Freitag, 30. November 2012

Selbst ist die Frau

Sohnemann wunderte sich.
"Es ist doch erst halb sechs und du willst schon schlafen gehen?"
Sechs Stunden Klinik können einen schon schaffen, aber davon weiß der Knabe glücklicherweise noch nichts. Davon ahnte nicht mal ich was, als ich heute Morgen Punkt Acht Uhr Dreißig im Labor ankam und mir anschließend ein roter Zettel für die Klinik in die Hand gedrückt wurde. "Sie fahren jetzt sofort da hin."
Dort verbrachte ich die meiste Zeit auf einer Liege, eine Infusion nach der anderen, leider kein Fröhlichmacherzeugs wie damals nach dem Unfall, und mittlerweile bin ich so zerstochen, dass ich bei einer Drogenrazzia durchaus in Erklärungsnöte käme.
"Ihre Milz ist zu groß", runzelte der Ultraschaller und ich witzelte: "Na Gott sei Dank, ich befürchtete schon, Sie würden mir das von meiner Leber sagen."
Dafür war der Blutdruck wieder in den behaglichen 80er Bereich abgerauscht, was mir zusätzliche Infusionen einbrachte. "Ihnen fehlt Flüssigkeit", sagte die Schwester entschuldigend und ich guckte auf den Beutel, den sie mir da anhängte. "Wenn Sie mir mal meine Tasche gäben, da is auch noch ne Flasche Wasser drin."
Große Klappe meinerseits, ich weiß - aber mein einziges wirksames Allheilmittel im Kampf gegen die Widrigkeiten des Seins. Wenigstens schaff ich das noch aus eigener Kraft und muss dazu nicht erst Pillen schlucken.
Als ich zwei Etagen höher geschoben wurde in eine kleine Kammer mit zwei Monitoren und einem Arzt und ich diesen fiesen schwarzen Schlauch sah, wurde ich mutig: "Ohne Spritze lass ich Sie da aber nicht rein!"
Er hat mich angeschmunzelt, das ist das letzte, woran ich mich erinnern kann.
Als ich erwachte, lag ich abseits in Nummer Drei, meine Papiere lagen auf meinen Beinen und irgendwo sah ich da einen roten Stempel. Aha. Übeltäter gefunden, Schnelltest positiv. Na dann kann ich ja jetzt erst mal nach Hause fahren.

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"Können Sie nicht!" schaute mich die Schwester entgeistert an. "Nach einer Narkose dürfen wir Sie nicht gehen lassen. Auch nicht zur Bahn. Sie müssen abgeholt werden." Ja toll. Und von wem? Junior I könnte in frühestens drei Stunden da sein und Junior II besitzt leider keinen Mopped-Führerschein. Stellte ich mir übrigens witzig vor: Junior II auf einem Mopped und Mutter Helma hängt hinten drauf und schläft im Fahrtwind... Ich könnt jetzt glatt ein Comic dazu malen. Na ja vielleicht morgen. Außerdem liegt Junior II selber grad auf 'nem Krankenlager und täte sich bedanken, würde ich sagen: "Los, steig in die Bahn und gib deiner Mutti Begleitschutz." 
Erst mal jedenfalls bekam ich meinen Arztbrief und die Instruktion, wie es weitergehen würde.
"Wer holt Sie ab?"
"Ich ruf meinen Sohn an. Wenns Ihnen nix ausmacht, würd ich gern draußen vor der Tür warten. Ich muss mal an die frische Luft." Sechs Stunden Krankenhausmief gehen einem echt auf die Lunge. Verstand sie.
Manchmal ist es gut, dass Krankenschwestern etwas überlastet sind. Da ist es nämlich OK, wenn Patientin H vor die Tür geht - und nicht mehr wiederkommt :)
Zunächst ging ich nämlich  in den angrenzenden Supermarkt, auch um meine Aufmerksamkeit und die Sinne zu testen, und weil das ganz gut funktionierte, ging ich anschließend direkt zu meinem Auto. Hey, bis nach Hause sinds zehn Minuten, das werde ich ja wohl hinkriegen. Natürlich kriegte ich das hin. 
Wie lange ich nun anschließend schlief, weiß ich nicht. Mich hatte das Ding-Dong einer eingehenden Handynachricht geweckt. Böse war ich darüber nicht: Es hatte mich aus einem Traum geweckt, von dem ich mir sage "Es geht wohl wieder los, oder was?" Ich weiß noch, dass ich im Auto saß, dass ich von zwei Männern verfolgt wurde, dass ich mich sichern wollte von wegen innen alles verriegeln und so - aber nicht konnte.
Der Nachteil ist nur... Ich bin jetzt wach, hellwach sozusagen - und keiner spricht mit mir oder antwortet mir.  Außer der Magen. Vorlautes Ding.

Mittwoch, 28. November 2012

Tombola des Grauens

Früher mochte ich das gar nicht - die Gleichmütigkeit des Lebens. Ein stiller Fluss des Lebens, der gemächlich und jeden Tag auf dieselbe Weise den Weg hinunterspülte.
Dann begann es, das andere aufregende Leben und ich lernte, für mich allein zu entscheiden, für mich allein zu leben.

Ja... Wenn ich heute so resümiere, dann habe ich wohl nicht gut auf mich geachtet. Nicht genug auf mich geachtet. Hab ich zuviel auf andere geachtet und mich selbst dabei verloren?

Heute Abend, ungefähr drei Monate, nachdem alles begann, habe ich mich endlich mal auf den Weg zu meinem Doc gemacht. Irgendwie ging nix mehr und selbst ein Sturmichel wie ich musste einsehen: "Jünger wirste eben oooch nich." Auch die unter der Hand angepriesenen Hausmittel wie Heilerde vermochten ihren Dienst nicht zu verrichten. Und das Zeug schmeckt wirklich wie.... "Datt is wohl een Vorgeschmack für viel später, oder?" richtete ich noch ein Grinsen in die Mittagsrunde.

Und so schwang heut Abend  der Doc das Rädchen, die Tombola des Grauens und was kam dabei heraus?
"Sie haben den Hauptpreis, Sie haben ein Magengeschwür gewonnen!"
Mein allererster Gedanke ging zu meines Vaters Worten, der ja immer zu sagen pflegt: "Spotte nicht mit der Eule, das is auch nur 'n Vogel." Und hatte ich nicht erst letzte Woche noch im trauten Kollegenkreis gewitzelt: "Wenn das hier so weitergeht, krieg ich noch ein Magengeschwür!"? Ja Helma... Hättste dir lieber mal einen besseren Witz einfallen lassen. Frei nach: Wenn das so weitergeht, werde ich Bundeskanzler.
Dann kann ich auf Staatskosten durch die Welt reisen, Briefe unterzeichnen, die andere für mich ausgedacht und auch gleich noch geschrieben haben, sowie mich auf ein Kaffeekränzchen einladen bei denen, die Millionen Schulden verursacht haben, nur um dort sinnieren, wie wirs anderen Leuten wieder aus der Tasche ziehen.
Ha ha!
Schon wenn ich drüber nachdenk oder über die saftige Strompreiserhöhung, die mir gestern ins Haus geflattert kam,  da bekomm ich ein zweites... nein nein nein, ich sprechs besser nicht aus, man weiß ja nie, ich habs kapiert!

Mein Puls war vermutlich auch nicht der Beste, mein EKG will er morgen noch mal wiederholen und beim Blutdruck staunte er: "155?" Das wollt ich gar nicht glauben. Dafür, dass er für gewöhnlich im 90er Bereich rumkriecht (mir kommt grad so in den Sinn... Diese Größenordnung könnte sich ja mal meine Hüfte vom Blutdruck abgucken? Wie war das noch mit Teamgeist?), staunten wir nun in geeinter Zweisamkeit, doch wischte ich seine Bedenken kurzerhand vom Tisch: "Wissense, datt is bestimmt noch von vorhin, isch hab misch förchterlich offgerescht beim Autofahren!" Da hat er dann doch gelacht, der Doc, und mir drei gnadenlose Zettel präsentiert.
Ein Rezept für den Magen.
Ein Belehrungszettel für das morgige Labor.
Und einen gelben Zettel für die amtlich verordnete Auszeit.
Den Tombola Bonus gabs dann noch gratis mit auf den Weg: "Wenn das bis Montag nicht besser ist, weise ich Sie in die Klinik ein." è basta. Da kennt er kein Pardon, der Doc.
Aber er kennt mich eben nicht. Die Helma Ziggenheimer. Das nordische Unkraut, das nicht vergeht.  Die hat mal eben ihr Hamsterrad gestoppt. Vielleicht kapiert sies ja jetzt endlich. Besser spät als nie.

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Montag, 26. November 2012

The Person You Are Calling Is Not Available At Present

Es hat heute ungefähr nur eine Stunde gedauert, dann meinte der Chef zu mir: "Du bist heute so ernst, du machst mir richtig Angst." Nachdem er mir noch zweimal dieses oder ähnliches unter die Nase rieb, platzte mir der Kragen: "Muss ich denn hier jeden Tag den Clown machen?"
Ich glaube, er war mindestens genauso erschrocken wie ich.
Und natürlich habe ich mich auch dafür entschuldigt. Also wenigstens für den Knalleffekt. Für die Worte an sich nicht. Ich glaube, er verstand, was ich sagen wollte.

Vielleicht wars ein typischer Montags-Blues (wobei, dem unterliege ich doch sonst nicht?), mich nervte jedenfalls schon am frühen Morgen die schätzungsweise dreißigjährige Oma mit ihrem scheiß Winzmini, die erst abrupt vor der grünen Ampel abbremste und stehenblieb??? (klar, es hätte ja auch mal wieder rot werden können!!) und dann stadtauswärts richtig schön mittig auf beiden Spuren fuhr, damit auch ja niemand an ihr vorbeikam!
Und wer beim Führerscheinlehrgang aufgepasst hat, weiß, dass an einer Kreuzung, wo sich zwei Autos gegenüberstehen, derjenige warten muss, der links abbiegen will. Wenn aber der Vollidiot von gegenüber wartet und wartet und wartet und erst dann gemächlich auch auf links abbiegen stellt - da könnte ich glatt über die Decke von New Blue hinauswachsen und Null Komma Drei Millisekunden!!!

Ja, mein Wochenende war einfach nur schön - und mein einziger Lichtblick. Alles andere nervt mich momentan komplett an.
Am meisten ärgert mich, wenn Leute mir ihre Meinungen aufzwingen nach dem Motto: "Es ist so, weil ich es so sehe."
Aha. Nur weil ich nicht jeden Tag dauerpräsent bin im Internet, ist jeder, der dort wartet, mein Notnagel für die Zeit, wenn ich mal wieder da bin. Vorzugsweise übrigens unter der Woche und jedes zweite oder dritte Wochenende. So ein Schwachsinn ey, da könntsch echt ausflippen. Zum einen beanspruche ich nie niemals, dass jeder mit mir dazusein hat. Oder dass ich mich beklagen würde, wenn andere eben auch mal anderes zu tun haben als das Internet. Zum anderen, und das dürfte dem einen oder anderen Kritiker aufgefallen sein, bin ich immer weniger online präsent. Zumindest bei Fratzenbuch oder im privaten Mail-und-Chat-Bereich.
Bei anderen heißts dann nur: "Ja hallo, ich hatte zu arbeiten." Ja was glauben die, was ich mache??? Ringelpietz mit Anfassen oder was??? Ich weiß auch gar nicht, wieso ich so einen Scheiß überhaupt rechtfertige. Es gibt nicht mal was rechtzufertigen. Wenn ich kann, bin ich da. Wenn ich nicht kann, bin ich nicht da. Und wenn hier jemand meint, das wäre nur an ausgewählten Wochenenden so, dann ist das sein Problem, nicht meins.

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Was mich zusätzlich fertigmacht, aber so richtig fertigmacht, ist, dass ich in Streitigkeiten hineingezogen werde, die im Grunde nur am Rande mit mir etwas zu tun haben, wenn denn überhaupt - und wer ist am Ende die Blöde? Na klar.
Es kann nur eine geben.
Nämlich ich.
Wenn ich also offenbar keine Grenzen gezogen krieg, dann probier ichs ab sofort mit einem Feuerkreis. Das schreckt die einen oder anderen dann vielleicht ab, überhaupt erst an mich heranzutreten.
Ja, ich bin heute richtig RICHTIG mies drauf, und auch, wenn man das von mir normal so nicht kennt, ist es so und ich entschuldige mich auch nicht dafür. Ich habs echt bis oben hin, hingehalten, beschuldigt oder auch verarscht zu werden.
Immer nur da sein zu sollen, wenns grad gebraucht wird - und sonst kann ich mich gern trollen und kriege auch noch eine an den Latz dafür, dass ich Fragen beantworte.
Phhh.
Mir reichts.
Ich muss mich jetzt mal einfach nur um mich selber kümmern - und ich will es auch so. Wenn sich jeder selbst der Nächste ist, soll auch keiner über mich meckern. Schließlich habe ich seit zehn Tagen Magenschmerzen, seit drei Monaten wildes Herzstolpern - aber nett, dass wenigstens eine mal nach mir gefragt hat.
Also: Coming Soon. Oder auch nicht. Ich schalte meine Telefone aus und lese Mails nur noch dann, wenn ich das möchte. Und beantworten tu ich sie erst, wenn ich es kann. Jetzt gehts mir einfach mal nur um mich.
È basta.

Sonntag, 25. November 2012

Well Done! Oder: Der Sonntagskrimi

Ich gebe es zu: Ich bin einer der Fernsehzuschauer, die, wenn sie zu Hause sind, ständig irgendwie den TV laufen haben - damit überhaupt jemand zu mir spricht - aber nur selten hinschauen, geschweige denn von etwas gefesselt werden.
Als ich noch jünger war, war ich begeisterter Anhänger von ER - Emergency Room. Davor oder danach war ich mindestens ebenso glühender Anhänger von Ally McBeal. Und die ersten Staffeln von Greys habe ich auch noch treu mitverfolgt. Aber dann... Irgendwie muss ich gestehen, gibt es immer weniger zu sehen, von dem man sagen kann: Das MUSS man unbedingt gesehen haben.
Entweder sind die Sendungen derart mit Werbeblöcken zugespammt, dass eine Folge von eigentlich dreißig Minuten auf Minimum hundertzwanzig Minuten gedehnt wird, so dass ich in der Regel vor dem ersehnten Ende einschlafe oder entnervt vorher wegschalte - oder aber es wird einem ein derart geistiger Bullshit serviert, dass ich mich immer noch frage, wieso wir eigentlich nicht die Fernsehanstalten verklagen können für den täglichen Missbrauch unserer Sinne.
Klar kann ichs ausschalten - aber wer spricht dann noch mit mir? Meine Söhne nur, wenn sie merken, dass irgendwas fehlt. Essen. Trinken. Manchmal nicht mal das.

Was ich aber doch in den letzten Monaten immer häufiger schaue, ist das Formel 1-Rennen. Dass der Schuhmacher ein ausgesprochen guter Fahrer ist, würde ich auch gar nicht bestreiten wollen. Meine Sympathie gehört trotzdem dem Vettel. Ich mag dessen Auftreten. Seine Bescheidenheit. Seinen Kampfgeist.
Und was heute Nachmittag ablief, würde ich getrost als Krimi zum Sonntag anpreisen, noch vor dem Tatort. Mal nicht auf Pole, ok, aber dann gleich noch nach dem Start auf den letzten Platz zurückfallen, sich nach vorn kämpfen, Boxenstops, wieder zurückfallen, wieder vorkämpfen, Regen, Unfälle, Schlenker én masse, da wusste man echt bis zur letzten Runde nicht: Packt ers noch oder doch nicht?
Er hats gepackt!! Der kleine Große. Ein Glückwunsch auch von mir vom Sofa aus. Den Sieg hat er sich echt verdient. Klasse. Sowas guck ich gern. Reality TV der anderen Art :)

Doch jetzt husch ich ins Bett mit Wärmflasche und echtem chinesischen Tee. Der einzige, der meinen Magenschmerzen etwas entgegensetzen kann. Na denn Prost.

Freitag, 23. November 2012

No Chance For Spams!

Gut zehn Jahre bin ich jetzt im Internet unterwegs - und ward irgendwie immer verschont von irgenwelchen Leuten, die dieses Handwerkszeug "Internet" nicht zu bedienen wissen - oder aber so für sich nutzen, was im Öffentlich-Rechtlichen bei uns gerne auch unter "Nepper - Schlepper - Bauernfänger" im TV lief.

Ich hab mich schon auf dieses zehnjährige Jubiläum gefreut, die dieses Event vorbereitende, handgeführte Liste in meiner Küche ist lang: Champagner, Trüffel (aus Schokolade bitte, von den anderen krieg ich Hals- & Magenkatarrh, und nein, aus mir wird kein Gourmet mehr. Vermutlich liegt das, wie diese meinige hessische Kratzstimme jetzt wieder zustimmend nicken wird, daran, dass  ich kaum über gewisse Grenzen hinausgezogen bin. Egal.), ich dachte an frisches exotisches Obst aus Übersee, ich dachte an eine rauschende Ballnacht im eigens geschneiderten... äh... gekauften Kleid.... Nun ja. Geld gespart: Aus der Party wird nix.

Abgesehen von Stalking Fred bekomm ich seit Neuestem auch diese blöden Spam-Mails, wo du erst noch freudig denkst: "Hurraaa, ein Kommentar ist daaa!" und dir dann das Grinsen im selben Moment wieder gefriert: Irgendwer will dir da Schuhe, Handtaschen, was weiß ich alles noch verkaufen. Behalt deine Gürtel, du Schnalle! Wenn ich was erwerben will, dann zumeist und am liebsten bei einem gemütlichen Bummel in der City, wo ich neben meinem Lieblingskaffee mit viiiieeel Milch vor allem erst mal SEHE, was ich da kaufe. Ich kanns anfassen, zur Not auch beschnuppern, ich kann fühlen, obs kratzt, beißt oder juckt - und dann nach einem gekonnten Blick aufs Preisschild entweder zuschlagen oder fallenlassen "Mit mir doch nicht, ihr Deppen."
Hatte ich eigentlich schon erwähnt, dass ich eine der (an dieser Stelle) Minderheiten bin, die immer noch in D-Mark umrechnen? Da wird der Beschiss nämlich erst richtig sichtbar und ach haut mir doch ab von wegen: Strom und Export und Steuer und schlag mich tot ist doch auch alles teurer geworden. Klar. Meine Miete aber auch. Mein Benzin auch. Und?
Und nein, schon aus Prinzip kaufe ich heute keinen einzigen Artikel, der in Euro teurer ist als es der D-Mark-Preis war. Seh ich gar nicht ein. Und auf die Falle "30 % gespart" fall ich auch nicht so einfach rein. Schließlich wissen wir, dass Ihr die Preise vorsorglich erst mal angehoben habt, damit der Fall auf in Wahrheit 10 % Nachlass nicht ganz so schmerzhaft wird.

Ob die Betreiber von Blogs schon ahnten, was auf die einen oder anderen Blogger zukommen könnte? Ich bin jedenfalls heilfroh, dass es auch hier eine Kommentarmoderation gibt, die es mir erlaubt, eine Runde ZEWA zu spielen: "Mit einem KLICK ist alles weg!" No Chance for you, my Spam - und keiner hats gesehen. Hä hä hä!

Der Jungbrunnen

Pro und Contra der Schönheitsoperationen. Ich meine, seien wir doch ehrlich: Was an den meisten Frauen unter uns ist schon noch echt? Ich kann da richtig pingelig anführen:

a) die Haarfarbe
b) das Braun der Haut
c) die Farbe der Fingernägel
d) das Makeup.

Klar denkt man bei Schönheits-OPs zuallererst an eine anständige Oberweite, die sich nicht gleich in die Tiefe stürzt, sobald sie losgelassen. An Lippen, auf die selbst Godmother Angelina Jolie neidisch wär und von denen Dein eigener Göttergatte einen Infarkt bekommt, weil er glaubt, im Halbdunkel seines Schlafzimmers sei Adele persönlich neben ihm aufgetaucht, die noch zu nachtmahlen gedenkt.
Wir denken an Po-Implantate... nein... ich korrigiere mich, so denken maximal die Minderheit oder die gelangweilten Millionärsgattinnen von Übersee. Wir, die stattliche Mehrheit (huch, was für ein Wortspiel, fiel mir erst im Nachhinein auf :)), denken an unsere Bauch-Beine-Po-Problemzone und wie man sich derer auch ohne Schere, Tupfer & Skalpell entledigen kann.

Was hat sich also die Industrie für die geplagte Mehrheit ohne Sponsor einfallen lassen? Genau.
"Kaschiere das, was dir an dir nicht gefällt, indem du betonst, was dir an dir gefällt."
Dazu siehe Punkte a bis d. Oder auch die Modeindustrie mit all ihren Accessoires: Wird das BH-Körbchen immer größer, trage bitte Rollkragenpullover und besorg dir schicke Ohrringe. Zwar habe ich so  meine Zweifel, ob das Ohrgeschmeide tatsächlich die männlichen Blicke auf sich lenken kann, aber na ja... Positiv denken!
Auch wirksam: Ein großer starker Partner, neben dem du aussiehst wie die Jungfer zart. Na gut, oder wenigstens ein großer Hund, meine Güte!

Das Nächstliegende, die Diät, wissen wir nämlich: ist Selbstbetrug. Ich sehs an meiner nahen Verwandten: Während sie mit ihrer Freundin telefoniert und deren allerneuesten Diättips zugesteckt bekommt, versteckt ihr Mann schon mal die Kreditkarte. Immer mal ein paar neue Klamotten ist ja dank H&M heutzutage kein Aufhebens mehr, aller halben Jahre allerdings eine neue Komplettausstattung, das ist schon eine Größe für sich.

Ja und wenn das alles nichts nutzt... Dann sehen wir eben wenigstens jung aus! Wie das funktionieren kann, las ich gestern im world wide web:

1. Essen Sie dreimal täglich Früchte oder Gemüse, die Vitamin C enthalten.
    Das kann Sie auf Dauer um bis zu 6 Jahre jünger machen.
2. Verzehren Sie jeden Tag kalziumreiche Nahrungsmittel: fettarme Milch und Milchprodukte,
    Fisch, Nüsse, grünes Blattgemüse. Profit: 1,2 Jahre
3. Reinigen Sie täglich Ihre Zähne gründlich mit Bürste und Zahnseide - das kann bis zu
    6,4 Jahre bringen.
4. Fahren Sie mit dem Auto nie schneller als erlaubt, verwenden Sie den Sicherheitsgurt und
    telefonieren Sie dabei nie mit dem Handy:
    Jugendgewinn: Bis zu 3,4 Jahre
5. Nehmen Sie nur die notwendigen Arzneimittel, diese aber genau nach Vorschrift ein.
    Wenn Sie das nicht tun, verschenken Sie ein Jahr.
6. Frühstücken Sie konsequent jeden Tag, das macht Sie über 1 Jahr jünger.
7. Schlafen Sie ausreichend. Frauen sollten 6,5 bis 7,4, Männer 7,5 bis 8,4 Stunden schlafen.
    (Leider stand hier nicht, wie viel Jahre mir das bringt - is aber auch eh wurscht bei meinem...
    äh... gestörten Verhältnis zum Schlaf.)
8. Geben Sie das Rauchen auf, es bringt rund acht Jahre Jugend.
    Hahahahahaaaaaaaa!!! Das hier wird besonders meine kratzige Stimme in Hessen freuen -
    den ewigen Verfechter des Stinkstengels mitten im Gesicht!!!
9. Treiben Sie regelmäßig Ausdauersport, das macht Sie langfristig um 6 Jahre jünger.
 
     (Quelle: www.obx-medizindirekt.de)

OK. Summiere ich also alles auf, könnte ich, wenn ich mich jetzt nicht vertan hab, glatte 33 Jahre einsparen. Ich hätte meine Pubertät noch vor mir und das Frau-Werden mit allem, das leider dazugehört. Das Schlimmste aber wäre... Ich müsste jetzt schnell mal jemanden anrufen und warnen: "Weißt du eigentlich, wie viel Jahre auf Verführung Minderjähriger steht? Eh du wieder rauskommt, bin ich inzwischen aber wenigstens erwachsen!"
Da ich aber noch nie im Leben rauchte, kann ich mir die 8 Jahre jetzt schon aufschlagen und erreiche damit die zarte Volljährigkeit. Nummer 1 bis 3 ist selbstverständlich, Nummer 4 rechne ich mir anteilmäßig an (ich bin Gurtverfechter!), für Nummer 5 stände mir eigentlich ein Bonuspunkt zu, weil ich aus der Schmerzklinik entlassen wurde mit dem Vermerk im Arztbrief "Medikamentös inkooperative Patientin" und auch sonst halte ich diese Kügelchen & Co. eher für Teufelszeug, Punkt 6 schaffe ich locker - zum Leidwesen meines Chefs (um 8 ins Büro kommen, 5 Minuten nach 8 den PC starten und 10 Minuten nach 8 die Stullen auspacken), Punkt 7 und 8 haben wir schon geklärt und Punkt 9... Gabs einen Punkt 9???

Macht also Minimum 25,6 eingesparte Jahre für mich - und schwupps, bin ich... ach du scheiße... 17,4 Jahre alt. Nein danke. Nicht das ganze Theater noch mal von vorn. Also entweder lasse ich Punkt 1 und 2 jetzt auch noch weg - oder ich mach ab heute jede Nacht durch. Aber dann seh ich vermutlich in fünf Tagen aus wie Else Kling. Isses mir DAS wert?? Dann doch lieber Punkte a bis d.
Mann ey, haben wir Frauen vielleicht Sorgen!

Montag, 19. November 2012

Verwarnung! Oder: Ein neuer Fall für Porsch?

Ich bekenne mich:
Ich bin Mieter.
Und als Mieter bekenne ich mich schuldig des unberechtigten Parkens im Hof. Zum zweiten Mal seit sechs Jahren. Lächerlich. Einfach nur... lächerlich!
Na ja. Was heißt schon unberechtigt. Man darf dort parken zum Be- und Entladen. Ich hab doch nix anderes gemacht. Ich habe mich letzte Nacht um exakt 22.35 Uhr entladen und mich heute Morgen Punkt 7.15 Uhr beladen. Was dazwischen lag, weiß nur die Morgenamsel und die hat mir folgendes unter den Scheibenwischer getwittert:


Ich weiß - auch ohne in einschlägigem Rechtsmaterial zu lesen - dass das Parken im Hinterhof nicht gestattet ist. Eigentlich nicht. Aber darum gehts grad nicht.

Mir gehts darum:
Ich kenne die Handschrift, ich weiß genau, wer mir hier seinen Morgensenf gezwitschert hat - und ich habe oft genug zur Kenntnis bzw. hingenommen, dass deren Kinder mit Enkelkindern ihr Fahrzeug auf haargenau denselben Platz abstellen, stundenlang - und das am hellichten Tage!
Darüber habe ich mich nie niemals aufgeregt, keine dämlichen Zettel drangepappt oder aber - was ich persönlich ja IMMER zuallererst bevorzuge, nämlich den direkten Weg: an deren Haustür geklingelt.
Warum also kann man in diesem gottverdammten Haus nicht einfach mal den Mund aufmachen und einen freundlichen Hinweis geben, wenn man hier denn schon einen auf selbsternannten Hilfssheriff machen will? Dann hätte ich dem guten Herrn schon erklärt, dass es sich um einen Notfall handelte und dass ich, wie er auch weiß (schließlich beobachtet er mich jeden Morgen und jeden Abend, wenn ich gehe oder komme) durchaus in der Lage bin, den Straßenrand als Stellplatz zu benutzen. Was mir übrigens innerhalb eines Jahres einen demolierten Außenspiegel rechts und links einbrachte. Nicht nur mir, übrigens.
Aber wenn wirklich mal Not am Mann ist, wenns den Eigentümer UND die Hausverwaltung noch nicht auf den Plan gerufen hat (zweimal in sechs Jahren - ich wollts nur noch mal gesagt haben) - warum wagt es dann irgendso ein Typ, der seit geschätzten dreißig Jahren im Ruhestand ist, jede Woche die Hausverwaltung belästigt mit irgendwelchen Anzeigen (datt hat mir die Hausverwaltung mal gesteckt, so hinter vorgehaltener Hand), selber kein Auto besitzt und überhaupt auch sämtliche Zuwegungen von mir freigelassen wurden, mir solche Frechheiten an meine Scheibe zu pappen, grad wenn sies selbst nicht besser machen???
Hat der eigentlich kein eigenes Leben?
Oder - schlimmer noch: Hat der vielleicht kein Sexleben mehr? Das würde immerhin seine Unausgeglichenheit erklären!
Zumindest aber hat er eine eigene Tür, vor der ER erst mal kehren sollte!
Jedenfalls habe ich inzwischen den Zettel verzehnfacht (ein Hoch auf die Farbkopierer!) - dann muss der Gute das nicht jedesmal neu schreiben, auch nicht für die eigenen Kinder. 

Nur eins will mir nicht in den Kopf: WIESO SOLL ICH MICH BEI DEM NOCH ENTSCHULDIGEN???

Die Aufklärung folgte auf dem Fuße: "Du musst meine Nachrichten schon richtig lesen.. Du sollst nur einen Zettel ins Haus hängen mit der Bemerkung: Wer war das, ich würde mich gerne entschuldigen. Dann weißt du wenigstens erst mal, wers überhaupt war." 
Aha. Weiß ich aber schon - ich kenne die Handschrift! Ich wohne lang genug in diesem gottverdammten Haus! Sechs Jahre sind eine Ewigkeit - bei solchen Nachbarn!
Und heute Abend hole ich mir Fiffi von nebenan, füttere den ordentlich mit Keks und Cola und schick ich ihn eine Treppe tiefer rechts vor die Tür!



Und dann kann Porsch von mir aus auch zu mir kommen. Ich warte schon mit Kaffee ohne Kekse - und dann kann der nette Herr Anwalt meinem Nachbarn erklären, wer hier eigentlich die Steuern zahlt, die der da bemühen will. Und dass es - wie in den allermeisten Fällen - auch ganz anders geht!

Samstag, 17. November 2012

Wolle Thai Massage in Angebot?

Beim Begriff "Thai Massagen" denkt natürlich jeder (ich nehme mich da nicht aus) an gewisse erotische Dienste, bei denen die klassische Massage eine wohl eher untergeordnete Rolle spielt.
Insofern zog sich mir so ein mini kleines bisschen die Augenbraue hoch, als es hieß "Kostet nur 28 Euro, eine halbe Stunde lang - los, wir machen das!"

Ich hab mich darauf eingelassen. Auf eine ganz klassische Thai Massage ohne HappyEnd. So heißt das nämlich. Wusst ich auch noch nicht. (Was weiß ich überhaupt?) Im wahren Leben fahr ich ja voll aufs HappyEnd ab, gerade bei Love Stories. Hier aber bevorzugte ich natürlich ohne.

Und so begab ich mich in diesen kleinen, aber ausgesprochen feinen Laden inmitten einer unscheinbaren Häuserzeile.
"Aussiehn bitte, Obaköpa flei, auch BH, bitte an Hake hänge, alles aus, nur Hose nich, Hosa aba logga machen."
Hallo. Hose saß  schon locker bitte sehr. Seit ich nämlich kaum noch Kekse esse... Aber egal.
Ich legte  mich auf eine extra breite Massageliege und dann fing das Spiel ganz langsam an. Fast hätte ich laut losgelacht, denn eigentlich war dies eine Massage für meine Kopf-Schulter-Nacken-Problemzone - und womit begann sie? An den Füßen! Etwaige Rückschlüsse auf meine physische Beschaffenheit bitte ich übrigens an dieser Stelle zu unterlassen. Danke.
Als sie mit ihren kleinen Händen endlich auf dem Rücken angelangt war, fragte ich mich noch, warum immer alle sagen, die Asiatinnen hätten eine festen.... AAAAAAAAARRRRGGGAAAAAUUUAAAAA!!
Sie hatte mich gepackt! An den Stellen, die ohnehin schon schmerzten, zack, ein Griff und mir standen die Haare zu Berge, dass ich mich fühlte wie Tina Turner auf Speed. Mir verging Hören und Sehen, da auf dieser King-Size-Liege, ich unterdrückte tapfer jeden Schmerzeslaut und nur manchmal zappelte ich hilflos mit den Füßen "Aufhören bitte!"
Und nun fragte auch ich mich, woher so kleine zarte Wesen einen derart festen Handgriff haben! Punktgenau finden sie jede noch so kleine Problemzone und drücken so lange darauf herum, bis du das Gefühl hast, du bestehst nur noch aus Kopf-Schulter-Nacken. Ein sorry an die deutschen Kollegen - aber Ihr seid dagegen echt die Meister mit den Puddingfingern.
Als ich nach der halben Stunde mit deutschen Puddingknien quasi von der Liege fiel, schmerzte mir alles, wirklich alles, aber irgendwie fühlte ich mich dankbar, glücklich und bereits nach dem angebotenen heißen Ingwertee ein bisschen wie neugeboren.
Eigentlich stand ja nach der Massage ein ausgedehnter Spaziergang auf dem Plan.
Spaziergang?
Der Weg führte auf direktem Weg nach Hause und dort direkt in das Bett. Dort schlief ich geschlagene zwei Stunden. Boah ey, war ich k.o.!
Und jetzt? Mir tut nix mehr weh. Mir gehts super, ich bin fit und in meiner Handtasche steckt der Flyer zum Erwerb einer Fünfer-Karte.

Donnerstag, 15. November 2012

Vom Schein und Sein

In Zeiten meiner frühen Singlezeiten nach meiner Ehe überredete mich ja meine Freundin zum Internet. Meine erste Begegnung mit dem "Mann aus dem Katalog". Na ja. Ziemlicher Schinken, wenn Ihr mich fragt :)
Aber versteht mich nicht falsch: Noch heute bezeichne ich es als eine der größten Erfindungen. Und Schindluder wird ja mit allem Möglichen getrieben.

Mich überrascht also nicht, dass aus Muddi einem Kampfgewicht von 134 Kilo in nur ein paar Minuten der Profilbeschreibung eine junge, lebenserfahrene, süße Schnecke wird, die dir nachts die Sinne raubt und tagsüber alle deine Wünsche erfüllt: Komm naggisch, bring Essen mit. Und während du armer Teufel noch glaubst, sie fände dich so geil, dass sie gleich 6 Kinder von dir haben wolle, sitzen diese 6 hungrigen Mäuler längst an einem Tisch und hoffen, dass Muddi endlich einen Versorger mit heimbringt, der länger bleibt als zehn Minuten. 

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Mich überrascht auch nicht, dass der gut situierte Vaddi zu seinem zwanzig Jahre alten Profilfoto gleich noch sein Haus, seine Yacht und seinen Sportwagen mit inseriert und dann nachts den Mond anheult: "Ihr Mägdelein, kommet!"

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Was mich aber doch immer noch überrascht, ist: Wenn die Wahrheit ans Tageslicht gerät (dezimiere mal 60 Kilo in drei Tagen!), ist nicht die Kampfhenne schuld, sondern du armer Tölpel, weil du nämlich nicht auf ihre inneren Werte abfährst, sondern nur was zum Vorzeigen wolltest.

Während sie als "ihr Weiber seid doch alle gleich!" beschimpft und betitelt wird, nur weil sich der gut situierte Vaddi als Hartz-IV-Empfänger entpuppt (das nennt man auch regelmäßige Einkünfte) und die Yacht als das kleine Holzboot auf dem Badewannenrand. Dafür immerhin ein Dreimaster. 

Ja... Was soll man dazu sagen... Wie man es auch dreht und wendet, am Ende ist immer der andere schuld. Scheiß Internet? Nein. Das Internet ist der Mensch dahinter.

Ich leg mich jetzt mal schlafen. Ich glaub, ich hab handwerklich doch bisschen was drauf. Es hält mich nämlich immer noch aus. Klasse Provisorium!

Wut kann so produktiv sein

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...dachte ich mir gestern Abend so, als ich heimkam und das von mir prophezeite Gewitter sich entlud. Mit Sturm, Donner und Hagelkörnern.
Frust an allen Fronten - aber ich fühlte mich im Recht.
Zwar hatte man mir einst in der Schmerzklinik beibringen wollen, dass ich als Mutter nicht "Bitte" zu sagen habe, wenn es z. B. um Haushaltspflichten geht. Ich finde aber, dass es der Ton ist, der die Musik macht, und wenn ich sage: "So Jungs, räumt mal bitte euer Zimmer auf, das Chaos hat wieder Einzug gehalten", dann kommt es immer noch besser an als wenn ich schnaubte: "Los aufräumen, aber dalli!" Und ich hatte festgestellt, dass die Jungens eher auch entspannt reagierten, und nicht so wie gestern...
Vielleicht aber hätte ich doch auf die vertrauen sollen, die sich damit auskennen - denn einen Grund muss es ja haben, warum die Jugend sich herumfläzt, nichts passiert, egal in welchen Bereichen, und wenn sie nicht beköstigt, bekocht, bedient wird, dann... passiert eben auch nichts.
Sie haben Kummer oder Sorgen? Mutti rennt.
Sie haben Aufgaben und Probleme? Mutti rennt.
Sie wollen chillen und abhängen? Mutti rennt.
Sie wollen essen, trinken, frische Wäsche? Mutti rennt!

Selbst mein Ex-Mann gestand mir vor einigen Tagen zu: "Ich bewundere dich wirklich dafür, wie du das alles alleine schaffst."

Aber ich merk grad: Es ist wie immer und überall. Das Problem bin ICH. Ich selber. Schon meine Mutter sagte vor einiger Zeit: "Gib nicht immer so viel, du bekommst viel zu wenig zurück." Womit sie mein Leben meinte, nicht nur meine Söhne.
Immerhin habe ich inzwischen gelernt, Nein zu sagen. Wut empfinden zu dürfen - und diese nicht immer nur herunterzuschlucken oder mit Galgenhumor zu kompensieren. "Der hilft dir auf Dauer auch nicht", wurde mir mal gesagt.
Irgendwie stimmt das auch: Mein Galgenhumor sind meine kleinen Inseln, auf die ich mich rette - aber manchmal stehen eben selbst die unter Wasser :(

Mein gestriger Wutausbruch hatte aber auch was durchaus Positives: Nach geschätzten und gefühlten und tatsächlichen 15 Minuten war mein Bett repariert, zusammengesetzt und bereit für mich.
Und das hab ich ganz alleine hingekriegt. Na ja. Wie immer halt!

Mittwoch, 14. November 2012

Mit Schrecken

...habe ich soeben festgestellt, dass der Feierabend beinah erreicht ist und ich schon jetzt zum Umfallen müde bin.

Wenn ich mir jetzt noch ausrechne:

17.00 Uhr wohlverdienter Feierabend
18.00 Uhr Ankunft Baumarkt nach Überholmanövern aller coloeur
18.01 Uhr Baumarkt stürmen
19.00 Uhr Winkeleisen entdecken, Winkeleisen für gut befinden, Winkeleisen auswählen; dann
19.05 Uhr Winkeleisen bezahlen
19.20 Uhr Ankunft at home
19.30 Uhr Donnerwetter im Hause Ziggenheimer ob des Chaos' überall
19.35 Uhr kleines Nachgewitter im Hause Ziggenheimer, weil keiner Abendessen zubereiten will
20.35 Uhr Stille im Hause Ziggenheimer, da belegte Brote beim Reden schlecht zu essen sind
21.00 Uhr Beginn eines kurzgehaltenes Telefonates im Hause Ziggenheimer, denn die Zeit drängt!
22.30 Uhr Aufrüsten zum Nahkampf: Bett zerlegen, Staub saugen, alte Kekse entsorgen, zweite Socke wiedergefunden
23.40 Uhr Miss Spiderwoman in die Kälte schicken
23.47 Uhr Tagebuch wiedergefunden, Schwelgen in Erinnerungen
01.00 Uhr Feststellen, dass es zum Bohren und Sägen zu spät ist
01.05 Uhr Idee, dass frau auch gut auf einer Matratze ohne Bettrahmen schlafen kann
01.06 Uhr Matratze auf den Boden drapieren
03.00 Uhr Lektüre zur Seite legen und noch ein Stündchen schlafen....

Echt mal... Findet Ihr das nicht auch schon allein beim Lesen anstrengend? Also ich schon! Und was sagt mir das? Genau: Eine Alternative muss her - und zwar ein bisschen pronto!

Und es ging ein Lichtlein an.. nein.. auf!

http://d1.stern.de/bilder/wissenschaft/2006/31/schlaf_fitwidth_420.jpg

Sollen die Söhne doch zusehen, wo sie ihre belegten Brote herkriegen!

Fallengelassen

Letzte Nacht träumte ich, meine Hände seien unglaublich angeschwollen (Ach siehste, da wollte ich doch noch in der Traumdeutung nachschlagen, was das bedeutet.)
Und dass mir auf einmal federleicht zumute wurde.
Schwebend.
Irgendwie komisch. Das buchstäbliche "wie auf Eiern laufen".
Ob ich irgendwas eingenommen hatte?
Was Lustiges?
Was zum Naschen?
Etwa was Höherprozentiges??

Als ich erwachte jedenfalls, befand ich mich gute zwanzig Zentimeter tiefergelegt in einer - sagen wir mal - schwebenden Position zwischen Bettrahmen und Erdboden. Aha. Daher also das Gefühl des Schwebens. Schon irre, wie sich tatsächliche Empfindungen in die Träume schleichen.

Ich glaube, so zart & vorsichtig wie heute Morgen bin ich noch niemals den Kissen und Decken entstiegen.
Um nicht zu sagen: entschwebt!
Bevor mich der Rahmen noch vollkommen fallenließ...
Das ganze Elend besah ich mir dann bei Lichte und beinah wäre mir das Herz in die unversierten Hände gerutscht.
Glücklicherweise erinnerte ich mich an eigene diverse Reparatur- und Wiederherstellungsarbeiten, die gerne auch mal zu lebenslänglichen Provisorien mutieren.
Und außerdem hatte ich doch...
"Juuuuunnggsssss...." schwebte Muttis Ruf durch die heimischen Hallen. Offenbar kennen sie diesen Ton, denn die Antwort kam bisweilen verzögert oder auch gleich gar nicht. Ist wohl wie bei kleinen Kindern: Da wusste man anhand der Tonlage des Gebrülls genau, ob man gemütlich weiter in der Badewanne liegenbleiben konnte oder doch Gefahr im Verzug drohte.
Wie schon mal gesagt: Zeiten ändern sich - früher legte ich sie trocken, irgendwann aber... Oh Gott nein, Kopfkino aus!

"Watt will se?" kam es jedenfalls irgendwann dann doch noch zurück und ich zeigte den Söhnen das Corpus Delicti: "Nehmt euch heute Abend nichts vor, wir haben zu tun!"
Frei nach "Wie viel Leute braucht man zum Bauen eines Trabants? Zwei! Einer faltet, der andere klebt!"

Ein bisschen lachen musste ich aber dennoch, als mich via WhatsApp der Gedanke erreichte: "[...] und die Holzzapfen würde ich mit Holzleim einkleben."
Holzleim... Aha. Ich denke, Winkeleisen sind in meinem speziellen Falle... angebrachter.

Mein nächstes Bett jedenfalls wird eins aus Eisen. Träum ich eh schon hundert Jahre von. Ich muss nur noch meine Bank überzeugen, dass es sich um eine unausweichliche, seelisch notwendige Anschaffung handelt. Oder sowas in der Art. Mir wird schon was einfallen.

Sonntag, 11. November 2012

Sushi in Suhl Oder: Aber ich muss doch nach Hause

Das Wochenende hatte begonnen.
Und ich hatte noch keinen Plan, was ich damit anfangen wollte.
Ich wusste nur eines: Schlafen, schlafen und nochmals schlafen. Da konnte kommen, was wolle. Wenn das nachts schon zu wünschen übrig ließ, dann musste das eben tagsüber nachgeholt werden - und warum der gesündeste allen Schlafes der Büroschlaf sein soll, wüsst ich auch gern. Nicht schlafen zu können wirkt sich auf mich nicht so frustrierend aus wie das ständige dabei-unterbrochen-werden durch hartnäckiges Telefonklingeln, durstige Kollegen oder... ach egal.
Jedenfalls, es war Freitag nach 19 Uhr, Sohn I zur Party ausgeflogen, Sohn II zur Arbeit gefahren. Zurück blieb Mutti, die bei Voice of Germany einschlief. Zeiten ändern sich. Warum ich bis heute als verrücktes Huhn und Partykracher bezeichnet werde, erschließt sich mir auch nicht: Party kann ich maximal noch buchstabieren.

Ähnlich... ähm... entspannt begann der Samstag und noch am frühen Nachmittag fehlte mir die Erleuchtung, was mit diesem Tag zu beginnen sei und ob er ähnlich verschlafen verstreichen würde wie am letzten Wochenende.
Bis Friederikes Ruf mich ereilte: "Kino!! Und wehe, du siehst besser aus als ich!"
Logisch, dass ich mich aufgebrezelt habe bis zum geht-nicht-mehr, logisch auch, dass ich im "ich-hab-den-ganzen-Tag-gerackert-und-nu-is-Feierabend"-Glanze von Miss Friederike immer noch verblasste. Egal. Sie versüßte mir diesen Umstand mit einem Stück frischen Pflaumenkuchen, schob noch eine Tüte Popcorn hinterher.... Als wir das Kino verließen, war ihre Tüte übrigens noch richtig ganz voll, während meine... ach reden wir nicht drüber. Friedrike, ick warne dir: Ich habe deine Tricks durchschaut, Frollein. Ab heute halte ich streng Diät! Ab heute nur noch Schokolade ohne Keks!

Was haben wir eigentlich geguckt? Ach ja! Die Wahl des Kinofilms! Friederike meinte noch: "Allet, aber keen Bond!" und ich war beruhigt. Wer guckt schon so'n geistigen Tiefflug, bei dem immer wieder derselbe Sülz abläuft? Mann, knackig, kernig, immer eine schöne Frau an der Seite, die gerne auch mal das Zeitliche segnet, freiwillig oder nicht, mit futuristischem Know How und vor allem aber den sieben Leben einer Katze ausgestattet - wen kann sowas ernsthaft noch faszinieren?
Im wahren Leben gucke ich ja zum Beispiel gerne Reportagen (nein, ich meine echte Reportagen, nich sowatt wie "Mitten im Leben" oder "Schicksale" oder wie der ganze *Piep*Pieppiep*Piiiieeepp* auch heißt) - und so schaue ich auch echt gern Filme, die auf einer wahren Begebenheit beruhen.
So wie dieser hier. "Sushi in Suhl!" schlug ich also begeistert vor und Friederike reagierte prompt: "Watt? Du willst nach Suhl!? Sushi kriegste doch auch bei uns!"
Klar.


Ich fand diesen Film jedenfalls kein Stück langweilig, eher ein Film der leisen, feinen, feinsinnigen Töne - und ich mag das total, auch wenn die ersten Filmminuten begleitet wurden von verzweifelten Versuchen Friederikes, die mitgebrachten Prosecco-Fläschchen zu öffnen. Tja. Dumm gelaufen. Ans Trinken hat se ja gedacht, nur eben nich an nen Flaschenöffner. Oder wenigstens an Fläschchen mit Schraubverschluss.
Blieben wir halt notgedrungen beim Wasser, immerhin mit Ingwergeschmack.

Haben gelacht, geschmunzelt und sicher auch mal ne Träne im Knopfloch gehabt bei dieser Geschichte um einen einst jungen Mann, der - das kennen wir sicher alle - den Kopf voller Träume hatte, genug von der Tristesse des ostdeutschen Alltags - und der aber HIER etwas bewegen wollte. Der nach Japan reisen durfte noch vor dem Mauerfall und der sowas wie einen Infarkt erlitt bei der Information, dass der Osten ihn nicht wiederhaben wollte.
"Aber ich muss doch nach Hause"... ist mir lange im Kopf geblieben.
Nach Hause.
Zu Hause ist da, wo mein Herz ist.
Und da, wo meine Wurzeln sind.
Ich glaub, ich könnte in so einigen Ländern der Welt wohnen. Aber nur für eine gewisse Zeit. Dann müsste ich wieder heimkommen können.

Grad hab ich mal nachgezählt: Noch 41 Tage, dann fahre ich wieder nach Hause. Zu meinen Wurzeln. Ich bin so glücklich, dass ich das kann.

Looking For You Again

Heute Nachmittag fand ich diesen Song - und habe ihn (ehrlicherweise) bereits nach den ersten Sekunden sofort eingekauft...


Manchmal hat man sein halbes Leben lang Sehnsucht nach etwas, das man noch gar nicht kennt. Man sucht sein halbes Leben lang nach etwas, von dem man gar nicht weiß, was es ist.
Manchmal fühlt man sich getrieben.
Manchmal fühlt man sich unruhig.
Manchmal fühlt man sich auch ganz ruhig.
Dann denkt man: "Wonach ich suche, das gibt es eh nicht."
Und dann hört man auf zu suchen.
Kümmert sich um tausend andere Dinge.

Auf einmal ist es da.
Die Begegnung.
Das unglaubliche Gefühl.

Schade nur...
...dass so viele Menschen nicht zu schätzen wissen,
was ihnen da gerade passiert.
Und dass es oft zu spät ist,
bis sie es begreifen.

Ich suche heute nicht.
Nicht mehr...


Freitag, 9. November 2012

Es ist immer wieder eine Freude

...morgens ins Büro zu kommen, gutgelaunt die ebenso gut aufgelegten Kollegen zu begrüßen, den ersten heißen aromatischen Kaffee in Empfang zu nehmen, gutgelaunte Nachrichten, Statements oder Blog-Beiträge zu lesen - und dann entspannt mit der Arbeit zu beginnen, nur um (wohlgemerkt: Es ist Freitach!) alsdann und etwas zeitiger als sonst in den wohlverdienten Feierabend zu schreiten.
Die Realität natürlich, und das weiß jedes Kind, sieht vollkommen anders aus.
Morgens singend im Auto in die Arbeit fahren is nich mehr seit Anbeginn von Fahrgemeinschaften und dem anfangs dezenten, später energischen Fingerpieks in die Seite von Leuten aus dem Fond.
Ergo kehre ich schon morgens noch müde von der gestrigen Tageslast ins Büro, etwaige Schlafdefizite konnten durch meinen Singsang nicht hinweggezaubert werden, begrüße meine mürrisch dreinblickenden Kollegen (die sagen konzentriert dazu, ha ha, dass ich nich kichere!), entdecke, dass die Kaffeekanne - natürlich! - zwar noch warm, aber trotzdem leer ist, begebe mich an meinen Arbeitsplatz und lesen kann ich leider auch nix Privates, weil Chef heute ungewohnterweise bereits gegen 8.45 Uhr im Büro aufschlug.
Die nächsten Termine vereinbare ich für ihn besser außer Haus.
Ist besser für uns alle.

Jedenfalls fühle ich mich wieder etwas besser, nachdem die letzten Tage und Wochen doch etwas angestrengt waren und ich mich nächtigens zu geistigen philosophischen Ergüssen hinreißen ließ (so kann man wenigstens nicht behaupten, Schlaflosigkeit sei unproduktiv) und zugleich jedoch immer weniger am realen Leben teilnahm. Zumindest, wenn man davon absieht, dass zum realen Leben doch noch etwas mehr gehört als arbeiten, putzen, kochen, backen, Wäsche machen und den Verbal-Schießattacken von Halbwüchsigen ausweichen, die glauben, ihnen gehörte die Welt und alles, das auch nur nach Verpflichtungen rieche, sei ihrer unwürdig.
 
http://www.baerfacts.de/wp-content/uploads/2007/04/pubertat.jpg
Ich hab mir - denkbar - oft gewünscht, diese Dinge nicht komplett allein bewältigen zu müssen. Immerhin wusste ich auch nicht vorher, was Pubertät bedeutet.
Oder wusst ichs doch und habs nur vergessen? Ich meine, wenn ich heute so Erwachsene und insbesondere auch andere Eltern höre, wie sie über eigene oder fremde Kinder lamentieren und klagen und sich auch noch die Anmerkung wagen: "Bei UNS gabs das früher aber NICHT!", dann kann ich inzwischen nur noch lachen und denke mir meinen Teil. Klar gabs das bei UNS. Wenn sie sich nämlich gerade nicht aufregen, sondern in geselliger Runde von ihren Schwanks aus der Jugendzeit berichten, na dann is doch allet klar.

Ich meine, wie oft habe ich in meiner pubertären Zeit gehört: "Jetzt reichts!! Entweder fliegt sie raus oder ich hau ihr endlich eine drauf!" 
Wie oft musste ich gerade im Fach Englisch vor die Tür gehen, weil ich nicht aufhören konnte zu schwatzen und zu gackern und die Lehrerin irgendwann entnervt den Hefter auf den Tisch knallte und mich anbrüllte: "Frollein Ziggenheimer - RAUS!" Ja und dann ging ich gackernd vor die Tür, schloss sie sorgsam und stand immer noch gackernd dahinter. Sie gab mir letztlich trotz dieser Unterrichtsversäumnisse eine Zwei mit den Worten: "Verdient haben Sies nicht, aber Sie könnens und eigentlich sind Sie gut in Englisch." :)
Nicht umsonst auch gab mir meine Geografie-Lehrerin in der Klasse 10 trotz eines Notenschnitts von 2,1 eine Drei - damit sie mich in die mündliche Prüfung holen und schwitzen lassen konnte. Damals wars ja noch so, dass die Prüffächer im Schulhaus ausgehangen wurden und als ich da so las und feststellte, sprach hinter mir Frau Geografie hämisch: "Na Frollein Ziggenheimer, haben Sie gesehen, wo Sie geprüft werden?" und ich drehte mich kraft meiner Wassersuppe nur halb zu ihr herum und antwortete herablassend: "Ach wissen Sie, das ist doch Rache, kleine billige Rache." Und sie schwoll rot an: "SO KANN MAN DAS AUCH SAGEN!"
Meine Zwei habsch am Ende trotzdem bekommen, sie saß ja nicht allein im Kollegium :)
Oder wenn es hieß: "Du willst abends raus? OK, aber komm nicht erst Mitternacht nach Hause!" Und wann war ich zu Hause? Punkt Mitternacht! Frühestens. Nicht selten jedenfalls wurde ich daheim erwartet: dunkles Zimmer, kleine Kerze aufm Tisch - und ein dunkler Schatten auf dem Sofa, der frustriert Zigarette rauchte und sich sagte: "Na warte mein Frollein!"

Ja, Friederike hat recht - das sind Dinge, die man den eigenen Kindern gar nicht sagen darf. Nicht weil man etwas zu verheimlichen hätte. Du kannst nur aber nicht mehr argumentieren und hast verloren, wann immer du mit dem kommst, was du selber erst in den Jahren nach der Pubertät gelernt, begriffen und verstanden hast. Ich bin bestimmt nicht autoritär, sondern eher liberal, aber ich bin auch wiederum nicht soooo liberal, dass es nun so gar keine Regeln gäbe, dass Mutti unterjocht würde von ihren Kindern, die glauben, sie dürfen alles und müssten nichts.
Nicht umsonst vermutlich hält man in solchen Zeiten überaus süße Kleinkind-Fotos in der Hand und denkt: "Hach ja... Waren das noch Zeiten.. Wo sind sie nur hin..."
Tja... Wie mans auch dreht und wendet - es macht immer wieder Spaß. Egal, ob wir das Jahr 1980 oder 2012 schreiben. Irgendwie wiederholt sich doch alles. Bei uns allen. Ich kenne jedoch einige, die vergessen haben, wie sie selber früher waren. Selektiv gehöre ich dazu. Das Gute ist: Irgendwann wird alles gut :)

Donnerstag, 8. November 2012

Es lebe die Flucht Oder: Unter der Sonne Kaliforniens

http://www.spassfieber.de/funpics/solarium-in-russland.jpg
So bzw. so ähnlich sieht das aus, wenn ich die Flucht ergreife.
So wie gestern, exakt um 17:58 Uhr.
Für zehn Minuten einmal nach Kalifornien bitte.
Pigmente haschen.
Ruhe haschen.
AUSZEIT!
Flucht vor dem Alltag.
Flucht vor (spät)pubertierenden Großmäulern.
Flucht vor dem Stress.
Flucht vor nicht stillstehenden Telefonen.
Flucht vor Opa-mit-Hut-Sonntagsfahrern, die wochentags morgens halb acht durch die Gegend schleichen, während dem werktätigen, getriebenen Volk die Haare zu Berge stehen angesichts der verlorenen Stillstandszeiten.
Wieso haben die eigentlich um diese Zeit schon ausgeschlafen?????
Könnten die nicht einfach noch ein Stündchen - ein klit-ze-klei-nes Stündchen ruhen und sich noch mal genüßlich im Bett rumdrehen und anschließend mit Mutti geruhsam ihren Morgenkaffee trinken, anstatt die Stadtstraßen zur Bummelbahn zu deklarieren!!??
Oder treibt allein die Tatsache "Mutti is in'da House" den Vati auf die Straße, Hauptsache weg???
Egal. Weiter im Text.
Wo war ich stehengeblieben?
Bei der Flucht.
Ach ja.
Na eigentlich ist es auch völlig wurscht, warum ich abhauen will. Ich will einfach.
Ziel unbekannt.
Rückkehr unbekannt.
Solln se doch alle sehen, wie se ohne mich klarkommen.

Ich bin dann mal weg...

...an der Kaffeemaschine.. Scheiße! Die Kette war nicht lang genug!

Dienstag, 6. November 2012

Der schmale Grat

Da bin ich wieder.
Vielleicht war ich auch gar nicht lange weg und es kommt mir nur so vor als ob.
Viele von denen, die ich kenne - einschließlich Friederike, was sie mir Samstag beim Fischtöpfchenessen bestätigte - glauben ja oftmals: "Wenn ich von dir nichts höre, gehts dir gut."
Hmm.
Nee.
Bei mir ist das genau andersrum.
Wenn ich mich nicht melde, gehts mir überhaupt nicht gut, und wenn ich mich dann immer noch nicht melde, gehts mir richtig besch**.

Friederike meinte zu mir: "Du bist nicht die, die du zu sein scheinst" und ich erinnerte mich einmal mehr an die Zeilen irgendeines Menschen vor Jahren, der mir schrieb: "...Irgendwie kommt es mir vor, als ob du gar nicht du selber bist. Auch wenn du glaubst, dass du du selbst wärst. Irgendwann hast du dir eine zweite Haut übergezogen, warum auch immer, und dir diese so zu eigen gemacht, dass du heute glaubtest, sie sei deine eigene."
Das war vor... lasst mich nachrechnen... acht Jahren. Damals wusste ich nicht wirklich etwas damit anzufangen und ich dachte: "Wie meinen? Wenn ich lache, lach ich. Wenn ich heule, heul ich. Wenn ich wütend bin, stürme und tose ich."
Hmm. Ja. Aber genau lag der Hase wohl im Ziggenheimerschen Pfeffer.
Ich habe gelacht, obwohl mir zum Heulen war.
Ich habe agiert, obwohl ich müde war.
Und so weiter. Und so weiter.

Nur - warum tut man das alles so und nicht anders? Warum tat ICH das alles? Kann man das so verallgemeinern, indem man sagt: Jeder, der an sich zweifelt, lebt mit einem mangelnden (oder nicht vorhandenen) Selbstwertgefühl, zu wenig Selbstliebe und das aus diesen oder jenen Gründen?
Dass man als Kind schon dem Vater oder der Mutter oder beiden nicht genügt hat? Dass man ignoriert oder abgewertet wurde? Dass man nicht ernst genommen wurde? Dass man geschlagen, misshandelt, missbraucht, erniedrigt wurde? Dass - egal was man tat - es nie genügt hat?
Ich erinnere mich an die Worte einer Pädagogin, die mal sagte: "Wenn ein Kind Aufmerksamkeit will, wird es meist mit negativen Aktionen versuchen aufzufallen. Weil der Mensch dazu neigt, das Positive abzutun und zu sagen: OK fein. Und das wars. Während wir über das Negative reden, uns erbosen, uns mit anderen Menschen darüber unterhalten und das Kind somit wenigstens in dieser Hinsicht seine Aufmerksamkeit bekommt."
Tat oder tut man also das, von dem man glaubt, dass es den Ansprüchen bzw. Erwartungen anderer genügt und diese damit einen für liebenswert halten? Diese ewige Suche nach Liebe, Zuwendung, Aufmerksamkeit - kann man sie also nur so stillen, indem man der Allgemeinheit, den Eltern, dem Partner entspricht, nur damit der einen liebt?
Und wenn wir sie dann erleben, die unabdingbare Liebe, großartige Gefühle, dann rennen wir weg oder zerschlagen dieses kostbare Gut, wieder und wieder, weil wir nicht wahrhaben wollen, dass wirklich wir gemeint sind, dass wirklich wir es sein sollen, die liebenswert sein sollen?
"Muss ich also erst mich selbst lieben können, bevor ich einen anderen Menschen lieben kann?" fragte Friederike und stumm antwortete ich: "Ja, das musst du, unbedingt."
"Und was ist, wenn der Mensch, den ich liebe, nicht mehr da ist?" fragte sie - und es erschien mir als rhetorische Frage.
Folglich antwortete ich ebenso stumm: "Wer dich wirklich liebt, der geht nicht weg, jedenfalls nicht für immer."

"Für mich standst du immer auf einem Podest", sprach sie, "und je mehr du mir von dir gezeigt hast, umso weniger stehst du für mich auf diesem Podest. Aber umso glaubhafter wirst du für mich."
Ich wollte da auch nie rauf ;) Ich bin ich. Nicht mehr - aber auch nicht weniger.
Ich hab vieles schon gelernt - aber ich habe auch verstanden: Das Leben ist und bleibt ein ewiger Lernprozess. Und wie oft glaubte ich, ich sei schon so weit gekommen, nur um dann und wann festzustellen, wie schmal der Grat ist, von dem ich wieder herunterfallen kann. Was ich im Übrigen nicht für schlimm halte - solange ich nicht eines Tages einfach nur liegenbleibe.
Schlimm finde ich übrigens, wenn Menschen, an denen Dein Herz hängt, Dir eines Tages nicht mehr zuhören wollen. Weil sie Dich zu anstrengend finden. Oder zu wenig lustig.
Pah. Wer nur die Sonnenseiten meiner Medaille heischen will, der kann mir getrost vom Acker bleiben. Zu mir gehört noch eine Menge mehr als diese. Und wer das nicht mittragen kann - der bleibe mir fern. Zumindest das habe ich inzwischen nicht nur begriffen, sondern auch gelernt zu leben.

Übrigens lese ich derzeit in einem Buch (leider bin ich im Büro, ich schreibe, während die anderen zu Mittag essen - drum kann ich jetzt nicht nachschauen, wie es heißt) und darin steht so einiges über Mars & Venus.
Gerade wir Menschen mit unseren Selbstzweifeln bis hin zur Selbstzerfleischung neigen ja gerne auch dazu, Hoffnungen oder gar Erwartungen aufzubauen. Insbesondere an Menschen, die wir lieben. Wir wünschen uns Streicheleinheiten - er will Sex.
Wir wünschen uns Dialoge - er liest grad Zeitung.
Wir wünschen uns Zuhören - er gibt uns ungewollte Ratschläge.
Wir wünschen uns eine Umarmung - er schenkt uns Blumen....
Und wenn wir nicht bekommen, was wir gerade wünschen, glauben wir, sofort wieder unsere Bestätigung zu haben: "Er/ Sie liebt mich nicht!"




Heute las ich übrigens einen sehr feinsinnigen Beitrag zum Thema Beziehung (woher übrigens auch das begnadete Foto - wie ich finde :) stammt). Neben diesem überaus bezeichnenden Foto mochte ich spontan diesen Absatz:

"[...] Liz Lemon hat einst festgestellt, sie hätte bei einer neuen Beziehung gerne sofort den Zustand, bei dem man eigentlich erst nach ungefähr zwölf Jahren als Paar ankomme, und ich denke, dieser glückselige Status ist in der Tat erreicht, wenn man von seiner besseren Hälfte Sätze hört wie: «You know, ich liebe dich, aber manchmal macht es mich wahnsinnig, dass du … da bist.» oder «Im Grunde ist es noch gar keine richtige Ehe, wenn nicht ein Teil von dir einfach nur weglaufen will!» oder «These decisions all go through you, Kleines, cause you’re the mayor of Crazytown.»
Quelle: http://blog.tagesanzeiger.ch/blogmag/index.php/3303/erfolgsformel-der-liebe/

Meine Schlussfolgerung in dieser heutigen Mittagspause (Himmelherrgott, ich habe 6,3 Minuten überzogen!) - nein - nicht nur heute und jetzt und hier - müsste also lauten: "Wir Menschen mit unserem Mangel an Selbstvertrauen, an Selbstwert, an Liebe zu uns müssen wohl vor allem auch eines lernen: Dass nicht alles, das schiefgeht oder den anderen aufregt oder eben auch nicht so ist wie wir es vielleicht gerade brauchten - hat auch mit uns persönlich zu tun oder liegt in uns persönlich begründet. Wir müssen nur aufpassen, dass das Gleichgewicht stimmt."
Wenn das alles mal nur in der Praxis nicht oftmals so schwierig würde.
Also balanciere ich weiter.
Aber ich hab doch festgestellt: Mein Schritt ist fester und sicherer geworden. Und wenn ich mich so angucke: Doch, ich mag mich. Inzwischen.

Sonntag, 4. November 2012

Das Licht


...
so if you got the light 
hold it high for me 
i need it back at night 
hold it high for me
cause i'm face to face 
hold it high for me
in a lonesome place 
hold it high for me 
but all the hurts that i've done 
hold it high for me 
that can't be undone 
hold it high for me 
light and guide me through 
hold it high for me
i'll do the same for you
hold it high for me

i hold it high for you
cause i know you got
i hold it high for you
your own valley to walk..


Samstag, 3. November 2012

Entwicklungen

Als ich vor nunmehr beinah 11 Jahren mein Leben neu ordnete und neu begann, da ging ich nur mit meinem damals kleinen Sohn, unseren Sachen - und Juniors Bett. Alles, was mich heute umgibt, verdanke ich den wenigen Menschen, die immer für mich da waren, so wie sie es vermochten, und Menschen, die ich von ganzem Herzen liebe.
Und natürlich auch mir :)
Junior I entschied damals, dort bleiben zu wollen, auf der anderen Seite. Was das für uns alle im Lauf der Zeit bedeutete, konnte wohl niemand vorhersehen - und ich möchte das hier auch nicht ausbreiten. Ich weiß nur eines: Es gibt nur zwei Dinge, die ich in meinem Leben tief bereue, sie zugelassen zu haben - und eines davon ist dies. Nie niemals wieder. Vergangenes lässt sich jedoch nicht umkehren, man hat zumindest in der Gegenwart die Chance, das Beste aus allem zu machen.
Das war in diesen elf Jahren immer mein Bestreben. Es den Kindern so leicht wie nur möglich zu machen, wenn man denn überhaupt von "leicht" sprechen kann in solchen Situationen. Und ich war immer bestrebt, bestimmte Gewohnheiten aufrechtzuerhalten: Ihr Süßkram beim Wocheneinkauf. Zeitschriften, die sie lesen wollten. Frühstücken im Bett. Viel Musik hören (damals hatten wir alle drei noch eher denselben Geschmack :)), viel Schmusen und Kuscheln, viele Gute-Nacht-Geschichten. Taschengeld.. na und so weiter. Vieles jedenfalls, grad wenn ich es hier selber noch mal so lese, das doch selbstverständlich ist. Eigentlich.
Das war es aber nicht für beide.
Und so darf es im Grunde auch nicht verwundern, dass ein Bruder auf den anderen Eifersucht entwickelte: "Wieso er, wieso nicht ich?"
Dass wir viele Jahre solche Kämpfe fochten und es lange dauerte, nicht allein den Gedanken, sondern vor allem auch dieses Gefühl in ihm zu bestärken: "Ich lieb dich über alles, ich bin wahnsinnig stolz auf dich und darauf, was du aus dir gemacht hast - und wann immer du es möchtest, bin ich da."
Im Grunde aber führen wir bis heute solche Diskussionen, wenn es zum Beispiel um so simple Dinge geht, wie das Jungenzimmer in Ordnung zu bringen. Oder zu halten.
"Wieso muss ich hier mit aufräumen? Beim Vater drüben muss ich auch immer alles alleine machen."
Und er will dann nicht einsehen, dass ich unser Leben auch nur in unserem Bereich regeln kann, und nicht für ihn in einem anderen Lebensbereich.
Dennoch gab es in den letzten Jahren immer wieder Momente, in denen er mich erstaunte, überraschte ob seiner Gedankenwelt. Mit der Entwicklung seiner Gedanken ganz aus eigener Kraft. Diese überaus sensiblen Antennen, die alles aufnehmen, aber nur ganz wenig davon auch herauslassen.
Meine kleine große Auster.
An seinem eigenen Lebensraum und damit seinem eigenen Ruhepol arbeiten wir derzeit noch mit aller Kraft.
Dann, da bin ich mir sicher, wird er erst so richtig aufblühen. Sich freischwimmen. Und sich hoffentlich bewusst werden, dass er kein Niemand ist.
Gestern habe ich beim Einkauf Weihnachtskalender mitgenommen. Ich weiß, ist noch Zeit. Aber der Preis war ansprechend und die Kalender keine Null-Acht-Fuffzehn-Teile.
Irgendwann gegen zehn abends kam Junior heim, noch geschafft vom neuen Job, aber irgendwie entspannt. Ich glaube, es gefällt ihm dort. Ich glaub, es macht ihm nicht nur Spaß, sondern tut ihm ebenso gut, dass er Anerkennung nicht nur von der Mama bekommt.
Und so betrat er das Zimmer und begutachtete Bruders Kalender.
"Der ist ja cool", meinte er und lächelte. "So einen wünsch ich mir auch."
Und ich lächelte und zeigte zur Kommode auf der anderen Seite des Zimmers, die im Halbdunkel lag.
"Guck mal, was da steht."

Ich lächelte immer noch, als ich mich in mein Bett verkrochen und die Decke bis an den Hals gezogen hatte. Vielleicht ist es für Außenstehende nicht so nachvollziehbar. Oder sichtbar.
Aber mir wurde bewusst:
Er entwickelt sich. Er entspannt sich. Er schwimmt sich frei. Schon jetzt.
Am Ende ist es immer die Summe all der kleinen Dinge im Leben, die etwas Großes vollbringen.
Es wird alles gut.


Freitag, 2. November 2012

Da fehlen mir echt die Worte

Die erste heutige Meldung des Tages besagt:

"In der Nacht zum 2. November kippte auf der A 72 ein LKW aus Polen samt seinem Anhänger um. Als die Polizei eintraf, schlief der Fahrer immer noch."

Fast würde ich diesen Mann ja beneiden um seinen seligen Schlaf. Gerade ich, die Eule vom Dienst. Wüsste ich nicht, dass er nicht nur 1,5 Promille hatte, sondern jetzt auch einen überdimensionalen Sack voller Probleme. Und das Wichtigste: Die A 72 auf dem Stück zwischen Chemnitz und Leipzig wird ja glücklicherweise noch so wenig befahren, dass er wenigstens keine Unbeteiligten mit in das Unglück stürzte.
Sie hätten mich hinzuziehen sollen: Ich hätte diesen Vollidioten höchstpersönlich aus dem Schlaf geholt. Kurz und schmerzlos.


Die zweite heutige Meldung folgte dann im Office:
Morgan Freeman ist gar nicht tot. Las ich die entsprechende Meldung doch gestern bei Fratzenbuch und dann gabs doch echt Leute, die dazu ihren Finger noch auf "Like" quetschten.
Und heute Morgen beruhigte mich mein Azubi: "Stimmt alles gar nicht." Folgende Nachrichten zog ich mir dann bei Käffchen und Keks hinein:
"Morgan Freeman ist tot. Er starb am 27. August 2012 im Alter von 75 Jahren - auf Facebook. Und zwar nur da. Der Hollywoodschauspieler erfreut sich bester Gesundheit - auch wenn in sozialen Netzwerken anderes behauptet wird. Es ist eine eigens ins Leben gerufene Kondolenzseite , die den plötzlichen Tod des beliebten Charaktermimen verkündet. Sie lädt Menschen dazu ein, ihr Beileid kundzutun und die Seite zu „liken“. Freeman sei an einer geplatzten Schlagader gestorben, heißt es in den knappen Informationen über die Facebook-Seite. Dort ist auch zu lesen, wie vielen Personen das Trauerforum gefällt: knapp 900.000. Das Titelbild der Seite zeigt das Gesicht Freemans in Großaufnahme, seine ausdrucksstarken Augen blicken traurig vom Bildschirm. [...]"
(Quelle: http://www.noz.de/deutschland-und-welt/vermischtes/66649553/makaberer-facebook-scherz-seite-verkuendet-tod-des-oscarpreistraegers-morgan-freeman)
Wenn Ihr mich fragt: Solchen Leuten sollte man lebenslange Internetabstinenz verpassen.
Das Leben eines Menschen ist unser wertvollstes Gut und so etwas läuft für mich NICHT unter der Spaßrubrik, sondern eindeutig unter maßloser Geschmacklosigkeit, bei der mir einfach nur die Worte fehlen.

Azubi, lass uns Käffchen trinken.


Donnerstag, 1. November 2012

Prinz Ferdinand und Prinzessin Ursula

Wenn ich mich je in meinem Leben verzehrte nach Liebe, nach der Liebe eines bestimmten Menschen, dann wurde ich gefragt: "Woher weißt du denn, dass du ihn wirklich liebst? Was genau ist denn Liebe für dich?" und ich reagierte eher... verschlossen. Zurückhaltend. Oder doch (typisch nordisch) stur?
Irgendwie konnte ich mich des Gefühls nicht erwehren, dass mein Gegenüber lediglich darauf wartete, meine ureigenste Definition von Liebe zu zerpflücken und das, was ich für den anderen empfand, zu zerlegen in einzelne Bestandteile aus Begehren, Leidenschaft, dem Drang nach Geborgenheit und diesem Halt; Bestandteile, von denen man mir nur eines sagen wollte: "Liebe jedenfalls ist das nicht."
Es war nur ein... ja ein Verdacht meinerseits... ja vielleicht eine Unterstellung der Absichten des anderen, und dennoch überkam mich das Gefühl, dass ich etwas verteidigen sollte, das nicht zu verteidigen war.
Also sagte ich nichts. Auch dann nicht, als mir prompt unterstellt wurde: "Siehst du, du weißt es gar nicht."
Wie einfach sich manche Menschen es doch machen...

Dieser Tage las ich in einem anderen Blog einen interessanten Artikel zum Thema Partner/ Partnerschaft. Ich möchte ihn an dieser Stelle aus persönlichen Gründen nicht verlinken. Ich hoffe, sein Besitzer verzeiht es mir. Jedenfalls wurde darin die Frage aufgestellt: "Brauchen wir Frauen wirklich einen Partner, der im Laufe des Miteinanders zu einem Waschlappen mutiert, neben dem man morgens erwacht und sich gleich ganz woanders hinträumt?"
Vielleicht hätte sich die Frage der Art stellen sollen, ob wir so einen Partner WÜNSCHTEN?
Wohl eher nicht. Wobei ich mir dennoch auch die laut gedachte Frage nicht verkneifen konnte, warum wir Frauen eigentlich immer vom edlen Prinzen auf dem weißen Pferd und vom goldenen Schloss träumen (einer aktuellen Studie zufolge sollte er übrigens Alexander heißen, Architekt sein, einen Porsche fahren, nein, haben, und einen Hund ebenso... Weiberwelt geh unter, bitte ;)), im Gegenzug aber auch frau weniger darüber nachdenkt, ob ihr einstiger Prinz Ferdinand nicht genauso morgens aufwacht und sich wegwünscht von seiner Prinzessin Ursula, die im Laufe der Beziehung zum Pfannkuchen in Jogginghosen und Birkenstocklatschen mutierte (alles Gute für die Füße, wenn Heidi Klum das schon sagt, musses wohl gut sein, oder? Ich kann sie leider beide nicht ausstehen, weder Heidi noch ihre Klumpen.)
Aber mal Butter bei die Fische: Wünschen wir Frauen uns einen Mann, der uns beschützt, der uns versorgt, der stark ist, der immer weiter weiß, der uns die Sterne vom Himmel holt und vor allem: Ist unser Leben auch nur dann wirklich lebenswert? BRAUCHEN wir Prinz Ferdinand? Wer sagt sowas? Wo steht sowas geschrieben?
Klar, es gibt Menschen, die können einfach nicht allein sein, die müssen auf Teufel komm raus unbedingt immer jemanden bei sich haben, gerne auch wahllos, wenns nicht anders geht.
Ich glaube aber, das geht beiden Seiten so, Männern wie Frauen.
Die Frage aber bleibt ja: BRAUCHEN wir jemanden, um glücklich zu sein? Die einen sagen: "Freunde sind wichtiger, denn die sind immer da, vom Partner weiß man das nicht."
Ich sage: "Freunde sind sehr wichtig, aber der richtige Mensch an deiner Seite ist es auch. Der nachts neben dir liegt und seine Hand beruhigend auf deinen Bauch legt, wenn du aus dem Schlaf geschreckt bist. Der dich mit seiner Berührung zur schönsten Frau der Welt macht und mit nur einem Blick zur einzigen Frau der Welt."
Zum Beispiel.

Miss Glücklichwerden schrieb fast zeitgleich einen Post, den ich auch aus persönlichen Gründen nicht verlinken möchte; ich hoffe, IHR verzeiht mir das :) - doch den Inhalt möchte ich hier wiedergeben dürfen:

Wer glaubt einen Partner zu "BRAUCHEN", der findet ein Gegenüber, welches das auch glaubt. Aus diesen beiden werden zwei Verbraucher. Sie verbrauchen sich, indem sie sich beide benutzen und erwarten, der andere möge sie satt machen. Zwei Bedürftige können einander aber nicht nähren und es hat auch nichts mit Liebe zu tun.

Und da wurde mir eines klar: Ich habe über die Jahre hinweg gelernt, allein zu leben. Heute zerstört es mich nicht mehr. Ich BRAUCHE Prinz Ferdinand nicht. Dass ich aber trotzdem mit IHM und nur mit IHM leben möchte, das nenn ich persönlich... Liebe.