Mittwoch, 14. Januar 2026

About Me and the New Year's Eve


Wenn man es nicht ganz sooo eng betrachtet, hat für mich das neue Jahr mit einem denkwürdigen Start begonnen: kniend auf dem Asphalt, blutigen Knien, einem gerissenen Band und einer Aufspaltung im Unterschenkelknochen. Gut, das neue Jahr war da schon vier Tage alt, aber ich sagte ja: nicht so eng betrachten.
Im Nachhinein muss ich ja immer noch darüber lachen, als der Mann meinte: "Kannst du aufstehen? Sprich doch mal mit mir! Du musst mit mir reden!", während ich einfach nur darum bemüht war, den Schmerz wegzuatmen und wenigstens zu denken: "Ey... Ich lieg hier nicht aus Spaß im Dreck!"
Er hat mir dann beherzt unter die Achseln gegriffen und mich mit Schwung wieder auf die Beine gestellt, woraufhin ich dann tatsächlich lachen musste und befand: "Okay, stehen kann ich, gebrochen ist schon mal nix." 
Die Wahrheit zeigte sich erst tags darauf innerhalb der 1,5 Stunden, die wir erst bei meinem Doc, und der 5,5 Stunden in der Notfallambulanz der Klinik verbringen durften. Der junge Notfallarzt meinte mit nur einem Blick: "Okay, das sieht gebrochen aus" und ich hoffte: "Vielleicht fehlt ihm ja noch ein bisschen Erfahrung?"
Na ja und seitdem liege ich jeden Tag hier so rum, kann nix machen außer lesen und schlafen, mir jeden Abend eine Thrombosespritze unter die Haut zu jagen und in meinem Kopf mal ein bisschen aufzuräumen. Tut mir eigentlich ganz gut, muss ich gestehen. Die Weihnachtstage und auch die Zeit um den Jahreswechsel waren ja nun nicht so schön - und wäre alles nach Plan gegangen, stünde ich seit einer Woche wieder in Lohn und Brot und hätte weder Zeit noch Muße aufwenden können, um die Kreisel in meinem Kopf zu ordnen. Diese Zeit und diese Muße hatte ich nun jetzt - und hab sie unbewusst auch genutzt.

Jedenfalls, was dabei herausgekommen ist, ist völlig konträr zu den Ursprungsempfindungen "Flucht". Inzwischen bin ich mir ziemlich sicher, dass ich damit kein Problem gelöst, sondern nur verlagert hätte. Ich weiß, dass ich an mir arbeiten muss - und ich weiß auch, an welchen Punkten. Das ist keine Sensation und es ist auch kein Neujahrsvorsatz. Von letzterem halte ich ohnehin nichts - und hab ich auch noch nie: mehr Sport, gesünder leben, mehr schlafen, weniger Krimis, weniger Kaffee, mehr Wasser, weniger Social Media... Was soll ich mir das vornehmen, wenn ich sowieso weiß, was ich nicht einhalten werde? So ein bisschen Selbstbeschiss ist ja okay, aber man muss es ja auch nicht unnötig übertreiben. 
Als der Mann mir also so ein Reel schickte, von wegen "kein Social Media von 21 bis 8 Uhr, 20 Minuten Meditation, 5 Minuten morgens und abends dehnen, täglich 3 Liter Wasser trinken, ein Wochenende komplett offline" Pffff! In der Vision klingt das alles toll und super und so neumodisch klasse, aber seien wir doch ehrlich: Die Realität ist eine vollkommen andere. Drei Liter Wasser jeden Tag, das bedeutet: Man schläft keine Nacht mehr durch, denn was oben eingefüllt wird, will irgendwann auch wieder raus. Und das bevorzugt nachts, das ist einfach ein Gesetz.
Morgens 5 Minuten dehnen, harhar! Das klappt auch nur, wenn man nicht mehr arbeiten muss oder entspannte Arbeitseinteilung hat. Weder das eine noch das andere ist mir vergönnt, also im Normalfall. Da bin ich froh, wenn ich morgens nicht erblinde von der Badezimmerbeleuchtung (und die is nu schon dezent, wenn ich das will) und wenn ich es schaffe, nach Duschen, Haarewaschen & Co. das Haus pünktlich zu verlassen. 
Ich meine, klar, wenn ich will, ist das alles machbar. Der Punkt ist: Ich will das gar nicht. Nicht so in der Form, nicht in der Ausprägung - und sowieso nicht, wenn ich soll. Weil, das bin eben nicht ich!
In meinem Kopf lebt nicht nur eine Blümchenwiese. Da lebt auch ein kleines Rumpelstilzchen, das gerne auch mal widerspricht und sagt "ach wie gut, dass niemand weiß, auf wen und was ich alles sch**ß" ;)

Aber je länger ich darüber nachdachte, desto lauter wurden der Wunsch, die Vorstellung in meinem Kopf, dass ich so ein Jahr wie 2025.. einfach nicht nochmal möchte. Es war ein anstrengendes Jahr. Es war einfach zu wenig Zeit für das Leben, für das Lieben, für das Miteinander. Für das Genießen. Dann geht die Zeit rum, man wird wieder ein Jahr älter und fragt sich: Verdammt, wo ist die Zeit hin?

Sehr berührt hat mich der Moment auf dem Weihnachtsmarkt, in dem die Schwester meiner Seele zu mir meinte, dass der Traum von einem gemeinsam geführten Büchercafe wieder aufgelebt war. Und ja eigentlich nie weggewesen war.
"Ähm.. hä? Du weißt aber schon, dass du es warst, die mir vor drei Jahren erklärte, man müsse sich ja nix vormachen und das hatte ja sowieso nie ne Zukunft und so?"
"Ach das waren die Medikamente damals, das war gar nicht ich."
"Ach so."
Und dann war es mit einem Mal wieder da, der Gedanke und die Vorstellung in meinem Kopf. Dieses kleine, verstaubt anmutende (in der Realität natürlich nicht verstaubt, da sind wir beide Freaks) Café inmitten einer Häuserzeile mit warmem, indirekten Licht, einem alten Ledersessel, ausrangierten Holzstühlen aus vergangenen Zeiten, kleinen Holztischen, selbst gebackenem Kuchen, halb heruntergebrannten Kerzen, einem großen Bücherregal, aus dem jeder etwas für sich mitnehmen und dafür etwas anderes mitbringen darf... Auf meiner Lieblingsinsel gibt es so ein klitzekleines Café, geführt von echten Zwillings-Schwestern, wo man sich einfach nicht entscheiden kann, welches Stück Kuchen man naschen möchte, weil sie einfach alle so wunderbar lecker aussehen und leider auch so schmecken. 
Ich meine... ich hab immer gern und viele Jahre auch sehr viel gearbeitet, vor allem im letzten Jahr - und ich kann auch sagen, dass es mir immer Spaß gemacht hat. Dass ich immer mit Herzblut gearbeitet habe. Zugleich aber hat mir das vergangene Jahr auch gezeigt, dass am Ende eines Tages nicht zählt, wer Du bist und was Du kannst. Dass Du nicht gesehen wirst. Mich hat es ordentlich durchgerüttelt und in meinem Kopf alles durcheinandergewirbelt. Was ich grundsätzlich nicht als negativ empfand, jedoch mit der Zeit als Belastung, weil mir die Zeit und die Ruhe fehlten, die Gedanken zu ordnen. Ziele zu erkennen, Richtungen zu identifizieren. Vor allem zu erkennen: Was genau will ich und was braucht es dafür? 

Und heute, jetzt und hier kann ich zumindest sagen: Ich bin da ein ganzes Stück weitergekommen, in meinem Kopf klärt es sich, hat es sich geordnet - und wenn ich für 2026 wie auch für all die Jahre zuvor keine blöden Vorsätze brauche, dann weiß ich zumindest, was ich nicht mehr möchte. Und was ich genau dafür auch tun werde. Das ist ein.. verdammt gutes Gefühl. 
Manchmal hat es eben doch sein Gutes, auf den Asphalt zu stürzen. Ich nehme an, ich hab das gebraucht, weil ich anders einfach nicht hören wollte ;)

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