Ich bin nicht so der Stöckchen-Freund. Sagt die, die dann und wann dennoch schon mal eins aufgesammelt hat, zuletzt gestern. Aber ich kann nicht schlafen, und das liegt nicht allein an der Tatsache, dass ich in L bin, dass ich die Wohnung hier zuletzt vor 4 Wochen gesehen hatte - und beinah in Verzweiflungstränen ausgebrochen war. Und dabei hatte ich erst vor kurzem noch gesagt, dass die Jungs endlich ihren Rhythmus gefunden hätte. Tja nun, vermutlich den Rhythmus "Muttern kommt, wir müssten dann mal zwei Stunden vorher..." Angesichts der Dauer meiner aktuellen Abwesenheit hat sich dieser Modus wohl leicht verschoben ;)
Und nun grummelt noch die Waschmaschine (ich finde ja, dass kaum etwas mehr Reinlichkeit verströmt wie das Grummeln einer Waschmaschine), läuft nebenbei eine Sitcom und sitze ich hier an meinem Laptop (ist ja fast wie in alten Zeiten, bevor Herr Blau und ich zusammenzogen ;)), lese bei Goldi von einem Stöckchen und auch bei ihren Fragen gehen mir die allermöglichsten Gedanken durch den Kopf. Warum diese also nicht auch aufschreiben?
1. Du bekommst 15 Millionen Euro steuerfrei, was machst Du als erstes?
Bei dieser Frage dachte ich an den Jackpot-Knacker aus Baden-Württemberg, von dem ich noch im Indien-Urlaub las, dass der mit 90 Millionen Euro beschenkt worden war. Da hatten wir schon einige Tage in Indien erlebt - und was ich nach wie vor nicht aus dem Kopf bekomme, sind die Kinder dort. Die Kleinsten und Kleinen, die Babies, die schlafend in den Armen von Frauen (nicht zwingend ihren Müttern, wie ich später erfuhr) lagen, während diese an jeder Kreuzung einer Stadt auf die Touristen warten, um dann mit den Fingerkuppen nachdrücklich an die Scheiben zu klopfen und um Geld zu bitten. Ein Geräusch übrigens, das mich noch immer verfolgt. "You should not give money to the women. They only would get this to buy Opium in the next shop." "Oh... Really... But they have children. All these sleeping babies..." - "Well, you need to know, the babies sleeps, because the women give them water added with Opium." Und ich starre auf die winzigen Füßchen, die abgemagerten Körper, die verfilzten Haare der Kleinkinder, und alles krampft sich in mir zusammen.
"Wenn ich diese 90 Millionen gewonnen hätte", sagte ich am Abend zum Mann, "dann würde ich als erstes in Indien eine Müllverbrennungsanlage bauen. Es gibt so unfassbar viel Müll, das ist Irrsinn. Und dann würde ich Einrichtungen für Kinder bauen. Einrichtungen, wo wir die Kinder baden, ihre Haare und ihre Sachen waschen könnten, wo sie spielen können, zu essen und zu trinken haben."
"Du kannst die Inder nicht ändern", wendet Herr Blau ein, "und du kannst nicht alle Kinder retten. Dann müsstest du sie den Eltern wegnehmen, wenn du willst, dass was aus ihnen wird."
"Aber ich will sie ihren Eltern nicht wegnehmen", war ich ganz erstaunt, "ich will nur, dass diese Kleinen es tagsüber gut haben. Und abends kommen die Eltern und holen sie wieder nach Hause."
"Wenn du Glück hast, holen sie sie wieder ab. Wahrscheinlicher ist, dass sie sie bei dir abladen und nie wiederkommen. Dann hast du irgendwann ein Waisenhaus, das aus allen Nähten platzt."
"Aber die Kinder", antworte ich, während ich gedankenvoll aus dem Fenster starre, "alles beginnt doch damit, wie wir aufwachsen."
"Wenn du 90 Millionen gewinnst und etwas Gutes tun willst, dann sorge erst mal dafür, dass du mit dem Geld arbeitest, so dass es für dich arbeitet. Sonst bist du all die 90 Millionen schneller los als du etwas Gutes tun konntest."
2. Wen vermisst Du in Deinem Leben bzw. mit wem würdest Du gerne jetzt zusammen sitzen und reden?
Meine Großmutter, die im September 1989 starb.
Sie hat mir das Malen beigebracht und mir ihre Leidenschaft dafür vererbt.
Ich hätte ihr so wahnsinnig gern gezeigt, was bis heute aus mir geworden ist. Ich hätte so wahnsinnig gern mit ihr über das Leben und die Liebe philosophiert.
Ich hätte so wahnsinnig gern erfahren, wie das war damals, mit dem echten Vater meines Vaters. Mit dem Franzosen, der nach Kriegsende wiedergekommen war - wovon sie vermutlich selber nie erfuhr.
Zeit ihres Lebens hat sie uns stattdessen erklärt, dass er im Krieg gefallen sei.
Ich hätte so wahnsinnig gern mit ihr nach ihm gesucht. Solange die Möglichkeit bestand, dass er noch lebt. Mein Papa wird 73 in diesem Jahr. Die Möglichkeit ist mittlerweile... sehr sehr gering.
Ich vermisse ihre bedingungslose Liebe zu mir. Bis heute. Bis heute fühle ich die inzwischen ungeweinten Tränen, wenn ich an ihrem Grab steh.
3. Welchen Ort auf der Welt möchtest Du unbedingt erkunden?
Eigentlich keinen bestimmten. Eigentlich möchte ich nur am Meer sein, egal wo. Muscheln sammeln, Steine sammeln, dem Murmeln der Wellen zuhören, meine nackten Füße im Sand vergraben und spüren, wie die Seele zur Ruhe findet.
4. Wenn Du einen Wunsch erfüllt bekommst, denk dran die 15 Mio hast Du schon, was würdest Du Dir wünschen?
In der Timeline meiner Freundin bei FB sah ich vor einiger Zeit mal das Foto eines Zettels, auf den ein Kind geschrieben hatte "Ich wünsche mir für die ganze Welt Frieden."
Das klingt so pathetisch, ich weiß. Aber angesichts der täglichen Nachrichten, von den Berichten über sterbende Kinder, ihren Eltern, ihren Freunden, angesichts der täglichen Nachrichten über mögliche Entwicklungen, die mir Angst machen, wünsche ich mir... einfach nur für die ganze Welt Frieden. Wirklich von Herzen.
5. Welche Farbe haben die Wände in Deinem Schlafzimmer?
Leider weiß. Das wird sich aber ändern, wenn wir umgezogen sind. Herr Blau weiß das, weil er mich kennt. (Ob es möglicherweise auch deshalb immer noch nicht mit einer neuen Wohnung geklappt hat? ;)) Ich mag helles Grau oder helles Beige bzw. sehr helles Braun in Kombination mit Weiß.
6. Auf welches Luxusgut könntest Du in Deinem Leben verzichten?
Auf die Fake-Fell-Winterstiefel, zu denen Herr Blau mich einst überredete :)
7. Kannst Du auf den Fingern pfeifen?
Ich kann überhaupt nicht pfeifen. Nur auf das eine oder andere ;)
8. Dir geht es so richtig schlecht, Du weißt aber nicht warum, wen rufst Du an?
Früher den Menschen, an dem mein Herz hing. Später die Freundin, die mir am nächsten war. Inzwischen niemanden mehr. Tatsächlich nicht. Ich ziehe mich mehr oder weniger komplett zurück, vergrabe mich in der Musik und versuche, mir selber auf die Schliche zu kommen.
Manchmal frage ich mich, wann ich mich verändert habe und warum. Und dann denke ich, dass es in den Jahren begründet liegt, die ich allein war. In denen ich versucht habe zu begreifen, warum Herzensmenschen kamen und gingen, wortlos, ohne dass sie mit mir sprachen, ohne dass sie mir die Möglichkeit gaben, sie und die Situation zu verstehen. Dass ich ihnen keine Fragen stellen konnte, dass ich versuchen musste, die Antworten selbst zu finden - ohne je zu erfahren, ob es die richtigen waren. Dass ich damit mitunter einem Schmerz ausgesetzt wurde, mit dem ich nur sehr schwer zurechtgekommen bin.
Diese Form des Kommen-und-Gehens gleich aus welchem Grund, gleich in welchem Zusammenhang triggert mich bis heute.
9. Was steht rechts neben Dir?
Ich bin in L. Lümmle auf dem Bett meines Jüngsten, weil der erst am Freitag nach Hause kommt. Rechts hier neben seinem Bett steht ein alter Bauernstuhl, den ich vor Jahren auf dem Antikflohmarkt gekauft habe. Und auf diesem Stuhl liegt eine einzelne verlorene Socke. Es ist ein Phänomen, dass immer, tatsächlich IMMER mindestens eine Socke nach dem Waschen übrigbleibt.
10. Hund oder Katze?
Solange ich in einer Mietwohnung lebe und vollzeit berufstätig bin, keins von beiden.
Wenn eines Tages der Traum vom Leben am Meer doch wieder wahr wird, dann wünsche ich mir einen Hund und eine Katze. Einen großen Hund, weil ich mit den kleinen Wadenbeißern nix anfangen kann.
11. Wann vergisst Du Deine gute Erziehung?
Definitiv bei Gaffern und bei Sonntagsfahrern. Da fahre ich aus der Haut und entwickle spontan echte Hassgefühle, für die ich mich auch nicht entschuldige ;)
Und wenn es ungerecht wird. Normalerweise bin ich ja der entspannte Mensch. Aber wird es ungerecht, reagiere ich auch sehr impulsiv. Dafür kann ich mich dann aber entschuldigen.
Ich weiß auch, dass ich es dann und wann schon mal erwähnte: Hasskommentare auf z. B. FB oder im Kommentarbaum einer Onlinezeitschrift machen mich krank. Zwar wähle ich nach meiner letzten monatelangen Abstinenz noch immer bewusst die Beiträge aus, die ich einschließlich ihrer Kommentare lesen will oder eben auch nicht. Aber diese Entwicklung dahin, dass eine Meinung kein Anlass mehr ist, kontruktiv miteinander zu diskutieren, Gedanken und Ansichten auszutauschen, sondern lediglich als Möglichkeit angenommen wird, verbal um sich zu schlagen, je doller desto besser - die widert mich an. Im Grunde halte ich das Web nicht für einen Ort, für den es sich um Anstand und Respekt zu kämpfen lohnt. Nur zu gerne würde auch ich manchmal dann meine gute Erziehung vergessen. Aber dann erinnere ich mich an den Kommentar von Inch - und ich glaube, sie hat recht. Jeder von uns hat es in der Hand, wie er den anderen begegnet - und was er dafür zurückbekommt. Auch im Web.
Ich gebe zu, dieses Stöckchen ist wesentlich ernsthafter als das gestrige. Bewusst auch habe ich hier auf ein paar passende Bildchen verzichtet. Jemand hat mal vor längerer Zeit zu mir gesagt, dass diese Art eines Blogposts sehr viel über einen selbst aussagt, man sehr viel vom anderen erfahren kann.
Ich glaube nicht, dass man hiermit mehr über mich erfährt als man nicht sowieso schon weiß. Aber irgendwie... hatte ich das Gefühl, dass ich dieses Stöckchen einfach mitnehmen musste.
Jetzt ist es 1:37 Uhr und ich bin immer noch nicht müde. Ich schau mal nach der Wäsche.
Donnerstag, 3. November 2016
Mittwoch, 2. November 2016
Einschub: Abalone wills wissen.
Früher dachte ich ja immer, wer so ewig lange Blogrolls hat, der liest nie und nimmer all diese Blogs, kann er ja gar nicht, woher die Zeit nehmen und so.
Inzwischen ist meine eigene Blogroll auch nicht sooo kurz und ich kann sagen: Doch, ich lese jeden einzelnen dieser Blogs. Wir schreiben ja auch nicht alle gleich viel :) Natürlich ändert sich auch mal der Sinn für etwas - und dann entschließe ich mich, da oder dort nicht mehr nachzulesen (ich wundere mich ja manchmal, dass manche Blogger ihre Meinung gleich drei-, viermal im Jahr ändern, kommen, gehen, kommen gehen etc.) - aber im Großen und Ganzen lese ich seit Jahren beständig und mag das auch, in anderen Blogrolls zu stöbern und so immer wieder Neues zu entdecken.
Was mich aber immer noch richtig aus dem Häuschen bringt, ist, wenn ich schwarz auf weiß lese, dass man tatsächlich auch bei mir gerne liest. Ihr wisst ja, dass ich aus dem Norden stamme - und mit Komplimenten hab ich das nicht so. Erst recht tu ich mich sehr schwer damit, eins anzunehmen - zumindest dann, wenn ich das Gefühl habe, dass es ernst gemeint ist. Damit macht man mich echt richtig verlegen - und dann albere und eiere ich herum oder lenke einfach vom Thema ab :)
Und Abalone hat mir frei Haus die beste Möglichkeit gegeben, vom Thema abzulenken - nämlich mit ein paar Fragen, die ich ihr doch gerne beantworten möchte, bevor ich mein Rüstzeug zusammensuche und mich auf die Reise nach L begeben muss.
1. Habt ihr schon Weihnachtsgeschenke und wenn ja, auch für mich und wenn ja, was? (und wenn nein, wieso nicht?)
Weihnachten? Wieso Weihnachten? Ja isses denn schon wieder soweit?
Ansonsten: Ich halte mich zumindest für einen Menschen, der sich Gedanken macht, womit er anderen tatsächlich eine Freude bereiten kann. Das muss nix Großartiges sein - nur von Herzen kommen. Ich gebe total gern - wenn man dieses Gefühl in mir auslösen kann :) Aber ich muss echt zugeben, dass mir die besten Ideen maximal 3 Tage vor Heiligabend kommen.
Das heißt jetzt nicht, dass Du das nicht in mir auslöst, aber.. äh.. Scheiße, wie krieg ich jetzt hier die Kurve??
2. Wenn man das transzendente Nichts parabolisieren könnte, würdest Du es tun und wenn ja, wie? Und wenn nein, wieso nicht?
Ganz ehrlich? Ich verstehe nur Bahnhof!
Was willst Du von mir?? :D
3. Hat Dir einmal eine vollkommen fremde Person eine Freude gemacht? Wenn ja, wie?
JAAAAA!!!! Die Frau Gold hat mich mal überrascht - mit einem Päckchen voller selbstgemachter Seifen!! Ich hab zwar selber noch nie Seifen hergestellt, wollte aber - und war schon erschöpft allein vom Lesen der Anleitung. Ich glaube, ich habe eine Ahnung dessen, was für eine Mühe das Seifenherstellen machen muss - und freue mich noch jetzt wie ein Schneekönig über diese wunderschöne Geste - auch wenns die Seifen inzwischen längst nicht mehr gibt ;) Ihr zweites Päckchen hat mich leider nie erreicht, weil ich nicht zu Hause war und die Postfritzen selbiges schneller zurücksandten als ich es abholen konnte. Nur dass als Absender eine Spaßadresse angegeben war...
Im Herausgeben meines echten Namens UND auch noch meiner echten Adresse bin ich (natürlich) schon sehr zögerlich - das mache ich nur, wenn ich mich wirklich sicher darin fühle, dass ich es tun KANN. Klar, was ist schon sicher in Zeiten des Internets. Ab und an singe ich immer noch das Hohelied auf mein Bauchgefühl ;) Und ich hoffe, es lässt mich auch in Zukunft nicht im Stich.
4.Gibt es einen Klugschieter-Spruch, den Du Dir als Kind ständig von einem Erwachsenen (Eltern, Grosseltern,Lehrer...) anhören musstest, den Du gehasst hast und bei dem Du Dich ertappt hast, dass Du ihn als Erwachsene selber schon benutzt hast? (ui... 3 x mal hast... seht es mir nach, ich hab' Fieber)
Früher kam mein Vater immer mit dem Spruch: "Solange ihr die Füße unter meinen Tisch streckt..." Bah, wie habe ich diesen Satz gehasst! Aber den habe ich meinen Kindern auch nie präsentiert, echt nicht, ich schwörs. Was ich hasse, hasse ich :)
5. Was ist Dein grösstes Laster?
Da fällt mir spontan der Spruch ein "Ich habe sieben Laster. Sex und Saufen." Tja nun... Ich trinke nicht!
6. Welches ist Dein Lieblingswitz? Komm, bring mich zum Lachen!
Ich weiß nicht, ob ich das schaffe, Abalone! Für mich sind die döfsten Witze die, über die ich am meisten lache. Egal ob dreckig, schwarz oder einfach nur flach. So wie der hier - ganz harmlos:
"Steht ein Schwein vor der Steckdose und sagt: Komm raus, du feige Sau."
Ja ich weiß, arm! Aber ich hab den das erste Mal gehört, als ich 15 oder 16 war - und kann noch heute drüber lachen.
Lieblingswitze habe ich so gesehen nicht. Ich kann über alles mögliche lachen - auch über mich. Solange niemand Witze auf meine Kosten macht!
7. Gibt es eine Situation in Deiner Vergangenheit, die Dir damals so richtig peinlich war und über die Du heute nur noch lachen kannst? Wenn ja, welche?
Ähm... nee! Wirklich nicht. Jetzt kann man ja darüber spekulieren, ob ich ein immer schon zu angepasstes Leben geführt habe oder ob ich es tatsächlich ernst meine, wenn ich sage: "Es ist mir so egal, was andere von mir denken." (Solange sie nicht irgendwelchen Scheiß über mich erzählen, der von hinten bis vorne erlogen ist. Dann ticke ich aus! Und rechne das dann aber auch ab, da kenn ich nix.)
8. Hast Du mal etwas viel zu teures gekauft,weil Du es un-be-dingt haben musstest, und es dann hinterher nicht benutzt? Was war das?
Definiere teuer! In Zeiten, wo ich gar keine Kohle hatte, sind schon 80 Euro für ein Kleid eine mega Sünde. Das war 2003, im Sommer nach der Trennung - und das Kleid hatte ich dann eben auch nur diesen Sommer an. Zählt aber trotzdem nicht, oder?
Herr Blau meinte grad: "Du gibst nicht viel Geld aus, aber manches davon sinnlos."
Zählt das eventuell? :)
Ach, da fällt mir was ein. Es war das Jahr, als ich zum ersten Mal eine Art Gratifikation zu Weihnachten bekam. Er überredete mich zu Winterstiefeln, weil "Wir wollen doch im Winter auch mal wandern und du hast doch keine echten Winterstiefel!" Er hat so lange auf mich eingeredet, bis ich mir ein Paar Winterstiefel mit Fell innen drin kaufte - für 130 Euro! Mein Herz hat gejault, als ich das in Milchkaffee umrechnete - und wie lange ich mich daran hätte laben können! Und habe ich die Stiefel je getragen?
Zählt das jetzt auch, wenn nicht ich, sondern ER un-be-dingt wollte, dass ich sie kaufe?
9. Gibt es ein Gericht, dass Dich so richtig glücklich macht, wenn Du krank oder schlecht drauf bist?
Nein. Nur Schokolade. Im Ernst jetzt. Schokolade geht immer. Frei nach diesem Motto:
10. Was ist das Durchgeknallteste, das Du jemals getan hast?
Darüber spreche ich nicht. Schon gar nicht hier. Besser ist das :)
11. Gibt es ein Lied, bei dem Du einfach nicht still sitzen bleiben kannst? Oder einfach immer mitsingen musst? Welches ist das?
Eigentlich gibt es zwei. IMMER mitsingen und NICHT STILL SITZEN ist bei "Show Me Love". Ist jetzt nicht so der Burner, weiß ich - aber ich mag den Song immer noch. Noch mehr aber mag ich das Video dazu :)
Und wo ich immer, echt IMMER mitsinge, weils einfach mit meiner Singstimme harmoniert, ist "Say Something" von Boy Epic. Ich liebe diesen Song!
Inzwischen ist meine eigene Blogroll auch nicht sooo kurz und ich kann sagen: Doch, ich lese jeden einzelnen dieser Blogs. Wir schreiben ja auch nicht alle gleich viel :) Natürlich ändert sich auch mal der Sinn für etwas - und dann entschließe ich mich, da oder dort nicht mehr nachzulesen (ich wundere mich ja manchmal, dass manche Blogger ihre Meinung gleich drei-, viermal im Jahr ändern, kommen, gehen, kommen gehen etc.) - aber im Großen und Ganzen lese ich seit Jahren beständig und mag das auch, in anderen Blogrolls zu stöbern und so immer wieder Neues zu entdecken.
Was mich aber immer noch richtig aus dem Häuschen bringt, ist, wenn ich schwarz auf weiß lese, dass man tatsächlich auch bei mir gerne liest. Ihr wisst ja, dass ich aus dem Norden stamme - und mit Komplimenten hab ich das nicht so. Erst recht tu ich mich sehr schwer damit, eins anzunehmen - zumindest dann, wenn ich das Gefühl habe, dass es ernst gemeint ist. Damit macht man mich echt richtig verlegen - und dann albere und eiere ich herum oder lenke einfach vom Thema ab :)
Und Abalone hat mir frei Haus die beste Möglichkeit gegeben, vom Thema abzulenken - nämlich mit ein paar Fragen, die ich ihr doch gerne beantworten möchte, bevor ich mein Rüstzeug zusammensuche und mich auf die Reise nach L begeben muss.
1. Habt ihr schon Weihnachtsgeschenke und wenn ja, auch für mich und wenn ja, was? (und wenn nein, wieso nicht?)
Weihnachten? Wieso Weihnachten? Ja isses denn schon wieder soweit?
Ansonsten: Ich halte mich zumindest für einen Menschen, der sich Gedanken macht, womit er anderen tatsächlich eine Freude bereiten kann. Das muss nix Großartiges sein - nur von Herzen kommen. Ich gebe total gern - wenn man dieses Gefühl in mir auslösen kann :) Aber ich muss echt zugeben, dass mir die besten Ideen maximal 3 Tage vor Heiligabend kommen.
Das heißt jetzt nicht, dass Du das nicht in mir auslöst, aber.. äh.. Scheiße, wie krieg ich jetzt hier die Kurve??
2. Wenn man das transzendente Nichts parabolisieren könnte, würdest Du es tun und wenn ja, wie? Und wenn nein, wieso nicht?
Ganz ehrlich? Ich verstehe nur Bahnhof!
Was willst Du von mir?? :D
3. Hat Dir einmal eine vollkommen fremde Person eine Freude gemacht? Wenn ja, wie?
JAAAAA!!!! Die Frau Gold hat mich mal überrascht - mit einem Päckchen voller selbstgemachter Seifen!! Ich hab zwar selber noch nie Seifen hergestellt, wollte aber - und war schon erschöpft allein vom Lesen der Anleitung. Ich glaube, ich habe eine Ahnung dessen, was für eine Mühe das Seifenherstellen machen muss - und freue mich noch jetzt wie ein Schneekönig über diese wunderschöne Geste - auch wenns die Seifen inzwischen längst nicht mehr gibt ;) Ihr zweites Päckchen hat mich leider nie erreicht, weil ich nicht zu Hause war und die Postfritzen selbiges schneller zurücksandten als ich es abholen konnte. Nur dass als Absender eine Spaßadresse angegeben war...
Im Herausgeben meines echten Namens UND auch noch meiner echten Adresse bin ich (natürlich) schon sehr zögerlich - das mache ich nur, wenn ich mich wirklich sicher darin fühle, dass ich es tun KANN. Klar, was ist schon sicher in Zeiten des Internets. Ab und an singe ich immer noch das Hohelied auf mein Bauchgefühl ;) Und ich hoffe, es lässt mich auch in Zukunft nicht im Stich.
4.Gibt es einen Klugschieter-Spruch, den Du Dir als Kind ständig von einem Erwachsenen (Eltern, Grosseltern,Lehrer...) anhören musstest, den Du gehasst hast und bei dem Du Dich ertappt hast, dass Du ihn als Erwachsene selber schon benutzt hast? (ui... 3 x mal hast... seht es mir nach, ich hab' Fieber)
Früher kam mein Vater immer mit dem Spruch: "Solange ihr die Füße unter meinen Tisch streckt..." Bah, wie habe ich diesen Satz gehasst! Aber den habe ich meinen Kindern auch nie präsentiert, echt nicht, ich schwörs. Was ich hasse, hasse ich :)
5. Was ist Dein grösstes Laster?
Da fällt mir spontan der Spruch ein "Ich habe sieben Laster. Sex und Saufen." Tja nun... Ich trinke nicht!
6. Welches ist Dein Lieblingswitz? Komm, bring mich zum Lachen!
Ich weiß nicht, ob ich das schaffe, Abalone! Für mich sind die döfsten Witze die, über die ich am meisten lache. Egal ob dreckig, schwarz oder einfach nur flach. So wie der hier - ganz harmlos:
"Steht ein Schwein vor der Steckdose und sagt: Komm raus, du feige Sau."
Ja ich weiß, arm! Aber ich hab den das erste Mal gehört, als ich 15 oder 16 war - und kann noch heute drüber lachen.
Lieblingswitze habe ich so gesehen nicht. Ich kann über alles mögliche lachen - auch über mich. Solange niemand Witze auf meine Kosten macht!
7. Gibt es eine Situation in Deiner Vergangenheit, die Dir damals so richtig peinlich war und über die Du heute nur noch lachen kannst? Wenn ja, welche?
Ähm... nee! Wirklich nicht. Jetzt kann man ja darüber spekulieren, ob ich ein immer schon zu angepasstes Leben geführt habe oder ob ich es tatsächlich ernst meine, wenn ich sage: "Es ist mir so egal, was andere von mir denken." (Solange sie nicht irgendwelchen Scheiß über mich erzählen, der von hinten bis vorne erlogen ist. Dann ticke ich aus! Und rechne das dann aber auch ab, da kenn ich nix.)
8. Hast Du mal etwas viel zu teures gekauft,weil Du es un-be-dingt haben musstest, und es dann hinterher nicht benutzt? Was war das?
Definiere teuer! In Zeiten, wo ich gar keine Kohle hatte, sind schon 80 Euro für ein Kleid eine mega Sünde. Das war 2003, im Sommer nach der Trennung - und das Kleid hatte ich dann eben auch nur diesen Sommer an. Zählt aber trotzdem nicht, oder?
Herr Blau meinte grad: "Du gibst nicht viel Geld aus, aber manches davon sinnlos."
Zählt das eventuell? :)
Ach, da fällt mir was ein. Es war das Jahr, als ich zum ersten Mal eine Art Gratifikation zu Weihnachten bekam. Er überredete mich zu Winterstiefeln, weil "Wir wollen doch im Winter auch mal wandern und du hast doch keine echten Winterstiefel!" Er hat so lange auf mich eingeredet, bis ich mir ein Paar Winterstiefel mit Fell innen drin kaufte - für 130 Euro! Mein Herz hat gejault, als ich das in Milchkaffee umrechnete - und wie lange ich mich daran hätte laben können! Und habe ich die Stiefel je getragen?
Zählt das jetzt auch, wenn nicht ich, sondern ER un-be-dingt wollte, dass ich sie kaufe?
9. Gibt es ein Gericht, dass Dich so richtig glücklich macht, wenn Du krank oder schlecht drauf bist?
Nein. Nur Schokolade. Im Ernst jetzt. Schokolade geht immer. Frei nach diesem Motto:
10. Was ist das Durchgeknallteste, das Du jemals getan hast?
Darüber spreche ich nicht. Schon gar nicht hier. Besser ist das :)
11. Gibt es ein Lied, bei dem Du einfach nicht still sitzen bleiben kannst? Oder einfach immer mitsingen musst? Welches ist das?
Eigentlich gibt es zwei. IMMER mitsingen und NICHT STILL SITZEN ist bei "Show Me Love". Ist jetzt nicht so der Burner, weiß ich - aber ich mag den Song immer noch. Noch mehr aber mag ich das Video dazu :)
Und wo ich immer, echt IMMER mitsinge, weils einfach mit meiner Singstimme harmoniert, ist "Say Something" von Boy Epic. Ich liebe diesen Song!
Dienstag, 1. November 2016
Der Zauber des Augenblicks - Churu, Tag 3
Churu wird für mich persönlich als die "gelbe" Stadt in Erinnerung bleiben. Offiziell gibt es eine blaue (Jodhpur) und eine pinkfarbene Stadt (Jaipur), was mit den überwiegend entsprechend bemalten Häusern zu tun hat.
Aus meiner Kindheit auf dem Land weiß ich, dass hierzulande Häuser gern auch in lila bemalt werden - das würde die Fliegen abhalten.
Tatsächlich ist das in Indien nicht viel anders - nur dass es dort um die Moskitos geht.
Churu erlebe ich als eine Stadt aus viel Sandstein, gleich, ob Häuser oder Wege. So würde ich mir eigentlich das späte Mittelalter vorgestellt haben - doch es ist tatsächlich 2016. Keine Kanalisation, keine richtigen Straßen, verrottete Häuser, überall scheinbar herrenlose Kühe und vor allem Hunde. Kleine enge Wege, verschlungen, allein würde ich mich hier gnadenlos verlaufen..
Vor einem eher unscheinbaren Tor halten wir: Wir sind angekommen. Ich kann nicht sagen, was hier über mich kommt. Ich kann nicht beschreiben, was dieser Ort hier in mir auslöst. Ich bin weiß Gott keine Esoterikerin - und dennoch überkommt mich eine Art... eigenartiger Frieden. Eine unendlich tiefe Ruhe, die bereits mit der Begrüßung ausgelöst wird, indem mir jemand einen roten Punkt auf die Stirn zeichnet und mir eine Blumenkette um den Hals hängt. Ich sehe seine Hände mit der roten Farbe, ich sehe, dass er mir diese auf die Stirn zeichnen will - und ich schließe für einen Moment die Augen. Für diesen kurzen Moment bin ich völlig in mir, genau hier, nur dieser Mann und ich und das, was er da tut, und als ich die Augen öffne, lächeln wir uns an.
Es ist ein eigenartiger, nicht greifbarer und dennoch überdeutlich spürbarer Zauber, der hier über dieser Stadt zu liegen scheint - und als die Sonne diese "Stadt aus Sand" in ein goldenes Licht taucht, wir uns an die Hand nehmen und diese Stadt erkunden, da ist mir, als würde er auch nicht mehr weichen. Mit diesem Ort realisiere ich zum ersten Mal wirklich, dass ich tatsächlich in Indien angekommen bin. Eine mir bislang so fremde Welt, in der es so unendlich viel zu sehen gibt und mich aus diesem Grund hin und wieder der beherzte Griff von Herrn Blau vor dem sicheren Zusammenstoß mit einem dieser unfassbar vielen Mopeds oder TukTuks bewahrt. Auch wenn sie sich mit ihrem unermüdlichen und schier nie enden wollenden Hupen ankündigen.
"Gewöhn dich daran, dass sie dich alle anschauen", sagt Herr Blau, "die Inder sind fasziniert von weißen Menschen."
Aber sie schauen nicht nur. Oftmals winken sie, oftmals lachen sie - und wenn du zurücklächelst und zurückwinkst, dann strahlen sie. Vor allem die Kinder! Die Kinder! Es sind die kleinen und kleineren, deren Lachen noch so herrlich fröhlich und unbedarft ist, während in den Augen der größeren schon ein müder Glanz erscheint ob der Ahnung dessen, was in ihrem Leben auf sie zukommen wird - beziehungsweise, was nicht..
Es sind diese kleinen und kleineren Kinder, von denen ich mit einem Mal umringt bin. Schüchtern, so schüchtern strecken sie mir ihre Hand hin - sie lächeln genauso vorsichtig wie ich, die ihre kleinen schmutzigen Hände nimmt und für einen Moment festhält. Und dann lachen sie, sie lachen mit ihren blitzweißen Zähnchen, aufgereiht wie an einer Perlenschnur, und dann kommen die Frauen, die Mütter vermutlich, die zu ihnen gehören, und alle schnattern, plappern aufgeregt Hindi und nur wenige Brocken Englisch durcheinander - und da ist es mit einem Mal wieder: dieses unabwendbare Gefühl des Zaubers eines Momentes. Nichts anderes um mich herum nehme ich noch wahr. Da sind nur die Kinder, ihre Mütter und ich, die dankbar nach ihren Händen fasst, frei von jeglicher Berührungsangst - und mir ist, als sei ich von einer derartigen Herzlichkeit umgeben, wie ich sie so lange nicht mehr zu spüren bekommen habe. Mir wird so warm davon!!
Noch spät in der Nacht kann ich nicht einschlafen, weil mir mein Herz noch immer bis zum Hals schlägt - und ich nicht in den Schlaf finden möchte, damit dieser wunderbare Moment einfach noch nicht aufhört...
Aus meiner Kindheit auf dem Land weiß ich, dass hierzulande Häuser gern auch in lila bemalt werden - das würde die Fliegen abhalten.
Tatsächlich ist das in Indien nicht viel anders - nur dass es dort um die Moskitos geht.
Ich habe übrigens darauf verzichtet, unsere Fotos mit meinem Namen zu markieren, weil ich denke, dass dieser Namenszug die (für mich) wunderbaren Fotos zerstören würde. Das "Urheberrecht" bleibt aber bitte dennoch bei mir ;)
Churu erlebe ich als eine Stadt aus viel Sandstein, gleich, ob Häuser oder Wege. So würde ich mir eigentlich das späte Mittelalter vorgestellt haben - doch es ist tatsächlich 2016. Keine Kanalisation, keine richtigen Straßen, verrottete Häuser, überall scheinbar herrenlose Kühe und vor allem Hunde. Kleine enge Wege, verschlungen, allein würde ich mich hier gnadenlos verlaufen..
Vor einem eher unscheinbaren Tor halten wir: Wir sind angekommen. Ich kann nicht sagen, was hier über mich kommt. Ich kann nicht beschreiben, was dieser Ort hier in mir auslöst. Ich bin weiß Gott keine Esoterikerin - und dennoch überkommt mich eine Art... eigenartiger Frieden. Eine unendlich tiefe Ruhe, die bereits mit der Begrüßung ausgelöst wird, indem mir jemand einen roten Punkt auf die Stirn zeichnet und mir eine Blumenkette um den Hals hängt. Ich sehe seine Hände mit der roten Farbe, ich sehe, dass er mir diese auf die Stirn zeichnen will - und ich schließe für einen Moment die Augen. Für diesen kurzen Moment bin ich völlig in mir, genau hier, nur dieser Mann und ich und das, was er da tut, und als ich die Augen öffne, lächeln wir uns an.
Es ist ein eigenartiger, nicht greifbarer und dennoch überdeutlich spürbarer Zauber, der hier über dieser Stadt zu liegen scheint - und als die Sonne diese "Stadt aus Sand" in ein goldenes Licht taucht, wir uns an die Hand nehmen und diese Stadt erkunden, da ist mir, als würde er auch nicht mehr weichen. Mit diesem Ort realisiere ich zum ersten Mal wirklich, dass ich tatsächlich in Indien angekommen bin. Eine mir bislang so fremde Welt, in der es so unendlich viel zu sehen gibt und mich aus diesem Grund hin und wieder der beherzte Griff von Herrn Blau vor dem sicheren Zusammenstoß mit einem dieser unfassbar vielen Mopeds oder TukTuks bewahrt. Auch wenn sie sich mit ihrem unermüdlichen und schier nie enden wollenden Hupen ankündigen.
"Gewöhn dich daran, dass sie dich alle anschauen", sagt Herr Blau, "die Inder sind fasziniert von weißen Menschen."
Aber sie schauen nicht nur. Oftmals winken sie, oftmals lachen sie - und wenn du zurücklächelst und zurückwinkst, dann strahlen sie. Vor allem die Kinder! Die Kinder! Es sind die kleinen und kleineren, deren Lachen noch so herrlich fröhlich und unbedarft ist, während in den Augen der größeren schon ein müder Glanz erscheint ob der Ahnung dessen, was in ihrem Leben auf sie zukommen wird - beziehungsweise, was nicht..
Es sind diese kleinen und kleineren Kinder, von denen ich mit einem Mal umringt bin. Schüchtern, so schüchtern strecken sie mir ihre Hand hin - sie lächeln genauso vorsichtig wie ich, die ihre kleinen schmutzigen Hände nimmt und für einen Moment festhält. Und dann lachen sie, sie lachen mit ihren blitzweißen Zähnchen, aufgereiht wie an einer Perlenschnur, und dann kommen die Frauen, die Mütter vermutlich, die zu ihnen gehören, und alle schnattern, plappern aufgeregt Hindi und nur wenige Brocken Englisch durcheinander - und da ist es mit einem Mal wieder: dieses unabwendbare Gefühl des Zaubers eines Momentes. Nichts anderes um mich herum nehme ich noch wahr. Da sind nur die Kinder, ihre Mütter und ich, die dankbar nach ihren Händen fasst, frei von jeglicher Berührungsangst - und mir ist, als sei ich von einer derartigen Herzlichkeit umgeben, wie ich sie so lange nicht mehr zu spüren bekommen habe. Mir wird so warm davon!!
Noch spät in der Nacht kann ich nicht einschlafen, weil mir mein Herz noch immer bis zum Hals schlägt - und ich nicht in den Schlaf finden möchte, damit dieser wunderbare Moment einfach noch nicht aufhört...
Montag, 31. Oktober 2016
Die Ankunft - Delhi, Tag 1
Mit rund 20 min Verspätung hob der Flieger am 10.10. um 12.15 Uhr ab und landete dank Zeitverschiebung relativ pünktlich um Mitternacht auf dem Flughafen Neu Delhi. Mir hat das Herz bis zum Hals geklopft! Ich! In Indien! Unfassable! Nur um dann den nüchternsten aller Flughäfen zu betreten. Kahle Wände, dafür ein schreiend bunter Teppichboden, so weit das Auge reicht.
Noch ein letztes Mal Ausweise vorzeigen, den Koffer in Empfang nehmen, dann gehts zum Ausgang. Hinein nach Indien. Indien, das um Mitternacht noch etwa 25 Grad warm ist. Warme, stickige, von verschiedenen Gerüchen angereicherte Luft.
Und von jetzt an alles nur noch in Englisch. Die kommenden Tage offenbaren mir, wie groß einerseits meine Lücken sind - aber zugleich dennoch mein Allgemein-Englisch größer als angenommen ist. Dass mir vor allem eins im Weg steht: ich mir. Weil ich mich zu unsicher fühle, verlasse ich mich lieber auf Herrn Blau. Zunächst jedenfalls ;)
Und obwohl es in Deutschland erst etwas um 21 Uhr sein muss, sind wir beide müde und froh, im Hotel angekommen zu sein, in die Betten fallen zu dürfen...
...nur um morgens um acht zu frühstücken und dann in eine Stadt einzutauchen, von der ich immer noch nicht wirklich realisiert habe, dass ich hier bin.
Indien besitzt unglaublich viele Götter, Kasten - und Tempel. Schon von Herrn Blaus früheren Reisen wusste ich, dass es hier einen gab, wo jeder für jeden das Essen zubereiten und im "Speisesaal" einnehmen kann. Die einen formen den Teig, die anderen füllen ihn (oder auch nicht), die nächsten backen ihn. Dazu gibt es Soßen, Suppen und frisches Gemüse, das extra zur Essenszeit geschnibbelt wird. Im Gegensatz zum sonstigen Indien war hier alles unerwartet geordnet - und ich hab mit mir gerungen, mich auch einfach mal dazuzusetzen, Teigfladen zu formen, mitzumachen.
Nicht um anschließend mitzuessen - nein, einfach nur hinsetzen und mitmachen, und irgendwie ärgert es mich immer noch, dass ich mich noch zu neu und zu fremd fühlte. Denn dann bin ich zu verkrampft, zu zurückhaltend - und verpasse womöglich mitunter die besten Momente meines Lebens?
Einfach mal etwas tun, das man noch nicht getan hat? Einfach mal aus mir herauskommen und draufzu gehen? Ob es an meiner typisch nordischen Mentalität liegt, dass ich das bis heute nicht kann und mich damit bis heute auch selber ausbremse?
"Mach doch", hat Herr Blau mich angespornt, aber ehe ich mich dazu durchringen konnte, waren wir dann doch auch schon wieder draußen vor der Tür.
Moment verschenkt - aber okay, es war Tag 1 und 15 lagen noch immer vor uns.
Freitag, 28. Oktober 2016
Holladiarrhoe - Ich bin wieder da :)
Auf die Minute genau landete gestern morgen unser Flieger aus Neu Delhi in Home Town.
16 Tage Indien liegen hinter uns - 16 Tage voller Eindrücke, Erfahrungen und auch der einen oder anderen nicht neuen, aber immer wieder bewahrheiteten Erkenntnis, was ich in Summe alles irgendwie noch nicht erfassen, geschweige denn verarbeiten kann.
"Du in Indien??" wurde ich gestern (vermutlich fassungslos) gefragt - und ich kanns ja selber noch gar nicht richtig glauben. Immer noch nicht. Dachte ich vor dem Flug, dass vermutlich (hoffentlich) irgendein Missgeschick eintreten könnte (sollte), wodurch die Reise (also der stundenlange Flug) doch nicht möglich werden würde, so hoffte ich in der Nacht zu Donnerstag beim Warten auf den Rückflug, dass genau dieses Szenario bitte nie nicht HIER eintreten würde!
Vierzehn Tage lang haben wir auf einer Tour Rajasthan erkundet - Herr Blau zum dritten, ich zum ersten Mal. Vierzehn Tage lang haben zwar mit Bedacht, aber ausschließlich indische Küche genossen (doch, da gibt es durchaus Europäer oder Deutsche, die auf ihr gewohntes Frühstück bestehen, aber dazu später) - und nach 14 Tagen ging bei mir nichts mehr. Alles wollte auf allen möglichen Wegen aus meinem Körper wieder heraus - und hier war ein Punkt erreicht, wo ich es nicht mehr ertrug: die Hitze, den Schmutz - und diesen ewigen süßlichen Geruch nach Fäulnis, Kloake - und Gewürzen. Ein Geruch, der mir bereits mit dem ersten Betreten des indischen Landes aufgefallen war - und an den ich mich erst nach wenigen Tagen gewöhnte.
Jetzt mit einem Abstand von gut 1,5 Tagen, die wir wieder hier zu Hause sind, beginne ich, all das Gesehene Revue passieren zu lassen. Denke an das kleine Tagebuch, in das ich jeden Abend hineinschrieb, denke an all die Fotos, die wir aufgenommen haben - und denke daran, wie wir Mittwoch Abend am Flughafen saßen, auf den Check-in warteten, weil es der Lufthansa-App in Indien nicht erlaubt ist, die Bordkarten auszustellen. Wie Herr Blau den ersten richtigen Kaffee brachte und ich ob der Becheraufschrift lachen musste "Das COSTA fast gar nix" und er grinste: "DAS kann man so nicht gerade sagen."
Ich hab den Kaffee getrunken, trotz aller Beschwerden. Kaffee geht immer. Ohne Kraftstoff schließlich kein Motorbetrieb, sage ich immer. Da war mir auch egal, wie oft ich die Toilette aufzusuchen hatte; ich hatte nur darauf zu achten, dass die Wege nicht all zu lang waren.
Für mein Empfinden bin ich ja der größte Flugschisser ever - insofern hatte ich mich schon vor dem Hinflug mit Medikamenten aus der Apotheke und etwas rein Pflanzlichem von einer Freundin (J., Du bist die Beste :)) versorgt. Hinzu war das auch irgendwie alles relaxt. Die Medis wirkten, ich habe mir drei Filme nacheinander angeschaut ("Ein ganzes halbes Jahr"!!! Endlich mal gesehen, wenns schon im Kino nicht klappte. Klar ist das schon alles irgendwie Kitsch. Aber grad wenn man das Buch dazu kennt... Und sich sooooo sehr mit der Hauptakteurin identifizieren kann.... Hachz!) und dann waren wir auch irgendwie schon in Delhi.
Nun auf dem Heimflug gestaltete sich das alles ein wenig... anstrengender. Gut möglich, dass dank des Brechdurchfalls auch die Medis nicht zogen. (Alkohol hat sich übrigens auch als kontraproduktiv erwiesen, wie sich später zeigte.) Das bedeutete: Diesmal, Frau Ziggenheimer, kommense da bitte gepflegt nüchtern und ungedopt durch den Flug. Na das konnte was werden!
Die Stewardess wollte mir Gutes tun, zumal ich auf angebotene Speisen (indische Küche, ich konnts nicht mehr sehen, geschweige denn riechen) dankbar verzichtete - und bot mir stattdessen Cola und Salzgebäck an. Dieses Ja war das zweite in meinem Leben, das ich echt bereute. Fragt mich nicht, wie oft ich einen Sprint zwischen Platz und Toilette hinzulegen hatte - und im Sprinten war ich doch immer eine Niete! Ich bin ja eher so der Dauerläufer. (Was jetzt im Endeffekt aber auch nicht so kontraproduktiv war.)
"Da... liegt was!" deutete ich auf einen Metalldeckel und zur Stewardess, mit der ich an der Tür beinah zusammengestoßen wär. Sie richtete ihre Taschenlampe darauf. "Hach... Na was ist denn das?" Sie hob es auf und klickte es neben die Badtür in die Wand. "War zumindest schon mal kein tragendes Teil."
A. Ha ha. Ja. Genau mein Humor. Steh ich total drauf - so als Worlds Greatest Flugschisser.
Ich kenn mich ja nun auch insgesamt mit der Materie nicht so aus. Zum Beispiel erschloss sich mir partout das Schild neben dem WC nicht "Bitte achten Sie darauf, dass Sie keine Papiertücher, Windeln etc. in die Toilette werfen." Windeln ist klar. Aber Papiertücher? Was meinen die? Es gibt nur Papier zum - na Ihr wisst schon! Und wieso hing dieses Schild nur auf dem einen, nicht aber auch auf dem anderen Klo? Wirklich Sorgen habe ich mir aber nicht gemacht, dass ich, die ja noch zu der Gattung Mensch zählt, die Ehrfurcht vor Weißkitteln, Grünuniformierten etc. entwickeln, mich nun an diese Order nicht hielt.
Sowas wie Sorgen machte ich mir erst, als ich auf der Toilette ordentlich durchgerüttelt wurde, während der Pilot vermeldete "Bitte setzen Sie sich und schnallen Sie sich an, wir haben unerwartete Turbulenzen."
Einen Gurt auf dem Klo. Ha ha. Ich schloss die Augen. Dies war der erste Moment für mein erstes Gebet: "Lieber Gott, wenn es Dich wirklich gibt, dann lass mich bitte NICHT HIER so würdelos ums Leben kommen. BITTE!"
Da ich heute hier blogge, ist klar: Ich wurde erhört. Ich hab es tatsächlich geschafft, zweimal rund acht Stunden um die halbe Welt zu fliegen, um mir eine Welt anzuschauen, die ich gegensätzlicher noch nicht erlebt habe (na gut, ich hab ja auch noch nix Großartiges gesehen). Eine Welt voll unfassbarer Armut und kleinen Kindern, die sich über einen Bonbon oder Apfel freuen, als hättest Du Wunderbares vollbracht. Eine Welt voller Frauen, die - so arm sie auch sein mochten - alle in den buntesten Saris steckten, die man sich vorstellen kann. Eine Welt voller Städte mit zwei- und dreispurigen Straßen, auf denen sich bis zu 9 (!) Reihen Autos, TukTuks und vor allem Mopeds drängeln. Eine Welt voller Plastikmüll und Unrat, wie ich es in der Menge noch nie vorher sah. Eine Welt, in der es keine absolute Stille in den Städten gibt, die immer lebt und immer lärmt.
Ich habe dort Tagebuch geführt und Herr Blau hat unzählige Fotos aufgenommen. Auch um es selber so ein bisschen zu verarbeiten, werde ich in den nächsten Tagen mehr dazu schreiben und mehr davon erzählen. Bis Dienstag habe ich noch frei, dann geht es wieder nach L. Was ich bis dahin nicht schaffe, schreibe ich dann nach L. weiter :)
16 Tage Indien liegen hinter uns - 16 Tage voller Eindrücke, Erfahrungen und auch der einen oder anderen nicht neuen, aber immer wieder bewahrheiteten Erkenntnis, was ich in Summe alles irgendwie noch nicht erfassen, geschweige denn verarbeiten kann.
"Du in Indien??" wurde ich gestern (vermutlich fassungslos) gefragt - und ich kanns ja selber noch gar nicht richtig glauben. Immer noch nicht. Dachte ich vor dem Flug, dass vermutlich (hoffentlich) irgendein Missgeschick eintreten könnte (sollte), wodurch die Reise (also der stundenlange Flug) doch nicht möglich werden würde, so hoffte ich in der Nacht zu Donnerstag beim Warten auf den Rückflug, dass genau dieses Szenario bitte nie nicht HIER eintreten würde!
Vierzehn Tage lang haben wir auf einer Tour Rajasthan erkundet - Herr Blau zum dritten, ich zum ersten Mal. Vierzehn Tage lang haben zwar mit Bedacht, aber ausschließlich indische Küche genossen (doch, da gibt es durchaus Europäer oder Deutsche, die auf ihr gewohntes Frühstück bestehen, aber dazu später) - und nach 14 Tagen ging bei mir nichts mehr. Alles wollte auf allen möglichen Wegen aus meinem Körper wieder heraus - und hier war ein Punkt erreicht, wo ich es nicht mehr ertrug: die Hitze, den Schmutz - und diesen ewigen süßlichen Geruch nach Fäulnis, Kloake - und Gewürzen. Ein Geruch, der mir bereits mit dem ersten Betreten des indischen Landes aufgefallen war - und an den ich mich erst nach wenigen Tagen gewöhnte.
Jetzt mit einem Abstand von gut 1,5 Tagen, die wir wieder hier zu Hause sind, beginne ich, all das Gesehene Revue passieren zu lassen. Denke an das kleine Tagebuch, in das ich jeden Abend hineinschrieb, denke an all die Fotos, die wir aufgenommen haben - und denke daran, wie wir Mittwoch Abend am Flughafen saßen, auf den Check-in warteten, weil es der Lufthansa-App in Indien nicht erlaubt ist, die Bordkarten auszustellen. Wie Herr Blau den ersten richtigen Kaffee brachte und ich ob der Becheraufschrift lachen musste "Das COSTA fast gar nix" und er grinste: "DAS kann man so nicht gerade sagen."
Ich hab den Kaffee getrunken, trotz aller Beschwerden. Kaffee geht immer. Ohne Kraftstoff schließlich kein Motorbetrieb, sage ich immer. Da war mir auch egal, wie oft ich die Toilette aufzusuchen hatte; ich hatte nur darauf zu achten, dass die Wege nicht all zu lang waren.
Für mein Empfinden bin ich ja der größte Flugschisser ever - insofern hatte ich mich schon vor dem Hinflug mit Medikamenten aus der Apotheke und etwas rein Pflanzlichem von einer Freundin (J., Du bist die Beste :)) versorgt. Hinzu war das auch irgendwie alles relaxt. Die Medis wirkten, ich habe mir drei Filme nacheinander angeschaut ("Ein ganzes halbes Jahr"!!! Endlich mal gesehen, wenns schon im Kino nicht klappte. Klar ist das schon alles irgendwie Kitsch. Aber grad wenn man das Buch dazu kennt... Und sich sooooo sehr mit der Hauptakteurin identifizieren kann.... Hachz!) und dann waren wir auch irgendwie schon in Delhi.
Nun auf dem Heimflug gestaltete sich das alles ein wenig... anstrengender. Gut möglich, dass dank des Brechdurchfalls auch die Medis nicht zogen. (Alkohol hat sich übrigens auch als kontraproduktiv erwiesen, wie sich später zeigte.) Das bedeutete: Diesmal, Frau Ziggenheimer, kommense da bitte gepflegt nüchtern und ungedopt durch den Flug. Na das konnte was werden!
Die Stewardess wollte mir Gutes tun, zumal ich auf angebotene Speisen (indische Küche, ich konnts nicht mehr sehen, geschweige denn riechen) dankbar verzichtete - und bot mir stattdessen Cola und Salzgebäck an. Dieses Ja war das zweite in meinem Leben, das ich echt bereute. Fragt mich nicht, wie oft ich einen Sprint zwischen Platz und Toilette hinzulegen hatte - und im Sprinten war ich doch immer eine Niete! Ich bin ja eher so der Dauerläufer. (Was jetzt im Endeffekt aber auch nicht so kontraproduktiv war.)
"Da... liegt was!" deutete ich auf einen Metalldeckel und zur Stewardess, mit der ich an der Tür beinah zusammengestoßen wär. Sie richtete ihre Taschenlampe darauf. "Hach... Na was ist denn das?" Sie hob es auf und klickte es neben die Badtür in die Wand. "War zumindest schon mal kein tragendes Teil."
A. Ha ha. Ja. Genau mein Humor. Steh ich total drauf - so als Worlds Greatest Flugschisser.
Ich kenn mich ja nun auch insgesamt mit der Materie nicht so aus. Zum Beispiel erschloss sich mir partout das Schild neben dem WC nicht "Bitte achten Sie darauf, dass Sie keine Papiertücher, Windeln etc. in die Toilette werfen." Windeln ist klar. Aber Papiertücher? Was meinen die? Es gibt nur Papier zum - na Ihr wisst schon! Und wieso hing dieses Schild nur auf dem einen, nicht aber auch auf dem anderen Klo? Wirklich Sorgen habe ich mir aber nicht gemacht, dass ich, die ja noch zu der Gattung Mensch zählt, die Ehrfurcht vor Weißkitteln, Grünuniformierten etc. entwickeln, mich nun an diese Order nicht hielt.
Sowas wie Sorgen machte ich mir erst, als ich auf der Toilette ordentlich durchgerüttelt wurde, während der Pilot vermeldete "Bitte setzen Sie sich und schnallen Sie sich an, wir haben unerwartete Turbulenzen."
Einen Gurt auf dem Klo. Ha ha. Ich schloss die Augen. Dies war der erste Moment für mein erstes Gebet: "Lieber Gott, wenn es Dich wirklich gibt, dann lass mich bitte NICHT HIER so würdelos ums Leben kommen. BITTE!"
Da ich heute hier blogge, ist klar: Ich wurde erhört. Ich hab es tatsächlich geschafft, zweimal rund acht Stunden um die halbe Welt zu fliegen, um mir eine Welt anzuschauen, die ich gegensätzlicher noch nicht erlebt habe (na gut, ich hab ja auch noch nix Großartiges gesehen). Eine Welt voll unfassbarer Armut und kleinen Kindern, die sich über einen Bonbon oder Apfel freuen, als hättest Du Wunderbares vollbracht. Eine Welt voller Frauen, die - so arm sie auch sein mochten - alle in den buntesten Saris steckten, die man sich vorstellen kann. Eine Welt voller Städte mit zwei- und dreispurigen Straßen, auf denen sich bis zu 9 (!) Reihen Autos, TukTuks und vor allem Mopeds drängeln. Eine Welt voller Plastikmüll und Unrat, wie ich es in der Menge noch nie vorher sah. Eine Welt, in der es keine absolute Stille in den Städten gibt, die immer lebt und immer lärmt.
Ich habe dort Tagebuch geführt und Herr Blau hat unzählige Fotos aufgenommen. Auch um es selber so ein bisschen zu verarbeiten, werde ich in den nächsten Tagen mehr dazu schreiben und mehr davon erzählen. Bis Dienstag habe ich noch frei, dann geht es wieder nach L. Was ich bis dahin nicht schaffe, schreibe ich dann nach L. weiter :)
Freitag, 14. Oktober 2016
13 ganze Jahre
Heute. Vor genau 13 Jahren.
Da war es so, dass wir uns zum ersten Mal gegenüberstanden.
Hoch und runter.
Hin und her.
Von rechts nach links und umgekehrt.
Und dann ab durch die Mitte. Diesmal gemeinsam.
Und wenn dieser Text hier erscheint, dann sind wir gerade und noch immer in einem fernen Land.
So wie Du es Dir immer gewünscht hast.
Dass Du mir zeigst, was ich noch nie gesehen habe.
Dass Du mir zeigst, wo Du schon mal gewesen bist und dabei gedacht hast, dass es schön wäre, das mal gemeinsam zu entdecken.
Und nun haben wir es endlich gemacht. Die Pässe besorgt. Alle Impfungen abgeholt (und ich entgegen aller Erwartungen keine Eselsohren davon bekommen). Und sind geflogen, stundenlang.
Lieber Gott, wenn es ihn wirklich gibt, dann mache er bitte, dass wir heil und gesund wieder nach Hause kommen. Ich hab so verdammt scheiß Flugangst. Und ich hab zwei Söhne, die mich unbedingt noch brauchen.
Vor allem aber habe ich Dich an meiner Seite.
Dich, von dem ich immer wusste: Du. Bist. Es. Einfach.
Du, der von mir dasselbe sagt.
Dreizehn lange kurze Jahre, miteinander und ohne einander.
Ich danke Dir für all das Schöne darin.
Und wünsche mir noch ganz viel mehr davon mit Dir.
Sonntag, 2. Oktober 2016
Laufen für den Seelenfrieden
Ja ich weiß, gibts heut so einige Sprüche drüber, von wegen Prinzessin und Krone und so.
Dieser Tage wurde ich erneut gefragt, wie es mir denn ginge - und ich hatte mir selber einzugestehen: Gut ist anders.
Gut ist besser. Besser mit dem Schlafen, dem Essen - und dem Schmerz im Körper, im Magen.
Mit dem Schlaf ist das echt so ne komische Sache. Entweder schlafe ich bereits kurz nach acht auf dem Sofa ein - und liege dafür ab spätestens 1 Uhr wach. Oder ich finde gar nicht erst in den Schlaf, ziehe mir einen Krimi nach dem anderen rein oder schaue Detektiven bei der Aufklärung tatsächlich ereigneter Morde zu - nur um mich dann morgens um kurz nach drei oder vier über den Holzfußboden durch die Dunkelheit hinüber ins Bett zu schleichen und mich zu Tode zu erschrecken, wenns irgendwo knackt.
Über das Nichtessenkönnen und den Schmerz will ich jetzt nicht sprechen, das ist eben so.
Aber dass wir jetzt drei ganze Tage am Stück frei haben, darauf habe ich mich schon sehr gefreut. Ruhe im Kopf finden, abschalten können, frei sein von wiederkehrenden Einflüssen von außen.
Der Mann fragt nicht, er sagt nichts, er fordert nichts.
Er ist einfach da.
Als ich dann noch im Drogeriemarkt neue Sorten von Badeessenzen entdeckte, die etwas von dem wohligen Geruch von Schokolade, noch warmen, gebackenen Keksen und Anis versprachen, da verlor ich beinah Sinn & Verstand.
"Hattest du nicht gesagt, du brauchst nur was zum Duschen?"
"Äh... Hatte ich?"
"Ich hol dann mal einen Korb."
Und als er wiederkam, breitete ich die Arme aus und ließ all die unausgesprochen versprochenen kurzen Momente des Seelenfriedens in den Korb fallen.
Gegen den heftiger gewordenen Schmerz sind wir in dieser Woche schon dreimal gegenanlaufen gewesen. Sprich: Wir waren joggen. Wir meint auch mich, tatsächlich.
Ich habe absolut noch keine Ahnung, ob das wirkt - und zunächst erwäge ich kein meilenweites Gerenne, sondern konzentriere mich auf das Durchhalten.
Aber ich will es versuchen. Nach acht Jahren versuche ich es wieder mit dem Joggen. Mir ist das tausendmal lieber als Pillen.
Im Moment fühle ich mich zu Hause am wohlsten. Am sichersten. Hier muss ich nicht permanent gegen die Wand rennen und mir den Kopf einhauen, weil ich nicht begreifen kann.
Jeden Tag spreche ich mit meinem Jungen und sauge seine Worte, den Klang seiner Stimme in mich auf, weil ich weiß: Auf meine Frage, ob es ihm gut ginge, würde er immer mit Ja antworten. Immer - weil er nicht will, dass ich mich sorge. Du kannst das ja verstecken wie du willst - ein Mensch mit so feinen Antennen wird dir immer und ewig auf die Schliche kommen. Oder es sich einfach denken können.
Und so lausche ich auf den Klang, ich entspanne mich, wenn ich ihn höre und wir über alles mögliche sprechen.
Verlasse das Haus momentan nur, wenn ich etwas einkaufen muss. Oder der Mann mich zu einem Besuch bei Freunden überredet. Oder eben zum Joggen. Neuerdings halt.
"Du joggst wie ich", sagte der Mann, als wir heute Morgen durch den Nieselregen liefen, uns der herbstliche Atem aus dem Stadtpark entgegenschlug und sich Kieselsteinchen in die Sohlen bohrten.
"Du schaust immer nach unten."
"Ja. Weil ich sonst sehe, wie viel ich noch laufen muss und dann verlässt mich die Energie."
Durchhalten. Durchhalten. Durchhalten. Nicht stehenbleiben, den Brustkorb ignorieren, der verzweifelt den Sauerstoff einzuatmen versucht, das Stechen neben dem Hals ignorieren.
Einfach nur... durchhalten und weiterlaufen. Nicht stehenbleiben und der Versuchung erliegen, dann doch nicht mehr weiterzulaufen. Nicht mehr bis zum Ende zu laufen.
Hätte mir vor nunmehr fast elf Jahren jemand gesagt, dass der Schmerz nicht mehr aufhören wird und ich nur lernen muss, damit zu leben, wäre ich vermutlich verzweifelt.
Hätte mir vor Jahren jemand gesagt, dass der Weg noch lange nicht zuende ist, wenn man glaubt, man sei an das Ziel gelangt, wäre ich vielleicht verzweifelt.
Ich hab oft in die Vergangenheit, aber nie in die Zukunft geschaut. Was war, konnte ich betrachten und für mich bewerten. Was aber kommt, kann ja niemand vorhersagen - warum also Pläne machen? Wozu Pläne hinter die Stirn meißeln, die mich unbeweglich machen, weil ich daran festhalten möchte? Die mich unfähig machen, geschmeidig zu reagieren, weil ich nicht loslassen könnte von der Idee, von der Vorstellung eines Lebens?
Es ist wie mit dem Joggen: Wissen, dass man läuft, dass man laufen muss, in Bewegung bleiben muss. Aber ich möchte einfach nicht sehen, wie weit der Weg noch führt. Ich will gar nicht wissen, was noch auf mich wartet.
Ich will lieber - so wie erneut heute Morgen nach dem Lauf - im nach Keks und Schokolade duftenden Badewasser liegen und daran glauben, dass da noch ganz viel Schönes im Leben wartet.
Ich will lieber daran glauben, dass mir die Energie nicht ausgeht. Nicht auf Dauer.
Ich will nicht, dass mir die Energie ausgeht, dafür zu sorgen. Jeden einzelnen Tag. Mehr oder weniger.
Donnerstag, 29. September 2016
Die fröhliche schwarzbunte Kuh
"Lange Zeit wusste ich überhaupt nichts von den ungeschriebenen Regeln, die das Zusammenleben der Menschen hat. Meine sonnenblumige Meinung war immer:" Ich bin nett und will nur dein Bestes, also bist du auch so. Alle Menschen sind so, das kann gar nicht anders sein!" Sollte ich ein Bild von diesem "Ur-Ich" malen, wäre es wohl die fröhliche schwarzbunte Kuh mit dem Blümchen im Maul."Quelle: http://pyrgus.blogspot.de/2016/09/letztendlich.html
"Ich bin nicht die Sozialstation!"
"Das ist mir bewusst. Du bist Kaufmann, ich aber bin sozial orientiert."
"Willst du mir damit sagen, dass ich ein Kapitalistenschwein bin?"
"Ich will damit sagen, dass du Kaufmann bist und mit mir keinen Blumentopf gewinnen kannst. Weil ich andere Prinzipien vertrete."
"Drohst du mir jetzt etwa?"
„Ich dachte, wir unterhalten uns.“
Sonntag, 25. September 2016
Proof of Life
Ich glaube, ich habe mich noch nie so wortlos gefühlt wie in den letzten Wochen. Das ist so ein ganz merkwürdiges Gefühl - im Kopf geht so vieles durcheinander, so viele Gedanken und Worte, es gäbe so viel zu sagen und zugleich lässt es sich doch nicht fassen, nicht greifen, nicht ordnen.
Und dann, wenn der Kreisel im Kopf zur Ruhe findet, dann drehe ich die Musik auf und alles das, was ich möglicherweise noch sagen wollte, verblasst und verliert sich im Nichts.
Für Eure Kommentare, Eure Worte bin ich Euch unglaublich dankbar, und ich dachte, es wird auch mal Zeit, Euch wenigsten das mal zu sagen. Und Euch für Eure Treue zu danken!!
Wir sind noch keinen wirklichen Schritt vorangekommen, und während mir bewusst ist, dass Dinge, die sich über Jahre hinweg entwickelt haben, nicht innerhalb eines halben Jahres wegdefiniert und aufgelöst werden können, bin ich (zu) müde geworden, es immer und immer wieder zu erklären.
Zu kämpfen für Dinge, die man letztlich doch nicht in der Hand hat.
Einzustehen für Menschen, die einfach nichts "mitnehmen".
Ein starker Mensch wird zunächst immer für sich selbst eintreten können. Für sich selbst kämpfen können.
Mein Credo war und ist es, dem schwachen Menschen auf die Beine zu helfen, ihm einen Raum und eine Stimme zu geben - und die Möglichkeit, seinen Weg zu finden und zu gehen.
Es hilft auch nichts, den Umstand zu bejammern und zu beklagen, dass die breite Gesellschaft nicht dafür gemacht ist, den Schwachen aufzufangen. Die breite Gesellschaft sind sehr viele, aber es sind nicht alle. Dann gilt es, die Nadel im Heuhaufen zu finden.
Wer war ich? Wer bin ich?
Sehr viel mehr als sonst habe ich in den vergangenen 3 Monaten Fragen über Fragen in meinem Kopf und im Dialog mit anderen gewälzt.
Natürlich war ich noch vor 15 Jahren ein anderer Mensch. In meiner Grundstimmung ein ausgeglichener Mensch. Gerne fröhlich. Gerne unbekümmert. Zumeist unbedarft auch.
Ich denke, dass meine Grundstimmung heute nicht unbedingt eine andere ist. Aber ich reagiere wie jeder andere Mensch auf Einflüsse, auf das, was mich umgibt bzw. auf das, mit dem ich mich umgebe.
Dass ich nicht erwarten kann, dass Menschen meine Einstellung zum Leben und zum Miteinander teilen, ist mir völlig bewusst. Insofern überrascht es mich auch nicht, wenn ich Respekt, Toleranz und Verständnis anderen gegenüber vermisse - aber es erwischt mich immer wieder eiskalt.
Und dann frage ich mich: "Will ich wirklich dazugehören?"
Vor vier Tagen wurde ich gefragt, wie es mir geht, und weil es mir nicht möglich war, das alles in eine whatsapp zu verpacken, verschickte ich eine Sprachnachricht. Anfangs sprach ich sehr ruhig und müde, glaube ich, und endete ungewollt sehr emotional.
Ich weiß, dass ich die Gesellschaft nicht ändern kann. Das ist weder mein Ziel, noch meine Aufgabe - mal abgesehen davon, dass meine Wertvorstellungen ja auch nicht die richtigen sein müssen. Ich sie anderen also auch nicht aufzwingen kann oder darf.
Was ich aber kann und was ich auch darf: Mich selber fragen, bis wohin ich mitgehen möchte.
Und darüber selbst zu entscheiden, ob hier lang oder dort lang.
Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Meistens. Ein Gewohnheitstier, dem größere Veränderungen Angst machen. Angst vor dem Unbekannten. Angst vor dem Ungewissen.
Als mir vor über 14 Jahren ein Jobangebot unterbreitet wurde, interessierten mich weder Zahlen noch Fakten und ich hatte gehörigen Respekt vor dem Neuen. Dennoch war die Überlegensphase sehr kurz: Ich wollte raus aus dem bisherigen Leben. Ich wollte was Neues sehen, lernen, erfahren. Raus aus einem Trott. Mein damaliger Ehemann meinte "Mach das nicht, da fährst du dreimal so lange und verdienst aber keinen Cent mehr." Und der andere Mann damals meinte: "Warum nicht? Willst du es? Dann mach es doch."
Und ich sprang.
Bis heute weiß ich, dass es das Beste war, das ich je getan hatte und das mir je angetragen worden war.
Bis heute ist mir klar geworden:
Jeder sollte jemanden haben, der bedingungslos an einen glaubt.
Damit man springt. Damit man wagt. So oft hat das Leben gezeigt, dass sich für jede Tür, die sich schließt, eine neue öffnet.
Seit 2 Tagen kenne ich eine weitere Diagnose meines Sohnes. Ich habe mich darüber belesen und bin von beiden dazu "eingeladen", dazu mit der behandelnden Ärztin zu sprechen.
Momentan bin ich bestärkt in dem, was ich all die Monate, all die ganze Zeit über dachte und fühlte: dass er Rückhalt braucht, Verständnis - und Zeit. Dass ich für ihn da bin, mich selbst aber nicht aufgeben darf. Dass ich ab und zu auch an mich denken darf und ihn trotzdem nicht vernachlässige. Dass er nicht an die Hand genommen werden muss. Dass ihm vor allem eins fehlt: Anerkennung. Akzeptanz.
So oft dachte ich in den letzten Wochen an die Worte meiner Therapeutin vor 7 Jahren: "Der Mensch neigt immer dazu, auf das zu schauen, was er nicht hat und was er nicht kann. Anstatt sich auf das zu konzentrieren, was gut ist, was er kann und was positiv ist."
Die vergangenen Wochen haben mir auch gezeigt: Ich muss auch mehr mit mir arbeiten, für mich arbeiten. Traumatherapie, hat der Osteopath vor etwa zehn Tagen angeraten, dem in seiner Praxis zu viele Patienten begegnen, die unnötig mit Wunden und Narben in ihrem Leben kämpfen und trotzdem nicht vorankommen. Dass man lösungsorientiert agieren muss. "Ich glaube, ich kann Ihnen wohl doch nicht helfen", sagte er, der anfangs so euphorisch an mein Schmerzproblem herangegangen war.
Ich weiß nicht, ob es vermessen ist oder gar falsch, wenn ich schon glaube, dass ich lösungsorientiert arbeite. Mit mir, mit meinem Sohn. Was war, kann ich nicht mehr ändern, so sehr mich das auch quält - und möglicherweise könnten wir aber heute mehr tun. Nur möglicherweise anderes als bisher. Die Energie in die richtigen Richtungen kanalisieren. Das gilt es noch herauszufinden.
Weil mir eins klar geworden ist: Wirklich frei fühlen kann ich mich erst, wenn es meinem Sohn wieder gut geht.
Freitagabend haben wir zu dritt beim Italiener gesessen, Sohnemann, ich und noch jemand. Und ich sehe sie noch vor mir, wie sie die Serviette sorgsam faltete, darauf starrte und sagte: "Man kann alles im Leben überstehen, egal wie schwer es ist. Nur eins nicht: wenn man sein eigenes Kind verliert."
Ich habe sie angestarrt, weil das eigentlich immer meine Worte waren, meine Gedanken, die sie nicht kannte.
"We move forward" - mit diesem Titel hatte ich mich im Juni zunächst verabschiedet.
Wenn Ihr mich also heute fragt, kann ich nur sagen, dass wir noch nicht wesentlich weitergekommen sind. Weil man in manchen Dingen mit dem Brecheisen auch nicht weiterkommen kann.
Aber ich kann zumindest sagen: Alles ist in Bewegung geraten. Mehr denn je.
Und dann, wenn der Kreisel im Kopf zur Ruhe findet, dann drehe ich die Musik auf und alles das, was ich möglicherweise noch sagen wollte, verblasst und verliert sich im Nichts.
Für Eure Kommentare, Eure Worte bin ich Euch unglaublich dankbar, und ich dachte, es wird auch mal Zeit, Euch wenigsten das mal zu sagen. Und Euch für Eure Treue zu danken!!
Wir sind noch keinen wirklichen Schritt vorangekommen, und während mir bewusst ist, dass Dinge, die sich über Jahre hinweg entwickelt haben, nicht innerhalb eines halben Jahres wegdefiniert und aufgelöst werden können, bin ich (zu) müde geworden, es immer und immer wieder zu erklären.
Zu kämpfen für Dinge, die man letztlich doch nicht in der Hand hat.
Einzustehen für Menschen, die einfach nichts "mitnehmen".
Ein starker Mensch wird zunächst immer für sich selbst eintreten können. Für sich selbst kämpfen können.
Mein Credo war und ist es, dem schwachen Menschen auf die Beine zu helfen, ihm einen Raum und eine Stimme zu geben - und die Möglichkeit, seinen Weg zu finden und zu gehen.
Es hilft auch nichts, den Umstand zu bejammern und zu beklagen, dass die breite Gesellschaft nicht dafür gemacht ist, den Schwachen aufzufangen. Die breite Gesellschaft sind sehr viele, aber es sind nicht alle. Dann gilt es, die Nadel im Heuhaufen zu finden.
Wer war ich? Wer bin ich?
Sehr viel mehr als sonst habe ich in den vergangenen 3 Monaten Fragen über Fragen in meinem Kopf und im Dialog mit anderen gewälzt.
Natürlich war ich noch vor 15 Jahren ein anderer Mensch. In meiner Grundstimmung ein ausgeglichener Mensch. Gerne fröhlich. Gerne unbekümmert. Zumeist unbedarft auch.
Ich denke, dass meine Grundstimmung heute nicht unbedingt eine andere ist. Aber ich reagiere wie jeder andere Mensch auf Einflüsse, auf das, was mich umgibt bzw. auf das, mit dem ich mich umgebe.
Dass ich nicht erwarten kann, dass Menschen meine Einstellung zum Leben und zum Miteinander teilen, ist mir völlig bewusst. Insofern überrascht es mich auch nicht, wenn ich Respekt, Toleranz und Verständnis anderen gegenüber vermisse - aber es erwischt mich immer wieder eiskalt.
Und dann frage ich mich: "Will ich wirklich dazugehören?"
Vor vier Tagen wurde ich gefragt, wie es mir geht, und weil es mir nicht möglich war, das alles in eine whatsapp zu verpacken, verschickte ich eine Sprachnachricht. Anfangs sprach ich sehr ruhig und müde, glaube ich, und endete ungewollt sehr emotional.
Ich weiß, dass ich die Gesellschaft nicht ändern kann. Das ist weder mein Ziel, noch meine Aufgabe - mal abgesehen davon, dass meine Wertvorstellungen ja auch nicht die richtigen sein müssen. Ich sie anderen also auch nicht aufzwingen kann oder darf.
Was ich aber kann und was ich auch darf: Mich selber fragen, bis wohin ich mitgehen möchte.
Und darüber selbst zu entscheiden, ob hier lang oder dort lang.
Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Meistens. Ein Gewohnheitstier, dem größere Veränderungen Angst machen. Angst vor dem Unbekannten. Angst vor dem Ungewissen.
Als mir vor über 14 Jahren ein Jobangebot unterbreitet wurde, interessierten mich weder Zahlen noch Fakten und ich hatte gehörigen Respekt vor dem Neuen. Dennoch war die Überlegensphase sehr kurz: Ich wollte raus aus dem bisherigen Leben. Ich wollte was Neues sehen, lernen, erfahren. Raus aus einem Trott. Mein damaliger Ehemann meinte "Mach das nicht, da fährst du dreimal so lange und verdienst aber keinen Cent mehr." Und der andere Mann damals meinte: "Warum nicht? Willst du es? Dann mach es doch."
Und ich sprang.
Bis heute weiß ich, dass es das Beste war, das ich je getan hatte und das mir je angetragen worden war.
Bis heute ist mir klar geworden:
Jeder sollte jemanden haben, der bedingungslos an einen glaubt.
Damit man springt. Damit man wagt. So oft hat das Leben gezeigt, dass sich für jede Tür, die sich schließt, eine neue öffnet.
Seit 2 Tagen kenne ich eine weitere Diagnose meines Sohnes. Ich habe mich darüber belesen und bin von beiden dazu "eingeladen", dazu mit der behandelnden Ärztin zu sprechen.
Momentan bin ich bestärkt in dem, was ich all die Monate, all die ganze Zeit über dachte und fühlte: dass er Rückhalt braucht, Verständnis - und Zeit. Dass ich für ihn da bin, mich selbst aber nicht aufgeben darf. Dass ich ab und zu auch an mich denken darf und ihn trotzdem nicht vernachlässige. Dass er nicht an die Hand genommen werden muss. Dass ihm vor allem eins fehlt: Anerkennung. Akzeptanz.
So oft dachte ich in den letzten Wochen an die Worte meiner Therapeutin vor 7 Jahren: "Der Mensch neigt immer dazu, auf das zu schauen, was er nicht hat und was er nicht kann. Anstatt sich auf das zu konzentrieren, was gut ist, was er kann und was positiv ist."
Die vergangenen Wochen haben mir auch gezeigt: Ich muss auch mehr mit mir arbeiten, für mich arbeiten. Traumatherapie, hat der Osteopath vor etwa zehn Tagen angeraten, dem in seiner Praxis zu viele Patienten begegnen, die unnötig mit Wunden und Narben in ihrem Leben kämpfen und trotzdem nicht vorankommen. Dass man lösungsorientiert agieren muss. "Ich glaube, ich kann Ihnen wohl doch nicht helfen", sagte er, der anfangs so euphorisch an mein Schmerzproblem herangegangen war.
Ich weiß nicht, ob es vermessen ist oder gar falsch, wenn ich schon glaube, dass ich lösungsorientiert arbeite. Mit mir, mit meinem Sohn. Was war, kann ich nicht mehr ändern, so sehr mich das auch quält - und möglicherweise könnten wir aber heute mehr tun. Nur möglicherweise anderes als bisher. Die Energie in die richtigen Richtungen kanalisieren. Das gilt es noch herauszufinden.
Weil mir eins klar geworden ist: Wirklich frei fühlen kann ich mich erst, wenn es meinem Sohn wieder gut geht.
Freitagabend haben wir zu dritt beim Italiener gesessen, Sohnemann, ich und noch jemand. Und ich sehe sie noch vor mir, wie sie die Serviette sorgsam faltete, darauf starrte und sagte: "Man kann alles im Leben überstehen, egal wie schwer es ist. Nur eins nicht: wenn man sein eigenes Kind verliert."
Ich habe sie angestarrt, weil das eigentlich immer meine Worte waren, meine Gedanken, die sie nicht kannte.
"We move forward" - mit diesem Titel hatte ich mich im Juni zunächst verabschiedet.
Wenn Ihr mich also heute fragt, kann ich nur sagen, dass wir noch nicht wesentlich weitergekommen sind. Weil man in manchen Dingen mit dem Brecheisen auch nicht weiterkommen kann.
Aber ich kann zumindest sagen: Alles ist in Bewegung geraten. Mehr denn je.
Montag, 27. Juni 2016
Ist wahrscheinlich nicht ganz unerwartet...
In meiner Singlezeit habe ich mir immer einen Partner gewünscht, einen mit Herz und Hirn, mit Gefühl und Verstand. Und dann habe ich mich immer gewundert, dass den sensiblen Menschen unter ihnen die Haut meistenteils zu dünn war für das reale Leben. Ach was gewundert - ich habe es oft verflucht.
...irgendwann ist mir klar geworden: Meine eigene Haut ist ja selbst nicht viel dicker, im Gegenteil.
Ich schließ hier mal für eine Weile die Tür ab. Kann sein, das Schloss staubt ein, kann sein, ich bin bald wieder hier. Doch für den Moment brauch ich meine Energie für Wege in meinem realen Leben, von denen ich ausprobiere, austeste, auch für mich selbst, und um Dinge zu bewältigen, die ich mir so auch nicht vorgestellt hatte. Für mich und meine Familie.
Dann und wann werde ich weiter hier mitlesen, auch kommentieren, wenn mir der Sinn danach steht oder das aktuelle Thema zu mir passt.
...es wäre schön, wenn Ihr mich nicht vergesst. Und wenn doch - dann ist es eben auch das reale Leben.
Ich wünsch Euch was, ganz wirklich.
Es ist ja letztlich fast egal, wohin der Weg führt. Er führt ja allermeistens doch nach vorne. Jedenfalls ich glaube daran.
Samstag, 18. Juni 2016
When Life Sucks
Es ist Samstag. Ich bügle, der Mann macht Ordnung im Badezimmer.
Der Mann sagt: "Du hast meine Sportsachen ja doch gewaschen!"
Ich sage: "Natürlich. Ich hab ja auch nix anderes behauptet. Die haben gestunken."
Der Mann sagt: "Waaaasss? Die riechen höchstens nach Kraft, Energie und Anstrengung."
Ich so: "Sag ich doch: Die haben gestunken."
In der Konsequenz bewerfen wir uns begeistert mit den Badeentchen und ich bin so dankbar für diese Momente, die das Kind in uns herauslassen und uns ablenken von allem anderen.
Meine Freundin schrieb: "Nimm Anteil, aber teile nicht alles!! Ich drück dich!!"
Goldi schrieb: "Aber dennoch achte bitte auf Dich :*"
Nachrichten aus der eigenen Familie und aus einer Familie, die ich ziemlich gut kenne, die den Boden unter mir wegbrechen ließen. Den ich dieser Tage wieder Stück für Stück zusammensetze.
Und unendlich dankbar bin für den Mann an meiner Seite, der nicht viel fragt und nicht viel sagt - und mich dennoch versteht.
Unendlich dankbar bin für Menschen nah bei mir.
When Life Sucks... it's good to having Friends!
Donnerstag, 16. Juni 2016
Mittwoch, 15. Juni 2016
Mein persönlicher Facebook-Fail des Tages
Ansonsten bin ich immer wieder verwirrt über die diversen Freundschaftsvermittlungen, die mir Facebook selber vorschlägt.
Ich hab die Leute nie gesehen!
Ich kenne die überhaupt nicht!
Ich kenne nicht mal ihren Namen!
Sehe ich echt so verzweifelt aus?
Früher wurde man wegen Kupplerei aufm Scheiterhaufen verbrannt! Oder wenigstens eingesperrt. Nee also nee. :)
Dienstag, 14. Juni 2016
Tief verankert
Ich wusste, ich hatte heute Morgen einen Termin. Ich hatte mir das Datum gemerkt, jedoch nicht die Uhrzeit. Und mir diese blöderweise auch nicht notiert.
Ich empfinde es immer wieder als irre, dass in unserem Bewusstsein Dinge gespeichert sind, die so viele Jahre zurückliegen und wir haben dennoch den exakten Wortlaut im Kopf. Aber ein Datum von jetzt auf nachher zum Beispiel entfällt in mein persönliches Bermudadreieck...
Während der Wartezeit habe ich gelesen. Nachrichten, Blogs.
Ich habe gelesen vom Wunsch, Erinnerungen löschen zu können. Erinnerungen an Erfahrungen im Leben, die so viele Jahre zurück liegen - und trotzdem präsent bleiben.
Ob die Aussage, dass die Wissenschaft daran arbeite, gewisse Bereiche im Hirn, die für die Erinnerungen zuständig sind, so zu bearbeiten, dass man gewisse Erinnerungen löschen könne, eher zynisch gemeint war oder der Tatsache entspricht, kann ich jetzt nicht sagen.
Es erinnerte mich an jene Sitzung in der Schmerzklinik, in der die Ärztin zu mir sagte: "Es ist noch niemals in der Medizin gelungen, das Schmerzgedächtnis zu löschen. Man arbeitet daran, aber gelungen ist das noch niemals."
"Aber wozu bin ich dann hergekommen? Ich bin doch hergekommen, damit ich den Schmerz endlich loswerde."
"Das ist nicht das Ziel."
"Was ist dann das Ziel?"
"Dass Sie lernen, damit zu leben."
Ich wollte aufstehen und gehen. Ich wollte nicht akzeptieren und nicht hinnehmen. Ich wollte kämpfen und beweisen, dass ich es könnte.
Ich bin nicht aufgestanden und nicht gegangen.
Aber ich habe gekämpft - und verloren. Weil es mir nicht gelungen ist.
Nach wie vor lebe ich mit Schmerz in meinem linken Körper, aber ich habe mich in all den elf Jahren daran gewöhnt.
Er ist da und ich habe es akzeptiert.
Oder habe ich kapituliert?
Hätte ich mir gewünscht, einen Punkt in meinem Hirn zu finden, den man so bearbeiten kann, dass der Schmerz sich auflöste? Nicht mehr da wäre? Weil ich nicht mehr weiß, wie das ist, schmerzfrei zu leben, und mich aber erinnere, dass das wesentlich unbelasteter war?
Gibt es einen Punkt in meinem Hirn, der sich (und mich) an etwas erinnert, das längst vergangen ist?
Kann man diesen Punkt finden, selektieren, dezimieren?
Was macht das dann mit mir? Bin ich dann noch ich oder doch jemand anderes, weil man vielleicht... zuviel dezimierte?
Meine Mum hat geweint am Telefon, als man mir Medikamente verabreichte, unter denen ich echte Wortfindungsstörungen entwickelte und ein Gespräch völlig unmöglich wurde.
Das war im Sommer 2005 und der Moment, in dem ich beschloss, meinen Verstand zu retten.
Möchte ich meinen Kopf, mein Hirn "manipulieren" lassen, nur damit es nicht mehr schmerzt?
Damit der Körper nicht mehr schmerzt?
Damit die Seele nicht mehr schmerzt?
Haben mich im Gegenzug die Erinnerungen manipuliert?
Meinen Körper?
Meine Seele?
Welchen Preis wäre ich bereit zu zahlen, um wieder so sorglos und unbeschwert zu sein?
Ich weiß, dass jegliche Medikamente zentral wirken, also im Hirn. Dass jedes Medikament ein bestimmtes Areal im Hirn anspricht, damit ich mich besser fühle.
Ich nehme trotzdem keine, weil sie eh nicht helfen, und weil ich aber auch nie ein Zombie werden wollte.
Ich wollte ich selber bleiben - und heute frage ich mich: Wer bin ich denn überhaupt?
Ich weiß es, ehrlich gesagt, nicht so genau. Ich lache, ich lebe und ich liebe immer noch so gern wie früher - aber es ist trotzdem anders.
Die meisten Menschen ertrage ich nicht für eine längere Zeit - ich will mich dann zurückziehen, ich will allein sein oder wenigstens in Ruhe gelassen werden.
Die meisten Menschen erschrecken mich noch immer mit dem, was sie sagen, was sie tun - oder eben auch nicht.
An manchen Menschen verzweifle ich noch immer, was sie tun, wonach ihnen ist - ohne sich zu fragen, wie es dem anderen dabei geht. Ohne sich eine Vorstellung davon zu machen, was ihr Tun in einem anderen bewirkt.
Bin ich ein Misanthrop geworden deshalb?
Nein.
Ich glaube nicht.
Ich kann meine Erinnerungen nicht löschen, und ich habe mich gefragt, ob ich das auch wollte.
Ich denke nicht.
Ich bewerte nicht, ob das Erlebte mich zu einem guten oder weniger guten Menschen gemacht hat.
Ich erinnere mich an Filme, in denen das Hirn manipuliert wurde - aber die Natur lässt sich nicht betrügen. Ich befürchte, dass ein vager Verdacht, ein diffuses Gefühl dessen, was mal war, mich viel mehr um den Verstand bringen würde als die reale Erinnerung. So wie einem ein Name auf der Zunge liegt, doch man kommt nicht drauf.
Wäre ich dann noch wirklich ich - oder in Wahrheit genau der Zombie, der ich nie werden wollte?
Ja, man hätte dann die Chance für neue Erinnerungen. Aber wer sagt uns, dass es gute würden? Bessere als die "alten"? Wir wüssten doch dann nicht, wovor wir uns schützen müssten.
Ich lebe mit dem Erlebten und mit den Erinnerungen.
Ich lebe damit, dass es nie aufhört, wehzutun, aber dass man lernt, damit zu leben.
Und ganz ehrlich? Das Leben früher war nicht immer ein besseres. Ich habe sehr viel verloren - aber ich habe bis heute auch sehr, sehr viel Schönes bekommen. Fast alles würde ich immer wieder so machen.
...und der Termin heute... Der Doktor will ein Blutgefäß-Sono und einen Schädel-Scan.
"Ihre Reflexe sind überlebhaft, aber wenn das Zittern der Hand vom Stress wäre, warum dann einseitig?"
Könnte ich ihm das beantworten, hätte ich ihm nicht die Gelegenheit geschenkt, mich wegen der 15minütigen Verspätung anzumaulen.
Aber ich bin entspannt. Nicht gespielt entspannt, ich bin tatsächlich momentan die Ruhe selbst.
Wahrscheinlich ist das das einzige, in dem ich absolut authentisch bin.
Ich empfinde es immer wieder als irre, dass in unserem Bewusstsein Dinge gespeichert sind, die so viele Jahre zurückliegen und wir haben dennoch den exakten Wortlaut im Kopf. Aber ein Datum von jetzt auf nachher zum Beispiel entfällt in mein persönliches Bermudadreieck...
Während der Wartezeit habe ich gelesen. Nachrichten, Blogs.
Ich habe gelesen vom Wunsch, Erinnerungen löschen zu können. Erinnerungen an Erfahrungen im Leben, die so viele Jahre zurück liegen - und trotzdem präsent bleiben.
Ob die Aussage, dass die Wissenschaft daran arbeite, gewisse Bereiche im Hirn, die für die Erinnerungen zuständig sind, so zu bearbeiten, dass man gewisse Erinnerungen löschen könne, eher zynisch gemeint war oder der Tatsache entspricht, kann ich jetzt nicht sagen.
Es erinnerte mich an jene Sitzung in der Schmerzklinik, in der die Ärztin zu mir sagte: "Es ist noch niemals in der Medizin gelungen, das Schmerzgedächtnis zu löschen. Man arbeitet daran, aber gelungen ist das noch niemals."
"Aber wozu bin ich dann hergekommen? Ich bin doch hergekommen, damit ich den Schmerz endlich loswerde."
"Das ist nicht das Ziel."
"Was ist dann das Ziel?"
"Dass Sie lernen, damit zu leben."
Ich wollte aufstehen und gehen. Ich wollte nicht akzeptieren und nicht hinnehmen. Ich wollte kämpfen und beweisen, dass ich es könnte.
Ich bin nicht aufgestanden und nicht gegangen.
Aber ich habe gekämpft - und verloren. Weil es mir nicht gelungen ist.
Nach wie vor lebe ich mit Schmerz in meinem linken Körper, aber ich habe mich in all den elf Jahren daran gewöhnt.
Er ist da und ich habe es akzeptiert.
Oder habe ich kapituliert?
Hätte ich mir gewünscht, einen Punkt in meinem Hirn zu finden, den man so bearbeiten kann, dass der Schmerz sich auflöste? Nicht mehr da wäre? Weil ich nicht mehr weiß, wie das ist, schmerzfrei zu leben, und mich aber erinnere, dass das wesentlich unbelasteter war?
Gibt es einen Punkt in meinem Hirn, der sich (und mich) an etwas erinnert, das längst vergangen ist?
Kann man diesen Punkt finden, selektieren, dezimieren?
Was macht das dann mit mir? Bin ich dann noch ich oder doch jemand anderes, weil man vielleicht... zuviel dezimierte?
Meine Mum hat geweint am Telefon, als man mir Medikamente verabreichte, unter denen ich echte Wortfindungsstörungen entwickelte und ein Gespräch völlig unmöglich wurde.
Das war im Sommer 2005 und der Moment, in dem ich beschloss, meinen Verstand zu retten.
Möchte ich meinen Kopf, mein Hirn "manipulieren" lassen, nur damit es nicht mehr schmerzt?
Damit der Körper nicht mehr schmerzt?
Damit die Seele nicht mehr schmerzt?
Haben mich im Gegenzug die Erinnerungen manipuliert?
Meinen Körper?
Meine Seele?
Welchen Preis wäre ich bereit zu zahlen, um wieder so sorglos und unbeschwert zu sein?
Ich weiß, dass jegliche Medikamente zentral wirken, also im Hirn. Dass jedes Medikament ein bestimmtes Areal im Hirn anspricht, damit ich mich besser fühle.
Ich nehme trotzdem keine, weil sie eh nicht helfen, und weil ich aber auch nie ein Zombie werden wollte.
Ich wollte ich selber bleiben - und heute frage ich mich: Wer bin ich denn überhaupt?
Ich weiß es, ehrlich gesagt, nicht so genau. Ich lache, ich lebe und ich liebe immer noch so gern wie früher - aber es ist trotzdem anders.
Die meisten Menschen ertrage ich nicht für eine längere Zeit - ich will mich dann zurückziehen, ich will allein sein oder wenigstens in Ruhe gelassen werden.
Die meisten Menschen erschrecken mich noch immer mit dem, was sie sagen, was sie tun - oder eben auch nicht.
An manchen Menschen verzweifle ich noch immer, was sie tun, wonach ihnen ist - ohne sich zu fragen, wie es dem anderen dabei geht. Ohne sich eine Vorstellung davon zu machen, was ihr Tun in einem anderen bewirkt.
Bin ich ein Misanthrop geworden deshalb?
Nein.
Ich glaube nicht.
Ich kann meine Erinnerungen nicht löschen, und ich habe mich gefragt, ob ich das auch wollte.
Ich denke nicht.
Ich bewerte nicht, ob das Erlebte mich zu einem guten oder weniger guten Menschen gemacht hat.
Ich erinnere mich an Filme, in denen das Hirn manipuliert wurde - aber die Natur lässt sich nicht betrügen. Ich befürchte, dass ein vager Verdacht, ein diffuses Gefühl dessen, was mal war, mich viel mehr um den Verstand bringen würde als die reale Erinnerung. So wie einem ein Name auf der Zunge liegt, doch man kommt nicht drauf.
Wäre ich dann noch wirklich ich - oder in Wahrheit genau der Zombie, der ich nie werden wollte?
Ja, man hätte dann die Chance für neue Erinnerungen. Aber wer sagt uns, dass es gute würden? Bessere als die "alten"? Wir wüssten doch dann nicht, wovor wir uns schützen müssten.
Ich lebe mit dem Erlebten und mit den Erinnerungen.
Ich lebe damit, dass es nie aufhört, wehzutun, aber dass man lernt, damit zu leben.
Und ganz ehrlich? Das Leben früher war nicht immer ein besseres. Ich habe sehr viel verloren - aber ich habe bis heute auch sehr, sehr viel Schönes bekommen. Fast alles würde ich immer wieder so machen.
...und der Termin heute... Der Doktor will ein Blutgefäß-Sono und einen Schädel-Scan.
"Ihre Reflexe sind überlebhaft, aber wenn das Zittern der Hand vom Stress wäre, warum dann einseitig?"
Könnte ich ihm das beantworten, hätte ich ihm nicht die Gelegenheit geschenkt, mich wegen der 15minütigen Verspätung anzumaulen.
Aber ich bin entspannt. Nicht gespielt entspannt, ich bin tatsächlich momentan die Ruhe selbst.
Wahrscheinlich ist das das einzige, in dem ich absolut authentisch bin.
Montag, 13. Juni 2016
"Kein Werben für das Sterben"
Dieser Satz war mit weißer Farbe sorgfältig auf die Straße gemalt.
Ich las ihn, als ich mir Sohnemanns Stube ansah, seinen Bettenbau und auch das Innenleben seines Spinds begutachtete und mir dies und das erzählen ließ.
Sohnemann ist vereidigt worden letzten Samstag - und wir waren dabei. Sohn I, Herr Blau und ich.
Geschätzte fünfzehn Fotos hatte ich "im Kasten", als Herr Blau mich fragte:
"Bist du sicher, dass das dein Junge ist?"
"Na klar! Guck doch mal - der Rundrücken, den hat nur einer, das ist meiner. Und die Finger! Und das Profil! Und die Ohren! Na klar ist das mein Sohn, ich kenne doch mein Kind!"
Erst als die Eltern und Angehörigen auf den Platz durften, um ihre Kinder zu fotografieren ("Habt ihr euch nicht wie die Affen im Zoo gefühlt?" - "Na klar und wie!"), realisierte ich: "Huch! Jetzt habe ich fuffzehn Fotos von nem Fremden!"
Sohnemann war dankbar, dass wir da waren. Dass er in Herrn Blau einen interessierten und auch kundigen Gesprächspartner fand, dem er alles zeigen und mit dem er fachsimpeln konnte. Erst zum Abschied sagte er: "Habt ihr mitbekommen, dass es eine Bombendrohung gab? Drei Verdächtige sind festgenommen worden."
Nein, das hatten wir nicht. Ich hatte auch erst im Zuge der Veranstaltung realisiert, dass es sich hier nicht um den reinen Akt der Vereidigung handelte, sondern um einen Tag der offenen Tür, mit dem die Bundeswehr Interessierte für sich zu gewinnen versuchte. Später las ich in den Nachrichten und auch auf Facebook, wie kritisch dieser Werbeversuch aufgenommen wurde.
Ich habe meine Meinung nicht geändert, was Auslandseinsätze betrifft. Ich will nach wie vor nicht, dass mein Kind in einen Krieg zieht und geopfert wird für das Machtgebaren irgendwelcher Typen, die daheim gesichert in ihren weichen Sesseln sitzen, während so sinnlos für ihre Gier nach mehr und immer mehr Macht und Reichtum "da draußen" gestorben wird. Dass unsere Kinder den Preis für andere zahlen.
Aber mir ist durchaus bewusst, dass es nicht die Bundeswehr ist, die den Krieg veranstaltet.
Mir ist durchaus bewusst, dass die Bundeswehr nicht nur in die Kriege zieht, sondern auch im eigenen Land ordentlich mit zupackt, wenn zum Beispiel Katastrophen über uns hereinbrechen, so wie jüngst, als Schlamm und Geröll lawinenartig in die Ortschaften gestürzt sind.
Als ich noch klein war, glaubte ich, dass das Leben voller Sonne und auch friedlich wäre. Dass es keinen Krieg mehr gab, in dem Söhne, Väter, Großväter auf dem Feld blieben und nie wieder heimkehrten. Dass das alles lange her und vorbei war. Nicht vergessen - aber vorbei, für immer.
Später in der Schule kritzelten wir die Schulbänke voll "Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin!"
Wir lagen im Gras, den Halm oder die Blume im Mund und die einzige Sorge, die ich hatte, war die, ob mich kein ekliger Käfer bestieg.
Wir waren so unglaublich sorglos!
Erst mit dem Krieg in Jugoslawien realisierte ich: "So weit weg ist das alles nicht. Das war doch ein Land wie wir es sind."
Gibt es eigentlich auch nur einen einzigen Staat ohne eine intakte Armee?
Wie realistisch ist ein Staat ohne Armee?
Wie realistisch ist ein Staat ohne Verteidigung in einem Ernstfall?
Wie angreifbar ist ein Staat ohne Verteidigung?
Diese Fragen stellte ich mir gestern Abend, nachdem ich das Posting einer Politikerin las:
Im ersten Moment dachte ich, ich hätte mich verlesen.
Glaubt sie allen Ernstes, dass die Frauen und Männer, die sich freiwillig zum Bund gemeldet haben, auch freiwillig in einen sinnlosen Krieg ziehen wollen?? Als gäbe es nichts anderes, für das man sich einsetzen wolle?
Glaubt sie allen Ernstes, es ist die Bundeswehr, die die Kriege macht und die verantwortlich ist für all den Schwachsinn, der in der Welt geschieht?
Ist es nicht eher so, dass gerade in den oberen weichen Sesseln darüber entschieden wird, was passiert und woran man sich beteiligt?
Dann wieder fiel mir der Satz von der Schulbank ein "Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin!"
Wie wäre es denn, wenn die Bundesregierung befiehlt "Ab morgen seid ihr da und dort" und alle Soldaten wären sich einig: "Nicht mit uns!" ?
Die Bundeswehr entlassen ginge ja nicht - ein Land braucht doch ein Verteidigungsorgan, oder?
Und als ich am Samstag den Platz betrachtete, auf dem ein verschwindend geringer Teil des Platzes eingenommen wurde von denen, die sich rekrutieren ließen, da dachte ich an die früheren Jahre, als der Vater, der Mann vereidigt wurden. So viele, dass der Platz kaum reichte. Weil sie mussten. Weil sie gar keine Wahl hatten.
Heute sehen wir die, die eine Wahl hatten. Wir sehen die, die wollten.
Die etwas beitragen wollen zur Stütze, die etwas beitragen wollen zur Verteidigung, wenn es sich zu verteidigen gilt.
Die aber nicht in einen Krieg ziehen wollen.
Zu Schröders Zeiten, das gebe ich zu, war ich wesentlich weniger politikinteressiert als ich es heute bin. Aber eins ist mir hängengeblieben: Schröder hat unsere Söhne, unsere Männer nicht in den Krieg geschickt. Der hat sich durchgesetzt, egal, was der Ami sagte.
Mein Sohn will nicht beim Bund bleiben, der will es noch mal bei der Polizei versuchen - in ein paar Monaten. Ob er etwas dadurch gewinnt oder verliert, vermag ich nicht zu beantworten.
Vor wenigen Wochen haben wir eine vierstündige Reportage über die Polizei, über die Menschen dahinter gesehen. Von beiden Seiten wird auf sie gespuckt, mit Flaschen geworfen, mit Steinen, mit was-weiß-ich.
Ich bin eine Mama, die genauso wie jede Mutter, wie jeder Vater Angst um das eigene Kind hat.
Die sich die Blümchenwiese-Mentalität von einst zurückwünschte.
Und die im Gegenzug genau weiß, wie unrealistisch das war und ist.
Ja Frau Wagenknecht, vielleicht wäre es besser, weniger Parolen zu posten als das zu tun, wofür sie eigentlich bezahlt werden: eine ordentliche Politik mit und für den Menschen. Aber wem sage ich das!
Ich las ihn, als ich mir Sohnemanns Stube ansah, seinen Bettenbau und auch das Innenleben seines Spinds begutachtete und mir dies und das erzählen ließ.
Sohnemann ist vereidigt worden letzten Samstag - und wir waren dabei. Sohn I, Herr Blau und ich.
Geschätzte fünfzehn Fotos hatte ich "im Kasten", als Herr Blau mich fragte:
"Bist du sicher, dass das dein Junge ist?"
"Na klar! Guck doch mal - der Rundrücken, den hat nur einer, das ist meiner. Und die Finger! Und das Profil! Und die Ohren! Na klar ist das mein Sohn, ich kenne doch mein Kind!"
Erst als die Eltern und Angehörigen auf den Platz durften, um ihre Kinder zu fotografieren ("Habt ihr euch nicht wie die Affen im Zoo gefühlt?" - "Na klar und wie!"), realisierte ich: "Huch! Jetzt habe ich fuffzehn Fotos von nem Fremden!"
Sohnemann war dankbar, dass wir da waren. Dass er in Herrn Blau einen interessierten und auch kundigen Gesprächspartner fand, dem er alles zeigen und mit dem er fachsimpeln konnte. Erst zum Abschied sagte er: "Habt ihr mitbekommen, dass es eine Bombendrohung gab? Drei Verdächtige sind festgenommen worden."
Nein, das hatten wir nicht. Ich hatte auch erst im Zuge der Veranstaltung realisiert, dass es sich hier nicht um den reinen Akt der Vereidigung handelte, sondern um einen Tag der offenen Tür, mit dem die Bundeswehr Interessierte für sich zu gewinnen versuchte. Später las ich in den Nachrichten und auch auf Facebook, wie kritisch dieser Werbeversuch aufgenommen wurde.
Ich habe meine Meinung nicht geändert, was Auslandseinsätze betrifft. Ich will nach wie vor nicht, dass mein Kind in einen Krieg zieht und geopfert wird für das Machtgebaren irgendwelcher Typen, die daheim gesichert in ihren weichen Sesseln sitzen, während so sinnlos für ihre Gier nach mehr und immer mehr Macht und Reichtum "da draußen" gestorben wird. Dass unsere Kinder den Preis für andere zahlen.
Aber mir ist durchaus bewusst, dass es nicht die Bundeswehr ist, die den Krieg veranstaltet.
Mir ist durchaus bewusst, dass die Bundeswehr nicht nur in die Kriege zieht, sondern auch im eigenen Land ordentlich mit zupackt, wenn zum Beispiel Katastrophen über uns hereinbrechen, so wie jüngst, als Schlamm und Geröll lawinenartig in die Ortschaften gestürzt sind.
Als ich noch klein war, glaubte ich, dass das Leben voller Sonne und auch friedlich wäre. Dass es keinen Krieg mehr gab, in dem Söhne, Väter, Großväter auf dem Feld blieben und nie wieder heimkehrten. Dass das alles lange her und vorbei war. Nicht vergessen - aber vorbei, für immer.
Später in der Schule kritzelten wir die Schulbänke voll "Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin!"
Wir lagen im Gras, den Halm oder die Blume im Mund und die einzige Sorge, die ich hatte, war die, ob mich kein ekliger Käfer bestieg.
Wir waren so unglaublich sorglos!
Erst mit dem Krieg in Jugoslawien realisierte ich: "So weit weg ist das alles nicht. Das war doch ein Land wie wir es sind."
Gibt es eigentlich auch nur einen einzigen Staat ohne eine intakte Armee?
Wie realistisch ist ein Staat ohne Armee?
Wie realistisch ist ein Staat ohne Verteidigung in einem Ernstfall?
Wie angreifbar ist ein Staat ohne Verteidigung?
Diese Fragen stellte ich mir gestern Abend, nachdem ich das Posting einer Politikerin las:
Im ersten Moment dachte ich, ich hätte mich verlesen.
Glaubt sie allen Ernstes, dass die Frauen und Männer, die sich freiwillig zum Bund gemeldet haben, auch freiwillig in einen sinnlosen Krieg ziehen wollen?? Als gäbe es nichts anderes, für das man sich einsetzen wolle?
Glaubt sie allen Ernstes, es ist die Bundeswehr, die die Kriege macht und die verantwortlich ist für all den Schwachsinn, der in der Welt geschieht?
Ist es nicht eher so, dass gerade in den oberen weichen Sesseln darüber entschieden wird, was passiert und woran man sich beteiligt?
Dann wieder fiel mir der Satz von der Schulbank ein "Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin!"
Wie wäre es denn, wenn die Bundesregierung befiehlt "Ab morgen seid ihr da und dort" und alle Soldaten wären sich einig: "Nicht mit uns!" ?
Die Bundeswehr entlassen ginge ja nicht - ein Land braucht doch ein Verteidigungsorgan, oder?
Und als ich am Samstag den Platz betrachtete, auf dem ein verschwindend geringer Teil des Platzes eingenommen wurde von denen, die sich rekrutieren ließen, da dachte ich an die früheren Jahre, als der Vater, der Mann vereidigt wurden. So viele, dass der Platz kaum reichte. Weil sie mussten. Weil sie gar keine Wahl hatten.
Heute sehen wir die, die eine Wahl hatten. Wir sehen die, die wollten.
Die etwas beitragen wollen zur Stütze, die etwas beitragen wollen zur Verteidigung, wenn es sich zu verteidigen gilt.
Die aber nicht in einen Krieg ziehen wollen.
Zu Schröders Zeiten, das gebe ich zu, war ich wesentlich weniger politikinteressiert als ich es heute bin. Aber eins ist mir hängengeblieben: Schröder hat unsere Söhne, unsere Männer nicht in den Krieg geschickt. Der hat sich durchgesetzt, egal, was der Ami sagte.
Mein Sohn will nicht beim Bund bleiben, der will es noch mal bei der Polizei versuchen - in ein paar Monaten. Ob er etwas dadurch gewinnt oder verliert, vermag ich nicht zu beantworten.
Vor wenigen Wochen haben wir eine vierstündige Reportage über die Polizei, über die Menschen dahinter gesehen. Von beiden Seiten wird auf sie gespuckt, mit Flaschen geworfen, mit Steinen, mit was-weiß-ich.
Ich bin eine Mama, die genauso wie jede Mutter, wie jeder Vater Angst um das eigene Kind hat.
Die sich die Blümchenwiese-Mentalität von einst zurückwünschte.
Und die im Gegenzug genau weiß, wie unrealistisch das war und ist.
Ja Frau Wagenknecht, vielleicht wäre es besser, weniger Parolen zu posten als das zu tun, wofür sie eigentlich bezahlt werden: eine ordentliche Politik mit und für den Menschen. Aber wem sage ich das!
Dienstag, 7. Juni 2016
Es gibt da so Tage...
...da frage ich mich: Wenn ich es schaffe, einen Tag lang im Bett zu bleiben, die Decke über den Kopf gezogen lassen, die Vorhänge zugezogen lassen - ob dann dieser Tag also sozusagen gar nicht passiert und ich somit kein Jahr älter würde?
Es gibt da so Tage, so ab einer gewissen Zahl... da wäre das... irgendwie... ganz okay. Eigentlich :)
Freitag, 3. Juni 2016
Sommer-Styling-Tipps für die Frau ab 40 - Made by Vibesbild
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Ich muss immer und immer wieder lachen, vor allem über Punkt 6 und 8 - herrlisch!!!!
Danke NaNa - für diesen wunderbaren Einklang in das ersehnte Wochenende!
P.S. Ich hab das erste Mal was "rebloggt", wusste aber nicht wirklich, wie das hier bei blogger geht. Ich hoffe, das ist so in Ordnung für Dich :)
Donnerstag, 2. Juni 2016
Zitterpartie
Mit den Krankenkassen ist das ja immer so eine Sache: Solange man nur einzahlt und möglichst nicht krank wird, also was zurückhaben will, ist die Welt völlig in Ordnung. (Das trifft sicherlich auf noch ganz viele andere Bereiche zu, ist jetzt aber nicht mein Thema.)
Erstes Erkennungsmerkmal eines Privatpatienten ist ja, glaube ich, die stark verkürzte Wartezeit auf irgendwelche Termine.
Ob das nun in der Realität tatsächlich daran liegt - ich bin mir da mittlerweile gar nicht mehr soooo sicher. Als ich noch in L wohnte, konnte ich mich zum Beispiel über lange Wartezeiten nicht beschweren - und ich bin Kassenpatient. Im Gegensatz musste Herr Blau selbst als Privatpatient - jedenfalls für seine Verhältnisse - ungewohnt lange auf die einen oder anderen Termine warten.
Lustig wurde es dann, als seine Kasse eine App einführte, wonach man die Rechnungen mit dem Handy einscannen und hochladen konnte. (Natürlich geht eine Privatkasse davon aus, dass ein privat Versicherter auch über entsprechendes Equipment verfügt! Klaro.) Begründung: Man wolle den Papieraufwand einschränken. Eine sehr löbliche Sache, wie ich finde. Würden sie nicht auf jede einzelne hochgeladene Rechnung mit mehrseitigen (!) Briefen antworten. Ein Witz. Ein Lacher. Lächerlich. Umso mehr dann, wenn man dann telefonisch Fragen zu diesen Briefen stellt - und als Reaktion wieder mehrseitige Briefe bekommt. Wozu hat man dann einen Onlinezugang zur Kasse oder eine hinterlegte E-Mail-Adresse? Gibts nämlich bei meiner - und ich bin... Genau!
Seit ich hier in M wohne, gehe ich bevorzugt zum Hausarzt (oder bleibe einfach mal zu Hause *ha ha*); die.. äh.. Dienste eines Facharztes musste ich bislang noch nicht in Anspruch nehmen. (In der Gynäkologie war ich nur ein einziges Mal, ich war danach so erschüttert und.. wie soll ich sagen.. leicht traumatisiert, dass ich mir sagte: "Für den Termin einmal im Jahr kannste auch weiterhin in L gehen!")
Als ich vor vier Wochen meine erste Hepatitis-Impfung in Empfang nahm, wurde ich das erste Mal vor einer Impfung sogar untersucht, ob die Lymphdrüsen auch nicht geschwollen sind und so'n Zeugs. Da dachte ich noch: "Hat er heut Zeit oder braucht er Geld?"
Also hielt ich dem Doktor meine rechte Hand hin und sagte: "Gucken Sie sich die mal an, die zittert schon seit Ewigkeiten. Und wenn ich heute wieder nach Hause komme und sage, dass ich Sie wieder nicht drauf angesprochen habe, bekomm ich Ärger von meinem Mann."
Er hat gelacht und sich das Zittern angeschaut.
"Nur rechts?"
"Nur rechts."
"Seit wann?"
"Äh... Genau genommen seit August 2006, kleines Andenken an den Unfall. Hatte mich am Kopf verletzt und es hieß, das könne daher kommen."
"War das immer schon so oder ist das schlimmer geworden."
"S hat bisschen zugenommen. So wie ich."
Doch - ich kann ziemlich witzig sein, vor allem dann, wenn ich unsicher bin oder das Gefühl habe, es wird eng für mich. Galgenhumor ist eine meiner wenigen Stärken.
"So ein Tremor kann natürlich verschiedenste Ursachen haben, meistens liegts am Stress."
HA - hätte ich ja am liebsten ausgerufen und mir begeistert auf den Schenkel geklatscht! Genau DAS ist nämlich auch meine Vermutung, deshalb auch hatte ich die Hand nie jemandem vorgezeigt - und Herr Blau hat mich angefaucht: "Du weißt natürlich wieder alles!" und ich habe gesagt: "Nicht alles, aber ich kenne MICH."
Also hatte ich doch recht?
"ABER wir müssen das neurologisch klären", sagte er, "eigentlich wäre es beidseits, wenn es am Stress liegt."
Ach na ja, was heißt schon eigentlich? Ihr glaubt ja kaum, was man in 10 Jahren Schmerzgeschichte alles so zu hören bekommt, was EIGENTLICH alles sein müsste, könnte, sollte.
Und weil die Neurologie im selben Haus sitzt, dachte ich, ich geh wegen nem Termin gleich mal vorbei. Dort schlug man mir den 8. Juni vor - und entschuldigte sich, dass das dann eben erst in 5 Wochen wäre! DAS ist mir in rund 20 Jahren Kassenpatient noch nie passiert!
Wir haben uns dann auf den 13. geeinigt, glücklicherweise ist das kein Freitag, sondern ein Montag.
Wobei... Montage sind ja irgendwie auch nicht mehr die allerbesten Tage ;)
Ich denke, selbst wenn ich über gewisse Einkünfte verfügen würde, bliebe ich Kassenpatient: Ich habe keinen Stress mit irgendwelchen Rechnungen und werde auch freundlich, höflich und relativ zeitnah bedient. Und bei all dem, das ich in den letzten 10 Jahren schon der Schmerzen wegen aus- und rumprobiert habe, gab es nie Stress mit der Kasse, wurde alles anstandslos bezahlt. Herz, wat will ick mehr?
Erstes Erkennungsmerkmal eines Privatpatienten ist ja, glaube ich, die stark verkürzte Wartezeit auf irgendwelche Termine.
Ob das nun in der Realität tatsächlich daran liegt - ich bin mir da mittlerweile gar nicht mehr soooo sicher. Als ich noch in L wohnte, konnte ich mich zum Beispiel über lange Wartezeiten nicht beschweren - und ich bin Kassenpatient. Im Gegensatz musste Herr Blau selbst als Privatpatient - jedenfalls für seine Verhältnisse - ungewohnt lange auf die einen oder anderen Termine warten.
Lustig wurde es dann, als seine Kasse eine App einführte, wonach man die Rechnungen mit dem Handy einscannen und hochladen konnte. (Natürlich geht eine Privatkasse davon aus, dass ein privat Versicherter auch über entsprechendes Equipment verfügt! Klaro.) Begründung: Man wolle den Papieraufwand einschränken. Eine sehr löbliche Sache, wie ich finde. Würden sie nicht auf jede einzelne hochgeladene Rechnung mit mehrseitigen (!) Briefen antworten. Ein Witz. Ein Lacher. Lächerlich. Umso mehr dann, wenn man dann telefonisch Fragen zu diesen Briefen stellt - und als Reaktion wieder mehrseitige Briefe bekommt. Wozu hat man dann einen Onlinezugang zur Kasse oder eine hinterlegte E-Mail-Adresse? Gibts nämlich bei meiner - und ich bin... Genau!
Seit ich hier in M wohne, gehe ich bevorzugt zum Hausarzt (oder bleibe einfach mal zu Hause *ha ha*); die.. äh.. Dienste eines Facharztes musste ich bislang noch nicht in Anspruch nehmen. (In der Gynäkologie war ich nur ein einziges Mal, ich war danach so erschüttert und.. wie soll ich sagen.. leicht traumatisiert, dass ich mir sagte: "Für den Termin einmal im Jahr kannste auch weiterhin in L gehen!")
Als ich vor vier Wochen meine erste Hepatitis-Impfung in Empfang nahm, wurde ich das erste Mal vor einer Impfung sogar untersucht, ob die Lymphdrüsen auch nicht geschwollen sind und so'n Zeugs. Da dachte ich noch: "Hat er heut Zeit oder braucht er Geld?"
Also hielt ich dem Doktor meine rechte Hand hin und sagte: "Gucken Sie sich die mal an, die zittert schon seit Ewigkeiten. Und wenn ich heute wieder nach Hause komme und sage, dass ich Sie wieder nicht drauf angesprochen habe, bekomm ich Ärger von meinem Mann."
Er hat gelacht und sich das Zittern angeschaut.
"Nur rechts?"
"Nur rechts."
"Seit wann?"
"Äh... Genau genommen seit August 2006, kleines Andenken an den Unfall. Hatte mich am Kopf verletzt und es hieß, das könne daher kommen."
"War das immer schon so oder ist das schlimmer geworden."
"S hat bisschen zugenommen. So wie ich."
Doch - ich kann ziemlich witzig sein, vor allem dann, wenn ich unsicher bin oder das Gefühl habe, es wird eng für mich. Galgenhumor ist eine meiner wenigen Stärken.
"So ein Tremor kann natürlich verschiedenste Ursachen haben, meistens liegts am Stress."
HA - hätte ich ja am liebsten ausgerufen und mir begeistert auf den Schenkel geklatscht! Genau DAS ist nämlich auch meine Vermutung, deshalb auch hatte ich die Hand nie jemandem vorgezeigt - und Herr Blau hat mich angefaucht: "Du weißt natürlich wieder alles!" und ich habe gesagt: "Nicht alles, aber ich kenne MICH."
Also hatte ich doch recht?
"ABER wir müssen das neurologisch klären", sagte er, "eigentlich wäre es beidseits, wenn es am Stress liegt."
Ach na ja, was heißt schon eigentlich? Ihr glaubt ja kaum, was man in 10 Jahren Schmerzgeschichte alles so zu hören bekommt, was EIGENTLICH alles sein müsste, könnte, sollte.
Und weil die Neurologie im selben Haus sitzt, dachte ich, ich geh wegen nem Termin gleich mal vorbei. Dort schlug man mir den 8. Juni vor - und entschuldigte sich, dass das dann eben erst in 5 Wochen wäre! DAS ist mir in rund 20 Jahren Kassenpatient noch nie passiert!
Wir haben uns dann auf den 13. geeinigt, glücklicherweise ist das kein Freitag, sondern ein Montag.
Wobei... Montage sind ja irgendwie auch nicht mehr die allerbesten Tage ;)
Ich denke, selbst wenn ich über gewisse Einkünfte verfügen würde, bliebe ich Kassenpatient: Ich habe keinen Stress mit irgendwelchen Rechnungen und werde auch freundlich, höflich und relativ zeitnah bedient. Und bei all dem, das ich in den letzten 10 Jahren schon der Schmerzen wegen aus- und rumprobiert habe, gab es nie Stress mit der Kasse, wurde alles anstandslos bezahlt. Herz, wat will ick mehr?
Mittwoch, 1. Juni 2016
Nicht meine Woche, irgendwie
...und dabei ist die noch relativ jung.. Trotzdem alt genug, um mir das Wochenende herbeizusehnen. Tür zumachen, niemanden reinlassen, Telefone aus.
Aber ich bin auch selber schuld. Erfahrungsresistent vermutlich, denn eigentlich sollte ich zumindest die einen oder anderen Dinge begriffen haben. Zum Beispiel die, dass, wenn man sich einen Tag frei nimmt, dass man dann auch verdammt noch mal frei macht und NICHT arbeitet...
Denn so fing der
Montag
an: Bei etwas über 200 Überstunden und der vergangenen, irgendwie dreifach (aus Gründen) anstrengenden Woche und der Kenntnis über die Abwesenheit des Chefs stellte ich den entsprechenden Gleitzeitantrag.
"Aber du lässt dein Handy an? Dass man dich mal kurz anrufen kann, wenn was ist?"
Und ich dumme Nuss knicke wie immer ein und sage "Ja okay." Wieso mache ich immer wieder denselben Scheiß? Nur weil ich zu Hause bleiben wollte, nix vorhatte, aber einfach mal ausspannen und meine Ruhe haben wollte? Weil man nicht immer nur arbeiten soll? Und weil ich schon das Wochenende verschlief und Herr Blau sich auch langsam fragt, ob ich nur noch zum Schlafen heimkomme, weil ich schon wieder auf Reisen bin, kaum dass die Home Office-Tage rum sind?
Ab sofort - das habe ich mir geschworen - sind an freien Tagen sowohl Festnetz und auch das Handy aus - und über mein dienstliches Mailpostfach werde ich einen gekonnten Haken schlagen, der mindestens die Kunstnote 6,0 verdient.
In diesen vermiesten Vormittag passte die Nachricht von Herrn Blau: "Mist! Fahrkarte vergessen, ist noch in der Tasche vom Biergarten, und ausgerechnet heute kontrollieren die!"
Fast wurde er noch der Polizei vorgeführt, weil er lediglich seinen Dienstausweis mit sich trug und er als personifizierter Freak eine Kopie für den Fahrgastbetrieb aus Datenschutzgründen verweigerte. "Ihnen muss doch reichen, dass Sie hier meinen Namen mit meinem Foto sehen - Sie sehen doch, dass ich das bin!"
Schlussendlich reichte das auch - und alle Aufregung hatte ich am frühen Nachmittag bereits wieder vergessen, als er mich an-whatsappte: "Hast du nun eigentlich heute frei?"
"Ja, schon", antwortete ich.
"Magst du mich dann abholen? Dann können wir auf dem Heimweg das bestellte Sushi holen."
Ich fand mich ziemlich organisiert, dass ich vorher noch die Arbeit abschloss, die Hausarbeit erledigte, den Einkauf, den Besuch in der Apotheke (die zweite Impfung steht demnächst an, dann sollte ich für Indien gewappnet sein) - und den Kauf eines Anschlusstickets über meine neue App. Die Apotheke liegt zwar am Weg, aber von ihr aus betrete ich von einer anderen Seite den U-Bahn-Bereich, verwechselte demzufolge die Richtungen (wer lesen kann, ist ja auch klar im Vorteil!) und bemerkte erst an der zweiten Station, dass ich in die falsche Richtung fuhr. Kichernd schickte ich Herrn Blau eine Nachricht "Wenns mal wieder länger dauert..." und stieg diesmal in die richtige U-Bahn. Erst nach dem Umsteigen am Großen Tor antwortete er: "Wieso U-Bahn? Ich dachte, du kommst mit dem Auto?"
"Davon hast du nix gesagt! Und mit dem Auto durch den Berufsverkehr ist ja nun wirklich keine Freude hier!"
"Hm. Na hast du dann auch meine Fahrkarte mitgebracht. Du weißt, ich hab heut keine?"
Ups.
Da war ja noch was.
Leider nein!
Also hat er sich ein Ticket gekauft, obwohl er ja eigentlich eine Jahreskarte besitzt (stirbt man jetzt ja aber auch nicht von) und dirigierte das Sushi um ("Sie müssen uns das nun doch bringen, klappt nicht mit der Abholung." - "Wir liefern aber nicht in Ihren Stadtteil." Man einigte sich dann auf die Übermittlung der Bestellung an die lieferbereite Filiale im anderen Stadtteil und meinte: "Dann verkaufen wir Ihre Bestellung hier im Laden." Puh.)
"Tut mir echt leid", gab ich mich zerknirscht, "war wohl nicht mein Tag."
Der Dienstag
war dann aber irgendwie auch nicht besser - gefühlt tausend Dinge wollen und sollen erledigt werden, so dass man weder zum lange notwendigen Zahnarztbesuch (außerhalb der Dienstzeit, freilich) noch zu seinen eigentlichen Aufgaben kommt, für die ich dann gleich am
Mittwoch
morgen einen Anschiss kassierte. "Du wolltest doch eigentlich...!"
Nun hatte mein Tag ja ohnehin schon 5.00 Uhr begonnen. Und das nur, weil Herr Blau um 5.30 Uhr zum Flieger musste und ich - zwar schlaftrunken, aber immerhin in Gemeinschaft - mit ihm ein guten-Morgen-Käffchen trank. "Kannst dich dann ja noch mal hinlegen", meinte er zum Abschied.
Feine Sache, wenn man weiß, dass man noch mal zwei Stunden Schlaf hätte.
Eigentlich!
Denn - BÄÄMMM - um exakt 5.45 Uhr wirkte das Koffein - und so las ich stattdessen Blogposts, Nachrichten bei Facebook (ja, ich habe mich wiederbelebt ;)) und schaltete um 6.40 Uhr die Morgennachrichten ein. Es stimmt übrigens, dass dieser Kick nur kurzzeitig anhält und man hernach noch müder ist als zuvor, aber dann war es leider auch schon 8.00 Uhr - Zeit, den Rechner anzuknipsen und das Diensthandy anzustellen.
Anruf Chef gestern Abend 20.11 Uhr?
"Ja, aber da hatte das Prinzesschen ihr Handy schon aus!" wurde ich alsdann unfreundlich angeschnarrt und fast war ich versucht, den Chef daran zu erinnern, dass ich Angestellte bin, keine Leibeigene. Rund um die Uhr muss ich nicht erreichbar sein - oder sehe ich das falsch?
"Wozu hast du eigentlich ein Diensthandy?"
"Du kannst es gerne wiederhaben, wenn es bedeutet, dass ich immer erreichbar sein muss", habe ich dann (zugegeben) zurückgegrollt und mir dann noch den Anschiss für eine andere, nicht mal mich betreffende Sache abgeholt.
"Ganz ehrlich? Wenn ich das alles höre, bin ich froh, dass ich das Telefon gestern schon aus hatte und mir das am Abend nicht mehr anhören musste!"
Tja.
Tag gelaufen.
Erst nach dem dritten aufeinanderfolgenden Kaffee hatte ich den Drang, ein paar Frust- und Wuttränen zu heulen, mit dem Koffein erfolgreich runtergeschluckt.
Jetzt bin ich zwar nicht mehr wütend und auch nicht mehr traurig, aber jetzt bin ich müde und wäre dann bereit fürs Wochenende. Mehr als bereit.
Aber ich bin auch selber schuld. Erfahrungsresistent vermutlich, denn eigentlich sollte ich zumindest die einen oder anderen Dinge begriffen haben. Zum Beispiel die, dass, wenn man sich einen Tag frei nimmt, dass man dann auch verdammt noch mal frei macht und NICHT arbeitet...
Denn so fing der
Montag
an: Bei etwas über 200 Überstunden und der vergangenen, irgendwie dreifach (aus Gründen) anstrengenden Woche und der Kenntnis über die Abwesenheit des Chefs stellte ich den entsprechenden Gleitzeitantrag.
"Aber du lässt dein Handy an? Dass man dich mal kurz anrufen kann, wenn was ist?"
Und ich dumme Nuss knicke wie immer ein und sage "Ja okay." Wieso mache ich immer wieder denselben Scheiß? Nur weil ich zu Hause bleiben wollte, nix vorhatte, aber einfach mal ausspannen und meine Ruhe haben wollte? Weil man nicht immer nur arbeiten soll? Und weil ich schon das Wochenende verschlief und Herr Blau sich auch langsam fragt, ob ich nur noch zum Schlafen heimkomme, weil ich schon wieder auf Reisen bin, kaum dass die Home Office-Tage rum sind?
Ab sofort - das habe ich mir geschworen - sind an freien Tagen sowohl Festnetz und auch das Handy aus - und über mein dienstliches Mailpostfach werde ich einen gekonnten Haken schlagen, der mindestens die Kunstnote 6,0 verdient.
In diesen vermiesten Vormittag passte die Nachricht von Herrn Blau: "Mist! Fahrkarte vergessen, ist noch in der Tasche vom Biergarten, und ausgerechnet heute kontrollieren die!"
Fast wurde er noch der Polizei vorgeführt, weil er lediglich seinen Dienstausweis mit sich trug und er als personifizierter Freak eine Kopie für den Fahrgastbetrieb aus Datenschutzgründen verweigerte. "Ihnen muss doch reichen, dass Sie hier meinen Namen mit meinem Foto sehen - Sie sehen doch, dass ich das bin!"
Schlussendlich reichte das auch - und alle Aufregung hatte ich am frühen Nachmittag bereits wieder vergessen, als er mich an-whatsappte: "Hast du nun eigentlich heute frei?"
"Ja, schon", antwortete ich.
"Magst du mich dann abholen? Dann können wir auf dem Heimweg das bestellte Sushi holen."
Ich fand mich ziemlich organisiert, dass ich vorher noch die Arbeit abschloss, die Hausarbeit erledigte, den Einkauf, den Besuch in der Apotheke (die zweite Impfung steht demnächst an, dann sollte ich für Indien gewappnet sein) - und den Kauf eines Anschlusstickets über meine neue App. Die Apotheke liegt zwar am Weg, aber von ihr aus betrete ich von einer anderen Seite den U-Bahn-Bereich, verwechselte demzufolge die Richtungen (wer lesen kann, ist ja auch klar im Vorteil!) und bemerkte erst an der zweiten Station, dass ich in die falsche Richtung fuhr. Kichernd schickte ich Herrn Blau eine Nachricht "Wenns mal wieder länger dauert..." und stieg diesmal in die richtige U-Bahn. Erst nach dem Umsteigen am Großen Tor antwortete er: "Wieso U-Bahn? Ich dachte, du kommst mit dem Auto?"
"Davon hast du nix gesagt! Und mit dem Auto durch den Berufsverkehr ist ja nun wirklich keine Freude hier!"
"Hm. Na hast du dann auch meine Fahrkarte mitgebracht. Du weißt, ich hab heut keine?"
Ups.
Da war ja noch was.
Leider nein!
Also hat er sich ein Ticket gekauft, obwohl er ja eigentlich eine Jahreskarte besitzt (stirbt man jetzt ja aber auch nicht von) und dirigierte das Sushi um ("Sie müssen uns das nun doch bringen, klappt nicht mit der Abholung." - "Wir liefern aber nicht in Ihren Stadtteil." Man einigte sich dann auf die Übermittlung der Bestellung an die lieferbereite Filiale im anderen Stadtteil und meinte: "Dann verkaufen wir Ihre Bestellung hier im Laden." Puh.)
"Tut mir echt leid", gab ich mich zerknirscht, "war wohl nicht mein Tag."
Der Dienstag
war dann aber irgendwie auch nicht besser - gefühlt tausend Dinge wollen und sollen erledigt werden, so dass man weder zum lange notwendigen Zahnarztbesuch (außerhalb der Dienstzeit, freilich) noch zu seinen eigentlichen Aufgaben kommt, für die ich dann gleich am
Mittwoch
morgen einen Anschiss kassierte. "Du wolltest doch eigentlich...!"
Nun hatte mein Tag ja ohnehin schon 5.00 Uhr begonnen. Und das nur, weil Herr Blau um 5.30 Uhr zum Flieger musste und ich - zwar schlaftrunken, aber immerhin in Gemeinschaft - mit ihm ein guten-Morgen-Käffchen trank. "Kannst dich dann ja noch mal hinlegen", meinte er zum Abschied.
Feine Sache, wenn man weiß, dass man noch mal zwei Stunden Schlaf hätte.
Eigentlich!
Denn - BÄÄMMM - um exakt 5.45 Uhr wirkte das Koffein - und so las ich stattdessen Blogposts, Nachrichten bei Facebook (ja, ich habe mich wiederbelebt ;)) und schaltete um 6.40 Uhr die Morgennachrichten ein. Es stimmt übrigens, dass dieser Kick nur kurzzeitig anhält und man hernach noch müder ist als zuvor, aber dann war es leider auch schon 8.00 Uhr - Zeit, den Rechner anzuknipsen und das Diensthandy anzustellen.
Anruf Chef gestern Abend 20.11 Uhr?
"Ja, aber da hatte das Prinzesschen ihr Handy schon aus!" wurde ich alsdann unfreundlich angeschnarrt und fast war ich versucht, den Chef daran zu erinnern, dass ich Angestellte bin, keine Leibeigene. Rund um die Uhr muss ich nicht erreichbar sein - oder sehe ich das falsch?
"Wozu hast du eigentlich ein Diensthandy?"
"Du kannst es gerne wiederhaben, wenn es bedeutet, dass ich immer erreichbar sein muss", habe ich dann (zugegeben) zurückgegrollt und mir dann noch den Anschiss für eine andere, nicht mal mich betreffende Sache abgeholt.
"Ganz ehrlich? Wenn ich das alles höre, bin ich froh, dass ich das Telefon gestern schon aus hatte und mir das am Abend nicht mehr anhören musste!"
Tja.
Tag gelaufen.
Erst nach dem dritten aufeinanderfolgenden Kaffee hatte ich den Drang, ein paar Frust- und Wuttränen zu heulen, mit dem Koffein erfolgreich runtergeschluckt.
Jetzt bin ich zwar nicht mehr wütend und auch nicht mehr traurig, aber jetzt bin ich müde und wäre dann bereit fürs Wochenende. Mehr als bereit.
Mittwoch, 25. Mai 2016
Ride On!
Ich bin müde.
Scheiße, bin ich müde, ich Weichei.
In mir stecken noch die zweitausend Kilometer vom Wochenende - und so, wie man den Stress erst an sich bemerkt, wenn er nachgelassen hat, so ist es wohl auch mit der Erschöpfung.
"Wie hieß das Getränk noch mal, das dich so wachgehalten hat?" hatte ich Sohn II gefragt. "War das Monster oder Red Bull?"
"Monster wars. Aaaaber! Wir haben in der Fahrschule gelernt, dass du das nicht trinken sollst, weils dich erst puscht und dann nach dreißig Minuten noch müder macht als du vorher warst. Und überhaupt, es hat nur beim ersten Mal gewirkt. Beim zweiten Mal hab ich irgendwie keine Wirkung mehr festgestellt."
OK, das wär blöd. Echt blöd.
Also bin ich wie immer zur eiskalten Cola umgestiegen.
Ich weiß, das ist leichtsinnig. Man soll nicht fahren, wenn man müde ist. Punkt.
Deshalb hatte ich mir den Montag auch noch frei genommen - aber auch wenn ich nix Entsprechendes getrunken oder sonstwie zu mir genommen hatte - ich konnte weder ausschlafen noch mich tagsüber irgendwie mal zur Ruhe legen.
Die Müdigkeit kam dann schlagartig gestern am späten Nachmittag. Perfektes Timing, sagte sich wohl Herr Blau, denn der letzte gemeinsame Abend bis zum Wochenende hatte sich damit dann auch erledigt.
Nun checke ich die letzten Mails, packe gähnend ein paar Sommersachen ein - Petrus zum Trotz, aber es soll ja jetzt wieder schön werden, und suche mir grad ein paar Songs aus, die mich während der Fahrt unterhalten sollen. Zur Not auch diesen hier im Dauerrepeat - diesmal reist ja niemand mit, auf den ich Rücksicht nehmen muss. Aber ich finde ihn echt geil, den Song, und er belebt mich.
Bin schon gespannt auf die kleine Monsterhütte - auch wenn ich sagen muss, dass das über die letzten Monate hin echt besser geworden ist. Und ja, mir ist durchaus bewusst, dass die große Ordnungsaktion exakt erst einen Tag vor meiner Anreise gestartet wird. Mir egal - solange ich nicht zwischen allem möglichen KrimsKrams schlafen muss. Den Rest sollen sie unter sich ausmachen.
Irgendwer sagte mir auch mal, dass es in 90 % der junge-Leute-Single-Haushalte so aussähe wie bei den Söhnen, ich mich also entspannen solle. Na dann mache ich das doch glatt :)
Dienstag, 24. Mai 2016
...die Zeit, die wir haben
Lieber Herr Blau, wir kennen uns jetzt so viele Jahre. Jahre, in denen wir uns aus den Augen verloren, uns nicht zueinander bekennen wollten oder konnten. Jahre, in denen wir uns fanden und doch nicht zueinander finden wollten.
Heute hören wir den anderen sagen, was wir gerade dachten. Dann schauen wir einander an und lächeln und sagen: Das gibts doch eigentlich nicht.
Heute sagt der andere etwas, das wir nicht verstehen und nicht hinnehmen wollen, wir verstehen nicht immer einander - doch heute finden wir immer wieder den Weg aufeinander zu.
Manchmal nachts, wenn du neben mir schläfst, lege ich meinen Kopf an deinen Rücken und lausche dem Schlag deines Herzens. Begreife einmal mehr die Endlichkeits des Seins - und die Unendlichkeit des Liebens.
Ich sehe dein Lächeln, deine Schmunzelecken, die ich so liebe, und dann denke ich: Ich möchte verdammt noch mal alles tun, dass du immer einen Grund findest, so zu lächeln.
Dieser Tage bin ich in einem anderen Blog versunken. Dem Blog einer Frau, die sich so sehr die Liebe wünscht. Die so oft verzweifelt nachts in die Kissen geweint hat - und es gerade wieder tut.
Die noch nicht dort angekommen ist, wo sie sich glücklich fühlt. Geliebt. Gewollt.
Ich lese ihre Zeilen, Wort für Wort sauge ich in mir auf und erkenne mich überall wieder.
An jene Nächte.
An jene Tage.
An jenen Schmerz.
An das Aushalten müssen.
An all die Fragen ohne Antworten.
An die Wortlosigkeit.
An die Leere im Bauch.
An die Verzweiflung und die immer wiederkehrende Frage: "Was verdammt ist so falsch an mir?"
Heute weiß man vielleicht von einer Krankheit, die in vielleicht fünf Jahren einen anderen Menschen aus einem machen mag. Und das Gefühl haben, es liefe einem die Zeit davon.
Vielleicht ist das so.
Aber was wissen wir denn schon, was morgen ist? Wo wir heute noch dachten, alles wäre gut?
Wir wissen doch alle nichts.. Gar nichts..
Die Hoffnung ist es, die einem immer bleibt. Das ist meine Überzeugung.
Montag, 23. Mai 2016
...die immer lacht!
Lieber großer Bruder, liebe L.,
wir danken Euch sehr, dass wir an Eurem großen Tag dabei sein konnten und durften, dass wir Euch begleiteten dabei, wie aus dem souveränen Mann einer mit dicken Tränen in den Augen wurde, dem die Worte fehlten - und dass Ihr uns allen zeigtet, dass man auch nach Jahren noch wundervoll ineinander verliebt sein kann. (Ist ja nicht so, dass wir das nicht selber wüssten - aber Ihr wisst schon, wie ich das meine :))
Ich danke Euch dafür, dass ich einmal mehr daran erinnert wurde, dass ich so gar nicht singen und tanzen kann - und dennoch eine unvergleichliche Freude bei all dem empfinde, während ich beides trotzdem tu. Dass ich Titel singe und betanze, so wie diesen hier, die ich für gewöhnlich gar nicht höre - und jetzt im Nachhinein trotzdem eine grenzenlose Gänsehaut entwickle, weil der Song mich an Euren wunderbaren Tag erinnert und daran, wie herzlich viel wir gelacht, getrunken, getanzt und geschwatzt haben.
Wir wünschen Euch hier noch mal von ganzem Herzen eine wunderbare Ehezeit - denn was lange gedauert hat, wurde endlich gut! Alles Glück der Welt und ganz viel Liebe!
Aus gegebenem Anlass *kreisch*:
Das auf dem Foto oben rechts in der ersten Reihe ist NICHT Herr Blau, sondern Sohnemann I :)
Herr Blau ist auf dem Foto ganz links in der ersten Reihe (ich bin eingekreist von Herrn Blau und meinem anderen Bruder) und auf dem ersten in der zweiten Reihe. Dass ich sein Gesicht "übermalt" habe, war übrigens sein Wunsch :)
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