Dienstag, 10. Februar 2026

Circle of Life

Es war im Mai 2023, als es unser erstes Enkelchen im 8. Schwangerschaftsmonat nicht lebend auf diese Welt geschafft hat. Was dem folgte, war eine Zeit voller Schmerz und Trauer. Und selbst, wenn man schon eigene Kinder hat, wird man den tiefen Schmerz der Eltern, die ihr Kind verlieren, nur im Ansatz nachempfinden können. Vermutlich wird man niemals so wirklich begreifen.  Ein Schmerz, der sich intensiviert insbesondere dann, wenn in der darauffolgenden Zeit Monat für Monat ein weiterer Schwangerschaftstest negativ bleibt.

Es war im letzten Dezember auf dem Weihnachtsmarkt, als ich sie anschaute und dachte: "...Irgendwas... ist anders an ihr." Was es war, vermochte ich da noch gar nicht in Worte zu fassen oder zu beschreiben. Im Nachhinein würde ich sagen, es war... das Leuchten. Ihr Leuchten. Und nur einige Tage später folgte ein Schwangerschaftstest, diesmal mit den zwei ersehnten Streifen. Vor wenigen Tagen haben wir erfahren: Dieses Mal wird es ein Junge. Uns alle, selbst die werdende Mama, eint ein gleiches Gefühl der Zuversicht und der Hoffnung. Dieses Mal wird alles gut gehen.

Vor etwa einer Woche träumte ich von meinen Eltern. Mein Vater schaute mich ernst an und sagte: "Wenn deine Mutter stirbt, sterbe ich auch." Ich bin aufgewacht davon. 

Zwei Tage später rief ich wieder meine Mama an. Im letzten Sommer war mir ihre rechte Hand aufgefallen. So etwas hatte ich bis dahin noch nie gesehen. Sie war gestürzt, sagte sie, und hatte sich mit der rechten Hand aufgestützt. Ihre Hand, die Handinnenfläche, die Finger, die Handoberfläche, der Unterarm - alles war blau. Wirklich richtig blau - ohne eine einzige freie Stelle, und sei sie noch so klein. Ich fand das sehr ungewöhnlich und irgendwie auch bedenklich. "Mir gehts gut", winkte die Mama ab. "Das heilt schon wieder."

Im November waren mir ihre blauen Flecken aufgefallen. Von denen sie nicht wirklich wusste, wie sie zu denen gekommen war. "Bitte lass das untersuchen. Im Sommer die Hand, jetzt die blauen Flecken. Das ist nicht normal." 

Sie ist dann beim Arzt gewesen und nach dem ersten Bluttest umgehend in die Hämatologie überwiesen worden. Die Bluttransfusion wurde noch vor Heiligabend verabreicht, die Werte im Januar etwas unter dem Normbereich. Die Werte Ende Januar wieder unmittelbar vor dem kritischen Bereich. Was dem folgte, war keine erneute Bluttransfusion, sondern eine Chemo. Die Diagnose: MDS. Was das bedeutet, musste ich googeln. Ein Begriff, den ich mir nicht merken kann. Myelodysplatisches Syndrom. Eine Form von Blutkrebs, in ihrem Alter nicht mehr heilbar. "Ich mach mich jetzt nicht verrückt", hör ich sie noch immer sagen, "mir gehts gut soweit und ich mach mich da jetzt einfach nicht verrückt."

Ich selbst.. hab den Rest des Wochenendes nur geweint. Und trag noch immer ganz schwer an dieser Diagnose und der Prognose. Kann nicht darüber sprechen, ohne ins Stocken zu geraten, ohne mit den Tränen zu kämpfen. Liebes Universum, ich bin noch nicht soweit. Man ist niemals bereit für einen Abschied dieser Art, aber bitte.. 

Man sagt, alles steht und fällt mit der Mama. 

Und ich glaube, darin steckt einfach immens viel Wahrheit. 

Ich habe mich gefragt, ob es das jetzt sein soll, dieser berühmte Kreislauf des Lebens. 

Gestern, im Ergebnis des MRTs von vor zwei Wochen, hat mir meine Ärztin mitgeteilt, dass in meinem Fuß mehrere Verletzungen stecken, mehr als ich bis vor kurzem gewusst habe. Morgen habe ich einen weiteren Termin mit einem Chirurgen, der festlegen soll, wie es weitergehen wird. Doch was immer er mir auch sagen wird: Am Sonntag werden mein Ältester und ich uns auf den Weg zur Mama machen. Wir werden eine Woche lang Zeit mit der Mama haben. Zeit, Kaffee zu trinken. Karten zu spielen. Mensch-ärger-dich-nicht zu spielen. Krimis zu schauen. Bis dahin muss ich mich sammeln und wappnen. Möglichst jetzt alle Tränen leerweinen, damit ich nachher, wenn ich bei ihr bin, keine mehr habe - und sie mit meinen eigenen Sorgen nicht belaste. Sie wird dieselben Dinge gelesen haben wie ich. Wie fühlt sie sich damit? Wie geht es ihr damit? Kann sie nachts schlafen? Empfindet sie wirklich diese Ruhe, die sie nach außen ausstrahlt? 

Dieser Tage erinnerte ich mich an meine Großeltern. Zeit ihres Lebens, so lange ich mich erinnern kann, haben die beiden gezankt, waren sie wie Hund und Katze und konnten dennoch nicht ohne einander sein. Meine Großmutter starb im September 1989. Der Großvater folgte ihr im März 1990. 

Ich denke an meinen Traum von vor ein paar Tagen. Und daran, dass man jeden Tag glaubt, man hätte noch so viel Zeit. Bis man eben keine mehr hat. 

Sonntag, 8. Februar 2026

36


Manchmal, spätestens aber an Tagen wie diesen, bin ich erschrocken, wie irre schnell die Zeit vergeht. Kinder sind unser Indikator für unser eigenes Alter. Dann, wenn wir dem Spiegel nicht trauen mögen oder die Zahl im Pass ignorieren wollen. 

Heute ist Dein 36. Geburtstag.

Sechsunddreißig. 

Unglaublich. Eine Zahl, die Du selber gar nicht (mehr) hören möchtest - und die Dich auch immer weiter entfernt von einer Zeit, in der Du Dich gut und ein Stück weit auch unbeschwert gefühlt hast. Vor allem eng verbunden mit Deinem Bruder, der Dir in Eurer schwierigsten Zeit vermutlich der einzige war, der genau wusste, wie Du Dich fühlst - und mit dem Du auch vorbehaltlos alles besprechen konntest. Dich mitteilen konntest. Allen, auch Dir, war immer klar: Das wird nicht so bleiben. Eines Tages wird jeder seiner Wege gehen. Du hast nur nicht damit gerechnet, dass dieser Moment so früh eintreten würde - und haderst bis heute damit, dass Dir genau dafür Dein ganz persönlicher Abschluss fehlt. Auch wenn Du irgendwann realisiert hast, dass genau dieser Abschluss vermutlich schon vor einigen Jahren vollzogen wurde, ohne dass Euch beiden das so wirklich bewusst gewesen wäre. 

Du warst vom ersten Tag an ein besonderes Kind - und das empfinde ich und meine ich in jeder Beziehung positiv. Du warst ein kleiner Goldschatz, ausgesprochen wissbegierig, neugierig, entdeckerfreudig und so beweglich im Geist, dass Du den Kindern in Deinem Alter in einigem weit voraus warst. Im Gegenzug hast Du nie viele Freunde gehabt. Du brauchtest auch nie viele Freunde. Bei Dir ging Qualität vor Quantität. Bindungen, die Du knüpfst, die knüpfst Du für immer. Wenn sie sich verlieren, hängst Du ihnen zumindest im Inneren sehr lange nach, vielem davon bis heute. 

Am tiefsten ist bis heute das Band zu Deinem Bruder, und mir ist bewusst, warum. Auch weil er die einzige Konstante war in Deinem Leben, als die Familie auseinanderbrach. Er war jemand, der Dir Halt gab. Dinge, Relikte aus dieser Zeit trägst Du bis heute bei Dir. Wie zum Beispiel zwei kleine Stofftiere. Die Augen habe ich x-mal schon wieder angenäht, Risse gestopft. Man kann sie kaum noch anfassen, ohne zu befürchten, sie fielen auseinander. Aber Du hängst an ihnen, so, wie Du an der einstigen Zeit hängst, die für Dich Sicherheit und Stabilität bedeutete. Als Deine Welt noch in Ordnung war - zumindest von außen betrachtet. 

So beweglich Du in Deinem Geist jedoch warst und bist, so sehr hängst Du im Leben an Struktur und Gewohnheit. Es fällt Dir nicht so leicht, Dich auf neue Situationen einzustellen. So war das schon als Kind. Du hast Dich schwer getan mit Planänderungen. Hast immer und immer wieder hinterfragt, warum wir dies und jenes doch nicht so, sondern anders machen. 

Was das bedeutet, wissen wir alle. Nicht umsonst bist Du einer der vermutlich größten Fans der Figur von Sheldon Cooper. Kannst die Texte mittlerweile auswendig und soufflierst sie, bevor sie über den Bildschirm flimmern. 

Aber Du bist auch in anderer Hinsicht ein ganz besonderer Mensch: Ich kenne wirklich niemanden, der so aufrichtig ist wie Du. Der so mitfühlend ist wie Du. So hilfsbereit. So respektvoll und zuvorkommend Dritten gegenüber. Auch wenn wir zu Hause diese Seite an Dir immer wieder mal vermissen ;) Zu Hause, so denke ich mir, fühlst Du Dich sicher. Zu Hause kannst Du sein, wer Du bist. Kannst zeigen, wer Du bist. Wenn Du verletzt bist, verstellst Du Dich nicht. Wenn Du scheißwütend bist, bekommt das jeder zu spüren. Zu Hause bist Du pur und unverfälscht, mein großer stachliger Igel mit dem weichen Kern im Inneren, den er nicht mehr oft zeigt. Das zeigt Selbstschutz und es zeigt mir Resignation. 

Was Dir fehlt, habe ich schon vor langer Zeit verstanden. Was Dich bewegt, ebenfalls. Auch, warum Du in Situationen so reagierst, wie Du eben reagierst: ruppig. Es braucht lange und Du brauchst auch das Gefühl, dass die Zeit dafür da ist. Aber wenn, dann öffnest Du Dich. Erzählst. Lässt die Dinge raus, die Dich belasten, beschäftigen, die Dich wütend machen. Über die Du lange nicht sprichst und Dich dann in dieser Zeit festhängst in eine Gedankenspirale, aus der Du dann nicht mehr herausfindest. Oder auch nicht herauskommen magst. Gedanken, Einstellungen manifestieren sich - und dann wird es schwierig.. 

Meine Reaktion, meine Antworten sind für Dein Empfinden oft nicht das, was Du hättest hören wollen. Dann fühlst Du Dich missverstanden. Aber glaub mir.. Ich kann Dich wahnsinnig gut verstehen und sehr, sehr vieles auch nachempfinden. Es gibt jedoch - wie bei so vielem im Leben - immer eine zweite Seite. Es ist diese Seite der Medaille, die ich versuche, Dir dann aufzuzeigen. 

Ich glaube, ein großer Fehler, den Menschen begehen können, ist, eine Erwartungshaltung gegenüber anderen aufzubauen. Man muss doch dann zwangsläufig enttäuscht werden - weil der andere entweder gar nichts davon weiß; er aber schlichtweg auch gar nicht in der Verpflichtung ist, diese Erwartung zu erfüllen. Zu befriedigen. Zufriedenheit.. mein Hase.. ruht in einem selbst. Jeder Mensch ist für sich selbst verantwortlich, zuallererst. Jeder Mensch muss für sich selbst dafür sorgen, dass sein Leben so ist, dass er sich wohl darin fühlt - und sich auch glücklich darin fühlt. Dann erst, und daran glaube ich persönlich wirklich, ist auch wirklich erst Platz darin für einen anderen Menschen. 

Nicht immer erfüllen sich unsere Herzenswünsche. Nicht immer erfüllt sich das, wonach wir uns sehnen. Aber weißt Du.. In meinen dunkelsten, schmerzhaftesten und schwierigsten Zeiten habe ich mir immer gesagt: "Wer weiß schon, wofür das alles gut ist. Irgendwie wird es seinen Sinn haben." Und mein Hase - es hat sich bis zum heutigen Tag immer und immer wieder bestätigt: Es hat am Ende alles seinen Sinn. Manchmal dauert es nur einfach unfassbar lange, eh wir darauf kommen. Den Sinn erkennen. Den Sinn dafür, warum dies oder jenes sich nicht erfüllt hat. Daran glaube ich auch ganz sehr bei Dir. Ja, es mag sein, dass andere Menschen in Deinem Alter bereits eine Familie haben. Zweimal im Jahr in den Urlaub fahren. Arbeiten gehen. Kinder bekommen (haben). Du hast lange darunter gelitten, dass Dein Leben bis hierher ganz anders verlaufen ist. Aber.. Du sagst eben heute auch von Dir, dass es nicht das Leben ist, was DU führen möchtest. Was DICH glücklich machen würde. Und ich finde das genau richtig so. Jeder muss für sich selber entscheiden, wie er leben möchte. Womit er leben möchte. Womit er glücklich ist. Du weißt schon eine ganze Menge über Dich selbst - und auch über das Leben; selbst dann, wenn Du im Gegensatz zu anderen die meiste Zeit auf Deiner eigenen inneren Insel verbracht hast. Aber Du bist - nicht nur aus meiner Sicht - hoch intelligent, Du erfasst ungemein schnell Situationen, Schwingungen, Stimmungen und entwickelst in Bruchteilen ein unbeirrbares Gespür für Falsch und Richtig. In Dir steckt noch immer der Junge, der eigentlich nur geliebt werden möchte um seiner selbst Willen. Der fühlen möchte, dass er liebenswert ist. Einfach nur dafür, dass Du Du bist. Ohne Dich verbiegen zu müssen. Und zugleich steckt in Dir der junge Mann, der so enttäuscht und frustriert ist von dem, wie die etwa zehn letzten Jahre seines Lebens verlaufen sind.

Wir feiern heute Deinen Geburtstag - und ich bin Dir zutiefst dankbar dafür, dass Du Dich umentschieden hast und wir doch alle an Deinem Tag zusammen sein werden. Auch wenn ich weiß, dass Du es nicht aus Überzeugung, sondern eher nur mir zuliebe so entschieden hast. Ich bin trotzdem dankbar. Und ich möchte, dass Du wirklich weißt und auch wirklich verstehst, dass es noch nie, wirklich noch niemals einen Anlass gegeben hat, von Dir enttäuscht zu sein. Ganz im Gegenteil. Du hast uns so oft überrascht und zum Staunen gebracht. Bitte, bitte lass Dir niemals etwas anderes sagen oder einreden, egal, wie nah Dir diese Menschen stehen mögen, die so etwas ausdrücken. 

Du warst ein besonderes Kind, und Du bist ein besonderer junger Mann, der seinen Weg finden wird. Das hast Du immer. Auch wenn die Dinge bei Dir immer (viel) später kamen als bei anderen. Aber Du wirst Deinen Weg gehen - und Du wirst das Leben führen, das Du Dir vorgestellt hast. Daran glaube ich, davon bin ich in meinem Inneren zutiefst überzeugt. 

Danke, dass es Dich für uns gibt.

Deine Mama 

Dienstag, 3. Februar 2026

Ich leuchte auf meinem eigenen Stern


Wir schreiben den 3. Februar, ich liege hier auf meinem Sofa, den Laptop auf den Knien - und das wochentags um 17.07 Uhr Ortszeit. Der aufmerksame Leser wird sagen "Okay! Sie hat mal zeitiger Feierabend gemacht, sie hört also doch auf ihre eigenen Vorsätze."
Na ja, sagen wir es so: Von 10 Tagen, nein zwölf, die ich Idiotin die AU nicht verlängerte, sondern sich ins - wenn auch gemütliche - Home Office begab und alle ihre Vorgesetzten (die vermehren sich irgendwie schneller, als man "Zack - die Bohne!" sagen kann) informierte: "Ich arbeite wieder, aber nur verkürzt" habe ich es an tatsächlich vier Tagen geschafft, die tägliche Arbeitszeit um satte dreißig Minuten zu verkürzen. Demgegenüber stehen Mehrzeiten, so dass aus den 310 Überstunden aus 2025 nicht weniger, sondern 312 Überstunden geworden sind. Das ist nicht viel, das ist eher nix - aber es is eben auch nicht das, was ich eigentlich auf dem Plan hatte. Aber nun ja, ich und Pläne...

Eigentlich, so sinniere ich noch immer, könntsch ja mit den hieraus resultierenden 41 Tagen Frei-haben-wollen auch mal etwas länger dem süßen Nichtstun frönen, ohne dass sich das in meinem Portemonnaie bemerkbar machen täte. Aber so viele Neuerungen, die seit dem Firmenumbau auf mich einstürmen, befürchte ich glatt, ich würde mehr als die Hälfte davon wieder vergessen und nach meiner Rückkehr wieder neu angelernt werden müssen *kreisch*
Und außerdem: Was will ich mit ner kaputten Haxe Urlaub machen? Denkt hier wirklich jemand, das is wirklich Spaß mitm Mann, der hier im Dauer-Home-Office weilt? Er käme jeden Mittag mit dem Wunsch (eigentlich würde ich ja Forderung schreiben wollen, aber wenn er das dann hier lesen sollte, gäbe das Ärger): "Du könntest mal was für uns zu essen machen." 
Öhm. Wenn ich schon "Pflicht" rieche, wird's hässlich. Ich bin ein Zwilling, der wurde mit dem Begleitnamen "Freiheit" geboren. Ich möchte "wollen", nicht "müssen". 
Er würde sich auch wünschen, dass ich jeden Morgen 7.30 Uhr mit ihm aufstehe und ein Käffchen trinke. Also nix gegen Käffchen - aber 7.30 Uhr? Wenn ich frei habe? Nääää! Und Wachsein bedeutet ja nun nicht, dass man deswegen auch aufstehen muss! Man kann sich zum Beispiel genüßlich weiter in den Laken räkeln, ein Buch lesen (meine aktuelle Empfehlung: Die Krimiserie von Sylvia Voigt - Kommissarin Burmeisters Fälle. Habe mir im Urlaub alle 9 Bücher gekauft und bin aktuell bei Buch 6.), vielleicht auch ein bisschen surfen oder auf dem Handy zocken, höchstwahrscheinlich auch mal zwischendurch wieder einschlafen, zwischendurch ein Käffchen ins Bett holen, den Raben und Tauben im Baum draußen vor dem Fenster zusehen... Das ist kein Ritual für jeden Tag - aber Freihaben ist für mich Genießen und kein Tag randvoll mit irgendwelchen Aktivitäten. Und auch nicht, dass ich mich abends 22 Uhr schlafen legen soll, auch wenn ich da noch gar nicht müde bin. 
Was kann ich dafür, dass er eine Lerche ist? Ich wurde von einer Eule auf diese Welt gebracht - da kann ja dann auch nur ne Eule bei rauskommen, auch bei ner Kreuzung zwischen Eule und Lerche. Die Eulengene haben sich durchgesetzt, was sonst. 
Ihr merkts auch, oder? Ich dreh mir meine Welt, wie sie mir gefällt ;) Beklagt der Mann übrigens auch immer öfter: "Früher warst du ganz anders. SO habe ich dich NICHT kennengelernt."
Öhm. Nö. Vermutlich nicht - aber er is ja auch nicht mehr derselbe. Man kann eben nicht alles haben!

Heute musste ich dann aber echt sehr lachen. Bin auf der Suche nach etwas Bestimmtem über einen meiner Blogposts vom Dezember 2013 gestolpert. Und da las ich doch dann tatsächlich Folgendes: 

Ich musste nicht nur selber darüber lachen, ich musste es auch dem Mann vorlesen und ihn fragen, ob ich diesen Auszug nicht mal bloggen sollte unter Hinzufügen von Beweisaufnahmen vom aktuellen Schuhschrank, dem eigens für meine latent gestiegenen *hust* Bedürfnisse zurechtgezimmerten Kleiderschrank und der kleinen, aber nun wirklich bescheidenen Auswahl an Handtaschen in schwarz, braun und grün. Schwarz ist ja nun mal nicht gleich Schwarz, weiß ja auch jeder, der die Nuancen eines fröhlichen Schwarz' kennt. 
"Da hast du nicht mal dreizehn Jahre gebraucht, um dich derart zu verändern", moserte prompt der Mann. 
Ich persönlich bin aber tatsächlich davon überzeugt, dass meine Ansprüche immer noch nicht sooo hoch sind. Eigentlich wünsche ich mir nur eins: dass man mich sein lässt wie ich eben bin - und dass man mich lieb hat, wie ich bin. Ist das viel? Ich glaub nicht. Ich glaub, viel wäre das nur für jemanden, der mit jemandem wie mir nix anfangen kann. Aber dann passts halt eben nicht, so ehrlich muss man dann eben auch sein. Nicht alles, was sich liebt, gehört auch zusammen. Getreu dem Song "You Glow" kann ich nur sagen: Ich leuchte auf meinem eigenen Stern ;) 

Und ich bin längst raus aus dem Alter, in dem ich mich für mich entschuldige, rechtfertige - oder versuche, mich in einen bunten Karton pressen zu lassen, von dem ich schon vor mittlerweile über 20 Jahren sagte: "Ich fühle mich wie in einen Karton gepresst, nett anzusehen von außen und mit meinem Namen dran, aber das da drinnen bin eben nicht ich."
Ich glaube, heute bin ich meinem eigentlichen Ich um vieles näher als noch vor gut dreizehn, vierzehn Jahren. Ob das alles so gut ist, kann ich nicht beurteilen. Vermutlich nicht, denn ich gefalle mir auch nicht immer und auch nicht in jeder Situation. Aber ich denke, der Mann hätte es auch durchaus schlechter treffen können *kreisch*

Mittwoch, 14. Januar 2026

About Me and the New Year's Eve


Wenn man es nicht ganz sooo eng betrachtet, hat für mich das neue Jahr mit einem denkwürdigen Start begonnen: kniend auf dem Asphalt, blutigen Knien, einem gerissenen Band und einer Aufspaltung im Unterschenkelknochen. Gut, das neue Jahr war da schon vier Tage alt, aber ich sagte ja: nicht so eng betrachten.
Im Nachhinein muss ich ja immer noch darüber lachen, als der Mann meinte: "Kannst du aufstehen? Sprich doch mal mit mir! Du musst mit mir reden!", während ich einfach nur darum bemüht war, den Schmerz wegzuatmen und wenigstens zu denken: "Ey... Ich lieg hier nicht aus Spaß im Dreck!"
Er hat mir dann beherzt unter die Achseln gegriffen und mich mit Schwung wieder auf die Beine gestellt, woraufhin ich dann tatsächlich lachen musste und befand: "Okay, stehen kann ich, gebrochen ist schon mal nix." 
Die Wahrheit zeigte sich erst tags darauf innerhalb der 1,5 Stunden, die wir erst bei meinem Doc, und der 5,5 Stunden in der Notfallambulanz der Klinik verbringen durften. Der junge Notfallarzt meinte mit nur einem Blick: "Okay, das sieht gebrochen aus" und ich hoffte: "Vielleicht fehlt ihm ja noch ein bisschen Erfahrung?"
Na ja und seitdem liege ich jeden Tag hier so rum, kann nix machen außer lesen und schlafen, mir jeden Abend eine Thrombosespritze unter die Haut zu jagen und in meinem Kopf mal ein bisschen aufzuräumen. Tut mir eigentlich ganz gut, muss ich gestehen. Die Weihnachtstage und auch die Zeit um den Jahreswechsel waren ja nun nicht so schön - und wäre alles nach Plan gegangen, stünde ich seit einer Woche wieder in Lohn und Brot und hätte weder Zeit noch Muße aufwenden können, um die Kreisel in meinem Kopf zu ordnen. Diese Zeit und diese Muße hatte ich nun jetzt - und hab sie unbewusst auch genutzt.

Jedenfalls, was dabei herausgekommen ist, ist völlig konträr zu den Ursprungsempfindungen "Flucht". Inzwischen bin ich mir ziemlich sicher, dass ich damit kein Problem gelöst, sondern nur verlagert hätte. Ich weiß, dass ich an mir arbeiten muss - und ich weiß auch, an welchen Punkten. Das ist keine Sensation und es ist auch kein Neujahrsvorsatz. Von letzterem halte ich ohnehin nichts - und hab ich auch noch nie: mehr Sport, gesünder leben, mehr schlafen, weniger Krimis, weniger Kaffee, mehr Wasser, weniger Social Media... Was soll ich mir das vornehmen, wenn ich sowieso weiß, was ich nicht einhalten werde? So ein bisschen Selbstbeschiss ist ja okay, aber man muss es ja auch nicht unnötig übertreiben. 
Als der Mann mir also so ein Reel schickte, von wegen "kein Social Media von 21 bis 8 Uhr, 20 Minuten Meditation, 5 Minuten morgens und abends dehnen, täglich 3 Liter Wasser trinken, ein Wochenende komplett offline" Pffff! In der Vision klingt das alles toll und super und so neumodisch klasse, aber seien wir doch ehrlich: Die Realität ist eine vollkommen andere. Drei Liter Wasser jeden Tag, das bedeutet: Man schläft keine Nacht mehr durch, denn was oben eingefüllt wird, will irgendwann auch wieder raus. Und das bevorzugt nachts, das ist einfach ein Gesetz.
Morgens 5 Minuten dehnen, harhar! Das klappt auch nur, wenn man nicht mehr arbeiten muss oder entspannte Arbeitseinteilung hat. Weder das eine noch das andere ist mir vergönnt, also im Normalfall. Da bin ich froh, wenn ich morgens nicht erblinde von der Badezimmerbeleuchtung (und die is nu schon dezent, wenn ich das will) und wenn ich es schaffe, nach Duschen, Haarewaschen & Co. das Haus pünktlich zu verlassen. 
Ich meine, klar, wenn ich will, ist das alles machbar. Der Punkt ist: Ich will das gar nicht. Nicht so in der Form, nicht in der Ausprägung - und sowieso nicht, wenn ich soll. Weil, das bin eben nicht ich!
In meinem Kopf lebt nicht nur eine Blümchenwiese. Da lebt auch ein kleines Rumpelstilzchen, das gerne auch mal widerspricht und sagt "ach wie gut, dass niemand weiß, auf wen und was ich alles sch**ß" ;)

Aber je länger ich darüber nachdachte, desto lauter wurden der Wunsch, die Vorstellung in meinem Kopf, dass ich so ein Jahr wie 2025.. einfach nicht nochmal möchte. Es war ein anstrengendes Jahr. Es war einfach zu wenig Zeit für das Leben, für das Lieben, für das Miteinander. Für das Genießen. Dann geht die Zeit rum, man wird wieder ein Jahr älter und fragt sich: Verdammt, wo ist die Zeit hin?

Sehr berührt hat mich der Moment auf dem Weihnachtsmarkt, in dem die Schwester meiner Seele zu mir meinte, dass der Traum von einem gemeinsam geführten Büchercafe wieder aufgelebt war. Und ja eigentlich nie weggewesen war.
"Ähm.. hä? Du weißt aber schon, dass du es warst, die mir vor drei Jahren erklärte, man müsse sich ja nix vormachen und das hatte ja sowieso nie ne Zukunft und so?"
"Ach das waren die Medikamente damals, das war gar nicht ich."
"Ach so."
Und dann war es mit einem Mal wieder da, der Gedanke und die Vorstellung in meinem Kopf. Dieses kleine, verstaubt anmutende (in der Realität natürlich nicht verstaubt, da sind wir beide Freaks) Café inmitten einer Häuserzeile mit warmem, indirekten Licht, einem alten Ledersessel, ausrangierten Holzstühlen aus vergangenen Zeiten, kleinen Holztischen, selbst gebackenem Kuchen, halb heruntergebrannten Kerzen, einem großen Bücherregal, aus dem jeder etwas für sich mitnehmen und dafür etwas anderes mitbringen darf... Auf meiner Lieblingsinsel gibt es so ein klitzekleines Café, geführt von echten Zwillings-Schwestern, wo man sich einfach nicht entscheiden kann, welches Stück Kuchen man naschen möchte, weil sie einfach alle so wunderbar lecker aussehen und leider auch so schmecken. 
Ich meine... ich hab immer gern und viele Jahre auch sehr viel gearbeitet, vor allem im letzten Jahr - und ich kann auch sagen, dass es mir immer Spaß gemacht hat. Dass ich immer mit Herzblut gearbeitet habe. Zugleich aber hat mir das vergangene Jahr auch gezeigt, dass am Ende eines Tages nicht zählt, wer Du bist und was Du kannst. Dass Du nicht gesehen wirst. Mich hat es ordentlich durchgerüttelt und in meinem Kopf alles durcheinandergewirbelt. Was ich grundsätzlich nicht als negativ empfand, jedoch mit der Zeit als Belastung, weil mir die Zeit und die Ruhe fehlten, die Gedanken zu ordnen. Ziele zu erkennen, Richtungen zu identifizieren. Vor allem zu erkennen: Was genau will ich und was braucht es dafür? 

Und heute, jetzt und hier kann ich zumindest sagen: Ich bin da ein ganzes Stück weitergekommen, in meinem Kopf klärt es sich, hat es sich geordnet - und wenn ich für 2026 wie auch für all die Jahre zuvor keine blöden Vorsätze brauche, dann weiß ich zumindest, was ich nicht mehr möchte. Und was ich genau dafür auch tun werde. Das ist ein.. verdammt gutes Gefühl. 
Manchmal hat es eben doch sein Gutes, auf den Asphalt zu stürzen. Ich nehme an, ich hab das gebraucht, weil ich anders einfach nicht hören wollte ;)