Dienstag, 3. Februar 2026

Ich leuchte auf meinem eigenen Stern


Wir schreiben den 3. Februar, ich liege hier auf meinem Sofa, den Laptop auf den Knien - und das wochentags um 17.07 Uhr Ortszeit. Der aufmerksame Leser wird sagen "Okay! Sie hat mal zeitiger Feierabend gemacht, sie hört also doch auf ihre eigenen Vorsätze."
Na ja, sagen wir es so: Von 10 Tagen, nein zwölf, die ich Idiotin die AU nicht verlängerte, sondern sich ins - wenn auch gemütliche - Home Office begab und alle ihre Vorgesetzten (die vermehren sich irgendwie schneller, als man "Zack - die Bohne!" sagen kann) informierte: "Ich arbeite wieder, aber nur verkürzt" habe ich es an tatsächlich vier Tagen geschafft, die tägliche Arbeitszeit um satte dreißig Minuten zu verkürzen. Demgegenüber stehen Mehrzeiten, so dass aus den 310 Überstunden aus 2025 nicht weniger, sondern 312 Überstunden geworden sind. Das ist nicht viel, das ist eher nix - aber es is eben auch nicht das, was ich eigentlich auf dem Plan hatte. Aber nun ja, ich und Pläne...

Eigentlich, so sinniere ich noch immer, könntsch ja mit den hieraus resultierenden 41 Tagen Frei-haben-wollen auch mal etwas länger dem süßen Nichtstun frönen, ohne dass sich das in meinem Portemonnaie bemerkbar machen täte. Aber so viele Neuerungen, die seit dem Firmenumbau auf mich einstürmen, befürchte ich glatt, ich würde mehr als die Hälfte davon wieder vergessen und nach meiner Rückkehr wieder neu angelernt werden müssen *kreisch*
Und außerdem: Was will ich mit ner kaputten Haxe Urlaub machen? Denkt hier wirklich jemand, das is wirklich Spaß mitm Mann, der hier im Dauer-Home-Office weilt? Er käme jeden Mittag mit dem Wunsch (eigentlich würde ich ja Forderung schreiben wollen, aber wenn er das dann hier lesen sollte, gäbe das Ärger): "Du könntest mal was für uns zu essen machen." 
Öhm. Wenn ich schon "Pflicht" rieche, wird's hässlich. Ich bin ein Zwilling, der wurde mit dem Begleitnamen "Freiheit" geboren. Ich möchte "wollen", nicht "müssen". 
Er würde sich auch wünschen, dass ich jeden Morgen 7.30 Uhr mit ihm aufstehe und ein Käffchen trinke. Also nix gegen Käffchen - aber 7.30 Uhr? Wenn ich frei habe? Nääää! Und Wachsein bedeutet ja nun nicht, dass man deswegen auch aufstehen muss! Man kann sich zum Beispiel genüßlich weiter in den Laken räkeln, ein Buch lesen (meine aktuelle Empfehlung: Die Krimiserie von Sylvia Voigt - Kommissarin Burmeisters Fälle. Habe mir im Urlaub alle 9 Bücher gekauft und bin aktuell bei Buch 6.), vielleicht auch ein bisschen surfen oder auf dem Handy zocken, höchstwahrscheinlich auch mal zwischendurch wieder einschlafen, zwischendurch ein Käffchen ins Bett holen, den Raben und Tauben im Baum draußen vor dem Fenster zusehen... Das ist kein Ritual für jeden Tag - aber Freihaben ist für mich Genießen und kein Tag randvoll mit irgendwelchen Aktivitäten. Und auch nicht, dass ich mich abends 22 Uhr schlafen legen soll, auch wenn ich da noch gar nicht müde bin. 
Was kann ich dafür, dass er eine Lerche ist? Ich wurde von einer Eule auf diese Welt gebracht - da kann ja dann auch nur ne Eule bei rauskommen, auch bei ner Kreuzung zwischen Eule und Lerche. Die Eulengene haben sich durchgesetzt, was sonst. 
Ihr merkts auch, oder? Ich dreh mir meine Welt, wie sie mir gefällt ;) Beklagt der Mann übrigens auch immer öfter: "Früher warst du ganz anders. SO habe ich dich NICHT kennengelernt."
Öhm. Nö. Vermutlich nicht - aber er is ja auch nicht mehr derselbe. Man kann eben nicht alles haben!

Heute musste ich dann aber echt sehr lachen. Bin auf der Suche nach etwas Bestimmtem über einen meiner Blogposts vom Dezember 2013 gestolpert. Und da las ich doch dann tatsächlich Folgendes: 

Ich musste nicht nur selber darüber lachen, ich musste es auch dem Mann vorlesen und ihn fragen, ob ich diesen Auszug nicht mal bloggen sollte unter Hinzufügen von Beweisaufnahmen vom aktuellen Schuhschrank, dem eigens für meine latent gestiegenen *hust* Bedürfnisse zurechtgezimmerten Kleiderschrank und der kleinen, aber nun wirklich bescheidenen Auswahl an Handtaschen in schwarz, braun und grün. Schwarz ist ja nun mal nicht gleich Schwarz, weiß ja auch jeder, der die Nuancen eines fröhlichen Schwarz' kennt. 
"Da hast du nicht mal dreizehn Jahre gebraucht, um dich derart zu verändern", moserte prompt der Mann. 
Ich persönlich bin aber tatsächlich davon überzeugt, dass meine Ansprüche immer noch nicht sooo hoch sind. Eigentlich wünsche ich mir nur eins: dass man mich sein lässt wie ich eben bin - und dass man mich lieb hat, wie ich bin. Ist das viel? Ich glaub nicht. Ich glaub, viel wäre das nur für jemanden, der mit jemandem wie mir nix anfangen kann. Aber dann passts halt eben nicht, so ehrlich muss man dann eben auch sein. Nicht alles, was sich liebt, gehört auch zusammen. Getreu dem Song "You Glow" kann ich nur sagen: Ich leuchte auf meinem eigenen Stern ;) 

Und ich bin längst raus aus dem Alter, in dem ich mich für mich entschuldige, rechtfertige - oder versuche, mich in einen bunten Karton pressen zu lassen, von dem ich schon vor mittlerweile über 20 Jahren sagte: "Ich fühle mich wie in einen Karton gepresst, nett anzusehen von außen und mit meinem Namen dran, aber das da drinnen bin eben nicht ich."
Ich glaube, heute bin ich meinem eigentlichen Ich um vieles näher als noch vor gut dreizehn, vierzehn Jahren. Ob das alles so gut ist, kann ich nicht beurteilen. Vermutlich nicht, denn ich gefalle mir auch nicht immer und auch nicht in jeder Situation. Aber ich denke, der Mann hätte es auch durchaus schlechter treffen können *kreisch*

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