Montag, 13. Februar 2017

Die selektive Wahrnehmung des weiblichen Gehirns



Der Mann muss lernen für eine wichtige Prüfung, die in wenigen Wochen ansteht. Wie früher zu Schulzeiten oder Berufsschulzeiten hat er sich Karteikarten angefertigt - es mögen um die 50 oder 60 Stück sein, und irgendwann soll ich ihn dann auch mal abfragen.

So Fragen wie "Benennen Sie die X/Y-Theorie nach McGregor". Wen meinen die? Ewan McGregor? Immerhin ist der der einzige, den ICH mit diesem Namen kenne und spontan sieht mein inneres Auge mich in einem roten knappen Glitzerkleid im Moulin Rouge herumtänzeln. Bunte Menschen, bunte Gesichter.. Na gut, dafür müsste ich auch nicht gleich nach Paris eilen, ist ja grad Faschingszeit.
Jedenfalls sehe ich justament alles Mögliche vor meinen Augen, aber ich vermute, das nichts davon zur korrekten Antwort gehört.
"Die X-Theorie besagt, dass der Mitarbeiter Abneigung gegen Arbeit hat", werde ich belehrt und ich kreische begeistert "Aber das passt ja auf jeden mindestens an jedem Montagmorgen!"

"Hast du dir früher in der Schule eigentlich auch Eselsbrücken gebaut?"
"Ich? Nein. Ich hab so lange gelernt, bis es im Kopf war. Früher hatte ich noch Ausdauer."
"Aber wie würdest du dir denn merken, was der Unterschied zwischen erwarteten additiven Gesamtkosten und zwischen den linearen Gesamtkosten ist?"
Als ich ihn anschaue, begegnet mir in der Mitte des Blickfeldes eine aufgerissene Ritter Sport Marke "Schoko Brownie". Es versteht sich nur von selbst, dass genau hier nicht nur mein Blick, sondern auch meine Aufnahmefähigkeit stoppt und sein Redefluss genauso genüßlich an mir vorüberrieselt wie ein Stück dieser Schokolade auf meiner Zunge zergeht.
"Ich hab schon längst abgeschalten", unterbreche ich ihn großmütig.
"Na klasse. Wozu rede ich überhaupt."
"Was weiß ich denn, wovon du sprichst? Ich muss doch diese Prüfung nicht machen."
"Es ist aber eigentlich ganz einfach. Es gibt zwei Formeln, mit denen man es berechnet. Und in einer Formel gibts nur Plus und Minus und in der anderen nur Mal oder Geteilt durch. Die Formel mit Plus und Minus ergibt die additiven Gesamtkosten und..."
"...Mal und Geteilt durch ergibt das andere."
"Genau. Und wie merkst du dir nun linear und additiv?"
"Na jaaaaa! Plus und Minus sind doch, wenn man sie aufschreibt, irgendwie lineare Zeichen. Also Linien. Also sind die linearen Zeichen die Formel für die nicht linearen Gesamtkosten. Also für die additive Gleichung."
Fassungsloses Kopfschütteln beim Mann. "Weibliche Logik. Das war ja so klar."

Nun ja.
Ich habe Feierabend, ich habe heute den ganzen Tag genug nachdenken müssen, da will ich wenigstens abends meine Ruhe haben. Zu dieser Tages- bzw. Abendzeit kann ich nur noch wahrnehmen, was ICH will. Was MICH interessiert.
Und so sinnlose Sachen machen wie mal nachzugucken, wie ich in zum Beispiel 10, 30 oder gar 50 Jahren (die grenzenlosen Optimisten!) aussehen könnte.
Also wenn Ihr mich fragt: Ich finde mich mit 97 am coolsten!
Auch wenn die 97er Dame einen ordentlichen Silberblick zu besitzen scheint.
Aber wie ich mich kenne, habe ich dann ganz offensichtlich nur ein Glas Weißwein zuviel getrunken.




Kommentare:

Anna hat gesagt…

Was hast du geschrieben? Ich erinnere mich nur noch an Schokolade. ;)

Und was diese Eselsbrücken angeht: Mit denen bin ich noch nie klargekommen, noch nie. Aber ich habe unzählige Spickzettel geschrieben und hatte so stets das Gefühl, für den Ernstfall gerüstet zu sein. ;)

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Ich muss lachen, Anna, mir gehts ähnlich! Denke ich an die Gleichung, denke ich sofort an Ritter Sport :D
Also mit Spickzetteln kenne ich mich auch bestens aus. Früher gabs doch auch so 30er Holzlineale, da waren auch meine Augen noch deutlich besser und so konnte ich das unauffällige winzige Bleistiftgekritzel auf diesem braunen Holz haarscharf entziffern. Noch heute schäme ich mich für die Eins im Fach Staatsbürgerkunde. Aber nicht wegen dem Beschiss, sondern wegen dem Fach selbst. Wer mich nicht kennt, könnte mir ja anhand der Noten glatt eine Linientreue nachsagen, die es einfach nie gab :)

Herr B. hat gesagt…

Staaaatsbürgerkunde ... Ja, da war mal was. Aber hat da nicht jeder eine Eins bekommen, solange er nur immer brav die Meinung des Lehrers wiederholt und sonst die Klappe gehalten hat? Interessiert hat das Fach doch im Grunde niemanden. Und Diskussionen wurden immer im Keim erstickt. Ich kann mich auch gar nicht erinnern, dort jemals wirklich etwas gelernt zu haben ... Oder habe ich das verdrängt?

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Ne, Herr B., ich glaube, da hamse nix verdrängt. Zumindest ist auch bei mir nix hängengeblieben. Und ja, natürlich wusste man, was die so hören wollten. Aber das weiß doch heutzutage keiner mehr - ich geniere mich fast immer noch, dieses Ausbildungszeugnis vorzulegen :D