Sonntag, 4. Januar 2015

Der letzte Tag

Heute morgen ist er angebrochen - der letzte Tag. Der zum Faulenzen, der zum Surfen, so lange der Akku hält und der zum Schlafen, so oft und so lange ich will. Schon lustig, wie sich das so innerhalb von ein paar Tagen verschiebt: Morgens zwischen zwei und vier mummeln wir uns in unsere Bettdecken und schlafen dafür bis neun oder zehn. Härrlisch! Noch herrlicher, dass dieser Schnee so gut wie weggetaut ist. Bei so etwa 50 cm Schnee innerhalb von ein paar Tagen und einem Winterdienst, der einfach nur unter aller Kanone ist, könnte es einem schon übel werden, wenn man daran denkt, dass man bald wieder raus in die Welt muss.
Ich würde ja auch gerne sagen, dass die Prognosen für die kommende Woche beruhigend auf meine Autofahrerseele wirken - bloß ändern sich die eben auch täglich. Kann man also nur abwarten, Tee trinken (Schoko-Ingwer!) und das Beste hoffen. 
Dass für mich das Arbeitsleben schon morgen wieder beginnt, kommt zum denkbar ungünstigen Zeitpunkt: Ich bin noch gar nicht soweit, dass ich schon wieder arbeiten kann. Will. Oder so. Irgendwie ist das echt blöd mit Urlaub: Kaum hab ich mich an die freie Zeit gewöhnt, isse auch schon wieder um. Hm. 
Diesen letzten freien Tag jedenfalls habe ich - wie solls auch anders sein - zum Blog lesen genutzt. Mal hier, mal da. Diese Weihnachtstage haben ja irgendwie so den "Nachteil", dass viele Blogger weniger schreiben; entweder, weil sie grad das Haus voll und Besseres zu tun haben, oder weil sie schlichtweg verreist sind. Insofern las ich nicht nur meine Lieblingsblogs, sondern hangelte mich von Blogroll zu Blogroll, um überhaupt mal was Neues und für mich Interessantes zu lesen. 
Irgendwo blieb ich dann hängen an einem Blog, wo jemand über das (nachvollziehbar) zerrüttete Verhältnis zum Vater schrieb. (Bei diesem Thema muss ich immer und sofort an meine Hamburger Freundin denken, die nicht nur von ihren Eltern derart gequält und erniedrigt wurde, dass sie noch heute - sie müsste fast 50 sein - schwerst geprägt ist davon. Sie hat sich leider nie wieder bei mir gemeldet bzw. hat sie auf keine meiner Nachrichten mehr reagiert, seit sie sich von mir Geld geborgt hatte. Ich glaube, dass sie sich aus Scham nicht mehr gemeldet hat - aber mir tut das wirklich total leid: Auf das Geld kann ich verzichten, das habe ich ihr schon damals gesagt, aber die Freundschaft zu ihr war mir echt wichtig, die hätte ich wirklich gern behalten.) 
Eltern können ihre Kinder auf die subtilste oder offene Art und Weise derart quälen und zerstören, dass ich mich immer wieder frage, warum diese Menschen dann überhaupt Kinder wollten? Warum haben sie sich dann nicht besser für ein Leben ohne Kinder entschieden? Was geht in einem Vater, in einer Mutter vor, das eigene Kind zu schlagen, zu quälen, in den Müll zu werfen?? Ich werde das nie niemals verstehen und erst recht nicht akzeptieren.
In besagtem Blog stand wohl im Fokus, dass man sich um ein besseres Verhältnis zum Vater bemühte. Dass man sich wünschte, so etwas wie eine Familie überhaupt zu haben. Was mich schon ein wenig verwunderte: wie oft dabei das Wort "Geld" und "mein Erbe" fiel. 
Was mich betrifft: Meine Eltern sind Ende 60 und Anfang 70, ich habe überhaupt keine Ahnung, ob und wie viel Geld meine Eltern besitzen - und es interessiert mich auch nicht. Mir ist nur eines wichtig: dass es meinen Eltern gut geht. Dass sie versorgt sind und sich selbst versorgen können.Wenn eines Tages einer von beiden gehen muss und der andere alles das, was er besitzt, für sich oder wen auch immer ausgibt, dann soll er das tun - er hat es sich doch in all den Jahren selbst erwirtschaftet. Ich habe da noch nie verstanden, wieso man als Kind automatisch einen Anspruch hat, wenn einer von beiden Eltern stirbt. Ich meine, wenn beide nicht mehr da sind und hinterlassen etwas - okay! Aber was berechtigt ein Kind, vom Elternteil, das zurückbleibt, (s)einen Pflichtteil einzufordern? Was hat dieses Kind je dazu getan, dass die Eltern ihr Vermögen erwirtschafteten? In den allermeisten Fällen ist es doch so: nichts. Gar nichts. Vielleicht haben die Eltern ihr Leben lang gespart, gewirtschaftet, verzichtet, um es im Alter gut zu haben, sorgenfrei leben zu können - und dann stirbt einer von beiden und das Kind darf kommen und die Hand aufhalten? Und sich darüber beklagen, dass der Hinterbliebene das Erbe "verschleudert"? "Sein" Erbe? Selbst wenns der  Vater in die "Freudenhäuser" trägt - na und??? Es ist doch seins, kann er doch machen, was er will? Sicher habens Mutter UND Vater erwirtschaftet, und wenn einer gehen muss, bevor er "seins" genießen kann, ist das natürlich schade. Aber das Kind oder die Kinder haben doch nichts dazu beigetragen? Wieso haben sie dann automatisch Anspruch auf einen Pflichtteil? Das wäre ja so, als kämen meine Söhne zu mir und zu ihrem Vater und sagten: "Achtet darauf, wofür ihr euer Geld ausgebt, das ist schließlich unser Erbe." Und wenn es "lediglich" um ein Haus und nicht um Barvermögen geht, muss der Hinterbliebene den Kindern ihren Anteil auszahlen und dazu noch einen Kredit aufnehmen. Hat es alles schon gegeben. Geld (und Macht) haben im Privaten die widerlichsten Fratzen zum Vorschein gebracht, auch da, wo man sie nie vermutet hätte, und in der Welt die schlimmsten Katastrophen heraufbeschwört. 
Dann möchte ich lieber nie was besitzen, als dass das, was man den eigenen Kindern in gutem Glauben hinterlassen möchte, zu hässlichen Auseinandersetzungen und dem Zerreißen familiärer Bindungen führt.  Auch meine Mum sagt immer: "Ich gebe lieber, solange meine Hand warm ist." Wohl von ihr habe ich diese Einstellung, dass Streit ums Geld zu den widerwärtigsten Auseinandersetzungen gehört. Auch deshalb reagiere ich immer sehr dünnhäutig, wenn der Liebste mit mir darüber diskutieren möchte, ob und wie viel ich meinen Kindern bezahle und wie viel weniger dann für uns bleibt. Ich meine, ich kanns verstehen, wenn man selbst jeden Cent dreimal umdrehen und sich überlegen muss, ob man sich eine warme Mahlzeit pro Tag leisten kann. (Wobei ich auch hier wie meine Mum fühle und handle: Lieber verzichte ich, damit es die Kinder gut haben - solange diese noch nicht selbst verdienen.) 
Nun... dieser Post, den ich heute las, er hat so einiges in mir bewegt. Natürlich zuallererst die emotionale Seite. Doch gerade deshalb passte für mich nicht dazu, wie oft das Thema Geld einfloss. Der Hinweis darauf, dass der Vater neu geheiratet und dieser neuen Familie all sein Geld zukommen lässt, dies auch den eigenen Kindern in sehr unschöner Weise vorführt. Dass das schmerzt, kann ich gut verstehen: Er kümmert sich um sie, warum nicht um mich, um uns? Warum sind wir kein Teil seines Lebens? Ja... Das kann ich nur allzu gut verstehen. Aber irgendwie passt da dieser Satz, dieser immer wiederkehrende Gedanke einfach nicht rein... "Er schmeißt ihnen das Geld in den Rachen (mein Erbe!)" 
Nein... Das will einfach nicht passen - aber vielleicht... habe ich ja auch etwas missverstanden.

Kommentare:

Clara Himmelhoch hat gesagt…

Deine gute und richtige Auffassung über das Erben sollte vervielfältigt werden und von den Bestattern an die Kinder verstorbener Mütter und Väter verteilt werden.
Wegen so ein bisschen Geld zerbrechen ganze Geschwistgerbeziehungen.
Schneefreie Woche!

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Liebe Clara, ich weiß nicht, wer wann dieses Gesetz mit verabschiedet hat - aber ich finde, da gehört so einiges ordentlich reformiert.
Danke für das schneefrei, mir würde das echt viel bedeuten! Hatte grad die Vorausschau bis 17.01. gesehen - demnach solls noch keinen neuen Wintereinbruch geben. Also wegen mir muss es diesen Winter keinen mehr geben, Weihnachten ist schließlich vorbei und die Skihasen fahren sowieso alle nach Österreich :)

~ Clara Pippilotta ~ hat gesagt…

Liebe Helma, auch ich wünsche Dir erstmal eine schneefreie Woche :-)

Das alles sehe ich ähnlich wie Du. In dem von Dir zitierten Blog ist bestimmt auch viel Schmerz und Enttäuschung enthalten, so dass vielleicht auch das Recht auf Erbe ein Symptom für tiefer liegende Wünsche ist.

Oft ist es aber auch die pure Gier und Raffsucht, die die Leute treibt.

Ich hab so eine Geschichte mit meiner Schwester und dem Erbe unserer Mutter durch - da steht man nur noch mit offenem Mund daneben, wie das Leichentuch noch nicht trocken ist und schon wird alles zusammengerafft. *schüttel*

Ich finde, Eltern sollten mit ihrem Geld tun, was sie wollen. Sie haben es sich verdient, also sollen sie dauch damit gut leben. Wenn man die Eltern liebt, gönnt man es ihnen auch. Und wenn man den Kindern selbst was hinterlassen möchte ist, es okay. Aber ich finde auch, es sollte freiwillig sein dürfen.

Lieben Gruss
Clara

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Liebe Clara II :) Ja, vermutlich steht dieses "mein Erbe" symbolisch für den Schmerz und die Enttäuschung, möglicherweise sehe ich das hier auch zu eng, doch Geld und (unerwiderte) Liebe wollen für mich einfach nicht zusammenpassen.

Ich selbst bin von sowas glücklicherweise bislang verschont geblieben - und hoffe und wünsche auch, dass mir das je erspart bleibt. Ich hab so etwas mehr oder weniger hautnah bei einer Kollegin miterlebt - und was da abgegangen ist... Da wünscht man sich wirklich, nie so viel Geld zu besitzen, dass es da böses Blut drum gibt. Wie Du auch sagst: Das Leichentuch ist noch gar nicht trocken, da geht das Hauen & Stechen schon los... Offenbar gibt es auch dahingehend kein "wasserdichtes" Testament, irgendwie, irgendwo kann immer was angefochten werden oder verursacht zumindest Erbstreitigkeiten, wo es einem einfach nur furchtbar schlecht wird von.

Und ja, ich finde auch: Solange einer von beiden noch lebt, sollte ein Erbe eine Freiwilligenleistung sein. Erst wenn beide nicht mehr da sind, kommen die Kinder ran.
Im Gegenzug finde ich dann auch richtig, dass Kinder, die von ihren Eltern nachweislich misshandelt, verstoßen und was auch immer wurden, nicht für diese Eltern eintreten müssen, wenn diese zum Sozialfall werden. Vereinzelt gabs da wohl entsprechende Urteile, ob das allerdings immer so durchgesetzt werden konnte und kann, weiß ich nicht.

Lascincoies hat gesagt…

Der letzte freie Tag ist der Horror! Der Urlaub zu kurz! Ich musste heute schon antanzen natürlich und ja, am Strand liegen wär schöner :D Aber es könnte auch schlimmer sein, also auf!auf! :)

allemeineleidenschaften hat gesagt…

Liebe Helma,
ich bin da zu 100% deiner Meinung. Mich interessiert es auch nicht, wie viel Kohle meine Eltern auf dem Konto haben und was mein Bruder ich evtl. mal erben. Wichtig ist, dass es ihnen ermöglicht, ein sorgenfreies Leben führen zu können. Das haben sie sich verdient.

Kennst du den Spruch:

Sprichst du noch mit deinen Geschwisern, oder gabs was zu vererben?

Diesen Satz lehrte mir meine Ma von Kindauf an, denn in sooo vielen Familien ist es tatsächlich so: Die Geschwister zerstreiten sich derart ums Erbe, dass sie nie wieder miteinander reden.