Mittwoch, 2. April 2014

Das böse W-Wort

Heute Morgen war der Untersuchungstermin.
Die Ärztin kenne ich seit 2007 und ich mochte sie von Anfang an. Eigentlich. Eine patente, sehr gründliche Ärztin, fand ich immer. Eigentlich denke ich das ja immer noch.
"Da ist bisschen was schiefgelaufen", sagte sie, nachdem sie mir die Hand zum Gruß gereicht hatte.
"Wieso?"
"Man hat Sie für heute in den Kalender eingetragen, aber als unbestellte Patientin."
"Ach, ist doch nicht schlimm, ich hab heut nicht mal so lange gewartet wie sonst."
"Hmm, das mag sein, aber für gründliche Untersuchungen wie in Ihrem Fall habe ich mittwochs eigentlich keine Zeit. Solche Untersuchungen sind mittwochs prinzipiell nicht vorgesehen. Man hätte Ihnen einen regulären Termin geben müssen, auch wenn das in der Regel eine Wartezeit von mindestens 4 Wochen bedeutet."
Äh...
War das jetzt die Aufforderung, wieder zu gehen, oder war das ein Hinweis á la "Ich kann dich untersuchen, aber zack zack und wenn ich was übersehe, dann war das halt Pech"?
Da wird man dann schon ein wenig nervös und fragt sich, ob man hysterisch überreagiert nach dem Feststellen von Knoten und den Ärzten ruhig Zeit lassen sollte, sich auf den Patienten einzustellen.
"Ich hatte versucht, Ihre Telefonnummer übers Internet rauszubekommen, damit man Sie noch anruft und den Termin verschiebt. Aber über Sie findet man ja so gar nichts."
Die gelben Seiten würde diese Aussage aber verdammt freuen, dachte ich so bei mir.
Aber sie hat sich dann doch Zeit für mich genommen, die Anamnese aufgefrischt und sich ganz entspannt mit mir unterhalten. Über Knoten, Hormonschwankungen und dann sagte sie doch glatt dieses böse W-Wort. W wie Wechseljahre. Waaahhh! ICH? Jetzt schon?
Sie erzählte mir was von abnehmender Knochendichte, von Hitzewallungen und eben auch hormonell bedingten Zysten und sonstigen Gebilden im Körper einer Frau. Von Mammografien und sonstigen Foltermethoden.
Na toll.
"Nehmen Sie das W- Wort zurück - sofort!" hätte ich ja am liebsten verlangt, aber so gelassen ich denn auch heute Morgen war, so... gedankenleer war ich auch. Ich hab einfach nur zugehört und die Bilder auf der Riesenleinwand verfolgt, die sie mittels Ultraschall projizierte.
"Ach, da ist ja schon der Knoten." Sie beugte sich vor, kniff die Augen zusammen, vergrößerte, dass ich schon glaubte, ich habe gar keine weibliche Brust, sondern meine Körbchengröße werde allein nur aus diesem Knoten ausgefüllt.
"Das ist ne Zyste. Klar gefüllt."
Kurze Pause.
"Da ist noch eine. Auch klar gefüllt. Alles harmlos."
Puh....
Rechte Seite: "Da ist noch eine. Aber alles gut. Nix weiter Schlimmes."
Ein bisschen ächzte ich ja schon unter dem Druck so eines Ultraschallkopfs. "Ist unangenehm, oder?" fragte sie und ich grinste: "Irgendwie schon." Sie wies kurz auf die Brust: "Ja na ja, klar, da ist ja auch nix... da drückt das schon."
"Ich bin ein gutes B-Körbchen, ein seeehrr gutes, bestimmt sogar fast C!" wollte ich entrüstet aufschreien, aber na ja... Da war sie schon beim Schwenk in die Leistengegend. "Das ist nur ne Drüse. Kann passieren, ist auch nicht weiter schlimm. Muss man nur beobachten. Nur wenn sie größer wird, muss man sie schneiden."
Also auch hier Schwein gehabt.
Erleichterung, bis sie während der weitergehenden Untersuchung meinte: "Hier ist aber noch eine Veränderung. Ich schneid da mal bisschen was weg und schick das ein. Ergebnis in frühstens 14 Tagen, also nach Ostern."
Ein bisschen verwirrt, lädiert und angeschlagen verließ ich irgendwann den Kotz-Brech-Hass-Stuhl.
"Rezept gibts vorn, Termin im Mai und den Ultraschall müssen Sie selbst zahlen."
Äh...
"Brust 60 Euro, Bauch 35 Euro."
Typisch Frau, die ich bin, zückte ich am Tresen meine Geldkarte und von all dem, was gerade hinter mir lag, hallte immer noch das böse W-Wort in meinem Kopf.
Pfffft.
"Mammografie gibts ab 50, aber bis dahin haben Sie ja noch vieeel Zeit", gab sie mir zum Abschied mit auf den Weg. Sollte wohl ein Friedensangebot sein, nehme ich an.

Kommentare:

Frau Gräde hat gesagt…

achjaaaaaaaa, das W-Wort...trösten Se sich, nutzt nix, kommen wir alle hin ;o)
btw...wieso mussten Sie denn für den Schall bezahlen? War das vorher angekündigt ? denn bei einer Indikation, also wenn die Ärztin da mal echt guggen will, dann übernimmt das die KK. Es sei denn, es war auf ihren ausdrücklichen Wunsch, also als IGEL Leistung.. myself wurde auf die Weise mal übel abgezockt und als ich mich wehrte , bekam ich die Kohle flott zurück, mit dem Gezisch : "Hängen sie das bloss nicht an die große Glocke, DAS machen hier alle so!"
Pfff.

Goldi hat gesagt…

Ich weiß zwar nicht wo Du wohnst, aber ein Ultraschall mit Indikation, also vorhandenen Knoten, wird von den deutschen Kassen gezahlt, auch wenn sich herausstellt, dass die Knoten harmlos sind. Wenn man natürlich den Patienten die Kosten aufdrückt verdient man mehr daran, darf dann die Untersuchung allerdings nicht mehr bei der Kasse abrechnen...

Mme LeJeune hat gesagt…

Haha :) ist ja irgendwie witzig das ich auch gerade über das BÖSE BÖSE W-Wort gepostet habe. Ich sitze om Büro und friere ... sehr ungewöhnlich.

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Also ich bin gestern Morgen da hingekommen und in meiner Akte ruhte wohl seit einem Jahr (da war ich das letzte Mal dort) ein Flyer über Zusatzleistungen zur Krebsvorsorge.
Ich erklärte mich damit einverstanden bzw. unterschrieb für die zwei Ultraschalluntersuchungen. Erklärte aber auch nochmals, dass ich ja "aus gegebenem Anlass" gekommen war, um abklären zu lassen, dass in mir nicht doch was Bösartiges wuchert.
Im Nachhinein (durch ne Freundin) erfuhr ich dann, dass die Ärztin das durchaus als "medizinisch notwendig" hätte einstufen und somit der Kasse und nicht mir berechnen können/ dürfen/ sollen.
Im Endeffekt ist es wohl Auslegungssache - aber wenn ich jetzt hier lese, dass die mir mehr berechnen können als der Kasse, dann erklärt sich das für mich natürlich - und dann wird mir auch klar, warum sie mich letztlich doch untersucht hat.
100 Euro... Man, was hätte ich da für Milchkaffee in der Sonne schlürfen können.. :(
Ich könnte jetzt bestimmt hingehen und mich beschweren, auch versuchen, das Geld wiederzukriegen. Immerhin zieh ich eh bald weg, von daher... wärs ja egal, wenn ich anschließend nie wieder zu ihr gehen muss...
Allerdings steht der Befund von gestern noch aus und ein weiterer Termin im Mai. Hmpf. Blöd irgendwie.

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Hey Claudine, bei Dir kann ich leider nicht mehr kommentieren, weil ich mein Google+ Konto schon vor einiger Zeit abgeschafft hab.
Aber am Lesen hindert mich das nicht :) Und wenn ich so die Symptome lese.. ja... äh... ;)
Das Haarproblem hab ich auch, alle zwei Tage waschen ist ein MUSS (hatte ich vor wenigen Jahren eher andersrum), das mit der Gewichtszunahme auch, ganz zu schweigen von der Konzentrationsfähigkeit.. Wobei letztere ohnehin gelitten hatte seit dem letzten Verkehrsunfall und den davongetragenen Kopfverletzungen. Na ja. Wie las ich erst gestern wieder? "Lache über die Dinge, dann hältst du sie besser aus." Klappt nicht immer, aber oft. Wenigstens im zweiten Anlauf.

lautleise hat gesagt…

Hallo Helma,
zuerst mal alles Gute und bleib munter und behalte Deinen Humor.

Es nützt jetzt leider nix wegen der Inrechnungstellung rumzulamentiere, es ist passiert.

Ich habe beim Bezahlen so laut rumlamentiert, daß der Arzt aufs Geld verzichtet hat und die Praxis stand Kopf. Ich habe mir anschließend meine Akten schicken lassen und den Arzt gewechselt.
Zum nächsten Arschloch.
Fragt der mich: Und, warum kommen sie zu mir?
Weil ihr Kollege ein Arschloch ist.

Hat er mich untersucht und ich habe keinen weiteren Termin gemacht. Solche Arschlöcher!

JULiANE hat gesagt…

Oh Mann.
Ich erlebe ja seit knapp 19 Wochen, was es heißt, in einer "Untersuchungsmühle" zu stecken. Sehr lästig, vor allem, wenn es darum geht:
welche Untersuchungen brauche ich wirklich? Was kostet mich das?
Gehts vielleicht auch billig, weil indiziert? etc.
Ärzte, Klinik und KK sind da keine großen Hilfe; nach den wirklich wichtigen Infos (nämlich Kosten) muss man selbst mühsam hinterherhecheln.

Helma Ziggenheimer hat gesagt…

Ja Juliane, alles muss man selber (auf)klären oder eben sonst den Preis dafür zahlen. Es war in diesem Fall meine eigene Dummheit, dass ich den Flyer unterschrieb, BEVOR ich zur Untersuchung schreiten durfte. Die wissen schon, wie sie zu ihrem Geld kommen.
Denn wie gesagt: Prinzipiell wäre die Untersuchung mit Ultraschall medizinisch indiziert gewesen - denn ihr Tastbefund ergab: kein Knoten. Während dann der Ultraschall was ganz anderes Deutliches sprach. Auch wenn er gutartig ist.
Manchmal kotzt mich das an.
Und manchmal sag ich mir: "Was solls, dafür weiß ich, dass soweit alles ok ist." Na ja, bis zum Befund zumindest.

allemeineleidenschaften hat gesagt…

na guck, Helma, alles ist oder wird gut. Sach ich doch.

Und das andere wird auch schon werden. Ich bin mir sicher!

Wieso hast du ein Problem mit den Wechseljahren? Ich bin seit 2008 drin und der Schuss ist bei mir nach vorne losgegangen. Ich fühl mich richtig gut!
Was alles besser wurde seither, erzähle ich dir lieber in ner mail, wenn du es wissen willst, kicher :)