Mittwoch, 23. Januar 2013

Heidi in der großen Stadt

Also zur Einstimmung meiner aktuellen Verfassung erst mal die passende Mucke. Also passend dahingehend, dass ich trotz der aktuellen Uhrzeit auf Bett und Tisch tanzen könnte (na ja vielleicht lieber nur Bett, ich glaub, der Tisch machts eh nicht mehr lange).

Come on, lets go girls!



Ja und zum Post-Titel... Es gibt Tage, da bin ich so unter Strom und angespannt und überhaupt, dass ich nur über aktuelle Geschehnisse, Fakten, Daten, Ereignisse nachdenken kann - und aber das, was in der Seele wohnt, wundervolle Erinnerungen, witzige Erinnerungen zwar in mir bleibt, aber trotzdem nicht wirklich präsent ist. Dann wieder gibt es Tage, da scheint mir, als öffne sich in mir eine Schatulle und quellen tausend Erinnerungen heraus.
Im September 2003 reiste ich mit meinem damaligen Chef nach Amsterdam zum Mutterkonzern - und ich schwörs: Es gibt sie, die Liebe auf den ersten Blick! Ich habe mich echt in diese Stadt verliebt gehabt, aber sowas von. Ich konnte mich gar nicht sattsehen an den Häusern entlang der Grachten, mich nicht satthören am Dialekt der Holländer, der mich so an Zuhause erinnert (da wusste ich übrigens noch nicht, dass meine werte Frau Mama tatsächlich einem alten holländischen Landadel entstammt. Verarmt natürlich. Klar.) Eine Stadt gefällt mir dann, wenn ich mir spontan vorstellen kann, dort zu leben - und so ging es mir mit Amsterdam.
Dieser Chef sagte damals zu mir: "Es macht wirklich Spaß, mit dir zu verreisen und dir zuzusehen, wie du alles entdeckst. Du kommst mir dann vor wie Heidi in der großen Stadt."
Ich war nur gut ein Jahr in dieser Firma, und einmal noch reisten wir nach Holland, wieder zum Mutterkonzern, untergebracht wurde ich diesmal aber in Scheveningen, man sagt, ein idyllischer Badeort direkt am Meer. Nur das Wetter spielte nicht mit, also gönnte ich mir - wie könnte es auch anders sein - ein heißes Schaumbad in einem ansonsten ziemlich heruntergekommenen Appartement. Gestört hats mich nicht wirklich, ich als Ostkind bin solche Anblicke gewohnt gewesen. So what? Also lag ich da in der Badewanne, genüßlich ein Bein über das andere gelegt, und spielte ein wenig an den Armaturen herum. Ich hatte keine Ahnung, wofür welche Knöpfe zuständig waren, aber ich fands geil, von Unterwasserluftstrahlen massiert zu werden. Und anfangs begeistert, später fassungslos zuschaute, wie die Schaumberge immer höher und höher wuchsen, über den Wannenrand, über die Fliesen bis hinaus zur Badezimmertür. Erst da hatte ich den Knopf wiedergefunden, der die Luftwirbel zum Erliegen brachte.
"Hast du noch nie von einem Whirpool in der Badewanne gehört?" wurde ich höchst amüsiert gefragt und ich musste gestehen: Nein, bis jedenfalls zu diesem Tage nicht.

Ich war übrigens auch die, die sich vor schlappen zehn Jahren in einer Sauna in den Ruhebereich setzte, außerhalb der eigentlichen Kabinen,  die einzige aber, die hier vollständig mit Bikini und Handtuch bekleidet im Liegestuhl lümmelte. Und die entrüstet und hoch erhobenen Hauptes von dannen schritt, nachdem sie vom Saunawart dezent aufgefordert wurde, ich habe mich doch bitte sehr zu entkleiden. Watt wollte der? Mir doch bloß auf den nackten Arsch schauen, oder? Der Lustmolch! Leute, wir Ossis mögen vielleicht FKK, aber da bin ich kleinkariert, der gehört ans Meer und nicht in so ne Möchtegernwellnessoase inmitten eines Industriegebietes mit Palmen aus Plastik! Dachte ich halt damals. Na ja, aber wie sollte ich es auch besser wissen, wenn ich jung geheiratet hatte und in der ganzen Ehezeit nicht mehr zu sehen bekam als meine Küche und den Gartenzaun?

Ich glaub, so ein Leben mit mir kann schon ziemlich lustig, aber auch ziemlich anstrengend sein. Oder werden. Ich glaube auch, dass ich meinen Mitmenschen so einiges an Toleranz, Verständnis (bitte wenigstens nach außen hin) und Nachsicht abverlange - aber hey, sie bekommen auch so einiges dafür! Immerhin lache ich gern und jammere wenig (die einzigen, die alles, aber wirklich auch a-l-l-e-s von mir wissen, sind meine Kissen.), ich nehme von den Reichen (man ließ sich leichtsinnigerweise auf eine Wette mit mir ein, und ich persönlich wette ja nicht um Geld, aber ja mei, watt solls, ich hab nicht damit angefangen, nur gewonnen ;)) und bei Ungerechtigkeiten laufe ich zum Sturm auf und blase zum Halali. Sogar für fremdes Leid. Zum großen Kummer meiner Familie, die immer sagt: "Hast du denn nicht genug mit dir selbst zu tun? Hilft dir einer in der Not?" Ja freilich! Eine/n gibt es immer. Na ja fast immer. Sagen wir meistens. Sagen wir, dann, wenns drauf ankommt. Sagen wir... ach egal.
Ich wundere mich ja heute noch darüber, dass der Mann meiner damaligen Freundin unmittelbar nach dem Ende meiner Ehe und dem Beginn meines Asyls bei ihr zu ihr sagte: "Um Helma musst du dir keine Sorgen machen, das ist eine Powerfrau, die schafft das." Äh. Ich sah mich so gar nicht. Ich sah mich ganz anders. Klein. Mundtot. Ängstlich. Und warum setzte mich diese Freundin dann zwei Tage später vor die Tür mit der Bemerkung, es würde ihr zu eng auf den dreihundert (!!) Quadratmetern, ich müsse jetzt endlich auf eigenen Beinen stehen? Eine Woche nach meinem Auszug aus der ehelichen Wohnung, vor dem größten Scherbenhaufen meines Lebens, ohne Lohn  und Brot und ohne Ahnung, wie es weitergehen sollte. Aber gut. Wege entstehen, indem man sie geht; und wahrscheinlich stimmt das auch.
Was ich so ein bisschen in all den Jahren verlor, war die Heidi in mir. Weniger Staunen, weniger Entdeckerfreude, dafür noch mehr Ängste, noch mehr Zweifel und einen Sack Probleme gratis obendrauf.
Und jetzt? 2013 soll ein Jahr der Klarheit, des Bewusstseins werden. Oder sein. Irgendwie glaube ich sogar, dass das stimmt. Ich habe so viel vor in diesem Jahr und noch nüscht, aber gar nüscht davon ist geregelt oder gar in Angriff genommen. Aber im Gegensatz zu sonst habe ich VISIONEN! Ich bin Helma Egon Olsen Ziggenheimer - und ich habe einen PLAN! Und ich habe ZUVERSICHT, dass in diesem Jahr auch alles gut wird. Alles, das ich mir vorgenommen hab. Ich bin mir nur nicht sicher, ob ich damit allen anderen einen Gefallen tu. Who cares? Da ist sie wieder, die Heidi in mir, die unbekümmert an den Knöpfen spielt und staunt, was alles so dadurch entstehen kann. Die sich Gedanken, aber weitaus weniger Sorgen macht.
Weil ich in diesem Jahr tatsächlich ganz klar und bewusst den Weg vor mir sehe, den ich unbedingt gehen möchte. Mehr kann ich jetzt noch nicht verraten. Nur soviel: Meine Familienplanung bleibt abgeschlossen, den Schlüssel zu dieser Tür hab ich weggeworfen. Aber alle anderen Türen reiß ich auf.
Ick will sehen, watt dahinter allet los is und ob ick mitmischen kann :)

Kommentare:

Rosa Rosarot hat gesagt…

Liest sich supersupergut, nur: "und in der ganzen Ehezeit nicht mehr zu sehen bekam als meine Küche und den Gartenzaun?" - von deinem Mann nichts weiter *grins*
Auf diese 300 qm-Wohnungsfreundin kannst du ja wirklich "stolz" sein, ohne die vermisst du nichts.
Amsterdam habe ich auch sehr gemocht - ich war per Fahrrad dort und in Scheweningen mal mit einer Freundin. -
Gutes Gelingen für die 2013er Pläne!

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Liebe RosaClara :)
Von meinem Ehemann habe ich mehr gehört als gesehen, ich hörte ihn auch, wenn ich ihn nicht sah - man sagt wohl auch stimmgewaltiges Volumen dazu.
Trotz 15jähriger Ehe ist nicht viel mehr in Erinnerung aus dieser Zeit geblieben - ist das nun traurig oder fatal oder wie nennt man das?
Mir egal eigentlich, Hauptsache, ich bin da raus ;)
Und stimmt: Erst in der Not merkst Du, wer wirklich Deine Freunde sind, bewahrheitet sich doch eben immer wieder.
Vielen, vielen Dank für die Wünsche, ich setz alles dran und seltsamerweise glaube ich sogar ans Gelingen, so ganz von innen heraus. So als käme etwas anderes ohnehin nicht in Frage.
Na wir werden sehen. Die Bilanz kann ich spätestens am 31.12. ziehen ;)