Tages so sein würde, wussten wir, bevor wir einander wiederfanden. Und wir haben diese Entscheidungen lange vor uns hergeschoben. Nun wird es Zeit, Gespräche zu führen. Nicht miteinander, aber füreinander.
Das kommende Jahr, von dem ich mir etwas mehr Leichtigkeit wünsche, wird uns eine ganze Menge abverlangen. Jeder von uns hat so seine Vorstellungen und Wünsche und Träume, und ich denke mir, dass von uns beiden eine Menge Kompromissbereitschaft und auch Toleranz dazugehören wird, diese im kommenden Jahr umzusetzen. Denn heute weiß ich nicht nur, was ich will - ich weiß auch, was ich mit Sicherheit nicht will und dass ich nicht wie früher schweigen und machen lasse.
Die Weihnachtstage haben wir zu Hause am Meer verbracht. Bei der Familie, bei meinen Wurzeln. Natürlich habe ich am Meer gestanden, hab am Ufer die Arme ausgebreitet und die Augen geschlossen. Und nur gelacht, als meine Mama sagte: "Herrgott, Mädchen, deine Schuhe!" Natürlich ist es nicht dasselbe Gefühl wie barfuss und im Flatterkleid. Aber es ist das... Mee(h)r-Gefühl. Unendliche Weite. Unendliche Tiefe. Unendliche Freiheit.
In diesen wenigen Tagen wurde die Idee zu einem neuen Buch geboren. Die gelben Seiten würden lachen, würden sie das hier lesen, und sie würden sagen: "Bring doch erst mal das andere zuende."
Und das ist etwas, das ich mir für das neue Jahr vorgenommen habe: mehr Zeit nur für mich. Mehr Zeit für das Schreiben, für meine Ideen, für meine Gedanken. Blog ist Blog, hier oder da. Aber ein Buch... ist etwas völlig anderes - und ob das je veröffentlicht würde, wieder eine ganz andere Frage.
Jedoch das ist auch wiederum zweitrangig für mich. An diesem Punkt geht es mir wie Friederike: Da ist etwas in mir, das herausmuss. So oder so.
Es gibt Menschen, die mit ihrem Gesang ihre Empfindungen zeigen.
Es gibt Menschen, die mit ihrem Tanz ihre Empfindungen zeigen.
Ich kann nicht singen und ich kann nicht tanzen.
Ich bin jemand, der schreiben muss.
Und das ist für das neue Jahr mein einziger Vorsatz: mehr Zeit und Ruhe zum Schreiben. Mehr Raum für meine Gedanken und meine Ideen.
Ist das egoistisch?
Ich weiß es nicht, vielleicht. Aber irgendwann muss mir das einfach auch mal egal sein. Sonst kann ich nie das tun, was ich wirklich will. Sondern nur das, was andere von mir erwarten. Und das... ist mir zu wenig.
Was ich aus diesem Jahr mitnehme, ist ein Jahr voller Anstrengungen, Belastungen - aber auch von sonnigen Momenten, von denen ich mir im kommenden Jahr etwas mehr wünsche. Etwas mehr Leichtigkeit wieder. Auch wenn mir bewusst ist, dass diese vor allem im Kopf beginnt - im eigenen.
Da, wo auch die meisten Probleme entstehen.
In diesem Jahr habe ich manches verloren und manches wiedergewonnen. Nicht nur Friederike. Auch eine andere Freundin, die ich hier Brummkreisel nennen möchte. Vielleicht erinnert sie sich, woher diese Bezeichnung stammt ;) Ich wusste nicht, dass sie diesen Blog noch liest, ich wusste nicht einmal, ob sie überhaupt noch an mich dachte. So wie ich an sie, spätestens dann, wann immer ich mich auf längere Autoreisen begab. Immer dachte ich dann an unsere allererste gemeinsame Fahrt. Bis dahin kannten wir uns nicht, hatten wir uns nie zuvor gesehen - aber sie bot eine Mitfahrgelegenheit, und nur mich hatte sie mitgenommen. Als wir begannen zu erzählen, dachte ich manchmal: "Wir reden über Sachen, als würden wir uns schon ewig kennen." Und als sie dann ihre Stullen aus einer Brotdose auspackte, konnte ich mir ein Grinsen nicht verkneifen, streckte aber wohlig die Beine aus und legte mich entspannt und bequem im Sitz zurück: Typisch Ossi-Kind - so wie ich.
Zwei Jahre haben wir uns nicht gesehen, nicht gehört, nicht gelesen - und vielleicht wissen wir beide nicht so genau, warum genau das passiert ist. So wie ich auch nicht weiß, warum ich in diesen zwei Jahren nie den Schritt auf sie zugemacht hatte.
Irgendwann vor wenigen Wochen, als ich nach langer Zeit wieder mein Postfach betrat, fand ich inmitten einer unzähligen Werbeflut ihre E-Mail. Sie hatte in meinem Blog gelesen, und sie hatte von Friederike gelesen. Von dem, was ich mir dachte, was ich empfand. Und wenn sie auch wusste, dass nicht sie gemeint war, so hatte sie sich hingesetzt und eben diese E-Mail an mich geschrieben.
Ich war unglaublich berührt. Beschämt. Und sehr überrascht. Ich glaubte, dass sie mich längst vergessen hatte.
Ich glaube das immer, dass man mich vergessen hat.
Ich glaube immer, dass ich anderen nichts Wirkliches geben kann und ich nicht so ein Mensch bin, den man nicht vergessen kann.
Ich glaube immer, dass man mich nur dann liebenswert empfinden kann, wenn ich den Erwartungen gerecht werde. Ob in Freundschaft oder in Liebe. Noch vor wenigen Jahren war mein hauptsächlichstes Bestreben, diese auch unausgesprochenen Erwartungen zu erfüllen, damit mir Freundschaft und Liebe sicher wären. Ich bildete mir ein, wenn ich dies und jenes tu und sage und gebe, dann bin ich die Freundschaft wert. Und die Liebe.
Heute lebe ich nicht mehr nach diesem Prinzip. Ich grenze mich ab. Ich sage Nein. Und ich sage Stopp. Manchmal ziehe ich mich monatelang vor manchen Menschen zurück, einfach nur, um mich selbst zu schützen. Ich gebe, was ich geben kann - oder ich lasse es und gerate in Vergessenheit. Dann sei es so.
Oder eben auch nicht. Friederike hat mich nicht vergessen. Mein Brummkreisel mich auch nicht. Und auch die gelben Seiten nicht, zu denen ich vor langer Zeit öfter und einmal auch über ein Jahr lang keine Verbindung hatte. Auch von ihm glaubte ich, er habe mich längst vergessen und ein neues Leben begonnen. Ich wusste nicht, dass ich für ihn immer noch die einzige Frau war, während hingegen ich tatsächlich ein neues Leben begonnen und auch einem anderen Mann Raum darin gegeben hatte.
Und heute... planen wir ein Leben, zu dem Entscheidungen gehören. Dass das eines Tages so sein würde, wussten wir, bevor wir einander wiederfanden. Und wir haben diese Entscheidungen lange vor uns hergeschoben. Nun wird es Zeit, Gespräche zu führen. Nicht miteinander, aber füreinander.
Das kommende Jahr, von dem ich mir etwas mehr Leichtigkeit wünsche, wird uns eine ganze Menge abverlangen. Jeder von uns hat so seine Vorstellungen und Wünsche und Träume, und ich denke mir, dass von uns beiden eine Menge Kompromissbereitschaft und auch Toleranz dazugehören wird, diese im kommenden Jahr umzusetzen. Denn heute weiß ich nicht nur, was ich will - ich weiß auch, was ich mit Sicherheit nicht will und dass ich nicht wie früher schweigen und machen lasse.
Die Weihnachtstage haben wir zu Hause am Meer verbracht. Bei der Familie, bei meinen Wurzeln. Natürlich habe ich am Meer gestanden, hab am Ufer die Arme ausgebreitet und die Augen geschlossen. Und nur gelacht, als meine Mama sagte: "Herrgott, Mädchen, deine Schuhe!" Natürlich ist es nicht dasselbe Gefühl wie barfuss und im Flatterkleid. Aber es ist das... Mee(h)r-Gefühl. Unendliche Weite. Unendliche Tiefe. Unendliche Freiheit.
In diesen wenigen Tagen wurde die Idee zu einem neuen Buch geboren. Die gelben Seiten würden lachen, würden sie das hier lesen, und sie würden sagen: "Bring doch erst mal das andere zuende."
Und das ist etwas, das ich mir für das neue Jahr vorgenommen habe: mehr Zeit nur für mich. Mehr Zeit für das Schreiben, für meine Ideen, für meine Gedanken. Blog ist Blog, hier oder da. Aber ein Buch... ist etwas völlig anderes - und ob das je veröffentlicht würde, wieder eine ganz andere Frage.
Jedoch das ist auch wiederum zweitrangig für mich. An diesem Punkt geht es mir wie Friederike: Da ist etwas in mir, das herausmuss. So oder so.
Es gibt Menschen, die mit ihrem Gesang ihre Empfindungen zeigen.
Es gibt Menschen, die mit ihrem Tanz ihre Empfindungen zeigen.
Ich kann nicht singen und ich kann nicht tanzen.
Ich bin jemand, der schreiben muss.
Und das ist für das neue Jahr mein einziger Vorsatz: mehr Zeit und Ruhe zum Schreiben. Mehr Raum für meine Gedanken und meine Ideen.
Ist das egoistisch?
Ich weiß es nicht, vielleicht. Aber irgendwann muss mir das einfach auch mal egal sein. Sonst kann ich nie das tun, was ich wirklich will. Sondern nur das, was andere von mir erwarten. Und das... ist mir zu wenig.
Freitag, 20. Dezember 2013
Frohe und lustige Weihnachten - hier mit dem Klassiker
...the godfathers of candy cups :)
P.S. Falls einer fragt: Natürlich bin ich schwer am Arbeiten! Was sonst? Prost!
Wie das eben so ist mit Erwartungen und Überraschungen!
Nun, ich gebe zu - der Klassiker der beiden Tassen ist und bleibt mein Favorit, aber diese Variante der beiden Tassen, die sich mal gern haben können, hat mich dann auch erinnert an so Momente, wenn du dein Geschenk auspackst und Frau ja gerne mal das Gesicht einschläft, weil statt eines erwarteten heißen Negliges nur ein schnöder Küchenmixer zum Vorschein kommt. Oder wahlweise beim Mann, weil der statt der neuesten Technik nur wieder die obligatorischen Krawatten, Socken und - gerne auch - Nachtwäsche in Frottee zum Vorschein kommt. Tatsache, is alles schon passiert - aber glücklicherweise nicht, wenn ich meine Hände im Spiel hatte ;)
Wobei, in den finsteren Ehezeiten bekam ich auch so Küchengeräte und so geschenkt. Ich bin ja immer der Meinung, das, was man schenkt, soll mit Liebe und Bedacht ausgesucht sein, soll was Persönliches sein, das dem anderen das Herzchen wärmt. Nun ja.. Vielleicht entsprachen ja in den Augen meines Ex-Mannes Küchengeräte diesem Ansinnen.
In diesen Ehezeiten hieß es auch immer: "Es muss teuer aussehen und darf nur wenig kosten."
Oh Gott, wie habe ich diese Einstellung gehasst!
Für mich muss es einfach nur von Herzen kommen - und dann ist es völlig egal, ob es 5 oder 50 Euro kostet. Würde es 500 Euro kosten, würde es mich schon wieder mehr erschrecken als freuen.
Jedenfalls - heute haben wir unseren letzten Arbeitstag in diesem Jahr (klingt länger als es is, leider :)) und hier ist eine so prachtvolle Stimmung, dass ich fast versucht wäre, noch länger als nötig im Büro zu bleiben.
Aber nun ja.. die Konzentration lässt auch nach. Was Chef mich auch fragt - ich weiß irgendwie so überhaupt nix mehr und meine Antworten fallen entsprechend albern statt qualifiziert aus.
Offenbar aber leiden auch die anderen Kollegen unter latenten Konzentrationsstörungen. Der eine hat uns heute schon mehrfach begrüßt, weil er immer wieder glaubte, er sähe uns heut zum ersten Mal. Und der andere wollte einen Einsatzplan für Bereitschaftsdienste verteilen, bei dem ich nicht umhin kam, erst beinah Tränen zu lachen und ihm zu unterstellen, dass er diesen Plan womöglich nur unter Einsatz von Glühwein, Punsch & Feuerzangenbowle erstellt haben konnte. Entsprechend habe ich ihn verziert und ihm in sein Postfach zurückgelegt:
Hach ja... Weihnachten is doch wat Schönes... In diesem Sinne - ick wünsch Euch wat! Jetzt muss ich aber tatsächlich noch bisschen was arbeiten :)
Donnerstag, 19. Dezember 2013
Heimlicher Verehrer in Sicht?
...dachte ich heute Morgen in der ersten Schrecksekunde, als ich an meinen Arbeitsplatz kam und sowohl diese und ähnliche Karten auf meinem Schreibtisch entdeckte:
...grübel grübel und studier...
Aber mir fiel partout keiner ein, von dem das hätte sein können. Doch - einer, aber der versicherte glaubhaft: "Coole Idee! Aber leider nich von mir!"
Die zündende Idee lieferte mir dann meine Miss Gegenüber: "Fragen Sie doch mal die L.!"
Nää!!! Dat konnte doch nisch wahr sein?? Solche Karten von einer... Frau??
Das anschließende Gekreisch am Telefon besagte alles.
Na ja. Also nix mit heimlichem Verehrer. Na gut. Aber die Karten sind schön. Und witzig - die kommen in meine Sammlung.
...grübel grübel und studier...
Aber mir fiel partout keiner ein, von dem das hätte sein können. Doch - einer, aber der versicherte glaubhaft: "Coole Idee! Aber leider nich von mir!"
Die zündende Idee lieferte mir dann meine Miss Gegenüber: "Fragen Sie doch mal die L.!"
Nää!!! Dat konnte doch nisch wahr sein?? Solche Karten von einer... Frau??
Das anschließende Gekreisch am Telefon besagte alles.
Na ja. Also nix mit heimlichem Verehrer. Na gut. Aber die Karten sind schön. Und witzig - die kommen in meine Sammlung.
Mittwoch, 18. Dezember 2013
Jetzt hab ich auch so ein kleines Büchlein...
...auf dem Tisch neben meinem Bett - für all die Dinge, die ich höre, lese oder die mir in den Sinn kommen.
Oder um Nachtträume einzutragen. Auch eine Art Blog. Ein Block :)
Der Himmel brennt über dem Bärenherz
Als ich heute Morgen in das Auto stieg und gedankenverloren auf dem Beifahrersitz lag, erwartete uns ein wahnsinnig schöner Himmel - eingefangen mit der Handykamera, bisschen verrutscht, aber ich finde es einfach nur wunderschön....
...und ich lag auf dem Sitz und träumte vor mich hin, schloss die Augen, dachte an die vielen Kleinigkeiten, die das Leben bunt und schön machen. Wie viel Gutes mir im Leben passiert ist und wie viel Glück ich zuweilen einfach auch hatte.
...und dann kam ich ins Büro, auf meinem Tisch die vorbereiteten Spenden zu Weihnachten. Jedes Jahr spendet der Chef an Institutionen und an andere Länder, sei es Haiti, seien es die Philippinen und so weiter.
Das ist schon alles gut so.
Aber ich denke, dass es auch im eigenen Land immer noch viele Bedürftige gibt, die man nicht vergessen darf. Auch dann nicht, wenn sie nicht permanent ins mediale Interesse rücken.
Und so habe ich durchsetzen können, dass die Hälfte der Spendensumme an das Kinderhospiz Bärenherz geht. Ich hab bislang nur von diesem Hospiz gelesen und gehört, ich weiß, dass es eine sehr schöne, gepflegte Anlage ist - und dass dieses Hospiz einen sehr guten Ruf genießt. Überhaupt wenn es um Kinder geht, "hat" man mich sofort...
Ich glaube, dass man so ziemlich alles im Leben überstehen kann. Aber ich weiß nicht, ob ich es je verkraften könnte, wenn ich eines meiner Kinder verliere. Was dann aus mir würde, weiß ich nicht, ich möchte auch gar nicht darüber nachdenken. Ich möchte aber nicht die Augen verschließen davor, dass es so viele Eltern gibt, die das tun müssen, früher oder später - und wenn die letzte Begleitung das ist, was man noch für sein Kind tun kann, dann soll diese Begleitung die bestmögliche sein, die man bekommen kann.
Dazu habe ich heute neben dem dienstlichen meinen ganz persönlichen, privaten Beitrag geleistet. Und werde es immer wieder tun: Man kann dort nämlich seine Paybackpunkte spenden und so kommt auch Geld zusammen. Über solche Kundenkarten kann man denken, was man will. Dass die Leute nur Dein Kaufverhalten kontrollieren und so. Weiß ich alles. Aber mich kostets nichts, aufschwatzen lass ich mir auch nichts, das ich nicht brauch. Wenn sie mir im Gegenzug dafür aber immer ein bisschen Geld auf diese Kundenkarte bringen, dann gebe ich das sehr gerne ab. Der Betrag mag nicht wahnsinnig hoch sein. Aber es ist wie mit so vielem im Leben: Auf die Kleinigkeiten kommt es an - denn die bilden am Ende auch eine Summe.
...und ich lag auf dem Sitz und träumte vor mich hin, schloss die Augen, dachte an die vielen Kleinigkeiten, die das Leben bunt und schön machen. Wie viel Gutes mir im Leben passiert ist und wie viel Glück ich zuweilen einfach auch hatte.
...und dann kam ich ins Büro, auf meinem Tisch die vorbereiteten Spenden zu Weihnachten. Jedes Jahr spendet der Chef an Institutionen und an andere Länder, sei es Haiti, seien es die Philippinen und so weiter.
Das ist schon alles gut so.
Aber ich denke, dass es auch im eigenen Land immer noch viele Bedürftige gibt, die man nicht vergessen darf. Auch dann nicht, wenn sie nicht permanent ins mediale Interesse rücken.
Und so habe ich durchsetzen können, dass die Hälfte der Spendensumme an das Kinderhospiz Bärenherz geht. Ich hab bislang nur von diesem Hospiz gelesen und gehört, ich weiß, dass es eine sehr schöne, gepflegte Anlage ist - und dass dieses Hospiz einen sehr guten Ruf genießt. Überhaupt wenn es um Kinder geht, "hat" man mich sofort...
Ich glaube, dass man so ziemlich alles im Leben überstehen kann. Aber ich weiß nicht, ob ich es je verkraften könnte, wenn ich eines meiner Kinder verliere. Was dann aus mir würde, weiß ich nicht, ich möchte auch gar nicht darüber nachdenken. Ich möchte aber nicht die Augen verschließen davor, dass es so viele Eltern gibt, die das tun müssen, früher oder später - und wenn die letzte Begleitung das ist, was man noch für sein Kind tun kann, dann soll diese Begleitung die bestmögliche sein, die man bekommen kann.
Dazu habe ich heute neben dem dienstlichen meinen ganz persönlichen, privaten Beitrag geleistet. Und werde es immer wieder tun: Man kann dort nämlich seine Paybackpunkte spenden und so kommt auch Geld zusammen. Über solche Kundenkarten kann man denken, was man will. Dass die Leute nur Dein Kaufverhalten kontrollieren und so. Weiß ich alles. Aber mich kostets nichts, aufschwatzen lass ich mir auch nichts, das ich nicht brauch. Wenn sie mir im Gegenzug dafür aber immer ein bisschen Geld auf diese Kundenkarte bringen, dann gebe ich das sehr gerne ab. Der Betrag mag nicht wahnsinnig hoch sein. Aber es ist wie mit so vielem im Leben: Auf die Kleinigkeiten kommt es an - denn die bilden am Ende auch eine Summe.
Dienstag, 17. Dezember 2013
The Perfect Life - für mich...
Ich habe mich geirrt.
Es gibt in der Tat Rheumaerkrankungen, an denen man sterben kann.
Heute Abend kam ich nach Hause, ich nahm meine Söhne in die Arme und ich dachte: Was ist das für ein Glücksgefühl, wenn du ein Zuhause hast, wo jemand auf dich wartet (hach ja, und sei es auch nur, damit ich ihnen was zu essen bereite), es ist warm, es ist gemütlich, und in der Luft schwingt sowas Harmonisches, Entspanntes...
Ich habe mich in meinem Zimmer auf den Fußboden gelegt, die Augen geschlossen und die Musik auf die Ohren gestülpt.
Ich fühlte mich frei.
Ich fühlte mich unendlich frei, leicht und wieder mit jenem Hauch der Unbeschwertheit, den ich doch eine Zeitlang in mir vermisst hatte - dann und wann.
Es ist diese Art der Entspannung, der inneren Ruhe und des inneren Friedens, die mich schon vor einigen Tagen überkommen hatte - und unmittelbar danach ließ der Schmerz in meinem Körper endlich nach.
Mit dem Attribut "perfekt" habe ich so meine Probleme. Ich brauch es nicht perfekt. Perfekt ist ohne Ecken und Kanten, es ist langweilig, weil das Leben darin fehlt...
Vielleicht möchte ich "perfektes Leben" eintauschen in "ein erfülltes, fröhliches, inniges Leben" - und wenn man ein solches als perfekt bezeichnen will, dann sei es so. Wie stelle ich mir dieses Leben vor? Wie stelle ich mir mein Leben vor?
Ein Leben in Einklang mit mir selbst und den Menschen, an denen mein Herz hängt. Mein Fühlen, Denken, Träumen, Sehnen und Hoffen. Ein Leben mit Streiten und Versöhnen, mit Herz und mit Leidenschaft, ein Leben mit Gefühl und Vertrautheit. Ein Leben mit dem Gefühl, dass der andere immer bei dir ist, egal wo er gerade ist und mit wem. Ein Leben mit dem Gefühl, die Frau zu sein. Eine Frau. Seine Frau. Ein Leben mit dem Gefühl, dass du abends heimkehrst und du kuschelst dich an die Seite des geliebten Menschen, du erzählst von deinem Tag, er erzählt von seinem. Ein Leben, in dem du Märchenkassetten schaust oder dich über Aktuelles aus dem Zeitgeschehen. Ein Leben, in dem du dich nicht nur für dich und deinen Teller interessierst. Ein Leben, in dem du wach und aufmerksam bleibst und so auch jedem anderen begegnest. In dem du die Zwischentöne nicht überhörst und deine Bildmalerei nicht nur schwarz-weiß ist. Ein Leben wie eine Wanderung: Es geht hoch und es geht runter und aus allem kannst du etwas für dich mitnehmen...
Ein Leben, erfüllt von der Liebe zu dir selbst und zu den wenigen Menschen, die alles für dich sind.
"You only live once, but if you only live right - once is enough."
Es ist nicht entscheidend, wie lange du lebst.
Ich glaube, dass es entscheidend ist, wie viel Leben du deinem Leben gegeben hast.
Am Wochenende habe ich endlich den Film "Muriels Hochzeit" geschaut - das Original mit Toni Colette.
Dieser Film war irgendwie... ganz anders als ich ihn mir eigentlich vorgestellt hatte. Ich dachte, er wäre witziger, lustiger, ja... vielleicht ein Stück oberflächlicher.
Was mich erwartete, war stattdessen ein derart tiefgründiger Film, dass ich zuweilen nicht wusste, ob ich eher weinen denn lachen sollte. Was ich am beeindruckendsten empfand, war die Rolle der Mutter. Eine Frau mit einem sicherlich überschaubaren Horizont - aber was sie zu geben hatte, war soviel mehr. Und keiner hat es wirklich wahrgenommen. Bis sie sich das Leben nahm. Ihr Leben in ständiger Nichtanerkennung, Erniedrigung - auch wenn ihre Kinder sie geliebt hatten, zweifellos. Oh Gott, mir tat fast körperlich weh, dass Muriel in der Kirche ihre Mutter übersehen hatte.. Wie so manches andere auch.
Noch lange danach, als der Film geendet hatte, dachte ich darüber nach.
Vor zehn Jahren habe ich mich von meinem Ex getrennt. Wann immer ich danach darüber nachdachte, überkam mich nur ein einziger Gedanke "Diese Entscheidung hat das ganze Leben verändert - und sie war vom ersten Moment an richtig."
Noch lange danach, als der Film geendet hatte, dachte ich darüber nach.
Vor zehn Jahren habe ich mich von meinem Ex getrennt. Wann immer ich danach darüber nachdachte, überkam mich nur ein einziger Gedanke "Diese Entscheidung hat das ganze Leben verändert - und sie war vom ersten Moment an richtig."
In den folgenden zehn Jahren habe ich so vieles erlebt, um mich herum und in mir.
Vielleicht werde ich eines Tages 84 oder doch 104 Jahre alt. Dann hätte ich noch sechzig Jahre.
Vielleicht schaff ich es, vielleicht auch nicht.
Aber ich bin so sehr froh und dankbar für die Zeit, die ich jetzt erlebe. Heute. Jetzt. Und hier.
Vor zehn Jahren war ich fast tot. Und jetzt... bin ich glücklich. In mir selbst und um mich herum.
Es rappelt in der Kiste
Na ja oder so ähnlich sagt man bei uns im Norden, wenn man zum Ausdruck bringen will, dass grad einiges passiert und man nicht zum Luftholen kommt.
Junior hatte sich beworben. Ist nix Neues, macht er seit Mitte September, seit er mit der Ausbildung fertig ist. Er hatte Vorstellungsgespräche, er war schrecklich nervös, er hatte das Tippen trainiert - und sich am Samstag noch ein neues Hemd gekauft. Gute Wahl! Schwarz, slim - perfekt.
"Aber die Krawatte is nich dein Ernst, oder?" hatte ich ihn entgeistert gefragt und er grinste: "Siehste, ich hab doch gleich zum Vater gesagt, ich seh damit so verkleidet aus, das trägt kein Mensch mehr."
Aber gegen meinen Ex und dessen Weggefährtin hat er keine Chance (na das lernt er noch).
Das Bewerbungsgespräch fand ca. 48 km von zu Hause statt und seit der Einladung lag mein Ex dem Jungen in den Ohren: "Mach das nicht! Ist viel zu weit zum Pendeln, viel zu teuer und ne Wohnung brauchst du nicht, du überstehst vielleicht nicht mal die Probezeit!" Ja was soll ich sagen... Der blanke Optimist - der Mann. Ohne Worte.
Als Sohnemann am Sonntagabend vor mir stand mit hängenden Schultern und hilflosem Blick und auch noch die Frage hervorschob "Was meinst du, Mutsch, ob man den Termin nicht wirklich absagen sollte?"
Da sprach ich ein Machtwort, das ganz entgegen meiner Art kurz und knapp ausfiel: "Nein!"
"Na ja aber..."
"Kein Aber! Erst liegt der Vater dir drei Jahre in den Ohren, dass deine Ausbildung nix taugt, weil du sowieso keinen Job hier findest und andere (! - wie ich DEN Spruch "die anderen" immer gehasst habe!) bis in die Schweiz fahren müssen; jetzt kannst du dich hier bewerben und sollst nicht?"
Merke: Der eigentliche Job wär etwas näher ran, nämlich in 34 km erreichbar. Eine Strecke, die ich auch jeden Tag fahr.
"Na ja... Als ich dann gegangen bin, hat er mir noch gesagt: Wenn du diesen Job annimmst, rechne aber ja nicht mit meiner Unterstützung!"
"Tun wir auch nicht", habe ich geantwortet, "wär ja auch was Neues."
Jedenfalls: Sohnemann ist gefahren und als er zurückkam, wirkte er recht euphorisch. Ob es mit dem Job klappt, wissen wir nicht - aber es muss ihm dort gefallen haben. Mal raus aus dem Kuhkaff, wo er normalerweise wohnt, andere Menschen, andere Sitten und Gebräuche ;) Die Krawatte lag übrigens irgendwo in der Ecke.
Ja und heute... Gleich drei Firmen haben sich bei ihm gemeldet, jetzt heißt es Daumen drücken!
Zwei Bewerbungen habe ich ihm auch noch zugespielt - versendet.
Und dann klingelte mein Telefon und ein Doc war dran, der sich mit mir über meine Schmerzerkrankung unterhalten wollte. Ein Klinikchef, Verbindung hergestellt über achtundneunzig Ecken. Er hatte all meine Akten gelesen - außer der vom Rheumatologen, denn der Bericht liegt immer noch nicht vor.
"Das mit dem Rheuma ist sehr wahrscheinlich, bei DER Geschichte", sagte er, "und es klingt nach Vaskulitis (ich glaub, das war das, was die Rheumatologin vermutete und was noch in der Labortestphase sein soll). Ich brauch aber den Bericht noch, können Sie mir den organisieren?"
"Äh..."
"Und hat man Ihnen schon Cortison gegeben?"
"Äh.. nein!"
"Warum nicht?"
"Das kann ich Ihnen auch nicht sagen."
Er wollte dann von mir noch mal meinen ganzen Weg wissen, von Beginn der Erkrankung an, die Umstände, die Symptome und überhaupt alles.
Ja und dann wollte ich die Rheumatologin anrufen: Sprechzeit nur von acht bis zwölf. So möcht ich auch mal arbeiten! Vielleicht mal beim Hausarzt anrufen? Der könnte ja auch schon den Bericht haben. Sprechzeiten von acht bis elf!
"Rufen Sie mich einfach wieder an, wenn Sie den Befund haben", sagte der Klinik-Chef, "ich mach erst mal Feierabend."
Hmmpff.
Ich hatte ja irgendwie schon ein schlechtes Gewissen, dass ich heute hier einiges Privates erledige - und dann auch noch blogge, während mein ehemaliger Azubi und seit Juli Festangestellte hier wühlt und macht und tut. Aber als ich aufstand, um mir etwas Kaffee nachzufüllen, sah ich, dass sie gar nicht rechnungsprüfend über ihren Tisch gebeugt saß - sondern über ihrem Smartphone! YEAH!
Es ist Weihnachten - und unsere Büromotivation hat spürbar nachgelassen. Ja, auch die :)
Junior hatte sich beworben. Ist nix Neues, macht er seit Mitte September, seit er mit der Ausbildung fertig ist. Er hatte Vorstellungsgespräche, er war schrecklich nervös, er hatte das Tippen trainiert - und sich am Samstag noch ein neues Hemd gekauft. Gute Wahl! Schwarz, slim - perfekt.
"Aber die Krawatte is nich dein Ernst, oder?" hatte ich ihn entgeistert gefragt und er grinste: "Siehste, ich hab doch gleich zum Vater gesagt, ich seh damit so verkleidet aus, das trägt kein Mensch mehr."
Aber gegen meinen Ex und dessen Weggefährtin hat er keine Chance (na das lernt er noch).
Das Bewerbungsgespräch fand ca. 48 km von zu Hause statt und seit der Einladung lag mein Ex dem Jungen in den Ohren: "Mach das nicht! Ist viel zu weit zum Pendeln, viel zu teuer und ne Wohnung brauchst du nicht, du überstehst vielleicht nicht mal die Probezeit!" Ja was soll ich sagen... Der blanke Optimist - der Mann. Ohne Worte.
Als Sohnemann am Sonntagabend vor mir stand mit hängenden Schultern und hilflosem Blick und auch noch die Frage hervorschob "Was meinst du, Mutsch, ob man den Termin nicht wirklich absagen sollte?"
Da sprach ich ein Machtwort, das ganz entgegen meiner Art kurz und knapp ausfiel: "Nein!"
"Na ja aber..."
"Kein Aber! Erst liegt der Vater dir drei Jahre in den Ohren, dass deine Ausbildung nix taugt, weil du sowieso keinen Job hier findest und andere (! - wie ich DEN Spruch "die anderen" immer gehasst habe!) bis in die Schweiz fahren müssen; jetzt kannst du dich hier bewerben und sollst nicht?"
Merke: Der eigentliche Job wär etwas näher ran, nämlich in 34 km erreichbar. Eine Strecke, die ich auch jeden Tag fahr.
"Na ja... Als ich dann gegangen bin, hat er mir noch gesagt: Wenn du diesen Job annimmst, rechne aber ja nicht mit meiner Unterstützung!"
"Tun wir auch nicht", habe ich geantwortet, "wär ja auch was Neues."
Jedenfalls: Sohnemann ist gefahren und als er zurückkam, wirkte er recht euphorisch. Ob es mit dem Job klappt, wissen wir nicht - aber es muss ihm dort gefallen haben. Mal raus aus dem Kuhkaff, wo er normalerweise wohnt, andere Menschen, andere Sitten und Gebräuche ;) Die Krawatte lag übrigens irgendwo in der Ecke.
Ja und heute... Gleich drei Firmen haben sich bei ihm gemeldet, jetzt heißt es Daumen drücken!
Zwei Bewerbungen habe ich ihm auch noch zugespielt - versendet.
Und dann klingelte mein Telefon und ein Doc war dran, der sich mit mir über meine Schmerzerkrankung unterhalten wollte. Ein Klinikchef, Verbindung hergestellt über achtundneunzig Ecken. Er hatte all meine Akten gelesen - außer der vom Rheumatologen, denn der Bericht liegt immer noch nicht vor.
"Das mit dem Rheuma ist sehr wahrscheinlich, bei DER Geschichte", sagte er, "und es klingt nach Vaskulitis (ich glaub, das war das, was die Rheumatologin vermutete und was noch in der Labortestphase sein soll). Ich brauch aber den Bericht noch, können Sie mir den organisieren?"
"Äh..."
"Und hat man Ihnen schon Cortison gegeben?"
"Äh.. nein!"
"Warum nicht?"
"Das kann ich Ihnen auch nicht sagen."
Er wollte dann von mir noch mal meinen ganzen Weg wissen, von Beginn der Erkrankung an, die Umstände, die Symptome und überhaupt alles.
Ja und dann wollte ich die Rheumatologin anrufen: Sprechzeit nur von acht bis zwölf. So möcht ich auch mal arbeiten! Vielleicht mal beim Hausarzt anrufen? Der könnte ja auch schon den Bericht haben. Sprechzeiten von acht bis elf!
"Rufen Sie mich einfach wieder an, wenn Sie den Befund haben", sagte der Klinik-Chef, "ich mach erst mal Feierabend."
Hmmpff.
Ich hatte ja irgendwie schon ein schlechtes Gewissen, dass ich heute hier einiges Privates erledige - und dann auch noch blogge, während mein ehemaliger Azubi und seit Juli Festangestellte hier wühlt und macht und tut. Aber als ich aufstand, um mir etwas Kaffee nachzufüllen, sah ich, dass sie gar nicht rechnungsprüfend über ihren Tisch gebeugt saß - sondern über ihrem Smartphone! YEAH!
Es ist Weihnachten - und unsere Büromotivation hat spürbar nachgelassen. Ja, auch die :)
Denn ich weiß nicht, was ich da tat
...ich hab nur ein bisschen am Layout herumgebastelt (Zwillinge halt, die müssen immer mal was anders machen, sonst wird ihnen langweilig. Nicht umsonst hat mal meine Schwägerin zu mir gesagt: "Mit dir will ich doch keine WG gründen. So oft, wie du umräumst, würde ich mich ständig fragen müssen, ob ich in der falschen Wohnung bin." Nicht umsonst ändere ich immer wieder gern meine Haare in Form, Schnitt, Farbton. Nicht umsonst hieß es auch mal in irgendeinem Buch: "...der Zwilling hebt lieber drei Baugruben aus, weil es ihm viel zu langweilig ist, ein Haus zuende zu bauen.")
Ja und nun hab ich halt bissl am Layout gewerkelt - und nun sind meine Follower weg. Oder besser.. Unsichtbar.
Jemand eine Erklärung??
Er bekommt einen Keks dafür - ich opfere ihn :)
Ja und nun hab ich halt bissl am Layout gewerkelt - und nun sind meine Follower weg. Oder besser.. Unsichtbar.
Jemand eine Erklärung??
Er bekommt einen Keks dafür - ich opfere ihn :)
Montag, 16. Dezember 2013
Fünfundsiebzig Tage und Nächte
...habe ich diesen irrsinnigen Schmerzschub ertragen. Einer, der normalerweise maximal vier Tage bleibt und dann wieder nachlässt, erträglicher wird. Doch dieses Mal... Fünfundsiebzig unglaublich lange Tage und Nächte kaum noch schlafen, immer weniger essen; fünfundsiebzig Tage lang nicht mehr wissen, wie liegen, wie stehen, wie sitzen, wie lachen - und wie lange schaffe ich es noch, aufrecht zu stehen, ohne dass jeder mir ansieht, wie ich mich fühle?
Seit gestern Morgen endlich lässt es wieder nach.
Gestern Morgen bin ich erwacht und spürte... nichts. Ich fühlte nichts.. Ich atmete langsam und sehr bewusst tief ein und schloss fast glückselig meine Augen, breitete in meinem Bett die Arme aus: JA!
So fühlt es sich an!
So leicht, so frei, kein Gewicht mehr, das an den Armen und Beinen hängt.
Den ganzen Tag hielt ich mich gestern in meinem Zuhause aus, lag ewig lang in der Badewanne, las, bereitete mir entweder Tee oder Kaffee, las in Büchern, in Blogs und tat... einfach nichts, außer es mir gut gehen zu lassen. Vor allem bin ich wieder in die Welt meiner Musik eingetaucht. In mich selbst eingetaucht. In meine Seele zurückgekehrt. Es ist schwer zu beschreiben...
Vielleicht hab ich ja einfach nur dem Frieden nicht getraut.
Man sagt, es ist die Ruhe in der Seele, die die Kraft dem Körper verleiht.
Irgendwie war es dieses Mal genau so: Mittendrin im schlimmsten Schub erfasste mich eine Gelassenheit, die mich auch von innen heraus lächeln ließ. Eine Gelassenheit, die sich zugleich auch irrsinnig kraftvoll anfühlte. Ich fühlte es nicht nur. Ich sah es auch auf jedem Foto in den letzten Tagen.
Und dann... ließ der Schmerz mit einem Mal wieder nach.
Immer noch schlafe ich kaum in jeder Nacht. Doch dieses Mal ist es, weil ich begierig von diesem Leben kosten will, diesen Momentaufnahmen, in denen mich der Schmerz nicht daran hindert, etwas zu tun, etwas zu geben - und auch etwas zu nehmen.
Bei Gott, ich liebe dieses Leben!
Seit gestern Morgen endlich lässt es wieder nach.
Gestern Morgen bin ich erwacht und spürte... nichts. Ich fühlte nichts.. Ich atmete langsam und sehr bewusst tief ein und schloss fast glückselig meine Augen, breitete in meinem Bett die Arme aus: JA!
So fühlt es sich an!
So leicht, so frei, kein Gewicht mehr, das an den Armen und Beinen hängt.
Den ganzen Tag hielt ich mich gestern in meinem Zuhause aus, lag ewig lang in der Badewanne, las, bereitete mir entweder Tee oder Kaffee, las in Büchern, in Blogs und tat... einfach nichts, außer es mir gut gehen zu lassen. Vor allem bin ich wieder in die Welt meiner Musik eingetaucht. In mich selbst eingetaucht. In meine Seele zurückgekehrt. Es ist schwer zu beschreiben...
Vielleicht hab ich ja einfach nur dem Frieden nicht getraut.
Man sagt, es ist die Ruhe in der Seele, die die Kraft dem Körper verleiht.
Irgendwie war es dieses Mal genau so: Mittendrin im schlimmsten Schub erfasste mich eine Gelassenheit, die mich auch von innen heraus lächeln ließ. Eine Gelassenheit, die sich zugleich auch irrsinnig kraftvoll anfühlte. Ich fühlte es nicht nur. Ich sah es auch auf jedem Foto in den letzten Tagen.
Und dann... ließ der Schmerz mit einem Mal wieder nach.
Immer noch schlafe ich kaum in jeder Nacht. Doch dieses Mal ist es, weil ich begierig von diesem Leben kosten will, diesen Momentaufnahmen, in denen mich der Schmerz nicht daran hindert, etwas zu tun, etwas zu geben - und auch etwas zu nehmen.
Bei Gott, ich liebe dieses Leben!
Arbeitsverhinderungsmaßnahmen
Heute Mittag gab es Essen vom Chef - frei Haus für alle Mitarbeiter. So quasi als Weihnachtseinstimmung. Wenns schon keinen Adventsschmuck hier gibt.
Dafür Weißwürschte und Senf süß.
Frischer Lachs geschnitten.
Frische Zwiebeln geschnitten und gehackt.
Und ne Mitarbeiterin, die jetzt ne Fingerkuppe weniger hat.
...ob die einer in seinem Futter fand? Weil.... zwei Mitarbeiter haben sich seit heut Mittag krank gemeldet. Joo, dat ging fix.
Ich wollte Chef einreden, dass sich ohne Fingerkuppe auch schlecht tippen lässt und ich mich als Dritte im Bunde für heute abmelden dürfte.
Ließ er nicht gelten.
Er meinte, solange ich die Kaffeetasse noch halten kann, is allet im grünen Bereich.
Schade. Hätt' ja klappen können!
Dafür Weißwürschte und Senf süß.
Frischer Lachs geschnitten.
Frische Zwiebeln geschnitten und gehackt.
Und ne Mitarbeiterin, die jetzt ne Fingerkuppe weniger hat.
...ob die einer in seinem Futter fand? Weil.... zwei Mitarbeiter haben sich seit heut Mittag krank gemeldet. Joo, dat ging fix.
Ich wollte Chef einreden, dass sich ohne Fingerkuppe auch schlecht tippen lässt und ich mich als Dritte im Bunde für heute abmelden dürfte.
Ließ er nicht gelten.
Er meinte, solange ich die Kaffeetasse noch halten kann, is allet im grünen Bereich.
Schade. Hätt' ja klappen können!
Sonntag, 15. Dezember 2013
Alle Wege führen nach Hause
but i don't wanna go that way
surrender hope and faith again
...alle Wege führen am Ende immer wieder zu Dir nach Hause...
For Once In My Life
Als ich heute morgen, also so gegen halb zehn erwachte, war draußen, hinter meiner Jalousie schon der Tag angebrochen. Ohne Sonne und mit Temperaturen, die bewirkten, dass ich mich tiefer zurück in mein Bettchen kuschelte, den Strickpullover auskramte, dann doch aufstand, um mir wenigstens noch einen Kaffee ins Bett zu holen - und dann wählte ich die Musik aus, die zu mir und in diesen Augenblick passte.
Und ich fand sie....
Genau genommen fand ich sie schon vor vier Tagen, aber na ja, Ihr wisst ja, nicht jeder Song passt zu jedem Tag.
Und dieser hier... Wenn ich die Augen schließe, kann ich es vor mir sehen... Zarte, aber riesig große Schneeflocken, die vor dem Fenster herunterrieseln.. Wisst Ihr noch, wie die auf der Zunge schmecken?
Ich kann mich sehen, die Wangen rosarot gefroren und die klammen Finger um eine Tasse Glühwein gelegt.
Ich kann es beinah schmecken, das Gebackene aus Zimt und Vanille und das Aroma der heißen Schokolade.
Ich kann es riechen, den Geruch nach Tannenzweigen.
Ich kann es hören, wie der Schnee unter den Schritten knirscht und wie es klingt, wenn mein Schneeball den anderen trifft - und ich kann mein Lachen hören, während ich vor der Rache flüchte.
Und dann öffne ich meine Augen und lieg immer noch hier und höre immer noch diese Musik.
Die gelben Seiten legen ja zu dieser Zeit lieber echte Klassik auf. Ich gestehe, ich bin da Banause. Ich brauch Musik, die in meinem Inneren etwas berührt, das sofort tausend Bilder in meinem Kopf auslöst....
Ich wünsch allen Lesern einen wunderbaren dritten Advent.
Huch, der dritte schon? Jetzt wirds aber Zeit...
Freitag, 13. Dezember 2013
Freitag, der Dreizehnte
Ich glaub zwar nicht daran, dass ein Freitag ein Pechtag ist, bloß weil die 13 draufgefallen ist.
Ich bin durchaus der Meinung, dass eine 13 auch eine Glückszahl sein kann. Warum, das fällt mir jetzt grad auch nicht ein, aber vorstellen könnt ichs mir trotzdem.
Außer heute vielleicht. Auch wenn ich gleich sagen muss: Nee, Schlimmes ist nicht passiert.
Aber zum Jubeln is mir eben auch grad nich.
Erst sagte mir die Miss Friederike unseren geplanten Berlintrip ab. Sie liegt im Bett, das sie vermutlich neben der Toilette aufgestellt hat, und hat offenbar noch ein Eimerchen daneben stehen. So ist das wohl, wenns oben und unten gleichzeitig losgeht. Das soll sie bittschön ohne mich tun. Krankenbesuche in allen Ehren - aber erstens braucht Junior mein Auto und zweitens brauch ich nich das, was Friederike hat.
Ich bin da ganz bescheiden, wirklich.
Und dann bekam Junior heut Nachmittag zu seinem ad-hoc-Vorstellungsgespräch von gestern eine Absage. Vor zwei Tagen war gegen Abend die Einladung eingetrudelt, seine Unterlagen hätten doch das Interesse geweckt und er möge sich doch bitte am nächsten Mittag vorstellen. Hat er gemacht.
Man wollte ihm Freitag Bescheid geben, ob es Montag gleich losgehen könne.
Das wirds vielleicht auch - aber eben für einen anderen Bewerber. Meinen aufrichtigen Glückwunsch an dieser Stelle an den Gewinner dieser Runde.
Nee, unterkriegen lassen wir uns davon nicht, aber es hat schon auch was Deprimierendes, wieder eine Absage zu bekommen. Oft wird nach Berufserfahrung gefragt. Die hätte er ja gern, aber dazu müsste er eben auch erst mal arbeiten dürfen.
Sie behalten ihn in ihrer Datenbank. Na immerhin.
Am Montag hat er sein nächstes Vorstellungsgespräch, ca. 45 km von hier. Der Vater lief prompt Sturm dagegen. Wie man sich dort bewerben könne, er könne das doch gar nicht jeden Tag fahren und dort hinziehen könne er auch nicht, er sei ja erst mal in der Probezeit und man wisse ja gar nicht, ob er die bestehe.
Oh man. Dieser Mann versprüht geradezu glänzenden Optimismus. ha ha. All die drei Jahre der Ausbildung durfte Sohnemann sich von seinem Vater anhören, dass Leute mit seinem Abschluss von hier bis in die Schweiz fahren müssen, weils hier oder im Umkreis solche Jobs nicht gäbe. Ich finde, ein Job ca. 40 km vom Wohnort ist schon noch ein Umkreis. Und mal drei oder sechs Monate pendeln, da denke ich, dass das auch durchaus machbar ist. Der Junge kann ja dann immer noch umsiedeln, wenn er das möchte.
Wieso lässt man ihn nicht einfach mal was ausprobieren, Hauptsache, er kommt in Lohn & Brot und kann vor allem ein wenig Erfahrung sammeln? Andere Menschen kennen lernen (und vielleicht dadurch die Frau seines Lebens), neue Eindrücke und Erlebnisse - und wenns mal nen Scheißtag gab, sind wir ja auch nicht wirklich weit weg.
Ich hab ihm geraten, er soll sich nicht kirre machen lassen und das Gespräch annehmen.
Wer nicht wagt, der gewinnt auch nix - und wer nicht fragt, erfährt auch nix. Na ja meistens jedenfalls.
Und nun? Dieser Freitag... schreit irgendwie nach Beruhigungskäffchen - und Schokolade.
Der Zauberer der Smaragdenstadt
Jeder, der in der DDR groß geworden ist, wird vermutlich dieses Buch kennen. Nachdem ich mich nun gestern Abend von diesem "Märchenfilm" schlichtweg verzaubern lassen hatte, erinnerte ich mich an jenes Märchenbuch.
(Leider auch an die Tatsache, dass das damals von einer Schulfreundin ausgeliehen war und ich abends immer so lange darin las, bis ich einschlief - und der Buchrücken am Morgen entsprechend.. äh.. ramponiert aussah :( Ich entschuldige mich heute noch mal dafür - auch wenn diejenige von diesem Blog gar nix weiß und es auch gar nicht liest. Aber vielleicht ist diese durchaus ernst gemeinte Entschuldigung trotzdem gut fürs Karma und so.)
Märchen können sie einfach, die Russen, und ich denke da auch gleich an die schönen Märchenfilme, in denen die Hexe Baba Jaga durch einen Mann dargestellt wurde.
Nun mag ja diese Geschichte dem eigentlichen "Zauberer von Oz" nachgebaut worden sein (diese Geschichte mit Alice im Wunderland habe ich im Übrigen nie gesehen oder gelesen), aber ich wage dennoch zu behaupten, dass es dieser ganz ureigene Charme Wolkow's ist, der dieses Buch und auch all seine Fortsetzungen so einzigartig macht. Dazu muss ich Euch einfach mal ein kleines Lesebeispiel bringen, ein Zitat aus dem Buch, das in einer Amazon-Rezension wiedergegeben wurde und mich schlagartig wieder daran erinnerte, warum ich dieses Buch so gern gelesen habe:
"Er hielt ihnen, höflich wie er war, sein rotes runzliges Storchbein hin, das sie gefühlvoll drückten. Der Scheuch schüttelte es so kräftig, dass er es fast ausriß. Dann flog der Storch davon, und die Wanderer setzten ihren Weg am Ufer fort. Der Scheuch strahlte vor Freude, hüpfte und sang: "Oho-oho-oho! Ich bin wieder bei Elli!" Und dann, nach drei Schritten: Oho-oho-oho! Ich bin wieder beim Eisernen Holzfäller!" Und so zählte er alle der Reihe nach auf, Totoschka nicht ausgenommen, um dann wieder von vorn zu beginnen. Es war ein ungereimtes, aber fröhliches Lied, das von Herzen kam."
(Quelle: http://www.amazon.de/review/R2PCFWU87AW16P/ref=cm_cr_dp_title?ie=UTF8&ASIN=3928885057&channel=detail-glance&nodeID=299956&store=books
Bis dato hatte ich gar nicht gewusst, dass es mehrere Übersetzungen bzw. Einkürzungen zu dieser Buchreihe gegeben hatte, und was dem dann folgte, könnt Ihr Euch sicherlich denken: Die halbe Nacht wälzte ich das wold wide web auf der Suche nach entweder dem Original oder aber der Übersetzung von Lazar Steinmetz - und wenn Ihr den oben zitierten Text mit der späteren "Nachfassung/ Einkürzung" betrachtet, dann wird klar, dass man diese Nachfassung auch nicht geschenkt haben möchte:
"[...] In der neuen Auflage erfährt man nur kurz und bündig: "Dann flog der Storch davon, und die Wanderer setzten ihren Weg am Ufer fort." Dieses traurige Beispiel steht stellvertretend für viele weitere Kürzungen, die die besonders liebevolle Schilderung der Figuren einfach auslöscht [...]"
Ich zögerte dann jedoch, weil ich zwar schon auch mal 80 Euro für einen echten Buchschatz ausgeben würde - aber nicht unbedingt dann, wenn dieser Schatz aus 6 Büchern besteht. Und 480 Euro für 6 Bücher....
Eindeutig... Nein!
Heute Vormittag sollte ich im Auftrag des Chefs etwas im Internet recherchieren. Aber ach... Ich bin ja immer so leicht ablenkbar... verirre mich auf Seitenwege... und landete - ich weiß gar nicht, wie's kam - auf buecher.de *grins*
Kurze Rede, langer Unsinn: Ich habe mir soeben mein Weihnachtsgeschenk geordert und alle 6 Bücher im Taschenbuchformat bestellt. Die mögen sicherlich in der Illustration dem Original nicht wirklich nachkommen - aber ich bin ja auch kein Kind mehr, das Bilder bestaunen will - ich bin erwachsen und will Inhalt!
Und mit einem Preis von nur noch 8 Euro pro Buch in der Originalübersetzung und damit ungekürzten Fassung freue ich mich grad wahnsinnig und grinse hier wie ein Honigkuchenpferd, ach was, strahle ich wie ein mit Lametta überhangener Weihnachtsbaum - und dann bleiben über die Weihnachtstage TV & Co. aus und dann wird nur noch vorgelesen... Dann müssen auch die gelben Seiten die Spielkonsole links liegenlassen, so leid es mir tut. Mir doch egal, ob das Onlinestrategiespiele sind und er vielleicht in der Zeit eine Stadt nach der anderen einbüßt. Was ist das schon im Vergleich zu dem, das man stattdessen bekommt!
(Leider auch an die Tatsache, dass das damals von einer Schulfreundin ausgeliehen war und ich abends immer so lange darin las, bis ich einschlief - und der Buchrücken am Morgen entsprechend.. äh.. ramponiert aussah :( Ich entschuldige mich heute noch mal dafür - auch wenn diejenige von diesem Blog gar nix weiß und es auch gar nicht liest. Aber vielleicht ist diese durchaus ernst gemeinte Entschuldigung trotzdem gut fürs Karma und so.)
Märchen können sie einfach, die Russen, und ich denke da auch gleich an die schönen Märchenfilme, in denen die Hexe Baba Jaga durch einen Mann dargestellt wurde.
Nun mag ja diese Geschichte dem eigentlichen "Zauberer von Oz" nachgebaut worden sein (diese Geschichte mit Alice im Wunderland habe ich im Übrigen nie gesehen oder gelesen), aber ich wage dennoch zu behaupten, dass es dieser ganz ureigene Charme Wolkow's ist, der dieses Buch und auch all seine Fortsetzungen so einzigartig macht. Dazu muss ich Euch einfach mal ein kleines Lesebeispiel bringen, ein Zitat aus dem Buch, das in einer Amazon-Rezension wiedergegeben wurde und mich schlagartig wieder daran erinnerte, warum ich dieses Buch so gern gelesen habe:
"Er hielt ihnen, höflich wie er war, sein rotes runzliges Storchbein hin, das sie gefühlvoll drückten. Der Scheuch schüttelte es so kräftig, dass er es fast ausriß. Dann flog der Storch davon, und die Wanderer setzten ihren Weg am Ufer fort. Der Scheuch strahlte vor Freude, hüpfte und sang: "Oho-oho-oho! Ich bin wieder bei Elli!" Und dann, nach drei Schritten: Oho-oho-oho! Ich bin wieder beim Eisernen Holzfäller!" Und so zählte er alle der Reihe nach auf, Totoschka nicht ausgenommen, um dann wieder von vorn zu beginnen. Es war ein ungereimtes, aber fröhliches Lied, das von Herzen kam."
(Quelle: http://www.amazon.de/review/R2PCFWU87AW16P/ref=cm_cr_dp_title?ie=UTF8&ASIN=3928885057&channel=detail-glance&nodeID=299956&store=books
Bis dato hatte ich gar nicht gewusst, dass es mehrere Übersetzungen bzw. Einkürzungen zu dieser Buchreihe gegeben hatte, und was dem dann folgte, könnt Ihr Euch sicherlich denken: Die halbe Nacht wälzte ich das wold wide web auf der Suche nach entweder dem Original oder aber der Übersetzung von Lazar Steinmetz - und wenn Ihr den oben zitierten Text mit der späteren "Nachfassung/ Einkürzung" betrachtet, dann wird klar, dass man diese Nachfassung auch nicht geschenkt haben möchte:
"[...] In der neuen Auflage erfährt man nur kurz und bündig: "Dann flog der Storch davon, und die Wanderer setzten ihren Weg am Ufer fort." Dieses traurige Beispiel steht stellvertretend für viele weitere Kürzungen, die die besonders liebevolle Schilderung der Figuren einfach auslöscht [...]"
Ich zögerte dann jedoch, weil ich zwar schon auch mal 80 Euro für einen echten Buchschatz ausgeben würde - aber nicht unbedingt dann, wenn dieser Schatz aus 6 Büchern besteht. Und 480 Euro für 6 Bücher....
Eindeutig... Nein!
Heute Vormittag sollte ich im Auftrag des Chefs etwas im Internet recherchieren. Aber ach... Ich bin ja immer so leicht ablenkbar... verirre mich auf Seitenwege... und landete - ich weiß gar nicht, wie's kam - auf buecher.de *grins*
Kurze Rede, langer Unsinn: Ich habe mir soeben mein Weihnachtsgeschenk geordert und alle 6 Bücher im Taschenbuchformat bestellt. Die mögen sicherlich in der Illustration dem Original nicht wirklich nachkommen - aber ich bin ja auch kein Kind mehr, das Bilder bestaunen will - ich bin erwachsen und will Inhalt!
Und mit einem Preis von nur noch 8 Euro pro Buch in der Originalübersetzung und damit ungekürzten Fassung freue ich mich grad wahnsinnig und grinse hier wie ein Honigkuchenpferd, ach was, strahle ich wie ein mit Lametta überhangener Weihnachtsbaum - und dann bleiben über die Weihnachtstage TV & Co. aus und dann wird nur noch vorgelesen... Dann müssen auch die gelben Seiten die Spielkonsole links liegenlassen, so leid es mir tut. Mir doch egal, ob das Onlinestrategiespiele sind und er vielleicht in der Zeit eine Stadt nach der anderen einbüßt. Was ist das schon im Vergleich zu dem, das man stattdessen bekommt!
Abonnieren
Posts (Atom)



