Dienstag, 2. April 2013

Die Macht der Gene

Vor ein paar Tagen begab ich mich in das Jugendzimmer. Freilich war ich auf der Suche nach etwas, doch neige ich dazu, bei diesem Unterfangen gleich noch ein wenig Ordnung ins Gestöber zu bringen. Soll ich nicht, weiß ich, mein Genie beherrscht sein Chaos selbst (wenn er mich was fragt, dann nur, weil er zu faul zum Suchen ist, klar). Jedenfalls tat ich das dennoch - und entdeckte unter einem Stapel wertvollem, zur Seite gelegten Restepapier einen bunten Mix aus Fotos, bei denen ich mich dann doch erst mal setzen musste.
Nein nein, es waren keine Aktfotos, weder von Junior noch von den derzeitigen Damen seiner schlaflosen Nächte - es waren Fotos aus einer Zeit, als er einfach noch süß, anschmiegsam und schnuckelig war, eben "mein Baby" (lasst ihn bitte nicht wissen, dass ich das hier geschrieben habe!) - und dann fand ich darunter noch Fotos mit zwei seiner Flammen vom letzten Sommerurlaub. Zwischen den Fotos lagen geschätzte acht Jahre, vielleicht auch zehn.
 
Man sagt ja "Das Umfeld formt den Menschen" - aber dessen war ich mir beim Betrachten der Fotos dann doch nicht mehr so sicher: Der Bengel vom letzten Jahr zwischen den Mädchen konnte echt als Kopie des Vaters durchgehen. Wirklich. Die Mimik. Die Gestik. Das Grinsen. Der Blick.
Hatten die Jahre mütterlicher Einflussnahme so wenig Wirkungskraft gegen die Macht der Gene?
Betrachte ich hingegen Fotos von Junior I, egal aus welchen Jahren, kann man sagen: Der ist "meiner" geblieben, damals wie heute. Schon als man ihn mir in den Arm legte, damals, im ostdeutschen Kreißsaal, der wohl nicht von ungefähr eher an eine Schlachtehalle erinnerte - grad wenn man heute so im Vergleich die Entbindungsstationen sieht. (Selbst bei Junior II, der nur 6 Jahre nach Junior I auf die Welt kam, lag ein himmelweiter Unterschied, so dass ich die Hebamme damals fragte: "Könnte ich nicht gleich hier in diesem Zimmer bleiben?" und sie fragte entgeistert: "Ja wo wollen Sie denn sonst hin? Das ist doch der Kreißsaal" und ich entgegnete leicht verwirrt: "Ach so... Ich dachte nur... Sieht ja aus hier wie in einer Wohnstube!")
Jedenfalls... Je älter Junior II wird, desto mehr gleicht er seinem Vater auf Ton und Haar. Selbst bei der Wortwahl, leider. Über meine Ermahnungen "Sprich vernünftig mit mir!" lacht er und meint, ich ginge nicht mehr mit der Zeit. Pah. Respekt und Achtung auch in der Wortwahl auch von Menschen, die gerade nicht anwesend sind, kommen niemals "aus der Zeit". Zwar halte ich ihm im Stillen die "Flegeljahre" zugute, durchkommen lass ich ihn damit aber nicht.
Dass Junior II tatsächlich in allen, ja wirklich in a-l-l-e-n Lebenslagen nach ihm kommt, bewies er mir übrigens noch beim Gutenachtkuss: "Warte morgen nicht auf mich, ich hab ein Date in der Stadt" sprach er und als ich wissentlich grinste, fügte er hinzu: "Übermorgen übrigens auch und Donnerstag auch!" und ich lächelte breit und fragte verschwörerisch: "Dann muss es diesmal wohl die Richtige sein - wie heißt sie denn?" und Junior verdrehte die Augen: "Es is jedesmal ne andere!"
Tja. Was soll ick sagen...
Ob man vielleicht noch was dagegen tun kann? Gegen die Gene?

Quelle: http://www.geo.de/reisen/community/bild/362834/Wuxi-China-Wie-der-Vater-so-der-Sohn

Kommentare:

Ken Kempe hat gesagt…

Schon traurig, dass man heute nur noch bedingt auf die Kinder einwirken kann, wenn das Umfeld in Schule und Freundeskreis so konträr mit den eigenen Moral- und Wertevorstellungen kollidiert. Das Beste draus machen und bedingungslos lieben. Mehr bleibt dir nicht übrig.

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Bedingungslos lieben - Du sagst es! Ich denke, das und auch die Konsequenz, unermüdlich die eigenen Wertvorstellungen und Lebensprinzipien mitzugeben, die Achtung vor dem anderen, auch wenn sie anders aussehen, sprechen, sich geben als Du und ich - irgendwie glaube ich doch, dass "meine Gene" sich eines Tages damit durchsetzen können.

Clara Himmelhoch hat gesagt…

Du sagst es: Er hat ja nur die halben, offenbar nicht so sehr beliebten väterlichen Gene mitbekommen, ansonsten ist er ja auch dein Sohn. In den allermeisten Fällen klappt es später schon - nur ein paar Querschläger muss es ja auch geben. Aber deiner wird keiner, versprochen!!!!!

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Weißt Du, was ich immer so herzerfrischend finde? Jüngst trudelte eine "Die kotzen mich an"-sms von ihrem "Vater" bei mir ein - und er bedankte sich mit den Worten "DEINE Kinder!"
Klar. Wenn sie was ausfressen, sinds immer meine. Wie ich das nur alleine hingekriegt hab, wa?

Clara Himmelhoch hat gesagt…

Klar sind die klugen Kinder von mir und die frechen vom Vater - da gibt es doch gar keine Frage. Ich denke, das ist ganz normales menschliches Verhalten.

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Liebe Clara, ich werde hier im Blog niemals meine ganze Lebensgeschichte ausbreiten, aber sei Dir mal sicher: Er meint es wirklich abwertend. Ganz anders als Du.