Samstag, 22. Februar 2014

Ein ganzes halbes Jahr


Dieses Buch bekam ich zu Weihnachten geschenkt und fand nun die Ruhe und die Gelassenheit, es auch zu lesen.
Schon mit den ersten Seiten stellte ich fest: Der Schreibstil ist genau das, was ich so liebe. Er ist flüssig, gängig, geht mir über die Sinne direkt hinein ins Blut.
Vor zwei Tagen las ich die ersten paar Seiten, heute Morgen las ich den ganzen Rest im Laufe des Vormittags durch. Nichts vermochte mich mehr zu lösen von dieser Geschichte um eine junge Frau, die - und das weiß sie zu Beginn noch nicht - nur dazu eingestellt wurde, um den jungen Mann, der nach einem schweren Unfall an den Rollstuhl gekettet bleibt, daran zu hindern, erneut einen Selbstmordversuch zu unternehmen.
Was zu Beginn als wirklich leichtfüßige Geschichte beginnt, wird ab dem Moment, wo sie erfährt, wozu sie tatsächlich eingestellt wurde, tiefer und immer tiefer - und verliert somit ein Stück der Unbeschwertheit bis hin zum Ende, das der Leser sich vermutlich einfach anders wünschte. Jedenfalls ich.

Ich kann nicht sagen, warum dieses Buch mich unglaublich berührt, erschüttert hat und auch nachhaltig doch sehr beschäftigt.
Wäre ich jetzt ein echter Literaturkritiker, würde ich wahrscheinlich anmerken, dass die Seite des jungen Mannes nicht derart wiedergegeben wird (oder werden kann), dass man seinen unabänderlichen Entschluss nachvollziehen könnte. Vielleicht kann man das nur, wenn man als Autor selbst eine solche Erfahrung geteilt hatte, als Partner oder als selbst Betroffener. Vielleicht ist dann umso nachvollziehbarer, dass man sich gegen das Leben entscheidet, auch dann, wenn man sich entgegen aller Erwartungen wieder verliebt.
Seiner Argumentation konnte ich folgen, als er versuchte, ihr zu verstehen zu geben, dass er es war, der sie aus ihrem 27jährigen Dornröschenschlaf erweckt hatte - und dass für sie jetzt die Entdeckungsreise begann, das Leben begann, während das seine immer weitere, einschneidendere Einschränkungen erleben würde bis zu dem Punkt, wo er nicht mal mehr selbständig würde atmen können.
Dennoch... Weiß man denn auch wirklich, ob dies alles so gekommen wäre?
Wo blieb die Hoffnung, der Versuch?

Eigentlich sind es immer Filme, sind es immer die visuellen Wahrnehmungen, die mich für sich einnehmen und umhauen können, jedoch dieses Buch... Sobald man beginnt zu lesen, entstehen die beschriebenen Bilder im Kopf, vermag man sich jede einzelne Situation vorzustellen, insbesondere auch die, wo beide sich zu Beginn hassen und am Ende lieben..
Oh Gott, ich hab so geweint, echt. Selbst jetzt, wenn ich nur davon schreibe, könnte ich wieder davon anfangen, obwohl im Nachwort deutlich wurde, dass diese Geschichte rein fiktiv ist. Jedenfalls das Grundkonstrukt. So handhabe ich es persönlich auch: Entweder ist das Grundkonstrukt fiktiv und die Umrahmung persönlicher Natur - oder umgekehrt. Trotzdem berührte mich diese Geschichte unglaublich, und sie tut es immer noch, und ich muss mal eben schnell einen Schluck Kaffee nehmen, um noch etwas anderes mit hinunterzuschlucken.

Mein Fazit: Als ich den Einband las und auch das Buch zu lesen begann, da erwartete ich wohl schon so eine Story - aber ein völlig anderes Ende. Jedoch jedem, der Bücher mag, der Erzählungen mag, würde ich dieses Buch unbedingt empfehlen. Es liest sich wunderbar, man fühlt sich wunderbar leicht in diese Geschichte ein und man bleibt gefesselt bis zum Schluss.
Liebe G., ich danke Dir von Herzen, dass Du mir dieses Buch zum Geschenk machtest.

Ich nehme auch an, dass es eher Zufall ist, dass mir, als ich nach dem Lesen des Buches aufstand, der Kreislauf komplett weggekackt ist und ich immer noch ein bisschen dabei bin, mich wiederzubeleben. Und es ist mit Sicherheit auch Zufall, dass mich seit heut Mittag der Schmerz im linken Arm quält wie verrückt, während das Bein sich noch ein wenig zurückhält damit, mich zu quälen.
Bitte quäl mich dieses Mal nicht wieder wochenlang...
Vielleicht hab ich es ja auch mit dem Sport ein bisschen zu sehr übertrieben, vermutlich wollte ich ein wenig zuviel auf einmal. Passiert mir öfter im Leben...
Nun werde ich mir erst mal meine Boots anziehen, die Lederjacke dazu, die Mucke dazu, ich werde bisschen was einkaufen müssen, bevor die Supermärkte schließen, und dann werde ich noch ein wenig draußen herumlaufen, vielleicht runter zum See, und in der Musik versinken. Bewegung ist immer gut. Frischer Wind um die Nase ist immer gut. Bisschen durchatmen und so.

Kommentare:

Frl. Zyx hat gesagt…

Habe das Buch auch vor einigen Tagen durchgelesen, und finde es wirklich toll geschrieben.
Mich hat das Ende wirklich gar nicht überrascht; ich hätte wahrscheinlich ganz genauso gehandelt.
Besonders fande ich aber auch die Entwicklung von Lou, wobei ich glaube, dass dies auch eine Haupthandlung an sich ist, ein Aushängeschild für die Menschheit..

allemeineleidenschaften hat gesagt…

Oh... Ich wünsche dir gute Besserung liebe Helma. Tut mir leid zu lesen, dass du Schmerzen hast.

Von diesem Buch hab ich schon sehr viel Positives gehört. Es steht schon lange auf meiner SuB.

Ich lese gerade Eat Pray Love, hab mir den Film extra nicht angeguckt. Bis jetzt liest es sich wunderbar!

Mein letztes Buch war "Warte auf mich". SUPER!!!

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Ja ihre entwicklung... Mich hat das sehr an mich selbst erinnert. Wahrscheinlich hat mich das buch deshalb so berührt. Auch wenn ich noch niemanden zum sterben loslassen musste. Gott sei dank. Und ich häng sehr am leben, auch am eigenen. Ich wüsste echt nicht, was ich tun würde an seiner stelle.

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Lies es, ich bin echt sicher, dass es dir gefallen wird!!
Von eat pray love kenn ich nur den film und fand vor allem die szene am

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Scheiß handy x(
Also die szene, wo sie sich in gedanken von ihrem ex mann verabschiedet und sie zu neil young tanzen, harvest moon. Ich mochte den song vorher schon, dann noch mehr :)

noemiebeidenzwergen hat gesagt…

Hallo helma,
Ich habe mir dieses Buch gekauft, als ich ins Krankenhaus musste im Dezember. Anfangs dachte ich, dass sei eine einfache, unterhalsame Lektüre (so etwas wollte ich nämlich fürs Krankenhaus),aber der Roman war so schön und hat mich so mitgenommen. Ich habe auch geweint, wusste aber nicht, weil ich Angst vor der OP hatte, oder vor der Gefühlen, die das Buch freigesetzt hat.

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Liebe Noemi, Du siehst, mich hat die (Be)Rührung auch ohne OP voll erwischt, und irgendwas macht mich sicher, dass das auch bei Dir nicht an der Angst und der OP lag..
Das Buch ist einfach wirklich wahnsinnig schön - und sehr gut geschrieben.

Ani Schö hat gesagt…

Ich hätte höchstens während meiner Arbeitszeit mal die Möglichkeit zu lesen, jedoch muss ich da ja arbeiten. Da ich jedoch deine Rezession zu dem Buch sehr spannend und interessant fand, habe ich mir das Buch als Hörbuch auf mein iPhone geladen und es nicht beret. So eine tolle und authentische Story. Danke für diesen Buchtipp. Hochschwanger ist man dann schonmal um 04:00Uhr hellwach, so dass es mich dank des uches auch mal 2 Tage nicht gestört hat in einer dunklen und ruhigen Wohnstube zu sitzen! Tolle Empfehlung!

Wird hier noch mein Lieblingsblog :-p Nach meinem :-D

Liebe Grüße

Anika

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Hey Anika, Deinen Blog hab ich bei mir mit aufgenommen - verzeih mir das, dass ich damit so lange gewartet hab ;) Irgendwie wirkt Dein Blog so lebensfroh und so liebevoll, solche Dinge sauge ich grad auf wie ein Schwamm.
Es freut mich übrigens wirklich, dass Du Dir das Hörbuch gekauft hast (wusste ich gar nicht, dass es das auch so gibt ;)) - und dass es Dir vor allem auch gefällt :) Bücher in einem solchen Stil fand ich nicht sehr oft, und auch nach dem Auslesen bleibt es irgendwie was Wunderbares. Nur zum Ende hin kann ich dann nicht noch mal lesen. Weiß auch nicht, irgendwas macht das mit mir und ich bin noch nicht sicher, warum.